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Fruchthandel Magazin - Ausgabe 02/2026

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02 I 2026

Halle 5.2 Stand A-50 Offizieller Kooperationspartner der FRUIT LOGISTICA 2026

In dieser Ausgabe: Beihefter „Obst und Gemüse aus Flandern”

ZUKUNFT IM FOKUS: INNOVATIONEN, KI UND NACHHALTIGE VERPACKUNG PPWR rückt näher: Harmonisierung geplant, Rechtsunsicherheit und Mehraufwand bleiben

WARENKUNDE

DEUTSCHLAND

Topinambur im Blickpunkt S. 28

Überlebt der Beerenanbau? S. 32


Berlin 4|5|6 Feb 2026

LET’S GROW!

Innovation. Interaction. Inspiration.

The leading trade show for the global fresh produce business.

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INHALT

FHHGGG

N. 02 I 2026 16. JANUAR 2026

06 AUFTAKT 06 Lebensmittelverband: Bürokratieabbau darf kein Versprechen bleiben

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07 Dreiköpfiger Vorstand soll BayWa AG in die Zukunft führen

08 VERPACKUNG & TECHNIK 08 PPWR rückt näher: Harmonisierung geplant, Rechtsunsicherheit und Mehraufwand bleiben

10 Sorma kündigt neue Maßstäbe bei optischer Sortierung und Verpackung an

12 Lorentzen & Sievers: Zukunft der Verpackung und Integration in die PRODINGER Verpackung

13 Drei Fragen zur Integration von Lorentzen & Sievers in die PRODINGER Verpackung

14 Vom Abfall zum Werkstoff: Wie Obst- und Gemüseabfälle zu nachhaltigen Materialien werden sollen

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17 Frische im Fokus: ULMA Packaging auf der FRUIT LOGISTICA 2026

17 Forschungsraum an der FH Wedel stärkt städtische Landwirtschaft der Zukunft

18 Dresdner Verpackungstagung: Regulierung und Recycling im Spannungsfeld

20 FRUIT LOGISTICA INNOVATION AWARD 2026 20 Das sind die nominierten Innovationen

22 KI & DIGITALE LÖSUNGEN 22 Trend Report 2026: Ctrl+Alt+Refresh – Wie KI die globale Obst- und Gemüsebranche revolutioniert

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24 Neolithics: Friedhof der Beeren 25 Wenn Pflanzen messbar werden: Was Sensoren und KI für die Versorgungskette bedeuten

26 ATB: Lebenslauf der Früchte beobachten und lenken

28 WARENKUNDE 28 Fachinformationen rund um Topinambur

32 DEUTSCHLAND 32 Überlebt der Beerenanbau in Deutschland? 34 AMI: Gemüse war seltener in den Werbezetteln des LEH

36 FORSCHUNG 36 Australien: Kaffeesatz hilft Heidelbeeren, länger frisch zu bleiben 37 Online-Plattform: EU-FarmBook offiziell gestartet

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38 SCHLUSSPUNKT 38 Forschung: Durchbruch bei Produktivität und Trockenheitstoleranz von Maniok

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Titelfoto: Heinz

RUBRIKEN

38 Themenvorschau / Impressum

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FRUCHTHANDEL | 3


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EDITORIAL

Daten allein reichen nicht DANIEL SCHMIDT

„Das vorhandene Potenzial wird sich erst dann vollständig und branchendeckend entfalten können, wenn Technologien nicht nur strategisch integriert, sondern für Betriebe jeder Größe zugänglich gemacht werden.”

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reisvergleiche, Herkunftsnachweise, Gesundheitsdaten – noch nie standen uns so viele Informationen zur Verfügung wie heute. So gut wie alles ist messbar geworden – bis ins kleinste Detail. Abgesehen davon, dass uns diese schier unendlichen Möglichkeiten der Messbarkeit schon auch mal überfordern können, sollen sie uns doch vor allem dabei unterstützen, Entscheidungen bewusster und – im Optimalfall – zu unserem Vorteil zu treffen. Daten und Informationen allein bieten uns aber noch nicht automatisch einen Mehrwert. Viel wichtiger ist daher aus meiner Sicht die Frage, wie wir diese Informationen nutzen können und inwieweit wir darauf überhaupt vorbereitet sind. Die Obst- und Gemüsebranche ist ein gutes Beispiel dafür, wie produktiv dieser Wandel sein kann. Transparente Lieferketten, nachvollziehbare Produktionsbedingungen und eine lückenlose Qualitätsdokumentation schaffen Vertrauen bei Handelspartnern, Behörden und nicht zuletzt uns Verbraucherinnen und Verbrauchern. Was einst auf Erfahrung und punktuellen Kontrollen beruhte, lässt sich heute fortlaufend begleiten. Daten machen Prozesse sichtbar, vergleichbar und steuerbar, fordern aber auch immer wieder das Erlernen neuer Kompetenzen im Umgang mit ihnen ein. Insbesondere kleinere und mittelständische Unternehmen stehen hier vor besonderen Herausforderungen: begrenzte personelle Ressourcen, fehlende IT-Strukturen oder Unsicherheit im Umgang mit neuen digitalen Werkzeugen erschweren die Umsetzung. Umso wichtiger sind daher praxisnahe Lösungen, Schulungsangebote und Unterstützungsstrukturen, die den Einstieg erleichtern. Dass dieser Prozess längst noch nicht abgeschlossen ist, zeigt auch der Blick über die Branche hinaus. Wie der Digitalverband Bitkom Mitte des vergangenen Jahres berichtete, liegt Deutschland im Bitkom-DESI-Index (vergleicht den Digitalisierungsfortschritt der EU-Länder) zwar im Mittelfeld des EU-Vergleichs, weist jedoch Defizite bei digitalen Kompetenzen und der praktischen Anwendung digitaler Prozesse auf. Digitalisierung konsequent im Alltag umzusetzen, darauf kommt es an – und das gilt nicht zuletzt auch für die Agrar- und Ernährungswirtschaft. Welche Lösungen heute bereits verfügbar sind, das zeigt sich schon bald wieder auf der FRUIT LOGISTICA Anfang Februar in Berlin. So werden beispielsweise im Rahmen der Insights Stage konkrete Anwendungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette vorgestellt – von Lieferkettentransparenz über Qualitätsüberwachung bis hin zu digitalen Plattformen für Compliance und Risikomanagement. Auch Automatisierung und Digitalisierung in Produktion und Verarbeitung werden im Fokus stehen. Unter anderem stellt das Unternehmen Grodan ein digitales Werkzeug vor, das Wurzelzonen-Daten in Echtzeit verfügbar macht. Eine präzisere Bewässerungs- und Kultursteuerung soll damit ermöglicht werden. Auch wenn Digitalisierung in vielen Unternehmen längst schon gelebte Praxis ist und technologische Innovationen, Datenverfügbarkeit sowie Nachhaltigkeitsaspekte die Entwicklung der Obst- und Gemüsebranche prägen, wird sich das vorhandene Potenzial erst dann vollständig und branchendeckend entfalten können, wenn Technologien nicht nur strategisch integriert, sondern für Betriebe jeder Größe zugänglich gemacht werden.

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LIVE ON THE FRUIT LOGISTICA STAGES Simultaneous translation: German, English, Spanish, French, Italian

BERLIN 4|5|6 February FRUIT LOGISTICA 2026 HALL 23 | STAND G-01 Visit FRUIT LOGISTICA, learn about the latest trends and be inspired by high-ranking speakers.

2026 PROGRAMME WEDNESDAY 4 February 2026

THURSDAY 5 February 2026

FRIDAY 6 February 2026

10.00–11.00 Sustainability doesn´t know any (climate) break

10.00–11.00 Smart Digitalization in Horticulture: AI-Driven Efficiency

10.00–11.00 Africa – a strong partner

11.30–12.30 Sustainability – locally and along the chain

11.30–12.30 Emerging Dynamics in the Global Avocado Market

13.00–14.00 Unwrap the PPWR – Impacts, challenges and perspectives for the Fresh Produce Supply Chain

13.00–14.00 Back to the future of bananas

15.00–16.00 Data transfer – Data security 16.30–17.30 From Innovation to Impact

MESSE BERLIN GmbH Tel. +49-(0)30-3038-0 fruitlogistica@messe-berlin.com

11.30–12.30 Regulation and impact on the chain

15.00–16.00 So close – so far 16.30–17.30 Exports of fresh fruits from the Southern Hemisphere: trends, challenges and opportunities

MORE INFORMATION

FRUCHTHANDEL MAGAZIN Tel. +49-(0)211-9 91 04-40 anzeigen@fruchthandel.de


AUFTAKT

Foto: Lebensmittelverband Deutschland/Sandra Ritschel

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Bürokratieabbau darf kein Versprechen bleiben LEBENSMITTELVERBAND

POLITIK Beim Neujahrsempfang des Lebensmittelverbands Deutschland haben Vizepräsidentin Charlotte Rosendahl und Bundesminister Alois Rainer die Bedeutung einer krisenfesten, wettbewerbsfähigen Lebensmittelwirtschaft betont und vor weiterer Überregulierung gewarnt. Ausgangspunkt der Debatte war die wachsende Verwundbarkeit kritischer Infrastrukturen, so der Lebensmittelverband. Der jüngste Anschlag auf das Berliner Stromnetz habe gezeigt, wie eng Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftlicher Zusammenhalt miteinander verknüpft seien, so Rosendahl. Mit Blick auf

(v.l.) Charlotte Rosendahl, Alois Rainer und Christoph Minhoff wollen eine krisenfeste, wettbewerbsfähige Lebensmittelwirtschaft und keine weitere Überregulierung. die neue Bundesregierung begrüßte Rosendahl das Bekenntnis zu Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft, mahnte jedoch konsequente Umsetzung an. Bürokratieabbau dürfe kein Versprechen bleiben, während gleichzeitig neue Berichtspflichten, Kennzeichnungsvorgaben oder Lenkungsinstrumente diskutiert würden. Mit Blick auf die Diskussion rund um die Bezeichnung vegetarischer Ersatzprodukte erinnerte Rosendahl daran, dass das, was in Brüssel verhandelt wird, im Widerspruch zu allem steht, was wir in Deutschland dazu im Deutschen Lebensmittelbuch verhandelt und beschlossen wurde und was zu ei-

nem fairen Miteinander im Markt geführt habe. Sie betonte, dass es Regelungen ohne wirtschaftliche Folgenabschätzungen nicht mehr geben dürfe. Bundesminister Alois Rainer sprach sich klar gegen neue staatliche Aufschläge auf Lebensmittel aus. Ernährungspolitik brauche Aufklärung und Anreize, keine Steuern. Die Ergebnisse der Reduktionsstrategie belegten die Innovationskraft der Branche, entscheidend sei, dass Maßnahmen freiwillig blieben und praktikabel seien. Ein zentrales Anliegen des Ministers ist ebenfalls der Bürokratieabbau. Ziel sei es, Betrieben wieder „Raum zum Atmen“ zu geben. Mit Blick auf Krisenvorsorge kündigte Rainer ein Update der nationalen Notfallreserve an. Die bestehende Struktur solle erhalten, aber gemeinsam mit Expertinnen und Experten weiterentwickelt werden unter Einbeziehung der Lebensmittelwirtschaft und mit praxistauglichen Lösungen wie verzehrfertigen Lebensmitteln.

Auch Aufkleber auf Obst und Gemüse sind zukünftig Verpackung.“

1.200 m² Verkaufsfläche So groß ist der neue Super Natur Markt von Alnatura in Tübingen, der am 15. Januar seine Türen öffnete. Das macht die Filiale nicht nur zur neuesten, sondern, dem Unternehmen zufolge, auch zur bisher größten. Rund 6.000 Bio-Produkte stehen den Kundinnen und Kunden zur Auswahl, darunter zahlreiche Erzeugnisse aus Tübingen und der Region. Bei der Gestaltung der Alnatura Super Natur Märkte lege das Unternehmen großen Wert auf Nachhaltigkeit. So bestehe die Ladeneinrichtung in allen Märkten vorwiegend aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz, aus Natursteinfliesen und recycelten Materialien. Die Wände sind in Naturfarben gestrichen, Glastüren vor den Kühlregalen sparen Energie, der Strom in den Alnatura Märkten ist in Deutschland produzierter Ökostrom aus Wind- und Solarenergie und stammt von unserem Energiepartner Fair Trade Power. 6 | FRUCHTHANDEL

Sascha Dechow, Talado Recycling GmbH Lesen Sie mehr zum Thema Verpackung & Technik ab Seite 8.

Mobilisierung der Landwirte geht weiter COPA-COGECA Die jüngsten Ankündigungen der AGRI-FISH-Minister mit der Europäischen Kommission werden der Dringlichkeit und den Herausforderungen, mit denen die europäischen Landwirte und Agrargenossenschaften konfrontiert sind, nicht gerecht, während die Abstimmung und die Manöver des Rates zum Mercosur die Frustrationen weiter verschärfen, sagen Copa-Cogeca. Im Dezember hatten sich alle landwirtschaftlichen Gemeinschaften auf drei Forderungen geeinigt: eine starke, gemeinsame und gut finanzierte GAP nach 2027 zusammen mit einem MFR, der Lösungen bietet, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum fördert, fairer und transparenter Handel, der die Produktionsstandards und sensibelsten Sektoren wirksam schützt und gleichzeitig zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit beiträgt, echte Vereinfachung, bessere Rechtsetzung und Rechtssicherheit. Es liege nun an den Abgeordneten, zu handeln und ihre behauptete Unterstützung für die landwirtschaftlichen Gemeinschaften unter Beweis zu stellen, um die Ernährungssicherheit Europas zu gewährleisten. 02 I 2026


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Fotos: BayWa

(v.l.) Michael Baur, Prof. Dr. Matthias J. Rapp und Dr. Marlen Wienert

Dreiköpfiger Vorstand soll BayWa AG in die Zukunft führen PERSONELLES Dr. Frank Hiller, Vorsitzender des Vorstands der BayWa AG, scheidet zum 31. Juli 2026 einvernehmlich aus dem Unternehmen aus. Sein Amt als Vorsitzender des Vorstands endet mit sofortiger Wirkung, teilt das Unternehmen mit. Grund seien unterschiedliche Auffassungen über die mittel- bis langfristige Strategie des Unternehmens. Der Aufsichtsrat danke Dr. Hiller für seinen Einsatz und seinen Beitrag zur erfolgreichen Restrukturierung der BayWa AG. Gregor Scheller, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der BayWa AG, äußert: „Wir wünschen ihm für die Zukunft viel Erfolg und alles Gute.“ Der Aufsichtsrat hat die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden an die drei Vorstandsmitglieder Michael Baur, Prof. Dr. Matthias J. Rapp und Dr. Marlen Wienert delegiert. „Die eingeleitete Restrukturierung unseres Unternehmens verläuft nach Plan und wird weiter aktiv vorangetrieben,“ sagte Gregor Scheller, Aufsichtsratsvorsitzender der BayWa AG. „Wir haben inzwischen bei der Neuaufstellung der BayWa AG gute Fortschritte gemacht und haben volles Vertrauen, dass der Vorstand mit den drei Mitgliedern Michael Baur, Prof. Dr. Matthias J. Rapp und Dr. Marlen Wienert unser Unternehmen konsequent und erfolgreich weiterentwickeln wird.“ Die BayWa AG komme bei der Sanierung plangemäß voran. Wichtige Meilensteine wurden bei der Entschuldung des Unternehmens durch den Verkauf der RWA und Cefetra im Jahr 2025 gemacht. Weiterhin wurde das Kerngeschäft durch Steigerung der operativen Wettbewerbsfähigkeit stabilisiert sowie die Liquidität des Unternehmens langfristig gesichert. Im Vorstand werden mit dem Ausscheiden von Dr. Frank Hiller die CEO-Ressorts neu zugeordnet: CRO Michael Baur übernimmt Strategie, Recht sowie die Geschäftsbereiche Baustoffe und Technik. Finanzvorstand Prof. Dr. Matthias J. Rapp verantwortet zukünftig auch die Bereiche Compliance, Revision und Investor Relations. Vorständin Marlen Wienert übernimmt zusätzlich zu ihren bisherigen Aufgaben das Personalressort sowie den Bereich Nachhaltigkeit.

DIE INTERNATIONALE FACHMESSE FÜR ERWERBSOBSTBAU, DESTILLATION UND AGRARTECHNIK.

20.–22. Februar 2026 MESSE FRIEDRICHSHAFEN

Über 350 Ausstellende präsentieren aktuelle Neuheiten

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Sonderbereiche für Direktvermarktung, Innovationen, Forschung und Bildung

Umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen und Seminaren


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VERPACKUNG & TECHNIK

PPWR rückt näher: Harmonisierung geplant, Rechtsunsicherheit und Mehraufwand bleiben DFHV | Talado Recycling GmbH ► Der Deutsche Fruchthandelsverband (DFHV) hat ein Online-Seminar zur Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) veranstaltet, in dem Sascha Dechow, Gründer und Geschäftsführer der Talado Recycling GmbH, über die anstehenden Änderungen und deren Bedeutung für die Obstund Gemüsebranche informierte. Wie Dechow erläuterte, solle die EU-Verordnung Verpackungsanforderungen harmonisieren und damit die Kreislaufwirtschaft stärken – die PPWR bringe aber bereits schon jetzt zahlreiche Unsicherheiten und zusätzliche administrative Pflichten mit sich. Daniel Schmidt

Zentraler Punkt des Seminars war die PPWR selbst. Die Verordnung soll den Binnenmarkt harmonisieren und einheitliche Vorgaben zu Recyclingfähigkeit, Kennzeichnung, Stoffbeschränkungen und Herstellerpflichten schaffen. Sie gilt ab dem 12. August 2026. Teile der administrativen Umsetzung würden nach aktuellem Stand jedoch auf den 1. Januar 2027 verschoben, da ein Betrieb zweier Rechtsgrundlagen innerhalb eines Jahres administrativ kaum leistbar ist. Bedeutend für die Obst- und Gemüsebranche ist laut Dechow insbesondere die neue Definition dessen,

Foto: PaulGrecaud/AdobeStock

Welche Rollen und Pflichten sich für Unternehmen zukünftig konkret ergeben – dazu wartet die Branche auf weitere Signale aus Brüssel.

Neue Pflichten durch die PPWR

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Foto: Talado Recycling GmbH

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u Beginn schilderte Dechow die Ausgangslage im europäischen Recyclingmarkt. Das Recycling funktioniere in vielen Bereichen weiterhin schlecht; die EU-weite Quote liege bei nur rund elf Prozent aller in Verkehr gebrachten Materialien. „Wir haben volle Läger, sehr wenig Nachfrage nach Rezyklaten und starken Preisdruck“, sagte Dechow. Hinzu kämen Informationsdefizite, Qualitätsprobleme und Risiken in Sortieranlagen – etwa durch falsch entsorgte Lithium-Ionen-Akkus, die immer wieder Brände verursachen. Die Branche stehe daher vor großen Herausforderungen, während der Gesetzgeber gleichzeitig ambitioniertere Vorgaben festschreibe.

Sascha Dechow gründete 2018 die Talado Recycling GmbH und berät Kunden – vom Mittelstand bis hin zu DAX-Unternehmen. was künftig als Verpackung gilt. „Auch Aufkleber auf Obst und Gemüse sind zukünftig Verpackung“, betonte er. Diese müssten nicht nur lizenziert werden, sondern ab 2028 auch bestimmte Anforderungen an die industrielle Kompostierbarkeit erfüllen. Mitgliedstaaten könnten diese Vorgabe später sogar verschärfen, sodass eine heimkompostierbare Lösung notwendig würde. Ebenfalls relevant sind die Stoffbeschränkungen, die ab August 2026 gelten. Neben Grenzwerten für Schwermetalle betrifft dies vor allem PFAS, die laut Dechow deutlich verbreiteter in Lebensmittelverpackungen vorkämen als bis02 I 2026


Erzeuger oder Hersteller? Neue Rollenverteilung in der Lieferkette Besonders komplex seien die neuen Begriffe „Erzeuger“ und „Hersteller“. Die PPWR definiere den Erzeuger als das Unternehmen, das eine Verpackung oder ein verpacktes Produkt unter eigener Marke in Verkehr bringe oder entwickeln lasse. Das könne – wie Dechow ausführte – auch ein Lebensmitteleinzelhändler sein, der genaue Vorgaben für die Verpackung mache. Der Hersteller wiederum bleibe für die Lizenzierung im dualen System verantwortlich. Beide Rollen könnten künftig auf unterschiedliche Unternehmen entfallen. Dies habe unmittelbare Folgen für grenzüberschreitende Lieferketten. Liefere ein ausländischer Betrieb ohne Niederlassung in Deutschland an einen deutschen Händler, sei künftig der Händler für die Verpackungslizenzierung verantwortlich. Ausländische Unternehmen würden in solchen Fällen aus der Pflicht herausfallen. „Das haben noch nicht alle verstanden, aber ab dem 12. August fallen viele Mengen aus dem System und sind möglicherweise noch nicht wieder durch den Händler im System angemeldet. Das zeitliche „Gap“ kann die Finanzierung der dualen Systeme gefährden“, sagte Dechow. Die PPWR sieht zudem ein neues europaweit einheitliches Kenn-

zeichnungssystem vor, das Endverbrauchern die richtige Entsorgung erleichtern soll. Jede Verpackung solle künftig ein einheitliches Icon tragen, das einem farblich oder grafisch passenden Symbol am Abfallbehälter zugeordnet werden könne. Die finalen Vorgaben dafür würden bis August 2026 feststehen, die Unternehmen erhielten danach zwei Jahre Zeit für die Umsetzung. Ab 2030 dürften außerdem keine Verpackungen mehr in Verkehr gebracht werden, deren Recyclingfähigkeit unter 70 % liege. Hersteller müssten die Recyclingfähigkeit daher nachweisbar bestimmen lassen. Dechow wies darauf hin, dass diese Prüfungen „bis zu 5.000 Euro pro Verpackung“ kosten könnten. Gleichzeitig sei die technische Machbarkeit in vielen Bereichen bislang unklar – insbesondere, weil für zahlreiche Lebensmittelverpackungen noch kein zugelassenes Verfahren zum Einsatz von Rezyklaten existiere.

ursprünglich geplanten Mehrwegpflicht teilweise ausgenommen worden. „Die EU-Kommission hat erklärt, dass sie diesen Unsinn ändern wird“, so Dechow. Zum Abschluss betonte er erneut, wie entscheidend es sei, die eigene Lieferkette und die Rollenverteilung frühzeitig zu prüfen. Besonders die Verträge mit den dualen Systemen müssten flexibel gehalten werden, da sich Zuständigkeiten ab August 2026 verschieben könnten. Eine klare juristische Einordnung sei in vielen Punkten noch ausstehend. „Ich bin kein Rechtsanwalt, aber ich möchte auf die Problematik aufmerksam machen“, sagte Dechow. Die Branche müsse sich darauf einstellen, dass zentrale Regelungen weiterhin unklar blieben und erst mit den kommenden Durchführungsakten sowie dem noch ausstehenden Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz präzisiert würden. 

Die Kompostierbarkeit von Stickern auf Obst und Gemüse beschäftigt die Branche. Ab 2028 sollen bestimmte Anforderungen erfüllt werden. Einen klaren rechtlichen Rahmen dafür gibt es bislang allerdings noch nicht.

Die Reduzierung des Verpackungsaufkommens und die Förderung der Kreislaufwirtschaft gehören zu den Hauptzielen der PPWR.

Mehrweg und Verbote bestimmter Einwegverpackungen Die PPWR enthalte darüber hinaus Vorgaben zur Vermeidung von Leerraum, zu Wandstärken und zu Mehrwegquoten. Auch Verpackungsverbote seien vorgesehen; die konkreten Definitionen dazu würden jedoch erst 2026 veröffentlicht. Transportverpackungen wie Umreifungsbänder und Bündelungsfolien seien nach jüngsten EU-Mitteilungen allerdings von der

Foto: AdobeStock

lang angenommen. Für Betriebe, deren Materialien diese Grenzwerte überschreiten, bedeute dies kurzfristigen Handlungsdruck. „Wenn Sie innerhalb der nächsten acht Monate eine komplett neue Verpackung brauchen, dann starten Sie jetzt“, sagte er.

Foto: AdobeStock/generiert mit KI

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VERPACKUNG & TECHNIK

Technologie und Verpackung für den deutschen Markt: Sorma kündigt neue Maßstäbe bei optischer Sortierung und Verpackung an Sorma | Post-Harvest-Technologie ► In der modernen Nacherntebearbeitung sind Technologie und Verpackung keine getrennten Bereiche mehr: Die während der Sortierung gemessene Qualität ist die Voraussetzung für einheitlichere, zuverlässigere und „verkaufsfähigere“ Verpackungen für den Großhandel. Nach dieser Logik arbeitet die Sorma Group, die sich als Referenzpartner mit Lösungen für die Nacherntebearbeitung von Obst und Gemüse und Technologien präsentiert, die den gesamten Prozess von der Verarbeitung bis zur Palettierung abdecken.

Mehr Kontrolle, mehr Konstanz Im konkreten Fall der Kartoffel liegt der Mehrwert in der Begutachtung des Kartoffelinneren: Normalerweise kann diese Art von Technologie nur wenige Millimeter (ca. 5 mm) 10 | FRUCHTHANDEL

Fotos: Sorma Group

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ei der Verarbeitung von Kartoffeln ist die Herausforderung offensichtlich: Einige Mängel sind von außen schwer zu erkennen und können die wahrgenommene Qualität entscheidend beeinträchtigen. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, hat Sorma Hyper Vision entwickelt, einen neuen elektronisch-optischen Sortierer, der die innere und äußere Qualität, Farbe und Form präzise analysiert. Zur Unterstützung der Sortierung präsentiert sich Hyper Vision laut Sorma auch als fortschrittliche optische Sortierplattform: Dank eines Systems mit neun Kameras pro Linie und der 360°-Hyperspektral-Bildaufnahmetechnologie bietet es eine genaue Klassifizierung und verarbeitet bis zu 15 Früchte pro Sekunde und Linie. Die neueste Version integriert die Software InstanDefect-AI, die mit Deep-Learning-Algorithmen für eine noch genauere Erkennung des Reifegrades und eventueller Mängel verbessert wurde. Dank der Linux-Softwareplattform soll die optische Sortiermaschine operative Unabhängigkeit, fortschrittliche IT-Sicherheit und ein vollständig skalierbares System bieten.

Hyper Vision ist ein neuer elektronischoptischer Sortierer, der die innere und äußere Qualität, Farbe und Form von Früchten präzise analysiert.

tief ins Innere „sehen”, während mit Hyper Vision laut Sorma eine vollständige Visualisierung möglich sei. Dadurch könnten innere Mängel erkannt werden, die mit bloßem Auge auf der Schale nicht zu erkennen sind, wodurch das Risiko verringert wird, dass nicht konforme Produkte in die Lieferkette gelangen, und die Homogenität der für den Vertrieb bestimmten Chargen erhöht wird. Neben der Qualitätssortierung ist der zweite wichtige Punkt die Konstanz der Verpackung. Hervorzuheben ist die Verschließmaschine CBR-170S, welche dank vieler technischer Optimierungen relaunched wurde, um mehr Geschwindigkeit, Präzision und Zuverlässigkeit zu bieten: ein neues Bandzentriersystem mit UV- und SchwarzlichtFotozellen; ein aktualisiertes Saugnapf- und Balgsystem, das die

Phase der Beutelherstellung und -befüllung optimiert; und schließlich neue Schweißvorrichtungen, die die Haltbarkeit der Verpackung deutlich verbessern sollen. Die Maschine arbeite noch effizienter in Kombination mit hochleistungsfähigen Verpackungsnetzen, welche die herkömmlichen Ballen oder Einzelrollen ersetzen: Die Rollenlänge wurde von 1.300 m auf maximal 3.500 m erhöht, wodurch der Maschinenstillstand deutlich reduziert und die Leistung der Anlage konstanter gehalten werden kann. Die CBR-170S wird durch einen Mikroprozessor gesteuert und verfügt über eine intuitive Touchscreen-Schnittstelle. Sie kann Netzverpackungen mit individuell anpassbaren Banderolen und optionalem Zubehör – wie Tragegriff oder Thermotransferdruck – her02 I 2026


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stellen und passt sich vielseitig an die Anforderungen des Verpackers an. Eine Lösung, die nach Mitteilung von Sorma entwickelt wurde, um effizient und kontinuierlich auf die immer strengeren Anforderungen des Großhandels zu reagieren.

Die Verschließmaschine CBR170S wurde einem Relaunch unterzogen und arbeitet nach Aussage von Sorma jetzt noch schneller, präziser und zuverlässiger.

Qualitätskontrolle und Verpackung aus einer Hand Aus Sicht von Sorma stellen sowohl Hyper Vision als auch die CBR170S einen Vorteil für die Nacherntebearbeitung und Verpackung dar, die Qualitätskontrolle und Verpackung in einem kohärenten Prozess integrieren und auf zuverlässigere und einheitlichere Chargen mit weniger manuellen Eingriffen und höherer Betriebseffizienz abzielen. Diese Vision füge sich in die von der Gruppe erklärte „schlüsselfertige” Ausrichtung ein, die es ermöglicht,

die gesamte Palette an Maschinen anzubieten, welche für die automatische Sortierung, Verwiegung und Verpackung von Obst und Gemüse erforderlich sind – zusätzlich zur Lieferung des Verbrauchsmaterials zur Herstellung der verschiedensten Verpackungsformen. Und die Entwicklung geht weiter: Auf der

FRUIT LOGISTICA 2026 wird Sorma eine Neuheit vorstellen, die eine Roadmap bestätigt, die auf eine immer nachhaltigere und effizientere Nacherntebearbeitung und Verpackung ausgerichtet sein soll.  Halle 2.1, Stand C-10

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VERPACKUNG & TECHNIK

Lorentzen & Sievers auf der FRUIT LOGISTICA 2026: Zukunft der Verpackung und Integration in die PRODINGER Verpackung Lorentzen & Sievers | PRODINGER Verpackung ► Vom 4. bis 6. Februar 2026 präsentiert Lorentzen & Sievers auf der FRUIT LOGISTICA in Berlin Lösungen für die aktuellen Herausforderungen der Verpackungsbranche. Die Schwerpunkte am Messestand greifen nach Angaben des Unternehmens zentrale Entwicklungen auf: Aktuelle Design-Trends und Best-Practice-Beispiele für Obst- und Gemüseverpackungen werden in Form von Videos und Mustern vorgestellt. Darüber hinaus wird gezeigt, wie gesetzliche Vorgaben und gesellschaftliche Erwartungen die Verpackungsentwicklung verändern.

Gestiegene Vorgaben, neue Strukturen Die Integration ist eine Antwort auf steigende gesetzliche Anforderungen und die Notwendigkeit effizienter Datenübermittlung. So werden unter dem Dach der PRODINGER Verpackung Compliance-Prozesse harmonisiert und digitale Lösungen eingeführt, um die Lieferkette transparent und sicher zu gestalten. Ein zusätzlicher Vorteil für Geschäftspartner bestehe darin, dass der bundesweite Vertriebs-Außendienst der PRODINGER Verpackung künftig auch die persönliche 12 | FRUCHTHANDEL

Fotos: Lorentzen & Sievers

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achhaltigkeit rückt dabei in den Mittelpunkt und ergänzt die klassischen Ziele Schutz, Transport und Marketing um ökologische, ökonomische und soziale Aspekte. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf individuellen Lösungen für unterschiedliche Anforderungen – von Produktstrategie über Markenkonzept bis zur Packeffizienz. Ergänzend informiert Joy Smyrek von der PRODINGER Verpackung über Transportverpackungen und Konzepte zur Kreislaufwirtschaft. Im Laufe des Jahres 2026 wird Lorentzen & Sievers vollständig in die PRODINGER Verpackung integriert. Ziel dieser strategischen Zusammenführung ist es, unter einem Dach ein umfassendes Leistungsspektrum von der Primär- bis zur Tertiärverpackung anzubieten. Geschäftspartner sollen so von zahlreichen Vorteilen profitieren. So sorge die Erfüllung aktueller und zukünftiger regulatorischer Anforderungen wie PPWR, EUDR und LkSG für Rechtssicherheit und reduziere Haftungsrisiken. Zentrale Verwaltung von ESG- und Compliance-Daten schafft Transparenz in der Lieferkette. Automatisierte Prozesse und digitale Schnittstellen erleichtern die Erstellung von Konformitätserklärungen und Audit-Dokumentationen. Digitale Services wie Nachweisportale und Scores unterstützen die Vorbereitung auf Audits und Zertifizierungen. Zudem stärke die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards und deren transparente Kommunikation die Marktposition der Kunden. Dies ermögliche eine klare Differenzierung gegenüber Wettbewerbern.

Kartonschale mit „Ein Herz für Kinder“-Aktionsaufdruck, Design und Verpackung: Lorentzen & Sievers Kundenbetreuung im Bereich der Fruchtverpackungen unterstütze. Diese Erweiterung sorge für eine noch engere Verbindung zwischen Beratung und Umsetzung. Gleichzeitig bleiben alle bisherigen Ansprechpartner von Lorentzen & Sievers bestehen. Die Zusammenführung von Lorentzen & Sievers und PRODINGER Verpackung sei mehr als eine organisatorische Maßnahme. Sie schaffe eine integrierte Plattform für Lebensmittelverpackungen, die den steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeit, Prozesssicherheit und Effizienz gerecht werde. Die neue Struktur ermögliche es, Synergien zu nutzen und die gesamte Wertschöpfungskette von der Primär- bis zur Tertiärver-

packung aus einer Hand anzubieten. Für Geschäftspartner bedeute dies nicht nur eine größere Auswahl an Lösungen, sondern auch eine verlässliche Einhaltung regulatorischer Vorgaben. Die Kombination aus langjähriger Erfahrung von Lorentzen & Sievers im Frische-Segment und der umfassenden Kompetenz der PRODINGER Verpackung im Bereich Transport- und Versandverpackungen werde ein Alleinstellungsmerkmal am deutschen Markt schaffen. Das Team von Lorentzen & Sievers und der PRODINGER Verpackung wird auf der FRUIT LOGISTICA 2026 für alle Fragen zur Verfügung stehen. 

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Halle 20, Stand B-20 02 I 2026


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Drei Fragen zur Integration von Lorentzen & Sievers in die PRODINGER Verpackung

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rank Schuh hat im Zuge der Integration seine Geschäftsführerschaft abgegeben, um sich künftig stärker auf die gestiegenen Anforderungen der Kunden im Frische-Segment zu konzentrieren. Leonhard Horsch, seit eineinhalb Jahren an der Seite von Frank Schuh, führt die Geschäftsführung von Lorentzen & Sievers fort. Markus Ettlin lenkt das Gesamtunternehmen zu mehr Effizienz, um den gestiegenen Marktanforderungen zu entsprechen und die Position als verlässlicher, langfristiger Partner zu sichern. Herr Ettlin, was ist das Hauptziel der Integration von Lorentzen & Sievers in die PRODINGER Verpackung? Markus Ettlin: Die Zusammenführung verfolgt das klare Ziel, die Kompetenzen beider Unternehmen unter einem Dach zu bündeln. Damit entsteht eine integrierte Plattform für Verpackungslösungen, die von der Primär- bis zur Tertiärverpackung reicht. Wir schaffen Strukturen, die den gestiegenen Marktanforderungen gerecht werden – insbesondere in Bezug auf Nachhaltigkeit, Compliance und Effizienz. Für unsere Geschäftspartner bedeutet das: ein vollständiges Leistungsspektrum, digitale Services für Nachweisführung und Audit-Vorbereitung sowie eine verlässliche, langfristige Partnerschaft.

Markus Ettlin (l.), CEO der PRODINGER Verpackung, gemeinsam mit Frank Schuh (r.) und Leonhard Horsch

sche-Branche. Natürlich begleite ich den Integrationsprozess weiterhin intensiv. Es war immer mein Ziel, unseren teilweise über mehrere Generationen verbundenen Kunden und Geschäftspartnern als verlässlicher Partner an der Seite zu stehen. Dazu gehört, das Produktund Leistungsangebot den sich verändernden Marktanforderungen anzupassen; unter den neuen gesetzlichen Bestimmungen gehören auch die Transportverpackungen dazu.

Herr Schuh, Sie haben Ihre Geschäftsführungsrolle bei Lorentzen & Sievers abgegeben. Was war der Grund für diesen Schritt? Frank Schuh: Die Anforderungen steigen kontinuierlich. Um unseren Kunden die bestmögliche Betreuung zu bieten, konzentriere ich mich künftig vollständig auf den Vertrieb und damit auf die Weiterentwicklung Herr Horsch, welche Vorteile LuS_Fruit-Logistica_2026_Fruchthandelmagazin_Printanzeige_210x86_251210.pdf und Umsetzung von Verpackungslösungen für die Frisehen Sie für1die12.12.25 Kunden? 16:21

Leonhard Horsch: Die Vorteile sind klar: Rechtssicherheit durch die Erfüllung aktueller und zukünftiger regulatorischer Anforderungen, Transparenz in der Lieferkette und Effizienz durch digitale Prozesse. Hinzu kommt die Möglichkeit, Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil zu nutzen. Für die Kunden im Frische-Segment bedeutet das vor allem, dass wir schneller reagieren können und gleichzeitig die gewohnte Nähe und Beratung sicherstellen. Die Integration ist kein Bruch, sondern eine Erweiterung – mit mehr Möglichkeiten und mehr Service. 

Weitere Informationen zu unseren Themen auf der Fruit Logistica

www.lorentzen-sievers.de

Besuchen Sie uns: Halle 20 / Stand B-20 Unsere Messethemen: Innovation und Inspiration Verpackung im Wandel good – better – best


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VERPACKUNG & TECHNIK

Vom Abfall zum Werkstoff: Wie Obst- und Gemüseabfälle zu nachhaltigen Materialien werden sollen Forschung | BioWin ► Pflanzliche Reststoffe, die heute kaum Beachtung finden, könnten künftig ein Baustein für nachhaltige Verpackungen, funktionale Membranen oder schützende Beschichtungen werden. Was im ersten Moment wie ein Zukunftsszenario klingt, ist an der TU Bergakademie Freiberg bereits Gegenstand eines ambitionierten Forschungsprojekts. Dort untersucht die neu gegründete Nachwuchsforschungsgruppe BioWin, wie sich Apfel-, Kartoffel- oder andere pflanzliche Reststoffe in hochwertige Materialien verwandeln lassen – und welche Prozesse, Märkte und Herausforderungen dabei eine Rolle spielen. Im Gespräch mit dem Fruchthandel Magazin haben die Forscherinnen Dr. Vanessa Castro und Dr. Katja Heise erklärt, warum das Potenzial dieser Rückstände bislang noch nicht ausreichend untersucht wurde und weshalb die Verbindung aus Materialwissenschaft, Biomasseforschung und Wirtschaftsanalyse entscheidend ist. Daniel Schmidt

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Foto: Crispin I. Mokry

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bst- und Gemüseverarbeiter produzieren täglich große Mengen an Nebenströmen wie Pressrückstände, Schalen oder auch Fruchtfleischreste. Was im industriellen Alltag als Abfall gilt, birgt aus wissenschaftlicher Sicht wertvolle Bestandteile. „Diese Reststoffe enthalten Polysaccharide, Stärke, Lignin und verschiedene Proteine, die wir extrahieren und für die Materialentwicklung nutzen können“, sagt Dr. Vanessa Castro, Materialforscherin und Leiterin der Nachwuchsgruppe. Dass solche Nebenströme bislang meist zu Tierfutter verarbeitet werden, in Biogasanlagen landen oder auf dem Kompost zugeführt werden, sei verständlich, aber wenig innovativ. „Wir möchten ihnen ein hochwertiges zweites Leben geben“, beschreibt Dr. Katja Heise das Ziel der Gruppe. Die Grundidee sei, aus der vorhandenen Vielfalt biogener Polymere einen Werkzeugkasten zu entwickeln, aus dem sich neue Materialien formen lassen. Für eine Region wie Sachsen könne das ein Wettbewerbsvorteil sein. Rund 18.000 Unternehmen gehören zur sächsischen Bioökonomie – viele davon arbeiten mit landwirtschaftlichen Rohstoffen oder verarbeiten pflanzliche Produkte. „Gerade in der Obst- und Gemüsebranche gibt es bislang ungenutzte Potenziale. Die Reststoffe fallen regelmäßig

Der Elektrospinner Fluidnatek LE-50 im Einsatz

an, in teils erheblichen Mengen“, so Heise, die Gruppenleiterin der AG Grüne Funktionsmaterialien ist, zu der auch anteilig das BioWin-Projekt gehört.

Vom Nanofaserverfahren bis zur einfachen Folie Um aus diesen Rückständen nutzbare Materialien zu gewinnen, setzt das BioWin-Team auf unterschiedliche Fertigungsverfahren – von hochspezialisierten Technologien bis hin zu vergleichsweise einfachen Methoden. Am technologisch anspruchsvollsten ist das Elektrospinnen, bei dem mittels eines elektrischen Feldes Nanofasern er-

zeugt werden. „Die Ergebnisse sind beeindruckend, aber das Verfahren stellt hohe Anforderungen an die Reinheit der Polymere“, erklärt Castro. Der Faserdurchmesser liegt im Nanometerbereich, weshalb selbst geringe Verunreinigungen den Prozess stören können. Daneben gibt es Verfahren, die sich leichter an gemischte Biomasse anpassen lassen: das Nassspinnen oder auch die Sprühbeschichtung. Beim Nassspinnen entstehen etwas dickere Fasern ohne elektrisches Feld, wodurch sich auch weniger reine Polymermischungen nutzen lassen. Beim Lösungsguss wiederum werden einfache Folien hergestellt, indem Materiallösun02 I 2026


Foto: A. Hiekel

Foto: TU Bergakademie Freiberg

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Vanessa Castro leitet die BioWin-Nachwuchsgruppe.

Mechanik und Chemie im Zusammenspiel Bevor solche Verfahren zum Einsatz kommen, müssen die komplexen pflanzlichen Strukturen jedoch zunächst aufgeschlossen werden. Die Nachwuchsgruppe verfolgt dafür einen kombinierten Ansatz. „Eine rein mechanische Behandlung reicht nicht aus“, betont Castro. „Wir zerkleinern die Biomasse, mahlen sie und reduzieren die Partikelgröße – aber danach benötigen wir chemische Schritte, um die Polymere tatsächlich zugänglich zu machen.“ Heise bringt ihre Erfahrung aus der Biomasseforschung ein. Sie verweist auf die Herausforderungen, die sich aus der natürlichen Variabilität ergeben: „Obstreste gelten als relativ einfach zu verarbeiten, da man Pektin mit Wasser bei niedrigem pH-Wert extrahieren kann. Doch insgesamt haben wir es mit einer komplexen Matrix zu tun.“ Während in der Papierindustrie häufig aggressive Chemikalien verwendet würden, sucht BioWin nach schonenden Alternativen. Organische Säuren könnten eine nachhaltige Option sein. „Unser Ziel sind Prozesse, die effizient sind, aber auch in einer 02 I 2026

späteren industriellen Anwendung bestehen können – ohne toxische Substanzen und idealerweise mit recycelbaren Lösungssystemen“, so Heise.

Ein Projekt am Anfang – mit klar definiertem Weg Die Nachwuchsgruppe hat erst vor kurzem ihre Arbeit aufgenommen. Erste Experimente laufen, daher liegen noch keine verlässlichen Daten vor. Das Team analysiert zunächst die wissenschaftliche Literatur und baut ein methodisches Fundament auf. „Der Blick in die Literatur zeigt deutlich, dass viel Potenzial vorhanden ist – insbesondere bei Polymermischungen für das Elektrospinnen“, erklärt Castro. Gleichzeitig müsse man realistisch bleiben: „Wir stehen am Anfang und müssen unsere Protokolle an Biomasse statt an synthetischen Polymeren ausrichten. Das erfordert Zeit.“ Das Projekt ist auf drei Jahre ausgelegt. „Wir möchten am Ende dieser Laufzeit konkrete Materialien vorweisen – aus allen relevanten Verfahren“, sagt Heise. Dabei spielt auch das Zusammenspiel mit der Wirtschaftsforschung an der TU Bergakademie Freiberg eine zentrale Rolle.

sagt Heise. „Es kommt auf den gesamten Prozess an: Transportwege, Extraktion, Energiebedarf, Skalierbarkeit und auch darauf, wie das Material am Ende genutzt oder recycelt wird.“ Besonders komplex wird es bei der wirtschaftlichen Bewertung: Biobasierte Materialien konkurrieren mit erdölbasierten Kunststoffen, deren Preise stark vom Ölmarkt abhängen. „Wenn der Ölpreis niedrig ist, wird es für nachhaltige Alternativen extrem schwierig“, so Heise. Deshalb bezieht BioWin frühzeitig Expertinnen und Experten der ökonomischen Analyse ein, die mögliche industrielle Prozessketten modellieren und bewerten – in diesem Fall u.a. Prof. Simon Glöser-Chahoud, Inhaber der Professur für Corporate Sustainability and Environmental Management und Dr. Volker Herdegen, Experte in Biomassefraktionierung und -verwertung. Ziel ist es, schon im Laborstadium Entscheidungen zu treffen, die später eine wirtschaftliche Umsetzung ermöglichen.

Apfelreste der Kelterei Schöne DresdenHellerau (Hellerauer Fruchtsäfte) – die Heterogenität des Reststoffes ist gut zu erkennen, inkl. Stiele und Blätter.

Nachhaltigkeit: Anspruch, aber kein Selbstläufer Biobasierte Polymere gelten häufig als nachhaltige Alternative zu fossilbasierten Kunststoffen. Doch die Freiberger Forscherinnen warnen vor vorschnellen Annahmen. „Nur weil ein Material biobasiert ist, ist es nicht automatisch nachhaltig“,

Foto: TU Bergakademie Freiberg

gen auf ein Substrat aufgetragen und getrocknet werden. „Solche niedrigschwelligen Verfahren könnten schneller marktreif werden“, sagt Castro. Sprühbeschichtungen wiederum könnten als essbare Schutzschichten für frische Produkte dienen – ein Konzept, das in anderen Ländern bereits getestet werde. Ob es im Projekt umgesetzt wird, ist noch offen, aber der Bedarf im Markt sei eindeutig vorhanden.

Dr. Katja Heise begleitet das Projekt als wissenschaftliche Koordinatorin.

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So sieht extrahiertes Apfelpektin aus.

Marktpotenzial und politischer Druck Wo könnten solche biobasierten Materialien zuerst in den Markt gelangen? „Die einfachen Anwendungen werden zuerst marktreif sein – Folien, Beschichtungen, vielleicht einfache funktionale Schichten“, sagt Castro. Sie lassen sich technisch und regulatorisch leichter prüfen. Komplexere Materialien wie Nanofasermembranen seien zwar spannend, jedoch deutlich aufwendiger, schwerer skalierbar und nicht so einfach in die Industrie zu integrieren. Marktseitig spiele zudem der politische Druck eine wichtige Rolle. Der Verpackungsbereich stehe durch EU-Vorgaben wie den Green

Foto: Crispin I. Mokry

Foto: TU Bergakademie Freiberg

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Ein Beispiel, wie eine Nanofasermatte aus der Maschine rauskommt. Die Fasern werden auf Aluminiumfolie gesammelt. Gesponnen werden kann bis A4-Format. Deal massiv unter Veränderungsdruck. Dies könnte Innovationen beschleunigen. Die Kooperation mit der Industrie wird ein wesentlicher Bestandteil der nächsten Projektphasen sein. Dafür gelten jedoch besondere Anforderungen. „Biomaterialien sind naturbedingt variabel. Für reproduzierbare Forschung brauchen wir möglichst konsistente Chargen“, unterstreicht Castro. Langfristig stelle sich die Frage der Integration in bestehende Produktionslinien. „Wer heute synthetische Polymere nutzt, müsste möglicherweise Anpassungen vornehmen. Das lohnt sich vor allem, wenn ein Unternehmen einen Marktvorteil oder regulatorischen Druck erkennt“, so Heise.

Ein Netzwerk, das wachsen soll Die Nachwuchsgruppe ist im Freiberg Center for Circular Economy (FCCE) angesiedelt – eine Struktur, die künftig stärker als Austauschplattform dienen soll. Dort sollen Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammenkommen, von Batteriesystemen über Metallrecycling bis hin zu Biomasse. „BioWin ist die erste Gruppe, die diesem Rahmen konkrete Forschung gibt“, sagt Heise. Geplant seien Workshops, Treffen, Sommerkurse und Dialogformate. „Es ist ein offenes Netzwerk, und gerade für die Obstund Gemüseverarbeitung kann es neue Impulse geben.“ 

ÜBER BIOWIN

Promovierende, Förderung und beteiligte Einrichtungen Zu den anderen drei Nachwuchsforschenden bzw. Promovierenden, die von Dr. Vanessa Castro betreut werden, gehören Anthony Gerhardt, Una Smailbegovic und Emmanuel Udekwe Nwanegbo. Die Nachwuchsforschungsgruppe BioWin wird aus dem Europäischen Sozialfond (ESF Plus) sowie durch den Freistaat Sachsen (Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus) finanziert. Die Kosten für das Vorhaben werden mit rund 1,2 Mio Euro angegeben. Zu den beteiligten Instituten und Forschungsgruppen gehören das Institut für Nanoskalige und Biobasierte Materialien, AG Grüne Funktionsmaterialien, das Institut für Thermische Verfahrenstechnik, Umwelt- und Naturstoffverfahrenstechnik, die Professur für Corporate Sustainability and Environmental Management, BioWin-Website und ESF Plus Nachwuchsforschungsgruppen an der TU Bergakademie Freiberg. Weitere Informationen zum Forschungsprojekt gibt es unter https://tu-freiberg.de/biowin.

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Frische im Fokus: ULMA Packaging auf der FRUIT LOGISTICA 2026 ULMA Packaging ► Frische, Effizienz und Nachhaltigkeit zählen zu den prägenden Themen der Obst- und Gemüsebranche. Auf der FRUIT LOGISTICA 2026 zeigt ULMA Packaging, wie moderne Verpackungstechnologie diese Anforderungen zusammenführen soll. Vom 4. bis 6. Februar 2026 präsentiert das Unternehmen Maschinenlösungen für eine schonende Produktverarbeitung, hohe Linienleistung und den Einsatz recyclingfähiger Materialien.

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Verpackungstechnik für Frische- und Convenience-Produkte Im Mittelpunkt des Messeauftritts stehen Maschinen, die speziell für die Verarbeitung von Obst, Gemüse und Convenience-Produkten konzipiert wurden. Dazu zählen die vertikale Hochleistungsmaschine VTC 800 für u.a. geschnittenen Salat, eine kontinuierliche Flowpackmaschine (HFFS) für empfindliche Obst- und

Foto: ULMA Packaging

ach Angaben des Unternehmens liegt ein besonderer Schwerpunkt auf nachhaltigen Verpackungskonzepten sowie auf der Vorbereitung auf die kommenden Anforderungen der PPWR. ULMA Packaging setze dabei auf Technologien für recyclingfähige Monomaterialien, einen reduzierten Folienverbrauch, papier- und kartonbasierte Verpackungen sowie vollständig integrierte Linien mit umfassender Datentransparenz. „Mit unseren Verpackungssystemen unterstützen wir Produzenten dabei, ihre Frischeprodukte effizient, sicher und nachhaltig auf den Markt zu bringen“, wird Thomas Blümel, Geschäftsführer der ULMA Packaging GmbH, zitiert. Der Hochleistungs-Traysealer TSA 680P ist kompatibel mit papier- und kartonbasierten Trays.

Gemüseprodukte in Trays oder auch ein Hochleistungs-Traysealer (TSA 680 P) für Beeren, Trauben, Salate und Convenience-Produkte. Ebenfalls gezeigt wird die flexible Flowpackmaschine ‚Sienna‘ für Produktgrößen und kleinere Chargen wie Salat, Hülsenfrüchte, Lauch oder auch Suppengemüse. ‚Sienna‘ verfügt über eine kompakte und mobile Bauweise.  Halle 1.1, Stand A-10

Bildunterschrift

AGRARFORSCHUNG

Forschungsraum an der FH Wedel stärkt städtische Landwirtschaft der Zukunft Mit dem Forschungsprojekt „Urban Farming 4.0“ schafft die Fachhochschule Wedel eine neue, praxisnahe Forschungsinfrastruktur für die urbane Landwirtschaft. Auf dem Campus entsteht ein realitätsnahes Testlabor, in dem unterschiedliche Anbausysteme wie Hydroponik, Aquaponik, automatisierte Beete, klassische Beete, Gewächshäuser sowie Bienenvölker unter kontrollierten Bedingungen untersucht werden. Ziel des Projekts ist es, Effizienz, Nachhaltigkeit und ökologische Wirkung urbaner Anbausysteme systematisch zu analysieren und weiterzuentwickeln. Das Projekt startete zum 1. Januar 2026 und verfügt über ein Gesamtvolumen von rund 1,17 Mio Euro. Im Mittelpunkt der Forschung stehen digitale Zwillinge der Anbausysteme, mit denen technische Abläufe und biologische Prozesse virtuell abgebildet werden. Ergänzt werden diese durch eine KI-gestützte Biodiversitätserkennung, die mithilfe von Kameras Daten zur Pflanzenvielfalt, Pflanzengesundheit und zum Insektenaufkommen erfasst. So sollen erstmals belastbare quantitative Aussagen darüber möglich werden, wie sich Urban Farming auf Ertrag, Ressourceneffizienz und Artenvielfalt auswirkt. Die Daten fließen in eine OpenSource-basierte Hard- und Softwareplattform ein, die zukünftig auch privaten Urban-Farming-Initiativen zur Verfügung stehen soll. „Wir schaffen eine einzigartige Forschungsinfrastruktur, die technische Innovation mit ökologischer Verantwortung verbindet“, so Projektleiter Carsten Burmeister. Urban Farming sei dabei nicht Ersatz, sondern Ergänzung zur professionellen Landwirtschaft – insbesondere in dicht besiedelten Räumen. Der neue Forschungsraum ist zugleich fest in Lehre und Wissenstransfer eingebunden. Unterstützt wird das Projekt durch ein breites Netzwerk aus Wissenschaft, Verbänden und regionalen Institutionen.

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VERPACKUNG & TECHNIK

Regulierung und Recycling im Spannungsfeld Veranstaltung ► Regulatorische Vorgaben, technische Detailfragen und wirtschaftliche Realitäten bestimmten die 35. Dresdner Verpackungstagung. Im Zentrum standen die Auswirkungen der europäischen Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) auf Unternehmen, der Stand der Normung zur Recyclingfähigkeit sowie die wachsende Kluft zwischen politischen Zielvorgaben und der aktuellen Situation im Kunststoffrecycling.

dass die Hauptlast der künftigen Interpretation nationalen Stellen wie der ZSVR zufallen werde, die in jedem EU-Mitgliedstaat vorgesehen sind.

Fotos: dvi

Recyclingfähigkeit und Normung

Mehr als 250 Mitglieder der Wertschöpfungskette wollten sich das Treffen in Dresden nicht entgehen lassen.

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leich zu Beginn wurde deutlich, wie komplex die neuen Anforderungen sind. Im sogenannten PPWR-Talk diskutierten Expertinnen und Experten mit dem Auditorium über Rollen und Pflichten von Unternehmen, Konformitätsarbeit, technische Dokumentation sowie Recyclingfähigkeit und Normung. Dr. Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V., ordnete die Lage ein. Die PPWR, die am 12. August 2026 in Kraft tritt, verändere Rollen und Pflichten von Unternehmen teilweise erheblich – allerdings nicht immer auf den ersten Blick. Problematisch sei, dass die Verordnung selbst das „komplexe Konstrukt“ der Rollen und Pflichten nicht erkläre. Bislang fehlten sowohl von der EU-Kommission als auch von der Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) konkrete Klarstellungen, Leitlinien oder FAQs. Unternehmen seien daher aktuell auf Informationen einzelner Verbände angewiesen. Engelmann machte deutlich,

Einen tiefen Einblick in das laufende Normungsverfahren zur Recyclingfähigkeit von Papier, Pappe und Karton gab Lydia Tempel, Geschäftsbereichsleiterin Smart & Circular Solutions am PTS Institut für Fasern & Papier. Sie berichtete aus erster Hand über die Arbeiten im Rahmen des Europäischen Komitees für Normung (CEN). Dabei gehe es sowohl um die recyclingorientierte Gestaltung von Verpackungen als auch um das sogenannte „Recycling at scale“. Bewertet werde unter anderem, welche Bestandteile separat oder integriert sind, welche Designmerkmale Sortierung und Recycling stören können und welcher Anteil tatsächlich recycelt wird und Primärrohstoffe substituiert. Gleichzeitig spiele die reale Infrastruktur eine zentrale Rolle: Wo wird gesammelt, wie wird sortiert, in welche Fraktionen und mit welchen Kapazitäten? Tempel machte deutlich, wie anspruchsvoll die Normungsarbeit angesichts sehr unterschiedlicher Voraussetzungen in den EU-Mitgliedstaaten ist. Ihr Fazit an das Auditorium: Vernetzung und Schulung der Mitarbeitenden seien unerlässlich, zugleich müsse man Ruhe bewahren. Es kursierten viele falsche oder missverstandene Informationen. Anschließend verwies Robin Huesmann, Chief Information & Innovation Officer der Leipa Group, auf grundlegende Leitplanken. Schädliche Kompo-

nenten müssten noch konsequenter vermieden werden. Mit Blick auf das ab August 2026 geltende PFAS-Verbot erinnerte er daran, dass kein Lagerabverkauf erlaubt sei. Gleichzeitig warnte er davor, Verpackungen in Bezug auf Nachhaltigkeit und Recyclingfähigkeit zu überfrachten: Funktionalität und Leistungsfähigkeit dürften nicht „überreizt“ werden.

Datenflut und KI als Hilfsmittel Den Abschluss des ersten Themenblocks bildete die Vorstellung einer KI-gestützten Softwarelösung des Start-ups Pyx.ai. Die Gründer Stavros Kyriakidis und Otto Hefner zeigten, wie sich umfangreiche und heterogene Dokumente strukturieren und auswerten lassen. Vor dem Hintergrund zunehmender regulatorischer Anforderungen stieß das Tool auf großes Interesse. Bislang sei die Verarbeitung regulatorischer Vorgaben extrem zeitaufwendig, da kaum etwas standardisiert oder harmonisiert sei, so Kyriakidis. Hinzu kämen laufend neue Bewertungen, Verbote und Anpassungen, die manuell geprüft werden müssten – je nach Material, Region und Markt. Die Software überführe relevante Informationen automatisiert in strukturierte Formate und lasse sich auch in ERP-Systeme integrieren, so Hefner.

Kunststoffrecycling: Anspruch und Wirklichkeit Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung widmete sich der Zukunft des Kunststoffs und insbesondere dem Einsatz von Rezyklaten. Dabei wurde deutlich, wie groß die Diskrepanz 02 I 2026


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zwischen politischen Zielvorgaben und der wirtschaftlichen Realität vieler Akteure ist. Hohe Quotenanforderungen aus der PPWR treffen auf eine angespannte Lage bei Recyclern und Unsicherheiten in der Versorgung mit Post-Consumer-Rezyklat (PCR). Die Tagung zog deshalb eine Bestandsaufnahme: Diskutiert wurde, was Akteure entlang der Lieferkette heute wissen müssen, um künftig handlungsfähig zu bleiben, wie aktuelle Studien mechanisches und chemisches Recycling bewerten und welche Best- und Worst-Case-Szenarien für die PCR-Versorgung denkbar sind. Markus Börger, Geschäftsführer von GRANNEX, das seit 1992 hochwertige Rezyklate produziert und branchenübergreifend an die internationale, kunststoffverarbeitende Industrie liefert, zeichnete ein eindringliches Bild der Lage. Europa verfüge zwar über eine der am weitesten entwickelten Recyclingindustrien, dennoch erlebe man aktuell einen schleichenden Strukturbruch, insbesondere im Mittelstand. Es fehle an einem „Level Playing Field“. Kunststoffrecycling und der Aufbau stabiler Rezyklatlieferketten benötigten Zeit und Ka-

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pital – Verzögerungen könne man sich nicht leisten. Börger betonte zugleich, dass funktionierende Kreisläufe grundsätzlich möglich seien. Entscheidend sei eine verlässliche Nachfrage nach Rezyklaten, die Investitionen rechtfertige. Planungssicherheit sei dafür zentral: Unternehmen müssten heute wissen, dass sich Investitionen auch in fünf Jahren noch rechnen.

Wirtschaftliche Anreize fehlen Klare Worte fand auch Dr. Dirk Textor, unter anderem Vorsitzender des Fachverbands Kunststoff-Recycling im Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. In einem Bühneninterview kritisierte er die mangelnde Kommunikation entlang der Wertschöpfungskette. Verpackungsbranche und Recycler sprächen zu oft getrennt voneinander – ein Teil des Problems. Textor machte deutlich, dass sich Kunststoffrecycling aus der Gelben Tonne wirtschaftlich nicht rechne. Jahr für Jahr müsse Geld zugeschossen werden. Zudem gehe ein großer Teil des Rezyklats traditionell in die Bauindustrie, die aktuell schwach

Beim PPWRTalk unterstrich Dr. Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V., dass die Hauptlast der künftigen Interpretation nationalen Stellen wie der ZSVR zufallen werde, die in jedem EU-Mitgliedstaat vorgesehen sind.

sei. Gleichzeitig sinken die Preise für Neuware. Ohne wirtschaftliche Anreize werde Rezyklat nicht eingesetzt. Als möglichen Hebel nannte Textor eine CO2-Bepreisung, die mechanisches Rezyklat gegenüber Neuware begünstigen könnte.

Green Claims: rechtlicher Rahmen bleibt streng Zum Abschluss der Tagung rückte das Thema Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen in den Fokus. Auch wenn die europäische Green Claims Directive nach aktuellem Stand wohl nicht umgesetzt wird, bleibe das Thema hochrelevant, erläuterten Nicolas M. Dumont, Partner, und Dr. Jonas C. Wehleit, Senior Associate der Wirtschaftskanzlei GvW Graf von Westphalen. Maßgeblich seien weiterhin das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) in Deutschland sowie die EU-Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“. Zentral sei der Aspekt der Irreführung. Unlauter seien falsche oder mehrdeutige Aussagen über Produkte, Herstellungsprozesse oder Umstände. Aussagen müssten auch für Laien verständlich und belegbar sein. Zudem könne Irreführung auch durch Unterlassung entstehen, wenn wesentliche Informationen fehlen. Die Referenten zeigten anhand konkreter Beispiele, wie Green Claims rechtssicher aufgebaut werden können – und machten deutlich, dass rechtliche Sorgfalt und wirtschaftliche Umsetzbarkeit zusammen gedacht werden müssen. 

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FRUIT LOGISTICA 2026

Die Fachbesucherinnen und Fachbesucher haben an den ersten beiden Messetagen in Berlin die Möglichkeit, ihrem Favoriten ihre Stimme zu geben.

Der FRUIT LOGISTICA Innovation Award (FLIA) wird 2026 zum 20. Mal von der Messe Berlin GmbH und Fruitnet Media International verliehen. Er präsentiert herausragende Innovationen in der gesamten Obst- und Gemüse-Lieferkette. Die Abstimmung endet am 5. Februar um 18.00 Uhr. Die Preisverleihung findet am 6. Februar um 13.00 Uhr auf der Sonderausstellung des FLIA Technology zwischen den Hallen 1.1 und 2.1 statt. Folgende Innovationen wurden von der Jury nominiert:

BOOMBITES™ Red Berry Grapes

BOOMBITES™ Red Berry Grapes sind eine Weltneuheit, die den Geschmack von Tafeltrauben mit den Eigenschaften ihres einzigartigen roten Fruchtfleischs verbindet. Sie sind das Ergebnis von über zehn Jahren natürlicher Züchtung, bei der einige der besten Tafeltrauben mit rotfleischigen Weintrauben gekreuzt wurden. Sie schmecken hervorragend und sind eine natürliche Quelle von Anthocyanen und Resveratrol. Anthocyane und Resveratrol sind Polyphenole, die für antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften bekannt sind. www.bloomfreshglobal.com BLOOM FRESH, Vereinigtes Königreich | Halle 8.2, A-80

POMPUR – die erste ECARF zertifizierte allergikerfreundliche Apfelmarke

POMPUR ist die weltweit erste ECARF-zertifizierte Apfelmarke und ermöglicht Millionen Apfelallergikern erstmals den Genuss frischer Äpfel. Zwei Sorten mit einem starken Konzept. Allergikerfreundlich, ausgezeichnet im Geschmack und qualitätsgeprüft – eine echte Innovation für den Obstmarkt. ZIN – Züchtungsinitiative Niederelbe GmbH & Co. KG, Deutschland | Halle 20, B21 + A22 www.pompur.de

POPITS™

POPITS™ ist die bahnbrechende One-Bite-Gurke, die gesundes Snacking neu definiert. Klein, aber voller Wirkung: Mit 4-5 cm Länge ist sie um +1° Brix süßer, besonders knackig und perfekt einheitlich. Nachhaltig angebaut für hohe Erträge und geringe Verluste begeistert Popits™ Verbraucher und stärkt zugleich die Erzeuger. Ein echter Gamechanger, der das Gurkensegment auf ein neues Niveau hebt. Harmoniz LTD and Mastronardi Produce, Israel + Kanada | Halle 1.2, D-45 www.harmonizseed.com

Sapori | Finest Selection

Sapori ist eine besonders feine Auswahl an Mini-Cherrytomaten. Wim Peters Kwekerijen ist stolz, Sapori vorzustellen – eine neue Premiummarke, die für hohe Qualität und Eleganz steht. Diese 1,5-kg-Selektion der besten Mini-Cherrytomaten in Elfenbein, Schwarz und Grün ist ein kulinarischer Genuss. Die Früchte sind reich an einzigartigen Aromen und zeichnen sich durch ihre außergewöhnlichen Farben aus. Wim Peters Kwekerijen, Niederlande | Halle 1.2, C-51 www.wimpeterskwekerijen.nl/sapori

Tribelli Seedless

Tribelli Seedless ist eine neue Generation süßer Mini-Spitzpaprika. Sie verbinden hervorragenden Geschmack und Knackigkeit mit der Innovation, kernlos zu sein. Keine Vorbereitung, kein Abfall – sofort verzehrfertig als perfekter gesunder Snack und bereit, das Paprikasegment weiterzuentwickeln. Die Paprika sind ganzjährig verfügbar und überzeugen durch gleichbleibend hohe Qualität dank professioneller und engagierter Partner in ganz Europa. Enza Zaden Beheer B.V., Niederlande | Halle 1.2, B-30 www.tribelli.com


Zusätzlich zum FLIA wird auch in 2026 wieder der FLIA Technology für herausragende Innovationen im Bereich Machinery & Technology verliehen.

Geben Sie der besten Innovation in Berlin Ihre Stimme und gewinnen Sie Apple AirPods Pro 2! Folgende Innovationen wurden von der Jury nominiert:

AURA SC

AURA SC ist eine vollautomatische Schädlingsüberwachungs- und Prognoselösung. Mithilfe von UV-LichtAnziehung und eines KI-gesteuerten Selbstreinigungsmechanismus ermöglicht sie eine kontinuierliche Echtzeitüberwachung mehrerer Schädlingsarten. In Kombination mit der Trapview-App werden die Schädlingsdaten in Prognosen umgewandelt, die den Arbeitsaufwand und die Lohnkosten senken, den Einsatz von Insektiziden minimieren und eine intelligentere, nachhaltigere und ertragsstarke Lebensmittelproduktion ermöglichen. www.trapview.com Trapview Group, Slowenien | Halle 3.1, C-12

Compack packaging

Hier werden Pilzreste zu zirkulären Zelluloseverpackungen verarbeitet – hergestellt aus genau dem Material, auf dem die Pilze gewachsen sind. Sie sind plastikfrei, PFAS-frei, kompostierbar, recycelbar und PPWRkonform. Diese Lösung ersetzt Kunststoff und benötigt weniger Papier als herkömmliche Faserverpackungen. www.compack.be Compack, Belgien | Halle 27, A-50

High-Speed Grafter above the cotyledons

Der High-Speed Grafter definiert die Möglichkeiten der automatisierten Veredelung neu und ermöglicht präzise Schnitte oberhalb der Keimblätter. Angetrieben durch moderne Bildverarbeitung, KI und ein Karussellsystem sorgt er jedes Mal für eine perfekte Ausrichtung von Edelreis und Unterlage. Diese Innovation setzt neue Maßstäbe in Effizienz, Hygiene und Arbeitseinsparung in der modernen Pflanzenvermehrung, indem sie eine der sensibelsten Aufgaben im Gartenbau in einen nahtlosen Prozess verwandelt. TTA-ISO, Niederlande | Halle 3.1, A-61 www.tta-iso.com

L50 DRONE

Die Zukunft der Landwirtschaft: die ABZ Innovation L50. Lernen Sie Europas erste lidarbasierte Agrarsprühdrohne mit 50 l Volumen kennen, die in der EU entwickelt und hergestellt wird. Die L50 bietet unvergleichliche Genauigkeit, automatisierte Präzision und intelligente Geländeanpassung dank der ABZ-Sense-Technologie. Erleben Sie 30 % längere Flugzeiten und eine Leistung von bis zu 24 ha pro Stunde – ein neuer Maßstab. Diese Innovation definiert die Präzisionslandwirtschaft im Zeichen von Effizienz und Nachhaltigkeit neu. ABZ Innovation Ltd., Ungarn | Halle 3.1, C-21 www.abzinnovation.com

The Solar Solution for Light Loving Crops

Voltiris hat solarfilternde Module entwickelt, die das vollständige PAR-Licht durchlassen und ein kräftiges Pflanzenwachstum sowie hohe Erträge unterstützen. Voltiris filtert nahinfrarotes (NIR-) Licht und wandelt es in Elektrizität um, mit einer Leistung von 435 kWp pro Hektar und einer jährlichen Stromerzeugung von bis zu 400 MWh pro Hektar. Die Reduzierung überschüssiger Wärme hält sie die Pflanzen in sonnigen Phasen um bis zu 5 °C kühler. Das verringert Hitzestress, verbessert die Fruchtqualität und steigert die Gesamtproduktivität. Voltiris, Schweiz | Halle 3.1, A-10a www.voltiris.com/technology

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KI, START-UPS, DIGITALE LÖSUNGEN

Ctrl+Alt+Refresh: Wie KI die globale Obst- und Gemüsebranche revolutioniert Trend Report 2026 ► Künstliche Intelligenz und Automatisierung verändern jedes Glied in der globalen Lieferkette für Obst und Gemüse. Der FRUIT LOGISTICA Trend Report 2026 mit dem Titel „Ctrl+Alt+Refresh“ untersucht, wie neue Technologien die Effizienz, Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit in der gesamten Frischfruchtbranche vorantreiben. Der Titel selbst deutet auf einen systemweiten Neustart hin – eine globale Obst- und Gemüsebranche, die mit Hilfe von KI neu konfiguriert wird, um noch schneller, intelligenter und nachhaltiger zu werden. Michael Schotten

Differenziertes und dynamisches Bild Der FRUIT LOGISTICA Trend Report 2026 zeichnet ein differenziertes und dynamisches Bild vom Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) und der Automatisierung in der globalen Frischwarenbranche. Die Einschätzungen der zu Wort kommenden Expertinnen und Experten zeigen: KI ist längst kein Zukunftsthema mehr, steht aber erst am Anfang ihres transformativen Potenzials. „In diesem Jahr tauchen wir mit dem Trend Report tief in die Welt der KI und Automatisierung ein und betrachten deren gegenwärtige und 22 | FRUCHTHANDEL

Foto: BerkahStock – AdobeStock

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er von Fruitnet Media International in Zusammenarbeit mit der FRUIT LOGISTICA erstellte Bericht kombiniert exklusive Umfrageergebnisse mit Fallstudien aus der Praxis von führenden Unternehmen und Innovatoren weltweit. Grundlage war eine Befragung von mehr als 50 internationalen Expertinnen und Experten, die aktiv an der Entwicklung entsprechender Technologien für Obst und Gemüse beteiligt sind. „KI ist nicht mehr experimentell, sondern unverzichtbar“, sagt Mike Knowles, Geschäftsführer von Fruitnet Europe und Autor des Berichts. „Die Fruchthandelsbranche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, da Technologien immer nützlicher, erschwinglicher und intelligenter werden. Wer sich nicht anpasst, läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren“, so Mike Knowles weiter.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz kann in fast allen Bereichen der Wertschöpfungskette nützlich sein. Menschliche Expertise wird dennoch unverzichtbar bleiben.

zukünftige Auswirkungen auf den globalen Obst- und Gemüsemarkt. Wir untersuchen, wie sich diese neuen Technologien auf Bereiche wie Produktion, Nachernte, Vertrieb und die Entwicklung neuer Produkte auswirken werden. Und wir fragen, wie sie die Lieferketten für frische Produkte widerstandsfähiger und profitabler machen können“, führt Mike Knowles aus.

KI entlang der gesamten Wertschöpfungskette Besonders stark ist der Einsatz von KI aktuell in der Produktion und im Crop Management. Digitale Wetterstationen, KI-gestützte Krankheitsprognosen, smarte Be-

wässerungs- und Düngesysteme sowie bildbasierte Schädlingsdetektion helfen Landwirten, Ressourcen effizienter einzusetzen, Erträge zu stabilisieren und Risiken frühzeitig zu erkennen. Der Trend geht klar in Richtung datengetriebener Landwirtschaft. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Ernte und Nachernte. Der zunehmende Arbeitskräftemangel beschleunigt die Entwicklung automatisierter Erntelösungen, insbesondere für arbeitsintensive oder schwer zugängliche Kulturen. In der Nachernte erzielen KI-gestützte Sortier- und Klassifizierungsanlagen bereits heute deutlich höhere und konsistentere Qualitätsstandards als manuelle Verfahren. 02 I 2026


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Als eines der am weitesten entwickelten Einsatzfelder gilt die Qualitätskontrolle. Hyperspektrale Sensoren, bildgebende Verfahren und zerstörungsfreie Mess-Systeme ermöglichen eine immer genauere Bewertung äußerer und innerer Qualitätsmerkmale wie Süße, Festigkeit oder Reifegrad – sowohl stationär als auch mobil direkt im Feld. Auch Verpackung, Kennzeichnung und Handel profitieren zunehmend von KI. Automatisierte Verpackungslinien, KI-gestützte Absatzprognosen und digitale Schnittstellen zum Endverbraucher verbessern Effizienz und Warenpräsentation gleichermaßen. In der Logistik und Kühlkette kommt KI bereits erfolgreich bei Nachfrageprognosen, Routenplanung, Bestandsmanagement und der Reduzierung von Verderb zum Einsatz. Angesichts von Verlustquoten von bis zu 30 % bei bestimmten Kulturen sehen die Befragten hier eines der größten kurzfristigen Optimierungspotenziale, wie der FRUIT LOGISTICA Trend Report 2026 untermauert.

Mehr Integration, weniger Verluste Für die kommenden Jahre rechnen Experten mit einer deutlichen Ausweitung der Automatisierung – vor allem in der Ernte. Parallel dazu soll KI immer tiefere Einblicke in Produktqualität und Lebensmittelsicherheit liefern, etwa durch Echtzeitdaten zur inneren Zusammensetzung von Früchten. Ziel ist eine noch präzisere Sortierung, weniger Abfall und höhere Verbraucherzufriedenheit. Große Hoffnungen ruhen zudem auf KI-gestützter Nachfrageprognose und Marktintelligenz, die Angebot und Nachfrage besser in Einklang bringen und Überproduktion vermeiden sollen. Ein zentrales Thema ist dabei die Datenintegration: Der Branche fehlen bislang interoperable Systeme und vertrauenswürdige Dateninfrastrukturen, die einen sicheren Austausch von Erkenntnissen ermöglichen, ohne sensible Roh02 I 2026

daten preiszugeben. Unter interoperablen Systemen versteht man solche IT-Systeme, Geräte oder Anwendungen, die unabhängig voneinander nahtlos Daten austauschen und Funktionen gemeinsam nutzen können, basierend auf gemeinsamen Standards und Schnittstellen, um Informationen effizient und ohne manuelle Konvertierung zu verarbeiten. Sie ermöglichen dadurch eine durchgängige Kommunikation über verschiedene Sektoren hinweg.

Grenzen und offene Baustellen Trotz aller Fortschritte benennt der Bericht aber auch klare Defizite. Dazu zählen fehlende Echtzeitlösungen zur Messung wichtiger Nährstoffe im Anbau, wie z.B. Phosphor oder Kalium, die weiterhin hohe Abhängigkeit von Handarbeit in komplexen Anbauumgebungen sowie mangelhaft integrierte IT-Systeme. Gleichzeitig bleibt die Verbindung zwischen KI-optimierten Lieferketten und dem tatsächlichen Konsumentenverhalten eine ungelöste Herausforderung – insbesondere vor dem Hintergrund eines weltweit rückläufigen Obst- und Gemüseverbrauchs.

Möglicher Innovationsdruck Kritisch gesehen wird zudem ein möglicher Innovationsdruck seitens des Handels, der unausgereifte Technologien zu früh in den Markt drängen könnte. Bemerkenswert ist der Tenor vieler im Rahmen der Erstellung des Berichts Befragter, KI nicht primär als Ersatz menschlicher Arbeit zu verstehen, sondern als Verstärker von Expertise, Vertrauen und Zusammenarbeit. „Da der KI immer mehr Kontrolle übertragen wird, müssen Unternehmen entscheiden, welche Aufgaben weiterhin Menschen vorbehalten bleiben – beispielsweise das Beziehungs-Management, ethische Beurteilungen oder sensorische Bewertungen – und ihre Unterneh-

mensstrukturen entsprechend neu definieren. In einem zukünftigen Bericht werden wir möglicherweise die Auswirkungen der KI aus dieser insgesamt menschenbezogeneren Perspektive erneut betrachten“, sagt Mike Knowles. 

Titelseite des FRUIT LOGISTICA Trend Report 2026

Der FRUIT LOGISTICA Trend Report 2026 kann kostenlos über den QRCode heruntergeladen werden.

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KI, START-UPS, DIGITALE LÖSUNGEN

Friedhof der Beeren Neolithics ► An einem regnerischen Morgen im Hafen von Rotterdam wird ein Kühlcontainer aus Peru zur Inspektion geöffnet. Ein Qualitätskontrolleur nimmt eine Schale mit Blaubeeren heraus, drückt leicht darauf und probiert eine. Die Frucht ist weich. Ein weiterer Test bestätigt dies. Wenige Minuten später steht das Urteil fest: Der gesamte Container wird zurückgewiesen. Nicht herabgestuft. Vernichtet. Dies ist kein Versagen der Logistik. Das System funktioniert genau so, wie es vorgesehen ist.

Foto: alicja neumiler/AdobeStock

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ntlang der Handelsroute zwischen Peru und Europa entstehen beim Handel mit Blaubeeren geschätzte Verluste von 8 % bis 10 % des Gesamtvolumens aufgrund von „Qualitätsproblemen”, wie es in der Branche heißt. In der Praxis bedeutet dies, dass jedes Jahr etwa sechs Milliarden Blaubeeren weggeworfen werden. Das reicht aus, um eine Person 200.000 Jahre lang jeden Morgen mit einer Schachtel Blaubeeren zu versorgen. Jede zurückgewiesene Lieferung bedeutet mehr als nur entgangene Einnahmen. Es ist verschwendete Bewässerung, verschwendeter Dünger, verschwendete Energie und verschwendete Arbeit, die über einen Ozean exportiert werden, nur um verbrannt oder vergraben zu werden. In einer Branche, die unter dem Druck steigender Kosten, ESG-Prüfungen und schwankender Nachfrage steht, ist dieses Maß an Ineffizienz nicht mehr tolerierbar. Dennoch besteht es weiterhin.

Jedes Jahr werden etwa sechs Milliarden Blaubeeren weggeworfen.

Mängel sichtbar werden, ist das wirtschaftliche Ergebnis bereits besiegelt. Die Folge sind konservative Entscheidungen, übermäßige Ausschussquoten und strukturelle Verschwendung.

Warum das System versagt

Neolithics™ und das Ende des Rätselratens

Die Qualitätskontrolle bei frischen Produkten ist nach wie vor äußerst primitiv. Zehntausende Kilogramm werden anhand einer Handvoll Proben beurteilt: gepresst, geschnitten, verkostet und extrapoliert. Dieser Prozess setzt eine Gleichmäßigkeit bei einem biologischen Produkt voraus, das von Natur aus variabel ist. Früchte, die im Abstand von mehreren Stunden geerntet werden, verhalten sich unterschiedlich. Die Entwicklung des Zuckergehalts im Inneren, der Verlust an Festigkeit und vorzeitiger Verfall sind weder sichtbar noch fühlbar. Wenn die

Neolithics wurde entwickelt, um Urteile durch Messungen zu ersetzen. Mithilfe fortschrittlicher Spektroskopie und hyperspektraler Bildgebung analysiert Neolithics Obst zerstörungsfrei und in großem Maßstab und erstellt einen digitalen Zwilling jeder Charge. Interne Qualitätsparameter wie Festigkeit, Zuckergehalt und latenter Verfall werden quantifiziert, bevor sie sichtbar werden. Was einst unsichtbar war, wird zu verwertbaren Daten. Die Qualitätskontrolle verlagert sich von der Stichprobenentnahme zur Intelligenz.

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Die globale Logistik funktioniert nach wie vor nach dem FIFOPrinzip: First-In, First-Out. Nicht der Zustand, sondern die Zeit bestimmt den Fluss. Neolithics ermöglicht Predictive FEFO: First-Expired, First-Out. Die Haltbarkeit wird berechnet, nicht angenommen. Die Lieferungen werden entsprechend der biologischen Realität geroutet: Kurzlebige Früchte werden schnell und lokal transportiert, langlebige Früchte werden weiter und langsamer transportiert. Der Abfall geht zurück. Die Margen erholen sich. In einem Markt, der von geringen Margen und steigender Verantwortlichkeit geprägt ist, ist Unwissenheit teuer. Neolithics optimiert nicht unter Unsicherheit. Es beseitigt sie. Das ist keine Qualitätskontrolle als Versicherung. Es ist Qualität als Strategie. 

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Foto: Messe Berlin

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Nicolás Tapia Zapata vom ATB in Brandenburg wird auch 2026 im Rahmen des FRUTIC Science Symposiums Einblicke in seine Forschung geben.

Wenn Pflanzen messbar werden: Was Sensoren und KI für die Versorgungskette bedeuten FRUIT LOGISTICA | Programm ► Beim FRUTIC Science Symposium, das im Rahmen der FRUIT LOGISTICA am Freitag, dem 6. Februar 2026 auf der Farming Forward-Bühne stattfindet, geben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Einblicke in ihre Forschungsprojekte und damit in die Zukunft der Branche. Marlis Heinz

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m ersten Vortragsblock ist der Fokus auf Sensorik und KI gerichtet. Henryk Flachowsky, Leiter des JKI-Fachinstituts für Züchtungsforschung an Obst, stellt neue Sensorsysteme vor, die direkt am Baum messen, wie Knospen auf Trockenstress reagieren. Als Antwort auf den Fachkräftemangel präsentiert Frederik Kurz vom Versuchszentrum Laimburg in Südtirol das Projekt „KI-Baumschnitt“. Dieses System analysiert mithilfe von KI-Algorithmen 3D-Modelle von Bäumen und gibt angelernten Kräften exakte Schnittempfehlungen. Schließlich zeigt Nicolás Tapia Zapata vom ATB in Brandenburg, wie mit Lasern erzeugte 3D-Pflanzenmodelle im Feld gemessen und mit 3D-Temperaturdaten verknüpft werden. Diese Daten treffen dann Aussagen über die Lagerfähigkeit des Ernteproduktes. Ein Augenmerk des Symposiums liegt auch auf der Anwendung von Hyper- und Multispektralkameras. Professor George Manganaris aus Griechenland diskutiert das Potenzial von Agri-Photovoltaik und zeigt mit Sensordaten, wie der Anbau von Himbeeren unter Solarmodulen Ertrag und Qualität unter Hitzestress beeinflusst. Atsushi Hashimoto von der MIE Universität in Japan und zwei Beiträge aus Malaysia und Spanien zeigen, wie Hyperspektralkameras in Kombination mit KI äußere Krankheitssymptome und innere Qualitätsmerkmale bei Mangos und Kumquats zuverlässig erkennen, was eine robuste Qualitätskontrolle am Packband ermöglicht.

Kathy Steppe von der Gent Universität in Belgien präsentiert einen überzeugenden Ansatz, bei dem Echtzeit-Sensordaten mit digitalen Zwillingen der Pflanze kombiniert werden. Abschließend spricht Alon Ben-Gal über die Entwicklung anwenderfreundlicher Bewässerungs-Apps. Er zeigt, welche Tools vielversprechend sind und gibt Denkanstöße für die Weiterentwicklung intuitiverer, kommerzieller Software. Die letzte Vortragssession deckt eine breite Palette von Automatisierungslösungen ab, von Feldrobotern bis hin zu modernsten Lagersystemen. Professor Reza Ehsani von der Mercedes Universität in Kalifornien stellt einen Roboter vor, der autonom durch die Obstanlage fährt, um für die Früherkennung von Stress den Zustand einzelner Blätter zu analysieren. Amnon Lichter präsentiert Anwendungsmöglichkeiten von einfachem Ethanol zur Verlängerung der Haltbarkeit von Früchten. Schließlich enthüllt Tuany Hoffmann vom ATB in Deutschland den „SensorTwin“. Er misst das Mikroklima direkt in der Großkiste im Lager und liefert Daten für prädiktive Modelle, um die Lagerung ressourceneffizienter zu gestalten. Pitch-Beiträge runden die Vortragsreihe ab und erweitern das Innovationsspektrum um eine Vielzahl von Forschungsprojekten.  Weitere Informationen zum Programm erhalten Sie hier:

Intelligente Bewässerung Der FruitCREWS-Themenblock widmet sich der intelligenten Bewässerung und beleuchtet das Zusammenspiel von Pflanzensensoren, Modellen und praxisnahen Entscheidungshilfen. In zwei Beiträgen wird aufgezeigt, wie mit Sensordaten die wichtigste Frage für den Praktiker beantwortet werden kann: Wann benötigt eine Obstanlage Wasser und vor allem wie viel? Professor 02 I 2026

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KI, START-UPS, DIGITALE LÖSUNGEN

Lebenslauf der Früchte zwischen Plantage und Regal beobachten und lenken Forschung ► Manuela Zude-Sasse, Arbeitsgruppenleiterin Präzisionsgartenbau am Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) und Mitorganisatorin des FRUTIC Science Symposiums, informierte das Fruchthandel Magazin über den Einsatz von Sensorik, KI und datenbasierten Modellen im Gartenbau. Sie erläuterte zudem, wie präzise Analysen von Pflanzen und Früchten Anbau, Lagerung und Vermarktung verändern und welche Bedeutung diese Entwicklungen für die gesamte Wertschöpfungskette des Obst- und Gemüsehandels haben. Marlis Heinz

Stichwort Präzisionsgartenbau. Was genau versteht man darunter? Präzisionsgartenbau umfasst jede Form von datenbasiertem Ma-

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Manuela Zude-Sasse, Leiterin der Arbeitsgruppe Präzisionsgartenbau am Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB)

Das ATB verfügt am Standort Marquardt über eine Versuchsstation. Hier befindet sich auch der TechnologyGarden, eine Modellanlage für sensorbasierten Präzisionsgartenbau.

Fotos: Heinz

Zwar sind Sie im Februar 2026 nicht zum ersten Mal auf der FRUIT LOGISTICA zu erleben und über einige Ihrer Projekte haben Sie auch schon im Fruchthandel Magazin berichtet. Bitte geben Sie uns ein paar Infos zu Ihrer Person und zu Ihrer Arbeit. Manuela Zude-Sasse: Ich habe Ende der Neunziger an der TU Berlin Chemie und Internationale Agronomie studiert, dort promoviert und forsche seit 2001, mit mehr oder weniger langen Unterbrechungen für Forschungs-Aufenthalte und Professuren beispielsweise in Frankreich, Australien, mehrmals in den USA und in Berlin. Seit 2015 leite ich die Arbeitsgruppe Präzisionsgartenbau am ATB.

nagement der Produktions- und Nachernteprozesse, wobei nach Möglichkeit einzelne Pflanzen oder Pflanzengruppen individuell behandelt werden. Mit diesem individuellen, adaptiven Ansatz vermeidet man Fehler, die bei einer einheitlichen Behandlung immer auftreten, weil einige Pflanzen individuell zu viel und einige Pflanzen individuell zu wenig Ressourcen, Pflege, Lagerdauer etc. bekommen. Zum Aufgabenfeld meiner Arbeitsgruppe Präzisionsgartenbau gehören speziell die Analyse und die Modellierung von pflanzenindividuellen Bedürfnissen. Das umfasst zum einen die Untersuchung physikalischer Eigenschaften von Obst und Gemüse mit in-situ Analysen – wir betrachten also lebendige Pflanzen direkt in ihrer gartenbaulichen Umgebung. Hierzu nutzen wir

spektraloptische Messverfahren; das sind zum Beispiel LiDAR, Wärmebildgebung, multispektrale und hyperspektrale Untersuchungen, bildgebende Rückstreumessung, zeitaufgelöste Fluoreszenzspektroskopie sowie die Referenzanalytik. Im zweiten Schritt werden diese Daten dann von uns in Modellen verwendet; beispielsweise Modelle zum Management der Fruchtgröße oder zum Temperatureinfluss in der Produktion auf die Haltbarkeit. Inwieweit betrifft Präzisionsgartenbau auch den Fruchthandel? Der Handel beginnt ja eigentlich erst dann, wenn der Gartenbau mehr oder weniger abgeschlossen ist. Wie weit das Planen und Errichten von gartenbaulichen Anlagen, das Heranwachsen von Obst und Ge02 I 2026


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müse und dann Ernte, Lagerung und Vermarktung nicht nur logistisch, sondern auch physiologisch ineinandergreifen, ist in den vergangenen Jahren immer deutlicher geworden. Deshalb wenden sich auch immer mehr Forschungsprojekte diesem Wechselspiel entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu. Auch kommen die Fachkräfte entlang der kompletten Wertschöpfungskette häufig aus einer gartenbaulichen Ausbildung oder einem Gartenbaustudium. Der Gartenbau ist also eigentlich ein Allrounder in der Wertschöpfungskette. Ein neues Feld im Gartenbau ist die Entwicklung und Anwendung von digitalen Technologien. Beispielsweise ist die Aufzeichnung von Temperaturverteilungen in einer Produktionsanlage in Form von 3D-Pflanzenmodellen möglich geworden. Mit der Methode erhält man über den Verlauf der Fruchtentwicklung die fruchtindividuelle Temperatursumme. Diese Summe hat einen entscheidenden Einfluss auf die Haltbarkeit wie beim FRUTIC Science Symposium Nicolás Tapia Zapata aus meiner Arbeitsgruppe für Tomaten zeigen wird. Solche Ansätze wandeln den Anbau von einer erfahrungsbasierten zu einer datengesteuerten, präzisen Bewirtschaftung, was wiederum einen Einfluss auf die Produkteigenschaften im Handel hat. Für die Zeit nach der Ernte – so wird es Angelo Zanella ebenfalls am 6. Februar vortragen – hat die dynamischen CA-Lagerung (DCA) große Vorteile. Eine kommerziell verfügbare Methode misst den Stress der Früchte direkt über ihre Chlorophyllfluoreszenz und ermöglicht das Absenken der Sauerstoffkonzentration auf das absolut notwendige Minimum. Das Ergebnis: eine deutlich längere Haltbarkeit und Top-Qualität bei Äpfeln, ganz ohne den Einsatz von Chemie.

Die Messungen finden sowohl im Labor als auch auf den Anlagen statt.

Praxis des globalen Obst- und Gemüsehandels. Wen erhoffen Sie sich im Publikum? Hauptziel der Veranstaltung ist es, die bereits geschehenen wissenschaftlichen Durchbrüche in handfeste Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette zu verwandeln. Wir behandeln Digitalisierungsthemen vom Anbau über Lagerung bis zum Point of Sale. Die Vorträge stellen die essentiellen Bausteine für die Digitalisierung einzelner Prozesse, vor allem zu den hot topics der Branche, ins Rampenlicht: moderne Sensoren zur Überwachung vor und nach der

Ernte, der Einsatz von KI und Robotik zur Bewältigung des Arbeitskräftemangels, neue Strategien für effiziente Bewässerung und Lagerung sowie zerstörungsfreie Methoden zur Qualitätsvorhersage. Dazu haben wir renommierte internationale Wissenschaftler eingebunden. Für eine lebhafte Debatte hinsichtlich einer Praxiseinführung wünschen wir uns das breite Spektrum der Fruchthandelsbranche – sowohl die erfahrenen Experten, die die Bedeutung der Methoden einordnen können wie auch die jungen Mitarbeiter, die einen selbstverständlichen Zugang zu digitalen Tools haben.  Um die Temperaturverteilung in Kühlanlagen zu ermitteln, vertreten Messgeräte in einer apfelförmigen Hülle die Früchte.

Mit dem bevorstehenden FRUTIC Science Symposium im Rahmen der FRUIT LOGISTICA planen Sie einen Brückenschlag von der Spitzenforschung direkt in die 02 I 2026

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TOPINAMBUR

Herkunft Die oder der Topinambur (Helianthus tuberosus L.), auch als Erdbirne, Erdartischocke, Jerusalem-Artischocke oder Ross-Erdapfel bekannt, gehört wie die verwandte Sonnenblume zur Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae) und wurde bereits vor Eintreffen der Europäer von indigenen Völkern Nordamerikas angebaut. Anfang des 17. Jahrhunderts gelangte sie aus Kanada zuerst nach Frankreich und verbreitete sich rasch in Europa. Als geschätzte Speiseknolle wurde sie Mitte des 18. Jahrhunderts von der Kartoffel weitgehend verdrängt. Heute wird Topinambur weltweit in Nordund Mittelamerika, Europa, Asien und Australien angebaut. Sie dient als Gemüse, als Viehfutter, zur Herstellung von Spirituosen, Nahrungsergänzungsmitteln und für pharmazeutische Zwecke, zur industriellen Gewinnung von Zucker (Fructose) und Inulin sowie als Energiepflanze (Bioethanol, Biogas).

Beschreibung

Die Topinambur ist genetischen Untersuchungen zur Folge aus natürlicher Kreuzung der Haarigen Sonnenblume (Helianthus hirsutus Raf.) mit der Sägezahn-Sonnenblume (Helianthus grosseserratus M. Martens) im mittleren Osten von Nordamerika entstanden. Die Pflanze ist eine schnell wachsende, ausdauernde Staude, die aus Sprossknollen mehrere 2 m bis über 3 m hohe Triebe bildet. Die verzweigten Stängel tragen zahlreiche gestielte, grob gesägte, herzförmige bis eiförmig-lanzettliche, raue Blätter. Frühe Sorten blühen bereits unter Langtagsbedingungen ab Anfang August mit 4 cm bis 8 cm großen, einzelnstehenden, dottergelben Korbblüten, während mittelspäte und späte Sorten in manchen Jahren nicht zur Blüte kommen. An der Sprossbasis bilden sich in den Achseln von Niederblättern unterirdische Ausläufer, an deren Spitzen unregelmäßig geformte, rundliche bis spindelförmige, knapp kartoffelgroße Knollen entstehen. Diese weisen je nach Sorte eine gelbe, braune, violette oder rote, dün-

ne, nicht verkorkende Schale auf und besitzen bei allen Sorten ein weißes bis weiß-gelbliches Fleisch von knackiger Konsistenz. Die Pflanze stellt keine besonderen Ansprüche an die Düngung und den Boden, verträgt aber keine Staunässe. Sie gedeiht am besten auf sandig-lehmigen, gut durchlüfteten, steinfreien Böden und bringt unter mitteleuropäischen Klimabedingungen gute Erträge. Topinambur für die Speiseknollenproduktion wird in der Regel einjährig als Dammkultur angebaut. Die Pflanzung der Knollen in 6 cm bis 8 cm Tiefe erfolgt mit Kartoffellegetechnik. Bei einem Reihenabstand von 75 cm und 25 cm bis 30 cm Abstand in der Reihe ergibt sich eine optimale Pflanzdichte von 4 bis 5 Pflanzen/m2, welches etwa 40.000 bis 50.000 Pflanzen/ha bedeutet. Pflanztermine im Spätherbst haben den Vorteil eines etwa 14-tägigen Wachstumsvorsprungs, bergen allerdings das Risiko von Ausfällen durch bodenbürtige Krankheitserreger oder Beschädi-

Sorte Topianka

Sorte Bianka

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WARENKUNDE


TOPINAMBUR

gungen der Knollen durch Tierfraß. Der ideale Pflanztermin ist das Frühjahr, in wärmeren Lagen bereits ab Mitte Februar bis Anfang März. In der Hauptwachstumszeit von Juli bis Oktober ist eine bedarfsgerechte Wasserverfügbarkeit zu gewährleisten, gegebenenfalls durch eine Zusatzbewässerung, denn Wassermangel beeinträchtigt den Ertrag, die Knollengröße und die FructanEinlagerung. Weltweit soll es über 300 Sorten geben, die sich hinsichtlich ihrer Reifezeit, des Krautertrags, des Knollenertrags, der Knollenform, der Knollengröße, der Hautfarbe, der erzielbaren Alkoholausbeute und ihrer Eignung als Speisesorte oder Futtersorte unterscheiden. Topinambur wurde in Deutschland bisher nur wenig züchterisch bearbeitet, selbst für neuere Sorten wie ‚Topstar‘ oder ‚Lola‘ wurde der erteilte Sortenschutz bereits wieder gelöscht. Nachstehend eine Auswahl und Beschreibung bekannter Sorten, geordnet nach ihrer Reifezeit: ‚Topstar‘ (sehr früh, Knollen länglich-oval), ‚Henriette‘ (früh, Knollen walzen- bis birnenförmig), ‚Gigant‘ (früh, Knollen walzen- bis birnenförmig), ‚Bianka‘ (früh, Knollen walzen- bis birnenförmig), ‚Gute Gelbe‘ (mittelspät, Knollen rund bis oval und glatt), ‚Waldspindel‘ (mittelspät, Knollen spindelförmig), ‚Völkenroder Spindel‘ (mittelspät, Knollen spindelförmig bis spitzoval), ‚Lola‘ (mittelspät, Knollen mit Hals, rund bis birnenförmig), ‚Medius‘ (mittelspät, Knollen mit Hals, rund bis birnenförmig), ‚Topianka‘ (mittelspät, Knollen mit Hals, birnenförmig), ‚Fuseau 60‘ (mittelspät, rund bis birnenförmig mit Tochterknollen), ‚Violet de Rennes‘ (mittelspät, Knollen violett mit Hals, rund bis birnenförmig), ‚Landsorte Rot‘ (spät, Knollen mit Hals, rund bis birnenförmig), ‚Landsorte Weiß‘ (spät, Knollen mit Hals, rund bis birnenförmig), ‚Dornburger‘ (spät, Knollen mit Hals, rund bis birnenförmig), ‚Rote Zonenkugel‘ (spät, Knollen mit Hals, rund bis birnenförmig). Grundsätzlich sind alle Sorten essbar, Speisesorten sollten neben dem guten Geschmack große, gut geformte, möglichst glatte Knollen aufweisen. Auf unseren Märkten besonders beliebt sind z.B.: ‚Topstar‘, ‚Gigant‘, ‚Bianka‘, ‚Gute Gelbe‘, ‚Lola‘, ‚Völkenroder Spindel‘ und ‚Violet de Rennes‘. Letztere sowie die Sorten ‚Patate‘ (Knollen leicht rötlich, mit Hals, rundlich), ‚Rouge du Limousin‘ (Knollen leicht rötlich, rund, Fleisch weiß, leicht rötlich marmoriert) und ‚Sakhalinski‘ (Knollen hellviolett, keulenförmig)

Sorte Gute Gelbe WARENKUNDE

sind in Frankreich verbreitet.

Qualitätsmerkmale

Frische: Frische Knollen sind fest, prall und zeigen ihre sortentypische Farbe. Matt aussehende, welke und schon weiche Knollen wurden zu lange oder falsch gelagert und sind für die Vermarktung nicht mehr geeignet. Gesunde Knollen: Die Knollen müssen frei von pilzlichen oder bakteriellen Krankheiten sein. Faulstellen sind meist weich und das Knollenfleisch ist verfärbt. Keine Beschädigungen, Verletzungen: Bei Ernte und Aufbereitung können die Knollen beschädigt werden oder Knollenteile abbrechen, wodurch die Haltbarkeit beeinträchtigt wird. Die empfindliche Schale wird leicht abgerieben, was zu Feuchtigkeitsverlusten mit vorzeitiger Welke führt. Keine Schäden durch Schädlinge: Im Feld oder bei der Lagerung in Erdmieten kann es zu Fraßstellen an den Knollen durch Wühlmäuse oder andere Tiere kommen, welche Eintrittspforten für bakterielle und pilzliche Erreger bieten. Keine Verschmutzungen: Die Knollen sollten sauber, d.h. praktisch frei von anhaftender Erde sein. Frischmarktware wird in der Regel gewaschen.

Geschmack

Topinambur kann ähnlich wie Kartoffeln vielseitig zubereitet werden. Er kann roh und dünn geschnitten oder fein geraspelt in Salaten verwendet werden, wobei die sorgfältig abgebürstete und gewaschene Schale mitgegessen werden kann. Die Konsistenz ist knackig-frisch wie Kohlrabi, der Geschmack leicht erdig im Abgang. Gekocht, gedünstet, gebacken, gebraten oder frittiert wird die Konsistenz zart und cremig und es entfaltet sich sein milder, leicht nussig-süßlicher Geschmack mit einer Note von Artischocke. Sollen die Knollen ohne Schale zubereitet werden, kocht man sie wie Pellkartoffeln und schält sie in noch heißem Zustand. Auch für Gratins, Püree, Suppen oder Chips sind die Knollen geeignet.

Lieferländer

Die globale Anbaufläche wird von der FAO statistisch nicht erfasst, in Schätzungen wird sie auf 2,5 Mio Hektar beziffert. Größere Produzenten sind China, die USA, Kanada, Mexiko, Europa.

Sorte Rote Zonenkugel FRUCHTHANDEL | 29


TOPINAMBUR

Sorte Medius

Sorte Violet de Rennes

Der wertmäßig größte Exporteur ist China, mit Abstand gefolgt von Mexiko, den Niederlanden, Spanien, den USA, Frankreich, Myanmar, Belgien, Deutschland und Indien (https://www.tridge. com/jerusalem-artichoke, 2022). In Deutschland wird die Anbaufläche von Topinambur statistisch nicht erfasst. Schätzungen schwanken zwischen 500 ha und 800 ha, wovon nur ca. 10 % der Fläche für den Speiseknollenanbau genutzt wird. Der größte Teil der Anbaufläche befindet sich in Südbaden, weitere nennenswerte Flächen finden sich in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Bayern. Der größte Teil erfolgt im Vertragsanbau, die Knollen werden zu Spirituosen verarbeitet und dienen der Industrie zur Herstellung von Diätnahrung, Proteinriegeln, Saftkonzentrat, Inulin-Pulver (Ballaststoffpulver) und Fructosesirup. Importe erhalten wir vor allem aus den Niederlanden (Re-Exporte), Frankreich und Italien. Auf dem Frischmarkt wird Topinambur von Oktober bis März angeboten, überwiegend auf Wochenmärkten, in Natur- und Feinkostgeschäften, im Ab-Hof-Verkauf sowie in gut sortierten Supermärkten. Standardverpackung ist die 5-kg-Holzkiste oder -Kartonsteige.

Lagerung

Ernte

Zur Ernte müssen die Knollen vollständig ausgereift und dürfen nicht mehr fest mit den Ausläufern verbunden sein. Die Ernte kann je nach Sorte frühestens im Oktober beginnen und je nach Bedarf in frostfreien Zeiten den ganzen Winter hindurch erfolgen, da die Knollen bis -30 °C frosthart sind. Dazu werden die Flächen üblicherweise durch Stroh, Laub oder andere Materialien abgedeckt. Vor Erntebeginn im Herbst muss die große Krautmasse entweder abgeerntet (Energiegewinnung) oder mit einem Schlegelfeldhäcksler gemulcht werden. Für die Knollenernte bedient man sich herkömmlicher Kartoffelroder mit modifizierten Siebkettenbändern aufgrund der geringeren Knollengröße. Knollenverluste müssen minimiert werden, da Topinambur selbst aus Bruchstücken wieder austreibt. Der Ertrag in der Speiseknollenproduktion schwankt je nach Sorte, Bodenbeschaffenheit, Düngung, Bewässerung und Saisonverlauf und liegt bei 25 t bis 60 t/ha. Die höchsten Knollenerträge unter den Speisesorten bringt die Sorte ‚Topstar‘, gefolgt von ‚Violet de Rennes‘, ‚Dornburger‘ und ‚Gigant‘. Knollen für den Frischmarkt werden in der Regel gewaschen, getrocknet und lose in Steigen oder Folienbeuteln verpackt. 30 | FRUCHTHANDEL

Topinamburknollen sind nicht so gut lagerfähig wie Kartoffeln, da sie aufgrund der dünnen Schale schnell an Feuchtigkeit verlieren. Eine Kühllagerung bei 0 °C bis 2 °C und 90 % bis 95 % relativer Luftfeuchtigkeit bis zu vier Monate ist grundsätzlich möglich. Kostengünstiger lassen sie sich jedoch in Form der Feldüberwinterung oder in Erdmieten bis zu sechs Monate aufbewahren. Im Kühlschrank sind sie in ein feuchtes Tuch gewickelt in einem perforierten Folienbeutel oder geschlossenen Behälter etwa zehn Tage haltbar. In einem Kühlschrank mit speziellem Obst- und Gemüsefach bei 0 °C und hoher Luftfeuchtigkeit beträgt die Haltbarkeit bis zu vier Wochen.

Lager- und Transportschäden

Durch die hohe Transpiration neigen die Knollen bei zu niedriger Luftfeuchtigkeit schnell zur Welke. Je höher die Lagertemperatur, desto höher ist die Atmungsrate und der Verlust an Trockensubstanz. Gleichzeitig erhöht sich das Risiko für Fäulnisbefall durch Bakterien (Erwinia carotovora) und Pilzerreger wie Botrytis cinerea, Sclerotinia sclerotiorum und Rhizopus stolonifer. Lagertemperaturen unterhalb von -2,2 °C können zu Gefrierschäden in Form von Verderb führen. Die Knollen sind nicht empfindlich gegenüber Ethen (Ethylen).

Inhaltsstoffe

Topinambur besitzt einen Wassergehalt von 79 %, enthält 12 % Ballaststoffe, 4 % Kohlenhydrate, 2,4 % Eiweiß, 0,4 % Fett und 1,7 % Mineralstoffe, vor allem Kalium, Phosphor und Eisen. Mengenmäßig erwähnenswerte Vitamine sind B1 und Nicotinamid. Ferner sind Cholin, Betain und Saponine enthalten sowie die Polyphenole Salicyl-, Gentisin- und Chlorogensäure mit antimikrobieller und antioxidativer Wirkung. Der wichtigste wertgebende Inhaltsstoff in Topinambur ist das Polysaccharid Inulin, welches der Pflanze als Reservespeicherstoff dient. Er wird in den Blättern gebildet, zunächst in den Stängeln zwischengespeichert und später bei einsetzendem Knollenwachstum in den Knollen eingelagert. Inulin gehört zur Gruppe der Fructane und setzt sich aus einer endständigen Glucose-Einheit und bis zu 30 linear verknüpften Fructose-Molekülen zusammen. Die Inulin-Gehalte in der Knolle liegen bei 11 % bis 14 %. Inulin wirkt im menschlichen Körper als Ballaststoff, da es im Dünndarm durch WARENKUNDE


TOPINAMBUR

Bianka-Knollen im Packstück

Topinambur-Bestand im Feld

das fehlende Enzym nicht resorbiert werden kann. Es quillt im Verdauungstrakt auf und sorgt für ein angenehmes Sättigungsgefühl. Erst im Dickdarm wird es durch Bifido- und andere Bakterien fermentativ zu kurzkettigen Fettsäuren abgebaut, was zu Blähungen führen kann. Menschen mit Fructoseunverträglichkeit bzw. -intoleranz ist anzuraten, mit kleinen Mengen Topinambur zu starten, um die persönliche Verträglichkeit zu testen. Da Inulin den Blutzuckerspiegel nicht beeinflusst, sind die Knollen eine geeignete Kost für Diabetiker. Topinamburknollen gelten damit als prebiotisches Gemüse und zählen zum „functional food“. Frisch geerntete Topinamburknollen weisen im Oktober/November den höchsten Inulingehalt auf, danach sinkt dieser gleichmäßig über die Wintermonate um ca. 20 % ab, da knolleneigene Enzyme die langkettigen

Polyfructane in kürzere Fructanketten aufspalten, womit sich der Fructose-Anteil am Gesamtzuckergehalt verringert.

Vermarktungsnormen

Für Topinambur (Helianthus tuberosus L.) gilt in der EU auf allen Handelsstufen die allgemeine Vermarktungsnorm gemäß Anhang I Teil A der Delegierten Verordnung (EU) 2023/2429. Die allgemeine Vermarktungsnorm ist in aktueller Fassung auf der Internetseite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zu finden: www.ble.de/qualitaetskontrolle / Frisches Obst und Gemüse / Vermarktungsnormen und Hilfen zur Anwendung. Autor und Fotos: Hans-Georg Levin

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DEUTSCHLAND

Überlebt der Beerenanbau in Deutschland? Produktion ► „Beerenanbau vor großen Herausforderungen – wie finden wir die richtigen Lösungen?“, hatte Felix Koschnick, Leiter der Versuchsstation Beerenobst Langförden, seinen Vortrag auf den 21. Unternehmertagen Spargel & Erdbeer genannt. Wie viele der Referenten auch griff Felix Koschnick das Thema Personalkosten auf, die hierzulande immerhin rund 70 % der Gesamtkosten der Erdbeerproduktion ausmachen.

Fotos: Heinz

Marlis Heinz

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nd schon erschien jenes Diagramm, das Deutschland mit einem Mindestlohn von 12,82 Euro nach Luxemburg (15,12 Euro), den Niederlanden und Irland an der Spitze des Lohnrankings zeigte, während sechs EU-Staaten unter fünf und vier weitere unter sechs Euro bleiben. In diesem Zusammenhang spielte auch die Preisentwicklung für Obst eine Rolle. „Die Preise haben sich seit 2015 um 49 % erhöht. Dieser Anstieg wurde insbesondere durch die Preiserhöhungen in den Jahren 2022 (+14,6 %) und 2023 (+13 %) beeinflusst. Im Jahr 2024 sind die Preise für Nahrungsmittel nur noch um 1,4 % gestiegen, was unter dem Niveau der beiden Vorjahre liegt.“ Die Lohnuntergrenze jedoch habe sich im Zeitraum von 2015 bis 2025 von 8,5 Euro auf 12,82 Euro deutlich stärker erhöht. Als einzige Möglichkeit, diese beiden Trends im Griff zu behalten,

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Felix Koschnick, Leiter der Versuchsstation Beerenobst Langförden

nannte Koschnick die Erhöhung der Flächenleistung pro Quadratmeter sowie die Anpassung von Erntezeitraum, Pflanzsystem und Qualität. So versuchen die meisten Betriebe, ihre Saison auszudehnen. Eine Ausweitung der Fläche, insbesondere im Freiland, werde jedoch nicht als Ausweg gesehen. In diesem Zusammenhang warf der Experte einen Blick auf die Erdbeerernte 2025, die niedrigste seit 30 Jahren: „Nach ersten Schätzungen liegt die Erntemenge im Freiland 2025 bei 75.500 t. Das entspricht einem Rückgang von vier Prozent im Vergleich zur schon sehr geringen Ernte im Vorjahr. Damit wäre die aktuell geschätzte Erntemenge die niedrigste in Deutschland seit 1995 (68.800 t). Ein Grund dafür ist der Rückgang der ertragsfähigen Anbauflächen für Freilanderdbeeren. Mit 8.100 ha erreicht auch die Fläche den niedrigsten Wert seit 1995.“ Wer jedoch angesichts dieser begrenzten – deutschen – Mengen auf höhere Preise gehofft hatte, lag auf dem Holzweg: Zwar lagen diese in der 22. Kalenderwoche noch mehr als 50 Cent pro Kilogramm über denen des Vorjahres, blieben in der zweiten Saisonhälfte jedoch darunter. Fazit: „Die Primärproduktion profitiert kaum von Preisanstiegen im Einzelhandel.“

Weltmarkt setzt die Maßstäbe Ähnliche Trends umriss der Referent auch bei Heidelbeeren und Himbeeren: „Etwa 70 % des europäischen Heidelbeerverbrauchs werden importiert – und das rund

ums Jahr. Das bringt mit sich, dass für Endverbraucher und Händler die neuen Clubsorten und Southern-Highbush-Sorten der Qualitätsmaßstab sind, an dem wir uns messen und den wir erreichen müssen, um weiterhin eine Rolle auf dem europäischen und deutschen Markt zu spielen!“ Er verwies darauf, dass neue freie Sorten für unabhängige Anbauer immer seltener werden.

Ein Ausweg: geschützter Anbau Weil es ein Ausweg für die Erzeugerbetriebe ist, sprach Koschnick ausführlich über den geschützten Anbau: „Ich weiß, dass in der Öffentlichkeit die Akzeptanz dafür nicht da ist; aber wir werden in die Tunnel getrieben und müssen das erklären. Dabei haben wir doch reichlich gute Argumente: effektivere Klimakontrolle, natürliches Licht, ergonomischeres Arbeiten, Energieeffizienz, bessere Kontrolle von Krankheiten, gezieltere Arbeit mit Nützlingen.“ In der sich anschließenden Diskussion war auch davon die Rede, dass einige Höfe ihre Nachbarn in die Tunnel einladen und ihnen die Vorteile dieser Anbautechnik erklären. Das habe dort den pauschalen Widerstand gegen den geschützten Anbau reduziert. In seinem Vortrag sprach Koschnick auch über die Thematik Pflanzenschutz, nannte als besonderes Problem den Wegfall vieler wichtiger Wirkstoffe und Pflanzenschutzmittel sowie sinkende Wirkungsgrade aufgrund von Resistenzen, Alternativen und Wirkstoffwechseln. Auch 02 I 2026


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dieser Problemkreis treibe die Branche unter das Dach.

Neue Technik im Test Im abschließenden Kapitel stellte Felix Koschnick aktuelle Studien der Versuchsstation Beerenobst Langförden vor: Da die Hoffnung besteht, dass künftig die Wasserbevorratung in Becken förderfähig werden könnte, spielt das Demoprojekt „Wabema“ (Wasserbevorratung mal anders) eine wichtige Rolle: „Das Forschungsprojekt soll Zahlen, Daten und Fakten sowie deren Interpretation zur Wassernutzung, Wassereinsparung und Wasserrückführung von Überschusswasser auf der Fläche in den Grundwasserkörper generieren. So können für die Zukunft die öffentliche Wahrnehmung in der Gesellschaft mittels Publikationen, Besichtigungen und Veranstaltungen gefördert und mit wissenschaftlichen Daten belegt werden.“ Eine weitere an der Versuchsstation laufende Studie widmet sich der Ernteprognose mittels KI. Deren Ziel ist es, mit Blick auf die jeweils kommenden drei Wochen genauere Vorhersagen zu treffen. „In unseren Versuchen“, so Koschnick, „ergab 02 I 2026

sich im ersten Jahr eine Prognosegenauigkeit von 80,84 %.“ Noch in den Kinderschuhen, so der Redner, steckt allerdings die Robotik, mit der teure Fachkräfte und Hilfsarbeiter ersetzt werden könnten. „Viele Geräte sind noch zu langsam oder erkennen Früchte beziehungsweise Unkraut nicht präzise.“

Keine Chance mit alten Sorten Die Fragen des Publikums galten unter anderem dem Heidelbeer-

Felix Koschnick griff u.a. das Thema Personalkosten auf.

anbau. Hat dieser in Deutschland überhaupt noch Chancen? „Mit den alten Sorten nicht“, so die knallharte Antwort des Befragten. „Schon weil wir hierzulande durchschnittlich nur 4,5 t/ha ernten, um rentabel zu wirtschaften, aber mindestens 7 t/ha erreichen müssen. Moderne Betriebe in Deutschland, die roden und neu anpflanzen, gut geführte Kulturen mit entsprechenden Erträgen haben, können mit Heidelbeeren noch Geld verdienen und werden es schaffen, auf dem Markt weiterhin eine Rolle zu spielen.“ 

Da rund 70 % der Heidelbeeren in Europa importiert werden, setzen Club- und SouthernHighbushSorten den Qualitätsmaßstab. FRUCHTHANDEL | 33


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DEUTSCHLAND

Gemüse war seltener in den Werbezetteln Lebensmitteleinzelhandel | AMI ► Für viele Verbraucher gehört der Blick in gedruckte Werbezettel zur Einkaufsplanung dazu. Gut drei Viertel der Verbraucher greifen wöchentlich zu den Prospekten des Einzelhandels. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) setzt darin auch frisches Obst und Gemüse in Szene. Doch welche Gemüsearten wurden im vergangenen Jahr besonders häufig beworben? Die Tomate war 2025 die meistbeworbene Gemüseart.

Foto: Serhiy Shullye - AdobeStock

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risches Gemüse und Kartoffeln waren im Jahr 2025 etwas seltener in den Werbezetteln des LEH vertreten als im Jahr zuvor. Gegenüber 2024 fehlten knapp 400 Werbeanstöße. Das entspricht einem Rückgang um knapp 2 %. Dabei heben sich die Entwicklungen bei den einzelnen Gemüsearten teilweise gegenseitig auf. Das zeigt eine Analyse auf Basis von AMI-Aktionspreise im LEH. Insgesamt war Gemüse 22.240-mal in den Werbezetteln vertreten. Auf die Top10 der meistbeworbenen Gemüsearten entfielen dabei mehr als 51 % aller Werbeanstöße. Dabei ist die beworbene Produktpalette so viel größer: 105 Gemüsearten wurden 2025 mindestens einmal beworben. Knapp 19 % der Werbeanstöße für Gemüse entfielen auf Bio-Produkte. Dieser Anteil ist gegenüber dem Vorjahr minimal gestiegen. Auch der Anteil deutscher Ware in den Angebotsaktionen hat gegenüber dem Vorjahr leicht zugelegt und erreichte knapp 48 %. Die Top-10 der meistbeworbenen Gemüsearten ist in ihrer Zusammensetzung bereits seit mehreren Jahren weitgehend unverändert. Allerdings ergeben sich immer wieder Positionswechsel. Dabei kommt keine andere Gemüseart an die Tomaten heran. Aufgrund ihrer Produktvielfalt ist sie das mit Abstand am häufigsten beworbene Gemüse. Das war auch 2025 der Fall, obwohl die Zahl der Werbeanstöße für Tomaten um knapp 5 % niedriger war als im Vorjahr. Noch deutlicher ist die Zahl der Werbeanstöße bei anderen Fruchtgemüsearten gesunken.

So verloren Paprika fast 18 % und Salatgurken immerhin noch 11 % gegenüber dem Vorjahr. Beide haben entsprechend jeweils einen Platz in der Rangliste eingebüßt. Dagegen wurden Speisekartoffeln und Gewichtsmöhren häufiger beworben, was vor allem auf die höhere Warenverfügbarkeit zurückzuführen ist. Speisekartoffeln haben sich dadurch auf den zweiten Rang in der Liste der meistbeworbenen Gemüsearten nach vorne geschoben. Gewichtsmöhren verbesserten sich sogar um zwei Plätze und

landeten am Ende auf Rang 4. Die Anzahl der Werbeanstöße ist das eine, der Werbepreis das andere. So lag der niedrigste Aktionspreis für deutsche Salatgurken mit 0,28 Euro/St. um 12 % unter dem Niveau des Vorjahres. Die geringere Anzahl an Werbeanstößen hätte eher einen höheren Einstiegspreis erwarten lassen. Auch der durchschnittliche Aktionspreis für deutsche Salatgurken aus konventioneller Produktion war mit 0,92 Euro/St. um 3 % niedriger als noch im Vorjahr. AMI

HDE

LEH bleibt von Kaufzurückhaltung geprägt Nachdem die Verbraucherstimmung im Dezember 2025 das Jahr mit dem tiefsten Stand seit einem Jahr beendet hatte, startet das Jahr 2026 mit einer leichten Stimmungsaufhellung. Das zeigt das aktuelle Konsumbarometer des Handelsverbandes Deutschland (HDE). Demnach steigt der Index im Januar leicht an und liegt damit über dem Niveau des Vorjahres. Für den LEH bleibt die Kaufzurückhaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher jedoch bestehen. Im Anschluss an das Weihnachtsgeschäft überwiegt zu Jahresbeginn auch im LEH die Zurückhaltung beim Konsum. Die Anschaffungsneigung sinkt im Vergleich zum Vormonat, während die Sparneigung weiter zunimmt. Damit zeigt sich eine Verlagerung vom Konsumieren hin zum Sparen, die auch das Einkaufsverhalten im Lebensmittelhandel prägt. In den kommenden Wochen dürften viele Verbraucher zunächst ein finanzielles Polster aufbauen, sodass kein spürbares Wachstum beim privaten Konsum zu erwarten ist. Hoffnung macht, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher etwas optimistischer auf die konjunkturelle Entwicklung blicken. Ihre Konjunkturerwartungen verbessern sich im Vergleich zum Vormonat und fallen sogar günstiger aus als vor einem Jahr. Auch die Erwartungen an die eigene Einkommenssituation entwickeln sich positiv. In finanzieller Hinsicht starten die Verbraucher damit stabil ins neue Jahr, bleiben im LEH jedoch weiterhin preis- und bedarfsorientiert. Das Jahr 2026 ist insgesamt mit der Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung verbunden. Gleichzeitig bestehen weiterhin Unsicherheiten, die eine anhaltende Kaufzurückhaltung begünstigen können.

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FORSCHUNG

Kaffeesatz hilft Heidelbeeren, länger frisch zu bleiben Australien ► Forscher der University of New South Wales (UNSW) in Sydney verwandeln einstigen Abfall in eine Schutzfolie, die dazu beitragen könnte, das Verfallsdatum einiger der beliebtesten Sommerfrüchte Australiens zu verlängern, so die Universität. Ein Team von Chemieingenieuren arbeitet daran, den Verfall zu verlangsamen. Sie haben eine essbare Folie aus Kaffeeresten entwickelt, die die Frische empfindlicher Früchte wie Heidelbeeren bewahren könnte, indem sie den Wasserverlust reduziert.

Foto: UNSW School of Chemical Engineering:

(v.l.) Lilah Saidi, Cordelia Selomulya, Yong Wang und Peter Wich

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ie neue Formel wurde in ihrem Labor entwickelt und getestet, um sicherzustellen, dass sie direkt auf Lebensmittel aufgetragen werden kann. Der nächste Schritt bestehe darin, diese Beschichtung in realen Umgebungen zu testen, bevor sie für die kommerzielle Produktion skaliert wird. „Wir haben eine Beschichtung auf Polysaccharidbasis entwickelt, um die Wasserdampfbarriere der Früchte zu verbessern“, sagt Lilah Saidi, Hauptautorin und Doktorandin an der UNSW. „Die Beschichtung enthält Cellulose-Nanofasern (CNFs) – gewonnen aus gebrauchtem Kaffeesatz – und Traubenkernöl.“ Aktuelle Polysaccharidfilme, die aus anderen pflanzlichen Cellulosefasern oder Stärken hergestellt werden, seien bereits umfassend für die Verwendung als essbare Be-

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schichtungen untersucht worden, da sie biokompatibel, biologisch abbaubar und lebensmittelecht sind. Sie seien jedoch nicht wirksam beim Schutz frischer Produkte vor Feuchtigkeit. „Polysaccharide sind ausgezeichnete Biopolymere für Folien, aber ihr größter Nachteil ist ihre hohe Wasseranziehungskraft“, sagt Saidi. „Unsere Innovation besteht darin, gebrauchte Kaffeesatzreste wiederzuverwenden. Diese sind ein reichlich vorhandenes Abfallprodukt aus Cafés, das sowohl als Nanofüllstoff als auch als Stabilisator in der Beschichtung dienen kann.“

Dichteres Netzwerk durch Nanofasern Saidi sagt, dass Nanofasern aus Kaffeesatz dazu beitragen, ein dichteres, stärker vernetztes Netzwerk zu schaffen, das es Wassermolekü-

len erschwert, durchzudringen. Das wasserabweisende Traubenkernöl reduziert die Feuchtigkeitsaffinität der Folie zusätzlich. „Das Ergebnis ist eine Lebensmittelverpackungsfolie, die weiterhin klar und durchsichtig ist und gleichzeitig eine verbesserte mechanische Festigkeit aufweist. Die Nanofasern aus Kaffeesatz machen sie widerstandsfähiger und flexibler – und sind zudem lebensmittelecht.“ Durch das Upcycling von Kaffeesatz aus dem Maze Café der UNSW biete die Forschung einen doppelten Umweltvorteil: Sie reduziere Abfälle aus der Lebensmittelindustrie und schaffe gleichzeitig ein biologisch abbaubares Produkt. Vorläufige Tests deuten auch darauf hin, dass die ölhaltigen Folien dazu beitragen könnten, das Bakterienwachstum auf der Oberfläche der Folie zu hemmen. Dies eröffnet die Möglichkeit einer weiteren antimikrobiellen Funktion. Weiche Früchte wie Heidelbeeren werden während der Lagerung und des Transports aufgrund von Feuchtigkeitsverlust, mikrobiellem Verderb und mechanischen Beschädigungen leichter beschädigt. All dies führt zu Lebensmittelabfällen. Saidi sagt, dass die neue Formulierung eine sanfte, essbare „Haut“ in Form einer Sprühbeschichtung oder einer Verpackungsfolie bietet, die die Frische bewahrt und die Abhängigkeit von synthetischen Kunststoffen verringert. „Diese Eigenschaften eignen sich besonders gut für Barrierebeschichtungen, die die Dehydrierung oder Feuchtigkeitsaufnahme bei leicht verderblichen Früchten wie Blaubeeren verlangsamen können.“ 02 I 2026


Foto: CHERNYSHart/Pixabay

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Professor Cordelia Selomulya, Saidis Doktormutter, sagt, dass die Forschung zwar zur Verbesserung von Filmen auf Polysaccharidbasis beiträgt, es jedoch nach wie vor eine Herausforderung ist, diese Innovation in eine Lösung für die großtechnische kommerzielle Obstproduktion umzusetzen. „Die Umsetzung von Laborfolien in eine kommerziell nutzbare Fruchtbeschichtung ist kein einfacher Prozess“, sagt Prof. Selomulya.

Sicher, geschmacksneutral und günstig Zum Team für essbare Beschichtungen an der UNSW gehören Dr. Yong Wang und Associate Professor Peter Wich. Zusammen mit Saidi und Prof. Selomulya müssen sie noch nachweisen, dass die Beschichtung konsistent auf große Mengen an Obst aufgetragen werden kann – und dabei sicher, geschmacksneutral und für den kommerziellen Einsatz erschwinglich bleibe. Das bedeute, dass die Beschichtung außerhalb des Labors unter realen Lager- und Transportbedingungen getestet werden muss, während gleichzeitig Anwendungsmethoden und behördliche Zulassungen geprüft werden. „Als wir diese essbare Beschichtung im Labor an Blaubeeren getestet haben, haben wir auch verglichen, wie sie sich im Vergleich 02 I 2026

Nicht nur kulinarisch eine gute Kombi: Kaffeesatz soll jetzt auch dabei helfen, Heidelbeeren länger frisch zu halten.

zu unbeschichteten Blaubeeren bei der Lagerung verhalten“, sagt Prof. Selomulya. „Um dies unter realen Bedingungen zu testen, müssen wir zunächst einen Pilotversuch durchführen, der die kommerzielle Obstverarbeitung nachahmt“, sagt sie. „Wir haben gesehen, wie dies derzeit gemacht wird, und können die potenziellen Schritte identifizieren, bei denen die Beschichtung aufgetragen werden kann.“ Sie sagt, bevor das Produkt in großem Maßstab eingesetzt werden kann, muss das Team zunächst

zeigen, dass es in kleinem Maßstab funktioniert, um Risiken zu reduzieren und Investitionen aus der Industrie anzuziehen. „Die Gewinnung von Nanofasern aus Kaffeesatz ist derzeit arbeits- und energieintensiv“, sagt Saidi. „Aber wir haben gezeigt, dass nicht oxidierte CNFs aus gebrauchtem Kaffeesatz lipophile Tröpfchen stabilisieren und die Folie sehr effizient verstärken können.“ In der nächsten Studie wird das Team eine neue Quelle für Cellulose-Nanofasern untersuchen, die auf andere Weise hergestellt werden kann und weitere einzigartige Eigenschaften bietet – und damit den Weg für noch fortschrittlichere und vielseitigere Beschichtungen ebnet. Derzeit haben sie ein vorläufiges Patent für diese Entdeckung angemeldet und sind offen für Kooperationen mit kommerziellen Obstproduzenten. Saidi ist optimistisch, dass die neue Technologie nicht nur dazu beitragen kann, Nachernteverluste zu reduzieren, sondern auch Kaffeeresten ein zweites Leben zu geben. „Wir bieten eine sauberere, umweltfreundlichere Möglichkeit, Obst von der Plantage bis zum Kühlschrank frisch zu halten.“ 

ONLINE-PLATTFORM

EU-FarmBook offiziell gestartet Die Online-Plattform EU-FarmBook ist zum Jahreswechsel auch offiziell gestartet. Die kostenlose, frei zugängliche und mehrsprachige Online-Plattform zum Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis sammelt und teilt landwirtschaftliches und forstwirtschaftliches Wissen aus EU-geförderten Projekten. Zielgruppe sind Praktiker und Beratungsdienste. Sie sollen nun leichter auf praktische Werkzeuge, Leitfäden, Videos und wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse aus EU-geförderten Projekten zugreifen können. So will man dafür sorgen, dass erprobte Ideen europaweit geteilt, angepasst und verbreitet werden und die europäische Wettbewerbsfähigkeit verbessert wird. Der stellvertretende Generaldirektor der Generaldirektion Landwirtschaft (DG AGRI) der Europäischen Kommission, Diego Canga Fano, hofft, dass die Plattform auch zu einem Zugangstor für Unternehmen wird, die in Innovationen aus EU-finanzierten Projekten investieren und diese weiterentwickeln wollen. Zu den aktuell angebotenen Funktionen zählt ein „Farm AI Assistant“. Auch deutsche Partner beteiligen sich bereits seit Längerem an dem durch das EU-Förderprogramm Horizon finanzierten Projekt. AgE

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SCHLUSSPUNKT

111. Jahrgang (gegründet 1916) VERLAG Fruitnet Media International GmbH Simrockstraße 64-66 I 40235 Düsseldorf Tel.+49-(0)211-99104-0 I info@fruchthandel.de www.fruchthandel.de

Foto: Dr. Onno Muller

HERAUSGEBER H. Günter Schweinsberg † GESCHÄFTSFÜHRUNG Ulrike Niggemann I Chris White

Durchbruch bei Produktivität und Trockenheitstoleranz von Maniok FORSCHUNG Ein internationales Team des „Cassava Source Sink“-Konsortiums (CASS) hat einen bedeutenden Durchbruch bei der Verbesserung von Maniok erzielt. Maniok, auch Cassava genannt, ist in vielen Regionen der Welt ein zentrales Grundnahrungsmittel. Die Wissenschaftler konnten zeigen, so das Forschungszentrum Jülich, dass eine gezielte Modifikation des Kaliumtransports die Produktivität von Maniok ohne zusätzlichen Düngemitteleinsatz steigern kann. Außerdem waren die Pflanzen toleranter gegenüber Trockenstress. Ein Team vom Institut für Bio- und Geowissenschaften – Pflanzenwissenschaften (IBG-2) des Forschungszentrums Jülich hat an dem Projekt mitgewirkt. Die Pflanzenforscher haben in Feldkampagnen das saisonale Wachstum von Manioksorten anhand von Unmanned Aerial Vehicle (UAV)-Bildern – also hochauflösenden Aufnahmen aus der Luft – gemessen und ausgewertet. Mit diesen Aufnahmen können das Wachstum und die Vitalität der Pflanzen erfasst werden. Diese Erhebung wurde mit Photosynthese-Effizienz-Messungen kombiniert, die zeigen, wie effektiv die Pflanzen Licht aufnehmen und in Energie umwandeln. Das Team konnte zeigen, dass die Pflanzen auch während Trockenperioden eine hohe Photosynthese aufrechterhalten und kontinuierlich wachsen können. Außerdem wurden Pflanzen unter kontrollierten Bedingungen mit Positron-Emission-Tomographie (PET) vermessen, um die Eigenschaften des Kohlenstofftransports zu bestimmen. Die Forschung konnte zeigen, dass sich durch die Modifikation des Kaliumtransports das Pflanzenwachstum sowie die Kohlendioxid-Aufnahme und -Flussgeschwindigkeit erhöhen. Die Ergebnisse der Studie können somit dazu beitragen, den Maniok-Anbau produktiver und klimaresistenter zu gestalten.

THEMENVORSCHAU Ausgabe

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30.01.2026 20.01.2026

Special Italien

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30.01.2026 20.01.2026

Themenschwerpunkte • Deutschland: Produktion, Fruchthandel, Frischemärkte • Österreich, Schweiz • Bio und Fairtrade • Produktsicherheit & Qualitätssicherung, Labore • Produkte im Trend: Easy Peeler Italien auf der Fruit Logistica

Exhibition 30.01.2026 19.01.2026 FRUIT LOGISTICA Guide Ausstellerverzeichnis Weitere Termine siehe www.fruchthandel.de/magazin/themenplan

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REDAKTION Tel. +49-(0)211-9 91 04-35 I redaktion@fruchthandel.de Michael Schotten (ms, Chefredakteur) I Nadine Schotten (nsc, Chefin vom Dienst) I Christine Weiser (cw) I Daniel Schmidt (dsch) I Inga Detleffsen (id) ANZEIGEN Tel.+49-(0)211-99104-40, anzeigen@fruchthandel.de Helmut Peskes (Anzeigenleiter) I Panagiotis Chrissovergis I Christian Hollenbeck I Gabi Höhle I Andreas Huber DESIGN Anna K. Schweinsberg, akschweinsberg@libero.it LAYOUT I EBV HP Medien, Mönchengladbach, hpmedien.de ABONNEMENTS I VERTRIEB Tel. +49-(0)211-9 91 04-12 I abos@fruchthandel.de Sebastian Felici EVENTS I AWARDS Tel. +49-(0)211-9 91 04-10 I events@fruchthandel.de Kaasten Reh (Leitung) PROJEKTMANAGEMENT I MARKETING Lena Manteuffel, Amy Broadfoot KORRESPONDENTEN - Niederlande: Jochem Wolthuis (jw), info@nldcommunicatie.nl - Spanien: Agronoticias: Daphne Schmidt (ds), daphne@agronoticias.es - Frankreich: Pascale Canova-Menke, p.canovamenke@promo-intex.com - Italien: NCX: Carla Buono (cb), media@ncx.it STÄNDIGE FREIE MITARBEITER Marlis Heinz (mhz) I Dr. Henriette Ullmann (hu) I Betina Ernst (be) I Louise Brodie, Lucentlands (lb) I Ralf Petrov (rp) Jahresabo Inland 280 € | Ausland 335 € | Digital-Abo 230 € (alle Preise inklusive Versandkosten, zuzüglich Mehrwertsteuer) Erscheinungsweise wöchentlich, ISSN 0429-7830 Druck: D+L Reichenberg GmbH, Bocholt

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BERLIN 4|5|6 February FRUIT LOGISTICA 2026 HALL 21 | STAND F-60 Visit FRUIT LOGISTICA, learn about the latest trends and be inspired by high-ranking speakers.

2026 PROGRAMME WEDNESDAY 4 February 2026 11.00–11.20 From data to decision: How growers turn insight into action 11.30–11.50 Protecting quality, margin and shelf life in global cold chains 12.00–12.20 The new standard in precision seeding 12.30–12.50 Technologies to reduce food losses in avocados 13.00–13.20 How Lineage connects technology, innovation and community 13.30–13.50 Zespri achieves a first for fresh produce with EU-approved health claim for green kiwifruit 14.00–14.20 Gourmet fresh logistics just in time 14.30–14.50 IPD – your link to reliable suppliers

MESSE BERLIN GmbH Tel. +49-(0)30-3038-0 fruitlogistica@messe-berlin.com

15.00–15.20 Unlocking smarter growing: Digital rootzone insights with GroSens Suite 16.30–16.50 Post-harvest for profit – from New Zealand to the world

THURSDAY 5 February 2026 11.00–11.20 Contributing to a sustainable and climate-resilient food supply 11.30–11.50 Return on investment of autonomous climate and irrigation control 12.00–12.20 Capture CO₂ where it is generated: Efficient separation and dosing in the greenhouse 13.00–13.20 Real-time traceability for reusable packaging at scale

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13.30–13.50 How advanced greenhouse films transform grower results 14.00–14.20 How data, imaging and AI are transforming fruit quality 14.30–14.50 Revolutionising fresh produce logistics through real time cold chain inteligence 15.00–15.20 Reshaping supply chain compliance with AI 15.30–15.50 Blueberry breeding program from Argentina 16.00–16.20 AI vision technology for supply chain visibility 16.30–16.50 Citrinos do Algarve – get the taste, feel the sun

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