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FiS Nr. 3/2020

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DI E ZEITSCH RI F T DES

Philosophieren mit Kindern

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Familie leben

Familienpolitik

Das große Sommergespräch S. 6

Die Gleichstellungsrätin S. 14

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Erscheint sechsmal im Jahr · 45. JG · Nr. 3 · Juni 2020

Familie in Südtirol

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10. KFS- ngress ilienko

Fam

Beziehungsnetz Familie Freitag, 13. November, 15.30 Uhr, bis Samstag, 14. November, 16 Uhr, im Haus der Familie in Lichtenstern am Ritten Für Mütter, Väter, Erziehende, Großeltern, Lehrpersonen, Kinder und Jugendliche ab 8 Jahren

Wie überlebe ich diese Familie?

Schluss mit dem Spagat

Umgang mit herausfordernden Gefühlen

Trägt Eltern sein und Kinder haben wirklich zum persönlichen Glück bei? Steigern Kinder die Lebensfreude? Der Vortrag öffnet einen neuen Blick auf Familie, Elternglück und kindliche Erziehung, denn Familienglück ist Einstellungssache!

Der Wunsch, sowohl bei der Arbeit als auch in der Familie das Beste zu geben, zehrt an Zeit- und Energiereserven, manchmal bis zur totalen Erschöpfung. Der Vortrag vermittelt ein ganzheitliches Konzept, das dabei hilft, gut durch turbulente Zeiten zu steuern!

Herausfordernde Gefühle gehören zu unserem alltäglichen Spektrum an Lebenserfahrungen, auch Kinder werden schon früh damit konfrontiert. Wie man damit konstruktiv nach kinderphilosophischem Vorbild umgehen kann, wird im Vortrag praxisnah erläutert.

THOMAS FUCHS ist promovierter DiplomPsychologe in einer eigenen kinder- und jugendpsychologischen Praxis und fungiert u.a. als Lehrtherapeut und Supervisor an anerkannten Ausbildungsinstituten.

FELICITAS RICHTER ist Diplom-Sozialpädagogin, Rednerin, Trainerin, Autorin und Coach. Sie hält Elternkurse und berät Eltern in turbulenten Zeiten.

DORIS DAURER ist Erziehungswissenschaftlerin, Kinderphilosophin und Antlitzanalytikerin. Sie arbeitet inner- und außerschulisch mit Kindern und Jugendlichen, inklusive Kindergartenkindern.

Kursbeitrag: KFS-Mitglieder: 55,00 Euro pro Person; 85,00 Euro pro Paar Nichtmitglieder: 70,00 Euro pro Person; 100,00 Euro pro Paar Kinder bis 8 Jahren: frei; Kinder ab 8 Jahren: 20,00 Euro zzgl. Unterkunft und Verpflegung

weitere interessante Es erwarten Sie noch edene rträge sowie verschi und informative Vo Klein! d un oß Gr lights für Workshops und High

Online-Anmeldungen: www.familienverband.it · Infos: KFS-Büro · Tel. 0471 974 778 · info@familienverband.it In Zusammenarbeit mit


VORWORT U N D I N HALT

Liebe Familien, sophieren mit Kindern heißt die Devise.

Den interessanten Beitrag dazu könnt ihr ab Seite 4 lesen. In diesem Jahr werden wir wahrscheinlich Urlaub machen wie unsere Eltern und Großeltern in den Fünfzigerjahren – ohne Flüge in ferne Länder, dafür wandernd und Fahrrad fahrend in unserer Heimat. Auch wenn wir nicht wie gewohnt in Reiseprospekten schmökern, der Sommer steht trotzdem vor der Tür. Dazu passt unser Sommergespräch – über die Zeit während, aber v.a. nach Corona. Die Antworten gibt es ab Seite 6. Klar ist, dass dieser Sommer ein anderer sein wird. Das bedeutet aber nicht, dass es ein schlechter werden muss. Viel hängt von unserer Einstellung ab. Ich wünsche euch Kraft und Zuversicht! Genießt den Sommer, egal wie nah an unserem Wohnort, und erholt euch gut!

Foto: Karlheinz Sollbauer

ich hoffe innigst, dass ihr die letzten Wochen und Monate einigermaßen gut und gesund überstanden habt – eine Zeit, die so manchen an seine Grenzen brachte. Glücklicherweise scheint nun das Schlimmste überstanden zu sein. Darum lasst uns nach vorne und in eine gute Zukunft blicken. Auch diese Ausgabe der FiS soll dazu beitragen. Was antwortet ihr Kindern auf die Frage: „Wo hört eigentlich der Himmel auf?“ Oder „warum muss eure Katze nicht Zähne putzen?“ Auch wenn wir bei so manchen Kinderfragen ins Schmunzeln kommen, die Kleinen erwarten sich konkrete Antworten. Solche zu geben fällt jedoch nicht leicht. Dazu gibt es keine allgemeingültigen Antworten, klärt uns Doris Daurer, Kinderphilosophin aus Innsbruck, auf. Wir müssen mit den Kindern einen gleichwürdigen Austausch finden, mit ihnen ins Gespräch kommen. Philo-

Herzlichst

Angelika Mitterrutzner Präsidentin

Inhalt 6

Familie leben

Sommergespräch

12 Familienpolitik

Vertrauen zahlt sich aus

14 Familienpolitik

Gleichstellungsrätin: „Es ist noch ein weiter Weg“

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Familie leben

Philosophieren mit Kindern

10 Familienverbandelt die KFS-Kolumne

11 Das Land informiert 16 KFS intern

18 Essen und Trinken 19 Kinderseite

20 Im ganzen Land


FA MI LI E LEB EN

„Wenn ich einmal groß bin, kann ich dann meinen Hahn heiraten?“

Staunen, Zweifeln, Betroffensein – darin sind Kinder uns Erwachsenen in vielerlei Hinsicht überlegen. Diese Fähigkeiten der Kinder können wir fördern, indem wir mit ihnen philosophieren. Durch die Annäherung an die Sinn- und Seinsfragen der Kinder wird auch deren Sozial- und Selbstkompetenz gestärkt.

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ir alle wollen, dass unsere Kinder gesund sind und die bestmögliche Ausbildung erhalten. Daher lassen wir Kindern so viel wie nur möglich Wissen zukommen. Wir wollen aber noch viel mehr: Das Leben unserer Kinder soll natürlich auch sinnerfüllend und glücklich sein. Dies lässt sich aber im Kontext der Wissensvermittlung nicht so einfach

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lehren und lernen wie zum Beispiel die Rechtschreibung oder die Malreihen. Denn sinnerfüllt und glücklich zu leben heißt, dass wir uns über die Sachebene hinaus von den Herausforderungen und Fragen des Lebens berühren lassen und im Einklang mit dem, was uns wert- und sinnvoll erscheint, leben. Indem wir mit uns selbst im Gespräch bleiben, können wir den eigenen Werte- und Sinnkompass ausbilden

und anhand der Fragen, die das Leben an uns stellt, immer wieder neu justieren.

Warum muss unsere Katze nicht Zähne putzen? Kinder sind in hohem Ausmaß offen für jegliche Fragen des Lebens. Sobald sie sprechen können, beschäftigen sie sich mit dem Sinn des Seins. Ein dreijähriges


FA MI LI E LEB EN

Staunen, Zweifeln, Betroffensein. Mit Kindern philosophieren „Wohin geht die Zeit, die vergeht?“ „Dürfen Erwachsene alles?“ Kinder sind Philosophen und ständig auf der Suche nach Erkenntnis. Bei einem Studienaufenthalt auf Hawaii entdeckte Dr. phil. Doris Daurer eine Methode, nach der Kinder über ihre Wahrnehmungen von Welt philosophisch nachdenken und sprechen können. Die Methode stammt von Dr. Thomas Jackson, einem der Pioniere der Kinderphilosophie. Das Buch „Staunen, Zweifeln, Betroffensein. Mit Kindern philosophieren“, erschienen im Verlag Beltz Juventa, stellt diese persönlichkeitsstärkende und friedenserzieherische Methode anhand von vielen Beispielen vor. Mädchen bemerkt bereits einen Unterschied zwischen Mensch und Tier und wird deshalb z.B. beim Zähneputzen fragen: „Mama, warum muss unsere Katze nicht Zähne putzen?“ Ein vierjähriges Kind wird beim Anblick eines toten Regenwurms die Frage stellen: „Papa, wie ist das eigentlich, wenn man tot ist?“ Ein Sechsjähriger beschäftigt sich bereits mit den Ursprüngen der Moral – eine typische Frage lautet: „Dürften Erwachsene eigentlich alles machen, wenn es die Polizei nicht gäbe?“ Für ein achtjähriges Kind spielt beim Lernen der Uhr bereits die Zeit eine große Rolle: „Wohin geht die Zeit, die vergeht?“

Auf Sinn- und Seinsfragen gibt es keine allgemeingültige Antwort Und Teenager machen sich verständlicherweise Gedanken über ihre eigene Zukunft, daher will ein 16-Jähriger natürlich wissen: „Welcher Beruf macht mich glücklich?“ Im Unterschied zu Wissensfragen, wie zum

Beispiel die Frage „Wie viel ist 3 x 4?“, gibt es auf Sinn- und Seinsfragen des Lebens keine eindeutige bzw. allgemeingültige Antwort, sondern viele Antwortmöglichkeiten. Jeder Mensch muss die für ihn richtige Antwort selbstdenkend finden. Daher bezeichnet man die Fragen des Lebens auch als Denkfragen oder philosophische Fragen. Die Antworten auf jegliche Denkfragen sind veränderbar und bilden sich durch neue Erfahrungen oder den Austausch mit anderen stetig neu heraus. Dies gilt beispielsweise bei der Frage nach dem Wesen der Liebe, mit der sich sowohl Kinder als auch Erwachsene lebenslang in den unterschiedlichsten Facetten befassen. Im Kindergartenalter wird die Frage lauten: „Mama, hast du mich trotzdem lieb, auch wenn ich dich nicht von meinem Eis schlecken lasse?“ Grundschüler werden Überlegungen anstellen bei der Wahl ihres Lieblingsfreundes, Jugendliche beschäftigt die erste Verliebtheit samt möglichem Liebeskummer und Erwachsene stehen immer wieder vor Partnerschaftsfragen und dem Verlust von geliebten Menschen. Es ist wichtig, sich lebenslang von den Fragen des Lebens berühren zu lassen, wie der nach dem Wesen der Liebe, und für sich selbstdenkend und wertfühlend immer wieder neue Antworten zu finden – denn das bildet erst die Persönlichkeit und ist grundlegend für ein sinnerfülltes und glückliches Leben.

fe zu forschen. Dabei helfen sogenannte Denkwerkzeuge, von denen es insgesamt deren sieben gibt. Als Beispiel seien hier die Werkzeuge W (Was genau?) und G (Grund) genannt. Auf die W-Frage „Was genau bedeutet für dich lieb sein?“ stellt sich gleich die G-Frage: „Warum bedeutet es das für dich?“ Anstatt das Kind über unsere eigene, vorläufige Antwortmöglichkeit zu belehren und dadurch dessen Denkvorgang bereits im Keim zu ersticken, stärken wir mithilfe der sieben Denkwerkzeuge das Kind, die eigene, aktuell stimmige Antwort zu finden. Denn Denkfragen können vielfältig beantwortet werden: So kann für ein Kind „lieb sein“ bedeuten, jemandem eine Freude zu bereiten, ein anderer versteht darunter, nichts Böses zu tun, und ein Dritter versteht es als Aufforderung, das zu tun, was die anderen von ihm erwarten. Es gibt keine eindeutige bzw. allgemeingültige Antwort, alle drei sind gleichwürdig. Ziel des Austausches ist es, das Kind bei der Auseinandersetzung mit jeglichen Fragen zu unterstützen. Nur so ist die Antwort im Wertebewusstsein des Kindes begründet und kann von diesem folglich auch verantwortet werden. Durch diese Art der Begleitung der Kinder, die neben dem Vermitteln von Wissen auch der Kultivierung des Wertebewusstseins anhand der Denkfragen des Lebens genügend Raum gibt, kann deren Leben an Sinn und Glück gewinnen. 

Philosophieren mit Kindern Bei diesem Prozess sollten wir auch unsere Kinder unterstützen. Dazu müssen wir zuallererst unterscheiden, ob diese nun mit Wissens- oder Denkthemen an uns herantreten. Bei Ersteren gilt es, den Kindern unser Wissen weiterzugeben. Bei Denkthemen hingegen sollten wir unsere Erfahrungen in den Hintergrund stellen, um die Kinder in der Entwicklung ihres eigenen Wertebewusstseins zu unterstützen. Hierbei leistet die Methode und Haltung des „Philosophierens mit Kindern“ wertvolle Dienste. In einem offenen, gleichwürdigen Austausch ermutigen wir das Kind, gut mit sich selbst ins Gespräch zu kommen und selbstdenkend in die Tie-

Dr. phil. Doris Daurer Lehramtsstudium in Mathematik, Philosophie, Psychologie und Pädagogik Kinderphilosophische Ausbildung bei Dr. Thomas Jackson, University of Hawaii at Manoa. Antlitzanalytikerin und Mineralstoffberaterin der Gesellschaft für Biochemie nach Dr. Schüßler. Zahlreiche Vorträge und Workshops mit Multiplikatoren der Kinder- und Jugendarbeit im In- und Ausland www.kinderphilosophieren.com

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FA MI LI E LEB EN

Sommergespräch Der Sommer steht vor der Tür – für uns alle wird es ein Sommer werden, wie wir ihn noch nie zuvor erlebt haben. Plötzlich steht nicht mehr eine Reise ans andere Ende der Welt ganz oben auf unserer Prioritätenliste, sondern das Wiedersehen mit unseren Eltern, unseren Verwandten und Freunden. Und wir werden wieder entdecken, wie schön und abwechslungsreich eigentlich unsere Heimat ist.

Manuela Weber

Angelika Mitterrutzner

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ichts ist mehr, wie es einmal war. Die Welt durchlebt nicht nur die schwersten Zeiten seit dem Zweiten Weltkrieg, auch in unseren Köpfen hat ein Umdenken stattgefunden. Selbstverständlichkeiten und Gewohnheiten werden hinterfragt. Die Familie erlebt eine Renaissance, denn mittlerweile muss sich selbst der größte Familien-Skeptiker eingestehen, dass es die Familien waren, die uns in diesen schwierigen Wochen Halt, Zuversicht, Kraft und Mut gaben. In unserem Sommergespräch erzählen KFS-Präsidentin Angelika Mitterrutzner, Vizepräsidentin Manuela Weber und Vizepräsident Valentin Mair, wie sie die Krisenzeit erleben, was sie sich nun von der Politik wünschen und welche besondere Rolle dabei dem KFS zukommt.

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Valentin Mair

Seit Anfang März durchlebt unser Land eine beispiellose Krise. Wie habt ihr die letzten Monate verbracht? Angelika: Nach der über Nacht beschlossenen Schließung der Schulen hat sich auch für mich als Lehrerin der Alltag grundlegend verändert. Die ersten Tage der „Isolation“ habe ich mit Putz- und Aufräumarbeiten und einer gewissen „Neuorientierung“ des Tagesablaufs verbracht. Zunehmend wurde ich dann kreativer, mit Nähen, Stricken und dem Fertigstellen von vor langer Zeit angefangener Handarbeiten. Auch unser Speiseplan wurde erweitert – mit selbst gemachten „Schlutzern“, „Apfelkiachln“ und „Erdäpflblattln“. Viel gemeinsame Zeit verbrachten wir auch beim Garteln. So erhielt ich bereits einen kleinen Vorgeschmack auf


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