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FALTER Viennale 17

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FALTER

Nr. 41a/17

Viennale 17 Die besten Filme. Alle Termine

F O T O : N I C O L E K I D M A N I N „ H O W T O TA L K T O G I R L S AT PA R T I E S “, H A N WAY F I L M S

Filme von Valeska Grisebach, Neil Gaiman, Romuald Karmakar, Bruno Dumont, John Carroll Lynch, Lee Anne Schmitt, Abbas Kiarostami, Julia Ducourneau, Raymond Depardon sowie zum Popkino und zur Retrospektive Utopie und Korrektur

Österreichische Post AG, WZ 02Z033405 W, Falter Zeitschriften GesmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien


Viennale Filmedition Her ausr agen d e F il m e a bs e i ts d es m a i n st r e a m s .

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Court, Indisches Gerichtssaaldrama, OmeU Återträffen, Experimentelles Klassentreffen in Schweden, OmeU A Little Closer, Ländliches Drama um eine alleinerziehender Mutter, OF

De Jueves A Domingo, Familienurlaub mit Hindernissen, OmeU The Color Wheel, Facettenreicher Slacker/Nerd-Roadtrip, OF L’Inconnu du Lac, Schwules Cruising im hochsommerlichen Frankreich, OmeU

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Anna, Italienische Drogen-Cinéma vérité, OmeU Curling, Franko-kanadische Reminiszenz an Psycho, OmeU Foreign Parts, Gentrifizierungsdoku aus New York, OF O Som Ao Redor, Kleinbürgerlichkeit und Kleinkriminalität, OmeU Hashoter, Polizeidrama um inner-israelischen Terror, OmeU Bonus DVD And We Made the Room Shine

Aquele Querido Mês de Agosto, Portugiesischer Sommer, OmeU Capturing The Friedmans, Doku über Unschuldsvermutung und Sippenhaft, OF El Sicario, Room 164, Ein mexikanischer Auftragskiller packt aus, OmeU Half Nelson, Aufwühlendes Highschool Drama mit Ryan Gosling, OF Le Roi De l’Évasion, Schwuler Vertreter entdeckt seine Heterosexualität, OmeU Bonus DVD 20 Little Films

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FA LT E R V E R L A G Die besten seiten Österreichs


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19 Inhalt

Liebe Leserin, lieber Leser!

Realismus und mehr Entdeckungen, Abschiede und ein Wiedersehen: fünf Filme aus dem Programm der Viennale

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Fotos: Viennale

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Vorwort ie jedes Jahr ..., so fing der Text dieser Rubrik jedes Jahr an, die letzten zwanzig Jahre über. Unterzeichnet war er am Ende mit meinem Namen und dem von Hans Hurch. Der Viennale-Direktor, langjährige Falter-Autor und Freund ist diesen Sommer überraschend verstorben. Diese Beilage ist auch sein Kind, aber er mischte sich nie auch nur im mindesten in ihre Gestaltung ein. Die oblag und obliegt Michael Omasta ganz allein; er wählt aus, welche Filme ihm bedeutsam genug erscheinen, hier empfohlen zu werden. Hans wollte das so; er hatte hohe Ansprüche an journalistische Unabhängigkeit. Umso gereizter konnte er reagieren, wo er diese gefährdet sah. Hans hatte viele Gegner und Kritiker; nach seinem Tod sehen auch sie, was Wien und was die Viennale an ihm verloren hat. Den weltbesten FilmfestivalDirektor hat man ihn genannt. Wien hat das gespürt, aber es hätte sich eher die Zunge abgebissen, als so etwas zuzugeben. Die Viennale steht heuer ganz im Zeichen des Abschieds von Hans; er hat sie noch zur Hälfte selber planen können, den Rest haben Franz Schwartz und das Team der Viennale versucht, möglichst in seinem Sinne zu machen. Ich bin sicher, das ist ihnen gelungen. Herzlich,

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Wann ist ein Mann ein Mann? In „Western“ dreht Valeska Grisebach den Blick um: Ein Gespräch über Projektionen, Posen und Pferde Das Wort und die Bewegung Mit „12 jours“ setzt Raymond Depardon seine Auseinandersetzung mit der Psychiatrie fort Stiller Aufbruch Abbas Kiarostamis letzter Film entzieht sich dem Erzählkino durch „24 Frames“ Fragen, Funk und Flaschenwurf Life During Showtime: Musikdokus über Rotten, Rocker, schimpfende und Talking Heads aller Art Schlaflos zwischen Club und Streuobstwiese Romuald Karmakars „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ führt in die elektronische Musik- und DJ-Szene So ein Punk-Ding mit Herz Neil Gaimans weiß „How to Talk to Girls at Parties“ – privat hat der Autor nichts für wilde Feiern übrig Timetable Alle Filme auf einen Blick: der Falter-Plan zur Viennale 17 „Das Set ist jeden Tag komplett versaut“ Überall Blut! Regiedebütantin Julia Ducourneau und ihr herzzerreißender Horrorfilm „Grave“ Sowjetische Filmgeschichte – eine permanente Utopie-Korrektur Viennale und Österreichisches Filmmuseum feiern 100 Jahre Revolution jenseits aller Mythenbildung Lexikon Empfehlungen der Redaktion und Kurzbeschreibungen aller Filme der Viennale 17 von A–Z

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Impressum

Armin Thurnher Chefredakteur Falter

Falter 41a/17 Herausgeber: Armin Thurnher Medieninhaber: Falter Zeitschriften GmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at Redaktion: Michael Omasta Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H.; Layout: Marion Großschädl, Raphael Moser; Lektorat: Helmut Gutbrunner, Daniel Jokesch; Geschäftsführung: Siegmar Schlager; Anzeigenleitung: Sigrid Johler Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86. In Kooperation mit der VIENNALE. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.


TICKETINFORMATIONEN Es gibt folgende Möglichkeiten, Tickets zu erwerben: — an den Viennale-Kassen — über die Viennale-Website — per Telefon

VORVERKAUFSSTELLEN Tickets bar, mit Bankomat oder per Kreditkarte Metro Kinokulturhaus von 14. Oktober bis 2. November täglich 10 bis 20 Uhr Schottentor von 14. bis 21. Oktober täglich 10 bis 20 Uhr Gartenbaukino von 14. bis 19. Oktober, 10 bis 20 Uhr (19. Oktober 10 bis 17 Uhr)

ZUSÄTZLICHE EXPRESSKASSEN Für Käufe von bis zu 10 Tickets Stadtkino im Künstlerhaus 14. und 15. Oktober, 10 bis 20 Uhr (nur Expresskassen; nur Barzahlung)

Für alle Kassen – mit Ausnahme der Expresskassen – werden bei großem Andrang Wartenummern ausgegeben.

TICKETS IM INTERNET Tickets per Online-Banking oder Kreditkarte www.viennale.at

TICKETS PER TELEFON Tickets per Kreditkarte täglich von 10 bis 20 Uhr 01/526 594 769 Per Telefon bzw. online gekaufte Tickets sind an allen Vorverkaufsstellen oder in den Viennale-Kinos abzuholen. Ab 30 Minuten vor Beginn einer Vorstellung sind ausschließlich Tickets für diese Vorstellung erhältlich.

TICKETVERKAUF IN DEN FESTIVALKINOS Tickets bar, mit Bankomat oder per Kreditkarte Gartenbaukino Stadtkino im Künstlerhaus Urania Metro Kinokulturhaus von 20. Oktober bis 2. November, geöffnet ab einer Stunde vor Beginn der ersten bis zum Beginn der letzten Vorstellung

TICKETVORVERKAUF AB 14. OKTOBER 2017, 10 UHR TICKETPREISE Einzelticket Ab 10 Tickets Ab 20 Tickets

€ 9,50 € 9,— € 8,30

Ab 30 Minuten vor Beginn einer Vorstellung sind ausschließlich Tickets für diese Vorstellung erhältlich.

ERMÄSSIGUNGEN

FREIE SITZPLATZWAHL Bei allen Vorstellungen der Viennale – mit Ausnahme der Galas – gilt freie Sitzplatzwahl.

Einzelticket Ab 10 Tickets Ab 20 Tickets

Ticketsystem von WWTS

Publikationen und Artikel des Festivals sind in allen Viennale Vorverkaufsstellen und Kinos sowie online erhältlich:

pro Ticket pro Ticket

Ermäßigungen können bei Vorweis der entsprechenden Ausweise in Anspruch genommen werden. € 9,— € 8,50 € 7,80

VIENNALE MERCHANDISING

pro Ticket pro Ticket Kunden der

Katalog Festival € 15 V’17-Plakat €3 V’17-Filmstills-Plakat € 10 Viennale DVD Box 2014 und 2015 je € 19,90 Viennale DVD Box 2012 und 2013 je € 39,90 Viennale Einzel-DVD 2012–2015 € 9,90 Hans Hurch – Vom Widerschein des Kinos € 22,90


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Realismus und mehr Entdeckungen, Abschiede und ein Wiedersehen: fünf Filme aus dem Programm der Viennale VORSCHAU: MICHAEL OMASTA

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F o t o s : P O L Y F I L M , ST A D T K I N O , V i e nnal e

u bist nichts! So lautet die herzliche Begrüßung, wenn der alte Lucky in Joes Diner kommt, dort einen Kaffee – viel Milch, viel Zucker – trinkt und sein Kreuzworträtsel löst. Tag für Tag geht das so, Jahr für Jahr, aber wie lange noch? „Lucky“ heißt auch der Film, den der Schauspieler John Carroll Lynch, den man aus zig Filmen – zumeist als Bösewicht – kennt, gedreht hat. Die Hauptrolle, sagt Lynch, habe er eigens für Harry Dean Stanton geschrieben, „als Liebesbrief an den Kollegen und den Menschen“. Der große Charakterdarsteller dankt es ihm mit der letzten und vermutlich auch schönsten Vorstellung seiner langen Karriere. Stanton, zur Zeit der Dreharbeiten bereits 90 Jahre alt und heuer Mitte September verstorben, hält sich fit, erledigt als Lucky jeden Morgen zwischen zwei Zigaretten sein Pensum an Liegestützen und Sit-ups. Wenn er durch die Landschaft stapft, hat man den Eindruck, als käme er schnurstracks aus Wenders’ „Paris, Texas“ aus den 1980ern. Einsamkeit ist ein bestimmendes Thema des Films, das Coolsein und Durchhalten ein anderes. Bleibt die Frage nach dem Realismus, die dem kauzigen Helden bei einem seiner Rätsel unterkommt. Was heißt Realismus und gibt’s so etwas überhaupt? „A) Eine Darstellung, true to life“, schlägt Lucky die verschiedenen Begriffsdefinitionen im Lexikon nach, „b) eine Situation so hinnehmen, wie sie ist“.

Für Jerry Lewis war Realismus im Kino untrennbar mit Technicolor verbunden: Das ganze Leben sei in Farbe, also sollten seine Filme es auch sein. In „The Ladies Man“ (1961), seiner zweiten Regiearbeit, spielt er Herbert H. Heebert, Mädchen für alles in einem Mädchenpensionat. Pastelltöne dominieren das mehrstöckige Set, das wie ein Puppenhaus keine vierte Wand hat und spektakuläre Kameraoperationen erlaubt. Als Regisseur, Autor, Produzent und Hauptdarsteller hat „total film-maker“ Lewis hier alles fest im Griff. Ganz im Gegensatz zu besagtem Herbert, der seit einer geplatzten Verlobung ein Girl-Trauma weghat und ständig nach seiner „Ma!“ schreit.

„Du bist mir immer fremd gewesen“, lässt Peter Weiss seine Mutter in „Abschied von den Eltern“ einmal sagen. Die österreichische Filmemacherin Astrid Johanna Ofner hat den berühmten autobiografischen Roman, der 1961 erstmals veröffentlichte wurde, jetzt verfilmt, und zwar auf eine der Ich-Er-

zählung kongeniale, sanft experimentelle Art und Weise. Eine Vielzahl unterschiedlicher Materialien – Schwarzweißfotos, Briefe, Super-8-Homemovies sowie Szenen, in denen ein junger Mann (Sven Dolinski) quasi den Lebensweg des Autors heute abschreitet – sind zu einem assoziativen Geflecht aus Text und Bildern verwoben. Dazwischen bleibt die Leinwand immer wieder schwarz, auf dass die gesprochenen Worte aus dem Off richtig nachhallen. Mit der Loslösung von den Eltern ging für den Autor in den 1930ern ein zweiter, erzwungener Abschied einher: der des Juden Weiss von seiner Heimat Deutschland. Männer, die auf Frauen starren, genauer

Ein würdiger Eröffnungsfilm: Harry Dean Stanton ist „Lucky“

gesagt: auf Gemälde, wie sie im klassischen Hollywoodkino in kaum einem Wohnzimmer über dem Kamin fehlen durften, geben hier die Blickrichtung vor. „It Was Still Her Face“ nennt der Avantgardist Christoph Girardet seine jüngste Arbeit, einen knisternden Found-Footage-Streifzug durch Filme mit Hedy Lamarr, Rita Hayworth, Gene Tierney und zwei Dutzend anderer weiblicher Stars, deren Porträts einmal die Leinwand dominierten. Ein filmisches Poem der gemalten Bilder, der Blicke und des Begehrens, acht unheimliche Minuten lang. Sklaverei, schrieb John Brown, ein Bür-

Experimenteller Spielfilm: „Abschied von den Eltern“ nach Peter Weiss

In memoriam Jerry Lewis, des totalen Filmemachers: „The Ladies Man“

gerrechtler avant la lettre, sei eine Form des Krieges. 1858 entwarf er eine „Provisorische Verfassung“, die das Besitzen von Menschen als Terrorismus anprangerte. Im darauffolgenden Jahr führte er einen Aufstand gegen weiße Plantagenbesitzer in Virginia an und wurde nach dessen Niederschlagung hingerichtet. Die US-Dokumentaristin Lee Anne Schmitt stellt Brown ins Zentrum von „Purge This Land“, einem Filmessay über die bis heute nicht überwundene Rassendiskriminierung in ihrem Heimatland. Sie folgt den Spuren zurück in die Geschichte, an jedem Ort auf ihrem Weg hat sich Grauenhaftes ereignet: nicht nur in Detroit oder Chicago, sondern in jedem zweiten Kaff. Es sind gespenstische Bilder von Amerika, die der Film zeigt: Stillleben von Geisterstädten, aufgelassenen Wohnsiedlungen, menschenleeren Landschaften. Ab und zu, meist an einer Schnellstraße oder weiter abseits im Gestrüpp, wurde irgendwann eine Gedenktafel angebracht. So leistet „Purge This Land“ Erinnerungsarbeit in doppelter Hinsicht. Gewidmet hat Schmitt den Film ihrem Sohn mit dem Jazzmusiker Jeff Parker. F Die Termine entnehmen Sie dem Programmteil


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Keiner hat ein Leben lang auf einem Pferd gesessen: auch Meinhard Neumann nicht, der Held von „Western“

INTERVIEW: JULIA PÜHRINGER, CANNES

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in kleiner Trupp deutscher Bauarbeiter arbeitet im bulga­ rischen Hinterland bei der Er­ richtung eines Wasserkraftwerks mit. Einer von ihnen heißt Meinhard, ein cooler, schweigsamer Typ, die Haupt­ figur dieses Films, der nicht nur alles enthält, was einen klassischen Wes­ tern ausmacht: einen Helden, sein Pferd, die Frau, weite Landschaft und ein Gewehr – zudem noch einen Schuss Melancholie und jede Men­ ge Popmusik. „Western“ ist erst Valeska Grise­ bachs dritter Spielfilm. Die aus Bre­ men gebürtige Filmemacherin studier­ te in Berlin, München und Wien, wo sie die Filmakademie absolvierte und 2001 ihr Langfilmdebüt „Mein Stern“ entstand. Fünf Jahre später realisier­ te sie „Sehnsucht“. Die Viennale wid­ met ihr ein kleines Special aus eigenen Arbeiten und ausgewählten Referenz­ werken und zeigt die Österreichpremi­ ere von „Western“, der Anfang Novem­ ber auch regulär ins Kino kommt.

Wie überredet man so jemanden, in einem Film mitzuspielen? Grisebach: Ohne die Neugier des ande­ ren geht’s nicht. Das ist ein längerer Prozess. Natürlich ist das auch eine aufregende Fantasie – „ich spiele in einem Film mit“ –, aber dann ist man monatelang im Ausland, und man muss ja auch nachher weiter mit die­ sem Film leben. Man muss sich sicher sein, dass man das wirklich möchte. Sie selbst verwenden den Begriff „Überhöhung“: Der ganze Film handelt von Männlichkeit als

Wann ist ein Mann

In ihrem „Western“ dreht Valeska Grisebach den Blick um: Ein Gespräch über männ

Performance, der Frage: Wie spielt man einen Mann? Grisebach: Ich wollte einen Hauptdar­ steller in der Geschichte, der eine ele­ gante, attraktive Figur ist, also jemand, der sofort alle Blicke auf sich zieht, der eher der Anführer einer Gruppe ist, der aber auch diesen „kleinen Mann“ in sich trägt. Also auch den Opportu­ nisten, jemanden der Angst hat, der dann vielleicht sein strengster Kriti­ ker ist und sich diese Angst selbst am wenigsten verzeiht. Ich hatte das Ge­ fühl, dass er das sehr gut spielen kann, aber auch ein sehr gutes Gefühl für Posen hat. Haben Sie als Vorbereitung eine Weile lang Männern zugeschaut? Grisebach: Ich profitiere total vom phy­ sischen Wissen meiner Darsteller. Als

ich angefangen habe, dieses Casting zu machen, war das eigentlich ein to­ taler Pin-up-Moment: Ich hab wirk­ lich erstmal gekuckt, wo sehe ich so eine Männlichkeit, die man aus dem Western kennt, die auch dieses phy­ sische Moment hat. Da landet man ganz schnell auf Baustellen, wo Typen auf Dächern stehen und Werkzeug am Gürtel tragen und auch wissen, dass sie angekuckt werden. Das ist eine Umkehr der üblichen Blickrichtung ... Grisebach: Ja. Auch als Regisseurin mit all diesen Männern zu drehen ist eine gewisse Umkehrung des Blicks. Das war auch sehr aufregend. Wie dreht man mit Pferd? Grisebach: Das war für alle erstmal ab­

strakt. Ich kann nicht reiten. Ich hab auch wirklich Respekt vor Pferden, so ging’s auch den Hauptdarstellern. Letztlich war unser Pferd kein profes­ sionelles Filmpferd, aber ein Pferd, das unbedingt gecastet werden wollte: Es hat sofort Kontakt aufgenommen, hat dann auch mit Kamera beim Drehen alles perfekt gemacht. Das waren auch immer Mutproben: Keiner der Dar­ steller hat sein Leben lang auf dem Pferd gesessen. Da kann man wirk­ lich auf Holz klopfen, dass alles ge­ klappt hat. Ein gutes Hemd spielt eine zentrale Rolle in Ihrem Film. Grisebach: Das sind zu einem gro­ ßen Teil Meinhard Neumanns eigene Hemden. Mich hat seine Art und Wei­ se, Hemden zu tragen, beeindruckt.

Foto: Stadtkino

Falter: Wie haben Sie Ihren Hauptdarsteller Meinhard Neumann gefunden? Valeska Grisebach: Auf einem Pferde­ markt in der Nähe von Berlin saß da dieser Mann auf einem Trödelmarkt und hatte einen Cowboyhut auf. Da hat es sofort „klick“ gemacht. Aber mehr als der Hut hat mich eigentlich sein Gesicht gekriegt, wie eine Lein­ wandikone, direkt aus einem Film he­ rausgestiegen. Genau den Kontrast finde ich so spannend: Was man so als pseudodokumentarisch empfindet, aber auch diese Überhöhung im fiktio­ nalen Moment. Da war er plötzlich eine perfekte Projektionsfläche.


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Die deutsche Filmemacherin Valeska Grisebach, 49, stellt jedem ihrer drei Werke noch einen Klassiker zur Seite

Viennale-Special für Valeska Grisebach – ihre Filme & Carte blanche sind aufschlussreiche Veranstaltungen. Sie wecken gewisse Erwartungen, geben nicht nur das Versprechen einer Geselligkeit aus, die das provinzielle Einerlei durchbricht. An sie heftet sich die Hoffnung auf erotische, im besten Fall gar romantische Anbahnungen. Das ist im wahren Leben nicht viel anders als im Kino. Aber es macht einen Unterschied, ob sich die Feste in der tschechischen Provinz, im Brandenburgischen oder in Bulgarien ereignen. Das Special, das die Viennale heuer Valeska Grisebach widmet, ermöglicht die Zusammenschau von drei denkwürdigen Provinzfestlichkeiten. In „Die Liebe einer Blondine“ von Milos Forman handelt es sich um einen Heiratsmarkt mit satirischem Potenzial. Auch in Grisebachs „Sehnsucht“ wird ein Fest zum Katalysator einer Liebesgeschichte, auch hier spielen schmucke Uniformen eine Rolle, wenngleich diesmal keine Eheringe geflissentlich versteckt werden müssen. In „Western“ wiederum wirft das Fest am Ende die wehmütige Frage auf, ob Zugehörigkeit nicht auch in der Fremde entstehen kann. ::  Ländliche Tanzvergnügen

ein Mann?

liche Posen, perfekte Projektionsflächen und Pferde Zum einen dieser 80er-Jahre-Moment, der damit in den Film reinkommt als Erinnerung an die Jugend, als auch dieser Teenager-Moment, dieses Sichschön-Machen und diese Erwartung, die sich damit verbindet, wenn man ein weißes Hemd anzieht – das hat mich berührt.

Fotos: Viennale

Wie in „Les Salauds“ von Claire Denis. Da geht es eine Stunde lang auch nur um ein weißes Hemd und Hacklermuskeln. Grisebach: Ja, genau. Toll, oder? Was bedeutet der Titel „Western“ für Sie? Grisebach: Ein Ausgangspunkt war meine Faszination für das Genre. Ich bin damit als kleines Mädchen groß geworden, habe fast Heimweh nach

diesem Genre. Das ist ja auch ein bittersüßer Moment: Ich habe mir diese Filme als Mädchen angekuckt und mich zwar einerseits mit den Helden identifiziert, die da in den Sonnenuntergang reiten, was erleben und sich selbst verwirklichen konnten. Und gleichzeitig ist man als Mädchen natürlich ausgeschlossen aus diesem sehr männlichen Gerne. Ich wollte diesen einsamen Männerfiguren näherkommen, auch dem, was sie inhaltlich tragen müssen. Als Kraft, als kreatives Moment, aber auch als Bürde, die diese Einsamkeit sein kann. Es sind auch die Themen, die im Western verhandelt werden, sehr spannend. Das ist oft ein Setting, in dem sich Gesellschaft konstruiert, sich die Frage stellt, Fortsetzung nächste Seite

Die Wahl der Filme, denen Grisebach

in dieser Carte blanche ihre Reverenz erweist, ist überraschend. Es ist ein waschechter, wenn auch bereits revisionistischer Western darunter („The Gunfighter“ von Henry King), ein Melo über die Ungewissheiten des Heranwachsens („Passe ton bac d’abord“ von Maurice Pialat) und ein frühes Glanzlicht der tschechischen Neuen Welle. Die Auswahl löst keine Bringschuld der Cineastin ein, sondern folgt einer frei schwebenden Assoziation. Es sind Zuordnungen möglich (ihr Debüt „Mein Stern“ mit Pia­lats

Liebesgeschichte mit Laiendarstellern: Grisebachs „Sehnsucht“, 2006

Film), auch werden Verwandtschaften sichtbar – etwa der Blick für bezeichnende gestische Details, den Grisebach mit Forman gemeinsam hat. In der Zusammenstellung zeigt sich jedoch noch eine tiefschürfendere Symmetrie. Alle sechs Filme spielen in engen Wel-

ten, verhandeln aber deren Möglichkeit zur Öffnung und Durchlässigkeit. Man mag fast von Stammeszugehörigkeit sprechen. Die deutschen Gastarbeiter hissen in Grisebachs „Western“ in Bulgarien immerhin die schwarz-rot-goldene Flagge. Da hätte man eher an einen Ford-Film als Gegenstück gedacht, aber dessen Vorstellung von Heimat und Geborgenheit muss eine Gegenwartsregisseurin nicht teilen. Umso erstaunlicher ist der gewährende, faszinierte und aufgeklärte Blick, den sie markanten Männerfiguren schenkt. Gewiss würde sie nie behaupten, der charismatische Montagearbeiter Meinhard sei ein Nachfahre des Revolvermannes, den Gregory Peck bei King verkörpert. Dennoch tragen beide eine biografische Last der Gewalt mit sich und erleben die Einsamkeit in der Fremde als ethische Erfahrung. Die Kühnheit der Regisseurin zeigt sich

vielmehr in der Entschiedenheit, mit der sie mythische Strukturen im Erzählgestus des Sozialrealismus aufspürt. „Sensucht“ ist ihre Romeound-Julia-auf-dem-Dorfe-Variante, inklusive einer beherzten Legendenbildung am Schluss. Valeska Grisebach entdeckt wahrhafte Romantik in Milieus, in denen sie andere Filmemacher nie vermuten würden. GER HAR D MIDDING

Die einzelnen Termine zum Special Duell im Osten finden Sie im Programmteil

Revisionistischer Western mit Gregory Peck (r.): „The Gunfighter“, 1950


F A L T E R    V i e n n a l e 1 7 Fortsetzung von Seite 7

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inwieweit man Verantwortung übernehmen möchte. Einerseits träumt man von Freiheit und Unabhängigkeit, andererseits möchte man nach Hause kommen, in der Masse untergehen, ganz klein sein. Deshalb stand am Anfang erstmal „Western“ drauf, weil ich immer mit einem Thema anfange. Das war ein bisschen wie ein kleiner Tanz mit dem Genre, eine Reflexion. Am Ende hab ich mir gedacht, der Titel muss weg, und alle haben gesagt: Nein, der Titel muss bleiben. Am Anfang steht eine Idee und kein Drehbuch – gibt’s das dann am Ende? Grisebach: Ich hab schon einen Text, das ist eigentlich eine Art Treatment, manchmal gibt’s nur eine Zeile zu einer Szene, manchmal drei Seiten. Dieses Drehbuch kriegen die Darsteller nie. Ich versuche immer alles verbal zu verhandeln. Auch Dialoge werden erzählt, da kommt wieder etwas zurück. Natürlich nicht nur während der Dreharbeiten sondern auch schon vorher. Ich find’s ganz toll, wenn sich die Geschichte vom Papier löst, wenn man merkt: Das ist in Bewegung. Was sind denn Ihre Lieblingswestern? Grisebach: Einer, der mich begleitet hat, ist sicher „Winchester ’73“ von Anthony Mann. Da spielt James Stewart einen normalen Farmer, der unterwegs ist, um Rache zu nehmen, weil sein Bruder den Vater umgebracht hat. Da gibt es so einen tollen Moment abends am Lagerfeuer, wo ihn sein Kumpel fragt: Kannst du überhaupt noch zurück in dieses normale Leben, Kühe melken und so? Nach diesem Unterwegssein und die-

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ser Fantasie von Rache? Von dieser Diskrepanz handelt der Western oft. Es gibt auch tolle Feiglinge. Das sind für mich immer aufregende Figuren: Einerseits der Traum, wer wäre ich gerne, und andererseits, wie man durch seine Taten definiert wird. Wie lief der Dreh in Bulgarien? Grisebach: Es war super, da zu drehen. Mich macht das ja eher nervös, wenn alles perfekt geplant ist. Da hab ich dann immer das Gefühl, ich muss ein bisschen Chaos stiften. In Bulgarien war das gar nicht notwendig, denn die Leute sind es gewohnt, dass man im Alltag improvisieren muss. Wann war klar, ob und wie brutal der Film wird? Bei einem Titel wie „Western“ hätte ja auch das ganze Dorf ausgerottet werden können ... Grisebach: Das hat mich wirklich lange beschäftigt. Es gibt natürlich auch immer die Erwartung von der Auflösung am Ende oder dem klassischen Duell, der Gewalt. Aber man kann ja auch über Konflikte, über Aggressionen mit Leuten in Kontakt treten. Manche Leute tun das nur so. Ich hab mir gedacht, wenn man das als eine Form von Kommunikation sieht: Was sind dann seine Möglichkeiten an Nähe? Am Ende hat mich das am meisten interessiert. F Julia Pühringer ist Redakteurin des Fernsehmagazins Tele. Für den Falter interviewt sie Filmstars und Regisseure auf den Festivals von Berlin und Cannes Gartenbau: So, 29.10., 18 Uhr (OmU) Urania: Do, 2.11., 11 Uhr (OmenglU)

Ich bin als Mädchen mit Western groß geworden, habe fast Heimweh nach diesem Genre VALESKA GRISEBACH

Foto: STADTKINO

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Schauplatz ist eine psychiatrische Anstalt in Lyon, die Anhörungen der Patienten durch Juristen stehen im Mittelpunkt von Depardons neuem Film

Das Wort und die Bewegung Mit „12 jours“ setzt Raymond Depardon seine Auseinandersetzung mit der Psychiatrie fort BEFUND: GERHARD MIDDING

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ine gute Fotografie, meint Raymond Depardon, ist eine, die beim Betrachten kein Gefühl von Scham und Peinlichkeit erzeugt. So etwas sagt sich nicht leicht. Den Fotografen und Filmemacher hat diese Erkenntnis Jahrzehnte des Versuchens und Zweifelns gekostet. Wenige seiner Kollegen verwenden so große Mühe darauf, sich Rechenschaft abzulegen über die eigene Arbeit, wie er. Zu seiner Definition eines guten Fotos gelangte er, als er sich 14 Jahre nach seinem ersten Besuch in der psychiatrischen Anstalt San Clemente für die Sendereihe „Contacts“ noch einmal die Kontaktabzüge von damals anschaute. Seinerzeit wurde ihm vorgeworfen, er sei zu weit weg in seinen Fotos, sei nicht eingetaucht in die Welt dieses ehemaligen Klosters, das auf einer Insel vor Venedig liegt. 1977 hat sich auch in Italien die Antipsychiatriebewegung formiert, die auf Öffnung, Emanzipation und Rückführung in die Gesellschaft drängte. Der Vorwurf der zu großen Distanz traf ihn tief.

Gerhard Midding, freier Filmkritiker und Übersetzer in Berlin, schreibt u.a. für Berliner Zeitung, Die Welt, epd-Film und Falter

Fotos: Viennale

Urgences Metro/Historischer Saal: Fr, 20.10., 11 Uhr Drei Jahre später kehrte er, diesmal mit der (OmU)

Filmkamera, nach San Clemente zurück. Zu Beginn des Films wartet er geduldig mit einer heimkehrenden Patienten, eingelassen zu werden. In langen, mit Handkamera in grobkörnigem Schwarzweiß gedrehten Plansequenzen erkundet er nun dieses Refugium der Verwirrung und Verzweiflung. „Schämen sie sich!“ beschimpft ihn ein behandelnder Arzt, der sich von der Kamera gestört fühlt. Einmal belegt ihn eine Patientin mit einem Fluch. Es sind intime Momente, die er hier erbeutet, die Kamera dringt mannigfach in Privatsphären ein. Dennoch schenken viele Patienten dem Filmemacher

San Clemente Stadtkino im Künstlerhaus: Mo, 23.10., 15.30 Uhr (OmenglU) 12 jours Stadtkino im Künstlerhaus: Sa, 21.10., 21 Uhr Gartenbau: Di, 31.10., 13 Uhr (OmenglU)

ihr Vertrauen. Dieser Ort schließt auch die Poesie nicht aus. Acht Jahre nach „San Clemente“ dreht Depardon erneut in einer psychiatrischen Abteilung, diesmal im Hôtel-Dieu auf der Seine-Insel in Paris. „Urgences“ entsteht weitgehend in der Notfallambulanz. Die Szenen, die er filmt, sind heftiger. Die Arten von Wahn und Verletzung, die er hier einfängt, verlangen einen anderen, rohen filmischen Rhythmus. Hat er nun den richtigen Abstand gefunden? Die Erlebnisse in beiden Kliniken verfolgen ihn; sie spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Depardons Essay „Irrfahrt“, der seit dem letzten Jahr in einer exzellenten deutschen Übersetzung vorliegt. In seinem neuen Film wiederum nähert er sich dem Thema aus einer vermeintlich anderen Perspektive. Der Titel „12 jours“ nimmt Bezug auf eine Gesetzesnovelle, die 2013 in Kraft trat und vorschreibt, dass der Zustand von unfreiwillig festgesetzten Psychiatriepatienten innerhalb von zwölf Tagen nach ihrer Einlieferung (und danach im Abstand von jeweils sechs Monaten) juristisch geprüft werden muss. Hier wird eminent Privates, Vertrauliches preisgegeben. Die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten bleiben dadurch gewahrt, dass ihre Namen geändert wurden. Das ist die juristische Voraussetzung für Depardons Vorhaben. Eine ungleich wichtigere ist der geschützte Raum, den er für seine Akteure schafft. Seine Filme sind stets eine Wette gegen die eigene Schüchternheit. Erst die Kamera liefert ihm die Legitimation, sich anderen zu nähern. Vielleicht ist dies das beste Empfehlungsschreiben für einen Dokumentarfilmer: Indem er sein Gegenüber spüren lässt, wie sehr er die eigene Zurückhaltung überwinden muss, signalisiert er, dass er mit ihm einen Vertrag der Achtsamkeit und des Respekts schließt.

Sein Drehort ist eine psychiatrische Anstalt in Lyon, die die Kamera regelmäßig in ruhigen Suchfahrten erkundet. Im Zentrum stehen die Anhörungen mehrerer Patienten durch zwei Richterinnen und zwei Richter. Zugegen ist deren Rechtsbeistand, zuweilen ein Angehöriger des Klinikpersonals oder gesetzlicher Vormund. „12 jours“ hält sich strikt an dieses Erzähl-

prinzip, das er indes auflockert durch Impressionen aus dem Alltag weiterer Patienten, die sich verstört in der Klinik und deren Außenbereichen bewegen. Diese Passagen schaffen ein beinahe lyrisches Gegengewicht zum juristischen Prozedere; Ale­xandre Desplats Musik verleiht ihnen ein zunächst fast idyllisches Flair, in das sich zusehends Aufruhr mischt. Wie „San Clemente“ hat Depardon auch diesen Film im Winter gedreht, was atmosphärisch wie metaphorisch bedeutsam ist. Auch der Wechselrhythmus von Gespräch und Bewegung prägt den neuen Film. Die Anhörungen besitzen große, unaufdringliche Theatralität. Die Patienten stehen beredsam und lebhaft für sich ein. Ihre Erzählungen sind für sie selbst kohärent (mitunter auch für den Zuschauer), die Deutungen ihrer Situation verstiegen, aber auch komplex und poetisch. Die Juristen geben sich zuvorkommend korrekt, versuchen geduldig, die wahnhafte Logik ihrer Gesprächspartner zu durchbrechen. Kein „Fall“ gleicht dem anderen. Aber gleichviel, ob die Patienten zur Einsicht gelangen oder Widerstand leisten, ist der Ausgang der Anhörungen unweigerlich derselbe: Keiner ist für das Leben draußen bereit. Die Utopien der Antipsychiatrie sind erloschen. Depardons Empathie ist es nicht. Sein Blick scheint nüchtern, aber dem großen Thema seines Kinos kann er sich nicht verschließen: dem Schmerz. F


F A L T E R    V i e n n a l e 1 7 Ansatz, wenn er sie zum Vorbild filmischen Gestaltens nimmt, und erklärt: „Ich glaube, das Kino, das bleiben wird, ist das Kino der Poesie und nicht das des Geschichtenerzählens.“ Von der Fotografie kann der Filmemacher lernen, sich vom Druck, im Kino Geschichten erzählen zu müssen, zu befreien. In werkbiografischer Hinsicht kann „24 Frames“ als der radikalste Film von Kiarostami angesehen werden, er schafft damit auch eine Brücke zur ästhetischen Haltung experimenteller Filmkünstler, die sich dezidiert für die non-narrativen Formen des bewegten Bildes aussprechen und gegen das (kommerzielle) Erzählkino und gegen seine Aktionsbilder opponieren.

KRITIK: RAMÓN REICHERT

D

ie Fotografie hatte immer schon einen besonderen Stellenwert im künstlerischen Schaffen von Abbas Kiarostami. Bereits als er 1960 an der Fakultät der schönen Künste der Universität Teheran Malerei und Grafik studierte, begann er, Stillleben und Landschaften zu fotografieren. Nach der iranischen Revolution 1979 nutzte der arbeitslose Filmemacher eine billige Yashica zur Bildforschung für zukünftige Filmarbeiten und persönliches Ausdrucksmittel: „Damals fing ich zu fotografieren an. Wir hatten viel Freizeit, denn wegen der Revolution konnten wir keine Filme machen, und waren sehr deprimiert. Also sind wir aus der Stadt raus, um unsere Depressionen zu überwinden“ (Arsalan Mohammad, „A Conversation with Kiarostami“, 2009).

Rahmung und Bildwerdung

Ästhetischer Blickwechsel Als sein filmisches Œuvre anwuchs, wurde es für ihn und sein Umfeld immer deutlicher, dass seine Fotogra­fien nicht nur Hilfsinstrument für die Vorarbeit am filmischen Werk sind, sondern eine eigenständige künstlerische Ausdrucksform darstellen. Die Bildmotive der öffentlich ausgestellten Werkgruppen „Snow White“ (1978–2004) und „Rain and Wind“ (2007) zeigen Serien von einsamen, menschenleeren Landschaften, die in starken Hell-Dunkel-Gegensätzen eine Gegenwelt zu harmonischen Mensch-Natur-Darstellungen ausbreiten. Diese in der Fotografie gefundene Ästhetik des von Handlungen entleerten Bildraums sah Kiarostami als großes Potenzial für die Weiterentwicklung des Films. Abbas Kiarostami – 1940 in Teheran geboren und letztes Jahr am 4. Juli in Paris verstorben – zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Filmemachern. Er beeinflusste mit seinem filmischen Werk nicht nur eine Generation jüngerer iranischer Regisseure, sondern wurde auch mit seinen Fotografien, Videoarbeiten und Gedichten weltweit bekannt. In formaler Hinsicht besteht sein letzter Film „24 Frames“ ausschließlich aus fotografischem Material. Kia­ rostami wählte 20 Bilder seiner Fotosammlung aus und bearbeitete diese drei Jahre lang gemeinsam mit einem Team von iranischen Technikern. Dabei verwendete er digitale Technologien, 3-D-Inserts und Green Screens, um die Bildspeicher der Vergangenheit mit zusätzlichen Bildeffekten aufzuladen. In einem Interview aus dem Jahr 2000 erklärte er, dass nicht der Film, sondern eigentlich die Fotografie die von ihm bevorzugte Kunstform ist, weil er sich mit ihr vom Zwang lösen kann, Geschichten zu erzählen. Seine poetisch aufgeladenen Fotogra­fien verdeutlichen seinen antinarrativen

Stiller Aufbruch Abbas Kiarostamis letzter Film entzieht sich dem Erzählkino durch „24 Frames“

„24 Frames“ kann als medienreflexive Neuausrichtung für ein Kino der Kontemplation verstanden werden, in welchem die Bildstille vorherrschend ist – auch wenn die Übergänge zwischen stehendem und bewegtem Bild eine Art Bildwerdung in Gang setzen. 24 Bilder pro Sekunde gelten heute als eine Chiffre für den wirklichkeitsnahen Realitätseindruck des Kinos. Das Konzept von „24 Frames“ besteht hingegen darin, die Selbstverständlichkeit der Bewegungsillusion im Kino infrage zu stellen und die digitalen Bedingungen der filmischen Bildwerdung erfahrbar zu machen. So gesehen sind „24 Frames“ und das gesamte Filmschaffen von Kiarostami grundsätzlich dazu da, „den Blick in Bewegung zu bringen und die Augen zu öffnen“ (Jean-Luc Nancy, „Evidenz des Films“). Es handelt sich also um einen Film, der sich mit den visuellen Bedingungen des Bildes, der räumlichen Rahmung und der zeitlichen Momentfixierung auseinandersetzt. Eine Einstellung zeigt ein geöffnetes Fenster, das den Blick auf Bambuspflanzen rahmt. Das filmische Konzept der kontemplativen Bildreflexion und das Spiel mit dem Bild im Bild ist sicherlich auch inspiriert vom großen japanischen Filmemacher Ozu Yasujirō, dem Kiarostami mit „Five“ (2003) eine filmische Hommage gewidmet hat. Die hier aufgezeigten Neuordnungen des visuellen Materials in „24 Frames“ integrieren die Praktiken der Sichtbarmachung und des Sehens direkt in das Bild. In diesem kontemplativen Spannungsverhältnis kann sich der Betrachter mit den Rahmungsprozessen von Bild und Sichtbarkeit im Kino auseinandersetzen und ausloten, was ein Bild zum Bild macht. F Ramón Reichert, Kulturwissenschaftler und Medientheoretiker, lebt in Wien. Herausgeber vieler Bücher, u.a. zum „Kulturfilm im ‚Dritten Reich‘“ oder „Big Data: Analysen zum digitalen Wandel von Wissen, Macht und Ökonomie“

Kiarostami thematisiert in „24 Frames“ eine filmisch gewordene Realität mithilfe umsichtiger Bildreflexion und kunsthistorischer Vor-Bilder

Metro/Pleskow-Saal: Di, 31.10., 15.30 Uhr Urania: Do, 2.11., 18.30 Uhr (ohne Dialog)

FotoS: CG CINÉMA

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FALTER

Radio

Der PoDcast mit raimunD Lรถw FALTER-Redakteurinnen und -Redakteure diskutieren jede Woche die interessantesten Geschichten der aktuellen Ausgabe und bieten Einblicke in ihre Arbeit.

Jeden Donnerstag unter: www.falter.at/radio


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F A L T E R    V i e n n a l e 1 7

Talking Heads beim Slapstick-Funk-Tanz in Stehlampenlicht und Big Suit: Jonathan Demmes Konzertfilm „Stop Making Sense“, 1984

Fragen, Funk und Flaschenwurf Live During Showtime: Musikdokus über Rotten, Rocker, schimpfende und Talking Heads aller Art

D

oes anybody have any questions?“ Diese Popkonzert-untypische Frage richtet TalkingHeads-Sänger David Byrne nach dem Song „Life During Wartime“ ans Publikum. Den Fragen kommst du nicht aus: Wenn sich keine stellen, kommt einer und fragt nach Fragen, in diesem kanonischen Konzertfilm von 1984, verdichtet aus drei Talking-HeadsShows in Los Angeles unter dem Titel „Stop Making Sense“. Auch das Sinn-Machen hört nicht auf, es treibt immer neue Formblüten: vom Intro „Psycho Killer“ (nur Byrne mit Gitarre und Boombox) übers allmähliche Hinzukommen der Band und Tourmusiker zum Slapstick-Funk-Tanz in Stehlampenlicht und Big Suit bis zum Al-Green-Cover „Take Me to the River“. Seit langem zeigt die Viennale gern Pop- und Rock-Dokus. Für deren 2017er-Auswahl ist der TalkingHeads-Film ein guter Stichwortgeber bzw. Fragen-Aufwerfer. Zum einen ist Abschied zu nehmen: vom heuer verstorbenen Jonathan Demme, dem ­Regisseur von „Stop Making Sense“, dessen andere Filme (u.a. „Das Schweigen der Lämmer“) ähnlich kontraststark in der Optik und bestechend im Soundtrack waren; und von Chuck Berry, der ebenfalls 2017 von uns ging. In der Konzert-Doku „Hail! Hail! Rock ’n’ Roll“ von 1987 treten Adep ten seiner Gitarre-Pioniertaten wie Linda Ronstadt, Keith Richards und

In memoriam Chuck Berry: „Hail! Hail! Rock ’n’ Roll“, 1987

Lennons Sohn Julian mit ihm auf; andere, etwa Bruce Springsteen, bekunden, wie wichtig Berry ihnen ist. Darin kommen zwei weitere Momente zum Ausdruck, die im TalkingHeads-Film verdichtet sind. Zum einen die Begegnung von „schwarzen“ und „weißen“ Musikkulturen und mit ihnen verknüpften Historien und Projektionen, zumal die Adaption von Black-Music-Avantgarden durch lernfähige Whiteys. (Macht-)Verhältnisse zwischen ethnisierten Gruppen und Poetiken, Aneignung, schließlich Verbeugung vor einer Herkunft – der Versuch, hier spielend Gemeinschaft zu erzeugen, gelingt selten so fraglos funky wie in „Stop Making Sense“: vier stadtneurotische Stamm-TalkingHeads in den Grooves der AfricanAmerican-Tour-Band, ein Ineinander jeweiliger Intelligenzen und Zuckungen. Das ist ein Schein von Zusammensein, aber einer mit Sinn (und der hört nicht auf ).

Aus dem Pub in die O2-Arena: „Bunch of Kunst“, ein Film über die Sleaford Mods

In schlechteren Fällen sind Musikdokus Anhäufungen sprichwörtlicher talking heads: Leute beim Reden. Oft scheint da die irrelevante Frage impliziert, ob denn der Gegenstand dieser Doku überhaupt wichtig ist, und diverse Promis und Befugte sagen Ja, deklarieren im Archivschnipselgewitter nach Retro-TV-Art, dass sie diese Sängerin oder jenen Gitarristen seit jeher urgut finden. Any more questions?

Durchgehechelt: „Rumble: The Indians Who Rocked the World“

In „Rumble: The Indians Who Rocked the World“ etwa ist wohl die Angst mit im Spiel, das kompilierte Material könnte langweilen (also wird es ständig unterbrochen); aber auch der Anspruch, Traditionen der Vermittlung und Fürsprache abzubilden: Charlie Sexton erzählt, wie sich die Stones 1965 freuten, ihr Vorbild Howlin’ Wolf als Showgast zu haben, der seinerseits den Blues eines Charley Patton weiterspielte. Never stop making sense (wobei: Musiker und Rockjournalisten sind oft öde Erzähler). „Rumble“ ist benannt nach Link Wrays tollem Instrumental von 1958 (no talking, all riffing – und, ja eh: „Pulp Fiction“). Die Doku listet auf, hechelt durch, vermittelt aber ein stilistisch wie politisch dynamisches Bild der Kultur von ­North American Natives; dies anhand der Verflechtung von Kolonialund Sklavereigeschichte mit heutigem Landraub, anhand von Folk-Aktivistin Buffy Sainte-Marie oder Metal-Po­ werdrummer Randy Castillo. Keine Fürsprecher brauchen PiL – Public Image Ltd., die Band die John(ny) Lydon/Rotten 1978 nach den Sex Pistols gründete (neben den Talking Heads der andere Blueprint rezenter Postpunk-Revivals): Das Küchengespräch mit dem eitlen Meister, der in „The Public Image Is Rotten“ mit Bier, Tschick & Wampe Abtrünnige abwatscht, ist schon Drama genug. Und dann erst die Bilder der frühen Jahre von PiL!

Fotos: Viennale

POPKINOKRITIK: DREHLI ROBNIK


V i e n n a l e 1 7    F A L T E R   Die (Post-)Punk-Historie mit ihren Eruptionen und Eroberungen, Tarnungen und Toten hat heute eine Medienergiebigkeit und -präsenz wie früher der Zweite Weltkrieg – endlose Entladung, Life During Wartime. Und: Auch PiL waren (ein oft vernachläs-

»

Dass in all den Pop- und Rock-Dokus der Viennale heuer Frauen peripher bleiben ... any questions?

Foto: Viennale

DR. ROBNIK

sigter Aspekt) Teil der großen Punky-Reggae-Party, zumal ihre am Dub orientierten Bässe und Soundscapes. Dazu Fragen aus dem Publikum? Nein, nur Flaschen: Zur PiL-Folklore zählt die Kriegsanekdote vom Flaschenwurf anno 1986 aus der Menge ins Gesicht von Gitarrist John McGeogh; Ort des Geschehens – die Doku nennt ihn nicht, aber ich war dort – war ein Wiener Donauinsel-Open-Air. Es war ein Doppler. (Ich war’s nicht.) Schließlich die einzige Doku zu einem derzeit echt existierenden Act: Intim, entspannt und schön kadriert,

zeigt „Bunch of Kunst“ das ElectroPunk-Duo Sleaford Mods beim Aufstieg vom Pub in Nottingham zur O2-Arena 2015. Funky Zucken, auch schimpfender Sprechkopf, Shakespeare-Drama und Singsang wie bei Lydon – oder Mark E. Smith –, Anrufung plebejisch-antikapitalistischer Traditionen bis zurück zum Punk: Im Minimal Sound der zwei Endvierziger kommt viel zusammen; selbst Blackness als Spur von Hip-Hop in einer Artikulation von Working Class ­White Riot, die sich in wütendem Dialekt, aber antinationalistisch geriert. In Zeiten gezielter Zerschlagung von Res-

ten an Solidargesellschaft – Life During Wartime – wirkt das selbsterklärte beating people up verbally der ­Sleaford Mods erstaunlich selbstreflexiv, burschikos mit Bier, aber nicht macho. (Dass in all den Dokus Frauen peripher bleiben ... any questions?) Selbst dass ein A-Promi zwecks Wichtigkeitsbeweis antritt, hat hier Charme: Mit Lesebrille rezitiert Iggy Pop eine Textpassage der Band darüber, wie man beim Gesichtsbadtermin im Haus eines Kunstsammlers in dessen Klo wichste. F Drehli Robnik ist Theoretiker in Sachen Film und Politik, Autor von Büchern über Rancière, Siegfried Kracauer und Kontrollhorrorkino Die Termine der einzelnen Filme finden Sie im Programmteil

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Traum und Alltag eines Rappers: „Niñato“ von Adrian Orr KRITIK: MARTIN NGUYEN

iñato ist ein Rapper. Niñato ist aber auch ein alleinerziehender N Vater, der mit Schwester, Eltern und

seinen Kindern unter einem Dach lebt. Nach einem nächtlichen Auftritt folgt die Kamera David, wie Niñato mit bürgerlichem Namen heißt, in die enge Wohnung eines tristen, unwirtlichen Madrids. Draußen ist es noch dunkel und in einer langen stillen Einstellung müht sich David sichtlich ab, die schlaftrunkenen Kinder schulfertig zu bekommen. In Stimme und Gestus brodelt die allen Eltern vertraute jugendliche Ungeduld. Das Dokumentarlangfilmdebüt von Regisseur Adrian Orr ist eine intime Familienchronik des Alltags, die ohne Kommentar und Interviews auskommt. Im Kern steht Davids Hingabe zur Musik und die liebevolle Verantwortung gegenüber seinen Kindern. Beides zeichnet sich durch Beharrlichkeit und Hartnäckigkeit aus. Im Alltag des Aufstehens, Abholens und Aufgabenmachens ringt sich der arbeitslose David ein paar Minuten ab, um an seinen Rhymes und Beats zu feilen. Es bleibt nur der Traum, wenn die Realität ohne Perspektive ist.

Niñato ist arbeitslos und lebt mit seinen Kindern noch bei den Eltern

Eine gehörige Portion Frust schwingt in den Szenen mit, in denen David den Kindern den Wert der Selbständigkeit und die Bedeutung der Schule beizubringen versucht. Schwierig zu akzeptieren, wenn der erwachsene Vater selbst noch im Netz der Abhängigkeit zu Eltern und Schwester steht. Gerade der Jüngste der Familie, Oro, der sich mit Nachdruck der Motiva­ tionslosigkeit hingibt, steht im Mittelpunkt der Konflikte. Am Ende rappt Oro unter der Dusche ausgerechnet die Texte seines Vaters und für einen Moment ist zu erkennen, was Niñato an seine Kinder weitergeben konnte. F Urania: Sa, 21.10., 16.15 Uhr Metro/Pleskow-Saal: Mo, 23.10., 15.30 Uhr (OmenglU)

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n n i w e Ein G Zukunft für die

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F A L T E R    V i e n n a l e 1 7 Techno zum Schauen, Heine als Namensgeber: „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ zeigt Sonja Moonear und Ricardo Villalobos bei der Arbeit

S c h l a f l o s

zwischen Club und Streuobstwiese Romuald Karmakars „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ führt in die elektronische Musik- und DJ-Szene

D

er Film, dessen Titel aus Heinrich Heines Gedicht „Nachtgedanken“ und aus dem Jahr 1844 stammt („Denk ich an Deutschland in der Nacht, / Dann bin ich um den Schlaf gebracht“), führt mitten in die Gegenwart: Es ist die vierte dokumentarische Auseinandersetzung des Regisseurs Romuald Karmakar mit der deutschen elektronischen Musikund DJ-Szene. Seine auch formal hoch konzentrierten, begleitenden Beobachtungen nahmen 2003 buchstäblich am Rande der damals noch in Berlin stattfindenden Love Parade mit dem Dreiakter „196bpm“ ihren Ausgang. Sie erweiterten sich zwei Jahre später zum mitreißenden kleinen Kompendium „Between the Devil and The Wide Blue Sea“. Mit „Villalobos“ rückte 2009 der ebenso gewinnende wie musikalisch maßgebliche, gleichnamige Protagonist ins Zentrum. Und in Ricardo Villalobos’ Studio, das inzwischen Wiedererkennungswert hat, beginnt auch der Prolog zu „Denk ich an Deutschland in der Nacht“. Weitere Begegnungen am Arbeitsplatz Klub, Studio oder Streuobstwiese finden diesmal mit Sonja Moo-

Isabella Reicher ist Filmkritikerin in Wien. Sie arbeitet beim Verleih sixpackfilm und hat u.a. Bücher über Claire Denis und zum Singen und Tanzen im Film herausgegeben

Gartenbau: Fr, 27.10., 23 Uhr (OmU) Stadtkino im Künstlerhaus: So, 29.10., 15.30 Uhr (OmenglU)

near statt – einer Schweizerin, die in den 1990ern in deutschen Technoclubs musikalisch sozialisiert wurde –, mit Roman Flügel, Ata und David Moufang/Move D. Die Filme haben auf vielfältige Weise mitein-

ander zu tun, das „Thema“ – für das sich sonst noch immer kaum ein Dokumentarist interessiert – bildet eine Konstante. Die filmische Vorgangsweise in Bild und Ton wird dezent variiert: Während beispielsweise „Between the Devil and The Wide Blue Sea“ eine immersive Kinoerfahrung bot, bekommen wir Kinopublikum diesmal nicht den Raumklang der Clubsoundanlage ins Kino gespielt, der die Tanzenden bewegt. Vielmehr wird auf der Bild- und auf der Tonebene quasi dekonstruiert: Dadurch wird die Arbeit der DJs noch einmal anders hörbar. Und neben den Innenräumen kommt immer wieder auch die äußere Architektur der Veranstaltungsorte ins Bild: nächtlich bunt beleuchtete Club-Landschaft am Spreeufer, morgendlich verlassenes Festivalgelände in Wales, vor allem aber der Zweckbaucharakter von Riesenhallen, klei-

nen Clubs und Arbeitsräumen, die nach Außen völlig unspezifisch und unrepräsentativ wirken. Dazwischen ein herrlicher Spaziergang mit David Moufang in den Hügeln ober Heidelberg – „immer wenn ich hier spaziere, spazieren die Ohren auch“ –, man ist schnell bei Adam und Eva, im Kino, bei Newton, Hefezellkulturen und im Weltraum. „Wahnsinn, wie die Zeit vorbeirauscht“, sagt er an anderer Stelle einmal. Der Film ist eben auch ein Generationenporträt: Die Männer sind um die 50, Sonja Moonear wird nächstes Jahr 40 Jahre alt. Dieser Umstand bringt Erfahrungen mit sich und erlaubt (individual-)geschichtliche Perspektivierungen, aber nie kommt Nostalgie auf. Schließlich ist die Geschichte noch nicht auserzählt, alle sind noch in ihrem Beruf tätig. Manchmal wackelt die unter ein Zeltdach gezimmerte Bühne samt DJ-Pult so, dass die Nadel unplanmäßig hüpft, dann tänzelt Villalobos aus dem Off ins Bild und sorgt wieder für den Groove. Man hofft, dass auch diese filmische Exkursion hier noch nicht zu Ende ist. F

Fotos: ARDEN FILM

KRITIK: ISABELLA REICHER


V i e n n a l e 1 7    F A L T E R

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Gartenbau: Mo, 30.10., 23 Uhr Stadtkino im Künstlerhaus: Do, 2.11., 20.30 Uhr (OF)

Aliens und Punks in London: eine romantische Science-FictionKomödie mit Ellen Fanning und Nicole Kidman

So ein Punk-Ding mit Herz Neil Gaimans neuer Film heißt „How to Talk to Girls at Parties“, privat hat der Kultautor nichts für wilde Feiern übrig FEATURE: JULIA PÜHRINGER

F o t o S : V I E N N A L E , K y le C assi d y / C C B Y - S A 3 . 0

N

eil Gaiman ist der Meister aller Œuvres. In seinen Comics („Sandman“), Romanen („American Gods“) und Jugendromanen („Coraline“) kämpft er mit zärtlichem Humor, beängstigender Menschenkenntnis und mit oft finsteren Gestalten für, ja, tatsächlich, eine bessere Welt. Seine älteste Tochter hat der Ex-Punk nach einem Transvestiten aus Lou Reeds „Walk on the Wild Side“ benannt. Verheiratet ist er inzwischen mit der Musikerin Amanda Palmer, of Dresden Dolls fame, Crowd-FundingHeldin, Ted-Talkerin, glitzernde Revoluzzerin der Herzen. Beim Interview in Cannes setzt er sich klammheimlich in den finstersten Winkel, man hätte ihn fast übersehen können. Dabei steht Gaiman seit der erfolgreichen Serienadaption seines Romans „American Gods“ viel im Rampenlicht. „Das ist tatsächlich sehr schräg. Nach den Drehbüchern von ‚Good Omens‘, die für die Serienadaption von BBC und Amazon noch anstehen, muss ich wieder einmal rausfinden, wie es ist, einfach nur Autor zu sein.“ Ab wann sind ihm selbst Mädchen nicht mehr wie Aliens vorgekommen? „Ich könnte jetzt natürlich sagen, als ich erwachsen wurde, geheiratet habe, Kinder hatte. Aber ab und zu nimmt mich meine Frau zur Seite und sagt zu mir, ‚Honey, you real­ly don’t speak girl, do you?‘.“ Neil Gaimans Teen-Band hieß Chaos. „Bis wir draufgekommen sind, dass ungefähr 90 andere Bands genauso hießen. Wir haben uns dann in The XXX umbenannt.“ Karriere wurde daraus keine, aber: „Als

ich 16 war, habe ich eine Liste geschrieben. Da stand: Ich möchte Bücher schreiben, Gedichte, ein Album aufnehmen, einen Film machen, eine

Neil Gaiman, 1960 in Porchester, UK, geboren, schreibt Fantasyromane, Comics und Drehbücher für Film und Fernsehen

TV-Serie, eine Folge von ‚Dr. Who‘ schreiben. Jahre später wurde mir klar, dass ich vermutlich alles auf dieser Liste tatsächlich gemacht habe. Jetzt schreibe ich eine neue Liste.“ Ansonsten ist das Leben von Neil Gaiman wenig Rock ’n’ Roll. „Ich liege eher mit einer Tasse heißem Kakao im Bett, als dass ich wild feiere. Andererseits liebe ich es, dass ich mit jemandem verheiratet bin, der viel Party macht. Wir haben eine gute Balance. Als ich jung war, habe ich zu vielen Autoren, die ich verehrt habe, dabei zugesehen, wie sie sich bei dem Versuch, ‚richtige Künstler‘ zu sein, selbst zerstört haben. Mehrere meiner Freunde haben sich zu Tode gesoffen, einer davon wortwörtlich: Seine Leber ist explodiert. Die Leute fragen immer: ‚Als du „Coraline“ geschrieben hast, welche Drogen hast du da genommen?‘ Und ich so: ‚Tee?‘“

zusammenbekommen haben, weil sie mir für die Kurzgeschichte nicht 100 Millionen Dollar zahlen mussten.“ Wie sehr heißt einer Verfilmung zuzu-

stimmen, sich von den eigenen Vorstellungen zu verabschieden? „Das ist wie wenn deine Kinder auf die Uni gehen“, erklärt Neil Gaiman. „Du willst ihnen helfen, ab und zu kommen sie übers Wochenende heim, und dann

fragt man sie: ‚Bist du sicher, dass das Piercing eine gute Idee war?‘. Doch sie haben einfach ihr eigenes Leben. So verhält sich’s auch mit der Kurzgeschichte, die ich geschrieben habe, und dem Film, der daraus gemacht wurde. Ich finde ihn entzückend: eine romantische Science-Fiction-Komödie, ein Punk-Ding mit Herz, das mit keinem anderen Film auf der Welt vergleichbar ist.“ F

Beim jüngsten Film, „How to Talk to

Girls at Parties“, war der Schriftsteller deutlich mehr involviert, als zunächst beabsichtigt. Zwecks Hintergrundinfo brachte er Drehbuchautorin Philippa Goslett allerhand Fundstücke aus der eigenen Jugend, erzählte vom Fanzine-Basteln, davon, The Jam heimlich beim Soundcheck zuzuhören, und zeigte peinliche Fotos her. Das meiste schlug sich direkt im Drehbuch nieder. Schließlich kontaktierte Gaiman auf Empfehlung seiner Frau den Regisseur John Cameron Mitchell, der mit provokanten Filmen wie „Shortbus“ (2006) bekannt wurde: „Ich wollte lieber selbst spannende Leute für die Verfilmung finden, die dafür auch ihr Budget leichter Heuriger Schuebel-Auer_105x135.indd 1

04.10.2017 17:05:07 Uhr


Der Falter-viennale-planer 17 Fr, 20.10. Sa, 21.10. so, 22.10. mo, 23.10. di, 24.10. Mi, 25.10. Do, 26.10. GARTENBAUKINO

13.00 15.30 18.00 20.30

Stadtkino im Künstlerhaus

METRO, PleskowSaal

METRO, Historischer saal

23.00 11.00 13.30 16.00 18.30 21.00 13.00 15.30 18.00 20.30 13.00 15.30 18.00 20.30 23.00

Lucky

(John Carroll Lynch, USA 2017, OmU, 88 min)

Person to Person

(Dustin Guy Defa, USA 2017, OF, 84 min)

The Shape of Water

(Guillermo del Toro, USA 2017, OmU, 119 min)

The Force

Helle Nächte

(Peter Nicks, USA 2017, OF, 93 min)

(Thomas Arslan, D/NOR 2017, OmU, 84 min)

Les Fantômes d’Ismaël

Licht

Wonder Wheel

(Barbara Albert, Ö/D 2017, 97 min)

(Woody Allen, USA 2017, OmU, 101 min)

21.00 Beach Rats

Golden Exits

(Arnaud Desplechin, F 2017, OmenglU, 110 min)

21.00 The Shape of Water (Guillermo del Toro, USA 2017, OmU, 119 min)

23.30 Chaak daan juen ga

(Herman Yau, HK 2017, OmenglU, 119 min)

Urgences

(Raymond Depardon, F 1987, OmU, 105 min)

Appassionate

(Tonino De Bernardi, I 1999, OmenglU, 95 min)

Los globos

(Mariano González, ARG 2016, OmenglU, 65 min)

(Eliza Hittman, USA 2016, OmU, 95 min)

23.30 Patti Cake$

(Geremy Jasper, USA 2017, OmU, 108 min)

Distant Constellation

(Shevaun Mizrahi, USA/TR 2017, OmenglU, 80 min)

13.00 Tara moarta

(Radu Jude, RO 2017, OmenglU, 83 min)

Die Würghand

(Cornelius Hintner, Ö 1920, 75 min)

19.00 Spielfilmfragmente 1 Ksiaze i dybuk (Cornelius Hintner / Emil Justitz, Ö/H 1919, 68 min)

(Elwira Niewiera, Piotr Rosolowski, PL/D 2017, OmU, 82 min)

Ryu san

Becoming Cary Grant

(Sabu, J/HK/CN/TW/D 2017, OmenglU, 129 min)

Bayang ina mo

(Ramona S. Diaz, USA/Philippinen 2017, OmenglU, 94 min)

Purge This Land

(Lee Anne Schmitt, USA 2017, OF, 80 min)

Tara moarta

(Radu Jude, RO 2017, OmenglU, 83 min)

Il verificatore

(Stefano Incerti, I 1995, OmenglU, 81 min)

(Mark Kidel, F 2017, OF, 86 min)

La nuit où j’ai nagé

(Damien Manivel, Kohei Igarashi, F/J 2017, 79 min)

(Alex Ross Perry, USA 2016, OF, 95 min)

Ryu san

(Sabu, J/HK/CN/TW/D 2017, OmU, 129 min)

urania

16.00 18.30 21.00

(Aragno, CH 2017, OmenglU, 7 min)

Grandeur et décadence …

(Godard, F/CH 1986, OmenglU, 92 min)

Félicité

(Alain Gomis, F/SN/B/D/LB 2017, OmU, 123 min)

Hannah

(Andrea Pallaoro, I/B/F 2017, OmenglU, 95 min)

20.00 120 battements par minute (Robin Campillo, F 2017, OmU, 144 min)

6.30 Last Flag Flying

Sansho dayu

(Kenji Mizoguchi, J 1954, OmenglU, 124 min)

Wonder Wheel

(R. Linklater, USA 2017, OF, 124 min)

13.00 Ex libris – The New York Public Library

Dillinger è morto

Good Time

Carnage

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Sea Sorrow

The Nile Hilton Incident

L’Atelier

Grave

Grace Jones: Bloodlight and Bami

(Frederick Wiseman, USA 2017, OmU, 196 min)

(Roman Polanski, F/D/PL/E 2011, OmU, 79 min)

21.15 Downsizing

(Alexander Payne, USA 2017, OF, 135 min)

Le Serpent aux mille coupures

(Laurent Cantet, F 2017, OmenglU, 114 min)

(Sophie Fiennes, GB/IRL/D 2017, OF, 115 min)

Arábia

Kopfstand

13.00 Schule, Schule – Die Zeit nach Berg Fidel

14.00 Sexy Durga

Kurzfilmprogramm 2

Félicité

Donkeyote

Die Frauen des Harry Bricourt

Filme von Jean-Claude Rousseau

La vendedora de fósforos

Kurzfilmprogramm 3

(Jean-Claude Rousseau, F/J 2016/17, 61 min)

Der Rosenkavalier

(Richard Arvay, Ö 1922, 82 min)

Los territorios

19.00 Spielfilmfragmente 2 19.00 Was ist Liebe? (Cornelius Hintner / Hans Homma /

(Leopold Niernberger, Ö 1924, 75 min)

19.00 Orlac’s Hände

Brimstone & Glory

J.W. Bayer, Desider Kertesz, Ö 1922–1924, 60 min)

(Robert Wiene, Ö 1925, 100 min)

(Viktor Jakovleski, USA/MEX 2017, OmenglU, 67 min)

Filme von & mit Günter Peter Straschek

The White Girl

Sollers Point

Readers

(Hella Wenders, D 2017, OmenglU, 88 min)

(Iván Granovsky, ARG/BRA 2016, OmenglU, 93 min)

A l’ouest du Jourdain

(Amos Gitai, F/IL 2017, OmenglU, 84 min)

(Sanal Kumar Sasidharan, IND 2017, OmenglU, 85 min)

(BRD 1967–1972, 58 min)

El mar la mar

(Joshua Bonnetta, J.P. Sniadecki, USA 2017, OmenglU, 94 min)

(Sean Baker, USA 2017, OmU, 115 min)

(F/IL/USA 2016/17, OmenglU, 71 min)

(Alejo Moguillansky, AR 2017, OmenglU, 69 min)

(Jenny Suen, Christopher Doyle, HK 2017, OmenglU, 97 min)

Psycho (Viennale-Trailer 1997) (Martin Arnold, Ö 1997, 1 min)

78/52

(Aragno, CH 2017, OmenglU, 1 min)

Raoul Ruiz, contre l’ignorance fiction!

3/4

Super-8-Filme von Schmelzdahn

Distant Constellation

(Marie Dumora, F 2017, OmenglU, 107 min)

Petit cheminement dans L’Eclipse

Queercore: How to Punk a Revolution

Belinda

(Raúl Ruiz, Valeria Sarmiento, CL 1990/2017, OmenglU, 77 min)

Becoming Cary Grant

(James Benning, USA 2017, 108 min)

Machines

La telenovela errante

(Ann-Carolin Renninge, René Frölke, D 2017, OmenglU, 83 min)

(Matt Porterfield, USA/F 2017, OF, 101 min)

(Robert Wiene, Ö 1926, 108 min)

Donkeyote

✶

(Adrián Orr, E 2017, OmenglU, 72 min)

(USA/GB/D/F 2017, OmenglU, 95 min)

(Chico Pereira, D/E/GB 2017, OmenglU, 86 min)

Filme von Jean-Claude Rousseau

Aus einem Jahr der Nichtereignisse

(Peter Nicks, USA 2017, OF, 93 min)

Ninato

(Alain Gomis, F/SN/B/D/LB 2017, OmU, 123 min)

(Ernst Josef Lauscher, Ö 1980, OmenglU, 102 min)

Ramiro

(A. Philippe, USA 2017, OF, 91 min)

The Force

(Giuseppe M. Gaudino, I/D 1997, OmenglU, 111 min)

(Affonso Uchôa, João Dumans, BRA 2017, OmenglU, 96 min)

(Mark Kidel, F 2017, OF, 86 min)

Libera

(Abel Ferrara, I 2017, OmenglU, 82 min)

(Vanessa Redgrave, GB 2017, OmenglU, 74 min)

The Florida Project

(Quentin Tarantino, USA 2012, OmU, 165 min)

Giro di lune tra terra e mare

Piazza Vittorio

(Tarik Saleh, SWE/D/DK 2016, OmU, 110 min)

(Julia Ducournau, F/B 2016, OmenglU, 99 min)

(Eric Valette, F 2016, OmenglU, 104 min)

Off Frame aka Revolution until Victory

(Pappi Corsicato, I 1992, OmenglU, 85 min)

(Martin McDonagh, USA/GB 2017, OmU, 116 min)

(Benny Safdie, Josh Safdie, USA/LUX 2017, OmU, 100 min)

Django Unchained

(Hella Wenders, D 2011, OmenglU, 88 min)

12.30 King Cohen: The Wild 13.30 Brimstone & Glory World of Filmmaker Larry (Viktor Jakovleski, USA/MEX 2017, Cohen (Steve Mitchell, OmenglU, 67 min) USA/CAN 2016, OF, 106 min) (Mohanad Yaqubi, PAL/F/QA/LB 2016, OmenglU, 62 min)

(Marco Ferreri, I/F 1969, OmenglU, 95 min)

(Woody Allen, USA 2017, OmU, 101 min)

Berg Fidel – Eine Schule für alle

(Jean-Claude Rousseau, F/J 2016/17, 61 min)

(Johann Lurf, Ö 2017, 97 min)

(Shevaun Mizrahi, USA/TR 2017, OmenglU, 80 min)

(Chico Pereira, D/E/GB 2017, OmenglU, 86 min)

(Yony Leiser, USA/D 2017, OmU, 83 min)

(Ilian Metev, BL/D 2017, OmenglU, 82 min)

(Mozos, P 2017, OmenglU, 104 min) (Rahul Jain, IND/D/FIN 2016, OmenglU, 75 min)

(Alejandro Rojo, F 2017, OmenglU, 62 min)

(Schmelzdahn, BRD 1984–1989, 66 min)

Marvin

Milla

Casting

Licht

Ksiaze i dybuk

Los territorios

Piazza Vittorio

Aus einem Jahr der Nichtereignisse

16.00 Los globos

(Mariano González, ARG 2016, OmenglU, 65 min)

Cry Baby, Cry

San Clemente

La telenovela errante

Urgences

3/4

(Ann-Carolin Renninge, René Frölke, D 2017, OmU, 83 min)

Toni [ausgewählt von Peter Nestler]

Antigone [ausgewählt von Klaus Wyborny]

Antonio das Mortes [ausgewählt von Alain Guiraudie] (Glauber Rocha,

Quei loro incontri [ausgewählt von Jean-Claude Rousseau] (Straub/Huillet,

Big Sky [ausgewählt von Bande à part [ausgewählt von The Jean-Marie Straub] Agnès Varda] (Jean-Luc Godard, (Howard Hawks, USA 1952, OF,

Vai-e-vem [ausgewählt von Urbano & Mozos]

F 1964, OmenglU, 95 min)

122 min)

(Joao César Monteiro, P/F 2002, OmenglU, 175 min)

Helle Nächte

Kurzfilmprogramm 1

Tesnota

(Kantemir Balagov, RU 2017, OmenglU, 118 min)

Geu-hu

22.00 A Ghost Story

(Ö 2016/17, 57 min)

Rumble: The Indians Who Rocked the World

Queercore: How to Punk a Revolution

Sanpo suru shinryakusha

A l’ouest du Jourdain

Tragedy Girls

120 Battements par Minute Avant la fin de l’été (Robin Campillo, F 2017, OmenglU, 144 min)

(Maryam Goormaghtigh, F/CH 2017, OmenglU, 80 min)

Cry Baby, Cry

Les quatre soeurs – Le Serment d’ hippocrate

14.30 Les quatre soeurs – Baluty

Les quatre soeurs – La Puce jouyeuse/L’Arche de Noe

Avant la fin de l’été

Belinda

King Cohen: The Wild World of Filmmaker Larry Cohen

(Anne Fontaine, F 2017, OmenglU, 115 min)

(Jean Renoir, F 1935, OmenglU, 84 min)

Person to Person

(Dustin Guy Defa, USA 2017, OF, 84 min)

Olancho

(Christopher Valdés, Theodore Griswold, USA/Honduras 2017, OmenglU, 70 min)

(Valérie Massadian, F/P 2017, OmenglU, 128 min)

(Straub/Huillet, D/F 1992, OF, 99 min)

21.00 12 Jours

(Raymond Depardon, F 2017, OmenglU, 87 min)

Chavela

(Catherine Gund, Daresha Kyi, USA/ MEX/E 2017, OmU, 90 min)

(Nicolas Wackerbarth, D 2017, OmenglU, 91 min)

(Antonin Svoboda, Ö 2017, OmU, 86 min)

BRA/F/BRD 1969, OmenglU, 95 min)

(Thomas Arslan, D/NOR 2017, OmU, 84 min)

Bunch of Kunst – A Film about Sleaford Mods (Christine Franz, D 2017, OmU, 102 min)

11.00 13.30

Promenade dans Le Gai Savoir

(Barbara Albert, Ö/D 2017, OmenglU, 97 min)

(Raymond Depardon, F/I 1980, OmenglU, 102 min)

I/F 2005, OmU, 68 min)

(Catherine Bainbridge, Alfonso Maiorana, CAN 2016, OF, 103 min) (Amos Gitai, F/IL 2017, OmenglU, 84 min)

12.30 A fábrica de nada

(Pedro Pinho, P 2017, OmenglU, 177 min)

Les Fantômes d’Ismaël (Arnaud Desplechin, F 2017, OmenglU, 110 min)

Berg Fidel – Eine Schule für alle

16.15 Ninato

(Hella Wenders, D 2011, OmenglU, 88 min)

(Adrián Orr, E 2017, OmenglU, 72 min)

Schule, Schule – Die Zeit nach Berg Fidel

Casting

(Hella Wenders, D 2017, 88 min)

(Nicolas Wackerbarth, D 2017, OmenglU, 91 min)

Milla

Dimona Twist

(Valérie Massadian, F/P 2017, OmenglU, 128 min)

(Michael Aviad, IL 2016, OmenglU, 71 min)

Beach Rats

(Eliza Hittman, USA 2016, OmU, 95 min)

The White Girl

(Jenny Suen, Christopher Doyle, HK 2017, OmenglU, 97 min)

(Antonin Svoboda, Ö 2017, OmenglU, 86 min)

✶

(Elwira Niewiera, Piotr Rosolowski, PL/D 2017, OmenglU, 82 min)

(Raúl Ruiz, Valeria Sarmiento, CL 1990/2017, OmenglU, 77 min)

(Yony Leiser, USA/D 2017, OmU, 83 min) (Tyler Macintyre, USA 2016, OF, 96 min)

(Claude Lanzmann, F 2017, OmenglU, 89 min)

(Iván Granovsky, ARG/BRA 2016, OmenglU, 93 min)

(Raymond Depardon, F 1987, OmenglU, 105 min)

(Hong Sangsoo, KR 2017, OmenglU, 92 min)

(Claude Lanzmann, F 2017, OmenglU, 64 min)

(Maryam Goormaghtigh, F/CH 2017, OmU, 80 min)

Wo bu shi pan jin lian

La nuit où j’ai nagé

Sans adieu

Machines

21.15 Le Serpent aux mille coupures

Psycho (Viennale-Trailer 1997)

Good Time

Patti Cake$

(Eric Valette, F 2016, OmenglU, 104 min)

(Damien Manivel, Kohei Igarashi, F/J 2017, 79 min) (Martin Arnold, Ö 1997, 1 min)

78/52

(A. Philippe, USA 2017, OF, 91 min)

(Christophe Agou, F 2017, OmenglU, 99 min)

(Benny Safdie, Josh Safdie, USA/LUX 2017, OmU, 100 min)

(Ilian Metev, BL/D 2017, OmenglU, 82 min)

(David Lowery, USA 2016, OF, 92 min)

(Kurosawa Kiyoshi, J 2017, OmenglU, 129 min)

(Johann Lurf, Ö 2017, 97 min)

(Feng Xiaogang, CN 2016, OmU, 139 min)

(Abel Ferrara, I 2017, OmenglU, 82 min)

(Marie Dumora, F 2017, OmenglU, 107 min)

(Rahul Jain, IND/D/FIN 2016, OmenglU, 75 min)

(Geremy Jasper, USA 2017, OmU, 108 min)

(Claude Lanzmann, F 2017, OmenglU, 120 min)

(Steve Mitchell, USA/CAN 2016, OF, 106 min)

Tarpaulins

(Lisa Truttmann, Ö/USA 2017, OmenglU, 78 min)

Promenade dans Le Gai Savoir (Aragno, CH 2017, OmenglU, 7 min)

Grandeur et décadence …

(Godard, F/CH 1986, OmenglU, 92 min)


Alle Termine, alle Kinos auf einen Blick

(Abel Ferrara, I/Ö 2017, 1 min)

(John Carroll Lynch, USA 2017, OmU, 88 min)

fr, 27.10. sa, 28.10. so, 29.10. mo, 30.10. di, 31.10. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

(Martin McDonagh, USA/GB 2017, OmU, 116 min)

Golden Exits

(Alex Ross Perry, USA 2016, OF, 95 min)

Spielfilm  Dokumentarfilm  Kurzfilm  Carmen Cartellieri  Christoph Waltz  Specials  Hans Hurch   Duell im Osten   Napoli! Napoli!

erÖffnung 19.10., 19.30 & 22.30 UHR GARTENBAUKINO Lucky Der Viennale-17-Trailer

Jeannette, l’enfance de Jeanne d’Arc (Bruno Dumont, F 2017, OmU, 115 min)

OF Originalfassung  OmU Originalfassung mit deutschen Untertiteln  OmenglU Originalfassung mit englischen Untertiteln  englOF englische Originalfassung

Mi, 1.11.

It Was Still Her Face

6.30 The Florida Project

Romy – Portrait eines Gesichts

13.00 12 Jours

(Mohammad Rasoulof, IR 2017, OmenglU, 117 min)

Sandome no satsujin

Keul-le-eo-ui ka-me-la

Nelyubov

(Christoph Girardet, D 2017, 8 min) (Syberberg, BRD 1966, 62 min)

(Sean Baker, USA 2017, OmU, 115 min) (Depardon, F 2017, OmenglU, 87 min)

Lerd

Do, 2.11. Sollers Point

(Matt Porterfield, USA/F 2017, OF, 101 min)

Les Amants

L’Insulte

(Ziad Doueiri, F/LB 2017, OmenglU, 113 min)

Überraschungsfilm

The Florida Project

Abschied von den Eltern (Astrid Johanna Ofner, Ö 2017, 80 min)

Western

Tiere

The Master

Sweet Country

(Sean Baker, USA 2017, OmU, 115 min)

Un beau soleil intérieur

Barbara

(Mathieu Amalric, F 2017, OmenglU, 95 min)

21.00 Teheran Tabu

Last Flag Flying

21.00 L’Amant d’un jour

Estiu 1993

19.30 La Villa

(Claire Denis, F 2017, OmU, 94 min)

(Carla Simón, E 2017, OmU, 96 min)

(Robert Guediguian, F 2017, OmU, 107 min)

Denk ich an Deutschland in der Nacht

The Ladies Man

23.15 Stop Making Sense

(Jonathan Demme, USA 1984, OF, 90 min)

Chuck Berry – Hail! Hail! Rock’n’Roll

La Villa

(Jerry Lewis, USA 1961, OF, 95 min)

L’Atelier

Tinselwood

The Gunfighter

Thirst Street

(Henry King, USA 1950, OF, 85 min)

(Nathan Silver, USA/F 2017, OmenglU, 83 min)

Raoul Ruiz, contre l’ignorance fiction!

Filme von Bruce Conner

Shakkei. Geborgte Landschaften

Lerd

(Louis Malle, F 1958, OmenglU, 90 min)

(Romuald Karmakar, D 2017, OmU, 105 min) (Laurent Cantet, F 2017, OmenglU, 114 min)

(Marie Voignier, F 2017, OmenglU, 82 min)

(Valeska Grisebach, D/Ö/BG 2017, OmU, 115 min)

(Ali Soozandeh, D/Ö 2017, OmU, 96 min)

(Hirokazu Koreeda, J 2017, OmenglU, 124 min)

(Greg Zglinski, CH/Ö/PL 2017, OmU, 95 min)

(Richard Linklater, USA 2017, OF, 124 min)

(Hong Sangsoo, KR 2017, OmenglU, 69 min)

(Paul Thomas Anderson, USA 2012, OF, 144 min)

(Philippe Garrel, F 2017, OmenglU, 76 min)

How to Talk to Girls at Parties 23.15 Tragedy Girls (John Cameron Mitchell, USA/GB 2016, OF, 102 min)

(Tyler Macintyre, USA 2016, OF, 96 min)

Dieste [Uruguay]

Kurzfilmprogramm 1

Tornando a casa

(Ö 2016/17, 57 min)

(Vincenzo Marra, I 2001, OmenglU, 88 min)

Barbara

Kurzfilmprogramm 6

Abschied von den Eltern

(Heinz Emigholz, D 2017, 95 min)

Du bist nicht allein – Die Roy Black Story

13.15 Bickels [Socialism]

(Peter Keglevic, D 1997, 96 min)

(Heinz Emigholz, D/IL 2017, OmU, 92 min)

Kurzfilmprogramm 4

Die Strecke

Die Ehe einer Nacht

Mein Stern

(Robert Wohlmut, Ö 1928, 74 min)

(Valeska Grisebach, Ö/D 2001, OmenglU, 65 min)

19.00 Der Balletterzherzog

Streetscapes [Dialogue]

Una ciudad de provincia

19.00 Ein Wiener Musikantenmädel

Off Frame aka Revolution until Victory

(Josef Berger, Ö/D 1928, 66 min)

(Mohanad Yaqubi, PAL/F/QA/LB 2016, OmenglU, 62 min)

(USA/Ö/F/D 2017, OmenglU, 62 min)

(Max Neufeld, Ö 1927, 71 min)

(Mathieu Amalric, F 2017, OmenglU, 95 min)

(Astrid Johanna Ofner, Ö 2017, OmenglU, 80 min)

Sehnsucht

(Valeska Grisebach, D 2006, OmenglU, 88 min)

(Warwick Thornton, AUS 2017, OmenglU, 113 min)

(Taylor Hackford, USA 1987, OF, 120 min)

(Alejandro Rojo, F 2017, OmenglU, 62 min)

(Hartmut Bitomsky, D 2010–17, OmenglU, 175 min)

(Robert Guediguian, F 2017, OmU, 107 min)

(Bruce Conner, USA 1958–1978, OF, 62 min)

(Mohammad Rasoulof, IR 2017, OmenglU, 117 min)

I vesuviani

(Pappi Corsicato, Antonietta de Lillo, Antonio Capuano, Stefano Incerti, I 1997, OmenglU, 123 min)

(Max Neufeld, Ö 1927, 88 min)

(Heinz Emigholz, D 2017, OmU, 132 min)

2+2=20 [The Alphabet]

21.30 Minute Bodies: The Intimate World of F. Percy Smith

Marvin

Tornando a casa

Makala

Sandome no satsujin

En attendant les hirondelles

13.45 Kurzfilmprogramm 5

Minute Bodies: The Intimate World of F. Percy Smith

For Ahkeem

(Jeremy S. Levine, Landon van Soest, USA 2017, OmU, 90 min)

Una ciudad de provincia

Makala

Dimona Twist

(Stuart A. Staples, GB 2016, 55 min)

Sexy Durga

Tarpaulins

24 Frames

Ta peau si lisse

It Was Still Her Face

(Abbas Kiarostami, F/IR 2017, 114 min)

(Denis Côté, CAN/CH 2017, OmenglU, 93 min)

Maman Colonelle

No intenso agora

(Heinz Emigholz, D 2017, OmenglU, 88 min)

Readers

(Stuart A. Staples, GB 2016, 55 min)

(James Benning, USA 2017, 108 min)

(P/MEX/Ö/D/ARG 2016/17, OmenglU, 64 min)

Nothingwood

Sans adieu

(Sonia Kronlund, F/D 2017, OmenglU, 85 min)

(Christophe Agou, F 2017, OmenglU, 99 min)

(Rodrigo Moreno, ARG 2017, OmenglU, 88 min)

(CN/TW/HK/MY 2016/17, OmenglU, 71 min)

(Andrey Zvyagintsev, RU/F/B/D 2017, OmU, 127 min)

(Anne Fontaine, F 2017, OmenglU, 115 min)

(Sanal Kumar Sasidharan, IND 2017, OmenglU, 85 min)

(Vincenzo Marra, I 2001, OmenglU, 88 min)

(Lisa Truttmann, Ö/USA 2017, OmenglU, 78 min)

(Emmanuel Gras, F 2007, OmenglU, 96 min)

(Rodrigo Moreno, ARG 2017, OmenglU, 88 min)

(Hirokazu Koreeda, J 2017, OmenglU, 124 min)

(Emmanuel Gras, F 2007, OmenglU, 96 min)

(Karim Moussaoui, F/DZ/D/QA 2017, OmenglU, 113 min)

(Michael Aviad, IL 2016, OmenglU, 71 min) (Christoph Girardet, D 2017, 8 min)

Romy – Portrait eines Gesichts (Syberberg, BRD 1966, 62 min)

Tinselwood

Making Judith

Journal d’un disparu

Tigmi n Igren

Filme von Bruce Conner

Baronesa

Wo bu shi pan jin lian

Kurzfilme Cohen, Begley Opuntia

Journal d’un disparu

somniloquies

(Emmanuel Ostrovski, Joseph Rottner, F 2017, OmenglU, 69 min)

(Véréna Paravel, Lucien CastaingTaylor, F/GB/USA 2016, OmenglU, 75 min)

Kurzfilmprogramm 4

Gwendolyn

(USA/Ö/F/D 2017, OmenglU, 62 min)

(Ruth Kaaserer, Ö/GB 2017, OmU, 85 min)

Daphne

Kurzfilme Cohen, Begley Opuntia

Lásky jedné plavovlásky

Kurzfilmprogramm 7

12.30 Inglourious Basterds

Denk ich an Deutschland in der Nacht

Baronesa

En attendant les hirondelles

Morte di un matematico napoletano

Tesnota

Trouble in Paradise Man on a Tightrope [ausgewählt von Kelly Reichardt] [ausgewählt von Gastón Solnicki] (Elia Kazan, USA/BRD 1953, OF,

Scrooge [ausgewählt von Jem Cohen]

(Brian Desmond Hurst, GB 1951, OF, 86 min)

El espíritu de la colmena [ausgewählt von Patti Smith]

Au hasard Balthazar [ausgewählt von Tilda Swinton]

(Ernst Lubitsch, USA 1932, OF, 84 min)

Comanche Station [ausgewählt von Hartmut Bitomsky] (Budd Boetticher, USA

(Victor Erice, E 1973, OmU, 97 min)

(Robert Bresson, F/SWE 1966, OmenglU, 94 min)

Petit cheminement dans L’Eclipse

20.45 Vito e gli altri

L’uomo in più

How to Talk to Girls at Parties

(Marie Voignier, F 2017, OmenglU, 82 min)

(Juliana Antunes, BRA 2017, OmenglU, 70 min)

(Klaus Lemke, D 2017, OmenglU, 80 min)

(Feng Xiaogang, CN 2016, OmenglU, 139 min)

Estiu 1993

Passe ton bac d’abord ...

(Carla Simón, E 2017, OmU, 96 min)

(Maurice Pialat, F 1978, OmenglU, 86 min)

La vendedora de fósforos

L’amore molesto

(Alejo Moguillansky, AR 2017, OmenglU, 69 min)

105 min)

(Mario Martone, I 1995, OmenglU, 103 min)

(Emmanuel Ostrovski, Joseph Rottner, F 2017, OmU, 69 min)

(David Fenster, USA/MEX/E 2017, OmenglU, 56 min)

(Peter Mackie Burns, GB 2017, OF, 87 min)

(Romuald Karmakar, D 2017, OmenglU, 105 min)

(Tala Hadid, MA/QA 2017, OmenglU, 86 min)

(David Fenster, USA/MEX/E 2017, OmenglU, 56 min) (Juliana Antunes, BRA 2017, OmenglU, 70 min)

1960, OF, 74 min)

(Bruce Conner, USA 1958–1978, OF, 62 min)

(Milos Forman, CSSR 1965, OmenglU, 75 min)

(Karim Moussaoui, F/DZ/D/QA 2017, OmenglU, 113 min)

Faa yeung nin wa [ausgewählt von Ed Lachman]

(Wong Kar-wai, HK/CHN 2000, OmU, 98 min)

(Dieudo Hamadi, F/Kongo 2017, OmenglU, 72 min)

(IND/USA/THAI/CH 2016/17, OmenglU, 93 min)

(Mario Martone, I 1992, OmenglU, 108 min)

(Joao Moreira Salles, BRA 2017, OmenglU, 127 min)

(Quentin Tarantino, USA/D 2009, OmU, 153 min)

(Kantemir Balagov, RU 2017, OmenglU, 118 min)

Nothingwood

(Sonia Kronlund, F/D 2017, OmenglU, 85 min)

Bamui haebyun-eoseo honja Luna rossa

Ramiro

(Hong Sangsoo, KR 2017, OmenglU, 101 min)

(Antonio Capuano, I 2001, OmenglU, 116 min)

Making Judith

Chaak daan juen ga

The Public Image Is Rotten

23.30 Arábia

Grave

Keul-le-eo-ui ka-me-la

A Ghost Story

Un beau soleil intérieur

Sweet Country

(Warwick Thornton, AUS 2017, OmenglU, 113 min)

Big Eyes

Teheran Tabu

L’Amant d’un jour

Western

(Claire Denis, F 2017, OmU, 94 min)

Hannah

Geu-hu

Kurzfilmprogramm 5

The Nile Hilton Incident

Tigmi n Igren

Give Me Future

13.45 Grace Jones: Bloodlight and Bami

(Aragno, CH 2017, OmenglU, 1 min)

(Mozos, P 2017, OmenglU, 104 min) (Klaus Lemke, D 2017, OmenglU, 80 min)

(David Lowery, USA 2016, OF, 92 min)

(Andrea Pallaoro, I/B/F 2017, OmenglU, 95 min)

Nelyubov

(Andrey Zvyagintsev, RU/F/B/D 2017, OmU, 127 min)

Bayang ina mo

(Ramona S. Diaz, USA/Philippinen 2017, OmenglU, 94 min)

Jeannette, l’enfance de Jeanne d’Arc (Bruno Dumont, F 2017, OmU, 115 min)

(Herman Yau, HK 2017, OmenglU, 119 min)

(Hong Sangsoo, KR 2017, OmenglU, 92 min)

Maman Colonelle

(Dieudo Hamadi, F/Kongo 2017, OmenglU, 72 min)

(Tabbert Fiiller, USA 2017, OF, 104 min)

(P/MEX/Ö/D/ARG 2016/17, OmenglU, 64 min)

Ex libris – The New York Public Library

(Frederick Wiseman, USA 2017, OmU, 196 min)

Jeune femme

(Peter Mackie Burns, GB 2017, OF, 87 min)

(Tim Burton, USA 2014, OmU, 107 min)

(Tarik Saleh, SWE/D/DK 2016, OmU, 110 min)

Ta peau si lisse

(Denis Côté, CAN/CH 2017, OmenglU, 93 min)

(Julia Ducournau, F/B 2016, OmenglU, 99 min)

(Ali Soozandeh, D/Ö 2017, OmenglU, 96 min)

(Tala Hadid, MA/QA 2017, OmenglU, 86 min)

(Paolo Sorrentino, I 2011, OmenglU, 100 min)

(John Cameron Mitchell, USA/GB 2016, OF, 102 min)

(Hong Sangsoo, KR 2017, OmenglU, 69 min)

(Philippe Garrel, F 2017, OmenglU, 76 min)

(Austin Peters, USA/Kuba 2017, OmenglU, 82 min)

(Valeska Grisebach, D/Ö/BG 2017, OmU, 115 min)

(Sophie Fiennes, GB/IRL/D 2017, OF, 115 min)

El mar la mar

Tiere

For Ahkeem

Jeune femme

Gwendolyn

19.00 A fábrica de nada

L’Insulte

24 Frames

(Joshua Bonnetta, J.P. Sniadecki, USA 2017, OmenglU, 94 min)

(Ruth Kaaserer, Ö/GB 2017, OmU, 85 min)

(Léonor Sérraille, F 2017, OmenglU, 97 min)

Daphne

(Affonso Uchôa, João Dumans, BRA 2017, OmenglU, 96 min)

(Antonio Capuano, I 1991, OmenglU, 83 min)

Purge This Land

(Lee Anne Schmitt, USA 2017, OF, 80 min)

(Greg Zglinski, CH/Ö/PL 2017, OmenglU, 95 min)

(Pedro Pinho, P 2017, OmenglU, 177 min)

(Jeremy S. Levine, Landon van Soest, USA 2017, OmU, 90 min)

(Ziad Doueiri, F/LB 2017, OmenglU, 113 min)

Thirst Street

(Nathan Silver, USA/F 2017, OmenglU, 83 min)

(Léonor Sérraille, F 2017, OmenglU, 97 min)

(Abbas Kiarostami, F/IR 2017, 114 min)

Sanpo suru shinryakusha

(Kurosawa Kiyoshi, J 2017, OmenglU, 129 min)


Utopie und Korrektur

Kurzfilmprogramm 1 52 Films or: My First Garden

(Manfred Schwaba, Ö 2017, 3 min, stumm)

Durch Nacht zum Licht

(Friedl vom Gröller, Ö/D 2016, 3 min, stumm)

Calipatria

Retrospektive 13. Oktober bis 30. November

(Gerhard Treml, Leo Calice, Ö 2017, 8 min, OmU)

Labor des Exo/Endo Korpus

(Elisabeth von Samsonow, Ö 2017, 12 min, kein Dialog)

Patterns of the Conquerers

(Sascha Regina Reichstein, Ö/GB 2017, 21 min, OF)

Phantom Ride Phantom

(Siegfried A. Fruhauf, Ö 2017, 10 min, kein Dialog)

Fr 13.10.

Kurzfilmprogramm 2 La Bouche (Camilo Restrepo, F 2017, 19 min, OmenglU) The Dust Channel (Roee Rosen, Israel 2016,

23 min, OmenglU) Spiral Jetty (Ricky D’Ambrose, USA 2016, 15 min, OF)

Sa 14.10.

Little Potato

(Wes Hurley, Nathan M. Miller, USA 2017, 14 min, OF)

So 15.10.

Kurzfilmprogramm 3 Fall Into Ruin

(William E. Jones, USA/GB 2017, 30 min, OF)

Mo 16.10.

Der Einzelkämpfer

(Arne Körner, D 2017, 11 min, OmenglU)

The Double Life of Paul Henreid

Mi 18.10.

(Mark Rappaport, USA/F 2017, 34 min, OF)

Happy Happy Baby

Do 19.10.

(Jan Soldat, D 2017, 20 min, OmenglU)

Kurzfilmprogramm 4 New Sun Breathing in

Fr 20.10.

Togoland – Echos d’Empires

Sa 21.10.

(Chloe Reyes, USA 2017, 6 min, stumm) Bojo Beach (Elke Groen, Ö 2017, 25 min, kein Dialog) (Jürgen Ellinghaus, F/D 2017, 12 min, OmenglU)

Indivisibles

So 22.10.

(Abigail Child, USA 2017, 19 min, kein Dialog)

Kurzfilmprogramm 5 Farpões, baldios

Mo 23.10.

(Marta Mateus, P 2017, 25 min, OmenglU)

Mi 25.10.

La sombra de un dios

(B. Hetzenauer, Mexiko/Ö/D 2017, 20 min, OmenglU)

Terrenal (En oposición al cielo)

(Ivan Murgic Capriotti, Sofia Lena Monardo, Argentinien 2016, 19 min, OmenglU)

Do 26.10.

Kurzfilmprogramm 6

Fr 27.10.

Qiu (Yi Cui, China 2017, 13 min, kein Dialog) Ma ma de kou gong

Sa 28.10.

(Ying Liang, Taiwan/Hongkong 2017, 25 min, OmenglU) Wind (Saw Tiong Guan, Malaysia/Hongkong 2016, 33 min, OmenglU)

So 29.10.

Kurzfilmprogramm 7 Amateurs

(Naveen Padmanabha, Indien 2016, 12 min, OmenglU)

Mo 30.10.

(Anal Shah, Indien/USA 2017, 28 min, OF)

Kalaripayattu 500,000 Pee

(Chai Siris, Thailand 2016, 15 min, kein Dialog) Miss Rain (C. Petersmann, CH 2017, 38 min, OmenglU)

Filme von & mit Günter Peter Straschek Situationen

(Johannes Beringer, BRD 1967, 16 min, OF)

Einleitung zu Arnold Schoenbergs Begleitmusik zu einer Lichtspielscene (D. Huillet, J.-M. Straub, BRD 1972, 16 min, OF)

Hurra für Frau E.

Mi 1.11.

Do 2.11.

Fr 3.11. Sa 4.11.

(Günter Peter Straschek, BRD 1967, 7 min, OF)

So 5.11.

(Günter Peter Straschek, BRD 1970, 18 min, OF)

Mo 6.11.

Zum Begriff des „kritischen Kommunismus“ bei Antonio Labriola (1843–1904)

Kartenvorverkauf Ab 14. Oktober, tägl. 10–20 Uhr Gartenbaukino, 1., Parkring METRO KINOKULTURHAUS, 1., Johannesg. 4 Schottentor-Passage, 1., Schottentor

Kartenverkauf Retrospektive An den Vorverkaufskassen und im Filmmuseum (die Kasse öffnet eine Stunde vor der ersten Vorstellung) Reservierungen: Tel. 01/533 70 54 oder www.filmmuseum.at OF Originalfassung englOF englische Originalfassung OmU Originalfassung mit deutschen Untertiteln OmenglU Originalfassung mit englischen Untertiteln

Mi 8.11. Do 9.11. Mo 13.11. Fr 17.11. M0 20.11. Mi 22.11. Mi 29.11. Do 30.11.

18.30 Uhr

20.30 Uhr

Sestaja cast’ mira / Ein Sechstel der Erde

235 000 000 / 235 000 000

16.00 Diskussion Wie kuratiert man 100 Jahre (Kino-)Revolution? 18.30 General’naja linija (Staroe i novoe) / Die Generallinie (Das Alte und das Neue)

21.00 Tugoj uzel / Fester Knoten

Kruzeva / Die Spitze

21.00 Vesna na Zarecnoj ulice / Frühling in der Zarecnaja-Straße

Putevka v zizn’ / Der Weg ins Leben

21.00 Vtoraja popytka Viktora Krochina / Viktor Krochins zweiter Versuch

Odna / Allein

Strannye ljudi / Seltsame Menschen

Dela i ljudi / Die Taten und die Menschen

20.15 Vremja, vpered / Zeit, voran!

Garmon’ / Die Ziehharmonika

Karnaval’naja noc’ / Karnevalsnacht

Letciki / Die Flieger

Kryl’ja / Flügel

U samogo sinego morja / Am blauesten aller Meere

Celovek idet za solncem / Der Sonne entgegen

Semero smelych / Die sieben Kühnen

Neotpraviennoe pis’mo / Ein Brief, der nie ankam

Novaja Moskva / Das Neue Moskau

Ijul’skij dozd’ / Juli-Regen

Clen pravitel’stva / Mitglied der Regierung

Prosu slova! / Ich bitte ums Wort

Muzykal’naja istorija / Eine musikalische Geschichte

Beregis’ avtomobilja / Vorsicht, Autodieb!

Timur i ego komanda / Timur und sein Trupp

Spasite utopajuscego / Rettet den Ertrinkenden

Vesennij potok / Frühling des Lebens

Kljuc bez prava peredaci / Ein Schlüssel, den man nicht weitergeben darf

Sestaja cast’ mira / Ein Sechstel der Erde

235 000 000 / 235 000 000

General’naja linija (Staroe i novoe) / Die Generallinie (Das Alte und das Neue)

21.00 Tugoj uzel / Fester Knoten

Kruzeva / Die Spitze

21.00 Vesna na Zarecnoj ulice / Frühling in der Zarecnaja-Straße

Putevka v zizn’ / Der Weg ins Leben

21.00 Vtoraja popytka Viktora Krochina / Viktor Krochins zweiter Versuch

Odna / Allein

Strannye ljudi / Seltsame Menschen

Dela i ljudi / Die Taten und die Menschen

20.15 Vremja, vpered / Zeit, voran!

Garmon’ / Die Ziehharmonika

Karnaval’naja noc’ / Karnevalsnacht

Letciki / Die Flieger

Kryl’ja / Flügel

U samogo sinego morja / Am blauesten aller Meere

Celovek idet za solncem / Der Sonne entgegen

Clen pravitel’stva / Mitglied der Regierung

Prosu slova! / Ich bitte ums Wort

Semero smelych / Die sieben Kühnen

Neotpraviennoe pis’mo / Ein Brief, der nie ankam

Novaja Moskva / Das Neue Moskau

Ijul’skij dozd’ / Juli-Regen

Vesennij potok / Frühling des Lebens

Kljuc bez prava peredaci / Ein Schlüssel, den man nicht weitergeben darf

Muzykal’naja istorija / Eine musikalische Geschichte

Beregis’ avtomobilja / Vorsicht, Autodieb!

Timur i ego komanda / Timur und sein Trupp

Spasite utopajuscego / Rettet den Ertrinkenden

(Dziga Vertov, UdSSR 1926, OmU, 74 min), mit Klavierbegleitung

(Sergej M. Eisenstein, UdSSR 1926–29, OmU, 108 min), mit Klavierbegleitung (Sergej Jutkevic, UdSSR 1928, OmU, 78 min), mit Klavierbegleitung

(Nikolaj Ekk, UdSSR 1931, OmenglU, 112 min) (Grigorij Kozincev, Leonid Trauberg, UdSSR 1931, OmenglU, 82 min) (Aleksandr Maceret, UdSSR 1932, OmU, 105 min) (Igor’ Savcenko, UdSSR 1934, OmU, 58 min) (Julij Rajzman, UdSSR 1935, OmU, 80 min) (Boris Barnet, UdSSR 1935, OmenglU, 71 min)

(Sergej Gerasimov, UdSSR 1936, OmU, 94 min) (Aleksandr Medvedkin, UdSSR 1938, OmU, 81 min) (Aleksandr Zarchi, Iosif Chejfic, UdSSR 1939, OmU, 104 min) (Gerbert Rappaport, Aleksandr Ivanovskij, UdSSR 1940, OmU, 82 min) (Aleksandr Razumnyj, UdSSR 1940, OmU, 80 min)

(Vladimir Jurenev, UdSSR 1940, OmU, 88 min) (Dziga Vertov, UdSSR 1926, OmenglU, 74 min)

(Sergej M. Eisenstein, UdSSR 1926–29, OmenglU, 108 min) (Sergej Jutkevic, UdSSR 1928, OmU, 78 min)

(Nikolaj Ekk, UdSSR 1931, OmenglU, 112 min) (Grigorij Kozincev, Leonid Trauberg, UdSSR 1931, OmU, 82 min) (Aleksandr Maceret, UdSSR 1932, OmU, 105 min) (Igor’ Savcenko, UdSSR 1934, OmU, 58 min) (Julij Rajzman, UdSSR 1935, OmU, 80 min) (Boris Barnet, UdSSR 1935, OmenglU, 71 min)

(Aleksandr Zarchi, Iosif Chejfic, UdSSR 1939, OmU, 104 min) (Sergej Gerasimov, UdSSR 1936, OmU, 94 min) (Aleksandr Medvedkin, UdSSR 1938, OmU, 81 min)

(Vladimir Jurenev, UdSSR 1940, OmU, 88 min) (Gerbert Rappaport, Aleksandr Ivanovskij, UdSSR 1940, OmU, 82 min) (Aleksandr Razumnyj, UdSSR 1940, OmU, 80 min)

(Uldis Brauns, UdSSR 1967, 106 min)

(Michail Svejcer, UdSSR 1956, OmU, 100 min) (Feliks Mironer, Marlen Chuciev, UdSSR 1956, OmU, 94 min)

(Igor’ Sesukov, UdSSR 1977, OmU, 95 min)

(Vasilij Suksin, UdSSR 1969, OmU, 100 min)

(Michail Svejcer, Sof’ja Mil’kina, UdSSR 1965, OmU, 155 min) (El’dar Rjazanov, UdSSR 1956, OmenglU, 76 min) (Larisa Sepit’ko, UdSSR 1966, OmU, 84 min) (Michail Kalik, UdSSR 1961, OmU, 71 min)

(Michail Kalatozov, UdSSR 1959, OmU, 96 min) (Marlen Chuciev, UdSSR 1966, OmU, 107 min) (Gleb Panfilov, UdSSR 1975, OmU, 145 min) (El’dar Rjazanov, UdSSR 1966, OmU, 92 min) (Pavel Arsenov, UdSSR 1967, OmU, 69 min)

(Dinara Asanova, UdSSR 1976, OmU, 97 min) (Uldis Brauns, UdSSR 1967, 106 min)

(Michail Svejcer, UdSSR 1956, OmU, 100 min) (Feliks Mironer, Marlen Chuciev, UdSSR 1956, OmU, 94 min)

(Igor’ Sesukov, UdSSR 1977, OmU, 95 min)

(Vasilij Suksin, UdSSR 1969, OmU, 100 min)

(Michail Svejcer, Sof’ja Mil’kina, UdSSR 1965, OmU, 155 min) (El’dar Rjazanov, UdSSR 1956, OmenglU, 76 min) (Larisa Sepit’ko, UdSSR 1966, OmU, 84 min) (Michail Kalik, UdSSR 1961, OmU, 71 min)

(Gleb Panfilov, UdSSR 1975, OmU, 145 min) (Michail Kalatozov, UdSSR 1959, OmU, 96 min) (Marlen Chuciev, UdSSR 1966, OmU, 107 min)

(Dinara Asanova, UdSSR 1976, OmU, 97 min) (El’dar Rjazanov, UdSSR 1966, OmU, 92 min) (Pavel Arsenov, UdSSR 1967, OmU, 69 min)

Tickets: Tel. 01/526 594 769 oder www.viennale.at


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Liebe kann auch sehr verzehrend sein: Justine (Garance Marillier) entwickelt merkwürdige Gelüste

„Das Set ist jeden Tag komplett versaut“ Überall Blut! Die Regiedebütantin Julia Ducourneau und ihr herzzerreißender Horrorfilm „Grave“ GESPRÄCH: JULIA PÜHRINGER

D

ie französische Regisseurin Julia Ducourneau landete 2016 in Cannes mit „Grave“, ihrem sympathischen Studentinnen-Blutrausch, einen Hit, der in kurzer Zeit beinah schon zum Horrorklassiker geworden ist. Eine junge Frau trifft auf der Vet-Med auf erstaunlich heftige Initiationsriten und ist Veränderungen unterworfen, die sie und ihre große Schwester vor ungewöhnliche Herausforderungen stellen. Viel mehr lässt sich darüber jedoch nicht erzählen, ohne die Pointe zu verraten.

ter ist eine ernste Sache, deshalb wollte ich auch, dass das Ende echt herzzerreißend wird. Ich hab meinem Komponisten gesagt, die letzten 20 Minuten will ich nur Musik unter dem Motto: „Make them fucking cry“. Julia Ducourneau, Jg. 1982, hat die Filmhochschule La Fémis in Paris absolviert

Falter: Horrorfilme sind oft kein freundliches Umfeld für weiblichen Figuren. Diesmal sind sie selbst verdammt gefährlich … Julia Ducourneau: Abgesehen von „Texas Chainsaw Massacre“, da überlebt überhaupt nur eine Frau! Ein superfeministischer Film und einer meiner liebsten.

Fotos: WILD BUNCH, VIENNALE

Welche sonst noch? Ducourneau: Cronenbergs Filme aus der Körper-Horror-Phase. Ich kann mich aber schwer entscheiden, vielleicht habe ich schon zu viele Horrorfilme gesehen. Ich schaue sie fast jede Nacht zum Einschlafen, wie Cartoons. Das ist superlustig und Gartenbau: beruhigend. Mi, 25.10., 23 Uhr Wie sind Ihnen die beiden fantastischen Schwestern eingefallen? Ducourneau: In meinen Filmen sind alle Figuren verschiedene Facetten von mir oder von Dingen, die mich beschäftigen, mir zugetragen wurden. Sie sind alle ziemlich eigenartige Wesen. Sie sind alle Archetypen. Die ältere Schwester ist ganz klar die Antagonistin, trotzdem wollte ich nicht, dass sie einfach nur ein doofer Bösewicht ist. Da muss es auch Liebe geben! Und die ist sehr … verzehrend. Diese Liebe zu ihrer Schwes-

Stadtkino im Künstlerhaus: Di, 31.10., 23 Uhr (OmenglU)

Ducourneau schaut fast jede Nacht Horrorfilme zum Einschlafen an, das ist superlustig

Ansonsten kann der Film ja kaum autobiografisch sein … Ducourneau: Rein faktisch natürlich nicht. Für mich hat der persönliche Aspekt zum Beispiel damit zu tun, dass meine Eltern Ärzte sind. Deshalb faszinieren mich die Metamorphosen des Körpers so, Dinge die rausrinnen oder eindringen. (Lacht.) Ich habe mir viele medizinische Bücher von meinen Eltern ausgeliehen, das war meine Inspiration beim Schreiben. Sie haben aufwendige Szenen nicht gemieden, mit Blut, mit Farbe ... Ducourneau: Das Blut war am schwierigsten, da muss man in Sachen Continuity sehr flexibel sein. Es wird fix nichts im selben Moment am selben Platz sein. Und wenn man einmal, wo auch immer, nur einen Tropfen Blut hat, ist es überall. Jeden Tag ist das Set komplett versaut und du musst alles neu machen. Sie haben mit toten Tieren gedreht, wie war das? Ducourneau: Es stinkt. Mein Gott. Der Hund war seit einer Woche tot. Natürlich

haben wir ihn nicht selber seziert, das hat ein Veterinärstudent gemacht für die Closeups. Die Kamera war richtig nah dran und das Gesicht des Kameramannes war unbezahlbar. Alle anderen hatten ätherische Öle auf den Atemmasken, nur er hatte gar nichts. Ich selbst stand fünf Meter entfernt und habe mich fast übergeben. Im Film gibt’s viele Partys, herrschte da auch am Set eine entspannte Atmosphäre? Ducourneau: Das war schon alles sehr genau geplant. Wir hatten fantastische Statisten, die echt stolz waren, dabei zu sein, und sie haben einen echt guten Film gemacht. Ich liebe es, Regie zu führen mit Statisten, je mehr, desto besser. Wir hatten eine dreiminütige Einstellung, das war für alle eine Riesenherausforderung: Jeder einzelne Statist hatte eine Aufgabe. Das war Präzisionsarbeit. Danach haben wir die Musik richtig laut aufgedreht und abgetanzt. Dann gibt’s auch noch Autounfälle ... Ducourneau: Darüber war ich echt glücklich, das war schon lange ein Traum von mir, Autos zu zerdeppern. Am liebsten hätte ich ja noch mehr davon dringehabt. Es ist sehr spannend, mit Stuntmen und Stuntwomen zu arbeiten. Die fragen einen dann: „Wie kaputt soll das Auto denn sein?“ Und ich sage: „Sehr“. Das war ziemlich lustig. Dass dem Film ein Jugendverbot droht, hat Sie nicht gekümmert? Ducourneau: Ich passe meine Filme keiner Zensur an. Ich meine, für Kinder ist er nichts, aber ab zwölf sollte das schon gehen. Ich habe keine Ahnung, nach welchen Kriterien sich das letztlich richtet. Ich weiß nicht, ob man den Film auch als unmoralisch sehen kann. Für mich ist „Grave“ sehr moralisch, aber das ist ja subjektiv. F


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Eines der Schlüsselwerke von Chruščevs Tauwetter: „Fester Knoten“ („Tugoj uzel“, 1956), eine düstere Politparabel von Michail Švejcer, die sofort wieder verboten wurde

Sowjetische Filmgeschichte – eine Viennale und Österreichisches Filmmuseum feiern 100 Jahre Revolution jenseits aller Mythenbildung FILMGESCHICHTE: BARBARA WURM

Barbara Wurm ist Wiener Slawistin an der HumboldtUniversität zu Berlin. Sie schreibt über und zeigt Filme

Aus heutiger (Putin-)Perspektive flackern da

die komplexe Gemengelage und die verpassten Chancen der Perestrojka auf, wo die Leiter zwar bestiegen wurde, aber halt der Sumpf zu groß war. Ironie des Schicksals auch, dass Švejcers Kolchos-FührungsDrama nach einer Novelle des vielleicht beliebtesten aller Zentral-Autoren der Tauwetter-Generation, Vladimir Tendrjakov, in seiner Urfassung erst 1988 auf die Leinwand kommen konnte, hier aber dafür sofort als Schlüsselwerk der frühen GlasnostZeit, eben Chruščevs Tauwetter, (an-)erkannt wurde. Wie überhaupt die Rolle der Zensur in eigentlich jeder Lebensphase der UdSSR ein so fundamentaler Kulturmotor

Retrospektive Utopie und Korrektur. Sowjetisches Kino 1926–1940 und 1956–1977 13.10. bis 30.11. im Österreichischen Filmmuseum

war, dass man sich andere determinierende Faktoren, zumindest die Entwicklung der Filmgeschichte betreffend, kaum zu veranschlagen traut. Nicht zuletzt waren es immer wieder die ganz großen Arbeiten, die vom Kontrollwahn und den Steuerungsobsessionen „ganz oben“ betroffen waren. So etwa Sergej Eisensteins und Grigorij Aleksandrovs „Generallinie“ aus den Jahren 1926–29, ein Film, den Stalin umändern und in „Das Alte und das Neue“ umbenennen ließ, nur um ihn dann endgültig zu verbieten, da das im Film zunächst propagierte Wirtschaftsmodell der Kooperationen in der Realität der Erlässe und Politdekrete längst jenem der Kollektivierung weichen musste. (Zum Trost: Auch in der existierenden Fassung spritzt es immer noch so enthusiastisch-orgiastisch aus Marfa Lapkinas Milchseparator, dass auch die exaltierteren SovAvantgarde-Fans auf ihre Rechnung kommen, zuvorderst Anhänger der konstruktivistischen Gebäude- und Traktorenarchitektur.) „Generallinie“ und „Fester Knoten“ bilden eines von 15 Film-Paaren, die die Kuratoren der Viennale-Retrospektive für das Österreichische Filmmuseum zusammengestellt haben – Naum Kleiman, international renommierter Eisensteinologe wie Gründer des Moskauer Muzej kino (das ihm freilich vor ein paar Jahren von zeitgenössischen Bürokratie-Aficionados im russischen Kulturministerium weggenommen wurde), sowie dessen Filmgeschichte-Ziehsohn, der Jutkevic-Experte Artiom Sopin. Die Paarungen stehen unter dem Motto „Utopie und Korrektur“ und umfassen jeweils einen Film aus der ersten und aus der zweiten Hochzeit des sowjetischen Kinos, den 1920/30er-Jahren also und den 1950er- bis 1970er-Jahren. Interessanter-

weise lassen sich allerdings die Vokabeln „Utopie“ und „Korrektur“ nie nur einer Seite zuordnen, weshalb der Verdacht, dass etwa die frühe Avantgarde für reine Utopie stand und die spätere für deren Korrektur, gar nicht erst aufkommt. Im Gegenteil: Von Beginn an zeigt sich gerade in der präsentierten Doppelung konkreter Thematiken die im Kino so starke Neigung, Kunst zum Terrain jenes großen sozialen Projekts zu machen, das die Revolution von 1917 avisierte. Und dieses war und ist bis heute ambivalent durch und durch, in seiner Koppelung an utopisch anmutende Gesellschaftsentwürfe ebenso wie der daraus resultierenden Notwendigkeit zu permanenter (Selbst-)Korrektur. Das erweist sich für alle 15 Duos relevant. Be-

sonders gut nachvollziehbar wird es da, wo die Kernthemen der sozialistischen Kulturund Erziehungsideale angesprochen sind. Zum Beispiel der Hype um die Fliegerei und den Heldentraum vom Pilotensein, den Julij Rajzman im selten gezeigten Drama „Flieger“ aus dem Jahr 1935 als feine, psychologische Wahlverwandtschaftsstory mit akzentuierten Geschlechterverhältnissen auslegt, während Larisa Šepit’kos damals umstrittenes Tauwetter-Meisterwerk „Flügel“ (1966) rund um die ehemalige Kampffliegerin Nadežda Petruchina heute ohnehin als eine Art Gender-Ikone gefeiert werden darf. Oder der Topos des kommunalen Lebens: Nikolaj Ėkks berühmter – weil erster sowjetischer – Ton-Spielfilm „Der Weg ins Leben“ zeigt ihn im Rahmen jener oft von der OGPU geleiteten „Umschmiede“Kampagnen, in denen aus Banden krimineller Straßenkinder via Arbeitslager Brigaden besserer, „neuer“ Menschen geformt wurden.

STILLS: BARBARA WURM

I

ch bin jetzt selbst der Herr, und für die anderen der Kopf. Ich werde ihnen die Wahrheit beweisen. Und alle Baumstümpfe meines Vorgängers ausreißen.“ – „Merk dir, auch du wirst, sobald du den ersten Schritt gemacht hast, nicht mehr in der Wahrheit leben können.“ – Es sind Sätze wie diese, die Michail Švejcers düsteren Früh-Tauwetterfilm „Fester Knoten“ zu einer Politparabel erster Klasse machen. Man schreibt das Jahr 1956 und also das berühmte Wendejahr in der Geschichte der UdSSR, jenes des XX. Parteitages. Wer hier unausrottbare Baumstümpfe hinterlassen hat und wer sie auszureißen gedenkt, ist allen im Land klar. Und doch werden die Fragen nach der rechten (i.e. linken) Form proletarisch-kommunistischer Souveränität und der wahrsten aller Wahrheiten nicht allein den Herren Stalin und Chruščev überantwortet. „Wir sitzen im Sumpf “, heißt es an einer anderen Stelle, „man hat uns eine Leiter gebracht, wir aber zögern, sie zu benützen.“ – Allen sind hier Füße und Hände gebunden, durch einen in der Tat „festen Knoten“.


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Einladung zum sozialistischen Wettbewerb: „Die Taten und die Menschen“ („Dela i ljudi“, 1932) von Aleksandr Maceretist, die Entdeckung der Retrospektive

permanente Utopie-Korrektur Doch nicht erst der Komplementärfilm „Viktor Krochins zweiter Versuch“ – eine zwischen Kommunalwohnungsenge und Boxring angesiedelte, augenöffnende Studie zum universal vorherrschenden Faustrecht im Real-Kommunismus, die 1977 sofort verboten und erst 1987 wieder in die Kinos kam – zeigt an, wie nah der konzipierte Sowjet-Humanismus oft an Extreme der Entmenschlichung heranreichte. Denn schon in Ėkks Kinderkommune selbst werden Überlebenskampf und moralische Engpässe recht ungeschönt gezeigt und auch die im Film demonstrierten Erziehungsmethoden (nach dem realen Vorbild des Pädagogen Matvej Pogrebinskij) bleiben insofern ambivalent, als sie gerade nicht ein Modell der Einschüchterung und des Zwangs propagierten, sondern auf vertrauensbildende Maßnahmen setzten (auf ein Lächeln etwa) und somit vielen als zu liberal galten. Pogrebinskij jedenfalls wurde im Großen Terror von seinen NKVD-Kollegen zur Erschießung geführt.

STILLS: BARBARA WURM

Für einen veritablen Höhepunkt an Experi-

mentierfreude bei gleichzeitiger Ideologie-Revision sorgt der Doppelbeitrag zum Thema „Sozialistischer Wettbewerb“: Da ist zum einen ein weiterer Film von Michail Švejcer, diesmal in Ko-Regie mit Sofja Milkina und nach einem Roman von Valentin Kataev, „Zeit, voran!“ (1965) – ein 153 Minuten lang dauernder, von Enthusiasmus und Zahlenspielen angetriebener Berserker-Wettlauf gegen die Zeit, performiert auf der riesigen 30er-Jahre-Baustelle des Magnitogorsker Metallurgie-Kombinats und unter der Leitung des Ingenieurs Margulies, der nichts anderes als ein personifiziertes Nervenbündel ist, das sich sukzessive selbst in eine Quotientenformel verwandelt.

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Merk dir, auch du wirst, sobald du den ersten Schritt gemacht hast, nicht mehr in der Wahrheit leben können DIALOG AUs

„ F ester K n ote n “ 1956

Diesen (auch) ästhetischen Furor stellen die Kuratoren einer von Filmhistoriker Evgenij Margolit wiederentdeckten Industrialisierungsperle gegenüber: Aleksandr Macerets Produktionsfilm-Fantasmagorie „Die Taten und die Menschen“ aus dem Fünfjahresplan-Umbruchsjahr 1932. Irrwitzig ist hier genau genommen alles, vom Sujet (der Sowjetbrigadier Zacharov fordert den US-amerikanischen Ingenieur Clines zum sozialistischen Wettbewerb auf und bringt die Stalin-Losung „Amerika ein- und überholen“ zur Realisierung) über die unfassbare Montage-Exzentrik bis hin zur kühnen Agitprop-Methode, mit der hier auch der Ton eine zentrale, eigenständige Rolle spielt. Neben „Weg ins Leben“, Kozincev/Traubergs „Allein“ (1931) und Igor Savchenkos „Die Ziehharmonika“ (1934) gehört „Die Taten und die Menschen“ zu den frühen, großen Tonfilm-Experimenten des sowjetischen Kinos (und der Schau „Utopie und Korrektur“). Selbst für einschlägige Kenner der Materie ist dieser Film trotz diverser filmtechnischer Baustellen und Fragmentcharakter (die der schwierigen Überlieferung und den Anfangsjahren des Tonfilms geschuldet sind) wahrscheinlich die Entdeckung der Schau, die aber auch ansonsten überaus filigran durch die Sowjetfilm-Landschaft der Klassiker und Wiederentdeckungen der letzten Jahre manövriert. Oft ergeben die Paarungen sich aufgrund ihrer

thematischen Nähe fast automatisch, wie im Fall der Geologen-Abenteuer-Filme „Die sieben Kühnen“ von Altmeister Sergej Gerasimov und Michail Kalatozovs „Ein Brief, der nie ankam“ (1960), dem Follow-up zum heute weit berühmteren „Die Kraniche ziehen“, gefilmt ebenfalls in der stilistisch prägenden Manier des Kameramann-Super-

stars Sergej Urusevskij. Auch die Gegenüberstellung der „Geschichten vom Aufstieg in die Parteileitung“ („Mitglied der Regierung“, 1939 und „Ich bitte ums Wort“, 1975) ist naheliegend, während der Fokus auf die Bedeutung der Laienkunst (Herbert Rappaports „Musikalische Geschichte“, 1940, und „Vorsicht, Autodieb!“, 1966, von Ėl’dar Rjazanov) oder die Gestaltung des urbanen Moskaus (Meister-Treff zwischen Aleksandr Medvedkin und Marlen Chuciev) zu durchaus überraschende Kompilationen führen. Einen perfekten Zusammenfall nicht nur thematisch, sondern auch formal gibt es im einzigen Nicht-Spielfilm-Duo: Dziga Vertovs Ethno-Pioniergedicht „Ein Sechstel der Erde“ und seinem zum 50. Jahrestag der Revolution fertiggestellten Remake „235 000 000“ in der Regie von ­Uldis Brauns. War es 1926 die sowjetische Handelsorganisation Gostorg, die einen Reklamefilm in Auftrag gab, der das Exportpotenzial des neuen Staates demonstrieren sollte – ein Auftrag freilich, den der (gleichwohl überzeugte Kommunist) Vertov und seine „kinoki“ mit so viel Liebe zum Montage-Experiment im Allgemeinen und zu Walt Whitmans Versen im Besonderen erfüllten, dass die Parteileiter von Nichterfüllung sprachen –, so erging es dem Gründer der lettischen poetischen Dokumentarfilmschule nicht viel anders: Seine mit gleich vier Filmteams unternommene Reise zum Kollektiv des Sowjetvolks war der KPSS zu nah am ewigen Naturzyklus gebaut. Vertov wurde aus dem staatlichen Zentralstudio Sovkino vertrieben. Brauns’ Film um die Hälfte gekürzt und dann aus dem Verkehr gezogen. Die sowjetische Filmgeschichte war und ist: die permanente Korrektur der Utopie. F


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Viennale 17 Spielfilme 120 battements par minute (F 2017) R: Robin Campillo D: Nahuel Pérez Biscayart, Arnaud Valois, Adèle Haenel, Ariel Borenstein. 144 min. Paris in den frühen 1990ern: Unter dem Namen Act-up kämpft ein bunt zusammengewürfeltes Grüppchen von Aktivisten gegen das Schweigen, das die wachsende Anzahl von Aids-Toten zu dieser Zeit umgibt. Ein Film voller Trauer, der gleichzeitig die Liebe und die Solidarität in einer Gemeinschaft hochhält, die sich für soziale Veränderung einsetzt. Gartenbau: Mo 23.10., 20.00 (OmU) + Urania: Mi 25.10., 11.00 (OmenglU) 24 Frames (F/IR 2017) R: Abbas Kiarostami. 114 min. Ausgehend von 24 Bildern und Fotografien zaubert Kiarostami ein Filmkunstwerk auf die Leinwand: Jede Szene gerät viereinhalb Minuten lang in Bewegung, seien es Pieter Bruegels „Jäger im Schnee“ oder zwei Pferde, die zu Tangomusik zu tanzen scheinen. Fertiggestellt wurde das Werk des 2016 verstorbenen Filmemachers von seinem Sohn Ahmad. (Ohne Dialog) Metro, Pleskow Saal: Di 31.10., 15.30 + Urania: Do 2.11., 18.30 3/4 (BL/D 2017) R: Ilian Metev D: Mila Mikhova, Todor Velchev, Simona Genkova, Kaloyan Georgiev. 82 min. Die junge bulgarische Pianistin Mila hofft auf einen Studienplatz in Deutschland. Ihr jüngerer Bruder Niki stört ihr Üben mit Schabernack, der Vater, ein Physikprofessor, spricht lieber über komplexe Theorien, als sich mit seinen Kindern zu befassen. Die Mutter schließlich ist stets abwesend. Ein dichtes Werk über familiäre Beziehungen, Erwartungen und unausgesprochene Gefühle. Metro, Pleskow Saal: Mi 25.10., 20.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Do 26.10., 15.30 (OmenglU) Abschied von den Eltern (Ö 2017) R: Astrid Johanna Ofner D: Sven Dolinski. 80 min. Verfilmung der gleichnamigen autobiografischen Erzählung (1961) des Schriftstellers und Künstlers Peter Weiss. Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend, an die Bemühungen, sich von der Familie zu emanzipieren, stellt die Filmemacherin in einen experimentellen Rahmen. Die Ich-Erzählung kommt aus dem Off oder wird im Bild vorgetragen, das an anderen Stellen immer wieder lange schwarz bleibt. Gartenbau: Sa 28.10., 18.00 + Metro: Di 31.10., 13.30 (OmenglU) L’Amant d’un jour (F 2017) R: Philippe Garrel D: Eric Caravaca, Esther Garrel, Louise Chevillotte, Paul Toucang. 76 min. Nach dem Ende einer Liebe zieht eine junge Frau zurück zu ihrem Vater und entdeckt, dass er eine Partnerin in ihrem Alter hat. Schon bald haben die beiden sich angefreundet. Schwarz-Weiß-Film über eine ungewöhnliche Dreiecksbeziehung in der Tradition der Nouvelle Vague. Gartenbau: Di 31.10., 21.00 + Urania: Mi 1.11., 11.00 (OmenglU) Les Amants (F 1958) R: Louis Malle D: Jeanne Moreau, Alain Cuny, José Louis de Villalonga. 90 min. Vermögende, aber vereinsamte Frau aus der Provinz gibt sich nach einer nächtlichen Begegnung im Park ihrer Villa bedingungslos einem jungen Kunststudenten hin. Louis Malles zweite, wie er selbst sagt, „mitunter ins Pubertäre lappende“ Regiearbeit provozierte seinerzeit einen Skandal. Gartenbau: Fr 27.10., 15.30 (OmenglU)

Arábia (BRA 2017) R: Affonso Uchôa, João Dumans D: Aristides de Sousa, Murilo Caliari, Renata Cabral, Gláucia Vandeveld. 96 min. Nachdem der Fabriksarbeiter Christiano bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen ist, findet sein Kollege Andre dessen Tagebücher, die 20 Jahre eines Lebens der schweren Arbeit und Jobsuche im brasilianischen Hinterland umfassen. Mit dem Fund werden die Erinnerungen als Film lebendig: ein so ruhiges wie starkes Porträt eines Mannes aus der Arbeiterklasse. Metro: Mi 25.10., 11.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 30.10., 23.30 (OmenglU) L’Atelier (F 2017) R: Laurent Cantet D: Marina Foïs, Warda Rammach, Matthieu Lucci, Mamadou Doumbia. 114 min. Sieben Jugendliche wurden ausgewählt, um mit einer Schriftstellerin im Rahmen eines Workshops auf dem Land einen gemeinsamen Kriminalroman zu entwickeln. Doch die verschiedenen politischen Einstellungen und familiären Hintergründe der Schüler machen das Vorhaben zu einem äußerst schwierigen Unterfangen. Gartenbau: Do 26.10., 20.30 + Metro: Fr 27.10., 11.00 (OmenglU) Avant la fin de l’été (F/CH 2017) R: Maryam Goormaghtigh. 80 min. Arash, Hossein und Ashkan, drei Migranten aus Iran, die in Paris studiert haben, stehen an einem Wendepunkt. Bevor Arash seinen Plan umsetzen will, nach Hause zurückzukehren, macht er mit seinen Freunden eine letzte Rundreise durch Südfrankreich. In ihrem Roadmovie vereint Goormaghtigh einen heiter-philosophischen Grundton mit der Melancholie des Exils. Urania: Di 24.10., 16.00 (OmU) + Do 26.10., 11.00 (OmenglU) Bamui haebyun-eoseo honja / On the Beach at Night Alone (KR 2017) R: Hong Sangsoo D: Kim Minhee, Seo Younghwa, Jung Jaeyoung, Moon Sungkeun. 101 min. Warten, bis das Herz heilt: Die Schauspielerin Younghee nimmt sich nach einer gescheiterten Affäre eine Auszeit. Sie reist nach Hamburg, wo sie sich bei langen Spaziergängen mit einer Freundin über die Liebe austauscht. Und gerät, zurück in Korea, bei einem gemeinsamen Essen in Konflikt mit alten Bekannten. Stadtkino im Künstlerhaus: So 29.10., 20.30 (OmenglU) Barbara (F 2017) R: Mathieu Amalric D: Mathieu Amalric, Jeanne Balibar, Vincent Peirani, Fanny Imber, Aurore Clément. 95 min. Regisseur Yves plant ein Biopic über die berühmte Chansonsängerin Barbara (1930–1997). Die völlig unterschiedlichen Vorstellungen, die er und seine Hauptdarstellerin Brigitte von der Porträtierten haben, führen zu Spannungen am Set des Films im Film. Gartenbau: Sa 28.10., 20.30 + Metro: So 29.10., 13.30 (OmenglU) Beach Rats (USA 2016) R: Eliza Hittman D: Harris Dickinson, Anton Selyaninov, Frank Hakaj, David Ivanov. 95 min. Zwischen den Arbeitervierteln von Brooklyn, seiner verschlafenen Küste und der Parallelwelt des Vergnügungsparks von Coney Island treibt sich der 19-jährige Frankie herum. Seine Homosexualität verbirgt er dabei sowohl vor seiner Familie als auch vor seinen Freunden. Coming-of-Age-Film voll sinnlicher Blicke auf Männerkörper, die an Claire Denis’ „Beau travail“ erinnern. Gartenbau: Sa 21.10., 21.00 + Urania: So 22.10., 13.30 (OmU) Casting (D 2017) R: Nicolas Wackerbarth D: Andreas Lust, Judith Engel, Ursina Lardi, Corinna Kirchhoff, Andrea Sawatzki. 91 min. Regisseurin Vera plant ein

T e x te : M ic h ael O masta S abina Z eit h ammer

TV-Remake von Fassbinders „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“, doch während der Drehstart näherrückt, sucht sie in einem mühsamen Castingprozess immer noch nach ihrer Hauptdarstellerin. Gerwin, eigentlich nur Probenpartner der Kandidatinnen, wittert in einem von Machtspielen geprägten Reigen seine große Chance auf ein Engagement. Urania: Sa 21.10., 18.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: So 22.10., 13.00 (OmenglU) Chaak daan juen ga / Shock Wave (HK 2017) R: Herman Yau D: Andy Lau, Jiang Wu, Song Jia, Philip Keung, Ron Ng, Wang Ziyi. 119 min. Actionthriller mit Bombenspannung: Der Terrorist Peng Hong macht einen ganzen Tunnel in Hongkong zur Sprengfalle, Hunderte Menschen sind als Geiseln eingeschlossen. Jetzt liegt es an Commander Cheung, einem Entschärfungsspezialisten und persönlichen Erzfeind Peng Hongs, das Schlimmste zu verhindern. Gartenbau: Fr 20.10., 23.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 28.10., 23.00 (OmenglU) Daphne (GB 2017) R: Peter Mackie Burns D: Emily Beecham, Geraldine James, Tom Vaughan-Lawlor, Osy Ikhile. 87 min. Die 31-jährige Londoner Chefköchin Daphne führt ein einzelgängerisches Leben. Zynisch und trinkfreudig zeigt sie sich gleichgültig gegenüber ihren Männerbekanntschaften. Ein plötzliches traumatisches Erlebnis bricht ihren Panzer auf. „Eine beeindruckende Charakterstudie zwischen Komödie und Tragödie, brillant verkörpert von Emily Beecham.“ (Allan Brown) Urania: Sa 28.10., 21.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: So 29.10., 13.00 (OF) Dillinger è morto (I/F 1969) R: Marco Ferreri D: Michel Piccoli, Anita Pallenberg, Annie Girardot, Mario Jannilli. 95 min. „Dillinger ist tot“ ist die gleichermaßen surreale wie vieldeutige Geschichte des von seiner Ehe und Arbeit desillusionierten Industriedesigners Glauco, der eines Abends seinen alten Revolver hervorholt und poliert, seine Frau tötet und sich nach Tahiti absetzt. Gartenbau: Mi 25.10., 15.30 (OmenglU) Downsizing (USA 2017) R: Alexander Payne D: Matt Damon, Kristen Wiig, Christoph Waltz, Hong Chau, Udo Kier. 135 min. Die Idee eines Wissenschaftlers, die vom Menschen verursachten Probleme auf der Erde durch Schrumpfung zu lösen, hat in einer nahen Zukunft großen Anklang gefunden: Millionen Menschen leben als 15 Zentimeter große Winzlinge in luxuriösen Miniaturwelten. Das Ehepaar Safranek entscheidet sich ebenfalls für das Downsizing, doch dann kommt alles ganz anders als geplant. Gartenbau: Di 24.10., 21.15 (OF) En attendant les hirondelles / Until the Birds Return (F/DZ/D/QA 2017) R: Karim Moussaoui D: Mohamed Djouhri, Sonia Mekkiou, Mehdi Ramdani, Hania Amar. 113 min. Drei Geschichten, die die heutige algerische Gesellschaft in den Blick nehmen: Ein Mann wird sich angesichts einer Gewalttat seiner eigenen Hilflosigkeit bewusst; eine unerwartete Begegnung erinnert zwei Männer an eine Jugendliebe; eine Frau, die im algerischen Bürgerkrieg vergewaltigt worden ist, trifft den Täter in der Person eines Arztes wieder. Stadtkino im Künstlerhaus: Di 31.10., 15.30 + Metro: Do 2.11., 21.00 (OmenglU) Estiu 1993 / Sommer 1993 (E 2017) R: Carla Simón D: Laia Artigas, Paula Robles, Bruna Cusí, David Verdaguer. 96 min. Nach dem Tod ihrer Mutter wird

die sechsjährige Frida aus Barcelona zur Familie ihres Onkels aufs Land gebracht, bei der sie in Zukunft leben soll. In ihrem Spielfilmdebüt, das ganz aus der Sicht seiner Protagonistin von Abschied, Trauer und der Welt der Kindheit erzählt, verarbeitet Simón eigene Erlebnisse: Ihre Eltern starben beide an Aids. Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 27.10., 13.00 + Gartenbau: Mi 1.11., 20.30 (OmU) A fábrica de nada (P 2017) R: Pedro Pinho D: José Smith Vargas, Carla Galvão, Njamy Sebastião, Joaquim Bichana Martins. 177 min. „Die Fabrik des Nichts“ im Titel meint eine Aufzugfabrik nahe Lissabon, in der die Arbeitsgeräte im Schwinden begriffen sind – heimlich weggeschafft von den Besitzern, die sie zu Geld machen wollen, bevor das Werk schließt. Die Fabrikarbeiter ahnen das Schlimmste und suchen nach Auswegen. Pinhos Opus changiert zwischen Dokumentarfilm und Fiktion und wandert durch verschiedene Genres bis zum Musical. Urania: Fr 20.10., 12.30 + Di 31.10., 19.00 (OmenglU) Les Fantômes d’Ismaël (F 2017) R: Arnaud Desplechin D: Mathieu Amalric, Charlotte Gainsbourg, Marion Cotillard, Louis Garrel, Alba Rohrwacher. 110 min. Der Regisseur Ismaël und seine Freundin Sylvia, eine Astrophysikerin, führen ein chaotisches, aber durchaus glückliches Leben. Da taucht wie ein Geist Carlotta auf, Ismaëls vor über 20 Jahren verschwundene Frau. „Komödie, Parodie, Film im Film, ironisch, gebrochen, roh und geschliffen, eine höchst lebendige Zumutung.“ (Michael Sennhauser) Gartenbau: Fr 20.10., 18.00 + Urania: Sa 21.10., 13.30 (OmenglU) Félicité (F/SN/B/D/LB 2017) R: Alain Gomis D: Véro Tshanda Beya, Gaetan Claudia, Papi Mpaka. 123 min. Nach einem schweren Unfall ihres Sohnes versucht die stolze Barsängerin Félicité verzweifelt, das Geld für eine nötige Operation aufzutreiben. Unerwartete Hilfe erhält sie von Tabu, einem Stammgast der Bar. In Félicités ärmlicher Wohnung in Kinshasa bilden die drei eine ungewöhnliche Schicksalsgemeinschaft. Gartenbau: Mo 23.10., 15.30 + Metro: Mi 25.10., 13.30 (OmU) The Florida Project (USA 2017) R: Sean Baker D: Willem Dafoe, Brooklynn Prince, Valeria Cotto, Bria Vinaite, Christopher Rivera. 115 min. Am Rande des Walt Disney World Resort in Orlando sind die schäbigen Hotelkomplexe mehr oder weniger zu sozialen Wohnbauten geworden. Hier lebt der Hausmeister Bobby (Dafoe), der die Missetaten einer destruktiven Kinderbande rund um die sechsjährige Moonee in Grenzen zu halten versucht. Metro: Di 24.10., 11.00 + Gartenbau: Fr 27.10., 18.00 + Di 31.10., 6.30 (OmU) Geu-hu / The Day After (KR 2017) R: Hong Sangsoo D: Kwon Haehyo, Kim Minhee, Kim Saebyuk, Cho Yun-hee. 92 min. Ein Tag im Leben eines Mannes zwischen drei Frauen: Nachdem Bongwans Ehefrau Haejoo herausgefunden hat, dass er eine Affäre hat, folgt sie ihm an seinen Arbeitsplatz in einem Verlag und beschuldigt seine neue Mitarbeiterin Areum, jene Frau zu sein. Bongwan lädt die Geschockte zum Mittagessen ein. Just da taucht Changsook auf, Bongwans ehemalige Angestellte und Geliebte. Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 25.10., 20.30 + Urania: Sa 28.10., 13.30 (OmenglU) A Ghost Story (USA 2016) R: David Lowery D: Casey Affleck, Rooney Mara, Kenneisha Thompson. 92 min. Ein tödlich verunglückter Musiker kehrt zu dem Haus

FOTOS: Viennale

Viennale im Bild

Claire Denis hat mit „Un beau soleil intérieur“ ein Buch von Roland Barthes „verfilmt“: Juliette Binoche lernt die „Fragmente einer Sprache der Liebe“ kennen

Als Hommage an Hans Hurch haben 14 Filmemacher je einen Film ausgewählt: Gastón Solnicki etwa die tolle Gaunerkomödie „Trouble in Paradise von 1932

Beim Tribute Christoph Waltz ist der Schauspieler auch in seinem stärksten Prä-Hollywood-Part zu sehen: als Roy Black im TV-Film „Du bist nicht allein“, 1997


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Alle Termine, Film für Film, vom 19. Oktober bis zum 2. November zurück, in dem er mit seiner Frau lebte: und zwar als Geist, eingehüllt in Leintuch mit zwei Löchern für die Augen. Gewitzt-skurrile Variation auf die Ikonografie und das Genre der Haunted-House-Filme. Stadtkino im Künstlerhaus: Do 26.10., 22.00 + Urania: Fr 27.10., 11.00 (OF) Golden Exits (USA 2016) R: Alex Ross Perry D: Emily Browning, Jason Schwartzman, Adam Horovitz, Chloë Sevigny, Mary-Louise Parker. 95 min. Naomi kommt aus Australien nach New York, um ein Praktikum beim Archivar Nick zu machen. Sie kennt hier niemanden außer ihren Kindheitsfreund Buddy, der mittlerweile mit Jess verheiratet ist. Naomis Anwesenheit verändert die Dynamiken in den zwei Familien ihres neuen Umfelds, in denen viel unausgesprochene Unzufriedenheit herrscht. Gartenbau: So 22.10., 20.30 + Sa 28.10., 13.00 (OF) Good Time (USA/LUX 2017) R: Benny Safdie, Josh Safdie D: Robert Pattinson, Jennifer Jason Leigh, Barkad Abdi, Ben Safdie, Buddy Duress. 100 min. An Robert glitzert hier nur noch das Flinserl: Die Brüder Connie und Nick, der eine ein Hitzkopf, der andere psychisch beeinträchtigt, überfallen eine Bank, doch das Glück ist nicht auf ihrer Seite. Nick landet im Gefängnis, woraufhin sein Bruder versucht, das Geld für die Kaution aufzutreiben. Rhythmisch gestalteter, hypnotischer Blick auf die Randgebiete und Abgründe New Yorks. Urania: Di 24.10., 21.00 + Gartenbau: Do 26.10., 15.30 (OmU) Grandeur et décadence d’un petit commerce de cinéma (F/CH 1986) R: Jean-Luc Godard D: Jean-Pierre Léaud, Jean-Pierre Mocky, Marie Valéra, Anne Carrel, Jean-Luc Godard. 92 min. Eine Auftragsarbeit fürs französische Fernsehen und eine von Godards schwärzesten Ansichten über die Arbeit des Filmemachens. Es sei kein Werk, das man nacherzählen könne, stand 1986 in den Cahiers du Cinéma, doch bleibe etwas von den Bildern zurück, „das sich dauerhaft in uns niederschlägt, als hätte man recht lange ein rätselhaftes Gemälde betrachtet, nicht unbedingt, um es besser zu verstehen, sondern um sich stärker von seinem Geheimnis durchdringen zu lassen“. Gartenbau: Mo 23.10., 13.00 + Urania: Do 26.10., 21.00 (OmenglU) Grave (F/B 2016) R: Julia Ducournau D: Garance Marillier, Ella Rumpf, Rabah Naït Oufella, Laurent Lucas, Joana Preiss. 99 min. In Justines Familie sind alle Vegetarier und Veterinärmediziner. Als sie auf der Uni, wo sie denselben Weg einzuschlagen gedenkt, während eines Initiationsrituals erstmals rohes Fleisch kostet, entdeckt sie ein ungeahntes Verlangen danach in sich – vor allem nach Menschenfleisch. Horror im Geiste David Cronenbergs. Gartenbau: Mi 25.10., 23.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Di 31.10., 23.00 (OmenglU) Hannah (I/B/F 2017) R: Andrea Pallaoro D: Charlotte Rampling, André Wilms, Jean-Michel Balthazar. 95 min. Nachdem Hannahs Ehemann verhaftet worden ist, ringt die Zurückgelassene um Normalität. Familie und Freunde wenden sich ab, sogar der Hund verweigert die Nahrung. Nur im Schauspielunterricht kann Hannah ihre Gefühle ausleben. Die Hintergründe dieser Reflexion über Isolation und Einsamkeit bleiben unbeleuchtet, Pallaoro konzentriert sich ganz auf seine Protagonistin (Rampling). Gartenbau: Mo 23.10., 18.00 + Urania: Fr 27.10., 13.30 (OmenglU) Helle Nächte (D/NOR 2017) R: Thomas Arslan D: Georg Friedrich, Tristan Göbel, Marie Leuenberger, Hanna Karlberg. 84 min. Der Bauingenieur Michael hatte seit Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem 14-jährigen Sohn Luis. Auf der Beerdigung von Michaels Vater in Norwegen sehen sie einander wieder, und Michael schlägt vor, noch einige gemeinsame Tage in dieser Fremde zu verbringen. Friedrich wurde als Hauptdarsteller in Berlin mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet. Gartenbau: Sa 21.10., 15.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: So 22.10., 20.30 (OmU) How to Talk to Girls at Parties (USA/GB 2016) R: John Cameron Mitchell D: Nicole Kidman, Elle Fanning, Abraham Lewis, Ethan Lawrence, Alex Sharp. 102 min. Cowboys & – ach nein, Punks & Aliens! In einem Londoner Vorort des Jahres 1977 sind Enn und seine Freunde dem neuen rebellischen Musik- und Lebensstil verfallen. Nach einem wilden Konzert treffen sie auf eine in Latex gekleidete Gruppe von Außerirdischen. Enn verliebt sich in Zan, die 48 Stunden lang unter den Menschen verweilen darf. Gartenbau: Mo 30.10., 23.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Do 2.11., 20.30 (OF) L’Insulte (F/LB 2017) R: Ziad Doueiri D: Adel Karam, Rita Hayek, Kamel El Basha, Christine Choueiri. 113 min. Der Mechaniker Toni, ein Christ, und der Vorarbeiter

Yasser, ein muslimischer Palästinenser, geraten an einem Sommertag in Beirut wegen einer Lappalie in Streit. In der Folge breitet sich die Eskalation auf das gesamte Viertel aus. Doueiri blickt mit seinem Film, der sich schließlich zum Gerichtssaaldrama entwickelt, in die vom Bürgerkrieg gezeichnete Geschichte des Libanon. Gartenbau: Sa 28.10., 15.30 + Urania: Mi 1.11., 18.30 (OmenglU) Jeannette, l’enfance de Jeanne d’Arc (F 2017) R: Bruno Dumont D: Lise Leplat Prudhomme, Jeanne Voisin, Lucile Gauthier, Aline Charles. 115 min. Mehr Rockoper als Biopic: Angesiedelt im 15. Jahrhundert, doch versetzt mit Musik von Meatloaf, Skrillex oder Cannibal Corpse sowie französischem Hip-Hop, offenbart die junge Jeannette hier zwischen Beten, Singen und Headbanging ihre Sehnsucht, sich für Gott und Vaterland zu opfern. Ein Musical. Urania: Fr 27.10., 21.00 + Gartenbau: So 29.10., 13.00 (OmU) Jeune femme (F 2017) R: Léonor Sérraille D: Laetitia Dosch, Grégoire Monsaingeon, Souleymane Seye Ndiaye, Léonie Simaga. 97 min. Nach einem Beziehungsende ist die 31-jährige Paula nach Paris zurückgekehrt und steht buchstäblich vor dem Nichts. Sie ist pleite, ihre Mutter hat den Kontakt zu ihr abgebrochen und sogar ihre beste Freundin hat genug von ihrer chaotischen Art. So macht sich Paula auf einen mit Katastrophen gepflasterten, leicht surrealen Weg in die Zukunft. Urania: Do 2.11., 16.00 + Sa 28.10., 18.30 (OmenglU) Journal d’un disparu (F 2017) R: Emmanuel Ostrovski, Joseph Rottner D: Joseph Rottner, Gianni Buscarino, Valentino Benvenuti. 69 min. Ulysse, hier nicht in Dublin, sondern durch einen verwilderten Garten wandernd, umgeben von der Natur und merkwürdigen Gestalten: Ein an Straub/Huillet geschultes Stück Kino, heißt’s im Viennale-Katalog, dessen Erzählung kunstvoll die Natur zur Bühne erweitert. Metro, Pleskow Saal: Mo 30.10., 20.30 (OmenglU) + So 29.10., 18.00 (OmU) Keul-le-eo-ui ka-me-la / Claire’s Camera (KR 2017) R: Hong Sangsoo D: Isabelle Huppert, Chang Mihee, Kim Min-hee, Jeong Jin-yeong, Shahira Fahmy. 69 min. Eine Komödie über die Filmwelt – und irgendwie auch nicht. Schauplatz ist das Filmfestival in Cannes, auf dem sich diverse Figuren über den Weg laufen: ein koreanischer Regisseur, eine Filmverkäuferin, die gerade ihren Job verloren hat, und die Lehrerin und Hobbyfotografin Claire, gespielt von Isabelle Huppert. Gartenbau: Di 31.10., 15.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 1.11., 23.00 (OmenglU) The Ladies Man (USA 1961) R: Jerry Lewis D: Jerry Lewis, Helen Traubel, Pat Stanley, Kathleen Freeman, George Raft. 95 min. Jerrys mit Abstand stärkster Film in Eigenregie. „Er hat sein Trauma weg, als ihn als Abiturient seine Verlobte versetzt. Dann folgt eine Art Erziehungsroman. Er wird Mädchen für alles wider Willen in Mrs. Wellenmelons Mädchenpensionat, das man im Aufschnitt sieht wie ein Puppenhaus.“ (Frieda Grafe) Gartenbau: Sa 28.10., 23.00 (OF) La nuit où j’ai nagé / The Night I Swam (F/J 2017) R: Damien Manivel, Kohei Igarashi D: Kogawa Takara, Kogawa Keiki, Kogawa Takashi. 79 min. Jeden Morgen, wenn der Fischer zur Arbeit geht, wacht auch sein sechsjähriger Sohn auf. Auf dem Schulweg biegt der Kleine eines Tages spontan in die tiefverschneite Landschaft ab, wandert umher, steigt in einen Zug und gelangt in eine andere Stadt. Ein Werk von großer Schlichtheit und Schönheit, ohne Dialoge nur aus der Sicht des kindlichen Protagonisten erzählt. Gartenbau: So 22.10., 15.30 + Urania: Mo 23.10., 18.30 Last Flag Flying (USA 2017) R: Richard Linklater D: Bryan Cranston, Laurence Fishburne, Steve Carell, Deanna Reed-Foster. 124 min. Der bekannte Independent-Regisseur aus Austin, Texas, greift mit „Last Flag FLying“ sehr lose die Fäden von „The Last Detail“ (R: Hal Ashby, 1970) wieder auf, in dem Jack Nicholson und Randy Quaid als zwei Navy-Angehörige auf langwieriger Reise einen Gefangenen überstellen müssen. Und auch die Vorlage zu Linklaters Film stammt von Autor und Kriegsveteran Darryl Ponicsan. Ein Pflichttermin. Gartenbau: Mo 30.10., 20.30 + Di 24.10., 6.30 (OF) La telenovela errante / The Wandering Soap Opera (CL 1990/2017) R: Raúl Ruiz, Valeria Sarmiento D: Luis Alarcón, Patricia Rivadeneira, Mauricio Pesutic, Francisco Reyes. 77 min. Raúl Ruiz drehte das Material für diesen Film – sein erstes Werk, das nach Ende der Diktatur Pinochets entstand – schon 1990. Seine Witwe Valeria Sarmiento hat ihn nun fertiggestellt. „Die ganze chilenische Realität wird aus der Perspektive einer Seifenoper beleuchtet, die als entlarvender Filter dieser Realität dient“, so Ruiz über seine Idee.

Metro, Pleskow Saal: So 22.10., 20.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Di 24.10., 15.30 (OmenglU) La vendedora de fósforos / The Little Match Girl (AR 2017) R: Alejo Moguillansky D: María Villar, Walter Jakob, Margarita Fernández, Helmut Lachenmann. 69 min. Im aufreibenden Umfeld der Kulturszene versuchen Walter, Marie und ihre kleine Tochter Cleo ein normales Leben zu führen. Er ist mitverantwortlich für die Inszenierung der avantgardistischen Oper „La vendedora de fósforos“, sie arbeitet als Assistentin einer Pianistin. Ein humorvoll und geradezu musikalisch inszenierter Film über Kunst und Kultur, Politik und Widerständigkeit. Metro: Di 24.10., 16.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 27.10., 15.30 (OmenglU) Lerd / A Man of Integrity (IR 2017) R: Mohammad Rasoulof D: Reza Akhlaghirad, Soudabeh Beizaee, Misagh Zare Zeinab. 117 min. Der ehemalige Lehrer Reza, der aufgrund seiner Beteiligung an Arbeiterprotesten entlassen worden ist, hat auf dem Land ein neues Leben als Goldfischzüchter begonnen. Bald jedoch gerät er mit dem korrupten Unternehmen aneinander, das das nordiranische Städtchen beherrscht. Eine Tragödie, die an Kleists „Michael Kohlhaas“ erinnert. Gartenbau: Mi 1.11., 13.00 + Metro: Do 2.11., 16.00 (OmenglU) Licht (Ö/D 2017) R: Barbara Albert D: Maria Dragus, Devid Striesow, Lukas Miko, Katja Kolm. 97 min. Wien um 1770. Die blinde Pianistin Maria Theresia „Resi“ Paradis wird von ihren Eltern in die Obhut des Wunderheilers Franz Anton Mesmer gegeben, der ihr Augenlicht wiederherstellen soll. Der Prozess gerät für Resi zum Kampf um Selbstbestimmung. Frei nach dem Roman „Am Anfang war die Nacht Musik“ von Alissa Walser. Gartenbau: Sa 21.10., 18.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 23.10., 13.00 (OmenglU) Los globos / Balloons (ARG 2016) R: Mariano González D: Mariano González, Alfonso Gonzalez Lesca,Roberto José Gonzalez. 65 min. Cesar ist dabei, sein Leben neu aufzustellen. Nach dem Aufenthalt in einer Rehaklinik arbeitet er in einer Ballonwerkstatt in Buenos Aires. Aus seiner Vergangenheit ist nur sein kleiner Sohn übriggeblieben, dessen Mutter ums Leben gekommen ist. Cesar muss sich entscheiden, ob er ihn zur Adoption freigeben oder ihm ein Vater sein will. Metro: Fr 20.10., 16.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 21.10., 16.00 (OmenglU) Lucky (USA 2017) R: John Carroll Lynch D: Harry Dean Stanton, David Lynch, Tom Skerritt, Ed Begley Jr., Beth Grant. 88 min. In memoriam Harry Dean Stanton: Der überragende Charakterdarsteller mit dem einprägsamen Gesicht spielt in Lynchs Regiedebüt als 90-Jähriger noch einmal die Hauptrolle. Was als Komödie über einen alten Cowboy mit seinen täglich gleichen Routinen beginnt, entwickelt sich bald zu einer ironischen Reflexion über den Tod. Gartenbau: Fr 20.10., 13.00 + Do 19.10., 19.30, 22.30 (OmU) Making Judith (D 2017) R: Klaus Lemke D: Judith Paus, Polina Lapovskaja, Sina Bianca Hentschel, Klaus Lemke. 80 min. Neues vom deutschen „Kultfilmer“, der diesmal auch als Darsteller tätig ist: Er spielt einen Münchner Filmemacher, der eine Nachwuchsschauspielerin beim Casting zappeln lässt. „Obwohl Lemke weiterhin den Liebesneurosen junger Menschen nachspürt, schleicht sich in dieses Werk auch eine Altersmelancholie, die man so noch nicht bei ihm gesehen hat.“ (David Steinitz) Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 27.10., 23.00 + Metro, Pleskow Saal: Sa 28.10., 18.00 (OmenglU) Marvin (F 2017) R: Anne Fontaine D: Finnegan Oldfield, Jules Porier, Grégory Gadebois, Vincent Macaigne, Charles Berling, Isabelle Huppert. 115 min. Im Dorf in den Vogesen, wo Marvin lebt, herrschen Anpassungsdruck und raue Sitten; in der Schule begleiten ihn homophobe Bemerkungen, zu Hause nennt ihn seine Mutter nur „Skelett“. Als er das Dorf verlässt, kommt das einer Flucht und später einer Befreiung gleich: Paris, die Bühne und der Tanz warten. Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 20.10., 13.00 + Metro: So 29.10., 21.00 (OmenglU) Milla (F/P 2017) R: Valérie Massadian D: Séverine Jonckeere, Luc Chessel, Ethan Jonckeere. 128 min. Die 17-jährige Milla und ihr gleichaltriger Freund Leo stranden in einem leerstehenden Haus an der nordfranzösischen Küste. Nach und nach verwandeln sie es in ein Heim. Gänzlich unsentimentales, halbdokumentarisches Porträt einer jungen Frau und ihrer Liebesbeziehung. Urania: Fr 20.10., 21.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 21.10., 13.00 (OmenglU) Nelyubov / Loveless (RU/F/B/D 2017) R: Andrey Zvyagintsev D: Andris Keishs, Maryana Spivak, Alexey Rozin. 127 min. Eine Kleinfamilie in einem postsow-

jetischen Wohnturm. Die zerstrittenen Eltern planen die Trennung. Wo ihr Sohn bleiben soll, diskutieren sie mit einer solchen Herzenskälte, dass der Zwölfjährige, der alles mitgehört hat, Reißaus nimmt. Eine beunruhigend trostlose Bestandsaufnahme zu den Themen Materialismus und Egoismus. Urania: Fr 27.10., 16.00 + Gartenbau: Mi 1.11., 15.30 (OmU) The Nile Hilton Incident (SWE/D/DK 2016) R: Tarik Saleh D: Fares Fares, Mari Malek, Yasser Ali Maher, Slimane Dazi, Ahmed Seleem, Mohamed Yousry. 110 min. Das dunkle, zynische Herz des amerikanischen Film noirs wird in diesem politischen Thriller in das von der Revolution geprägte Kairo um 2011 verpflanzt: Der Polizist Noredin untersucht den Mord an einer Sängerin und gerät dabei in einen Sumpf aus persönlich und systemisch motivierter Korruption. Gartenbau: Mi 25.10., 20.30 + Urania: Mo 30.10., 13.30 (OmU) Patti Cake$ (USA 2017) R: Geremy Jasper D: Danielle Macdonald, Bridget Everett, Siddharth Dhananjay, Cathy Moriarty. 108 min. Patti Dombrowksi ist eine junge, übergewichtige Amerikanerin, die mit ihrer Mutter und Oma in New Jersey lebt und sich als Kellnerin über Wasser hält. Doch als „Patti Cake$“ bastelt sie an einem Mixtape und möchte ein Star im Hip-Hop-Business werden. Gartenbau: Sa 21.10., 23.30 + Urania: Mi 25.10., 21.00 (OmU) Person to Person (USA 2017) R: Dustin Guy Defa D: Abbi Jacobson, Michael Cera, Tavi Gevinson, Bene Coopersmith. 84 min. Angesiedelt an einem einzigen Tag in New York City versammelt Dustin Guy Defa im Stil der „Seriocomedies“ der 1960er und 1970er eine Reihe exzentrischer Randfiguren, deren Erlebnisse zwischen Tragik und Komik beleuchtet werden. Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 20.10., 20.30 + Gartenbau: Sa 21.10., 13.00 (OF) Ramiro (P 2017) R: Manuel Mozos D: António Mortágua, Madalena Almeida, Fernanda Neves, Vitor Correia. 104 min. Der melancholische Antiquar und Poet Ramiro führt ein einsames Leben in Lissabon. Mozos fängt Momente daraus in diesem stillen Drama ein: Empathische Kontakte mit seiner Nachbarin Amelia und ihrer schwangeren Enkelin, abendliche Trink­ runden und flüchtige Begegnungen, die manchmal in gewalttätiger Erniedrigung enden. Metro, Pleskow Saal: Do 26.10., 13.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 27.10., 20.30 (OmenglU) Ryu san (J/HK/CN/TW/D 2017) R: Sabu D: Chang Chen, Aoyagi Sho, Yao Yiti, Bai Runyin, Arifuku Masashi, Suwa Taro. 129 min. Mr. Long, vormals Auftragsmörder, muss in einer japanischen Kleinstadt untertauchen und wird mehr oder weniger ungewollt Koch. Das ganze Viertel liebt sein Essen. Während der Film sich in Richtung Komödie entwickelt, schiebt sich das tragische Schicksal eines jungen Liebespaares dazwischen. Metro: Fr 20.10., 21.00 (OmenglU) + Gartenbau: So 22.10., 23.00 (OmU) Sandome no satsujin / The Third Murder (J 2017) R: Hirokazu Koreeda D: Masaharu Fukuyama, Suzu Hirose, Mikako Ichikawa, Shinnosuke Mitsushima. 124 min. Nach feinfühligen Familiendramen wie „Like Father, Like Son“ und „Our Little Sister“ wendet sich Koreeda einem Justizdrama zu. Misumi, der vor Jahrzehnten wegen Doppelmordes verurteilt worden ist, ist der neue Klient von Strafverteidiger Shigemori. Er hat den Mord an seinem Arbeitgeber gestanden, doch Shigemori plagen Zweifel an seiner Schuld. Er beginnt, Nachforschungen anzustellen. Gartenbau: Mo 30.10., 15.30 + Metro: Mi 1.11., 21.00 (OmenglU) Sanpo suru shinryakusha / Before We Vanish (J 2017) R: Kurosawa Kiyoshi D: Matsuda Ryuhei, Nagasawa Masami, Hasegawa Hiroki. 129 min. Drei außerirdische Wesen haben von Menschenkörpern Besitz ergriffen, um eine Invasion vorzubereiten. Doch statt um Horror und Paranoia geht es hier um Verständnisschwierigkeiten – aufseiten der Angreifer: Ihre Versuche, Begriffe wie „Familie“, „Selbst“, „Besitz“ oder „Arbeit“ zu begreifen, scheitern, woraufhin sie sich als „Menschen“ recht seltsam verhalten. Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 25.10., 23.00 + Urania: Do 2.11., 21.00 (OmenglU) Le Serpent aux mille coupures (F 2016) R: Eric Valette D: Tomer Sisley, Terence Yin, Pascal Greggory, Stéphane Debac. 104 min. Politisch und gesellschaftskritisch unterfütterter Krimi, in dem verschiedene Gegner auf einem abgelegenen französischen Weingut zusammenkommen: der Winzer Omar und seine Familie selbst, seine rassistischen Nachbarn, die Vandalenakte auf seinem Besitz begehen, südamerikanische Drogenschmuggler und ein Killer, der


F A L T E R    V i e n n a l e 1 7

Spielfilm Comédie musicale

Ein Kinderspiel: Bruno Dumonts „Jeannette“

Noch hat Jeanne aus Domrémy (Lise Leplat Prudhomme) leicht singen

er wartet, den kann schon mal W das Gefühl beschleichen, er drehe sich im Kreise. Dieser mobi-

le Stillstand mag im Leben entmutigend sein. Das Musical hingegen weiß Rat: Es übersetzt ihn in die tänzerische Eroberung des Raums. Meist ist das natürlich nur ein beschwingtes Täuschungsmanöver, denn die Tänzer kommen selten vom Fleck. Nach 14 Jahrhunderten hat Schäferin Jeannette den Eindruck, es liefe nicht mehr rund im Christentum. Die Achtjährige wird von einer Glaubenskrise ergriffen. Gewiss, an Heiligen und Frömmigkeit herrscht kein Mangel, aber was helfen die, wenn Frankreich von den Engländern ­besetzt ist und der Widerstand zu erlöschen droht? Fünf Jahre werden ­vergehen, bis Jeanne ihre Bestimmung erkennt. Bis dahin wird sie im Sand tanzen, atemlos Lieder singen, deren ­Wohlklang zuweilen vom Blöken der Schafe unterbrochen wird, und beherzt Erwachsenendialoge aufsagen, die geradewegs aus der Feder Charles ­Peguys stammen. So stellt sich Bruno Dumont in „Jeanette, l’enfance de Jeanne d’Arc“ Kindheit und Heranwachsen der französischen Nationalheldin vor. In den letzten Jahren durften Kinound Fernsehzuschauer miterleben, wie es dem strengen Asketen aus Frankreichs Norden leichter ums Herz wird. Seinem Kino sind launige Attraktionen zugewachsen. Er wechselt die Register, dreht nun auch schwarze Komödien, die komisch, aber nicht lustig sind. Auch im neuen Modus mag er sich nicht verbiegen. Seine Kargheit muss Dumonts Kino trotz der Verlockungen der Zerstreuung nicht einbüßen. Aus wenigen Elementen ist seine comédie musicale komponiert: energische Laiendarsteller, die sich in überschaubarer Landschaft zu den harten Klängen von Igorrrs Musik tummeln. Ein kleines Wunder: ein Film, der bei aller bizarren Heterogenität eins ist mit sich. GERHARD MIDDING

Urania: Fr, 27.10., 21 Uhr Gartenbau: So, 29.10., 13 Uhr (OmU)

Mitglied einer Biker-Gang ist. Urania: So 22.10., 21.15 + Gartenbau: Mo 23.10., 23.00 (OmenglU) Sexy Durga (IND 2017) R: Sanal Kumar Sasidharan D: Rajshri Deshpande, Kannan Nayar, Vedh, Sujeesh K. S., Arunsol. 85 min. Ein junges Paar, Durga und Kabeer, sucht in tiefer Nacht überstürzt das Weite. Nicht nur ihr Fahrer, auch die restliche Umwelt zeigt sich dabei als bedrohlich. Dazwischen eingeflochten sind dokumentarische Aufnahmen eines Hindu-Festes zu Ehren Kalis, der Göttin des Todes und zornvollen Manifestation der Göttin Durga. Ein allegorisches Roadmovie. Metro: Mo 23.10., 14.00 + Metro, Pleskow Saal: So 29.10., 15.30 (OmenglU) The Shape of Water (USA 2017) R: Guillermo del Toro D: Sally Hawkins, Michael Shannon, Richard Jenkins, Octavia Spencer. 119 min. Del Toro verknüpft ein weiteres Mal Realismus und Fantastik. Angesiedelt in den frühen 1960ern in einem Hochsicherheitslabor der US-Regierung, erzählt er die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen der Reinigungsfrau Elisa und einem mysteriösen Amphibienmann, der dort eingeliefert wird. Im Wettrüsten mit den Sowjets erhofft sich das Militär Vorteile durch die Erforschung des Gefangenen. Ausgezeichnet in Venedig mit dem Goldenen Löwen! Gartenbau: Fr 20.10., 21.00 + So 22.10., 13.00 (OmU) Sollers Point (USA/F 2017) R: Matt Porterfield D: McCaul Lombardi, James Belushi, Zazie Beetz, Everleigh Brenner. 101 min. Keith, 24, wird aus dem Gefängnis entlassen und zu Hausarrest bei seinem Dad in Baltimore verdonnert. Gar nicht so einfach, von seiner alten Gang und der Vergangenheit loszukommen. Metro: Mi 25.10., 21.00 + Gartenbau: Do 2.11., 13.00 (OF) Sweet Country (AUS 2017) R: Warwick Thornton D: Bryan Brown, Matt Day, Tremayne Doolan, Sam Neill, Hamilton Morris. 113 min. Der Farmarbeiter Sam Kelly und seine Frau Lizzie, beide Aborigines, werden im nördlichen Australien des Jahres 1929 des Mordes beschuldigt. Sie fliehen in eine von Hitze und Leere geprägte Landschaft, gnadenlos gehetzt von einer Gruppe weißer Männer. Inspiriert von wahren Ereignissen. Urania: So 29.10., 11.00 + Gartenbau: Mi 1.11., 18.00 (OmenglU) Teheran Tabu (D/Ö 2017) R: Ali Soozandeh D: Elmira Rafizadeh, Zahra Amir Ebrahimi, Arash Marandi. 96 min. Der mittels Rotoskopie und Motion Capture entstandene Animationsfilm erzählt in mehreren Episoden vom Leben im heutigen Iran, in dem strenge religiöse Gesetze und deren Übertretung nebeneinander existieren. Hauptfiguren sind die Prostituierte Pari, ein bürgerliches Ehepaar und ein junger Musiker. Gartenbau: So 29.10., 21.00 (OmU) + Urania: Di 31.10., 11.00 (OmenglU) Los territorios (ARG/BRA 2016) R: Iván Granovsky D: Iván Granovsky, Alberto Ajaka, Rafael Spregelburd, Valeria Lois. 93 min. Granovsky hat ein selbstironisches Werk geschaffen, das mit dem Publikum und, so scheint es, auch mit dem Protagonisten spielt. Dieser ist Filmproduzent und möchte über die Krisen der Welt berichten, doch wo er hinkommt, eilt ihm der Ruf seines Vaters, eines prominenten argentinischen Journalisten, voraus. Metro: So 22.10., 18.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 25.10., 13.00 (OmenglU) Tesnota / Closeness (RU 2017) R: Kantemir Balagov D: Darya Zhovner, Olga Dragunova, Artem Tsypin, Nazir Zhukov. 118 min. Ilana ist Teil einer jüdischen Familie in der Stadt Naltschik im nördlichen Kaukasus. Sie arbeitet als Mechanikerin, ist burschikos und unangepasst und hat einen nichtjüdischen Freund. Als ihr Bruder und dessen Verlobte entführt werden, braucht die Familie dringend Lösegeld. Eine andere Familie bietet an, das Geld zu zahlen, wenn Ilana ihren Sohn heiratet. Stadtkino im Künstlerhaus: Do 2.11., 15.30 + Di 24.10., 20.30 (OmenglU) Thirst Street (USA/F 2017) R: Nathan Silver D: Lindsay Burdge, Damien Bonnard, Esther Garrel, Lola Bessis, Anjelica Huston (Stimme). 83 min. Die US-amerikanische Flugbegleiterin Gina ist nach dem Selbstmord ihres Freundes in einem emotionalen Schockzustand. Bei einem Aufenthalt in Paris lernt sie den Barkeeper Jérome kennen. Für ihn ist es nur ein One-Night-Stand, doch Gina entwickelt eine romantische Obsession. Völlig überstürzt zieht sie nach Paris, um Jérome nahe zu sein. Urania: Mi 1.11., 21.00 + Metro: Do 2.11., 11.00 (OmenglU) Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (USA/ GB 2017) R: Martin McDonagh D: Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, Clarke Peters. 116 min. Die jugendliche Tochter der Souvenirverkäuferin Mildred ist vergewaltigt und ermordet worden. Weil die Polizei nichts tut, mietet Mildred Plakatwände am Ortsausgang, auf denen sie die Untätigkeit der Behörden anklagt. Der Film wird ganz von Frances McDormand getragen, die eine solche Wut in ihre Rolle legt, dass sie damit gleichsam Verständnis wie Furcht erzeugt. Gartenbau: Fr 27.10., 13.00 + Mi 25.10., 18.00 (OmU) Tiere (CH/Ö/PL 2017) R: Greg Zglinski D: Birgit Minichmayr, Philipp Hochmair, Mona Petri, Mehdi Nebbou. 95 min. Das Wiener Pärchen Nick und Anna zieht für sechs Monate in die Schweiz. Er hatte vor Kurzem eine

Affäre, sie kämpft mit ihrer Eifersucht. Nach einem Unfall auf der Fahrt geraten die zeitlichen und räumlichen Ebenen des Films zunehmend durcheinander. Allerlei Tiere haben einen Auftritt – und manche von ihnen können sprechen. Gartenbau: Mo 30.10., 18.00 (OmU) + Urania: Di 31.10., 16.00 (OmenglU) Tragedy Girls (USA 2016) R: Tyler Macintyre D: Alexandra Shipp, Brianna Hildebrand, Jack Quaid, Timothy V. Murphy. 96 min. Sadie und McKayla sind zwei Teenager, die von der großen Internetpopularität träumen. Als Website-Betreiberinnen mit dem Namen „Tragedy Girls“ machen sie Handyfilmchen von Verbrechen und stiften die Täter noch zu weiteren Delikten an. Eine Mischung aus Horrorkomödie und sozialem Kommentar, die einer ganzen Reihe von Horrorfilmen Referenz erweist. Urania: Di 24.10., 11.00 + Gartenbau: Di 31.10., 23.15 (OF) Überraschungsfilm Gartenbau: So 29.10., 15.30 (OmU) Un beau soleil intérieur (F 2017) R: Claire Denis D: Juliette Binoche, Xavier Beauvois, Sandrine Dumas, Alex Descas, Valeria Bruni-Tedeschi, Gérard Depardieu. 94 min. Verfilmung von Roland Barthes’ „Fragmente einer Sprache der Liebe“ (1977): Im Mittelpunkt steht Isabelle, eine frisch geschiedene Pariserin mit unterschiedlichen Affären. Sie ist eine große unglücklich Liebende, doch finden sich auch eine Menge Situationskomik und scharfer Wortwitz in Denis’ neuem Werk. Gartenbau: Fr 27.10., 20.30 + Urania: Sa 28.10., 11.00 (OmU) La Villa (F 2017) R: Robert Guédiguian D: Ariane Ascaride, Jean-Pierre Darroussin, Gérard Meylan, Jacques Boudet, Anaïs Demoustier. 107 min. Schauplatz ist eine kleine Bucht bei Marseille, malerisch und rau, das Lebensprojekt des Patrons, der seit einem Schlaganfall im Wachkoma liegt. Nun kehren seine drei Kinder zurück, um zu entscheiden, was aus dem Erbe werden soll. Gartenbau: Do 2.11., 23.00, 19.30 (OmU) Western (D/Ö/BG 2017) R: Valeska Grisebach D: Meinhard Neumann, Reinhardt Wetrek, Syuleyman Alilov Letifov. 115 min. Culture-Clash-Drama in Gestalt eines Westerns: Eine Gruppe deutscher Bauarbeiter soll in Bulgarien ein kleines Wasserkraftwerk errichten. In der Begegnung mit der lokalen Bevölkerung kommen Über- und Unterlegenheitsgefühle zum Ausdruck. Meinhard, der schweigsame, einsame Held des Films, scheint zu keiner der beiden Seiten zu gehören. Gartenbau: So 29.10., 18.00 + Urania: Do 2.11., 11.00 (OmU) The White Girl (HK 2017) R: Jenny Suen, Christopher Doyle D: Joe Odagiri, Angela Yuen, Jeff Yiu, Michael Ning. 97 min. Das weiße Mädchen des Titels hat eine angeborene Allergie gegen die Sonne. Ihr einziger Freund, Ho Zai, ist zu klein, um das Problem zu verstehen. Eines Nachts trifft sie am Meer einen Fremden, er heißt Sakamoto. – Allegorie auf eine spezielle Liebesgeschichte, von Co-Regisseur und Kameramann Christopher Doyle in „tropical noir“ getaucht. Urania: So 22.10., 16.00 + Metro: Di 24.10., 21.00 (OmenglU) Wo bu shi pan jin lian / I am Not Madame Bovary (CN 2016) R: Feng Xiaogang D: Fan Bingbing, Dong Chengpeng, Yin Yuanzhang, Feng Enhe. 139 min. Ein Ehepaar täuscht seine Scheidung vor, um einen geschäftlichen Vorteil zu haben. Kaum aber sind die Papiere ausgestellt, muss Li Xuelan erkennen, dass ihr „Exmann“ eine Neue hat. Es folgt ein jahrelanger Kampf, in dem die Betrogene versucht, die Wahrheit zu beweisen und ihren Ruf wiederherzustellen. Fengs kafkaeske Komödie ist ein Seitenhieb auf die chinesische Bürokratie. Urania: So 22.10., 18.30 (OmU) + Metro, Pleskow Saal: Sa 28.10., 20.30 (OmenglU) Wonder Wheel (USA 2017) R: Woody Allen D: Kate Winslet, Juno Temple, Justin Timberlake, James Belushi. 101 min. Allens neuer Film führt in die 1950er und auf die Halbinsel Coney Island mit ihrem Vergnügungspark. Hier arbeitet die fragile ehemalige Schauspielerin Ginny als Kellnerin. Sie ist mit dem ungehobelten Humpty verheiratet, der ein Karussell betreibt, und verliebt sich in den Rettungsschwimmer Mickey. Da taucht Humptys Tochter Carolina auf, die sich vor einer Gruppe von Gangstern versteckt. Gartenbau: Do 26.10., 13.00 + So 22.10., 18.00 (OmU)

Dokumentarfilme ✶ (Ö 2017) R: Johann Lurf. 97 min. Nachthimmelbilder der Filmgeschichte: „ein Pandämonium schönster und traurigster Träume, ein Ballett leuchtendster Gaswolken, eine Sinfonie menschlichster Ängste und Rettungsfantasien“ (Otto Reiter). Urania: Mo 23.10., 16.00 + Metro, Pleskow Saal: Di 24.10., 18.00 12 Jours (F 2017) R: Raymond Depardon. 87 min. Mehrfach schon hat Depardon, der große alte Mann des französischen Dokumentarfilms, sich dem Thema Psychiatrie gewidmet („San Clemente“ und „Urgences“ werden gleichfalls bei der Viennale gezeigt). Diesmal geht es um jene „12 Tage“, binnen der laut Gesetz jeder Fall einer unfreiwillig in die Psychiatrie eingelieferten Person vor einen Richter gebracht werden muss. Unter 72 Anhörungen, die Depardon gefilmt hat, wollte einzig eine junge Frau die Klinik

nicht umgehend wieder verlassen. Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 21.10., 21.00 + Gartenbau: Di 31.10., 13.00 (OmenglU) 78/52 (USA 2017) R: Alexandre O. Philippe. 91 min. 39 Schauspieler, Regisseure, Autoren und Cutter – von Peter Bogdanovich über Guillermo del Toro bis zu Walter Murch – nehmen die berühmte Duschszene aus Alfred Hitchcocks „Psycho“ auseinander und versuchen ihren einzigartigen Einfluss auf die amerikanische Filmkultur zu ergründen. Urania: Mo 23.10., 21.00 + Metro, Pleskow Saal: Di 24.10., 13.00 (OF) A l’ouest du Jourdain / West of the Jordan River (F/IL 2017) R: Amos Gitai. 84 min. Roadmovie durch die seit dem Libanon-Feldzug 1982 besetzten Gebiete, das auf die Bürger beider Seiten und deren Initiativen fokussiert. Gitai arbeitet sich mit seiner kleinen Filmcrew in die Dörfer der Gegend vor und befragt die Einwohner nach ihren Hoffnungen und Ängsten. Metro: So 22.10., 21.00 + Urania: Mo 23.10., 11.00 (OmenglU) Aus einem Jahr der Nichtereignisse (D 2017) R: Ann-Carolin Renninge, René Frölke. 83 min. Im Wechsel der Jahreszeiten zeichnet der Film ein Porträt vom Alltag des resoluten, ein wenig zerzausten alten Willi, der mit seinen knapp 90 Jahren ganz allein auf einem Bauernhof in Norddeutschland lebt – und ist zugleich ein Essay über den Zyklus des Lebens. Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 20.10., 15.30 (OmU) + Metro, Pleskow Saal: Mo 23.10., 18.00 (OmenglU) Baronesa (BRA 2017) R: Juliana Antunes. 70 min. Fünf Jahre lang war Regiedebütantin Juliana Antunes und ihre weibliche Crew „embedded“ in einer Favela in der Millionenmetropole Belo Horizonte. Oft lebten schliefen sie im gleichen Haus wie die Frauen, die sie filmten: Leid und Andreia, zwei Freundinnen, die in ständiger Angst leben, sich aber trotzdem nicht unterkriegen lassen. Metro, Pleskow Saal: Fr 27.10., 20.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 30.10., 15.30 (OmenglU) Bayang ina mo / Motherland (USA/Philippinen 2017) R: Ramona S. Diaz. 94 min. In der Tradition des Cinéma vérité beobachtet Ramona S. Diaz, die 2003 mit ihrem Film „Imelda (über die Gattin des philippinischen Diktators Marcos) bekannt wurde, drei Frauen und ihre Neugeborenen mitten im alltäglichen Trubel des Fabella Memorial Hospital in Manila, einer der größten Geburtsstationen der Welt. Metro, Pleskow Saal: Fr 20.10., 13.00 + Urania: Fr 27.10., 18.30 (OmenglU) Becoming Cary Grant (F 2017) R: Mark Kidel. 86 min. „Du bist nur ein Bündel aus Molekülen, solange du nicht weißt, wer du bist“, notierte Cary Grant in seiner unvollendet gebliebenen Autobiografie. Mark Kidels Doku spürt der „wahren Persönlichkeit“ des großen Hollywoodstars mit sensationellem Material und reichlich Küchenpsychologie nach. Metro: Sa 21.10., 21.00 + Metro, Pleskow Saal: Mi 25.10., 13.00 (OF) Belinda (F 2017) R: Marie Dumora. 107 min. Die Schwestern Belinda und Sabrina gehören zur ethnischen Minderheit der Jenischen. Als politisch Verfolgte lernten sich ihre Großeltern in einem Konzentrationslager kennen. Die beiden Enkelinnen, aufgewachsen im Kinderheim, sehen sich bis heute Diskriminierung ausgesetzt und leben in prekärsten Verhältnissen. Dokumentarische Langzeitstudie, für die Marie Dumora über 14 Jahre immer wieder mit den beiden Mädchen gefilmt hat. Metro, Pleskow Saal: Mo 23.10., 20.30 + Urania: Mi 25.10., 16.00 (OmenglU) Berg Fidel – Eine Schule für alle (D 2011) R: Hella Wenders. 88 min. Die Grundschule Berg Fidel in Münster nimmt alle Kinder ihres Einzugsgebiets auf und überweist keines auf eine Förderschule. Ganz nach dem Prinzip der Inklusion stellt Regisseurin Wenders die Schule „von innen“ vor: Sie porträtiert vier der Kinder, die sich in altersgemischten Klassen gegenseitig helfen. Urania: Fr 20.10., 16.00 + Metro: So 22.10., 11.00 (OmenglU) Brimstone & Glory (USA/MEX 2017) R: Viktor Jakovleski. 67 min. Im mexikanischen Tultepec ehrt man den heiligen San Juan de Dios alljährlich mit einem Feuerwerk-Festival von einer Woche. Der Film macht die Feier zum synästhetischen Erlebnis, aber zeigt auch Menschen, die von der Pyrotechnik gezeichnet sind. Metro, Pleskow Saal: So 22.10., 13.30 + Metro: Do 26.10., 18.30 (OmenglU) Bunch of Kunst – A Film about Sleaford Mods (D 2017) R: Christine Franz. 102 min. Vor ein paar Jahren noch haben sich Jason Williamson und Andrew Fearn mit Gelegenheitsjobs durchs Leben geschlagen, nunmehr verarbeiten sie die Erfahrungen einer prekarisierten Gesellschaft im neoliberalen England. Nicht umsonst gelten sie als „die wütendste Band Englands“, denn wütend sind die Sleaford Mods über vieles: über die aktuelle politische Situation, Boris „Moptop“ Johnson, Hipster in London, Idioten auf Snapchat. Go for it. Stadtkino im Künstlerhaus: So 22.10., 23.00 (OmU) Chavela (USA/MEX/E 2017) R: Catherine Gund, Daresha Kyi. 90 min. Chavela Vargas (1919–2012) sang von unerfüllter Liebe und Verlust. Mit ihrer Ausstrahlung und tollen Stimme betörte sie Celebrities von Frida Kahlo

foto: STADTKINO

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MI, 25. 10., ab 22 Uhr Konzert & Party YARAH BRAVO (LIVE) / SPINELLY / CHRISFADER / MOSCH

Café · Bar · Events · Diskussionen TÄGLICH VON 18 UHR BIS 4 UHR FRÜH

Das Label Duzz Down San und der dazugehörige ClubbDuzz stehen für einen krediblen Mix aus HipHop und elektronischer Bass Musik. Special Guest ist Singer-Songrapperin Yarah Bravo, die ihr Publikum mit conscious lyrics und melodiösen Sounds gekonnt in den Bann zieht. Mit dabei sind die Label-Kollegen Spinelly, Chrisfader und Mosch.

KUNSTHALLE WIEN im Museumsquartier 1070 Wien, Museumsplatz 1 (U2, U3 Volkstheater / U2 Museumsquartier) Freier Eintritt bei allen Veranstaltungen und Konzerten!

DO, 26. 10., 20.30 Uhr Gespräch SEA OF SORROWS

VIENNALE FESTIVALZENTRUM

Yarah Bravo

DO, 26. 10., ab 21.30 Uhr DJ-Set FILMEMACHERINNEN AN DEN PLATTENTELLERN

DO, 19. 10., ab 22 Uhr Viennale Eröffnungsparty DJ DAY (US) / TRISHES / TESTA

DJ, Turntablist und Multiinstrumentalist DJ Day hat sich mit dem jazzig-souligen Vibe, den seine Sets und Remixe versprühen, einen weltweiten Namen gemacht. «Palm Spring’s Finest» eröffnet den Viennale-Partyreigen und wird dabei von DJ Trishes (FM4 Tribe Vibes) und Testa unterstützt.

Das beliebte Format, bei dem die FilmemacherInnen auf die musikalische Bühne geholt werden, um Lieblingsstücke aus ihrer Plattensammlung aufzulegen, ist wieder da: diesmal mit Marc Kidel (BECOMING CARY GRANT), Iván Granovsky (LOS TERRITORIOS), Valentina Brazzini (DAPHNE) und Juliana Antunes (BARONESA). Vanessa Redgrave

FR, 20. 10., 19 Uhr Gespräch JOHN CARROLL LYNCH IM GESPRÄCH

DJ Day

SA, 28. 10., ab 22 Uhr Konzert & Party FM4 CLUB: DAVIDECKS & DRUMS (LIVE & DJ-SET)

FilmemacherInnen an sen Plattentellern

Das queere Partykollektiv MALEFIZ öffnet die große Bühne für alle hartgesottenen TanzoptimistInnen und taumelt mit ihnen durch eine großunartige Nacht voller verquer-verspielter Pop-Elektro-Tanz-Musik. Als DJs wurden dafür Hertzbube & J’aime Julien verpflichtet.

Femdex

Photay

SO, 22. 10., 19 Uhr Buchpräsentation HANS HURCH. VOM WIDERSCHEIN DES KINOS

Drehli Robnik

Stuart A. Staples

Amp Fiddler

Booty Carrell

Superfly-Pionier DJ Smoab (Deephousemafia) und der umtriebige Produzent und DJ Roman Rauch (Secret Crunch, Philpot) lassen Housemusic hochleben und versprechen ein «Best-of» des Soulful Underground – «ganz ohne subtiles Herumgetue oder künstliche Verherrlichung».

In Kooperation mit

Zwei Jahre ist es her, dass Hans Hurch als DJ Ohannes selbst die Plattenteller übernahm, um eine Auswahl seiner Musikfavoriten hören zu lassen. Wir gedenken unseres Festivaldirektors und spielen seine Playlist von damals noch einmal. Und stoßen auf ihn an. Danach spielt Al Bird Sputnik (Trash Rock Archives) obskure Fundstücke und Unbesinnliches. Tereza

MI, 25. 10., 20 Uhr Diskussion kontroversiell! POLITIK UND ÄSTHETIK: ÜBER VERSCHIEDENE STRATEGIEN DES DOKUMENTARISCHEN

In Kooperation mit

DO, 2. 11., ab 22 Uhr Viennale Abschlussparty DJ COOLMANN (FÜNF STERNE DELUXE) / THE ZEES

Coolmann ist DJ und Gründungsmitglied der Fünf Sterne Deluxe, die an diesem Abend in Wien gastieren. Nach dem Gig sorgt der Hamburger für einen gebührenden Viennale-Abschluss, denn er weiß, wie man die Party rockt. Mit dabei sind DJ Zuzee (Waxolutionists) und Mrs. Zee.

Dumoras bemüht sich in BELINDA um größtmögliche Nähe zu den ProtagonistInnen, Jain sucht in MACHINES die ästhetisch durchdachte Präsentation seiner Subjekte und Sujets. Beide Filme werfen ganz explizit Fragen nach politischen Handlungsmöglichkeiten der ProtagonistInnen wie auch für uns KinobesucherInnen auf. Marie Dumoras und Rahul Jain im Gespräch mit Katja Wiederspahn.

MACHINES

Tereza zählt derzeit zu den angesagtesten DJ-Acts in Europas Clubszene. Mit HipHop sozialisiert, hat sie trotzdem keine Angst vor Genregrenzen und vereint in ihren Sets musikalischen Forscherdrang mit einem freimütigen Bekenntnis zur Eskalation. Unterstützung erhält sie dabei von Local Hero Wandl.

MI, 1. 11., ab 20 Uhr DJ-Set UNSER ALLER SELIGEN HEILIGER

In Kooperation mit

In Kooperation mit

DJ Smoab

DI, 31. 10., ab 22 Uhr Party TEREZA / WANDL DJ-SET (AFFINE REC.)

MO, 23. 10., ab 21 Uhr Konzert & Party AMP FIDDLER (LIVE) / FLO REAL (MAHOGANI MUSIC)

DI, 24. 10., ab 21 Uhr Party DJ SMOAB / ROMAN RAUCH

MO, 30. 10., ab 21 Uhr DJ-Set BOOTY CARRELL (PUDEL CLUB) / ALASKA AL

Booty Carrell ist Club-Host im legendären Hamburger Pudel Club. Der Vinyl-Freak steht für skurrile Sets, bei denen Funk aus dem Iran, türkische Psychedelik, ungarischer Hardrock auf AfroBeat und Jazz treffen und für Ekstase am Dancefloor sorgen. Suchtpotenzial!

Kino und Popmusik teilen sich zahllose Titel, ohne dass Song und Film einander kennen. Frank Oceans «Forrest Gump» mit Tom Hanks, Grimes’ «Oblivion» mit Tom Cruise, Premingers/Marleys «Exodus» – 90er-Fossil Drehli Robnik und Sissyboy spielen das Lied zum Filmclip, egal ob’s passt.

Amp Fiddler ist Keyboarder, Sänger und Produzent und hat Kollabos mit George Clinton, Jamiroquai, Prince, Moodymann, und J Dilla im Kasten. Der Detroiter atmet Soul und Funk und schafft dabei den Spagat zwischen Black-Music-Tradition und Moderne. Absolute Live- Empfehlung! DJ-Support: Flo Real.

Tindersticks-Sänger Stuart A. Staples ist als Regisseur mit dem Film MINUTE BODIES, einer musikalischen Ode an das Werk des naturalistischen Filmemachers Smith, zu Gast bei der Viennale. Gleichzeitig hat er zu zwei anderen Filmen der V’17 den Soundtrack komponiert. Mit Thomas Mießgang spricht er über den Sound der Tindersticks und ihre vielfältige Nähe zum Film. Auf Englisch.

Seit fast 25 Jahren gibt es die SoulSugar-Partys an wechselnden Locations in Wien. Musikalisch steht neben dem klaren Bekenntnis zu Funk und Soul auch Latin, Jazz, Brasil und Blues auf dem Programm – und ein Viennale-Gastspiel mit den DJs Arno, Bunani und Ziggy da Mack. Visuals: Frank Spinelli.

In Kooperation mit

Hans Hurch. Vom Widerschein des Kinos

In Kooperation mit

SO, 29. 10., ab 20 Uhr Party SOULSUGAR / ARNO / BUNANI / ZIGGY DA MACK

Das FALTER-Buch «Hans Hurch. Vom Widerschein des Kinos» ist eine Sammlung von Essays, Interviews und Kurztexten des verstorbenen Viennale-Direktors. Zum Release lesen die Herausgeber Claus Philipp, Christian Reder und Armin Thurnher aus dem Buch und erzählen Anekdoten aus der gemeinsamen Vergangenheit mit Hans Hurch.

SO, 22. 10., ab 21 Uhr DJ-Set SONG, FILM, SAME TITLE: DREHLI ROBNIK / SISSYBOY

Das Konzept von Davidecks & Drums ist einfach wie genial: FM4-DJ Kristian Davidek spielt sich quer durch seine vielfältige Musiksammlung, während Drummer Daniel Schreiber (The New Tower Generation) live an den Beats dazu feilt – und die Partymeute begeistert. Unterstützung gibts von DJ d.b.h.

SO, 29. 10., 18.30 Uhr Gespräch STUART A. STAPLES (TINDERSTICKS) IM GESPRÄCH

SA, 21. 10., ab 22 Uhr Party FEMDEX

Femdex fördert Frauen in der elektronischen Musik. Dem Argument, es gäbe nicht genug Künstlerinnen für ein ausgeglichenes Booking, liefert femdex den Gegenbeweis: Minou Oram, Anna Leiser, Misconica, Therese Terror, Ulrich Rois bewegen sich dabei zwischen Techno, Electro, House und Acid.

FR, 27. 10., ab 22 Uhr Konzert & Party PHOTAY (LIVE) / H∆NN∆ X D!ZZY / A++

Der New Yorker Photay hat sein drittes Album «Onism» am Start, das mit einem Mix aus polyrhythmischen Percussions, Samples und Field-Recordings zwischen analog und digital vermittelt. In Wien spielt er seinen zeitgeistigen Sound erstmals live, mit DJSupport von H∆NN∆ x D!ZZY und A++ (0 800). Don’t miss!

Der großartige US-Schauspieler John Carroll Lynch präsentiert mit LUCKY sein Regiedebüt und gleichzeitig den Eröffnungsfilm der diesjährigen Viennale. Im Gespräch mit Neil Young spricht er über seine Karriere, das Filmemachen und das schwierige Fach der Komödie. Auf Englisch.

FR, 20. 10., ab 22 Uhr Party MALEFIZ

John Carroll Lynch

Schauspielerin und Menschenrechtsaktivistin Vanessa Redgrave legt mit der Doku SEA SORROW ein Regiedebüt vor, das sich auf ganz persönliche Art mit der Flüchtlingsthematik beschäftigt. Im Festivalzentrum sprechen die Oscar-Preisträgerin und Carlo Nero (Produzent) mit Kurt Riha von der Caritas Wien und Eva-Maria Burger von Amnesty International Österreich über dieses aktuelle wie schwierige Thema. Auf Englisch.

DJ Coolmann


F A L T E R    V i e n n a l e 1 7

Doku Eine Geschichte der Zeit

Endstation Altersheim: „Distant Constellation“

Leben in Erinnerungen: der Charmeur, der Fotograf und die Armenierin Selma

ie Zeit scheint hier stillzustehen. D Die Regisseurin und Fotografin Shevaun Mizrahi porträtiert in „Distant Constellation“ die Bewohner und Be-

wohnerinnen eines Istanbuler Altersheimes, die wie in einer Zeitkapsel gefangen scheinen. Mizrahis Kamera ist eine statische, geduldige Beobachterin. Sie gibt sowohl dem alten Charmeur und Pianisten Raum, der wie ein eitler Gockel von seinen Orgien und Ausschweifungen erzählt, als auch dem verwirrten Fotografen, dem der Krebs sein Augenlicht raubt. Dazwischen beeindruckt die fast hundertjährige Selma, die nicht Selma heißt. Schwer liegt der Kopf zwischen den Schultern, krächzend die Stimme. Bedrückend berichtet sie vom Horror des armenischen Genozids in der Türkei, dem sie als Kind entkommen ist. Noch immer ist die Angst zu groß, um ihren wahren Namen zu nennen. Trauriges Highlight ist das verzweifelt, pragmatisch vorgetragene Heiratsangebot eines 75-jährigen Charmeurs an die junge Regisseurin. Die Einsamkeit bricht hier durch die Fassade des alternden Lebemannes. Während zwei alte Lauser den Lift kapern, um ungestört zu plaudern, errichten vor dem Fenster des Altersheimes Bauarbeiter einen neuen Gebäudekomplex, dessen Vollendung wohl viele nicht mehr erleben werden. In langen, starren Einstellungen konstruiert der Film eine heranna­ hende Zwischenwelt, die durch die gespenstische Soundkulisse vorangetrieben wird. „Distant Constellation“ ist eine mystisch angehauchte Abhandlung über die Natur der Zeit und der Menschen. Über allen liegt die Melancholie eines Lebens, das bereits hinter ihnen liegt und woran am Ende nicht mehr als die Erinnerung bleibt. MARTIN NGU YEN

Metro/Historischer Saal: Sa, 21.10., 11 Uhr Metro/Pleskow-Saal: Di, 24.10., 20.30 (OmenglU)

bis Ava Gardner. Auf radikale Weise eignete sie sich ein traditionell „männliches“ Genre der mexikanischen Musik an: das Ranchera. Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 21.10., 23.00 (OmU) Chuck Berry – Hail! Hail! Rock ’n’ Roll (USA 1987) R: Taylor Hackford D: Chuck Berry, Keith Richards, Bo Diddley, Little Richard. 120 min. Musikerbiografie mit vielen Interviews, seltenen Konzertproben und großartigen Auftritten von Chuck Berry (1926–2017). Herzstück dieser Doku ist die Feier seines 60. Geburtstags im Fox Theater in St. Louis, vormals ein Kinopalast aus den Twenties. Gartenbau: Mi 1.11., 23.00 (OF) Cry Baby, Cry (Ö 2017) R: Antonin Svoboda. 86 min. „Jedes Baby nimmt aktiv an der Geburt teil“, erklärt der Therapeut. „Es gestaltet sozusagen mit der Mutter zusammen den Geburtsprozess.“ Doch was ist, wenn es dabei zu Komplikationen kommt? „Wenn dann ein Eingriff erfolgt oder eine Narkose gesetzt wird, dann wird diese Bewegung unterbrochen.“ Für „Cry Baby, Cry“ hat Antonin Svoboda über ein Jahr lang Familien, die einer solchen belastenden Erfahrung ausgesetzt waren, begleitet. Stadtkino im Künstlerhaus: So 22.10., 15.30 (OmU) + Urania: Mo 23.10., 13.30 (OmenglU) Denk ich an Deutschland in der Nacht (D 2017) R: Romuald Karmakar. 105 min. Seine filmische Annäherung an die Clubkultur ist denkbar eigenwillig. Romuald Karmakar dreht nicht die üblichen Bilder, meidet sinnlose Schnitte, mischt sich nicht mit Handkamera unters aufgedrehte Partyvolk. Er steht am Rand, um das Entstehen von Musik zu beobachten, die Arbeit an ihr, ihre Wirkung – und steht leider immer noch am Rand dessen, was man „deutsche Filmkultur“ nennt, die keinen zweiten so klugen, originellen Kopf hat wie ihn. Gartenbau: Fr 27.10., 23.00 (OmU) + Stadtkino im Künstlerhaus: So 29.10., 15.30 (OmenglU) Dimona Twist (IL 2016) R: Michael Aviad. 71 min. Erzählt wird die Geschichte von sieben Frauen aus Polen und Nordafrika, die in den 1950er- und 1960er-Jahren mit dem Schiff nach Israel kommen. Von dort aus werden sie nach Dimona geschickt, in eine Stadt, die erst kürzlich mitten in der Wüste erbaut wurde. Eine wahre Pioneer Story. Urania: Sa 21.10., 21.00 + Metro, Pleskow Saal: Do 2.11., 13.00 (OmenglU) Distant Constellation (USA/TR 2017) R: Shevaun Mizrahi. 80 min. Ein Altersheim in Istanbul, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint: Regisseurin Mizrahi konserviert die Geschichten der Bewohnerinnen und Bewohner, wie etwa jene des einsamen Pianisten, des blinden Fotografen und eines der Überlebenden des armenischen Genozids in ruhigen, langen Einstellungen mit tarkovskischer Bild- und Tonkulisse. (Martin Nguyen) Metro: Sa 21.10., 11.00 + Metro, Pleskow Saal: Di 24.10., 20.30 (OmenglU) Donkeyote (D/E/GB 2017) R: Chico Pereira. 86 min. Ode an die Sturheit und die Freundschaft: Manolo, ein Don Quichote von heute, wandert den sogenannten Trail of Tears nach, auf dem in den USA einst die „fünf zivilisierten Nationen“ von ihrem Land gejagt und in die Indianer-Reservate in Oklahoma gesteckt wurden. Begleitet wird der 73-jährige Andalusier nur von einem schweigsamen „Sancho Pansa“, seinem Esel Gorrión. Metro, Pleskow Saal: Mi 25.10., 15.30 + Metro: Do 26.10., 13.30 (OmenglU) Ex libris – The New York Public Library (USA 2017) R: Frederick Wiseman. 196 min. Für den Doyen des Direct Cinema, den mittlerweile 87-jährigen Frederick Wiseman, ist die Public Library in New York, eine der größten Bibliotheken der Welt, ein lebendiger Organismus mit nicht weniger als 92 Abteilungen. Wie immer erkundet er auch diese Institution ohne Kommentar, nur mit filmischen Mitteln. „In Bibliotheken geht es nicht um Bücher“, bemerkt jemand vor der Kamera einmal, „es geht um Menschen.“ Gartenbau: Di 24.10., 13.00 + Urania: So 29.10., 16.00 (OmU) For Ahkeem (USA 2017) R: Jeremy S. Levine, Landon van Soest. 90 min. Coming-of-Age-Ballade: Zwei Jahre aus dem Leben von Daje Shelton, einem afroamerikanischen Teenager, die in North St. Louis lebt und ihre Schwierigkeiten mit der Schule, der Familie und als junge Mutter hat. „Einer der eindrücklichsten Dokumentarfilme, die je in den USA über race relations gedreht wurden“ (Andrew Parker). Metro, Pleskow Saal: Mo 30.10., 13.00 + Urania: Mi 1.11., 16.00 (OmU) The Force (USA 2017) R: Peter Nicks. 93 min. Im Fokus der im Direct-Cinema-Stil gedrehten Doku steht das krisengeschüttelte Oakland Police Department, das durch eine Reihe von Fehlverhalten und Missständen schwer in Verruf steht. Der neugewählte Polizeichef Sean Whent startet mit guten Absichten, um am Ende in einem Sumpf von Sex-, Rassismus- und Prostitutionsskandalen zu versinken. (Martin Nguyen) Gartenbau: Fr 20.10., 15.30 + Metro, Pleskow Saal: So 22.10., 18.00 (OF) Give Me Future (USA/Kuba 2017) R: Austin Peters. 82 min. Die US-amerikanischen Dancehall/ElectronicStars Major Lazer spielten 2015 ein Gratiskonzert in Havanna – nicht nur ein popkulturelles Ereignis,

sondern auch ein politischer Eisbrecher. Urania: Mi 1.11., 13.30 (OmenglU) Grace Jones: Bloodlight and Bami (GB/IRL/D 2017) R: Sophie Fiennes. 115 min. Das faszinierende Porträt einer Popikone der 1980er: überlebensgroß, divenhaft bis zur Karikatur, unzähmbar wild, respekteinflößend, androgyn – Grace Jones, 69, zieht alle Register. Gartenbau: Do 26.10., 23.00 + Urania: Do 2.11., 13.45 (OF) Gwendolyn (Ö/GB 2017) R: Ruth Kaaserer. 85 min. Gwendolyn ist Mitte 60, pensionierte Anthropologin, zarte 52 Kilo schwer und dreifache Weltmeisterin im Gewichtheben. Nach einer Krebserkrankung kämpft sie sich durch hartes Training zurück, um ihren Titel wieder zu holen. Der neue Film der erstaunlichen Ruth „Tough Cookies“ Kaaserer. Urania: Mo 30.10., 18.30 + Metro, Pleskow Saal: Do 2.11., 20.30 (OmU) King Cohen: The Wild World of Filmmaker Larry Cohen (USA/CAN 2016) R: Steve Mitchell. 106 min. Doku über den US-amerikanischen B-Filmer Cohen, der sich mit zweifelhaften Meisterwerken wie „Black Caesar“, „God Told Me To“, „The Private Files of J. Edgar Hoover“, „Ambulance“ oder Q – The Winged Serpent“ seinen fixen Stockerlplatz im Pantheon des intelligenten Exploitationkinos gesichert hat. Metro, Pleskow Saal: Sa 21.10., 12.30 + Urania: Do 26.10., 16.00 (OF) Ksiaze i dybuk / Der Prinz und der Dybbuk (PL/D 2017) R: Elwira Niewiera, Piotr Rosolowski. 82 min. Das polnische Regie-Duo begibt sich auf die Fährte von Moshe Waks, einem Filmemacher und Entrepreneur, der mehrere ganz verschiedene Identitäten auf sich vereinte. Unter seinen Arbeiten ragt „Dybuk“ (1937) heraus, sein Film nach einer jüdischen Legende, in der eine junge Frau von dem Geist ihres verstorbenen Liebhabers heimgesucht wird. Metro: Sa 21.10., 18.30 (OmU) + Stadtkino im Künstlerhaus: Di 24.10., 13.00 (OmenglU) Machines (IND/D/FIN 2016) R: Rahul Jain. 75 min. Das formal bestechende Porträt einer gigantischen Textilfabrik in Indien, wo ausgebeutete Arbeiter in Zwölf-Stunden-Schichten malochen. Chemie liegt in der Luft, Armut treibt sie an, Müdigkeit ist ständiger Begleiter. Regisseur Rahul Jain erzählt eine Geschichte von Ungleichheit und Unterdrückung, Menschen und Maschinen. (Martin Nguyen) Urania: Mi 25.10., 18.30 + Metro, Pleskow Saal: Do 26.10., 15.30 (OmenglU) Makala (F 2007) R: Emmanuel Gras. 96 min. Kabwita aus der Provinz Katanga im Kongo träumt davon, sich ein eigenes Haus zu bauen. Dafür braucht er 15 Platten aus Blech, die dem Wind trotzen, und er braucht Geld, um sie zu kaufen. Kabwitas einzige Einnahmequelle ist Holzkohle (Makala), für die er einen Baum fällen muss und die er dann in Kolwezi, 50 Kilometer entfernt, verkauft. Metro: Di 31.10., 21.00 + Metro, Pleskow Saal: Mi 1.11., 13.00 (OmenglU) Maman Colonelle (F/Kongo 2017) R: Dieudo Hamadi. 72 min. Colonel Honorine Munyole ist eine stattliche Frau, verwitwet, Mutter von sieben kleinen Kindern. Mehr oder minder allein leitet sie eine kleine PolizeiEinheit, die sich dem Schutz vergewaltigter Frauen und misshandelter Kinder in den vom (Bürger-)Krieg geplagten Regionen des Kongos widmet. Urania: Sa 28.10., 16.00 + Metro, Pleskow Saal: Mi 1.11., 18.00 (OmenglU) El mar la mar (USA 2017) R: Joshua Bonnetta, J.P. Sniadecki. 94 min. Viennale-Stammgast Sniadecki, ein in Beijing lebender US-Anthropolge, erkundet die Sonora-Wüste zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten: das Panorama eines hochgradig politisierten Landstrichs. Metro, Pleskow Saal: Mo 23.10., 13.00 + Urania: Mo 30.10., 16.00 (OmenglU) Minute Bodies: The Intimate World of F. Percy Smith (GB 2016) R: Stuart A. Staples. 55 min. Frank Percy Smith, britischer Naturwissenschaftler und Pionier der Mikrokinematografie, wusste schon 1909/10 mit Filmen wie „To Demonstrate How Spiders Fly“ oder „Acrobatic Fly“ zu verblüffen. Staples, der Kopf der melancholischen Indie-Band Tindersticks und „Hauskomponist“ der großen Claire Denis, hat eine hypnotische Bild-Ton-Collage daraus gestaltet. (Ohne Dialog) Metro: Sa 28.10., 21.30 + Metro, Pleskow Saal: So 29.10., 13.00 Ninato (E 2017) R: Adrián Orr. 72 min. Niñato aka David ist Rapper und alleinerziehender Vater, der mit Schwester, Eltern und Kindern in Madrid unter einem Dach zusammenlebt. Eine intime Familienchronik des Alltags ohne Kommentar und Interviews, die Davids Weg zwischen der Hingabe zur Musik und der Verantwortung gegenüber den Kindern folgt. (Martin Nguyen) Urania: Sa 21.10., 16.15 + Metro, Pleskow Saal: Mo 23.10., 15.30 (OmenglU) No intenso agora / In the Intense Now (BRA 2017) R: Joao Moreira Salles. 127 min. 1966 war die Mutter des Filmemachers auf Kulturreise durch China und hielt ihre Eindrücke von Land und Leuten auf Amateurfilm fest. Gut 40 Jahre später entdeckte Joao Moreira Salles das Material und machte diesen Film daraus. Metro, Pleskow Saal: Do 2.11., 18.00 (OmenglU) Nothingwood (F/D 2017) R: Sonia Kronlund. 85 min. Salim Shaheen ist eine Art afghanische Ein-Mann-Filmindustrie und hat bisher rund 110

No-Budget-Produktionen gedreht. In allen wird gesungen und getanzt, „Nothingwood“ nennt er sein Spin-off von Bollywood. Metro, Pleskow Saal: Fr 27.10., 15.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 28.10., 20.30 (OmenglU) Off Frame aka Revolution until Victory (PAL/F/ QA/LB 2016) R: Mohanad Yaqubi. 62 min. „Off Frame“ spürt den Fragmenten einer Revolution nach und setzt Bilder eines Traums von Freiheit zusammen. Ausgangsmaterial sind Produktionen des palästinensischen Widerstandskinos von 1968 bis 1982, die häufig in Kooperation mit Filmemachern, Schauspielern, Institutionen in Berlin, Moskau, Bagdad und auf Kuba entstanden. Metro, Pleskow Saal: Sa 21.10., 15.30 + Metro: Di 31.10., 18.30 (OmenglU) Olancho (USA/Honduras 2017) R: Christopher Valdés, Theodore Griswold. 70 min. „Olancho“ erzählt von Musikern, die ihre Kunst in den Dienst der honduranischen Drogenbarone stellen. In ihren Liedern glorifizieren sie jene Kartelle, die ihr eigenes Land zerstören und geraten in diesem gefährlichen Spiel mitunter selbst ins Visier der Narco-Clans. Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 20.10., 23.00 (OmenglU) Opuntia (USA/MEX/E 2017) R: David Fenster. 56 min. Ein floraler Essayfilm, der den Spuren von Cabeza de Vaca, einem Conquistador aus dem 16. Jahrhundert, folgt. Sie führen von den ehemaligen Sumpflandschaften Südfloridas in das Herz von Mexiko. Für Kakteenliebhaber. Metro, Pleskow Saal: So 29.10., 20.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 30.10., 13.00 (OmenglU) Piazza Vittorio (I 2017) R: Abel Ferrara. 82 min. Afrikanische Straßenmusiker, chinesische Kellner, einheimische Rechtsextremisten und Obdachlose sowie Bohemiens aus aller Welt tummeln sich rund um die Piazza Vittorio, den multikulturellsten Ort von Rom. Metro, Pleskow Saal: Sa 21.10., 20.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Do 26.10., 13.00 (OmenglU) The Public Image Is Rotten (USA 2017) R: Tabbert Fiiller. 104 min. In seinem Regiedebüt schildert Fiiller, der als Skateboarder in Mexico City aufwuchs, Bass spielte und als Kameramann arbeitete, die Geschichte von John Lydon (aka Johnny Rotten) und seiner PostSex-Pistols-Formation Public Image Ltd, die mit ihrer Fusion aus Punk, Dance, Reggae und World Music fast so einflussreich wurde wie die Pistols. Stadtkino im Künstlerhaus: So 29.10., 23.00 (OF) Purge This Land (USA 2017) R: Lee Anne Schmitt. 80 min. Filmkünstlerin Lee Anne Schmitt, die am CalArts unterrichtet und der 2011 bei der Viennale eine Werkschau gewidmet war, stellt John Brown, einen Abolutionisten und Gegner der Sklaverei, in den Mittelpunkt ihres Essayfilms. Sie filmt Städte und Landschaften entlang eines Pfades, den er einst beschritt, und spannt einen „Geschichtsbogen der Unterdrückung“ quer durch die USA. Metro, Pleskow Saal: Fr 20.10., 15.30 + Urania: Mo 30.10., 21.00 (OF) Les quatre soeurs (F 2017) R: Claude Lanzmann. 273 min. Vier Frauen, Lanzmann nennt sie „Schwestern“, geben als Zeuginnen einen beispiellosen Einblick in das NS-Grauen und erzählen aus der Tiefe der Geschichte, die sie nun wiederum ganz auf spezielle Weise vor Claude Lanzmanns Kamera zusammenführt: Paula Biren, Ruth Elias, Ada Lichtman, Hanna Marton. Die vier Filme werden an aufeinanderfolgenden Tagen gezeigt: „Baluty“, „La Puce joyeuse“, „L’Arche de Noe“ und „Le Serment d’hippocrate“. Pflichttermine. Urania: Mi 25.10., 14.30 + Di 24.10., 13.30 + Do 26.10., 13.30 (OmenglU) Queercore: How to Punk a Revolution (USA/D 2017) R: Yony Leiser. 83 min. In den 1980ern begann in Toronto eine neue Bewegung: Homocore, später Queercore genannt. Diese Doku erzählt ihre Geschichte. Stadtkino im Künstlerhaus: Di 24.10., 23.00 + Metro, Pleskow Saal: Mi 25.10., 18.00 (OmU) Raoul Ruiz, contre l’ignorance fiction! (F 2017) R: Alejandro Rojo. 62 min. Straighte, einstündige Doku über den chilenisch-französischen Regisseur Raoul Ruiz (1941–2011), der sich mit seinen Filmen traumwandlerisch zwischen Realität und Poesie bewegte. Metro, Pleskow Saal: Do 26.10., 18.00 + Metro: Mi 1.11., 13.30 (OmenglU) Readers (USA 2017) R: James Benning. 108 min. Man sieht drei Frauen und einen Mann beim Lesen: eine Halbtotale in Zentralperspektive, jeweils nur eine Einstellung, je 27 Minuten lang. Am Schluss jedes Leseakts legt ein Insert den jeweiligen Titel offen und bringt ein Zitat aus dem Buch. Die neue Arbeit von Viennale-Stammgast Jim Benning, der Ende des Jahres seinen 75. Geburtstag feiert. Metro: Do 26.10., 21.00 + Metro, Pleskow Saal: Fr 27.10., 13.00 Romy – Portrait eines Gesichts (BRD 1966) R: HansJürgen Syberberg. 62 min. Romy Schneider, aufgenommen über einen Zeitraum von drei Tagen, zwischen Deutschland und Frankreich, soll heißen: nach Alain Delon und vor Harry Meyen. Ein rarer, von Syberberg nie autorisierter Film, dessen Ruf weit berühmter ist als das, was man dann tatsächlich zu sehen und hören bekommt. Gartenbau: Mo 30.10., 13.00 + Metro, Pleskow Saal: Do 2.11., 15.30 (OmenglU)

fotos: Viennale

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V i e n n a l e 1 7    F A L T E R   Rumble: The Indians Who Rocked the World (CAN 2016) R: Catherine Bainbridge, Alfonso Maiorana. 103 min. Wie die traditionelle Musik der nordamerikanischen Ureinwohner die US-Popmusik (von den ersten Bluesmen bis zu den Rockstars der 1980er) beeinflusst hat. Typisch lieblose TV-Doku, die im Frühjahr auch schon auf Arte lief. Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 23.10., 23.00 (OF) Sans adieu (F 2017) R: Christophe Agou. 99 min. Episodisches vom rauen Leben als Bauer auf dem Land. „Der Titel von Christophe Agous Dokumentarfilm bezieht sich auf jene Worte, mit denen er und sein wichtigster Interviewpartner sich regelmäßig verabschieden. Ganz so, als würden sie sichergehen, dass sie sich wiedersehen. im September 2015 verstarb Agou an einer Krebserkrankung, bevor er den Film fertigstellen konnte.“ (Clarence Tsui) Urania: Di 24.10., 18.30 + Metro, Pleskow Saal: Sa 28.10., 15.30 (OmenglU) Schule, Schule – Die Zeit nach Berg Fidel (D 2017) R: Hella Wenders. 88 min. Sechs Jahre nach dem Besuch in Berg Fidel folgt Wenders ein Schuljahr lang vier Teenagern, die sich nach ihrer Zeit auf der inklusiven Grundschule trennen mussten. Jetzt lernen sie auf verschiedenen Schulen weiter: Anita kämpft mit dem Unterricht, David komponiert gern, Samira sucht Ankerkennung und Jakob hat inzwischen eine Beziehung. Urania: Fr 20.10., 18.30 + Metro: So 22.10., 13.00 (OmenglU) Sea Sorrow (GB 2017) R: Vanessa Redgrave. 74 min. Die große Schauspielerin, 1978 für ihre Rolle in Fred Zinnemanns „Julia“ mit dem Oscar ausgezeichnet, nimmt sich in ihrem Film der schwierigen Lage der Flüchtlingskinder etwa in den chaotischen Lagern von Calais an. Mit zwei Jahren wurde Vanessa Redgrave selbst während des „Blitz“ evakuiert, das macht ihr Plädoyer für die Öffnung der Grenzen speziell für Kinder tatsächlich glaubhaft und höchst authentisch. Gartenbau: Do 26.10., 18.00 (OmenglU) Shakkei. Geborgte Landschaften (D 2010–17) R: Hartmut Bitomsky. 175 min. Reflexionon über das Recyceln, von den Schauplätzen der Rüstungsindustrie in den USA über die Trümmer, die neue Fundamente der deutschen Wirtschaftsmacht wurden, bis zu gewaltigen Monsunregen in Vietnam: Inspirieren ließ sich Bitomsky – der auch Material aus früheren Arbeiten wie „B-52“ oder „Staub“ hier recycelt – vom Begriff „Shakkei“ aus der japanischen Gartenarchitektur. Metro: Mi 1.11., 16.00 (OmenglU)

somniloquies (F/GB/USA 2016) R: Véréna Paravel, Lucien Castaing-Taylor. 75 min. Die bizarren Selbstgespräche, die der Songwriter Dion Mcgregor (für Barbra Streisand u.a.) im Schlaf geführt hat, sind die Basis dieses irritierenden Films. Sie handeln von verqueren Zwergenwelten, der exhibitionistischen Nachbarin, einem beklemmenden Folterszenario – well, you get the picture. Metro, Pleskow Saal: Di 31.10., 20.30 (OmenglU) Stop Making Sense (USA 1984) R: Jonathan Demme. 90 min. Der spätere Oscar-Preisträger Jonathan Demme, damals noch frisch aus der Roger-Corman-Schule des Low-Budget-Films, dokumentiert mit sparsamen Mitteln die Talking Heads mit ihrer minimalistischen Bühnenshow (es gibt null Backstage, keine Interviews und auch keine Archivbilder). David Byrne in Turnschuhen und Anzug kommt mit einem Kassettengerät und seiner Gitarre auf die leere Bühne, singt „Psycho Killer“. So einfach ist das, ja, und einfach grandios. Gartenbau: So 29.10., 23.15 (OF) Ta peau si lisse (CAN/CH 2017) R: Denis Côté. 93 min. Jean-François, Ronald, Alexis, Cédric, Benoit und Maxim: Bodybuilder, ihre Muskelberge und Posen und die „sanfte Haut“ des Titels. Sein Ziel, beteuert Côté, war gewiss nicht, eine Freakshow zu machen – die Grenzen allerdings sind fließend. Urania: So 29.10., 21.00 + Metro, Pleskow Saal: Mi 1.11., 15.30 (OmenglU) Tara moarta / The Dead Nation (RO 2017) R: Radu Jude. 83 min. Dokumentaressay, das Fotografien eines rumänischen Städtchens in den 1930ern mit Tagebuchaufzeichnungen eines jüdischen Arztes aus der Gegend kombiniert. Sie erzählen darüber, was die Fotos unterschlagen: über das Aufkommen des Antisemitismus und zuletzt den Holocaust, ein Thema, über das heute in Rumänien kaum gesprochen wird. Metro, Pleskow Saal: Fr 20.10., 18.00 + Metro: Sa 21.10., 13.00 (OmenglU) Tarpaulins (Ö/USA 2017) R: Lisa Truttmann. 78 min. Die „Termitenkunst“, die Filmkritiker Manny Farber einst im Kino beschworen hat, wird in diesem Film quasi beim Wort genommen: Die Tarpaulins des Titels sind „Zelte“, in die ganze Häuser verpackt werden, um die Immobilien dann begasen und das Ungeziefer – Flöhe, Wanzen, aber vor allem Termiten – vernichten zu können. Eine amerikanische (Erfolgs-)Geschichte. Urania: Do 26.10., 18.30 + Metro, Pleskow Saal: Mo 30.10., 15.30 (OmenglU)

Tigmi n Igren / House in the Fields (MA/QA 2017) R: Tala Hadid. 86 min. Mit dem Frühling kommt die Schönheit zurück, sagt die 16-jährige Khadija, aus deren Sicht der Film erzählt. Ihre ältere Schwester Fatima soll am Ende des Sommers verheiratet werden. Wehmut liegt über dieser letzten gemeinsam verbrachten Zeit, bei der Arbeit im Haus, auf den Feldern und in der Natur. Metro, Pleskow Saal: Mo 30.10., 18.00 + Urania: Di 31.10., 13.30 (OmenglU) Tinselwood (F 2017) R: Marie Voignier. 82 min. Die brutale Kolonialvergangenheit und eine Gegenwart im Stillstand überlagen sich in dieser Exkursion in den Südosten von Kamerun: „Tinselwood“ erzählt von dem gleichnamigen Wald und den Menschen, die dort leben. Metro, Pleskow Saal: Fr 27.10., 18.00 + Metro: Sa 28.10., 11.00 (OmenglU) Una ciudad de provincia / Provincial City (ARG 2017) R: Rodrigo Moreno. 88 min. Ein impressionistisches Porträt von Colón, einem nach Christoph Kolumbus benannten, ganz und gar durchschnittlichen argentinischen Provinzstädtchen am Ufer des Rio Uruguay. Metro: So 29.10., 18.30 + Metro, Pleskow Saal: Di 31.10., 13.00 (OmenglU)

Kurzfilme Best of Luck with the Wall (USA 2016) R: Josh Begley. 7 min. Die Grenze zwischen Mexiko und den USA entlang: eine Reise aus Hunderttausenden von Satelittenaufnahmen. Koproduziert von Laura Poitras. (Ohne Dialog) Metro, Pleskow Saal: So 29.10., 20.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 30.10., 13.00 Birth of a Nation (USA 2017) R: Jem Cohen. 9 min. Demonstranten und Befürworter matchen sich am 19./20. Jänner 2017 in Washington: dem Tag der Inauguration Donald Trumps. Metro, Pleskow Saal: So 29.10., 20.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 30.10., 13.00 (OF) Filme von Jean-Claude Rousseau (F/J 2016/17) R: Jean-Claude Rousseau. 61 min. Die alljährliche Miniatur-Retro des Einzelkämpfers unter den französischen Filmern bringt drei neue Arbeiten von Viennale-Stammgast Rousseau: „Arrière-saison“ (F/J 2016), „Si loin, si proche“ (F/J 2016) und „La Villa“ (F 2017) – ein herbstlicher Park in Japan, der Blick von einer Aussichtsplattform sowie ein Stillleben mit sich selbst in der Hauptrolle. (Ohne Dialog) Metro: Mo 23.10., 16.00 + Metro, Pleskow Saal: Di 24.10., 15.30

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Filme von & mit Günter Peter Straschek (BRD 1967–1972). 58 min. Programm in Erinnerung an Günter Peter Straschek, österreichischer Filmemacher und Exilforscher (1942–2009), mit Arbeiten von Johannes Beringer: „Situationen“ (1967 mit Renate Czech, Gerd Conradt, Holger Meins, GPS), JeanMarie Straub/Danièle Huillet: „Einleitung zu Arnold Schoenbergs Begleitmusik zu einer Lichtspielscene“ (1972, mit Straub/Huillet, Peter Nestler, GPS) sowie zwei Kurzfilme von Straschek selbst: „Hurra für Frau E.“ (1967) und der im Nachlass wiederentdeckte „Zum Begriff des ‚kritischen Kommunismus‘ bei Antonio Labriola (1843–1904)“ (1970, mit Harun Farocki, Hartmut Bitomsky, Johannes Beringer et al.). Metro: Mo 23.10., 21.00 It Was Still Her Face (D 2017) R: Christoph Girardet. 8 min. Found Footage aus Kinofilmen: Frauenporträts und Männer, die sie anstarren. (Ohne Dialog) Gartenbau: Mo 30.10., 13.00 + Metro, Pleskow Saal: Do 2.11., 15.30 Kurzfilmprogramm 1 (Ö 2016/17). 57 min. Vorwiegend heimische Avantgarde, nämlich Arbeiten von Manfred Schwaba: „52 Films or: My First Garden“ (2017), Friedl vom Gröller: „Durch Nacht zum Licht“ (Ö/D 2016), Gerhard Treml & Leo Calice: „Calipatria“ (2017), Elisabeth von Samsonow: „Labor des Exo/ Endo Korpus“ (2017), Sascha Regina Reichstein: „Patterns of the Conquerers“ (Ö/GB 2017) und Siegfried A. Fruhauf: „Phantom Ride Phantom“ (2017). Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 23.10., 20.30 + Metro: Mo 30.10., 11.00 Kurzfilmprogramm 2 (F/IL/USA 2016/17). 71 min. Gezeigt werden Filme von Camilo Restrepo: „La Bouche“ (F 2017), Roee Rosen: „The Dust Channel“ (IL 2016), Ricky D’Ambrose: „Spiral Jetty“ (USA 2016), Wes Hurley & Nathan M. Miller: „Little Potato“ (USA 2017). Metro: Di 24.10., 13.30 (OmenglU) Kurzfilmprogramm 3 (USA/GB/D/F 2017). 95 min. Von vergessenen Häusern, alternden Schauspielern, gescheiterten Boxern. Ein Programm mit Arbeiten von William E. Jones: „Fall Into Ruin“ (USA/GB 2017), Arne Körner: „Der Einzelkämpfer“ (D 2017), Mark Rappaport: „The Double Life of Paul Henreid“ (USA/F 2017), Jan Soldat: „Happy Happy Baby“ (D 2017). Metro: Mi 25.10., 16.00 (OmenglU) Kurzfilmprogramm 4 (USA/Ö/F/D 2017). 62 min. Arbeiten von Chloe Reyes: „New Sun Breathing in“ (USA 2017), Elke Groen: „Bojo Beach“ (Ö 2017), Jürgen Ellinghaus: „Togoland – Echoes d‘Empires“ (F/D 2017),

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F A L T E R    V i e n n a l e 1 7

Abigail Child: „Indivisibles“ (USA 2017). Metro: Fr 27.10., 16.00 + Metro, Pleskow Saal: Mi 1.11., 20.30 (OmenglU) Kurzfilmprogramm 5 (P/MEX/Ö/D/ARG 2016/17). 64 min. Marta Mateus sucht in „Fapoes, baldios“ (P 2017) die bäuerlichen Protagonisten der „Nelkenregion“ in der Region Alentejo auf. Bernhard Hetzenauer lässt in „La sombra de un dios“ (MEX/Ö/D) einen Angehörigen des Wirrárika-Volkes die Geschichte seines Cousins Faustino erzählen. Ivan Murgic Capriotti und Sofia Lena Monardo schließlich fangen in „Terrenal (En oposición al cielo)“ (ARG 2016) den Alltag in einem patagonischen Dorf ein. Metro, Pleskow Saal: Sa 28.10., 13.45 + Urania: So 29.10., 13.30 (OmenglU) Kurzfilmprogramm 6 (CN/TW/HK/MY 2016/17). 71 min. Ein uraltes Theater in Peking ist Schauplatz und Star von „Qiu“ („Late Summer“) von Yi Cui (CN 2017). Ying Lian erzählt in „Ma ma de kou gong“ („I Have Nothing to Say“) (TW/HK 2017) eine Noir-Miniatur über Entfremdung: die Partei von ihren Mitgliedern, eine Tochter von ihrer filmemachenden Tochter. Saw Tiong Guan wiederum hat mit „Wind“ (MY/HK 2016) ein stimmiges Kurzporträt des Kameramannes Christopher Doyle gedreht. Metro: Mo 30.10., 13.30 (OmenglU) Kurzfilmprogramm 7 (IND/USA/THAI/CH 2016/17). 93 min. Von zufälligen Begegnungen, jungen Amateurfunkern, guten und bösen Geistern – Programm mit Filmen von Naven Padmanabha: „Amateurs“ (IND 2016), Anal Shah: „Kalaripayattu“ (IND 2017), Chai Siris: „500,000 Pee“ (THAI 2016) und Charlie Petersmann: „Miss Rain“ (CH 2017). Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 1.11., 13.00 (OmenglU) Petit cheminement dans L’Eclipse (CH 2017) R: Fabrice Aragno. 1 min. Fahrt durch eine Rauminstallation mit Monica Vitti und „L’Eclisse“. Metro, Pleskow Saal: Do 26.10., 13.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 27.10., 20.30 (OmenglU) Promenade dans Le Gai Savoir (CH 2017) R: Fabrice Aragno. 7 min. Bearbeitung einer Szene aus Godards „Die fröhliche Wissenschaft“ von 1969. Gartenbau: Mo 23.10., 13.00 + Urania: Do 26.10., 21.00 (OmenglU) Psycho (Viennale-Trailer 1997) (Ö 1997) R: Martin Arnold. 1 min. Ein Stück Kinogeschichte: die Duschszene aus Hitchcocks „Psycho“, abgedreht. Urania: Mo 23.10., 21.00 + Metro, Pleskow Saal: Di 24.10., 13.00 This Climate (USA 2017) R: Jem Cohen. 3 min. Bildcollage, die zeigt, wie Markt und Konsum den öffentlichen Raum beherrschen: Mit dem Klima ist nicht allein das Wetter gemeint. (Ohne Dialog) Metro, Pleskow Saal: So 29.10., 20.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 30.10., 13.00 Viennale-Trailer 2017 (I/Ö 2017) R: Abel Ferrara. 1 min. Im Ewigkeitsdelirium: John, Bob and Hansi, too. Gartenbau: Do 19.10., 22.30, 19.30

Tribute Christoph Waltz Big Eyes (USA 2014) R: Tim Burton D: Amy Adams, Christoph Waltz, Krysten Ritter, Danny Huston, Terence Stamp, Jason Schwartzman. 107 min. Amy Adams füllt diese Biografie der Malerin Margaret Keane mit Leben. Resultat ist eine Charakterstudie, die einen Blick sowohl auf Geschlechterverhältnisse in den 1950ern als auch „das Wesen der Kunst“ erlaubt – befremdlich nur Christoph Waltz, der hier auf „Am dam des“-Modus regrediert. Urania: Mo 30.10., 11.00 (OmU) Carnage / Der Gott des Gemetzels (F/D/PL/E 2011) R: Roman Polanski D: Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilly. 79 min. Wer nicht raus kann, lässt viel raus – Klaustrophobie ist ein Ort der Wahrheit: eine Binsenweisheit. An der ist so viel gar nicht dran, aber sie ist dankbar darzustellen. Darin brilliert Roman Polanski seit jeher, zuletzt mit „Der Ghostwriter“; sein neuer Film „Carnage“ (nach dem Bühnenstück von Yasmina Reza, die das Skript mit verfasste) hat eine New Yorker Mittelklassewohnung zum einzigen Schauplatz. Dort einigen zwei Ehepaare Mitte vierzig sich zu Beginn über den Wortlaut einer Sachverhaltsdarstellung, nachdem der Filius des einen dem des anderen im Park einen Zahn ausgehaut hat; eben will das eine Paar gehen, da setzt ein Prozess ein, der in Echtzeit auf schiefer Ebene abläuft. (Dr. Robnik) Gartenbau: Di 24.10., 18.00 (OmU) Django Unchained (USA 2012) R: Quentin Tarantino D: Samuel L. Jackson, Jamie Foxx, Leonardo DiCaprio, Christoph Waltz, Kerry Washington. 165 min. In seinen Filmen lebt Tarantino auf grenzgeniale Art und Weise düstere Rachefantasien aus: hier nun in Form einer Spaghetti-Western-Hommage. – Mitte des 19. Jahrhunderts mischen ein Kopfgeldjäger und ein ehemaliger Sklave die reichen Baumwollfarmer aus den Südenstaaten auf. Spaßig brutal, ein Epos, über das man gut streiten kann. (Michael Omasta) Metro: Mo 23.10., 11.00 (OmU) Du bist nicht allein – Die Roy Black Story (D 1997) R: Peter Keglevic D: Christoph Waltz, Jenny Schily, Mariella Ahrens, Wolfgang Bathke, Jens Eulenberger. 96 min. Eine der – anderthalb – Sternstunden des deutschen Fernsehfilms vom österreichischen Regisseur Keglevic und dem Drehbuchautor Winfried

Bonengel. Waltz spielt den einige Jahre zuvor an sinkender Popularität und steigendem Alkoholkonsum elend zugrunde gegangenen Schlagerstar ganz ohne Humbug und Vorurteile – gibt den Blick frei auf einen schwierigen Menschen und seine Tragödie. Metro: Fr 27.10., 13.30 Inglourious Basterds (USA/D 2009) R: Quentin Tarantino D: Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz, Eli Roth, Diane Kruger, Mike Myers, Daniel Brühl, Martin Wuttke, Rod Taylor. 153 min. In fünf Kapiteln erzählt Quentin Tarantino seine Version des Zweiten Weltkriegs. Brad Pitt zieht mit einem Trupp jüdischer US-Soldaten, titelgebenden „Inglourious Basterds“, durchs besetzte Frankreich, um möglichst viele Nazis zu töten. Ihr härtester Gegner: ein SS-Offizier namens Landa, dem Christoph Waltz diabolischen Charme und Charisma verleiht. Hauptschauplatz des Filmes allerdings ist nicht das Schlachtfeld, sondern das Kino, das am Happy End über die Geschichte (nicht nur des Kriegsfilmgenres bisher) triumphiert. Stadtkino im Künstlerhaus: Do 2.11., 12.30 (OmU) Kopfstand (Ö 1980) R: Ernst Josef Lauscher D: Christoph Waltz, Elisabeth Epp, Heinz Petters, Ingrid Burkhard. 102 min. Ursprünglich als Dokumentarfilm über die Zustände in einer psychiatrischen Anstalt geplant, erzählt der Film nun die Geschichte des Friseurlehrlings Markus, der unter der lieblosen Enge seines Zuhauses leidet. Nach einem Streit glaubt seine Mutter sich nicht mehr anders helfen zu können, als den Sohn in eine Anstalt verbringen zu lassen. Metro: Do 26.10., 11.00 (OmenglU)

Hommage an Hans Hurch Antigone [ausgewählt von Klaus Wyborny] (D/F 1992) R: Jean-Marie Straub, Danièle Huillet D: Astrid Ofner, Ursula Ofner, Hans Diehl, Kurt Radeke. 99 min. Sophokles’ großes Drama, übertragen von Hölderlin, bearbeitet von Brecht, von Straub und Huillet an der Berliner Schaubühne geprobt und dann auf Sizilien gefilmt. „Straub und Huillet haben anscheinend über drei Jahrzehnte nichts dazugelernt, sie verharren auf der Elementarstufe des Machens und des Montierens von Bildern und Tönen.“ (Peter Handke) – Vorfilm: „Cinéma Vérité“ (V-Trailer 2016) von Klaus Wyborny. Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 21.10., 18.00 (OF) Antonio das Mortes [ausgewählt von Alain Guiraudie] / O dragao da malade contra o Santo Guerreiro (BRA/F/BRD 1969) R: Glauber Rocha D: Mauricio do Valle, Odete Lara, Othon Bastos. 95 min. Ein brasilianischer Western, zugleich der Film, mit dem Glauber Rocha im Kino Lateinamerikas die Moderne begründete: Die Geschichte von Antonio das Mortes, „einem ehemaligen Cangaceiro, der in den Vierzigern zum berufsmäßigen Killer wird und für die reichen Landbesitzer und die Kirche seine früheren Kameraden jagt. Nachdem er die Grausamkeit und die Ungerechtigkeit seiner Auftraggeber erkannt hat, schlägt er sich schließlich auf die Seite der revolutio­ nären Sache“ (Amos Vogel). – Vorfilm: „Incendiary Cinema“ (V-Trailer 2005) von Ken Jacobs. Stadtkino im Künstlerhaus: So 22.10., 18.00 (OmenglU) Au hasard Balthazar [ausgewählt von Tilda Swinton] (F/SWE 1966) R: Robert Bresson D: Anne Wiazemsky, François Lafarge, Philippe Asselin, Pierre Klossowski. 94 min. Um Balthazar, den Esel, schart Bresson eine Handvoll Menschen, deren Umgang mit dem wehrlosen Geschöpf er zur Passionsgeschichte einer geschundenen, duldsamen Kreatur stilisiert. Gewaltvolles, gewaltiges Werk. – „My Last Minute“ (V-Trailer 2006) von Leos Carax. Stadtkino im Künstlerhaus: Do 2.11., 18.00 (OmenglU) Bande à part [ausgewählt von Agnès Varda] (F 1964) R: Jean-Luc Godard D: Anna Karina, Claude Brasseur, Sami Frey, Louisa Colpeyn. 95 min. Heiter vorgetragene, von Godard selbst kommentierte FilmGeschichte, um ein Au-pair-Mädchen namens Odile, das einen Englischkurs besucht, dort einen gewissen Frantz kennenlernt, der sie mit seinem Freund Arthur bekannt macht: Die anschließende Tour durch den Louvre, die sie in neun Minuten und 43 Sekunden absolvieren, ist rekordverdächtig. – Vorfilm: „Viennale Waltz“ (V-Trailer 2004) von Agnès Varda. Stadtkino im Künstlerhaus: Di 24.10., 18.00 (OmenglU) The Big Sky [ausgewählt von Jean-Marie Straub] (USA 1952) R: Howard Hawks D: Kirk Douglas, Dewey Martin, Elizabeth Threatt, Arthur Hunnicutt, Hank Warden. 122 min. „Die Reise als Film, der Film als Reise. Manchmal in ruhigen Totalen, dann in nerviger, dichter Dramatik: die Flussfahrt der unabhängigen Pelzhändler-Voyageurs zum Oberlauf des Mississippi, die Bedrohung durch Agenten und Indianer der etablierten Kompanie, die Liebe zu einem Blackfeetmädchen, die Freundschaft zweier Männer.“ (Harry Tomicek) – Vorfilm: „SB“ (V-Trailer 2002) von Stan Brakhage! Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 25.10., 18.00 (OF) Comanche Station [ausgewählt von Hartmut Bitomsky] (USA 1960) R: Budd Boetticher D: Randolph Scott, Nancy Gates, Claude Akins, Skip Homeier. 74 min. Jefferson Cody zieht durch Comanchen-Land, seit Jahren sucht er vergeblich nach seiner entführten

Frau. „Einer gibt nicht auf“, so der deutsche Titel des Films: „Mit Randy Scott, einem Westernheld, der wie das Denkmal eines Westernhelden aussieht. Und so ist auch der Film. Seine Einfachheit ist nicht etwa die des Genres. Der Film ist der Grundriss eines Western.“ (Frieda Grafe) – Vorfilm: „Elvis“ (V-Trailer 2001) von Jonas Mekas! Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 30.10., 18.00 (OF) El espíritu de la colmena / Der Geist des Bienenstocks [ausgewählt von Patti Smith] (E 1973) R: Victor Erice D: Fernando Fernán Gómez, Teresa Gimpera, Ana Torrent. 97 min. Eine poetische Allegorie auf Unschuld, Illusion und Isolation unter dem Schatten der Franco-Diktatur. In einem kastilischen Dorf, kurz nach dem Ende des Bürgerkriegs, flüchtet sich ein kleines Mädchen – angeregt durch einen Horrorfilm und scheinbar damit korrespondierende Vorkommnisse in der Realität – fort in eine Traumwelt zwischen Todessehnsucht und Hoffnung. – Vorfilm: „The 3 Rs“ (V-Trailer 2011) von David Lynch. Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 1.11., 18.00 (OmU) Faa yeung nin wa / In the Mood for Love [augewählt von Ed Lachman] (HK/CHN 2000) R: Wong Kar-wai D: Maggie Cheung, Tony Leung, Rebecca Pan, Lai Chen. 98 min. Hongkong in den 1960ern: Zwei Paare ziehen in dasselbe Haus ein; Chown Mowans Frau und Su Lizhens Mann, die man nie sieht, nur manchmal hört, beginnen eine heftige Affäre; aus der Leidensgemeinschaft der Betrogenen wird bald eine traurige Liebesgeschichte, wie man sie schöner nicht erzählen kann. – Vorfilm: „Xiao Kang“ (V-Trailer 2015) von Tsai Ming-Liang. Stadtkino im Künstlerhaus: Di 31.10., 18.00 (OmU) Man on a Tightrope [ausgewählt von Kelly Reichardt] (USA/BRD 1953) R: Elia Kazan D: Fredric March, Terry Moore, Gloria Grahame, Adolphe Menjou, Cameron Mitchell, Gert Froebe. 105 min. Eine tschechische Zirkusartistentruppe flieht vor den Russen nach Österreich. Nach seiner Denunziation linker Kollegen vor dem Senatsausschuss machte Kazan hier noch den künstlerischen Kotau vor McCarthy. – Vorfilm: „Get Ready“ (V-Trailer 1999) von Peter Tscherkassky. Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 27.10., 18.00 (OF) Quei loro incontri / Jene ihre Begegnungen [ausgewählt von Jean-Claude Rousseau] (I/F 2005) R: Jean-Marie Straub, Danièle Huillet D: Angela Nugara, Vittorio Vigneri, Grazia Orsi, Romano Guelfi, Dario Marconcini. 68 min. „Quei loro incontri“ liegt, wie „Dalla nube alla resistenza“, ein Text von Cesare Pavese („Dialoghi con Leucò“, 1947) zugrunde und besteht aus fünf Sequenzen, die in langen, statischen Einstellungen gefilmt sind wie die Werke des frühen Kinos. „Am Ende bewegt sich die Kamera, vom Bach und der Wiese fährt sie nach oben, erfasst eine Mauer, dahinter ein Dorf, darüber einen Hügel: Ist das der Ort, wo die Götter wohnen? Oder doch nur eine Anhebung, auf deren Gipfel Sendemasten und eine Stromleitung vom Einbruch der Gegenwart künden?“ (Crista Nord) – Vorfilm: „Une catastrophe“ (V-Trailer 2008) von Jean-Luc Godard. Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 23.10., 18.00 (OmU) Scrooge [ausgewählt von Jem Cohen] (GB 1951) R: Brian Desmond Hurst D: Alastair Sim, George Cole, Mervyn Johns, Hermione Baddeley, Michael Hordern. 86 min. Dickens’ „Christmas Carol“ als düsterer Gothic-Chiller: Der misanthropische Geizhals mit dem jüdischen Namen Ebenezer Scrooge verwandelt sich durch den Besuch dreier Geister, die ihm seine Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft vor Augen führen, am Weihnachtsabend zum Menschenfreund. – „A Tale of Two Cities“ (V-Trailer 2007) von Jem Cohen. Stadtkino im Künstlerhaus: So 29.10., 18.00 (OF) Toni [ausgewählt von Peter Nestler] (F 1935) R: Jean Renoir D: Charles Blavette, Célia Montalvan, Jenny Hélia, Max Dalban, Paul Bozzi. 84 min. Eine junge Frau, die ein Vorarbeiter zur Ehe mit ihm gezwungen hat, bringt den autoritären Gemahl in einem Akt höchster Verzweiflung um. Ihr ehemaliger Geliebter, der italienische Gastarbeiter Toni, versucht, die Tat zu vertuschen. Als das misslingt, nimmt er alle Schuld auf sich. Ein wunderbarer, weitläufiger Film, entstanden, so Renoir, „als ich wieder einen meiner heftigen Realismusanfälle hatte“. – „Fire & Rain“ (V-Trailer 2009) von James Benning! Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 20.10., 18.00 (OmenglU) Trouble in Paradise [ausgewählt von Gastón Solnicki] (USA 1932) R: Ernst Lubitsch D: Miriam Hopkins, Kay Francis, Herbert Marshall, Edward Everett Horton, Charles Ruggles. 84 min. Unter Gaunern. Gaston geht in die Bank von Kairo und kommt mit der Bank von Kairo wieder raus. Bei Lily, seinem nächsten Opfer, hat er sich freilich gewaltig verrechnet. – Lubitsch: „Was reinen Stil angeht, so hab ich wohl nie etwas Besseres gemacht als ‚Trouble in Paradise‘, auch nichts gleich Gutes.“ – Vorfilm: „Pietà“ (V-Trailer 1998) von Bruce Baillie! Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 28.10., 18.00 (OF) Vai-e-vem / Come and Go [ausgewählt von Luís Urbano & Manuel Mozos] (P/F 2002) R: Joao César Monteiro D: Joao César Monteiro, Rita Pereira Marques, Joaquina Chicau. 175 min. Ein alternder Bonvivant

streift täglich auf einer festgelegten Route durch Lissabon und ist keinem Flirt abgeneigt. Er engagiert eine Putzhilfe, die ihm dem Alltag aufhellt, indem sie der Arbeit in durchsichtigen weißen Kleidern nachgeht und zudem empfänglich für erotische Spielchen ist. Surreal-sinnlicher „Schwanengesang“ des 2003 verstorbenen Filmemachers, der in der Kunstfigur Vuvu, die er auch selbst verkörperte, sein Alter Ego fand. – Vorfilm: „Chafariz das Virtudes“ (V-Trailer 2014) von Manoel de Oliveira! Stadtkino im Künstlerhaus: Do 26.10., 18.00 (OmenglU)

Special Programs 2+2=20 [The Alphabet] (D 2017) R: Heinz Emigholz. 88 min. Tiflis im Sommer 2013, Blicke in Seiten- und Hauptstraßen, über Geländer und unter Balkone, auf eine architektonische Kakophonie. Der Kommentar (gesprochen von Natja Brunckhorst) reflektiert über das Wesen der Straße und des öffentlichen Raums. Metro: Fr 27.10., 21.00 (OmenglU) Bickels [Socialism] (D/IL 2017) R: Heinz Emigholz. 92 min. Die „Casa do Povo“ in São Paulo, eine Ikone der jüdischen Arbeiterbewegung: ein verfallener Theatersaal, Treppen, Eingänge, Durchgänge. Junge Leute bereiten 2016 eine Preview von „Bickels [Socialism]“ vor. Der Ort wird zum Prolog des Films, der sich 22 Bauten annähert, die der Architekt Samuel Bickels in Israel errichtet hat, die meisten davon für Kibbuzim. Metro: Sa 28.10., 13.15 (OmU) Dieste [Uruguay] (D 2017) R: Heinz Emigholz. 95 min. Ein Prolog erkundet drei Bauten von Julio Vilamajó aus dem Montevideo der 1930er, die vielleicht als Inspiration dienten für das Werk von Eladio Dieste. Dessen zwischen 1955 bis 1994 erbauten Industrieund Zweckbauten ist der Hauptteil dieses Films aus der Reihe „Streetscapes“ gewidmet. (Ohne Dialog) Metro: So 29.10., 11.00 San Clemente (F/I 1980) R: Raymond Depardon. 102 min. Alter, Armut, Krankheit, Verbrechen: Fotograf und Filmemacher Depardon sucht die Welt im Abseitigen und stößt oft unerwartet auf Schönheit. So auch in San Clemente, einer Laguneninsel vor Venedig, das bis 1980 eine psychiatrische Anstalt beherbergte – eine einzigartige Institution, in der die Ärzte den gleichwürdigen Umgang mit den Patienten versuchten. Melancholisch stimmendes Meisterwerk. Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 23.10., 15.30 (OmenglU) Streetscapes [Dialogue] (D 2017) R: Heinz Emigholz D: John Erdman, Jonathan Perel, Natja Brunckhorst. 132 min. „Auf einem fünftägigen analytischen Marathon, den Heinz Emigholz mit dem Traumaspezialisten Zohar Rubinstein unternahm, basiert das auf essenzielle Fragen des Filmemachens konzentrierte Drehbuch zu diesem Spielfilm. Das inszenierte Gespräch wird zum Schlüsselfilm nicht nur der ‚Streetscapes‘-Serie, sondern für Emigholz’ Gesamtwerk, das sich dem Erleben von Architektur widmet.“ (Christoph Terhechte) Metro: Sa 28.10., 18.30 (OmU) Urgences / Notaufnahme (F 1987) R: Raymond Depardon. 105 min. Mit akribischer Genauigkeit schildert der Film den Alltag in der Notaufnahme der psychiatrischen Abteilung des Hôtel-Dieu in Paris. Er zeigt die in sich geschlossene Welt der Psychiater wie der Patienten, dokumentiert einzelne Therapiegespräche mit Alkoholkranken oder Depressiven und deren mitunter hochemotionale Reaktionen. Pflichttermin. Metro: Fr 20.10., 11.00 (OmU) + Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 25.10., 15.30 (OmenglU)

Special Analog Pleasure Filme von Bruce Conner (USA 1958–1978) R: Bruce Conner. 62 min. Arbeiten von Bruce Conner (1933–2008), des US-amerikanischen Avantgardefilmers und „letzten Zauberers des 20. Jahrhunderts“ (Harvard Film Archive): „A Movie“ (1958), „Cosmic Ray“ (1961), „Breakaway“ (1966), „Looking for Mushrooms“ (1959–67, Beatles Version), „Report“ (1963–67), „The White Rose“ (1967), „Marilyn Times Five“ (1968–73), „Mongoloid“ (1978). Metro, Pleskow Saal: Di 31.10., 18.00 + Metro: Do 2.11., 13.30 (OF) The Master (USA 2012) R: Paul Thomas Anderson D: Joaquin Phoenix, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams, Ambyr Childers, Laura Dern. 144 min. Philip Seymour Hoffman gibt den lose an Scientology-Gründer L. Ron Hubbard angelehnten charismatischen Meister, Joaquin Phoenix seinen unberechenbaren Schüler: Zwei einander ergänzende Pole, die je nach Zeitpunkt und Zustand einander anziehen oder abstoßen. Zusammen verkörpern sie all das, was Autor und Regisseur Anderson unter der gesellschaftspolitischen Decke Nachkriegsamerikas zu finden vorgibt: Obrigkeitsglaube und Rebellentum, echte Zukunftsängste und falsche Propheten, Gemeinschaftsdenken und Individualistenwahn. (70mm) Gartenbau: Di 31.10., 18.00 (OF) Sansho dayu / Landvogt Sansho / Sansho the Bailiff (J 1954) R: Kenji Mizoguchi D: Kinuyo Tanaka, Yoshiaki Hanayagi, Kyoko Kagawa. 124 min. Familien-


V i e n n a l e 1 7    F A L T E R   geschichte aus dem 11. Jahrhundert. Ein wegen seiner Milde verbannter Statthalter verliert Frau und Kinder an brutale Sklavenhändler, nur sein Sohn gewinnt die Freiheit zurück. Spätwerk Kenji Mizoguchis, ein Meisterwerk, das den Zuschauer mit dem Herzen staunen machen. (Restaurierte Fassung) Gartenbau: Mi 25.10., 13.00 (OmenglU) Super-8-Filme von Schmelzdahn (BRD 1984–1989) R: Schmelzdahn. 66 min. Das sagenumwobene Filmproduktionskollektiv aus Bonn (Jochen Lempert, Jürgen Reble, Jochen Müller) nutzt die Zersetzungsprozesse von filmischem Material und dessen ästhetische Folgen für seine experimentellen Schmalfilme „15 Tage Fieber“ (1989), „Krepl“ (1989), „Schildmeyer Darlaten“ (1988), „Der General“ (1987), „Aus den Algen“ (1986), „Weltempfänger“ (1985) und „Stadt in Flammen“ (1984). Metro, Pleskow Saal: Do 26.10., 20.30

fotos: VIENNALE

Carmen Cartellieri Der Balletterzherzog / Das K. und K. Ballettmädel (Ö 1927) R: Max Neufeld D: Werner Pittschau, Albert Paulig, Dina Gralla, Carmen Cartellieri, Mizzi Griebl. 88 min. Ein glücklicher Zufall kommt Gabi, der vom Erzherzog wie auch dessen Adjutanten umworbenen Ballettelevin, zu Hilfe: Sie wird Prima Ballerina an der Staatsoper. Dabei bietet die Handlung oft genug bloß den Vorwand zum Vermessen von Raumfluchten, zum Durchwandern der Stadt, zur Ausstellung quasi monarchistischer Pracht und Macht. (Live-Musik: The Closing) Metro: Fr 27.10., 19.00 Die Ehe einer Nacht / Die Launen einer mondänen Frau (Ö 1928) R: Robert Wohlmut D: Ellen Kürti, Alfons Fryland, Mizzi Griebl, Josef Holub, Carmen Cartellieri. 74 min. Der als „Seff“ bekannte Josef Holub gibt hier einen Mimen, dem bereits die Mitwelt keine Kränze flicht. Sogar die zu kleine Melone findet sich im Laufe der rustikalen Handlung auf seinem Kopf ein. Als treuer Diener seines neuen Herrn darf er mit einer Walküre schäkern, wobei er, die Hand weniger auf dem Herzen als dem Magen, nur zu bereit ist, so manchen Schwur zu leisten. (Livemusik: Asfast & Idklang) Metro: So 29.10., 16.00 Die Frauen des Harry Bricourt (Ö 1922) R: Richard Arvay D: Anton Tiller, Hans Lackner, Anna Magda Schloß, Carmen Cartellieri. 82 min. Titelheld Harry Bricourt ist ein unverbesserlicher Schwerenöter. Gattin Constance und ein befreundetes SchauspielerPaar schmieden einen Plan: Sie lassen jede Frau in Harrys Leben unter äußerst mysteriösen Umständen verschwinden. (Livemusik: Haskii) Metro: So 22.10., 16.00 Orlac’s Hände (Ö 1925) R: Robert Wiene D: Conrad Veidt, Alexandra Sorina, Fritz Kortner, Carmen Cartellieri, Hans Homma. 100 min. Leicht expressionistelndes Gruselstück mit Conrad Veidt in der Titelrolle, das als eine der frühesten gelungenen Kunstanstrengungen des österreichischen Films gelten darf. Fotografie: Günther Krampf, Hans Androschin. (Livemusik: Raumschiff Engelmayr) Metro: Mi 25.10., 19.00 Der Rosenkavalier (Ö 1926) R: Robert Wiene D: Michael Bohnen, Huguette Duflos, Paul Hartmann, Elly Felicie Berger, Carmen Cartellieri, Friedrich Fehér. 108 min. Ein hauchzartes Rokoko-Spiel, zu dem Hugo von Hofmannsthal das Drehbuch schrieb und Richard Strauss eine eigene Komposition, die auf Motiven seiner Oper basiert. (Livemusik: Cordula Boesze, Wolfgang Fuchs) Metro: Do 26.10., 16.00 Spielfilmfragmente 1 (Ö/H 1919) R: Cornelius Hintner / Emil Justitz D: Carmen Cartellieri, Franz Ferdinand, Max Brod / Lucy Gellért, Annie Müller, Myra Corthy. 68 min. Cartellieri im Doppelpack: Ihr Debüt gibt sie 1919 unter dem Namen Carmen Teschen in „Anjula, das Zigeunermädchen“. Im gleichen Jahr spielt sie in „Die Verschwörung“ die Geliebte des Generals Welkowich, der ein Komplott gegen Maria Theresia schmiedet. (Livemusik: Stefan Fraunberger) Metro: Fr 20.10., 19.00 Spielfilmfragmente 2 (Ö 1922–1924) R: Cornelius Hintner / Hans Homma / J.W. Bayer, Desider Kertesz D: Carmen Cartellieri, Anton Amon / Hilde Schulz, Benno Smytt / Raphael Schermann, Eugen Neufeld. 60 min. Zunächst sieben Minuten aus „Die Sportlady“ mit Carmen Cartellieri als Tochter eines Bankiers vorm Bankrott. Danach eine Minute aus „Die Puppe des Maharadscha“, worin sie einer Spielzeugpuppe Leben einhaucht. Schließlich noch 52 Minuten aus „Das Geheimnis der Schrift“, eine düstere Geschichte um einen zwielichtigen Grafologen und Hellseher. (Livemusik: Shilla Strelka) Metro: Mo 23.10., 19.00 Die Strecke / Die große und die kleine Welt (Ö 1927) R: Max Neufeld D: Maly Delschaft, Carmen Cartellieri, Eugen Neufeld, Hans Unterkirchner, Hans Thimig, Max Brod. 71 min. Einer der Höhepunkt von Neufelds langer Karriere im Stummfilm: Marie, junge Frau eines pflichtbewussten Fahrdienstleiters, fühlt sich vereinsamt und träumt vom aufregenden Großstadtleben. (Livemusik: Wien Diesel) Metro: Sa 28.10., 16.00 Was ist Liebe? (Ö 1924) R: Leopold Niernberger D: Doris Kay, Carmen Cartellieri, Alice Hetsey, Theo W.

Shall. 75 min. Geschichte zweier Schwestern, der herzensguten Doris und der selbstsüchtigen Carmen. Nach dem Tod der Mutter nimmt Carmen Doris mit ins Grand Varieté, wo diese zum Star aufsteigt, ohne die Gefahren des Milieus zu gewärtigen. (Livemusik: Beatrix Curran) Metro: Di 24.10., 19.00 Ein Wiener Musikantenmädel / Die Jazzband-Lotte (Ö/D 1928) R: Josef Berger D: Lia Justus, Myra Riks, Carmen Cartellieri, Wolf Albach-Retty, Eugen Neufeld. 66 min. Franzi, die mit ihrem Vater, einem verarmten Hofmusikanten, in wechselnden Lokalitäten musiziert, wird von einem Jazzbandleader engagiert und Publikumsliebling der Combo. Als solche zieht Franzo die Aufmerksamkeit des Fürsten Korsakoff auf sich, doch sie hat einzig Augen für den erfolglosen Maler Fritz. (Livemusik: Philip Quehenberger & Ddkern) Metro: Mo 30.10., 19.00 Die Würghand (Ö 1920) R: Cornelius Hintner D: Carmen Cartellieri, Viktor Kutschera, Hugo WernerKahle, Adolf Weisse, Hans Rhoden. 75 min. Eine der Paraderollen der schwer in Vergessenheit geratenen Stummfilmdiva Carmen Cartellieri, die neben Liane Haid und Magda Sonja zum Superstar der heimischen Filmproduktion der 1920er wurde: Als skrupellose Femme Fatale stürzt sie die Herren der Schöpfung gleich reihenweise ins Unglück. (Livemusik: Juergen Berlakovich & Ulrich Troyer) Metro: Sa 21.10., 16.00

Duell im Osten The Gunfighter (USA 1950) R: Henry King D: Gregory Peck, Helen Westcott, Karl Malden, Jean Parker, Millard Mitchell. 85 min. Revisionistischer Klassiker: Die Geschichte eines müden Revolverhelden, des sinnlos gewordenen Rituals und der vergeblichen Versuche, dem eigenen Ruf zu entkommen. „Einer der ersten Western, mit denen das Genre sich selbst zu betrachten anfing.“ (Frieda Grafe) Metro: Mi 1.11., 11.00 (OF) Lásky jedné plavovlásky / Die Liebe einer Blondine (ČSSR 1965) R: Milos Forman D: Hana Brejchová, Vladimir Pucholt, Jirí Hruby, Ivan Kheil, Milada Jezková. 75 min. Die ersten Erfahrungen einer Fabriksarbeiterin im Umgang mit den Männern. Ein humorvoller Blick aufs kleinstädtische Milieu und Grundstein für Regisseur Milos Formans internationale Karriere (tschechischer Wettbewerbsbeitrag in Venedig 1965). Sehenswert. Stadtkino im Künstlerhaus: Di 31.10., 13.00 (OmenglU) Mein Stern (Ö/D 2001) R: Valeska Grisebach D: Nicole Gläser, Christopher Schöps, Monique Gläser, Jeanine Gläser. 65 min. Die Liebesgeschichte zwischen Nicole und Christopher, zwei 14-Jährigen aus Mitte: Berliner Schule trifft Berliner Schüler, ein Kino der Gesten und der Blicke – sehr unprätentiös, ganz unmittelbar. Metro: Mo 30.10., 16.00 (OmenglU) Passe ton bac d’abord ... / Mach erst mal Abitur (F 1978) R: Maurice Pialat D: Sabine Haudepin, Philippe Marlaud, Annick Alane, Michel Caron. 86 min. Das letzte Schuljahr einer Gruppe 19-Jähriger in der französischen Bergarbeiterstadt Lens. Kurz vor der Matura sehen die Jugendlichen sich mit ihrer tristen Zukunft, Arbeitslosigkeit und Provinzdasein konfrontiert. Ein Film auch darüber, wie sich die Dinge unbemerkt verändern. „Man kann sich nicht aus einer Einstellung von Pialat davonschleichen, im selben Zustand wie man hineingekommen ist“, so Jean Narboni. „Es ist geschehen.“ Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 28.10., 13.00 (OmenglU) Sehnsucht (D 2006) R: Valeska Grisebach D: Andreas Müller, Ilka Welz, Anett Dornbusch, Erika Lemke. 88 min. Grisebach, eine ganz zentrale Regisseurin der viel gelobten Berliner Schule, hat mit Laien ein schlichtergreifendes Ehedrama aus der Umgebung von Berlin erarbeitet: Der glücklich verheiratete Schlosser Markus verliebt sich in eine andere Frau und findet sich in seinem alten Leben nicht mehr zurecht. Metro: Di 31.10., 16.00 (OmenglU)

Napoli! Napoli! Appassionate / Passionate Women (I 1999) R: Tonino De Bernardi D: Anna Bonaiuto, Inês de Medeiros, Iaia Forte. 95 min. Eine Sammlung neapolitanischer Eifersuchtsmoritaten von den 1920ern bis zur Gegenwart: Man schießt scharf und singt, anstatt lang zu reden. Mitten im Gedränge eines Straßenmarktes öffnet sich dann plötzlich ein roter Vorhang, bevor das Leben wieder weitergeht. – Vorfilm: „O Cinema“ (Antonietta De Lillo, I 1999). Metro: Fr 20.10., 13.30 (OmenglU) Giro di lune tra terra e mare / Moon Spins Between Land and Sea (I/D 1997) R: Giuseppe M. Gaudino D: Olimpia Carlisi, Tina Femiano, Salvatore Grasso. 111 min. In Pozzuoli hebt und senkt sich die Küstenlinie seit Jahrhunderten, was zu Erdbeben und im Film zu den wiederholten Umzügen von Salvatore Gioia und seiner Familie führt. Regisseur Gaudino verschränkt die Gegenwart des beschwerlichen Lebens der Fischer mit Episoden aus verschiedenen Epochen der lokalen Geschichte. Metro, Pleskow Saal: So 22.10., 15.30 (OmenglU)

Il verificatore / The Meter Reader (I 1995) R: Stefano Incerti D: Antonio Iuorio, Roberto De Francesco, Elodie Treccani. 81 min. Aus dem Leben eines Gaskassiers: Antonio Iuorio verkörpert Crescenzio, einen gewichtigen Riesen mit festem Arbeitsplatz und festen Grundsätzen, der’s tagtäglich mit verschiedensten Leuten zu tun kriegt, darunter auch Betrüger und Gewalttäter. Metro, Pleskow Saal: Fr 20.10., 20.30 (OmenglU) I vesuviani / The Vesuvians (I 1997) R: Pappi Corsicato, Antonietta de Lillo, Antonio Capuano, Stefano Incerti D: Anna Bonaiuto, Toni Servillo, Iaia Forte, Renato Carpentieri. 123 min. Episodenfilm starring: eine Frauen-Motorradgang, ein singender Transvestit, ein Tintenfisch mit Namen Sofialorén, eine Flasche mit teuflischem Inhalt – und schließlich der Bürgermeister von Neapel, der am Vesuv einem alten Freund Pasolinis begegnet. Metro: Do 2.11., 18.30 (OmenglU) L’amore molesto / Nasty Love (I 1995) R: Mario Martone D: Anna Bonaiuto, Angela Luce, Gianni Cajafa. 103 min. Star des Films ist Neapel – gesehen mit den Augen eines Mauerblümchens namens Della, die nach dem mysteriösen Tod ihrer Mutter in ihre Heimatstadt zurückkehrt, sich ein tief dekolletiertes rotes Kleid anzieht und ein bisher nie gekanntes Leben ausprobiert. Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 28.10., 15.30 (OmenglU) Libera (I 1992) R: Pappi Corsicato D: Iaia Forte, Cristina Donadio, Ciro Piscopo, Antonino Bruschetta. 85 min. Libera und Carmela und Aurora: Episodenfilm über drei Frauen (großartig: ein Iaia-Forte-Hattrick) die in unterschiedlichen Stadtteilen Neapels leben. Amüsant. Metro, Pleskow Saal: Sa 21.10., 18.00 (OmenglU) Luna rossa / Red Moon (I 2001) R: Antonio Capuano D: Licia Maglietta, Carlo Cecchi, Toni Servillo. 116 min. Bewusst karg inszenierte, von Aischylos’ „Orestie“ inspirierte Geschichte einer Camorra-Familie, deren Mitglieder nicht viel anderes zu tun haben, als sich untereinander zu verraten oder gleich abzuschlachten. Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 30.10., 20.30 (OmenglU) L’uomo in più / One Man Up (I 2011) R: Paolo Sorrentino D: Tony Servillo, Andrea Renzi, Antonino Bruschetta. 100 min. Parallelbiografien eines Fußballers und eines Crooners, die den gleichen Namen teilen: Antonio Pisapia. Doch erst gegen Ende, am Fischmarkt, begegnen sie einander, tauschen aus der Distanz einen Blick aus. Sorrentinos Spielfilmdebüt. Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 1.11., 20.30 (OmenglU) Morte di un matematico napoletano / Death of a Neapolitan Mathematician (I 1992) R: Mario Martone D: Carlo Cecchi, Anna Bonaiuto, Renato Carpentieri. 108 min. Solo für Carlo Cecchi, der hier einen Mathematiker namens Renato Caccioppoli verkörpert, dessen letzte Lebenswoche der Film protokolliert. Mit wachsender Unruhe streift er im Mai 1959 durch ein überwiegend nächtliches, fast menschenleeres Neapel, das seine abweisende Seite zeigt. Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 1.11., 15.30 (OmenglU) Tornando a casa / Sailing Home / Kurs Heimat (I 2001) R: Vincenzo Marra D: Salvatore Iaccarino, Aniello Scotto, Giovanni Iaccarino, Azouz Abdelaziz. 88 min. Marras vielfach ausgezeichnetes Spielfilmdebüt erzählt von einer Gruppe neapolitanischer Fischer, die nach einem Zwischenfall in afrikanischen Gewässern, die sie illegal befahren haben, in ihren Heimathafen zurückkehren. Die meisten wollen nochmals von vorn anfangen, doch Franco, der jüngste von ihnen, hat genug und beschließt, mit seiner Verlobten in die USA auszuwandern. Metro: Mo 30.10., 21.00 + Di 31.10., 11.00 (OmenglU) Vito e gli altri / Vito und die anderen (I 1991) R: Antonio Capuano D: Nando Triola, Giovanni Bruno, Pina Leone, Mario Leuti. 83 min. Vito ist zwölf, als er mitansehen muss, wie sein Vater die ganze Familie ausrottet. Auf sich allein gestellt, durchlebt er alle Stadien einer Verbrecherlaufbahn. Neoneorealismus. Stadtkino im Künstlerhaus: Di 31.10., 20.45 (OmenglU)

Utopie und Korrektur 235 000 000 (UdSSR 1967) R: Uldis Brauns. 106 min. Uldis Brauns, der Begründer der lettischen Schule des poetischen Dokumentarfilms, drehte zusammen mit Herz Frank und einer Gruppe Kameraleute diesen, an Vertovs „Kinoauge“ geschulten, dialoglosen Film zum 50. Jahrestag der Revolution. (Einführung von Naum Kleiman und Artiom Sopin am 13.30.) Filmmuseum: Fr 13.10., 20.30 + Mo 30.10., 20.30 Beregis’ avtomobilja / Vorsicht, Autodieb! (UdSSR 1966) R: El’dar Rjazanov D: Innokentij Smoktunovskij, Oleg Efremov, Andrej Mironov. 92 min. Jurij Detockin, Ex-Chauffeur, der nach einem Unfall Versicherungsmakler wurde, beschließt, ein Robin Hood zu sein: Er stiehlt Autos von denen, die sich seiner Meinung nach bereichert haben, das Geld vom Verkauf lässt er einem Kinderheim zukommen. In einem Laientheater spielt er zusammen mit dem Ermittler, der die Sache mit den Autodiebstählen verfolgt. Eine scharfsinnige Komödie. Filmmuseum: Fr 27.10., 20.30 + Mi 29.11., 20.30 (OmU)

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Doku Cinéma vérité

„For Ahkeem“: Schule der Diskriminierung

Der Film begleitet die junge Boonie aus nächster Nähe durch den Alltag

aje Shelton, genannt Boonie, ist D ein Teenager. Sie geht noch in die Schule, hängt mit ihrer Clique rum,

streitet manchmal mit ihrer Mutter, die sie alleine großzieht. Boonie ist klug und unvernünftig, willensstark und trotzig, albern und todtraurig. Sie überschreitet manchmal Grenzen, Boonie ist ein Teenager. Aber in ihrer Lebenssituation sind Grenzen eng gesteckt und Konsequenzen drastisch. Jeremy S. Levine und Landon Van Soests einnehmender Dokumentarfilm „For Ahkeem“ verdichtet die Indizien dafür ganz allmählich – gerade weil er aus nächster Nähe (Kamera: Nicholas Weissman) einen gewöhnlichen Alltag begleitet, der sich für eine schwarze US-Teenagerin im 21. Jahrhundert aus widersprüchlichen, teils traumatisierenden Erfahrungen zusammensetzt. Boonie sieht die Zusammenhänge und die strukturelle Diskriminierung. Aber sie stellt sich auch die bange Frage, ob man in dieser Welt einen Sohn großziehen kann. Zu Beginn des Films scheint die 16-Jährige aus St. Louis schon am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt: Entweder sie nimmt das Angebot des Richters an, auf einer von ihm gegründeten Schule ihren Highschoolabschluss zu machen, oder ihre Schulkarriere ist nach einem Handgemenge gelaufen. Boonie ist kein Einzelfall, der Staat Missouri hält den US-Rekord an Schulverweisen afroamerikanischer Schulkinder. Bereits bei Volksschülern, heißt es im Film, liege die Rate bei 31 Prozent. Es braucht viele Menschen, um ein Kind unter solchen Bedingungen großzukriegen. Etliche davon tauchen in diesem Film am Rande auf. Aber in seinem Zentrum steht eine bemerkenswerte junge Frau, die noch viel schaffen wird, wenn man sie nur lässt. ISABELL A REICHER

Metro/Pleskow-Saal: Mo, 30.10., 13 Uhr Urania: Mi, 1.11., 16 Uhr (OmU)


F A L T E R    V i e n n a l e 1 7

Special Heimische Filmgeschichte

Carmen Cartellieri: Femme fatale des Stummfilms

Nuanciertes Schauspiel: Cartellieri als „Anjula“ und in „Die Würghand“

ie ungeheure Vergrößerung des D Bildes zeigt jedes Fältchen, das leiseste Zucken des Mundwinkels,

nichts bleibt verborgen.“ Hier spricht kein Hollywoodstar über High-Definition-TV; dieses Zitat stammt aus der Frühzeit des Kinos und von einer österreichischen Schauspielerin, die 1919 am Anfang einer so steilen wie kurzen Karriere steht: Carmen Cartellieri. 1891 in Mähren geboren, kommt sie „erst“ mit 26 Jahren zum Film. Schon ihrer ersten Hauptrolle ist das nuancierte Minenspiel anzumerken, auf das sie so großen Wert legt. In Cornelius Hintners „Anjula – Das Zigeuner­mädchen“ spielt sie die sorglose Titelfigur, die sich überreden lässt, einen Grafen zu bezirzen, um ihn insgeheim zu bestehlen. Der Charme, mit dem sie etwa überfallsartig Küsse verteilt, trägt das einfach gestrickte Werk bis zum tragischen Ende. Mit Hintner arbeitet Cartellieri in der Folge eng zusammen: Gemeinsam gründen sie die Cartellierifilm GmbH. In Wien wird sie zum Star, innerhalb von elf Jahren dreht sie rund 40 Spielfilme, bevor ihre Karriere mit dem Einzug des Tonfilms endet. Das Genrespektrum ihrer Arbeiten ist groß, besonders liegt ihr aber die Femme fatale, die schon in „Anjula“ angelegt war. Als solche beeindruckt sie beispielsweise in „Die Würghand“ (1920), den sie auch produziert hat. Im Rahmen der Viennale widmet das Filmarchiv Austria Cartellieri ein Special, bei dem neun Langfilme sowie Spielfilmfragmente von 1919 bis 1928 zu sehen sind – darunter die Klassiker „Orlac’s Hände“ und „Der Rosenkavalier“ –, jeweils mit (moderner) Livemusikbegleitung. SABINA ZEITHAMMER

Metro/Historischer Saal, 20. bis 30.10.

Celovek idet za solncem / Der Sonne entgegen (UdSSR 1961) R: Michail Kalik D: Niku Krimnus, Lev Kruglyi, Valentin Zubkov, Tat’jana Bestaeva. 71 min. Ein kleiner Bub sucht die Sonne. Er macht sich auf den Weg durch die Straßen seiner Heimatstadt, immer der Sonne nach. Regisseur Michail Kalik war schon früh antisemitischer Verfolgung ausgesetzt – seinen ersten Spielfilm machte er erst Mitte 30, weil er zuvor jahrelang im Gulag sein Dasein fristen musste. Als in den 1960ern der Staatsantisemitismus erneut sein hässliches Haupt erhob, emigrierte Kalik nach Israel. (Einführung: Christoph Huber) Filmmuseum: So 22.10., 20.30 + Do 9.11., 20.30 (OmU) Clen pravitel’stva / Mitglied der Regierung (UdSSR 1939) R: Aleksandr Zarchi, Iosif Chejfic D: Vera Mareckaja, Vasilij Vanion. 104 min. Aleksandra Sokolova, eine analphabetische Bäuerin, tritt in den Kolchos ein und wird dank Hausverstand und Hingabe zur Vorsitzenden. Der Kolchos erblüht, obwohl ihr Mann die Familie verlässt und trotz der Gegner der Kollektivierung. 1936 wählt man sie zur Abgeordneten des Obersten Sowjets – von der Tribüne des Kreml-Saals hält sie eine Dankesrede an Stalin. Filmmuseum: Do 26.10., 18.30 + Mo 13.11., 18.30 (OmU) Dela i ljudi / Die Taten und die Menschen (UdSSR 1932) R: Aleksandr Maceret D: Nikolaj Ochlopkov, Viktor Stanicyn, Aleksandr Gejrot. 105 min. US-Ingenieur Clines wird auf eine Großbaustelle eingeladen. Er sorgt mit seiner Brigade für hohe Arbeitsproduktivität. Brigadier Zacharov fordert Clines zum Sozialistischen Wettbewerb heraus. Als einer der ersten sowjetischen Tonfilme ist Macerets Debüt im Agit-Prop-Stil gemacht: Mit Agitation und Propaganda ist Kino aufgerufen, am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen und die Menschen zu erziehen. Filmmuseum: Do 19.10., 18.30 + So 5.11., 18.30 (OmU) Garmon’ / Die Ziehharmonika (UdSSR 1934) R: Igor‘ Savcenko D: Petr Savin, Zoja Fedorova, Igor Savcenko. 58 min. Die Handlung eines Poems von Aleksandr Zarov von 1926, übertragen in die 1930er. Der idealistische Ton, der die Schrecken der Kollektivierung noch nicht spiegelt, bleibt gewahrt. Der Held des Films erkennt den Irrtum, dass er in seiner Zeit als Komsomolführer das Singen von Volksliedern für unwürdig befand: Wenn man sich von ihnen lossagt, können Gaunerlieder diese ablösen (eine zwielichtige Figur, dargestellt von Savcenko selbst, singt solche). – Einführung von Barbara Wurm (20.10.) und Michael Loebenstein (6.11.). Filmmuseum: Mo 6.11., 18.30 + Fr 20.10., 18.30 (OmU) General’naja linija (Staroe i novoe) / Die Generallinie (Das Alte und das Neue) (UdSSR 1926–29) R: Sergej M. Eisenstein D: Marfa Lapkina, Vasja Buzenkov, Neznikov Cuchmarev, Ivan Judin. 108 min. „Die Generallinie“ (auch bekannt als „Das Alte und das Neue“), ein Film über den Kampf um die Neuordung der Landwirtschaft. – „Dass sich das Preislied auf Kolchosen und Agrar-Industrialisierung im Nachhinein als terribler Irrtum erwiesen hat, ist ein anderes Kapitel. Es ändert nichts an der Glut von Sergej M. Eisensteins Denken und Filmen um 1929“ (H. Tomicek). – Am 14.10. mit Klaviermusik von Elaine Loebenstein und Einführung von Naum Kleiman und Artiom Sopin. Filmmuseum: Mi 1.11., 18.30 (OmenglU) + Sa 14.10., 18.30 (OmU) Ijul’skij dozd’ / Juli-Regen (UdSSR 1966) R: Marlen Chuciev D: Evgenija Uralova, Aleksandr Beljavskij, Jurij Visbor, Aleksandr Mitta. 107 min. Girl leaves Boy, das ist die schlichte Geschichte von „Juli-Regen“, Marlen Chucievs Fortschreibung seines legendären Epos „Zastava Il’ica“. In dem früheren Film glaubten die jungen Moskowiter noch, dass persönliche Entfaltung und Kollektivdenken sich in einen dialektischen Zweiklang bringen ließe. (Olaf Möller) Filmmuseum: Mo 20.11., 20.30 + Mi 25.10., 20.30 (OmU) Karnaval’naja noc’ / Karnevalsnacht (UdSSR 1956) R: El’dar Rjazanov D: Igor Il’inskij, Ljudmila Gurcenko, Jurij Belov. 76 min. Eine Komödie darüber, wie eine aktive Jugend ein fröhliches Neujahrskonzert organisiert, ungeachtet aller Versuche des Direktors, es offiziöskorrekt, sprich: langweilig zu machen. Filmmuseum: Mo 6.11., 20.30 + Fr 20.10., 20.30 (OmenglU) Kljuc bez prava peredaci / Ein Schlüssel, den man nicht weitergeben darf (UdSSR 1976) R: Dinara Asanova D: Elena Proklova, Aleksej Petrenko, Marina Levtova. 97 min. Eine junge Lehrerin verkehrt mit den Schülern der obersten Klasse beinahe wie mit ihresgleichen. Man diskutiert ethische Probleme und kritisiert den Konformismus der Eltern und anderer Lehrer. Als das bekannt wird, spitzen sich die Konflikte in der Schule zu, und auch die Lehrerin erweist sich als nicht ganz so edelmütig, wie es schien. Filmmuseum: Mi 22.11., 20.30 + So 29.10., 20.30 (OmU) Kruzeva / Die Spitze (UdSSR 1928) R: Sergej Jutkevic D: Nina Saternikova, Konstantin Gradopolov, Boris Tenin. 78 min. Der Spitzenklöppler-Klub organisiert langweilige Freizeitprogramme für die Arbeiter, viele gehen lieber ins Bierlokal und randalieren. Die Liebe zwischen der Aktivistin des Klubs und dem Anführer der Randalierer hilft diesem, von seiner Clique loszukommen. (Klaviermusik von Gerhard Gruber und Einführung von Naum Kleiman und Artiom Sopin am 15.10.) Filmmuseum: Do 2.11., 18.30 + So 15.10., 18.30 (OmU)

Kryl’ja / Flügel (UdSSR 1966) R: Larisa Sepit’ko D: Majja Bulgakova, Zanna Bolotova, Pantelejmon Krymov. 84 min. Nadezda war Kampfpilotin im Großen Vaterländischen Krieg, nun ist sie Lehrerin und hängt den Erinnerungen an ihre Jugend nach: Nadezda möchte unbedingt wieder fliegen! Filmmuseum: Sa 21.10., 20.30 + Mi 8.11., 20.30 (OmU) Letciki / Die Flieger (UdSSR 1935) R: Julij Rajzman D: Boris Scukin, Ivan Koval’-Samborskij. 80 min. Rogacev, der Leiter einer Flugschule, entzieht dem selbstverliebten jungen Sergej die Flugerlaubnis: Beim Versuch, sein Können zu demonstrieren, hat er ein Flugzeug zu Schrott geflogen. Flugschülerin Galja verliebt sich in Sergej. Als Rogacev erkrankt und beim Testflug des von ihm konstruierten Fliegers nicht dabei sein kann, übernimmt Galja das Steuer. Filmmuseum: Mi 8.11., 18.30 + Sa 21.10., 18.30 (OmU) Muzykal’naja istorija / Eine musikalische Geschichte (UdSSR 1940) R: Gerbert Rappaport, Aleksandr Ivanovskij D: Sergej Lemesev, Zoja Fedorova, Erast Garin. 82 min. Rappaport, als gebürtiger Wiener einst noch Herbert genannt, war selbst begabter Musiker und darf als Erfinder des sowjetischen Tenorfilms gelten: „Eine musikalische Geschichte“ erzählt von der Karriere eines klassikbegeisterten Taxlers zum Gesangsstar. Not to be missed! Filmmuseum: Mi 29.11., 18.30 + Fr 27.10., 18.30 (OmU) Neotpraviennoe pis’mo / Ein Brief, der nie ankam (UdSSR 1959) R: Michail Kalatozov D: Innokentij Smoktunovskij, Tat‘jana Samojlova, Vasilij Livanov. 96 min. Vier Geologinnen und Geologen suchen in der Weite Sibiriens nach edlen Steinen und wissenschaftlichen Einsichten: Doch was sie finden, wird ihnen nicht helfen beim Kampfe gegen eine zerstörerische Natur. Filmmuseum: Mo 23.10., 20.30 + Fr 17.11., 20.30 (OmU) Novaja Moskva / Das Neue Moskau (UdSSR 1938) R: Aleksandr Medvedkin D: Daniil Sagal, Nina Alisova, Pavel Suchanov. 81 min. „Aleksandr Medvedkin war ein überzeugter Anhänger des Sozialismus, aber die Originalität seines Denkens und seine klare Originalität als Regisseur traten häufig in Konflikt mit vereinheitlichten Ideologie- und Stil-Vorgaben. In ‚Das Neue Moskau‘ sah die offizielle Utopie der ‚Stadt der Zukunft‘ neben den Helden so menschenlos-unmenschlich aus, dass der Film verboten wurde.“ (Kleiman/Sopin) Filmmuseum: Mi 25.10., 18.30 + Mo 20.11., 18.30 (OmU) Odna / Allein (UdSSR 1931) R: Grigorij Kozincev, Leonid Trauberg D: Elena Kuz’mina, Petr Sobolevskij, Sergej Gerasimov, Marija Babanova. 82 min. Fragment eines frühen sowjetischen Tonfilms: „‚Odna‘, die Geschichte einer jungen Lehrerin aus Leningrad, die in die kalte Einsamkeit des winterlichen Altai-Gebirges versetzt wird, markiert Trauberg und Kozincevs Abkehr von der ‚Exzentrik‘ und die Suche nach einer neuen realistischen Filmsprache.“ (Harry Tomicek) Filmmuseum: Sa 4.11., 18.30 (OmU) + Mi 18.10., 18.30 (OmenglU) Prosu slova! / Ich bitte ums Wort (UdSSR 1975) R: Gleb Panfilov D: Inna Curikova, Nikolaj Gubenko. 145 min. Die ehemalige Meisterin im Sportschießen Elisaveta Uvarova wird Bürgermeisterin und Abgeordnete zum Obersten Sowjet der UdSSR. Sie träumt davon, die Stadt ans andere Ufer des Flusses zu versetzen, wofür man eine Brücke bauen muss. Diesem Traum opfert sie die Sorge um ihre Familie. Filmmuseum: Mo 13.11., 20.30 + Do 26.10., 20.30 (OmU) Putevka v zizn’ / Der Weg ins Leben (UdSSR 1931) R: Nikolaj Ekk D: Jyvan Kyrlja, Nikolaj Batalov, Michail Dzagofarov, Marija Gonta. 112 min. „Einer der ersten sowjetischen Tonfilme“, so Frieda Grafe, „nach dem Buch des Pädagogen Makarenko: die Sozialisierung von verwilderten Kindern, den kleinen Opfern des alten Regimes.“ Filmmuseum: Mo 16.10., 18.30 + Fr 3.11., 18.30 (OmenglU) Semero smelych / Die sieben Kühnen (UdSSR 1936) R: Sergej Gerasimov D: Tamara Makarova, Nikolaj Bogoljubov, Oleg Zakov. 94 min. Mitte der 1930er erscheinen am arktischen Meeresufer von Cukotka, in einer Bucht mit dem symbolischen Namen Radostnaja (Die Freudige), sechs Komsomolzen, um das Klima zu beobachten und geologische Erkundungen durchzuführen. Als der Dampfer abfährt, stellen sie fest, dass sich unter der Fracht ein siebenter, blinder Passagier befindet. Filmmuseum: Fr 17.11., 18.30 + Mo 23.10., 18.30 (OmU) Sestaja cast’ mira / Ein Sechstel der Erde (UdSSR 1926) R: Dziga Vertov. 74 min. Ein filmischer Hymnus auf das Land und seine Leute, beeinflusst von der Poesie eines Walt Whitman genauso wie eines Vladimir Majakovskij: Es lebe die Revolution! (Am 13.10. mit Klavierbegleitung von Gerhard Gruber und Einführung durch Naum Kleiman und Artiom Sopin) Filmmuseum: Fr 13.10., 18.30 (OmU) + Mo 30.10., 18.30 (OmenglU) Spasite utopajuscego / Rettet den Ertrinkenden (UdSSR 1967) R: Pavel Arsenov D: Andrej Usakov, Leonid Karasaev, Egor D‘jakov. 69 min. Man ist entzückt, wenn Kinder ein Kaninchen vor dem Feuer retten oder einen Schatz finden. Andrej will auch bekannt werden und überredet Freund Gulka, der nicht schwimmen kann, einen Ertrinkenden zu mimen, damit er ihn „retten“ kann. – Einführung: Christoph Huber! Filmmuseum: Do 30.11., 20.30 + Sa 28.10., 20.30 (OmU)

Strannye ljudi / Seltsame Menschen (UdSSR 1969) R: Vasilij Suksin D: Vsevolod Sanaev, Sergej Nikonenko, Evgenij Evstigneev, Marija Suksina. 100 min. „FolkloreLiedgut, Generationen und drei seltsame Menschen, Helden eines Dorfs, bilden den gemeinsamen Nenner der Episoden ‚Bratka‘ (Der Bruder), ‚Rokovoj vystrel‘ (Ein verhängnisvoller Schuss) und ‚Dumy‘ (Gedanken). Ihre Seltsamkeit aber ist jeweils anders gewichtet, spießig-formale Symmetrien und Harmonien sind Suksins Sache nicht. Eingerahmt in eine schräge Schwarzweißästhetik entfalten sich die kleinen (und deshalb ganz großen) Dorfbiografien.“ (Barbara Wurm) Filmmuseum: Mi 18.10., 20.30 + Sa 4.11., 20.30 (OmU) Timur i ego komanda / Timur und sein Trupp (UdSSR 1940) R: Aleksandr Razumnyj D: Livij Scipacev, Ekaterina Derevscikova, Boris Jasen. 80 min. Zenja, die Tochter eines sowjetischen Offiziers, fährt mit ihrer Schwester für den Sommer aufs Land. In einer Datschensiedlung haben Pioniere eine Clique organisiert, die heimlich Soldatenfamilien hilft. Das Mädchen lernt Cliquenanführer Timur kennen und beginnt ihn zu unterstützen. In der Prosa Arkadij Gajdars, nach dessen gleichnamiger Novelle der Film entstand, steht hinter den Abenteuern ein Bild von Ideen, Ängsten und Hoffnungen nicht bloß der Kinder, sondern auch der Erwachsenen der 1920er und 1930er. Filmmuseum: Do 30.11., 18.30 + Sa 28.10., 18.30 (OmU) Tugoj uzel / Fester Knoten (UdSSR 1956) R: Michail Svejcer D: Oleg Tabakov, Viktor Avdjusko, Nikolaj Sergeev, Pavel Volkov. 100 min. Der karrieregeile Parteiführer Mansurov zwingt den alten Kolchosvorsitzenden, vor der Zeit zu säen: Statt der Übererfüllung des Plansolls verdirbt die Ernte. Ein Schlüsselwerk von Chruščëvs Tauwetter, 1957 verboten und neu geschnitten. (Einführung von Naum Kleiman und Artiom Sopin am 14.10.) Filmmuseum: Mi 1.11., 21.00 + Sa 14.10., 21.00 (OmU) U samogo sinego morja / Am blauesten aller Meere (UdSSR 1935) R: Boris Barnet D: Elena Kuz’mina, Lev Sverdlin, Nikolaj Krjuckov. 71 min. Barnet, ein großer „Unbekannter“ des Russenfilms, erzählt hier eine träumerische Liebelei in einer Fischereikolchose am Kaspischen Meer: Zwei junge Männer (einer Russe, der andere Aserbaidschaner) verlieben sich Hals über Kopf in die sehr fesche Brigadeführerin Mascha, die sich nach ihrem fernen Bräutigam verzehrt. (Einführung: Christoph Huber) Filmmuseum: So 22.10., 18.30 + Do 9.11., 18.30 (OmenglU) Vesennij potok / Frühling des Lebens (UdSSR 1940) R: Vladimir Jurenev D: Valentina Serova, Michail Astangov, Sergej Dneprov. 88 min. „Nadja, Absolventin der Pädagogischen Hochschule, beginnt in der Schule zu arbeiten, wo sie Schülerin war. Ein Vater, der seine Tochter alleine erzieht und sie eifersüchtig vor allen Erwachsenen behütet, kommt mit Nadja in Konflikt. ‚Frühling des Lebens‘ ist der einzige Film dieser Zeit, in dem Erwachsene nicht alles besser wissen, sondern in schulische Konflikte tief involviert sind.“ (Kleiman/ Sopin) Filmmuseum: Mi 22.11., 18.30 + So 29.10., 18.30 (OmU) Vesna na Zarecnoj ulice / Frühling in der Zarecnaja-Straße (UdSSR 1956) R: Feliks Mironer, Marlen Chuciev D: Nina Ivanova, Nikolaj Rybnikov. 94 min. Tanja kommt in die Kleinstadt, um die Arbeiterjugend zu unterrichten, der sie sich in jeder Hinsicht überlegen fühlt: Bis die Liebe, die zwischen ihr und einem Schüler, dem Stahlkocher Saša, erblüht, sie milder macht und dem Burschen hilft, sich von seiner Clique zu lösen. (Einführung von Naum Kleiman und Artiom Sopin am 15.10.) Filmmuseum: So 15.10., 21.00 + Do 2.11., 21.00 (OmU) Vremja, vpered / Zeit, voran! (UdSSR 1965) R: Michail Svejcer, Sof’ja Mil’kina D: Sergej Jurskij, Inna Gulaja, Tamara Semina, Leonid Kuravlev. 155 min. „Ein Tag im Leben der Best- und Schockarbeiter während des ersten Fünfjahresplans. In kürzestmöglicher Zeit soll das Magnitogorsker Stahlwerk Magnitka hochgezogen werden. Heute gilt’s, einen Rekord im Betongießen zu brechen, der erst kurz zuvor im fernen Charkov aufgestellt wurde – bald rotiert die Baustelle. Einer der Geniestreiche der Tauwetter-Ära.“ (Olaf Möller) Filmmuseum: Do 19.10., 20.15 + So 5.11., 20.15 (OmU) Vtoraja popytka Viktora Krochina / Viktor Krochins zweiter Versuch (UdSSR 1977) R: Igor’ Sesukov D: Sasa Charaskevic, Vitja Poluektov, Michail Terent‘ev. 95 min. Box-Europameister Viktor Krochin erinnert sich an seine Kindheit nach dem Krieg. Der Vater ist an der Front gefallen, die Mutter ständig in der Arbeit, der Bruder sitzt im Gefängnis, der Stiefvater ihm fremd geblieben. In dem Milieu, in dem Viktor aufwächst, muss er das Faustrecht erlernen. Im Boxring sichert ihm das später Erfolg, der Mangel an sittlicher Orientierung aber führt den Champ in die moralische Katastrophe. Filmmuseum: Fr 3.11., 21.00 + Mo 16.10., 21.00 (OmU) Wie kuratiert man 100 Jahre (Kino-)Revolution? Bildkorrektur: eine Podiumsdiskussion mit den Kuratoren Naum Kleiman und Artiom Sopin (Moskau), Barbara Wurm (Berlin) und Bernard Eisenschitz (Paris), Moderation: Michael Loebenstein (Wien). Filmmuseum: Sa 14.10., 16.00

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