14.11.2016
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Dezember 2016 · B 1309 | € 6,50 Schweiz CHF 11,50 | Österreich € 7,00 | Be/Ne/Lux € 7,50
KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN
SAMMLER JOURNAL
DEZEMBER 2016
U1_Titel_SJ_1216
GEMI
Über 2.000 Sammlertermine Schätzungen / Auktionen / Ausstellungen
MÖBEL EUGÈNE PRINTZ Interieur KACHELÖFEN SCHMUCK KERAMIKSCHMUCK
U2_Zeller
14.11.2016
18:51 Uhr
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131. Int. Bodensee-Kunstauktion 8. bis 10. Dezember 2016 Vorbesichtigung vom 26. November bis 6. Dezember 2016
AUKTIONSHAUS MICHAEL ZELLER Bindergasse 7 • 88131 Lindau/B +49 (0) 8382 93020 • art@zeller.de • www.zeller.de
03_Inhalt
14.11.2016
18:51 Uhr
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I N H A LT
Dezember 2016 · B 1309 | € 6,50 Schweiz CHF 11,50 | Österreich € 7,00 | Be/Ne/Lux € 7,50
KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN
Über 2.000 Sammlertermine Schätzungen / Auktionen / Ausstellungen
K U N STM A R K T Annette Messager
EUGÈNE PRINTZ
MÖBEL EUGÈNE PRINTZ Interieur KACHELÖFEN SCHMUCK KERAMIKSCHMUCK
Von Bettina Krogemann
Titelfotos: Galerie Huybrechts – Guy Bujon, Jean-Jacques Dutko, Eugène Printz, Paris, 1985
KERAMI KSCHMUCK / 2 Von Horst Makus SAMMLER-SERVICE
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MAGAZIN
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MESSETERMINE
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FOTOKUNST
22
AUKTIONSNOTIZEN
36
BING PUPPEN
AUKTIONSTERMINE
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Von Thomas Dahl
INSERENTENVERZEICHNIS
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LITERATURTIPP
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AUSSTELLUNGSTERMINE
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AUSSTELLUNGEN
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VORSCHAU | IMPRESSUM
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KACH ELÖFEN Von Dieter Weidmann
AU K T I O N S P R E I S E Stofftiere
18 26 62 68 82
90
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04_10_Sammler_Service
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S A M M L E R- S E R V I C E
Die bisherige Rubrik „Dialog” wird ab sofort in veränderter Form als „Sammler-Service“ weitergeführt. Die Einschätzung der Objekte wird künftig auf die Schultern vieler Experten verteilt – vor allem die Online-Auktionsplattform AUCTIONATA unterstützt uns mit bis zu hundert Spezialisten aus verschiedensten Fachbereichen. Das bedeutet: mehr Abwechslung bei den Themen und unterschiedliche Herangehensweise bei der Beantwortung (kurz/informativ oder ausführlich/im historischen Kontext). Die Rubrik ist ferner ein Angebot an alle Auktionshäuser, eine interessante und spannende Einlieferung kunsthistorisch zu beschreiben und von der Bewertung bzw. dem Auktionsergebnis zu berichten. Weiterhin gilt: Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, Fragen zu Ihrem Erbstück, Dachbodenfund oder liebgewordenen Antiquitäten haben, senden Sie bitte Ihre Anfrage mit detaillierter Beschreibung und aussagekräftigen Fotos an uns unter folgender Adresse: Gemi Verlags GmbH, Redaktion Sammler-Service, Pfaffenhofener Straße 3, 85293 Reichertshausen oder per E-Mail an: info@gemiverlag.de. Ausgewählte Beiträge werden veröffentlich.
Qualität mit Bestand
Panorama Ölgemälde von R. Antkowiak Als langjähriger Abonnent habe ich Fragen zum Wert dieses Bildes. Es ist auf Holz dick aufgetragen (gespachtelt?), die Maße mit Rahmen betragen 50 cm breit x 36 cm hoch. Signiert ist es mit: R. Antkowiak – 1945. Es stammt aus Familienbesitz. Peter-M. Hartwig, Schweickershausen
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Es handelt sich hier um ein Ölbild auf Holz in der Größe 36 cm x 50 cm. Es ist gerahmt und scheint in gutem Zustand zu sein. Es ist nach Leserangabe mit „R. Antkowiak“ handsigniert und mit „1945“ datiert. Das, soweit das kleine Foto eine belastbare Aussage zulässt, in Spachteltechnik professionell gemalte Bild zeigt eine Berghütte vor einem beeindruckenden Gebirgspanorama. Ich finde in keiner Liste einen Maler namens „R. Antkowiak“. Auf 140 Euro würde ich das Bild schätzen. Auctionata Experte
De Sede Sofas sind von einer unglaublich hervorragend guten Qualität, die bis heute Bestand hat. Selbstverständlich findet man de Sede Sofas immer wieder auf 1st Dip Seiten zu sehr guten Preisen, die hin und wieder bei Auktionen erzielt werden können. Wir würden Ihr Sofa DS-85 zu einem sehr moderaten Rufpreis von am liebsten 1.800 Euro anbieten. Rufpreise kann man in der Regel verdoppeln, daher hat Ihr Canapé einen Marktwert von etwa 4.000 Euro, welcher auch als Versicherungswert zu verstehen ist.
Professionell gemaltes Porträt
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Sofa von de Sede Ich besitze einen Design-Klassiker aus den 70er-Jahren, ein Schlafsofa, Modell DS-85, das von 1971 bis 1983 in der aktuellen Kollektion von de Sede war. Es ist aus echtem Leder hergestellt, an der Rückseite verläuft ein Stahlrohr. Uns würde es sehr interessieren, auf welchen Wert es heute geschätzt wird. Claudia Heinrich, o. O.
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Ölgemälde Paul Ehrenberg zugeschrieben
George Mullen, Auctionata Experte
Auf anhängendem Foto sehen Sie ein gerahmtes Ölgemälde aus dem Jahre 1935 (circa 66 x 78 cm, gemalt auf Leinwand), das mir von einer 89-jährigen Dame, die ich ehrenamtlich betreute, geschenkt wurde. Zu dem Bild gibt es folgende Geschichte ohne nachvollziehbare Beweise: Bei der abgebildeten Dame handelt es sich um die Schweizer Bürgerin Emilie Meyer, geboren 1898, gestorben 1986 in Zürich. Das Bild entstand auskunftsgemäß als Auftragsarbeit, der Auftrag wurde von dem Gatten der Porträtierten, dem Schweizer Juristen, Herrn Dr. jur. Meyer, an den Maler Ernst-Ludwig Kirchner erteilt und zwar zu einer Zeit, als sich seine Frau zu einem längeren Krankenhausaufenthalt in Davos befand... Leider steht das Monogramm P.E. oder P.L.
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AUKTIONSHAUS
PETER BAMBERGER 90402 Nürnberg ❖ Karolinenstraße 6 ❖ Tel. 0911 / 22 21 20 ❖ Fax 0911 / 20 85 74
104. Auktion Samstag ❖ 3. Dez. 2016 ❖ 900 Uhr Vorbesichtigung: 28. bis 30. November 2016, 1500 bis 2000 Uhr Illustrierter Katalog auf Anfrage und ab 18.11. unter:
www.auktionshaus-bamberger.de
Bulgari
Sammlung ungefasste Edelsteine Rubin Herz 1,608 ct.
Jerzy Kossak, 1886-1955. 50 :80 cm
Geza Peske, 1859-1934. 115:90 cm
Émile Gallé
Münzsammlung (Bayern, Weimar, BRD, 175 Lose)
Meissen, Modellnr. 26
17. Jahrhundert
Kugelfuß-Deckelbecher, Silber, Frankfurt/Oder, um 1700
Meissen, 1763-1815
Meissen, Whist-Akademie, dat. 1850
Fuhrmannsbesteck, alpenländisch, um 1800
Modellkommoden
Meissen, 1001 Nacht, 6 Gedecke
Beckschlagerschüssel
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S A M M L E R- S E R V I C E
In gutem Zustand Studentenstock Den Stecken hat mein Vater in den 1950er-Jahren auf einer Auktion ersteigert. Der Griff ist Elfenbein und mir wurde gesagt, es sei ein Studentenstab. Vielleicht können Sie mir nähere Auskunft darüber geben, auch über den eventuellen Wert. Auf dem Ring ist eingraviert „Frasch u. Hezel, i. I. Lbb. Halm, z. F. Erg. Tüb. Weihn. 83“.
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Friedrich Kamm, Ilshofen
Es handelt sich bei abgebildetem Stock um einen Studentenstock aus der Zeit um 1880. Er hat einen Griff in L-Form aus Elfenbein, mit erhaben geschnitztem Zirkel der Verbindung, bzw. mit den Initialen des Trägers. Am Knick befindet sich ein mehr oder weniger tiefer Riss, das Band ist eventuell aus Silber mit Widmungstext oder Ähnlichem. Der Schuss besteht wahrscheinlich aus Ebenholz oder aus geschwärztem Hartholz. Er hat eine hohe Metallzwinge. Der Stock ist in einem guten Originalzustand. Der Schätzpreis beträgt 350 Euro. Thomas Seipt, Auctionata Experte
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(s. Bild rechts unten) total im Widerspruch zu der Aussage, das Bild stamme von dem Maler Kirchner. Die Jahreszahl hingegen wäre passend. Auch der Malstil soll auskunftsgemäß überhaupt nicht zum Künstler Kirchner passen, was m.E. nicht ausschließen kann, dass er in der Lage war, so zu malen. Sämtliche Bemühungen, sowohl der älteren Dame als auch meinerseits, die Herkunft des Bildes zu klären (wenn nicht Kirchner, wer dann?), sind bis heute gescheitert bzw. im Sande verlaufen. Meine Frage an Sie ist also lediglich ein weiterer Versuch, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Rolf Schneider, o. O. Es handelt sich hier um ein Ölbild auf Leinwand in der Größe 78 cm x 66 cm. Es ist gerahmt und scheint in gutem Zustand zu sein. Es ist rechts unten meines Erachtens mit „P.E“ monogrammiert und mit „1935“ datiert. Das professionell gemalte Bild zeigt nach Leserangabe die Schweizer Bürgerin Emilie Meyer. Der Leser hält es für möglich, dass das Bild von dem deutschen Expressionisten Ernst-Ludwig Kirchner (1880-1938) gemalt wurde. Ich halte das für ausgeschlossen. Möglich ist allerdings, dass das Bild von dem deutschen Maler Paul Ehrenberg (1876-1949) stammt. Er hat sich als Porträtist in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen guten Namen erworben. Ich möchte eine Schätzung von 550 Euro vornehmen. Auctionata Experte
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Almhütte und Dorf Zwei Ölgemälde Vor einiger Zeit habe ich auf Trödelmärkten zwei Ölgemälde auf Leinwand gekauft. Die Gebirgslandschaft ist 75 x 97 cm groß und mit Kahlz oder ähnlich signiert. Die
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MAGAZI N
Birkenholz und Tintenfisch 20. Zeughausmesse im Deutschen Historischen Museum Einmal jährlich im Dezember öffnet die Zeughausmesse ihre Tore. Als Berliner Verkaufsmesse für Angewandte Kunst findet sie seit 2004 im Deutschen Historischen Museum statt. Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Messe unter den Modern Craft-Messen Deutschlands etabliert. Heute ist sie führend als Treffpunkt einer stetig wachsenden Anhängerschaft zeitgenössischer Gebrauchskunst. Dem Publikum präsentiert sie Arbeiten von Künstlern, die eine besondere handwerkliche Könnerschaft, ausgeprägtes ästhetisches Empfinden und konzeptionelle Stringenz kombinieren. Auf der 1600 Quadratmeter messenden Fläche des Zeughaus-Innenhofes entfaltet sich ein edel anzusehender Markt der ganz eigenen Art. An rund 85 Ständen mit Kostbarkeiten jeder Preisklasse stehen Künstler, die Interessenten ihre Arbeiten vorführen. Staunende Besucher begegnen den Könnern mit neugierigen Fragen. Andere schweben genüsslich von Stand zu Stand, getrieben von Entdeckerlust und auf der Suche nach den passenden Weihnachtsgeschenken. Dem Besucher der Zeughausmesse offenbart sich eine facettenreiche, manchmal skurrile, manchmal zarte Dingwelt. Es ist eine Welt, in der innovativer Umgang mit traditionellen Materialien sowie handwerkliches Können in der Bearbeitung von ungewöhnlichen Werkstoffen auf den Gebrauch ausgerichtet sind. Der leichte Duft nach Birkenwald begleitet die Objekte, die Anastasiya Kosheeva aus Bir-
Rotter Glas; Zeughausmesse im Deutschen Historischen Museum in Berlin © Perlbach Fotodesign
Martin Mindermann, Raku-Gefäß; Zeughausmesse im Deutschen Historischen Museum in Berlin Foto: Martin Mindermann
kenrinde herstellt. Sei es die seidige und flexible Oberfläche der Polsterungen auf ihren Stühlen oder das warme Licht ihrer Lampen, Kosheeva stellt vieles aus dem Baustoff mit der jahrhundertealten sibirischen Tradition her. Die eigene Bearbeitungstechnik ermöglicht es ihr, Rinde zu nähen oder Objekte ohne Kleber zu fertigen. Auch der Schmuck von Anja Eichler erzählt von dem Umgang mit überraschenden Materialien. Tintenfischschulpe bearbeitet sie bildhauerisch. Es entstehen weiße Reliefs geografisch anmutender Strukturen, die in einem speziellen Verfahren gehärtet und in Fassungen eingebracht auf Ketten gefädelt werden. Die Verfremdung des weichen, porösen Materials macht Eichlers Arbeit so aufregend. In einen gänzlich fernen Kosmos ziehen den Betrachter die Raku-Gefäße von Martin Mindermann. Farbschichten sind so übereinander gelegt, dass Tiefe entsteht. Die vorsätzlich gerissene Glasurhaut der Craquelé-Technik ist mehrfach bearbeitet, in Risse und Ritzungen ist Blattgold eingelegt. Ort der Messe ist der Schlüterhof, gerahmt von Türbögen mit Reliefs sterbender Giganten. Sie wurden 1701 vom Namensgeber des Schlüterhofes geschaffen und stehen beispielhaft für die Verbindung von Architektur und Skulptur im brandenburgisch-preußischen Barock. Aber nicht nur der Schlüterhof macht das Zeughaus zu einem besonders geeigneten Ort für die Messe der Angewandten Kunst. Vielmehr setzt sich mit der Messe auch eine Tradition fort, fand doch im Zeughaus bereits 1844 die erste Allgemeine Deutsche Gewerbe-Ausstellung statt. Veranstaltet wird die Messe vom Berufsverband Angewandte Kunst Berlin-Brandenburg e.V. in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Historischen Museum. Für die Verleihung des Preises der Angewandten Kunst kürt eine Jury vier Künstler aus der Ausstellerschaft. Vom 8. bis 11. Dezember. ÖFFNUNGSZEITEN I 08.12.: 15 bis 18 Uhr, 09.12.: 10 bis 18 Uhr, 10.12.: 10 bis 21 Uhr und 11.12.: 10 bis 18 Uhr TELEFON I 030/42804235 INTERNET I www.zeughausmesse.de
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Hiroyuki Murase, Hängeleuchte, SHIZUKU Spiral 2, 2016, Polyester, Aluminium, Polycarbonat, LED, 120 x 350 x 120 mm; Messe Kunst und Handwerk im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Foto: Hiroyuki Murase
Zudem spürt das Auswahlkomitee internationalen aktuellen Tendenzen nach und nominiert vielversprechende junge Talente. Der Preisträger dieser Kategorie erhält den mit 2.500 Euro dotierten Justus Brinckmann Förderpreis. Nominiert sind Neva Balnikova, Sophie Baumgärtner, Patrícia Correia Domingues, Troels Flensted, Studio Gutedort, Maja Daphne Holzborn, Stefan Jocham, Nikolas Kerl, Patrick Rampelotto, Jule Waibel. Die Hochschulplattform der diesjährigen Messe wird von dem renommierten Central Saint Martins College of Art and Design London mit dem Jewellery & Textiles Programme unter der Leitung von Caroline Broadhead bespielt. Daneben stellt die Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur, repräsentiert durch Hendrike Farenholtz und Prof. Verena Wriedt, das Projekt „Handwerk und Gewalt“ vor, das in Zusammenarbeit mit der JVA Herford entwickelt wurde. Die Fachjury der diesjährigen MKG Messe versammelt Fachleute ihrer Sparte, die die aktuellen Strömungen in Kunsthandwerk und Design genau kennen: Silke Spitzer (JBG-Preisträgerin 2015), Thomas Geisler (Geschäftsführer Werkraum Bregenzerwald), Prof. Daniel Kruger (Fachrichtung Plastik/Schmuck an der Burg Giebichenstein), Wolfgang Lösche (Leiter des Referats Ausstellungen der Handwerkskammer München und Oberbayern), Prof. Angeli Sachs (Kuratorin im Museum für Gestaltung Zürich) und Prof. Dorothea Wenzel (Dekanin der Fakultät Design, Medien und Information der HAW). Aus dem MKG bringen Direktorin Prof. Dr. Sabine Schulze, Dr. Claudia Banz (Leiterin der Sammlung Kunst und Design), Angelika Riley (Kuratorin der Sammlung Mode und Textil) und Antonia Aschendorf (Präsidentin der Justus Brinckmann Gesellschaft) ihre Expertise ein. (25.11.-04.12.2016). ÖFFNUNGSZEITEN I Di bis So: 10 bis 18 Uhr, Do 10 bis 20 Uhr TELEFON I 040/428134-800 INTERNET I www.mkg-hamburg.de
Aktuelle Strömungen Messe Kunst und Handwerk im MKG Hamburg Seit über 130 Jahren bietet die MKG Messe Kunst und Handwerk zeitgenössischen Kunsthandwerkern und Designer Raum, um ihre Werke einem breiten Publikum vorzustellen. Die vom Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) und seinem Freundeskreis, der Justus Brinckmann Gesellschaft, initiierte Messe ist ein zentrales Forum für die Auseinandersetzung mit kulturellem Wissen um handwerkliche Techniken, Materialeigenschaften und nachhaltiger Verarbeitung. Neben der Bewahrung traditionsreicher Kulturtechniken spiegelt die Messe auch aktuelle Entwicklungen im Kunsthandwerk und Design und widmet sich der aktuellen Wertediskussion um Ökologie und neuen Luxus, Unikat und Massenprodukt, Produktions- und Arbeitsbedingungen. Aus den insgesamt 137 Bewerbungen aus zahlreichen Ländern hat die zehnköpfige Fachjury 66 Teilnehmer ausgewählt. Das Spektrum der Aussteller umfasst die Bereiche Schmuck, Textil, Möbel, Keramik, Glas, Holz und Tafelgerät, die als Unikate oder in Kleinserie handwerklich gefertigt werden. Aus diesem Kreis ermittelt die Jury den Preisträger des mit 7.500 Euro dotierten Justus Brinckmann Preises.
Chanyeon Cho, Teekanne und Teeschale, 2015, Steinzeug, 25 cm; Messe Kunst und Handwerk im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Foto: Chanyeon Cho
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Bing Bing Puppen Thomas Dahl
PUPPEN AUS NÜRNBERG Die 1866 in Nürnberg gegründete Firma Bing war von 1917 bis 1932 wohl der größte Hersteller und Exporteur deutscher Spielwaren. Ge-
Links: Puppenpärchen Firma Bing (beide ca. 25 cm): günstige und einfachste Bemalung der Gesichter. Rechts: Käthe Kruse Puppe I: Wieviel aufwändiger und detaillierter Käthe Kruse ihre Puppen bemalte, sieht man hier
Links: Auch die Bing-Künstlerpuppen erhielten Haare, jedoch einfachst tressiert und aus billigem Kunsthaar (Saran). Rechts: Kein Vergleich mit der aufwändig handgeknüpften, frisierbaren Echthaarperücke der Käthe Kruse-Puppen (Slg. Riemertsma, Donauwörth)
gründet wurde das Unternehmen von den Brüdern Adolf und Ignaz Bing. Erst war es eine Großhandlung für Haushaltswaren und Spielzeug. 1879 begannen die Brüder ausschließlich mit der Produktion von Spielwaren. Sie waren so erfolgreich, dass sie bereits 1885 etwa 500 Mitarbeiter beschäftigen konnten. Bing stellt alle erdenklichen Spielzeuge her. Berühmt sind die mit einem Uhrwerk betriebenen Blecheisenbahnen für Jungen sowie die Puppenherde für Mädchen. Hergestellt wurden mehrere Typen Modelleisenbahnen. Aber auch Cinematographen, Laterna Magica und aufziehbare Blechspielzeuge gehörten zu den Produkten der Firma, die bereits 1895 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Mittlerweile zählten zu diesem Weltkonzern 4.000 Mitarbeiter und mehrere Niederlas-
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SPIELZEUG
sungen im Ausland. In der Nürnberger Stephanstraße wurde ein großes Fabrikgebäude in direkter Nähe des Bahnhofs erbaut (heute Firma „Diehl"). 1918 übernahm Stephan Bing die Geschäftsführung nach dem Tode seines Vaters Ignaz. Die Firma erhielt nun den Namen „BingWerke AG" und es wurden neue Produktreihen hinzugenommen. Ein Bereich waren Puppen und Stofftiere, die ab 1921 in der neugegründeten „Bing Künstlerpuppen und Stoffspielwaren Gesellschaft" vertrieben wurden. Dieser Firmenzweig wurde „Concentra" genannt. Es wurden Firmenanteile der damals größten Puppenfabrikation „Kämmer & Reinhardt" erworben, deren Produkte von nun an ausschließlich über die neue Gesellschaft „Concentra" vertrieben wurden. Ein Zweig dieser Tochterfirma war die Herstellung und der Vertrieb von „Künstlerpuppen". Hierzu wurde die 1906 gegründete „PI-PERO-Werkstätte für feine Geschenke, Kleinkunst, Silhouetten und LuxusPapierwaren" von Albert Schlopsnies übernommen. Dieser hatte 1911 erfolgreich mit der Firma „Margarethe Steiff" Charakter- und Karikatur-Puppen aus Filz und Stoff entworfen. Schlopsnies blieb auch nach der Übernahme als Berater für den BingKonzern tätig. Dieses neu gegründete Unternehmen vertrieb Puppen verschiedener Künstler, aber auch Kopien gängiger Künstlerpuppen sowie Trachtenpuppen. Darunter waren auch neben der italienischen Puppenfirma Lenci in Turin die Puppenkinder Käthe Kruses. Als billige Massenfabrikation wurde eine Puppe, die Käthe Kruses Kreationen ähnlich sah, auf den Markt geworfen.
PLAGIATE ALS UNTERNEHMENSKONZEPT Der Bereich industrieller Spielwarenproduktion wurde bislang nur durch das Patentrecht geschützt. Es war in der damaligen Welt der Spielzeugfabrikanten durchaus üblich, die Pro-
dukte anderer Firmen hemmungslos zu kopieren. Aber Käthe Kruse konnte auf den von ihr entdeckten und nur genutzten Kopf ja kein Patent anmelden. 1925 greift Käthe Kruse in einem Zeitschriftenartikel die Einfallslosigkeit der gesamten Puppenindustrie an. Sie meint damit, dass die Männergesellschaft der Puppenhersteller in Thüringen sich immer wieder gegenseitig dreist kopierte. Kündigte ein Puppenhersteller zur Leipziger Messe eine Puppenneuheit an, so wurde diese mit Sicherheit auf der nächsten Messe schon von anderen Puppenfabrikanten kopiert. Käthe Kruse ging es da nicht anders. Ihre Idee wurde sofort vielfach kopiert. Dies führte dazu, dass sich alle Puppenmodelle selbst verschiedenster Hersteller immer ähnlicher wurden. Dieser Umstand hatte sie zu dem Artikel inspiriert. Franz Reinhardt, Geschäftsführer der „Concentra", antwortete mit einem offenen Brief. In diesem macht er sich über die „Frau Professor Kruse" lustig und wirft der jungen Puppenmacherin
Bing-Künstlerpupen waren meist kleiner als Käthe Kruse-Puppen. Hier sind es nur ca. 12 cm Bing-Künstlerpuppen als Spielpuppen waren eher „dürftig" bekleidet und die Haare nicht kämmbar. 30 cm
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vor, wie sie sich gerade als Frau über die Gepflogenheiten der gängigen Puppenindustrie beschweren könne. Da Käthe Kruse aber den Kopf ihrer Puppen nur „gefunden" und nicht eigenständig modelliert hatte, konnte sie nicht wirklich etwas gegen diese Plagiate unternehmen. Einzig ihr hoher Qualitätsanspruch an ihre Kreationen und die damit verbundene qualitätvolle Handarbeit setzten sich von den meist recht preiswert angebotenen Imitationen ab. Die Künstlerpuppen der Firma Bing jedoch – betrachtet man sie heute – sahen gänzlich anders aus und wurden auch in anderen Größen als KrusePuppen hergestellt. Doch der machtvolle Vertrieb der Firma „Concentra" hatte viele Spielwarengeschäfte überreden können, die Bing-Künstlerpuppen für ihre Geschäfte zu ordern, wodurch der Käthe Kruse Puppenmanufaktur ein erheblicher wirtschaftlicher Verlust entstand.
PROZESS GEGEN DIE FIRMA BING Die Firmeneigentümer der BingTochter erdreisteten sich schließlich sogar, ihre Künstlerpuppen als „Imitation der Käthe Kruse-Puppen" zu bewerben. Nun endlich hatte Käthe Kruse die Möglichkeit, sich zu wehren. Sie selbst bezeichnete diese Fälschungen als „besonders unförmig, charakterlos und leer im Ausdruck". Sie, die sich so bemüht hatte, ihren Markennamen zu platzieren und zu pflegen, wollte nun gegen diesen Missbrauch ihres Namens der Billigkonkurrenz vorgehen. Sie beauftragte die Spezialisten für Urheberrechtsfragen in der damaligen Zeit, die Kanzlei Axter & Osterrieth, den Riesenkonzern Bing zu verklagen. Das Berliner Landgericht entschied dann auch tatsächlich in erster Instanz zu Gunsten Käthe Kruses. Das Berufungsverfahren, das die Firma Bing daraufhin sofort anstrengte, verlor die temperamentvolle und durchsetzungsstarke Puppenfabrikantin, da sie dem Prozess selbst
Bing-Puppenmädchen in 25 cm; BingPuppe als Junge in 25 cm Trachtenpuppe, Kleidung auf den Körper genäht mit aufgeklebtem Kunsthaar (Saran) in 20 cm
nicht beiwohnte. Doch die streitbare Kruse gab nicht auf. Sie zog vor das Leipziger Reichsgericht und prozessierte erneut. Drei Jahre lang beschäftigte sich dieses höchste Gericht im Deutschen Reich mit ihrer Klage. Es wurden sogar Gutachten vom Sonneberger Museum angefordert, der Künstlerrechtsschutz des Gatten Max Kruse beleuchtet und die grundsätzliche Frage eines künstlerischen Urheberrechtsschutzes für Spielzeug und andere industrielle Produktionszweige neu betrachtet. Hierzu sei angemerkt, dass es letztendlich nicht nur um den Markennamen „Käthe Kruse", sondern auch um die Idee und den Entwurf (heute Design genannt) des bestrittenen Produktes ging. Die Kosten für diese Klage und die dreijährige Prozessdauer hatten Käthe Kruse finanziell fast in den Ruin getrieben. Nach drei langen Jahren wurde dann endlich ein Urteil gesprochen: Die kleine Frau mit den Puppen hatte gewonnen. Der Begriff des „Künstlerischen Urheberrechtsschutzes" – bisher nur verwendet bei bildender Kunst, Büchern, Kompositionen und Theaterstücken – wurde durch den Prozesssieg Käthe Kruses auch auf industriell produzierte Produkte übertragen. Das Urteil kann man als bahnbrechende Neuerung in der deutschen Rechtsprechung bezeichnen und sorgte nun endlich für Klarheit. Nun wurde es möglich, den Begriff „Künstlerpuppe" rechtlich abzusichern. Bis heute können sich daher Künstlerpuppenmacher mit Hilfe des Gesetzes vor Kopien schützen und durch Käthe Kruses Pionierarbeit wurde ein eigenständiger Be-
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reich der Spielwarenproduktion bis in die heutige Zeit fest verankert.
DAS ENDE EINES WELTKONZERNS Tatsächlich versuchte Bing noch 1926, Puppen im Stil „Kruse" als Künstlerpuppen zu verkaufen. Doch am Jahresende verschwanden diese Stücke ganz vom Spielzeugmarkt. Die kleine Zwergenmanufaktur in Bad Kösen an der Saale hatte den Riesenkonzern Bing in die Knie gezwungen. Ironie des Schicksals: Der weltweit größte Spielwarenkonzern Bing ging bereits 1932 durch die Wirren der Weltwirtschaftskrise in Konkurs. Aufgrund der kurzen Herstellungszeit und der Verunsicherung der Spielwarenhändler durch den Prozess sind Puppen von Bing selten und heute gesuchte Sammlerstücke. Fotos: Thomas Dahl
Bing-Puppe (30 cm) vor dem ehem. Reichsgericht in Leipzig Diese Puppe wurde von der Firma Bing als „Künstlerpuppe im italienischen Stil" beworben und war eine Kopie der LenciPuppen aus Turin
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VO R S C H AU / I M P R E S S U M
SAMMLER JOURNAL 01 / 2017
SAMMLER JOURNAL
ISSN 1863-0332
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GEMI Verlags GmbH Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen Tel. 08441 /4022-0 Fax 08441 / 71846 Internet: http://www.gemiverlag.de eMail: info@gemiverlag.de
GESCHÄFTSFÜHRER
Gerd Reddersen Rudolf Neumeier
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ASSISTENZ DER GESCHÄFTSFÜHRUNG
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CHEFREDAKTEUR
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REDAKTEURE
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AUTOREN DIESER AUSGABE
Thomas Dahl Dr. Bettina Krogemann Dr. Horst Makus Dr. Dieter Weidmann
REDAKTIONSASSISTENZ
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K U N ST H A N D W E R K Spielzeug der Moderne
KLEINANZEIGEN
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Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/08 vom 01.11.2008