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Sammler Journal 08/2019

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auGuST 2019

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SaMMler Journal

KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN

GEMI

Über 2.000 Termine

AUSSTELLUNGEN AUKTIONEN HAMMERPREISE

Berthe Morisot

Malerin des Impressionismus Die jungen Jahre der alten Meister Teil II • Fotokunst Spezial


U2_Georg_Jensen

10.07.2019

13:10 Uhr

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www.georgjensen.com


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INHALT

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KUNSTMARKT Matisse, der Graveur

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FOTOKUNST Brönner, Katz, Hollywood Titelbild: Berthe Morisot, Frau und Kind auf dem Balkon, 1872, Öl auf Leinwand, 61 x 50 cm, Artizon Museum, Ishibashi Foundation, Tokyo

20

FOTOKUNST SPEZIAL SAMMLER-SERVICE

4

MAGAZIN

6

MESSETERMINE

12

AUKTIONSTERMINE

30

INSERENTENVERZEICHNIS

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AUKTIONSNOTIZEN

36

AUSSTELLUNGSTERMINE

48

AUSSTELLUNGEN

53

AUKTIONSPREISE

58

LITERATURTIPP

64

VORSCHAU | IMPRESSUM

66

Here We Are Today von Heidrun Th. Grigoleit

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BERTHE MORISOT Malerin des Impressionismus von Ina Knekties

DIE JUNGEN JAHRE Baselitz, Richter, Polke, Kiefer von Hans-Jürgen Flamm

Teil II

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SAMMLER-SERVICE

Rest-of-the-day Glasvase aus den 50er-Jahren

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In einem Trödel- und Antikladen unserer kleinen Stadt konnte ich diese wunderschöne Glasvase erwerben. Es handel sich dabei um ein Objekt aus Überfangglas mit Einschlüssen aus Goldflitter. Die Vase hat eine Höne von 32 cm, einen Bodendurchmesser von 13 cm und ein Gewicht von 1.680 gr. Scheint die Sonne darauf, entsteht ein faszinierendes Lichtspiel. Könnte diese Vase aus den Werkstätten von Murano stammen? Wer war der Glaskünstler? Wie würden Sie den Wert der Vase einschätzen? Peter Wiesner, Waldkraiburg

!

Die dekorative Glasvase in ihrem Besitz ist vermutlich in Italien Mitte der 1950er-Jahre hergestellt worden. Die Technik der Glasbearbeitung ist in ihren Grundlagen seit der Antike bekannt und weit verbreitet. In diesem Fall wurde opakes Weißglas, sogenanntes Milchglas, mit Klarglas, in welches braune Glasfäden und hauchdünne Blattgoldplättchen ein-

gearbeitet waren, überfangen und in Form geblasen. Die roten und blauen Farbpunkte im Überfang wirken eher wie eine Nachlässigkeit, nicht wie beabsichtigt. Es könnte sich um eine Rest-of-the-day Arbeit handeln. Der Arbeiter in der Glasfabrik konnte auf eigene Rechnung aus den Glasresten, die am Ende des Arbeitstages in den Hafenöfen verblieben waren, Glasobjekte seiner Wahl herstellen. Als kunstvoll gefertigtes Glasobjekt eines unbekannten Glasbläsers aus der Region Empoli im Umkreis der Firma V. B. Opaline Florenz würde ich der Vase heute einen Wert von 50 bis 100 Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg Euro zumessen.

Vogelstillleben Gemälde von Gérard Desgranges

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Ich hoffe, dass Sie mir bei der Wertfindung dieses Gemäldes helfen können. Für mich handelt es sich bei der Abbildung um ein Bibelzitat. Das Bild habe ich vor circa 30 Jahren auf dem Flohmarkt erworben. Die Rückseite gibt Sonja Neumann, Gütersloh mir auch Rätsel auf.

!

Das dekorative Stillleben mit toten Eichelhähern wurde von Gérard Desgranges (1919-2006) in der Tradition der Jagdstillleben gemalt, freundlicherweise gut lesbar signiert und zudem auf dem Keilrahmen mit Filzstift betitelt „Les geais“. Das Bild war wohl ursprünglich Teil einer Ausstellung und dort mit der Nummer 28 ausgestellt. Der gelöschte Hinweis „paysage“ auf der Rückseite weist wohl darauf hin, dass hier ein Landschaftsgemälde übermalt wurde. Eine Interpretation bezüglich Bibel würde ich ausschließen. Dem Maler haben wohl nur die schönen, wenn auch leblosen Vögel gefallen. Um 1970 hat man die Jagd auf kleine Vögel noch als etablierten Sport betrachtet. Die professionelle Malerei würde ich heute mit 100 bis 150 Euro beKlaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg werten.


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Vielfiguriges Motiv Gemälde von J. H. Gerritsen

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Ich bin im Besitz dieses alten Ölgemäldes und möchte mehr darüber erfahren (Herkunft, Alter und Preis). Über Ihre Expertise würde ich mich sehr freuen. Wolfgang Fröhlich, Rhede

!

Die dekorative Stadtansicht in Ihrem Besitz ist klar und gut lesbar signiert mit „J. H. Gerritsen“. Leider findet sich zu dem Namen kein Nachweis in den Künstlerlexika. Immerhin kann man den Ort der Darstellung ziemlich genau benennen. Zu sehen ist die Rue Seveste in Paris mit Blick auf Sacré-Cœur de Montmartre. Dieses Künstlerviertel war Ziel vieler Künstler und auch begabter Dilettanten. Hier hat sich offenbar ein begabter Amateurmaler um 1950 an einem vielfigurigen Motiv versucht. Vielleicht ist der Maler mit dem Binnenschiffer gleichen Namens aus Dordrecht identisch, möglicherweise eine Übung, um eine Liegezeit sinnvoll zu nutzen? Als Werk eines unbekannten talentierten Laien hat das Gemälde angesichts des Überangebots ähnlicher Motive nur einen Wert von 100 bis 200 Euro. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg

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MAGAZIN

venreichen und mit Serpentinen gespickten Bergstraßen allemal, will man mit möglichst wenig Strafpunkten den Wettbewerb bestehen. Vier unterschiedliche Herausforderungen standen bisher bei der Ötztal Classic auf dem Programm: Gletscherprüfung – klassische Ötztaler Runde übers Timmelsjoch – idyllische Sternfahrt in die Ötztaler Seitentäler – Besuch historischer Bauten in Tirol. Die Streckenvarianten reichen mittlerweile von Südtirol bis Seefeld und in die Innsbrucker Innenstadt und bieten den Teilnehmern neben dem ungebrochenen Fahrspaß in gepflegten Oldtimern vor allem auch ein abwechslungsreiches Erleben Tiroler Kulinarik und Historik in Verbindung mit der Tiroler Bergwelt – vom ewigen Eis bis zu den grünen Tallandschaften. Als Fixpunkt im Programm hat sich der Orts-Grand-Prix im Dorfkern von Oetz etabliert. Diese Teilveranstaltung ist der Publikumsmagnet der Ötztal Classic. Regelmäßig kommen dazu rund 4.000 Zuschauer, die sich die oft einzigartigen Gefährte aus nächster Nähe anschauen und den auskunftsfreudigen Piloten „Schlaglöcher” in den Bauch fragen. WEBSEITE | www.oetztal-classic.at Pablo Picasso, Henkelgefäß/Taube, 1954, heller Scherben mit Ritzdekor und blau-schwarzer Bemalung, nummeriert 55/200; Art&Antique in Salzburg © Succession Picasso/Bildrecht Wien, 2019, Foto: Kolhammer & Mahringer Fine Arts

Porzellan-Party Fest der Porzelliner in Selb

Peter Profunser (Runge Kunsthandel), einem „Mädchen“ von Karl Hofer, das auf Li Huas Porträt vom Mädchenmaler „Gustav Klimt“ blickt (Schütz Fine Art – Chinese Departement). So wundert es nicht mehr, wie herzlich Waldmüllers „Glückliche Familie“ bei Lilly’s Contemporary Art Exclusive Antiques strahlt. TELEFON | +43/(0)6769316665 WEBSEITE | www.artantique-residenz.at

Gletscherprüfung

Noch bis zum 18. August feiert Selb die Wochen des Weißen Goldes. Die Ausstellung „Weißes Gold – Porzellan erleben” im Rosenthal-Theater wird von einem vielseitigen Programm begleitet, so dass auch 2019 von einem Sommerloch nichts zu spüren sein wird. Auch das „Staatliche Berufliche Schulzentrum für Produktion und Prüftechnik” zeigt in einer Sonderausstellung die Arbeiten der Absolventen 2019 der Staatlichen Fachschule für Produktdesign. Mit zu den Höhepunkten zählt das Fest der Porzelliner vom 1. bis 5. August. TELEFON | 09287/883119 WEBSEITE | www.selb.de

21. Ötztal Classic Die Herausforderungen bei der Ötztal Classic sind enorm, geht es doch auf fast 3.000 Meter hinauf, und man fährt über historischen Boden in der Innsbrucker Altstadt. Die Ötztal Classic ist längst mehr als eine Ötztaler Angelegenheit, halb Tirol ist eingebunden. Und so treten vom 1. bis 3. August motorisierte Liebhaberstücke zum Schaulauf an. Das Ötztal hat in Sachen Motorsport eine lange Tradition. Allen voran die Wettbewerbe zur Bergeuropameisterschaft in den 1960er-Jahren, als die besten Fahrer der Welt die Timmelsjochstraße hinauf glühten. Diese Zeit ist unvergessen, auch wenn ein damaliger Sieger, Jochen Rindt, nicht mehr dabei ist, so bleibt er – besonders sein Fahrstil – unvergessen. Bei der Ötztal Classic geht es zwar nicht um reine Geschwindigkeit, aber tummeln muss man sich auf den kur-

Boliden bestaunen bei der 21. Ötztal Classic


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129. AUKTION Fr. 02.08.2019 – Positionen mit und ohne Limit Sa. 03.08.2019 – Alle Positionen ohne Limit Saalöffnung Fr./Sa. 9.00 Uhr – Beginn Fr./Sa. 10.00 Uhr Vorbesichtigung Sa So Mo Di Mi

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KUNSTMARKT

Matisse, der Graveur „Es gilt, eine Schrift der Linien kennenzulernen und neu zu entdecken.“ Matisse zu Raymond Escholier Als Farbkünstler par excellence war Matisse auch ein Genie der Linie, und die Freiheit seiner Linienführung drückt sich auf bemerkenswerte Weise in seinen bedeutenden Lithografien und Gravuren aus. Dieser Teil von Matisses Werk, der lange als „der unsichtbare Teil des Eisbergs“ galt, wurde in den letzten Jahren von verschiedenen Ausstellungen beleuchtet – eine unverzichtbare Arbeit für den Künstler, für den die Gravur auf der gleichen Ebene wie die Malerei stand. Matisse verbannte die Hierarchie der Techniken, konzipierte jedes Werk, ob gemalt, gemeißelt, modelliert, graviert oder ausgeschnitten, als Ausdruck seiner selbst und maß ihnen allen den gleichen Grad an Bedeutung bei. „Jede Technik hilft der anderen“, sagte der Mann, der mehr als 50 Jahre lang ebenso anspruchsvoll wie eigensinnig an Grafiken arbeitete. Eine anspruchsvolle Produktion, die weltweit gefragt ist Matisse fertigte 1900 seine erste Gravur an: ein KaltnadelSelbstbildnis, in dem er sich in der gleichen Haltung, die Rembrandt 1648 für sein Selbstbildnis gewählt hatte, darstellte. Im Alter von 31 Jahren zitierte er für seinen ersten Versuch den größten Graveur der Kunstgeschichte, wich dann vom traditionellen Stil ab, lockerte die Linie und be-

Henri Matisse, Jazz, 1947 (Christie's, Paris, April 2013, Zuschlagspreis 150.000 Euro) © 2013 Christie’s Images Limited, © VG-Bildkunst Bonn

Henri Matisse, Océanie, la mer, 1946 (Christie's, New York, November 2017, Zuschlagspreis 685.840 Euro) © 2017 Christie’s Images Limited, © VG-Bildkunst Bonn

schwor einen anderen Meister, Eugène Delacroix, der selbst eine hohe Meinung von der Gravur hatte („die Sprache des Graveurs besteht nicht nur darin, die Wirkung der Malerei nachzuahmen […]; er hat seine eigene Sprache“, so Delacroix). Bis zum Ende seines Lebens erforschte Matisse die verschiedenen Techniken der Druckgrafik – Radierung, Kaltnadel, Aquatinta, Monotypie, Lithografie, Holzschnitt, Linolschnitt – in rund 829 Blättern, die in seinem Werkverzeichnis aufgeführt sind, und fast 90 illustrierten Bänden. Für die Kaltnadel- und Radiertechnik sind 313 Stiche gegenüber nur vier Holzstichen zwischen 1906 und 1907 verzeichnet. Es

Henri Matisse, Algue blanche sur un fond rouge et vert, 1953 (Dorotheum, Wien, Mai 2011, Zuschlagspreis 7.800 Euro) © VG-Bildkunst Bonn


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gibt auch 306 Lithografien, etwa 60 Monotypien, alle zwischen 1915 und 1917 entstanden, etwa 50 Linolschnitte und 57 Zucker-Aquatintaplatten. Diese umfangreiche Produktion ist ein Glücksfall für einen Markt, der sich für Matisses Werke weltweit begeistert. Die ausgewogene Verteilung der verkauften Lose zeigt dies mit 38 Prozent für die Vereinigten Staaten, 19 Prozent für Großbritannien, 16 Prozent für Frankreich, elf Prozent für Deutschland und 15 Prozent für die übrige Welt. In den letzten 30 Jahren wurden mehr als 8.100 Druckgrafiken versteigert, verglichen mit weniger als 500 Gemälden. Der Markt für Matisse-Druckgrafiken repräsentiert damit 79 Prozent der in den letzten zwei Jahren verkauften Lose und drei Prozent des Umsatzes im gleichen Zeitraum. Das Angebot ist dicht, aber die Auflagen sind sehr kontrolliert. Matisse wollte der Druckgrafik zweifellos den Platz einräumen, der ihr im künstlerischen Schaffen zusteht, und war besonders streng, kümmerte sich um jede Auflage und beschränkte oft die Stückzahlen drastisch (auf 12, 25, manchmal sogar auf ein einziges Exemplar). Nach dem Druck wurden die Matrizen (aus Zink, Kupfer, Linoleum) zerkratzt, um eine spätere Neuauflage zu vermeiden. Linien und Farben Einige Platten sind ein Vermögen wert. Eine von ihnen hat die Millionen-Dollar-Marke mehrmals überschritten. Es handelt sich um den Siebdruck „Océanie, la mer“ (1946), ein fast vier Meter langes Meisterwerk. Zweiter auf dem Auktions-Siegertreppchen ist das Album „Jazz“ (1947), ein großes Folio in Blättern mit einer Auflage von 270 Exemplaren (und 100 Exemplaren zusätzlich zum Buch), das ebenfalls die Millionengrenze überschritt. Ein komplettes Album „Jazz“, bestehend aus 20 Schablonen, erreichte 2015 in Sotheby's New York 1,12 Millionen Dollar. Es dauerte jedoch mehr als 20 Jahre, bis dieses von Tériade veröffentlichte Album verkauft wurde, das sich oft zerstückelt sah und dessen verstreute Drucke einige amerikanische Hotels schmückten. „Océanie, la mer“ und „Jazz“ veranschaulichen einen wesentlichen Teil von Matisses Kunst, nämlich den der Papier-Ausschnitte, eine wichtige Innovation, die die Unterscheidung zwischen Zeichnung und Farbe aufhebt. In seiner in den letzten zehn Jahren seines Lebens entwickelten Praxis des Papier-Scherenschnitts zeichnet Matisse direkt in die Farbe, die umso mehr gemessen wird, wie sie nicht transponiert wird. Diese Vereinfachung garantiert Präzision in der Kombination der beiden Mittel, die jetzt eins sind. Die mit Schablonen hergestellten Multiples – wie in „Jazz“ –

sind wahre Schlüssel in der Entwicklung von Matisses Werk, das scharf in die Farbe schneidet. Die einzelnen Schablonen des zerstückelten „Jazz“-Albums werden mittlerweile im Durchschnitt zwischen 3.000 und 6.000 Dollar gehandelt, einige klettern aber viel höher. Es gibt auch die Algues, die auf dem Markt viel seltener sind. Einige, die in einer Auflage von 200 Stück veröffentlicht wurden, sind etwa 4.000 Dollar wert, andere, in 1.000 Exemplaren gedruckt, werden rund zehn Mal billiger sein, weil sie nicht ganz so selten sind. Die Schablonenarbeiten sind der Schlüssel zu einem Matisse, der oft als der größte Kolorist des 20. Jahrhunderts gilt. Der Künstler favorisierte jedoch die Radierung und Lithografie, zeichnungsnahe Verfahren. Klarheit und Ausgewogenheit der schwarzen Linie auf dem weißen Raum des Blattes: Matisse gravierte, wie er zeichnete, auf der Suche nach Einfachheit und Reinheit. Sein Lieblingsthema „ist weder Landschaft noch die Natur, es ist das Gesicht“, sagte er. Das Gesicht und natürlich der Akt. In seinen Grafiken wie in seinen Zeichnungen feiert Matisse das Weibliche, erforscht die Kurven von Tänzerinnen und sinnlichen Odalisken, synthetisiert die Geschmeidigkeit von Formen in der einer Linie, die in einem Zug gezeichnet wird und keine Korrektur erfährt. Die Preise variieren stark je nach Thema, Seltenheit und Zustand der Platte. Man muss zwischen 5.000 und 40.000 Dollar rechnen, um eine schöne Radierung mitzunehmen. Für eine Tuschezeichnung einer dieser Musen muss dagegen eher ein Budget von 40.000 bis zwei Millionen Dollar einkalkuliert werden. QUELLE | artprice.com


22_29_Berthe_Morisot.qxp_SJ Redaktion 10.07.19 13:43 Seite 2

Berth eMor isot Berthe Morisot

Wiederentdeckte Grande Dame des Impressionismus Von Ina Knekties

„Die Wahrheit ist, dass es nur einen Impressionisten in der Gruppe in der Rue Peletier gibt: Mademoiselle Berthe Morisot: Wir haben sie schon gepriesen; wir müssen es wieder tun. Niemals beendet Mademoiselle Morisot ein Gemälde, ein Pastell oder ein Aquarell. Es ist, als ob sie Vorworte für Bücher, die sie niemals schreiben wird, zusammenstellt. Aber wenn sie mit der gesamten Bandbreite von hellen Farben spielt, findet sie besonders raffinierte Graus und Rosas von höchst delikater Zartheit. […] Hier sehen wir, was es bedeutet, wenn ein Eindruck von einem redlichen Auge eingefangen und von einer fähigen Hand dargestellt wird“, rühmte bereits 1877 ein zeitgenössischer Kritiker das Werk Berthe Morisots (1841-1895).

Manet, Monet, Renoir, Degas, Pissarro, Cézanne, Gauguin und van Gogh – diese Namen kennt fast jeder. Dagegen ist der Name einer der wichtigsten Protagonistinnen des französischen Impressionismus, die in ihrer Epoche hohe Anerkennung erfuhr und mitunter höhere Preise als ihre männlichen Kollegen erzielte, in der breiten Öffentlichkeit, aber auch in der Kunstgeschichte kaum bekannt. Nun widmet das Musée d’Orsay in Paris der „impressionistischen unter den Impressionisten“ eine umfassende Retrospektive. Fast die Hälfte der rund 70 ausgestellten Werke im Musée d’Orsay sind Leihgaben aus Privatbesitz; einige von ihnen sind seit über 100 Jahren nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen. Hier zeigt sich auch das geringe Interesse der Museen an ihrem Werk. Außerhalb des Pariser Musée Marmatton, das aufgrund einer Schenkung der Familie die weltweit größte Morisot-Sammlung besitzt, existieren nur wenige Werke der Künstlerin in öffentlichen Institutionen. Darüber hinaus finden sich einige ihrer Werke in den musealen Sammlungen der USA, was sicherlich auf der Tatsache beruht, dass dort schon in den 1970er- und 1980er-Jahren die Grande Dame der Impressionisten neu entdeckt wurde, ebenso wie Mary Cassat (18441926), Eva Gonzalès (1847-1883) und Marie Bracquemond (18401916). Von hier aus kam zudem der Impuls für die derzeitige Ausstellung. Nach einer vielbeachteten Tournee mit Stationen in Quebec, Philadelphia und Dallas – bildet nun das Pariser Museum den krönenden Abschluss dieser gemeinsam organisierten Ausstellung.

Junge Frau am Fenster (Portrait de Mme Pontillon), 1869, Öl auf Leinwand, 54,8 x 46,3 cm National Gallery of Art, Washington, legs of Ailsa Mellon Bruce, 1970, n° inv. 1970.17.47. CMR 18 © Image courtesy National Gallery of Art, Washington


22_29_Berthe_Morisot.qxp_SJ Redaktion 10.07.19 13:43 Seite 3

IMPRESSIONISMUS

KUNSTSINNIGE FAMILIE Geboren 1841 als drittes von vier Kindern des Staatsbeamten Tiburce Morisot und seiner Frau Marie-Joséphine Thomas, wächst Berthe Morisot in einer wohlhabenden und großbürgerlichen Umgebung zunächst in Bourges und später in Paris auf. Die kunstsinnige Familie – ihre Mutter war eine Urgroßnichte des Rokoko-Malers Jean-Honoré Fragonard (1732-1806) – ermöglichte den Schwestern Yves, Edma und Berthe ab 1855 privaten Mal- und Zeichenunterricht, unter anderem bei Joseph-Benoît Guichard (1806-1880), der zusammen mit Ingres an der École des Beaux-Arts studiert hatte. Guichard stellte regelmäßig im Pariser Salon aus und ermutigte die Schwestern, im Louvre Kopien alter Meister anzufertigen und nach Gipsabgüssen antiker Statuen zu zeichnen. Im Louvre traf Morisot auf Félix Bracquemond (1833-1914) und Henri Fantin-Latour (1836-1904), über den sie wiederum Éduard Manet (1832-1883) kennenlernte. „Die Fräulein Morisot sind zauberhaft. Schade, dass sie keine Männer sind“, soll Manet nach einem der ersten Treffen mit den Schwestern Edma und Berthe im Louvre konstatiert haben. Den „Fräuleins“ blieb der Zugang zum offiziellen Studium an einer staatlichen Kunstakademie – eine rein männliche Domäne – verwehrt und so bedauerte es Manet sichtlich, dass diese herausragenden Talente Frauen waren. Trotz dieser Vorbehalte sollte seine Bewunderung für sie ein Leben lang anhalten. Es erwächst eine enge Freundschaft zwischen ihm und Berthe Morisot; sie arbeiten häufig zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Die

Der Hafen von Lorient (Seelandschaft), 1869, Öl auf Leinwand, 43,5 x 73 cm National Gallery of Art, Washington, Ailsa Mellon Bruce Collection, 1970.17.48, © Photo courtesy of National Gallery of Art, Washington

Vermählung Morisots mit Manets jüngerem Bruder Eugène Manet (1833-1892) im Jahr 1874 verbindet die beiden auch familiär.

MANETS SCHWÄGERIN Berthe Morisots Gesicht dürfte dem kundigen Publikum von zahlreichen Gemälden Édouard Manets bekannt sein. Erstmals taucht sie als zentrale Figur auf dem Gemälde „Der Balkon“ von 1868/69 auf und wird später zu seinem bevorzugten Modell für weitere zehn Gemälde und zahlreiche Skizzen. Das wohl bekannteste Porträt „Berthe Morisot mit Veilchenstrauß“ von 1872 zählt zu Manets Meisterwerken und betört den Betrachter mit seiner unglaublichen Ausdruckskraft bis heute. Dieser Faszination kann der Besucher vor oder nach dem Besuch der Ausstellung in der ständigen Sammlung des Musée d’Orsay nachgehen. Die begabten Schwestern studierten auf Empfehlung von Guichard einige Zeit bei Jean-Baptiste Camille Corot (17961875), der als einer der bedeutenden französischen Landschaftsmaler seiner Zeit und Mitbegründer der Schule von Barbizon sowie der Freilichtmalerei gilt. Zwischen 1860 und 1862 kopierten sie seine italienischen Landschaften und malten während eines Sommerurlaubs gemeinsam mit Corot in und nach der

Natur, was sicherlich die besondere Vorliebe Morisots für die Pleinairmalerei erklärt. Ebenso begeisterte sie sich für die stimmungsvollen Landschaften des Malers Charles-François Daubigny (1817-1878), der wie Corot in der direkten Auseinandersetzung mit der Natur zu den Wegbereitern des Impressionismus zählt. Indem Morisot schon früh die Pleinairmalerei mit Themen des modernen Lebens verband, entsprach sie den Auffassungen des neuen Stils, den sich die Impressionisten auf die Fahnen schrieben. Mittels Malerei sollte ein vorübergehender Augenblick, eine Impression, festgehalten werden.

BEI NADAR Im Jahr 1864 war sie erstmals mit zwei Landschaften im Pariser Salon vertreten und stellte dort regelmäßig bis 1873 aus. Die jährlich stattfindende offizielle Ausstellung im Palais de l’Industrie war im 19. Jahrhundert für die Kunstschaffenden, die Kritiker und das Publikum die wichtigste Präsentation von Kunstwerken in Paris und das gesellschaftliche Ereignis par excellence. Neben Edgar Degas (1834-1917) ist Berthe Morisot die einzige der Impressionisten, die fast nie im offiziellen Salon abgelehnt wurden. Trotz dieser ersten Erfolge und einiger Bedenken

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IMPRESSIONISMUS

Porträt zweier Frauen (Madame Morisot und ihre Tochter, Madame Pontillon), 1869/70, Öl auf Leinwand, 101 x 81,8 cm National Gallery of Art, Washington Chester Dale Collection, 1963.10.186, © Photo courtesy of National Gallery of Art, Washington

seitens Manet, nahm Morisot an der ersten (später spöttisch so bezeichneten) impressionistischen Gruppenausstellung der „Société anonyme des artistes peintres, sculpteurs, graveurs, etc.“ teil, die 1874 in den Räumen des legendären Fotografen Nadar in Paris eröffnete. Teilnehmer waren unter anderem Boudin, Cézanne, Degas, Monet, Pissaro, Renoir und Sisley und – als einzige Frau – Berthe Morisot. Als Mitorganisatorin nahm sie neben Pissaro an sieben der insgesamt acht Ausstellungen bis 1886 teil, mit Ausnahme des Jahres 1879. In der ersten Schau zeigte sie unter anderem das Gemälde von 1869 „Der Hafen von Lorient (Seelandschaft)“, das ihre Schwester vor einer Hafenlandschaft darstellt. „Dein Leben scheint augenblicklich besonders angenehm zu sein. Mit Degas zu plaudern, während man ihm beim Malen zusieht, mit Manet zu lachen und mit Puvis zu philosophieren, ist

gewiß beneidenswert“, schrieb ihr Edma, die in dem Jahr geheiratet und die Malerei aufgegeben hatte. Bereits bei diesem frühen Werk sind die typischen Motive der impressionistischen Malerei bei Morisot vertreten: Das Porträt einer jungen eleganten Dame im Zusammenspiel mit einer Hafen- oder Flusslandschaft, wunderbar verbunden mit den vielfältigen Spiegelungen des Lichts auf der Wasseroberfläche. Manet bewunderte dieses außergewöhnlich frische und subtile Werk Morisots und bezeichnete es als eines ihrer Meisterwerke. Ein Lob mit Folgen: Morisot schenkte ihm das Gemälde. Obwohl sie nicht die professionelle Laufbahn ihrer männlichen Kollegen einschlagen konnte, gelang es der Künstlerin quasi als eine Dilettantin als eine der Schlüsselfiguren im Kreis der Impressionisten in Paris zu etablieren und letztendlich eine wichtige Rolle in der Entwicklung der modernen Kunst zu spielen.

DIE MODERNE FRAU Seit Ende der 1860er-Jahre beschäftigte sich Berthe Morisot wie ihre Künstlerkollegen mit dem Thema des Impressionismus schlechthin: das Weibliche beziehungsweise die moderne Frau in der Natur, im Boudoir, im Theater oder in der Oper, in Parks oder Gärten. Als Frau und Mitglied der gehobenen Gesellschaft konnte sie allerdings nicht wie ihre männlichen Künstlerfreunde das moderne Leben der Pariser in den Vergnügungslokalen, in den Cafés oder im Theater malen. So sind ihre Protagonistinnen häufig junge Mädchen und Damen aus dem Familienund Bekanntenkreis der großbürgerlichen Privatsphäre und Bedienstete wie Ammen oder Haus- und Kindermädchen. Im selben Jahr wie „Der Hafen von Lorient“ entstehen zwei eindrucksvolle Interieurs, die junge Frauen in den komfortablen Salons ihrer Appartements zeigen: Auf dem

Gemälde „Junge Frau am Fenster“ ist ihre Schwester Edma gedankenverloren auf einem Lehnstuhl vor dem geöffneten Fenster, das den Blick auf eine Straße freigibt, zu sehen. Mit kleinen, schnellen Pinselstrichen deutet die Künstlerin die grünen Markisen und Personen an den gegenüber liegenden Fenstern an. Im Mittelpunkt steht jedoch das voluminöse weiße Kleid, das mittels heller Lichtreflexe besonders betont wird. Auffällig ist eine gewisse melancholische Stimmung oder Sehnsucht, die häufig die Porträtierten umfängt. Das Gemälde „Porträt zweier Frauen“ (Madame Morisot und ihre Tochter, Madame Pontillon) von 1869 entstand wie fast alle ihre Gemälde in ihrem privaten Refugium. Hier lässt sich eindeutig ein Interieur im wohlhabenden Elternhaus in Paris erkennen. Nicht zu übersehen sind zudem Manets Änderungen an diesem für Berthe Morisot aufgrund des massigen schwarzen Kleides der Mutter im Vordergrund recht ungewöhnlichem Werk: „Manet fand es sehr gut, abgesehen von den unteren Partien des Kleides. Er nahm den Pinsel und setzte einige, wenige Akzente, die sich sehr gut ausnahmen. Da begann nun mein Mißgeschick. Einmal in Fahrt, war er nicht mehr zu bremsen; zuerst kam der Rock dran, dann der Busen, der Kopf, vom Kopf ging es zum Hintergrund. Um fünf nachmittags war es schließlich die schönste Karikatur, die es je gab“, schrieb sie brüskiert an Edma. Das Gemälde „Die zwei Schwestern“ gehört ebenfalls zu ihren eher ungewöhnlichen Arbeiten. Das Doppelporträt zeigt zwei völlig gleich gekleidete junge Frauen mit denselben gedankenverlorenen, fast schon trägen Gesichtszügen. Ungeachtet der erstaunlichen Ähnlichkeit der beiden sind sie ganz unterschiedlich ausgearbeitet. Die Figur links weist einen dünnen Farbauftrag, die rechte dagegen einen eher kräftigen Pinselstrich auf. Zudem sitzt sie nicht auf dem Sofa, sondern


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auf einem Stuhl davor. Die gepunkteten weißen Kleider kontrastieren mit dem auffälligen Stoff des Fauteuils und dem bemalten Fächer im Hintergrund. Die Fächer dienten während der in Paris herrschenden Japanmode Künstlern als beliebte Bildträger. Auch der Fächer in der Hand erinnert an die populären japanischen Farbholzschnitte und taucht häufig als Motiv im Werk zahlreicher Impressionisten auf. Der bemalte und gerahmte Fächer an der Wand, ein Geschenk von Edgar Degas (1834-1917), weist zudem auf die freundschaftliche Beziehung der beiden hin.

DAS MODERNE LEBEN Mit der Wiedergabe charakteristischer Orte des modernen Paris, dem Inbegriff des modernen Lebens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und einer neuen urbanen Gesellschaft, beschäftigte sich Berthe Morisot in den 1870er-Jahren ebenfalls. Selten ist eine Metropole so schnell und charakteristisch umgestaltet worden wie Paris unter Napoleon III. und seinem Präfekten George-Eugène Hausmann und später in der Dritten Französischen Republik. Zudem war die neue Metropole Paris Schauplatz mehrerer Weltausstellungen. Diese städtebaulichen Interventionen prägen bis heute das unverkennbare Stadtbild von Paris. In dieser Zeit avancierte die Großstadt zum ersten Mal zu einem zentralen

Oben: Zwei Schwestern (Zwei Schwestern auf dem Sofa), 1869, Öl auf Leinwand, 52,1 x 81,3 cm National Gallery of Art, Washington, DC, gift of Mrs. Charles S. Carstairs, 1952.9.2, © Photo courtesy of National Gallery of Art, Washington

Blick auf Paris vom Trocadéro aus, 1871-73, Öl auf Leinwand, 46 x 81,6 cm Santa Barbara Museum of Art, Gift of Mrs. Hugh N. Kirkland, 1974.21.2, Photo © Santa Barbara Museum of Art

Thema in der Kunst, insbesondere unter den Malern des Impressionismus und den damaligen Fotografen. In dem um 1871 entstandenen Gemälde „Blick auf Paris vom Trocadéro aus“ nimmt die Malerin eine ähnliche Perspektive ein wie Manet in seinem Werk „Blick auf die Weltausstellung“ von 1867. Beide zeigen die Aussicht von dem auf einer Anhöhe liegenden Trocadéro auf Paris. Legte Manet den Fokus auf das Gelände mit den Bauten der Weltausstellung von 1867, malte Morisot nach den verstörenden Ereignissen des deutsch-französischen Krieges und der Pariser Kommune 1871 die Metropole als eine friedvolle Stadt mit den markanten Punkten wie der Kathedrale Notre-Dame oder dem

Invalidendom mit seiner goldenen Kuppel. Auffallend kühn kommt das Gemälde daher und besticht in seiner freien Ausführung und der skizzenhaften Andeutung von Einzelheiten innerhalb großer Flächen, in denen Morisot die Pinselstriche frei in breiten und fließenden Strichen aufsetzte. Die Figur eines kleinen Mädchens, das durch ein Gitter nach Paris schaut und sich vom Betrachter abwendet, findet sich im Gemälde „Frau und Kind auf dem Balkon“ wieder. Im Gemälde „Blick auf die Weltausstellung“ von 1867 ist die exakt gleiche Silhouette von Paris, wie sie sich vom Trocadéro aus zeigt, im Hintergrund zu sehen. Allerdings fokussiert sich Morisot hier mehr auf die beiden Figuren im Vordergrund:

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Die Wiege, 1872, Öl auf Leinwand, 56 x 46,5 cm Musée d’Orsay, Paris, erworben 1930, RF 2849. CMR 25 Photo © RMN-Grand Palais (Musée d’Orsay)/Michel Urtado

Oben: Frau und Kind auf dem Balkon, 1872, Öl auf Leinwand, 61 × 50 cm Artizon Museum, Ishibashi Foundation, Tokyo © Artizon Museum, Ishibashi Foundation, Tokyo (vorher Bridgestone Museum of Art)

eine schwarz gekleidete, elegante junge Dame und ein kleines Mädchen im blauen Kleidchen mit weißer Schürze, das durch die Gitter-

stäbe eines Zaunes lugt. Vermutlich handelt es sich bei dem Modell um Morisots älteste Schwester und ihre Tochter. „Ich malte Yves mit Bichette zusammen. Sie machen mir große Schwierigkeiten. Das Bild verliert allmählich seine ganze Frische. Überdies sieht es in der Komposition einem Manet ähnlich. Das ist mir klar, und es ärgert mich“, so die Malerin. Das Geländer im Vordergrund erinnert an das markante Detail in Manets Gemälde „Der Balkon“, für das Berthe Morisot 1868 Modell gesessen hatte. Manet wiederum übernimmt rund ein Jahr später den charakteristischen Bildgedanken Morisots. In seinem ikonischen Gemälde „Die Eisenbahn“ von 1873 steht die Figur des kleinen Mädchens, das sich umgedreht hat, um durch das Eisengitter die einfahrenden Züge im Bahnhof Saint-Lazare zu beobachten, im Zentrum der Komposition. Trotz anfänglichen Zögerns hielt Morisot ihr Gemälde für besonders gelungen. So fertigte sie nur dieses eine Mal ein Aquarell von einem eigenen Ölbild an. Der Begeisterung schließt sich der Betrachter gerne an. Das Gemälde „Frau und Kind auf dem Balkon“ zählt neben den zeitgleich entstandenen Arbeiten „Interieur“ und „Die Wiege“ zu den berühmten Werken der Malerin. Alle drei sind in der Ausstellung im Musée d’Orsay derzeit vereint und zu bestaunen.

MUTTER UND KIND Das Gemälde „Die Wiege“ von 1872 zeigt Edma an einem Himmelbettchen, in dem ihre schlafende Tochter Blanche liegt. Erstmals widmet sich Morisot mit diesem Bild dem Thema Mutter und Kind, das sich später oft in ihrem Oeuvre wiederfindet, insbesondere nach der Geburt ihrer Tochter Eugénie Julie Manet im Jahr 1878. Die malerische Wiedergabe der rechten Hand erinnert unmittelbar an Manets legendäre „Olympia“ und an die für Manet so charakteris-

tische Zeichnung von Händen in seinem Werk. Der verträumte Blick der Mutter und die Linie ihres angewinkelten Armes korrespondieren mit der identischen Haltung des in der Wiege liegenden Kindes. Diese kompositorische Diagonale unterstreicht die innige Verbindung zwischen Mutter und Kind, wobei der Schleier, der zwischen dem Betrachter und dem Baby gezogen wird, dies zusätzlich verstärkt. Der äußerst delikat und raffiniert in freien Pinselstrichen in weißer Farbe ausgeführte Schleier ist meisterhaft mit Grau abgetönt und am Rand durch rosa Flecken akzentuiert, was den harmonischen Eindruck untermauert. Im duftigen Zusammenspiel mit den Vorhängen ruft diese Variante einer „Symphonie in Weiß“ Assoziationen mit den wegweisenden Arbeiten von James McNeill Whistler (1834-1903) hervor. Nachdem Berthe Morisot vergeblich versucht hatte, dieses Meisterwerk zu verkaufen, blieb es bis 1930 im Familienbesitz und gelangte danach in staatlichen Besitz. Heute zählt es zu den Hauptwerken des Impressionismus im Musée d’Orsay.

FIGUR UND NATUR „Sie verbindet die bezaubernde Kultiviertheit einer jungen Pariserin mit anmutiger Natürlichkeit“, beschreibt ein zeitgenössischer Kritiker die gekonnte Verbindung von Figurenund Pleinairmalerei, die das Gemälde „Die Lektüre“ von 1873 sehr schön veranschaulicht. Die Komposition des auf der ersten Impressionisten-Ausstellung 1874 gezeigten Bildes erinnert an ein Genrebild im eigentlichen Sinne: Dargestellt ist eine elegant gekleidete Großstädterin in einer Landschaft, die jedoch noch bäuerliche Elemente wie den Karren im Hintergrund aufnimmt. Besonderen Wert legte Morisot auf die Wiedergabe dekorativer Elemente wie auf den Sonnenschirm und den Fächer der jungen Dame. Die vorder-


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gründig wirkenden Kontraste wie das florale Muster des Kleides inmitten eines blumenübersäten Feldes, der Farbe der Buchseiten ähnelnde Farbe des Kleides oder das grüne Hutband im Zusammenspiel mit dem grünen Gras, lotet sie harmonisch, ja meisterhaft aus. In ähnlicher Weise stellt Morisot bei der „Schmetterlingsjagd“ von 1874 Figuren in ländlicher Umgebung dar und erfasst durch den schnellen und skizzenhaften Pinselstrich wie in fast allen ihren Gemälden den Eindruck eines Augenblicks – das Hauptanliegen der Impressionisten. Ab Ende der 1870er-Jahre überführt Berthe Morisot den locker geführten Pinselstrich ihrer in Pleinair erprobten Landschaftsbilder in die Figurenmalerei. Der Besucher kann sich davon bei einer Reihe von herrlichen Gemälden, die sich ausschließlich dem Thema Frausein widmen, in der Pariser Schau überzeugen. Damit gewann sie bereits ihre Zeitgenossen für sich: „Madame Berthe Morisot ist Französin aufgrund ihrer vornehmen, eleganten, heiteren und unbeschwerten Art. Sie hat eine Vorliebe für erheiternde und rührende Malerei. Sie zerreibt Blütenblätter auf der Palette, um sie dann mit leichten, geschickten, flüchtigen Strichen auf der Leinwand zu verteilen. Die Elemente verbinden sich harmonisch

Von oben nach unten: Junge Frau im Ballkleid, Öl auf Leinwand, 71 x 54 cm Musée d’Orsay, Paris, Photo © Musée d’Orsay, Dist. RMN-Grand Palais/Patrice Schmidt

Die Lektüre (Der grüne Schirm), 1873, Öl auf Leinwand, 46 x 71,8 cm Cleveland Museum of Art, Gift of Hanna Fund, 1950.89. CMR 14, © Cleveland Museum of Art

Schmetterlingsjagd, 1874, Öl auf Leinwand, 46 x 56 cm Musée d’Orsay, Paris, donation Etienne Moreau Nélaton, 1906, RF 1681. CMR 36, Photo © Musée d’Orsay, Dist. RMN-Grand Palais/Patrice Schmidt

und erzeugen schließlich eine subtile, lebendige und reizvolle Atmosphäre“, umschreibt Charles Ephrussi in der Gazette des Beaux-Arts das Gemälde „Junge Frau im Ballkleid“ von 1879 wunderbar poetisch. Die Malerin war mit 15 Gemälden einschließlich der obigen Arbeit auf der fünften Impressionisten-Ausstellung im Jahre 1880 vertreten. Die überbordende Pflanzenwelt im Hintergrund, die die junge Frau regelrecht umfängt, verbindet sich äu-


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IMPRESSIONISMUS

1898), einem engen Freund Morisots, 1894 an den französischen Staat verkaufte.

GEISTIGE KÜHNHEIT

ßerst harmonisch mit dem floralen Stil des üppig dekorierten Dekolletees und dem in schnellen Pinselstrichen gemalten Sitzmöbels. Das Bild faszinierte nicht nur das damalige Publikum, sondern auch einen ihrer Künstlerkollegen, den aus Italien stammenden Giuseppe de Nittis (1846-1884), Teilnehmer der ersten Impressionisten-Ausstellung, der das Gemälde kaufte. Später gehörte es dem Kunstkritiker Théodore Duret (1838-1927), der es auf Drängen des Dichters Stéphane Mallarmé (1842-

„Berthe Morisot handhabt Palette und Pinsel mit wahrhaft überraschendem Zartgefühl. Seit dem 18. Jahrhundert, seit Fragonard sind solche zarten Farben nicht mehr mit einer solchen geistigen Kühnheit aufgetragen worden“, frohlockt im Jahr 1880 ein Rezensent beim Anblick des Ölgemäldes „Frau bei der Toilette“, das zwischen 1875 und 1880 entstand. Mit dem Rücken zum Betrachter schaut sich eine Dame im Spiegel ihres Boudoirs an. In langen, schnellen Pinselstrichen werden die zahlreichen Details der Toilette der eleganten Frau, wie das hochgesteckte Haar, die knisternden Satinstoffe, die Puderquasten, die Glasdose oder die Blütenblätter, eindrucksvoll wiedergegeben. Die verwendeten Farben Weiß, Blau und Rosa sowie die silbrigen Farbtöne evozieren eine pudrige und duftige Atmosphäre und assoziieren unmittelbar die Maler des französischen Rokokos: JeanAntoine Watteau (1684-1721), Fran-

çois Boucher (1703-1790) und den schon erwähnten Jean-Honoré Fragonard. Die Signatur am unteren Spiegelrand kann zudem als Botschaft verstanden werden: Das Abbild im Spiegel ist genauso vergänglich wie der Moment, den die Malerin festhält, flüchtig wie eine Impression. In diesen Bildwelten, die Frauen in ihren privaten Gemächern zeigen, wie das im Musée d’Orsay zu bewundernde Gemälde „Liegende Frau in Grau“, orientierte sich Morisot an dem breiten Repertoire der galanten Szenen der Rokokomaler wie das Räkeln auf dem Divan oder das Pudern des Gesichts. Mit ihrem sehr freien Stil und den kompositorischen Erneuerungen transportierte sie die galanten Szenen und die dekorative Malerei eines Bouchers in das moderne Paris des 19. Jahrhunderts, indem sie diese mit heller und pastellenen Farbpalette, lockerer Pinselführung und meisterhafter Zeichenkunst fortführte. Werden hier quasi die Vorbereitungen einer eleganten Dame für den Tag im häuslichen Interieur malerisch wiedergegeben, zeigen andere Werke ebenfalls ihre große Affinität für modische Themen. Das eindrucksvolle Ganzfigurenporträt „Vor dem Theaterbesuch“ von 1875 hält eine elegante junge Dame in einem langen schwarzen Ballkleid fest, auf dem Morisot mit wenigen hellen Blüten, den weißen Handschuhen und dem Opernglas gekonnt Akzente setzt. In diesen Kontext ist sicherlich auch das Gemälde „Frau mit Muff“ von 1880 einzuordnen. Dargestellt ist eine junge Frau mit modischen Accessoires wie dem wärmenden, aus Pelz gefertig-

Oben: Winter (Frau mit Muff), von 1880, Öl auf Leinwand, 73,5 x 58,5 cm Dallas Museum of Art, © Dallas Museum of Art

Links: Frau bei der Toilette, 1875-80, Öl auf Leinwand, 60,3 x 80,4 cm Chicago, Art Institute of Chicago, Stickney Fund, 1924, n° inv. 1924.127. CMR 85, © Image Art Institute of Chicago


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ten Muff und der Toque, einer typischen Kopfbedeckung des 19. Jahrhunderts. Das als Halbfigur gestaltete Bildnis erinnert an das populäre „Porträt der Madame Molé-Reymond“ von Elisabeth-Louise VigéeLe Brun (1755-1842), eine der berühmten Porträtmalerinnen Europas und Lieblingsmalerin von Marie-Antoinette, das Berthe Morisot sicherlich im Louvre gesehen hat.

ISLE OF WIGHT Auf den Gemälden Morisots finden sich überwiegend weibliche Figuren in und aus ihrem privaten Umfeld, häufig durch Balkone, Fenster, Wintergärten oder Veranden quasi von der Außenwelt abgeschnitten und in den Innenraum verbannt. In dem herrlich leichten Gemälde „In England (Eugène Manet auf der Isle of Wight)“ von 1875 kehrt sie allerdings die Situation kurzerhand um. „Ich habe etwas im Wohnzimmer begonnen, mit Eugène. Der arme Mann hat deinen Platz eingenommen. Aber er ist ein wenig gefälliges Modell, auf einmal ist es zu viel für ihn“, schrieb sie erheitert aus den Flitterwochen auf der Isle of Wight an ihre Schwester. Manet sitzt rittlings auf einem Stuhl im Inneren des Hauses und schaut dem Treiben am Hafen durch ein Fenster zu. Wunderbar löst das einfallende Licht den Vorhang in weiße, flirrende Flächen auf und die Gestalten und Boote erscheinen wie kleine, schwirrende Farbflecken. Zu Beginn der 1880erJahre zerfallen die Formen und Linien immer weiter und so kommt das Gemälde „Mädchen mit roter Schürze“ fast abstrakt wie eine schnelle Skizze daher. Ein kindliches Modell schaut durch ein Fenster des Schlafzimmers im Hause Morisot, die dieses wie andere Räume zum Atelier umfunktionierte. Die Ecken der Leinwände sind immer häufiger gänzlich unbemalt; die Pinselstriche werden zu den Rändern hin leichtfüßiger als im Zentrum des Bildes und

wirken somit unvollendet, so auch bei ihrem Selbstporträt von 1885.

NEUE EXPRESSIVITÄT Träumerisch-melancholische junge Mädchen gehören zu den Hauptmotiven Berthe Morisots, ihr Lieblingsmodell war sicherlich ihre Tochter Julie, die sie in rund 70 Arbeiten festhielt. Insbesondere die späteren Arbeiten wie „Julie mit einem Papagei“ von 1890, „Mädchen mit Windhund“ von 1893, „Julie, verträumt“ von 1894, aber auch das Porträt der später erfolgreichen Pianistin „Lucie Léon am Klavier“ von 1892 verdeutlichen eindrucksvoll eine neue Expressivität und starke Suggestivkraft, die der Pinselführung und dem Farbgebrauch des Norwegers Edvard Munch (1863-1944) in nichts nachstehen. Bis heute wirken die Ölbilder ungemein modern und stilisiert, teilweise radikaler und kühner als die ihrer Künstlerfreunde. Eine zeitgenössische Stimme bringt es auf den Punkt: „Sie streicht die sperrigen Adjektive, die schwerfälligen Adverbien in ihrem klaren Satzbau: Alles ist Subjekt und Verb; sie hat so etwas wie einen Telegrammstil mit funkelnden Vokabeln: Ihr Gedanke kommt in zwei Wörtern unter.“ Zeitgleich mit der erstrangigen Retrospektive der außergewöhnlichen Malerin Berthe Morisot hat das Musée d’Orsay einen Rundgang durch die ständige Sammlung unter dem Titel: „Frauen, Kunst und Macht“ installiert. Dieser veranschaulicht eindrucksvoll die Rolle der Frau als Sammlerin, Künstlerin, Mäzenin, Kuratorin und Kunstkritikerin in der Zeitspanne von 1848 bis 1914 anhand von rund 100 Exponaten und vertieft das Thema ergänzend zur Schau wissenschaftlich fundiert.

Lucie Léon am Piano, 1892, Öl auf Leinwand, 65 x 55 cm Seattle Art Museum, Gift of Mr. and Mrs. Prentice Bloedel, 91.14, © Seattle Art Museum

Oben: Mädchen mit roter Schürze, 1886, Öl auf Leinwand, 60 x 49,9 cm

Die Ausstellung „Berthe Morisot“ ist bis zum 22. September im Musée d’Orsay, Paris zu sehen. Es ist ein Katalog bei Flammarion erschienen.

Rhode Island School of Design Museum, Providence, Helen M. Danforth Acquisition Fund 2010.57 © Photo Erik Gould, courtesy Rhode Island School of Design Museum, Providence

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www.auktionshaus-franke.de


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AUKTIONSNOTIZEN

2. August

8. bis 10. August

Beliebte Triebe

Rätselhaft

Henry’s, Mutterstadt

Franke, Nürnberg

Ein beliebtes Sammlerthema hat sich Henry’s für seine Sommerauktion ausgesucht: Jugendstil und Art déco. Das Angebot ist reich an schönen Stücken, für die sich Fans sicherlich begeistern werden. Die Objekte sind nicht nur stilistisch hervorragend, sie zeichnen sich vor allem aufgrund ihrer anspruchsvollen künstlerischen Qualität aus. So zum Beispiel findet sich unter den Keramiken ein großes Paar Buchstützen der Königlichen Majolika- und Terrakottawerkstatt Cadinen, das äußerst ansehnlich ist. Ebenso wie die SchliepsteinMadonna „Verklärung“, der philosophische Disput von Ferdinand Liebermann in einer Auflage von 200 und ein Lüsterprunkteller von Delphin Massier. Ein Spitzenstück unter den Gläsern ist wohl die Trichtervase von Orivit, die es so nicht so oft gibt. Das Künstlerglas aus Val Saint Lambert mit doppeltem Überfang hat eine vergoldete Zinnmontur. Selten ist auch eine Bechervase von Gabriel Argy-Rousseau mit Chrysanthemendekor in Blau und Violett. Absolut stiltypisch ist ein silbernes Kaffeeset von Koch und Bergfeld mit bezauberndem Liliendekor. Außergewöhnlich ist eine Jugendstiltruhe von Emile Gallé mit intarsierten Winterszenen und meisterlicher Tiefenperspektive. Eine elegante Sitzgruppe von Thonet und eine Büchervitrine, von Koloman Moser für Kohn entworfen, sorgen für besondere Begeisterung. Hochwertige Elfenbeinfiguren von Lucien Edouard Alliot, Johann Balthasar, Trumpfheller und Joes Descomt belegen das Können der Kunsthandwerker dieser Zeit.

Phantastische Raumillusionen, rätselhafte Metamorphosen und die Unerklärlichkeit der Dinge machten Salvador Dalí zu einem der bekanntesten Künstler des Surrealismus. Sein großes druckgrafisches Œuvre umfasst um die 1.500 Radierungen, Holzstiche und Grafiken. Herausragend sind seine Blätter zu Klassikern der Weltliteratur wie Goethes „Faust“ oder Cervantes „Don Quichotte“. Aus der Suite „Mythologie“ erwartet Franke mit großer Spannung den Aufruf der Grafik „Argus“ (Limit 3.500 Euro). Ein weiteres Highlight ist der Teller Visage soleil N°127 in einer Gesamtauflage von 150 Exemplaren von Pablo Picasso aus der Madoura Edition (700 Euro). Auf einer Reise Ende der 1940er-Jahre an die Côte d’Azur entdeckte Picasso das weiche Licht und die kräftige Farbigkeit der mediterranen Landschaft, die fortan sein Schaffen beeinflussen. Auf einer Ausstellung in Vallauris lernte er die Inhaber der örtlichen Töpferei, Suzanne und Georges Ramié, kennen und begann mit ihnen eine 25-jährige Zusammenarbeit. In dieser Zeit entwarf er zahlreiche farbenfrohe Gebrauchskeramiken. Das Licht ist für Günther Uecker bei seinen weltbekannten monochromen Prägedrucken ein wichtiges Gestaltungsmittel. Charakteristisch bei den zentralen Arbeiten ist das handgeschöpfte Büttenpapier und die reliefartige, nahezu vibrierende Oberfläche, die er mittels intuitives Anordnen von Nägeln auf Holzplatten, die als Druckvorlage dienen, erzeugt. Für den Prägedruck „Bewegtes Feld“ von 2001 darf ab 1.900 Euro mitgeboten werden. Innerhalb der breitgefächerten Gemäldeofferte, die Kostbarkeiten vom Barock bis zur Moderne beinhaltet, sticht eine feine Auswahl an impressionistischer Malerei des 20. Jahrhunderts besonders hervor. Hier überzeugen Otto Altenkirchs Gemälde „Birkenweg am Heller“, das ein lichtdurchflutetes Birkenwäldchen zeigt

TELEFON | 06234/80110 WEBSEITE | www.henrys.de

Schliepstein, Verklärung. Henry’s, Mutterstadt, 02.08.2019

Salvador Dalí, Argus, 1963, Heliogravure/Kaltnadelradierung, handkoloriert, aus der Mappe „Mythologie“, 39 x 49 cm (Limit 3.500 Euro). Franke, Nürnberg, 08.-10.08.2019


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AUKTIONSNOTIZEN

(7.500 Euro) sowie Otto Dills vibrierende Pinselführung im Gemälde „In Bewegung“ (3.000 Euro). Unter den insgesamt rund 4.000 Objekten aus über 30 Sammelgebieten fällt das exquisite Angebot an Schmuck und Uhren auf, deren Positionen vor allem aus dem Biedermeier, aus der Zeit des Jugendstils und Art décos stammen sowie Designstücke beinhalten. Eine Besonderheit unter den Uhren ist die Louis-Seize-Kaminuhr aus der Zeit um 1770/80, die aufgrund ihres aufwändig geschnitzten Holzgehäuses und der Dekoration mit Jahreszeitallegorien und Personifikationen der Erdteile hervorsticht.

nalen Goldfinger-Ausstattung versteigert. Die Autos wurden damals in die USA gebracht, um den Nachfolge-Bond „Thunderball“ zu promoten. Danach landeten sie in der Sammlung von Lord Anthony Bamford, der einen an B.H. Atchley, den Eigentümer des Smokey Mountain Car Museum in Pigeon Forge, Tennessee weiterverkaufte. Der Aston Martin war 35 Jahre das Herzstück des Museums. Danach führten die Schweizer Aston-Martin-Spezialisten Roos Engineering eine Restaurierung durch, bei der auch alle originalen Bond-Modifikationen überholt wurden.

TELEFON | 0911/5273720 WEBSEITE | www.auktionshaus-franke.de

TELEFON | +1/(0)519/3524575 WEBSEITE | rmsothebys.com

15. August

24. August

Licence To Drive

Fluoreszierend

Sotheby’s, Monterey

Kastern, Hannover

Früher war die kalifornische Küstenstadt Monterey die Sardinenhauptstadt der Welt. Bis in die 1950er-Jahre lebten die Leute vom Fischfang. Cannery Row heißt die Straße mit den Konservenfabriken, das Leben der Leute verewigte John Steinbeck in seinem Roman „Straße der Ölsardinen“ (engl. „Cannary Row“). Heute ist Monterey einer der vielen Hotspots, der weltberühmte Golfclub Pebble Beach ist nah, und Mitte August gibt es die Monterey Car Week, bei der sich Sammler von außergewöhnlichen und seltenen Luxusautomobilen aus der ganzen Welt treffen. In diesem Zeitraum veranstaltet RM Sotheby’s unter dem Titel „An Evening with Aston Martin“ eine ganz besondere Auktion. Versteigert wird der wohl meist bekannte, ikonische Aston Martin, der „James Bond Aston Martin DB5“ von 1965, den 007 in „Goldfinger“ fuhr. Ausgesucht vom damaligen Produktionsdesigner Ken Adam und Special-Effects-Mann John Stears, die für den James-BondStreifen ein adäquates Fahrzeug für die Hauptfigur mit der Lizenz zum Töten suchten. Aston Martin baute zwei fast identische Autos, die verschiedene Funktionen erfüllen mussten, um sie der Filmproduktionsfirma vorstellen zu können. Der durchschlagende Erfolg von „Goldfinger“ war ebenso ein Erfolg für Aston Martin, wo die Nachfrage für den DB5 stieg. In Monterey werden nun zwei Aston Martin DB5 mit der origi-

Der Glaskönig des Isergebirges, Josef Riedel, erfand im 19. Jahrhundert ein neues Farbglas, das wunderschön gelblichgrün oder grün-gelblich leuchtete. Er nannte die Farben Annagrün und Annagelb, nach seiner Frau. Seinen besonderen Reiz entfaltet dieses Glas unter einer Schwarzlichtlampe. Dann nämlich beginnt die Uranoxidverbindung, die als Farbstoff dient, besonders schön zu fluoreszieren. Neben Böhmen stellten auch Frankreich und Belgien Uranglas her. Heute sind Urangläser nur mehr aus Sammlungen erhältlich, ein gesundheitliches Risiko wird bei verantwortungsvollem Umgang weitgehend ausgeschlossen. Kastern hat nun eine umfangreiche Uranglassammlung des Biedermeiers, Jugendstils und Art décos im Angebot, deren besonderer Reiz vor allem unter UV-Licht sichtbar wird. Dazu kommen Grafiken aus der Teilsammlung Schenning sowie Werke der Sammlung Delta/Bahlsen und ehemals Sammlung Herlitz AG.

James Bond‘s Aston Martin DB5 in Goldfinger. Sotheby’s, Monterey, 15.08.2019

Uranglassammlung unter UV-Licht. Kastern, Hannover, 24.08.2019

TELEFON | 0511/851085 WEBSEITE | www.kastern.de

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AUKTIONSNOTIZEN

Nachberichte

Figürlich Schloss Ahlden Topergebnisse mit teilweise spektakulären Zuschlägen und Höchstpreisen gab es insbesondere bei Skulpturen und Plastiken der Moderne, die einen Querschnitt durch die Kunst figürlicher Bildhauerei im 20. Jahrhunderts zeigen. Eine sensible bildhauerische Position fern von jeglichem Pathos spiegeln die Arbeiten Gerhard Marcks’ wider. Die kleine Kollektion von Bronzen wurde fast komplett verkauft, darunter die straff und blockhaft stilisierte Aktfigur der „Stehenden Duttknoterin“ von 1979 mit einem Zuschlag von 22.500 Euro. Begehrt war seine noch in der Zeit seiner Verfemung als „entarteter Künstler“ 1943 modellierte „Sinnende", für die bei 15.000 Euro der Schätzpreis verdoppelt wurde. Renée Sintenis wurde zwar vor allem als Tierbildhauerin bekannt, widmete sich aber zugleich Bildnissen und der menschlichen Figur. Aus einer Werkgruppe expressiver Knaben- und Hirtenfiguren stammte ein Exemplar des „Jungen mit Panflöte" von 1950, das mit 13.500 Euro einen neuen Auktionsrekord für diese Statuette erlöste. Unbeschwerte Fröhlichkeit versprühen die Plastiken Niki de Saint Phalles, die ab 1965 mit ihren teilweise riesigen, farbenfroh gestalteten, sinnlich-erotischen, voluminösen, weiblichen Nana-Figuren international Furore machte. Ihre 1973 entstandene poppige „Nana de Berlin" ging für 17.500 Euro nach Paris. Ein moderat taxierter Lauchhammer-Guss nach der weltberühmten griechischen Bronzeplastik des „Antinous", die 1747 König Friedrich II. von Preußen für Sanssouci erworben hatte und heute in der Antikensammlung in Berlin ist, fand größtes Interesse unter mehreren Liebhabern. Ein deutscher Verleger ersteigerte den schönen Jüngling für 35.000 Euro gegen hartnäckige Konkurrenz. In der Gemälde-Sparte orientierten sich die Zuschläge meist an den Taxen. Ein stofflich virtuos gemaltes großes Prunkstillleben mit Früchten und Federwild des flämischen Malers Frans Ykens, der von seinen Zeitgenossen wie Peter Paul Rubens hoch geschätzt und gesammelt wurde und heute im Prado mit Werken vertreten ist, ging für 33.500 Euro an einen russischen Sammler. In seiner unmittelbaren Auffassung faszinierte die 1909 entstandene, lebendige, kleine Straßenszene „Berlin: Nationaldenkmal“ von Theodor Groll, die mehrere Sammler zu einem engagierten Bietgefecht verführte; mit 25.000 Euro Zuschlag konnte der dritthöchste Auktionspreis für ein Werk des Düsseldorfer Architektur- und Landschaftsmalers erzielt werden. Seine sommerlich-heiteren, impressionistischen Szenen mit jungen, eleganten Damen an Ufern des Ammersees und Starnberger Sees machten den Amerikaner Edward Cucuel, der von 1907 bis 1939 in Deutschland tätig und zur Künstlergruppe „Die Scholle“ gehörte, bekannt. Sein charakteristisches Gemälde „Am Bootssteg" ging für 43.500 Euro an einen österreichischen Bieter. Schwerpunkt in der Asiatika-Offerte war die Sammlung Günther Köpping Teil I, der in Berlin eine umfangreiche Kollektion mit dem Fokus auf Jade-Objekte zusammengetragen hatte und die zum allergrößten Teil mit oft beträchtlichen Steigerungen verkauft werden konnte. Exzeptionelles Kleinod war ein durchbrochen gearbeiteter, chinesischer Haarschmuck aus soge-

nannter Hammelfettjade mit üppigem Rankenwerk, Drachen, Pannonien und Kranichen. Vier engagierte Telefonbieter aus dem Reich der Mitte lieferten sich eine Bierschlacht und steigerten diesen auf 22.500 Euro. Die chinesische Porzellanschale mit „Drei Freunde“-Dekor, die aus der berühmten Sammlung des englischen Textilfabrikanten Alfred Morrison in Fonthill House in Wiltshire wurde auf 23.500 Euro gesteigert. Wie sehr wertsteigernd Provenienz ist, belegt ein großer Famille-Verte-Teller mit einer Flusslandschaft aus der Kangxi-Periode von circa 1720. Dieser hat die sogenannte Johanneumsmarke und lässt sich im Inventar der bedeutenden Sammlung ostasiatischer Porzellane des Japanischen Palais in Dresden nachweisen, befand sich also einst im Besitz August des Starken, Kurfürst von Sachsen und König von Polen. Für 10.000 Euro ging er an einen Sammler im Saal, das Vierfache des Schätzpreises. TELEFON | 05164/80100 WEBSEITE | www.schloss-ahlden.de

Gerhard Marcks, Stehende Duttknoterin, 1979, Bronze, 2/10, Guss Barth, Rinteln, H 98,5 cm (Zuschlag 22.500 Euro). Schloss Ahlden, Mai 2019


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AUKTIONSNOTIZEN

Millionenschwerer Tennisballbehälter

Im Lotussitz zum Erfolg

Koller, Zürich

Van Ham, Köln

Für ein chinesisches Weihrauchbecken aus der Zeit um 1700 erzielte Koller einen Rekordpreis von 4,8 Millionen Schweizer Franken. Das in teilvergoldeter Bronze gefertigte Becken stammte aus Schweizer Privatbesitz und befand sich seit drei Generationen in derselben Familie. Es diente als Behälter für Tennisbälle, als die Experten von Koller es im Herbst entdeckten. Das Weihrauchgefäß war der Star der Antiquitätenmesse in Hongkong, wo Koller es im Vorfeld der Auktion zusammen mit weiteren Highlights präsentiert hatte. An der Auktion in Zürich beteiligten sich folglich auch die wichtigsten asiatischen Sammler und lieferten sich einen regelrechten Bieterwettkampf um das Becken. Das Rennen machte schließlich ein Sammler aus China. Qualität, Größe und Design des Objekts sind einzigartig. Zwei Phönix-Köpfe, deren Schwingen in Pfingstrosen (Päonien) übergehen und das Gefäß umfassen, dienen als Henkel. Der Phönix gilt in China als Königin unter den Vögeln, die Päonie als Königin unter den Blumen. Zusammen symbolisieren sie Reichtum und Glück. Der Phönix steht auch für die chinesische Kaiserin, weshalb das Becken vermutlich für einen kaiserlichen Palast oder Tempel geschaffen wurde. Der erzielte Preis von 4,8 Millionen Franken ist Rekord für ein vergleichbares Objekt. Er ist auch das Ergebnis der ausgezeichneten Kontakte, die Koller seit Jahren zu Sammlern in China pflegt. Seit 2011 ist das Zürcher Auktionshaus mit einer Repräsentanz in Peking vertreten und jährlich an der wichtigsten Antiquitätenmesse in Hongkong präsent.

Nur für den unteren Teil einer feuervergoldeten Bronze einer sitzenden buddhistischen Figur in Lotushaltung wurde bei Van Ham im Frühsommer der Schätzpreis von 30.000 Euro überraschend verdreifacht. Obwohl bei dieser Größe eine Repoussé-Arbeit üblicher erscheint, lässt die Wandstärke jedoch einen Guss in mehreren Teilen vermuten. Der Torso vermittelt noch immer die große Eleganz und Ausdruckskraft der ehemaligen Figur, für den ein chinesischer Bieter 90.300 Euro einsetzte. Daneben beindruckte ein sitzender Buddha Amida Nyôrai neben seiner bedeutenden Provenienz auch mit seiner Publikations- und Ausstellungshistorie. Zunächst war er Teil zweier Sammlungen in Los Angeles, dann in einer weiteren Privatsammlung. Ausgestellt wurde die Holzfigur mit Lack und Vergoldung 2009 im Crocker Art Museum in Sacramento, Kalifornien. Nun wurde der Buddha in Lotushaltung mit den Händen in Meditationsgeste (jô in) aus der japanischen Kamakura-Zeit (1185-1333) für 77.400 Euro verkauft. Seine Größe von rund 72 Zentimeter lässt darauf schließen, dass es sich einst um eine Tempelfigur handelte. Ein kaiserlicher Teller mit den Acht Buddhistischen Schätzen aus der bekannten Sammlung des Hamburger Juristen Dr. Roland Sonderhoff gehörte ebenfalls zu den Höhepunkten der Van-Ham-Auktion für Asiatische Kunst und wurde für 55.470 Euro einem chinesischen Bieter verkauft. Aus Japan stammt das meisterliche Netsuke der eleganten Tänzerin Izumo no Okuni, die für 38.700 Euro, das Dreifache des Schätzpreises, in eine süddeutsche Sammlung ging. Fünf Porzellanvasen mit kobaltblauer Unterglasur aus der Kangxi-Periode (1661-1722) wurden für 36.120 Euro nach China versteigert, für mehr als das Neunfache ihres Schätzpreises.

TELEFON | +41/(0)44/4456363 WEBSEITE | www.kollerauktionen.ch

TELEFON | 0221/9258620 WEBSEITE | www.van-ham.com

Phönix-Becken, China, 17./18. Jahrhundert, Bronze mit vergoldetem Reliefdekor, H 24 cm, B 59 cm (Ergebnis 4,8 Mio. CHF). Koller, Zürich, Juni 2019

Torso einer sitzenden buddhistischen Figur, Tibet/Nepal, ca. 15./16. Jahrhundet oder später, Bronze mit Feuervergoldung, H ca. 20 cm (Ergebnis 90.300 Euro). Van Ham, Köln, Juni 2019

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kannten Nazareners fiel bei 10.930 Euro der Hammer (Limit 1.800 Euro). In vielerlei Hinsicht ungewöhnlich ist die barocke Darstellung der Kleopatra. Unerwartet hoch kletterte das mit 6.000 Euro limitierte Gemälde. Es wurde für 13.360 Euro verkauft. Für einen 93 Jahre alten Kohlrabi, den Max Feldbauer im Jahr 1926 malte, wurden 1.940 Euro geboten (Limit 800 Euro). Nicht weniger begehrt waren zeitlose Landschaften, darunter „Die Sternbrücke und die Kegelbrücke bei Weimar“, die um 1885 von Christian Rohlfs auf die Leinwand gebracht wurde (Limit 550 Euro, Zuschlag 3.640 Euro) oder Alexander von Szpingers „Heuwagen“, ein Maler, der ebenfalls der Weimarer Malerschule zuzuordnen ist (Limit 460 Euro, Zuschlag 2.670 Euro). Die dem Maler Gustave Loiseau zugeschriebene „Bretagne-Küstenlandschaft“ wurde für 7.290 Euro verkauft. TELEFON | 03672/424350 WEBSEITE | www.auktionshaus-wendl.de

Kleopatra, Barock (Ergebnis 13.360 Euro/Limit 6.000 Euro). Wendl, Rudolstadt, Juni 2019

Millionen-Andy Ketterer Kunst, München

Tolle Zuschläge Wendl, Rudolstadt Auf stolze 47.350 Euro brachte es zur heißen Sommerauktion bei Wendl ein wunderbares Silberkernstück, das Josef Hoffmann für die Wiener Werkstätte entworfen hat. Fast das Zehnfache des Limitpreises von 5.500 Euro. Unter den Kleinodien lockte ein äußerst feines Mikromosaik, auf dem die Tauben des Plinius dargestellt sind. Der Hammer fiel hier bei 1.580 Euro (Limit 330 Euro). Von einer unglaublichen Größe war dagegen ein persischer Medaillonteppich, der um die 36 Quadratmeter misst und für den es sieben Mann benötigte, um ihn zu tragen. Für 2.670 Euro verließ das handgeknüpfte Stück das Haus. Ein voller Auktionssaal und sehr aktive Internetbieter erfreuten die Auktionatorinnen Anke und Julia Wendl bei der wie immer starken Kategorie „Porzellan“. Die Gothaer Ansichtentasse mit dem Porträt des Herzogs August von Sachsen-Gotha-Altenburg errang nach hartem Kampf ein im Saal anwesender Privatsammler für 3.400 Euro. Bei der KPM-Tasse im etruskischen Stil aus dem frühen 19. Jahrhundert konnte die Auktionatorin anfangs nicht so schnell zählen, wie sich die Internetbieter in die Höhe klickten. Auch hier fiel erst bei 3.400 Euro der Hammer (Limit 240 Euro). Sehr gute Zuschläge erhielten durchweg die hochwertigen Porzellane aus dem Nachlass des 2012 verstorbenen Wirtschaftswissenschaftlers Professors Dr. Klaus von Wysocki. Auf den zweiten Teil dieser Sammlung darf man sich zur Herbstauktion (24. bis 26. Oktober) freuen. Zwei Porzellangemälde der KPM Berlin, „Psyche“ sowie ein sinnlicher Frauenakt wurden bei 4.000 und 2.670 Euro zugeschlagen. Auch bei den Gemälden erregten die Darstellungen schöner Frauen die Bietergemüter. Für stolze 12.140 Euro wurde die Gerhard von Kügelgen zugeschriebene „Medea mit ihren zwei Söhnen“ (Limit 3.900 Euro) versteigert. Für das Mädchenbildnis eines unbe-

Deutlich über 28 Millionen Euro realisierte Ketterer Kunst in den sieben Auktionen, die den Auftakt des Jubiläums zum 65-jährigen Bestehen des Hauses machten. Es ist das beste Frühjahrsergebnis überhaupt sowie das mit Abstand beste Resultat der Auktionssaison in Deutschland. Mit insgesamt 55 Erlösen (2018 waren es 44 im gleichen Zeitraum) erreichte oder übertraf man in München die 100.000-Euro-Marke. Der unangefochtene Star der Abendauktion und der gesamten Saison heißt Wassily Kandinsky. Gemeinsam mit Andy Warhols „Portrait of a Lady“ sorgte sein Gemälde „Treppe zum Schloss“ für die einzigen beiden Millionenerlöse im

Andy Warhol, Portrait of a Lady (Ergebnis 1.125.000 Euro/Aufruf 360.000 Euro). Ketterer Kunst, München, Juni 2019


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AUKTIONSNOTIZEN

ersten Halbjahr auf dem deutschen Auktionsmarkt. Nachdem mit der Kunst des 19. Jahrhunderts und den wertvollen Büchern schon einige Tage zuvor ein Gesamterlös von über 3,3 Millionen Euro erzielt worden war, beschloss Ketterer nun mit 25 Millionen Euro, die für Kunst des 20./21. Jahrhunderts im Juni eingingen, die erste Hälfte des Jubiläumsjahres mit einem fulminanten Finale. TELEFON | 089/552440 WEBSEITE | www.kettererkunst.de

Menschmaschine

Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen erworben und mit 98.000 Euro zur Auktion aufgerufen. Auch der Name Marc Chagall sorgte für die hohen Zuschläge von 7.500 Euro für die Farblithographie „La grande Corniche“ und von 3.400 Euro für ein Exemplar aus der Auflage von 75 Blatt „Hommage à Marc Chagall“. Für die Grafik von Heinz Mack, eine silberfarbene Rotation auf schwarzem Grund, zahlte ein Bieter über eines von drei Onlineportalen den Aufrufpreis von 600 Euro. Aus der Auflösung einer Sammlung zeitgenössischer Skulpturen und Gemälde sicherte sich ein Saalbieter eine der gelackten Stahlskulpturen von Willi Siber für 2.400 Euro. TELEFON | 0711/2209087 WEBSEITE | www.eppli.com

Eppli, Leinfelden-Echterdingen Notiz Das Spitzenstück in Epplis Juni-Auktion ersteigerte ein Onlinebieter aus Prag für 120.000 Euro. Es ist eine großformatige Komposition des Prager Künstlers Mikulas Medek aus dem Jahre 1970, in der sich eine menschliche Figur mit Teilen aus Maschinen und Architektur vereint. Das in Blau- und Rottönen vor schwarzem Hintergrund komponierte Werk „Magnetica VEZ“ wurde in einer Ausstellung Mikulas Medeks in der

Mikulas Medek, Magnetica UEZ, 1970, Mischtechnik auf Leinwand, 120 x 70 cm (Zuschlag 98.000 Euro). Eppli, Leinfelden-Echterdingen, Juni 2019

Ernst Nolte Jahrelang hatte das Sammlerjournal über die Auktionen bei Hauswedell & Nolte in Hamburg berichtet. 2016 wurde die Firma aufgelöst. Deren seinerzeitiger Inhaber, Ernst Nolte beging am 24. Juli 2019 seinen 80. Geburtstag. Ernst Nolte absolvierte im Stuttgarter Antiquariat bei Dr. Kocher-Benzing eine Lehre als Antiquar. An alten Büchern ebenso wie an moderner Kunst interessiert, besuchte er die heute legendären Auktionen von Roman Norbert Ketterer, beriet Kunden und baute eine Sammlung auf, die Hauswedell & Nolte 1968 zur Auktion erhielt. In diese frühen Jahre von H&N fallen auch die Versteigerungen der Kollwitz-Sammlung Salman Schockens (Berlin-Jerusalem) und dessen umfangreiche Sammlung von deutscher Literatur und Manuskripten, unter anderem von Novalis, Kafka, Thomas Mann. Aufgrund Ernst Noltes persönlicher Verbindung zu US-amerikanischen Händlern wie Serge Sabarsky und Leonard Hutton, Sammlern wie Lionel Epstein in Washington, dessen bedeutende Munch-Sammlung die National Gallery in Washington erhielt, Nelson Blitz in New York mit einer Sammlung von Hauptblättern Kirchners und Munchs, Gore Rifkind in L.A., Marvin Fishman in Milwaukee – um nur einige zu nennen – gelangte deutsche Kunst, zumeist aus Emigrantenbesitz, aus den USA wieder nach Deutschland. Manches ging auch den umgekehrten Weg, wie Karl Schmidt-Rottluffs „Blühende Bäume“, der erste Millionenzuschlag in Deutschland in DMark an Leonard Hutton. Auch Heinz Berggrün gehörte zu den regelmäßigen Teilnehmern der Auktionen: Das KleeAquarell mit dem berührenden Titel „Bilderinschrift für Irene, wenn sie einmal größer ist“ hängt in seinem Berliner Museum. Jan Kurier ersteigerte 2001 die großformatige Sepia von C. D. Friedrich „Blick auf Arkona mit untergehendem Mond“, für sein Pariser Museum. Nach seinem Tod wurde es für die Hälfte des damaligen Zuschlages in England versteigert. Im März 2016 wurde die Firma Hauswedell & Nolte aufgelöst, das Archiv ins ZADIK Köln überführt und die außerordentlich umfangreiche Handbibliothek zu Teilen nach China verkauft. Der Jubilar genießt die gewonnenen zeitlichen Freiräume, kann sich seiner großen Bibliothek widmen und – was früher entschieden zu kurz kam – auch überregionale Kulturangebote wahrnehmen. Happy Birthday, Herr Nolte!

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L I T E R AT U RT I P P

1,90 x 3,40 Architektur und Design

nicht mystifiziert. So lenkt dieses Katalogbuch ganz zu Recht im Jahr des omnipräsenten Bauhausjubiläums den Fokus auf die Mainmetropole und belegt, dass man nicht nur in Weimar der Moderne ein Gesicht gab.

Klemp, Klaus / Weber, Grit / Sellmann, Annika / Wagner, K. Matthias: Moderne am Main 1919-1938, Klappenbroschur, 296 Seiten, 350 Abbildungen in Farbe und Schwarzweiß, avedition, Stuttgart, 2019. Preis: € 39,-. „Die neue Wohnung muß so eingerichtet sein, daß der Mensch die Hauptsache ist und nicht die Dinge es sind. Die Wohnung ist ein Gebrauchsgegenstand wie Kleider und Schuhe, kein Schaustück oder Museum, in dem der Mensch lediglich der Wärter ist, und so ergibt sich von selbst, daß ihre Formen unauffällig und selbstverständlich sind.“ Getreu dieser, seiner Maxime entwarf der Wiener Architekt Franz Schuster (1892-1972), seit 1928 Leiter der Innenarchi-

ISBN 978-3-89986-303-1

Ungeläufig Malerei Riedel, David (Hg.): Gesehen, erschaut und erlebt. Der Dresdner Impressionist Robert Sterl, 127 Seiten, Abbildungen in Farbe und Schwarzweiß, Hirmer Verlag, München, 2019, Preis: € 24,90. Nicht vergessen, aber mancherorts „ungeläufig“ sei der Name und das Werk des Malers Robert Sterl (1867-1932) seit seinem Tode geworden, stellte der Kunsthistoriker Heinrich Becker 1952 fest. Er stützte dieses Urteil auf die Tatsache, dass der zu Lebzeiten durchaus angesehene und von Kollegen hochgeschätzte Künstler in westdeutschen Museen kaum vertreten war, anders als in der ehemaligen DDR, wo der gebürtige Dresdner und spätere Professor der dortigen Kunstakademie dem breiten Publikum präsent geblieben war. Dass er in der Bundesrepublik aber nicht ganz dem Vergessen anheim gefallen ist, verdankte Sperl der Bewunderung und Intitiative seines jungen Künstlerkollegen Peter

tekturklasse an der 1923 neu gegründeten „Frankfurter Kunstschule für freie und angewandte Kunst“, zusammen mit seinen Studierenden u. a. modulare Kastenmöbeln. Sein systemisches Mobiliar wurde, obwohl erfolgreich, nicht so populär, wie die explizit als „Frankfurter Küche“ bezeichneten Einbaumöbel seiner Berufskollegin Grete SchütteLihotzky. Ihre moderne Arbeitsküche auf nur 6,5 Quadratmetern (1,90 m breit und 3,40 m lang) wurde zum Inbegriff für das „Neue Frankfurt“, einem umfassenden Programm für modernen Städte- und Wohnungsbau, das keineswegs nur auf innovative Hochbau- und Innenarchitektur ausgerichtet war. Die Initiatoren und Akteure dieser Modernisierungsoffensive in der Mainmetropole brauchen einen Vergleich mit dem Bauhaus nicht zu scheuen. Anders als die später ehrfürchtig bewunderte Institution rund um Walter Gropius wurden die Frankfurter Bewegung posthum jedoch


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obwohl sich „bereits“ in den 1980er-Jahren eine feministische Kunstgeschichtsschreibung etablierte, noch immer ein relativ schiefes Bild über die historische, weibliche Kunstszene existiert. So gehört beispielsweise die Tatsache, dass in Wien um die Jahrhundertwende Frauen im öffentlichen Kunstbetrieb durchaus eine Rolle spielten, nicht zum Allgemeingut. Dabei waren Malerinnen und mit einiger Verspätung selbst Bildhauerinnen damals durchaus im öffentlichen Bewusstsein verankert. In der großen Kunstschau im Jahre 1908, die Gustav Klimt verantwortete, stammte beispielsweise ein Drittel (!) der ausgestellten Arbeiten aus weiblicher Hand. Die kurz darauf gegründete Vereinigung bildender Künstlerinnen in Österreich (VbKÖ) tat dann das Ihrige dazu, die Popularität ihrer weiblichen Mitglieder zu steigern und veranstaltete zu diesem Zweck u. a. eigene Ausstellungen, beginnend mit der gut besuchten Retrospektive „Die Kunst der Frau von 1600-1910“. Wie kam es aber dann dazu, dass diese nicht nur für damalige Zeiten überaus fortschrittliche Situation nebst deren Protagonistinnen aus dem kollektiven Gedächtnis verschwanden? Eine kürzlich in Wien zu Ende gegangene Ausstellung stellte genau diese Frage. Mit der Suche nach Antworten

August Böckstiegel, den er selbst nach Kräften gefördert hatte. Sofern die eigenen Mittel es zuließen, erstand Böckstiegel Arbeiten seines Mentors oder vermittelte diese mit viel Elan und Erfolg an befreundete Kunstsammler. Im Museum Peter August Böckstiegel gedachte man dieses Jahr dem sächsischen Impressionisten, der ein Faible für Musikerporträts hatte und dessen Bilder rund um das Motiv Steinbruch eine weitere zentrale Stellung im Gesamtœuvre einnehmen. Die vorliegende Publikation zeigt jedoch auch noch andere Facetten seines Könnens. ISBN 978-3-7774-3283-0

Korrektur Malerei und Bildhauerei Rolling, Stella / Fellner, Sabine (Hg.): Stadt der Frauen / City of Women – Künstlerinnen in Wien 1900-1938 / Female Artists in Vienna 1900-1938, 303 Seiten, Text in Deutsch und Englisch, zahlreiche, überwiegend farbige Abbildungen, Prestel Verlag, München, London, New York, 2018, Preis: € 45,-. Dass es, aller Widrigkeiten zum Trotz, immer auch weibliche Künstlerinnen gab, ist hinlänglich bekannt – und zwar nicht erst seit Kurzem. Interessant oder eher irritierend ist, dass

begann auch die buchstäbliche Suche nach den Werken dieser Künstlerinnen. Da ein Großteil von ihnen zu den Opfern des Naziregimes gezählt werden müssen, gingen ihre Bilder teilweise verloren oder wurden aufgrund unsachgemäßer Lagerung oft irreparabel beschädigt. Diese Rückbesinnung muss folglich unvollständig bleiben, dennoch ist es gelungen, eine erstaunliche Vielzahl sowie Vielfalt dieser Kunst von Frauen aufzuspüren und ihre Urheberinnen einer fälschlich kolportierten Bedeutungslosigkeit zu entreißen. ISBN 978-3-7913-5865-9

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VORSCHAU/IMPRESSUM

VORSCHAU ANGELIKA KAUFMANN Unbekannte Schätze der klassizistischen Malerin

FRANTISEK BILEK Expressionist – Symbolist – Mystiker

Erscheinungstermin SJ 09/2019 Abonnentenversand: 24.08.19 Erstverkaufstag Handel: 27.08.19

SAMMLER JOURNAL

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Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/08 vom 01.11.2008 Bildnachweise links: Angelika Kauffmann, Flora, 1790, Vorarlberg, Privatsammlung © AKRP, Foto Markus Tretter; František Bílek, Porträtkopf des Sohnes František, um 1920, Marmor (unvollendet, am Hals abgebrochen), Höhe 25,5 cm, Privatsammlung


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