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Herman Greff, The Greatest Panopticon On Earth II: Hermann Fley gen. Stangefol, Laute aus der Erde

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The Greatest Panopticon On Earth Herausgegeben von Herman Greff

Band II Hermann Fley gen. Stangefol Laute aus der Erde

Peacock Island Press


10 Stunden lang an allen Gliedern eingeschlafen.


Inhalt

1613. Pest. Antonius. Wie ein Toter. 10 Stunden. –9– In aller Eile. Leichenbahre. Und begraben. – 13 – Alter Pfaffe. Schlaflos. Laute aus der Erde. Leichenträger. – 17 – Halblebender Mensch. Erquickung. – 21 – Von Dorf zu Dorf. Gegen Entgelt. Freak Show. – 25 –

Appendix Rohrpost von Herman Greff – 30 – Impressum – 32 –


1613. Pest. Antonius. Wie ein Toter. 10 Stunden.


E

s ist denkwürdig, was in diesem Jahr (1613) in Attendorn, einer Stadt Westfalens in der Diözese Köln, im Monat Oktober geschehen ist. Während dort die Pest wütete, wurde jemand aus dem Volke, Antonius mit Namen, im Alter von 19 Jahren von der Ansteckung ergriffen, und weil er infolge der Heftigkeit der Krankheit 10 Stunden lang an allen Gliedern eingeschlafen war und wie ein Toter dalag, wurde er wirklich für einen Toten gehalten.

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In aller Eile. Leichenbahre. Und begraben.


A

lso wurde er, wie es häufig in jenen Zeiten zu geschehen pflegte, in aller Eile auf eine Leichenbahre gelegt, zum Kirchhof gebracht und begraben.

– 15 –


Alter Pfaffe. Schlaflos. Laute aus der Erde. Leichenträger.


E

s geschah aber, während ein Kaplan dieses Ortes auf dem Kirchhof umherging, daß er ein Geräusch hörte und nicht wußte, woher es kam. Er lauschte daher aufmerksam und vernahm, daß die Laute aus der Erde, aus einem Grabe heraufkamen. Er rief so schnell wie möglich Leichenträger herbei, um den Sarg aus der Erde heraufziehen zu lassen.

– 19 –


Halblebender Mensch. Erquickung.


A

ls dieser wirklich ausgegraben und geöffnet worden war, fanden sie darin einen noch halblebenden Menschen. Daraufhin nahmen sie ihn heraus, erquickten ihn mit Wärme, Speise und Trank und stellten so seine frühere Gesundheit wieder her.

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Von Dorf zu Dorf. Gegen Entgelt. Freak Show.


D

ieser zog bald mit einem Bestätigungsschreiben der Stadt versehen von Dorf zu Dorf durch die Gegend und zeigte sich vielen Menschen gegen Entgelt.

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Appendix


Rohrpost von Herman Greff Meiner ergebensten Dienste, und was sonst an Phantastischem und Curiosem ich vermöge, seien Sie dessen versichert! Meine werteste Maeve, mein werter Baron, ich bin Herman Greff. Als die Erde wüst war und leer und finster, da schwebte mein Geist auf dem Wasser. Ich kann mich an das Licht erinnern, das von der Finsternis unterschieden war, an den Himmel, an die Erde und an den Abend. Ich kann mich an den Klagegesang des ersten Erstlings erinnern, an den Geruch des Essigschwamms, an die gebrochnen Beine, die Lanze, das Blut, die Tränen – und an das leere Grab. Ich habe Maria Magdalena geströstet. Ich habe im See Tiberias gebadet und 153 Fische gefangen. Ich bin Herman Greff. Ich bin der Daywalker. Immer wenn ich am Horizont entlang schreite, formiert sich in den Wolken ein Gesang, dem das Wachs in den Ohren nicht standhält: „In the land of Gods and Monsters / I was an angel / Livin‘ in the garden of evil.“ Im Garten des Bösen sehe ich wieder und immer wieder, wie ein Vogelschwarm, lautlos und grau, an den Klippen der Barmherzigkeit zerschellt. Im Regen aus Vogelkot gerate ich ins Wanken und stürze in die Brandung. Alle Hoffnung zerfällt zu Staub. Neumond. Die weiße Königin bittet zum Tanz.

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Ich bin Herman Greff, der gefallene Daywalker. Ach! Im Tanz mit der weißen Königin zwischen Tageslicht und Tageslicht in den Falten der Zeit am 8. Oktober 1613 plötzlich der zweite Erstling — lebendig begraben nach seinem Rendezvouz mit dem Rattenfloh. In meinen Armen lag kalt, weiß und stumm Tonies Kallenboel, den die Leichengräber ausgegraben haben, weil der alte Pfaffe den Schlaf nicht gefunden hatte in seiner speckigen Soutane. Und Kallenboel sprach, dass er der Erstling unter den Schlafenden sei und bleiben werde, bis alle Feinde unter seinen Füßen liegen. Es ging ein Raunen durch die Menge, die uns auf dem Kirchplatz umzingelte, Pfaffen, Amtsträger, Schaulustige. Ich sah die drei schlaflosen Taphephobiker aus Rom und auch den alten Pfaffen. Ich sah Luzifer und den feisten Debaucheur von General Tilly. Und ich sah Freaks und Artisten, die mir allwissend zuzwinkerten und mich mit freundlichen Blicken aufforderten, Tonies Kallenboel an mich zu nehmen. Und das tat ich. Seitdem bin ich, Herman Greff, im Besitz des Tonies Kallenboel, der ein zweiter Erstling unter den Schlafenden ist, begabter Freak und listiger Söldner. Ich bin Herman Greff, Direktor des Greatest Panopticon On Earth (GPOE). Ethnomaieutisches Rohrpostamt. Leitvermerk: 1//kor// 15_20. Adressaten: Maeve von Ungern-Tannenberg & Arthur Baron von Aktaion. Botin: Die Königin des Weltalls.

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Impressum

Greatest Panopticon On Earth 1. Auflage 2022 © 2022, Peacock Island Press Quelle: Hermann Fley gen. Stangefol, Annales circuli Westphalici, hoc est Opus Chronologicum Et Historicum rerum omnium, maxime notabilium sub hoc circulo gestarum, a Christo nato ad annum DCLVI deductum et in IV partes distinctum. Köln 1656. Lib. IV 98 Schrift: IM Fell DW Pica von Igino Marini www.iginomarini.com/fell Papier: 350g Gobi (Einband), 80g Munken Print White (Text)

Peacock Island Press Editors–in–Chief Maeve von Ungern-Tannenberg Serendipitista Arthur Baron von Aktaion Ethnomaieutiker

Lektorat Honey Rider Die Erste der Sekretärinnen im Dr. No-Bikini

Kontakt c/o From Elsewhere Allee des Barometrographen 14109 Peacock Island vor Berlin www.from-elsewhere.com info@from-elsewhere.com


Von Dorf zu Dorf durch die Gegend.


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