finance forum liechtenstein
Zeitenwende in der Finanzwelt WWW.FINANCE-FORUM.LI
Dienstag, 13. September 2022 Vaduz Träger
Goldpartner
Bringing the experts together
Um auf die grossen, strategischen Fragen des Lebens sowie der Vermögensund Nachlassplanung Antworten zu finden, bedarf es eines ganzheitlichen Ansatzes: Nehmen Sie Platz am Wealth Table von Kaiser Partner. kaiserpartner.com Vermögensplanung | Treuhand und Trust | Reporting Services | Family Office
kaiserpartner.bank Private Banking | Nachhaltiges Investieren | Responsible Banking | Fonds Services
In dieser Ausgabe Daniel Risch «Der Finanzplatz befindet sich in einem stetigen Prozess der Veränderung» Liechtensteins Regierungschef Daniel Risch hält die Begrüssungsansprache am Finance Forum Liechtenstein.
Interview auf Seite 8
Sabine Keller-Busse «Banken müssen auf ihre Stärken setzen, die andere Anbieter nicht haben» Sabine Keller-Busse ist Geschäfts leitungsmitglied der UBS und leitet den Schweizer Heimmarkt.
Interview auf Seite 12
Peter Altmaier «Liechtenstein hat aus Fehlern der Vergangenheit gelernt und ist dadurch stärker geworden» Peter Altmaier ist ehemaliger deutscher Bundesminister und Parlamentarier.
Interview auf Seite 16
Zeitenwende für die Finanzwelt Das Finance Forum Liechtenstein ist die bekannteste Dialog- und Imageplattform für den Finanzplatz. Die achte Ausgabe der Tagung findet am Dienstag, 13 September 2022, ab 14.30 Uhr in Vaduz statt und steht unter dem Titel «Zeitenwende in der Finanzwelt». Die Tagung bietet hochkarätige Referate, informative Workshops und attraktive Networking-Möglichkeiten. Die Eröffnungsrede an der Tagung hält Liechtensteins Regierungschef und Finanzminister Daniel Risch. Anschliessend betritt der ehemalige deutsche Bundesminister Peter Altmaier die Bühne. Er skizziert die geopolitische Situation und blickt in die Zukunft Euro pas. Nach der politischen Einordnung spricht UBS-Konzernleitungsmitglied Sabine Keller-Busse über die digitale Transformation einer Grossbank. Sie diskutiert anschliessend mit LLBCEO Gabriel Brenna darüber, wie der Finanzplatz Liechtenstein und Schweiz weltweit führend bleiben kann. Nach der Netzwerkpause erörtert VPB-Chief Investment Officer Felix Brill im Gespräch mit Moderator Reto Lipp die aktuelle Konjunkturlage und Geldpolitik. Den Fokus auf Nachhaltigkeit legt Mirjam Staub-Bisang. Sie ist Schweizer Länderchefin von BlackRock und spezialisiert auf das Thema «Sustainable Investing». Im Talk mit Prisma-Life-CEO Holger Beitz und PwC-Berater Antonios Koumbarakis diskutiert sie über die Bedeutung nachhaltiger Anlagen. Zum Abschluss der Tagung erklärt ETHProfessor und Virtual-Reality-Experte Markus Gross, welche Chancen das Metaverse für Finanzdienstleister bietet. Moderiert wird das Finance Forum Liechtenstein erneut vom Schweizer Fernsehjournalisten Reto Lipp. Das Finance Forum Liechtenstein wird von der Regierung des Fürstentums Liechtenstein getragen und von den wichtigsten Finanzverbänden des Landes sowie Partnern aus der Privatwirtschaft unterstützt.
Mirjam Staub-Bisang «Nachhaltigkeit wird sich auch in Zeiten von Inflation und Zinssorgen durchsetzen» Mirjam Staub-Bisang ist Expertin für Nachhaltigkeit und Länderchefin Schweiz des weltgrössten Vermögensverwalters BlackRock.
Interview auf Seite 18
Impressum Herausgeber: Verein Finance Forum Liechtenstein, Wuhrstrasse 7, 9490 Vaduz, Telefon +423 231 18 28, info@finance-forum.li, www.finance-forum.li / Eventagentur Skunk AG Redaktion: Patrick Stahl, Skunk AG Layout: Co Agency, Schaan
WORKSHOPS Die Workshops finden von 13.00 bis 14.00 Uhr in den Räumen des Vaduzer-Saals statt. Anmeldungen und Informationen unter www.finance-forum.li/Workshop.aspx
Ti&m «IST DIE HYBRIDE BERATUNG DIE ZUKUNFT?» Referenten: Urs Bolt, ti&m Max Ebner, ti&m Stefan Rüesch, ti&m
Prisma Life «ALTERSVORSORGE IN ZEITEN ERHÖHTER INFLATION» Referenten: Professor Jochen Russ, IFA Holger Beitz, Prisma Life
PwC «50 SHADES OF GREEN: ESG-VERSPRECHEN DÜRFEN NICHT LEER BLEIBEN» Referent: Dr. Antonios Koumbarakis, PwC
PwC «SCHÖNE NEUE WELT: ZUKUNFTSVISION STEUERN» Referenten: Martin Bueeler, PwC Martina Walt, PwC
Universität Liechtenstein «ZEITENWENDE IM WEALTH MANAGEMENT: STRUKTURELLE BRÜCHE VS. GEZIELTE TRANSFORMATION» Referenten: Ass.-Prof. Dr. Alexandra Butterstein, LL.M., Universität Liechtenstein Prof. Dr. Michael Hanke, Universität Liechtenstein PD Dr. Martin Angerer, Universität Liechtenstein Prof. Dr. Konstantina Papathanasiou, LL.M., Universität Liechtenstein Prof. Dr. Martin Wenz, Universität Liechtenstein
Seite 4
PROGRAMM Dienstag, 13. September 2022, ab 14.30 Uhr im Vaduzer-Saal, Vaduz Anmeldungen und Informationen unter www.finance-forum.li
13.00 Uhr Workshops (optional) Weitere Informationen unter www.finance-forum.li 14.30 Uhr Begrüssung Daniel Risch, Regierungschef Fürstentum Liechtenstein 14.45 Uhr Keynote Peter Altmaier, Bundesminister a.D., Deutschland 15.15 Uhr
Referat Sabine Keller-Busse, President UBS Schweiz
15.40 Uhr Talkrunde «Herausforderungen in der Finanzbranche» Gabriel Brenna, CEO Liechtensteinische Landesbank Sabine Keller-Busse, President UBS Switzerland 16.00 Uhr ERFRISCHUNGSPAUSE 16.45 Uhr Ökonom im Talk Felix Brill, VP Bank AG 17.05 Uhr Referat Mirjam Staub-Bisang, Länderchefin BlackRock Schweiz 17.30 Uhr Talkrunde «Nachhaltigkeit am Finanzplatz Liechtenstein» Mirjam Staub-Bisang, Länderchefin BlackRock Schweiz Holger Beitz, CEO Prisma Life Antonios Koumbarakis, PwC 17.50 Uhr Referat Markus Gross, Professor ETH Zürich und Direkto des Disney Research Studios 18.20 Uhr NETWORKING APÉRO Moderation: Reto Lipp
WWW.FINANCE-FORUM.LI
REFERENTEN & TALKGÄSTE Daniel Risch Regierungschef des Fürstentums Liechtenstein Daniel Risch ist seit März 2021 Regierungschef des Fürstentums Liechtenstein und leitet das Ministerium für Präsidiales und Finanzen. Zuvor war er während vier Jahren Regierungschef-Stellvertreter und leitete das Ministerium für Infrastruktur, Wirtschaft und
Sport. Risch studierte Betriebswirtschaft und promovierte mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik. Berufliche Stationen waren der Schweizer E-Business-Dienstleister Unic und die Liechtensteinische Post AG.
Mirjam Staub-Bisang Länderchefin BlackRock Schweiz Mirjam Staub-Bisang ist Länderchefin des US-Asset Managers BlackRock in der Schweiz und gleichzeitig Senior Advisor für BlackRock Sustainable Investing. Sie verfügt über 20 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche mit Schwerpunkten Asset Management und alternative
Anlagen. Zuvor war sie als Mitbegründerin und Managing Partner einer unabhängigen Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Fokus auf nachhaltige Anlagen tätig wie auch in leitenden Positionen bei der Commerzbank und Swiss Life Private Equity Partners.
Peter Altmaier Bundesminister a.D., Deutschland Peter Altmaier ist ehemaliger deutscher Bundesminister für Wirtschaft und Energie und war während mehr als 25 Jahren Mitglied des Deutschen Bundestages. Er leitete von 2018 bis 2021 das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, und zuvor war er Chef
des Bundeskanzleramtes und Bundesminister für besondere Aufgaben. Der studierte Jurist begann seine berufliche Laufbahn im Universitätsbereich sowie bei der Europäischen Kommission, bevor er 1994 erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt wurde.
Sabine Keller-Busse President UBS Switzerland Sabine Keller-Busse ist seit 2016 Mitglied der Konzernleitung von UBS. Im Februar 2022 wurde sie zur President UBS Switzerland und President Personal & Corporate Banking ernannt. Davor war sie in verschiedenen Rollen für UBS tätig, unter anderem als Group Head Human Resources, President EMEA und zuletzt als Group Chief
Operating Officer. Vor ihrer Zeit bei UBS war sie Partnerin bei McKinsey & Company, wo sie europäische Kunden im Finanzdienstleistungssektor beriet. Seit 2022 ist Sabine Keller-Busse zudem im Verwaltungsrat der Zurich Insurance Group.
Felix Brill Chief Investment Officer VP Bank Gruppe Felix Brill ist Chief Investment Officer der VP Bank Gruppe. Der promovierte Ökonom war im Research einer Grossbank in Zürich und New York tätig, bevor er das international tätige Beratungsunternehmen Wellershoff & Part-
ners mitgegründet und erfolgreich etabliert hat. Er nimmt regelmässig in den Medien zu Themen rund um Wirtschaft und Finanzmärkte Stellung.
Markus Gross Professor ETH Zürich und Direktor Disney Research Studios Markus Gross ist Professor für Informatik und Leiter des Labors für Computergrafik an der ETH Zürich, Vice President of Research, The Walt Disney Studios und Direktor des Disney Research Studios. Seine Forschungsinteressen umfassen physikbasierte Modellierung, Computeranimation, immersive Displays und
Videotechnologie. Bevor er zu Disney kam, war Gross Direktor des Instituts für Computerwissenschaften an der ETH. Er erwarb einen Master of Science in Elektro- und Computertechnik und einen Doktortitel in Computergrafik und Bildanalyse, beide an der Universität des Saarlandes in Deutschland.
Holger Beitz CEO PrismaLife Holger Beitz ist CEO der PrismaLife AG. Das Unternehmen wurde im Jahr 2000 gegründet und ist heute der führende Lebensversicherer in Liechtenstein. PrismaLife entwickelt Fondspolicen und Vorsorgeprodukte für
den Vermögensaufbau. Beitz leitet seit 2015 die Geschicke des Lebensversicherers und verfügt über umfangreiche Erfahrung im Versicherungsbereich in Deutschland, Österreich und Liechtenstein.
Antonios Koumbarakis Head Sustainability & Strategic Regulatory, PwC Schweiz Antonios Koumbarakis leitet das Team für Nachhaltigkeit und strategische Regulierung bei PwC Schweiz. In diesem Zusammenhang berät er Finanzinstitute, Unternehmen, Aufsichtsbehörden, Zentralbanken und Regierungen in der Schweiz, Europa, Asien und dem Na-
hen Osten im Bereich nachhaltiger, zirkulärer Finanzierungen und regulatorischer Initiativen. Er leitet mehrere ESG-Transformationsprojekte und vertritt PwC in verschiedenen Verbänden und Arbeitsgruppen zu nachhaltigen Finanzen.
Seite 7
«Der Finanzplatz befindet sich in einem stetigen Prozess der Veränderung» Daniel Risch Regierungschef und Finanzminister des Fürstentums Liechtenstein
Liechtensteins Regierungschef Daniel Risch hält die Begrüssungsansprache am Finance Forum Liechtenstein. Er ist überzeugt, dass sich der Finanzplatz auch in schwierigen Zeiten in einer aus gezeichneten Position befindet. Das Finance Forum 2022 steht unter dem Motto «Zeitenwende in der Finanzwelt». Der liechtensteinische Finanzplatz hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Wo steht der Finanzplatz heute? Der Finanzplatz befindet sich in einem stetigen Prozess der Veränderung. Ich sehe darin zwar eine Herausforderung, wir beweisen aber laufend, dass wir die Kraft und den Willen besitzen, diese laufende Veränderung anzunehmen und aktiv zu gestalten. Die letzten Jahre zeigen eindrücklich, dass sowohl unsere Wirtschaft als auch die Politik in diesen unsicheren Zeiten stabil sind. Wir tun das ohne Aktionismus, sondern strategisch und langfristig. Ich sehe den Finanzplatz deshalb in einer ausgezeichneten Position. Die Grundlage dafür ist die Integra tion in Europa und die Offenheit für Neues. Diese Überzeugung wird in Liechtenstein und gerade auf dem Finanzplatz breit geteilt. Der Finanzplatz ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Worauf führen Sie dies zurück? Dafür gibt es verschiedene Gründe. In erster Linie hat das selbstverständlich
Seite 8
mit der Qualität der Dienstleistungen und Produkte des liechtensteinischen Finanzplatzes zu tun. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass viele politische Entscheidungen der letzten Jahre richtig waren. Diese politischen Entscheidungen sind nur wirkungsvoll, wenn diese auch umgesetzt werden. Das ist ein konstanter Prozess, den wir gemeinsam mit dem Finanzplatz laufend bewältigen. Wir kommunizieren heute gezielt und selbstbewusst und nutzen unsere Einbettung in zwei der erfolgreichsten Wirtschaftsräume der Welt. Sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft ist Vertrauen ausschlag gebend. Dieses Vertrauen haben sich Liechtenstein und sein Finanzplatz erarbeitet und gefestigt. Wo sehen Sie weiteres Potential für den Finanzplatz? Ganz wichtig ist die Offenheit für Innovation. Noch entscheidender ist die Basis, auf der wir diese Offenheit zeigen. Wir haben gemeinsam eine Position erarbeitet, aus der sich der Finanzplatz nicht unter Druck neu erfinden muss. Dabei können wir uns der eigenen, vielseitigen Stärken besinnen. Für mich bildet der Finanzplatz zusammen mit den weiteren Teilen der diversifizierten liechtensteinischen Wirtschaft eine Einheit. Ich erkenne aufbauend auf den traditionellen liechtensteinischen Stärken, gerade auch bezüglich der erwähnten Offenheit für Innovation, grosses
Potential. Wir befinden uns zweifellos in einer schnelllebigen Zeit, trotzdem müssen viele Dienstleistungen, unab hängig ob digital oder analog, langfristig ausgelegt sein. Welche Risiken haben Sie besonders im Auge, wenn es um die Reputation des Platzes geht? Wir stehen mitten in globalen Heraus forderungen, die das Risikomanagement prägen und mittelfristig noch stärker beeinflussen werden. Leider ist festzustellen, dass die Welt polarer wird. Das führt zu neuen Risiken, denen wir begegnen müssen. Wir tun dies nicht alleine, sondern zusammen mit unseren europäischen Partnern. Ein aktives und zeitgemässes Risikomanagement ist im ureigensten Interesse Liechtensteins und erst in zweiter Linie ein Schutz der Reputation. Liechtenstein hat im Zuge der Sank tionen wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine Gelder eingefroren und andere Massnahmen ergriffen. Wie gross ist das Bewusstsein bei den Finanzdienstleistern, dass solche Sanktionen konsequent umgesetzt werden müssen? Liechtenstein ist eines der wenigen Länder, das als Nichtmitgliedstaat die EU-Sanktionen, insbesondere die Finanzsanktionen autonom und vollumfänglich nachvollzieht. Wir tun dies aus voller Überzeugung. Ich wiederhole hier
etwas, das ich seit Beginn dieses schrecklichen Angriffskrieges sage: Dem Finanzplatz kommt eine besondere Verantwortung zu. Diese Überzeugung findet breite und öffentliche Unterstützung bei den Finanzplatzverbänden. Das ist ein starkes Zeichen, denn die Umsetzung der Sanktionen ist hochkomplex und nur partnerschaftlich, sowohl national als auch international, zu bewerkstelligen. Liechtenstein hat 2019 als erstes Land ein Gesetz zur Regulierung der Blockchain-Technologie verabschiedet. Welche Bedeutung hat das für den Finanzplatz? Das Blockchain-Gesetz hat Rechtssicherheit und -klarheit geschaffen, damit etablierte sowie neue Unternehmen die Potentiale nutzen und wir als Standort die Risiken minimieren können. Seit das Gesetz in Kraft getreten ist, konnte enormes Fachwissen aufgebaut und Erfahrung gesammelt werden, zwei Elemente, die eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung sind. Sie eröffnet uns gegenüber anderen Standorten Vorteile. Welches Potential sehen Sie hier besonders für die Finanzbranche in Liechtenstein? Die Nutzung von Kryptowerten zur Vermögensanlage eröffnet interessanten Handlungsraum für die Finanzbranche: Das Blockchain-Gesetz bietet für verschiedene Kryptowerte Rechtssicher-
heit und gleichzeitig Möglichkeiten zur Positionierung. Eine weitere Ergänzung des Anlage spektrums, die unsere Finanzbranche den Kunden bieten kann, zeigt sich in den tokenisierten Vermögenswerten. Auch hier bestehen durchaus Chancen für unseren Finanzplatz. Wird Liechtenstein zum KryptoStandort? Seit Anfang April 2019 zeigen die steigenden Zahlen eine Dynamik, Aktivität und Attraktivität von Liechtenstein als Innovationsstandort. Wir streben an, gute Rahmenbedingungen für innovative Unternehmen und Unternehmensinno vation zu bieten. Die Blockchain ist ein zusätzlicher Treiber für die zukünftige Entwicklung des Finanzplatzes, aber auch der Wirtschaft. Unser Anspruch ist es, relevante Entwicklungen zeitnah zu erkennen und die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass sich die bestehenden, aber auch neue Unternehmen in Liechtenstein erfolgreich entwickeln können.
hervorragenden Beziehungen. Die Gespräche fanden auf Augenhöhe statt. Die enge Partnerschaft mit Deutschland werden wir weiter ausbauen und vertiefen. Uns verbindet sehr viel. Zur Bewältigung der globalen Herausforderungen braucht es möglichst breite, weit über bilaterale Beziehungen hinausgehende Partnerschaften und gemeinsame Interessen. Auch diesbezüglich stelle ich ein hohes Mass an Übereinstimmung mit Deutschland fest. Das ist eine gute Grundlage für die Zukunft.
Sie sind kürzlich vom deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz in Berlin empfangen worden. Wie sehen Sie das Verhältnis zu Deutschland? Deutschland ist politisch und wirtschaftlich einer der wichtigsten Partner Liechtensteins. Die Einladung nach Berlin ist eine Anerkennung für unser Land und ein klares Zeichen für diese engen und
Seite 9
Die Plattform für Unternehmer, Entscheidungsträger und Finanzfachleute.
20.–
CHF
Spezialangebot für 3 Monate
Die einzige Wirtschaftszeitung für die Region Mehr Hintergrundgeschichten von Unternehmen und Unternehmern aus der Region, Personalwechsel,
Produktinnovationen, Storys mit Wirtschaftspersönlichkeiten, Kundmachungen, Neugründungen der
Woche, Facts aus Wirtschaftsorganisationen, Stellenanzeigen, Spezialbeilagen: Top-Arbeitgeber, Golf, Logistik, Immobilien, Finanzplatz, Steuern; Business-Agenda, Bildergalerien bedeutender Events.
Wochenzeitung, jeden Freitag in Liechtenstein, Sarganserland und Werdenberg Lova Center, Postfach 884, FL-9490 Vaduz, +423 236 16 16, wirtschaftregional.li, wirtschaftregional.ch, inserate@wirtschaftregional.li, @wirtschaftregio
Denken in Generationen finance.li
«Banken müssen auf ihre Stärken setzen, die andere Anbieter nicht haben» Sabine Keller-Busse President UBS Switzerland
Sabine Keller-Busse ist Geschäfts leitungsmitglied der UBS und leitet den Schweizer Heimmarkt. Sie spricht am Finance Forum Liechtenstein darüber, wie die Grossbank ein Ökosystem für Fintechs und Partner schafft. Sie leiten seit eineinhalb Jahren den Schweizer Heimmarkt mit über 20’000 Mitarbeitenden und 2,6 Millionen Kunden. Welche Ziele haben Sie sich gesteckt? Mein klares Ziel ist, dass UBS die führende Bank der Schweiz bleibt und weiter wächst. Neben dem Wachstum fokus sieren wir uns auf Digitalisierung und die Veränderung der Art und Weise, wie wir arbeiten. Dabei sind wir erfolgreich unterwegs: In unserem Firmenkunden geschäft konnten wir zum Beispiel die Neuzugänge steigern, und bei der Vorsorgeberatung werden wir ebenfalls stark wahrgenommen. Ausserdem haben wir mit der Lancierung unserer rein digitalen Sortimentslinie, UBS key4, den Zugang zur UBS nochmals breiter angelegt – darauf werden wir weiter aufbauen. Sie wollen neue, junge Kunden gewinnen und diese begleiten. Wie wollen Sie dies erreichen? Wir sind als Universalbank für alle Kundinnen und Kunden in der Schweiz da, auch für die Jungen. Wir hatten schon
Seite 12
immer Angebote für junge Menschen und den Anspruch, mit ihren Bedürfnissen mitzuwachsen. Unsere neue, rein digitale Sortimentslinie ist für sie besonders attraktiv. Unser klarer Vorteil ist, dass wir dank unserem breiten Angebot auf alle Veränderungen der Bedürfnisse unserer Kundschaft eingehen – vom Göttikonto über das Studentenkonto bis hin zu einem Hauskauf, einer Unternehmensgründung oder einer Vorsorgeberatung. Wir geben ihnen mit dem digitalen Zugang eben auch gleich den Schlüssel zu komplexen Bankgeschäften, die sie früher oder später brauchen werden. Wir wollen ein alternativloses Angebot anbieten. Andere Banken entwickeln dafür eigens digitale Angebote für junge Kunden. Die UBS geht einen anderen Weg. Warum? Weil wir nicht erst seit gestern mit einer Minimallösung digital sind, sondern viele komplexe Bankgeschäfte seit längerer Zeit digitalisiert haben. Was uns gefehlt hat, war der breite digitale Zugang mit einem Grundangebot an digitalen Lösungen. Entsprechend haben wir keine neue App gebaut, sondern haben innerhalb der bestehenden Mobile Banking App eine neue, rein digitale Sortimentslinie eingeführt. Wie zwingen unsere Kunden nicht in keinen Kanal, sondern ergänzen unser Angebot mit einem rein digitalen Produktangebot und geben ihm den
Schlüssel für eine selbstbestimmte, emanzipierte Zusammenarbeit mit uns – für ihre heutigen Bedürfnisse und für zukünftige. Damit wachsen wir mit den Bedürfnissen unserer Kundinnen und Kunden und geben auch vielen bestehenden Kunden die Möglichkeit, gewisse Bankgeschäfte digital und selbstständig abzuwickeln, aber immer mit der Expertise der grössten Schweizer Bank im Hintergrund. Banken wirken oft wie schwere Tanker, die sicher im Wasser liegen, aber nicht so schnell wenden können wie ein Schnellboot. Wie können Sie sich langfristig gegen Fintech-Anbieter behaupten? Indem wir auf unsere Stärken bauen, die neue Anbieter oft nicht haben: Wir haben ein umfassendes, integriertes und durchlässiges Offering. Wir können auch komplexe Ansprüche nahtlos bedienen. Auf der Entwicklungsseite haben wir gar nicht den Anspruch, alles selber am besten machen zu können. Im Gegenteil: Wir haben schon immer den Austausch und die Zusammenarbeit mit Fintechs und anderen Partnern gesucht. Ich bin überzeugt davon, dass Ökosysteme die Zukunft und eine Wachstumsquelle sind, solange man sich am Kundennutzen orientiert.
Banken geben sich immer öfter locker im Umgang und aufgeschlossen gegenüber neuen Technologien. Wie ernst meint es die Branche mit diesem Kulturwandel? In unserem Fall: Sehr ernst, solange es gut für die Kundschaft ist. Für uns ist der Einsatz von neuen Technologien keine Modeerscheinung. Gerade durch die Pandemie hat sich das Bedürfnis nach wirklich brauchbaren digitalen Lösungen verstärkt. Das merken wir ganz klar auf der Kundenseite. Wir haben vor Jahren damit begonnen und «demokratisieren» nun den Zugang zu solchen Lösungen, indem wir einfache Zugänge schaffen zu unserem Kompetenzuniversum. Das Schweizer Banking ist nach wie vor sehr männerlastig. Warum verändert sich das nicht? Ich schaue auf viele Jahre in der Industrie zurück. Und meiner Meinung nach hat sich sehr vieles positiv verändert. Aber Gender Diversity ist ein Marathon und kein Sprint. Es braucht einen Kulturwandel und zielgerichtete Initiativen. Daran haben wir gearbeitet. Aber es muss noch mehr geschehen – auch bei den Rahmenbedingungen für Mitarbeitende mit Kindern.
Wie haben Sie Ihre eigene Karriere geplant? Ich habe meine Karriere nicht geplant. Ich bin der festen Überzeugung, dass man das machen soll, was man gerne und mit Leidenschaft macht. Dann öffnen sich immer wieder Türen und Wege. Die muss man dann aber auch mutig beschreiten und Herausforderungen annehmen. Ich hatte zudem das Glück, immer in Positionen zu sein, die mir viel Freude gemacht haben. Wie nehmen Sie den Finanzplatz Liechtenstein wahr? Als stark und innovativ. Es gibt ja viele Parallelen zum Schweizer Finanzplatz: die gleiche Währung, hohe Stabilität, gute Infrastruktur und ein wichtiger, volkswirtschaftlicher Sektor. Wie die Schweiz hat Liechtenstein die Zeichen der Zeit erkannt und setzt auf Digitalisierung und neue Technologien.
Seite 13
Solar? Klar. Bleiben Sie nachhaltig informiert: ESG− News ist der neue Nachhaltigkeits− Nachrichtenservice von AWP für Trading− und E−Banking−Lösungen, Börsen− und Finanz−Apps sowie Finanzmedien. Er deckt ein breites Spektrum an Themen rund um Nachhaltigkeit und ESG ab – national aber auch international. Interessiert? verkauf@awp.ch
WILLKOMMEN IN VADUZ Im charmanten Hauptort des Fürstentums Liechtenstein finden Sie Kunst und Kultur auf kleinem Raum. Das autofreie «Städtle» lädt mit exklusiven Boutiquen zum Flanieren ein. In den ausgezeichneten Restaurants geniessen Sie lokale und internationale Köstlichkeiten. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
erlebevaduz.li
ÜBERSETZER GESUCHT? Sprachexperten für Finanztexte und Corporate Reporting. Aktuelle Tools, schnell, zuverlässig, 24/7.
Übersetzung . Lektorat . Korrektorat . Post-Editing . Copywriting
DER WOLF DER DRUC EN KANK N
«Liechtenstein hat aus Fehlern der Vergangenheit gelernt und ist dadurch stärker geworden» Peter Altmaier Bundesminister a.D., Deutschland
Peter Altmaier ist ehemaliger deutscher Bundesminister und Parlamentarier. Er spricht am Finance Forum Liechtenstein darüber, welche Folgen die aktuelle geopolitische Zukunft für Europa und Liechtenstein haben wird. Herr Altmaier, die Ereignisse in der Ukraine überschlagen sich. Welche Auswirkungen hat der Krieg in der Ukraine für die geopolitische Lage? Auch wenn der Ausgang des Krieges noch ungewiss ist, er wird weltweit zu einer Neubewertung der geopolitischen Lage führen. Militärbudgets werden in vielen Ländern erhöht werden, steigende Rüstungsausgaben werden der Industrie zu Gute kommen. Zugleich wird die Notwendigkeit finanzieller Priorisierung und inflationsdämpfender Massnahmen verstärkt. NATO und EU werden gestärkt aus dieser Krise hervorgehen, zugleich besteht das Risiko neuer Blockbildungen als Reaktion. Das Wachstum der Weltwirtschaft, vor allem aber der europäischen Wirtschaft wird etwas geringer ausfallen, das hängt aber auch mit der Störung wichtiger Lieferketten zusammen. Welche Lehren sollte die Politik aus diesem Konflikt ziehen? Weder die Globalisierung durch inter nationale Verflechtung noch der vermehrte Abschluss von Handelsabkommen waren falsch. Es darf auch künftig keinen Rückfall in die Zeiten des Protektionismus
Seite 16
und Isolationismus geben. Wir werden aber stärker darauf achten müssen, Lieferketten und Lieferbeziehungen so zu diversifizieren, dass sie resilienter, d.h. weniger störanfällig werden. Und dass man relativ schnell ausweichen kann, wenn dennoch etwas Unvorhergesehenes geschieht. Es ist gut, dass sich inzwischen in Brüssel und in den meisten EU-Ländern die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass wir deshalb auch bei uns eine Industriepolitik in enger Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Staat benötigen. Ausserdem müssen alle sich fragen, ob sie genügend Aufmerksamkeit auf ihre innere und äussere Sicherheit richten. Das wird ein wichtiges Standortkriterium der Zukunft sein. Ebenso wie Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.
einem dauerhaften Handelskrieg zwischen China und den USA kommt, wo Europa zwischen viele Stühle geraten würde. Das würde am Ende Putin und anderen autoritären Regimen in die Hände spielen.
In der Auseinandersetzung zwischen den USA und China droht Europa immer stärker ins Abseits zu geraten. Wie sollte sich Europa auf globaler Ebene positionieren? Europa hat nur eine Chance, wenn es einig ist und ausreichend in Innovation und Zukunfts- bzw. Schlüsselbranchen investiert. Dabei wird die EU auf Dauer nur reüssieren, wenn sie auch mit Staaten, die gleichgesinnt sind und ähnliche Interessen haben, vom EWR über Grossbritannien und die Schweiz bis hin zu den Beitrittskandidaten des Balkans, gemeinsam handelt. Wir Europäer haben ein vitales Interesse, dass es nicht zu
Sie haben in Ihrer Amtszeit als Wirtschaftsminister stark dafür plädiert, dass Europa sich in Schlüssel industrien unabhängiger von globalen Lieferketten macht. Warum? Ich habe im Februar 2019, als ich den Entwurf meiner Industriestrategie vorlegte, ein mittleres politisches Beben und viel Kritik ausgelöst. Aber in Wirklichkeit haben Länder wie die USA, Japan, Korea oder China schon immer Indus triepolitik betrieben, in den meisten Fällen übrigens klug und mit herausragendem Erfolg. In der Corona-Pandemie 2020 habe ich dann während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten
Wie wichtig ist ein Zusammenrücken, damit Europa mehr globalen Einfluss gewinnt? Europa kann seine Stärke nur ausspielen, wenn es sie bündelt. Das bedeutet aber nicht Leadership durch grosse Länder zu Lasten der kleineren, sondern muss auf der Basis gerechtfertigter Interessen geschehen. Nur so können echte Kompromisse gefunden werden, die uns am Ende stärker und nicht zerstritten machen.
Halbjahr den Begriff der technologischen Souveränität geprägt. Da ging es um Lieferketten, deren weltweite Störung während der Pandemie eine grosse Rezession ausgelöst hat, aber auch um technologische Fähigkeiten bei der Batteriezellen- und Chip-Produktion sowie um den Erhalt von Stahl- und Chemieindustrie sowie um ausreichende Investitionen in den Bereichen Digitalisierung und Biotechnologie. Europa wird seinen Lebensstandard mit einem hohen Mass an sozialer Sicherheit, Bildung und Umweltschutz nur halten können, wenn wir Industrieland, Innovationsland, Finanzplatz und Dienstleistungsplatz gleichermassen dauerhaft bleiben. Auch in der Finanzbranche droht Europa den Anschluss an global tätige Institute aus den USA und China zu verlieren. Wie können global relevante Finanzinstitute in Europa aufgebaut werden? Nach dem Austritt Grossbritanniens aus der EU stellt sich diese Frage neu und mit grosser Dringlichkeit. Ich denke, wir können sie nur erfolgreich lösen, wenn diejenigen Länder, die über eine heraus ragende Kompetenz in diesem Bereich verfügen, wie Luxemburg, die Schweiz und eben auch Liechtenstein, dabei eng eingebunden sind und zusammenarbeiten. Die grossen Länder müssen sich darüber im Klaren sein, dass es sehr viel leichter sein wird, zunächst vorhandene
Kompetenzzentren zu stärken. Das kann dann allen zu Gute kommen. Es ist übrigens meine Überzeugung seit Langem, dass wir das europäische Werte-, Wirtschafts- und Sozialmodell stärken müssen, weil es auch unsere wirtschaft liche Bedeutung stärken wird. Internationale Finanzparadiese werden in den nächsten Jahrzehnten kontinuierlich an Bedeutung verlieren: Das ist für unsere Länder auch eine Chance, aufzuholen und Investoren, die ihre Gelder derzeit noch ausserhalb Europas geparkt haben, nach Europa zurückzuholen. Sie haben Liechtenstein mehrfach besucht. Wie beurteilen Sie die interna tionale Reputation des Finanzplatzes heute, nachdem der Steuerskandal 2008 das Verhältnis zwischen Deutschland und Liechtenstein beeinträchtigt hatte? Mir war die Zusammenarbeit mit den deutschsprachigen Umweltministern und später auch Wirtschaftsministern unserer Länder immer ein wichtiges Anliegen. Dabei hat mich mit meinen Liechten steinischen Kollegen, zuletzt mit dem heutigen Regierungschef Daniel Risch ein gutes Arbeits- und Vertrauensverhältnis verbunden, ungeachtet mancher Irritationen, die es in der Vergangenheit gegeben hat. Liechtenstein stand insbesondere um die Jahrtausendwende einige Male in der Kritik, aber mein Eindruck ist eindeutig der, dass aus
Fehlern der Vergangenheit gelernt wurde. Liechtenstein ist ein sehr kapitalkräftiger Finanzplatz geblieben, sogar noch stärker geworden, und gleichzeitig ist das politische Vertrauen zwischen unseren Regierungen wieder grösser geworden. Gerade angesichts der geopolitischen Unsicherheiten, über die wir eingangs gesprochen haben, wird der Finanzplatz Liechtenstein auch künftig für viele Anleger attraktiv sein. Transparenter als noch vor Jahren, in Übereinstimmung mit den internationalen Regeln, im Konzert mit den anderen Ländern der EU und des EWR und dennoch erkennbar mit all seinen Stärken und seinem Know-how gerade in diesem Bereich.
Seite 17
«Nachhaltigkeit wird sich auch in Zeiten von Inflation und Zinssorgen durchsetzen» Mirjam Staub-Bisang Länderchefin BlackRock Schweiz
Mirjam Staub-Bisang ist Expertin für Nachhaltigkeit und Länderchefin von BlackRock Schweiz. Am Finance Forum Liechtenstein erklärt sie, wie sich das aktuell volatile Marktumfeld auf die Nachhaltigkeitsthematik auswirkt. Frau Staub-Bisang, die volatilen Finanzmärkte bereiten institutionellen und privaten Investoren grosse Sorgen. Wie geht der grösste Vermögensverwalter der Welt damit um? Im aktuellen Umfeld ist ein holistischer wie auch langfristiger Blickwinkel wichtiger denn je. Angesichts der aktuellen Kombination von Inflations-, Zins- und Konjunktursorgen sind sowohl Aktien- als auch die Anleihenkurse volatil und haben sich nach der starken Korrektur im Frühjahr noch nicht erholt. In der aktuellen Marktlage können wir zusätzlich beobachten, dass dies ungewöhnliche Herausforderungen auch für Investoren sind. Klassische «sichere Häfen» wie Staatsanleihen bieten aktuell nicht den gewohnten Schutz, wofür ich allgemein drei ausschlaggebende Faktoren sehe: Erstens, der Gipfel der Inflation ist wohl noch nicht erreicht, weder in den USA noch in Europa. Zweitens stemmen sich die Zentralbanken vehement gegen Inflationsrisiken, und zwar selbst um den Preis einer wirtschaftlichen Abschwächung. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beispielsweise überraschte im Juni viele mit einem Zinsschritt um 50 Basispunkte – die erste Erhöhung seit 15 Jahren. Und drittens werden diese Entwicklungen nicht spurlos an der Realwirtschaft vorüber ziehen. So scheint die Fed gewillt, den Leitzins noch in diesem Jahr auf 3,4 % anzuheben – ein Niveau, das die US-Konjunktur bremsen dürfte. Ich glaube aber, dass die Fed letztendlich ihren Kurs
Seite 18
ändern wird, jedoch nicht, bevor sich das Wachstum deutlich verlangsamt hat. Diese drei Punkte zeigen, in welchem Dilemma sich die Zentralbanken aktuell befinden, also der Zielkonflikt zwischen angebotsbedingter Inflation und Wachstum. Ein zu starkes Anheben der Zinssätze birgt die Gefahr einer Rezession, während ein zu behutsames Vorgehen die Gefahr sich verselbstständigender Inflations erwartungen mit sich bringt. Sie sind seit über 20 Jahren in der Finanzwelt tätig. Wie nehmen Sie persönlich die jüngere Entwicklung an den Finanzmärkten wahr? 20 Jahre ist eine lange Zeit, da haben Sie recht. In dieser Zeit hat sich nicht nur die Finanzwelt, sondern auch die Realwirtschaft wie auch die Gesellschaft fundamental verändert. Insbesondere jüngste geopolitische Entwicklungen bereiten mir Sorgen; damit meine ich den RusslandUkraine-Konflikt. Aktuell sind wir Zeugen einer unfassbaren humanitären Katastrophe – Krieg in Europa war für viele von uns undenkbar, und nun vergeht kaum ein Tag, an dem wir uns nicht mit dieser neuen Realität auseinandersetzen müssen. Meine Gedanken sind dabei in erster Linie bei den Menschen, die direkt oder indirekt betroffen sind. Auch wenn er heute weniger in den Nachrichten ist, dürfen wir nicht vergessen, dass der Krieg weiterhin andauert. Ich gehe davon aus, dass der Konflikt langfristige humanitäre und geopolitische Folgen haben wird. Börsentechnisch relevant sind dabei vor allem die hohen Energiepreise und die erwähnte angebotsbedingte Inflation. Dies wird besonders in Europa deutlich. Schlägt die Teuerung als Folge auf die Unternehmensgewinne durch, kann nicht mit einer schnellen Erholung gerechnet werden. Als
langfristige Anleger müssen wir dennoch einen kühlen Kopf bewahren und unsere Sicht auf die Weltwirtschaft und die Märkte nicht zu stark durch die unfass baren Ereignisse ablenken lassen. Das gilt insbesondere für den Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaft. Nachhaltigkeit ist Ihr Spezialgebiet. Sind die aktuellen Turbulenzen eher ein Rückschlag oder ein Katalysator? Als Reaktion auf den durch den Krieg in der Ukraine verursachten Energieschock suchen viele Länder nach neuen Energiequellen. Daher dürften wir einen kurz fristigen Anstieg des Verbrauchs fossiler Energieträger sehen. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass die geopolitische Krise auch zur Folge haben wird, dass Investi tionen in erneuerbare Energien forciert werden, um Energieunabhängigkeit von Russland zu erlangen, aber auch um die Netto-Null-Commitments zu erreichen. Kurzfristig dürfte der CO₂-Ausstoss also wieder steigen, mittelfristig bis langfristig aber wird der Fokus auf CO₂-ärmeren Energiequellen liegen. Durch den Ukraine-Krieg ist eine gestiegene Nachfrage nach den Erneuerbaren zu verzeichnen, wobei die hohen Energiepreise die Produktion erneuerbarer Energien relativ gesehen wirtschaftlicher machen. Da weitestgehend davon ausgegangen wird, dass diese Krise leider anhält, wird schnell und mit viel Nachdruck umgerüstet. Das hilft womöglich auch, einige Stufen im Transformationsprozess zu überspringen. Schauen wir auf die Inflations- und Zinsentwicklungen, glaube ich nicht, dass diese für nachhaltige Anlagen langfristig nachteilig sein werden. Insbesondere institutionelle Investoren investieren risikoorientiert und wollen Nachhaltigkeitsrisiken und insbesondere Klimarisiken
in ihren Portfolios reduzieren. Seitens institutioneller Investoren beobachten wir eine anhaltend hohe Nachfrage nach Infrastrukturanlagen und diesbezüglich auch nach Investitionen in erneuerbare Energieinfrastruktur. Woran liegt es, dass man mit nach haltigen Anlagen mehr verdient? So pauschal kann man das nicht sagen. Zahlen aus 2021 zeigen aber, auch als die Energiepreise stark anstiegen, haben nachhaltige Anlagen im Schnitt besser rentiert – ebenso im Pandemiejahr 2020. Auch mit Blick in die Zukunft glaube ich, dass langfristig nachhaltig ausgerichtete Unternehmen besser performen, ihre Produkte werden von Kunden bevorzugt, sowohl von Endkonsumenten wie auch von Geschäftskunden. Diese bevorzugen wiederum Zulieferer, die sich Nachhaltigkeitszielen verpflichtet haben. Nehmen die Schweizer und Liechten steiner Institute Ihrer Ansicht nach das Thema genügend ernst oder wird allzu oft aus Marketinggründen Green washing betrieben? Die meistgenannte Hürde für institutionelle Investoren in nachhaltige Anlagen zu investieren, ist – wenig überraschend – die mangelhafte Qualität von ESG-Daten. In den letzten Jahren wurden aber bedeutende Fortschritte hinsichtlich ESG-Datenqualität und ESG-Standards gemacht. Allgemein müssen Regierungen den Weg weisen und marktübergreifend eine einheitliche Taxonomie für Nachhaltigkeit, Regulierung und Offenlegung bereitstellen. Das hat zum Teil bereits stattgefunden. Auf europäischer Ebene beispielsweise wurden mit der Regulierung im Rahmen des 2018 lancierten Sustainable Finance Action Plan der EU
enorme Fortschritte erzielt, und so gibt es heute eine sogenannte Taxonomie, die qualifiziert, welche Wirtschaftstätigkeiten und Anlagevehikel nachhaltig sind und welche nicht. Hinsichtlich Greenwashing glaube ich, wer allein aus Marketinggründen auf Nachhaltigkeit setzt, wird keinen Erfolg haben. Eine solche Strategie wird durchschaut. Wir engagieren uns aktiv im Kampf gegen Greenwashing. Für uns sind Umwelt- und Klimarisiken Anlagerisiken, daher haben wir Nachhaltigkeit zum Investmentstandard erklärt. Wie gross sind die Herausforderungen für die Finanzindustrie, wenn sie für eine junge, digital affine und nachhaltig denkende Zielgruppe attraktiv bleiben will? Während der Pandemie haben wir erlebt, wie grosse Teile der Bevölkerung geradezu zwangsdigitalisiert wurden. Menschen, die noch skeptisch waren, haben erlebt, welche Vorteile der digitale Umgang in der Finanzindustrie hat. Das ist ein irreversibler Schritt. Auch künftig wird die Digitalisierung stärker voranschreiten, ebenso wie der erwähnte Trend zu Nachhaltigkeit – davon bin ich überzeugt. Hinzu kommt, dass in kommenden Jahrzehnten die Stimmungslage der Millennials nicht nur ihre Konsum- und Karriereent scheidungen, sondern auch ihre Anlageentscheidungen beeinflussen wird. Gleichzeitig vollzieht sich der grösste Vermögenstransfer der Geschichte: 23 Billionen Schweizer Franken werden von den Babyboomern auf die Generation der Millennials übergehen. Damit werden Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen immer wichtiger für Unternehmensbewertungen und Anlageentscheidungen.
Hat dieses Umdenken bereits statt gefunden? Hinsichtlich Nachhaltigkeit ja, wenn auch nicht überall. Vor zehn Jahren waren nachhaltige Anlagen vor allem ethisch oder ideologisch motiviert. Heute sind es institutionelle Investoren mit ihrem klaren Fokus auf eine langfristig risikoadjustierte Anlageperformance, die sich für nach haltige Anlagestrategien interessieren. Diese Betrachtungsweise hat sich über die letzten Jahre weiter etabliert, was wiederum eine fundamentale Umschichtung von Kapital in Gang setzte. Weltweit beobachten wir ein enorm starkes Wachstum nachhaltiger Anlagen, das per Ende letzten Jahres zu rund 3,6 Billionen Schweizer Franken investiertem Kapital in dediziert nachhaltigen Anlagestrategien geführt hat. Wie nehmen Sie den Finanzplatz Liechtenstein wahr? Ich nehme den Finanzplatz als innovativ, flexibel, dynamisch und offen wahr. Zwar kleiner als der Schweizer Finanzplatz, aber wesentlich stärker mit Europa verbunden. Dazu möchte ich ergänzen, dass ich persönlich immer gerne in Liechtenstein bin. BlackRock ist bislang nicht in Liechtenstein vertreten. Wie könnte sich dies ändern? Das stimmt so nicht ganz. Wir haben zwar kein physisches Büro in Lichtenstein, pflegen aber einen ständigen Austausch mit vielen Kunden und Partnern in Liechtenstein. Ich erinnere mich beispielsweise auch daran, dass meine Kollegen bei BlackRock neulich an der Uni Liechtenstein zu BlackRocks Nachhaltigkeitsstrategie referiert haben. Und natürlich freue ich mich auf spannende Gespräche am Finance Forum Liechtenstein 2022.
Seite 19
Willkommen zu Bank Frick meets – der neuen Informationsplattform von Bank Frick. Auf Bank Frick meets teilen wir unser Wissen zu verschiedenen Themen: von der Blockchain-Technologie über praxisnahe Best-Case-Beispiele bis hin zu Updates aus der klassischen Finanzwelt. Lesen Sie unsere Fachbeiträge und informieren Sie sich über unsere Online-Events mit Keynotes – präsentiert von Spezialistinnen und Spezialisten sowie Visionären aus der Praxis. Weitere Informationen zur aktuellen Blogreihe in Zusammenarbeit mit Crypto Valley Venture Capital finden Sie unter bankfrick.li/bank-frick-meets
Blockchain – mehr als nur Kryptowährungen Jonas Gantenbein Senior Relationship Manager Blockchain Banking
Ob in der Cyber-Security, im SupplyChain-Management, bei neuen Asset-Klassen oder bei Versicherungs lösungen: Die Blockchain-Technologie kommt vermehrt in Bereichen der realen Wirtschaft zum Einsatz. Die Grenzen zwischen klassischer Bankenwelt und Blockchain-Banking werden fliessender. Die Blockchain-Technologie beschränkt sich nicht nur auf Bitcoin und die anderen Kryptowährungen. Sie bietet auch viel fältige Möglichkeiten in Bezug auf neue Geschäftsmodelle und Anlagemöglich keiten, die Innnovationskraft ist riesig, und das rund um den Globus. Vielseitiger Einsatz der Blockchain-Technologie Weltweit arbeiten viele Unternehmen – von Start-ups bis hin zu Grosskonzernen – an der Lösung von Herausforderungen in der analogen und der digitalen Welt. Zur Illustration der aktuellen Entwicklungen haben wir einige interessante Anwendungsmöglichkeiten zusammengestellt. Cyber-Security Ohne Cyber-Security geht im digitalisierten Umfeld nichts mehr, sie wird immer wichtiger. Die Blockchain-Technologie verbindet dabei mehrere Konzepte aus dem Bereich der digitalen Sicherheit – wie zum Beispiel die Kryptografie. Durch ihre einzigartige Architektur und die spezifische Struktur kann die Technologie helfen, die digitale Welt sicherer zu gestalten. Supply-Chain-Management Die Globalisierung schreitet immer weiter voran. Mit Blick auf die weltweiten Lieferketten ist Nachhaltigkeit in allen Sektoren ein bedeutsames Thema. Blockchain steigert die Präzision bei der
Produktion sowie die Transparenz bei der Nachverfolgbarkeit und optimiert so auch die Kosten der einzelnen Arbeitsschritte. Das alles kann Herstellern und Endkunden einen erheblichen Mehrwert bringen. Etablierung neuer Asset-Klassen Mit der Erschaffung von Bitcoin wurde vermeintlich eine neue, völlig digitale Asset-Klasse entwickelt. Die Blockchain-Technologie ermöglichte eine breite Palette an innovativen Produkten und Services, die nun dem Publikum für Anlagen zur Verfügung stehen. Gleichzeitig wird der Kryptomarkt mittlerweile stärker reguliert. Das schafft Vertrauen und gibt Privaten und Institutionen die notwendige Sicherheit, sodass sie auch in Zukunft sinnvoll und nachhaltig in den Bereich investieren können. Versicherungen Die Stärke der Blockchain – die dezentrale Organisation des Systems – bietet auch im Versicherungssektor grosses Potential. So können die Anbieter noch zielgerichteter und präziser auf die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden eingehen und ihnen auf sie zugeschnittene Lösungen anbieten. Die Blockchain hat somit einen Einfluss auf die Effizienz, welche schlussendlich die Kosten in der Branche nachhaltig senken kann. Selbstverständlich gibt es noch viele weitere spannende Beispiele wie die Tokenisierung von Finanzprodukten oder von Tangible Assets in Kombination mit NFT. Als Pionierin im Blockchain-Banking kennen wir den Markt sehr genau, und wir bieten umfassenden Support.
Neue Informationsplattform «Bank Frick meets» Wir verfolgen die Entwicklungen in allen Bereichen aktiv und berichten auf unserer neuen Informationsplattform laufend darüber. Auf «Bank Frick meets» teilen wir unser Wissen zu verschiedenen Themen: von der Blockchain-Technologie über praxisnahe Best-Case-Beispiele bis hin zu Updates aus der klassischen Finanzwelt. In unterschiedlichen, attraktiven Formaten – vom Fachbeitrag bis hin zu Online-Events mit Keynotes – vermitteln Spezialistinnen und Spezialisten sowie Visionäre ihr Know-how. Aktuell auf der Informationsplattform: Bank Frick meets CVVC (Crypto Valley Venture Capital) Die Blockchain- und Krypto-Assets sind omnipräsent. Metaverse schafft ganz neue Märkte und versucht, das Internet in das neue Zeitalter von Web 3.0 zu hieven. In unserer Blogreihe zeigen wir anhand konkreter Use-Cases, wie Blockchain die Welt verändert – und was die neue Technologie der realen Wirtschaft bringt. Wir präsentieren, wie sie Arbeitsweise, Interaktion und Geschäftstätigkeit beeinflusst und so unterschiedlichen Industrien einen Mehrwert bieten kann. Seit unserer Gründung vor über 20 Jahren sind ein enger persönlicher Kontakt, Vertrauen und Zuverlässigkeit unsere Kernwerte. Als unternehmerische und innovative Bank für Finanzintermediäre und professionelle Kunden schauen wir stets voraus, wir werfen einen Blick in die Zukunft. Wichtig ist der Austausch auf allen Ebenen und in diversen Bereichen. Dazu gehören auch Partnerschaften. Deshalb bauen wir unser Netzwerk laufend aus.
Seite 21
Nachhaltiger Vermögensaufbau aus Liechtenstein
WORKSHOP: « Altersvorsorge in Zeiten erhöhter Inflation: Warum zu hohe Garantien Sicherheit zerstören können!» FINANCE FORUM LIECHTENSTEIN 13. SEPTEMBER 2022 UM 13:00 UHR
Jeder Mensch sollte nach seinen Möglichkeiten vorsorgen und im Alter sorglos leben können. Wir bieten eine nachhaltige und flexible Vermögensanlage über Generationen hinweg.
PrismaLife AG Industriering 40, 9491 Ruggell Fürstentum Liechtenstein info@prismalife.com www.prismalife.com
Besuchen Sie unseren Workshop «Altersvorsorge in Zeiten erhöhter Inflation: Warum zu hohe Garantien Sicherheit zerstören können!» auf dem Finance Forum Liechtenstein am 13. September 2022 um 13:00 Uhr. Zusammen mit Prof. Dr. Jochen Ruß von der Gesellschaft für Finanz- und Aktuarwissenschaften mbH freuen wir uns auf die Diskussion mit Ihnen.
Altersvorsorge in Zeiten erhöhter Inflation:
Garantie und Sicherheit sind nicht das Gleiche! Holger Beitz CEO der PrismaLife AG
Altersvorsorge ist ein Sparvorgang, der ein Einkommen bzw. Vermögen für die Lebensphase schaffen soll, in der das aktive Arbeitseinkommen nicht mehr zur Verfügung steht. Dabei ist es für die meisten Menschen besonders wichtig, dass ihre Versorgung – möglichst mit einem stabilen Lebensstandard – lebenslang gesichert ist. Das Risiko, länger zu leben als Geld da ist oder aufgrund von Kapitalanlageverlusten den Lebens standard senken zu müssen, soll möglichst ausgeschlossen werden. Dies ist der Grund dafür, dass die Mehrheit der Vorsorge-Sparer lange Zeit sogenannte Garantieprodukte bevorzugt hat. Mit der seit vielen Jahren andauernden Niedrigzinsphase hat sich dieses Paradigma immer mehr verschoben. Eine risikofreie Anlage erwirtschaftet schon lange nicht mehr die nötigen Renditen, um Vorsorgeziele zu erreichen. Dementsprechend sinkt die Bedeutung von Garantieprodukten, weil für diese Garantien sichere, niedrig verzinste Anlagen genutzt werden müssen. Garantien kosten Rendite. Die PrismaLife setzt bei ihren Produktangeboten fast ausschliesslich auf invest mentbasierte Produkte, da diese dem Kunden eine grosse Vielfalt unterschiedlicher Anlagemöglichkeiten bieten. Dahinter steht die klare Erkenntnis, dass gerade bei langfristigen Sparprozessen die Chancen von Realwerten wie Aktien deutlich die Schwankungsrisiken übersteigen. Mit der aktuell massiv steigenden Inflation gerät aber ein weiterer Aspekt in den Blick, der ebenfalls grosse Auswirkungen auf den Erfolg des Vorsorgesparens hat. Denn mit zuneh-
mender Inflation driften nominale und reale Renditen auseinander.
sich das reale Risiko jedoch kaum, jedenfalls deutlich weniger als die Chancen.
Damit stellt sich die Frage, ob Garantien, die ja Rendite kosten, tatsächlich auch die erwartete Sicherheit bieten. Denn Garantien werden üblicherweise nominal definiert, nämlich mit der Sicherung der eingezahlten Beiträge. Dabei existieren Produkte mit unterschiedlichem Garantieniveau von 100 Prozent oder weniger der eingezahlten Beiträge.
Auf den ersten Blick ist das ein paradoxes Ergebnis. Es zeigt aber deutlich, dass allein der Blick auf Garantien keine sinnvolle Ausgangsbasis für eine langfristige und sichere Vorsorgeplanung ist. Garantie und Sicherheit sind bei weitem nicht das Gleiche. Ein weiterer Grund, auf investmentorientierte Vorsorgestrategien zu setzen.
Es liegt nahe, dass bei einer hohen Inflation die nominale Beitragsgarantie bei Weitem nicht die reale Rendite von mindestens Null sichert. Gerade bei langfristigen Sparprozessen kann sich das massiv auswirken. Mit einer Garantie sichert man sich also gegen Kursschwankungen ab, nicht aber gegen Inflation. Das Institut für Finanz- und Aktuar wissenschaften Ulm (ifa) hat in einer lesenswerten Studie untersucht, wie die Risikoabwägung zwischen Wertschwankungen auf der einen Seite und Inflationsrisiken auf der anderen Seite abhängig von dem gewählten (nominalen) Garantie niveau ausfällt. Die Forscher des ifa zeigen dabei anhand verschiedener konkreter Berechnungen, welche Auswirkungen unterschiedliche Garantiehöhen auf die für Sparer relevanten realen (also inflationsbereinigten) Chancen und Risiken eines Altersvorsorgeprodukts haben. Ein bemerkenswertes Ergebnis: Mit sinkendem Garantieniveau, beispielweise bei einer Absenkung der Beitragsgarantie von 90 auf 80 Prozent, steigen die Chancen der Anlage, im Beispiel um etwa einen Prozentpunkt. Dagegen erhöht
Seite 23
www.pwc.ch/sustainable-finance
Wie grün sind Finanzprodukte wirklich? PwC engagiert sich aktiv für die Themen Nachhaltigkeit und Sustainable Finance. Dabei unterstützt das Unternehmen Kundinnen und Kunden bei der Entwicklung regulierungskonformer nachhaltiger Finanzprodukte sowie dem Assessment des ‹Greenwashing›-Risiko bestehender Finanzprodukte. Daneben bietet PwC auch regulatorische Gap Analysen zur Evaluation von Chancen und Risiken und unterstützt bei der umfassenden ESG & Net-Zero Transformation.
Für Fragen rund um Sustainable Finance können Sie sich gerne bei unseren PwC Experten melden: Antonios Koumbarakis, Sustainability & Strategic Regulatory Leader, PwC Schweiz +41 58 792 45 23, antonios.koumbarakis@pwc.ch Lukas Vogt, Manager AM Sustainable Finance, PwC Schweiz +41 58 792 43 12, vogt.lukas@pwc.ch Sofia Tsankova, Manager Sustainable Finance, PwC Schweiz +41 58 792 26 87, sofia.t.tsankova@pwc.ch PwC Schweiz, Birchstrasse 160, Postfach, CH-8050 Zürich PwC Liechtenstein, Industriering40/Kokon 2, Postfach, LI-9491 Ruggell
© 2022 PwC. All rights reserved. “PwC” refers to PricewaterhouseCoopers AG and PricewaterhouseCoopers GmbH, which are member firms of PricewaterhouseCoopers International Limited, each member firm of which is a separate legal entity.
ESG-Versprechen dürfen nicht nur leere Versprechungen bleiben Dr. Antonios Koumbarakis Head Sustainability & Strategic Regulatory, PwC Schweiz
Das Interesse von Anlegerinnen und Anlegern nach nachhaltigen Geld anlagen steigt weiter. Jedoch zeigt sich, dass nicht überall wo ESG draufsteht auch ESG drin ist. Neue Regulierungen und Standards sollen für mehr Trans parenz, bessere Vergleichbarkeit und weniger Greenwashing sorgen. Jedoch erhöhen diese auch die Komplexität der Thematik selbst. Jüngste Entwicklungen zeigen, dass die Greenwashing-Problematik bei den Aufsichtsbehörden an Stellenwert zugenommen hat und ein neues Zeitalter im Kampf gegen Greenwashing – leere ESG-Versprechen – angebrochen ist. Im Mai 2022 führte die deutsche Aufsichtsbehörde (BaFin) erstmalig eine Razzia aufgrund von Greenwashing-Vorwürfen durch und durchsuchte die Räumlichkeiten der Deutsche-Bank-Tochter DWS. Nicht nur in Europa schauen die Aufsichtsbehörden nun genauer hin, sondern auch in Übersee. Die US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) hat Anfang Jahr eine Klima und ESG-TaskForce initiiert und kürzlich eine Untersuchung gegen Goldman Sachs und deren Nachhaltigkeitsfonds eingeleitet. Europa führend, Liechtenstein zieht nach Nachhaltigkeit wird vermehrt in nationalen und internationalen Regelwerken definiert. In der EU liegen mit der neuen EU-Taxonomie und der Offenlegungsverordnung Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) konkrete Umsetzungsinstrumente vor. Hierzu wurde in Liechtenstein kürzlich ein Durchführungsgesetz verabschiedet, dass die EU-Regulierungen bezüglich nachhaltigen Finanzprodukten in nationales Recht überführt. Somit ist ab dem 1. Mai 2022 SFDR und die EU-Taxonomie auch in Liechtenstein in Kraft getreten. Ungeachtet der angewandten Mittel in den
verschiedenen Jurisdiktionen wollen alle dasselbe: Transparenz schaffen, Vergleichbarkeit herstellen und Greenwashing verhindern. Trotz – oder vielleicht auch wegen – den vielen verschiedenen Regulierungen und Standards mit dem gleichen Ziel, fehlt die Orientierung. Denn das Spektrum an angewandten Anlagestrategien (z.B. Ausschlussstrategie, Best-in-Class-Selektion, ESG-Integration, Thematische Ansätze usw.) und verfolgten Nachhaltigkeitszielen (z.B. Wasser, Diversität, Biodiversität usw.) von nachhaltigen Anlagen scheinen nahezu grenzenlos zu sein. Auf Basis verschiedener Szenarien haben wir von PwC Schweiz ein Rahmenwerk für die Greenwashing-Analyse und Bewertung von ESG-Finanzprodukten entwickelt, welche aus vier Elementen besteht. In einer aktuellen Studie beurteilen wir 220 ESG-Fonds anhand dieses Rahmenwerks: Produktelemente: Die meisten aktuellen ESG-Fonds sind hellgrün, über zwei Drittel in Aktien investiert. Aktiv bewirtschaftete Portfolien dominieren. Mehrheitlich kommt eine Ausschlussstrategie zur Anwendung, wobei diese noch kein nachhaltiges Produkt definiert und oft nicht transparent in den Fondsdokumenten dargestellt wird.
Begriff ESG-Integration zum Beispiel wird unterschiedlich interpretiert. Schwerpunkte bei S und G fehlen. Daten und Ratings: Die meisten Banken nutzen Daten von externen Ratingagenturen wie MSCI oder Sustainalytics, wobei die Nachvollziehbarkeit fraglich ist, da diese nicht angemessen geprüft werden. Versprechen einlösen Aktuell formen Regulator und Standardsetter das Umfeld von nachhaltigen Finanzprodukten. Trotzdem bleiben die involvierten Akteure selbst in der Pflicht. Anlegerinnen und Anleger müssen sich über ihre persönlichen Nachhaltigkeitspräferenzen bewusst werden und klar kommunizieren, was sie als nachhaltige Anlage ansehen und welchen Prozentsatz sie in nachhaltige Anlagen investiert haben wollen. Diese Absichten sollten die Banken kennen und entsprechend reagieren. Deshalb müssen nicht nur die Fundamentaldaten von ESG-Produkten stimmen, sondern durch ESG-Elemente ergänzt werden. Generell gilt es, den ESG-Bezug der Finanzprodukte und die nachhaltige Anlagestrategie transparent zu kommunizieren.
Offenlegung: Die Offenlegung ist generell gehalten, unstrukturiert, vage und oft schwer zu finden. Bindende ESG-Messgrössen (KPI) wie Carbon Footprint, SBTs, Temperaturpfad oder Scope 1–3 fehlen. Mehr als die Hälfte der Fonds geben keinen Minimalanteil an nachhaltigen Anlagen vor. Anlagestrategie: Die angewendeten Anlagestrategien sind inkonsistent. Der
Seite 25
ti&m onlineID-Service
Die intuitive und vollautomatische Online-Identifikation Unser innovativer, KI-basierter ti&m onlineID-Service identifiziert Ihre Prospects schnell und sicher und macht sie in wenigen Minuten zu Neukunden. Der gesamte End-to-end-Prozess der Online-Identifikation mit den beiden Schritten Dokumentenscan und Liveness-Check ist intuitiv und nutzerfreundlich gestaltet. Nach Abschluss werden die Neukundendaten automatisch in Ihr Backend-System übertragen. Der patentierte ti&m onlineID-Service ist erhältlich als integriertes Online-Identifizierungsmodul in Ihre bestehende Onboarding-Lösung oder als Teil unserer Gesamtlösung ti&m onboarding suite.
Andreas Huck, Product Manager, berät Sie gern zu unserer Online-Identifikation-Lösung. Zögern Sie nicht: +41 44 497 75 00, ti8m.com/onlineID
Beratungslösungen im Banking neu gedacht Stefan Rüesch Head Digital Banking, ti&m
Tiefe Margen und steigende Konkurrenz setzen Schweizer Banken zunehmend unter Druck. Auf der anderen Seite bietet sich die Chance, durch Investitio nen in die Beratungsqualität neue Kunden zu gewinnen und bestehende zu halten. Gefragt sind digitale automati sierte Beratungstools. Die Herausforderungen für Banken nehmen zu. Zum einen verschärft sich der Konkurrenzkampf, weil immer mehr Player auf einen Markt drängen, der lange alleiniges Spielfeld der Banken war. Fintechs und Versicherungen bieten neue(re) und moderne(re) Produkte und Dienstleistungen und gewinnen zunehmend Marktanteile von etablierten Banken. Und nicht zuletzt entstehen neue Plattformen, die die Kundenwertschöpfungskette konsequent ins Zentrum rücken und verschiedene Angebote von Drittparteien, darunter auch von Banken, bündeln, um ihren Kunden zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Service zu bieten. Banken werden auf diesen entstehenden Plattformen weiterhin eine Rolle spielen, aber mehr als Zulieferer denn als Hauptansprechpartner für alle finanziellen Bedürfnisse. Der Druck, der seit über 30 Jahren sinkenden Margen wird also auf die Kostenseite abgewälzt und durch eine zunehmende Automatisierung kompensiert werden müssen. Gerade im Massengeschäft bietet sich ein grosses Potential an effizienteren, sprich digitalisierten Prozessen. Allerdings erfordert diese Automatisierung Investitionen, die das strukturelle Problem von Schweizer Banken sichtbar machen: der kleine Markt. Die Stückkosten einer Schweizer Bank werden immer höher sein als die von ausländischen Anbietern. Zwingend nötige Investitionen in die Automatisierung sind für Schweizer Retailbanken daher
schwieriger zu amortisieren als für grosse Banken oder grosse Fintechs wie Revolut oder Klarna. Und die Kunden? Gemäss unserer Trendstudie Banken 2021 wollen jetzt schon rund 20 Prozent der Kunden mit ihrer Bank nur noch digital verkehren, und ein Grossteil von ihnen wünscht sich hybride Prozesse. Am wichtigsten ist ihnen allerdings, dass ihre Anliegen möglichst schnell und einfach erledigt werden. Zudem ist besonders die jüngere Generation ihrer Bank nicht gerade treu: Banken werden fast so einfach gewechselt wie das Handyabo. Wie schafft es eine Bank vor diesem Hintergrund, ihren Kunden in jeder Lebensphase den individuellen Service zu bieten, den es braucht, um ein lebens langer Begleiter zu werden? Die Vielzahl an neuen InvestmentApps hat einen kleinen Trading-Hype ausgelöst, und dank vielen SelfserviceAngeboten können Bankkunden jeweilige Dienstleistungen ohne persönliche Interaktion mit der Bank nutzen. Jeder Kunde kann grundsätzlich selber im Netz nach Informationen zu passenden Anlagestrategien oder Zinsprognosen suchen. Banking als Dienstleistung muss dem Kunden also einen umfassenden Service bieten und ihm die eigene Recherche im Internet ersparen, indem ihm die Bank die Informationen liefert, die er zu einem bestimmten Zeitpunkt braucht. Die Bank reduziert auf diese Weise die Suchkosten für ihre Kundinnen und Kunden. Schweizer Retailbanken verstehen sich immer noch als Universalbanken, die die gesamte Wertschöpfungskette – vom Vertrieb über die Produkte bis zur Verarbeitung – abdecken wollen. Die Abwicklung und die Produkte werden zunehmend standardisiert und damit
austauschbar. Was als USP bleibt, ist die Vertriebsschnittstelle: Ein umfas sender Kundenservice und eine kompetente Beratung werden somit ins Zentrum rücken und zum wichtigsten Differenzierungsfaktor von Schweizer Retailbanken. Die Herausforderung: Gute Beratung ist teuer und ressourcenintensiv. Besonders wenn man sich als Universalbank versteht und seinen Kunden in allen Bereichen eine Topberatung liefern will. High Tech und High Touch Und hier kommt ein Technologiedienstleister wie ti&m ins Spiel. Unsere Vision ist eine Beratungslösung für Kunden berater, die die gesamte Customer Journey abbildet und die Berater in einer übersichtlichen Oberfläche mit allen Informationen in Echtzeit versorgt. Der Beratungsprozess ist nur so weit standardisiert, wo er austauschbar ist, also bei der Vor- und der Nachbereitung. Gerade in automatisierten Prozessen macht es punktuell Sinn, wenn der Mensch eingreift und einen Mehrwert schafft. Diese Touchpoints gilt es zu identifizieren und zu nutzen: High Tech ergänzt mit High Touch zum richtigen Zeitpunkt. Dem Kunden bleibt dabei überlassen, wie und wo er sich beraten lassen will.
Seite 27
CONNECT TO AN OPEN BANKING WORLD
olympicbankingsystem.com
Die Bank der Zukunft – NFTs als Geldanlage? Immer mehr im Trend, aber immer noch ein Nischensektor Roger Furrer Direktor ERI Bancaire Zürich
Vor zwei Jahren waren NFTs nur einigen wenigen Krypto-Enthusiasten bekannt. Ende 2021 hatte der Markt, laut den Daten von Chainalysis, jedoch bereits ein Volumen von rund 41 Milliarden USD erreicht. Trotz diesem rasanten Wachstum ist dieses Marktvolumen immer noch unbedeutend, allein schon im Vergleich zum Markt für Kryptowährungen mit einer Gesamtkapitalisierung von fast 2 Billionen USD und erst recht im Vergleich zum Goldmarkt beispielsweise, der etwa 12 Billionen USD ausmacht. Dennoch haben die NFTs in den letzten Jahren einen regelrechten Hype erlebt, der jedoch in jüngster Zeit – ebenso wie die Kryptowährungen – durch die steigende Inflation, die daraus resultierenden Zinserhöhungen und Straffung der Geldpolitik und die Forderungen nach Rückzahlung der Corona-Kredite abrupt gebremst und zurückgeworfen wurde. Hinzu kommt eine Reihe von Risiken, die nicht zu vernachlässigen sind: Cyberangriffe, Diebstahl von Urheberrechten, Vervielfältigung beliebter NFTs, Verschwinden oder Veralten der Infrastruktur oder ihrer Anbieter etc. Trotzdem prognostizieren viele Exper ten ihren Durchbruch in der breiten Öffentlichkeit in naher Zukunft. Was für die meisten noch kryptisches Neuland ist, wird von anderen bereits seit Jahren als Geldanlage genutzt. Es ist vor allem die finanziell etablierte Generation Y (Millennials), die als Digital Natives, welche mit neuen Technologien wie Blockchain, NFTs und Metaverse vertraut sind, zu den wichtigsten Anlegern zählt. Dies wird in Zukunft auch bei der Generation Z, aufgrund der Geldvererbung der Babyboomer-Generation, der Fall sein. NFTs sind auf dem Kunstmarkt weit verbreitet, da sie einige der spezifischen Probleme dieses Sektors lösen, z.B. indem sie als Echtheitszertifikat dienen und
Fälschungen verhindern, Weiterverkaufsbeteiligungen für die Künstler festlegen, die in Smart Contracts programmiert werden können, und natürlich eine grössere Marktöffnung, die die Möglichkeit bietet, aussergewöhnliche Preise zu erzielen. Unter den bekanntesten und teuersten NFTs der Welt sind derzeit die des Künstlers Mike Winkelmann (Künstlername Beeple) «Everydays: The first 5000 days», die fast 70 Millionen USD erzielten und die 10 000 Affenbilder des BAYC (Bored Ape Yacht Club), von denen das teuerste mit über 3 Millionen USD gehandelt wurde. Aber auch andere Teilnehmer haben den Markt für sich entdeckt, z.B. Investoren in die entsprechenden FinTechs, wie z.B. die Deutsche Börse, die Commerzbank etc., Sportartikelhersteller wie Adidas, Nike u.a., die Automobilindustrie mit Mercedes-Benz, Lamborghini usw. und viele andere Branchen. Hinzu kommen Bereiche wie Musik, Videos, Memes, Zertifikate, Gadgets in Spielen oder digitalen Welten usw. NFTs als Asset Token (Effekten)? Für Banken und Vermögensverwalter ist es wichtig zu wissen, wie die NFTs von der FINMA klassifiziert werden. Die FINMA kategorisiert sie heute in: Payment Token, Utility Token und Asset Token, wobei auch Mischformen denkbar sind. Da NFTs nicht zu Zahlungszwecken ausgegeben werden und auch nicht unterteilbar sind, handelt es sich also nicht um Payment Token. Ebenso wenig sind sie für eine digitale Nutzung oder eine Dienstleistung bestimmt. NFTs sind daher auch keine Utility Token. Bleiben noch Asset Token. Die Voraussetzungen dafür sind, dass sie • physische Wertgegenstände auf der Blockchain handelbar machen oder einen Vermögenswert repräsentieren, insbesondere eine schuldrechtliche Forderung gegenüber dem Emittenten (z.B. Anteile
an künftigen Erträgen oder künftige Kapitalflüsse) oder ein Mitgliedschaftsrecht; und • vereinheitlicht und zum massenweisen Handel geeignet sind (= in gleicher Struktur und Stückelung öffentlich angeboten oder bei mehr als 20 Kundinnen und Kunden platziert, sofern sie nicht für einzelne Gegenparteien besonders geschaffen werden; Art. 2 Abs. 1 FinfraV). Ein NFT ist ein einzigartiges Token, das nicht aufgeteilt, vereinheitlicht und für den Massenhandel geeignet ist. NFTs qualifizieren sich demnach auch nicht als Asset Token. Das bedeutet, dass NFTs, je nach der Ausgestaltung der Smart Con tracts, einzeln betrachtet werden müssen. Schlussfolgerung Die Zukunft wird zeigen, wie schnell und in welchem Umfang sich der NFT-Markt entwickeln wird, ob es sich nur um eine kurzfristige Modeerscheinung handelt oder ob er sich dauerhaft halten wird und inwieweit sich NFTs für eine allgemeine Vermögensanlage eignen werden. Auf jeden Fall sind die FINMA und die Behörden gefordert, klare Richtlinien, auch in Bezug auf Steuern, zu erarbeiten. Wie auch immer sich die Möglichkeiten im Metaverse entwickeln, ist es für uns als Anbieter von Bankenlösungen unerlässlich, die Geschehnisse genau zu beobachten, proaktiv zu bleiben und unsere Lösung OLYMPIC Banking System immer auf dem neuesten Stand der Technologie zu halten, um jederzeit schnell und flexibel auf neue Marktentwicklungen reagieren zu können.
Seite 29
Erfolgreiche Implementierung von Krypto Assets
Roberto Zimmermann,
Glenn Hempel
Head Capco Liechtenstein
Managing Principal, Head Digital Assets, Schweiz
Innovationen im Bereich Krypto und Distributed-Ledger-Technologien (DLT) ziehen zunehmend die Aufmerksamkeit eines grösseren Publikums auf sich, dessen Interesse über spekulatives Bitcoin- oder Altcoin-Trading hinaus geht. Angesichts dieser Entwicklung erkunden Banken verstärkt die Möglichkeiten digitaler Assets. Dabei geht es vornehmlich um das exponentiell wachsende Krypto- und Digital-AssetÖkosystem, das die technische Infra struktur, Blockchain-Anwendungen sowie diverse Produkte und Services bietet. Eine zeitnahe Einführung ist vor allem für institutionelle und professio nelle Kunden zu erwarten, wie Use Cases sowie technologische Innovationen zeigen. Dies wirft Fragen zur operativen Umsetzung und den möglichen Auswir kungen auf Wertschöpfungsketten und dem Betriebsmodell auf. Herausforderungen bei der Integration von Krypto und Digital Assets Traditionelle Banken stehen bei der Entwicklung von Krypto- und DigitalAsset-Dienstleistungen und -Produkten aufgrund veralteter IT-Kernbankensysteme und -technologien sowie komplexer regulatorischer Abhängigkeiten vor ganz individuellen Herausforderungen. Defizite umfassen die Definition relevanter Angebote, das Verständnis für die Anwendung von Blockchain-Technologien, neue Risiko- und Regulierungsanforderungen sowie die Unternehmenskultur. Daher gilt es folgende Kernbereiche bei der Einführung von Digital-Asset-Dienstleistungen zu beachten: trategischer Business Case & Roadmap: S Bei der Definition praktischer Use Cases, der Akzeptanz durch die Geschäftsleitung
Seite 30
und der schnellen Implementierung spielen sowohl das Geschäft als auch die technologischen Möglichkeiten eine führende Rolle. Die Implementierung muss inmitten höchster Komplexität mithilfe einer strategischen Roadmap effektiv durchorchestriert werden. Unzureichend konzipierte Programme, bei denen die Komplexität von der strategischen Definition bis hin zur operativen Umsetzung häufig unterschätzt wird, erschweren diese. Interoperabilität des Bankenbetriebs modells und der Legacy-Plattform: Traditionelle Bankenbetriebsmodelle sind häufig mit technischen und funktionalen Mängeln behaftet. Hinzu kommen Interoperabilitätsprobleme bankeninterner Betriebssysteme mit der Blockchain-Technologie. Der Kern der Interoperabilität besteht darin, dass die traditionelle Banktechnologie oft nicht in der Lage ist, Krypto-Asset-Dateien zu verarbeiten. Dies kann durch einen speziellen technischen Integrationsansatz (z.B. mit «Fix» Schnittstellen) oder APIAnforderungen für hohe Anbindungs fähigkeiten bewältigt werden. Risiko & Regulatorische Compliance: Krypto- und Digital-Asset-Produkte bergen Potential für neue Risiken, und es ist wichtig, diese bei der Umsetzung zu kennen. Traditionelle Regulierungs- und Compliance-Prozesse sind oftmals unzureichend (z.B. Onboarding von Krypto-Vermögenswerten und die forensische Analyse zur Feststellung der Eigentumsverhältnisse). Der Lizenzierungs- und Regulierungsrahmen ist entweder in Entwicklung oder komplett neu, und zahlreiche detaillierte Anforderungen sind notwendig. In Liechtenstein
ist das Token- und VT-Dienstleister-Gesetz bzw. «Blockchain-Gesetz» seit Januar 2020 in Kraft und ist eine praxisnahe Regulierung, die Rechtssicherheit für alle Beteiligten schafft und Innovationen fördert. Die DLT-Verordnung der Schweiz trat bereits 2021 in Kraft, und in der EU wird vorrausichtlich 2023 mit der Markets in Krypto-Assets-(MiCA)Initiative ein rechtlicher Rahmen geschaffen. Entwicklung eines erfolgreichen Implementierungsansatzes Um die Ambitionen traditioneller Finanz institute zu unterstützen, ist das ständig wachsende B2B-Krypto-Ökosystem einer der wichtigsten Schlüssel zum Erfolg. Die Akteure dieses Systems befinden sich in einer guten Position, um die Banken bei der Implementierung von Lösungen v.a. im Bereich Technologie zu unterstützen. Sie stossen aber auch öfter an ihre Grenzen mit ihrer Skalierbarkeit und die regulatorischen Einschränkungen für aktuell nicht regulierte Anbieter nehmen zu. Wesentliche Schritte einer erfolgreichen Umsetzung sind die Definition des Business Cases, das Verständnis von B2BKrypto-Ökosystemen und der regulatorische Rahmen, DLT-Technologie mit MVPAnsätzen, die Entwicklung des Betriebsmodelles und die Transformations-Roadmap. Um eine erfolgreiche Umsetzung zu gewährleisten, müssen Banken ihre strategischen Pläne, Optionen, Auswirkungen und Lösungsansätze verstehen. Kontakt Roberto Zimmermann M: +41 79 958 05 54 E: roberto.zimmermann@capco.com Glenn Hempel M: +41 79 135 85 18 E: glenn.hempel@capco.com
S HAPIN G TO M O R R OW’S FINANC I A L SERVI C ES. TO DAY. WWW.CAPCO.COM
JN_4227_Finance Forum Event Journal Ad_190x135mm.indd 1
08-Jun-22 15:22:21
Die Konferenz für digitale Entscheider Transformation gestalten Dienstag, 27. September 2022 Vaduz / 14:00 - 18:00 Uhr
Stefan Schnorr
Marc Walder
Nele Kreyssig
Taavi Kotka
Staatssekretär im deutschen Bundesministerium für Digitales und Verkehr
Gründer digitalswitzerland und CEO Ringier AG
Director Digital Culture esentri AG
IT-Experte und Initiant e-Estonia
EINE VERANSTALTUNG VON:
Infos & Tickets: www.digitalsummit.li
And your digital business works adnovum.com
1
NEU in Ihrer Inbox. Das Newsletter Fachbriefing der Versicherungsbranche Jetzt abonnieren hzinsurance.ch/newsletter
Karin Bosshard Chefredaktorin
HZ Insurance DAILY: Ihr Briefing zur Versicherungswirtschaft. Insights, Analysen, Updates: Ein Muss für Branchen-Entscheider:innen. hz_insurance_inserat_190x135_Eigeninserat.indd 1
05.05.22 16:23
Open Banking – der Weg zur «Daten-Bank» Ralf Schwesinger Senior Business Development & Solution Sales Manager Adnovum
Unsere persönlichen Daten, die wir in der digitalen Welt erzeugen, sind wertvoll. Daher drängt sich die Frage auf, weshalb wir sie nicht schon längst von vertrauenswürdigen Partnern wie Banken verwahren und verwalten lassen. Bis zum absoluten Selbstverständnis einer «Daten-Bank» mag es vielleicht noch etwas Zeit brauchen. Das Ringen um die Gunst beziehungsweise um die Daten der Kunden hingegen hat schon lange begonnen. Neben klassischen Finanzdienstleistern wittern auch innovative Anbieter aus anderen Branchen eine riesige Chance. Mehr Informationen, mehr Möglichkeiten Der Wert unserer Daten lässt sich sogar noch steigern. Wenn etwa eine Bank auf möglichst alle relevanten und vom Kunden autorisierten Informationen zugreifen und aus diesen belastbare Schlussfolgerungen zum Nutzen des Kunden ziehen kann, ist es ihr möglich, eine bessere und präzisere Handlungsempfehlung abzuleiten. Folglich wäre der Kunde optimal beraten, während die Bank effizienter operieren und sogar neue Geschäftsfelder erschliessen kann. Ertragsquellen – neue, aber auch bestehende – liessen sich damit sowohl für den Kunden als auch für die Bank optimieren. Dabei geht es um die Auswertung von Fakten. Die Kombination der angewandten Technologie mit dem Know-how der Bank macht den entscheidenden Unterschied. Immer vorausgesetzt, man verfügt auch über die richtige Datenbasis. Anstatt mit Informationsschnipseln zu versuchen, ein passendes Angebot für einen Kunden zu definieren, eröffnet der Zugriff auf mehr Informationen auch wesentlich mehr Möglichkeiten. So werden zudem Chancen
abseits klassischer Finanzdienstleistungsprodukte greifbar. Open Banking als Wegbereiter In diesem Kontext ist Open Banking gewissermassen als erster Schritt zu verstehen. Nach der Freigabe durch den Kunden, der als Eigentümer seiner Daten selbst über deren Verwendung entscheidet, kann die Bank im besten Fall mit annähernd vollständigen Informationen operieren. Es wird möglich sein, selbst die Informationen einzubeziehen, die im Rahmen eines klassischen Kundengesprächs nur schwer zu erfassen sind – zumal der Kunde sie oftmals selbst gar nicht so genau kennt (z.B. das GoogleProfil, das Konsumverhalten oder Bewegungsdaten). Open Banking in der heutigen Leseart offenbart jedoch nur einen Aspekt des zukünftigen Anwendungspotentials, da damit nur Bankdaten in ein Nutzungs universum propagiert werden. Das volle Potential erschliesst sich erst, wenn der Kunde via Open Banking auch weitere, nicht bankfachliche Daten beisteuert und von seiner «Daten-Bank» verwahren und bewirtschaften lässt. Fehlen würden somit nur die Informa tionen, die der Kunde bewusst nicht offenlegen möchte. Ein Aspekt, mit dem wir bereits heute umgehen müssen, denn was der Kunde seinem Berater nicht mitteilt, kann dieser auch nicht bei seiner Analyse berücksichtigen. Geben und Nehmen Open Banking wird dann perfekt funktionieren, wenn alle Beteiligten den Grundsatz von «Geben und Nehmen» berücksichtigen. Eine Bank, die zwar fremde Daten nutzen möchte, sich selbst jedoch anderen Marktteilnehmern
verschliesst, wird mittelfristig vermutlich auf der Verliererseite stehen. Wer sich hingegen offen zeigt, kann insgesamt mehr Informationen verarbeiten und glänzt mit potenziell besseren Angeboten für seine Kunden. Kein Zweifel: Die persönliche Beziehung zum Kunden bleibt zentral. Und auch wenn sich die Kundenschnittstelle durch Open Banking verändern mag, so dürften für den Verlust einer Kundenbeziehung eher andere Aspekte verantwortlich sein. Die Konkurrenz schläft nicht – zumindest nicht die ernst zu nehmende Gegenüber anderen Marktteilnehmern geniessen Banken bei ihrer Kundschaft einen klaren Vertrauensvorsprung und verfügen somit über eine exzellente Ausgangslage, um neue Ansätze nicht nur vom Spielfeldrand aus zu verfolgen, sondern deren Umsetzung bewusst zu steuern. Man sollte eines nicht vergessen: Das Vertrauen der Kunden basiert auf bereits erbrachten Dienstleistungen, und dieses Vertrauen will täglich neu verdient werden! Open Banking aktiv voranzutreiben und sein Unternehmen heute schon auf morgen vorzubereiten bedeutet, sich den vorhandenen Vertrauensvorsprung auch für die Zukunft zu sichern. Denn war man zuletzt von der Umsetzungsstärke diverser FinTechs überrascht, so besteht aktuell zudem die Gefahr, dass innovative Anbieter aus ganz anderen Branchen schneller am Markt sind und klassische Banken das Nachsehen haben. Sprechen Sie mit uns über Ihre Strategie. Wir können Ihnen helfen, Ihr Vorhaben technisch perfekt umzusetzen und in die vorhandene Systemlandschaft einzu betten.
Seite 33
«Zeitenwende im Wealth Management: Strukturelle Brüche vs. gezielte Transformation» Einführung Die geostrategische Zeitenwende, welche kurzfristig vollzogen, sich im Grunde genommen aber bereits seit Längerem angekündigt hat, erfasst nicht nur die Politik, die Wirtschaft und die Gesellschaft im Allgemeinen, sondern auch das damit unmittelbar verbundene Wealth Management im Besonderen. Wie andere Bereiche auch, befindet sich dieses und die verschiedenen damit verbundenen Finanzdienstleistungen seit Jahren in einem umfassenden Transformationsprozess. Dadurch haben sich nicht nur die massgeblichen Rahmenbedingungen und regulatorischen Anforderungen grundlegend geändert, sondern es hat sich die gesamte Branche ebenso grundlegend neu aufgestellt und ausgerichtet. Das gilt in besonderer Weise auch für den Finanzplatz Liechtenstein. Darüber hinaus wird das Wealth Management zunehmend und insbesondere im Rahmen der Zeitenwende mit strukturellen Brüchen konfrontiert und von diesen herausgefordert sein. Hierbei stellt sich die Frage, ob diese strukturellen Brüche als ein Teil der gezielten Transformation verstanden werden können, diese überlagern oder gar im Widerspruch zu dieser stehen. Hohe Inflation und Zinsanstiege als zentrale Herausforderungen Nach vielen Jahren mit sehr niedrigen Inflationsraten und Zinsen ist «sehr plötzlich» die Inflation zurückgekehrt und
Assistenzprofessorin Alexandra Butterstein, und Professor Martin Wenz Universität Liechtenstein
mit ihr die Versuche der Notenbanken, sie über teilweise ebenso «plötzliche» Zinserhöhungen im Zaum zu halten. Es stellt sich die Frage, inwieweit das bei überwiegend importierter Inflation überhaupt möglich und sinnvoll ist? Warum überraschte beispielsweise die SNB einen Grossteil der Experten mit ihrem Vorpreschen bei der Erhöhung des Leitzinses, bevor die EZB Anpassungen vornahm? Die Frage, ob hohe Inflationsraten und steigende Zinsen nur ein kurzfristiges Phänomen darstellen oder uns mittelund langfristig begleiten werden, ist von hoher Bedeutung für die Ausrichtung der Asset Allocation von Investoren, nicht nur, insbesondere aber auch im Wealth Management. Bedeutung nachhaltiger Investitionen im aktuellen Marktumfeld Die andauernden Transformationsprozesse in der Finanzwelt treffen auf abrupte strukturelle Veränderungen, getrieben durch hohe Inflation bei geopolitischer Unsicherheit. Es stellt sich die Frage, welche Rolle Nachhaltigkeitskriterien bei der Investmentselektion in diesen besonderen Zeiten spielen? Aktuelle Forschungsergebnisse aus dem Bereich «Sustainable Finance» deuten jedenfalls darauf hin, dass nachhaltige Investitionen gerade in einem volatilen Marktumfeld sinnvoll sein können. Dementsprechend stellen sich insbesondere auch Fragen nach validen Kriterien zur Nachhaltigkeitsbewertung von Unternehmen. Insofern müssen aktuelle Regulierungsmassnahmen auf diesem Gebiet, wie beispielsweise die EU-Taxonomie-Verordnung kritisch diskutiert und hinterfragt werden. Stresstest für Krypto und Blockchain Blockchain und andere Technologien haben die Finanzmärkte in den letzten Jahren grundlegend verändert und eine Basis für viele alternative Instrumente geschaffen. Die erzielbaren Renditen und Effizienzgewinne waren oft herausragend
INSTITUT FÜR FINANCE Banking, Sustainability and Impact-Investing Finance, Fintech and Artificial Intelligence n Taxation, Tax Standards and Impact on Liechtenstein
Globale Steuerrechtsordnung und euro päische Implementierungsversuche Zur Sicherstellung einer angemessenen Besteuerung grösster, insbesondere digitaler Unternehmen auch in den jeweiligen Marktstaaten und zur Begrenzung des globalen Steuerwettbewerbs durch die Einführung einer globalen Mindestbesteuerung haben die G20 und die OECD eine neue internationale Steuerrechtsarchitektur als Zwei-Säulen-Konzept entwickelt. Dessen umstrittene Implementierungsversuche innerhalb der EU und auch des EWR werfen insoweit allerdings Fragen auf, welche wenig mit diesem Transformationsprozess, aber sehr viel mit strukturellen Grundprinzipien zu tun haben und am Ende gerade kein globales «level playing field» sicherstellen. Vermögens- und Nachfolgeplanung Unsichere geopolitische Zeiten wirken sich insbesondere auch auf die Vermögens- und Nachfolgeplanung aus. Es stellt sich die Frage, wie Vermögen langfristig erhalten werden kann. Die liechtensteinische Stiftung bietet hierfür einen geeigneten Rahmen im Herzen Europas. Neben einer mehrdimensionalen Foundation Governance und hoher Expertise punktet der Stiftungsstandort mit einem stabilen (steuer-)politischen und rechtlichen Umfeld. Fraglich bleibt jedoch, wie «mobil» eine in der EU errichtete Stiftung ist und unter welchen rechtlichen Gesichtspunkten ein Zuzug nach Liechtenstein möglich sein kann.
INSTITUT FÜR WIRTSCHAFTSRECHT Banking and Financial Market Law Corporate, Foundation and Trust Law n Economic Criminal Law, Compliance and Digitalisation
n
n
n
n
uni.li/finance
und unterstrichen die versprochenen grossen Potentiale. Zuletzt hat sich aber gezeigt, dass sich auch Krypto & Co. nicht mehr länger oder gar komplett von der restlichen Finanzwelt abkapseln können. Es ist daher nun an der Zeit, zu beweisen, dass es sich hierbei nicht nur um «Schönwetter-Ansätze» handelt, sondern dass diese auch in schwierigen Zeiten «gut funktionieren». Nicht alle Ansätze und Instrumente werden diesen Test bestehen.
uni.li/businesslaw
www.uni.li
Globale Lösungen für globale Herausforderungen Dr. Hans-Werner Gassner Präsident Liechtensteinischer Bankenverband
Ein Tipping Point ist ein Moment, an dem eine ursprünglich lineare und eindeutige Entwicklung abrupt abbricht, die Richtung wechselt oder sich stark beschleunigt. In jüngster Zeit häufen sich diese Phänomene. So hat die Covid-Pandemie nebst vielen Aspekten die Art, wie wir arbeiten oder kommunizieren quasi über Nacht verändert. Die langfristigen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft sind noch kaum abschliessend erkennbar. Der zweite gewichtige Kipppunkt in der noch jungen Dekade ist der brutale Angriffskrieg von Putins Russland auf die Ukraine. Über Nacht wurde die politische Weltordnung der letzten 30 Jahre zur Makulatur. Die Ukrainerinnen und Ukrainer zeigen uns, dass nichts selbstverständlich ist. Man muss für Freiheit, Recht und Demokratie wieder kämpfen. Unsere etwas satt wirkenden westlichen Demokratien scheinen die Herausforderung angenommen zu haben und stellen sich bis anhin entschlossen dem Aggressor. Die Frage, wie lange diese Geschlossenheit anhält, ist aber berechtigt. Putins Propagandalügen finden auch im Westen wieder stärker Beachtung. Wie und wann der Krieg zu Ende geht, weiss momentan niemand. Sicher ist, dass es auch danach für die nächsten Jahre keine verbindliche globale Weltordnung mehr geben dürfte. Ähnlich wie im Kalten Krieg dürfte es wieder Blöcke oder Einflusssphären geben.
Die Welt wird also noch komplizierter und vor allem multipolarer. Und just in dieser Phase steuert die Welt auf einen weiteren Tipping Point zu. Die einen erwarten ihn bereits für 2025, die anderen etwas später. Es ist der Punkt, wenn selbst weniger alarmistische Menschen nicht mehr vom Klimawandel, sondern von der Klimakrise sprechen. Das Tückische am Klimawandel ist bekanntlich dessen schleichender, wenn auch immer beschleunigender Verlauf. Wer es nicht glaubt, soll mal eine Wanderung zum Morteratsch-Gletscher in den Bündner Alpen machen. Dort sieht man, dass sich der Gletscher seit 1999 jährlich um etwa 40 Meter zurückgebildet hat. Die grossen Krisen zeigen eindrücklich, dass jede Lösung global sein muss. Im Weiteren benötigt man zur Lösung extrem hohe finanzielle Mittel. Somit stehen neben dem Staat mit seinen tiefen Taschen auch die Wirtschaft – und hier vor allem die Banken – in der ersten Reihe. In der Pandemie wurde beispielsweise die Wirtschaft geräuschlos mit Liquidität in Form von Krediten versorgt. In Russlands Krieg setzen die Banken die Sanktionen entschlossen um. Und im Kampf gegen den Klimawandel geht es darum, dass es rund USD 7 Billionen jährlich braucht, um die Wirtschaft und Gesellschaft zu mehr Nachhaltigkeit zu transformieren. Davon wird derzeit nur gerade ein Siebtel von
Roadmap 2025
der öffentlichen Hand abgedeckt. Ein substantieller Teil muss von der Privatwirtschaft kommen. Und hier sind wiederum die Banken gefordert, die als typische Intermediäre diese Mittel mobilisieren und kanalisieren. Die Zeitenwende und die daraus resultierende mulitpolare Welt macht ein gemeinsames Handeln der Weltgemeinschaft immer anspruchsvoller. Internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen dürften eher an Bedeutung verlieren. Gerade deshalb ist es wichtig, dass die Wirtschaft, und vor allem auch die Banken weiter global agieren können. Liechtensteins Banken sind bereit dafür. Wir fühlen uns sowohl operativ als auch strategisch gut aufgestellt. So sind die Banken dank einer Kernkapitalquote von über 20 % im internationalen Vergleich extrem gut finanziert. Dann sind sie auch strategisch auf der Höhe der Zeit. Früh wurde erkannt, dass Nachhaltigkeit umfassend gedacht werden muss. In der aktuellen Mehrjahresstrategie (Roadmap 2025) wurde dieser Fokus auf die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) der UNO ausgerichtet. Nicht zu unterschätzen ist auch die hohe Innovationskompetenz bei der Digitalisierung und der Blockchain-Technologie, die wir für unsere Nachhaltigkeitsziele optimal einsetzen können.
CHRISTOPH HEUSGEN - Vorsitzender Münchner Sicherheitskonferenz, GERHARD FEHR - CEO FehrAdvice & Partners, AYMO BRUNETTI - Professor Universität Bern, EDITH ALDEWERELD Partner Sonnenberg Wealth Management, THOMAS STUCKI - CIO St. Galler Kantonalbank, BEAT TINNER - Mitglied St. Galler Regierung, RETO LIPP - Moderator
Mut zur Zukunft: Wandel als Chance
EDITH ALDEWERELD
CHRISTOPH HEUSGEN
MITTWOCH 9. NOVEMBER 2022 AB 13.30 UHR PRESENTING PARTNER
PATRONAT
WWW.FINANCE-FORUM.CH
AYMO BRUNETTI
OLMA Messeareal St. Gallen
PARTNER
Zeitenwende in der Finanzwelt: Liechtenstein überzeugt durch Stabilität Susan Schneider-Köder Geschäftsführerin Liechtensteinische Treuhandkammer
Corona, Inflation und Krieg sorgen für weltweit angespannte Anlegerstim mung und eingetrübte Aussichten. Die Eigenschaften, die es braucht, um diese Situation zu meistern, liegen in der DNA von Liechtensteins Finanzplatz. Der SMI hat seit Anfang Jahr über 10 % an Wert eingebüsst, andere Indizes noch mehr. Die Anlegerstimmung ist getrübt, Erinnerungen an grosse Krisen wie die Dotcom-Blase oder die globale Finanzkrise 2007/08 werden wach. Die Gründe sind vielfältig, lassen sich aber im Wesentlichen auf drei Faktoren herunterbrechen: Der Krieg in der Ukraine bringt allgemeine Unsicherheit und erschüttert den von westlichen Nachkriegsgenerationen geteilten Konsens einer möglichst waffenund gewaltfreien Welt. Daneben bringt der Krieg aber auch eine Nahrungsmittelund Energiekrise, die international abgestimmte Lösungen erfordert. Weltweit ist eine stark steigende Inflation zu beobachten. In der Schweiz steht sie bei aktuell rund 2,5 %, was für unsere Verhältnisse zwar hoch, im internationalen Vergleich aber immer noch moderat ist. Einerseits haben die aufgrund von Corona unternommenen Unterstützungsmassnahmen der Zentralbanken die
Geldmenge in den letzten zwei Jahren massiv ansteigen lassen, andererseits sind Faktoren wie steigende Energiepreise ein treibender Faktor für steigende Preisindizes. Sowohl die Fed als auch die EZB warten mit Zinserhöhungen auf, um der Teuerung Herr zu werden. In den grössten Volkswirtschaften der Welt machen sich Rezessionssorgen breit. Gleichzeitig macht uns Corona weiterhin zu schaffen. Die Lieferketten dieser Welt wurden (und sind, siehe Tausende von in China feststeckenden Transportschiffen) durch die Pandemie nachhaltig gestört. Die möglicherweise eintretende «DeGlobalisierung» muss langfristig nichts Schlechtes sein, da sie auch mehr Lokalität und eine Abkehr von «the cheaper, the better» bedeuten könnte. Kurzfristig bedeutet sie aber vor allem höhere Kosten. Die lange Phase des billigen Geldes und damit der konstant steigenden Märkte scheint zum Ende zu kommen. Viele, die in den letzten zehn Jahren und insbesondere während Corona mit Anlegen begonnen haben, werden vielleicht zum ersten Mal einen Bärenmarkt erleben, bei dem die Verluste nicht durch eine unmittelbar darauffolgende Rallye wettgemacht werden.
Liechtenstein bietet Stabilität in unsicheren Zeiten. Kunden, die dem Finanzplatz Liechtenstein ihr Vertrauen schenken, können sicher sein, dass mit ihrem Vermögen äusserst sorgfältig umgegangen wird. Liechtensteins Treuhänder stehen für umsichtige sowie langfristige Nachfolgeund Vermögensplanungen. Dazu gehört auch, unsichere Zeiten einzukalkulieren. Die Sicherheit und Stabilität des liechtensteinischen Wirtschaftssystems wird von den grössten Ratingagenturen durch die Bestnote AAA regelmässig bestätigt. Zudem ist der Finanzplatz mit den beiden Wirtschaftsräumen EWR und der Schweiz konform und entsprechend sehr erfahren im Umgang mit internationalen Regularien und Sanktionen. Steht uns eine Zeitenwende bevor? Die aktuelle Situation stellt die Finanzplätze dieser Welt – auch jener von Liechtenstein – vor grosse Herausforderungen. Ob eine Zeitenwende bevorsteht, wird man wohl erst rückblickend beurteilen können. Doch ungeachtet der Unsicherheit lässt sich bereits jetzt sagen: Zoomt man auf der Zeitachse heraus, wird die jetzige Phase zeigen, dass die langfristige Strategie des liechtensteinischen Finanzplatzes richtig ist.
gemeinsam vorgehen, unternehmerisch handeln, Zukunft mitgestalten.
www.thk.li
Seite 37
Fondsbranche: Hervorragende Zahlen und wachsende Herausforderungen Alex Boss Präsident LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband
Die liechtensteinische Fondsbranche befindet sich weiter im Höhenflug. 2021 war das beste Jahr in der Geschichte des Fondsplatzes. Mit 110 Single- und Teilfonds (knapp 300 neue Anteilsklassen) gelang das fünfte Jahr in Folge ein neuer Höchstwert bei der Anzahl der Fondsgründungen. Diese Kennzahl ist besonders wichtig, da ein Grossteil davon ausländische Fondspromotoren sind, die Liechtenstein als Standort wählen und somit auch das Vermögen ihrer Kunden hier platzieren. Die Positionierung als Cross-Border-Standort für Private Label Fonds, im speziellen für Alternative Investment Fonds, trägt Früchte. Dies zeigt sich auch bei den Nettomittelzu flüssen von 4,6 Milliarden Franken, die einen neuen Höchstwert markieren. In Verbindung mit der positiven Entwicklung der Finanzmärkte sorgte dies für einen Anstieg des verwalteten Kapitals um über 18 Prozent auf das neue Allzeithoch von 70,4 Milliarden Franken. Nach dem hervorragenden Jahr 2021 wurde der Erfolgslauf im ersten Quartal 2022 fortgesetzt. Alle Vergleichszahlen des Vorjahres wurden nochmals übertroffen, allen voran die Neugeldveranlagungen. Diese lagen von Januar bis März bei
unglaublichen 3,7 Milliarden Franken. Bei all diesen positiven Zahlen darf man nicht ausser Acht lassen, dass auch die Herausforderungen zunehmen. Neben der Wirtschaftslage, der Digitalisierung und dem wachsenden Fachkräftemangel stellt auch die Umstellung der Finanzbranche auf nachhaltige Investments den Fondssektor vor neue Aufgaben. Nachhaltigkeit Angetrieben wird die nachhaltige Finanzwirtschaft vor allem durch zwei Faktoren: Die Nachfrage der Investoren und die Regulierung seitens der EU. Europa möchte eine Vorreiterrolle im Kampf gegen die Erderwärmung einnehmen. Dem Finanzsystem soll dabei eine Schlüsselrolle zukommen. Es soll für die Realwirtschaft ein Anreiz, um nicht zu sagen Druck geschaffen werden, auch über die Grenzen Europas hinaus nachhaltiger zu wirtschaften. In Zukunft müssen alle Anlageprodukte, aber auch die Finanzinstitute selbst, über die Auswirkungen ihrer Investitionen auf die Umwelt informieren und berichten. Finanzprodukte werden nach normal, hellgrün und dunkelgrün unterschieden, und Anleger müssen in Zukunft nach ihren Präferenzen in Bezug auf Nachhaltigkeit
gefragt werden. Bisher sind es vor allem institutionelle Investoren wie Pensionskassen, die ein besonderes Augenmerk auf nachhaltige Anlagen gelegt haben, teils aufgrund der politischen Entwicklung, teils aufgrund der nationalen Regulierung. Die neuen europäischen Regeln werden aber dazu führen, dass die Nachfrage in Bezug auf nachhaltige Produkte auch im Privatsektor und somit insgesamt weiter steigen wird. Dass Nachhaltigkeit Einzug hält, ist zu begrüssen - leider läuft die Regulierung auf europäischer Ebene etwas unkoordiniert. Zum einen werden Detailregelungen erst bekannt gegeben, nachdem die Umsetzung der Regulierung bereits erfolgt sein sollte. Zum anderen werden die Unternehmensdaten, die für die Umsetzung im 2022 notwendig sind, erst ab 2024 zur Verfügung stehen. Rechtsunsicherheit ist damit vorprogrammiert, und die Finanzunternehmen, allen voran die Fondsgesellschaften, stehen vor einigen Herausforderungen. Allerdings steht ausser Zweifel, dass die Regulierung ein grosser Schritt in die richtige Richtung ist und für Liechtenstein eine grosse Chance darstellt, sich als Standort für nachhaltige Investments zu positionieren.
Gemeinsam stark Engagiert und kompetent für unsere Mitglieder Der Verein unabhängiger Vermögensverwalter in Liechtenstein (VuVL) ist die zentrale Interessensgemeinschaft für konzessionierte, inländische Vermögensverwaltungsgesellschaften. Nach dem Motto «Gemeinsam Stärke zeigen» setzt sich der Verein seit vielen Jahren aktiv für die Interessen seiner Mitglieder ein und engagiert sich auf nationaler und internationaler Ebene für die Anliegen des gesamten Berufsstandes.
VuVL Verein unabhängiger Vermögensverwalter in Liechtenstein Kirchstrasse 1 Postfach 544 9490 Vaduz T + 423 388 23 50 info@vuvl.li vuvl.li
Vielen Dank! TRÄGER
GOLDPARTNER
PARTNER
KOOPERATIONSPARTNER
DIENSTLEISTUNGSPARTNER
MEDIENPARTNER
GASTGEBER
VERANSTALTER