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November 2018 · B 1309 | € 7,50 Schweiz CHF 11,50 | Österreich € 8,00 | Be/ne/lux € 8,50
Sammler Journal
KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN
Über 2.000 Termine
Schätzungen Auktionen Ausstellungen
GEMI
Karl Kluth Der Hamburger maler Tragischer Mythos medeas liebe in Frankfurt Fotobücher als Sammelobjekt novellen in Schwarzweiß
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INHALT
KUNSTMARKT Chagall, Kuba, Contemporary
FOTOKUNST Besnyö, Kantor, Zwakmann
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Titelbild: Karl Kluth, Die Furt, Hamburg, 1950, Öl/Lw, Dauerleihgaben aus der Slg. der Hamburger Sparkasse
SAMMLER-SERVICE
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MAGAZIN
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MESSETERMINE
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AUKTIONSNOTIZEN
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AUKTIONSTERMINE
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INSERENTENVERZEICHNIS
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AUSSTELLUNGSTERMINE
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AUSSTELLUNGEN
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LITERATURTIPP
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AUKTIONSPREISE
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VORSCHAU | IMPRESSUM
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FOTOBÜCHER von Sabine Spindler
KARL KLUTH von Anja Iwa
GIOVANNI GARIBOLDI von Dr. Bettina Krogemann
MEDEAS LIEBE von Heidrun Th. Grigoleit
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MAGAZIN
Kreative Kollektion Artmuc auf der Münchner Praterinsel Bayerns großes Kunstevent, die Artmuc, feiert in diesem Jahr ihr fünfjähriges Bestehen. Vom 9. bis 11. November findet sie wieder auf der Praterinsel in München statt. Bereits die Mai-Ausgabe lockte mehr als 7.000 Besucher und mit der kommenden Veranstaltung präsentieren sich erneut mehr als 80 internationale Künstler sowie 15 Galerien und ProjekNina Ulrichs Detail d’un rap- te der Öffentlichkeit. Was prochement, 2017; Artmuc auf im Jahr 2014 mit der ersder Praterinsel in München ten Ausgabe einer neuen Kunstmesse begann, hat sich innerhalb der letzten fünf Jahre zu einem der größten Kunst-events in Bayern entwickelt und zieht Künstler, Galerien und Projekte aus ganz Europa nach München. Die Artmuc positioniert sich dabei ganz klar als VerkaufsPlattform für zeitgenössische Kunst, die man sich auch leisten kann. Gerade das Zusammenspiel von jungen Künst-
Angel Peychinov, Marilyn, 2017; Discovery Art Fair, Frankfurt/M. Courtesy Galerie Barbara von Stechow
lern und erfahrenen Galeristen zeigt dabei, dass sich der Kunstmarkt stetig wandelt und neue Wege beschritten werden müssen: Kunst darf gefallen und darf gekauft werden. Mit Künstlern und Projekten aus Frankreich, Spanien, Italien, Österreich, der Schweiz, Bulgarien, Deutschland, der Ukraine, Portugal und Luxemburg präsentiert sich ein Querschnitt der europäischen Kunstszene mit Kunstwerken der Street und Urban Art, der digitalen Kunst und Fotografie bis hin zur klassischen Malerei und 3D-Kunst. Zur Messe gibt es einen Katalog. TELEFON | 0157/73881151 WEBSEITE | www.artmuc.info
Entdeckungen Discovery Art Fair in Frankfurt am Main
MH Rode, Nietzsche-Haus; Artmuc auf der Praterinsel in München
Die Berliner Liste und die Kölner Liste sind jährlich stattfindende Entdeckermessen für zeitgenössische Kunst. Vom 2. bis 4. November startet zusätzlich die Discovery Art Fair Frankfurt. Diese Messen haben es sich zum Ziel gesetzt, junge, frische Kunst zu präsentieren und neue Zielgruppen für zeitgenössische Kunst zu begeistern – und das jenseits der elitären Kunstmessen mit spekulativer Preisgestaltung. Die Entdeckermessen befriedigen die Neugier der Besucher nach neuen Trends, neuen Gesichtern und neuen Positionen. Die Messen bieten den Besuchern ein abwechslungsreiches (Kunst-)Erlebnis jenseits des Musealen und des Alltags. Jährlich nehmen circa 100 internationale Galerien, Künstler und Projekträume pro Messe teil und präsentieren sich über 10.000 kunstinteressierten Besuchern. Das Besondere der Messen: Es stellen Künstler, Galerien
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www.siebers-auktionen.de
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MAGAZIN
1990er-Jahren entworfen und gefertigt, sind es altehrwürdige Unikate mit echten Gebrauchsspuren, die sich über die Jahrzehnte zu einer angemessenen Patina entwickelt haben. Jedes angebotene Stück auf der Messe hat dieses gewisse Etwas, das Authentische, das den Charme eines Vintage-Möbels ausmacht. Es erzählt eine lebendige Geschichte, die dem glatten, kühlen Look unserer Tage sowohl stilistisch als auch qualitativ viel entgegenzusetzen hat und jedem Ambiente ein unverwechselbares, lebendiges Flair verleiht. (16. bis 18. November) TELEFON | 030/5099382 WEBSEITE | www.design-boerse-berlin.de
Inspirationen inbegriffen
Wiener Schmucktage, Internationales Festival für zeitgenössischen Schmuck an verschiedenen Orten in Wien Perndl+Co, Andrea Zeitlhuber
Cologne Fine Art in der Messe Köln „Dicover Art, Discover Design, Discover Exceptional” – unter diesem Motto präsentieren ausgewählte Aussteller auf der jährlich im Herbst stattfindenden Cologne FFine Art eine exquisite Auswahl von Kunst und Designgegenständen aus allen Epochen und Genres; von Antiquitäten und Altmeistern, Asiatika und außereuropäischer Kunst, Designexponaten und Schmuck bis hin zu Werken der klassischen Moderne, Nachkriegskunst und zeitgenössischen Kunst. Als temporäre Wunderkammer verbindet die Cologne Fine Art Alt und Neu auf höchstem Niveau und setzt die ausgestellten Kostbarkeiten in überraschende und inspirierende Zusammenhänge. Mit einer Sonderschau speziell für junge Sammler, bestückt mit Objekten aus den Beständen der Aussteller, die nicht mehr als 5.000 Euro kosten, spricht die Messe auch ganz gezielt neue Generationen von Sammlern und Kunstenthusiasten an. (22. bis 25. November) TELEFON | 0221/8212288 WEBSEITE | www.koelnmesse.de
Cologne Fine Art (Impression 2017)
Geschmeidige Kreationen Wiener Schmucktage Vom 6. bis 11. November präsentieren sich rund 160 österreichische und internationale Schmuckmacherinnen und Schmuckmacher sechs Tage lang an verschiedenen Orten in Wien. 2018 spannt sich der Bogen von innovativem AutorInnenschmuck über Upcycling- und Recycling-Designs, Papier-, Corian-, Porzellan- und Hornschmuck bis hin zu Skulptur, Video und Performance sowie Präsentationen von aktuellen Schmuckkollektionen in traditionellen Gold- und Silberschmiedetechniken. In den letzten Jahrzehnten sind die Übergänge zwischen den verschiedenen Ansätzen, Schmuck zu machen, fließender geworden. Das Experimentieren mit innovativen Materialien und Techniken rückt immer stärker in den Mittelpunkt. Die Grenzen zwischen traditionellem Handwerk und konzeptuellem Design verschwimmen. Interdisziplinäre und transdisziplinäre Herangehensweisen, wie die intensive Auseinandersetzung mit Skulptur, Video, Performance, Architektur, Design und Mode führen zu überraschenden Ergebnissen. Zeitgleich gibt es den Trend zur Rückbesinnung auf die handwerkliche Tradition. Der damit einhergehende bewusste und verantwortungsvolle Umgang mit Materialressourcen stellt sich den geänderten Produktionsbedingungen und dem heutigen Konsumverhalten. So unterschiedlich die Herangehensweisen an die Schmuckherstellung sind, so vielfältig sind auch die Schmuckstücke. Eines aber verbindet alle Schmuckakteure – die Lust und Leidenschaft am Experimentieren. TELEFON | +43/(0)1/524964622 INTERNET | www.wienerschmucktage.at
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EINLADUNG ZUR KUNSTAUKTION Samstag, 27. Oktober 2018 Beginn 10.00 Uhr – Saalöffnung 9.00 Uhr Vorbesichtigung GmbH
Sa So Mo Di Mi
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10.00 -18.00 Uhr 10.00 -18.00 Uhr 10.00 -18.00 Uhr 10.00 -18.00 Uhr 10.00 -18.00 Uhr
Do.+Fr. sind wir telefonisch erreichbar.
Auktionskatalog unter: www.auktionshaus-walldorf.de Heinrich-Hertz-Straße 9 D-69190 Walldorf bei Heidelberg
Telefon 06227 / 40 43 Telefax 06227 / 63 64 2 info@auktionshaus-walldorf.de
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MAGAZIN
Mit globaler Ausstrahlung Art Düsseldorf
David Zwirner auf der Art Düsseldorf
© Sebastian Drüen
Brücke für Branchen MUTEC und denkmal in Leipzig Neben einer vielfältigen Ausstellung, in der sich Hersteller und Dienstleister aus allen Bereichen präsentieren, wartet die MUTEC vom 8. bis 10. November mit einem umfangreichen Fachprogramm auf. Darüber hinaus findet sie unter einem Dach mit der europäischen Leitmesse denkmal statt, welche die Fachwelt der Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung auf der Leipziger Messe versammelt. Gemeinsam bilden die MUTEC und denkmal einen europaweit einzigartigen Messeverbund, der eine Brücke zwischen den verschiedenen Branchen schlägt und den interdisziplinären Dialog rund um den Erhalt des Kulturerbes beflügelt. Zentrale Themen der MUTEC sind Museumstechnik, Ausstellungsgestaltung, Besucherservice, mediale Präsentation, Archivierung und Digitalisierung sowie Bibliothekstechnologie. Mit diesem breiten Angebot richtet sich die Messe an Betreiber von Museen, Sammlungen, Ausstellungshäusern, Galerien, Archiven, Depots und Bibliotheken. Auch für Architekturbüros und Beratungsunternehmen aus dem Bereich Kunst, Kultur und Denkmalschutz lohnt sich ein Besuch. Im Fachprogramm werden aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Branche behandelt. Seit 2010 findet die MUTEC unter einem Dach mit der denkmal, Europäische Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung, statt und wird seit 2016 von der Leipziger Messe veranstaltet. Die denkmal präsentiert Produkte und Dienstleistungen rund um die Bereiche Instandsetzung, Inventarisierung, Konservierung, Restaurierung, Renovierung sowie Rekonstruktion. Mit weit über 150 Veranstaltungen gilt die Messe als die umfangreichste Weiterbildungsveranstaltung der gesamten Branche. Seit 1994 lädt sie im Zweijahresrhythmus zum internationalen Branchentreffpunkt auf das Leipziger Messegelände ein. Neben dem interdisziplinären Aussteller-Mix erwartet die Messebesucher ein hochkarätiges international aufgestelltes Fachprogramm. 2016 präsentierten sich 435 Aussteller aus 17 Ländern. TELEFON | 0341/6786534 WEBSEITE | httwww.leipziger-messe.de
Auf der Art Düsseldorf, vom 16. bis 18. November, zeigen 92 etablierte und junge Galerien aus 19 Ländern moderne und zeitgenössische Kunst (1945-2018) in den großzügigen und hellen Hallen des Areal Böhler. Mit dem Areal Böhler, einem ehemaligen Stahlwerk in erstklassiger Lage, hat die Messe einen außergewöhnlichen und unkonventionellen, für die Präsentation von Kunst idealen Ausstellungsort gewählt. Die Art Düsseldorf zeigt qualitativ hochwertige moderne, zeitgenössische und junge Kunst von Galerien aus dem Rheinland, Deutschland und den Benelux-Ländern sowie international etablierte Künstler. Die Messe positioniert sich als regionale Kunstmesse mit globaler Ausstrahlung. Der Zulassungsausschuss entscheidet sich für Galerien, die in ihrem Programm Kunst sowohl für Sammler in der Region präsentieren, als auch für internationale Sammler, die von der Geschichte der Düsseldorfer Kunstszene und der regionalen „DNA" fasziniert sind. TELEFON | 0221/42039316 WEBSEITE | www.art-dus.de
Kristina Schuldt, Einkaufswagen eine Treppe herabsteigend, 2017; Art Düsseldorf Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Foto: Uwe Walter, Berlin
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OHNE LIMIT AUKTION Samstag, 24. November 2018 Beginn 10.00 Uhr – Saalöffnung 9.00 Uhr Vorbesichtigung Sa So Mo Di Mi
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KUNSTMARKT
Mary Cassatt Eine Frau unter den Impressionisten Paris feiert seine Impressionisten oft, die Frauen unter ihnen aber eher selten. In diesem Jahr wurde diese Lücke mit einer Ausstellung im Musée Jacquemart-André gefüllt, die Mary Cassatt gewidmet ist. Mary Cassatt lehnte es ab, sich als Miniaturistin oder Aquarellmalerin in die Schublade der „Damenkunst“ einsortieren zu lassen, die man in dieser misogynen Epoche den Frauen nur allzu gern zuwies. Sie lehnte es auch ab, ihre Lieblingsthemen zu verleugnen: die Mutterliebe und die kleinen weiblichen Alltagsriten. Nachdem Edgar Degas sie Ende 1877 in die Gruppe der Impressionisten eingeführt hatte, erlebte die in Paris lebende Amerikanerin den Erfolg, von Kollegen des anderen Geschlechts akzeptiert zu werden, die zwar nicht geneigt waren, Künstlerinnen zu verteidigen, aber revolutionär genug, ihr Talent zu bewundern und sie willkommen zu heißen. Cassatt trug wesentlich zur Strahlkraft der Bewegung bei. Bei der vierten impressionistischen Ausstellung (1879) machte sie sich einen Namen, als sie zwölf Werke enthüllte, von denen einige schmeichelhafte Kritiken ernteten. Während der sechsten Ausstellung der Bewegung, 1881, wurde Cassatt sogar zum Star der Veranstaltung, und zwar mit „La Tasse de Thé“, einem Gemälde, das der Stolz des Metropolitan Museum New York ist. Cassatt war bis zur letzten Ausstellung 1886 Teil des impressionistischen Abenteuers und verband ihren Namen endgültig mit der Bewegung und ihrem zukünftigen Erfolg. Mary Cassatts Markt hat, wie ihre Karriere, seinen Schwerpunkt hauptsächlich in den USA und
Mary Cassatt, Girl in a Bonnet Tied with a Large Pink Bow, 1909 (Christie's, New York, Mai 2017, Zuschlagspreis 1.688.720 Euro) Foto © 2017 Christie’s Images Limited
Frankreich. Das Erscheinen eines ihrer Werke auf dem Markt ist ein Ereignis, das nur den größten Auktionshäusern anvertraut wird: Sotheby's und Christie's teilen sich die letzten 30 höchsten Zuschläge für Werke der Künstlerin, zuletzt im Mai 2017 mit fast zwei Millionen für das 1909 gemalte meisterhafte Porträt eines kleinen Mädchens („Girl in a Bonnet Tied with a Large Pink Bow“). Ein beachtliches Ergebnis, das dennoch deutlich unter dem liegt, das männliche Impressionisten für Werke von gleicher Qualität erzielt haben. QUELLE | artprice.com
Mary Cassatt, Baby Charles Looking Over His Mother's Shoulder (No. 2), um 1900 (Christie's, Mai 2018, Zuschlagspreis 220.557 Euro) Foto © 2018 Christie’s Images Limited
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KUNSTMARKT
Kubanische Kunst Laufende Veränderungen Das künstlerische Angebot in Kuba wird immer vielfältiger, besonders seit 2014, dem Jahr der Einweihung von La Fábrica und des Kunstlabors des kubanischen Künstlers Kcho im Bezirk Romerillo. Aber 2014 ist auch das Jahr der Rede des damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Barack Obama, mit der ein Tauwetter in den diplomatischen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba eingeleitet wurde. Diese Öffnung ermutigte ausländische Investoren, die ohnehin bereits stark an Kuba in seiner strategischen Lage zwischen den beiden Amerikas interessiert waren. Kurz nach Obamas Ankündigung ging eine erste internationale Galerie das Wagnis ein, sich vor Ort zu etablieren, nämlich die Galerie Continua, die Ende 2015 ihre Räume in einem ehemaligen Kino des chinesischen Viertels bezog und dort junge kubanische Künstler wie José Yaque, Alejandro Campins und Elizabeth Cervino präsentierte. Sie hat seither mehrere große Ausstellungen mit Werken von Pistoletto, Daniel Buren, Pascal Marthine Tayou und Kader Attia organisiert. Diese Einrichtung ist eine echte Wette auf die Zukunft, da es keinen wirklich strukturierten Kunstmarkt vor Ort gibt (trotz der Versuche von Subasta Havana) und da Käufer selten sind, zumal amerikanische Sammler oft davor zurückschrecken, obwohl eine Ausnahme vom Embargo den Import kubanischer Kunstwerke erlaubt. Im Ausland setzte Obamas Rede Ende 2014 wichtige Impulse. Sie lenkte die Aufmerksamkeit auf die kubanische Szene und hatte Anteil am Erwachen eines internationalen Marktes für kubanische Kunst. Das Beispiel der Künstlerin Tania Bruguera spricht in diesem Punkt für sich. Im Jahr 2015 kaufte das MoMA ein Video von ihr, und die Bieter wurden aktiv. Tania Brugueras Unterstützer Die Künstlerin Tania Bruguera ist in Kuba bekannt. Einige ihrer Werke wurden in die Sammlungen des Nationalmuseums der Schönen Künste Kubas aufgenommen, was allerdings ihre Verhaftung durch die kubanischen Behörden vor drei Jahren nicht verhinderte. Wenige Tage nach Barack Obamas Entspannungsrede im Dezember 2014 organisierte
Carmen Herrara, Untitled (Orange and Black), 1956 (Phillips, New York, November 2017, Zuschlagspreis 823.510 Euro)
Bruguera eine Performance auf dem Revolutionsplatz in Havanna, vor dem Regierungssitz, wo normalerweise offizielle Demonstrationen stattfinden, was nicht jedermanns Geschmack, insbesondere nicht dem der Regierungsbehörden entsprach. Als eine politische Provokation, die die öffentliche Ordnung störte, führte die Performance zu ihrer Verhaftung zusammen mit anderen sogenannten „Dissidenten“. Bruguera wurde dank einer Petition von mehr als tausend Künstlern und Kulturschaffenden freigelassen, aber ihr wurde für mehrere Monate der Pass entzogen, obwohl sie zum Beispiel im Palais de Tokyo in Paris erwartet wurde. Bei Auktionen reagierten die Marktteilnehmer, indem sie den Preis ihrer Skulptur „Destierro (Displacement)“ am 26. Mai 2015 auf das Doppelte der Phillips-Schätzung, nämlich 81.250 Dollar, klettern ließen. Das gleiche Werk wurde im Dezember desselben Jahres auf der Art Basel Miami für 110.000 Dollar mehr angeboten. Von der engagierten Unterstützung bis zur strategischen Preisinflation ernährt sich der Markt auch von der Zensur und wertet Befürworter der Meinungsfreiheit auf. Deutlich bessere Ergebnisse
Manuel Mendive, Energías para el amor y la bondad, 2015 (Christie's, New York, Mai 2017, Zuschlagspreis 89.450 Euro) Foto © 2017 Christie’s Images Limited
Die jüngste Aufwertung der kubanischen Kunst ist Teil einer globalen Aktion der großen Museen wie des Guggenheim und des MoMA in New York, des Centre George Pompidou in Paris und der Tate Modern in London, die kubanische Informationen und Werke sammeln, manchmal durch spezielle Ankaufsfonds wie den lateinamerikanischen und karibischen MoMA-Fonds. Auf Seiten der Auktionshäuser bereiten Phillip's, Sotheby's und Christie's seit einigen Jahren von New York aus die kommerzielle Entwicklung der lateinamerikanischen Szene und insbesondere der kubanischen Künstler vor. Für Käufer sind kubanische Künstler eine interessante Langzeitinvestition, da es hier möglich ist, wichtige Werke von sehr etablierten Künstlern für deutlich geringere Summen als von großen europäischen oder amerikanischen Namen der
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KUNSTMARKT gleichen Generation zu erwerben. Die Nachfrage ist in den letzten vier Jahren deutlich gestiegen, und die Preise steigen stetig weiter. Der Fall des afro-kubanischen Künstlers Manuel Mendive (Jahrgang 1944) ist bezeichnend. Mendive ist ein aufgehender Stern auf dem internationalen Markt, war in Havanna aber schon immer berühmt für seine Arbeit im Tania Bruguera, Destierro Zusammenhang mit der (Displacement), 1998/2003 Santeria, der kubanischen (Phillips, New York, Mai 2015, Religion, die eng mit den geZuschlagspreis 59.189 Euro) heiligten Quellen der afrika© VG-Bildkunst Bonn nischen Yorubas-Riten verbunden ist. Barack Obamas Ankündigung der Entspannung der Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Bewertung dieses Künstlers in der kubanischen Kunstlandschaft: In den folgenden Monaten wurden drei neue Auktionsrekorde für seine Werke aufgestellt, deren Preisniveau zwischen 68.000 und 100.000 Dollar lag. Sein Jahresumsatz explodierte daraufhin: Er steigerte sich um ein Fünfzehnfaches in zwei Jahren dank seiner amerikanischen Verkäufe. Aber diese Aufwertung spiegelt sich überall wider, sogar in Frankreich, wo eine auf weniger als 1.000 Dollar geschätzte Gouache im März 2017 schließlich für mehr als 5.000 Dollar den Besitzer wechselte (Ghana, verkauft bei Piasa am 28. März 2017). Zwei Monate später, bei einer Auktion für lateinamerikanische Kunst verkaufte Christie's ein museales Gemälde zum Doppelten des Schätzwerts. Zum ersten Mal wurde die 100.000-Dollar-Marke bei Auktionen überschritten („Energías para el amor y la bondad“ wurde am 24. Mai 2017 für 125.000 Dollar in New York verkauft). Und das war sicherlich nicht der letzte Rekord. Die gleiche Feststellung gilt für andere kubanische Künstler wie Dario Viejo, Esterio Segura, Mariano Rodriguez, Carlos Enríquez Gómez und sogar Felix Gonzalez-Torres, dem David
Zwirner zwischen April und Juli 2017 eine erste Ausstellung in seiner New Yorker Galerie widmete. Alle haben in den letzten drei Jahren ihren aktuellen Auktionsrekord aufgestellt. Einige erreichten auch millionenschwere Preisniveaus, wie Carmen Herrera, eine Cubano-Amerikanerin, die ihr erstes Bild im Alter von 89 Jahren verkaufte. Dieses Jahr feiert sie ihren 103. Geburtstag im Glorienschein eines Rekords von knapp unter 1,2 Millionen Dollar für ein Gemälde von 1956, das im vergangenen November bei Phillips verkauft wurde, „Untitled (Orange and Black)“, 16. November 2017. Miami, das Tor zur kubanischen Szene Vor allem über New York konsolidiert sich die Wertschätzung kubanischer Kunst, aber man darf auch die Rolle Miamis nicht vergessen, das weniger als 400 Kilometer von der Insel entfernt liegt. Die kubanische Gemeinschaft ist dort sehr aktiv, und die Förderung der kubanischen Kunst erfolgt mittels Sammler und private Stiftungen wie von Mera und Don Rubell. Diese wichtigen Privatsammlungen haben einen unbestreitbaren Einfluss auf die internationale Ausstrahlung kubanischer Künstler, insbesondere wenn sie während der jährlich im Dezember stattfindenden Art Basel Miami der Öffentlichkeit zugänglich sind. Bei der letzten Ausgabe der Messe präsentierte das Perez Art Museum (PAMM) 170 neue, kürzlich erworbene Werke im Rahmen der Ausstellung „On the Horizon: Contemporary Cuban Art from the Jorge M. Pérez Collection“, die kubanische Künstler wie Hernan Bas, Carlos Garaicoa oder das Kollektiv Los Carpinteros ins Rampenlicht rückte. Diese Sammler machten Miami in den USA zum ersten Tor zur kubanischen Szene. Vor Ort tragen die Präsenz der Miami Auction Gallery und der FAAM-Fine Art Auctions dazu bei, kubanische Kunst auch an der amerikanischen Westküste zu verankern. Von Miami bis New York, von London bis Paris: Kubanische Kunst ist im Aufschwung. Die Zukunft wird zeigen, ob sie ihre Kraft behält und vom Markt dauerhaft verdaut wird. QUELLE | artprice.com
74_78_Gariboldi.qxp_SJ Redaktion 10.10.18 18:54 Seite 2
Gari boldi Giovanni Gariboldi Der Reformer von Ginori Von Dr. Bettina Krogemann
Der italienische Designer Giovanni Gariboldi (1908-1971) stand meist im Schatten seines Förderers Gio Ponti. Dennoch war es Gariboldi und nicht Ponti, der einer der wichtigsten Porzellanmanufaktur Italiens, Richard-Ginori, zu ihrem modernen, nachhaltigen Auftritt verhalf. Giovanni Gariboldi war ein Mann der Praxis, hatte Visionen und wusste diese auch in der Produktion umzusetzen. Das konnte Ponti nie.
Giovanni Gariboldis Entwurfsœuvre erzählt uns heute von einer umfassenden Stilentwicklung. Darin enthalten sind der italienische Klassizismus der 1930er- und 1940erJahre, die moderne Formgebung der 1950er-Jahre, die Ideen von Ergonomie, Rationalismus und Funktionalismus der 1960er- und frühen 1970er-Jahre. Gariboldis Stil war der Tradition und Ästhetik Italiens verpflichtet, der Wiege unserer westlichen Kultur. In der Nachkriegsära schuf Gariboldi für Richard-Ginori Porzellane und Service, die in Massen gefertigt werden konnten, dem Goût der Zeit entsprachen und zudem erschwinglich waren. Damit beschritt er einen Reformkurs. Aus heutiger Sicht zählt Giovanni Gariboldi zu den wichtigsten Keramikern seiner Epoche und seines Landes. Er war innovativ, und auf ihn gehen viele technische und künstlerische Experimente und Untersuchungen im Bereich Keramik zurück. Im Unterschied zu Gio Ponti arbeitete er jedoch meist lautlos im Hintergrund und konnte sich mit seinem Schaffen erst sehr spät im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankern. Einerseits hatte Gariboldi Ponti viel zu verdanken, denn dieser favorisierte ihn unter den Mitarbeitern der Manufaktur Richard-Ginori. Andererseits entfaltete er sich als Designer und Künstler vollends erst ohne seinen berühmten Mentor. Gariboldi war in jeder Phase der Umsetzung und Produktion federführend aktiv, hatte eine innige physische Beziehung zu den Objekten und Herstellungsmethoden, arbeitete eng mit Handwerkern zusammen und brachte so seine Neuerungen auch auf der praktischen Seite auf den Weg. Seinem Ideal nach sollten keramische
Giovanni Gariboldi, Stapelservice „Colonna“, Entwurf 1953-54, weißes Ariston-Porzellan, blauglasiert, AusfühFoto: Quittenbaum rung Richard-Ginori
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ITALIENISCHES DESIGN
Triennale von Mailand im Jahr 1940 hatte er das Programm von RichardGinori schon ein gutes Stück weiter in Richtung Modernität und Eleganz entwickelt, neue Formen und einfache, ein bisschen an Wedgwood erinnernde Emaillierungen ausgearbeitet. Insgesamt bewegte er sich mit seinen Arbeiten auf einem Pfad zwischen Neoklassizismus und Moderne.
LO STILE INDUSTRIA
Erzeugnisse von einem ausgewogenen Mischungsverhältnis zwischen Schönem und Nützlichem bestimmt sein. Vor dem Zweiten Weltkrieg gestaltete er Objekte für kleine Serien, in der Nachkriegsära gelang ihm der Sprung in die Massenproduktionen.
MIT GIO PONTI Viele Objekte, die erst Gio Ponti zugeschrieben wurden, stammen eigentlich aus der Hand von Gariboldi. Er hatte die Aufgabe, die Ideen von Ponti auszuarbeiten, sie weiterzuentwickeln und die Prozesse der Umsetzung zu steuern. Seine Position sollte sich ändern, als im Jahr 1936 bei Richard-Ginori ein neuer Direktor Einzug hielt: Alfred Brown. Er gewährte Gariboldi Raum für eigene Experimente, was sich schließlich auszahlen sollte. Für die 6. Mailänder Triennale im Jahr 1936 schuf Gariboldi neue, ungewöhnliche Stücke in Form von Tierplastiken. Das waren Tauben, Pferde und Faune, die durch ihre raffinierten Umrisse und ihre ungewohnten Emaillierungen auffielen und auch von der Kunstkritik, so zum Beispiel von der Zeitschrift „Domus“, lobend erwähnt wurden. Auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1937 gewann Gariboldi seinen ersten offiziellen Preis. Für die 7.
Zwar war Alfred Brown zu Beginn der 1940er-Jahre Direktor bei Richard-Ginori im mailändischen San Cristoforo, dennoch liefen alle Fäden, was die Kunst betraf, bei Gariboldi zusammen. Im Jahr 1941 erschien in der italienischen Kunstzeitschrift „Stile“ ein Cover, das Vasen zeigte, die allesamt von Gariboldi entworfen worden waren. Sie waren recht klassisch in Form und Dekor. Als Mailand am 13. August 1943 von Bomben getroffen wurde, zerstörten diese auch die Manufaktur Ginori mitsamt ihres Warenbestandes. Befreit und wiedervereinigt im Frühjahr 1945 hatte Italien, wie der Rest Europas, großen Bedarf an Lebenskultur und arbeitete an seinem wirtschaftlichen Wiederaufbau. Es war
Von links oben nach rechts unten: Giovanni Gariboldi‚ „Pegasus“, Entworfen für die 5. Mailänder Triennale, 1933, Mailand, del Lago Sammlung Foto: Gariboldi, 2010
Giovanni Gariboldi, Vase aus Steingut, um 1922, Ausführung Richard-Ginori Foto: Quittenbaum
Giovanni Gariboldi, Vase aus Steingut, 1930er-Jahre, Ausführung Richard-Ginori Foto: Quittenbaum
Giovanni Gariboldi, Vase aus Steingut, um 1938, Ausführung Richard Ginori Foto: Quittenbaum
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ITALIENISCHES DESIGN
eine hektische und zugleich sehr fruchtbare Zeit, die gesellschaftlichen Bedürfnisse waren jetzt anders als die in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. In der Industrie waren neue einflussreiche Entscheidungsträger gefragt, ihre Produkte sollten nun günstig in der Herstellung und im Verkauf, dazu klein und praktisch sein. Unter der Regie von Stadtplanern, Architekten und Designern entstand nun der rationale „Stile Industria“, der fortan die Architektur, das Design und die Corporate Identity italienischer Unternehmen bestimmen sollte. Auch Gariboldi, der ab Herbst 1946 die Leitung des ArtDepartments von Richard Ginori San Cristoforo innehatte, beschäftigte sich in dieser Zeit weniger mit dem Thema Keramik als vielmehr mit dem Auftritt und gesamten Erscheinungsbild von Richard-Ginori. Von 1947 bis 1951 entwarf er 18 Schauräume und Shops an Prachtstraßen italienischer Metropolen, von denen der berühmteste an der römischen Piazza di Spagna lag. Dann kam ein neues Thema auf: Die Massenproduktion im Sinne einer zeitgemäßen Ästhetik.
RESEARCH In der Zeit um 1950 unternahm Gariboldi mannigfache Untersuchungen auf dem Gebiet keramischer Gestaltungsmöglichkeiten. Überliefert sind Zeichnungen mit sehr dynamischen
Von oben nach unten: Schaufenster des Richard-Ginori-Shops an der Piazza di Spagna in Rom, 1950-53 Foto: Gariboldi, 2010
Giovanni Gariboldi, Schale aus Fayence, um 1930, Ausführung Richard-Ginori Foto: Quittenbaum
Giovanni Gariboldi, Vase aus Steingut, 1930er-Jahre, Ausführung Richard-Ginori Foto: Quittenbaum
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Von links oben im Uhrzeigersinn: Giovanni Gariboldi, zwei Studien für ein Teeservice, 1933 Privatsammlung Mailand; Werbebroschüre „Richard-Ginori, Uno pìu uno“, 1971 Privatsammlung Mailand; Werbebroschüre „Porcellane Richard-Ginori – Ulpia Donatella Arlecchino“, 1954 Privatsammlung Mailand; Manufakturmarke von Richard Ginori; Titelblatt der Zeitschrift „Stile“ aus dem Jahr 1941 mit Vasen, die Gariboldi für RichardAlle Fotos: Gariboldi, 2010 Ginori designt hat
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ITALIENISCHES DESIGN
Formen und Umrissen, Designs für rationale und funktionale Objekte, Experimente mit den Komponenten Symmetrie und Vertikalität, Versuche im Dekor-Bereich mit Craquelé in Chiaroscuro-Kompositionen. Auf der 10. Triennale im Jahr 1954 präsentierte Gariboldi eine Auswahl seiner neuen Produkte und Service für Ginori, die originellerweise alle
Frauennamen trugen, nämlich Adriana, Ulpia, Donatella, Luisa, Patrizia und Ophelia. Es waren Produkte und Service, die seinem Gestaltungswillen zwischen Nützlichkeit und dem Wunsch nach Eleganz Ausdruck verliehen. Den größten Erfolg bescherte Gariboldi ein Service, das er auf die Bedürfnisse der Nachkriegsära maßschneiderte. Es hieß
„Colonna“ und unterschied sich grundlegend von allen Servicen, die Gariboldi bis dato gemacht hatte.
COLONNA „Colonna“ heißt übersetzt Säule und Gariboldis Service macht diesem Namen in vielerlei Hinsichten Ehre. Bei „Colonna“ handelt es sich um eine aus dem günstigen, sehr harten Ariston-Porzellan hergestellte Tafelausstattung. Es war stapelbar und damit enorm platzsparend, ein wichtiges Postulat an Gebrauchsartikel für das tägliche Leben in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Türmte man eine Reihe von Tassen auf, so standen sie im Schrank wie eine hohe schlanke Säule. Auch Terrinen, Schalen und Deckel konnten perfekt aufeinandergestapelt werden. Die Formen waren einfach gehalten und es gab verschiedene Möglichkeiten und Kombinationen, sie zu dekorieren. So konnten mit einer Service-Form ganz unterschiedliche ästhetische Ergebnisse erzielt werden. Für das „Colonna“Design erhielt Gariboldi 1954 den von der Warenhauskette La Rinascente ausgelobten Preis „Compasso d´oro“, in Italien derzeit der wichtigste Preis, mit dem ein besonders gelungener Prototyp zeitgemäßen Designs prämiert werden konnte. Das Service „Colonna“, das Gariboldi 1957 noch einmal überarbeitete, konnte nicht nur optisch zu einer Säule arrangiert werden. Sein Erfolg wurde auch zu einer Säule der Manufaktur RichardGinori und verhalf seinem Urheber, dem stets im Hintergrund aktiven Gariboldi, schließlich zu internationalem Ruhm und Ansehen. Literatur: Giancinta Cavagna di Gualdana, Gariboldi, Mantua, 2010
Giovanni Gariboldi, Stapelservice „Colonna“, Entwurf 1953-54, weißes Ariston-Porzellan, blauglasiert, AusfühFoto: Quittenbaum rung Richard-Ginori
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VORSCHAU/IMPRESSUM
SAMMLER JOURNAL 12/2018 WOLF KARNAGEL Design mit neuer Eleganz und Klarheit
BIJOUX BIJOUX Modeschmuck von Chanel bis Yves Saint Laurent
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Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/08 vom 01.11.2008 Bildnachweise links: Wolf Karnagel, Avocado-Schälchen, Slg. Karnagel; Coco Chanel, Collier aus dunkelroten Glassteinen in quadratischen Fassungen und Perlfransen, 1960er, Privatsammlung Gisela Wiegert © Hartmut Springer, Gronau
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