150 Jahre
1870-2020
Bergführerverein Heiligenblut 85 JAHRE Bergführerfahne und 40 JAHRE historische Bergführertracht
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Führend am höchsten Berg Generationen im Dienst des Berges und der Sicherheit ihrer Gäste
Wir sind dankbar, das Erbe unserer Vorfahren weiter tragen und pflegen zu dürfen. Wir wünschen der Veranstaltung alles Gute und „Berg Heil“!
Die Bergführer haben seit der Großglockner Erstbesteigung, insbesondere seit der Gründung des Bergführervereins, Alpingeschichte geschrieben. Sie haben Verantwortung für diese hochalpine Region übernommen und machen viele Berge für die Menschen erlebbar. Durch den Gletscherrückgang sind einige Anstiege schwieriger oder gefährlicher geworden. Das Sicherheitsbewusstsein ist gestiegen und der Bergführerberuf hat an Bedeutung gewonnen. Die Bergführer genießen aufgrund ihrer Fachtkenntnis ein hohes Ansehen. Unser Verein ist sehr gut organisiert mit 9 hauptberuflich tätigen Bergführern und 10 Altbergführern. Die Vermittlungsstelle ist im Tourismusbüro Heiligenblut. Ein Herzstück ist unsere Bergführerfahne aus dem Jahre 1935 mit unserer neuen Fahnenpatin Barbara Schader-Pichler. Wir sind stolz auf unsere Bergführer Festtagstracht, geweiht im Jahre 1980, welche wir bei vielen Festlichkeiten tragen. Peter Suntinger Obmann des Bergführervereins Heiligenblut
Peter Suntinger in Festtagstracht und historischer Ausrüstung
Bild links: Mathias Lackner, Foto (c) Georg Schiechl
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Titelbild: v.li.: ca. 1935 Peter Rupitsch (vlg. Waldhäusl), Vinzenz Rupitsch (vlg. Kalkschneider), Peter Rupitsch (vlg. Bruckner)
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Die Fahnenpatin
150 Jahre
Meine lieben Bergführer.
Liebe Bergführer unserer Glocknergemeinde!
Barbara und ihre zwei Vorgängerinnen
Als mir Hannelore Pichler im Jahr 2020 die Funktion der Fahnenpatin angeboten hat, habe ich mich als ihre Schwiegertochter wahnsinnig darüber gefreut. Vor allem hat es mich mit Stolz erfüllt, an der Seite der berühmten Großglockner Bergführer aus Heiligenblut & Großkirchheim zu stehen. Für die nette Aufnahme in euren Kreis möchte ich mich noch einmal herzlich bei euch bedanken. Ihr Bergführer habt nicht nur die schöne Aufgabe, unsere Gäste sicher auf die Berge zu begleiten, sondern ihr habt zusätzlich eine gesellschaftliche Verantwortung und sorgt für Sicherheit in der Region. Seit 150 Jahren nun begleitet ihr bergbegeisterte Gäste sicher auf den höchsten Berg Österreichs. Eure Vorfahren waren es, die den Wohlstand hierher gebracht haben. Ohne diesen schneidigen Männern wäre vieles vielleicht anders gelaufen. Auch ohne den Frauen der Familie Pichler wäre wahrscheinlich auch vieles im Verein anders gelaufen. Angefangen von Rosa Pichler, die mit dem Bergführerhäusl die erste Bergführervermittlung aufgebaut hat. Susi
Bergführerverein Heiligenblut – das ist wirklich ein stolzes Jubiläum!
Pichler, die sich nach den Kriegswirren wesentlich um den Wiederaufbau des Bergführerwesens gekümmert hat. Durch sie ist auch diese wunderschöne Fahne entstanden. Hannelore Pichler hat euch viele Jahre mit ganzem Herzen begleitet und hat euch diese einzigartige Tracht ermöglicht. Ich bin beeindruckt von dem, was in 150 Jahren aufgebaut wurde. Die vielen schwierigen Situationen, durch die Ihr gegangen seid. Ihr seid eine Elitetruppe, auf die man sich verlässt wenn’s schwierig wird. Ihr habt Verantwortung für Leib und Leben und könnt vielen Menschen ihre schönsten Bergerlebnisse bieten.
druck eures Zusammenhalts. Sind Ausdruck eurer Verantwortung und Stellung in der Gesellschaft. Sind Zeichen der stolzen Vergangenheit mit bemerkenswerten Persönlichkeiten und deren Leistungen. Sie sind vor allem Ausdruck dafür, dass es Euch als Verein noch gibt und ihr nicht in den Geschichtsbüchern verschwunden seid.
Ich möchte euch dabei helfen, dass ihr durch die Herausforderungen der modernen Zeit den Zusammenhalt nicht verliert.
Ich wünsche euch und uns allen noch viele schöne Bergtouren. Gemeinsame Stunden bei guten Gesprächen und erfolgreiche Jahre im Verein.
Meine Hauptaufgabe ist es natürlich bei allen öffentlichen Auftritten an eurer Seite zu stehen. Ihr Bergführer vom Großglockner sollt voller Stolz euren Berufsstand nach außen tragen und in gewohnter Weise ein fescher Hingucker sein. Die Tracht und die Fahne sind Aus-
Berg Heil und kommt mir bitte immer wieder gesund nach Hause. Eure Barbara
Im Jahr 1870 wurde der Verein in Heiligenblut gegründet, bereits bei der Erstbesteigung im Juli 1800 haben Heiligenbluter Bergführer ein Gipfelkreuz am Großglockner errichtet.
wurde wieder auf den Glocknergipfel geflogen und im Jahr 2000 fanden die großen Jubiläumsfeierlichkeiten zur 200-jährigen Erstbesteigung in Heiligenblut statt.
Der höchste Gipfel Österreichs hat seit jeher, seit den ersten Besteigungsversuchen im Jahre 1799 und der Erstbesteigung im Jahr 1800 die Bergsteiger aus aller Herren Länder angezogen und diese Faszination strahlt der höchste Berg Österreichs wohl nach wie vor in besonderer Art und Weise aus.
Die Bergführer von Heiligenblut haben einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Bergdorfes Heiligenblut am Großglockner geleistet und sind heute nach wie vor ein Aushängeschild sowie eine Berufsgruppe mit hohem persönlichen Einsatz. Sie geben tatsächlich gelebte Tradition an die zukünftigen Generationen weiter.
Der wohl schwierigste Erst-Anstieg auf den Großglockner wurde 1876 bezwungen – von Markgraf Alfred Pallavicini aus Wien – einer „..der tollkühnsten Kletterer seiner Zeit….“ unter herausragender Führung der Heiligenbluter Bergführer Bäuerle, Kramser und Tribuser, die abwechselnd an die 2.500 Stufen in das Eis der Rinne schlugen, zu den damaligen Zeiten eine unglaubliche Leistung! In der Neuzeit war wohl die Segnung des Original-Glocknerkreuzes im Jahr 1999 durch Bischof Kapellari für die Bergführer und die Heiligenbluter Bevölkerung ein sehr beeindruckendes Erlebnis; das restaurierte Kreuz
Sehr erfreulich ist die Tatsache, dass trotz der herausfordernden Prüfungen immer wieder Nachwuchs in die Reihen der Heiligenbluter Bergführer dazu kommt, sodass der so traditionelle Bergführerverein auf gute Jahre zurückblicken und auf solide weitere Entwicklung vorausschauen kann. „Meinen“ Heiligenbluter Bergführern wünsche ich für die Zukunft unfallfreie Bergtouren in ihrem wunderbaren Beruf in der faszinierenden Bergwelt des Nationalparks Hohe Tauern. Herzliche Grüße und Berg Heil Euer Bürgermeister
Bild links: 1980 bei der Trachteinweihung: 1. Fahnenpatin Susanne Pichler (*1904, geb. Zlöbl) aus Putschall/Großkirchheim mit Schwiegertochter und Patin Nr. 2 Hannelore Pichler (*1940) aus Schlesien stammend. Schwiegertochter Barbara Schader-Pichler ist Patin Nr. 3 und kommt aus Greifenburg. Mit auf dem Foto: li. Hans Glantschnig und ganz re. Friedl Fleißner
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Bild rechts: Ortseinfahrt von Heiligenblut mit Bergführerhäusl 1933: Rosa Pichler (*1872, Schwiegermutter von Susanne) aus Korneuburg betrieb hier eine kleine Gaststätte, Greislerei und die Bergführervermittlung.
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ette bereits mit drei Jahren vom Gipfel unseres Hausberges, dem Monte Peralba in den Karnischen Alpen gesehen habe. Wie oft wanderte seither mein Blick von den Gipfeln meiner Lesachtaler Heimat hinüber zur scharfkantigen Pyramide, mit der sich der „Glockner“ uns im Süden zeigt. Als mir dann einer meiner Studienkollegen seinen innigsten alpinen Wunsch offenbarte, war der Anlass gegeben, mit ihm und noch zwei Freunden über den Stüdlgrat auf den Gipfel zu klettern. Damals war der Gipfelbereich noch voll mit Eis bedeckt, und ich war überwältigt von seinem Anblick.
Viele Wege führen zu Gott.
Einer geht über die Berge. Der Bergführerverein Heiligenblut kann auf eine hundertfünzigjährige Geschichte zurückblicken. Es ist eine Geschichte im Dienst an Menschen, die die Gipfel lieben und in der Begegnung mit der Bergwelt Freude, Erholung und tiefe Erfahrungen suchen. In diesem langen Zeitbogen haben die Bergführer von Heiligenblut unzähligen Bergbegeisterten geholfen, ihren Traum zu leben und sicher ans Ziel zu kommen. Die Majestät der Berge übt eine große Faszination auf uns aus und kann in der Folge davon unser Dasein auf ganz spezifische Weise prägen. Im Erleben ihrer Mächtigkeit erhalten wir eine Ahnung vom Schöpfer, gesunden wir an Leib und Seele und finden wir wie von selbst in unsere Rolle als Geschöpf, was uns in den Mühlen und Zwängen des Alltags nicht immer so leicht gelingt. Deswegen pflegte der verstorbene Tiroler Bischof Reinhold Stecher zu sagen: Viele Wege führen zu Gott, einer geht über die Berge. So braucht es auch nicht zu verwundern, dass gerade ein Mann der Kirche, der Kärntner Bischof Franz Xaver von SalmReifferscheid, im Jahre 1799 die Erstbesteigung des höchsten Berges Kärntens 6 / 150 J a hr e
Bei der Glockner Kreuzverhüllung. v.r.n.l.: Bischof Manfred Scheuer und Msgr. Dr. Engelbert Guggenberger Bild oben: Msgr. Dr. Engelbert Guggenberger beim Klettern in den Dolomiten.
wie auch Österreichs, des Großglockners, angeregt und finanziert hat. Als Anhänger der Aufklärung wusste er um die Einheit von Leib und Seele, Welt und Geist, Erde und Himmel. Ich durfte anlässlich der 190. Wiederkehr dieses Ereignisses den damaligen Kärntner Bischof Dr. Egon Kapellari gemeinsam mit dem Heiligenbluter Pfarrer Ernst Kabasser und dem Bergführer Hans Glantschnig auf den Gipfel begleiten. Zum Großglockner habe ich eine lange und innige Beziehung, seitdem ich seine Silhou-
Ein ebenso großes alpines Glockner-Erlebnis bescherte mir die Aktion der Großglockner Kreuz-Verhüllung, die ich zu Beginn der Fastenzeit 2013 gemeinsam mit dem damaligen Tiroler Bischof Manfred Scheuer und Heiligenbluter und Kalser Bergführern durchführen durfte. Die Verhüllung, die gewöhnlich nur mit den Kreuzen im liturgischen Raum gemacht wird, sollte dieses eine Mal dem berühmtesten Gipfelkreuz Österreichs zukommen. Auf diese Weise sollte Glauben ins Bewusstsein und ins Gespräch gebracht werden. Schönes Wetter und tiefe Temperaturen kennzeichneten diese eindrucksvolle Winterbesteigung. Was wäre der Gipfel des Großglockners ohne das Kreuz? Mit großer Dankbarkeit nehme ich wahr, dass mir vom höchsten Berg Österreichs das Zeichen des Segens winkt. Über zweihundert Jahre steht es schon dort, trotzt jeder Witterung und vermittelt uns die Glaubenseinsicht, dass wir in allen Unabwägbarkeiten des Lebens die Sicherheit haben: Wir können nicht tiefer fallen als in die Hände Gottes. Dieser tiefen Symbolik des Zeichens kann man sich schwerlich entziehen, wenn man nach den letzten Schritten des Aufstiegs plötzlich vor dem mächtigen Glocknerkreuz steht. Ich bin daher den Bergführern von Heiligenblut für ihren Dienst dankbar. Sie ermöglichen vielen Menschen eine geistliche Erfahrung zu machen, die zum Schönsten und Tiefsten gehört, was wir auf dieser Welt erleben können, eine Erfahrung, in der diese Welt ein wenig durchsichtig wird auf die kommende, die uns verheißen ist. So gratulierte ich den Bergführern von Heiligenblut ganz herzlich zum großen Jubiläum und wünsche ihnen, dass sie auch weiterhin viele Menschen in die Bergen begleiten und sicher ans Ziel bringen können und dass sie dabei selbst Freude und Erfüllung finden. Msgr. Dr. Engelbert Guggenberger Dompropst
Eine unschlagbare Gemeinschaft Ich wünsche uns allen viele weitere schöne Jahre in den Bergen, in einer intakten Natur und gelebter Kameradschaft innerhalb des Verbandes. Diese zeichnet neben der fachlichen hohen Kompetenz die Österreichischen Berg- und SkiführerInnen aus und macht uns zu einer unschlagbaren Gemeinschaft. Daher ist auch die aktive Mitarbeit und Anteilnahme jedes einzelnen Mitglieds am Verbandsgeschehen so wichtig. Bereits 1863 entstand die erste Bergführerverordnung Österreichs im Herzogtum Salzburg als erste im gesamten Ostalpenraum. Ab 1880 gab es eine einheitliche Regelung der Führerausbildung und schon zwei Jahre später ein Bergführerabzeichen, um sich von „Wilden Führern“ abzugrenzen. Dieses wurde vom Deutschen und Österreichischen Alpenverein eingeführt, der sich auch um die Ausbildung und Organisation der Bergführer kümmerte. Es gab eine klare Tarifstruktur, Ausbildungskurse, Verhaltensregeln und sogar eine „Führerkasse“ zur Absicherung von verunfallten Führern und deren Familien. Man schuf in diesen Tagen umfangreiche Lehrbücher zur Ausübung des Bergführerberufes deren Studium auch heute noch sehr interessant ist und die oftmaligen „Neuerfindungen“ unserer Zeit stark relativiert. Damals wie heute schätzte man den Bergführer als Garant für größtmögliche Sicherheit und Verläßlichkeit. Der Berg ist eben doch eine Konstante. Hundert Jahre später wurde 1963 der Verband der Österreichischen Berg- und Schiführer in Heiligenblut gegründet und die Bergführerbelange vom Alpenverein an den jungen Verband übergeben. Vor 55 Jahren, am 25. Oktober 1965, fand schließlich die konstituierende Generalversammlung des Verbandes der Österreichischen Bergund Skiführer statt. Der Verband zählte in dieser Zeit etwa 700 autorisierte Mitglieder. Heute, ein halbes Jahrhundert später, sind wir bei mehr als der doppelten Mitgliederanzahl angelangt, darunter erfreulicherweise auch immer mehr Bergführerinnen. Somit ist Österreich auch eines der größten Länder in der Internationalen Vereinigung der Bergführerverbände (IVBV). Den Erfolg unseres Verbandes verdanken wir dem Engagement und der Weitsicht der Vorsitzenden und Verbandsfunktionäre der letzten fünf Jahrzehnte. Nach Hias Noichl, Horst Fankhauser, Walter Strolz, Peter Ponholzer, Manfred Lorenz und Robert Span darf ich nun seit Herbst 2019 diesen Platz einnehmen. Auf unseren Beruf kommen
immer wieder schwierige Zeiten zu, aber wir werden auch diese Herausforderungen meistern. Der Ruf der Österreichischen Berg- und SkiführerInnen ist weltweit anerkannt und hochgeschätzt. Nachwuchsmangel haben wir zur Zeit keinen zu beklagen, mehr als hundert Kandidaten nahmen erst bei der letzten Aufnahmeprüfung teil. Wir beobachten immer mehr junge Absolventen,
Walter Zörer
1. Vorsitzender des Verbandes der Österreichischen Berg- und Schiführer
welche das Bergführen als Hauptberuf ausüben und einzeln oder im Verbund mit Kollegen eigene Unternehmen betreiben. Dies freut den Verband sehr, zeigt es doch dass wir auf dem richtigen Weg sind uns sich das Berufsbild immer mehr etabliert. Gerade die fortschreitende Entfremdung der „zivilisierten“ Wohlstandsgesellschaft von der Natur und den Bergen eröffnet neue und spannende Arbeitsbereiche für innovative Kolleginnen und Kollegen. Zugleich zeigt sich in diesem von einem Virus gebeutelten Jahr 2020, daß die
nachhaltige und inhaltvolle Form des Bergtourismus eine traditionsreiche Konstante darstellt. Während kurzlebige Trends bald wieder von der Bildfläche verschwinden, bleibt das Betätigungsfeld der Bergführer erhalten und bildet somit auch eine wichtige Säule der heimischen Tourismuswirtschaft. Unsere Aufgabe besteht darin, den oftmals auf Massenbetrieb ausgerichteten Tourismusstrategen die wahren und beständigen Werte ins Gedächtnis zu rufen und sie an die ersten Tourismuskatalysatoren im Bergland zu erinnern – nämlich die Bergführer. Aber nicht nur auf Tour mit Gästen bringen die Bergführer in Österreich ihr Wissen und Können ein. Zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit unterstützen wir durch unser Mitwirken in Lawinenkommissionen, Bergrettung, Expertisen uvm. die Gesellschaft, oftmals unentgeltlich. Die Grundlage dazu ist und bleibt die Erhaltung der hohen IVBV Standards in unserer staatlichen Ausbildung, die seit 1971 in bewährter Zusammenarbeit mit dem Institut für Leibeserziehung im Bundesministerium für Unterricht durchgeführt wird. Unsere Ausbildung ist bei Ausbildungsleiter Albert Leichtfried in sehr guten Händen und hat das international geforderte Niveau. Vor 5 Jahren wurde die Ausbildungsstruktur inhaltlich komplett überarbeitet und die Aspiranten durchlaufen zunächst einen ersten Ausbildungsteil beim Verband, bevor sie als BergführerAnwärter in den zweiten Teil bei der Bundessportakademie eintreten können. Nach insgesamt fast dreijähriger Ausbildungszeit beenden sie dort die Ausbildung als staatlich geprüfter Berg- und Skiführer. Neben dem selbstverständlich sehr hohen technischen und alpinistischen Können unserer Absolventen legen wir großen Wert auf die menschliche Komponente und eine nachhaltige Form des Alpintourismus. Die Bergführerschaft ist schließlich ein wichtiger Fürsprecher für den Erhalt der Natur und ein Mitstreiter aller Initiativen zum Erhalt der von uns so geschätzten Berglandschaft und Ökosysteme. 1 5 0 Jah re / 7
Teil der
GROHAG-Familie Die Großglockner Hochalpenstraße im Herzen des Nationalparks Hohe Tauern zählt zu den schönsten Panoramastraßen der Welt – nicht umsonst ist sie laut einer aktuellen Umfrage das Lieblings-Ausflugsziel der Österreicher! Während der Sommermonate führen „unsere“ Bergführer aus Heiligenblut Besucher durch die Bergwelt des Nationalparks und seit mehr als 80 Jahren sorgen sie für die Sicherheit bei der alljährlichen Schneeräumung.
Bild li.: Räumungsteam beim Durchstich am Hochtor. v.l.n.r.: Johann Kramser, Josef Pirchner, Ing. Thomas Noel, Peter Embacher, Peter Suntinger und Peter Zirknitzer Festakte auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe: v.l.n.r.: Bild re.: Hermann Tribuser, Hans Pichler, Hannelore Pichler, Matthias Tribuser, Engelbert Gassner, Peter Suntinger Bild unten: Hannelore Pichler, Dr. Johannes Hörl, LH Wilfried Haslauer, Ministerin Margarete Schramböck, DI Wolfgang Urban und Peter Suntinger
Matthias Lackner während Dreharbeiten beim Räumen der Großglockner Hochalpenstraße.
Auf einer Länge von 48 Kilometern führt die Großglockner Hochalpenstraße, das Beispiel österreichischer Straßenbaukunst, übrigens seit dem Jahr 2015 geschützt und somit das größte Denkmal Österreichs, ins Herz des Nationalparks Hohe Tauern. Kehre um Kehre geht es bergauf – 36 gibt es insgesamt. Von Kärnten kommend beginnt der Aufstieg bei der Kassenstelle Heiligenblut an der Großglocknerstraße. Entlang der Strecke warten zahlreiche Infopunkte, Ausstellungen und Erlebnisstationen sowie sieben Themenwege darauf, von den Besuchern entdeckt zu werden. Außerdem durchzieht ein großes Netz von Wanderwegen den Nationalpark Hohe Tauern. Die beste Möglichkeit, die fantastische Bergwelt zu erkunden, ist zweifellos in Begleitung eines Bergführers! Die Bergführer aus Heiligenblut kennen alle Wege und Steige wie ihre Westentasche und sorgen für Sicherheit und spannende Einblicke in Fauna und Flora. Das Highlight ist sicherlich die Königstour auf seine Majestät, den Großglockner. 8 / 150 J a hr e
Mehr als 80 Jahre gemeinsame Geschichte Ohnehin verbindet die Großglockner Hochalpenstraße und die Bergführer aus Heiligenblut eine lange gemeinsame Geschichte – sie sind seit vielen Jahrzehnten ein fixer Teil der GROHAG-Familie. Denn dort, wo man im Sommer Kehre um Kehre bunt blühende Orchideenwiesen, munter pfeifende Murmeltierkolonien und duftende Lärchenwälder passiert, türmen sich während der Wintermonate schier unüberwindbare Schneemassen auf der Großglockner Hochalpenstraße. Seit einem tragischen Lawinenunglück im Jahr 1935 sorgen auch die bei der Großglockner Hochalpenstraßen AG beschäftigten Bergführer aus Heiligenblut für die Sicherheit aller an der jährlichen Schneeräumung Beteiligten. Im Vorfeld der Räummannschaften erkundet ein erfahrener Bergführer die Straße und steckt den Straßenverlauf ab. Dank ihrer großen Erfahrung beurteilen sie auch die Lawinensituation und lösen, wenn nötig, kleinräumige Lawinen durch das Abtreten
mit den Tourenskiern aus oder sprengen Lawinen kontrolliert ab. Den kundigen und mutigen Bergführern ist es Jahr für Jahr zu verdanken, dass schlussendlich alle gesund und munter beim Durchstich im Bereich des Hochtors aufeinandertreffen und die Großglockner Hochalpenstraße bereit für den Start in eine neue Saison voller Bergerlebnisse ist!
Beurteilung der Lawinensituation am Hochtor v.l.n.r.: Peter Suntinger, Stefan Rieger und Ferdinand Jobst
Ausstellung „Berg, die“ (Substantiv, feminin) – FRAUEN IM AUFSTIEG
Nachdem man gemeinsam mit den Bergführern aus Heiligenblut den Glockner bezwungen oder die Steinböcke in der Gamsgrube bewundert hat, kann man sich in der Ausstellung „Berg, die“ im 2. Stock des Besucherzentrum auf der Kaiser-FranzJosefs-Höhe ein Bild von den alpinistischen Leistungen von Frauen von anno dazumal machen: Die alltäglichen Herausforderungen der einheimischen Sennerinnen, Botinnen und Schmugglerinnen, die lange in Vergessenheit geraten waren, genauso wie die gut dokumentierten Abenteuer der privilegierten, adeligen Alpentouristinnen.
v.l.n.r.: Stefan Rieger, Josef Forcher, LR.in Sara Schaar, Dr. Johannes Hörl, Hannelore Pichler, LH Wilfried Haslauer und Peter Zirknitzer
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Nationalpark Hohe Tauern – Lebensraum im Hochgebirge
Foto: NPHT, Daniel Zupanc
Bereits 1918 verkauften die Schwestern Aicher von Aichenegg die Pasterze und ihre Randerhebungen inklusive Großglockner an den Alpenverein. Den Kaufpreis stiftete der Holzindustrielle Albert Wirth, der somit den Grundstein für die Errichtung des Nationalparks legte. Doch sollte es bis 1971 dauern, ehe die Landeshauptleute von Kärnten, Salzburg und Tirol in Heiligenblut eine Absichtserklärung zur Errichtung eines bundesländerübergreifenden Nationalparks unterzeichneten. Den ersten konkreten Umsetzungsschritt wagte Kärnten 1981 mit Bereitstellung eines rund 195 km² großen Gebiets in der Glockner- und Schobergruppe. Salzburg und Tirol zogen 1984 bzw. 1991 mit Gebietsstiftungen nach. Mittlerweile ist der Nationalpark Hohe Tauern mit einer Gesamtfläche von 1.856 km² sogar das größte (von der Weltnaturschutzunion IUCN anerkannte) Schutzgebiet der
Foto: NPHT, HeiligenbluterVereinbarung
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Alpen. Als Bewahrer eines einzigartigen Ökosystems genießt der Nationalpark auch in der Bevölkerung ungebrochene Wertschätzung. Mächtige Gletscher, eiszeitlich geformte Täler mit imposanten Talschlüssen, imposante Schwemm- und Murenkegel, alpine Gras- und Strauchheiden, aber auch Wälder mit Lärchen, Fichten und Zirben prägen das Gesicht des Naturraums Hohe Tauern. Gämsen, Alpensteinböcke, Murmeltiere, Steinadler und Bartgeier sind die „Big Five“ unter den ca. 15.000 Tierarten, die im Schutzgebiet ein Zuhause finden. Das ist beinahe die Hälfte aller in Österreich vorkommenden Säugetiere, Vögel, Reptilien und Amphibien. Mit 3.500 Pflanzen- und weiteren 4.000 Pilzarten birgt der Nationalpark außerdem ein Drittel der heimischen Flora. Diese beeindruckende Biodiversität resultiert aus den vielfältigen klimati-
schen, geologischen, geomorphologischen und hydrologischen Standortbedingungen des Hochgebirges und den differenzierten Anpassungsstrategien seiner Pflanzen- und Tierwelt. Wer von den Tälern zu den höchsten Gipfeln des Nationalparks wandert, durchquert in den Höhenstufen gleichsam alle Klimazonen von Mitteleuropa bis in die Arktis.
Willkommen im Haus der Steinböcke
zum unangefochtenen Herrscher über unsere Bergwelt. Mit dem Haus der Steinböcke in Heiligenblut würdigen wir das erfolgreiche Comeback des Alpenkönigs in einer Besuchereinrichtung, die neue Standards setzt. Als Sitz des Tourismus- und Bergführerbüros und One-Stop-Shop mit umfangreichem Informations- und Erlebnisangebot ist das Haus der Steinböcke natürlich auch idealer Ausgangspunkt für Erkundungen des Glocknergebiets. Wir freuen uns auf Sie:
Sehnsuchtsziel Großglockner
www.hausdersteinboecke.at
Mit schätzungsweise 5.000 Gipfelstürmern pro Jahr ist der Großglockner unbestrittener Liebling alpinistisch interessierter Nationalpark-Besucher. Die Heiligenbluter Bergführer, denen viele Naturbegeisterte in die Gipfelregionen folgen, sind dabei mehr als einfache Begleiter: Als Partner in Sachen alpiner Sicherheit vermitteln sie auch wertvolles Wissen und Know How. Damit ermöglichen sie unvergessliche Naturerfahrungen auf Österreichs höchstem Gipfel, die seit Erstbesteigung des
© Kathrin Egger
Foto: NPHT, Markus Lackner
Großglockners durch den Trupp des Kärntner Erzbischofs Franz Xaver Graf von Salm-Reifferscheid nichts an Faszination eingebüßt haben.
Nationalpark Hohe Tauern Kärnten, Döllach 14, 9843 Großkirchheim, Tel.: +43/4825 6161 nationalpark@ktn.gv.at www.hohetauern.at www.facebook.com/hohetauern https://www.instagram.com/ nationalpark__hohetauern
Lange ausgerottet, kehrte der Apensteinbock durch intensive Wiederansiedelungsbemühungen ab 1960 in Heiligenblut in den Lebensraum Hohe Tauern zurück. Heute ist der Alpensteinbock untrennbar mit Glocknergebiet und Hohen Tauern verbunden. Seine imposante Statur und beeindruckende Kletterkünste machen ihn
© Harald Wisthaler
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Heiligenblut, 1868 Ferdinand Lepie
Heiligenblut Wiege des Alpinismus und des Bergführerwesens Die Hohen Tauern sind seit alters her keine unüberwindbare Barriere. Mit ihren Pässen stellten sie immer ein offenes Tor über die Berge dar. Das Hochgebirge hatte für Menschen von jeher eine gewisse Faszination aber auch Abschreckung zugleich. Bis ins Zeitalter der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert galten die hohen Berggipfel als Sitz von bösen Geistern und als Tanzboden für Hexen. Das Gebirge war eine Bedrohung für die Menschen, denn von dort kamen Gewitter, Muren und Lawinen. “Die Pastirzen bey Heyligen Blut”, Zeichnung von Karoly Lajos Libay um 1850
Es scheint hoch gegriffen - und ist doch keine Übertreibung: Es begann in Heiligenblut - und in Chamonix. Der Alpenbogen wurde zuerst und etwa zeitgleich vom östlichsten und westlichsten Rand her erforscht. In Heiligenblut begann es im Jahr 1779 - mit dem Besuch des bedeutenden und visionären Pioniers und Wegbereiters des Alpinismus, Beslzasar Hacquet. Also 7 Jahre vor der Besteigung des Mont Blancs und 21 Jahre vor der Erstbesteigung des Großglocknes. Doch der Grundstein dafür wurde bereits damals gelegt. Heiligenblut, Sommer 1779
Visionär, Pionier und Wegbereiter - Belzasar Hacquet (1739-1815) auf seiner botanischen Lustreise
Von den Anfängen des Alpinismus Die Berge - ein fürchterlicher Ort!
Über Jahrhunderte hatte man das Gebirge gefürchtet, es als unnütz und hässlich empfunden. Auch von fürchterlichen Ungeheuern war die Rede. Nur wer musste, begab sich in Gefahr - um sich vor Feinden zu „verbergen“, um Waren über die Alpen zu transportieren, oder um Erze zu gewinnen. Wohlhabende, gebildete Menschen mieden sie soweit es ging. Man rätselte - wozu hatte Gott, war doch die Erde einzig für den Menschen erschaffen, diese menschenfeindlichen und abscheulichen Gebilde hervorgebracht? Für die einen waren es Bruchstücke der erstarrten Hölle, andere, wie etwa Wolfgang von Goethe, sahen in ihnen den Überrest und ein Zeugnis der biblischen Sintflut. Fossilienfunde stützten diese Theorie, wie sonst hätte versteinertes Meeresgetier in diese Höhen gelangen können. Erst das Zeitalter der Aufklärung brachte Ende des 18. Jahrhunderts ein - vorerst ausschließlich wissenschaftliches - Inter-
esse an den Bergen. In der Epoche der Romantik wandelte sich das Bild von anfangs erschaudernder Ergriffenheit bis hin zur Idealisierung der Schönheit und Erhabenheit der Berge, auch seiner Bewohner. Das Besteigen eines Gipfels wurde zum Selbstzweck, der eigenen Hochgefühle wegen. Die Sichtweise der Romantik prägt die Wahrnehmung der Berge bis heute.
1786 - 1865 Die erste Epoche der Erschließung
Dieses neue Phänomen, Berge entdecken, erforschen und besteigen zu wollen, findet mit der Erstbesteigung des Mont Blancs im Jahr 1786 einen ersten Höhepunkt. In den folgenden Jahrzehnten sollte es zu einem Wettlauf um die Erstbesteigungen kommen. Die Erstbesteigung des Matterhorns im Jahr 1865, aufgrund seiner Schwierigkeit einer bis dahin letzten unbestiegenen Gipfel markiert einen Schlusspunkt dieser Entwicklung und gleichzeitig den Übergang in eine neue Phase.
Vor allem das Drama der MatterhornErstbesteigung, bei der vier der sieben Erstbesteiger in den Abgrund stürzten, rückte diesen neuen „Sport“ ins grelle Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit. Manche, wie auch Queen Victoria wollten das Bergsteigen verbieten, um kein Blut für Sinnlosigkeiten zu vergießen. Bei vielen wurde der Abenteuergeist aber gerade jetzt erst angefacht. Neue Herausforderungen warteten: Schwierigere Routen, Winterbegehungen - und: Das Bergsteigen ohne Bergführer. Bisher undenkbar, sich ohne der örtlichen Profis ins Gebirge zu wagen organisierte sich in die „Führerlosen-Bewegung“ im Alpenverein. Eine Generation urbaner, junger und waghalsiger Bergsteiger und Abenteurer wuchs heran. Dennoch nahm auch die Zahl jener Touristen, die sich den immer professioneller organisierten Bergführern anvertrauten, stetig zu.
Auf einem schwer bepackten Schimmel reitet ein eigentümlich anmutender, 40jähriger Professor der Anatomie, Chirurgie, Geologie und Botanik aus Krain (Slowenien) talaufwärts, der Möll entlang. Ein kleiner, stämmiger Mann, aber ein großer Geist seiner Zeit. Monatelang wird er alleine reisen, um die Erlebnisse und Erkenntnisse seiner „Lustreise“ später zu publizieren um die Gelehrten seiner Zeit für die Alpen zu begeistern. Vieles hat dieser im besten Wortsinn äußerst merkwürdige Universalgelehrte schon erlebt und erforscht. Der aus einem unteren Adelsgeschlecht der Bretagne stammende Mann diente im 7-jährigen Krieg (1756-63) als Regiments-Chirurg zuerst bei den Franzosen. Nach Kriegsgefangenschaften wurde er jeweils von den Gegnern in den Dienst gestellt. So hatte er bis zum Ende des Krieges für vier unterschiedliche Armeen gedient. Danach begab er sich auf eine Forschungsreise in den Kaukasus, erkrankte an der Pest, verlor Teile seines Gedächtnisses. Auf Empfehlung des Leibarztes von Maria Theresia erhielt er eine Stelle als Bergwerksarzt in Idrija (heute Slowenien). Als einer der herausragendsten Universalgelehrten seiner Zeit verfasste er Arbeiten im Gebiet der Anatomie, Botanik und Geologie, die noch Generationen von Forschern als Grundlagen dienten. Und: Er war wohl einer der ersten Bergsteiger und der erste Verfasser Alpiner Ratgeber-Literatur. Auch Johann Wolfgang von Goethe gehört zu seinen Lesern und wird sich auf seiner „italienischen Reise“ immer wieder auf Hacquet beziehen.
Als Hacquet 1779 das Mölltal erreicht kommt der - sonst eher trocken und wissenschaftlich Beschreibende - ins Schwärmen und bekennt: „Das Tal (...) war eins der angenehmsten, das ich (...) je gesehen habe“. Am Ende des Tales, in Heiligenblut angekommen, war er vom Anblick des Glockners überwältigt. „Ich habe noch niemals einen so hohen Berg so gespißt gesehen (…)“, schrieb er - und wollte weiter, bis „unter die Eisberge“. Bis zur Pasterze drang er vor. Dazu benötigte er fähige „Geleiter und Wegweiser“ und fand sie unter den einheimischen Bauern. Wohl kaum war ihnen bewusst, dass Sie damit einen neuen, für ihre Heimat sehr bedeutenden Beruf begründeten. Immer wieder drangen Wissenschaftler schon vor der Besteigung des Großglockners in den alpinen Raum vor, um ihre wissenschaftlichen Tätigkeiten zu verrichten.
1779 Belsazar Hacquet de la Motte, französisch-österreichischer Universalgelehrter bereist das erste mal das Mölltal und erreicht mithilfe heimischer „Geleiter“ die Pasterze.
1798 Graf Salm Reifferscheidt beauftragt den Bau einer Hütte beim Leiterkees die „Salmhütte“ - Basislager für die Erstbesteigung und erste Schutzhütte der Ostalpen
1781 Haquets Buch „Eine botatische Lustreise vom Berg Terglou (...) zum Glockner (...)“ erscheint und begeistert die Wissenschafts-Elite für die Berge.
1799 1. Glockner-Expedition erreicht am 25. August die Spitze des Kleinglockners und errichtet das erste Gipfelkeuz der Welt.
1797 Der Regensburger Botaniker Heinrich Hoppe bereist erstmals Heiligenblut und entdeckt die „Gamsgrube“ Er verbringt über 40 Sommer forschend in Heiligenblut. 12 / 15 0 Ja hre
Belsazar Hacquet de la Motte lebte zwischen 1740 und 1815 und war ein vielseitiger Naturwissenschaftler.
David Heinrich Hoppe lebte zwischen 1760 - 1846 und war ein deutscher Arzt, Botaniker und Apotheker, sowie Entomologe.
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Bilder links: (Nachgestellte Szenen aus dem Film von 2016) Solange es möglich war, wurde der Bischof per Kutsche an den Berg herangebracht. Ab Heiligenblut musste er dann auf ein Pferd wechseln, das ihn bis zu der nach ihm benannten Hütte im Leitertal brachte.
Bild links: Schon während der Erstbesteigung des Großglockners wurden etliche Männer aus der Gegend benötigt die die feinen Herren sicherten und begleiteten. 2. Reihe: Schon zu dieser Zeit verstand man geschickt, mit welchen Methoden man Personen am Berg sichern konnte.
Bild links: kolorierter Kupferstich der ersten Salmhütte im Leitertal 1799 Bild rechts: (Nachgestellt) Die Brüder Schmidl und Pfarrer Hautzendorfer am Gipfel des Großglockners
Wer war der Erste am Gipfel?
Die „Herren“ und ihre Führer:
Bereits die Erste Glockner-Expedition im Jahr 1799, bei der man den Kleinglockner erreichte, wurde als Riesenerfolg gefeiert, ja sogar zu den größten Errungenschaften des ausgehenden Jahrhunderts gezählt.
eine intensive und seltsame Beziehung
Natürlich hatte man bemerkt, dass es da noch eine zweite Spitze gab, die, dem offiziellen Bericht nach - „ungefähr gleich hoch war“. Nun, ein Jahr später, machte man sich daran, auch diesen zweiten Gipfel zu besteigen. Mit den Erfahrungen des Vorjahres gelang vieles leichter. Man hatte bereits ein gut eingerichtetes Basislager. Man lagerte dort im „Alpenpalast“ etwa 2 Wochen, hatte Zeit für ausgiebige botanische, geologische und physikalische Forschungen und Experimente. Der fürstbischöfliche Leibkoch verwöhnte die elitäre Gesellschaft kulinarisch, und „Champagner, Tokajer und Malaga quoll, als kelterte man sie vom nahen Gletscher“. Die Einheimischen bereiteten inzwischen den Berg vor, errichteten „am ersten Fels im Eis“ einen steingemauerten Unterstand, trugen Seile und Leitern auf den Berg. Am 28. Juli war es endlich so weit. Das Wetter war stabil, die Gesellschaft konnte aufbrechen. Mit Schlitten wurde Gepäck und auch der Fürstbischof über den Gletscher an den Berg herangezogen. In den steilen Passagen wurden Stangen in den Schnee gerammt und Hanfseile daran befestigt, an denen sich die edlen Herren bis zum Kleinglockner hinaufziehen und entlanghangeln konnten. Jene vier Bauern, die beim Befestigen der Seile und Leitern die Spitze bildeten, befanden sich indes bereits am Gipfel. Aus Sorge, dass bei Eintreffen der Gesellschaft die riesige Wächte am Gipfel
mitsamt den Männern hinabstürzen könnte, gruben sich die Brüder Martin und Sepp Schmidl aus Heiligenblut, gegenseitig am Seil sichernd, zum Fuß der Wächter durch, bis diese mit einem lauten Knall in die Nordwand stürzte. Zum Schrecken der Neugierigen, die von Heiligenblut aus das Geschehen verfolgten, und ein großes Unglück vermuteten. Nun, da der Gipfel „aufbereitet“ war, sollte auch die edle Gesellschaft herüber auf den Gipfel geholt werden. Denn eines war klar: Es musste schon mindestens einer der „Herren“ den Gipfel betreten. Doch nun wagte sich keiner der elf am Kleinglockner Wartenden hinunter in die furchterregende Glocknerscharte und über die Steilstufe zum Gipfel. Einer ihrer „Niedrigsten“ - der Pfarrer Hautzendorfer - musste sich schließlich opfern. Er war der einzige, den die Bauern bereits besser kannten, und so trauten sie sich, ihn unter Androhung von Zwang letztlich doch zu überreden. Hautzendorfer, aufs Schlimmste gefasst, ließ bei den Anderen seine Taschenuhr zurück, damit „wenigstens sein Nachlass nicht Schaden nehmen möge“, und ergab sich dem Schicksal und seinen Führern. So wurde er zum „Erstbesteiger“ des Großglockners. Dabei konnte er sich der Leitern, Seile und kräftigen Hände seiner Führer bedienen. So kann man aus heutiger Sicht wohl diese als die wahren Erstbesteiger bezeichnen.
Als Belsazar Hacquet Ende des 18. Jahrhunderts als Pionier des Bergreisens Heiligenblut besuchte, gab es den Begriff des „Bergführers“ noch nicht. Die Notwendigkeit verlässlicher „Geleiter“ stand für ihn aber außer Frage und er wusste die Vorzüge der Einheimischen zu schätzen. Auch hatte er eine Idee wie man einen guten Begleiter auswählt und gab diese als erster alpiner Ratgeber gerne weiter: „Wilddiebe sind die besten Geleiter; denn sie wissen sich aus den größten Gefahren herauszuhelfen, sie sind unermüdet, abgehärtet, können eine große Last tragen, wissen alle Schlupfwinkel ihres Gebirges, und man ist sicher, bei ihnen nicht zu verhungern.“ Weiters wusste er über die Ahnherren der Heiligenbluter Bergführer zu berichten: „Ihr Gang ist nicht schnell, aber kein Schritt fehlt ihnen, sie wissen nicht was glitschen oder schwindeln ist (...). Wenn irgend wo gesellschaftliche Menschen es im Klettern bis zur Unerschrockenheit und Sicherheit der Gemsen bringen, so sind es diese“ ... und analysierte als Professor der Anatomie: „(...) ihr Gebein ist von einem Bau, den nur Strapazen, rauhe Luft und Keeswasser hervorbringen können. Ihr Fleisch ist so ekicht und hart wie die Gebürge auf welchen sie leben. Es müsste die Karaiben
(angebl. Menschenfresser Anm.) verdrüssen anzubeissen, wenn sie so einen Kerl zum Schmause bekämen.“ Was sich auch aus Hacquets Schriften neben dem Amusement seiner Sprache noch gut herauszulesen lässt - den Einheimischen fehlte es weder an Fähigkeiten, noch an Technik oder Ausrüstung um den höchsten Gipfel zu besteigen. Da es aber jenseits des Firns und auf den Gletschern für sie bisher nichts zu gewinnen gab, und die tägliche Arbeit ohnehin hart genug war, wäre ihnen ein solches Ziel selbst nie in den Sinn gekommen. Nun aber kamen wohlhabende „Herren“, die so ein Ziel hatten. Sie schätzten die Verlässlichkeit, Leidensresistenz und Bedürfnislosigkeit der Gebirgler und waren fasziniert von ihren körperlichen Fähigkeiten. Trotz des sozialen Unterschieds begegneten sie ihnen daher mit Respekt. Und sie waren Willens und in der Lage, sie großzügig zu entlohnen. Aufgrund dieser besonderen Kompetenz kam es am Berg zu einer - vor allem für diese Zeit - bemerkenswerten Umkehr zwischen „Herren“ und „Knecht“. Auf die Notwendigkeit der Unterordnung unter den Führer weist auch Hacquet bereits hin, indem er den Bergreisenden rät, sie sollten „nicht den Doctor machen“.
1800
2. Glocknerexpedition, finanziert von Graf Salm-Reifferscheidt erreicht am 28. Juli erstmals den Gipfel des Großglockners.
1832/ Erzherzog Johann von Österreich besucht Heiligenblut, besteigt den nach ihm benannten 1834 Johannisberg. Er lässt bei der Gamsgrube die „Johannishütte“ - spätere „Hofmannshütte” erbauen.
1804
Der erste Tote am Glockner: Ein 17-Jähriger einheimischer Branntwein Träger erliegt bei der Salmhütte einer Alkoholvergiftung.
1846
Die Brüder Schlagintweit erforschen die Pasterze und erstellen die erste ganaue Karte.
1854
Am 12. Jänner gelingt dem Heiligenbluter Pfarrer Franz Francisci und dem Führer Liendl die erste Winterbesteigung des Großglockners.
1856
Kaiser Franz-Josef I. und Kaiserin Elisabeth besuchen Heiligenblut und die Pasterze.
1857
Sidonia Schmidl aus Rojach erreicht als möglicherweise erste Frau den Kleinglockner und wird von den Bergführern am Weitergehen zum Großglockner gehindert.
1859
Erstmals wird durch Franz Keil die Adlersruhe von Kals über das Ködnitzkees erreicht. Die erste Besteigung des Glockners von Kals gelingt wenige Tage später mithilfe eines Heiligenbluter Führers.
1805- Keine Touristen, keine Besteigung Großglockners, wahrscheinlich aufgrund politischer Wirren 1815 (Napoleonische Kriege) und der einsetzenden „kleinen Eiszeit“ 1818
Graf Salm Reifferscheidt besucht ein letztes Mal Heiligenblut und gibt die Wiedererrichtung der durch das Vorrücken des Gletschers demolierten Salmhütte in Auftrag. Ausserdem wird das erste Glocknerbuch im Wirtshaus von Heiligenblut aufgelegt. Hier sollen sich alle Glockner-Besteiger eintragen und ihre Erlebnisse schildern.
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Gründungs Urkunde von 1870 mit den Namen des Gründungskommitees
Bergführerehrung für besondere Rettungseinsätze 1932 v.li.: Valentin Unterkircher vlg. Ausserer Ponholzer, Jakob Schachner vlg. Himmler, Toni Golmitzer vlg. Unterberger, Anton Granögger vlg. Breimis, Hund Wachter
Formelle Bestätigung eines bereits etablierten Berufs:
Vereinsgründung Heiligenblut im Sommer 1870:
Heiligenbluter Bergführer um 1900 1. Reihe: Alex Granögger vlg Gsander, Josef Bernhardt vlg. Krandl, Veit Granögger vlg. Wernisch; Josef Bernsteiner vlg. Außerer Lackner, Georg Lackner vlg Turner; 2. Reihe: Hannes Lackner vlg. Pichlschuster, Anton Schmidl / Hois`n Toni, Johann Granögger vlg Bacherschuster; Jakob Pichler vlg Trojer, Nikolaus Aßlaber vlg Kohn; 3. Reihe: Josef Fleißner vlg Melcher, Ambros Tribuser vlg Tribuser, Georg Aßlaber vlg Stöffl; Josef Kellner vlg Pichlerbauer, Georg Lackner vlg Brandstätter
Eine Postkutsche, aus der Landeshauptstadt Klagenfurt kommend, rumpelt nach mehrtägiger Fahrt ihrer Endstation im hintersten Winkel des ebenso langen wie tiefen Gebirgstales entgegen. Der schmale, grobe Weg führt durch eine kleine Ansammlung von Gebäuden, eher ärmliche Hütten als Häuser, mit dunklen sonnenverbrannten Holzfassaden und kleinen Fenstern. Im Ortszentrum allerdings scheint alles neu - helle Lärchenschindel glänzen vom frisch gedeckten Kirchendach, das Pfarrhaus und das Wirtshaus sind neu erbaut, größer und komfortabler als zuvor. Fünfeinhalb Jahre ist es her, da war alles dem Feuer zum Opfer gefallen, auch die beiden wertvollen Glocknerbücher, in denen seit 1818 alle Reisenden ihre Erlebnisse festhielten. Nun aber scheint ein zaghaft optimistischer Wind der Zuversicht und des Aufbruchs durch das ebenso idyllische wie ärmliche Gebirgsdorf zu wehen. Man vertraut darauf, dass die „Glocknerfahrer“ in den Sommermonaten weiterhin diesen Ort besuchen um dem harten und kargen bergbäuerlichen Leben etwas Zuverdienst zu bringen.
Adelige, wohlhabende Bürger und Forscher aus aller Welt hat man hier schon begrüßt. Und es wurden immer mehr. Zuerst kamen jeden Sommer um die 50 Personen, inzwischen bewirtete man jedes Jahr schon über 300 „Fremde“. Sie kamen, um diesen Berg zu bestaunen, Pflanzen und Tierwelt zu erforschen, und einige wenige, um mit heimischen Führern den Großglockner zu besteigen. Spätestens seit 1856, als das junge Kaiserpaar Heiligenblut besucht hatte, war der Ort mit diesem außergewöhnlichen Berg für alle Abenteurer unter der gebildeten und wohlhabenden Elite Europas ein Sehnsuchtsort. Vielleicht waren solche „feinen Herren“ in der Kutsche. Von der großen Mappe mit Dokumenten, versehen mit dem landesfürstlichen Siegel, wird wohl kaum jemand Notiz gemacht haben: Die Gründungsurkunde samt ausführlicher Statuten des alpenweit erst zweiten Bergführervereins. Historisches wird erst im Laufe der Zeit und in der Rückschau erkannt.
Ein Jahr vor den Heiligenblutern, im Jahr 1869, hatte Johann Stüdl - auch Gründervater des Alpenvereins auf der anderen Seite des Glockners mit den Kalsern den 1. Bergführerverein der Welt gegründet. Das musste die Heiligenbluter Führer herausgefordert haben! Fast 60 Jahre lang hatten sie ein Monopol am Glockner, bis ab 1859 endlich auch ein direkter Anstieg von Kals aus möglich war. Die Kalser waren hervorragende Führer, verlangten aber wesentlich weniger Geld. Die Heiligenbluter hatten ernste Konkurrenz bekommen. Mit Ausnahme von Chamonix gab es zu dieser Zeit nirgendwo sonst in den Alpen so viel Erfahrung - die meisten hier waren bereits in der 3. oder 4. Generation als Bergführer tätig. Es war also höchste Zeit, dass sich die Pioniere des Alpinen Führungswesens nun auch formell organisierten und offiziell legitimieren ließen.
Zufall oder nicht? 28. Juli 1870 Gründung des Bergführervereins Heiligenblut
Am 28. Juli 1870, auf den Tag genau 70 Jahre nach der Großglockner-Erstbesteigung wurde vom Landesfürsten Lodron der Gründungsantrag bestätigt, den die Bergführer am 26. Mai eingebracht hatten. In der Gründungsurkunde werden nur die Mitglieder des Gründungskomitees namentlich genannt. Aus verschiedenen anderen Quellen können, ohne Vollständigkeitsgarantie, folgende Vereinsmitglieder in der Gründungsphase nachgewiesen werden:
Die Gründungsmitgleider: Anton Granögger (Obmann) Josef Tribusser Christof Pichler Mathias Aßlaber Martin Fritz Mathäus Granögger Veit Granögger Georg Bäuerle Anton Wallner Anton Lackner Johann Kramser
Im weiteren Verlauf der Geschichte dürfte der Verein durchgehend aus 15 - 20 Personen bestanden haben. In einem Protokoll aus dem Jahre 1903 finden sich 18 Mitglieder, ebenso viele wie 2020.
Vereinsfoto von 1920:
1867
Die Bergführer-Persönlichkeit Georg Wallner - vlg. Tausch Jörg, verunglückt im Lawinenwinter bei Waldarbeiten.
1869
Neubau „Johannishütte“ durch Johann Stüdl und Karl Hofmann. Nachdem Hofmann 1870 im deutsch-französischen Krieg fällt wird sie nach ihm in Hofmannshütte umbenannt .
1870
28. Juli - Gründung des Bergführervereins Heiligenblut
1876
17. August: Eröffnung des Glocknerhauses auf der Elisabethruhe durch den ÖAV. Es wird ein wichter Stützpunkt für die Heiligenbluter Bergführer.
1879
Bau der 2. Salmhütte durch den ÖAV Klagenfurt in eine Felshöhle unter dem Schwerteck
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Bild oben: Hofmannshütte ca. 1920 Bild unten: Die 3. Salmhütte ca. 1950
1. Reihe hinten: Josef Bernhard vlg. Krandl, Vinzenz Rupitsch vlg. Kalkschneider, Hannes Granögger vlg. Bacherschuster, Josef Lackner vlg. Brandstätter jun., Peter Oberdorfer vlg. Hansele, Georg Asslaber vlg. Stöfl, Anton Granögger vlg. Breimisch, Johann Rupitsch vlg. Brucknerle, Anton Wallner vlg. Rendl 2. Reihe: Christian Lackner vlg. Wegscheider, Lorenz Granögger vlg. Böheim, Georg Lackner sen. vlg. Brandstätter, Georg Lackner vlg. Turner, Veit Granögger vlg. Wernisch, Josef Bernsteiner vlg. Äusserer Lackner 3. Reihe vorne : Johann Lackner, Briefträger, Nikolaus Asslaber vlg. Kohn, Peterle Rupitsch vlg. Brucknerle jun., Josef Kellner vlg. Pichlerbauer, Ernst Kellner bei Hansele, Peter Rupitsch vlg. Bruckner, Nikolaus Wallner vlg. Jagele
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Führungspraxis zur Zeit der Vereinsgründung Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam das Reisen in Mode. Wer es sich leisten konnte folgte den Berichten der Erstbesteiger. - Adelige und das aufstrebende Bürgertum - wollte die Alpen erkunden. Um überhaupt in die Berge, ins Dorf im nächsten Tal zu gelangen, bedurfte es kundiger Führer. So waren nicht die Gipfelbesteigungen deren hauptsächliche Arbeit, sondern das Begleiten der ersten Touristen zu ihren Zielen, durch Gebirgstäler, Pässe und Übergänge. Wollte man etwa von Fusch über die Pfandlscharte oder das Hochtor nach Heiligenblut, bediente man sich selbstverständlich einheimischer Träger und Führer. Jeder, der heute eine Trekkingreise etwa in die Everest-Region unternimmt, wird diese Art des Reisens und Führens gut nachempfinden können. Ähnlich selten wie eine Everest-Besteigung bis in die 1990er Jahre waren auch die Glockner-Expeditionen im 19. Jahrhundert. Die etwa 4 - 5 Besteigungen, die jährlich stattfanden, war eine hochbegehrte und hochgezahlte Arbeit für die Führer, und nur den besten vorbehalten. Mindestens drei Führer und ein Träger wurde pro „Gast“ beschäftigt. Während der Besteigung war das ganze Dorf in Aufregung, im Garten des Pfarrers scharten sich die Touristen und Einheimische um das wertvolle, von Graf Salm einst gespendete Fernrohr und fieberten mit den Bergsteigern mit. Die erfolgreiche Rückkehr wurde im Dorf mit Böllerschüssen kundgetan und gefeiert.
Heiligenbluter Führer mit ihren Gästen auf der Pasterze nach gelungener Besteigung um 1930
Wie es am Berg selbst zugegangen ist, lassen wir am besten einen Zeitzeugen berichten: so eilt ein Führer voraus, um in das Eis der Kante Stufen einzuhauen oder in dessen Schneedecke zu graben, und ein anderer bindet dem Fremden ein Seil um die Mitte des Leibes, an welchem er ihn mit starker Hand emporziehen und im möglichen Falle des Ausglitschens über einem Abgrunde von mehr als 4000 Fuß schwebend erhalten muß. (...) Ist dieser Absturz mit festgefrornem Schnee bedeckt, so müssen an demselben Stufen eingehauen werden. Ist die Arbeit vollendet, so wird der Reisende von seinem Schneesitze abgeholt, und steigt nun, von dem obenstehenden Führer am Seile festgehalten, die Stufen abwärts, in die sein Fuß von der Hand des vorangehenden Führers eingesetzt werden muß.
Liegt aber weicher Schnee auf der Kante des Absturzes, so setzt sich der erste Führer auf der Höhe nieder, rutscht in sitzender Stellung, das rettende Seil um die Mitte, in die Scharte hinunter, und gräbt so mit seinem Körper eine Rinne in den Schnee. Durch diese Rinne muß nun der Fremde die Rutschfahrt in der Art wiederholen, daß er seine Füße fest an die Achseln eines Führers anstemmt, der ihm „vorrutscht” (...), während (...) der obenstehende Führer den abwärts gleitenden Fremden vor einem Sturze sichert. Oben müssen wieder Sitze in den Schnee gegraben werden, um ein Ruheplätzchen zu gewinnen (...)
“Man weilt hier gewöhnlich eine Stunde (...) und versenkt die Seele in die Majestät der Rundschau.“
Glocknerbesteigung 1911
1876
18. August: Erstbegehung der Pallavicinirinne durch die Führer Josef Tribusser, Johann Kramser und Georg Bäuerle mit Markgraf Alfred Pallavicini. Die erste Wiederholung gelang erst 23 Jahre später durch die Kalser Führer Alfred Kehrer und Paul Schnell mit V. Pillwax (21.8.1899)
1879
Aufstellung des Gipfelkreuzes durch den Alpenclub und die Kalser Bergführer. Das sog. „Kaiserkreuz“ wird anlässlich der Silberhochzeit des Kaiserpaares gespendet.
1886
Juli: Markgraf Pallavicini, sein Freund Crommelin und die Kalser Führer Rubisoier und Rangetiner stürzen tödlich durch Wächtenbruch ins innere Glocknerkar. Die Heiligenbluter Führer übernehmen die Bergung.
1908
Der ÖAV lässt eine befahrbare Straße von Heiligenblut zum Glocknerhaus errichten Die Kaiserin Elisabeth Großglocknerstraße.
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Bilder von links: Faradeischer Käfig als Blitzschutz-Unterstand am Gipfel Glocknerhaus um 1920 Erzherzog Johann Hütte im Urzustand erbaut 1870
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Die Bergführerfahne
Fahnenpatin Hannelore Pichler
Fahnenweihe 1935 Bild oben li.: Susi Pichler trägt die Schärpe als erste Fahnenpatin.
Hans Glantschnig und Peter Suntinger 1980 mit der Gipfelseite der Bergführer Fahne
Fahnenpatin Hannelore Pichler erzählt Als schlesisches Flüchtlingskind kam ich über Bayern sowie New York USA wegen meiner seit Kindheit gefühlten Begeisterung für die Bergwelt nach Heiligenblut. Hier fand ich 1965 meine große Liebe Hans Pichler und eine neue Heimat in einer Familie, die enge Verbundenheit zu den Bergführern hatte. Denn schon die Großmutter meines Mannes, Rosa Pichler hatte das alte, 1858 erbaute Bergführer Häusl mitten im Ortskern bewirtschaftet. Sie begann Touristen, Bergsteiger und Träger für die Bergführer zu vermitteln. Das Bergführer Häusl war damals wohl Österreichs erste Outdoor Agentur. Ein Erbe welches die Geschichte unserer Familie und des ganzen Dorfes maßgeblich beeinflusste. Wegen der 1933 verhängten 1000 Marksperre brach der Tourismus im ganzen Land völlig zusammen. Durch den Bau der Großglockner Hochalpenstraße schöpfte die damalige Bevölkerung neue Hoffnung und Mut auf bessere Zeiten. Zur Eröffnung und Einweihung 1935, der in dieser schwierigen Zeit gebauten gigantische Alpenübergang, wollten sich auch die Glockner Bergführer entsprechend präsentieren. Eine Fahne, Symbol der Solidarität und Zusammengehörigkeit sollte im Besonderen das Heimatgefühl stärken und zum Ausdruck bringen. Meine Schwiegermutter Susi Pichler, Vollblut Glocknerwirtin und der
damalige Obmann Josef Lackner vlg. Brandstätter begannen am Bergführer Stammtisch mit den Kollegen die Anschaffung einer Fahne mit Begeisterung umzusetzen. Das war in der wirtschaftlich großen Notzeit kein leichtes Vorhaben. Mit Herrn Pfarrer Leo Nuschei und Susi Pichler wurde die Basis der schwierigen Finanzierung gelegt. Spender konnten sie, wie es die 105 Dankesplanketten an der Fahnenstange bezeugen, gewinnen. Die Fahne ist ein Unikat, mit handbemalten und aufwendig gestickten Bildern von Heiligenblut und dem Großglockner. Am 15. September 1935 konnte dieses ersehnte Symbol unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung, bei herrlichem Wetter eingeweiht werden. Die Glocknerwirtin Susi Pichler wurde erste Fahnenpatin. Dieses Amt führte sie treu, gewissenhaft und mit viel Freude 44 Jahre aus. Durch ihre Altersbeschwerden wollte sie ihr Fahnenpatinen Amt in jüngere Hände weitergeben. Wie sie mir später erzählte, hat Gatte Hans sen. ihr den Tipp gegeben doch mir dieses Amt anzuvertrauen. Er meinte ich würde mich als „Zugraste“ dann in Heiligenblut noch heimischer fühlen. Für mich bedeutete das eine große Anerkennung und eine wunderbare Herausforderung. Mit so einer Ehre hatte ich nie im Leben gerechnet. 1979 wurde ich offiziell bei einer Feier im Hotel
1935 Einweihung der Fahne des Bergführervereins mit Fahnenpatin Susi Pichler 1936 Errichung eines Bergführerhauses am Kaiser-Franz-Josefs-Haus 1945-49 Heiligenbluter Bergführer bilden englische Soldaten aus. 1949 Neugründung des Bergführervereins nachdem alle Vereine während der Besatzungszeit in Heiligenblut aufgelöst wurden 1963 Gründung des Österreichischen Berg- und Skiführerverbandes in Heiligenblut 1971 Bergführer Friedl Damith verunglückt am Kleinglockner tödlich durch Blitzschlag. Bild oben:
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das Bergführerhaus (li. oben) beim Franz-Josefs-Haus Foto unten: 100 Jahre Glocknerhaus 1979 Josef Lackner vlg. Brandstätter, Peter Rupitsch, Josef Granögger vlg. Gletscherblick, Susanne Pichler, Günter Damith, Hermann Tribuser, Alex Granögger vlg. Breimis
Besondere Erlebnisse waren drei Glocknerbesteigungen, das Erklimmen der Marmolata und Besuche großer Veranstaltungen in Wien, Tirol, Salzburg und Kärnten. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.
die Dorfseite der Bergführer Fahne
Glocknerhof von allen 16 Bergführern als neue Fahnenpatin willkommen geheißen. Dieses Amt führte ich natürlich mit großer Freude aus. Es war ja schon als Kind meine Sehnsucht in den Bergen zu leben. Außerdem bin ich dem Zauber dieses einzigartigen Ortes Heiligenblut verfallen. Ein Grund, auch warum ich mir schon Jahre zuvor eine original Heiligenbluter Lodentracht nach dem Muster von Traudl und Nani, vlg. Schmied am Bach, zwei besonderen Heiligenbluter Originalen, anfertigen ließ. Sie waren die einzigen Bäuerinnen im Dorf, welche diese alte Tracht noch regelmäßig zum Kirchgang trugen. Damit konnte ich die Bergführer mit ihrer wunderschönen Fahne 40 Jahre lang würdig begleiten. Durch das Amt der Fahnenpatin hatte ich immer wieder die Möglichkeit hohe Persönlichkeiten und vor allem Österreich bei verschiedenen Anlässen gut kennen zu lernen. Beeindruckt und gut getan hat die Akzeptanz und der respektvolle Umgang der Bergführer mit mir. Auf viele Gipfel haben sie mich mitgenommen. Gruppenfoto 1965, Fotograf: Hans Senger, 3. Reihe v.li.: Johann Pichler vlg. Trojer, Josef Lackner vlg. Brandstätter, Josef Granögger vlg. Gletscherblick, Emmerich Lackner vlg. Hauserbauer, Anton Golmitzer, Ernst Kellner vlg. Hansele, 2. Reihe mitte v.li.: Hannes Lackner vlg. Kropf, Valentin Unterkircher vlg. Ausserer Ponholzer, Josef Lackner sen. vlg. Brandstätter, Susi Pichler Glocknerwirtin, Friedl Fleißner sen. vlg. Ging, Peter Rupitsch vlg. Waldhäusl, 1. Reihe vorne v.li.: Günter Damith, Helmut Damith, Hermann Tribuser vlg. Hieser, Friedl Fleißner vlg. Ging
Bis zur Übernahme der Fahne in meine Obhut 1979 bewahrte der Obmann Josef Lackner, „Brandstätter Vater“, diese Kostbarkeit unter seinem Ehebett auf, an dem, seiner Meinung nach sichersten Platz. Zweimal wurde die Fahne seit 1935 aufwändig restauriert und gereinigt. Am 26. Jänner 2020, nach 40 Jahren konnte ich meine Fahnenpatinenschaft an meine Schwiegertochter Barbara Schader Pichler übergeben. Es war ein feierlicher Abend mit den Bergführern und ihren Partnerinnen in der Nationalpark Lodge Großglockner, jenem historischen Ort, wo das damalige Bergführer Häusl stand. Der lieben Barbara wünsche ich genau so viel Freude mit dem Amt wie ich es so viele Jahre hatte.
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Bilder links: Kirchgang zur Einweihung der Tracht am 16.11.1980 Bild rechts oben: Lustiges Beisammen mit LH Peter Ambrozy 1988 Bild rechts Mitte: 150 Jahrfeier der Kalser Bergführer im Jahr 2019
Heiligenbluter Bergführer zur Einweihung der neuen Bergführertracht am 16.11.1980 1. Reihe vorne v.li.: Hermann Tribuser, Felix Lackner, Hans Glantschnig, Engelbert Gassner, Günter Damith 2. Reihe: Peter Suntinger, Sepp Granögger, Friedl Fleißner, Hannelore Pichler, Sepp Lackner sen. Brandstättervater, Susanne Pichler, Peter Rupitsch, Emerich Lackner, Friedl Fleißner sen. 3. Reihe hinten: Sepp Glantsching, Sepp Lackner vlg. Brandstätter, Hans Pichler vlg. Trojer
Die Bergführertracht Fahnenpatin Hannelore Pichler erzählt Die einheitliche Bergführerbekleidung, welche bei der Einweihung der Fahne 1935 getragen wurde, ging im Laufe der Zeit verloren. Jeder trug ein unterschiedliches Gewand. Bei einer Veranstaltung im Kärntnerhof meinte der Bergführer Hermann Tribuser, dass sie einheitlich gekleidet zu mir in meiner Heiligenbluter Tracht dazu passen sollten. Das war der Anstoß mich ernsthaft mit diesem Anliegen zu beschäftigen. Fotos meiner Schwiegermutter von der Fahneneinweihung 1935 und Gewand aus den Truhen von Altbergführer Peter Rupitsch dienten uns als Muster. Eine hitzige Diskussion gab es um die weißen, unter der kurzen Lodenhose getragenen „Lampas“. Glantschnig Sepp, der damalige Obmann und Hüttenwirt auf dem Sonnblick war wie ich der Meinung, dass eine Bekleidung nach Väter Art das Richtige wäre.
Die Altbergführer haben uns begeistert beigepflichtet und die Jungen auch dazu überzeugt. Nun begann die Suche nach Handwerkern, welche die Kleidungsstücke noch originalgetreu herstellen konnten. Für’s Gewand und den Hut fanden wir die, für Musiktrachtenherstellung bekannte, Firma Just in Wien. Schwieriger war eine Strickerin zu finden, welche die besonderen Tuttenstrümpfe noch anfertigen konnte. Nach mehreren vergeblichen Strickversuchen fanden wir Theresia Schmidl vlg. Stoffer, welche dieses Strickmuster noch beherrschte. Die alten originalen Bergschuhe fertigte unser Heiligenbluter Schuster Hermann Lackner (vlgo Zeschg) an. Ich kann mich noch gut an die lustigen aufregenden Anproben erinnern, in unserer engen Wohnung im Kaufhäusl mit all den 16 Bergführern. Schon dabei kam eine große Vorfreude bei den Alten und
Jungen Mandern auf, weil sie sich bei jeder weiteren Anprobe besser gefielen. Endlich war es soweit! Am 16. November 1980 konnten wir mit Herrn Pfarrer Ernst Kabaser die neue Tracht feierlich einweihen. Beim Einzug in die Kirche bekamen wir von der Bevölkerung einen riesen Applaus. Die lokalen Zeitungen waren voll von Berichten über die gelungene Tracht. Ich war sehr gerührt, dass sie so einen Anklang fand und konnte wieder ruhig schlafen. Anfangs sind die Männer noch mit Stackelstecken ausgerückt. Edenbauer Moidl spendierte original Langstiel Eispickel wie sie in den 30er Jahren verwendet wurden. Alles andere haben die Bergführer selbst finanziert. Fahne und Tracht symbolisieren die starke Einheit der Heiligenbluter und Großkirchheimer Glockner Bergführer. Die Bergführer 2020 - v.li.: Georg Schiechl, Ambros Unterkircher, Alfred Steiner, Martin Glantschnig, Peter Suntinger, Hias Lackner, Barbara Schader-Pichler, Martin Daberer, Ernst Rieger, Stefan Rieger, Peter Zirknitzer, Toni Sauper, Hias Tribuser, Friedl Fleissner, Hans Pichler, Hans Glantschnig, Felix Lackner
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Hofmannsweg um 1930 und um 2015, der sich stark verändernde Pasterzen- und Hoffmannsgletscher zwang die Heiligenbluter Bergführer dazu, ab dem Jahr 2000 wieder über den Weg der Erstbesteiger Leute auf den Großglockner zu führen.
Bergführen im Wandel des Klimas und der Zeit 1970er - 1980er - Blütezeit der Hofmannshütte und des Hofmannswegs
In den 1970er und 1980er Jahren wurde der Großglockner hauptsächlich von der Nordseite über den „Hofmannsweg“ bestiegen. Der Heiligenbluter Bergführer Günter Damith bewirtschaftete die Hofmannshütte und übernahm dort die Bergführervermittlung. Täglich starteten dort etwa 5-6 Bergführer mit jeweils bis zu 5 Gästen. Durch den Gletscherrückgang verlagerte sich der Startpunkt immer mehr zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe und zur Gletscherbahn. Die Bergführervermittlung wurde nun im Heiligenbluter Tourismusbüro installiert. Einen Höhepunkt an medialer Aufmerksamkeit bekam der Großglockner 1975. Mit großem Aufgebot beging man das 175-Jahr Jubiläum der Großglockner-Erstbesteigung und stellte diese in Originalausrüstung nach.
Besucherrekorde in den 1990er Jahren
Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs erlebte der Großglockner wohl einen Höhepunkt an Besuchern. Der Großglockner war ein Magnet für die Bergsteiger und Abenteurer aus dem ehemaligen Osten. Die meisten in völliger Unkenntnis über alpine Gefahren und mit teilweise katastrophal schlechter Ausrüstung. Da diese „neuen“ Bergsteiger durchwegs ungeführt unterwegs waren, gab es in diesen Jahren leider auch traurige Rekorde an Unfällen und Todesopfern. Aus dieser Zeit stammen auch die meist aufgebauschten Berichte über „Staus“ am Glockner. Damals wesentlich häufiger als heute kam es punktuell zu chaotischen Zuständen. Ausgelöst weniger durch die hohe
Zahl der Bergsteiger als durch wenige unerfahrene, überforderte und meist viel zu große Seilschaften. Ein ORF-Dokumentarfilm über einen Tag am Glockner Mitte August prägte das Image des Berges jahrelang. Die Folge davon waren weitere „ungeführte“ Bergsteiger, mit verzerrten Vorstellungen über die Eigenschaften, Gefahren und der Komplexität dieses Berges.
Der Hofmannsweg wird Opfer des Klimawandels
Durch den Gletscherrückgang wurde nicht nur der Weg über die Pasterze länger und beschwerlicher, sondern vor allem die Querung des Hofmannskees immer steiler und zunehmend gefährlicher. Man nahm die Veränderung wahr, konnte sich aber nicht vorstellen, dass dieser Anstieg bereits in wenigen Jahren nicht mehr möglich war. Bergführer Ernst Rieger erkannte die Zeichen und drängte schon Ende der 1990er Jahre darauf, den „Weg der Erstbesteiger“ über die Salmhütte zu revitaliseren. Der Steig über die Stockerscharte war halb verfallen und in der Hohenwartscharte waren im oberen Teil noch Reste uralter Eisenketten, im unteren Teil keine Versicherungen vorhanden. Anlässlich des 200-Jahr Jubiläums der Erstbesteigung im Jahr 2000 wurde dieser Anstieg saniert. So wurde dieser älteste Anstieg bald zum „neuen“ Normalanstieg von Heiligenblut aus. Die Salmhütte wurde dadurch - nach jahrzehntelangem Schattendasein - wieder zum wichtigsten Stützpunkt der Heiligenbluter Bergführer. Gipfelfoto bei der Nachverfilmung der Erstbesteigung des Großglockners 1975: v.l.n.r.: Anton Wallner, Josef Asslaber, Günter Damith, Hubert Sauper, Josef Glantschnig Die Heiligenbluter Bergführer vor der Erzherzog Johann Hütte 1975, v.l.n.r.: Hans Pichler vlg. Trojer, Hermann Tribuser, Hans Glantschnig, Günter Damith, Josef Lackner, Friedl Fleißner, Josef Glantschnig
Unserer derzeit jüngster Bergführer Christopher Perchtold in der Route Nangiala M8+ in der Zirknitzgrotte bei Großkirchheim
Bergführen heute
Die Zukunft des Vereins
Für die Heiligenbluter BergführerInnen spielt der Großglockner natürlich seit jeher eine zentrale Rolle. Was jedoch nicht bedeutet, dass sie sich nicht auch in Bergen der Welt als kundige Führer bewegen und bewähren. Wie alle staatlich geprüften Berg- und Skiführer sind sie in allen alpinen Disziplinen und für alle alpinen Abenteuer bestens vorbereitet und so sind sie auch in klassischen oder auch in extemen Westalpen-Touren, Skitouren im Hohen Norden, geführte Touren im Himalaya usw. immer wieder anzutreffen. Häufig werden aus zufriedenen Kunden am Glockner langjährige Stammgäste und Freunde, die dann viele alpine Abenteuer mit „ihrem“ Heiligenbluter Bergführer unternehmen. Ein Beispiel ist die wohl erste geführte Gesamt-Skidurchquerung der Alpen von Wien nach Nizza durch Martin Glantschnig.
Der Generationswechsel scheint in den 150 Jahren Vereinsgeschichte immer recht gut funktioniert zu haben - denn der Mitgliederstand blieb mit 15 - 20 Mitgliedern über all die Jahre sehr stabil.
Eine Bergführerin verstärkt das Team
Gerade weil der Bergführerberuf (leider) männerlastig ist, freut sich der Bergführerverein Heiligenblut das Lisi Fürstaller das Team nicht nur als ebenso professionelle wie beliebte Bergführerin verstärkt, sondern ebenso bei vielen Arbeiten für den Verein, etwa bei Wegsanierungen, Absicherungsarbeiten mit vollem Engagement dabei ist. unten links: Georg Schiechl 1990 zum Beginn der Jugendarbeit mit den heimischen Kindern, die bis heute weitergeführt wird.
Auch heute scheint es recht gut zu funktionieren
Zur Erlangung des Bergführer-Berufs bedarf es heute eines sehr hohen Niveaus an alpinistischem Eigenkönnen, um nach selektiver Eignungsprüfung eine 3-jährige, fordernde Ausbildung zu absolvieren. Seit den 1980er Jahren wird seitens des Bergführervereins und einzelner Bergführer aktiv in die Jugendarbeit investiert, es wurden Klettergärten und Eisklettergärten erreichtet (Stets in Zusammenarbeit mit Partnern wie Bergrettung, Alpenverein, Gemeinden...). Die Zirknitzgrotte in Großkirchheim entsand in den 1980ern der wahrscheinlich erste Eisklettergarten Österreichs (auf Initiative von Leo Baumgartner) heute ist sie ein beliebter Treffpunkt der Dry Tooling-Spezialisten. Neben allen aktiven Bemühungen um den alpinistischen Nachwuchs scheint der wichtigste Beitrag wohl die eigene Freude und Begeisterung aller Mitglieder des Bergführervereins für ihren Beruf zu sein. Und das Bewusstsein und die tiefe Verbundenheit mit der Tradition dieses Berufs.
So wird seit Generationen im Bergführerverein Heiligenblut nicht die Asche, sondern das Feuer weitergetragen hoffentlich für weitere 150 Jahre!
1975
Jubiläumsfeier 175 Jahre Erstbesteigung
1976
100 Jahre Jubiläum Glocknerhaus
1997
Fahnenübergabe an Fahnenpatin Hannelore Pichler
1980
Einweihung der neuen Bergführertracht
1999
Wegsanierung zur Salmhütte, Wiederbelebung des Weges der Erstbesteiger als neuen Normalweg von Heiligenblut
2000
Jubiläumsfeiern zu 200 Jahre Erstbesteigung, Renovierung des Gipfelkreuzes
2020
Hannelore Picher übergibt die Fahnenpatenschaft an Barbara Schader-Pichler
24 / 15 0 Ja hre
Auch in den Westalpen sind unsere Bergführer immer wieder tätig, wie hier am Teufelsgrat am Mont Blanc Tacul in Chamonix.
Die Salmhütte mit ihrer Erweiterung, die im Jahr 2019 eröffnet wurde.
oben rechts: Georg Schiechl und Martin Daberer bei der Sanierung des Klettersteigs auf die Hohenwartscharte. unten links: Unsere Bergführerin Elisabeth Fürstaller in der Arbeitskleidung des Vereins. unten rechts: Martin Glantschnig und Michael Geiger bei ihrer Ankunft in Nizza nach der Überquerung des Alpenbogens mit Tourenski.
1 5 0 Jah re / 2 5
Bergführer Hans Glantschnig birgt 1982 einen zufällig entdeckten Alleingänger aus der Spalte. Das Opfer überlebt unverletzt, die nötige etwas rustikale Bergung bringt Hans Kritik der „Zuschauer“ ein...
Heiligenbluter und Kalser Bergführer
In den letzten Jahren gab es 2 schwierige Einsätze wegen verletzter Personen in der Pallavicinirinne die durch die Mithilfe der Bergführer erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Flugzeugabsturz untere Glocknerscharte in den 1980er Jahren. Nachdem 2 Opfer geborgen wurden verschwand das Flugzeugwrack spurlos im Gletscher. Erst Heute werden erste Teile sichtbar.
Bergführer Friedl Fleißner, langjähriger Obmann der Bergrettung Heiligenblut von 1994 bis 2008
Aus Konkurrenten werden Partner und Freunde Bis 1856 - also 56 Jahre lang hatten die Heiligenbluter Bergführer den Glockner für sich allein. Nachdem der Anstieg auch über das Ködnitskees von Kals aus möglich war, gab es ernste Konkurrenz. Die Kalser waren kompetent - und günstiger! Während die Heiligenbluter auf 3 Führer pro Gast bestanden und 10 Gulden pro Führer verlangten, boten die Kalser die Besteigung mit nur 2 Führern um je 6 Gulden an. Anfängliches Heruntermachen der neuen, unliebsamen Konkurrenz war erfolglos und so dürfte der Umgang untereinander in den Anfangsjahren wohl bestenfalls distanziert gewesen sein. Im Lauf der Jahre dürften sich sowohl die Tarife als auch die Führer angenähert haben. Schwierige Situationen am Berg, gemeinsame Bergungen und gemütliche Abende auf der Adlersruhe werden dazu beigetragen haben, dass sich allmählich eine Partnerschaft und dann zunehmend Freundschaften unter den ehemaligen Konkurrenten entwickelt haben. Diese Freundschaft unter den beiden ältesten Bergführervereinen Österreichs hat sich bis heute intensiviert und wird ständig unter Beweis gestellt: Bei gemeinsamer Arbeit am Berg, bei Wegerhaltungs- und Absicherungsarbeiten und Bergrettungseinsätzen.
Auch die regelmässigen gemeinsame Veranstaltungen dienen der aktiven Freundschaftspflege:
Das Seilrennen:
Ein Riesenslalom, der zu zweit am Seil bestritten wird. Nach der Siegerehrung findet ein großes Fest mit Musik und Tanz statt. Die Einnahmen daraus werden für die im Jahr darauf folgende Einladung des jeweiligen Partnervereins verwendet:
Die Bergführergungl:
Ein gemütlicher und munterer gemeinsamer Abend der Kalser und Heiligenbluter BergführerInnen, mit ihren Partnern und den Hüttenwirten, mit Essen, Musik und Tanz.
Gemeinsames Arbeiten am Berg:
Wegerhaltung und Absicherungsarbeiten am Glockner werden großteils von den Kalser- und Heiligenbluter Bergführern durchgeführt und von den Vereinen mitfinanziert gemeinsam mit dem Alpenverein, den Gemeinden und dem Nationalpark Hohe Tauern.
Bergrettungseinsätze: Da die Bergführer meist bereits vor Ort sind, sind sie bei Notfällen oft die Ersten, die - vor allem bei Schlechtwetter oder Nacht - Hilfe leisten können.
Die Bergführer im Dienste der Bergrettung Alle Heiligenbluter Bergführer sind auch Mitglieder der Bergrettung Heiligenblut. Die meisten haben dort ihren Werdegang begonnen und die erste fundierte Ausbildung erhalten. Dass sie dann nach erfolgreichem Abschluss der Berg- u. Skiführerprüfung ihre Kenntnisse und Fertigkeiten aktiv, oft führend in den ehrenamtlichen Dienst der Bergrettung stellen, empfinden alle als selbstverständlich. Bergführer Friedl Fleissner beispielsweise war über viele Jahre Obmann der Bergrettung Heiligenblut. Diese verfügt nicht nur flächenmässig über riesiges Einsatzgebiet, sondern wohl auch über eines mit den größten technischen Herausforderungen. Durchwegs hochalpines Gelände, riesige Gletscherflächen und die beliebten aber schwierigen Nordanstiege des Großglockners bringen immer wieder Einsätze im Grenzbereich mit sich. Auch hier ist sehr oft die gute Kooperation mit den Bergführerkollegen und der Bergrettung Kals ein großer Vorteil. Friedls konnte mit seiner Kompetenz und Besonnenheit als Einsatzleiter oft schwierigste Einsätze zu einem guten Abschluss bringen.
Wir danken unseren Sponsoren und Spendern
Bilder oben: Das Bergführer Seilrennen bildet ein Highlight im Jahr der Vereine Kals und Heiligenblut. Bild links: Christoph Bacher und Michael Amraser mit einem Seil verbunden beim Seilrennen Bild mitte: der Wanderpokal ist ein Gemälde (nach Otto Barth) bei der Preisverleihung beim Seilrennen. Bild rechts: Harmonisches Beisammensein der Bergführer von Kals und Heiligenblut
Grohag | Nationalpark Hohe Tauern Kärnten
Gesellige Abende in der Küche auf der Erzherzog Johann Hütte einst und heute. Der Grundstein für das gute Auskommen zwischen den zwei Vereinen.
Gemeinde Heiligenblut | Raiffeisenkasse Oberes Mölltal
Riepler Toni, Hüttenwirt der Erzherzog Johann Hütte Tischlerei Krainer | Lagler Angelika
Auch eine Firma bildete sich in den letzten Jahren aus den Mitgliedern der beiden Vereine. Christian Riepler/Kals und Martin Glantschnig/Heiligenblut gründeten 2017 die Filmfirma Berg im Bild OG, die sich im Bergfilmbereich einen Namen gemacht hat.
26 / 15 0 Ja hre
Landtagsabgeordneter Alfred Tiefnig
Auch heute ist die Bergrettung Heiligenblut unter Obmann Harald Rader bestens organisiert leistet mit der „Kinderbergrettung“ aktive und großartige Nachwuchsarbeit. Davon wiederum profitiert auch der Bergführerverein. Bergrettung und Bergführer bilden in Heiligenblut seit jeher eine gelungene Symbiose. Für die Bergführer, die ständig am Berg unterwegs sind, ergeben sich zusätzlich zu den planmässigen Einsätzen häufig Situationen, in denen sie als Ersthelfer am Berg gefordert sind. Nicht selten rücken die Kalser, Heiligenbluter aber auch Bergführer aus ganz Österreich, die gerade auf der Adlersruhe sind, gemeinsam bei Nacht und schlechtem Wetter aus, um in Bergnot geratenen zu helfen. Ohne dem schnellen Eingreifen der anwesenden Bergführer hätte es am Großglockner wohl zahlreiche zusätzliche Todesopfer gegeben. Hilfreich dabei ist auch der Umstand, dass sowohl der vorige und der heutige Hüttenwirt (Peter Tembler und Toni Riepler) Kalser Bergführerkollegen sind und als Einsatzleiter der Kalser Bergrettung die Glockner-Einsätze mit größter Übersicht kompetent leiten.
Impressum: Bergführerverein Heiligenblut Obmann Suntinger Peter, Untertauern 10, 9844 Heiligenblut, September 2021 www.grossglockner-bergfuehrer.at Redaktion: Anton Sauper, Martin Glantschnig Fotos/Bilder: Sammlung Bergführerverein Heiligenblut, Bergführer Privat, Hannelore u. Hans Pichler, Gabriele Pichler, Creative Commons, Martin Glantschnig Grafik: gp@gabrielepichler.com 1 5 0 Jah re / 2 7
1.Reihe:
Josef Lackner mit Gast, Mathias Tribuser, Peter Rupitsch, Johann Pichler, Peter Suntinger mit Gast, Josef Glantschnig mit erstem D-Netztelefon
2. Reihe:
Johann Pichler, Engelbert Gassner, Ernst Rieger, Johann Glantschnig und Hermann Tribuser bei der Hofmannshütte, Martin Daberer und Engelbert Gassner
3. Reihe:
Georg Schiechl, Die Bergführer von Heiligenblut in ihrer aktuellen Arbeitskleidung, Johann Glantschnig und Günter Damith
4. Reihe:
Josef Glantschnig, Hermann Tribuser mit Gast auf der Pasterze
5. Reihe:
Felix Lackner, Ernst Rieger, Johann Glantschnig und Friedl Fleißner mit dem Glocknerkreuz in Heiligenblut anlässlich der Restaurierung, Josef Lackner und Hannelore Pichler 1984, Johann Glantschnig und Hannelore Pichler
6. Reihe: 28 / 15 0Peter JaZirknitzer, hre Josef Lackner, Hannelore Pichler, Friedl Fleißner Sen. und Josef Granöger, Gruppenfoto anlässlich der Übergabe der Fahnenpatenschaft, Friedl Fleißner