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JANuAr 2019
Januar 2019 · B 1309 | € 7,50 Schweiz CHF 11,50 | Österreich € 8,00 | Be/Ne/Lux € 8,50
SAMMLEr JourNAL
KUNST • ANTIQUITÄTEN • AUKTIONEN
Über 2.000 Termine
Schätzungen Auktionen Ausstellungen
SilberDandy Emil Lettré – gefeierter Berliner Goldschmied
Grenzenlos Deutschböhmische Künstler der Moderne
Glas GEMI
250 Jahre Kothgasser
DIE GESICHTER BERLINS Lotte Laserstein Das Städel würdigt die große Malerin der Weimarer Zeit in einer Ausstellung
U2_Zisska_Franke
10.12.2018
15:52 Uhr
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www.auktionshaus-franke.de
w w w . z i s s k a . d e
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INHALT
KUNSTMARKT Spot an für Balthus
FOTOKUNST Bosshard, Capa, Ecker, Renger-Patzsch
14 18
Titelbild: Lotte Laserstein, Russisches Mädchen, um 1928, Sammlung Linda Sutton und Roger Cooper, London, Foto: Städel Museum, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
SAMMLER-SERVICE
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MAGAZIN
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MESSETERMINE
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AUKTIONSNOTIZEN
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AUKTIONSTERMINE
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INSERENTENVERZEICHNIS
35
AUSSTELLUNGSTERMINE
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AUSSTELLUNGEN
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LITERATURTIPP
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AUKTIONSPREISE
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VORSCHAU | IMPRESSUM
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LOTTE LASERSTEIN von Anja Iwa
EMIL LETTRÉ von Sabine Spindler
DEUTSCHBÖHMEN von Dr. Harald Tesan
ANTON KOTHGASSER von Dr. Antje Neuner-Warthorst
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SAMMLER-SERVICE
Die große, weite Welt Welt-Verkehrs-Globus
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Dieser Globus wurde mir von meinem Großvater überlassen. Vielleicht können Sie mir einige Informationen zu diesem Objekt geben? Der Zustand ist leider nicht mehr der Beste. Das Alter beträgt sicher über 100 Jahre. Kann man zu diesem Globus noch eine Wertangabe machen? Uwe Greiner, o. O.
!
Der eindrucksvolle „Welt-Verkehrs-Globus der Dampfschiffahrts-Gesellschaft Norddeutscher Lloyd” wurde von Dr. Ernst Friedrich bearbeitet und vom Kartographischen Institut Paul Oestergaard GmbH Berlin hergestellt. Der Durchmesser beträgt 48 cm, die ursprüngliche Gesamthöhe war circa 107 cm. Offenbar wurde der eichene Sockel verkürzt und die drei geschweiften Bretter entfernt, so dass der Globus jetzt recht plump direkt auf der dreiseitigen Plinthe befestigt ist. Dieser große Globus stellt vor allem die Überseerouten (besonders des Norddeutschen Lloyd) dar, ebenso schiffbare Flüsse, Eisenbahnlinien und Karawanenstraßen. Die auf das Jahr exakte Datierung ist anhand der Fotos kaum möglich. Allerdings hilft der Blick auf die Karten. Ab 1910 (bis 1961) existiert die „Union of South Africa“, Sankt Petersburg trägt den Namen „Petrograd“ von 1914 bis 1924 (dann Leningrad bis 1991). Jugoslawien wird 1918 gegründet. Die 1902 gegründete Peter J. Oestergaard GmbH firmierte zwischen 1911 und 1915 als „Paul Oester-
gaard GmbH". Der Globus in Ihrem Besitz wurde daher vermutlich kurz vor dem Ersten Weltkrieg hergestellt. Vergleichbare Globen (circa 1911 - circa 1925) wurden in den letzten Jahren auf Auktionen angeboten. Bei der Bewertung sind Alter und Zustand entscheidend. Da der Sockel verändert wurde und das Papier beschädigt und teilweise vergilbt ist, würde ich den heutigen Wert bei 300 bis 500 Euro Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg sehen.
Blätter und Blümchen Art Déco-Leuchter
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Vor rund 40 Jahren haben wir diesen Leuchter auf einem Trödelmarkt erworben. Es handelt sich um einen fünfflammigen, verzierten Messingleuchter mit roséfarbenen Glasschirmen, alles im Original erhalten. Die Verkabelung ist neu, die alten Fassungen sind aber noch vorhanden. Der Leuchter ist sehr schwer, die Höhe beträgt 60 cm, die Arme sind je 30 cm lang. Die trichterförmigen Glasschirme sind circa 20 cm hoch, der Durchmesser beträgt von oben nach unten sechs bis 14 cm. Wir würden gerne wissen, ob es sich um eine Lampe des Jugendstil oder der Gründerzeit handelt und freuen uns, wenn Sie uns dazu Auskunft geben. Gabi Wiedemann, Roth
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Der Beleuchtungskörper zeigt sowohl Art-Déco-Stilelemente als auch blattartige Verzierungen und Blümchendekor, welche den scharfkantigen Eindruck mildern. Die mattierten hellrosa Lampenschirme mit weichen Konturen und Schliffdekor sind ebenfalls eher ein stilistischer Rückgriff. Der ideale Käufer war Otto Normalverbraucher um 1925, welcher sich eine eindrucksvolle Deckenleuchte kaufen wollte, dem die kompromisslosen Bauhaus-Entwürfe jedoch viel zu modern waren. Einen Hersteller zu benennen ist schwierig. Ein Zentrum der Lampenherstellung in Deutschland war Neheim, aber auch in Berlin und Erfurt wurden erfolgreich Wohnraumbeleuchtungskörper hergestellt. Als Schätzpreis würde ich 150 bis Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg 250 Euro ansetzen.
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Auf engstem Raum Intarsierte Schatulle
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Dieser intarsierte Kasten hat die Maße 7 x 48 x 32 cm. Neben der sehr feinen Intarsiengestaltung aus diversen Hölzern ist der Mechanismus zum Öffnen der Schatulle sowie der kleinen Schubläden von Interesse. Durch Drücken kleiner Quadrate an den Ecken öffnen sich sowohl der Deckel als auch vier flache kleine Schubläden. Welche Nutzung mag dieses Objekt gehabt haben? Alter und Wert sind auch von Interesse. Gerhard-Ulrich Hoebink, Münster
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Die hübsche Schatulle in Ihrem Besitz zeichnet sich durch die aufwändige Marketerie aus. Bei dieser Technik werden verschiedenfarbige Furnierstücke zu einem Bild zusammengefügt. Die Technik ist alt, schon im alten Ägypten lassen sich erste Beispiele nachweisen. Im Iran und in Syrien wird diese Technik noch heute in großer Kunstfertigkeit ausgeführt. Schaut man weiter Richtung Osten nach Japan, finden sich die Yosegi Himitsu Bako, hierzulande unter „puzzle box“ bekannt. Aufgrund der ausgewählten Furnierhölzer aus heimischen Gefilden kann man das hier vorgestellte Kästchen nach Europa verorten. Das zentrale geometrische Motiv taucht schon im Barock auf, Geheimfächer haben eine ebenso lange Geschichte. Da das Furnier relativ dünn gesägt ist, lässt sich der Kasten in die zweite Hälfte bis Ende des 19. Jahrhunderts, vielleicht nach Wien verorten. Offenbar hat hier ein Geselle all seine Kunstfertigkeit auf engstem Raum zusammengefasst. Als Schätzpreis würde ich 150 bis 250 Euro ansetzen. Klaus-Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg
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EINLADUNG ZUR KUNSTAUKTION Freitag, 28. Dezember 2018 Beginn 10.00 Uhr – Saalöffnung 9.00 Uhr Vorbesichtigung Mi. 26.12.18 – 10.00 -18.00 Uhr Do. 27.12. sind wir telefonisch erreichbar.
Wir wünschen unseren Kunden ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!
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Unser Haus ist vom 21.12. – 25.12.18 und vom 01.01. – 08.01.19 geschlossen. www.schwab-auktionen.de
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MAGAZIN
Stuttgarter Antiquariatsmesse
Brasilien-Bibliothek 58. Stuttgarter Antiquariatsmesse Mit 71 Ausstellern findet die 58. Stuttgarter Antiquariatsmesse vom 25. bis 27. Januar 2019 im Württembergischen Kunstverein am Schlossplatz statt. Antiquare aus Deutschland, Großbritannien, Italien, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz garantieren ein hochkarätiges und vielfältiges Angebot bei dieser bedeutenden antiquarischen Veranstaltung in Deutschland. Es umfasst alte Handschriften und ausgefallene Bücher zu jedem erdenklichen Thema, Grafiken, Zeichnungen, Fotografien – kurz: alles, was das Herz bibliophiler Sammler begehrt. Zum ersten Mal stellt Peter Bichsel, Fine Books aus Zürich, auf der Antiquariatsmesse aus. Nach mehrjähriger Pause sind das Antiquariat Schierenberg b.V. aus Amsterdam und Libreria Antiquaria Bibliopathos aus Italien wieder in Stuttgart dabei. Die Sonderausstellung ist in diesem Jahr der „Auswande-
Stuttgarter Antiquariatsmesse
rung nach Brasilien im 19. Jahrhundert” gewidmet, in der 70 außergewöhnliche Bände aus den Beständen der Brasilien-Bibliothek der Robert Bosch GmbH mit Beteiligung der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart gezeigt werden. Kuratiert wird sie von Susanne Koppel, Antiquarin in Hamburg und seit über 40 Jahren wissenschaftliche Betreuerin der Brasilien-Bibliothek. Dr. Roland Paul, Historiker, Volkskundler und ehemaliger Direktor des Instituts für Pfälzische Geschichte und der Pfalzbibliothek in Kaiserslautern, hält dazu am Freitag, 25. Januar einen Vortrag. Für interessierte Besucher, insbesondere Jugendliche, werden Führungen angeboten, bei denen Aussteller besonders schöne Exponate, ihre Bedeutung und Besonderheiten vorstellen und alle Fragen rund um dem Antiquariatshandel gern beantworten. Die diesjährige gemeinsame Auftaktveranstaltung der 58. Stuttgarter Antiquariatsmesse und der 33. Antiquaria Ludwigsburg findet am Freitag, 18. Januar 2019 um 19.30 Uhr im Literaturhaus Stuttgart statt: „Zweimal die ganze Welt umrundet. Reisende Frauen vom 4. bis ins 20. Jahrhundert”, vorgestellt von der Stuttgarter Antiquarin Inge Utzt. TELEFON | 06435/909147 INTERNET | www.stuttgarter-antiquariatsmesse.de
Gefahr und Faszination 33. Antiquaria Ludwigsburg Je rationaler die Welt, desto größer die Sehnsucht nach Spiritualität, die mitunter in Absurdität endet. Echsenmenschen wollen die Erde beherrschen, mit Kondensstreifen soll die Menschheit vergiftet werden etc. Das ist sicher die Spitze des Eisberges. Doch die Empfänglichkeit für etwas, was die meisten Menschen für abstrus halten, ist nichts Neues, die Geschichte ist voll von solch „Obscures”. Diesem Phänomen will die 33. Antiquaria mit dem Rahmenthema „Antiquaria Obscura – Gefahr und Faszination" nachspüren. Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem vielfältigen Programm: Blei in Gold zu verwandeln – diese Idee faszinierte um 1600 einen Alchemisten, und er beschrieb die „wahre Kunst, Sechs oder sieben lot Goldes auß einem Pfundt Bley in allen Proben“ zu verfertigen. Dies ist ein Kapitel aus einem insgesamt 183 Seiten starken und handgeschriebenen alchemistischen Manuskript, das Rezek (München) für 3.000 Euro anbietet. Dass Gesunde, die über außergewöhnliche Magnetkräfte verfügen, Kranke heilen können, glaubte nicht nur Goethe. 1900 erschien im Berliner Selbstverlag die überarbeitete Auflage des von Josef Gratzinger verfassten „Das Magnetische Heilverfahren. Handbuch für Aerzte und Laien", das auf 22 Lichtdrucktafeln auch konkrete therapeutische Techniken und Griffe am Patienten veranschaulicht. Katharina Tilemann (Berlin) erwartet dafür 140 Euro. Auf rund 2800 Seiten breitet François-Joachim Duport du Tertre Mitte des 18. Jahrhunderts die „Geschichte der sowohl
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MAGAZIN
alten als neuern Verschwörungen, Meutereyen und merkwürdigen Revolutionen" aus. Es beginnt in antiker Vorzeit mit der Verschwörung des medischen Statthalters Arbaces wider den König der Assyrer und geht über die Römische Geschichte (Catilina, Cinna, Sabinus) und das Mittelalter (Constantia wider Kayser Heinrich den VI. (1197) bis zur neuesten Zeit – eine wahre Fundgrube Blackwell, Elisabeth. Vermehrtes und für Verschwörungsverbessertes Blackwellisches Kräuter- theoretiker. 600 Euro Buch... Sammlung der Gewächse die sollen die Bände bei zum Arzney-Gebrauch... 1750-1753. Langguth (Köln) ko9.000 Euro, bei Im Lenninger Tal, Len- sten. ningen; Antiquariatsmesse Ludwigs- Eines der ältesten burg Bücher aus dem Messeangebot ist ein Wiegendruck. 1475 wurde die „Summa de potestate ecclesiastica" in Köln von Arnold Terhoernen gedruckt. Verfasst hat es Augustinus de Ancona, auch Augustinus Triumphus genannt, der von 1243 bis 1328 in Italien lebte, und das mehrfach nachgedruckte Werk gilt bis ins 17. Jahrhundert hinein als Standardwerk, das die Autorität des Papstes begründet. Krüger (Köln und Essen) verlangt dafür 8.500 Euro. Mitunter geht es gar nicht um den Inhalt, sondern um das Äußere. Einen Meistereinband der Wiener Werkstätte für die Familie Esterhazy bringt Schantl (Wien, 11.000 Euro) mit. Rotes Maroquin mit goldgeprägtem Rückentitel, Vorsatzblätter in roter Seide, üppige Vergoldung auf den Innendeckeln – ein Prachtstück, das Josef Hoffmann entworfen und Carl Beitl gebunden hat. Für seltene Erstausgaben gibt es nach wie vor einen Markt. 1810 und 1811 erschienen die zwei Bände „Erzählungen" von Heinrich von Kleist. Sie enthalten unter anderen den „Michael Kohlhaas", „Die Marquise von O" und „Das Bettelweib von Locarno" – allesamt oft verlegte und viel gelesene Klassiker der Erzählkunst. Doch ein Verkaufsschlager waren die Bücher in ihrer Zeit nicht, zumal der zweite Band erst nach dem Suizid des verarmten und innerlich zermürbten Romantikers erschien und zu seinen seltensten Werken zählt. 9.000 Euro soll das Rarissimum einspielen (Braun, Gengenbach). Kurioses und Erotisches darf auf der Messe nicht fehlen. Selten ist „Der Venuswagen", ein Gedicht, das Friedrich Schiller 1791 anonym veröffentlichte. Als „Seltenheit ersten Ranges!" preisen die Bibliographen Hayn und Gotendorf in ihrer „Biblioteca Germanorum Erotica & Curiosa" diese zarte, nur 24 Seiten umfassende Publikation, und weiter heißt es dort: „Das Gedicht wurde von Schiller selbst mit
solchem Erfolg unterdrückt, dass es heute fast unauffindbar ist. Es wendet sich in der feurig-schwunghaften Art, die Schillers Jugendgedichten eigen ist, und ohne in der Wahl der erotischen Ausdrücke irgendwie an sich zu halten, gegen die gesellschaftliche Heuchelei in geschlechtlichen Dingen." Bei Meindl & Sulzmann (Wien) ist es für 4.800 Euro zu haben. Kochbücher werden nach wie vor rege gesammelt. Kühlschrank und Kochfeld sind für uns heute selbstverständlich. Doch wie kochte man ohne all diese praktischen Helferlein um 1790 in Graz? Jacob Melin erklärt das in seinem mehrfach verlegten Klassiker „Gratzerisches durch Erfahrung geprüftes Kochbuch. Eingerichtet für alle Stände. Enthaltend Vorschriften von der Zubereitung verschiedener Gerichte, Gebackenen, Torten, Gefrornen, Getränken; nebst andern häuslichen Erfahrungen, und einer Anweisung zum Trenchiren." 850 Euro muss man berappen, um diesen Kochkurs der anderen Art zu erwerben (MykoLibri, Hamburg). Geschätzte 20.000 Bücher, Autografen und Grafiken werden zu Preisen zwischen 50 und 250.000 Euro auf der Antiquaria in Ludwigsburg zwischen dem 24. und 26. Januar angeboten. TELEFON | 0711/2348526 WEBSEITE | www.antiquaria-ludwigsburg.de
„die neue linie”. Sammlung der legendären Bauhaus-Zeitschrift. Verschiedene Jahrgänge, 600 bis 3.000 Euro, bei KaraJahn, Berlin; Antiquariatsmesse Ludwigsburg
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Lotte Laser stein Lotte Laserstein Von Anja Iwa
Lotte Lasersteins Œuvre gehört zu den großen Wiederentdeckungen der letzten Jahre und zeichnet sich durch ebenso sensibel wie eindringlich gestaltete Porträts aus den späten Jahren der Weimarer Republik aus.
Im pulsierenden Berlin der Weimarer Republik erlangte Lotte Laserstein als Porträtistin großes Ansehen. Mit entschlossenem weiblichen Blick fing die Malerin das sie umgebende Berliner Leben in ihren Bildern ein und richtete dabei den Fokus auf Darstellungen der sogenannten „Neuen Frau“. Sie nahm erfolgreich an zahlreichen Ausstellungen und Wettbewerben teil und erhielt überdies viel Lob von der Kunstkritik. Unglücklicherweise wurde ihre künstlerische Laufbahn mit der nationalsozialistischen Diktatur abrupt beendet. Lotte Laserstein war zwar christlich getauft, wurde jedoch aufgrund ihrer Großeltern als jüdisch deklariert. Laserstein wurde also zunehmend aus dem öffentlichen Kulturbetrieb ausgeschlossen. Als es ihr 1937 gelang, Deutschland zu verlassen und nach Schweden auszuwandern, konnte sie dort leider nicht mehr an ihren früheren Erfolg anknüpfen. Sie lebte dort ohne Verbindung zur internationalen Kunstszene und ihr Werk geriet allmählich mehr und mehr in Vergessenheit.
BIOGRAFIE Lotte Laserstein wurde 1898 in Preußisch-Holland geboren, eine Stadt im damaligen Ostpreußen, die heute zu Polen gehört. Sie wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf. Nachdem ihr Vater früh an einem Herzleiden starb, zog die Mutter mit ihr und der jüngeren Schwester Käte zu der verwitweten Großmutter Ida Birnbaum nach Danzig. Die Großmutter wurde eine wichtige Bezugsperson für Lotte. Ab 1909 erhielt sie ersten Zeichenunterricht von ihrer Tante Elsa Birnbaum, die selbst eine private Malschule betrieb. Die kleine Lotte
Lotte Laserstein, Russisches Mädchen, ca. 1928, Öl auf Holz, 32 × 23 cm Sammlung Linda Sutton und Roger Cooper, London Foto: Städel Museum, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
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MALEREI
erklärte damals schon recht selbstbewusst, dass sie beabsichtige, in Zukunft ihren Lebensunterhalt als Künstlerin zu bestreiten: „Ich werde nicht heiraten, sondern mein Leben der Kunst widmen.“ 1912 zog die Familie der Malerin in die Stierstraße 19 in Berlin-Friedenau um und im Jahr 1918 legte sie ihr Abitur an der Chamisso-Schule, einem Mädchengymnasium in Berlin-Schöneberg, ab. Der Zugang zur Kunstakademie war Frauen zu dieser Zeit noch nicht gestattet und so schrieb sich Laserstein zunächst für ein Studium der Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität ein. Ab 1920 nahm sie Unterricht bei dem Maler Leo von König (1871-1944), der sich in den Bereichen Aktzeichnen und Porträtmalerei einen Namen gemacht hatte. Von 1921 bis 1927 besuchte sie die Berliner Hochschule für die Bildenden Künste, wo sie im Jahr 1927 als eine der ersten Frauen ihr Meisterstudium abschloss. Sie bezog ihr erstes eigenes Atelier, in dem sie zugleich auch Privatunterricht gab. 1928 beteiligte sich Lotte Laserstein an der Frühjahrsausstellung der Preußischen Akademie der Künste,
bei der ihr große Aufmerksamkeit entgegen gebracht wurde. Im Anschluss daran verkaufte sie ihr erstes Werk an eine öffentliche Einrichtung, den Magistrat der Stadt Berlin. Das besagte Gemälde „Im Gasthaus“ (1927) wurde später im Rahmen der nationalsozialistischen Propaganda als sogenannte „entartete Kunst“ bezeichnet und beschlagnahmt. Seit dem Ende der 1920er-Jahre nahm Laserstein regelmäßig an Ausstellungen teil. Es gelang ihr bald, sich
Unten: Lotte Laserstein, In meinem Atelier, 1928, Öl auf Holz, 46 × 73 cm Private Sammlung, Foto: Lotte-Laserstein-Archiv/ Krausse, Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Ganz unten: Lotte Laserstein, Abend über Potsdam, 1930, Öl auf Holz, 111 x 205,7 cm Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie/ Roman März, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
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einen Ruf aufzubauen, und Feuilletons und Kritiker fanden geradezu hymnische Worte für ihre Kunst. 1928 beteiligte sich Laserstein an dem Wettbewerb „Das schönste deutsche Frauenporträt“, der von der Kosmetikfirma Elida zusammen mit dem Reichsverband bildender Künstler ausgeschrieben wurde. Aus den insgesamt 365 eingereichten Werken wurde das heute in der Städel Sammlung befindliche Gemälde „Russisches Mädchen mit Puderdose“ für die Endrunde nominiert und zusammen mit 25 Arbeiten von fast ausschließlich männlichen Künstlern in der angesehenen Berliner Galerie von Fritz Gurlitt gezeigt. Die mediale Aufmerksamkeit, die dem Wettbewerb zuteil wurde, verschaffte der Malerin wachsende Bekanntheit in der gesamten Republik. In der Galerie Gurlitt fand 1931 auch ihre erste Einzelausstellung statt. Laserstein präsentierte ihre Werke mehrfach öffentlich, darunter auch in der Großen Berliner Kunstausstellung im Schloss Bellevue. 1932 erfolgte eine zweite Einzelausstellung im Württembergischen Kunstverein in Stuttgart. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten endete Lasersteins einsetzende Karriere leider recht unvermittelt. Es wurde ihr
Von oben nach unten: Lotte Laserstein, Frau in Blau mit Schleierhut, ca. 1939, Öl, Tempera auf Papier, 63,5 × 45,5 cm Sammlung Thilo Herrmann, Foto: Städel Museum © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Lotte Laserstein, Junge mit Kasperpuppe (Wolfgang Karger), 1933, Öl auf Holz, 46 x 38 cm Foto: Städel Museum – ARTOTHEK © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Lotte Laserstein, Mackie Messer und ich, ca. 1932, Öl auf Holz, 53,5 × 43,7 cm Private Sammlung, Foto: Lotte-Laserstein-Archiv/ Krausse, Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
unersagt, Werbung am Schwarzen Brett der Akademie für ihre kleine private Malschule zu machen, welche Laserstein zur ihrer finanziellen Absicherung seit 1927 betrieben hatte. Es sei nicht mehr angebracht, „daß in einer deutschen Akademie für derartige Unternehmen Reklame gemacht wird“, hieß es. Sie wurde aus dem Vorstand des Vereins Berliner Künstlerinnen entlassen und konnte ab 1935 nur noch im Rahmen des jüdischen Kulturbundes in Deutschland ausstellen. Auch ihre Malschule musste schließlich geschlossen werden. Die politischen Restriktionen erschwerten ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zunehmend. Eine Ausstellung in der Stockholmer Galerie Moderne bot ihr 1937 die Möglichkeit, Deutschland zu verlassen. Sie nutzte die Chance, um einen Großteil ihrer Werke nach Schweden zu überführen und sie so vor dem NS-Regime in Sicherheit zu bringen. Am 11. Juni 1938 schloss Lotte Laserstein eine Scheinehe mit dem jüdischen Kaufmann Sven Jakob Marcus und sicherte sich damit die schwedische Staatsbürgerschaft sowie ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht. Ihre jüngere Schwester Käthe und ihre Mutter wurden verpflichtet, den gesetzlich eingeführten Judenstern zu tragen. Immer wieder versuchte Lotte, ihre Familie nach Schweden nachzuholen, doch es gelang ihr nicht. 1942 entging ihre Schwester Käthe knapp der Verfolgung durch die Gestapo und sie konnte mit ihrer Lebensgefährtin in den Untergrund abtauchen. Die letzten beiden Kriegsjahre verbrachten beide unter widrigsten Bedingungen in einer Gartenhütte. Am 16. Januar 1943 wurde Lasersteins Mutter im Alter von 73 Jahren im Frauenkonzentrationslager in Ravensbrück ermordet. Nach dem Kriegsende zog Käthe zu Lotte nach Stockholm, entschied sich aber wenige Jahre später, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Lotte Laserstein blieb weiterhin in Schwe-
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den und schaffte es, sich auch in der neuen Heimat einen Namen zu machen. Sie gelangte vor allem mit Auftragsarbeiten zu einen gewissem Wohlstand, der es ihr ermöglichte, im Jahr 1952 ein Ferienhaus auf der Insel Öland zu erwerben. 1957 verlegte Laserstein ihren Hauptwohnsitz nach Kalmar im Süden von Schweden. Mit dem Umzug verbesserte sich auch ihre berufliche Situation, doch es gelang ihr nicht, ihr ehemaliges Ansehen als Künstlerin zurück zu erlangen. Erst eine Ausstellung im Jahr 1987 bei Thos. Agnew & Sons und The Belgrave Gallery in London brachte Laserstein wieder international in Erinnerung. Die Malerin konnte diese Würdigung noch erleben, bevor sie am 21. Januar 1993 im Alter von 94 Jahren starb. In Deutschland wurde Lotte Laserstein im Jahr 2003 nit der Ausstellung „Lotte Laserstein. Meine einzige Wirklichkeit“ wiederentdeckt, die von Anna-Carola Krausse für „Das Verborgene Museum“ in Zusammenarbeit mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin im Ephraim-Palais kuratiert wurde. 2010 erwarb die Berliner Nationalgalerie Lasersteins monumentales Hauptwerk „Abend über Potsdam“ von 1930.
Von oben nach unten: Lotte Laserstein, Liegendes Mädchen auf Blau, ca. 1931, Öl auf Papier, 69 × 93 cm Private Sammlung, Courtesy/Foto: Das verborgene Museum, Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Lotte Laserstein, Russisches Mädchen mit Puderdose, 1928, Öl auf Holz, 31,7 x 40 cm Städel Museum, Frankfurt am Main Foto: Städel Museum – ARTOTHEK, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Lotte Laserstein, Selbstporträt im Atelier Friedrichsruher Straße, ca. 1927, Öl auf Leinwand, 32 x 42 cm Leihgabe einer Privatsammlung, Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Foto: Kai-Annett Becker/Berlinische Galerie, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
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KÜNSTLERISCHES WERK Die Bilder Lasersteins stehen stilistisch der Neuen Sachlichkeit nah, doch passen sie nicht so recht in diese kunsthistorische Kategorie. Im Hinblick auf Sujets und Grundhaltung lassen sich in Lasersteins Arbeiten zwar Anklänge an diese Kunstströmung finden, doch ist ihr Malstil weder objektivierend unterkühlt noch gesellschaftskritisch überzeichnet, wie es für die Neue Sachlichkeit typisch ist. Ihre Malweise verbleibt stets realistisch, mit einem teilweise spätimpressionistisch lockeren Pinselduktus und einem sorgsam komponierten Bildaufbau. Insgesamt ist der Einfluss ihrer akademischen Ausbildung – zu der sich Frauen damals gerade erst den Zugang erkämpft hatten – in ihren Arbeiten deutlich erkennbar und somit kann ihr Stil als akademischer Realismus bezeichnet werden. Ihre Bilder waren handwerklich traditionell, inhaltlich jedoch von großer Aktualität. Lotte Lasersteins favorisiertes Thema war der Mensch in all seinen Facetten, daher widmete sie sich hauptsächlich der Porträtmalerei. In ihren Porträts setzte sie virtuos die Menschen der Zwischenkriegszeit ins Bild, wie etwa in „Liegendes Mädchen auf Blau“ (1931) oder in „Der
Mongole“ (1927). Ihre Darstellungen zeichnen sich aus durch Nüchternheit, Modernität sowie auch psychologische Tiefe. In ihrem Œuvre gibt es ebenso Motive, die von der Technik- und Sportbegeisterung der Zeit künden, doch sind diese zahlenmäßig weit weniger bedeutend. In ihren Bildnissen malt Laserstein Typen des modernen Alltags: sportive Frauen, sich schminkende junge Mädchen, einen Motorradfahrer in voller Montur und modisch gekleidete Großstädterinnen. Die Künstlerin spielte mit Zitaten aus der Kunstgeschichte und baute oftmals Spiegelungen und Verdoppelungen der Figuren ein. Häufig malte sie komplexe Kompositionen, in denen sie sich auch selbst beim Malen im Atelier zeigte, um auf ihre Rolle als akademisch ausgebildete Künstlerin zu verweisen. Darüber hinaus entwarf Laserstein mit ihren modisch gekleideten Protagonistinnen den Typus der emanzipierten Städterin, die sich ohne männliche Begleitung frei und selbstbewusst im öffentlichen Raum bewegt. Dieses zeitgenössische Bild der sogenannten „Neuen Frau“ ist von besonderem Interesse für sie. So machen Frauenporträts auch den größten Teil ihrer Kunst aus, selten fertigte sie Bildnisse von Männern an.
DAS MODELL TRAUTE ROSE Von oben nach unten: Lotte Laserstein, Mongole, ca. 1927, Öl auf Holz, 27,1 x 21,8 cm Private Sammlung, Foto: Lotte-Laserstein-Archiv/ Krausse, Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Lotte Laserstein, Morgentoilette, 1930, Öl auf Holz, 99,7 × 65,1 cm National Museum of Women in the Arts Washington D.C., Gift of the Board of Directors Foto: Lee Stalsworth, © VG Bild Kunst Bonn, 2018
Lotte Laserstein, Tennisspielerin, 1929, Öl auf Leinwand, 110 × 95,5 cm Privatsammlung, Foto: Berlinische Galerie © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Neben den professionellen Modellen an der Akademie und sich selbst porträtierte Laserstein immer wieder ihre langjährige Muse und Freundin Gertrud Rose (geb. Süssenbach), genannt Traute. Diese verkörpert den Typus der „Neuen Frau“, wie er in den Zwischenkriegsjahren in den Medien geradezu propagiert wurde, und ist damit ein ideales Modell. Rose entspricht – genau wie Laserstein selbst – dem Ideal der Zeit: eine androgyne, sportliche, emanzipierte junge Dame mit Bubikopf und locker sitzender Kleidung. In ihren Porträts erscheint Rose mal als Tennisspiele-
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rin, mal in Doppelporträts an der Seite der Künstlerin oder als Aktmodell im Kontext des Ateliers. In Abgrenzung zu herkömmlichen Darstellungen weiblicher Modelle von männlichen Künstlern, in denen die Frau zum objektivierten Gegenüber des Malers wird, zeugen die Bilder Lasersteins von der gleichberechtigten und vertrauten Beziehung zwischen den beiden Freundinnen. Dies wird besonders in „Vor dem Spiegel“ von 1930/31 und „In meinem Atelier“ (1928) deutlich, in denen Rose jeweils nackt und Laserstein in der Rolle der Malerin zu sehen ist. Besonders diese Aktdarstellungen führten in der Forschung immer wieder zur Annahme einer homosexuellen Liebesbeziehung zwischen den beiden Frauen, wofür es jedoch keinerlei biografische Hinweise gibt. Mit Traute Rose, die in Deutschland blieb, verband Laserstein zeitlebens eine tiefe Freundschaft und die beiden führten auch während ihrer Zeit in Schweden eine umfangreiche Korrespondenz.
Angesicht“ ist die erste Einzelpräsentation der Künstlerin in Deutschland außerhalb Berlins. Die Schau baut auf den Sammlungsbeständen des Städel Museums auf, das mit den Gemälden „Russisches Mädchen mit Puderdose“ von 1928 und „Junge mit Kasper-Puppe“ (Wolfgang Karger) von 1933 in den vergangenen Jahren wichtige Arbeiten der Künstlerin erwerben konnte. Anhand von rund 40 Gemälden und Zeichnungen nimmt die Ausstellung Lasersteins künstlerische Entwicklung in den Blick. Der Fokus liegt auf ihren Arbeiten der 1920er- und 1930er-Jahre, die den Glanzpunkt ihres Schaffens markieren. Nach ihrem Auftakt im Frankfurter Städel Museum wandert die Ausstellung weiter an die Berlinische Galerie. Dort wird die Ausstellung unter anderem um Exilwerke von Lotte Laserstein ergänzt.
Ausstellung: Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht. Städel Museum, Frankfurt. Bis 17. März 2019.
LASERSTEIN IM STÄDEL Das Frankfurter Städel Museum präsentiert die Malerin Lotte Laserstein in einer umfassenden Einzelausstellung. „Lotte Laserstein teilt das Schicksal vieler ihrer Zeitgenossen, die in der Weimarer Republik anfingen, sich eine Reputation aufzubauen, deren künstlerische Laufbahn durch das NS-System aber massiv beschnitten wurde. Sie kann der sogenannten ‚verschollenen Generation‘ zugerechnet werden, da ihre realistisch gemalten Bilder in der avantgardeorientierten Nachkriegsforschung vernachlässigt wurden. Erst seit den 1990er-Jahren findet diese außergewöhnliche Künstlerin eine späte Würdigung, zu der unsere Ausstellung einen entscheidenden Teil beitragen kann“, stellen die Kuratoren der Ausstellung, Alexander Eiling und Elena Schroll, heraus. „Lotte Laserstein. Von Angesicht zu
Katalog: „Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht“, Hrsg. Alexander Eiling, Elena Schroll, Prestel, München
Oben: Lotte Laserstein, Traute im grünen Pullover, ca. 1931, Öl auf Papier, 76 × 54 cm Privatsammlung, Schweden, Foto: Matthew Hollow Photography, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Unten: Lotte Laserstein, Selbstporträt an der Staffelei, 1938, Öl auf Holz, 127,6 cm x 47 cm Stiftung Stadtmuseum, Berlin, erworben mit Unterstützung der Ernst von Siemens-Kunststiftung und des Vereins der Freunde und Förderer des Stadtmuseums Berlin, Foto: Stiftung Stadtmuseum Berlin/Michael Setzpfandt, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
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Spätzünder Nachkriegskunst Winkler, Ulrich: Martin Lantzsch-Nötzel – Zwischen Expressionismus und Informel, 143 Seiten, 144 farbige und 5 Schwarzweißabbildungen, Wienand Verlag, Köln, 2018, Preis: € 35,-. 1894 wurde Martin Lantzsch-Nötzel in Dresden geboren. Seine künstlerische Begabung stellte sich bald schon heraus und das Gleiche galt allem Anschein nach auch für den Entschluss, daraus einen Beruf zu machen. Jedenfalls besuchte er bereits ab 1912 die staatliche Kuntgewerbeschule in Düsseldorf; 1913 wurde er an der dortigen Kunstakademie aufgenommen. Obwohl er bedingt durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und seiner Einberufung sowie eines anschließenden, mehrjährigen Aufenthalts in den Niederlanden sein Studium unterbrach, konnte er es 1926 abschließen. Von der Moderne blieb er, jedenfalls während dieser Zeit, ganz offensichtlich unbeeinflusst. Sein hauptsächlicher Bildgegenstand war von Anfang an das Porträt. Lange Zeit verdiente er als Auftragskünstler damit seinen Lebensunterhalt, bis schließlich in den 1950er-Jahren eine entscheidende Wende in seinem künstlerischen Schaffen eintrat. Spät, wenngleich nicht zu spät, wandte er sich, nun freischaffend tätig, in der Nachkriegszeit der Abstrakten und Informellen Malerei zu und formulierte seine eigene künstlerische Position. Die Rückbesinnung auf die kunsttheoretischen Abhandlungen von Wassiliy Kandinskys sollten dabei ebenso eine Rolle spielen wie die anthroposophische und esoterische Gedankenwelt, die zeitlebens eine Faszination auf ihn ausübte. Damit begann gleichzeitig seine produktivste Schaffensphase. Allerdings entstand das späte Hauptwerk von Martin Lantzsch-Nötzel weitgehend fernab der öffentlichen Wahrnehmung, was sich bis in die heutige
Zeit kaum geändert hat. Die vorliegende Publikation bereitet den Boden für die Entdeckung dieses Künstlers, dessen komplexes Lebenswerk, so das Resumée des Autors, „in der Vielfalt seiner Positionen und Facetten ein eigenwilliger Beitrag zur Kunst in der jungen Bundesrepublik der 1950erund 1960er-Jahre [ist].“ ISBN 978-3-86832-397-9
Unprätentiös Schmuck Schwandt, Jörg: Simply Danish – Silver Jewellry 20th Century – Silberschmuck des 20. Jahrhunderts, 232 Seiten, Text in Englisch und Deutsch, zahlreiche, farbige Abbildungen, Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart, 2018, Preis: € 44,-. „Um gutes Design bieten zu können, das sich so viele Menschen wie möglich leisten können, arbeiten wir nach dem Prinzip des Democratic Design. Das heißt: Bei allem, was wir tun, achten wir auf Form, Funktion, Qualität, Nachhaltigkeit und einen niedrigen Preis.“ Der Anfang vergangenen Jahres verstorbene Ingvar Kamprad wurde mit dieser Unternehmensphilosophie bekanntlich steinreich. Mit seinen IKEA-Möbeln, die inzwischen fast auf der ganzen Welt zu Hause sind, bewies er, dass gutes Design nicht teuer und exklusiv sein muss. Der schwedische Unternehmer war aber nicht wirklich Schöpfer dieser Idee. So ist beispielsweise schon in einem Brief des Dänen Mogens Bal-
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lin aus dem Jahre 1900 zu lesen: „Ich will Gebrauchsgegenstände machen – von schöner Form, ausgeführt in Bronze, Zinn, poliertem Kupfer und anderen billigen Materialien; es ist meine Absicht, Dinge zu machen, die selbst der bescheidenste Geldbeutel bezahlen kann, Kunst fürs Volk und nicht raffinierte Kunst für reiche Parvenues.“ Mit der Gründung seiner Metallwerkstatt und vieler anderer, die folgten, fasste somit nicht nur das Ideal der Arts-and-Craft-Bewegung in Dänemark Fuß, damit begann auch die noch immer andauernde Erfolgsgeschichte der dänischen Silberschmuckproduktion. Anhand von 170 Schmuckstücken unterschiedlichster Entwerfer und Stilrichtungen geht ihr der Autor und Sammler auf den Grund. Ausführlich erläutert er dabei auch die maßgebliche Rolle, die dem vermeintlich einfachen Material, dem Silber, dabei zukommt. Im Anhang findet sich darüber hinaus ein Markenverzeichnis. ISBN 978-3-890790-526-9
Bruch? Kunst in Mitteleuropa Rolling, Stella / Klee, Alexander (Hg.): Klimt ist nicht das Ende – Aufbruch in Mitteleuropa, 392 Seiten, 301 Abbildungen in Farbe, Hirmer Verlag, München, 2018, Preis: € 45,-. Der Titel – irgendwie stößt man sich daran – sei frech gemeint, bekannte Stella Rolling, die Generaldirektorin des Belvedere und Mitherausgeberin dieses Katalogbuches. Aber wenn man es recht bedenkt: Eigentlich wurde mit der Behauptung „Klimt ist nicht das Ende“ keine sehr gewagte These aufgestellt. Die Erde hörte schließlich nicht auf, sich
zu drehen, nachdem Klimt von der Bühne abgetreten war und – Spaß beiseite – auch aus wissenschaftlicher, kunsthistorischer Sicht ist festzuhalten, dass Klimts Stern ohnehin schon seit längerem, Jahre vor seinem Tod, am Sinken war. Jugendstil war out, Expressionismus war angesagt und ungeachtet dessen waren seine opulenten und bisweilen goldstrotzenden Gemälde spätestens seit 1914, seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, gelinde gesagt unzeitgemäß. Richtig ist aber auch, dass 1918 dem Todesjahr von Gustav Klimt unweigerlich eine ganze Ära zu Grabe getragen wurde. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges war die alte Ordnung in Europa quasi über Nacht hinweggefegt worden. Die Donaumonarchie und nicht nur sie war plötzlich Geschichte. Die ehedem so glanzvolle Kaiserstadt Wien verlor ihren Nimbus als tonangebende Kulturmetropole. Politisch betrachtet war Europa im Aufbruch. Galt dies auch für die Kunst? Wohin steuerte die Kunst? Wer löste Wien ab? Welche Folgen hatte der Zerfall des Vielvölkerstaates und das Entstehen neuer Nationalstaaten für die Kunst? Bedeuteten diese neuen Staatsgrenzen das Ende eines europaweiten Kulturaustausches oder schufen sich die Künstler neue Netzwerke? Welche Rolle spielte zum Beispiel das Bauhaus? Diese und ähnliche Fragen werden hier erläutert und beantwortet. Ach ja, mit Klimt hat das alles eigentlich herzlich wenig zu tun. ISBN 978-3-77743058-4
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VORSCHAU/IMPRESSUM
SAMMLER JOURNAL 02/2019 AUF FREIHEIT ZUGESCHNITTEN Das Künstlerkleid um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft
HEINRICH REINHOLD Einer der bedeutenden Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts
SAMMLER JOURNAL
ISSN 1863-0332
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ES WAR EINMAL IN AMERIKA 300 Jahre US-amerikanische Kunst WILHELM LEHMBRUCK Skulptur als das Wesen der Dinge
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Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/08 vom 01.11.2008 Bildnachweis links: Maximilian Snischek, Modeentwurf Mantel, 1914, Bleistift/ Aquarell auf Papier, 38,3 x 30,2 cm; MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst; Foto: MAK
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