W a l t e r G r ö b c h e n (*1962), Verleger, Journalist in Wien. Betreibt mit Partnern die Musik- und Kommunikationsagentur monkey (monkeymusic.at). Gab 1995 im Hannibal-Verlag „Heimspiel. Eine Chronik des Austropop“ heraus. 2011 Dr. Karl Renner Publizistik Preis, Kategorie Online. Ist am Radiosender Lounge FM (loungefm.at) beteiligt.
T h o m a s M i e s s g a n g (*1955 in Bregenz). Studium der Germanistik und Romanistik an der Universität Wien. Langjährige journalistische Arbeit bei Falter, Profil, Die Zeit u.a. sowie im ORF-Hörfunk („Musicbox“, „Diagonal“). Von 1994 bis 1996 Berater der Wiener Kulturstadträtin. Von 2000 bis 2011 Kurator in der Kunsthalle Wien. Heute freier Kurator und Publizist.
F l o r i a n O b k i r c h e r (*1981 in Lienz). War als Schallplattenverkäufer (Black Market) und Mitglied der Elektronikband TNT Jackson selbst Teil der Wiener Musikszene, schob vier Jahre lang als Partykolumnist für die Wiener Stadtzeitung Falter Nachtdienst, lebt und arbeitet heute als Musikjournalist in London (Groove, Spex, Falter, Red Bulletin u.a.).
Rock ’n’ Roll, Beat, Folk, Austropop und kritische Liedermacher; Punk, New Wave, Underground, Techno, HipHop und Electronica: Die Musikstadt Wien ist längst auch eine Stadt der Popmusik. Jetzt wird ihre Geschichte erstmals in Buchform dokumentiert: In einer vielstimmigen Interviewcollage erzählen rund 130 Protagonisten in „Wienpop“ die Entwicklung von den Fünfzigern bis zur Jahrtausendwende, von der Ankunft der Rockmusik bis zum großen Elektronikboom der Neunziger. Illustriert mit rund 600 Abbildungen, spannt sich der Bogen von der Worried Men Skiffle Group, Novak’s Kapelle, Al Cook und Drahdiwaberl bis zu Wolfgang Ambros, André Heller, den Schmetterlingen und Marianne Mendt; von Chuzpe, Blümchen Blau, Minisex und dem Hotel Morphila Orchester bis zu Kruder & Dorfmeister, Patrick Pulsinger, Ilsa Gold und Christian Fennesz.
Wien
Wien Pop
Die autoren
pop ▶ G r ö b c h e n ▶ m i e s s g a n g ▶ o b k i r c h e r ▶ s t ö g e r
Fünf Jahrzehnte Musikgeschichte erzählt von 130 Protagonisten
G e r h a r d S t ö g e r (*1974), aufgewachsen in einem Kärntner Dorf namens Himmelberg, lebt seit 1994 in Wien. Hat die Sporthauptschule, die Handelsakademie und die Universität absolviert, sich eigentlich aber immer nur für Popmusik interessiert. Redakteur der Wiener Stadtzeitung Falter, Kolumnist des Monatsmagazins Datum, Plattensammler und Fan.
00_Cover_RAF.indd 1
ISBN 978-3-85439-473-0
f a l t e r. a t
FA LT E R VERLAG
FA LT E R V E R L A G
Drin ist, was draufsteht: „Wienpop“ erzählt die Geschichte der Wiener Popmusik, von ersten Vorläufern des Rock ’n’ Roll in den Fünfzigerjahren bis hin zum Ausklingen des Hypes um die lokale Elektronikszene kurz nach der Jahrtausendwende. Die Autoren, vier langjährige Beobachter des österreichischen Popgeschehens, haben mit rund 130 Protagonisten gesprochen, ihre Geschichte und ihre Geschichten aufgeschrieben und in Form einer Interviewcollage zu einer vielstimmigen Erzählung verdichtet. „Wienpop“ dokumentiert das vielfältige Wiener Popgeschehen erstmals umfassend in Buchform, es enthält individuelle Künstlergeschichten ebenso wie es einen Blick aufs große Ganze erlaubt: die Wiener Popmusik im Wandel der Zeit. Mit hunderten Abbildungen – Plattencovers, Fotos, Flyern – versehen, gliedert sich „Wienpop“ in vier Teile. Grob an der Zeitachse orientiert, handelt das erste Kapitel von Beat, Folk und Rock, das zweite von Austropop, kritischem Liedermachertum und der aufkommenden Alternativkultur, das dritte von Punk, New Wave und den daraus hervorgegangenen Subkulturen und das vierte von HipHop, Techno und Electronica. „Wienpop“ berichtet dabei auch von Orten wie der Fledermaus, der Camera, der Arena, der Gassergasse, der Blue Box, dem Chelsea, dem Volksgarten, dem Flex und dem rhiz – und es zeigt, wie Wien über die Jahre vom Importeur zum Exporteur von Popmusik wurde.
14.05.2013 12:32:28 Uhr
▶ G r ö b c h e n ▶ m i e s s g a n g ▶ o b k i r c h e r ▶ s t ö g e r
WienPop F체nf Jahrzehnte Musikgeschichte erz채hlt von 130 Protagonisten
FA LT E R V E R L A G
inhalt ▶ t h o m a s m i e s s g a n g ▶
TEIL EINS Die Fünfziger und Sechziger oder Die Geburt der Popkultur in der Niemandsbucht
11
▶ w a l t e r g r ö b c h e n ▶
TEIL zwei Die siebziger oder austropop, arena und alternativen
85
▶ g e r h a r d s t ö g e r ▶
TEIL drei Die achtziger oder punk und die folgen
177
▶ f l o r i a n o b k i r c h e r ▶
TEIL vier Die neunziger oder wien wird elektronisch
285
▶ a n h a n g ▶
Biografien der protagonisten, interviewverzeichnis, bildnachweis, danksagung, impressum
387
Vorwort Die Frage nach der ersten selbstgekauften Schallplatte hat für Menschen, die in den Achtzigerjahren popkulturell sozialisiert wurden, eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Ich schwindle da gerne ein bisschen und sage „20 Greatest Hits by The Beatles“, erstanden Ende 1982 vom Geld, das mir meine Großmutter zweckgebunden unter den Weihnachtsbaum gelegt hatte. „Weil ich weiß, dass du Musik so gern magst.“ Die Geschichte hat nur einen kleinen Haken: „20 Greatest Hits by The Beatles“ war eine Musikkassette. Bis ich reif für Vinyl war, sollten noch einige Monate vergehen. Die erste Schallplatte war dann „DÖF“ von Tauchen-Prokopetz; ein Stück Musikkabarett, das durch die Hitsingle „Codo“ zum Objekt der kindlichen Begierde wurde. 29 Jahre später habe ich Manfred Tauchen mit dieser Geschichte erheitert und im Gegenzug erfahren, wie „DÖF“ entstanden ist und was es damals für ihn bedeutet hat, vom Kabarettisten und Austropop-Musical-Autor vorübergehend zum Popstar zu werden und europaweit die Charts zu erobern. Dreißig Jahre nach der Veröffentlichung sind diese Erinnerungen in „Wienpop“ nachzulesen, einem Versuch, die Popgeschichte dieser Stadt erstmals umfassend zu dokumentieren. Dass meine erste selbstgekaufte Schallplatte aus Österreich kam, hat im Rückblick durchaus eine gewisse Richtigkeit. Das musiknärrische Kind wurde zum Schallplattensammler und Musikjournalisten; die Beschäftigung mit den lokalen Musikszenen spielt da jeweils eine wichtige Rolle. Als Initialzündung fungierten freilich nicht Tauchen-Prokopetz, sondern Undergroundbands wie Bomb Circle, Extended Version, Occidental Blue Harmony Lovers oder Target Of Demand, die um 1990 herum aktiv waren. Gemeinsam mit US-Bands wie Fugazi, Bikini Kill, Nirvana und den Pixies erzählten sie dem Kind der
Kärntner Provinz von einem anderen, einem aufregenderen Leben, von Selbstbestimmung und Gegenentwürfen zur Mainstreamkultur. Während ihre internationalen Kollegen von einem fremden Planeten zu kommen schienen – zumal in einer Welt lang vor Internet und auch ohne MTV im elterlichen Haushalt –, waren diese österreichischen Bands auch greifbar. Auf den Schallplatten hatten sie Kontaktadressen abgedruckt, und wenn man dort hinschrieb, erhielt man bisweilen tatsächlich eine Antwort. Das Spannende an dieser Musik, die meistens aus Wien kam, war also die – echte oder herbeifantasierte – Nähe zum eigenen Leben. Ich konnte zwar weder singen noch ein Instrument spielen, wollte aber ein Teil davon werden – in welcher Form auch immer. Als ich 1994 nach Wien kam, war ich bereits Autor des Punkfanzines Flex’s Digest; über Chelsea Chronicle, Skug sowie Unimagazine landete ich 2001 beim Falter, wo die Beschäftigung mit den diversen lokalen Popszenen zu einem wichtigen Bestandteil meiner Arbeit werden sollte. Parallel dazu forschte ich als Schallplattensammler zusehends intensiver nach der Geschichte der österreichischen Popmusik, die natürlich keine rein wienerische ist, zu guten Teilen aber doch stets von den Entwicklungen in der einzigen wirklichen Metropole des Landes geprägt wurde. Informationen dazu erwiesen sich als rares Gut: Wollte man etwas erfahren über bestimmte Bands und ihre Tonträger, die Entwicklung von Szenen, über Labels und Lokale, musste man Schallplattenläden mit historisch kundigen Verkäufern wie das mittlerweile längst geschlossene Ton um Ton besuchen und dort um popkulturellen Geschichtsunterricht bitten; man musste sich auf Schallplattenbörsen umzusehen, sich mit anderen Sammlern austauschen, in Archiven nach alten Artikeln suchen oder am besten gleich direkt bei den Musikern nachfragen. „Das gehört al-
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les aufgeschrieben“, dachte ich mir jahrelang. Im Herbst 2009 sorgte Walter Gröbchen dann dafür, dass aus einer diffusen Idee ein konkretes Projekt wurde. Gröbchen, bekannt als Musikmanager, Labelbetreiber, Journalist und Herausgeber des Austropop-Readers „Heimspiel“, plante damals, einen Buchverlag zu gründen. Ob ich dafür nicht eine Alternativgeschichte der österreichischen Popmusik schreiben wolle, fragte er – von Novak’s Kapelle bis Soap&Skin. Mich überraschte die Anfrage, ihn die Tatsache, dass ich selbst bereits sehr genaue Buchvorstellungen im Kopf hatte: ausschließlich um Wien solle es gehen, durchwegs auf O-Ton-Erzählungen basieren. Ein frühes Konzept setzte noch im Jahr 1979 an, als hier die ersten Punkplatten erschienen; die erweiterte und letztlich auch umgesetzte Fassung wollte auch die Geschichte(n) vor Punk erzählen: Die Ankunft des Rock ’n’ Roll in Wien, die Arena-Bewegung und ihr kulturelles Umfeld, die Entwicklung des Austropop und des kritischen Liedermachertums. Interessanterweise erwies es sich in der Folge als schier unmöglich, für ein derartiges Projekt Fördermittel zu bekommen. Recht aufschlussreich war ein Besuch im Kulturamt der Stadt Wien: Die geradezu euphorische Reaktion auf das Buchvorhaben und unsere Idee eines multimedialen Begleit- bzw. Folgeprogramms hatte nach dem Einreichen einer konkreten Kalkulation beharrliches Schweigen zur Folge. Ungleich konstruktiver zeigte sich die Wienbibliothek: Sie unterstützte die Arbeit finanziell und erhält im Gegenzug Mitschnitte der für das Buch geführten Interviews, die früher oder später in einem Audioarchiv zur Wiener Popmusik im Rahmen ihrer Musiksammlung aufbereitet werden sollen. „Wienpop“ verfolgt dezidiert einen journalistischen Ansatz, keinen wissenschaftlichen. Das Buch ist kein mit Zahlen, Daten und Fakten gespicktes und
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doppelt und dreifach mit Belegen abgesichertes Lexikon der lokalen Musikszenen, sondern ein Lesebuch, das Geschichte vor allem auch über Gschichteln erzählen möchte. Die Form dafür war von Beginn an klar: Es sollte eine reine Oral History werden, die Protagonisten sollten ihre Geschichte also selbst erzählen. Allerdings nicht in Interviewform, sondern als Cut-up-Montage, die aus Einzelerinnerungen eine vielstimmige gemeinsame Erzählung schafft. Diese Form ist im Bereich der Popgeschichtsschreibung so bekannt wie bewährt, man denke nur an internationale Werke wie „Please Kill Me“ (Legs McNeill & Gillian McCain) und „Verschwende deine Jugend“ (Jürgen Teipel) oder Andreas Kumps Linzer Subkultur-Aufarbeitung „Es muss was geben“. Neu ist der in „Wienpop“ verfolgte Ansatz, nicht nur eine bestimmte Szene, eine historische Epoche, sondern die popkulturelle Entwicklung einer Stadt über mehrere Jahrzehnte hinweg abzubilden. Um das Format nicht gänzlich zu sprengen, war also eine gewisse Selbstbeschränkung nötig: Nicht jeder Protagonist, der eventuell etwas zu sagen gehabt hätte, konnte auch wirklich befragt, nicht jede Bandkarriere im Detail erzählt werden. Gleichzeitig, so der Anspruch, sollte möglichst keine wesentliche Entwicklung fehlen, kein wichtiges Ereignis nur auf Basis einer einzigen Erinnerung erzählt werden. Die Umsetzung erfolgte letztlich in einem Viererteam: Walter Gröbchens Verlagsidee blieb zwar eine Idee, er wurde aber zum Koautor und brachte mit dem Journalisten, Buchautor, Kunstkurator und Musiker Thomas Mießgang den dritten Autor in das Projekt ein. Mießgangs Ausscheiden aus der Kunsthalle hatte ihm Tagesfreizeit beschert, die für „Wienpop“ Gold wert war. Der Vierte und Jüngste im Team ist der Journalist, Musiker und DJ Florian Obkircher, den ich mir als ausgewiesenen Kenner der Wiener Elektroniksze-
ne bereits in der Planungsphase als Autor für diesen Abschnitt gewünscht hatte. Er erledigte die Arbeit von London aus, seine Wien-Besuche hatten in dieser Zeit regelmäßig Interviewmarathons zur Folge. Im Endeffekt haben wir zwischen Sommer 2011 und Winter 2012 rund 130 Personen befragt. Das Rohmaterial umfasste mehrere hundert Stunden Gespräche, die Abschriften einige Millionen Zeichen. Ausgewählt wurden die im Buch zu Wort kommenden Protagonisten nach zwei Kriterien: der Relevanz, die sie für die Entwicklung der Wiener Popmusik haben, und dem, was sie uns erzählen können. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen waren die Reaktionen auf unsere Interviewanfragen zumindest wohlwollend, vielfach positiv und teilweise geradezu euphorisch – und zwar quer durch die Generationen. Einige für die Wiener Popgeschichte wichtige Personen standen aus zeitlichen oder gesundheitlichen Gründen leider nicht für Gespräche zur Verfügung. Wir hoffen, diese Interviews bei einer eventuellen Neuauflage des Buches nachholen zu können. Bei einigen Protagonisten – etwa Hansi Lang, Georg Danzer, Ludwig Hirsch und Werner Geier – kamen wir schlicht zu spät. Im Sinne der Stringenz des Buches verzichteten wir aber darauf, Archivmaterial zu verwenden. Mit einer Ausnahme: bei Kurt „Supermax“ Hauenstein griffen wir auf ein biografisches Gespräch zurück, das Stefan Trischler von FM4 kurz vor seinem überraschenden Tod mit ihm geführt hatte. Entstanden ist so ein Buch, in dem das vielfältige Wiener Popgeschehen seit den Fünfzigerjahren erstmals umfassend dokumentiert ist. „Wienpop“ sucht nach Kontinuitäten und Brüchen im popkulturellen Leben der Stadt, wobei kein Unterschied gemacht wird zwischen der angeblich reinen Lehre und dem sogenannten Mainstream; gleichzeitig ist aber auch das Kriterium des kommerziellen Erfolgs zweitran-
gig. Es geht hier um interessante Musik und ihre Hintergründe; das Buch erzählt individuelle Künstlergeschichten ebenso wie es einen Blick aufs große Ganze – eben die Wiener Popmusik im Laufe der Zeit – ermöglicht und damit auch das Porträt einer Metropole im Wandel liefert. Anstatt streng entlang der Zeitachse vorzugehen, sind die in vier große Kapitel unterteilten Erzählungen thematisch geordnet. Das führt dazu, dass das Kapitel „Die Siebziger“ bis weit in die Achtziger hineinreicht; dass „Die Achtziger“ bereits 1976/77 mit dem Aufkommen von Punk beginnen und erst Mitte der Neunziger mit dem Niedergang der daraus hervorgegangen Gitarrenszene enden; und dass „Die Neunziger“ im vierten und letzten Teil wiederum in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre ansetzen. Walter Gröbchen ist im Autorenteam der einzige gebürtige Wiener, die anderen stammen aus unterschiedlichen Teilen des Landes, aus Vorarlberg, Osttirol und Kärnten. Dass Nicht-Wiener ein Buch über die Wiener Musikgeschichte schreiben, hat eine gewisse Folgerichtigkeit, waren und sind doch auch viele Protagonisten „Zugereiste“. Willi Resetarits führt in der ersten Wortmeldung zurück in die frühen Fünfzigerjahre, ein halbes Jahrhundert später hat Christian Fennesz das letzte Wort in „Wienpop“. Beide sind gebürtige Burgenländer. Die Nullerjahre werden hier nicht mehr behandelt. Vorerst fehlt schlicht und einfach noch die historische Distanz, um das Schaffen der für diese Dekade prägenden Künstlerinnen und Künstler in jener Form aufarbeiten zu können, wie das hier mit den vorangegangenen Jahrzehnten erfolgt. Diese Geschichte wird sich erst in einigen Jahren schreiben lassen. Gerhard Stöger Wien, April 2013
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„Kellerrock-EP“ Vier Wiener Punk- und Modbands, versammelt auf einer Single in gelbem Vinyl (1980, Razzz Recördz)
B o bb y S o m m e r : Als es in Wien mit dem „Blutrausch“ losging, gab es Cadillac schon gar nicht mehr. Ich lebte in Berlin, geriet aber kurz in die Mordbuben AG hinein. Ich kam noch einmal für mehrere Wochen nach Wien, weil ich etwas zu erledigen hatte, und traf da den Hardy wieder, unseren Cadillac-Schlagzeuger, der jetzt bei den Mordbuben spielte. Über ihn lernte ich Fredi Fender kennen, wobei wir dann draufgekommen sind, dass er zehn Jahre zuvor während meiner Londoner Zeit einmal kurz bei mir gewohnt hat. Die Mordbuben AG hatte keinen Bassisten, aber einen Gig in der Arena. Das sollte ich machen, obwohl ich eigentlich Sänger und Saxofonist war. Wir probten ein paar Mal und spielten dann eben in der Arena, die ein furchtbarer Geröllhaufen war. Vor der Bühne lag Schutt, kalt war es, aber es kamen viele Leute. Der Gig war grauenhaft, aber sehr energievoll. Punk eben. Der Fender hatte damit geworben, dass ich angeblich mit Iggy Pop gespielt hätte. Den kannte ich tatsächlich aus Berlin, gespielt habe ich aber leider nie mit ihm. Trotzdem hieß es plötzlich: „Ex-Iggy-Pop“, ohne dass ich zuvor etwas davon gewusst hätte. Ich habe dann scheinbar auch auf der ersten Single der Mordbuben AG mitgespielt, „Bleib blöd“. Aber da muss ich auf „Kind der Achtziger“ plädieren: Wer dabei war, kann sich nicht erinnern. Ich habe keine Ahnung, wann und wo wir die aufgenommen haben. C h r o n o P o pp : Am Anfang interessierte mich Punk überhaupt nicht, denn als er bei uns ankam, konnte ich bereits so halbwegs Gitarre spielen. „Sex Pistols, was ist das für ein Unsinn“, dachte ich mir. Im Nachhinein ist mir schon klar, was das bedeutet hat und dass Punk super war, eine Erneuerung der Rockkultur aus sich selbst. G ö t z S c h r a g e : Ich war damals beim Wiener. Christian Brandl und ich bildeten den Kern der Musikprogrammredaktion. Günter Brödl kam ein biss202
„Bleib blöd! / Komm gib mir deine Hand“ Debütsingle der Mordbuben AG, 1979 mit einer deutschsprachigen Beatles-Coverversion auf Schnazz erschienen
chen später dazu, und dann gab es noch Peter Hieß, der Einzige meiner Kollegen, der heute noch lebt. Er war damals ganz blass und hat in einem Sarg geschlafen. Der Wiener hat damals draufgeschrieben, was er wirklich ist: „Zeitschrift für Zeitgeist“. Der Falter hatte eine Perspektive, er stand für Veränderung und war eher visionär. Die Gegenwart ist geil, war das NewWave-Motto. Jetzt ist wichtig und jetzt ist lustig. Ich denke nicht nach, ob Frauen in fünfzig Jahren im Irak keine Burkas mehr tragen müssen, sondern ich lebe jetzt und mache es mir jetzt nett, ohne anderen dabei wehzutun. Das war ein bisschen der Zeitgeist, und den finde ich durchaus auch wichtig. T h o m a s K r a m a r : Ende der Siebziger gab es die Arena Stadtzeitung und die Stadtzeitung Falter. Die Arena Stadtzeitung war ein Backlash, denen ging es nur um Rasenfreiheit, freies Kiffen und so, das war eine elende Sache. Der Falter war aber von Anfang an gut. Eberhard Forcher hat dort über Musik geschrieben, noch bevor er Tom Petting war. Der Falter war auf jeden Fall ein wichtiges Medium. Der neu gegründete Wiener präsentierte das als Fashion, was wir gerade erlebten. Es gab eine Wiener-Ausgabe mit einer Vorher/Nachher-Fotostrecke, da wurden Leute mit langen und kurzen Haaren abgebildet. Der Sänger von Kamillentee war da auch dabei. P e t e r W e i b e l : Zeitschriften wie der Wiener, der nicht so mein Bier war, hätten ohne diese Szene gar nicht existiert. Ich war froh, dass es den Falter gab, aber ich dachte mir: Okay, der Wiener trägt dazu bei, diese Szene zu erhitzen und damit zu erhalten und für das Ausland attraktiv zu machen. Wien war damals nicht durch die Kunst, sondern durch die Musik spezifisch. In meinen Augen war Wien damals eine Weltstadt. G ö t z S c h r a g e : 1980 hatte ich den Ehrgeiz, jede Wiener Band zu kennen. Wenn in einem Proberaum ein Konzert vor drei Leuten stattfand, wollte ich da-
Der Eiserne Vorhang mit Thomas Rabitsch (2. v. l.) und Ronald Fleischmann (ganz rechts). Weiters im Bild: die Musiker Fred Jelinek (l.) und Michi Jürs
bei sein – das war meine Chronistenpflicht als Musikredakteur. Mit Blümchen Blau war das wie im Film, wir hätten wirklich Multimillionäre werden müssen: Ich komme ins Metropol, weil da fünf Bands auftreten sollten. Unter anderen Blümchen Blau. Das waren ein charismatischer, sprachgewaltiger Sänger mit Bandkollegen, die ein bisschen dezenter auftraten. Da ich damals jede Wiener Band kannte, war ich vom Sänger wirklich beeindruckt. Ich habe ihm nach dem Konzert gesagt, dass ich gerne ein Foto machen und darüber schreiben würde, aber er meinte, dass die Musiker nicht mehr weitermachen wollten. Das wäre doch zu schade, meinte ich und erwähnte, dass ich Keyboard spiele. Der Typ, der im Metropol aufgepasst hat – irgendwas zwischen Security und Bühnenhelfer – bekam das mit und sagte: „Ich bin auch dabei, ich spiele Bass!“ Das war Josef Fencs. So formierten wir uns nach dem Konzert vor der Bühne neu. Tschuri kannten wir, den Schlagzeuger von Pöbel, und irgendwie kam auch der Lackinger dazu. Es gab also eine Blümchen-BlauUrbesetzung, die sich nach ein oder zwei Konzerten aufgelöst hat, und dann entstand Blümchen Blau neu. P a n z a : Ich fing damals damit an, Badges zu machen. Das kam so: Ich hatte im deutschen Musikmagazin Sounds gelesen, dass es in Hamburg ein Punkgeschäft gibt. Also setzte ich mich in den Zug und fuhr aufs Geratewohl nach Hamburg. Dort sah ich, wie jemand Badges machte und dachte mir: Das brauche ich auch, für meine Wiener Bands! Ich checkte mir also eine Badgesmaschine und begann, die in ganz kleinen Stückzahlen herzustellen. Zehn für die Chuzpe, zwei für die Arena, einen für mich – so ungefähr. Dann bot mir Ronald Fleischmann an, die Badges in seiner Boutique in der Judengasse zu verkaufen – und plötzlich hatte ich monatlich Kohle, weil er in seiner Boutique Badges verkauft hat. Ronald war ein Altfreak, der mit den Aktionisten in Zusammenhang gestanden ist.
Der Eiserne Vorhang: „Franzi / Ohne Ausweg“ Single, Panzaplatte, 1982
T h o m a s R a b i t s c h : Ronald Fleischmann war ein großer Umrührer. Er kommt aus der Zeit der Uni-Ferkelei. Ronald war überall dabei, und er hat alle gekannt. Rühm, Qualtinger, alle. Heute ist er über siebzig und lebt in Spanien, damals war er ein väterlicher Freund und ein Mäzen der Hallucination Company. Sein Vermögen hatte er in den frühen Siebzigern gemacht, als vorübergehend alle mit diesen Afghanenmänteln herumgerannt sind. Das war eine richtige Hippiemode, jeder sah aus wie ein Steinzeitmensch. Ronald Fleischmann hat diese Mäntel aus Afghanistan importiert, und in den Fellen waren natürlich auch diverse andere Dinge eingepackt. Irgendwann meinte er, dass er auf Punk stehe und selber auch etwas machen wolle. Ob ich nicht Lust hätte, mit ihm in einem kleinen 8-Spur-Studio am Gürtel aufzunehmen. Im Zeitraum eines Jahres ist dann „Ohne Ausweg“ entstanden, das Album von Der Eiserne Vorhang. Pro Tag entstand eine Nummer, immer zwischendurch, wenn gerade Zeit war. Er schrieb die Texte, ich komponierte die Musik. Manches war auch gecovert, die Musik zu „Franzi“ etwa kam von „Making Plans for Nigel“, einem Lied der britischen Band XTC. Das war eine extrem lustige Produktion. Ronald und ich bildeten den Kern von Der Eiserne Vorhang, dazu kamen bei jeder Nummer andere Gäste: Karl Ratzer, Ronnie Urini, Panza … Wir haben uns ausgetobt, und Ronald hat erstmals in seinem Leben gesungen. Und das sehr gut, mit sonorer, markanter Stimme. Damals habe ich erstmals erlebt, dass man bei jedem Song mit verschiedenen Leuten verschiedene Dinge herausarbeitet. Das sind quasi meine Roots als Arrangeur. „Ohne Ausweg“ mag depressiv anmuten, das war es aber überhaupt nicht. Ich habe dadurch auch erst Punk so richtig kennengelernt. Also: sich nichts scheißen. P a n z a : Ich fuhr damals alle zwei Monate nach London, um bei der Firma Better Badges Teile für die An203
„Brennmaterial für die 80er-Jahre EP von Novak’s Kapelle, 1979 auf Ronald Fleischmanns Label O.Tannenbaum erschienen
stecker zu holen. Das war ein Haus voll Punks, die da an den Druckmaschinen standen. Ganz oben in der Chefetage saß ein Hippie mit langen Haaren, der zwanzig Jahre älter war – genau wie der Ronald in Wien. Es braucht immer Typen aus der letzten oder vorletzten Szene, die wissen, wie der Hase läuft. Auf seinem Label O.Tannenbaum Records hat Ronald damals „Brennmaterial für die 80er Jahre“ von Novak’s Kapelle herausgebracht. Die waren definitiv keine Punks, sondern eine Hippieband. Aber Ronald ist auch für das Label Panzaplatte verantwortlich, er hat das gecheckt. Es gab damals die Band Pöbel, das waren die Ersten hier, die ihren Frust ohne viel Konzept hinausgerotzt haben. Ich sagte zu ihm: „Ronald, wir müssen eine Pöbel-Single machen!“ Und er hat es tatsächlich geschafft, dass davon 200 Stück gepresst wurden. Damals interessierte das keinen, die Platten sind ewig in einem Kammerl herumgelegen. Heute wird die Pöbel-Single um 500 Euro gehandelt. K o d a k : Panzas Sampler-LP „Heimat bist du großer Söhne – Panza-Platte grüßt den Rest der Welt“ ist das ärgste und beste Statement, das Österreich je hingeworfen hat. Ich fotografierte das Cover dafür. Ich bin auch mit drauf, die Kamera stand auf einem Stativ, und ich machte das Foto mit Selbstauslöser. Und zwar vor dem Rathaus auf einer Tribüne, die dort gerade herumstand, weil es irgendein Rathausfest gab.
Vom Sängerknaben zum Punk H a r a l d W a i g l e i n : In der dritten Klasse Mittelschule ging es bei mir mit Punk los, ausgelöst durch „The Great Rock ’n’ Roll Swindle“ von den Sex Pistols. Davor war ich bei den Wiener Sängerknaben, von der vierten Klasse Volksschule bis zur zweiten Klasse Mittelschule, zwei große Europatourneen machte ich in dieser Zeit mit. Meine Mutter wollte unbedingt, dass 204
„Heimat bist du großer Söhne. Panza-Platte grüßt den Rest der Welt“ LP-Sampler
ich Sängerknabe werde. Ich hatte mir eh vorgenommen, die Aufnahmeprüfung zu versauen, das dann aber nicht geschafft. Nach den Sängerknaben kam ich ins Gymnasium in der Ettenreichgasse, ins Favoritner Ghetto. Relativ bald nach der Sängerknabenuniform trug ich bunte Haare, von Rot über Orange bis zu Grau und Schwarz. An Punk gefiel mir diese neue Leichtigkeit und Verspieltheit, mit der man ans Musikmachen heranging. Du musstest eben nicht drei Jahre Konservatorium machen, damit du dann das staatlich geprüfte Gitarrensolo spielen kannst, sondern es war alles erlaubt. Gleichzeitig war es viel schwieriger als heute, an gute Musik zu kommen. Wenn du von einer interessanten neuen Band gehört hast, dauerte es oft ewig, bis du auch eine Platte aufgetrieben hattest. Es gab auch nur ganz wenige gute Konzerte. Da hat man dann alle getroffen und lernte so relativ schnell die Szene kennen. In sehr guter Erinnerung habe ich die Dead Kennedys in der Arena. Das war wirklich gewaltig. Bei diesem Konzert erlebte ich zum ersten Mal, dass jemand von der Bühne hinunter ins Publikum geht und das Mikrofon herumreicht, damit jeder etwas hineinbrüllen kann. Minutemen und Black Flag waren auch in der Arena. Da kam die Polizei, weil es einen Zwischenfall mit einer Frau im Publikum gab, die mit einer zerbrochenen Flasche verletzt wurde. Sie riegelten die Halle komplett ab, sodass niemand rauskonnte; draußen war ein ganzes Einsatzkommando mit unglaublich wütenden Schäferhunden. Damals gab es bei der Arena-Halle noch eine Hintertür, von der kaum jemand wusste. Durch diese Tür hauten meine Freunde und ich ab, wir erlebten das dicke Ende also nicht mit. Tags drauf stand die Sache sogar in der Zeitung. Die Bands haben normal gespielt, aber am Ende konnte man nicht raus. Black Flag waren lustig, weil bis auf den Sänger Henry Rollins alle lange Haare hatten – eine kalifornische Hippie-Par-
Die Hardcorepunks Pöbel live in der Arena
tie! Durch die Clique in meiner Schule bin ich dann in die Gassergasse gekommen. R o b e r t R o t i f e r : Wenn ich auf meinem Schulweg etwas anders ging, kam ich bei der Gassergasse vorbei. Dort saßen die Punks auf dem Gehsteig. Ich hatte Angst, gleichzeitig war ich aber sehr fasziniert. Vom Style her hatte ich in Wien damals ganz stark das Gefühl, wenn man das sein will, muss man das leben. Die Gassergase war eine Stadt in der Stadt. Es war nicht so, dass man sich so anziehen und dann Punk sein konnte, sondern es war klar: Wenn du wirklich Punk sein willst, musst du in einem besetzten Haus leben und musst Anarchist mit Leib und Seele sein. Für mich war Punk keine Option, weil ich wusste, dass die, die nicht so leben, für die echten Punks Pseudos sind. Und ein Pseudopunk wollte ich nicht sein. Ich war ja immer Beatles-Fan, aber für die Beatles musste man sich vor den Punks ein bisschen genieren. The Who dagegen fanden sie okay. Und The Clash waren Punk, den man auch als Nicht-Punk hören konnte. K o d a k : Die Gassergasse war ein Riesenhaus, da bist du hineingekommen, um die Ecke war das Punkbeisel, das autonom geführt war, erlaubt vom ersten Stock, der Schnorrer-AG. Die hatten es faustdick hinter den Ohren, was ich damals noch nicht so wusste, aber sie haben Haschisch verkauft – und zwar guten Libanesen. Sie legten einen Kilo auf den Tisch und schnitten fast ohne Waage Stücke ab. Die Preise waren sehr günstig, und das Haschisch war sehr gesund – nicht gestreckt, nicht blöd machend. Das war ein edler Verkauf. Als der Kreisky noch an der Macht war und oft in den Libanon gefahren ist, gab es in Österreich seltsamerweise urviel libanesisches Haschisch. Nach dem Kreisky war das radikal aus. Ob das ein Zufall war und ob er bei seinen Besuchen im Libanon vielleicht selber etwas geraucht hat, müsste man ihn im Himmel fragen. Kreisky war mir damals sympathisch. Ich glaube,
„Es lebe hoch die Perversion“ 1981 in einer Auflage von 200 Stück als Single auf Panzaplatte erschienen
er wollte die Völker immer in Frieden zusammenführen. Er ging väterlicher und vertrauenswürdiger mit den Menschen um als heutige Politiker. M a r t i n J a k o w i t s c h : Die Stimmung in der Gassergasse war sehr aggressiv, aber das war man damals eh gewohnt. Für mich passte das auch: Die GaGa war halt der Spielplatz für Leute wie uns. H a r a l d W a i g l e i n : Es waren immer Punks dort, darum war es nie fad. In der Druckerei der Gassergasse spielte ich mit meiner Band Volksverräter mein erstes Konzert, 1980 oder 1981. Die Band war bei uns in der Schule entstanden, ich sang und spielte Gitarre. Gitarrespielen hatte ich mit Peter Burschs Gitarrenbuch im Do-it-yourself-Verfahren gelernt. Im Anhang waren alle Akkorde mit Punkten auf einem stilisierten Griffbrett abgebildet, und wenn man diese drei Seiten durchhatte, kam man schon relativ weit. Die Gassergasse wirkte schon furchteinflößend, weil da auch sehr kaputte Leute herumhingen – alle viel größer und älter als ich. Es war also nicht immer ein angenehmes Gefühl. Durch diese bedrohliche Aura kam es mir damals aber besonders cool vor. In der Gassergasse gab es eine Punkband namens Schund. Die produzierten selbst eine Single, und wir halfen dann alle mit, das Cover im Siebdruckverfahren zu drucken und anschließend mit Uhu zusammenzupicken. K o d a k : Schund, das ist eine Sache für sich. Roli Rotzig, ein anderer Punk und ich waren in London. Mit einer Bierkiste in der Hand machten wir das Hotel unsicher, klopften überall an und fragten: „Wollt ihr mit uns feiern?“ Die meisten erschraken und schlugen die Tür schnell wieder zu, aber dann landeten wir in einem Zimmer mit lauter Mädchen, die mit uns feiern wollten. Eines von ihnen, die Doris, feierte mit mir ein bisschen mehr. Wir lieferten dort eine ordentliche Action und verliebten uns ineinander. Sie wohnte in Braunschweig, ich in Wien. Nach einiger Zeit zog sie
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T h o m a s M i e s s g a n g (*1955 in Bregenz). Studium der Germanistik und Romanistik an der Universität Wien. Langjährige journalistische Arbeit bei Falter, Profil, Die Zeit u.a. sowie im ORF-Hörfunk („Musicbox“, „Diagonal“). Von 1994 bis 1996 Berater der Wiener Kulturstadträtin. Von 2000 bis 2011 Kurator in der Kunsthalle Wien. Heute freier Kurator und Publizist.
F l o r i a n O b k i r c h e r (*1981 in Lienz). War als Schallplattenverkäufer (Black Market) und Mitglied der Elektronikband TNT Jackson selbst Teil der Wiener Musikszene, schob vier Jahre lang als Partykolumnist für die Wiener Stadtzeitung Falter Nachtdienst, lebt und arbeitet heute als Musikjournalist in London (Groove, Spex, Falter, Red Bulletin u.a.).
Rock ’n’ Roll, Beat, Folk, Austropop und kritische Liedermacher; Punk, New Wave, Underground, Techno, HipHop und Electronica: Die Musikstadt Wien ist längst auch eine Stadt der Popmusik. Jetzt wird ihre Geschichte erstmals in Buchform dokumentiert: In einer vielstimmigen Interviewcollage erzählen rund 130 Protagonisten in „Wienpop“ die Entwicklung von den Fünfzigern bis zur Jahrtausendwende, von der Ankunft der Rockmusik bis zum großen Elektronikboom der Neunziger. Illustriert mit rund 600 Abbildungen, spannt sich der Bogen von der Worried Men Skiffle Group, Novak’s Kapelle, Al Cook und Drahdiwaberl bis zu Wolfgang Ambros, André Heller, den Schmetterlingen und Marianne Mendt; von Chuzpe, Blümchen Blau, Minisex und dem Hotel Morphila Orchester bis zu Kruder & Dorfmeister, Patrick Pulsinger, Ilsa Gold und Christian Fennesz.
Wien
Wien Pop
Die autoren
pop ▶ G r ö b c h e n ▶ m i e s s g a n g ▶ o b k i r c h e r ▶ s t ö g e r
Fünf Jahrzehnte Musikgeschichte erzählt von 130 Protagonisten
G e r h a r d S t ö g e r (*1974), aufgewachsen in einem Kärntner Dorf namens Himmelberg, lebt seit 1994 in Wien. Hat die Sporthauptschule, die Handelsakademie und die Universität absolviert, sich eigentlich aber immer nur für Popmusik interessiert. Redakteur der Wiener Stadtzeitung Falter, Kolumnist des Monatsmagazins Datum, Plattensammler und Fan.
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ISBN 978-3-85439-473-0
f a l t e r. a t
FA LT E R VERLAG
FA LT E R V E R L A G
Drin ist, was draufsteht: „Wienpop“ erzählt die Geschichte der Wiener Popmusik, von ersten Vorläufern des Rock ’n’ Roll in den Fünfzigerjahren bis hin zum Ausklingen des Hypes um die lokale Elektronikszene kurz nach der Jahrtausendwende. Die Autoren, vier langjährige Beobachter des österreichischen Popgeschehens, haben mit rund 130 Protagonisten gesprochen, ihre Geschichte und ihre Geschichten aufgeschrieben und in Form einer Interviewcollage zu einer vielstimmigen Erzählung verdichtet. „Wienpop“ dokumentiert das vielfältige Wiener Popgeschehen erstmals umfassend in Buchform, es enthält individuelle Künstlergeschichten ebenso wie es einen Blick aufs große Ganze erlaubt: die Wiener Popmusik im Wandel der Zeit. Mit hunderten Abbildungen – Plattencovers, Fotos, Flyern – versehen, gliedert sich „Wienpop“ in vier Teile. Grob an der Zeitachse orientiert, handelt das erste Kapitel von Beat, Folk und Rock, das zweite von Austropop, kritischem Liedermachertum und der aufkommenden Alternativkultur, das dritte von Punk, New Wave und den daraus hervorgegangenen Subkulturen und das vierte von HipHop, Techno und Electronica. „Wienpop“ berichtet dabei auch von Orten wie der Fledermaus, der Camera, der Arena, der Gassergasse, der Blue Box, dem Chelsea, dem Volksgarten, dem Flex und dem rhiz – und es zeigt, wie Wien über die Jahre vom Importeur zum Exporteur von Popmusik wurde.
14.05.2013 12:32:28 Uhr