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Sammler journal 0218

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U1_Titel_SJ_0218.qxp_SJ Titel 15.01.18 17:14 Seite 1

FeBruar 2018

Februar 2018 · B 1309 | € 7,50 Schweiz CHF 11,50 | Österreich € 8,00 | Be/ne/lux € 8,50

Sammler Journal

KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN

Über 2.000 Termine

Schätzungen Auktionen Ausstellungen

Ernst Würtenberger Ein Maler in Zürich

Heinrich Schliemann

GEMI

und Homers Troja

DANIELE PAPULI

Die Papierwelten des italienischen Bildhauers


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15.01.2018

musik www.

16:49 Uhr

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ion.de

www.musikinstrumente-auktion.de


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INHALT

FOTOKUNST Ausstellungen in Berlin und München

ALLES PAPIER: DANIELE PAPULI von Dr. Bettina Krogemann Titelbild: Daniele Papuli, Margò Pouf, 2003, Hocker oder kleiner Sessel, verflochtene Lamellenstrukturen aus Polypropylen-Umreifungsbändern Foto: © & Courtesy Daniele Papuli

SAMMLER-SERVICE

4

MAGAZIN

10

MESSETERMINE

16

KUNSTMARKT

18

AUKTIONSTERMINE

42

INSERENTENVERZEICHNIS

45

AUSSTELLUNGSTERMINE

46

AUSSTELLUNGEN

51

LITERATURTIPP

66

AUKTIONSPREISE

68

VORSCHAU | IMPRESSUM

74

HEINRICH SCHLIEMANN von Wolf Pecher

AUKTIONSNOTIZEN Vorberichte und Nachberichte

ERNST WÜRTENBERGER von Anja Iwa

KUNST VON 1918 BIS 1933 von Heidrun Th. Grigoleit

20 24 30 36 56 62

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SAMMLER-SERVICE

Reichshofrat Vogelius Gemälde von Jan Frans van Douven oder seinem Umkreis

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Das Gemälde hatte mein Vater vor Jahrzehnten aus dem Besitz eines Onkels bekommen, der mit einer Frau aus wohlhabendem Haus verheiratet war. Daher könnte das in der Höhe 84 cm, in der Breite 66 cm messende Bild vielleicht nicht ganz wertlos sein. Meine Schwester und ich würde es interessieren, etwas über den Maler und die Bildqualität zu erfahren. Von der Stadtdirektion der Stadt Paderborn haben wir im Zuge von ersten Nachforschungen die Auskunft erhalten, dass es sich bei dem Porträtierten wohl um Gerhard Georg Wilhelm Franz Xaver Vogelius handelt, der am 14.10.1708 in Paderborn geboren wurde und 1755 im Alter von 47 Jahren vermutlich in Wien verstarb. Vogelius entstammte einer bedeutenden Beamtenfamilie des Fürstbistums Paderborn, wo sein Vater Geheimrat und Vizekanzler war. Auf einem rückseitigen Etikett steht geschrieben: „Portrait des Paderbornschen Kanzlers Vogeler 1749 ge. von Douwen”. N.N., Bockenheim

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Schriftliche Anmerkungen auf Altmeister-Gemälden sind erst einmal hilfreich, aber nicht immer sehr genau, da sie meist späteren Datums ausgefertigt wurden und von mündlichen Überlieferungen herrühren. In diesem Fall ist davon auszugehen, dass dieses Gemälde von dem 1656 in Roermond geborenen und 1727 in Düsseldorf verstorbenen höfischen Porträtmaler Jan Frans van Douven gemalt wurde oder aber von einem Künstler aus seinem Umkreis. Die Schreibweise auf dem rückseitigen Etikett wäre damit nicht ganz korrekt, aber trotzdem hilfreich. Jan Frans van

Douwen, der auch „Douwen de Oude” (Douven der Ältere) genannt wurde, gehörte zu den wichtigsten Porträtmalern seiner Zeit und war ein typischer Vertreter der damals stark in den Vordergrund tretenden Hofkunst. Seine Malerei stand unter dem Zeichen der großen französischen Bildnismaler des Barock und der repräsentativen Porträtmalerei. In Lüttich und Roermond im Zeichnen und Malen ausgebildet, arbeitete er drei Jahre lang für den finanzkräftigen Sammler Don Jan Dellano Velasco im niederrheinischen Geldern und malte dort nach Werken der großen italienischen Meister. Douven muss diese Adaption klassischer italienischer Malerei sehr gut beherrscht haben, denn der nahe an Geldern gelegene Düsseldorfer Hof, an den er 1682 als Hofmaler berufen wurde, gab bei ihm infolge viele Porträts in Auftrag. Auch nahm der Kurfürst Johann Wilhelm ihn mit nach Wien. Dort porträtierte van Douven Mitglieder der Habsburger, darunter Kaiser Leopold I. und die Kaiserin Eleonora. Es folgten weitere Auslandsaufenthalte in Dänemark und Italien, wo ebenfalls wichtige Herrscherporträts entstanden. Überwiegend war Douven jedoch in Deutschland tätig. Wenn das Porträt tatsächlich 1749 gemalt worden ist wie es der Vermerk auf dem Etikett nahelegt, so ist es sechs Jahre vor dem Tod des Künstlers entstanden und ein reifes Werk, ein Werk, das eine routinierte Handschrift trägt. Sehr gekonnt und typisch für den Künstler erscheint mir der Bildaufbau und der intensive Blick des Porträtierten zum Betrachter, ferner die pointiert gesetzten Lichtreflexe auf den Haaren und Stoffen, die dem Bild Lebendigkeit verleihen. Die eher kräftige, fast opulente Statur des Gerhard Georg Wilhelm Franz Xaver Vogelius machen ein Alter von rund 40 Jahren, was auch mit den Lebensdaten des Künstlers vereinbar wäre, durchaus sinnfällig. Auf dem internationalen Auktionsmarkt werden regelmäßig Gemälde „von” Jan Frans van Douven angeboten. Doch wie in diesem Fall werden sie meist dem Künstler oder seinem Umkreis zugeschrieben, oftmals kann der Porträtierte nicht eindeutig ausgemacht werden. Die Ergebnisse für solche Gemälde sind durchaus stattlich: Es gibt Paare von Herrscherporträts, die 20.000 Euro erzielt haben oder Einzelporträts, die mit rund 10.000 Euro bewertet wurden. Der Preis ist nicht allein von der Bedeutung des Malers abhängig. Ein ausschlaggebender Faktor ist außerdem, wer dargestellt ist. Da Gerhard Georg Wilhelm Franz Xaver Vogelius kein Mitglied der großen Herrscherfamilien seiner Zeit war, sondern allenfalls ein Mitglied des Hofstaates, halte ich eine Bewertung von rund 5.000 Euro für dieses Porträt für angemessen. In jedem Fall ist es ein qualitätvolles Bild. Dr. Bettina Krogemann, Kunstexpertin, München

Sitzbaby Puppe von Heubach

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Beigefügt sende ich Ihnen ein Foto einer Heubach-Puppe und würde gerne den heutigen Marktpreis erfahren. Sie hat die Nr. 342-5 Germany, ist 53 cm groß und hat blaue Schlafaugen, einen Massekörper mit Stimme, die allerdings verstummt ist. Ein Daumen fehlt. Hannelore Kussnik-Jehn, Fulda


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Ihr niedliches Puppenkind mit der beachtlichen Größe von 53 cm ist eigentlich eine Babypuppe – ein so genanntes „Sitzbaby“, das wegen seiner gekrümmten Beinchen nicht stehen sondern nur sitzen kann. Die im Hinterkopf eingeprägte Seriennummer „342“ (die auch auf Köpfen von Armand Marseille sowie von Baehr & Proeschild zu finden ist) wurde von dem Puppenhersteller Ernst Heubach für seine „300er“-Serie“ verwendet, die ausschließlich Charakterpuppen umfasste. Die Ziffer „5“ bezieht sich auf die Kopfgröße. 1887 hatte Ernst Heubach im thüringischen Köppelsdorf eine Porzellanfabrik errichtet und unter anderem Puppenköpfe produziert. Er benötigte diese nicht nur für den Eigenbedarf, sondern belieferte auch Puppenhersteller wie Seyfarth & Reinhardt, Cuno & Otto Dressel, die Gebrüder Ohlhaver etc. Frühe Köpfe mit einer Produktionszeit vor 1910 zeigen in der Halsmarke eingeprägt ein Hufeisen sowie das Jahr ihrer Herstellung. Ab 1910 widmete sich Ernst Heubach in zunehmendem Maße der Fabrikation von Charakterpuppen. Bis dahin sahen Puppen wie kleine Damen aus und sie waren auch so gekleidet, denn die kleinen Puppenmütter sollten im Spiel mit ihnen auf ein Leben als vornehme Damen der Gesellschaft, ebenso wie als gute Hausfrauen, vorbereitet werden. Es war eine Sensation, als 1909 in der Puppenfabrik Kämmer & Reinhardt die erste Babypuppe produziert wurde. Das Köpfchen entstand nach einer Büste, die nach einem neugeborenem Kind gefertigt worden war. Sehr lebensecht sah das Gesichtchen aus: mit Runzeln, Fältchen und Schlitzäuglein wirkte die Puppe aber ein wenig zu lebensecht und fand deshalb auch wenig Anklang bei den kleinen Puppenmüttern. In den Puppenfabriken wurde deshalb eifrig daran gearbeitet, die Puppen zu verbessern. Es wurden Entwürfe ge-

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www.auktionshaus-walldorf.de

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SAMMLER-SERVICE

macht, und wieder verworfen, um erneut verbessert zu werden, und die Mühen und Anstrengungen lohnten sich. Jetzt gab es plötzlich Puppenbabys, die lächelten und freundlich in die Welt guckten, pausbäckig waren sie, mit kugelrunden Bäuchlein und Speckfältchen. Die Charakterpuppen waren geboren! Sie hielten Einzug in die Kinderzimmer und wurden rasch zu den erklärten Lieblingspuppen der Puppenmütter. Ihre Puppe mit der Seriennummer „342“ zählt zu den beliebtesten aus der 300er-Serie. Sie scheint in gutem Zustand zu sein. Der fünfteilige Sitzbaby-Körper besteht aus „Masse“, einem Gemisch aus Knochenmehl, Leim, Gips, Sand und allerlei anderen Zutaten für die jeder Hersteller seine eigene, streng gehütete Rezeptur hatte. Puppenköpfe wurden bis zum Beginn der 1920er-Jahre vorwiegend aus Biskuitporzellan gegossen, danach verwendete man in zunehmenden Maße aus Einsparungsgründen ebenfalls Masse. Das reizende Köpfchen Ihres Puppenbabys mit den großen, blauen Schlafaugen wurde aber noch aus feinem Biskuitporzellan hergestellt. Die Seriennummer „342“ wurde erst 1926 registriert und danach wurden Ihr Puppenbaby und seine Geschwister bis in die späten 1930er-Jahre produziert. Die Puppen mit der Seriennummer „342“ gab es auch als „Negerlein” und als „Schnullerbabys“: Zog man am Schnuller, der durch eine Schnur mit einer Stimmbox im Körper verbunden war, so weinte das Baby kurz auf. Der weit geöffnete, zahnlose Mund Ihrer Puppe lässt darauf schließen, dass auch sie ein Schnullerbaby war. Der Wert Ihrer Puppe liegt bei 250 bis 280 Euro.

Versuchen Sie Ihrem Puppenbaby Neugeborenen-Kleidung anzuziehen und ersetzen Sie die Perücke durch ein hübsches Häubchen und den weit geöffneten Mund verschließen Sie mit einem kleinen Schnuller. Sie werden staunen! Reingard Ecker, Wels (A)

Körbchen und Flöte Porzellanfiguren aus dem Neo-Rokoko

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Ich sende Ihnen einige Fotos von zwei Porzellanfiguren, die sich seit einiger Zeit in meinem Besitz befinden. Das Paar ist in einem 1A-Zustand und hat eine Höhe von 21 cm. Leider ist es mir bisher nicht gelungen, anhand des schlecht erkennbaren Stempels den Hersteller herauszufinden. Ich hoffe, Sie können mir aus meiner Misere heraushelfen und eventuell Hersteller, Alter und Wert festellen. B. M. Schmied, Rinteln

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Die beiden Porzellanfiguren stellen eine junge Frau mit Blumenkörbchen und einen jungen Mann mit Flöte dar. Beide tragen Kleidung des 18. Jahrhunderts und sind daher in die


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Zeit des Neo-Rokoko einzuordnen. Die Malerei ist in Unterglasur Blau sowie Aufglasur Rot mit sparsamer Vergoldung ausgeführt. Die Marke ist vage als ein „G“ mit einem zarten vertikalen Strich zu erkennen. Es handelt sich dabei um Porzellanfiguren der Firma Unger, Schneider & Hutschenreuther/Carl Schneider's Erben in Gräfenthal. Gefertigt wurden die Figuren um 1875. Ein Schätzpreis wäre 200 bis 300 Euro. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger, Lüneburg

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Für den Export Teegeschirr aus den 1930er-Jahren

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Ich bin im Besitz eines asiatischen Teeservices aus dem Nachlass meiner Eltern, welches sie 1936 zur Hochzeit bekommen haben. Es würde mich nun interessieren, woher es stammt und wie alt es wirklich ist. Es besteht aus einer Teekanne, einer Zuckerdose, einem Milchkännchen und sechs Teetassen mit Untertasse. Das Geschirr hat einen Stempel mit roten Buchstaben GKBCO. Ursula Crämer, Backnang

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Das dekorative Teegeschirr im Moriage-Stil wurde in Japan in den 1930er-Jahren hergestellt. Diese Service wurden in riesigen Stückzahlen von verschiedenen großen Herstellern in der Provinz Satsuma und anderen Teilen Japans speziell für den Export nach Europa und USA gefertigt. Da hier der Hinweis „Made in Japan“ fehlt (welcher für den Import in die USA vorgeschrieben war) handelt es sich um Ware für Europa. Satsuma-Keramik trägt oft als Bodenmarke das Shimazu Familienwappen, ein Kreis mit einem Kreuz darin. Das auf Ihrem Porzellan-Teegeschirr angebrachte Firmenzeichen ist eine Reminiszenz daran. Die Buchstaben „GK CO“ lassen sich wohl als „goshi kaisha company“ = „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ lesen. Vergleiche Teegeschirre lassen sich heute oft schon für unter 100 Euro kaufen. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger, Lüneburg

Juwelen Auktion 7. Februar 2018 Auktionshaus Hahn Pacellistraße 5 80333 München Fordern Sie weitere Informationen an: info@juwelenhahn.de Tel. 089 / 222 702

Antikes & Kurioses - Auktion Mittwoch 07. Februar 2018

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SAMMLER-SERVICE

Baumstudien Zeichnungen vermutlich von Emil Jacob Schindler

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Ich habe hier vier Zeichnungen (Baumstudien aus dem Prater) – signiert u. a. mit J. S. oder J. Sch. Könnte Jakob Schindler sein, der hat viele Motive aus dem Prater gemalt. Wäre es Ihnen möglich, mir bei Gelegenheit nähere Auskünfte zu dem Maler und gegebenenfalls auch den Wert dieser Bilder zu sagen? R. Wagner, o. O.

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Papierarbeiten Baumstudien, verschiedene Techniken, Bleistift, Aquarell, Pastell und Federzeichnung, unbekannte Maße, letztes Drittel des 19. Jahrhunderts: Das hier eingereichte Kunstobjekt ist eine Zusammenstellung von vier Baumstudien, die zusammen gerahmt worden sind.

Die Zeichnungen beziehungsweise die Studien zeigen als Motiv Bäume beziehungsweise Baumstümpfe. Links oben ist ein wohl abgestorbener Baumstumpf in Feder ausgeführt, rechts oben eine Bleistiftzeichnung, links unten eine Mischtechnik als aquarellierten Federzeichnung und rechts unten wohl eine Pastell oder Kreidezeichnung zu sehen. Genauere Aussagen sind nur für die Baumstudie, die sich in der Rahmung links unten befindet, aufgrund von vorhandenen Detailaufnahmen, zu machen. Diese Papierarbeit ist datiert „10./10. 75.“ und signiert mit „J. Sch“. Es handelt sich um die Zeichnungen eines Künstlers, der eine akademische Ausbildung genossen hat. Die Zeichnungen sind wohl auf der Rückseite des Rahmens mit „Baumstudien a. d. Prater“ bezeichnet. Es wird vermutet, dass diese Zeichnungen vom österreichischen Künstler Emil Jakob Schindler (1842-1892) stammen. Schindler war Vertreter des poetischen Realismus, beziehungsweise des österreichischen Stimmungsimpressionismus und zeigt tatsächlich häufig als Motiv in seinen Gemälden Bäume in allerlei Variation und genauer Naturbeobachtung. Stilistisch und motivisch ist hier somit eine Nähe festzustellen. Versuchen wir nun die Signatur als Argument zu benützen. Schindler signiert in den Papierarbeiten, die publiziert sind und deren man ansichtig werden kann, mit vollem Namen und nicht in Abkürzungen. Jedoch ist dies nur ein Bruchstück seines zeichnerischen Werkes und dies lässt keine sichere Zu- oder Abschreibung der Zeichnung an Emil Jakob Schindler zu. Hier müsste die Sammlung des Belvedere in Wien zu Rate gezogen werden. Versuchen wir die Datierung als Argument heranzuziehen, sind wir wieder im Vagen. Schindler zieht in den 1970erJahren an den Prater in Wien, was mit dem Motiv und der späteren rückseitigen Bezeichnung gut zusammenpassen würde, und fertigt Gemälde, die den Prater in Wien zeigen. Im August des Jahres 1875 ist eine mehrmonatige Reise nach Holland zusammen mit der Künstlerin Tina Blau überliefert. Es besteht somit eine Wahrscheinlichkeit, dass diese Blätter Emil Jakob Schindler zuzuschreiben sind. Diese Zuschreibung müsste jedoch mit mehr Informationen, beispielsweise Sammlungsstempel oder ähnliches, unterfüttert werden. Jede dieser kleinformatigen und unterschiedlich ausgeführten Papierarbeiten wären, wenn sich die Zuschreibung bewahrheitet, in Korrelation mit Auktionsergebnissen mit 200 bis 300 Euro pro Stück zu bewerten. Georg Ottomeyer, Experte


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15.01.2018

16:27 Uhr

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www.wikam.at


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KUNSTMARKT

Leonardo da Vinci Der letzte Da Vinci wanderte nach Abu Dhabi Das letzte bekannte Werk von Leonardo da Vinci, das sich noch in Privatbesitz befand, hat bei der Christie’s-Auktion am 15. November 2017 in New York für einen Rekordbetrag in Höhe von 450 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt. Das Meisterwerk wird im Louvre von Abu Dhabi ausgestellt werden. Der Erlöser der Welt (Salvator Mundi) gilt als Pendant der Mona Lisa und ist laut Alan Wintermute, dem Fachmann für alte Kunst bei Christie's, der „Heilige Gral der alten Kunst“. Dieses Kunstwerk misst 65 mal 45 Zentimeter, wurde um das Jahr 1500 von Leonardo da Vinci (1452-1519) gemalt, und zeigt Christus mit den Zügen eines Mannes der Renaissance, der in der linken Hand eine Kristallkugel hält und die rechte Hand in segnender Geste erhoben hat. Eine romantische Geschichte Die lange Zeit umstrittene Geschichte dieses Kunstwerks bietet genügend Stoff für einen Roman. Einigen Experten zufolge wurde es vom französischen Hof für Ludwig XII. in Auftrag gegeben und befand sich anschließend im Besitz verschiedener Könige in Europa, bevor sich seine Spuren Mitte des 18. Jahrhunderts verloren. Im Jahr 1900 tauchte das Werk wieder auf. Es gelangte in die Kollektion des Briten Francis Cook und wurde 1958 für 125 britische Pfund weiterverkauft. Ein in der Tat lächerlicher Preis für ein Gemälde von Da Vinci, und so wurde es Giovanni Antonio Boltraffio, einem anderen Maler der Renaissance zugeschrieben. Im Jahr 1999 änderte sich erneut die Zuschreibung des Werkes: Experten waren der Meinung, dass es aus den Ateliers der Leonardeschi stamme, einer Gruppe von Künstlern in Florenz, die unter dem Einfluss von Leonardo da Vinci arbeiteten. Bei Sotheby's wurde es dann für 332.500 Dollar verkauft. 2005 wechselte das Kunstwerk erneut den Besitzer. Es wurde restauriert und 2011 letztendlich mit der Retrospektive in der National Gallery in London „Leonardo da Vinci, Maler am Hof von Mailand“ doch als Originalwerk von Leonardo da Vinci anerkannt. Doch die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende: Der Schweizer Händler Yves Bouvier er-

warb den Erlöser der Welt 2013 auf einem Privatverkauf für 80 Millionen Dollar und verkaufte es für 127,5 Millionen Dollar an den russischen Milliardär Dmitry Rybolovlev. Als Rybolovlev erfuhr, welchen Gewinn Bouvier gemacht hatte, fühlte er sich benachteiligt und leitete rechtliche Schritte gegen den Händler ein. Schließlich beschloss der russische Magnat, Christie's das Werk anzuvertrauen, unter der Annahme, dabei mehrere Millionen Verlust zu machen. Die Schätzung des Auktionshauses belief sich auf rund 100 Millionen Dollar. Neuer Weltrekord Das wertvolle Gemälde, das vor 500 Jahren geschaffen wurde, wurde am 15. November 2017 in New York bei der Auktion mit zeitgenössischer Kunst und Nachkriegskunst angeboten – und nicht bei der Auktion mit alter Kunst, wie man vermuten würde. Auf diese Weise hat Christie's die Regeln gebrochen und die Auktion selbst zum Ereignis gemacht. Dieser Durchbruch inmitten einer jahrhundertealten Institution ist zumindest ein bemerkenswertes Signal für die Zukunft des Kunstmarktes: Die Vermischung der Kunstgattungen wird über die Digitalisierung der Verkäufe beschleunigt. Am Tag der Auktion begannen die Gebote bei 70 Millionen Dollar. Zum ersten Mal überboten die Sammler sich in Schritten von 20 oder 30 Millionen Dollar und endeten nach 19 spannungsgeladenen Minuten bei 400 Millionen Dollar. Der letztendlich zu zahlende Preis betrug 450,3 Millionen Dollar, einschließlich Aufgeld und diverser Steuern. Der Betrag von 450,3 Millionen Dollar ist ein absoluter Rekord in der langen Auktionsgeschichte und überstieg den bisherigen Weltrekord in Höhe von 179,3 Millionen Dollar für Les Femmes d’Alger (Version ‘O’) von Pablo Picasso, das im Mai 2015 von Christie’s verkauft worden war, um mehr als das Doppelte. Dmitri Rybolovlev kann im Nachhinein beruhigt sein. Letztendlich hat sich mit der Versteigerung mit Bietern aus der ganzen Welt bei diesem großen Auktionshaus gezeigt, dass er eines der wichtigsten Kunstwerke der Welt besessen hatte. Die Zukunft eines Meisterwerkes Die große Frage, die sich die Kunstwelt stellte, war die nach der Identität des Käufers. Wer war in der Lage, eine derart


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hohe Summe auszugeben und wem würde eine solch außergewöhnlicher Erwerbung nützen? Die französische Wochenzeitung „Le Journal du dimanche“ behauptete Anfang Dezember, dass es sich um zwei Investitionsunternehmen gehandelt habe, die im Rahmen eines finanziellen Übereinkommens mit mehreren großen Museen tätig gewesen seien. Nach dem Erwerb solle das Gemälde, so die Zeitung, an Museen, insbesondere in Asien und im Mittleren Osten, weiterverkauft oder vermietet werden. Dem ist nicht so. Der Salvator Mundi ist für den brandneuen Louvre von Abu Dhabi bestimmt – ein nie dagewesener Marketing-Coup, ermöglicht durch den saudischen Prinzen Bader ben Abdullah ben Mohammed ben Farhan Al-Saud, der dem Kronprinzen Mohammed ben Salmane nahe steht. Über diese Person weiß man nur sehr wenig – unter anderem ist der Prinz nicht dafür bekannt, Kunst zu sammeln. Laut der Website des amerikanischen Energiekonzerns Energy Holdings, bei dem er Vizepräsident des Verwaltungsrates ist, sei Prinz Bader einer der „jüngsten Unternehmer Saudi-Arabiens“ in der Telekommunikations-, Immobilien-, Energie- und Recyclingbranche. Der Louvre der Wüste wurde im November letzten Jahres eröffnet und hat hiermit auf jeden Fall hohe Wellen geschlagen. Leonardo, der italienische Renaissancemaler, von dem es nur ein gutes Dutzend eindeutig identifizierter Werke gibt, wird zu guter Letzt das majestätische Gebäude des Architekten Jean Nouvel auf der arabischen Halbinsel in den Emiraten schmücken. Der Louvre von Abu Dhabi hatte bereits ein anderes Gemälde von Leonardo da Vinci, „La Belle Ferronnière“, vom Louvre Paris geliehen und als Star des neuen Museums präsentiert. Salvator Mundi ist der neue Star des Museums und verspricht, Zehntausende von Besuchern anzuziehen, denn manchmal beruht das Ansehen eines Museums auf dem Ansehen eines einzigen Kunstwerks. Um es mit den Worten von Loïc Gouzer, dem Co-Präsidenten der Abteilungen für Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg und zeitgenössische Kunst bei Christie's für den amerikanischen Raum, zu sagen: „Ohne Mona Lisa gäbe es keinen Louvre, und auf eine gewisse Art und Weise könnte man sagen, ohne Louvre gäbe es kein Paris“. QUELLE | artprice.com

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24_29_Papuli.qxp_SJ Redaktion 15.01.18 17:29 Seite 2

Papuli Alles Papier

Daniele Papuli Von Dr. Bettina Krogemann

Der wichtigste Werkstoff des italienischen Bildhauers Daniele Papuli ist das Papier. Daraus erschafft er Objekte, Skulpturen, Möbel, Räume, Welten.

Papier ist kein gewöhnliches Material für einen Bildhauer und es bedarf besonderer, sehr präziser Techniken, um es in Form zu bringen. „Wenn mich jemand fragt, warum ich in Papier arbeite, fühle ich mich plötzlich so zerbrechlich wie das einzelne Blatt eines Buches und gleichzeitig so stark wie ein tausendseitiges Buch, das in Jahrhunderten durch unzählige Hände gewandert ist. Abgesehen von der Macht der Wörter, die auf den Seiten gedruckt sind, ist für mich Papier ein lebendiges, wechselhaftes, ein beschwingtes Material. Für meine Untersuchungen rund um die Materie Papier, deren Ende noch offen ist, habe ich den Begriff „Scultografia“ geprägt. Die Werkzeuge, die ich für meine Arbeit nutze, haben wenig mit denen zu tun, die ein Bildhauer sonst nutzt – es sind Scheren und Klingen.“

VON SÜD NACH NORD Daniele Papuli wurde 1971 im apulischen Maglie geboren. Für sein Studium der Bildhauerei an der berühmten Accademia di Belle Arti di Brera zog er nach Mailand und noch heute lebt und arbeitet er in der italienischen Kunst- und Designmetropole. Seine ersten Arbeiten fertigte Papuli in den für Bildhauer üblichen


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PAPIERKUNST

traditionellen Materialien Stein, Holz und Gips. Im Jahr 1993 kam er im Rahmen eines internationalen Workshops in Berlin mit dem Medium Papier in Berührung, genauer gesagt erlernte er damals die Methoden zur Herstellung von Papierbögen. Diese neuartigen Erfahrungen bewogen ihn nach zwei Jahren dazu, Papier als den vorteilhaftesten Werkstoff für seine Experimente und seine eigene Stilsprache auszuwählen. Vorausgegangen war dieser Entscheidung noch ein schöner apulischer Sommer für den jungen Kunststudenten, frei von der Lehre der Brera und den sogenannten ernsten bildhauerischen Aufgaben an der Akademie. In sommerlicher süditalienischer Hitze, in Licht und Sonne, spielte er mit allerlei Arten von Papier. Aus seinem Sommervergnügen sollte bald ein großer Impetus mit weitreichenden Folgen für sein künstlerisches Schaffen werden. 1997 begann er seine Auseinandersetzung mit dem Medium Papier energischer zu verfolgen und es entstanden, überwiegend aus Bütten, erste Skulpturen. Durch seine Experimente mit Papier und verwandten Materialien, dem Erforschen von deren strukturellen und taktilen Potentialen, schuf er fortan Kunstwerke, die auf einer Nahtstelle zwischen Skulptur und Design stehen. Mitunter schafft er aus Papier auch außergewöhnliche Installationen oder staunenerregende Raumausstattungen für internationale Messen, Schauen und Events oder er lässt es sogar nach seiner Choreographie tanzen.

SPILLOVER Papulis Werk wanderte seit seinen Anfängen in Grenzbereichen der Kunst. Zu seinen ersten internationalen Kunden gehörte das italienische Modelabel Missoni. Der junge Künstler, noch unbekannt und entsprechend mittellos, sah an einem regnerischen Tag in Mailand die Schaufenster des Missoni Flagship Store. In den textilen Schöpfungen aus den Stoffen mit den fadenartigen Texturen, ihrem fein abgestimmten Farbkanon und den Schattenspielen, die sie warfen, erkannte er eine starke Verwandtschaft zu seiner Auffassung von Skulptur. Kurzerhand rief er das Modeatelier von Missoni an, erklärte Idee und Vision seiner Kunst, und bekam tatsächlich einen ersten publikumswirksamen großen Auftrag: Papuli durfte während des „Salone del Mobile“ im Jahr 2000 zwölf Schaufenster der Missoni-Boutique in der Via S. Andrea mit seinen Arbeiten gestalten. Die Ausstellung nannte er „Please Touch“ und sie war eine Einladung zu einer taktilen Reise, auf der seine Papierskulpturen mitsamt den Innovationen der Missoni-Kollektion im wahrsten Sinne des Wortes für die Gäste greifbar werden sollten. Seine Skulpturen hielt Papuli in Farben, die mit den Naturtönen der Missoni-Textilien in einen harmonischen Dialog traten und er gab deren Wirkung damit einen zusätzlichen pointierten Akzent. Weitere Installationen für Schaufenstergestaltungen gab ab 2006 das französische Luxus-Modeunterneh-

Von links nach rechts: Für GoranLElas F/W 2013-14 für die Schau Moda Damen in Mailand 2013, Kleidskulptur aus Goldpapier, Einzelstück, handgearbeitet Porträt Daniele Papuli Installationsansicht im Palazzo Ducale Martina Franca, Ausstellung 17. Juli bis 7. September 2014, kuratiert von Marta Ragozzino in Zusammenarbeit mit Lorenzo Madaro

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PAPIERKUNST

men Hermès für seine Geschäfte in Mailand bei ihm in Auftrag: 2006 zierten lamellenartig aufgefächerte, farblich auf die Hermès-Produkte abgestimmte Papierstrukturen das „window dressing“. Die Installation firmierte unter dem Titel „Panta Rhei“ was so viel heißt wie „Alles ist im Fluss“. „Panta Rhei“ ist bis heute

ein von Papuli favorisiertes Motiv. 2009 hinterfing Papuli die Hermès Collection Maison in Mailand mit fächerartigen Strukturen, kombinierte damit Gefäße aus Papier und verwandten Materialien und verkleidete dazu den Treppenlauf mit vertikalen Papierstreifen. Dass Papier nicht zwingend im dekorativen

Dienst modischer Accessoires, Interiorprodukte oder Mode stehen muss, belegte Papuli 2013 mit seinen skulpturalen Roben für Goran Lelas, die mitsamt Models auf der Modenschau der Camera Moda Damen in Mailand über den Catwalk liefen. Papuli hatte Papier als Stoff für seine zwei Haute Couture-Schöpfungen gewählt.

PALAZZI

„Ula“-Installation, hängende Installation aus 500 Papierbögen à 350 g, handgeschnitten, Volumen und räumliche Disposition sind variabel, 300 x 310 x 630 cm Oben: Dreiteilige Installation im Flux-Labor Genf, die vom 3. bis 27. April 2011 zu sehen war: „Panta rhei“ aus Papierstrukturen (rechts), „Ula et Ula“ aus Papierbögen (oben), „Otti et Zippi“ aus Umreifungsbändern (unten)

Aber nicht nur Gewerbe, kommerzielle Unternehmen, sondern auch institutionelle Einrichtungen erfuhren durch Papulis Arbeit eine Neubewertung im Sinne ungewohnter ästhetischer Wahrnehmung. Historische Palazzi, von denen es in Italien wohl mehr gibt als in allen anderen Ländern auf dieser Erde, erwiesen sich als optimale Räume für seinen bildhauerischen Ansatz. Da sind zum Beispiel die barocken Prunksäle des Palazzo Ducale in Martina Franca, einer kleinen Gemeinde in Apulien mit rund 50.000 Einwohnern, die Papuli im Rahmen der Ausstellung „Metamorphosi“ im Jahr 2014 bespielte. Die repräsentativen Säle mit ihrer langen und wechselvollen Geschichte sind Orte, an denen seinen Skulpturen eine ganz besondere Aura zuteil wird. Wie glänzende, seidige, kostbare, weich drapierte Stoffe in royalen Farben, kunstvoll in wellenartigen Formationen arrangiert, treten sie dem Ausstellungsbesucher auf dem steinernen Boden unterhalb der sehr farbig und bis in die Wölbung ausfreskierten Wandungen entgegen. Oder sie fallen in tiefroter Farbgebung wie eine Kaskade von dem Altar der kleinen Palast-Kapelle herunter. Hier bezog sich Papuli einmal auf die Farbe der Wandgestaltung, andererseits erinnerte damit an das Blut Christi, dem zentralen Schatz der Kirche. Zu seinen einzigartigen Projekten zählt außerdem die Einzelausstellung mit einer Papier-Tanz-Performance für das Genfer Flux-Labor, die im Jahr 2011


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PAPIERKUNST

realisiert wurde. Neben den liegenden und hängenden Papierskulpturen inszenierte der Künstler eine rhythmisch-tänzerische Darbietung mit Papierelementen, die der Lebendigkeit des Materials Ausdruck verleihen sollte.

METHODE Ungewöhnliche Kunstwerke bedürfen einer ebensolchen Methode. Wie

näherte sich Papuli seinem großen Thema Papier? Ganz einfach, er studierte es von Grund auf. In seinem Katalog „Visionomie carte sculture“ erklärte er 2008 dazu: Um das Papier „zu verstehen und es quasi zu beherrschen, habe ich versucht, es selbst herzustellen. Dafür zerkleinerte ich verschiedene Arten von Papier, vermengte und mischte sie mit Erde, mit Kräutern und Farben. Dies war ein Prozess, der über das Zellulose-

Material zu einem vielschichtigen Werkstoff führte. Ich war fasziniert von der Vielzahl der Möglichkeiten, die es gab, Papiere zu schaffen, von den Formen und den Maßen, die so entstehen konnten. Meistens formierten sich aus der Masse Streifen und Schnipsel, die ich dann als Ausgangsmaterial nutzen konnte. Ich beschloss, eine Form festzulegen, in der das Blattmaß Ausgangspunkt und Grundlage für meine weitere

Tische und Hocker aus der Serie „Cartodentri“, 72 x 80 x 50 cm (Tisch), 50 x 40 x 50 cm (Hocker) Oben: Tisch, gefertigt aus Exemplaren der Tageszeitung „Corriere della Sera“, hergestellt als Einzelstück, H 85 cm, B 250 cm, Privatsammlung T 110 cm

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Arbeit sein sollte. Dazu begeisterten mich das durchscheinende Licht genauso wie die dickeren, lichtundurchlässigen Texturen des Papieres und die strukturellen Möglichkeiten der Oberflächen. Sie traten mir lebendig, vibrierend, variabel gegenüber.“ Die Oberfläche eines Blattes bot Papuli so den Raum für seine artistischen Handlungen. Durch Schneiden oder, um die Volumina zu erzeugen, durch Biegen des Blattes, durch komplexe Verbindungen einzelner, identisch gestalteter Papiere arrangierte er schließlich die komplexen Strukturen seiner Installationen. Es sind Kompositionen, die aus vielen miteinander verbundenen Mustern bestehen und durch unzählige manuelle Schnitte erzeugt werden. Mittlerweile arbeitet Papuli nicht nur in Papier und natürlichen Werkstoffen, sondern auch in synthetischen Materialien. Er entdeckte für seine Arbeit zum Beispiel die stabilen und biegsamen Kunststoffstreifen, die zum Einschnüren großer Zeitungspakete Verwendung finden. Stellt Papuli viele von solchen Streifen nebeneinander, so kann sich unter seiner Hand daraus der Korpus einer Vase formieren. Viele Kunstwerke von Papuli sind raumgreifend und es versteht sich von selbst, dass

sie keine Schöpfungen sind, die in einem schnellen Stehgreif-Verfahren vollendet werden können. Viele Überlegungen, Zeichnungen, Schnitte und Berechnungen von Volumen und Licht gehen ihrem Entstehungsprozess voraus.

DESIGN „Ich verstehe mich nicht als Designer, sondern als Entdecker. Für meine Arbeit suche ich Stoffe, deren Beschaffenheit und Möglichkeiten mich reizen. Die Umsetzung und die Interpretation eines Objekts ‘hängt‘ für mich mit der möglichen Erweiterung eines planerischen und skulpturalen Fortschritts zusammen“, erklärt Papuli selbst zu seinem Ansatz. Im Rahmen seiner Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Werkstoffen entstanden auch die Objekte aus der Serie „CARTODendrometrìa“. In morphologischer Formgebung entwickelte Papuli für sie Schreibtische und Hocker, Sessel mit einer hohen, thronartigen Rückenlehne oder Regalsysteme. Ihre Substanz ist eine ringförmig angelegte Lamellenstruktur aus verschiedenartigen, polychromen, leichten Papieren. Die Oberfläche der Außenhaut kann schwarz oder transparent sein. Alle

Von oben nach unten: „Panta rhei“, 2014, Work in progress, Eventinstallation für „The House of Peroni“, 64 Lincoln's Inn Fields, London, Installation aus über 400 Streifen Papier „Cartodendro blue“, Tabouret, vom Künstler handgefertigtes Einzelstück, 2016, Assemblage aus Papier, H 51 cm, signiert, datiert, betitelt und nummeriert, Exemplar 1 von 49, Taxe 4.0006.000 Euro, Cornette de Saint-Syr, Brüssel „Margò Pouf“, 2003, Hocker oder kleiner Sessel, verflochtene Lamellenstrukturen aus Polypropylen-Umreifungsbändern, D 120 cm, H 60 cm


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Objekte der „CARTODendrometrìa“Edition werden von Papuli selbst gefertigt und sind signierte, mit der Auflagennummer versehene Einzelstücke. Für die Gestaltung zog Papuli zum Teil sehr ungewöhnliche Papiere heran, die auch einen inhaltlichen Bezug zum Objekt haben können. So wählte er für seinen imposanten Schreibtisch als Werkstoff Exemplare der in Mailand herausgegebenen italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“, für die an diesem Desk durchaus Artikel geschrieben worden sein könnten. Das beindruckende an den „CARTODendrometrìa“Möbeln sind die optisch einprägsamen polychromatischen Stufen der verschiedenen, an der Oberfläche wahrnehmbaren Ringabschnitte, die an die Jahresringe von Baumstämmen erinnern und somit auf die natürlichen Wurzeln von Papier zurückverweisen. Gerade die DesignStücke aus dieser Serie konnten sich bereits gut auf dem internationalen Auktionsmarkt behaupten und fanden guten Zuspruch. Generell ist für Papuli-Objekte eine Preistendenz nach oben nicht auszuschließen. Daniele Papuli wird von der Galerie Colossi Arte Contemporanea in Brescia, Italien vertreten. Alle Abbildungen, wenn nicht anders angegeben: © und Courtesy Daniele Papuli

Von oben nach unten: „Talea“, Vasenskulptur, 2002 (Entwurf), Lamellenstruktur aus Streifen aus rotem Vinyl, ausgeführt: Daniele Papuli Studio „Talea, In/to, @Stardream, Mr Plike“, Vasenskulptur für Gruppo Cordenons, 2004, Papier Skulptur „Talea, In/to, @Stardream, Mr Plike“, Vasenskulptur für Gruppo Cordenons, 2004, Papier Skulptur, sample collections

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Weim arer Kunst in der Weimarer Republik Von Heidrun Th. Grigoleit

Soziale Spannungen, politische Kämpfe, gesellschaftliche Umbrüche: Glanz und Elend in der Weimarer Republik aus dem Blickwinkel der Kunst ist das Thema der großen Ausstellung in der Frankfurter Schirn. Im Fokus stehen die Jahre 1918 bis 1933, die künstlerisch auch von der Neuen Sachlichkeit geprägt waren.

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Die Schirn wirft mit der Schau einen ungeschminkten Blick auf das Leben in der Weimarer Republik: einer Epoche der kurzen Demokratie, vor ihrem Übergang in den Nationalsozialismus bis zum verheerenden Zweiten Weltkrieg. Die Kunst zeichnet das Bild einer Gesellschaft in der Krise, im Kampf um die Demokratie – ironisch, wütend, anklagend oder prophetisch. Aktuelle Probleme bewegten die Kunstschaffenden zur Darstellung des alltäglichen Lebens auf der Suche nach einem neuen Realismus oder Naturalismus. Soziale Veränderungen wie die Wochenarbeitszeit oder das neue Rollenverständnis der Geschlechter mit Debatten um die Paragrafen 175 oder 218 (Strafbarkeit für Homosexualität und Abtreibung) wurden motivisch ebenso behandelt wie politische Unruhen und wirtschaftliche Abgründe, Veränderungen aufgrund der Industrialisierung oder die wachsende Begeisterung für den Sport. Maler wie Max Beckmann, Otto Dix, Dodo, George Grosz, Karl Hubbuch, Lotte Laserstein, Alice Lex-Nerlinger, Georg Scholz oder Jeanne Mammen versuchten mit unterschiedlichen Stilmitteln die Folgen des Ersten Weltkriegs zu verarbeiten und mit Darstellungen der Großstadt, mit ihren Freizeitvergnügen, Varietés, Revuetheatern, Nachtlokalen, Cafés, Bars, Prostituierten, versehrten Soldaten und Kriegsgewinnlern, der Ge-


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sellschaft jener Zeit schonungslos den Spiegel vorzuhalten. Ihre Werke schildern eindringlich die politisch negative Entwicklung. Die bis heute prägende Moderne entstand. Insbesondere Dix, Grosz und Scholz reagierten in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg direkt auf die Zustände in der Republik: Kriegsinvaliden, Tagelöhner und Arbeitslose zeigen Otto Dix und George Grosz in ihren Bildern wie „Kriegskrüppel“ von 1920 und „Invalide“ von 1921/22, auf denen sie mit bissigem Humor und ätzender Kritik die Zustände auf den Straßen anprangern. Grosz und Scholz engagierten sich mit politischer Kunst auch gegen nationalsozialistische Tendenzen. Im Rückblick prophetisch: Scholz malte bereits 1921 sein Aquarell „Café (Hakenkreuzritter)“. Die wachsende soziale Ungerechtigkeit thematisiert er in seinem Gemälde „Von kommenden Dingen“ (1922), das ein fragwürdiges Geschäft zwischen dem Industriellen Hugo Stinnes, dem Politiker Walther Rathenau und dem Gewerkschaftsvorsitzenden Carl Legien zeigt. Der Spießer, der Wohlgenährte und der von der Inflation profitierende Neureiche tauchen als Typen in vielen Darstellungen auf, etwa auf Heinrich Maria Davringhausens „Der Schieber“ (1921/22). Dem stehen Porträts wie „Arbeitslose“ (1929) von Grethe Jürgens gegenüber. Auch Illustrationen für die satirischen Zeit-

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schriften „Ulk“ und „Simplicissimus“ wie Dodos Gouache „Logenlogik“ (1929) oder Jeanne Mammens „Aschermittwoch“ (um 1926) sind Zeugnisse des ausschweifenden Treibens und zeigen die Abgründe und Schattenseiten der Vergnügungswelt. Gerade die Werke der vielen Künstlerinnen der Zeit bezeugen die gesellschaftlichen Entwicklungen hin zu mehr Liberalität und Pluralität. Nicht nur in Berlin mit Mammen, Laserstein und Lex-Nerlinger, sondern auch an anderen Orten – Gerta Overbeck und Grethe Jürgens in Hannover, Lea Grundig und Hilde Rakebrand in Dresden, Kate Diehn-Bitt in Rostock – erarbeiteten Künstlerinnen eigene Spielarten eines gesellschaftskritischen Realismus. Zugleich Charakterdarstellungen und eindringliche Kommentare sind die Bildnisse der Neuen Sachlichkeit von Erich Büttner, Kurt Lohse oder Christian Schad. Die Industrialisierung gehörte mit Darstellungen von Maschinen, Fabriken, Bahnhöfen und Brücken zu den häufigsten Motiven. In melancholischen, apokalyptisch anmutenden Landschaften oder etwa den großformatigen Maschinen von Carl Grossberg zeigt sich die zunehmende Skepsis gegenüber Fortschrittsoptimismus und Technikbegeisterung. Sport ist ein weiteres Thema: etwa die „Rugbyspieler“ (1929) von Max Beckmann, „Der Schaubudenboxer“ (1921) von Conrad Felixmüller oder Skulpturen von Renée Sintenis. Viele Bilder lassen die Anspannung, das ungute Gefühl, die Vorahnung einer nahenden Katastrophe spürbar werden. Das Unbehagen in dieser Epoche, die mit dem Zweiten Weltkrieg enden sollte, wird in den Werken unterschwellig, aber häufig auch ganz offen deutlich.

Ausstellung: Glanz und Elend in der Weimarer Republik. Von Otto Dix bis Jeanne Mammen. Schirn Kunsthalle, Frankfurt, bis 25. Februar 2018


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Abbildungen: 1) Dodo, Logenlogik, 1929, Gouache über Bleistift auf Karton, 40 x 30 cm, für die Zeitschrift ULK Privatsammlung Hamburg, Foto © Krummer Fine Art 2) Alice Lex-Nerlinger, Paragraph 218, 1931, Spritztechnik auf Leinwand, 95 x 76,5 cm Stadtmuseum Berlin © Sigrid Nerlinger, Stadtmuseum Berlin, Foto: Michael Setzpfandt, Berlin

3) Otto Dix, Zuhälter und Prostituierte, 1923, Pinsel, Tusche und Aquarell auf Transparentpapier, 51,5 x 38,1 cm The Morgan Library & Museum, Bequest of Fred Ebb, 2005.125, Foto: Janny Chiu 2015, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

4) Max Oppenheimer, Sechstagerennen, um 1929, Öl auf Leinwand, 73,5 x 87 cm Privatsammlung, Fotostudio Bartsch, Karen Bartsch, Berlin

5) Georg Grosz, Straßenszene (Kudamm), 1925, Öl auf Leinwand, 81,3 x 61,3 cm Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid, © VB Bild-Kunst, Bonn 2017 13

6) Jeanne Mammen, Aschermittwoch, um 1926, Aquarell, 34 x 29 cm Privatsammlung Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Mathias Schormann, Berlin

7) Georg Scholz, Café (Hakenkreuzritter), 1921, Aquarell, 30 x 49 cm Sammlung Merrill C. Bermann, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Galerie Michael Hasenclever

8) Georg Scholz, Von kommenden Dingen, 1922, Öl auf Karton, 74,9 x 96,9 cm Neue Galerie New York, Foto: © BPK/Neue Galerie New York/Art Resource, NY

9) Kate Diehn-Bitt, Selbstbildnis mit Sohn, 1933, Öl auf Sperrholz, 99 x 74 cm Kunsthalle Rostock, © Nachlass Kate Diehn-Bitt, Kunstmuseum Ahrenshoop

10) Otto Dix, Dame mit Nerz und Schleier, 1920, Öl und Tempera auf Leinwand, auf eine Platte montiert, 73 x 54,6 cm Judy and Michael Steinhardt, New York, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

11) Carl Grossberg, Weiße Tanks (Harburger Ölwerke), 1930, Öl auf Leinwand, 90 x 70 cm Sammlung Family Olcese, © Sammlung Family Olcese 14

12) Kurt Günther, Der Radionist (Kleinbürger am Radio), 1927, Tempera auf Holz 55 x 49 cm Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Foto: bpk/Nationalgalerie, SMB/Klaus Göken, © VG Bild-Kunst, Bonn

13) Hainz Hamisch, Schwangere, 1932, Öl auf Leinwand auf Sperrholz, 76,5 x 46,2 cm Museum der bildenden Künste Leipzig, bpk|Museum der bildenden Künste, Leipzig|Bertram Kober (Punctum Leipzig)

14) Curt Querner, Agitator, 1931, Öl auf Leinwand, 160 x 100 cm Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: bpk/Nationalgalerie, SMB/Bernd Kuhnert

15) Elfriede Lohse-Wächtler, Die Zigarettenpause (Selbstbildnis), 1931, Aquarell über Bleistift, 58 × 44 cm Förderkreis Elfriede Lohse-Wächtler e.  V. Hamburg, © Nachlassverwaltung Elfriede Lohse-Wächtler

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Katalog: „Glanz und Elend in der Weimarer Republik“, Hrsg. Ingrid Pfeiffer, 300 Seiten, 260 Abbildungen, Hirmer Verlag, München

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SAMMLER JOURNAL 03/2018

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KORB- UND RATTANMÖBEL der 1950er- und 1960er-Jahre

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ASSISTENZ DER GESCHÄFTSFÜHRUNG

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GESAMTKOORDINATION

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Bildnachweise: Schalensessel, Frankreich, 1950er-Jahre, Foto: Meletta Antiquitäten; Adolf Höninghaus, o. T. (Zypressen), Foto: V. Döhne, Kunstmuseen Krefeld Dieser Ausgabe liegt ein Prospekt vom Auktionshaus Metz bei. Wir bitten um Beachtung.


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