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APRIl 2019
April 2019 · B 1309 | € 8,00 Schweiz CHF 12,30 | Österreich € 8,90 | Be/ne/lux € 9,00
SAMMleR JouRnAl
KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN
Über 2.000 Termine
AUSSTELLUNGEN AUKTIONEN HAMMERPREISE
Goldene Zwillinge Der Reiz von Manschettenknöpfen
Meister der Renaissance Andrea Mantegna und Giovanni Bellini
Künstlerbücher aus der Sammlung Würth
Georg Jensen
GEMI
Teil II: Die Bestecke
100 Jahre Bauhaus Design und Dasein, Teil I
U2_Georg_Jensen
11.03.2019
13:35 Uhr
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www.henrys.de
www.georgjensen.com
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INHALT
FOTOKUNST Japan, Stillleben, UMBO, Sicherheit
GOLDENE ZWILLINGE Der Reiz von Manschettenknöpfen von Regina Voges
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Titelbild: Das Bauhaus in Dessau, Foto: Gerd Reddersen
DESIGN UND DASEIN SAMMLER-SERVICE
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MAGAZIN
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MESSETERMINE
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KUNSTMARKT
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AUKTIONSTERMINE
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INSERENTENVERZEICHNIS
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AUKTIONSNOTIZEN
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AUSSTELLUNGSTERMINE
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AUSSTELLUNGEN
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AUKTIONSPREISE
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VORSCHAU | IMPRESSUM
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100 Jahre Bauhaus, Teil I von Dr. Wolfgang Hornik
MEISTER DER RENAISSANCE Mantegna und Bellini von Anja Iwa
BUCH ODER OBJEKT? Die Welt der Künstlerbücher von Hans-Jürgen Flamm
GEORG JENSEN, TEIL II Speisen mit Jensen: Die Bestecke von Dr. Bettina Krogemann
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SAMMLER-SERVICE
Auf Mahagoni gebeizt Biedermeierstuhl
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Vor vielen Jahren habe ich diesen Stuhl auf einem Flohmarkt erworben. Aufgrund des restaurierungsbedürftigen Zustandes interessiert es mich, welchen Wert dieser Stuhl hat oder haben könnte. Zudem würde ich gerne wissen, in welcher Epoche dieser Stuhl entstanden ist und welche Bedeutung der eingebrannte Name unter dem Stuhl Sebastian Baltschuhn, o. O. hat.
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Vielen Dank für Ihre Anfrage. Es handelt sich um einen durchschnittlichen Biedermeierstuhl der Zeit um 1840, auf Mahagoni gebeiztes Holz, Mahagoni-Furnier auf Sitzfläche und auf der Rückenlehne, ursprünglich mit Geflecht, später mit Polsterung und Bezugstoff verändert. Der eingeschlagene Namenszug liest sich „M.REUTHNER“. Leider findet sich dazu keinerlei Hinweis in der Literatur. Die heutige Verteilung des Namens lässt vermuten, dass der Stuhl im Südwesten Deutschlands hergestellt wurde. Aktuell würde ich den Stuhl mit 80 bis 100 Euro bewerten.
Solide künstlerische Qualität Gemälde von „M. Beyling”
Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg
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Mit großem Interesse verfolgen wir regelmäßig die Expertisen sowie auch die in ausführlichen Artikeln vorgestellten Sammelgebiete unterschiedlichster Fachrichtungen in Ihrem monatlich erscheinenden Sammelmagazin. Vielleicht können Sie uns nun behilflich sein bei dem im Nachlass unserer Eltern sich befindenden Ölgemälde. Lei-
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der fehlen uns Hinweise zum Maler (evtl. M. Beyling und Jahreszahl?). Auch interessiert uns, ob es sich bei der dargestellten Szene um eine real existierende Landschaft mit See, dahinter gelegenem Gebirgszug und seitlichem Dorf handelt. Vielleicht gibt die Kleidung der dargestellten Personen Hinweise auf die Zeit. Die Maße des Bildes mit Rahmen sind 113 x 85 cm, ohne 96 x 67 cm. Für die Beantwortung dieser Fragen sowie zur Qualität der Malerei und eines möglichen Wertes wären wir sehr dankbar. Dres. Irene und Karl-L. Schiedges, Bergisch Gladbach
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Bei dem hier vorgestellten Objekt handelt es sich um ein Gemälde in Öl auf Leinwand mit den Maßen 85 x 113 cm. Das Gemälde zeigt als Motiv eine alpenländische Berglandschaft mit allem, was dazu gehört. Im Vordergrund sehen wir die Uferlinie eines Bergsees auf den gerade ein Fischer mit seinem Boot hinausfährt. Rechts davon erstreckt sich ein Dorf mit hochaufragendem Kirchturm, und eine Mutter mit Sonnenschirm und ihrem Kind an der Hand spaziert auf den Betrachter zu. Im Hintergrund erstreckt sich eine weite hochaufragende Berglandschaft. Der Kirchturm mit seinem Satteldach, die Tracht, der Bootstypus und zu guter Letzt die Berglandschaft lassen deutlich eine bayerische oder österreichische Szenerie vermuten. Die vorderen bewachsenen Bergrücken und die markante Bergspitze des schneebedeckten Bergzuges sprechen für die exakte Abbildung eines existierenden Vorbildes. Die Darstellung ist höchstwahrscheinlich mit Zell am See in Österreich mit der markanten Bergspitze des Kitzsteinhornes zu identifizieren. Das Gemälde ist signiert mit dem Namen „M. Beyling“ und datiert mit „(19)14“. Leider sind zu diesem Künstler keine weiteren biografischen Angaben zu finden. Dennoch ist diesem Gemälde eine solide künstlerische Qualität zuzusprechen. Ein Schätzpreis für eine Auktion ist mit 200 bis 400 Euro zu beziffern. Georg Ottomeyer, Experte Berlin
www.dawo.de
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MAGAZIN
Fundgrube Discovery Art Fair in Köln Aus der Kölner Liste ist nun die Discovery Art Fair geworden. Der neue Name betont den Entdeckergeist der Kunstmesse. Die 6. Ausgabe der Entdeckermesse für zeitgenössische Kunst findet parallel zur Art Cologne vom 12. bis 14. April 2019 statt. Drei Tage lang treffen sich in der zentral gelegenen, großzügigen Halle der XPOST Köln Galeristen, Künstler, Sammler und Kunstliebhaber, um ihrer Leidenschaft für aktuelle Kunst nachzugehen. Auf der Discovery Art Fair Cologne 2019 zeigen über 100 Aussteller aus 18 Ländern eine spannende und facettenreiche Auswahl zeitgenössischer Kunst. In den letzten sechs Jahren hat sich die internationale Kunstmesse, die aufstrebende wie auch etablierte Galerien, spannende Projekträume sowie Künstlerkojen unter einem Messedach vereint, zu einer der wichtigsten Plattformen und eine wahre Fundgrube für frische und vor allem bezahlbare Kunst entwickelt. Sowohl junge Interessenten und Kunstliebhaber, die hier zum Teil ihre ersten Kunstkäufe tätigen, als auch Fachpublikum und etablierte Sammler, die ihre Kollektionen erweitern, sind eingeladen, auf 4.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihre neuen Lieblingsstücke aus Malerei, Skulptur, Installation, Fotografie, Zeichnung, Mixed Media, Grafik und Urban Art zu entdecken. Dieses Jahr kann die Messe gleich mehr als 30 neue Aussteller verzeichnen. Besonders für junge Sammler interessant ist die Discovery Art Fair Edition. Die Idee passt perfekt zum Profil der Ent-
Carola Deutsch, Amy; Discovery Art Fair Köln courtesy Bakerhouse Gallery
deckermesse, getreu dem Motto: Jeder sollte in der Lage sein, ein Kunstwerk zu erwerben. Ausschließlich im Rahmen der Messe werden hochwertige, auf die kleine Auflage von zehn Exemplaren limitierte und signierte Drucke von zehn aufstrebenden Künstlern zu einem erschwinglichen Verkaufspreis von 100 Euro angeboten. 12. bis 14. April XPOST Köln, Gladbacher Wall 5. TELEFON | 030/77008993 WEBSEITE | www.discoveryartfair.com
Aufbauen, begleiten, fördern Gallery Weekend Berlin
Penny Monogiou, Mr. Linc, 2018; Discovery Art Fair Köln © Penny Monogiou
Jedes Jahr gibt das Gallery Weekend in Berlin einen Einblick in aktuelle Diskurse der Gegenwartskunst. 45 teilnehmende Galerien präsentieren neue Produktionen von jungen Künstlerinnen und Künstlern und etablierten Positionen. Die Ausstellungen im Galerieraum machen die wichtige Arbeit der Galerien sichtbar, die ihre Künstler aufbauen, begleiten, fördern und Ausstellungen mit ihnen konzipieren. Neben der Entdeckung neuer Namen oder der Vertiefung bekannter Positionen bietet das Wochenende die Gelegenheit, Berlin umfassend zu entdecken: Die Galerienund Kunstszene hat besondere Orte in der Stadt erschlos-
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www.peege.de
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11.03.2019
13:36 Uhr
Seite 1
WWW.AUKTIONSHAUS-STAHL.DE
www.versteigerungshaus.de
WWW.EPPLI.COM
11_Geble
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13:37 Uhr
Seite 1
www.allgaeuer-auktionshaus.de
www.kunstauktionshaus-schlosser.de
www.auktionshaus-geble.de
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MAGAZIN
Schule der Blumenmalerei und führte diese mit seinen Gemälden zu einem ersten Höhepunkt – weg von der dekorativen Art des Barock und hin zu einem detailreichen Naturalismus. Antiquitäten Kral kommt mit einem breit gefächerten Repertoire an hochwertigen Antiquitäten und Gemälden, wie das Werk „Geschwisterliebe“ von Edmund Adler, dessen künstlerischer Nachlass sich im Besitz der Stadtgemeinde Mannersdorf befindet und seit 2006 in der Edmund-Adler-Galerie der Öffentlichkeit präsentiert wird. Als einen Höhepunkt seiner Messepräsentation nennt Kunsthandel Widder das Werk „Rhapsodie“ von Hermann Serient aus dem Jahre 2018. Hermann Serient ist ein künstlerisches Multitalent. Neben seiner Malerei experimentierte er mit selbstgemachten Instrumenten, fotografierte und machte Trickfilme für den ORF. Die jüngste Museumsausstellung fand 2015 anlässlich seines 80. Geburtstages in der Burgenländischen Landesgalerie statt. TELEFON | +43/(0)664/8631130 WEBSEITE | www.wikam.at
Carl Spitzweg, Berglandschaft mit Liebespaar, um 1835/40, signiert mit dem „S“ im Rhombus und mit dem Nachlassstempel Bild: Galerie Dr. Riedl „Spitzweg“; Art&Antique, Salzburg
Antikes und Kühnes Art&Antique Residenz Salzburg
Leopold Fertbauer, Bildnis zweier Mädchen in Landschaft; Art&Antique, Salzburg Bild: Dr. Robert Keil Kunsthandel
In eigener Sache In einem schwierigen Zeitschriftenmarkt und bei gestiegenen Porto-, Papier-, Druck- und sonstigen Kosten waren wir leider gezwungen, den Heftpreis ab dieser Ausgabe zu erhöhen. Die Erhöhung für das Abo gilt ab dem Mai-Heft. Wir danken für Ihr Verständnis.
Die Meistersinger treten auf die Festspielbühne und die Meisterwerke aus Kunst, Antiquitäten und Design ziehen in die Residenz ein. Salzburg vereint zu Ostern wieder die Künste: Die Bildende bei der Art&Antique Residenz Salzburg und die Darstellende mit Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ bei den Osterfestspielen Salzburg. Dort, auf der Festwiese, pflegen die Handwerksmeister das Wettsingen nach strengen Regeln. Bis Walther von Stolzing diese frech aufbricht, doch Hans Sachs mahnt, die Tradition nicht zu vergessen. Beides gelingt der Art&Antique dank ihrer hervorragenden Aussteller aus Österreich, Deutschland und Belgien bereits zum 44. Mal. Antikes und Kühnes, Modernes und Altes vereint sich hier in herausragender Qualität. Alte Meister treffen auf die Bilder zeitgenössischer Künstler, Skulpturen aus der Antike freuen sich über Gesellschaft von Keramiken aus dem Wien um 1900. Auch die Handwerkszünfte beweisen ihr Können: Wertvolle Möbel, Silberobjekte, Schmuck, Uhren und vieles mehr machen die Residenz zu einer Festwiese der bildenden Künste. (13. bis 22. April) TELEFON | +43/(0)1/5871293 WEBSEITE | www.mac-hoffmann.com
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www.auktionshaus-citynord.de
www.auktionshaus-kempf.de
www.schwab-auktionen.de
www.zeller.de
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Vintage – Die große Chance für Juweliere Auktionshaus Eppli präsentiert eine interessante Kooperationsmöglichkeit Vom Brautkleid über Schuhe, Mode bis hin zum Schmuck sind Gegenstände aus Privatbesitz gefragt wie nie. Konzerne und Hersteller wie Audemars Piquet, Richemont und andere haben diese Entwicklung längst erkannt. Ernstzunehmende Marktbeobachter prognostizieren in bestimmten Luxusbereichen zukünftig höhere Umsätze im Sekundärmarkt als im regulären Markt mit Neuwaren. Der Kuchen scheint wirklich riesig zu sein. Der klassische Juwelier hat die besten Voraussetzungen, sich in diesem Marktsegment zu etablieren und ein beachtliches Stück des Kuchens für sich zu reklamieren. Das renommierte Auktionshaus Eppli in Stuttgart – Allrounder, aber mit traditionellem Schwerpunkt bei Schmuck und Uhren – ist ein klassisches Beispiel für den Erfolg von Waren aus zweiter Hand. Vor 40 Jahren als Zwei-Mann-Betrieb vom Ehepaar Eppli gegründet und bis heute geführt, dokumentiert die Entwicklung des Unternehmens den Stellenwert und die heutige Akzeptanz von Luxus aus Privatbesitz. Die anfangs langsame und mühsame Akzeptanz hat in den vergangenen zehn Jahren rasend Fahrt aufgenommen und ist heute kein Thema mehr. Im Gegenteil: Vintage-Luxus aus zweiter
Aparter Goldring mit Diamanten, Smaragd und Saphir Foto: Auktionshaus Eppli, Stuttgart
Hand hat sich zu einem Lebensstil, Ausdruck individueller Persönlichkeit und Zeitgeschmack entwickelt. HollywoodGrößen, Blogger und Influencer präsentieren stolz ihre Vintage-Schnäppchen. Nachhaltigkeit, Ressourcen schonen, Blutdiamanten und faires Gold sind ein großes Thema unserer Zeit. Aber auch der menschliche Wunsch nach Individualität, Ausdruck der Persönlichkeit und Besitz von exklusiven Produkten spielt den Luxus-Objekten aus Privatbesitz in die Karten. Mal ehrlich: Was ist exklusiver und individueller? Die Rolex aus aktueller Produktion, käuflich zu erwerben in jeder größeren Stadt auf der Erde und daher an unzähligen Handgelenken an jedem Ort der Welt zu sehen, oder die Rolex aus den 50er-Jahren – schwer zu beschaffen und daher schon beim Kauf ein großes Erlebnis. Bewundernde Blicke der Mitmenschen und echte Exklusivität, denn jemanden zu treffen, der dasselbe Modell trägt, dürfte höchst selten sein. Zurück zu Eppli: Aus dem Zwei-Mann-Betrieb hat sich ein 70-köpfiges Unternehmen mit drei Auktionshäusern und mehreren Standorten entwickelt. Eppli spielt mittlerweile auf dem Sekundärmarkt eine bedeutende Rolle. Neben den gebrauchten Klassikern Uhren und Schmuck hat Eppli als einer der Ersten erkannt, dass auch Taschen und Designermode zum Kreis der erlesenen Produkte gehören, die auch gebraucht begehrt sind. Heute betreibt Eppli in bester Lage im Stuttgarter Königsbau das wohl größte und sicher schönste Vintage-Geschäft Deutschlands. Hier wurde beispielsweise eine Sammlung Hermès-Taschen aufgelöst: Über 100 Taschen kamen zur Versteigerung – höchster Einzelzuschlag 47.000 Euro! Neues Auktionsformat „Pfänder, Behörden, Erbteilungen“
Hermès Kelly Bag Ghillies – erzielter Preis 34.800 Euro Foto: Auktionshaus Eppli, Stuttgart
Eppli hat ein neues Auktionsformat entwickelt und möchte damit noch mehr Juweliere, Goldschmiede und Händler auf die großen Möglichkeiten und Chancen aufmerksam machen, die Vintage bietet. Unter dem Begriff „Pfänder, Behörden, Erbteilungen“ werden Gegenstände aus allen Warengruppen ohne Limit aufgerufen, die zu jedem annehmbaren Preis verkauft werden müssen. Verfallende Pfänder, Zwangsmaßnahmen von Behörden und Gerichtsvollziehern, Teilungen, Lagerauflösungen und streitbehaftete Vorgänge müssen zeitnah verwertet werden. Franz Eppli und sein Sohn Ferdinand sind beide von der Landeshauptstadt Stuttgart öffentlich be-
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stellte und vereidigte Auktionatoren und daher befugt, auch Zwangsversteigerungen für Gerichte und Behörden durchzuführen. Schmuckstücke, die mit etwas Fantasie und Geschick aufgearbeitet, umgearbeitet oder demontiert und neu interpretiert werden können, sind ideale Kaufgelegenheiten für den Fachmann. Vieles wird zum reinen Goldwert zugeschlagen, Diamanten, Farbsteine, wertvolle Schließen usw. sind oft reine Zugabe. Vieles stammt aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren und wurde noch in solider, traditioneller und höchstwertiger Handarbeit gefertigt – auch dies oft kostenlose Zugabe und nicht berechnet! Das Auktionshaus Eppli arbeitet seit Jahren mit Goldschmieden und Juwelieren zusammen, die die Chancen erkannt haben und sich über das Kundeninteresse und die üppigen Kalkulationsmöglichkeiten freuen. So funktioniert Auktion: Direkt am Stuttgarter Marktplatz befindet sich das Eppli Expertenzentrum. Hier bieten täglich bis zu 80 Personen ihre Waren zum Ankauf oder zur Versteigerung an. Auktionsware wird in der hauseigenen Werkstatt gereinigt oder bei Bedarf repariert und an das Fotostudio weitergereicht. Professionelle Fotografen und IT-Fachleute fotografieren und stellen die Fotos auf die Seite www.eppli.com. Diese Seite ist mit internationalen Plattformen vernetzt und erreicht Interessenten auf der ganzen Welt. Die Auktionsware wird im jeweiligen Auktionshaus zur Besichtigung ausgestellt. Die Interessenten können ein schriftliches Gebot abgeben, an der Saalauktion teilnehmen oder sogar vom heimischen PC aus live mitbieten. Man sieht und hört den Auktionator in Echtzeit, kann nur zuschauen oder auch aktiv mitbieten.
Patek Philippe Nautilus Herrenuhr – erzielter Preis 10.000 Euro Foto: Auktionshaus Eppli, Stuttgart
Kooperation – das Auktionshaus der Juweliere Nachdem sich immer mehr Juweliere mit Vintage-Waren beschäftigen, bietet Eppli verschiedene Möglichkeiten der Kooperation und partnerschaftlichen Zusammenarbeit: Sonderkonditionen bei der Einlieferung, Hilfe bei der Bewertung, Prüfung und Preisfindung sowie weitergehende Kooperationen, die im persönlichen Gespräch erörtert werden.
www.eppli.com
STANDORTE | EPPLI EXPERTENZENTRUM, Marktplatz 6, 70173 Stuttgart EPPLI AUKTIONSHAUS, Bärenstraße/ Marktplatz, 70173 Stuttgart EPPLI VINTAGE, Königsbau/Königstraße 28, 70173 Stuttgart WEBSEITE | www.eppli.com
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11.02.2019
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11.03.2019
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KUNSTMARKT
Hans Hartung Der große Aufschwung Nach Jahrzehnten des Dämmerschlafs erlebt der Markt des großen abstrakten Künstlers Hans Hartung dank Ausstellungen in Galerien und Museen wieder einen Aufschwung. Als großer Meister der Aktionsmalerei der 1920er- und 1930er-Jahre – das heißt, vor der Geburt des Action Painting von Pollock und Kline – ist Hans Hartung eine Schlüsselfigur der Geschichte der Malerei des 20. Jahrhunderts. Nachdem der deutschstämmige Künstler zu Lebzeiten in den 1960erund 1970er-Jahren große Anerkennung gefunden hatte, geriet er später etwas in Vergessenheit. Sein Werk wurde jetzt von einigen wichtigen Galerien und Museen aus einem drei Jahrzehnte dauernden Dornröschenschlaf gerissen. Seit zwei Jahren zeigt der Markt ein steigendes Interesse am Werk von Hans Hartung. Die Galerie Perrotin kündigte 2017 offiziell an, gemeinsam mit der in London, New York und Hongkong vertretenen Galerie Simon Lee und mit Zustimmung von Anna-Eva Bergman, der Ehefrau und einzigen Anspruchsberechtigten von Hartung, den Nachlass des Künstlers zu repräsentieren. Dieses Engagement von Perrotin läutet am Markt des Künstlers eine neue Phase ein, da der französische Galerist das Potential hat, das Interesse an diesem für die Geschichte der Malerei des 20. Jahrhunderts wesentlichen Werk neu zu beleben, indem er dafür sorgt, dass es auf internationaler Ebene wahrgenommen wird. Perrotin verfügt nämlich nicht nur über Galerien in Paris und New York, sondern auch über vier weitere Ausstellungsräume in
Asien: Hongkong, Seoul, Tokyo und Shanghai, wo im nächsten Frühjahr ein Ableger des Centre Pompidou eröffnet wird. Die große Zahl potentieller Käufer in Asien dürfte dazu beitragen, dass der Kreis der Sammler sich deutlich vergrößern wird. Engagement und Zusammenarbeit von Galerien Nachdem die Werke von Hartung im Mai 2017 auf der Kunstmesse „Tefaf New York Spring“ gezeigt wurden, stellte Emmanuel Perrotin einen Monat später auf der Art Basel in der Schweiz aus und arbeitete erstmals mit der Galerie Simon Lee zusammen. Die beiden Kunsthändler verstanden sich, bündelten ihre Kräfte und zeigten auf der prestigeträchtigen Messe das Werk von Hans Hartung auf einem gemeinsamen, 80 Quadratmeter großen Stand. 2018 nahm die Sache schließlich Fahrt auf: Es gab eine Ausstellung im Kunstmuseum in Bonn sowie Einzelausstellungen wichtiger Kunsthändler, wie zum Beispiel Simon Lee in London, Nahmad in New York und Brame & Lorenceau in Paris. Der Höhepunkt war eine große Retrospektive, die ebenfalls 2018 in der New Yorker Galerie Perrotin gezeigt wurde. Diese Retrospektive von musealem Wert gilt als größte Einzelausstellung des Künstlers seit der 1975 vom Metropolitan Museum organisierten Ausstellung und wurde vor allem durch die Fondation Hartung Bergman und Leihgaben des MoMA ermöglicht. Die in der Galerie Perrotin ausgestellten Werke zeigten über 60 Jahre aus Hartungs Schaffen: von wichtigen Werken, die zu Beginn der 1920erJahre entstanden, bis hin zu den letzten Arbeiten vom Ende der 1980er-Jahre (Hans Hartung: A Constant Storm. Works from 1922 to 1989, 12. Januar - 18. Februar 2018).
Hans Hartung, T 1970-H32, 1970 (Christie's, Paris, Dezember 2018, Zuschlagspreis 60.000 Euro)
Hans Hartung, T 1989-U22, 1989 (Dorotheum, Wien, November 2018, Zuschlagspreis 210.000 Euro)
Foto © 2018 Christie’s Images Limited, © VG Bild-Kunst
Foto © Dorotheum, © VG Bild-Kunst
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Frühlingserwachen in den Auktionssälen Das Ergebnis dieser Anstrengungen ließ in den Sälen der Auktionshäuser nicht lange auf sich warten. Der Marktwert von Hans Hartung erlebte noch nie einen derartigen Aufschwung: Die Anzahl an unverkauften Werken war mit 15,8 Prozent im Jahr 2018 so niedrig wie nie zuvor – ein Indiz für eine stärkere Nachfrage – und die Preise steigen eindeutig an. Innerhalb von zwei Jahren ist der Preisindex bereits um plus 70 Prozent angestiegen und die Zuschläge des Jahres 2018 zeigen mit neun Millionen Dollar an zugeschlagenen Werken ein historisches Ergebnis, das heißt ein Anstieg des Umsatzes von plus 80 Prozent seit 2017. Seit Dezember 2017 wurden auch zwei neue Versteigerungsrekorde verzeichnet: „T 195613“ wurde am 6. Dezember bei Sotheby's Paris für 3,2 Millionen Dollar verkauft und „T 1956-8“ wechselte beim gleichen Auktionshaus im Juni 2018 für 1,77 Millionen Dollar den Besitzer. Dies sind bemerkenswerte Rekorde, auch wenn die Preise noch unterhalb dessen liegen, was für abstrakte amerikanische Werke aus der gleichen Epoche erzielt wird. Möglicherweise ist dieser Preisanstieg nur der Auftakt einer internationalen Aufwertung des Künstlers auf lange Sicht. Für das Jahr 2019 sind mehrere Ausstellungen geplant, denn in diesem Jahr jährt sich der Todestag des Künstlers zum 30. Mal. Das Pariser Musée d'art moderne eröffnet nach den Umbauarbeiten mit einer Retrospektive (vom 11. Oktober 2019 bis 23. Februar 2020) und widmet Hans Hartung zum ersten Mal seit 1969 wieder eine Ausstellung. QUELLE | artprice.com
Hans Hartung, T 1957-8, 1957 (Sotheby's, Paris, Dezember 2018, Zuschlagspreis 580.000 Euro) Foto © Sotheby’s/Art Digital Studio, © VG Bild-Kunst
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100 Jahre Bauhaus Design und Dasein
100 Jahre Bauhaus
Von Dr. Wolfgang Hornik
Teil I
Bauhaus – der Name ist Programm: Bau! Ein! Haus! Das erklärte Ziel der avantgardistischen Institution war nichts Geringeres als die Errichtung des „Baus der Zukunft“ als einheitliches Gesamtkunstwerk. Den hoffnungslosen Nachkriegszeiten begegnete der Architekt Walter Gropius mit seiner Idee einer fortschrittlichen, interdisziplinären Reformschule für handwerklich ausgebildete Gestalter und eröffnete mit weiteren prominenten Entwerfern und Künstlern bereits am 1. April 1919 in Weimar das Bauhaus. In den 14 Jahren seines Bestehens revolutionierte das Bauhaus Architektur, Kunst und Handwerk, erstellte künstlerische Konzepte und beschäftigte sich mit hochwertiger industrieller Serienfertigung. Den 100. Geburtstag der legendären Institution feiert Die Neue Sammlung München mit einer umfassenden und innovativen Ausstellung.
Herbert Bayer, László Moholy-Nagy, Staatliches Bauhaus in Weimar 1919-23, Hrsg. Staatliches Bauhaus, Weimar und Karl Nierendorf, Köln, Bauhaus-Verlag, Weimar/München 1923, Halbleineneinband, Buchdruck, 225 Seiten mit 146 Abb., 25,5 × 25 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
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BAUHAUS
VORLÄUFER Die Industrialisierung und Mechanisierung der Produktion traten ab dem 18. Jahrhundert von England aus ihren Siegeszug an, die Gegenbewegung formierte sich konsequenterweise als erstes auch hier. Zwar verbilligte die maschinelle Serienfertigung die Alltagsprodukte enorm, die extreme Wirtschaftsform des so genannten Manchester Kapitalismus führte ins unterbezahlte und ausgebeutete Massenproletariat ohne soziale Absicherung. Der Schriftsteller John Ruskin kritisierte die Missstände und forderte soziale Reformmaßnahmen sowie den Verzicht auf Maschinenarbeit, was vermutlich so realistisch war wie heute den Verzicht auf das Internet zu verlangen. Seine theoretische Kritik führte in der Praxis zur „Arts and Crafts“-Bewegung, wie in den Werkstätten von William Morris vorbildlich praktiziert. Weniger idealistisch und mehr am wirtschaftlichen Erfolg Englands orientiert war die staatliche Reform der Ausbildung für Handwerker und an den Akademien, die die Fähigkeit der Studenten zur selbständigen Gestaltung in den Vordergrund rückte. Die großen Nationen auf dem Kontinent nahmen sich das wirtschaftlich prosperierende England zum Vorbild und reformierten ihre Ausbildungsprogramme. Begleitend wurden Museen wie das Österreichische Museum für Kunst und Industrie in Wien (1864) oder das Kunstgewerbemuseum in Berlin (1871) zur Archivierung von als vorbildlich erachtetem Kunstgewerbe gegründet. Die Sammlungen sollten von den Studierenden an den angeschlossenen Lehranstalten zu Studienzwecken benutzt werden. Im nächsten Schritt wurden die Kunstgewerbeschulen um Ausbildungswerkstätten erweitert, in deren Folge es in ganz Deutschland zur Gründung kleiner Werkstätten für Inneneinrichtung wie die Münchner Werkstätten kam. Im Gegensatz zur engli-
schen „Arts and Crafts“-Bewegung setzten diese Startups verstärkt auf die maschinelle Fertigung, was wiederum die Gestaltung in Richtung „maschinengerecht“ lenkte. Einflussreiche Lehrer und Gestalter in diesen Jahren waren der AEG-ChefDesigner und Architekt Peter Behrens, Bruno Paul und Henry van de Velde, der in Weimar der sehr erfolgreichen Kunstschule vorstand.
IDEEN UND IDEALE Verbrannte Erde ist ein fruchtbarer Boden. Die Verwüstungen des Ersten Weltkriegs mit seinen Millionen Toten und vielen an Körper und Seele verkrüppelten Überlebenden waren wie der Mangel und das politische Chaos allgegenwärtig. Das Bauhaus entstand in diesem Umfeld der Hoffnungslosigkeit, die aber auch Aufbruchsstimmung hervorbrachte. Bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts propagierten Lebensreformbewegungen neue Lebensweisen. Internationalismus, Frauenemanzipation, Vegetarismus, Antialkoholismus, Freikörperkultur und selbst freie Liebe wurden nach 1918 verstärkt in Kommunen diskutiert und ebenso gelebt. Diese Strömungen wirkten auch auf das Bauhaus, an dem wegen dessen Selbstverständnis als ganzheitliche Schule neben der Ausbildung in Kunst und Handwerk auch eine neue Lebenseinstellung vermittelt werden sollte. Einige Grundsatzfragen lauteten somit: „Wie wollen wir in Zukunft leben?“, „Was ist menschenwürdig?“, „Wie lassen sich unsere Ideen und Konzepte mit geringem finanziellen Aufwand realisieren?“ und letztendlich, „Inwieweit kann man mit Architektur, Grafik und Produktgestaltung politischen Einfluss nehmen?“ Der erfolgreiche deutsche Kulturexport des 20. Jahrhunderts wollte einen neuen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes formen, der, sozial und kulturell engagiert, nie wieder Kriege anzettelt. Dieses Ziel wurde leider verfehlt.
GRÜNDER UND GESTALTER Walter Gropius wurde 1883 in Berlin geboren und begann seine Ausbildung 1903 mit einem Architekturstudium an der Technischen Hochschule in München. Ab 1908 studierte er an der Technischen Hochschule Charlottenburg, die er wegen seines geringen Talents als Zeichner 1908 ohne Diplom verließ und im Architekturbüro von Peter Behrens in den Beruf startete. Dort arbeitete er neben Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier und wurde später neben diesen beiden einer der wichtigen Vertreter des standardisierten Bauens im 20. Jahrhundert. Dieses war als optimistische Vision für günstiges und trotzdem menschenwürdiges Bauen gestartet, endete aber oftmals in katastrophalen Plattenbauten als sozialen Brennpunkten. 1910 machte sich Gropius als Architekt und Industriedesigner selbständig. 1911 wurde er Mitglied des 1907 gegründeten Deutschen Werkbundes, nachdem er als 28-jähriger Architekt mit dem FagusWerk in Alfeld an der Leine, das mit seiner Stahl- und Glasarchitektur und einer spektakulären, gläsernen Vorhangfassade einen Ausblick auf die „Neues Bauen“ genannte Architektur der 1920er-Jahre erlaubte, bekannt geworden war. Wie viele der späteren Lehrer, Künstler, Meister und Schüler am Bauhaus erlebte Gropius die Jahre 1914 bis 1918 als Kriegsteilnehmer. Noch vor Kriegsbeginn 1914 musste der Belgier Henry van de Velde wegen der allgemeinen Ausländerfeindlichkeit – Belgien war Kriegsgegner – die Leitung der von ihm 1908 gegründeten Kunstgewerbeschule Weimar aufgeben. Als einen möglichen Ersatz hatte er Gropius empfohlen. Die Schule wurde zwar 1915 geschlossen, aber nach langjährigen Verhandlungen um die programmatische Ausrichtung mit der verbliebenen Weimarer Kunstschule unter dem Namen „Staatliches Bauhaus in Weimar“ fusioniert, bei gleichzeitiger Erweiterung um eine Abteilung für
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BAUHAUS
Baukunst. Ihr Untertitel weist auf die beiden Ursprünge hin: „Vereinigte ehemalige großherzogliche Hochschule für bildende Kunst und ehemalige großherzogliche Kunstgewerbeschule“. Am 12. April 1919 berief man den charismatischen Gropius zu ihrem Leiter, der mit Eloquenz seine Ideen und sich selbst erfolgreich vermarktete. Im Nachhinein erscheint die Gründung dieser fortschrittlichen, aber doch sehr umstrittenen Schule nur in diesem engen Zeitfenster der Revolutionszeit möglich, hätten doch später die wieder erstarkten konservativen Kräfte dieses Reformprojekt verhindert. 1928 nahm Gropius Abschied von seinem Direktorenposten, um wieder als selbständiger Architekt in Berlin zu arbeiten. 1934 emigrierte er wegen der Verfolgung Andersdenkender, speziell auch der Bauhäusler, erst nach England, dann 1937 in die USA. In Cambridge hatte er eine Professur für Architektur. Nach Kriegsende war er des Öfteren wieder in Deutschland tätig, sein letzter, und einziger Gropius-Bau in der Oberpfalz sollte die Glaskathedrale, ein Rosenthal-Glaswerk, in Amberg werden. Diese zählt zu den bedeutenden Industriebauten des 20. Jahrhunderts und wurde von 1968 bis 1970 errichtet. Walter Gropius starb 1969.
PROGRAMM UND PRAXIS Um Personal, Lehrer und Meister, aber auch Schüler, anzuwerben, veröffentlichte Gropius in ganz Deutschland 2.000 Exemplare seines vierseitigen Manifests mit dem Programm der neuen Schule und ihrem Ziel. „Das Einheitskunstwerk – der große Bau“ sollte aus der Wiedervereinigung der werkkünstlerischen Disziplinen Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Handwerk erwachsen. Als Vorbild diente die mittelalterliche Bauhütte, die als Werkstattverband alle Baubeteiligten bei Großprojekten wie Kirchen oder Schlösser organisierte und Handwerk und Kunst ver-
band. Das Titelblatt mit dem Holzschnitt einer Kathedrale von Lyonel Feininger visualisiert den Anspruch des Bauhauses eine Kathedrale der freien wie der angewandten Kunst zu werden. Die Ebenbürtigkeit von Gestaltung und Handwerk wird im Programm beschrieben: „Das Bauhaus will Architekten, Maler und Bildhauer […] zu tüchtigen Handwerkern oder selbstständig schaffenden Künstlern erziehen“. Aus dieser Einheit der Schaffenden sollen „aus gleich geartetem Geist heraus einheitlich“ gestaltete Bauten vom Rohbau bis hin zum Ausbau, Ausschmückung und Einrichtung entstehen. Die Kunst wird dabei als allen Disziplinen übergeordnete, letztendlich nicht lehrbare Dimension betrachtet, im Gegensatz zur Notwendigkeit einer gründlichen handwerklichen Ausbildung, aus der die künstlerische Qualität erwächst. Die Schule steht im Rang unter der Werkstatt, deshalb finden sich am Bauhaus nicht Lehrer und Schüler, sondern Meister, Gesellen und Lehrlinge. Das Schöpferische und die Freiheit der Individualität werden betont, aber gleichzeitig ein strenges Studium angemahnt. Praxisnähe soll über Mitwirkung der Studierenden an Meisterarbeiten sowie ständigen Kontakt mit Handwerk und Industrie im Land entstehen. Leistungsnachweise der Schule sollen in Ausstellungen und anderen Veranstaltungen der Öffentlichkeit gegenüber erbracht werden. Die Vision eines partnerschaftlichen Verhältnisses aufgrund eines freundschaftlichen Verkehrs zwischen Meistern und Studierenden außerhalb der Arbeit wie beim Theater wird ebenso angestrebt. Gelehrt werden alle praktischen und wissenschaftlichen Gebiete des bildnerischen Schaffens: Baukunst, Malerei und Bildhauerei. Die Ausbildung beinhaltet handwerkliche, zeichnerisch-malerische und wissenschaftlich-theoretische Bestandteile. Alle zur Realisierung des einheitlichen Gesamtwerkes „Bau“ nötigen Handwerksberufe werden gelehrt, vom Bildhauer bis zum Weber.
Jeder Studierende sollte ein Handwerk erlernen, da der gekonnte Umgang mit dem Material als Basis allen künstlerischen Schaffens erachtet wird. Die zeichnerisch-malerische Ausbildung umfasste ein weites Feld vom freien Skizzieren bis hin zum Entwerfen von Gebrauchsgegenständen. Die wissenschaftlich-theoretische Ausbildung vermittelte Kunstgeschichte, Materialkunde, Anatomie, physikalische und chemische Farbenlehre, aber auch Grundbegriffe von Buchführung und Vertragsabschlüssen. Das erste Lehrjahr besuchten Lehrlinge, das zweite Gesellen und das dritte Jungmeister. Die individuelle Förderung der Auszubildenden oblag den Meistern. Wohin die im Programm verankerte Zusammenführung von Kunst und Handwerk führen sollte, verdeutlichte das Direktorenzimmer in Weimar. Gropius hatte das nach ihm benannte Arbeitszimmer für die große Bauhaus-Ausstellung im Jahr 1923 in Auftrag gegeben, um die Leistungsfähigkeit seiner Schule und ihre Visionen einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. In diesem Raum wurden die Dimensionen aller Gegenstände und Einrichtungsobjekte auf das Quadrat bezogen, die Kubatur ist der Würfel. Das Resultat dieses ganzheitlichen Konzepts war ein präziser und vernünftiger Maschinenraum für Kopfarbeiter, konträr den zeittypischen Vorstellungen von repräsentativ oder gemütlich.
WEIMAR UND UMGEBUNG Als Folge des Ersten Weltkriegs war das Kaiserreich untergegangen und hatte Deutschland verkleinert zurückgelassen. Die anschließende Novemberrevolution führte zur Weimarer Republik, benannt nach dem ersten Tagungsort der Verfassunggebenden Nationalversammlung. In dieser jungen Demokratie, der ersten auf deutschem Boden, konnte sich die Kunst freier entwickeln, wenngleich politische Wirren mit zahlreichen Umsturzversuchen und politischen
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Morden, besonders in Berlin, die Bevölkerung verunsicherten. Im mit Goethe und Luther kulturell vorbelasteten Land Thüringen fand Gropius in der provinziellen Stadt Weimar mit seinen, bis 1915 zwei, Kunstschulen, auf deren Strukturen teils noch zugegriffen werden konnte, gute Voraussetzungen für sein Schulexperiment. Darüber hinaus verzauberte und inspirierte die Landschaft um Weimar die Bauhäusler und erhöhte die Attraktivität des Standorts. Der Künstler und Maler Lyonel Feininger kam als einer der ersten Lehrer 1919 von New York nach Weimar und erkundete immer wieder die Umgebung Weimars mit dem Fahrrad auf Motivsuche. Heute kann man seinen Spuren auf einem 28 Kilometer langen Radweg folgen. Er fand Kirchen und andere dörfliche Motive, die er in seinem Skizzenbuch vor Ort archivierte und später im Atelier ausarbeitete.
MEISTER UND MACHER Neben dem bereits erwähnten Lyonel Feiniger konnte Gropius auch den Kunstpädagogen und Maler Johannes Itten, der den Vorkurs entwickelte, also den wichtigsten Bestandteil der Bauhauspädagogik, und den Bildhauer Gerhard Marcks im ersten Bauhausjahr verpflichten. Er entsprach damit seiner Vorgabe bekannte, starke Persönlichkeiten und nicht das Mittelmaß zu berufen. Vier weitere Professoren der alten Kunsthochschule ergänzten den Lehrkörper. 1920 folgte der Maler und Grafiker Georg Muche als Meister, 1921 kamen Oskar Schlemmer und Paul Klee. Einfluss auf die Ausrichtung des Bauhaus nahm auch die holländische Künstlergruppe De Stijl, deren Mitglied Theo van Doesburg zwischen April 1921 und November 1922 in seinen Vorträgen und Kursen seine maschinentechnikkompatible, konstruktivistische Gestaltung propagierte. Diese stand im Gegensatz zur noch dominierenden handwerklichen Ausrichtung der Schule, die sich aber bald der indus-
triellen Formgebung zuwandte. Gegen die in Weimar noch vorherrschende expressionistische Orientierung propagierte van Doesburg die von der De Stijl-Gruppe erarbeiteten grundlegenden Stilmittel, den rechten Winkel und die drei Grundfarben zusammen mit Schwarz, Weiß und Grau, wie man sie mit Piet Mondrians Werken verinnerlicht hat. Weitere Berühmtheiten wie Wassily Kandinsky, László Moholy-Nagy, Josef Albers sowie die späteren Direktoren Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe konnten für das Reformprojekt gewonnen werden, die Meister der Werkstätten wechselten stetig.
14 JAHRE – 3 STANDORTE Weimar (1919-1925), Dessau (19251932), Berlin (1932-1933) – nach fünf erfolgreichen Aufbaujahren mit internationaler Reputation war in Weimar Schluss. Auf lokaler Ebene hatte sich das Bauhaus in Weimar seit seiner Gründung einer konservativen Presse und eines monarchisch geprägten Beamtentums erwehren müssen. Die rechtsnationalistischen Kreise bezichtigten es als kulturbolschewistische Einrichtung. Für die Verteidiger des Bauhaus waren besonders die Mitgliedschaften von Walter Gropius im Bund Deutscher Architekten und im Werkbund wertvoll. Obwohl er seine radikal neuartige Schule von Beginn an unpolitisch halten wollte, geriet sie in politische Richtungskämpfe. Am 10. Februar 1924 verlor die bauhausfreundliche, sozialdemokratische Regierung Thüringens im Landtag die Mehrheit. Die neue bürgerliche Landesregierung entzog dem Bauhaus die finanzielle Unterstützung, am 26. Dezember 1924 erklärten die Meister die Auflösung zum 1. April 1925. Um die Bauhaus-Idee fortzuführen, wurde der „Kreis der Freunde des Bauhauses“ gegründet, mit Marc Chagall, Albert Einstein und Gerhart Hauptmann. Anfang 1925 sind zwei Städte als aussichtsreiche Nachfolger Weimars im Rennen: Frankfurt am Main
Marcel Breuer, Toilettentisch ti 60, Hocker und Spiegel, 1925/26, Holz, weiß, korallenrot lackiert, Stahlrohr, verchromt, Spiegelglas, 28 × 87 × 34 cm, 45 × 44,5 × 36 cm, 75 × 30 cm, Bauhaus, Dessau, 1927 Oben: László Moholy-Nagy, Bauhausbuch, 1925; 2: Paul Klee, Pädagogisches Skizzenbuch Leinen, Papier, Buchdruck, Offset, Lithografie, Albert Langen Verlag, München
und Dessau. Im März wird auf Beschluss des Gemeinderats das Bauhaus als städtische Schule in Dessau übernommen. Außer Gerhard Marcks ziehen alle Meister mit, ehemalige Schüler werden zu Jungmeistern: Herbert Bayer übernimmt die Werkstatt für Druck und Reklame; Marcel Breuer, der später mit seinen Stahlrohrmöbel erfolgreich werden sollte, die noch heute als Klassiker der Moderne produziert werden, bekommt die Tischlerei. In seinem neuen Programm stellt Gropius die Schule neu in Richtung Industrie und Wissenschaft auf. Das Ziel, die „zeitgemäße
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BAUHAUS
Entwicklung der Behausung“, die sich „vom einfachen Hausgerät bis zum fertigen Wohnhaus“ spannen soll, deckte sich aber noch immer mit der ursprünglichen Idee des großen Baus als Einheitskunstwerk. Der Weg dorthin sollte jetzt über eine „systematische Versuchsarbeit in Theorie und Praxis – auf formalem, technischen und wirtschaftlichen Gebiete“ führen. Seit November 1925 kümmerte sich die Bauhaus GmbH um die kommerzielle Verwertung der Bauhaus-Produkte. Ab Oktober 1926 führte das Bauhaus den Untertitel „Hochschule für Gestaltung“, anerkannt von der anhaltischen Landesregierung. Aus Meistern wurden Professoren, die erfolgreichen Studenten erhielten ein Bauhaus-Diplom. Am 4. Dezember 1926 wurden das Schulgebäude und die Wohnhäuser der Meister eingeweiht, selbstverständlich von Gropius entworfen und von den Werkstätten möbliert. Am 1. April 1928 folgte Hannes Meyer dem Gründungsdirektor Gropius im Direktorenamt. Er gewichtete fortan die technischen Fächer stärker und objektivierte die Gestaltung. Unter dem Motto „Volksbedarf statt Luxusbedarf" erhielt die soziale Verpflichtung der Gestalter mehr Gewicht, die Hochschule zeigte politisches Profil. Wegen seiner Nähe zum Kommunismus kündigte die Stadt Dessau Hannes Meyer im Jahr 1930. Ludwig Mies van der Rohe, empfohlen von Walter Gropius, wird sein Nachfolger. Wie seine beiden Vorgänger war auch er Mitglied im Deutschen Werkbund. Er verkürzte das Studium auf fünf Semester und forcierte die Architekturausbildung, zu Lasten der Werkstätten und der industriellen Entwurfsarbeit. Gleichzeitig entpoliti-
Von oben nach unten: Anni Albers, Wandbehang Nr. 81, 1925, JacquardGewebe, Seide, Baumwolle, Viskose, Atlas, Leinwandbindung, 145 × 92 cm, Bauhaus, Dessau; Wandbehang Nr. 175, 1925, Baumwolle, Seide, Chenille- und Bouclégarn, 236 × 96 cm, Bauhaus, Dessau; Stoffmuster Tischtuch, 1930, Baumwolle, Köperbindung, S- und Z-Grat, 9,5 × 40 cm, Bauhaus, Dessau; alle Abb.: © The Josef and Anni Albers Foundation/VG Bild-Kunst, Bonn 2019
sierte er die Schule in diesen unruhigen Jahren, um der Öffentlichkeit, den Medien und der Politik Angriffsfläche zu nehmen. Leider vergebens, die NSDAP wird bei den Gemeinderatswahlen in Dessau im November 1931 stärkste Partei und fordert nicht nur ein Ende der finanziellen Zuwendungen, sondern gleich das Niederreißen der Bauhaus-Gebäude. Am 22. August 1932 setzten die Nazis im Dessauer Gemeinderat die Schließung durch. Ludwig Mies van der Rohe siedelte mit dem Bauhaus nach Berlin-Steglitz um und versuchte, es als Privatinstitut weiter zu führen. Am 30. Januar 1933 erlangt die NSDAP auch im Deutschen Reich die Macht, zum Beginn des Sommersemesters am 11. April 1933 wird das Bauhaus in Berlin von der Polizei geschlossen. Die Gestapo knüpft die Wiedereröffnung an unannehmbare Bedingungen. Das Bauhaus ist Geschichte, die Professoren emigrieren vornehmlich in die USA. Die libertäre Schule, die hoffnungsvoll in der kleinen, konservativen Residenzstadt Weimar gestartet war, findet im sehr freizügigen Berlin 1933 ihr Ende.
FRAUEN Die Idee, die kulturelle Bedeutung von Form und Gestaltung sollte bis in die Politik hinein wirken, unterstützte auch das Emanzipationsbestreben der weiblichen Bauhaus-Mitglieder. Obwohl es grammatikalisch wie genderpolitisch völlig korrekt „das“ Bauhaus heißt, würde „der“ Bauhaus die Machtverhältnisse realitätsnäher beschreiben. Zwar hieß es in der Satzung: „Aufgenommen wird jede unbescholtene Person ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht, deren Vorbildung vom Meisterrat des Bauhauses als ausreichend erachtet wird, und soweit es der Raum zuläßt.“ Trotz dieser für die Zeit – das hart erkämpfte Frauenwahlrecht in Deutschland war noch kein Jahr in Kraft – sehr fortschrittlichen Haltung, wollten die Bauhaus-Herren eine nach außen hin
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männliche, ernst zu nehmende Bewegung verkörpern und auf keinen Fall als kunstgewerbliche Frauenschule wahrgenommen werden. Selbst der offen diskriminierende Name „Baubrüder“ statt Bauhaus war anfangs in Betracht gezogen worden. So wehte zwar der Geist des Aufbruchs mit dem Bestreben, Ungleichheiten zu beenden, durch die Bauhaus-Flure, Frauen wurden dennoch meist in die hinteren Reihen gestellt. Bei den Schülerzahlen im ersten Jahr standen den 79 männlichen Bewerbern 84 weibliche gegenüber, die sich über eine solide Berufsausbildung ein ausreichendes Einkommen und die damit verbundene Unabhängigkeit erhofften. Gropius dagegen hatte für das erste Semester mit nur 50 Damen gegenüber 100 Herren gerechnet und in seiner ersten Rede an die Studentenschaft appelliert: „Keine Rücksicht auf Damen, in der Arbeit alle Handwerker“. Der Anspruch im Programm deckte sich nicht mit der Realität. Noch 1921 überlegte der Meisterrat – zu diesem Zeitpunkt ein Männerbund – ernsthaft, ob man Frauen nicht doch besser ausschließen sollte. Zumindest wollte man diese hochmotivierten Klassefrauen in einer Frauenklasse mit Töpfern, Buchbinden, Färben und Weben beschäftigen, oder wie Oskar Schlemmer spottete: „Wo Wolle ist, ist auch ein Weib, das webt, und sei es nur zum Zeitvertreib.“ Mit den Argumenten fehlender räumlicher Vorstellungskraft sowie körperlicher Unzumutbarkeit verbannte man fast alle Frauen aus den klassischen Männerbereichen wie die Metallwerkstatt oder Tischlerei und wies ihnen oftmals den Weg in die Weberei, die von der weiblichen Kreativität enorm profitierten sollte. Sie wurde eine der produktivsten und kommerziell erfolgreichsten Werkstätten der Schule und brachte Künstlerinnen wie Anni Albers hervor, die 1949 als erste Frau in diesem Metier mit einer Einzelausstellung im MoMA New York geehrt
wurde. Ausgebildet wurde sie am Bauhaus von Gunta Stölzl, einer weiteren herausragenden Textildesignerin, die als erste Frau in den Meisterrat aufgenommen wurde und ab 1925 die Weberei leitete. Margaretha Reichardt verbesserte die Eigenschaften von Eisengarn, einem stark appretierten, mehrfach gezwirnten und paraffinierten Baumwollgarn, und webte die strapazierfähigen und formstabilen Gurte, die dem Bauhäusler Marcel Breuer später als Bespannung für die von ihm entwickelten Stahlrohrmöbel, wie dem Stahlrohrsessel B3 – später als Wassily-Chair bekannt – dienten. Die vielseitig talentierte Designerin, Fotografin, Malerin und Bildhauerin Marianne Brandt begann im Wintersemester 1923/24 am Staatlichen Bauhaus in Weimar und wurde zur Silberschmiedin ausgebildet. Sie entkam der Weberei und wurde 1926 stellvertretende Leiterin der Metallwerkstatt und vom 1. April 1928 bis zur Berufung Alfred Arndts 1929 kommissarische Leiterin der Metallwerkstatt in Dessau. Einige ihrer Teeservice und Leuchten aus der Metallwerkstatt gelten als Klassiker und werden heute noch produziert. Nahezu unbezahlbar sind die Originale wie die kleine Teekanne „MT49“ von 1924, die 2007 bei Sotheby’s für 361.000 Dollar zugeschlagen wurde. Ihr strenges Bauhaus-Design besteht aus den geometrischen Elementen Kreis, Dreieck und Quadrat. Nach 1945 lebt Marianne Brandt in den engen Verhältnissen der DDR, lehrt an Hochschulen in Dresden und Berlin und beschäftigt sich mit der Gestaltung von volkseigenen VEB-Heizkörpern. In der Öffentlichkeit traten die Bauhaus-Frauen selbstbewusst mit kurzem Haarschnitt und langen Hosen auf, was den skandalösen Eindruck der Schule bei der provinziellen Bevölkerung verstärkte. Trotz der Widerstände, denen die Frauen am Bauhaus von ihren männlichen Mitstreitern ausgesetzt waren, war ihr Kampf um Anerken-
Marcel Breuer, Clubsessel B3 „Wassily“, 1926/27, Stahlrohr, vernickelt, Eisengarn, hellbraun, 75 × 77,8 × 71,3 cm, Standard Möbel, Berlin Oben: Gunta Stölzl, Wandbehang Nr. 186a, 1925, Baumwolle, Viskose, Seide, Ajourbindung, Köper-, Atlas- und Leinwandbindung, 250 × 57 cm, Bauhaus, Dessau A; © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
nung und Gleichstellung wichtig für die gesamte Emanzipationsbewegung. Unter den insgesamt 1.253 Schülern, die in den 14 Jahren ausgebildet wurden, waren rund 400 Frauen. Auffallend wenige schafften es in technische Bereiche, Architektinnen sucht man vergebens, dieser Karriereweg wurde ihnen vorenthalten. Bedeutete die Bauhaus-Schließung der Nationalsozialisten schon für die Männer eine harte Zäsur – die meisten setzten im Ausland ihre berufliche Laufbahn erfolgreich fort – so war sie für die Frauen ein Desaster. Für viele folgte das Karriereende, für einige Pionierinnen der Tod, wie etwa für die Textilkünstlerin Otti Berger, die im Konzentrationslager Auschwitz 1944 ermordet wurde. Teil II des Artikels lesen Sie im Sammler Journal #Mai
Ausstellung: „ReFlex Bauhaus. 40 Objects – 5 Conversations“, Pinakothek der Moderne, Die Neue Sammlung, München. Bis 2. Februar 2020 Wenn nicht anders angegeben: © bei den Künstlern, ihren Erben und Rechtsnachfolgern; Foto, wenn nicht anders angegeben: Die Neue Sammlung (A. Laurenzo)
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Geo rgJe nsen Serie Georg Jensen: Teil II
Speisen mit Jensen
Die Bestecke Von Dr. Bettina Krogemann
Essen bedeutete für Georg Jensen weitaus mehr als Nahrungsaufnahme. Für ihn war es eher ein Ritual, mit dem Familienbande gefestigt werden oder man andere verbindliche Beziehungen knüpfen konnte. Dabei war die gedeckte Tafel das Zentrum des Hauses und der Familie. Schöne Bestecke und kleine Accessoires sollten in diesem Rahmen dafür sorgen, dass das Essen eine wahre Lebensbereicherung ist. So entwarf Georg Jensen, und mit ihm seine herausragenden Künstler, funktionale und ästhetische Bestecke in anmutenden Linienführungen – die Stücke hatten eine regelrechte Aura.
Die Besteckproduktion setzte bei Jensen in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts ein. Dänemark erlebte derzeit gerade einen wirtschaftlichen Aufschwung und die Menschen besaßen genügend Geld, um Luxusgüter zu erwerben. Gerade nach Bestecken in Sterlingsilber bestand eine große Nachfrage. Das, was Jensen zu diesem speziellen Kapitel der Tafelkultur beitrug, fand in seinem Heimatland, aber auch auf internationalem Parkett immer viel Beifall. Bis dahin hatte sich die breite europäische Besteckkultur auf einfache Formen konzentriert und die Objekte waren mechanisch hergestellt worden. Georg Jensen verhalf dem Essgerät zu Individualität bei zugleich funktionaler Gestaltung.
BRAUCHTUM UND NATUR Jensens erster Besteckentwurf mit dem programmatischen Titel „Old Danish“ war durchaus der Tradition verpflichtet und kam 1906 auf den Markt. Das Design war betont einfach, der Dekor, eine feine umlaufende Linie, die die leicht geschwungenen Konturen der Griffe betonte, sehr zurückgenommen. Die Oberfläche der Griffe strukturierten Hammerschläge, die dazu die handwerkliche Herstellung der Besteckteile augenscheinlich machten. Die Zielgruppe für seine Produkte fand Jensen in der Mittelklasse Dänemarks, die es seinerzeit nicht zu modern, aber auch nicht zu konservativ mochte. Bei späteren Entwürfen begann Jensen, wie schon zuvor bei den Korpuswaren erprobt, seinen skulpturalen Gestaltungsansatz in den Vordergrund zu rücken. 1913 kam sein Besteck „Liljekonval“ auf den Markt. Die Griffenden der Besteckteile zierte jeweils eine kleinen Girlande aus Blütenknospen. Darauf folgte 1919 das bis jetzt in der
Besteck „Bernadotte“ Courtesy Quittenbaum Kunstauktionen, München
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Produktpalette vorhandene „Blossom“, ein handgefertigtes Sterlingsilberbesteck, entstanden im Geiste des floralen Jugendstils mit einer zarten 18-karätig vergoldeten Blütenknospe am Griffende. Wie „Blossom“, so waren viele von den JensenBestecken von Formen abgeleitet, die aus der Natur stammten. Das konnten Blumen sein, Fische als Dekormotive für ein Fischbesteck, gravierte Blätter oder Gemüse für verschiedenes Tafelgerät zum Vorlegen.
RATIONALE FORMEN Auch in der Frühphase des Unternehmens leitete Georg Jensen nicht alle Bestecke von Formen der Natur ab. Zu seinen ganz frühen Werken zählt „Antik“, das im Jahr 1906 erschien. Dieses kam ganz ohne organische Formen aus und beschränkte sich auf flache, nach unten erweiterte Griffe, die unterhalb der Laffe, den Zinken oder der Klinge gekehlt waren. Georg Jensen hat während seiner Schaffensjahre selbst insgesamt 13 Bestecke entworfen. Fünf von diesen Entwürfen tragen keine Namen, sondern einfach die Nummern 5, 16, 18, 19 und 145. Die mit Namen sind die drei zuvor erwähnten, dazu „Klokke“, „Kugle“, „Perle“, „Akkeleje“ und „Nordisk“.
DESIGNER-RIEGE Bis heute sind noch Bestecke von 14 anderen Designern im Portfolio des Unternehmens Jensen. Der zeitliche Rahmen ihrer Entstehung umfasst die 1920er-Jahre bis hinein in das Jahr 2018. Neben Georg Jensen selbst sind es Johan Rhode, Gundorph Albertus,
Von oben nach unten: Johan Rhode: Besteckteile „Acorn“ mit Essstäbchen und Serviettenring, Messergriff mit „Acorn“-Design, Entwurfszeichnung für „Acorn“ mit Accessoire einer Lupe im „Acorn“-Design © und Courtesy Georg Jensen A/S
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Harald Nielsen und Sigvard Bernadotte aus der Riege der Art-déco-Meister, aus dem Bereich der Moderne Henning Koppel und Arne Jacobson und unter den zeitgenössischen Positionen Bo Bonfils, Aurélie Barby, Maria Berntsen, Vivianna Torm BülowHübe, Louis Campbell, Alfredo Häberli, Grethe Meyer und Helena Rohner. Von Johan Rhode, Georg Jensens engstem Mitarbeiter und lebenslangem Freund, stammt das heute bekannteste und populärste Besteck, wenn man einmal von den eigenen Entwürfen des Firmengründers absieht. Es heißt „Acorn“, kam 1916 heraus und wird bis heute hergestellt. Bei den Besteckteilen von „Acorn“ zieren stilisierte Eicheln das Ende des Griffs, die jeweils von zwei kleinen Rocaillen gerahmt werden. Von „Acorn“ gab es 228 verschiedene Formstücke, angefangen bei gewöhnlichen Besteckteilen wie Mes-
ser, Gabel, Löffel für die Tafel bis hin zu Platztellern und sehr spezialisiertem Beiwerk wie Salatsets, Senfmessern, Hering- und Zitronengabeln, Beerenlöffeln, Traubenscheeren und Platzkartenhaltern. Das Besteck eignete sich für ein großes gesetztes Dinner ebenso wie für ein einfaches Abendessen. Ein Jahr später, 1917, wurde ein zweites Besteck von Johan Rhode mit dem Titel „Acanthus“ lanciert. Hier zierte ein Akanthusblatt die Stilenden, der Bereich unterhalb der Laffe und Klinge war bei der Dekoration der Löffel und Messer einem Perlstab, bei dem übrigen Tafelgerät ionischen Schnecken vorbehalten. Bis zum Jahr 1927 entwarf Johan Rhode noch ein Besteck, das im dänischen „Saga“ hieß, im Englischen „Scroll“. In unsere Sprache übersetzt heißt es soviel wie „Schnecke“ oder auch „gerolltes Blatt“. Das Spannungsverhältnis des Entwurfes lag darin begründet, dass „Saga“ eine Synthese zweier unterschiedlicher Elemente war. Dies war einmal der einfache, glatte Schaft und das Dekorelement in dessen ungefährer Mitte, das aus zwei gegenläufig arrangierten, kräftig stilisierten „Schnecken“ im Hochrelief bestand. Das Motiv mutete stark nordisch an, in Kontrast dazu stand der schlanke, modernistisch wirkende Griff.
ART DÉCO 1926 erschien Harald Nielsens Besteck „Pyramid“ und es war, so wie das Tafelgerät aus dieser Jensen-Edition von der Entdeckung des Grabes
Von links oben im Uhrzeigersinn: Besteckteile von „Blossom“ entworfen von Georg Jensen © und Courtesy Georg Jensen A/S
Zwei Messer und ein Vorlegelöffel aus dem Besteck „Acorn“; Gabel und Messer aus dem Besteck „Kaktus“; Salatbesteck „Caravel“, 1957, Entwurf Henning Koppel; Besteck „Bernadotte“ Abb.: Courtesy Quittenbaum, München
von Tutanchamun und dem damit aufkeimenden neoägyptischen Stil beeinflusst. Seine Grundform war gerade, am Griffende war es getreppt. Mit seiner Linienführung war ihm ein auffallend funktionaler Ausdruck zu eigen, auch eine Verwandtschaft zum Bauhaus-Design und zu der geometrischen Prägung des Art déco war augenfällig. Dieses Design stand im Kontrast zu der Gestaltung der frühen, von der Natur inspirierten Jensen-Objekte. Der Entwurf eines weiteren, sehr innovativen Bestecks gelang Prinz Sigvard Bernadotte mit der Serie, die seinen Namen trug: „Bernadotte“. Der Prinz und Spross aus der schwedischen Königsfamilie war schon in seinen frühen Jahren vom Funktionalismus geprägt, den er während seiner Zusammenarbeit mit dem Jensen-Unternehmen einfließen ließ. Sein Besteckentwurf war so einfach wie möglich: Die Griffe strukturierten Kanneluren, die ihnen einen
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säulenartigen Charakter verliehen. Bernadottes Stil wurde oftmals einem Modernismus zugerechnet, für die Frank Lloyd Wright, Walter Gropius, Mies van der Rohe und andere Titanen des modernen Designs standen.
WANDEL DER ZEITEN Die bei Jensen neu eingeführten Tafelausstattungen und Bestecke verfehlten nie ihre Wirkung auf das internationale Design, gleichzeitig spiegelte ihre Gestaltung den aktuellen stilistischen Trend und den sozialen und kulturellen Wandel im Laufe des 20. Jahrhunderts. Außerdem sind sie Zeitzeugen und erzählen von kulinarischen Vorlieben der Zeiten, in denen sie entstanden. Um 1910 gehörten zu jedem Besteck Sardinengabeln, die heute niemand mehr kennt. Die Firma Jensen berücksichtigte außerdem regionale und kulturelle Traditionen bei der Gestaltung. So waren die Suppenlöffel für die Vereinigten Staaten viel schmaler als die Suppenlöffel für den europäischen Markt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat der Umfang von Besteckgarnituren stetig abgenommen und heute stehen wir, anstatt einer immens großen Auswahl an Form- und Gebrauchsstücken einer sehr übersichtlichen Anzahl gegenüber. Das häusliche Essen hat mehr und mehr an Form abgenommen, ist heute eher unkonventionell und längst kein Ritual mehr, so wie Jensen es verstanden hatte. In unserer Zeit reichen fünf Besteckteile aus, um einen Haushalt zu bespielen. Oftmals sind diese einzelnen Stücke als besonders flexibel einsetzbar entworfen, so dass sie möglichst viele Funktionen übernehmen. Teil III der Jensen-Serie lesen Sie in der nächsten Ausgabe.
Von oben nach unten: Besteck „Pyramid“; Besteck „Bernadotte“; Besteck „Cypress“, 1954 Courtesy Quittenbaum , München
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SAMMLER JOURNAL
ISSN 1863-0332
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Gerd Reddersen
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GESCHÄFTSFÜHRER
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ASSISTENZ DER GESCHÄFTSFÜHRUNG
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GESAMTKOORDINATION
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REDAKTEURE
Nicola Fritzsch Heidrun Th. Grigoleit Helene Stümpfle-Wolf Anja Iwa Joscha Eberhardt
AUTOREN DIESER AUSGABE
Hans-Jürgen Flamm Dr. Wolfgang Hornik Anja Iwa Dr. Bettina Krogemann Regina Voges
REDAKTIONSASSISTENZ
Heike Genz
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Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/08 vom 01.11.2008 Bildnachweis links: Otto Gutfreund, Sitzende Frau II, 1927, Gipsmodell, H 23,5 cm, Národní galerie v Praze, Inv.-Nr. P 5039; Servierwagen, Deutschland, 1930er-Jahre, Bambus, Foto: Quittenbaum
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