FH
OBST & GEMÜSE AUS FRANKREICH
Branchenschwergewicht sucht neue Balance Marktentwicklung ► Deutschland ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Absatzmarkt für französisches Frischgemüse. Am Beispiel des Blumenkohls zeigen aktuelle Daten des französischen Statistikdienstes Agreste jedoch, wie stark sich die Bedeutung einzelner Kulturen im Export verschoben hat.
Marktbedingtes Minus bei Wintersorten Dies liege v.a. an geringer Entlohnung und fehlenden Arbeitskräften, erklärt der bretonische Produzent Julien Quillivéré dem Fachmagazin Végétable. Joeren Bosshart, Generaldirektor des ebenfalls in der Bretagne ansässigen Exportunternehmens Le Dauphin, wo Blumenkohl über die Hälfte des Geschäftsvolumens ausmacht, nennt als Grund auch den internationalen Handel. Russland habe man als Exportmarkt verloren, hinzu käme zunehmender Anbau in Großbritannien, Italien und Spanien, so Bosshart. In der Normandie, dem zweiten wichtigen Produktionsgebiet für Blumenkohl, wird der Arbeitskräftemangel als wichtigste Ursache für die sinkenden Flächen genannt. Bei dem von Mai bis Oktober verfügbaren Sommer-Blumenkohl seien kaum Rückgänge zu verzeichnen, stellt David Lesaffre fest, Produktionsleiter 20 | FRUCHTHANDEL
In Zukunft könnte französischer Blumenkohl in kleineren Kalibern als heute in den Markt kommen und so auch Single-Haushalte wieder überzeugen.
Foto: Philippe Dufour / Interfel
W
aren im Jahr 2000 noch Blumenkohl und Brokkoli mit 94.342 t auf Platz 1 französischer Gemüse in Deutschland, liegen die Zahlen mit 22.116 t in 2024 deutlich darunter, bleiben jedoch – nach Tomaten – weiter auf Platz 2. Laut dem Forschungsinstitut CTIFL ist Frankreich mit rund 110.000 t der wichtigste Blumenkohl-Exporteur Europas, neben Deutschland sind Großbritannien und Belgien wichtige Zielmärkte. Doch der Anbau ist rückläufig: 2024/25 lag die Produktion laut Agreste mit 178.900 t sieben Prozent unter dem Vorjahr sowie 19 % unter dem Fünfjahresmittel, die Flächen sind mit 12.716 ha 10 % unter dem Durchschnitt der Jahre 20192024, was auf einen strukturellen Rückgang hinweist.
der Genossenschaft Marché de Phalempin (Hauts-de-France).
Neue Kaliber und Konsumideen Bei Prince de Bretagne teste man neben neuen Sorten auch mechanische Hilfe, um den Arbeitskräftemangel auszugleichen, berichtet Marketingleiterin Flora Boulinguez. Langfristig lohne ein Blick auf Konsumgewohnheiten: Die Umfrage eines französischen Instituts ergab, dass zwar jeder zweite Haushalt im Hexagon regelmäßig Blumenkohl kauft, drei Viertel der Befragten diesen aber z.B. nicht für Gäste zubereitet – und das tatsächlich aus Bedenken, diese könnten das Gemüse nicht mögen. In Single-Haushalten werde Blumenkohl seltener gekauft, zeigte die Umfrage, zwei Drittel der Befragten wünschten sich kleinere Kaliber der Kohlköpfe. Daran arbeite man bereits, bestätigt Boulinguez. ConvenienceTrends wie die Zubereitung in der Mikrowelle oder eine Kombination mit den in Nordeuropa zunehmend präsenteren Kochboxen seien weitere Ideen zur Konsumförderung, erklärt sie gegenüber Végétable.
Medien-Mobilisierung Im Dezember wurde kurzfristig versucht, den Konsum anzuregen: Durch mildes Klima kam eine große Menge französischer Blumenkohl gleichzeitig in den Handel, zusätzlich verfügbare Ware aus europäischem Anbau sorgte für weiteren Preisdruck, so dass die Gemüseproduzenten angesichts der „Krise seltenen Ausmaßes“, wie die Tageszeitung Le Figaro schrieb, die französischen Konsumenten medial wirksam zum Kauf von national angebautem Blumenkohl aufforderten. Der Aufruf verdeutlicht, wie fragil das Marktgleichgewicht selbst bei ProduktionsPlatzhirschen ist – und die zahlreichen Kommentare unter der Meldung zeigen, dass die Aufforderung bei den Konsumenten durchaus auf Resonanz stieß. Inwiefern sich die kurzfristige Mobilisierung der Nachfrage, ergänzt durch Projekte wie neue Sorten oder kleinere Kaliber, auch langfristig auf die Marktentwicklung in Frankreich und den Zielmärkten auswirkt, bleibt abzuwarten. id
03 I 2025