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FEBRUAR 2017
Februar 2017 · B 1309 | € 6,50 Schweiz CHF 11,50 | Österreich € 7,00 | Be/Ne/Lux € 7,50
SAMMLER JOURNAL
KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN
Über 2.000 Sammlertermine
Schätzungen Auktionen Ausstellungen
GEMI
ASIATIKA OISHII Novelties SCHERZGEFÄSSE & OBJEKTE GEMÄLDE NORBERTINE BRESSLERN-ROTH
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www.dawo.de
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I N H A LT
Februar 2017 · B 1309 | € 6,50 Schweiz CHF 11,50 | Österreich € 7,00 | Be/Ne/Lux € 7,50
KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN
Über 2.000 Sammlertermine
K U N STM A R K T Foujita
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OISHII
ASIATIKA OISHII Novelties SCHERZGEFÄSSE & OBJEKTE GEMÄLDE NORBERTINE BRESSLERN-ROTH
Von Ina Knekties
Titelfoto: © Linden-Museum Stuttgart, Foto: Anatol Dreyer
N OV E LT I E S SAMMLER-SERVICE
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MAGAZIN
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MESSETERMINE
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FOTOKUNST
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AUKTIONSNOTIZEN
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AUKTIONSTERMINE
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INSERENTENVERZEICHNIS
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AUSSTELLUNGSTERMINE
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AUSSTELLUNGEN
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LITERATURTIPP
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VORSCHAU | IMPRESSUM
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Von Dieter Weidmann
N O R B E RT I N E B R E S S L E R N - R OT H Von Anja Iwa
TURMUHREN Von Thomas Schnieders
AU K T I O N S P R E I S E Jugendstil-Möbel
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16.01.2017
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K U N S T AUKTIONS H A U S L E I P Z I G
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21.01.17 22.01.17 23.01.17 24.01.17 25.01.17
10.00 -18.00 Uhr 10.00 -18.00 Uhr 10.00 -18.00 Uhr 10.00 -18.00 Uhr 10.00 -18.00 Uhr
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Anzeigenschluss fßr das Märzheft ist Dienstag 07. Februar Antikes & Kurioses - Auktion Mittwoch 15. Februar 2017 Antik-Kunst-Varia-Schmuck - Auktion Donnerstag 23. Februar 2017
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K U N STM A R K T
Foujita Der Japaner unter den Parisern und der Pariser unter den Japanern „Mein Körper wuchs in Japan, doch meine Malerei ist in Frankreich groß geworden.” Der 1886 in Tokyo geborene Tsuguharu (Bedeutung: Erbe des Friedens) Fujita wird bei seiner Ankunft in Frankreich zu Foujita. Unmöglich, dass dieser exzentrische Mann im Dandy-Stil unbemerkt bleibt. Mit seinem unverkennbaren Stil, dem markanten Pony, der runden Brille und dem kleinen Schnäuzer sowie Ohrringen und oft selbstgemachter Kleidung prägte er das Montparnasse der Goldenen Zwanziger. Sein Werk brachte frischen Wind und neuen Schwung in die intensivste kreative Zeit des 20. Jahrhunderts. Ein Porträtmaler ohnegleichen, ein Maler von Katzen und schönen Frauen – für eine große Karriere hätte Foujita Japan nicht einmal verlassen müssen. An der Kunsthochschule Tokyo studiert der bemerkenswerte junge Mann die westliche Malerei und erhält 1910 sein Diplom. Im nächsten Jahr sind seine Werke bereits Teil der Sammlungen des Kaisers, aber der Künstler hat nur ein Ziel vor Augen: nach Paris zu gehen. Er gibt seinen Titel als Maler am kaiserlichen Hof ab und kommt am 6. August 1913 in Paris an, wo er am nächsten Tag in einem Straßencafé den chilenischen Maler Manuel Ortiz de Zarate trifft, der ihn ohne Umwege ins Atelier von Pablo Picasso führt. Dieser erste Schock beweist Fou-
Tsuguharu Foujita: Chat gris (chat souriant), 1939 (Artcurial, Paris, 12/2016; Zuschlagspreis 155.000 Euro (© VG-Bildkunst Bonn; Foto: Artcurial)
jita, dass man seinem Schicksal nicht entkommen kann. Ein Schicksal, verankert in der kulturellen modernen Revolution, in der Pariser Bewegung, die zum künstlerischen Mittelpunkt der Welt wurde. Dieser Mittelpunkt ist zu dieser Zeit kein anderer Ort als das Viertel Montparnasse, in dem Foujita sich niederlässt und die Bekanntschaft der großen Künstler Amedeo Modigliani, Moïse Kisling, Chaïm Soutine, André Derain, Maurice de Vlaminck, Fernand Léger, Juan Gris und Henri Matisse macht. Seine neuen Freunde bewundern ihn und er erfährt in kürzester Zeit von Kunstkritikern und vom Publikum positive Zuwendung, die 130 Jahre nach seiner Geburt wieder aufflammt. Ein Leben geprägt von Erfolg und Reisen
Tsuguharu Foujita: Petit garçon, 1958 (Sotheby’s, New York, 11/ 2016; Zuschlagspreis 92.810 Euro (© VG-Bildkunst Bonn; Foto: Sotheby’s)
Mit seiner ersten Einzelausstellung in der Galerie Chéron im Jahr 1917 stellt sich der Erfolg ein. Der Händler von Modigliani und Soutine stellt etwa hundert Aquarelle von Foujita aus, deren einzigartiger Stil – irgendwo zwischen japanischer Tradition und hieratischer Gotik – die Bewunderung Picassos hervorruft. Der Künstler spielt bereits mit der Mischung der Kulturen, was durch Einflüsse anderer Künstler und durch Reisen weiter verstärkt wird. Die Entdeckung der Werke von Michelangelo auf einer Italienreise im Jahr 1921 erweist sich als entscheidend für seine Wahrnehmung der Körperform, und die Studie der Madonnen der italienischen Renaissance, von Raphael bis hin zu Leonardo da Vinci, prägen ihn stark. Seine Bewunderung für Leonardo da Vinci geht so weit, dass der Künstler sich zu dessen Ehren „Léonard" taufen lässt, als er sich 1959 zum Christentum bekennt. Begeistert von der großen Geschichte der westlichen Kunst lässt Foujita sich von seinen Freunden, den Künstlern, denen er begegnet, inspirieren – insbesondere von Modigliani – und er behält gleichzeitig den typischen Stil der japanischen Kalligraphie, die Finesse des Pinselduktus, die Verwendung der Leere und flachen Räume, die an japanische Grafik erinnern, bei. Am Kreuzweg all dieser Einflüsse baut die Kunst Foujitas sich aus der Hybridisierung auf und behauptet sich zwischen Tradition und Moderne, zwischen Morgenland und Abendland. In den 20er-Jahren feiert er große Erfolge. In dieser Zeit entwickelt er die Weiß-Technik, um die Modelle hervorzuheben (Nyuhakushoku-Technik, Milchweiße). Sein Gemälde „Youki déesse de la neige" triumphiert im Pariser Herbstsalon von 1924 und zieht eine Masse lobender Besucher und Kritiker an. Im nächsten Jahr, 1925, wird der Künstler mit dem belgischen Leopold-Orden ausgezeichnet und zum Ritter der
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französischen Ehrenlegion ernannt. In dieser Blütezeit prasseln die Würdigungen auf den Künstler nieder und die Geschäfte laufen gut. Foujita verdient gut, macht in der Presse von sich reden und wird beneidet, aber eine Steuernachzahlung ändert alles. Daraufhin geht er, mit der Hoffnung, sich finanziell zu erholen, zurück nach Japan. Schnell folgt eine kurze Rückkehr nach Paris: Getrieben von Liebeskummer und Fernweh geht der Künstler mit seinem Modell Madeleine Lequeux (von 1931 bis 1933) nach Lateinamerika. Er bereist Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Peru, Mexiko und Kalifornien, wo er von den Einnahmen seiner Ausstellungen lebt, und kehrt 1933 nach Tokyo zurück. 1939 geht er wieder nach Paris, verlässt Frankreich allerdings nach Ankunft der deutschen Truppen und kehrt nach Japan zurück. In seinem Geburtsland wird er zum offiziellen Maler der Kaiserlichen Japanischen Armee ernannt – das heißt zum Propaganda-Maler. 1949 geht er in die USA, bevor er sich mit Kimiyo, seiner letzten Frau, in Montparnasse niederlässt und an alte Erfolge anknüpft. Der Markt: Erst vergessen, dann wiederauferstanden Kimiyo, die schöne Japanerin, mit der Foujita das Ende seines Lebens verbrachte, war laut Sylvie Buisson, dem Autor des Gesamtwerkkatalogs des Künstlers, „traumatisiert von den aufdringlichen Ersuchen ihr gegenüber" nach dem Tod ihres Mannes. Sie beschloss, nach Japan zurückzukehren und verbot jegliche Reproduktionen und sogar Ausstellungen des Werkes ihres verstorbenen Mannes. Das ist der Grund dafür, dass das Werk Foujitas jahrelang in Vergessenheit geraten war. Glücklicherweise wurde sein Markt in den 80er-Jahren von japanischen Sammlern zu neuem Leben erweckt. In der Blütezeit der Achtziger ersteigerten japanische Investoren Werke ihrer Landsmänner so stark wie nie zuvor in den westlichen Auktionssälen. 1985 erzielte „Nature morte" bei Christie's in New York 110.000 Dollar und nach mehreren Auktionen schließlich 200.000 Dollar. Die Preise setzten 1990 mit einem Millionenverkauf zu einem Höhenflug an („Enfant égarée", 1,14 Mio. Dollar bei Sotheby's New York). Der Marktwert blieb allerdings weiterhin anfällig und sein Markt geriet wieder mehr oder weniger in Vergessenheit. Ein Vierteljahrhundert lang ergab sich kein spektakuläres Auktionsergebnis mehr auf dem Markt, Foujita blieb allerdings dank des Rekordes aus dem Jahr 1990 der teuerste japanische Künstler. Anlässlich des 130. Geburtstags des
Künstlers kam neuer Schwung in seinen Markt: Im Laufe des Jahres 2016 wehte ein frischer Wind auf den verstaubten Gipfeln und es wurde das wunderschöne „Nu au chat" (Sotheby's Hong Kong, am 3. April 2016) vom Long Museum in Shanghai für über 5 Mio. Dollar ersteigert (privates Museum, gegründet von Liu Yiqian, Präsident der Sunline Gruppe, und Wang Wei). Dieses subtile und erhabene (über 1,60 m) Gemälde hatte bereits zuvor in den Auktionssälen Aufsehen erregt, als es 2014 für 1,9 Mio. Dollar den Besitzer wechselte. Mit einem Preis, der sich innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelte, kommt neuer Schwung in den Markt Foujitas – und dieser sollte sich in allen Auktionssälen der westlichen Welt niederschlagen. Denn Foujita wird überall in Europa, in der Schweiz und auch in den USA geschätzt. Bisher war Paris das Epizentrum seines Marktes (31 Prozent seines Umsatzes in den letzten zehn Jahren), aber mit diesem Rekord wurde China zur Referenz für den Verkauf und die Ausstellung seiner Werke. 2016 war somit ein historisches Jahr, geprägt von einem bisher nie dagewesenen Umsatz bei Auktionen für diesen Künstler, mit über 16,5 Mio Dollar gegenüber 5 Mio. Dollar im Jahr zuvor. Das Werk von Foujita ist allerdings nicht völlig unnahbar. Mehrere Dutzend seiner Zeichnungen wurden dieses Jahr für unter 10.000 Dollar ersteigert. Der „Lewis Carroll der Malerei", wie Cocteau ihn nannte, war sehr produktiv und malte im Laufe seines Lebens 6.000 bis 8.000 Werke. Einige der schönsten werden im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, im Centre Georges Pompidou, im Musée Carnavalet, im Metropolitan Museum of Art, im belgischen Musée Royaux des Beaux-Arts, im British Museum in London und selbstverständlich in allen großen Museen Japans aufbewahrt. Der größte Fonds wird derzeit allerdings in Frankreich gebildet, denn die Stadt Reims hat eine Schenkung von 663 Werken des Künstlers erhalten. Die besten dieser Werke werden ihren Platz im neuen Musée des Beaux-Arts finden, das 2018 eröffnet werden soll. Genau in dieser Stadt ruht auch die Asche Foujitas sowie die seiner letzten Frau Kimiyo, die 2009 verstarb. QUELLE | artprice.com
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Robert Doisneau Vom Handwerk zur Kunst Nur wenige Fotografen sind mit einem einzigen Bild berühmt geworden. „Le Baiser de l'Hôtel de Ville" ist ein solches Bild. Robert Doisneau (1912-1994) hat es im März 1950 vor einem Pariser Straßencafé in der Rue de Rivoli aufgenommen. Das Bild des sich küssenden Paares war eine Auftragsarbeit des Magazins LIFE. Obgleich Doisneau dabei dem Zufall auf die Sprünge half, enthält es eine ganze Geschichte: Es wurde zum Sinnbild von Paris als „Stadt der Liebe" und zählt zu den Ikonen der Fotografie. Doisneaus Œuvre ist allerdings weitaus tiefer und komplexer. Es umfasst rund 350.000 Fotografien, darunter Aufnahmen, die professionelles Handwerk sind, und solche, die die Kraft und Ausstrahlung eines künstlerischen Solitärs haben. Als Bildjournalist arbeitete er für die großen Magazine wie Vogue, Paris Match, Le Point und LIFE. Seine berühmtesten Bilder entstanden in der Mitte des letzten Jahrhunderts bei Streifzügen durch die französische Metropole. Die Ausstellung „Robert Doisneau – Fotografien: Vom Handwerk zur Kunst", die noch bis zum 5. März im Berliner MartinGropius-Bau läuft, zeigt mit rund 100 ausgewählten Arbeiten einen Überblick in Doisneaus Werk. Sie zeigt seine Faszination für das Normale, Kleinbürgerliche und Melancholische. Doisneau ist 1912 selbst in der Banlieue, in dem kleinen Ort Gentilly, im Südwesten von Paris geboren. 1928 schließt er sein Studium an der Ecole Estienne in Paris mit einem Diplom für Lithografie und Gravur ab. 1931 arbeitet er zunächst als Assistent des Fotografen der „Encyclopédie photographique de l’art", André Vigneau, von 1934 bis 1939 als Werkfotograf beim Automobilhersteller Renault. Er beendet die Tätigkeit bei Renault, um bei der renommierten Agentur Rapho als selbstständiger Bildjournalist zu arbeiten. Während des Zweiten Weltkrieges dokumentiert er den Alltag im besetzten und später befreiten Paris. Bis heute steht Robert Doisneau für das, was „humanistische Fotografie" genannt wird: eine Fotografie, die sich den Menschen in ihrem Alltag zuwendet. Es sind die überraschenden Augenblicke des Pariser Großstadt-
Robert Doisneau: Le Baiser de l’Hôtel de Ville, Paris, 1950. © Atelier Robert Doisneau, 2016
Robert Doisneau: Les 20 ans de Josette, 1947 © Atelier Robert Doisneau, 2016
alltags, die ihn zu einem wichtigen Chronisten des 20. Jahrhunderts werden lassen. INTERNET | www.www.gropiusbau.de
Hans Eijkelboom Photographische Konzepte, 1970 bis heute Das künstlerische Werk des Niederländers Hans Eijkelboom (*1949) verbindet sich insbesondere in seinen Anfängen mit der in den 1970er-Jahren äußerst präsenten und international viel diskutierten Konzeptkunst. Diese Arbeiten beschäftigen sich grundlegend mit der Entwicklung und Existenz von Ideal- und Vorstellungsbildern, mit Klischees und Vorurteilen, mit Vorgängen der Typenbildung sowie dem Typisieren und Vergleichen als strukturierende Methode. In den Bildreihen, die oftmals in einem von ihm definierten Zeitrahmen umgesetzt werden, nimmt der Mensch eine Hauptrolle ein. Eijkelboom betrachtet den Einzelnen bevorzugt in seinem sozialen und räumlichen Umfeld, er initiiert Interak-
Hans Eijkelboom: Regenschauer / A shower of rain, 1971. © Hans Eijkelboom
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CNN Concatenated, 2002. 18 Minuten, Monitor, im Loop. Courtesy Galerie Arratia Beer / gb agency / Dvir Gallery / James Cohan Gallery / Installation View, Wexner Center of Art. © Omer Fast
Omer Fast Reden ist nicht immer die Lösung Hans Eijkelboom: Photonotiz/Photo Notes, Amsterdam, 11/4/ 2009 © Hans Eijkelboom
tionen, fordert zur konzentrierten Wahrnehmung heraus und schließt dabei sich selbst als Person nicht aus. Ein zentrales Werk des Künstlers sind die tagebuchartigen Photoprotokolle, die er ab 1979 erstellt hat und zunächst durch eine automatische Kamera zu anonymisieren suchte. In Anbindung daran betreibt er seit 1992 – nun wieder selbst auf diskrete Weise die Kamera bedienend – seine „Fotonotities" (Photonotizen). Aufgenommen werden diese in den Geschäftsstraßen von Großstädten, jeden Tag während der Dauer zwischen 20 Minuten und vier Stunden. Vor allem sind es die Passanten bzw. ihre Outfits, Gesten und ihr Habitus, die er zunächst in Arnheim, Amsterdam und in anderen niederländischen Städten schnappschussartig und nach täglich neu bestimmten Kriterien festhält. In diese fotografische Langzeitstudie hat er kontinuierlich 40 weitere internationale Städte einbezogen. Eijkelbooms Auslöser reagiert auf das, was uns selbstverständlich erscheint und tagtäglich begegnet: Businessanzüge, Hawaiihemden, Ringel- und Nummernshirts, Hosen mit floralen Mustern oder winterliche Steppjacken. Geschaffen hat er so einen Fundus unzähliger Aufnahmen, die er nach Motiven, Tagen und Jahren geordnet vorstellt, einen „Straßenatlas" individueller Art. Zur Ausstellung von Hans Eijkelboom in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln, die noch bis zum 19. März läuft, gibt es einen Künstlerkatalog mit Texten des Künstlers und von Gabriele Conrath-Scholl, Hans den Hartog Jager, Dieter Roelstraete und Gerrit Willems (Snoeck Verlag). INTERNET | www.photographie-sk-kultur.de
Omer Fast (*1972) gehört zu den markantesten Film- und Videokünstlern seiner Generation. Er kreiert in seinen Filmen eine Narration, die die Grenzen zwischen eigener und medialer Erzählung sowie aktueller und historischer Ereignisse in Frage stellt. Sein Werk verweist auf das Spannungsverhältnis zwischen Dokumentation und Fiktion. Der Martin-Gropius-Bau zeigt noch bis 12. März sieben seiner Projekte in einer ersten großen Soloausstellung in Berlin. Zu sehen sind: CNN Concatenated von 2002, Looking Pretty for God (After G.W.) von 2008, 5000 Feet is the Best von 2011, Continuity von 2012, Everything That Rises Must Converge rein. von 2013 und Spring von 2016 sowie eine neue Arbeit mit dem Titel August von 2016. Dieses filmische Werk stellt den bekannten Kölner Fotografen August Sander (18761964) ins Zentrum. Ausgangspunkt der in 3D aufgenommenen neuen Arbeit sind Sanders Leben und Werk. In surrealen Traumsequenzen wird der Künstler am Ende seines Lebens
August, 2016. Courtesy Galerie Arratia Beer / gb agency / Dvir Gallery / James Cohan Gallery / Filmgalerie 451. © Omer Fast
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Everything That Rises Must Converge rein., 2013. 56 Minuten, Vier-Kanal-Videoinstallation. Courtesy Galerie Arratia Beer / gb agency / Dvir Gallery / James Cohan Gallery. © Omer Fast
vom Tod seines Sohnes und seiner fotografierten Figuren heimgesucht. Verbunden wurden die sieben Videowerke durch drei inszenierte Warteräume, ähnlich derer beim Arzt, am Flughafen oder beim Amt. Der Künstler hat sie für den Martin-Gropius-Bau konzipiert. Die Ausstellung findet im Rahmen des Programms „Immersion. Analoge Künste im digitalen Zeitalter" statt.
fühlsamen Ballettszenarien, die an die Bilderwelt Degas’ erinnern, nimmt er uns mit auf eine Reise durch sein Portfolio; dort reihen sich modisch-gestylte Aufnahmen voll klassischer Eleganz neben pure Aktaufnahmen in minimalistischem Setting, spannungsgeladene Hotelsituationen neben
INTERNET | www.gropiusbau.de
Vincent Peters Personal Seit mehr als 20 Jahren gehört der gebürtige Bremer Fotograf Vincent Peters zur ersten Liga der internationalen Mode- und Porträtfotografen. Kunden wie Dior, Louis Vuitton und Yves Saint Laurent sowie Publikationen in Magazinen wie Vogue, ELLE, Numéro, GQ, Esquire und Harper’s Bazaar verleihen seinem Werk eine weltweit sichtbare Präsenz. Und auch sein erstes Buch „The Light Between Us", das zwischen 2015 und 2016 in Form einer Ausstellung durch diverse Länder und Städte tourte, erfreute sich großer Beliebtheit. Doch Peters beherrscht nicht nur die mal glamouröse, mal dem Stile Hollywoods entliehene Inszenierung internationaler Stars wie Charlize Theron, Penélope Cruz, Laiticia Casta und Alexander McQueen, sondern zeigt in seinem zweiten Buch „Personal" eine persönliche, teils intime Seite. Noch bis zum 18. März zeigt die Leica Galerie Frankfurt neue Werke von Vincent Peters. Ausgehend von seinen berühmten Starporträts lädt die Einzelausstellung den Besucher ein, die private Perspektive des Fotografen einzunehmen. Mit zarten, ein-
Vincent Peters: Penélope Cruz, Madrid, 2015, aus: Personal. Foto © Vincent Peters
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Warren Richardson: Hope for a New Life, Pressefoto des Jahres. Fotograf: Warren Richardson, Australien, Scanpix/Panos Pictures
Vincent Peters: Lou Lou, Ivry-sur-Seine, 2015, aus: Personal. Foto © Vincent Peters
unmittelbare und intime Close-ups. Allen gemein sind die analoge Aufnahmeweise sowie Peters fulminante Lichtsetzung, die eine Unbekannte ebenso schön erscheinen lässt wie eine renommierte Persönlichkeit aus den Reihen Hollywoods. Vincent Peters lebt und arbeitet in Paris, Ibiza und New York. INTERNET | www.vincentpetersphotography.com
World Press Photo 16 Im Oldenburger Schloss Nicht nur Fotofreunde dürfen sich freuen: Noch bis zum 12. März gastiert die Ausstellung der weltbesten Presseaufnahmen mit dem aktuellen Jahrgang der World Press Photos
2016 im Oldenburger Schloss. Ein Beispiel für die Intensität der 150 Aufnahmen ist sicherlich das Pressefoto des Jahres, fotografiert vom australischen Bildjournalisten Warren Richardson im ungarisch-serbischen Grenzgebiet. Es ist von einer so enormen Stärke, dass man seiner Anziehung kaum widerstehen kann. Abermals wird diese exzellente, in höchstem Maße aktuelle Fotoausstellung „World Press Photo" zum Begegnungsort und wird Gespräche auslösen, denn es sind die besten Pressefotos zu sehen, die viel über den Zustand der Welt sagen und dazu ermuntern, sich darüber Gedanken zu machen. Auch das Rahmenprogramm soll beitragen, dass sich Menschen mit Themen wie Pressefreiheit und Bildjournalismus beschäftigen. Geboten werden mehrere Podiumsdiskussionen, sonntägliche Fotografengespräche, eine Filmreihe und die Neuauflage des Fotoslam. Zudem werden Führungen durch die Ausstellung im Schloss durchgeführt und es wird versucht, Fotografie und Musik zusammenzuführen. Auch das Thema Visual Storytelling steht auf dem Veranstaltungsplan. Schon seit sieben Jahren richtet die World Press Photo Foundation dazu einen eigenständigen Wettbewerb aus, dessen Ergebnisse auch in Oldenburg gezeigt werden. Zu Gast ist unter anderem die aus Afghanistan stammende Preisträgerin Lela Ahmadzai, die in ihrem Vortrag auf innovative, und zum Teil auch filmische Wege der Nachrichtenvermittlung eingehen wird. INTERNET | www.worldpressphoto.org
Tim Laman: Tough Times for Orangutans 03. Fotograf: Tim Laman (National Geographics), USA
Matic Zorman: Waiting to Register. Fotograf: Marek Zorman, Slowenien
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Tipps für Kurzentschlossene
Von Petersburg bis Peterskirchen Scheublein, München Bei der Fundgruben-Auktion am 27. Januar können Interessenten in den Bereichen Gemälde, Möbel, Schmuck und Kunsthandwerk nicht nur Trouvaillen für den kleinen Geldbeutel entdecken, sondern auch eine kleine Europareise in Sachen Kunst antreten. Vom Glanz des Petersburger Zarenhofs erzählt eine Schale aus rosafarbenem Glas und einer Messingeinfassung mit zwei Vögeln, die wohl in Russland im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts entstanden ist (Schätzpreis 180 Euro). Ein ganz ähnliches Stück mit gezähntem Rubinglas gehörte zur Ausstattung der persönlichen Räume von Zar Nikolaus I. und zeugt von der zunehmenden Begeisterung für farbiges Glas in dieser Epoche. Unter den Miniaturen fällt besonders das Pierre-Edouard Dagoty zugeschriebene Porträt einer Dame ins Auge. Der Cousin des gefeierten Porzellanmalers Pierre-Louis Dagoty ließ sich in Bordeaux nieder und etablierte dort eine neue Blüte der Miniaturkultur. Bei Scheublein kommt das Damenbildnis zusammen mit einem weiteren Damen- und einem Herrenporträt für 300 Euro zum Aufruf. Gleich zwei Objekte verweisen auf die Ära Ludwigs I. Einmal das Porträt, das ein unbekannter Künstler von dem kunstsinnigen bayerischen König anfertigte (180 Euro). Das zweite Stück geht auf die Zeit zurück, zu der dessen favorisierter Architekt Friedrich von Gärtner die Porzellanmanufaktur Nymphenburg leitete: ein Ansichtenteller mit Blick in den Alten Hof in München (140 Euro). Eigentlich liegt das „Kannenbäckerland“ im Westerwald. Vermutlich lag es an der
Porträt Ludwigs I. (Schätzpreis 180 Euro). Scheublein Art & Auktionen, München, 27.01.2017
sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, dass einige Handwerkerfamilien von dort nach Peterskirchen im niederbayerischen Rottal übersiedelten. Mit ihnen wurde die eigentlich im Rheinland beheimatete bauchige Kannenform für die Peterskirchener Keramik ebenso typisch wie die braune Farbe und das Ritzdekor. Zwei typische Exemplare dieses Kapitels niederbayerischer Handwerksgeschichte sind auf 120 Euro geschätzt. TELEFON | 089/23886890 INTERNET | www.scheublein.com
Charity-Auktion Zacke, Wien Am 28. Januar versteigert die Galerie Zacke in Wien Kunst aus Asien für einen guten Zweck. Für die Auktion zugunsten eines Charity-Projektes in Burma wurden die Limitpreise reduziert, das Aufgeld beträgt statt zweiundzwanzig Prozent nur fünf Prozent. Gebote können online abgegeben werden, die Objekte vom dekorativen Anhänger mit Drachenmotiv zum Startpreis von 450 Euro bis zum großen Buddha-Kopf (Taxe 14.000 Euro) können in der Galerie Zacke in Wien begutachtet werden. Wohl Pierre-Edouard Dagoty, Damenporträt. Scheublein Art & Auktionen, München, 27.01.2017
TELEFON | + 43(0)1/5320452 INTERNET | www.zacke.at
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AU K T I O N S N OT I Z E N – VO R B E R I C H T E
Blaues Schwämmchen Karbstein, Düsseldorf
Hermès, Sac „Kelly“, 1975-80, plissierter Satin, schwarzes Wildleder, vergoldete Metallapplikationen, 15 cm x 2 cm x 10 cm, Sonderanfertigung (Taxe 1.500-2.000 Euro). Lempertz, Köln, 09.02.2017
Coco & more Lempertz, Köln Haute Couture von Chanel steht am 9. Februar bei Lempertz im Mittelpunkt. Aufgrund einer einzigartigen Sammlung von Memorabilia und Schmuck von Coco Chanel entstand die Idee zu dieser Auktion. Der Sammler war eng befreundet mit dem 2016 verstorbenen Schmuckdesigner Robert Goossens, der seit 1953 für Coco Chanel gearbeitet und die hochwertigsten Modeschmuckstücke meist auf der Grundlage ihrer Idee für sie produziert hat. Aber auch für den Sammler schuf Robert Goossens Sonderanfertigungen. Circa hundert dieser ausgefallenen Kreationen werden zum Aufruf kommen sowie fünfundzwanzig Lots ungetragene Herrenvintagemode von Chanel. Eines der Highlights ist der seltene ungetragene und original verpackte Sac Kelly von Hermès aus schwarzem Krokodilleder von 1977. Ungefähr fünfzig weitere ausgesuchte, ungetragene und sehr gut erhaltene Objekte aus den Damenkollektionen von Chanel, Hermès, Dior, Emilio Pucci, Leonard, und – last but not least – einige CoutureModelle von Peter Keppler aus München runden das Angebot ab.
1961 wurden bei der Eröffnung der Ausstellung „Yves Klein. Monochrome und Feuer“ in Krefeld kleine Schwämme zu den Katalogen für weit unter hundert Mark verkauft. Einen davon gibt es nun bei Karbstein am 11. Februar. Der angebotene Schwamm ist bei einer Schätzung von 10.000 bis 15.000 Euro bei der zu erwartenden Nachfrage immer noch günstig angesetzt. Der sicherlich berühmteste vom Grafitti beeinflusste Künstler ist Keith Haring. Eines seiner letzten grafischen Werke ist der Zyklus „The story of red + blue“ von 1989/90. Die komplette Mappe mit der Estate-Bestätigung und in einer Auflage von nur neunzig Exemplaren kann bei einer Schätzung von 4.000 bis 6.000 Euro ersteigert werden. In die klassische Moderne führt ein in energetischem Pinselstrich gehaltenes Gemälde von Heinrich Nauen. Der Mitbegründer der Gruppe „Das junge Rheinland“ und Weggefährte von Malern wie Dix und Campendonk malte die „Blühenden Obstbäume“ in frischen Farben 1904-05 (Schätzpreis 10.000-15.000 Euro). Selten prächtig und voller Atmosphäre ist das panoramahaft wirkende Gemälde „Flaneure am Rhein“ von Hugo Mühlig. Den Sammlern dieses prominenten Mitgliedes der späten Düsseldorfer Malerschule wird das Los für 20.000 bis 30.000 Euro offeriert. TELEFON | 0211/906161 INTERNET | www. www.auktionshaus-karbstein.de
TELEFON | 0221/9257290 INTERNET | www.lempertz.com
Yves Klein, Monochromer blauer Schwamm, 1961 (Schätzpreis 10.000-15.000 Euro). Karbstein, Düsseldorf, 11.02.2017
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V.l.n.r.: Bernard Aubertin, Tableau Clous, 1990, Nägel und rote Acrylfarbe auf Holz, 30 x 30 cm; Tom Wesselmann, Judy with black hat, 1997, Farbserigrafie, 99,6 x 84,4 cm; Josef Albers, SP IV, 1967, Farbserigrafie, 49,5 x 49,5 cm (Startpreis jeweils 1 Euro). Ketterer Kunst, München, 15.02.2017
Ein Euro
Radschlosspuffer
Ketterer Kunst, München
Landshuter Rüstkammer, Landshut
Am 15. Februar versteigert Ketterer Kunst Arbeiten von Josef Albers über David Hockney bis hin zu Tom Wesselmann. Das Besondere der Internet-Auktion: Alle Werke der rund dreißig international renommierten Künstler aus dem Bereich der Kunst nach 1945 kommen ausnahmslos mit einem Startpreis von nur einem Euro zum Aufruf, wobei selbstverständlich erheblich mehr zu erwarten sein wird, waren doch manch vergleichbare Stücke bei Ketterer bereits schon mit bis zu fünfstelligen Beträgen auf den Ergebnislisten zu finden. Eine Arbeit wie die nun angebotene Farbserigrafie „Judy with black hat“ von 1997 von Tom Wesselmann, kostete 2011 bei Ketterer bereits 8.750 Euro. Josef Albers ist mit der Fabserigrafie „SP IV“ von 1967 vertreten. Ein ähnliches Blatt kostete vor zwei Jahren bei Christie‘s in New York knapp 1.500 Euro. Alle angebotenen Werke, angefangen bei Antes, Baselitz, Bill, über Doig, Geiger, Graubner, Hockney, Mack, Moore, Penck, Piene und Richter bis Soulage, Tobias und Zimmermann können bei Ketterer Kunst besichtigt werden. Die Auktion startet am 15. Januar um 15 Uhr online. Ab dann gilt es die Spannung und den Nervenkitzel mitzuerleben – und das ganz bequem von wo immer man möchte.
Über tausend Positionen Sammlerwaffen, Militärgeschichtliches, Orden und Ehrenzeichen stehen am 24. und 25. Februar in Landshut zum Aufruf. Unter den antiken Schusswaffen sind mehrere hochwertige Radschlosswaffen des 16. und 17. Jahrhunderts enthalten, eine österreichische TrabantenGarde-Pistole (Startpreis 10.000 Euro) und ein sächsischer Radschlosspuffer der kursächsischen Leibgarde um 1590, der einen Startpreis von 12.000 Euro hat. Dazu gibt es mehrere Radschlossgewehre, Pistolenkästen, Pistolenpaare, Pulverflaschen und Helme sowie Rüstungen, Schwerter, Hellebarden und Trabantenstücke aus Österreich. Aus der Zeit der deutschen und österreichischen Monarchie stammen Generalshelme, besondere Säbel und Pallasche sowie ein extrem seltener Offiziershelm M 1874 der Arcieren-Leibgarde des österreichischen Kaiserhauses (12.000 Euro). Außerdem Blankwaffen, die das Zeughaus in Graz um 1910 in den Handel gab. Darunter ist ein Husaren-Pallasch mit Scheide aus der Zeit um 1700, der bei 5.000 Euro startet. TELEFON | 0871/4308740 INTERNET | www.pfanneberg.com
TELEFON | 0800/53883737 INTERNET | www.ketterer-internet-auktion.de
Sächsischer Radschlosspuffer der kursächsischen Leibgarde um 1590 (Startpreis 12.000 Euro). Landshuter Rüstkammer, Landshut, 24./25.02.2017
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berauktion pro Stunde versteigert. Auch das Steiff-Pony aus Webpelz. Es ging für 650 Euro an seinen neuen Besitzer. TELEFON | 06322/959970 INTERNET | www.alino-auktionen.de
Paradies für Eisenbahner Wormser Spielzeugauktion, Worms Westmodell „Deutsche Reichsbahn“ (Zuschlag 800 Euro). Alino, Bad Dürkheim, Dezember 2016
Geliebte Loks Alino, Bad Dürkheim Nicht nur ein lebensgroßes Steiff-Pony aus Webpelz wurde im Dezember zur Weihnachtsauktion von Alino in der Bad Dürkheimer Brunnenhalle gesichtet. An beiden Tagen waren antike Puppen, Plüschtiere, Porzellanfiguren, Modellautos und historisches Blechspielzeug im Angebot. Für die begeisterten Sammler galt es auch, aus über tausend Modelleisenbahnstücken auszuwählen. Dabei waren die Loks besonders beliebt. Als Auktionator Steffen Person eine Liliput-Dampflok der Spur H0 ankündigte, schnellten sofort fünf Bieterkarten nach oben. Gegen einen Interessenten am Telefon, der 350 Euro in den Ring warf, wurde die schwarze Lok mit den roten Rädern letztlich für 450 Euro zugeschlagen. Kenner schauen bei Alino genau hin, einer von ihnen sicherte sich für 1.700 Euro das Blechmodell des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Etwa zweihundert Positionen wurden zur Dezem-
Wie gewohnt gab es zur Wormser Spielzeugauktion im Dezember schwerpunktmäßig Eisenbahnen aller Spurweiten und von allen namhaften Herstellern. Bei den Spurweiten bis H0 wurde eine Tenderlok der DRG von Trix Fine Art (22564) bei 1.800 Euro weitergereicht, eine Stube Schwebebahn bei 1.800 Euro und eine Schlepptenderlok von MicroFeinmechanik Rauchenecker (008/080) wurde bei 1.400 Euro zugeschlagen. Eine E-Lok RE 800 im Typ 2 von Märklin wechselte für 1.100 Euro und ein dreiteiliger elektrischer Schnelltriebwagen ST 800 im Typ 6 für 1.300 Euro den Besitzer. Bei den großen Spuren gab es eine Tenderlok von Hübner in Spur 1e für 1.950 Euro und eine Tenderlok für 2.000 Euro. In der Spur 0 freuten sich neue Besitzer über eine Schlepptenderlok HR 66/12920 für 1.600 Euro und eine Schlepptenderlok für 1.500 Euro. Ein Konvolut mit zwei Nummernschildern für eine Tenderlok und eine Schlepptenderlok wurde mit 1.400 Euro zugeschlagen. Im Bereich Blechspielzeug wurde ein „Junker's Ju 52“ von Märklin für 580 Euro zugeschlagen, die Günthermann-Figurengruppe „Clown auf Löwe“ kostete 700 Euro. TELEFON | 06247/90460 INTERNET | www.auktionshaus-loesch.de
Märklin, dreiteiliger, elektrischer Schnelltriebwagen, H0, ST 800 (3017), Typ 6 (Zuschlag 1.300 Euro/Aufruf 450 Euro). Wormser Spielzeugauktion, Dezember 2016
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Blütenreich Schloss Ahlden Der höchste Zuschlag wurde Ende November im Schloss Ahlden mit einem Brueghel-Stillleben erzielt. Das Mitte der 1630er-Jahre entstandene Gemälde mit Blumenkorb und Tazza von Jan Brueghel d. J. kostete 100.000 Euro. Jakub Obrovskys Hauptwerk „Frühlingslied“ von 1914 mit einer allegorischen Aktdarstellung in einer Frühlingslandschaft weckte größtes Interesse bei tschechischen Sammlern und Galeristen. Sechs Telefonbieter lieferten sich ein engagiertes Bietgefecht und hoben das Gemälde von 6.500 Euro auf 37.500 Euro, der höchste Auktionspreis für diesen Künstler. Max Peiffer Watenphuls „Olivenhain auf Korfu“ ging für 16.000 Euro in eine deutsche Privatsammlung. Vollständig verkauft werden konnte mit teilweise deutlichen Steigerungen die Kollektion an Meißener Jugendstilfiguren sowie Glas des Art Nouveau aus der École de Nancy. Eine große Daum-Vase mit aufwändigem Engelstrompetendekor in Email- und Goldmalerei aus der Zeit um 1910 war am begehrtesten. Sie kostete 7.500 Euro. Die Kunstkeramik des Jugendstils repräsentierte eine um 1900 entstandene, frühe Ziervase aus der ungarischen Manufaktur Zsolnay mit stilisiertem Margeritendekor und faszinierender, vielfarbig irisierender Eosin-Lüsterglasur, deren Schätzpreis von 650 Euro auf 5.000 Euro vervielfacht wurde. Älteres Porzellan und Silber wurde selektiv beboten. In seiner zweiteiligen, sogenannten „Kusshandgruppe“, die um 1736/40 in Meißen ausgeführt wurde, brachte Johann Joachim Kaendler das galante, höfische Rokoko in figürlicher Form zum Ausdruck, eine frühe Ausformung kostete 18.000 Euro. Hochkarätig war ein Solitärring mit Diamanten im aufwändigen Cushioncut von über drei Karat. Trotz des Druckfehlers im Katalog mit dem fälschlich angegebenen Schätzpreis von 1.200 Euro kam der Ring auf die erwarteten 75.000 Euro. Daum Frères, Nancy, Vase mit Engelstrompeten-Dekor, um 1910, H 40 cm (Erlös 7.500 Euro/Taxe 1.400 Euro). Schloss Ahlden, November 2016
TELEFON | 05164/8010222 INTERNET | www.schloss-ahlden.de
Prunkvoller Achtkantteller, Siebenbürgen, wohl Hermannstadt, 1664, Silber, vergoldet, D 25 cm (Erlös 28.000 Euro). Dr. Fischer, Heilbronn, Dezember 2016
Siebenbürgen Dr. Fischer, Heilbronn Im Dezember hat sich Dr. Fischer in seiner Spezialauktion ausschließlich der siebenbürgischen Kunst mit Fayencen, Silber, Schmuck und Gemälden gewidmet. Besonders hohe Zuschläge gab es beim Silber. Ein auf 1598 datierter Kokosnusspokal ging für 19.000 Euro an einen deutschen Bieter. Sehr außergewöhnlich ist ein auf 1664 datierter, achtkantiger Silberteller, den ein ungarischer Bieter für 28.000 Euro ersteigerte. Nach Rumänien ging ein spätmittelalterliches Ziborium aus vergoldetem Kupfer (Erlös 28.000 Euro). Sehr prunkvoll ist der Kronstädter Deckelhumpen des Meisters Paulus Roth, der 23.000 Euro kostete. Ein seltener, so genannter „Tränenbecher“ ging für 15.000 Euro an einen Bieter aus der Schweiz. Ebenfalls 15.000 Euro wurden für einen großen Schlangenhautbecher aus dem späten 16. Jahrhundert verlangt. Die siebenbürgische Kunst ist vor allem auch für ihren besonderen Trachtenschmuck bekannt, für den zum Teil 15.000 bis 36.000 Euro bezahlt wurden. Ein sogenannter „Habaner Krug“ von 1678, ein Kugelbauchkrug aus Unterwinz, wurde für 22.000 Euro an einen rumänischen Bieter verkauft. In der Auktion mit Kunst und Antiquitäten Anfang Dezember gab es ein Meißener Schachspiel nach Kaendler, das für 22.000 Euro an einen Bieter aus Großbritannien ging. Der große „Höllenhund“ von Arthur Storch aus der Aeltesten Volkstedter Porzellanfabrik kostete 11.000 Euro. Ein Bietgefecht entstand um zwei seltene Augsburger Email-Fußbecher mit galanten Paaren, die ein Bieter aus Südeuropa für 11.500 Euro und 11.000 Euro ersteigerte. TELEFON | 07131/155570 INTERNET | www.auctions-fischer.de
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Mädchen in Südwester Lempertz, Köln Insbesondere mit der Versteigerung von zeitgenössischer Kunst erzielte Lempertz in der Herbstsaison 2016 eines der besten Ergebnisse der letzten Jahre und stellte mehrere nationale wie internationale Rekorde auf. Das Ergebnis von 12,2 Millionen Euro für die Zeitgenossen war ebenso glänzend wie das Angebot. An der Spitze standen eine Hommage to the Square-Leinwand von Josef Albers (682.000 Euro, deutscher Rekordpreis), eine Plastik Fritz Koenigs (570.000 Euro, internationaler Rekordpreis), zwei Kissenbilder von Gotthard Graubner (zusammen knapp über 1 Mio Euro, internationaler Rekordpreis) und drei Leinwände Zdenek S´ykoras (446.000 Euro – internationaler Rekordpreis, 260.000 Euro und 111.600 Euro). Eine Arbeit mit 48 Aquarellen Günther Ueckers kam auf 211.000 Euro, ein Gemälde Boteros auf 248.000 Euro, eine Zeichnung von Sigmar Polke auf 111.600 Euro und eine Arbeit von Lucio Fontana auf 124.000 Euro. Auch Arbeiten weiterer Künstler erzielten sechsstellige Resultate: Victor Vasarély (130.000 Euro), Günther Fruhtrunk (111.600 Euro) und eine Zeichnung Cy Twomblys (124.000 Euro). Das Spitzenlos der Auktion mit moderner Kunst war mit 1,61 Millionen Euro das farbintensive Bild eines Mädchens in Südwester von Ernst Ludwig Kirchner. George Grosz kam mit „Soirée“, einem seiner bedeutendsten Blätter, auf 446.000 Euro. Sechsstellige Resultate erzielten auch Bilder von Erich Heckel (124.000 Euro), Marianne Werefkin und Emil Nolde (je 111.600 Euro) sowie Max Liebermann (155.000 Euro). TELEFON | 0221/9257290 INTERNET | www.lempertz.com
Ernst Ludwig Kirchner, Mädchen in Südwester, 1912 (Erlös 1,61 Mio. Euro). Lempertz, Köln, Dezember 2016
Starke Nachfrage Neumeister, München Spitzenreiter bei Neumeisters Auktion mit klassischer Moderne waren die „Gladiolen“ Alexej von Jawlenskys, die mit einem Ergebnis von 254.000 Euro in eine Schweizer Galerie wechselten. Nachgefragt wurden Arbeiten auf Papier wie die aquarellierte Tuschfederzeichnung von Jeanne Mammen für 25.400 Euro. Ein abstraktes Aquarell Walter Dexels von 1917 gab es für 16.510 Euro. Kirchners Holzschnitt „Das Mittagessen der Bauern“ für 13.000 Euro und Alfred Kubins „Waldgeister verlassen den geschlagenen Wald“ für 8.800 Euro. Eines der Top-Ergebnisse der Altmeisterauktion ist die Menzel-Zeichnung „Interieur in einem Bauernhause“, die im Dezember im heftigen Ringen für 62.200 Euro an einen Bieter aus Norddeutschland ging. Ein intensiver Wettstreit ließ die Michele Desubleo zugeschriebene Maria mit dem Kind aus dem italienischen Hochbarock von geschätzten 8.000 Euro binnen Minuten auf ein Ergebnis von 58.400 Euro emporschnellen. Schlussendlich ging das Gemälde an eine Galerie in London. Koesters vier Enten im Seerosenteich gingen für 41.900 Euro an einen hessischen Bieter. Hervorragend verkauften konnte man auch Carl Kreuls Konterfei eines Bäckermädchens. Mit 36.800 Euro wurde die Taxe von 8.000 Euro mehr als vervierfacht. Es ging an einen bayerischen Bieter aus der Backbranche. Ein griechisches Unternehmen ersteigerte für 25.400 Euro den „Griechischen Freiheitskämpfer“, gemalt von Paul Emil Jacobs. Taxiert war das Bild auf 5.000 Euro. Außergewöhnlich hoch war die Nachfrage beim Kunsthandwerk. Eine expressiv geschnitzte Figur des Auferstandenen aus der Nachfolge des Meisters von Großlobming ging für 50.000 Euro nach Belgien. Die fulminanteste Steigerung gab es für ein Konvolut aus vier süddeutschen oder Tiroler Glasflaschen. Die Taxe von 500 Euro für eine Beutelflasche, zwei Plattflaschen und eine Nabelflasche wurde in Tausender-Schritten auf ein Ergebnis von 27.900 Euro getrieben. Etwas moderater wurde auf einen sogenannten Simsonleuchter geboten. Bei einem Schätzpreis von 2.000 Euro kam dieser auf ein Resultat von 10.100 Euro. Ein belgischer Bieter entschied ihn für sich. Fast vollständig wurde die Offerte von dreiunddreißig Jugendstilobjekten veräußert. Vor allem für Vasen gab es Spitzenergebnisse. Zwei kleine balusterförmige blaue Gallé-Vasen kamen bei einer Schätzung von 500 Euro auf ein Ergebnis von 10.750 Euro. Die Tischlampe „Red Poppy“ aus den Tiffany Studios kostete gut 50.000 Euro (Schätzpreis 20.000 Euro). Zwei ikonische Werke Gottfried Helnweins an der Spitze der Zeitgenossen waren die Boulevard-of-Broken-Dreams-Gemälde mit James Dean und Marilyn Monroe. Sie gingen für gut 158.000 Euro und knapp 108.000 Euro an einen Sammler in München. Nicht unerwähnt bleiben sollen die Ergebnisse für David Hockneys Farblithografie „Pretty Tulips“ von 1969 und Cindy Shermans zwanzig Jahre später entstandenes Multiple „Untitled“: Der Hockney kostete gut 13.000 Euro, das Leuchtkastenwerk von Cindy Shermann 12.000 Euro. Knapp 100.000 Euro wurden für einen Ring mit tropfenförmigem Solitärdiamant von 4,25 Karat in der Schmuckauktion bewilligt. TELEFON | 089/2317100 INTERNET | www.neumeister.com
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1891-1978 Die österreichische Malerin und Grafikerin Norbertine Bresslern-Roth vertrat zeitlebens eine gegenständliche Kunstauffassung zwischen Jugendstil und Realismus und richtete dabei den Fokus auf die Darstellung des Tieres, vom Haustier bis zum Wildtier. Noch vor ihrem Tod war sie mit diesen Tierbildern sehr erfolgreich, heute genießt sie weltweit den Ruf der bedeutendsten Tiermalerin der Gegenwart. Vor allem die Bilder aus ihrem Spätwerk sind einzigartig. Auch mit Linolschnitten konnte sich die Künstlerin bereits zu Lebzeiten einen Namen im Kunstgeschehen auf der ganzen Welt schaffen. Norbertine Roth wurde am 13. November 1891 als Tochter einer ledigen Geschäftsfrau in Graz geboren und wuchs in eher bescheidenen Verhältnissen bei ihrer Mutter und ihrer Tante auf. Schon als Kind begeisterte sie sich für Tiere und liebte es, diese im Garten zu beobachten: „Sicher einen großen Einfluss auf meine Malerei hat auch der Garten gehabt. Wir haben damals in der Mandellstraße gewohnt, wo ich ihn benutzen durfte." Außerdem konnte sie in der Wohnung Aquarien und Terrarien aufstellen, in denen laut ihren Erzählungen vor allem Molche hausten. Ihr Talent wurde früh entdeckt, so wurde sie bereits im Alter von zehn Jahren dem renommierten Kunstlehrer Alfred Schrötter von Kristelli empfohlen, der sie viele Jahre unentgeltlich unterrichtete. Die Sommermonate zwischen 1907 und 1911 ver-
Norbertine Bresslern-Roth, Elefanten, 1934, Öl/Leinwand. © Neue Galerie Graz. Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner Norbertine Bresslern-Roth, Türkischer Friedhof, 1928, Öl/Leinwand. Privatbesitz. Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner
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Norbertine Bresslern-Roth, Tigerkatze, 1921, Öl/Leinwand. Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner Norbertine Bresslern-Roth, Selbstbildnis (Miniatur auf Elfenbein), 1923, Öl/Leinwand. © Neue Galerie Graz. Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner Norbertine Bresslern-Roth, Mittag, 1935, Öl/Leinwand. Privatbesitz. Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner
brachte sie auf dessen Empfehlung im damals aufstrebenden Künstlerort Dachau bei München, wo sie an der privaten Tiermalschule von Hans von Hayek studierte. 1911 wurde die junge Künstlerin von Schrötter an das Landesmuseum Joanneum als Illustratorin für dessen 100-JahrFestschrift vermittelt und er empfahl sie auch dem Landschaftsmaler, Radierer und Fotografen Ferdinand Schmutzer, der in Wien an der Akademie lehrte. So begann sie im Herbst 1911 als Privatschülerin bei Schmutzer und dieser ließ sie auch im Atelier der Akademie kostenfrei arbeiten. Zu dieser Zeit wurde Frauen der Zugang zum ordentlichen
Studium an der Akademie noch verweigert, vielen Künstlerinnen gelang eine vertiefte akademische Ausbildung nur über Umwege oder an teuren Damenkunstschulen. 1914 erfolgte der künstlerische Durchbruch von Norbertine Roth, als sie sich an einer Ausstellung der Wiener Secession mit einem Märchenfries beteiligte. Der Fries war von ihrem Lehrer Schmutzer und seiner kunstliebenden Gattin Alice, geb. Schnabel – Schriftstellerin und Journalistin der Neuen Freien Presse – für das Kinderzimmer ihrer Villa in WienWähring in Auftrag gegeben worden. Ihre große Zuneigung, aber auch ihr naturwissenschaftliches Interesse für Tiere führten die Malerin zu einer immer stärker werdenden Auseinandersetzung mit dem Genre der Tiermalerei. Häufig besuchte sie zu Studienzwecken den Tiergarten von Schönbrunn und lernte dort die „Schönbrunnmaler" wie Carl Fahringer, Ludwig Heinrich Jungnickel und Franz Roubal kennen. 1917 beendete sie ihr Studium bei Schmutzer und kehrte nach Graz zurück, wo sie als freischaffende Tiermalerin, Porträtistin und Illustratorin tätig war und bis zu ihrem Tod im November 1978
bei ihrer Mutter lebte. 1919 heiratete sie Georg Ritter von Bresslern und Sternau, ein passionierter Fotograf, den sie in Wien kennengelernt hatte, und führte fortan den Doppelnamen Bresslern-Roth. Im selben Jahr trat sie auch dem „Werkbund Freiland" bei, in dem der Grazer Maler Fritz Silberbauer eine führende Rolle innehatte. Er war wie Franz Hofer, Leo Grimm und Norbertine Roth im Unterricht von Schrötter bzw. später von Schmutzer gewesen. Während ihrer Wiener Zeit hatten sie gemeinsam zur Untermiete im Palais Pallfy in der Lainzerstraße gewohnt. Augenfällig an der Gruppierung „Werkbund Freiland" ist ein durchaus hoher Frauenanteil unter den Mitgliedern, eine Besonderheit, die auch in Schrötters Malschule beobachtet werden kann. Diesem lag viel daran, seine Schüler möglichst individuell zu fördern, wodurch eine bunte
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Kunstszene entstand, wie sie sich auch im „Werkbund Freiland" wiederfindet. Die Folgeorganisation „Sezession Graz" wurde als reiner Männerbund unter dem ersten Präsidenten Wilhelm Thöny gegründet, der Frauen ausschloss – sie blieben alle Mitglieder des „Grazer Kunstvereins", der gleichberechtigte Ausstellungsmöglichkeiten bot und ebenfalls starke Impulse von Schrötter erfuhr. Zusammen mit ihrem Ehemann Georg besuchte Norbertine viele Städte Europas, deren Tiergärten sie als Inspirations- und Motivquellen nutzte. Hier entstanden nach genauer Beobachtung der Ana-
tomie, Physiognomie und Bewegungsabläufe der Tiere unzählige Aquarelle und Zeichnungen. Diese Studienblätter verwendete sie als Vorlagen zur Realisierung ihrer oft großformatigen Ölgemälde, die aufgrund einer spezifischen Grundierung der Jute einen weichsamtigen, freskoartigen Duktus aufweisen. Ab 1921 befasste sich das Ehepaaar ausgiebig mit dem Linolschnitt. Georg Bresslern widmete seine Zeit einzig und allein der Förderung seiner Frau und deren Karriere, gemeinsam schufen sie Linolschnitte in hohen Auflagen, die große Verkaufserfolge erzielten. Norbertine Bresslern-Roth wurde so weit über Österreich hinaus bis in die USA und Australien bekannt. 1928 reiste das Paar nach Tripolis, wo die Künstlerin Stadtansichten und Darstellungen von Menschen und Tieren malte. Vor Ort schuf sie vor allem kleinere Gouachen und Aquarelle, die eine besondere Grundstimmung von Licht und Farbe vermitteln, die auch in später angefertigten größeren Bildern zu finden ist. Diese späteren Werke waren nach Fotografien ihres Mannes und nach ihren Skizzen entstanden. In den 1920er-und 1930er-Jah-
ren war Norbertine verstärkt auf Ausstellungen in Graz, Wien und Salzburg, aber auch – wahrscheinlich durch Unterstützung des „Werkbundes Freiland" – im Ausland vertreten. Sie war als Tiermalerin allseits bekannt, ausgesprochen erfolgreich, führte unzählige Aufträge für Gebrauchsgrafik aus und beschäftigte sich vor allem mit der Buchillustration. Während des Ständestaates sowie der Zeit des Nationalsozialismus war sie als Künstlerin anerkannt. Neueste Erkenntnisse ergaben, dass man Bresslern-Roth weder als nationalsozialistische noch als widerständige Künstlerin bezeichnen kann. Ihre Kunst wurde vom NS-System gut geheißen, ihre Werke ausgestellt. Es wurde lange vermutet, dass sie unter Repressalien zu leiden hatte, da ihr Ehemann nach den Begriffen des NS-Regimes ein „Halbjude" war, dies ist jedoch nicht belegt. 1936 erfolgte eine Neuaufstellung der naturkundlichen Schausammlung des Landesmuseums Joanneum. Mit Hilfe von Dioramen wollte man zusätzlich die Lebenswelt der Tiere für ein breites Publikum im Museum naturnah in Stellbildern darstellen. Insgesamt waren zwölf solcher Stellbilder geplant und für zehn davon war die Malerin mit großformatigen Hintergrundmalereien beauftragt. Die Tierpräparate wurden vom Joanneum angefertigt. Drei Stellbilder konnten im ersten Jahr umgesetzt werden. Alle hatten historische Tierwelten zum Thema: den „Urwald" und den „Sumpfwald" aus der Zeit um 1.000 n. Chr. sowie den um 800 Jahre jün-
Norbertine Bresslern-Roth, Der große Fisch, 1969, Öl/Leinwand. © Neue Galerie Graz. Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner Norbertine Bresslern-Roth, Schleierschwänze, August 1922. Farblinolschnitt. Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner
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geren „Auwald". Diese dreidimensionalen Bilder, die künstlerische Inszenierung mit wissenschaftlich korrekter Darstellung verbanden, zogen jahrzehnelang große Mengen von Besuchern an. Erst 2009 wichen sie einer Neuaufstellung, als man die anachronistischen Bilder einer naturnahen Wissensvermittlung gegen zeitgemäßer erscheinende Handson-Installationen im neuen Naturkundemuseum austauschte. Die honorarfreie Mitarbeit der Künstlerin bei den Dioramen sowie zahlreiche Schenkungen an das Landesmuseum Johanneum zeugen von der Verbundenheit der Tiermalerin mit dem Museum. 1937 übergab sie beispielsweise 257 Blätter an die Neue Galerie. Das größte Geschenk war jedoch sicher das Bild „Elefanten" im Jahr 1938. Dieses Gemälde wurde einige Zeit als systemkritisches Bild interpretiert. In der Zeit nach dem Krieg erfuhren die Geschäfte des Ehepaares Bresslern aufgrund der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage einen starken Einbruch. Durch die Illustration von Kinderbüchern konnten sie immerhin ihre Existenz weiter sichern. Norbertine Bresslern-Roth war inzwischen zu einer sehr erfolgreichen Künstlerin avanciert, die standhaft an ihrem Kunstverständnis fest hielt. Sie wollte Kunst für Menschen machen, die den dekorativen Wert ihrer Arbeiten in ihrem Zuhause zu schätzen wussten. Ein abstarktes Bildverständnis war ihr völlig fremd, wenn nicht gar zuwider, daher hat sie sich für die Moderne nie interessiert. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1952 hörte sie auf, Linolschnitte zu produzieren. Sie arbeitete jedoch weiterhin an anderen Aufträgen, darunter auch an einigen großformatigen Bildern, bis sie am 30. November 1978 starb.
WERK Norbertine Bresslern-Roths künstlerisches Werk war vielseitig, sie schuf Porträts, Stillleben, Landschaften,
volkskundliche Studien und auch Kalenderblätter, ihr zentrales Thema blieb jedoch stets die Tierdarstellung. Tiere in Bildern darzustellen hat eine lange Tradition, wenn nicht
Art auch zu ihrem Markenzeichen als Tiermalerin. Ihr Mann unterstützte sie bei der Umsetzung von mehr als 270 Motiven in bis zu 200 Abzügen und er entlastete sie nicht nur beim
sogar die längste malerische Tradition überhaupt. Im 16. Jahrhundert entwickelte sich das sogenannte Tierstück als eigene Bildgattung aus dem Stillleben. Tiere wurden fortan auch gerne in Gruppen in Landschaftsbilder integriert, wodurch ein idyllisch harmonisiertes Bild von Natur entstand. Ein solches Harmoniebedürfnis findet man auch in den Bildern von Norbertine BresslernRoth. Die engagierte Tierschützerin hatte die Idealvorstellung eines Zusammenlebens von Tieren und Menschen. Der Linolschnitt machte Norbertine Bresslern-Roth international bekannt und wurde auf eine gewisse
Schneiden und Drucken, sondern kümmerte sich auch um die Korrespondenz und den Vertrieb. Die Flächigkeit der Darstellung in ihrer Druckgrafik knüpft – wie auch ihre großformatigen Gemälde – an den Wiener Jugendstil an. Das DekorativSchmuckvolle entsprach auch ihrer persönlichen Vorstellung von Kunst. Sie verfolgte insgesamt eher pragmatische Ansätze als theoretisch-
Norbertine Bresslern-Roth, Vogeljäger, 1940, Öl/Leinwand. Privatbesitz. Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner
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Norbertine Bresslern-Roth, Rast, 1940, Öl /Leinwand. Privatbesitz. Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner Norbertine Bresslern-Roth, Überfall, November 1922, Farblinolschnitt. © Neue Galerie Graz. Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner
aus populären Geschichten. So entstand ihre persönliche Vorstellung von der Südsee. Weitere Inspirationsquellen boten ihr auch der Zirkus und die bis in die 1930er-Jahre beliebten „Völkerschauen". Darüber hinaus holte sich die Malerin Anregung aus Standardwerken der Tierliteratur, die Anfang des 20. Jahrhunderts in keinem bürgerlichen Haushalt fehlten, wie beispielsweise „Brehms Tierleben". philosophische Anliegen, was durchaus verständlich ist, denn immerhin musste sie mit ihrer künstlerischen Arbeit die finanzielle Basis ihrer Ehe sichern. Ihre Linolschnitte erschienen von 1921 bis 1952 zumeist mit Tiermotivik und stilistisch in einer am Japonismus der Jahrhundertwende orientierten Kunstauffassung. Daneben schuf sie im Auftrag deutscher und österreichischer Verlage auch Illustrationen für literarische Werke sowie für Sagen-, Märchen-, Schul- und Kinderbücher und Natur- und Jagdzeitschriften. Einen weiteren Themenkreis bilden ab der Mitte der 1920er-Jahre Szenen aus dem Leben der Einwohner der Südseeinseln, Afrikas, von NordseeRegionen und der Mongolei, in denen Bresslern-Roths Hang zur Erzählung und eine akzentuierte Farbigkeit hervortreten. Die Südseebilder zeugen von ihrer romantischen Vorstellung einer scheinbar paradiesischen Lebenswelt, in der die Menschen im Gegensatz zur westlichen Zivilisation in Übereinkunft und Harmonie mit der Natur, der Tier- und Pflanzenwelt, in einer Art Wunsch-
land leben. Ihre Reisen in die Ferne unternahm sie überwiegend in ihrer Fantasie. Sie verband dabei fiktive Idyllen mit damals bekannten Bildern aus Film und Werbung sowie
AUSSTELLUNG Im Rahmen des diesjährigen Tierschwerpunktes des Universalmuseums Joanneum widmet sich die
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Norbertine Bresslern-Roth, Tränke, 1959, Öl/Leinwand. Privatbesitz. Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner
Neue Galerie Graz bis zum 17. April in einer umfassenden Personalie dem malerischen und grafischen Werk der steirischen Künstlerin Norbertine Bresslern-Roth. Die Ausstellung versucht, die Künstlerin anhand der aktuellen Quellenlage neu zu positionieren und ihr Werk im kunstund zeithistorischen Kontext zu reflektieren. Dabei werden die 1930erJahre und die Kriegsperiode genauer überprüft. In der neueren Literatur wurde in einigen Bildern von Bresslern-Roth eine regimekritische Haltung durch camouflierte Malweise vermutet, obwohl sie auch eindeutige, dem politischen System angepasste Aufträge für Buchillustrationen angenommen und an vielen der sogenannten „Ostmark Ausstellungen", die der NS-Ideologie dienten, in verschiedenen deutschen Städten teilgenommen hatte. Bisherige Publikationen und Ausstellungen haben nur eine dekorativbeschreibende Betrachtungsweise und die werktechnische Aufzählung des Œuvres von Bresslern-Roth wiedergegeben beziehungsweise zuletzt versucht, sie während der dunklen Periode der NS-Zeit zu positionieren. Anhand einer repräsentativen Auswahl aus ihren mehr als 500 Ölbildern, Miniaturmalereien, Linoldrucken, Zeichnungen und Aquarellen aus dem Besitz der Neuen Galerie Graz, der Albertina und des Graz Museums, vor allem aber aus Privatsammlungen, versucht diese Ausstellung unter Aufarbeitung der bekannten und zugänglichen Fakten zum Leben und Wirken der Künstlerin die Lücken in ihrer Biografie zu schließen und ihr Werk wissenschaftlich neu zu bewerten. Neben der Tier- und Südseemalerei bilden ihr illustratorisches Werk sowie ihre Auftragsarbeiten, beispielsweise für
die Handelskammer Graz, vor allem aber für das Landesmuseum Joanneum, weitere Ausstellungsschwerpunkte. Eines der Dioramen („Au-
beleuchtet, und auch der Frage nach der Signifikanz der Tiermalerei und -bildhauerei wird nachgegangen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts trotz
wald"), die sich in der naturkundlichen Schausammlung des Joanneums befanden und für die sie die Hintergrundtableaus entworfen hatte, wurde für die Ausstellung rekonstruiert. Oftmals arbeitete sie nach Präparaten in der Zoologischen Abteilung, von denen in der Ausstellung einige zu sehen sind. Auch ihr für die damalige Zeit untypisches Rollenbild als international erfolgreiche und wertgeschätzte Künstlerin abseits der Metropole Wien wird
der starken Konkurrenz durch das neue Medium der Fotografie erfolgreich bestehen konnten. Weitere Infos: www.museum-johanneum.at. Ergänzend zur großen Personalie in der Neuen Galerie Graz widmet sich die von Anna Kohlhauser kuratierte Ausstellung in der Steiermärkischen Landesbibliothek einem bisher weniger beachteten Aspekt ihrer Kunst, der sie jedoch ein Leben lang beschäftigte: ihren Kinderbuchillustrationen.
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Auf Augenhöhe Comics Braun, Alexander / Hollein, Max (Hg.): Pioniere des Comic – Die andere Avantgarde, 272 Seiten, 359 Abbildungen überwiegend in Farbe, Hatje Cantz Verlag, Stuttgart, 2016, Preis: € 35,-. Eine international möglichst bedeutsame Ausstellung auf die Beine stellen zu wollen, ist immer auch eine logistische Herausforderung. Die präferierten Exponate sind nicht selten in der ganzen Welt verstreut. Es geht dann nicht nur darum, andere Museen zu bitten, sich temporär von manchen ihrer bestens gehüteten Schätze zu trennen, mindestens genauso, wenn nicht noch schwieriger ist es, private Sammler von der Idee zu überzeugen, damit sie, salopp
und den 1940er-Jahren US-amerikanische Tageszeitungen gelesen. Ohne den Boom dieses Massenmediums wäre die Populariät der Comics nicht denkbar. Für Kinder waren diese Bildergeschichten ursprünglich also nicht erdacht und ihre Schöpfer wie z. B Winsor McCay, Lyonel Feininger, Charles Forbell, Cliff Sterrett, George Herriman und Frank King waren keineswegs zweitklassige Zeichner, sondern moderne Künstler und Teil der Avantgarde, davon ist nicht nur Alexander Braun überzeugt. ISBN 978-7757-4110-1
Spieglein, Spieglein... Kulturgeschichte Uelsberg, Gabriele (Hg.): Eva’s Beauty Case – Schmuck und Styling im Spiegel der Zeiten, 166 Seiten, 100 Farbabbildungen, Hirmer Verlag, München, 2016, Preis: € 29,90. Zu welch rabiaten Mitteln Schneewittchens böse Stiefmutter griff, um lästige Konkurrentinnen aus dem Weg zu räumen, ist hinlänglich bekannt. Welche Mittelchen und Tricks sie jedoch anwandte, um ihr eigenes Antlitz zu optimieren, darüber schweigen sich die Gebrüder Grimm in ihren Büchern allerdings aus. Wesentlich aufschlussreicher in diesem Zusammenhang liest sich da schon die vorliegende Publikation. Wie kaum ein anderes Thema beschäftigt ja
gesagt, ihre Beute herausrücken. Wieviel Überredungskunst es gekostet hat, die potentiellen Leihgeber für diese Comicausstellung einzunehmen, ist nicht bekannt, ungewöhnlich ist allerdings, dass sich die Schirn Kunsthalle in Frankfurt schließlich allein auf Leihgaben aus Privatbesitz stützen musste. Wer dahinter einen Boykott vermutet, liegt natürlich komplett falsch. Fakt ist vielmehr, dass öffentliche Institutionen ursprünglich diese Art an Zeichnungen, die sich um 1900 in den USA etablierten, nicht als würdig erachteten in den Olymp der Bildenden Kunst aufgenommen zu werden und ihre Bestände diesbezüglich eine recht bedauerliche Lücke aufweisen. Die mehr als 200 hier – in Ausstellung wie Begleitbuch – gezeigten Comics sind folglich seltene Exoten, die noch kaum jemand zu Gesicht bekommen hat, es sei denn, er oder sie hätte in der Zeit zwischen 1905
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tatsächlich die Schönheit, respektive die Kunst, eine solche mithilfe diverser kosmetischer Hilfsmittel und/oder Schmuckgegenständen zu generieren sowie zu konservieren schon seit Jahrtausenden die Menschheit. Schon die Neandertaler pflegten allem Anschein nach die Kunst der Körperbemalung und benutzten dazu, das brachten neueste Forschungen ans Licht, pigmentierte Materialien, die wie Stifte geformt waren. Wäre damit ebenfalls nachgewiesen, dass die inzwischen in sämtlichen Kulturkreisen überaus populäre und sich exzessiv über den ganzen Körper ausbreitende Tattoomanie also gar nicht so hip, sondern eigentlich ziemlich retro, um nicht zu sagen vorsintflutlich ist? Vielleicht, sicher ist jedoch, dass das Schönheitsideal einem ständigen Wandel unterworfen ist, genauso wie die Möglichkeiten seiner Umsetzungen, wie in diesem abwechslungsreichen Abriss zur Körper- und Schönheitspflege über die Zeiten nachzulesen ist. Die ersten Spiegel, um all dies überhaupt kontrollieren zu können, wurden übrigens bereits im Neolithikum aus Obsidian hergestellt, zur Not war ein prüfender Blick in eine glatte Wasseroberfläche ebenso hilfreich.
Pilzkultur Design Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig / Finnisches Glasmuseum Riihimäki (Hg.): Tapio Wirkkala – Finnisches Design – Glas und Silber, 397 Seiten, Text in Deutsch und Englisch, 570 Abbildungen in Farbe und Schwarzweiß, Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart, 2016, Preis: € 58,-. Mit der Vase Kantarelli, die Tapio Wirkkala 1946 entwarf, schuf der finnische Künstler und Designer eine Ikone und sie ziert somit nicht von ungefähr den Titel dieses Bildbandes. Für die serielle Fertigung im renommierten Hause Iittala wurde dieser gläserne Pfifferling ein Jahr später zwar noch einmal überarbeitet, Wirkkalas Handschrift, die skulpturale Form sowie das Merkmal des skandinavischen De-
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signs der Nachkriegszeit schlechthin, die biomorphen Anklänge, blieben in der modifizierten Form unbedingt erhalten. Der studierte Bildhauer konnte aber auch ganz anders: Sein Formenrepertoire umfasste das geometrisch Strenge nämlich ebenso wie kräftig farbige Entwürfe, anstelle des eisig anmutenden Klarglases und überhaupt beschränkte sich der Workaholic längst nicht nur auf wegweisende Entwürfe für die heimische sowie die internationale Glasindustrie, viele andere Alltagsgegenstände erhielten ihre Form ebenfalls von ihm. Als Lichtgestalt des skandinavischen Designs und als unermüdlich tätiger Designer wurde Wirkkalas Wirken bereits zu Lebzeiten medial ausgiebig begleitet und er wurde längst mit vielen Ausstellungen und diversen Publikationen bedacht, daher konzentriert sich die Vorliegende auf die beiden zentralen Elemente in seinem Oeuvre, seine Tätigkeit für den finnischen Glashersteller Iittala sowie die Silberschmiede Kultakeskus Oy, denn wenngleich Glas sein Element war und blieb, die finnische Silberproduktion bekam durch ihn ebenfalls neuen Schwung. ISBN 978-3-89790-450-7
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SAMMLER JOURNAL
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