FALTER Viennale 13
Nr. 42a/13
FOTO: EMILE HIR SCH IN PRINCE AVAL ANCHE / VIENNALE
Die besten Filme. Alle Termine
Filme von David Gordon Green, Joel & Ethan Coen, Straub/Huillet, Abdellatif Kechiche, Will Ferrell, Jerry Lewis ‌ Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2421/2013
Die Ö1 Viennale Frühstücksfilme. Nur für Ausgeschlafene. Prince Avalanche — Dienstag | 29. 10. 2013 | 6.30 Uhr Regie: David Gordon Green | ��� 2013 | 94 Min. | ��� | OmdU Mit Paul Rudd und Emile Hirsch Jeune & jolie — Dienstag | 5. 11. 2013 | 6.30 Uhr Regie: François Ozon | � 2013 | 95 Min. | ��� | OmdU Mit Marine Vacth, Géraldine Pailhas, Frédéric Pierrot und Charlotte Rampling Im Stadtkino im Künstlerhaus, Akademiestraße 13, 1010 Wien. Mit Gratis-Frühstück! Tickets für die Ö1 Viennale Frühstücksfilme erhalten Sie ab 19. 10. 2013, 10.00 Uhr, in www.viennale.at, an Vorverkaufsstellen und unter der A1-Freeline 0800 664 013. Ö1 Club-Mitglieder erhalten bei der Viennale 10 % Ermäßigung.
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Jeune & jolie
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10 14 Vorwort
Inhalt
Liebe Leserin, lieber Leser!
Wo bitte geht’s nach Hollywood? Guilty Pleasures und andere Empfehlungen von Super 8 bis Jerry Lewis
Fotos: Viennale, Sixpack, Constantin Film
M
anchmal stellen sich angekündigte Jubiläen tatsächlich ein. Michael Omasta feiert seinen 20er. Soll heißen, nachdem die Viennale vergangenes Jahr ihren 50er beging und sozusagen in die Normalität ihrer zweiten Zentenariumshälfte eintritt, verliert Omasta heuer den charmanten Status eines Viennale-Teenagers. Der Filmkritiker des Falter betreut seit zwei Jahrzehnten diese Beilage, und er gestaltet sie vollkommen autonom. Abgesehen vom kompletten Kalendarium in der Mitte bietet er Ihnen mithilfe der von ihm ausgewählten Autorinnen und Autoren also seine durchaus subjektive Auswahl der Viennale. Aus gegebenem Anlass kramen wir heute eine kleine Geschichte aus der Anekdotenkiste. Als sich die Ära des einen Unterzeichnenden als Filmkritiker und Kulturredakteur des Falter dem Ende zuneigte, sprach der andere mit ihm darüber, wen er denn als seinen Nachfolger empfehlen würde. Nimm den Omasta, sprach der Befragte, der ist ein Querkopf, aber er versteht was von Kino. Nicht gleich, aber auch nicht viel später wurde der Ratschlag befolgt. Der Falter ist prächtig damit gefahren. Omasta ist ein ausgewiesener Kinokenner, was nicht nur die vorliegende Viennale-Beilage, sondern zum Beispiel auch die derzeit rund 23 lieferbaren Filmbücher beweisen, an denen er als Autor beteiligt ist. Falter-Leser kennen seine Kompetenz aus Rezensionen, Interviews und nicht zuletzt aus dem wöchentlich aktualisierten Filmlexikon. Die Viennale und der Falter, das Wiener Festival und die Wiener Wochenzeitung, wünschen Ihnen viele anregende Stunden beim Lesen, Sehen, Hören! Herzlich,
Armin Thurnher Chefredakteur Falter
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Links und rechts vom Mittelstreifen Paul Rudd und Emile Hirsch, die Stars von „Prince Avalanche“, im Interview Und jeder sucht sein Kätzchen Die lustigen Coen-Brüder werden melancholisch: „Inside Llewyn Davis“, der Eröffnungsfilm Im Labor der Bilder Wilde Ethnografie: das Kino des Sensory Ethnography Lab an der Harvard University Drahtschlinge hier, Messer da „The Act of Killing“ lässt Kriegsverbrecher aus der Ära Suharto ihre Taten noch einmal nachspielen Gedögelt wird um Mitternacht Special im Gartenbau: fünf Beispiele eines neuen asiatischen Genrekinos in 3D Die Welt macht Film, der Film macht nach Gespenster, Infektionen und andere Kameralieblinge: Filme übers Filmemachen auf der Viennale Timetable Alle Filme auf einen Blick: der Falter-Plan zur Viennale 13 Neues aus Frankreich Montaigne, Bernanos, Straub/Huillet Das Glück in der Kampfzone Zwischen Autorenfilm und Pornografie: Arbeiten von Guiraudie, Kechiche und Doillon Noch einmal mit Gefühl So wenig Drama gab es selten in einem Liebesdrama: „La Jalousie“ von Philippe Garrel Lexikon Empfehlungen der Redaktion und Kurzbeschreibungen aller Filmer der Viennale 13 von A bis Z Impressum
Hans Hurch Direktor Viennale
Falter 42a/13 Herausgeber: Armin Thurnher Medieninhaber: Falter Zeitschriften GmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at Redaktion: Michael Omasta Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H.; Layout: Marion Großschädl, Oliver Hofmann; Lektorat: Helmut Gutbrunner, Patrick Sabbagh; Geschäftsführung: Siegmar Schlager Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86. In Kooperation mit der VIENNALE. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.
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TICKETINFORMATIONEN VORVERKAUFSSTELLEN
TICKETS IM INTERNET
Tickets bar, mit Bankomat oder per Kreditkarte
Tickets per Online-Banking oder Kreditkarte www.viennale.at
Mariahilfer Straße /Ecke Museumsquartier 1070 Wien, Mariahilfer Straße/Ecke MQ täglich 10 bis 20 Uhr Schottentor U2-Station Schottentor/Universität täglich 10 bis 20 Uhr Gartenbaukino 1., Parkring 12 von 19. bis 23. Oktober täglich 10 bis 20 Uhr
ZUSÄTZLICHE EXPRESSKASSEN AM 19. UND 20. OKTOBER Aufgrund des großen Andrangs öffnen am 19. und 20. 10. zwei zusätzliche Vorverkaufsstellen. Beide verfügen über Expresskassen (Käufe bis zu 10 Tickets), um eine raschere Abwicklung zu gewährleisten. Stadtkino im Künstlerhauskino 1., Parkring 12 19. und 20. Oktober, 10 bis 20 Uhr (nur Expresskassen; nur Barzahlung) Gartenbaukino 1., Akademiestraße 13 19. und 20. Oktober, 10 bis 20 Uhr (2 Expresskassen; Bezahlung bar, mit Bankomat oder per Kreditkarte)
TICKETS PER TELEFON Tickets per Kreditkarte Freeline 0800 664 013
TICKETVERKAUF FÜR DIE RETROSPEKTIVE
VIENNALE-KINOS Gartenbaukino I., Parkring 12 • U3 Stubentor, U4 Stadtpark Stadtkino im Künstlerhaus I., Akademiestraße 13 • U1, U2, U4 Karlsplatz Urania I., Uraniastraße 1 • U1, U4 Schwedenplatz
Tickets für die Retrospektive sind im Filmmuseum sowie an allen Viennale-Kassen erhältlich. Am Tag der jeweiligen Veranstaltung Ticketverkauf ausschließlich im Filmmuseum. An den Viennale-Kassen gelten die Preise der Viennale. Im Filmmuseum gelten die Preise des Filmmuseums.
Kino am Schwarzenbergplatz III., Schwarzenbergplatz 7 • U4 Stadtpark
AUSVERKAUFTE VORSTELLUNGEN
Die Kinokassen sind von 24. 10. bis 6. 11. ab eine Stunde vor Beginn der ersten bis zum Beginn der letzten Vorstellung geöffnet. Ab 30 Minuten vor Beginn der Vorstellung sind ausschließlich Tickets für die nächste Vorstellung erhältlich.
Bei ausverkauften Vorstellungen werden ab 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn Wartenummern für Resttickets ausgegeben.
Metro I., Johannesgasse 4 U1, U3 Stephansplatz • U1, U2, U4 Karlsplatz
Bei allen Vorstellungen gilt freie Sitzplatzwahl.
TICKETVORVERKAUF AB 19. OKTOBER 2013, 10 UHR TICKETPREISE Einzelticket Ab 10 Tickets Ab 20 Tickets
€9 € 8,50 pro Ticket € 7,80 pro Ticket
OUT 1-Tagesticket
€ 20
ERMÄSSIGUNGEN Ermäßigungen unter Vorweis der entsprechenden Ausweise für Mitarbeiter und Kunden der ERSTE Bank sowie Mitglieder von Club Ö1, DER STANDARD-Abovorteil und Erstsemstrige. Einzelticket Ab 10 Tickets Ab 20 Tickets
€ 8,50 €8 pro Ticket € 7,30 pro Ticket
OUT 1-Tagesticket
€ 18
Ermäßigungen mit der «Fernwärme-Servicecard» Inhaber der «Fernwärme-Servicecard» erhalten für Filme ausgewählter Zeitschienen je 2 Tickets zum Sonderpreis von je € 6,30.
VIENNALE MERCHANDISING Publikationen und Artikel des Festivals sind an allen Viennale Kassen erhältlich: Katalog Festival Katalog Retrospektive Plakate (A1 und A2) V’13-Filmstills-Plakat Viennale DVDs Viennale DVD Box Schlüsselband
€ 12 € 15 € 3 bzw. € 2 € 10 je € 14,90 € 59,90 €3
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Wo bitte geht’s nach Hollywood? Guilty Pleasures und andere Empfehlungen von Super 8 bis Jerry Lewis VORSCHAU: MICHAEL OMASTA
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enn der Viennale-Trailer von Shirin Neshat, eine parfümierte Hommage an „Meshes of the Afternoon“ (1943), auch etwas Gutes hat, dann ist es die Gelegenheit, nicht nur an dessen Schöpfer Maya Deren und Alexander Hackenschmied zu erinnern, sondern zudem an ihr zwei Jahre später entstandenes Meisterwerk „Private Life of a Cat“ – und daran, dass Sasha und Maya ausgesprochene Katzenliebhaber waren. Prinzipiell gibt’s ja zwei Arten von Filmemachern: Solche, die vielleicht besser keine Filme machen sollten, und solche, die Katzen mögen. Man denke an Chris Marker (er gestaltete, apropos, den Trailer zur letztjährigen Viennale). Oder an Aki Kaurismäki, dessen wortloser Beitrag zum Omnibusfilm „Centro histórico“ damit endet, dass sein freundlicher Held einen Teller Milch vor die Tür seiner Taverne stellt. Oder an Jean Vigo, das tragische Genie des französischen Kinos, in dessen schmalem Werk es von Katzen nur so wimmelt – woran heuer der Kurzfilm „Les Chats de l’Atalante“ mit Zeichnungen des Malers Harald V Uccello erinnert.
Fotos: Viennale, synema
„A Masque of Madness (Notes on Film
06-B, Monologue 02)“ heißt etwas umständlich Norbert Pfaffenbichlers experimentelle Studie über den Schauspieler Boris Karloff, der als Frankensteins schaurig-sanftes Monster zur Ikone des Horrorfilms wurde und in der Folge immer neue Variationen dieses Archetyps verkörperte: einen taubstummen Butler in „The Old Dark House“, die Titelfigur in „The Mummy“, „The Mask of Fu Manchu“ sowie „The Body Snatchers“ und, nicht zu vergessen, den Kopf einer Teufelssekte in „The Black Cat“. Ein wahres Pandämonium aus Explosionen, Feuer, Luftkrieg, Blitz und Donner tut sich hier auf. Verblüffend anzuschauen, wie nahtlos Filmszene an Filmszene passt: So kann Karloff mit dem Revolver drohen und – Schnitt! – selbst tödlich getroffen zusammensinken, auch wenn 30 Jahre und der Wechsel von Schwarzweiß zu Farbe dazwischenliegen. Im Abspann werden die Regisseure aller verfügbaren Boris-Karloff-Filme aufgeführt. Der berühmteste, Michael Curtiz, ist falsch geschrieben. Mati Diop, die Nichte des senegalesi-
schen Filmpioniers Djibril Diop Mambéty, begleitet in „Mille soleils“ einen Star des afrikanischen Kinos durch seinen Alltag. Vor gut 40 Jahren hat Magaye Niang in „Touki-Bouki“ ei-
An der Amateurkamera: Dwight Chapin, Special Assistant von US-Präsident Nixon Vor der Kamera im Studio der Paramount: Anita Ekberg in „Hollywood or Bust“
nen Kuhhirten verkörpert, der mit seiner Liebsten von Dakar nach Paris fliehen will. Hauptberuflich arbeitet Niang bis heute als Cowboy. Szenen aus Mambétys Klassiker wechseln mit solchen, in denen Rinder in den Schlachthof traben und der alte Herr bei einer Open-Air-Vorführung sich selbst auf der Leinwand wiedersieht. Anfang und Ende des Dokuessays beschließt Tex Ritter mit dem Westernsong „Do Not Forsake Me, Oh My Darlin’.“ „Our Nixon“ von Penny Lane stellt uns
drei jener Gauner vor, die man aus Filmen wie „All the President’s Men“ nur dem Namen nach kennt: Bob Haldeman, John Ehrlichman und Dwight Chapin, führende Köpfe der Nixon-Administration und – was bisher kaum bekannt war – begeisterte Amateurfilmer. So sieht man Stabschef Haldeman mit Super-8-Kamera herumlaufen, um Nixon bei der Papstaudienz in
Rom, zu Besuch bei de Gaulle oder an der chinesischen Mauer zu filmen. Seit den 1970ern schlummerte dieses Material in den Archiven des FBI. Jetzt endlich lernen wir Richard Nixon auch privat kennen: wie er bei der Mondlandung mitfiebert, wie er mit Vertrauten über Homosexualität diskutiert (ein Übel, so der Präsident auf einem der „White House Tapes“, das schon das alte Griechenland zerstört habe), wie er sich von den Mitgliedern seiner Buberlpartie, die sich einer nach dem anderen vor Gericht verantworten müssen, am Telefon verabschiedet. Ach, was hätte Monty Python daraus gemacht! „Le Dernier des injustes“ hat Claude
Lanzmann sein neues Werk genannt. Mit dem „Letzten der Ungerechten“ ist der ehemalige Wiener Rabbiner Benjamin Murmelstein gemeint, einer jener Funktionäre, die bei der Organisation der jüdischen Auswanderung
oder als Mitglieder des Judenrates beispielsweise in Theresienstadt mit den Nazis „kooperierten“, und nach dem Krieg dann Persona non grata waren. Zumal die Überlebenden standen unter Verdacht, ihre Macht (oder, wie es im Film einmal heißt: Macht der Ohnmacht) missbraucht und es sich mit den Henkern gerichtet zu haben. So einer wie Murmelstein, darin waren selbst Gershom Scholem und Hannah Arendt sich einig, hätte es „verdient, von den Juden gehängt zu werden“. Wahrscheinlich ist es höchst an der Zeit, diese jahrzehntelang vorherrschende Sichtweise zu revidieren. Das elfstündige Interview, das Lanzmann im Sommer 1975 mit Murmelstein am Beginn seiner Arbeit für „Shoah“ auf 16 mm dokumentiert, schließlich aber nicht verwendet hat, spricht dafür. Erst jetzt hat er sich dazu entschlossen, Teile des Materials als Kinofilm zu veröffentlichen. Murmelstein, ein bulliger, 1938 gerade mal 33 Jahre alter Mann, der mit seinem wohl nicht allzu servilen Auftreten schon äußerlich absolut nicht der Vorstellung eines „Judenältesten“ entsprach, wirkt in diesem Gespräch durch sein gepflegtes Deutsch und seine vollkommen ungebrochene Art zu erzählen durchaus authentisch. Nur einmal, als Claude Lanzmann sein Gegenüber am letzten Tag des Interviewmarathons danach fragt, was aus ihm ohne Krieg und Nazismus wohl geworden wäre, da scheint Benjamin Murmelstein für einen Moment fast um eine passende Antwort verlegen: „Sie haben mich viel zurückdenken lassen, aber so viel Weichen stellen kann ich nicht.“ „Hollywood or Bust“ (1956), der letz-
te gemeinsame Film von Dean Martin und Jerry Lewis, dem die Viennale heuer ihre Retrospektive widmet, schildert die Reise des ungleichen Duos, das beim Preisausschreiben ein rosa Chrysler-Cabrio gewonnen hat, von New York in die Filmmetropole. Wunderbar schon die Titelsequenz, in der Jerry den „Filmfreunden in aller Welt“ huldigt: den Amis, Briten, Chinesen, Franzosen, ja sogar den Russen. Schlicht genial hingegen ist, wie Regisseur Frank Tashlin statt vorgeblicher Kritik lieber auf „Überaffirmation“ setzt: Bereits den Weg der beiden Helden ins „gelobte Land“ säumen auffällige Schönheiten – Hollywood ist überall, das Bewusstsein nur mehr eine Kolonie. Es sei der einzige seiner Filme, behauptet Lewis in seinem Erinnerungsbuch „Dean and Me (A Love Story)“, den er nie gesehen habe. Schwerer Fehler, Jer! F Die einzelnen Termine entnehmen Sie bitte dem Programmteil
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Links und rechts Ein kongeniales Albtraumpaar: Paul Rudd und Emile Hirsch malen auf verbrannter Erde Streifen auf die Straße und begegnen sich dabei selbst. So ein Buddy-Movie wie „Prince Avalanche“ haben Sie noch nicht gesehen – außer, Sie waren in Island INTERVIEWS: JULIA PÜHRINGER
Falter: Ganz ehrlich: War das ein lustiger
Dreh im Wald? Sie, Herr Hirsch, gelten ja seit „Into the Wild“ sowieso als Naturexperte … Paul Rudd: Doch, doch. Es war ein sehr eigennütziges Unterfangen. Es gab keine Ankündigungen in den einschlägigen Medien, die Absicht war wirklich, mit kleiner Crew und wenigen Schauspielern raus in den Wald zu gehen und dort zu drehen. Es war tatsächlich eine Rückkehr zum wahren Vergnügen am Filmemachen und Geschichtenerzählen. Wir wussten ja nicht einmal, ob wir je einen fertigen Film sehen würden, wir hatten kein großes Studio im Hintergrund.
David Gordon Green, 38, Regisseur von „George Washington“ (2000), „All the Real Girls“ (2003) und „Pineapple Express“ (2008), zeigt auf der Viennale heuer zudem seine Holzfällerballade „Joe“ mit Nicolas Cage
Emile Hirsch: Stimmt, in „Into the Wild“ war
ich der Naturtyp, hier bin ich der, der es in der Natur überhaupt nicht aushält. Das ist echt okay so, niemand sollte dazu verpflichtet sein, ein Naturmensch zu sein. Ich bin da mehr so fifty-fifty. Ich liebe die Stadt und die Zeit mit meinen Freunden, bin aber für ein Projekt auch schon auf den Kilimandscharo gestiegen. Das war definitiv anstrengender, als ich dachte. Wie haben Sie sich verstanden? Rudd: Gut. Ich habe Emile ja vorher noch nie getroffen, sondern ihn erst bei diesem Film kennengelernt. Er hat von seiner Rolle jedenfalls sofort Besitz ergriffen und war immer gleich dabei, wenn wir improvisiert haben. David hat sich darüber sogar gefreut, er plant ja Szenen nicht penibel. Das Drehbuch hatte gerade einmal 60 Seiten. Hirsch: Paul ist ziemlich lustig, war aber sofort in seiner Rolle drin, das haben wir beide versucht. Er wirkte ein bisschen wie ein Ferienlagerbetreuer. Also bin ich ihm zeitweise ziemlich auf die Nerven gegangen, das konnte ich mir einfach nicht verkneifen.
Kann eine Freundschaft zwischen zwei so unterschiedlichen Menschen überhaupt funktionieren? Rudd: Sie sind beide sehr verschieden, aber sie lernen gerade über diesen Umweg über den anderen viel über sich selbst. Ich denke da immer an die Szene, wo Emile, also Lance, echt heult, weil er mit niemandem im Bett gelandet ist, und das ist einerseits fürchterlich kindisch und ordinär, aber er ist eben gleichzeitig so herzig. Wäre das jemand anderer, fände man diese Figur einfach nur schrecklich unsympathisch. Selbst denkt man sich dann, dass man im Gegensatz ja der totale Gentleman ist. Aber im Film fühlt Alvin, den ich spiele, mit ihm, und diese Gefühle sind durchaus echt. Der Film beruht ja auf einem Film aus Island, „Á annan veg“ (Either Way) – haben Sie sich den zu Gemüte geführt? Hirsch: Ich habe mir den Film erst nachher angeschaut. Mir war klar, wenn mir die Performance der Schauspieler gefällt, muss ich sie klauen, und das wollte ich vermeiden. Es war dann sehr seltsam, sich all diese
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wei schrullige Typen, ein abgebrannter Wald und eine Straßenmarkierungsmaschine sind die Ingredienzien, mit denen David Gordon Green nach isländischer Vorlage „Prince Avalanche“ bestreitet. Wir befragten Waldseminar-Teilnehmer Paul Rudd („Knocked Up“) und Emile Hirsch („Into the Wild“) getrennt voneinander über ihre Erfahrungen.
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„‚Prince Avalanche‘ war eine Rückkehr zum wahren Vergnügen am Filmemachen und Geschichtenerzählen. Wir wussten nicht, ob wir je einen fertigen Film sehen würden“ Paul Rudd
vom Mittelstreifen
Szenen anzusehen, nachdem man sie selbst gedreht hat. Ich dachte ständig: Ich bin ein viel schlimmerer Waschlappen als der Typ, der mich spielt. Rudd: Ich mochte das Original sehr. Ich bin ja nur deswegen bei diesem Film gelandet, weil ich mit David Gordon Green befreundet bin und wir schon seit Ewigkeiten gemeinsam einen Film drehen wollten. Der ganze Entstehungsprozess lief quasi rückwärts: Er fand mit diesem Wald in der Nähe eine ungemein spannende Location. Im Film sieht man ja schon ein bisschen Grün nachwachsen, aber als David den Wald zum ersten Mal sah, war da nur Asche. Eine sehr beeindruckende Landschaft. Dann ist er auf den Titel gekommen und hatte nicht die geringste Ahnung, was für ein Film daraus werden sollte. Ein Freund von ihm hatte diesen isländischen Film gesehen und sagte ihm, er soll doch einfach ein Remake daraus machen. Er hat sich die ersten zehn Minuten angesehen und wusste, das ist es. Und den hat er mir dann geschickt. Und obwohl wir in Texas drehten und die Hauptfiguren alle Amerikaner sind, hat es sich schon wie das
Remake eines europäischen Films angefühlt. Alles klang ein wenig so, als würden wir in Untertiteln sprechen. Deswegen wollte ich auch nicht allzu zeitgenössisch klingen. Es war eine Art zu sprechen, die einfach zu dieser kleinen, seltsamen Welt passt. Wie ging es Ihnen mit dieser Art von Komödie? Das unterscheidet sich schon gewaltig von dem, was Sie sonst so machen … Rudd: Davids Art von Humor liegt mir. Wir neigen beide dazu, über Dinge zu lachen, die nicht zwingend komisch sind. Es gab viele Momente im Film, wo es mich überrascht hat, dass auch jemand anderer das lustig findet. Natürlich ist das anders als der Humor von Judd Apatow, mit dem ich viel zusammengearbeitet habe. Aber beiden ist gemeinsam, dass der Witz aus ihren Figuren kommt und dass man die Story im Grunde auch als Drama sehen könnte. Ich weiß jedenfalls, dass Judd ein großer Bewunderer von David ist. Hirsch: Ich habe ja bisher nur in einer einzigen Komödie mitgespielt, das war „The Girl
Julia Pühringer ist Redakteurin des Fernsehmagazins Tele. Für den Falter interviewt sie Filmstars auf den Festivals von Berlin und Cannes
Prince Avalanche Stadtkino im Künstlerhaus: Fr, 25.10., 23.30 Uhr und Di, 29.10., 6.30 Uhr (OmU) Gartenbau: Sa, 26.10., 11 Uhr (OmU)
Next Door“. Und da spielte ich den biederen Typen, ich habe also nicht viele Lacher bekommen. Das war schon spannend: Als ich „Prince Avalanche“ in Sundance sah, hat das Publikum gelacht, das bin ich echt nicht gewöhnt. Mich hat das beim Drehbuch von der Tonalität her schon angenehm verwirrt, ich wusste nicht genau, was für ein Film das ist, ob eine Komödie oder ein Drama. Es ist wunderbar, dass der Film diesen Ton trifft. Es gibt so viele Dramen ohne komödiantische Momente, das fühlt sich für mich immer seltsam an. Weil selbst in schlimmen Momenten sagt doch immer jemand etwas, was möglicherweise gar nicht lustig gemeint war, aber so rüberkommt. Das ist einfach nah an der menschlichen Erfahrung, an der Realität. Also „Killer Joe“, den Sie mit William Friedkin gemacht haben, ist zwar eine ziemlich düstere Komödie, aber auch sehr lustig … Hirsch: An welcher Stelle haben Sie da gelacht – als mir der Schädel eingeschlagen wurde? F
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Und jeder sucht sein Kätzchen
TEXT: BARBARA SCHWEIZERHOF
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ukünftige Studentengenerationen werden in der „Odyssee“ eine zentrale Inspirationsquelle für das gesamte Filmwerk der Coen-Brüder ausmachen. Wobei zu befürchten steht, dass bis dahin die Ironie dieser bildungsbürgerlichen Referenz verlorengeht. Schließlich gaben die Coens mehrfach zu Protokoll, das Homer’sche Epos nie gelesen zu haben, und das, obwohl sie dem alten Griechen für „O Brother, Where Art Thou“ einen Co-Autoren-Credit zugestanden. Ihre Kenntnis des Stoffs beruhe auf „kultureller Osmose“, hieß es damals. Dass diese Art der Aufnahme zu ganz eigenartigen, aber auch ganz wunderbaren Neuinterpretationen führen kann, dafür liefert „Inside Llewyn Davis“ einen weiteren Beweis. Als eine Art „Odyssee, in der der Held nirgendwo hingelangt“ fasste Ethan Coen den Film jüngst bei einem Q&A zusammen. Tatsächlich drehen sich in „Inside Llewyn Davis“ die Dinge im Kreis. Der Film beginnt da, wo er nach 105 Minuten enden wird: Llewyn Davis (Oscar Isaac), seines Zeichens erfolgloser Folksänger im New Yorker Greenwich Village der beginnenden 1960er-Jahre, tritt nach einem Kurz-Gig in einem einschlägigen Café durch dessen Hintertür auf die Straße, wo ihn – Spoiler Alert! – nichts Gutes erwartet. Dazwischen liegt die Beschreibung einer knappen Woche aus dem Leben dieses Llewyn Davis, einer Woche, die von Missgeschicken und sehr viel Pech geprägt ist. Dass er kein Geld und keine eigene Woh-
nung hat, zählt dabei noch zu den Problemen, die er mit großer Routine zu managen weiß. Was ihm über den Kopf wächst, sind Dinge wie entlaufene Katzen, unerwünschte Schwangerschaften und der immer weiter in die Ferne rückende Traum vom großen Durchbruch als Musiker. Letzterem reist er in einem Last-Minute-Trip nach Chicago noch einmal hinterher – und erhält eine der in ihrer Knappheit poetischsten Abfuhren der Filmgeschichte. Schurkengesicht F. Murray Abraham in der Rolle eines über Karrieren entscheidenden Musikimpresarios hört sich an, wie Llewyn sich mit einer melancholischen Ballade die Seele aus dem Leib singt, um am Ende zu konstatieren: „I see no money in it.“ Neben F. Murray Abraham glänzen Carey Mulligan, Justin Timberlake, John Goodman, Garret Hedlund und Adam Driver in größeren und kleineren Nebenrollen, die unserem Helden im Zentrum ähnlich bitter-komische Sätze entgegenwerfen. Auf dem schmalen Grat zwischen niederschmetternd und lächerlich wandelt „Inside Llewyn Davis“ mit traumwandlerischer Sicherheit. Die schräge Tonlage und der abseitige Humor, den die Coens zu ihrer Marke gemacht haben, finden hier zu seltener Harmonie. Zugleich funktioniert der Film als erstaunlich stimmiges period piece.
Llewyn Davis nimmt Niederlagen ohne Selbstmitleid hin. Er buhlt so wenig um die Sympathie seiner Umgebung wie sein Darsteller Oscar Isaac um die des Zuschauers
Inspiriert vom Schicksal von Dave Van Ronk,
Inside Llewyn Davis Gartenbau: Do, 24.10., 19.30 Uhr (Eröffnung) und 23 Uhr sowie Fr, 25.10., 11 Uhr (OmU)
einer damaligen Szenegestalt, die es anders als Bob Dylan eben nicht geschafft hat, zeigt „Inside Llewyn Davis“ die Folkszene des Village der frühen 1960er als vollkommen glanzloses Milieu, in dem sich die kommenden kulturellen Umbrüche erst an-
Barbara Schweizerhof ist Redakteurin der deutschen Filmzeitschrift epd-Film (Frankfurt am Main)
deuten. Der blitzsaubere, patriotische Soldat singt noch im gleichen Umfeld wie die ersten hippiesken Langhaarfiguren. Rechts und links, Tradition und Gegenkultur bilden noch keine deutlich ausgeprägten Gegensätze. Wenn man den Odyssee-Vergleich noch einmal bemühen möchte, sind es die Stationen einer Welt in Transformation, deren alte Götter von neuen abgelöst werden, während im Hin und Her, in Ablehnung, Flucht und Abstoßung, sich ein Individuum formt. Denn letztlich gehört der Film ganz Llewyn Davis beziehungsweise dem Schauspieler Oscar Isaac, der ihn mit wunderbar melancholischer Intensität verkörpert. Seine Aura, sein von Misanthropie zu Misere schwankender Blick bildet mit T-Bone Burnetts nostalgisierendem Soundtrack (Isaac singt selbst) eine bestrickende Einheit. Nur auf den ersten Blick erinnert Davis an jene narzisstischen Großhelden, wie man sie aus diversen Biopics kennt: viel trinkend, unzuverlässig, selbstbezogen, Freunde und Frauen ausbeutend. Isaac aber verleiht seiner Figur ein Mehr an Komplexität, indem er sie nie den Bezug zur harten Realität verlieren lässt. Sein Llewyn Davis mag ein eitler, bohemehafter Musiker sein, der meint, es besser verdient zu haben. Seine Niederlagen nimmt er trotzdem ohne Selbstmitleid hin. Llewyn Davis buhlt so wenig um die Sympathie seiner Umgebung wie Oscar Isaac um die des Zuschauers, gerade das aber macht es möglich, ihn für sein letztlich ruhmloses Heldentum zu bewundern. Im Stillen identifizieren wir uns vielleicht alle mehr mit Sisyphos als mit Odysseus. F
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Die lustigen Coen-Brüder werden melancholisch: „Inside Llewyn Davis“ folgt der Odyssee eines Folksängers durchs glanzlose Greenwich Village der frühen 1960er
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in kleines Institut an der Universität von Harvard, das Sensory Ethnography Lab, steht für eine Neuausrichtung dokumentarästhetischer Filmpraxis. Geprägt von der Skepsis gegenüber der Tradition des kolonialen Kinos, bemüht sich hier eine Gruppe von Anthropologen, Ethnologen und Soziologen um eine erneuerte Bildpraxis der ethnografischen Feldund Filmarbeit. Das Sensory Ethnography Lab wurde 2006 vom Anthropologen Lucien CastaingTaylor gegründet und versteht sich als eine Einrichtung, die sich kritisch-reflektierend mit den filmischen Praktiken der visuellen Anthropologie auseinandersetzt. Die hergestellten Filme sollen sich grundlegend vom kolonialen Erbe der Ethnologie abgrenzen und nicht mehr in erster Linie einer „Bergungsanthropologie“ (salvage anthropology) verpflichtet sein, mit der die Feldforschung ihre Quellen absichert.
Das Special „Wilde Ethnografie“ widmet sich einem innovativen Experimentierfeld des aktuellen dokumentarischen Kinos: dem Sensory Ethnography Lab an der Harvard University T E X T : R a m ó n R e i c hert
Dichte Beschreibung
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Ein kommentarloses Porträt der industriellen Schafwolleproduktion: „Sweetgrass“ (2009) Befragung von Pilgern in der Seilbahn zum nepalesischen Hindutempel: „Manakamana“ (2013)
Im SEL wird darauf Wert gelegt, dass jedes Projekt eigenständige filmische Verfahren entwickelt. So beschränken Stephanie Sprays und Pacho Velez den Schauplatz ihres Films „Manakamana“ (2013) auf das Innere von Seilbahnkabinen, die Pilger zu einem Hindutempel in Nepal befördern. Mit der Reduktion auf die nahen Einstellungen der Gesichter soll in „Manakamana“ (der im Viennale-Hauptprogramm gezeigt wird) die ethnografische Bergung von Ritualen vermieden werden. Gleichermaßen sollen die Pilger die Gelegenheit erhalten, die Filmaufnahme partizipatorisch aufzuladen. Damit kann das zu erwartende Verhalten der Pilger gegenüber dem Rezeptionskonsumismus rätselhaft bleiben und sich an den Grenzen der Beobachtung ansiedeln.
Befragungen der visuellen Kultur Das Curriculum des SEL beweist die enge Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Experimentalfilmern. Sharon Lockhart, James Benning und Peter Hutton stehen dem SEL als Dozenten und Berater zur Verfü-
Foto: viennale
Die Ausbildung zum Dokumentarfilmer im SEL ist eng an eine Methodenbefragung der traditionellen Beobachterpositionen im ethnografischen Kino geknüpft. Zu den Konventionen des normalen und alltäglichen Beobachtens im ethnologischen Film zählt die statische Einstellung der Stativkamera, die eine „natürliche“ Alltagswahrnehmung simuliert. In Abgrenzung zu dieser Doxa der teilnehmenden Beobachtung im ethnografischen Film operieren Lucien CastaingTaylor und Véréna Paravel in „Leviathan“ (2012), ihrem Film über Hochseefischer aus New England, mit der Bildakquise der erlebnisdokumentarischen GoPro-Miniaturkamera. Zur Vermeidung anthropomorpher Sichtweisen wurde ein Dutzend Kameras an Netzmaschen, Seilen und Fischern befestigt und das Filmmaterial in der Postproduktion in einer aktionsreichen Montageästhetik zusammengesetzt. Diese aufgeteilte und dem Zufall überlassene Kameraästhetik löst sich im Akt der Aufzeichnung vom menschlichen Beobachter und ermöglicht nicht-intendierte Wahrnehmungsformen. Das Charaktermerkmal aller Dokumentarfilme des SEL besteht darin, auf einen erneuerten Erfahrungsraum filmischen Sehens abzuzielen. Sie verändern mit ihrer Medienreflexion nicht nur das ethnografische Kino der Sozial- und Kulturanthropologen, sondern können als „ein offener Ort der kinematografischen Forschung und des Experiments angesehen werden“, wie es die Kuratorin des Spezialprogramms, Nada Torucar, nachdrücklich umschreibt. Damit einhergehend können auch die Positionen des orthodoxen Dokumentarismus einer kritischen Revision unterworfen werden. So wird die filmische Inszenierung von „Objektivität“ – etwa durch lange Einstellungen und eine statische Kameraführung – vom Gründungsdirektor Castaing-Taylor programmatisch zurückgewiesen. An die Stelle eines statischen Beobachtungswissens rücken sie die Montage- und Bildästhetik sensorischer Ereignishaftigkeit. So erkundet zum Beispiel in „People’s Park“ (2012) eine selbstgebaute Dolly-Konstruktion in einer 80-minütigen Plansequenz die sozialen Interaktionen in einem Park in Chengdu.
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Bilder gung. Sie tragen dazu bei, die audiovisuelle Selbstreflexivität des Experimentalfilms auf die dokumentarfilmischen Projekte der Medienanthropologie zu übertragen. Dieses doppelseitige Verfahren von kritischer Medienreflexion und kreativ-künstlerischer Erneuerung prägt die Filmprojekte des ethnografischen Labors. Sie reflektieren – etwa im kommentarlosen Porträt der industriellen Schafwolleproduktion in „Sweetgrass“ (2009) – den Umstand, dass seit den Anfängen der wissenschaftlichen Kinematografie bis in die 1950er-Jahre die dokumentarästhetischen Stilmittel des ethnografischen Films von der Kontinuitätsmontage und dem allwissenden Voice-over geprägt wurden. In diesem Zusammenhang wurde der Film immer nur als zusätzliches Hilfsmittel zur Herstellung von Rohdaten verwendet. Vor diesem Hintergrund versucht das SEL auch, die bildskeptischen Positionen des eigenen Fachbereichs in die Konzeption der Filmprojekte zu integrieren. Es nimmt Anleihen beim Wegbereiter der visuellen Anthropologie, David MacDougall, der in „Transcultural Cinema“ (1998) den klassischen Gebrauch der „privilegierten Kamera“ im ethnografischen Film kritisiert. Damit meint er die allmächtige Handhabung der Kamera, dramatische Aufnahmewinkel, die Verlagerung der Tiefenschärfe bei der Konstruktion von Gegensätzen und halbnahe Einstellungen, mit denen die intime Nähe zum Geschehen suggeriert wird. Im Unterschied zur „privilegierten Kamera“ zur Untermauerung der Asymmetrie von Filmemachern und den von ihnen Gefilmten, wird die fixierte Beobachterperspektive „avantgardistisch gesprengt, radikalisiert in Form einer involvierten Beobachtung, deren technisches Sehen programmatisch mit postanthropomorphem Gestus auftritt“ (Simon Rothöhler). Andererseits darf das dokumentarische Experiment des SEL auch nicht überschätzt werden. Denn die von Castaing-Taylor in „Leviathan“ etablierte Stilistik der verteilten Kamera ändert nichts an der Tatsache, dass Filmen per se eine privilegierte Handlung darstellt. Das Prinzip der multiplen Kameraperspektive bricht zwar die Einseitigkeit des Beobachtens auf und schafft einen neuartigen ästhetischen Mehrwert, verändert aber nicht das Faktum, dass die Verarbeitung der Bilder in der Postproduktion sowie ihre spätere Aufführung und Verwertung allein den Produzenten und Regisseuren vorbehalten bleibt. F
Ramón Reichert, Kulturwissenschaftler und Medientheoretiker, lebt in Wien. Herausgeber mehrerer Bücher, darunter „Kulturfilm im ‚Dritten Reich‘“ (Synema 2006) oder zuletzt „Die Macht der Vielen. Über den neuen Kult der digitalen Vernetzung“ (transcript 2013)
Massenmörder in der Maske, rechts im Bild: Anwar Congo
Drahtschlinge hier, Messer da „The Act of Killing“ von Joshua Oppenheimer lässt Kriegsverbrecher aus der Ära Suharto ihre Massenmorde noch einmal nachspielen TEXT: MARTIN NGUYEN
as Kino hat seine stärksten MomenD te, wenn die Imagination die Bilder der Wirklichkeit zu durchdringen beginnt.
Manakamana, die neue Produktion des Sensory Ethnography Lab, läuft im Metro: So, 27.10., 18.30 Uhr Kino am Schwarzenbergplatz: Mo, 28.10., 23 Uhr (OmenglU) Die einzelnen Termine zum Special „Wilde Ethnografie“ finden Sie im Programmteil
Joshua Oppenheimers Dokumentarfilm „The Act of Killing“ setzt auf einen inszenatorischen Clou, um diese Wirkung zu entfalten. Nach dem Militärputsch 1965 und der darauffolgenden Machtübernahme General Suhartos in Indonesien begann die „Auslöschung der Kommunisten“: Politische Gegner, Gewerkschafter und ethnische Chinesen wurden von paramilitärischen Organisationen, die sich aus Gangstern rekrutierten, systematisch ermordet. Ursprünglich wollte Oppenheimer einen Film über die Überlebenden des Genozids drehen. Von den lokalen Machthaber schikaniert und bedroht, begann er schließlich die Täter zu interviewen, die erstaunlich freizügig über ihr Morden berichteten. Frei von Schuld, frei von Sühne – Volkshelden eines korrumpierten Systems, deren Macht auf den Leichenbergen von damals gründete. Anwar Congo und seine Freunde waren unter den Haupttätern. Cinephile Killer, die sich bei ihren Morden durch Hollywoodfilme und Western inspirieren ließen. So wie ihre Kinohelden plagten auch sie keine Schuldgefühle. Hier hakt Oppenheimer auf eine prekär unterhaltsame Art nach: Er bittet Anwar und seine Freunde, ihre Morde und Verhöre vor der Kamera zu reinszenieren. In einem Genre ihrer Wahl, sie spielen sich selbst, sie spielen die Opfer. Es wird geschlitzt, es wird getanzt. Drahtschlinge hier, Mes-
ser da. John Wayne lässt grüßen. So führt Oppenheimer die Täter über die szenische Auflösung ihrer Morde an die Reflexion ihres Handelns heran. Den Sinn einer Vergangenheitsbewältigung sieht so mancher nicht ein. „Kriegsverbrechen werden von den Gewinnern definiert. Wir sind die Gewinner“, stellt ein Täter klar. Befürchtungen, Überlebende und Nachkommen der Opfer könnten sich rächen, werden rasch zerstreut. „Sie haben keine Macht, um etwas zu unternehmen.“ Bei Anwar hingegen regen sich erste Zweifel, Albträume plagen ihn. Sein Körper widersetzt sich zunehmend der Verdrängung. Oppenheimer spielt ihm die unter Täterregie entstandenen Szenen vor, filmt Anwars Reaktion auf das Reenactment. „Jetzt weiß ich, wie sich meine Opfer gefühlt haben“, gibt er aufgelöst zu. „Nein“, entgegnet Oppenheimer, „es war viel schlimmer. Du weißt, es ist nur ein Film. Deine Opfer wussten, sie werden getötet.“ Hannah Arendts Begriff „Banalität des Bösen“ drängt sich im Lauf des Films auf. Im Deutschen diminutiv gedeutet, steht der englische Originaltitel „Banality of Evil“ für die Allgemeingültigkeit des Bösen. Der Mensch ist des Menschen Wolf, sagte bereits Thomas Hobbes. Und die Täterschaft steht uns manchmal näher, als uns lieb ist. F Martin Nguyen ist Filmemacher („Ich muss dir was sagen“, 2006; „Tomorrow You Will Leave“, 2013) und arbeitet in der FalterProgrammredaktion
The Act of Killing Gartenbau: Sa, 26.10., 18 Uhr Urania: So, 27.10., 16 Uhr (OmenglU)
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Gedögelt wird um Mitternacht Von kampftüchtigen Kellnerinnen, kaiserlichen Söldnern und einem frechen Affenkönig: Die Viennale zeigt im Gartenbau fünf Beispiele eines neuen asiatischen Genrekinos in 3D TEXT: ANDREAS UNGERBÖCK
Seite der Medaille ist. Neben all den (wunderbaren) Hong Sangsoos, Koreeda Hirokazus, Jia Zhangkes und Lav Diazen blüht ein Genrekino, das im Idealfall höchst lebendig und facettenreich ist. Und die Leute schauen sich das gerne an. Der indische Regisseur Vikram Bhatt hat gezeigt, wie es geht: „Haunted 3D“ war in der Heimat enorm erfolgreich. Bhatt hat den sattsam bekannten Topos des „verwunschenen Hauses“ genial mit „Back to the Future“ kombiniert. Er lässt seinen Protagonisten nicht einfach die Geister im Haus erledigen, sondern schickt ihn zurück in die 1930er-Jahre, als das Unglück geschah, dessentwegen die Geister überhaupt Geister wurden. Er soll, mit einem Wort, eben dieses verhindern – und in 3D macht sich dasganz prächtig. Das gilt auch für die beiden HongkongProduktionen in der Mitternachtsreihe. Stephen Fung drehte mit „Tai Chi Hero“ den zweiten Teil einer noch unvollständigen Action-Trilogie. In spektakulären Kampfsequenzen lässt er es 3D-mäßig richtig krachen. Fung ist sich nicht zu schade, wie Sherilyn Connelly schreibt, „die Kampfszenen mit schwedischem Death Metal zu unterlegen und die abschließende Serie von Kämpfen wie die Levels eines Videospiels zu präsentieren, komplett mit Insert: x vs. y“.
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ch habe noch nie jemanden getroffen, der 3D wirklich mag“. Sagt der britische Filmemacher Christopher Nolan, in dessen Portfolio sich immerhin die „Batman“Trilogie findet. Aufsehen erregte Nolan auch dadurch, dass er sich weigerte, „The Dark Knight Rises“, in 3D zu drehen, und sich damit letztlich gegen Warner Bros. durchsetzte. Seine lapidare Begründung: 3D sei für die Geschichte und Machart des Films „nicht nötig“. Außerdem warf er der Kinoindustrie vor, höhere Eintrittspreise für etwas zu verlangen, „wovon eigentlich niemand sagen zu können scheint, dass er es besonders liebt“. Warum nun also trotzdem eine 3D-Reihe namens „Asian Delights“ bei der Viennale? Ganz einfach: Weil eine Filmveranstaltung, die 1960 unter dem Motto „Festival der Heiterkeit“ gegründet wurde, ein bisschen Pfeffer unter dem institutionellen Hintern braucht. Weil zwischen schwermütigen Portugiesen und grüblerischen Argentiniern, zwischen denkmalgeschützten Franzosen und österreichischem Experimentalfilm Platz sein muss für ein bisschen Ass-Kicking um Mitternacht.
Wie aufs Stichwort hat der vietnamesische Regisseur Nguyen Quang Dung einen prächtigen 3D-Martial-Arts-Film namens „The Lady Assassin“ gedreht, der mit dem gleichnamigen Hongkong-Film aus dem Jahr 1983 nichts gemein hat, dafür aber eine Hommage an den großartigen Regisseur King Hu und seine fliegenden Kriegerinnen (man denke an „A Touch of Zen“ oder „The Fate of Lee Khan“) darstellt.
3D-Kampfszenen von großer Intensität vor politisch-philosophischem Hintergrund: „The Guillotines“ von Andrew Lau
Andreas Ungerböck In den Hintern getreten wird hier den (durch- war 15 Jahre lang wegs männlichen) Bösewichten von einer Mitarbeiter der toughen Kneipenwirtin und ihren kampf- Falter-Filmredaktion, tüchtigen Kellnerinnen. Das Überraschen- ist aktuell Herausgede an dem Film ist nicht nur, dass er aus ber des Filmmagazins Vietnam kommt, einem Land, dessen Film- Ray und hat für die schaffen im Westen bisher vor allem durch Viennale zusammen grüblerische Autorenfilme (siehe oben) be- mit Leo Moser die kannt war, sondern dass er nur die Speer- 3D-Reihe kuratiert
spitze einer blühenden Actionfilm-Szene ist, die an den dortigen Kinokassen für Furore sorgt. Nebeneffekt einer solchen Mitternachtsreihe ist es, dem Publikum zu vermitteln, dass das, was Festivalmacher gerne als „asiatisches Kino“ verkaufen, ja nur die eine
Die einzelnen Termine zum Special „Asian Delights“ finden Sie im Programmteil
tere, adrenalingetränkte Polizeitrilogie „Infernal Affairs“ (2002/03) Martin Scorsese zum eher lauwarmen Remake „The Departed“ inspirierte, stellte nun seinerseits ein Remake her: „The Guillotines“ (2012) basiert auf einem Hongkong-Klassiker aus dem Jahre 1975 und schildert das Schicksal einer geheimen kaiserlichen Elitekampftruppe im historischen China auf dem Weg in die Neuzeit: Weil der neue Kaiser auf Waffen aus dem Westen setzt und weil sie als Mitwisser der höfischen Machenschaften nicht länger tragbar sind, werden die Söldner auf eine (selbst-)mörderische Mission geschickt. Wie Andrew Lau diese politisch-philosophische Ausgangslage mit 3DKampfszenen von großer Intensität verbindet, das muss man (auf großer Leinwand) gesehen haben. Zuletzt sei hier auf eine besondere Delikatesse unter den „Asian Delights“ verwiesen: „The Monkey King: Uproar in Heaven“ wurde Anfang der 1960er-Jahre vom chinesischen Trickfilmpionier Wan Laiming und seinen MitarbeiterInnen in detailgetreuer Handarbeit hergestellt. Er beruht auf einem der vier großen Romane der chinesischen Literatur, „Die Reise nach Westen“ aus dem 17. Jahrhundert, und schildert die vielfältigen Abenteuer des frechen Affenkönigs Sun Wukong, der sich mit den Mächten des Himmels anlegt, dafür bestraft wird und glorios zurückkehrt. Dieser wunderbar bunte und fantasievolle Film gehört im chinesischen Kulturkreis zum Standardrepertoire, wird immer wieder und wieder gezeigt und hat Generationen von Menschen, unter anderem auch den japanischen Anime-Meister Miyazaki Hayao, erfreut. Nun wurde „The Monkey King“ mittels modernster Technologie auf 3D umgearbeitet und restauriert. Der Film erstrahlt in neuem Glanz, wovon man sich demnächst im Gartenbaukino überzeugen kann. Kicks ass! F
Foto: VIENNALE
Andrew Lau wiederum, dessen famose, düs-
Falters Feine Filme +++ Gemeinsam mit dem FALTER veröffentlicht die Viennale zum zweiten Mal eine DVD Edition. Diese Filme sollen den Geist der Viennale repräsentieren. +++
l. Grifi & M. sarchielli ANNA
Denis Côté CURLiNG
V. Paravel & J. P. sniadecki FoREiGN PARTs
Der Porträtfilm über eine schwangere, drogenabhängige Jugendliche verzichtete auf ein Drehbuch, um stattdessen im Cinéma vérité-Stil völlig deren Leben einzutauchen. Daraus entstand ein Spiel wechselseitiger Verführungen, Abhängigkeiten und Ausbeutungen.
Abgeschieden bei ihrem Vater lebend, macht die 12-jährige Julyvonne eines Tages eine zutiefst verstörende Entdeckung, mit der sie verschlossen weiterlebt. Gibt es einen Zusammenhang mit dem eigenartigen Leben des Vaters? Ein surrealer, an Buñuel erinnernder Film.
Der Film dokumentiert den schwierigen Alltag am Rande von Queens. Wo Menschen unter den schlechtesten Bedingungen leben und arbeiten, aber trotzdem versuchen, der drohenden Sanierung des Viertels zu entgehen. Doch der Boden gehört Spekulanten und Immobilienentwicklern.
225 min, UMdU, € 14,90
92 min, omEngU, € 14,90
80 min, Engl./span./Hebr., € 14,90
6 DVD BOX
Nadav Lapid HAsHoTER
Kleber Mendonça Filho o soM Ao REDoR
Nadav Lapid erzählt eine doppelte Geschichte. Die von Yaron, Mitglied einer Antiterrorgruppe und die einer Gruppe von linken Terroristen, deren zentrale Figur die Bürgertochter Shira ist. In einem unermüdlichen Showdown prallen schließlich die beiden Gruppierungen aufeinander.
Hinter der Fassade der Bürgerlichkeit einer mittelständischen Straße in der Provinz lauern Kleinkriminalität und finstere Machenschaften. Filho inszeniert in seinem Debüt mit fast Altman’scher Figurenvielfalt einen Reigen aus Lebenslügen, Klassendünkel und soziopathischen Neigungen.
112 min, omEngU, € 14,90
124 min, omEngU, € 14,90
ViENNALE DVD Box 2013 Die streng limitierte Viennale DVD Box beinhaltet neben den 5 Filmen eine exklusive Bonus DVD “And We Made the Room Shine” mit acht Shows von Musikern des kanadischen Independend Labels Constellation Records. + ein Viennale-Schlüsselband + ein aktueller Festivalpin + ein 35mm-Filmstreifen
678 min, statt € 74,50 um nur € 59,90
Die Viennale DVD Edition ist ab 24.10.2013 unter faltershop.at www.viennale.at und im gut sortierten Buchhandel erhältlich.
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Die Welt macht Film, Gespenster, Infektionen und andere Kameralieblinge: Filme übers Filmemachen auf der Viennale TEXT: JOACHIM SCHÄTZ
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Fortsetzung eines Actionfilms über die Schulgang mit echten Waffen und Toten: Matt und Owen in „The Dirties“
The Dirties Kino am Schwarzenbergplatz: Sa, 26.10., 20.30 Uhr Gartenbau: Di, 29.10., 13 Uhr (OF) Ein Gespenst geht um in Europa Kino am Schwarzenbergplatz: Mo, 28.10., 18 Uhr Metro: Di, 29.10., 11 Uhr (OmenglU) Lukas nino Urania: Mi, 30.10., 21 Uhr Kino am Schwarzenbergplatz: So, 3.11., 13 Uhr (OmenglU) The Bay Gartenbau: Mi, 30.10., 23.30 Uhr und Do, 31.10., 11 Uhr (OF)
Torres verwischt die Grenzen zwischen Film,
Film-im-Film und auktorialem Off-Kommentar. Das Motiv bedrohter Erinnerung spielt er auch auf der Materialebene durch: Gleich zu Beginn ist ein verwitterter Ausschnitt aus einem Film des philippinischen Klassikers Ishmael Bernal zu sehen, der die prekäre Archivlage dieser Nationalkinematografie in Erinnerung ruft. Im Gegensatz zu Torres’ bisherigen Arbeiten, die heuer in einem eigenen Programm präsentiert werden, ist „Lukas nino“ nicht auf Video, sondern auf 35-mm-Film gedreht worden. Wie Torres das Material auslotet, das Bild flackern und flirren und den Ausschnitt beim Abspielen verrutschen lässt, das ist bereits eine Anverwandlung aus medienhistorischer Distanz. Ähnlich werden Mangelerscheinungen des philippinischen Populärkinos der 1980er-Jahre – matte Farben, nachsynchronisierter Ton, abbrechende Abblenden – hier zu Ausdrucksmitteln einer bewegenden Stimmungsdichtung umgewertet. Mimikry ist auch das Programm von „The Dirties“: Der kanadische Film gibt sich als Dokumentation aus, sein Regisseur Matthew Johnson als deren Regisseur und Protagonist. Der heißt ebenfalls Matt und macht sich seiner Umwelt vor allem in Popkulturreferenzen verständlich. Im Rahmen eines Schulkurses arbeiten Matt und sein Freund Owen (Owen Williams) an einem Actionfilm über die Schulgang, die es auf die beiden abgesehen hat. Als die täglichen Quälereien nach der Vorführung des Racheepos nicht nachlassen, plant der fröhlich dampfplaudernde Matt eine Fortsetzung, diesmal mit echten Waffen und Toten. Johnson, der eine furchtlose Narzisstenper-
formance gibt, hat offensichtlich Comedian Albert Brooks (vor allem dessen Regiedebüt „Real Life“) gut studiert. Inspirierte Referenzspielereien und Momente schwarzen Humors helfen aber auf die Dauer nicht über die konzeptuelle Schwäche des Films hinweg. Dass die Präsenz der Kamera untermotiviert bleibt, ist man vom Mockumentary-Format gewohnt. Aber die Kreuzung aus Popsatire und Problemfilm resultiert in einer unglücklich reaktionären Diagnose: Zum Schulattentäter wird, wer Medienkonsum und Wirklichkeit nicht mehr auseinanderhalten kann. Eine kurzweiligere, auch formal konsequentere, Fake-Doku ist „The Bay“. Hollywoodroutinier Barry Levinson („Bugsy“, „Wag the Dog“) springt hier auf den Zeitgeistzug des Found-Footage-Gruselkinos auf („Paranormal Activity“-Schöpfer Oren Peli produziert mit) und schafft einen der beunruhigendsten, dramatisch kohärentesten Einträge des Subgenres. Just am Unabhängigkeitstag attackiert et-
was im Wasser die Bewohner einer Küstenstadt. Im Gegensatz zum „Weißen Hai“ ist die Bedrohung diesmal hausgemacht, dehnbaren Umweltschutzregulationen sei dank. Das Schauspiel ist uneben, im Mittelpunkt steht aber sowieso die bunte Vielfalt an Bild- und Tonquellen, mit denen die Welt hier quasi selbsttätig Kino macht: Sicherheitskameras, Handys, Webcams, Lokalnachrichten, Bildmontagen wie aus einer PowerPoint-Präsentation. In einer Infektion, die sich rasend schnell über die ganze Stadt ausbreitet, hat dieses Ensemble seinen idealen Gegenstand gefunden. F
Fotos:VIENNALE
enn in Spielfilmen Filme gedreht werden, schauen sie meist schauderhaft aus. Schon aus Prinzip. Dreharbeiten und Filme-im-Film zeigt man im Erzählkino üblicherweise, um eine Differenz zu markieren: zwischen der Unberechenbarkeit des Lebens und den Konventionen der Kunst oder – der Modus der Hollywoodsatire – zwischen der eigenen Integrität und den zynischen Usancen des Filmgeschäfts. Opposition in letzterem Sinn, aber ohne die dabei übliche Selbstgerechtigkeit, formuliert auch Julian Radlmaier in seinem originellen Dreiviertelstünder „Ein Gespenst geht um in Europa“. Die selbstbezeichnete „suprematistische Komödie“ findet angemessen ätzende Bilder und Töne für eine deutsche Filmproduktionslandschaft zwischen Befindlichkeitsbiedermeier und zeithistorischen Erbauungserzählungen. Vor allem aber findet Radlmaier, Student an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, eine Form, die ein heiteres Gegenprogramm zu den gängigen Sackgassen des deutschen Autoren- und Publikumsfilms formuliert. Den umstürzlerischen Furor borgt er sich von dem sowjetischen Revolutionsdichter Wladimir Majakowski, der in der Spielhandlung als Geist durch das Berlin der Gegenwart spukt. Auch die sprunghafte Episodendramaturgie und die lakonische Mise-en-scène des Films bedienen sich bei der ästhetischen Internationalen des frühen 20. Jahrhunderts: Suprematismus, Futurismus, Slapstick. Als Majakowski gegen Ende am Set eines Trümmerfrauen-Epos erscheint, bricht eine Prügelei los wie bei den Keystone Cops. Der Film hat den Film-imFilm (von dem dann auch nie eigene Bilder zu sehen sind) überrumpelt. Einige andere Filme vom Filmemachen im aktuellen Viennale-Programm zielen in die entgegengesetzte Richtung: Welt und Kino haben hier längst begonnen, einander aufzulösen. Der schönste, rätselhafteste von ihnen ist „Lukas nino“ vom philippinischen Regisseur John Torres. Während in seinem Heimatdorf für einen Film gecastet wird, kommt dem 13-jährigen Lukas sein Vater abhanden. Hat sein Verschwinden – und das der Hauptdarstellerin vom Filmset – etwas mit dem nahen Fluss des Vergessens zu tun, wo ehemalige Soldaten des Diktators Marcos sich reinwaschen konnten?
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der Film macht nach
Hoch infektiöse Found-Footage-Fake-Doku: „The Bay“ von Hollywoodroutinier Barry Levinson
Prekäres Material: „Lukas nino“
Herbstpreise Herbstpreise by by
BOSTON BOSTON ab
SAN SAN FRANCISCO FRANCISCO ab ab
625
ab
525
€ €
€ JOHANNESBURG € JOHANNESBURG ab
Tarifbeispiele gültig pro Person für Hin- und Rückflug ab Wien inklusive Taxen, exklusive Ticket-Service-Entgelt. Buchbar von Tarifbeispiele gültigAbfl proüge Person fürNordamerika Hin- und Rückfl ab Wienfür inklusive Taxen, Ziele exklusive Ticket-Service-Entgelt. Buchbar von 16.10 bis 6.11.13, nach bisug30.4.14, alle anderen bis 15.6.14 (Angebote nicht verfügbar 16.10 bisTerminen. 6.11.13, Abfl üge nach Nordamerika bis 30.4.14, für Reservierungen alle anderen Ziele 15.6.14 (Angebote verfügbar zu allen Mehr Informationen auf www.airfrance.at). auf bis www.airfrance.at, übernicht die Air France zu allen Terminen. Mehr Informationen auf www.airfrance.at, über die Air France Reservierungszentrale 01/502 222 400 auf oderwww.airfrance.at). in Ihrem Reisebüro.Reservierungen Änderungen vorbehalten. Reservierungszentrale 01/502 222 400 oder in Ihrem Reisebüro. Änderungen vorbehalten.
ab
779
airfrance.at airfrance.at
€ €
Der Falter viennale-planer 13 Fr, 25.10. Sa, 26.10. so, 27.10. mo, 28.10. di, 29.10. Mi, 30.10. GARTENBAUKINO
11.00 13.00 15.30 18.00 20.30
Kino am Schwarzenbergplatz
23.00 13.00 15.30
Inside Llewyn Davis
(Joel Coen, Ethan Coen, USA 2013, OmU, 105 min)
Tian zhu ding
(Jia Zhangke, China/J 2013, OmenglU, 133 min)
METRO
Gold
(Thomas Arslan, D 2013, OmenglU, 113 min)
The Act of Killing
17.00 Le Dernier des injustes
Vic + Flo ont vu un ours
Jeune & jolie
17.30 Història de la meva mort
(François Ozon, F 2013, OmU, 93 min)
(Albert Serra, E/F 2013, OmenglU, 150 min)
Joe
21.00 Night Moves
(Ruth Beckermann, Ö 2013, OmenglU, 75 min)
(Joshua Oppenheimer, Christine Cynn, Anonym, DK/NOR/GB 2012, OmenglU, 159 min)
Nebraska
21.30 Fading Gigolo
Xue di zi (3D)
00.00 Taiji Yingxiong Jueqi (3D)
(Alexander Payne, USA 2013, OF, 115 min)
(Andrew Lau, TW/HK/China 2012, OmenglU, 112 min)
(Stephen Fung, HK/China 2012, OmenglU, 102 min)
Când se lasa seara peste Bucuresti sau metabolism
El loro y el cisne
Hélio Oiticica
(Howard Hawks, USA 1952, OF, 122 min)
(Alejo Moguillansky, ARG 2013, OmenglU, 100 min)
(Mia Engberg, SE 2013, OmenglU, 75 min)
(BRD/F/CH 1954–2013, OmU, 81 min)
El ojo del tiburón
(Alejo Hoijman, E/ARG/Costa Rica 2013, OmenglU, 93 min)
At Berkeley
(Frederick Wiseman, USA 2013, OF, 244 min)
(Corneliu Porumboiu, RO/F 2013, OmenglU, 89 min)
(Cesar Oiticica Filho, BRA 2012, OmenglU, 94 min)
Weekend of a Champion
(Frank Simon, USA/Monaco 1971/2012, OmU, 93 min)
Bambi
(Sébastian Lifshitz, F 2012, OmenglU, 60 min)
Du zhan
(Johnnie To, HK/China 2012, OmenglU, 107 min)
Lacrau
(João Vladimiro, P 2012, OmenglU, 99 min) Chaiqian (J.P. Sniadecki, USA/China 2008, OmenglU, 62 min) The Yellow Bank (J.P. Sniadecki, USA/China 2010, 27 min)
Metran men hada al-turab
Los duenos
(Ahmad Natche, Palästina 2012, OmenglU, 80 min)
(Agustín Toscano, Ezequiel Radusky, ARG 2013, OmenglU, 95 min)
Sickfuckpeople
(Juri Rechinsky, Ö/Ukraine 2012, OmenglU, 75 min)
New World
(David Gordon Green, USA 2013, OF, 117 min)
Da Nao Tian Gong 3D
(Kelly Reichardt, USA 2013, OF, 112 min)
23.30 The Bay
Audition (Byington, USA 2013, OF, 5 min) La última película (Martin, Peranson, CAN/DK/MEX/Philippinen 2013, OmenglU, 88 min) Still Life (Diana Keown Allan, USA 2007, OmenglU, 25 min) As Long As There’s Breath (S. Spray, USA/Nepal 2010, OmenglU, 57 min)
Môj pes Killer
Cha Fang (Zhu Rikun, China 2013, OmenglU, 21 min) Ein Gespenst geht um in Europa (J. Radlmaier, D 2012, OmenglU, 48 min)
Nugu-ui ttal-do anin Haewon
Northern Light
Filme von Nicolás Guillén Landrián
Hab’ so lang auf dich gewartet (Claudia Siefen, Ö 2012, 4 min) It Felt Like Love (Eliza Hittman, USA 2012, OF, 82 min)
A Spell to Ward Off the Darkness
Hélio Oiticica
Filme von Nicolás Guillén Landrián
Kurzfilmprogramm 1 (OmenglU, 70 min)
Le Cousin Jules
(Dominique Benicheti, F 1973, 91 min)
(Kuba 1963–1968, OmenglU, 74 min)
Manqana, romelic kvelafers gaaqrobs
(Hong Sangsoo, Südkorea 2013, OmenglU, 90 min)
(Cesar Oiticica Filho, BRA 2012, OmenglU, 94 min)
(Barry Levinson, USA 2012, OF, 84 min)
(Mira Fornay, SK/CZ 2013, OmenglU, 90 min)
Kurzfilmprogramm 2 (englOF, 65 min)
(Nick Bentgen, USA 2013, OF, 105 min)
(Ben Russell, Ben Rivers, F/NOR/FIN/ Estland 2013, OF, 98 min)
Avanti popolo
10.00 E agora? Lembra-me
(Tinatin Gurchiani, Georgien/D 2012, OmenglU, 97 min) Listening to the Space in My Room (R. Beavers, CH/D/USA 2013, OF, 19 min) Three Landscapes (P. Hutton, USA/Äthiopien 2013, 47 min)
Kein großes Ding
14.00 Programm 3: Kino macht Schule
Foreign Parts
(Ö 1907–1921, 54 min)
(Véréna Paravel, J. P. Sniadecki, USA/F 2010, OmenglU, 80 min)
Filme von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub
Programm 4: Distinktion des Körpers
Programm 5: Werkstätten des Krieges
Manakamana
Manqana, romelic kvelafers gaaqrobs
18.00 Història de la meva mort
Môj pes Killer
19.30 Programm 6: Phantom Riders
21.30 Lacrau
(Michael Wahrmann, BR 2012, OmenglU, 72 min)
Programm 2: Kino-Real (Ö 1909–1929, 58 min)
Jerry-Lewis-Lecture Jerry & Me (Mehrnaz Saeedvafa, USA 2012, OmenglU, 38 min)
(Joaquim Pinto, P 2013, OmenglU, 164 min)
(BRD/F/CH 1954–2013, OmU, 81 min)
(Tinatin Gurchiani, Georgien/D 2012, OmenglU, 97 min)
(Ö 1904–1940, 70 min)
(Albert Serra, E/F 2013, OmenglU, 150 min)
Land of Nod (C. Fitzgibbon, USA 2013, OF, 21 min) And We Made the Room Shine (Clos, Lallier, F 2013, 45 min)
La plaga
Sound Works
(Neus Ballús, E 2013, OmenglU, 85 min)
(Ernst Karel/Stephanie Spray, USA/CH/ Nepal 2011, 75 min)
(Ö 1916–1922, 53 min)
(Mira Fornay, SK/CZ 2013, OmenglU, 90 min)
Salma
(Kim Longinotto, GB/IND 2013, OmenglU, 90 min)
Centro Histórico
Soshite chichi ni naru
La Bataille de Solférino
Tian zhu ding
(Justine Triet, F 2013, OmenglU, 94 min)
(Jia Zhangke, China/J 2013, OmenglU, 133 min)
(Koreeda Hirokazu, J 2013, OmenglU, 120 min)
(João Vladimiro, P 2012, OmenglU, 99 min)
(Kuba 1963–1968, OmenglU, 74 min)
Cha Fang (Z. Rikun, China 2013, OmenglU, 21 min) Ein Gespenst geht um in Europa (J. Radlmaier, D 2012, OmenglU, 48 min)
(Alan Berliner, USA 2012, OF, 78 min)
(Kaurismäki, Costa, Erice, Oliveira, P 2012, OmenglU, 96 min)
(Ramon Zürcher, D 2013, OmenglU, 72 min)
(Wan Laiming, Tang Cheng/Su Da, Chen Zhihong, China 1961–64/2012, OmenglU, 92 min)
(Park Hoon-jung, Südkorea 2013, OmU, 134 min)
First Cousin Once Removed
(Ö 1903–1927, 55 min)
(Stephanie Spray, Pacho Velez, USA/Nepal 2013, OmenglU, 118 min)
(Ö 1912–1920, 50 min)
Filme von Johann Lurf
(Johann Lurf, Ö 2003–2013, 63 min)
Le Cousin Jules
(Dominique Benicheti, F 1973, 91 min)
Nugu-ui ttal-do anin Haewon
Salma
(Kim Longinotto, GB/IND 2013, OmenglU, 90 min)
(Mehrnaz Saeedvafa, USA 2012, OmenglU, 38 min)
Jerry-Lewis-Lecture Jerry & Me
Uri Sunhi
Bluebird
13.00 Ang ninanais
Will Ferrell: You’re Welcome, America
Old School
Casa de mi padre
(Matt Piedmont, USA 2012, OmenglU, 84 min)
Leviathan
Stranger Than Fiction
15.30 P3ND3J05
(Todd Phillips, USA 2002, OF, 90 min)
Când se lasa seara peste Bucuresti sau metabolism
Katiyabaaz
La Paz
(Hong Sangsoo, Südkorea 2013, OmenglU, 90 min)
(Marty Callner, USA 2009, OF, 92 min)
(Corneliu Porumboiu, RO/F 2013, OmenglU, 89 min)
Kein großes Ding
(Klaus Lemke, D 2013, 83 min)
Prince Avalanche
(David Gordon Green, USA 2013, OmU, 94 min)
13.30
First Cousin Once Removed
23.30
(Matt Johnson, CAN/USA 2013, OF, 83 min)
(Denis Côté, CAN 2013, OmenglU, 95 min)
(Andrew Bujalski, USA 2013, OmU, 93 min)
Programm 1: Kinochronisten
Our Nixon
21.00
(Claude Lanzmann, F/Ö 2013, OmU, 219 min)
(Serge Bozon, F/LUX 2013, OmenglU, 106 min)
Ritournelle (C. Becks, D 2012, 4 min) Pays barbare (Yervant Gianikian, Angela Ricci Lucchi, F 2013, OmenglU, 65 min) 6.30 Prince Avalanche (D. G. Green, USA 2013, OmU, 94 min) 11.00 Weekend of a Champion (Simon, USA/Monaco 1971/2012, OmU, 93 min)
11.00
18.30
(Alberto Gracia, E 2013, OmenglU, 61 min)
(Klaus Lemke, D 2013, 83 min)
(Justine Triet, F 2013, OmenglU, 94 min)
(Katell Quillévéré, F 2013, OmenglU, 94 min)
(John Torturro, USA 2013, OF, 98 min)
The Big Sky
La Bataille de Solférino
16.00
(Mahamat-Saleh Haroun, Tschad/F 2013, OmenglU, 101 min)
Those Who Go Those Who Stay
18.30
23.30
Grigris
Das merkwürdige Kätzchen
Listening to the Space in My Room (R. Beavers, CH/D/USA 2013, OF, 19 min) Three Landscapes (P. Hutton, USA/Äthiopien 2013, 47 min)
21.00
(François Ozon, F 2013, OmU, 93 min)
The Dirties
(Matt Johnson, CAN/USA 2013, OF, 83 min)
(Jean-Marie Straub, Danièle Huillet, BRD 1967, 94 min)
Jeune & jolie
Computer Chess
16.00
18.30
(Josh Gordon, Will Speck, USA 2006, OF, 93 min)
Tip Top
The Dirties
16.00
Chronik der Anna Magdalena Bach
Blades of Glory
15.00 Suzanne
Filme von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub
13.30
(Claude Lanzmann, F/Ö 2013, OmU, 219 min)
(Hong Sangsoo, Südkorea 2013, OmenglU, 88 min)
20.30
11.00
Le Dernier des injustes
16.00 Uri Sunhi
Belleville Baby
21.00
(John Torturro, USA 2013, OF, 98 min)
(Mohammad Rasoulof, Iran 2013, OmU, 124 min)
18.00
23.00
Fading Gigolo
Dast-Neveshtehaa Nemisoozand
13.30
urania
(David Gordon Green, USA 2013, OmU, 94 min)
O quinto evanxeo de Gaspar Hauser
11.00
Stadtkino im Künstlerhaus
Prince Avalanche
(Fahad Mustafa, Deepti Kakkar, IND 2013, OmenglU, 82 min)
Upstream Color
(Shane Carruth, USA 2012, OF, 96 min) America (V. Massadian, F/USA 2013, OF, 7 min) Primer (Shane Carruth, USA 2004, OF, 77 min)
(Santiago Loza, ARG/Bolivien 2013, OmenglU, 73 min)
20.30 Razredni sovraznik
(Rok Bicek, SLO 2013, OmU, 112 min) Stoplight Liberty (Kevin Jerome Everson, USA 2013, 2 min) Soft in the Head (Nathan Silver, USA 2012, OF, 71 min)
Soshite chichi ni naru
Bauyr
(Serik Aprymov, Kasachstan 2013, OmenglU, 95 min)
Our Nixon
Those Who Go Those Who Stay (Ruth Beckermann, Ö 2013, OmenglU, 75 min)
The Act of Killing
(Penny Lane, USA 2013, OF, 84 min)
(Joshua Oppenheimer, Christine Cynn, Anonym, DK/NOR/GB 2012, OmenglU, 159 min)
Bambi
Tip Top
(Serge Bozon, F/LUX 2013, OmenglU, 106 min)
19.30 At Berkeley
(Sébastian Lifshitz, F 2012, OmU, 60 min)
20.30 Gold
E agora? Lembra-me
(Koreeda Hirokazu, J 2013, OmenglU, 120 min)
(Thomas Arslan, D 2013, OmenglU, 113 min)
Anchorman: The Legend of Ron Burgundy
(Adam McKay, USA 2004, OF, 94 min)
(Véréna Paravel, Lucien Castaing-Taylor, USA/GB/F 2012, OF, 87 min)
Sickfuckpeople
(Juri Rechinsky, Ö/Ukraine 2012, OmU, 75 min) Audition (Byington, USA 2013, OF, 5 min) La última película (Martin, Peranson, CAN/DK/MEX/Philippinen 2013, OmenglU, 88 min)
(Frederick Wiseman, USA 2013, dF, 244 min)
(Joaquim Pinto, P 2013, OmenglU, 164 min)
00.00 Katiyabaaz
(Fahad Mustafa, Deepti Kakkar, IND 2013, OmenglU, 82 min)
(Lance Edmands, USA/SE 2013, OF, 91 min)
(Marc Forster, USA 2006, OF, 113 min) Land of Nod (C. Fitzgibbon, USA 2013, OF, 21 min) And We Made the Room Shine (Clos, Lallier, F 2013, 45 min)
(John Torres, Philippinen 2010, OmenglU, 118 min) (Raúl Perrone, ARG 2013, OmenglU, 157 min)
Costa da Morte
(Lois Patiño, E 2013, OmenglU, 84 min)
Der Schmetterlingsjäger – 37 Karteikarten zu Nabokov
Bauyr
00.00 Sing Me the Songs That Say I Love You
Zoolander
Dast-Neveshtehaa Nemisoozand
Costa da Morte
Tomogui
(Lois Patiño, E 2013, OmenglU, 84 min)
(Aoyama Shinji, J 2013, OmenglU, 102 min)
Razredni sovraznik
La Paz
(Rok Bicek, SLO 2013, OmenglU, 112 min)
(Santiago Loza, ARG/Bolivien 2013, OmenglU, 73 min)
13.00 Der Schmetterlingsjäger – 37 Karteikarten zu Nabokov
16.30 Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby
Northern Light
Un voyageur
(Nick Bentgen, USA 2013, OF, 105 min)
(Marcel Ophüls, F 2013, OmenglU, 106 min)
Bluebird
Ich fühl mich Disco
Wo Guxiang De Sizhong Siwang Fangshi
Soft in the Head
Das merkwürdige Kätzchen (Ramon Zürcher, D 2013, OmenglU, 72 min)
Lukas nino
(Nathan Silver, USA 2012, OF, 71 min)
Los duenos
Belleville Baby
Vic + Flo ont vu un ours
Good Ol’ Freda
(Ryan White, USA/GB 2013, OF, 86 min)
(Mohammad Rasoulof, Iran 2013, OmenglU, 124 min)
(Penny Lane, USA 2013, OF, 84 min)
(Alan Berliner, USA 2012, OF, 78 min)
(Hong Sangsoo, Südkorea 2013, OmenglU, 88 min)
(Adam McKay, USA 2006, OF, 108 min) (Lance Edmands, USA/SE 2013, OF, 91 min)
(Agustín Toscano, Ezequiel Radusky, ARG 2013, OmenglU, 95 min)
(Harald Bergmann, D 2012, OmU, 135 min)
(Lian Lunson, USA/CAN 2012, OF, 108 min)
(Axel Ranisch, D 2013, 95 min)
(Mia Engberg, SE 2013, OmenglU, 75 min)
(Serik Aprymov, Kasachstan 2013, OmenglU, 95 min)
(Ben Stiller, USA/D/AUS 2001, OF, 89 min)
(Harald Bergmann, D 2012, OmenglU, 135 min)
(Chai Chunya, China 2012, OmenglU, 92 min) (John Torres, Philippinen 2013, OmenglU, 82 min) (Denis Côté, CAN 2013, OmenglU, 95 min)
Alle Termine, alle Kinos auf einen Blick
Do, 31.10. Fr, 1.11. The Bay
(Barry Levinson, USA 2012, OF, 84 min)
10.30 Modern Times
(Charles Chaplin, USA 1936, OmU, 87 min)
erÖffnung 24.10., 19.30 & 23 UHR GARTENBAUKINO Der Viennale-13-Trailer: Inside Llewyn Davis Illusions & Mirrors
(Shirin Neshat, USA/Ö 2013, 2 min)
10.30 Night Moves
(Kelly Reichardt, USA 2013, OF, 112 min)
Blue Jasmine
(Woody Allen, USA 2013, OmU, 98 min)
12.30 Manakamana
(Stephanie Spray, Pacho Velez, USA/ Nepal 2013, OmenglU, 118 min)
Joe
I Used to Be Darker
(Adam McKay, USA 2008, OF, 98 min)
Death Row II (Teil 1+2)
Sing Me the Songs That Say I Love You
Death Row II (Teil 3 + 4)
(Werner Herzog, USA 2013, OF, 110 min)
Überraschungsfilm
(Lunson, USA/CAN 2012, OF, 108 min)
Le Passé
Jiaoyou
Oktober November
(Götz Spielmann, Ö 2013, dF, 114 min)
(Asghar Farhadi, F/I 2013, OmenglU, 124 min)
21.00 La Jalousie
Michael Kohlhaas
(Philippe Garrel, F 2013, OmenglU, 77 min)
My Nhan Ke (3D)
(Nguyen Quang Dung, Vietnam 2013, OmenglU, 93 min)
(Arnaud des Pallières, F/D 2013, OmU, 122 min)
23.30 Haunted 3D
(Vikram Bhatt, Indien 2011, OmenglU, 143 min)
(David Gordon Green, USA 2013, OF, 117 min)
(Tsai Ming-liang, TW/F 2013, OmenglU, 138 min)
21.00 Blue Jasmine
(Woody Allen, USA 2013, OmU, 98 min)
(Ritesh Batra, IN/D/F/USA 2013, OmU, 105 min)
Dad’s Stick (Smith, GB 2012, OF, 5 min) Carta a un padre (Edgardo Cozarinsky, ARG/F 2013, OmenglU, 65 min)
Tonnerre
La jungla interior
(Guillaume Brac, F 2013, OmenglU, 106 min)
Avanti popolo
(Michael Wahrmann, BR 2012, OmenglU, 72 min)
Aterträffen
(Anna Odell, SE 2013, OmenglU, 89 min)
(Juan Barrero, E 2013, OmenglU, 70 min)
Taon noong ako’y anak sa labas (John Torres, Philippinen 2008, OmenglU, 105 min)
Mouton
(Marianne Pistone, Gilles Deroo, F 2012, OmenglU, 100 min)
(123 min)
Pardé
(Abdellatif Kechiche, F/B/E 2012, OmenglU, 175 min)
Camille Claudel 1915
13.30 Grand Central
The Big Sky
(Alexander Payne, USA 2013, OF, 115 min)
L’Image manquante
Sacro GRA
Jimmy P. (Psychotherapy
Shirley – Visions of Reality
(Rithy Panh, Kambodscha/F 2013, OmenglU, 90 min)
of a Plains Indian) (Arnaud Desplechin, USA/F 2013, OF, 114 min)
La Vie d’Adèle – Chapitres 1 et 2 (Abdellatif Kechiche, F/B/E 2012,
21.00 L’Inconnu du lac
OmenglU, 175 min)
Nebraska
(Rebecca Zlotowski, F/Ö 2013, OmenglU, 94 min)
(Jafar Panahi, Kamboziya Partovi, Iran 2013, OmenglU, 106 min)
(Alain Guiraudie, F 2013, OmU, 97 min)
23.30 Salvo
(Bruce LaBruce, CAN 2013, OmenglU, 82 min)
Dabba
La Vie d’Adèle – Chapitres 1 et 2
(Matt Porterfield, USA 2013, OmU, 90 min)
Gerontophilia
O quinto evanxeo de Gaspar Hauser (Alberto Gracia, E 2013, OmenglU, 61 min)
OF Originalfassung OmU Originalfassung mit deutschen Untertiteln OmenglU Originalfassung mit englischen Untertiteln englOF englische Originalfassung
Sa, 2.11. so, 3.11. mo, 4.11. di, 5.11. Mi, 6.11.
Step Brothers
(Werner Herzog, USA 2013, OF, 110 min)
(Joel Coen, Ethan Coen, USA 2013, OmU, 105 min)
Spielfilm Dokumentarfilm Kurzfilm Das Rohe und das Gekochte Wilde Ethnografie Specials/In Focus Will Ferrell Special Realitäten Gonzalo García Pelayo
(Fabio Grassadonia, Antonio Piazza, I/F 2013, OmenglU, 103 min)
(Gustav Deutsch, Ö 2013, englOF, 92 min)
Camille Claudel 1915
(Bruno Dumont, F 2012, OmenglU, 97 min)
23.30 Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby
(Adam McKay, USA 2006, OF, 108 min)
Double Play: James Benning and Richard Linklater
A Fuller Life
Un voyageur
Die Schwärmer
Stemple Pass
Still Dissolution (Siegfried A. Fruhauf, Ö 2013, 3 min) A Masque of Madness(N.Pfaffenbichler, Ö 2013, OmenglU, 80 min)
Kasaysayan (Lav Diaz, Philippinen 2013, OmenglU, 250 min)
Creme 21 (Eve Heller, Ö 2013, 10 min) Gut Renovation (Su Friedrich, USA 2012, OF, 81 min)
21.00 Filme von Jennifer Reeder
La voce di Berlinguer (Sestio, Teardo, I 2013, OmenglU, 20 min) Rosso cenere (Contento, Aprà, F/I 2013, OmenglU, 60 min)
(James Benning, USA 2012, OF, 121 min)
(Jennifer Reeder, USA 2012/13, OmenglU, 65 min)
(Steven Knight, GB 2013, OF, 85 min)
23.30 Locke
(Steven Knight, GB 2013, OF, 85 min)
O Som e a Fúria presents
Kurzfilmprogramm 3
(Johanna Pauline Maier, D 2013, OmenglU, 81 min)
Locke
Norte, Hangganan ng
Creme 21 (Eve Heller, Ö 2013, 10 min) Gut Renovation (Su Friedrich, USA 2012, OF, 81 min)
(Samantha Fuller, USA 2013, OF, 80 min)
(Adam McKay, USA 2004, OF, 94 min)
(Marcel Ophüls, F 2013, OmenglU, 106 min)
(Jennifer Reeder, USA 2012/13, OmenglU, 65 min)
(Gabe Klinger, USA/F/P 2013, OF, 70 min)
17.00 Anchorman: The Legend of Ron Burgundy
Filme von Claudia Larcher (C. Larcher, Ö 2008–2013, 19 min) The Great Flood (Bill Morrison, USA 2012, 80 min) Arbor (Janie Geiser, USA 2012, 7 min) I Have Always Been a Dreamer (Sabine Gruffat, USA/Arabische Emirate 2012, OF, 78 min)
Filme von Jennifer Reeder
(OmenglU, 58 min)
(Howard Hawks, USA 1952, OF, 122 min)
(Gianfranco Rosi, I/F 2013, OmenglU, 93 min)
Lukas nino
(John Torres, Philippinen 2013, OmenglU, 82 min)
(Bruno Dumont, F 2012, OmenglU, 97 min)
(S. Aguilar/T. Churro/M. Gomes, P 2013, OmenglU, 73 min)
12 O’Clock Boys
(Lofty Nathan, USA 2013, OF, 76 min)
Safety Last! A Selection of Shorts, Sketches and Skits (Adam McKay et al., USA 1995–2012, OF, 70 min)
Runaway Day
(Dimitris Bavellas, GR 2013, OmenglU, 82 min)
Livepan (Sasha Pirker, Ö 2013, 2 min) Mara Mattuschka_Different Faces of an Anti-Diva (Elisabeth Maria Klocker, Ö 2013, OmenglU, 90 min)
Roland Klick – The Heart Is a Hungry Hunter
10.00 Out 1 – Noli me tangere (Teil 1 + 2)
Filme von Claudia Larcher (C. Larcher, Ö 2008–2013, 19 min) Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe (Hartmann, D 2013, OmenglU, 80 min)
Mes séances de lutte
Die Schwärmer
Kutchi Vahan Pani Wala
(Anand, Sukumaran, IND/Arabische Emirate 2013, OmenglU, 83 min)
La voce di Berlinguer (M. Sestio, T. Teardo, I 2013, OmenglU, 20 min) Rosso cenere (Contento, Aprà, F/I 2013, OmenglU, 60 min)
Ritournelle (Christopher Becks, D 2012, 4 min) Pays barbare (Y. Gianikian, A. Ricci Lucchi, F 2013, OmenglU, 65 min)
13.45 Out 1 – Noli me tangere (Teil 3 + 4)
Tih-Minh (Teil 1–3)
(Louis Feuillade, F 1918, OmfrzU, 108 min)
Tih-Minh (Teil 4–6)
Tih-Minh (Teil 7–9)
Tih-Minh (Teil 10–12)
Casa de mi padre
(Jacques Rivette, F 1970/90, OmU)
Programm 7: Landscape Icons
17.45 Gespräch Out 1 – Noli me tangere
16.30 Programm 8: Ikonografie der Macht
16.30 Programm 9: Entfesselte Massen
Old School
L’Image manquante
(Rithy Panh, Kambodscha/F 2013, OmenglU, 90 min)
Bloody Daughter
(Todd Phillips, USA 2002, OF, 90 min)
Metran men hada al-turab
19.00 Out 1 – Noli me tangere (Teil 5 + 6)
Presence (Y. Raghunandan, Ekta Mittal, IND 2012, OmenglU, 18 min) Mille soleils (Mati Diop, F/Senegal 2013, OmenglU, 45 min)
Kurzfilme von John Torres
Feng ai
Kurzfilmprogramm 4
Let the Fire Burn
22.30 Out 1 – Noli me tangere (Teil 7 + 8)
Runaway Day
(Dimitris Bavellas, GR 2013, OmenglU, 82 min)
Alegrías de Cádiz
In Sarmatien
P3ND3J05
(Jacques Rivette, F 1970/90, OmU)
Grzeli nateli dgeebi
Aterträffen
Jiaoyou
Grigris
6.30 Jeune & jolie (François Ozon, F 2013, OmU, 93 min) 11.00 Manuela (Gonzalo García Pelayo, E 1976, OmenglU, 102 min)
Shirley – Visions of Reality
New World
Mouton
Le Passé
Double Play: James Benning and Richard Linklater (Gabe
O Som e a Fúria presents
(Sandro Aguilar / Telmo Churro / Miguel Gomes, P 2013, OmenglU, 73 min)
Kurzfilmprogramm 4
Klinger, USA/F/P 2013, OF, 70 min)
Grand Central
(Rebecca Zlotowski, F/Ö 2013, OmenglU, 94 min)
Filme von Johann Lurf
(Johann Lurf, Ö 2003–2013, 63 min)
(Ö 1912–1930, 59 min) (Ahmad Natche, Palästina 2012, OmenglU, 80 min)
La jungla interior
(Juan Barrero, E 2013, OmenglU, 70 min)
Feng ai
(Wang Bing, HK/F/J 2013, OmenglU, 228 min)
Ich fühl mich Disco
(Axel Ranisch, D 2013, OmenglU, 95 min)
(Jacques Rivette, F 1970/90, OmU, gesamt 769 min)
(Jacques Rivette, F 1970/90)
(Jacques Rivette, F 1970/90, OmU)
(Ekvtimishvili, Groß, Georgien/F/D 2013, OmenglU, 102 min) (Park Hoon-jung, Südkorea 2013, OmU, 134 min)
(Ö 1907–1924, 59 min)
(Anna Odell, SE 2013, OmenglU, 89 min) (Marianne Pistone, Gilles Deroo, F 2012, OmenglU, 100 min)
(Jacques Doillon, F 2013, OmenglU, 98 min) (Louis Feuillade, F 1918, OmfrzU, 82 min)
(Ö 1917–1928, 58 min)
(John Torres, Philippinen 2004–2012, OmenglU, 89 min)
(Johanna Pauline Maier, D 2013, OmenglU, 81 min) (Louis Feuillade, F 1918, OmfrzU, 80 min)
(Wang Bing, HK/F/J 2013, OmenglU, 228 min)
(Gonzalo García Pelayo, E 2013, OmenglU, 119 min) (Tsai Ming-liang, TW/F 2013, OmenglU, 138 min) (Asghar Farhadi, F/I 2013, OmenglU, 124 min)
(Sandra Prechtel, D 2013, OmenglU, 80 min)
(Louis Feuillade, F 1918, OmfrzU, 92 min)
(OmenglU, 60 min)
(Volker Koepp, D 2013, OmU, 122 min) (Mahamat-Saleh Haroun, Tschad/F 2013, OmenglU, 101 min)
Lancelot du Lac
(Robert Bresson, F 1973, OmenglU, 83 min)
(Matt Piedmont, USA 2012, OmenglU, 84 min) (Stéphanie Argerich, CH/F 2012, OmenglU, 95 min)
(Jason Osder, USA 2013, OF, 88 min)
(Raúl Perrone, ARG 2013, OmenglU, 157 min) (Gustav Deutsch, Ö 2013, englOF, 92 min)
(OmenglU, 60 min)
Sweetgrass
Tomogui
Todo Todo Teros
16.30 Rocío y José
Frente al mar
El ojo del tiburón
Lenny Cooke
Grzeli nateli dgeebi
Presence (Y. Raghunandan, Ekta Mittal, IND 2012, OmenglU, 18 min) Mille soleils (Mati Diop, F/Senegal 2013, OmenglU, 45 min)
Manuela
Salvo
Ricardo Bär
A Fuller Life
(Samantha Fuller, USA 2013, OF, 80 min)
Sto lyko (Aran Hughes, Christina Koutsospyrou, GR/GB 2013, OmenglU, 74 min)
Filme von Claudia Larcher (C. Larcher, Ö 2008–2013, 19 min) Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe (Hartmann, D 2013, OmenglU, 80 min)
Tonnerre
I Used to Be Darker
Jing Cha Ri Ji
Bloody Daughter
Vivir en Sevilla
Corridas de alegría
Terra de ninguém
This Ain’t No Mouse Music!
The Selfish Giant
00.00 Blades of Glory
San Diego Surf
Jimmy P. (Psychotherapy of a Plains Indian)
Sacro GRA
Medeas
Stemple Pass
America (Valérie Massadian, F/USA 2013, OF, 7 min) Primer (Shane Carruth, USA 2004, OF, 77 min)
(Ilisa Barbash, Lucien Castaing-Taylor, USA 2009, OF, 101 min) (N. Ekvtimishvili, S. Groß, Georgien/ F/D 2013, OmenglU, 102 min)
(Salomé Lamas, P 2013, OmenglU, 72 min)
(Aoyama Shinji, J 2013, OmenglU, 102 min)
(Guillaume Brac, F 2013, OmenglU, 106 min) (Chris Simon, Maureen Gosling, USA 2013, OmenglU, 92 min)
(John Torres, Philippinen 2006, OmenglU, 102 min) (Gonzalo García Pelayo, E 1976, OmenglU, 102 min) (Matt Porterfield, USA 2013, OmU, 90 min)
(Clio Barnard, GB 2013, OF, 93 min)
(Gonzalo García Pelayo, E 1982, OmenglU, 79 min) (Fabio Grassadonia, Antonio Piazza, I/F 2013, OmenglU, 103 min) (Ning Ying, China 2013, OmenglU, 113 min) (Josh Gordon, Will Speck, USA 2006, OF, 93 min)
(Gonzalo García Pelayo, E 1978, OmenglU, 87 min) (Gerardo Naumann, Nele Wohlatz, ARG 2013, OmenglU, 96 min) (Stéphanie Argerich, CH/F 2012, OmenglU, 95 min) (Andy Warhol, USA 1968/1995, OF, 90 min)
(Alejo Hoijman, E/ARG/Costa Rica 2013, OmenglU, 93 min)
(Gonzalo García Pelayo, E 1978, OmenglU, 112 min)
(Desplechin, USA/F 2013, OF, 114 min)
(Josh Safdie, Benny Safdie, USA 2013, OF, 90 min)
(Gonzalo García Pelayo, E 1982, OmenglU, 74 min) (Gianfranco Rosi, I/F 2013, OmenglU, 93 min)
Kurzfilmprogramm 2
El loro y el cisne
(Alejo Moguillansky, ARG 2013, OmenglU, 100 min)
Michael Kohlhaas
(englOF, 65 min)
Pardé
Centro Histórico
14.00 Viola
Oktober November
Sto lyko
(Götz Spielmann, Ö 2013, OmenglU, 114 min)
(Aran Hughes, Christina Koutsospyrou, GR/GB 2013, OmenglU, 74 min)
14.00 Hab’ so lang auf dich gewartet (Siefen, Ö 2012, 4 min) It Felt Like Love (Eliza Hittman, USA 2012, OF, 82 min)
L’Inconnu du lac
This Ain’t No Mouse Music!
Viola
Kutchi Vahan Pani Wala
16.30 Gerontophilia
The Selfish Giant
Ricardo Bär
(Gerardo Naumann, Nele Wohlatz, ARG 2013, OmenglU, 96 min)
In Sarmatien
(Clio Barnard, GB 2013, OF, 93 min)
(Jafar Panahi, Kamboziya Partovi, Iran 2013, OmenglU, 106 min)
(Kaurismäki, Costa, Erice, Oliveira, P 2012, OmenglU, 96 min)
(Arnaud des Pallières, F/D 2013, OmU, 122 min) (Matìas Piñeiro, ARG 2012, OmenglU, 63 min)
(Matìas Piñeiro, ARG 2012, OmenglU, 63 min)
(Shaina Anand, Ashok Sukumaran, IND/Arabische Emirate 2013, OmenglU, 83 min)
Dad’s Stick (John Smith, GB 2012, OF, 5 min) Carta a un padre (E. Cozarinsky, ARG/F 2013, OmenglU, 65 min)
Terra de ninguém
Jing Cha Ri Ji
Dabba
Kurzfilmprogramm 3
(Chris Simon, Maureen Gosling, USA 2013, OmenglU, 92 min)
(Ritesh Batra, IN/D/F/USA 2013, OmU, 105 min)
(OmenglU, 58 min)
(Andrea Pallaoro, USA/I 2013, OF, 98 min)
(Bruce LaBruce, CAN 2013, OmenglU, 82 min)
(James Benning, USA 2012, OF, 121 min)
(Alain Guiraudie, F 2013, OmU, 97 min) (Volker Koepp, D 2013, OmenglU, 122 min)
(Ning Ying, China 2013, OmenglU, 113 min)
Roland Klick – The Heart Is a Hungry Hunter (Sandra Prechtel,
Livepan (Sasha Pirker, Ö 2013, 2 min) Mara Mattuschka_Different Faces of an Anti-Diva (Elisabeth Maria Klocker, Ö 2013, OmenglU, 90 min)
19.00 Du zhan
D 2013, OmenglU, 80 min)
Para armar un helicóptero (Acevedo, MEX 2012, OmenglU, 37 min) Élevage de poussière (S. Vanagt, B 2013, englOF, 47 min)
Death Row II (Teil 1 + 2)
Mes séances de lutte
Medeas
Suzanne
La plaga
Good Ol’ Freda
Death Row II (Teil 3 + 4)
Computer Chess
12 O’Clock Boys
La Jalousie
Let the Fire Burn
Upstream Color
(Salomé Lamas, P 2013, OmenglU, 72 min) (Werner Herzog, USA 2013, OF, 110 min) (Werner Herzog, USA 2013, OF, 110 min)
(Jacques Doillon, F 2013, OmenglU, 98 min) (Andrew Bujalski, USA 2013, OmU, 93 min)
(Andrea Pallaoro, USA/I 2013, OF, 98 min)
(Lofty Nathan, USA 2013, OF, 76 min)
(Katell Quillévéré, F 2013, OmenglU, 94 min) (Philippe Garrel, F 2013, OmenglU, 77 min)
(Neus Ballús, E 2013, OmenglU, 85 min)
(Jason Osder, USA 2013, OF, 88 min)
(Johnnie To, HK/China 2012, OmenglU, 107 min) (Ryan White, USA/GB 2013, OF, 86 min)
(Shane Carruth, USA 2012, OF, 96 min)
Kurzfilmprogramm 1
Jerry lewis
Let Us Persevere in What We Have Resolved before We Forget
(Ben Russell, USA/F/Vanuatu 2013, OmenglU, 20 min)
Museum of Imagination
(Amit Dutta, Indien 2012, OmenglU, 20 min VIDEO)
Retrospektive 18. Oktober bis 24. November
Suchy Pion
(Wojciech Bąkowski, PL 2012, OmenglU, 12 min VIDEO)
Les Chats de l’Atalante
(Karl Heil, D 2013, OmenglU, 15 min)
Kurzfilmprogramm 2 Zabriskie Point (Redacted)
(Stephen Connolly, GB 2013, OF, 28 min VIDEO)
Letter
(Sergei Loznitsa, RUS/NL 2013, kein Dialog, 20 min VIDEO)
Windows by Night
(Luciano Piazza, Argentinien/USA 2013, kein Dialog, 16 min VIDEO)
Kurzfilmprogramm 3 Cut (Christoph Girardet, Matthias Müller, D 2013, kein Dialog, 13 min)
Rehearsal
Fr 18.10. Sa 19.10. So 20.10. Mo 21.10. Mi 23.10. Do 24.10.
(Ohata Hajime, Japan 2008, OmenglU, 31 min VIDEO)
(Alexandra Cuesta, USA/Ecuador 2013, OF, 10 min)
Ein neues Produkt
(Harun Farocki, D 2012, OmenglU, 37 min VIDEO)
Filme von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub
Sa 26.10.
(Sandro Aguilar, P 2013, englOF, 19 min)
The Errand Boy
The Caddy
Who’s Minding the Store
Living It Up
The Nutty Professor
(Hal Walker, USA 1951, OF, 104 min) (Norman Taurog, USA 1953, OF, 95 min) (Norman Taurog, USA 1954, OF, 94 min)
(Frank Tashlin, USA 1960, OF, 91 min) (Jerry Lewis, USA 1961, OF, 91 min) (Frank Tashlin, USA 1963, OF, 90 min) (Jerry Lewis, USA 1963, OF, 107 min)
18.30 Bonjour Mr. Lewis (Teil 1 + 2)
(Robert Benayoun, F 1982, OmenglU, 113 min)
21.15 The King of Comedy
(Martin Scorsese, USA 1983, OF, 109 min)
18.30 Hollywood or Bust
(Frank Tashlin, USA 1956, OF, 95 min)
The Patsy
(Jerry Lewis, USA 1964, OF, 101 min)
18.30 Rock-a-Bye Baby
(Frank Tashlin, USA 1958, OF, 103 min)
The Disorderly Orderly
(Frank Tashlin, USA 1964, OF, 90 min)
18.30 The Geisha Boy
(Frank Tashlin, USA 1958, OF, 98 min)
The Family Jewels
(Jerry Lewis, USA 1965, OF, 98 min)
16.00 Bonjour Mr. Lewis (Teil 1 + 2)
(Robert Benayoun, F 1982, OmenglU, 113 min)
Mi 30.10.
18.30 Three on a Couch
(Jerry Lewis, USA 1966, OF, 109 min)
16.00 Bonjour Mr. Lewis (Teil 3 + 4)
(Robert Benayoun, F 1982, OmenglU, 111 min)
Do 31.10.
18.30 The Bellboy
(Jerry Lewis, USA 1960, OF, 70 min)
The Big Mouth
(Jerry Lewis, USA 1967, OF, 107 min)
Sandra Gibson & Luis Recoder: Live-Cinema „Aberration of Light: Dark Chamber Disclosure“ (USA 2011–13, OF, 60 min)
16.00 That’s My Boy
(Hal Walker, USA 1951, OF, 104 min)
Fr 1.11.
18.30 The Ladies Man
(Jerry Lewis, USA 1961, OF, 95 min)
Which Way to the Front?
(Jerry Lewis, USA 1970, OF, 96 min)
16.00 Bonjour Mr. Lewis (Teil 5 + 6)
(Telmo Churro, P 2013, OmenglU, 25 min) (Miguel Gomes, P/F/D/I 2013, OmenglU, 27 min)
That’s My Boy
(Robert Benayoun, F 1982, OmenglU, 108 min)
Mo 28.10.
Rei inútil
Redemption
Cinderfella
(Frank Tashlin, USA 1955, OF, 109 min)
(Jerry Lewis, USA 1961, OF, 95 min)
16.00 Bonjour Mr. Lewis (Teil 5 + 6)
O Som e a Fúria presents Jewels
Artists and Models
(Norman Taurog, USA 1956, OF, 88 min)
So 27.10.
Dialogue d’ombres
(Danièle Huillet, Jean-Marie Straub, CH/F 1954–2013, OmdU, 28 min)
The Ladies Man
(Norman Taurog, USA 1955, OF, 102 min)
(Jerry Lewis, USA 1960, OF, 70 min)
16.00 Pardners
(Jean-Marie Straub, F/CH 2012, OF, 35 min) (Danièle Huillet, Jean-Marie Straub, BRD 1962, OF, 18 min)
You’re Never Too Young
(Robert Benayoun, F 1982, OmenglU, 111 min)
Un conte de Michel de Montaigne Machorka-Muff
The Bellboy
(Norman Taurog, USA 1951/53, OF, 99 min)
16.00 Bonjour Mr. Lewis (Teil 3 + 4)
A Third Version of the Imaginary
(Benjamin Tiven, Kenia/USA 2012, OmeU, 12 min VIDEO)
The Stooge
(Hal Walker, USA 1952, OF, 108 min)
Fr 25.10.
Kurzfilmprogramm 4 Despedida
21 Uhr
16.00 Sailor Beware
(Tom Rosenberg, USA 2013, OF, 11 min VIDEO)
Dai-Kenjyu
18.30 Uhr
(Robert Benayoun, F 1982, OmenglU, 108 min)
Sa 2.11.
18.30 The Errand Boy
(Jerry Lewis, USA 1961, OF, 91 min)
Artists and Models
(Frank Tashlin, USA 1955, OF, 109 min)
16.00 The Caddy
(Norman Taurog, USA 1953, OF, 95 min)
Kartenvorverkauf ab 19. Oktober
So 3.11.
Mariahilfer Straße/Ecke Museumsquartier (tägl. 10–20 Uhr) Schottentor-Passage (tägl. 10–20 Uhr) Gartenbaukino 19.–23. Oktober (tägl. 10–20 Uhr)
Mo 4.11.
Kartenverkauf Retrospektive An den Vorverkaufskassen und im Filmmuseum (die Kasse öffnet eine Stunde vor der ersten Vorstellung) Reservierungen: Tel. 01/533 70 54 oder www.filmmuseum.at
Hardly Working
The Stooge
Smorgasbord
(Frank Tashlin, USA 1963, OF, 90 min)
(Norman Taurog, USA 1951/53, OF, 99 min)
Cinderfella Mi 6.11. (Frank Tashlin, USA 1960, OF, 91 min) Do 7.11. Fr 8.11. Sa 9.11.
Mo 11.11.
Do 14.11. Sa 16.11. So 17.11. Do 21.11.
(Jerry Lewis, USA 1980, OmU, 104 min) (Jerry Lewis, USA 1983, OmU, 89 min)
You’re Never Too Young
(Norman Taurog, USA 1955, OF, 102 min)
Sailor Beware
20.45 Funny Bones
The Patsy
20.30 Arizona Dream
Living It Up
20.45 The Nutty Professor
(Hal Walker, USA 1952, OF, 108 min) (Jerry Lewis, USA 1964, OF, 101 min) (Norman Taurog, USA 1954, OF, 94 min)
(Peter Chelsom, GB/USA 1995, OF, 127 min) (Emir Kusturica, F/USA 1992, OmU, 142 min) (Jerry Lewis, USA 1963, OF, 107 min)
20.45 The Geisha Boy
So 10.11.
Mi 13.11. OF Originalfassung englOF englische Originalfassung OmfrzU Originalfassung mit französischen Untertiteln OmU Originalfassung mit deutschen Untertiteln OmenglU Originalfassung mit englischen Untertiteln
18.30 Who’s Minding the Store
(Frank Tashlin, USA 1958, OF, 98 min)
The Big Mouth
20.45 Rock-a-Bye Baby
Which Way to the Front?
20.30 Hollywood or Bust
Hardly Working
20.30 Three on a Couch
(Jerry Lewis, USA 1967, OF, 107 min) (Jerry Lewis, USA 1970, OF, 96 min) (Jerry Lewis, USA 1980, OmU, 104 min)
(Frank Tashlin, USA 1958, OF, 103 min) (Frank Tashlin, USA 1956, OF, 95 min) (Jerry Lewis, USA 1966, OF, 109 min)
The Family Jewels
(Jerry Lewis, USA 1965, OF, 98 min)
Pardners
(Norman Taurog, USA 1956, OF, 88 min)
Smorgasbord
(Jerry Lewis, USA 1983, OmU, 89 min)
16.00 Funny Bones
(Peter Chelsom, GB/USA 1995, OF, 127 min)
Sa 23.11. So 24.11.
18.30 The Disorderly Orderly
(Frank Tashlin, USA 1964, OF, 90 min)
15.30 Arizona Dream
(Emir Kusturica, F/USA 1992, OmU, 142 min)
20.30 The King of Comedy
(Martin Scorsese, USA 1983, OF, 109 min)
Tickets: Tel. 0800 664 013 oder www.viennale.at
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Montaigne, Bernanos, Straub/Huillet
Neues aus Frankreich T e x t : p e t e r nau
Schattenzwiesprache nach Bernanos: eine Weltpremiere bei der Viennale
Fotos: VIENNALE
Montaigne (1533–1592) Mit seinem Film nach Montaigne – im zweiten Buch, Kapitel sechs der „Essais“ schildert dieser eine Kollision zu Pferde – knüpft Jean-Marie Straub an seine Hölderlin-Filme an. Wir spüren eine Witterung von kommenden Dingen, die mit großer Hoffnung verbunden ist. Der mit dem Sterben einhergehende Verlust des Bewusstseins, der uns so schmerzlich dünkt, erscheint hier als Wohltat und als Billett für die große Passage, auf der wir mit dem Körper vielleicht nicht die Wahrnehmung, wohl aber den Schmerz zurücklassen. Indem Montaigne darlegt, dass die Schrecken des Todes und der letzten Stunden lediglich in der Einbildung der Lebenden bestehen, spendet er Trost. Das Auge des Filmbetrachters ruht auf einer Insel im Pariser Verkehrsstrom, mit blauem Himmel und hochgewachsenem Buschwerk, dessen Laubdach das Sonnenlicht filtert. Lichter und Schatten tanzen auf dem metallisch glänzenden Denkmal Montaignes, der in ebenso entspannter wie gravitätischer Haltung dasitzt. Diese Einstellung ist vollkommen in ihrer Ruhe, wie eine Darbietung für die reine Meditation. Dazu hört man die Stimme Barbara Ulrichs, die Montaignes Erzählung aus einer französischen Ausgabe vorliest, wobei mir Kafkas Tagebuchnotiz in den Sinn
kam: „Ich lese Sätze Goethes, als liefe ich mit ganzem Körper die Betonungen ab.“ „Mir schien“, berichtet Montaigne, „dass mein Leben mir nur noch am Rand der Lippen hing: ich schloss die Augen, um zu helfen, so schien es mir, es auszutreiben, / und nahm Lust, zu erschlaffen und mich gehen zu lassen. / Es war eine Einbildung, die nur oberflächlich schwamm in meiner Seele, / so zart und so schwach wie alles übrige, aber in Wahrheit nicht nur frei von Missfallen, / sondern auch vermischt mit jener Sanftheit, die die fühlen, die sich in den Schlaf gleiten lassen.“ (Übersetzung: Jean-Marie Straub, Peter Kammerer)
Georges Bernanos (1888–1948) Bernanos’ Novelle „Dialogue d’ombres“ (1928) wurde von Hans Urs von Balthasar unter dem Titel „Schattenzwiesprache“ ins Deutsche übertragen. Sie spielt in einem regnerischen Land des französischen Nordens, „das selbst im April nach der Fäulnis des Herbstes riecht“. Heimlich treffen sich – während der Regen um sie her rieselt und die Luft angefüllt ist „vom modulierten Pfeifen der Böe und vom ernsten Zuruf der Raben“ – eine jüngere Frau (Franziska, aus altem italienischen Adelsgeschlecht) und ihr Liebhaber (Jacques, ein Schriftsteller in reiferen Jahren). In ihrer Zwiesprache klingen
Barbara Ulrich bei Montaigne auf einer Insel im Pariser Verkehrsstrom
Peter Nau, legendärer Mitherausgeber der Zeitschrift Filmkritik, lebt in Berlin. Zuletzt veröffentlichte er „Irgendwo in Berlin. Ostwestlicher Filmdiwan“ (Verbrecher 2013)
Filme von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub: Un conte de Michel de Montaigne (2012), Machorka-Muff (1962) und Dialogue d’ombres (1954–2013) (OmU) Kino am Schwarzenbergplatz: Fr, 25.10., 20.30 Uhr Metro: So, 27.10., 16 Uhr Chronik der Anna Magdalena Bach (1968) Gartenbau: So, 27.10., 13 Uhr
die Bühnenstücke Claudels an, den Bernanos damals verehrte. Bei Straub/Huillet ist die schwermütige Flusslandschaft, in der Franziska und Jacques ihren Dialog aufsagen, vom Tirilieren unzähliger Singvögel erfüllt. Während wir also der Sprachmelodie des Dialogs der beiden Liebenden folgen, lauschen wir gleichzeitig auf eine andere, vielfältige Musik, die die Natur uns überreich anbietet. Ein Konzert ohne Kapellmeister. – Jacques sitzt unter dem dichten Laubdach eines schlanken Aprilgebüschs, Franziska – scheinbar weitab von ihm – nahe beim Flussufer. Sie lesen ihren Text vom Blatt ab, das man später auf ihren Knien liegen sieht. Dabei erinnern sie mich an zwei Schachspieler, die sich mit Zug und Gegenzug messen. Daraus kann sich außer Sieg und Niederlage oder dem Patt noch ein Drittes ergeben, nämlich, wie hier, die gelungene Partie. – „Im Westen erschien in einem breiten Riß der Himmel ...“: Bernanos’ „Dialogue d’ombres“, der um das menschliche Schuldgefühl kreist, führt vom Dunkel ins Licht. – Der Prolog des Films – eine hinreißende Sequenz aus Jean-Marie Straubs „Chronik der Anna Magdalena Bach“ (1968) – gibt ihm die sakrale Tiefenperspektive und trägt eine Aura von Lebensgefühl, eine Lufthülle biografischer Stimmung in ihn hinein. F
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Das Glück in der Kampfzone E
s gehört zu den zyklischen Phänomenen des französischen Kinos, dass es Skandale aus den falschen Gründen auslöst. Derlei Missverständnisse müssen nicht gegen die Filme sprechen, im Gegenteil: Haben sie nicht das Recht auf Mehrdeutigkeit auf ihrer Seite? So kam es vor einigen Monaten in Saint-Cloud und Versailles zu einem denkwürdigen Akt von Zensur. Die Stadtverwaltungen ließen sämtliche Plakate entfernen, die den Kinostart des neuen Films von Alain Guiraudie annoncierten. Einige Bürger hatten Anstoß daran genommen, dass darauf zwei Männer zu sehen sind, die sich leidenschaftlich küssen. Die öffentliche Erregung entlud sich vorschnell, zumal das farbenfrohe Plakatmotiv eher beschaulich als obszön anmutet. Hätten sich die sittlich zweifellos gefestigten Bürger dennoch zum Kinobesuch verlocken lassen, wäre ihnen wohl Hören und Sehen vergangen. Denn „L’Inconnu du lac“ folgt jener Tendenz im französischen Kino, die beherzt die Grenze zwischen Autorenfilm und Pornografie aufzuheben sucht. Guiraudie zeigt eine erkleckliche Zahl männlicher Genitalien in unterschiedlichen Stadien der Erregung – inklusive freudvoller Ejakulationen. Selbst wenn er auf explizite Großaufnahmen verzichtet hätte, wäre sein Film al-
TEXT: GERHARD MIDDING
les andere als harmlos. Er spielt in einem schwulen Garten Eden, der von einer Mordserie heimgesucht wird. Eine leicht skurrile, sympathische Menagerie findet sich Tag für Tag am Ufer eines Sees im Midi zu Sonnenbad und Fleischbeschau ein, um später im Hinterland auf Partnersuche zu gehen. In der flirrend sommerlichen Atmosphäre wird
Gerhard Midding, Filmkritiker und Übersetzer, lebt in Berlin. Er schreibt u.a. für Berliner Zeitung, Filmbulletin, Die Welt, epd Film und regelmäßig auch für den Falter
eine Utopie greifbar: Zwar gehorcht das muntere Cruising dem Gesetz von Angebot und Nachfrage, ein bloßes Konsumgut ist Sex in dem bukolischen Ambiente jedoch nicht. Den Schauplatz, an dem sich das Schicksal seiner Figuren auf unvorhergesehene Weise erfüllen wird, verlässt der Film kein einziges Mal. Er lässt die Natur zu einem Hauptdarsteller werden (die anderen Akteure sind nicht ganz so trefflich besetzt). Der heitere Minimalist Guiraudie filmt mit komplizenhaftem Amüsement, wie sich das Begehren hier aus der Deckung wagt. Im Genre des Nudistenkrimis bleibt er der unangefochtene Champion; nicht nur, weil er es selbst erfunden und bisher noch keine Konkurrenten hat. Abdellatif Kechiches „La Vie d’Adèle“ hingegen löste nach seinem Triumph in Cannes eine andere Art von Polemik aus. Er ist zum Gegenstand einer Debatte geworden, in der fast die Legitimation des Autorenfilms auf den Prüfstand geriet.
Für Kechiches Gegner verkörpert der Palmen-Gewinner dessen Exzesse in Reinform. Zunächst beklagte sich Julie Maroh, die Autorin der Comicvorlage, weil der Regisseur ihre Urheberschaft in seiner Dankesrede unterschlug. Sodann beschwerten sich einige Teammitglieder über die ausbeuterischen Drehbedingungen. Schließlich spuckten ihm die Hauptdarstellerinnen Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos in die Suppe. Auch sie fühlten sich ausgenutzt, klagten über die endlos langen Dreharbeiten sowie die ausschweifende Improvisationslust ihres Regisseurs. Hingegen lösten die ausführlichen, überaus eindringlichen Liebesszenen zwischen den beiden Hauptfiguren (deren Akrobatik gewiss mancher Hardcoreporno-Veteranin Respekt einflößen wird) keinen nennenswerten Skandal aus. Das darf man als Fortschritt werten. Tatsächlich macht gerade Kechiches tastendes Erzähltemperament eine Qualität seines Films aus. Er nimmt sich drei Stunden Zeit, um nicht viel mehr zu erzählen als die Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Frauen aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus. Diese Epiphanie der Körper und Gesichter, der der erzählerische Atem über drei Stunden hinweg nicht ausgeht, ist ein Plädoyer für Sehnsucht und Leidenschaft. Mit umsichtiger, agiler Nähe folgt die Kamera den Gesten
Foto: STADTKINO
Eine gewisse Tendenz im französischen Film: Beherzt trachten Alain Guiraudie, Abdellatif Kechiche und Jacques Doillon mit ihren Arbeiten danach, die Grenze zwischen Autorenfilm und Pornografie aufzuheben
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Noch einmal mit Gefühl
Fleischbeschau am See: Selbst wenn „L‘Inconnu du lac“ auf explizite Großaufnahmen verzichtet hätte, wäre er alles andere als harmlos Abdel Kechiches „La Vie d‘Adèle“ erzählt nicht nur von einer erotischen Initiation, sondern von umfassenden Lernprozessen
So wenig Drama gab es selten in einem Liebesdrama: „La Jalousie“ von Philippe Garrel
TEXT: barbara schweizerhof
Die namenlose junge Frau und ihr älterer Widersacher werden handgreiflich: „Mes séances de lutte“ von Jacques Doillon
der Neugierde und Hingabe und schafft ein Klima der Intimität, das weit über die Sexszenen hinausgeht.
Fotos: THIMFILM / VIENNALE
Genuss ist ein zentrales Motiv des Films (wie
oft bei diesem Regisseur spielt das Essen auch hier eine wichtige Rolle), unbekümmert hedonistisch ist er nicht. Der unverdrossene Utopist Kechiche erzählt nicht nur von einer erotischen Initiation, sondern von umfassenden Lernprozessen. Wie schon in „L’Esquive“ zeigt er sich fasziniert vom Kulturerwerb, der bei ihm tatsächlich noch in der Schule stattfinden kann. Wiederum greift er zurück auf Marivaux, den Adèle und ihre Klassenkameradinnen gescheit analysieren und auf seine Alltagstauglichkeit hin überprüfen. In „Jeune et jolie“, der mit gewohnt Ozon’scher Provokationslust ebenfalls vom sexuellen Erwachen einer jungen Frau erzählt, besitzt der Schulunterricht einen ähnlich Nutzen: Hier wird ein Gedicht von Rimbaud verblüffend auf die Realitätsprobe gestellt. Auch Jacques Doillon hat Unvermutetes mit seinen Figuren und Zuschauern vor. Die eherne Regel, dass die dominierende Handlung im französischen Kino das Sprechen ist, hebelt der Veteran filmischer Zimmerschlachten in „Mes séances de lutte“ nachhaltig aus. Zwar steht ein gerüttelt Maß an Küchenpsychologie am Be-
ginn seiner Kampflektionen. Eine namenlose junge Frau (Sara Forestier) wehrt sich eingangs entschieden gegen die Versuche ihres älteren Widersachers (James Thiérée), ihre Streitlust als Stellvertreterkrieg zu erklären. Ganz von der Hand weisen mag der Film das nicht: Will sie, in dem sie ihn angreift, nicht eigentlich offene Rechnungen mit ihrem verstorbenen Vater begleichen, von dem sie sich nicht geliebt fühlte? Allerdings haben er und sie auch ihre eigene Vorgeschichte. Der Mann zog sich einst zurück, nachdem sie auf seine erotischen Avancen nicht reagierte. Nun fordert sie von ihm Rechenschaft. Ihre Auseinandersetzungen werden zu einer Entdeckungsreise, deren Ziel absehbar ist, die aber ungekannte Wege beschreitet. Im Leben ist es ja meist umgekehrt und die Wut kommt erst nach der Liebe. Bald wollen sie sich nicht mehr nur als Maulhelden miteinander messen, sondern werden handgreiflich. Sie verabreden sich zu täglichen Balgereien. Die geben sich zwar rasch als erotische Anbahnung zu Erkennen. Allerdings haben sie den Vorzug, nicht nur Gleichnis zu sein, sondern ein Schauspiel von eigenem Reiz. Das mag man albern finden – die Auftaktmusik stellt immerhin eine Komödie in Aussicht –, tatsächlich ist der frische Elan Doillons, der sich hier Bahn bricht, jedoch sublim. F
L’Inconnu du lac Gartenbau: Mo, 4.11., 21 Uhr Urania: Mi, 6.11., 13.30 Uhr (OmU) La Vie d’Adèle Gartenbau: So, 3.11., 20.30 Uhr und Mo, 4.11., 11 Uhr (OmU) Mes séances de lutte Urania: Fr, 2.11., 21 Uhr Metro: So, 3.11., 11 Uhr (OmenglU) Jeune et Jolie Gartenbau: Di, 29.10., 18 Uhr und Mi, 30.10., 11 Uhr (OmU) Stadtkino im Künstlerhaus: Di, 5.11., 6.30 (OmU)
en autobiografischen Ausgangspunkt D seines neuen Films bringt Regisseur Philippe Garrel auf eine scheinbar ganz ein-
fache Formel: In „La Jalousie“ lasse er seinen Sohn Louis seinen Großvater Maurice spielen und zwar zu dem Zeitpunkt, als Letzterer so um die 30 war, das Alter, das nun auch Louis erreicht hat. Damals verließ Maurice Philippes Mutter und ihn, den kleinen Philippe, für eine andere Frau, von der er dann seinerseits verlassen wurde. Was auf eitle Familienselbstbespiegelung hinauslaufen könnte, wird unter Garrels diesmal äußerst ökonomischen Regie zu einer kleinen schwarzweißen Perle des Beziehungsfilms. In nur 77 Minuten erschafft Garrel dabei einen Personenkosmos, dessen allzu menschliche Liebes-, Geld- und Lebensführungsprobleme in ihrer Authentizität bestechen. Den Nachteil, einmal mehr das ureigene Milieu auf die Leinwand zu bringen und darin auch noch die eigenen Kinder zu besetzen – an der Seite von Sohn Louis spielt auch noch Tochter Esther als kleine Schwester mit –, wiegt Garrel diesmal auf gewichtige Weise auf: Er weiß genau, wovon er erzählt. Dieses konkrete Wissen, kombiniert mit handwerklicher Präzision, die auf Handkamera-Schnickschnack verzichtet und stattdessen streng kadriert, meint man jeder einzelnen Szene, jedem Stück Dialog anzumerken. Ein Mann verlässt eine Frau, die Mutter seines Kindes, um mit einer anderen Frau glücklicher zu sein. Das neue Paar schwört sich die bessere, die reifere Liebe – und muss feststellen, dass sie darunter jeweils etwas anderes verstehen. Die heftigsten Emotionen macht Garrel oft in ihrer alltäglichen Verdecktheit sichtbar, wie etwa die bohrende Eifersucht einer Mutter, die ihr Kind von der neuen Freundin des Vaters schwärmen hört. Keiner der geschilderten Situationen haftet etwas Spekulatives an, im Gegenteil: So wenig Drama gab es selten in einem Liebesdrama. Dafür jede Menge gemischte Gefühle. F
La Jalousie Gartenbau: Do, 31.10., 21 Uhr Urania: Mo, 4.11., 23.30 Uhr (OmenglU)
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Viennale 13 Spielfilme Alegrías de Cádiz (E 2013) R: Gonzalo García Pelayo D: Jeri Iglesias, Fernando Arduán, Marta Peregrina. 119 min. Pelayos späte Rückwendung zum Kino: Wie zuletzt in „Rocío y José“ (1982) werden Liebesgeschichten mit dem Porträt einer Stadt verwoben – drei Jahrzehnte danach wieder so ein eigensinniges Stück Kinoglück. Metro: So 3.11., 21.00 (OmenglU) Aterträffen/The Reunion (SE 2013) R: Anna Odell D: Anna Odell. 89 min. Was ist unheimlicher als ein 20-jähriges Klassentreffen? Ein 20-jähriges Klassentreffen, das als Konzeptkunstwerk gehijackt wird. Die prominente schwedische Künstlerin Anna Odell nutzt das große Wiedersehen zum Begleichen alter Rechnungen, wenn auch in fiktionalisierter Form. Kino am Schwarzenbergplatz: Do 31.10., 20.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 2.11., 11.00 (OmenglU) Avanti popolo (BR 2012) R: Michael Wahrmann D: André Gatti, Carlos Reichenbach, Eduardo Valente. 72 min. Vor 30 Jahren, in der Zeit der brasilianischen Militärdiktatur, ist Andrés Bruder verschwunden. Von der Vergangenheit will sein Vater heute nichts mehr wissen. Als André nach einer Trennung bei ihm einzieht, setzt trotzdem die familiäre Erinnerungsarbeit ein, befördert von ein paar 8-mm-Filmen des Bruders. Metro: Sa 26.10., 11.00 + Kino am Schwarzenbergplatz: Do 31.10., 18.00 (OmenglU) La Bataille de Solférino (F 2013) R: Justine Triet D: Laetitia Dosch, Vincent Macaigne, Arthur Harari, Virgil Vernier. 94 min. An einem Wahlsonntag hätte Fernsehjournalistin Laetitia eigentlich andere Sorgen, aber just da bricht der Kampf ums Sorgerecht mit ihrem lädierten Exmann aus. Eine energische Komödie über die Lage der Grande Nation, mit dokumentarischen Seitenblicken auf jenen Tag, als – Obacht, Spoiler! – Hollande Präsident wurde. Metro: Fr 25.10., 18.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: So 27.10., 11.00 (OmenglU) Bauyr / Little Brother (Kasachstan 2013) R: Serik Aprymov D: Almat Galym, Alisher Aprymov, Dokdurbek Kydyral. 95 min. Yerkens Mutter ist tot, und wenn ihn jemand fragt, dann ist der Vater „auf Geschäftsreise“ und der bewunderte große Bruder „in der Stadt studieren“. Als nämlicher Bruder ins Heimatdorf in den kasachischen Bergen zurückkehrt, erweist er sich aber als wenig verlässlich. Drama einer Kindheit. Urania: Sa 26.10., 13.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 30.10., 21.00 (OmenglU) The Bay (USA 2012) R: Barry Levinson D: Kether Donohue, Kristen Connolly, Will Rogers, Stephen Kunken. 84 min. Etwas ist im Wasser in Chesapeake Bay, und just zur Feier am 4. Juli bricht die Hölle los. Statt wie einst in „Jaws“ ist der Schrecken hier industriell hausgemacht. Nachrichten-, Handy- und Überwachungskameras geben das Geschehen wider. Regie-Altspatz Levinson („Diner“) probiert sich in Found-Footage-Horror à la „Paranormal Activity“. Plausibler wird der Kniff davon nicht, aber dramatisch kohärenter. Gartenbau: Mi 30.10., 23.30 + Do 31.10., 11.00 (OF) The Big Sky (USA 1952) R: Howard Hawks D: Kirk Douglas, Dewey Martin, Elizabeth Threatt, Arthur Hunnicutt, Hank Warden. 122 min. „Die Reise als Film, der Film als Reise. Manchmal in ruhigen Totalen, dann in nerviger, dichter Dramatik: die Flussfahrt der unabhängigen Pelzhändler-Voyageurs zum Oberlauf des Mississippi, die Bedrohung durch Agenten und Indianer der etablierten Kompanie, die Liebe zu einem Blackfeetmädchen, die Freundschaft zweier Männer.“ (Harry Tomicek). Kino am Schwarzenbergplatz: Fr 25.10., 13.00 + Gartenbau: Mi 6.11., 13.00 (OF) Bluebird (USA/SE 2013) R: Lance Edmands D: Amy Morton, John Slattery, Louisa Krause, Emily Meade, Margo Martindale. 91 min. Ein Bub wird in einem Schulbus vergessen und fällt vor Kälte ins Koma. Der Schock sitzt tief in der Kleinstadt in Maine, die bereits mit der bevorstehenden Schließung der örtlichen Papiermühle zu kämpfen hat. Es spielen: die bekannten Seriengesichter Adam Driver, Margo Martindale und John Slattery. Es fotografiert: Jody Lee Lipes („Martha Marcy May Marlene“). Urania: Mo 28.10., 18.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Di 29.10., 13.30 (OF) Blue Jasmine (USA 2013) R: Woody Allen D: Cate Blanchett, Sally Hawkins, Bobby Cannavale, Alec Baldwin, Peter Sarsgaard. 98 min. „Endstation Sehnsucht“
für Finanzcrash-Zeiten: Cate Blanchett spielt die überkandidelte Gattin eines Investmentbetrügers, die bei ihrer Adoptivschwester in San Francisco wieder auf die Beine zu kommen versucht. Woody Allen versammelt wieder ein beeindruckendes Cast, einschließlich der Komiker Louis CK und Andrew Dice Clay in Nebenpartien. Gartenbau: Sa 2.11., 21.00 + So 3.11., 11.00 (OmU) Camille Claudel 1915 (F 2012) R: Bruno Dumont D: Juliette Binoche, Jean-Luc Vincent, Robert Leroy. 97 min. Bruno Dumont, Frankreichs FestivalkinoFachkraft für sexuelle und spirituelle Entgrenzung, schraubt die Transgressionswut zurück und zeigt ein paar Tage im Leben der Bildhauerin Camille Claudel. Von ihrem Liebhaber Auguste Rodin verlassen, von ihrer Familie in die Nervenheilanstalt gesteckt, wartet sie auf einen Besuch des Schriftstellerbruders Paul. In der Titelrolle: Juliette Binoche. Gartenbau: Di 5.11., 20.30 + Mi 6.11., 11.00 (OmenglU) Când se lasă seara peste Bucureşti sau metabolism/When Evening Falls on Bucharest or Metabolism (RO/F 2013) R: Corneliu Porumboiu D: Bogdan Dumitrache, Diana Avramut, Mihaela Sîrbu, Alexandru Papadopol. 89 min. Corneliu Porumboiu, der gefinkelte Semantiker des rumänischen Kinos („12:08 East of Bucharest“), dreht die metafilmischen Schrauben bis zum Anschlag: Sein neuer Film handelt von einem Filmemacher, der eine Affäre mit einer Nebendarstellerin hat. Er erklärt ihr diverse Inszenierungsverfahren, die Porumboiu selbst einsetzt, und probt mit ihr wiederholt eine Szene durch. Soll nicht unlustig sein. Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 25.10., 18.30 + Kino am Schwarzenbergplatz: Sa 26.10., 13.00 (OmenglU) Centro Histórico (PT 2012) R: Aki Kaurismäki, Pedro Costa, Victor Erice, Manoel de Oliveira D: Ilka Koivula, Ventura, Ricardo Trêpa. 96 min. Der Omnibusfilm zum Kulturhauptstadtjahr des portugiesischen Guimaraes: Der Baske Victor Erice geht im einzigen dokumentarischen Teil der historischen, längst ausgelagerten Textilindustrie der Stadt nach, Pedro Costa arrangiert eine Aufzugsfahrt mit kolonialhistorischem Konfliktstoff, Oliveira spöttelt über Touristen und Kaurismäki – macht sein Ding. Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 25.10., 11.00 + Urania: Fr 1.11., 13.30 (OmenglU) Chronik der Anna Magdalena Bach (BRD 1967) R: Jean-Marie Straub, Danièle Huillet D: Gustav Leonhardt, Christiane Lang-Drewanz, Rainer Kirchner. 94 min. „Die ‚Chronik der Anna Magdalena Bach‘ ist kein historischer Film. Er ist eine Aufforderung, die Verhältnisse unter den Menschen so zu regeln, dass nicht nur die Würde der Kunst, sondern auch die Würde des Menschen gewährleistet ist.“ (Uwe Nettelbeck) Gartenbau: So 27.10., 13.00 Computer Chess (USA 2013) R: Andrew Bujalski D: Patrick Riester, Wiley Wiggins, Myles Paige. 93 min. Bujalski sprengt seinen Mumblecore-Rahmen mit diesem Kostümfilm über eine Nerdsubkultur der frühen 1980er-Jahre. Schachsoftware-Programmierer präsentieren ihre Ergebnisse in Turnierform. Retromantik für Fortgeschrittene, oder gar „a series of touchingly rhapsodic variations on communion and aloneness, desire and repression, control and chaos“ (Kent Jones)? Gartenbau: Di 29.10., 15.30 + Urania: Sa 2.11., 23.30 (OmU) Dabba/The Lunch Box (IN/D/F/USA 2013) R: Ritesh Batra D: Nimrat Kaur, Irrfan Khan. 105 min. Der Lieferservice als Liebesbote: Die vernachlässigte Ila möchte ihren Mann mit einer besonderen Mahlzeit verwöhnen. Aber weil dem Essensausträger – in Indien ein traditioneller Berufsstand – ein Fehler passiert, landet die Lunchbox beim einsamen älteren Herrn Saajan. Bald wandern so auch Nachrichten hin und her. Crowdpleaser-Alarm. Urania: Do 31.10., 21.00 + Kino am Schwarzenbergplatz: Fr 1.11., 13.00 (OmU) Dast-Neveshtehaa Nemisoozand/Manuscripts Don’t Burn (Iran 2013) R: Mohammad Rasoulof. 124 min. 2009 wurde Rasoulof, wie Jafar Panahi, mit Berufsverbot belegt. Inzwischen kann er wieder filmen, aber um Cast und Crew von „Manuscripts Don’t Burn“ zu schützen, werden ihre Namen nicht bekanntgegeben. Der Film handelt von einem gescheiterten staatlichen Komplott, einen Bus voller Dichter zu töten, und von einem Autor, der sich mit seinem Wissen darüber das Ausreiserecht erkaufen will. Gartenbau: Fr 25.10., 15.30 (OmU) + Urania: Mo 28.10., 11.00 (OmenglU)
T e x te : J o achim S ch ä t z B rigitte ma y r M ichael Omasta
The Dirties (CAN/USA 2013) R: Matt Johnson D: Matt Johnson, Owen Williams, Krista Madison, David Matheson. 83 min. Matt will es den Bullies an seiner Schule endlich zeigen – zumindest in seinem Schulprojektfilm „The Dirties“. Als das Epos verlacht wird, plant er eine blutig „dokumentarische“ Fortsetzung. Matt Johnson, Regisseur und furchtlos dampfplaudernder Hauptdarsteller dieser schwarzen MockumentaryKomödie, versucht sich als Schüler von Konzeptkomiker Albert Brooks. Kino am Schwarzenbergplatz: Sa 26.10., 20.30 + Gartenbau: Di 29.10., 13.00 (OF) Du zhan/Drug War (HK/China 2012) R: Johnnie To D: Sun Honglei, Louis Koo, Huang Yi, Gao Yungxiang. 107 min. Ein kleiner Drogenhändler wird erwischt. Vor der Todesstrafe kann er sich nur retten, wenn er die Polizei zu seinen Hintermännern führt. Das gegenseitige Vertrauen ist aber von Anfang an prekär. „Drug War“ ist der erste Actionfilm, den Johnnie To nicht in Hongkong, sondern auf dem chinesischen Festland drehte. „Die Straßen sind da breiter als in Hongkong – und im Film prominenter.“ (Lukas Foerster) Gartenbau: So 27.10., 23.00 + Urania: Mi 6.11., 19.00 (OmenglU) Ein Gespenst geht um in Europa (D 2012) R: Julian Radlmaier D: Gio Korkashvili, Zurab Rtveliasvili, Jan Bachmann. 48 min. In seiner „suprematistischen Komödie“ treibt es dffb-Student Radlmaier toll: Nach einem Kostümfilm-Vorspiel im Park erscheint der Geist des Dichters Wladimir Majakowski einem georgischen Zeitarbeiter im Berlin der Gegenwart. Wenn es gegen die Übel des alternativlosen Kapitalismus geht, dürfen auch zornige Seitenhiebe auf die deutsche Filmproduktion nicht fehlen. Sehr deadpan, ziemlich vergnüglich. Kino am Schwarzenbergplatz: Mo 28.10., 18.00 + Metro: Di 29.10., 11.00 (OmenglU) Fading Gigolo (USA 2013) R: John Torturro D: Woody Allen, John Torturro, Sharon Stone, Liev Schreiber. 98 min. Ein Eitelkeitsprojekt der charmanteren Sorte: Charakterdarsteller John Torturro spielt in seiner neuen Regiearbeit einen Blumenhändler, der zum Callboy wird. Woody Allen gibt seinen Freund und Zuhälter (Codename: Dan Bongo), unter den Kundinnen: Sharon Stone, Sofía Vergara und Vanessa Paradis. Gartenbau: Sa 26.10., 21.30 + So 27.10., 11.00 (OF) Gerontophilia (CAN 2013) R: Bruce LaBruce D: PierGabriel Lajoie, Walter Borden, Katie Boland. 82 min. Die erotische Alternative zu Pensionistenkino à la „Best Exotic Marigold Hotel“? Bad-Boy-Filmemacher Bruce LaBruce („L.A. Zombie“) präsentiert eine queere, im Ausdruck aber erstaunlich straighte Liebesgeschichte zwischen dem feschen 18-jährigen Lake und dem wunderbaren Mr. Peabody, der im Altersheim sein Herz erobert. Gartenbau: Sa 2.11., 23.00 + Urania: So 3.11., 16.30 (OmenglU) Gold (D 2013) R: Thomas Arslan D: Nina Hoss, Marko Mandic, Uwe Bohm, Lars Rudolph. 113 min. Thomas Arslan, der zuletzt den exquisit spartanischen Krimi „Im Schatten“ drehte, zieht es diesmal nach Westen: Ein internationaler Glücksritter-Trek zieht 1898 Richtung Dawson City los, dem Gold entgegen. Die Karten sind unzuverlässig, die Reibereien in der Gruppe schwelen vor sich hin, und am Ende muss gar eine Säge zweckentfremdet werden. Urania: Fr 25.10., 20.30 + Gartenbau: Sa 26.10., 13.00 (OmenglU) Grand Central (F/Ö 2013) R: Rebecca Zlotowski D: Tahar Rahim, Léa Seydoux, Olivier Gourmet, Denis Ménochet. 94 min. In der neuen Stadt findet Gary schnell einen Job – im Atomkraftwerk, nahe am Reaktor. Der Beruf bringt Anbindung und Anerkennung, bald beginnt Gary aber zu lügen: im Job über seine Strahlenwerte und privat, um seine Affäre mit Kollegin Karole geheim zu halten. Gedreht wurde das minoritär österreichisch koproduzierte Drama unter anderem im AKW Zwentendorf. Kino am Schwarzenbergplatz: Do 31.10., 23.00 + Gartenbau: Di 5.11., 13.30 (OmenglU) Grigris (Tschad/F 2013) R: Mahamat-Saleh Haroun D: Souleymane Démé, Anais Monory, Cyril Guei. 101 min. Mit Filmen wie „Abouna“ (2002) und „Daratt“ (2006) hat Mahamat-Saleh Haroun bewegend an das Sozialfabelkino von Ousmane Sembène angeschlossen. Sein neuer Film ist ein Krimi über Benzinschmuggler, in dem der Tänzer Souleymane Démé die Hauptrolle spielt. Gartenbau: Mi 30.10., 13.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 4.11., 11.00 (OmenglU) Grzeli nateli dgeebi/In Bloom (Georgien/F/D 2013) R: Nana Ekvtimishvili, Simon Groß D: Lika Babluani, Mariam Bokeria, Zurab Gogaladze. 102 min. Tiflis,
1992: In einer Mischung aus alter Unterdrückung und neuem Chaos erleben die beiden Freundinnen Natia und Eka ihre Jugend. Ekas Vater ist abwesend, der von Natia gewalttätig. Ein Verehrer schenkt Natia eine Pistole, ein anderer entführt sie. Die verzweigte Handlung basiert lose auf den Jungenderinnerungen von Regisseurin Ekvtimishvili. Stadtkino im Künstlerhaus: Do 31.10., 18.30 + Fr 1.11., 11.00 (OmenglU) Història de la meva mort/Story of My Death (E/F 2013) R: Albert Serra D: Vicenc Altaió Morral, Clara Visa, Noelia Rodenas. 150 min. Über Don Quijote und die drei heiligen Könige hat er schon Filme gemacht. Jetzt zeigt der sympathische Katalane Serra eine Unterhaltung zwischen dem greisen Giacomo Casanova und dem untoten Dracula. Schrullig, kann man sagen, aber wer so was für 150 Minuten durchspielt, hat vielleicht mehr im Sinn. Metro: Mo 28.10., 18.00 + Gartenbau: Mi 30.10., 17.30 (OmenglU) Ich fühl mich Disco (D 2013) R: Axel Ranisch D: Frithjof Gawenda, Heiko Pinkowski, Christina Große. 95 min. Axel Ranisch feiert wie schon in „Dicke Mädchen“ den Glamour improvisierter Wohnzimmerpartys: Polyesteranzug und Schlagermusik machen Florian glücklich, aber sein Vater würde ihn lieber Moped fahren sehen. Nach einer familiären Katastrophe müssen sich die beiden zusammenraufen. Urania: Di 29.10., 18.30 + Kino am Schwarzenbergplatz: Fr 1.11., 23.00 (OmenglU) Inside Llewyn Davis (USA 2013) R: Joel Coen, Ethan Coen D: Oscar Isaac, Carey Mulligan, John Goodman, Garrett Hedlund, Justin Timberlake. 105 min. In Greenwich Village anno 1961 sucht der junge Folksänger Llewyn Davis nach Anerkennung. Er ist mittel- und erfolglos, aber andererseits könnte man es in einem Film der Coen-Brüder auch wesentlich schlimmer erwischen. Die gemeinen Gebrüder sind diesmal angeblich mehr melancholisch als maliziös gestimmt. Gartenbau: Do 24.10., 19.30, 23.00 + Fr 25.10., 11.00 (OmU) It Felt Like Love (USA 2012) R: Eliza Hittman D: Gina Piersanti, Giovanna Salimeni, Ronen Rubinstein. 82 min. Lila, 14, weiß was sie will – Sex oder wenigstens einen Boyfriend –, aber nicht, wie sie dazu kommen soll. Also denkt sie sich etwas aus. Eliza Hittmans impressionistische Inszenierung heftet sich konsequent an ihren Blick. Kino am Schwarzenbergplatz: Di 29.10., 20.30 + Urania: Di 5.11., 14.00 (OF) I Used to Be Darker (USA 2013) R: Matt Porterfield D: Deragh Campbell, Hannah Gross, Kim Taylor, Ned Oldham. 90 min. Matt Porterfield, Kinoregionalist aus Maryland (großartig: „Putty Hill“, 2010), berichtet vom Zusammenbrechen privater Sicherheiten. Kim und Bill stehen vor der Trennung, die sie mit Tochter Abby würdevoll abzuwickeln versuchen. Statt in offenem Familienkleinkrieg bricht sich das Leiden des Paares in Folk-Performances Bahn. Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 2.11., 21.00 + Gartenbau: So 3.11., 13.00 (OmU) La Jalousie (F 2013) R: Philippe Garrel D: Louis Garrel, Anna Mouglalis, Rebecca Convenant, Olga Milshtein. 77 min. Kein Melodram der Eifersucht, sondern eine Chronik beiläufiger Verwundungen: Von der Mutter seiner Tochter hat sich Louis getrennt. Seine Neue versteht sich hervorragend mit dem Mädchen, das die Mutter auf sich allein gestellt aufziehen muss. Die Handlung basiert auf den Kindheitserinnerungen von Regisseur Garrel, den Vater spielt sein Sohn Louis. Gartenbau: Do 31.10., 21.00 + Urania: Mo 4.11., 23.30 (OmenglU) Jeune & jolie (F 2013) R: François Ozon D: Marine Vacth, Géraldine Pailhas, Frédérick Pierrot. 93 min. Im Sommer verliert die 16-jährige Isabelle am Strand ihre Unschuld, im Herbst betreibt die Tochter aus gutem Hause bereits eine Website, um Freier zu empfangen. Wenn das dem Arthouse-Konfektionär Ozon mal nicht altherrenerotisch geraten ist. Gartenbau: Di 29.10., 18.00 + Mi 30.10., 11.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Di 5.11., 6.30 (OmU) Jiaoyou/Stray Dogs (TW/F 2013) R: Tsai Ming-liang D: Lee Kang-sheng, Lu Yi-ching, Lee Yi-cheng. 138 min. Tsai Ming-liang, Poet der bröselnden Städte und Spezialist für irrwitzige Mikrodramen in starren Einstellungen, meldet sich zurück: Nach einigen kürzeren sowie weniger erfolgreichen Arbeiten wurde „Stray Dogs“ in Venedig mit dem Großen Preis der Jury geehrt. Der Film folgt einer dreiköpfigen Vagabundenfamilie durch ihren Alltag in Taipeh. Gar-
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Viennale im Bild
f o t o s : P A T R I C K O R T H , S C H R A M M F I L M , V I E N N A L E , A R C H I V O FOTO G R A M A S , C O L L E C T I O N M U S É E G A U M O N T
Alle Termine, Film für Film, vom 24. Oktober bis zum 6. November tenbau: Sa 2.11., 18.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: So 3.11., 11.00 (OmenglU) Jimmy P. (Psychotherapy of a Plains Indian) (USA/F 2013) R: Arnaud Desplechin D: Benicio Del Toro, Mathieu Amalric, Gina McKee, Larry Pine. 114 min. Eine wahre Geschichte aus den Akten der Psychoanalyse: Als der Blackfeet-Indianer James Picard mit unerklärlichen Symptomen aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrt, wird er in ein Militärspital eingeliefert. Erst Pyschoanalytiker Georges Devereux vermag ihm zu helfen. Arnaud Desplechin, sonst ein Freund des Überbordenden, konzentriert sich auf ihre Sitzungen zu zweit und zeigt Psychoanalyse als komplexe Entschlüsselungsarbeit. Gartenbau: Mo 4.11., 18.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Di 5.11., 23.30 (OF) Jing Cha Ri Ji/To Live and Die in Ordos (China 2013) R: Ning Ying D: Wang Jingchun, Chen Weihan, Hou Yansong, Sun Liang. 113 min. Anhand des persönlichen Schicksals eines Polizisten im Provinzstädtchen Ordos, der 2011 im Alter von nur 41 Jahren starb, erzählt Ning Ying von den Umbrüchen in der chinesischen Gesellschaft: „Das ist der rote Faden aller meiner Arbeiten: die Filme zu unserem visuellen Gedächtnis werden zu lassen.“ Urania: Sa 2.11., 18.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: So 3.11., 21.00 (OmenglU) Joe (USA 2013) R: David Gordon Green D: Nicolas Cage, Tye Sheridan, Gary Poulter, Ronnie Gene Blevins. 117 min. Gleich zwei Filme von David Gordon Green gibt es heuer auf der Viennale: Nach Jahren als Bubenkomödienregisseur wurden „Prince Avalanche“ und „Joe“ heuer als Rückkehr zum Indie-Regionalismus seiner frühen Arbeiten willkommen geheißen. Sogar Nicolas Cage verkneift sich dem Vernehmen nach das Outrieren in der Titelrolle eines bärbeißigen Holzfällers, der einen 15-Jährigen unter seine Fittiche nimmt. Gartenbau: Di 29.10., 20.30 + Sa 2.11., 13.00 (OF) La jungla interior/The Inner Jungle (E 2013) R: Juan Barrero D: Gala Pérez Inesta, Enriqueta White, Luz Barrero. 70 min. Bevor Juan zu einer wissenschaftlichen Expedition aufbricht, nimmt er seine Freundin Gala mit auf eine Reise in seine Vergangenheit: in die Heimatstadt, ins verlassene Elternhaus. Dabei steht auch die gemeinsame Zukunft der beiden auf dem Spiel. Metro: Do 31.10., 21.00 + Kino am Schwarzenbergplatz: Fr 1.11., 15.30 (OmenglU) Kein großes Ding (D 2013) R: Klaus Lemke D: Thomas Mahmoud, Henning Gronowski, Tini Bönig. 83 min. Klaus Lemke, Straßenköter laureatus des deutschen Kinos, schenkt der Viennale eine Weltpremiere. Der Titel seines letzten Films, „Berlin für Helden“, hätte auch diesmal nicht schlecht gepasst: Frisch aus dem Gefängnis entlassen, will Filmvorführer Mahmoud seine Künstlerlaufbahn angehen. Kumpel Henning leistet ihm auch auf der Bühne Beistand. Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 25.10., 21.00 + Metro: Sa 26.10., 13.30 Lancelot du Lac (F 1973) R: Robert Bresson D: Luc Simon, Laura Duke Condominas, Humbert Balsan. 83 min. König Artus’ Tafelrunde, die unermessliche Liebe des Ritters Lancelot zu Königin Guinevere. Von Bresson in seinem typischen Stil inszeniert, also nicht als Historienschinken, sondern als karge, strenge Versuchsanordnung: Ein Schrotthaufen bleibt am Schluss übrig von der glitzernden Ritterwelt. Kino am Schwarzenbergplatz: Mi 6.11., 23.00 (OmenglU) La Paz (ARG/Bolivien 2013) R: Santiago Loza D: Lisando Rodriguez, Andrea Strenitz, Fidelia Batallanos Michel. 73 min. Aus der Psychiatrie kommt Liso ins Elternhaus und dort auch nicht recht vom Fleck. Nur die Besuche bei der Großmutter und die Annäherung an die bolivianische Haushälterin bringen ihm Ruhe. Allmählich sieht er dabei seine Klassenprivilegien mit anderen Augen. Stadtkino im Künstlerhaus: So 27.10., 18.30 + Urania: Di 29.10., 13.30 (OmenglU) L’inconnu du lac (F 2013) R: Alain Guiraudie D: Pierre Deladonchamps, Christophe Paou, Patrick d’Assumçao. 97 min. Keinen anderen Film hat die seriöse Kritik in Cannes heuer so einhellig gefeiert: Viennale-Stammgast Guiraudie schaut Männern an einem See beim Cruisen zu. Zwischen entspannt beobachteten Sexszenen entspinnt sich die Ahnung einer Thrillerhandlung. Gartenbau: Mo 4.11., 21.00 + Urania: Mi 6.11., 13.30 (OmU) Locke (GB 2013) R: Steven Knight D: Tom Hardy, Tom Holland, Olivia Coleman, Andrew Scott. 85 min. Eineinhalb Stunden am Beifahrersitz neben Tom
Hardy: Der spielt hier einen Mann, dem auf einer nächtlichen Autofahrt sein Leben in Echtzeit entgleitet. Familie und Arbeitskontakte, prominent besetzt mit britischen Darstellern, sind nur am Telefon zu hören. Steven Knight, Autor-Regisseur des Films, schrieb immerhin Cronenbergs „Eastern Promises“. Gartenbau: Mi 6.11., 20.30, 23.30 (OF) El loro y el cisne/The Parrot and the Swan (ARG 2013) R: Alejo Moguillansky D: Fernando Tur, Gabriel Almendros, Carlos Jiménez. 100 min. Tontechniker Loro ist unterwegs, um an einer Doku über argentinische Tanztruppen zu arbeiten, als sich Tänzerin Luciana in ihn verliebt. Genauso sehr wie die Romanze interessieren Viennale-Stammgast Moguillansky („Castro“) aber auch die Vorgänge beim Filmen und Tanzen. Kino am Schwarzenbergplatz: Fr 25.10., 15.30 + Urania: Fr 1.11., 11.00 (OmenglU) Los duenos/The Owners (ARG 2013) R: Agustín Toscano, Ezequiel Radusky D: Rosario Bléfari, Germán De Silva, Sergio Prina. 95 min. Sind die Herren aus dem Haus, dann schlüpft die Arbeiterschaft des Anwesens in ihre Rollen – bis plötzlich die Töchter des Gutsbesitzers mit ihren Töchtern hereinschneien. Auch sie haben nicht alles, was sie sich wünschen. Bald nehmen die Klassen in dieser argentinischen Dramödie Tuchfühlung auf. Kino am Schwarzenbergplatz: So 27.10., 20.30 + Urania: Mo 28.10., 23.30 (OmenglU) Lukas nino/Lukas the Strange (Philippinen 2013) R: John Torres D: Cheeno Ladera Dalog, Glency Mallillin, Edilberto Marcelino. 82 min. Im Dorf wird ein Film gedreht, aber der 13-jährige Lukas hat andere Sorgen: Sein Vater, kürzlich verschwunden, soll ein „Tikbalang“ sein, halb Mensch und halb Pferd. Der aktuelle Film von John Torres, heuer mit einer Werkschau bedacht, ist ein zartes Erzählgewebe in toll matten Farben. Muss man nicht enträtselt haben, um es schön zu finden. Urania: Mi 30.10., 21.00 + Kino am Schwarzenbergplatz: So 3.11., 13.00 (OmenglU) Medeas (USA/I 2013) R: Andrea Pallaoro D: Catalina Sandino Moreno, Brían F. O’Byrne, Kevin Alejandro, Ian Nelson. 98 min. Dramatisierung einer tatsächlichen Gewalttat, inszeniert als Sommerpastorale mit aufziehenden Gewitterwolken: Eine siebenköpfige Familie am Land. Der Vater ist impulsiv, die gehörlose Mutter abgekapselt, die Kinder haben ihre eigenen Sorgen. Urania: So 3.11., 21.00 + Mo 4.11., 11.00 (OF) Das merkwürdige Kätzchen (D 2013) R: Ramon Zürcher D: Jennifer Schily, Anjorka Strechel, Mia Kasalo, Luk Pfaff. 72 min. Eines der erstaunlicheren Debüts des Jahres: Eine volle Familienwohnung an einem Herbstsamstag wird zum Parcours für Minimalslapstick einander kreuzender Sätze und Bewegungen. Mittendrin: Hund und Katz. Urania: Di 29.10., 21.00 + Gartenbau: Mi 30.10., 15.30 (OmenglU) Mes séances de lutte (F 2013) R: Jacques Doillon D: Sara Forestier, James Thierré. 98 min. Auf den Kampf der Geschlechter hat sich Jacques Doillon („La pirate“, 1984) seit jeher verstanden, hier macht er ernst damit: Eine Frau und ein Mann diskutieren über Liebe, und aus den Gesprächen werden – in beiderseitigem Einverständnis – wüste Prügeleien. Ein Date-Movie, definitiv. Urania: Sa 2.11., 21.00 + Metro: So 3.11., 11.00 (OmenglU) Metran men hada al-turab/Two Meters of This Land (Palästina 2012) R: Ahmad Natche D: Samah Amer, Raouf Haj-Yahia, Omaima Hamori. 80 min. Porträt einer palästinensischen Zivilgesellschaft, besetzt mit Laien, die sich selbst spielen. Schauplatz ist eine Open-Air-Bühne in Ramallah, vor der sich ein paar Stunden vor dem Abendkonzert Techniker, Journalisten und Künstler versammeln. Kino am Schwarzenbergplatz: So 27.10., 18.00 + Metro: Do 31.10., 18.30 (OmenglU) Michael Kohlhaas (F/D 2013) R: Arnaud des Pallières D: Mads Mikkelsen, Mélusine Mayance, Delphine Chuillot, David Kross. 122 min. Kleists SelbstjustizNovelle, versetzt in die Weite der französischen Cevennen. Den unbeugsamen Pferdehändler gibt der unkaputtbare Mads Mikkelsen. „Dem Unkinematografischen von Kleists Prosa begegnet des Pallières Film phänomenologisch, mit Körperlichkeit und Materialität.“ (Daniel Eschkötter) Gartenbau: Fr 1.11., 20.30 + Urania: Sa 2.11., 11.00 (OmU) Modern Times (USA 1936) R: Charles Chaplin D: Charlie Chaplin, Paulette Goddard, Henry Bergman, Chester Conklin. 87 min. Der Tramp, das Fließband
und die moderne Zeit: „Charlie, der neue Mann der neuen Welt; Ausschuss der alten, das zeigt seine Kleidung. Bewegt von einem unbrechbaren Anpassungswillen. Und jedes Lächeln sagt, dass es nur dieses Mal nicht so ganz geklappt hat.“ (Frieda Grafe) Gartenbau: Fr 1.11., 10.30 (OmU) Môj pes Killer/My Dog Killer (SK/CZ 2013) R: Mira Fornay D: Adam Mihál, Marián Kuruc, Irena Bendová, Libor Filo. 90 min. Für den Verkauf der Wohnung wird die Unterschrift von Mareks vor Jahren abgehauener Mutter gebraucht. Also besucht er sie in der Stadt und trifft dabei den Halbbruder, den sie mit einem Rom gezeugt hat – keine Kleinigkeit für den Skinhead Marek. Das grimmige Drama aus der Slowakei gewann in Rotterdam einen Wettbewerbspreis. Metro: Di 29.10., 18.30 + Kino am Schwarzenbergplatz: Mi 30.10., 13.00 (OmenglU) Mouton (F 2012) R: Marianne Pistone, Gilles Deroo D: David Merabet, Michael Mormentyn, Cindy Dumont. 100 min. Körnig ist der 16-mm-Film, und schroff ist das Leben im ersten Langfilm von Pistone und Deroo: Der 17-jährige Mouton verlässt seine Mutter und wird Küchenhilfe in einer Kleinstadt in der Normandie, wo er schnell Freunde findet. So könnte der Film weitergehen, wenn nur nichts passiert. Kino am Schwarzenbergplatz: Fr 1.11., 20.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 2.11., 13.30 (OmenglU) Nebraska (USA 2013) R: Alexander Payne D: Bruce Dern, Will Forte, June Squibb, Bob Odenkirk, Stacy Keach. 115 min. Ein spätes Solo für Bruce Dern: Der alte Trinker Woody Grant glaubt dem Brief, der ihm versichert, eine Million Dollar in der Lotterie gewonnen zu haben. Einer seiner beiden Söhne (Will „MacGruber“ Forte) fährt ihn gnadenhalber dem vermeintlichen Gewinn entgegen. Unterwegs schauen die beiden in der Heimatstadt des Vaters vorbei. Mal sehen, wie ätzend Writer-Director Payne („Election“) diesmal gestimmt ist. Gartenbau: Fr 25.10., 20.30 + Di 5.11., 11.00 (OF) New World (Südkorea 2013) R: Park Hoon-jung D: Lee Jung-jae, Choi Min-sik, Hwang Jung-min. 134 min. Als der Boss des Syndikats stirbt, ist der Erbfolgekrieg vorprogrammiert. Mittendrin, ziemlich weit oben. Maulwurf Ja-sung, der sich lieber Abseilen würde, aber von der Polizei zum Stellunghalten gezwungen wird. „New World“, altes Spiel: zynischer Machtkampf allenthalben, kalt glänzend in Szene gesetzt. Gartenbau: Mo 28.10., 23.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 1.11., 13.30 (OmU) Night Moves (USA 2013) R: Kelly Reichardt D: Jesse Eisenberg, Dakota Fanning, Peter Sarsgaard, Alia Shawkat. 112 min. Nach dem Siedlerdrama „Meek’s Cutoff“ versucht sich die Minimalistin Kelly Reichardt diesmal an einem brütenden Aktivismusthriller: Drei Ökoterroristen wollen einen Damm sprengen und müssen lernen, dass kein Plan wasserdicht ist. Gartenbau: Mi 30.10., 21.00 + Sa 2.11., 10.30 (OF) Norte, Hangganan ng Kasaysayan/Norte: The End of History (Philippinen 2013) R: Lav Diaz D: Archie Alemania, Angeli Bayani, Soliman Cruz. 250 min. Eine Okkasion: Lav Diaz, dessen gewaltige Schwarzweiß-Epen gern einmal die 8-Stunden-Marke überschreiten, gibt es diesmal knackig. In Breitbild, Farbe und nur vier Stunden Laufzeit breitet er eine Variation auf Dostojewskis „Verbrechen und Strafe“ aus: Als die Geldverleiherin ermordet wird, inhaftiert man den unschuldigen Straßenhändler Joaquín, nicht den Studenten Fabian. Kino am Schwarzenbergplatz: Di 5.11., 18.00 (OmenglU) Nugu-ui ttal-do anin Haewon/Nobody’s Daughter Haewon (Südkorea 2013) R: Hong Sangsoo D: Jung Eunchae, Lee Sunkyun, Kim Jaok, Kim Euiseong. 90 min. Hong Sangsoo, Meister der Beziehungsschmach, gibt es hier mehr melancholisch als komisch: Haewon trifft ihre Mutter vor deren Emigration nach Kanada und verabredet sich mit ihrem verheirateten Liebhaber. Dazwischen schieben sich, nicht immer gleich merklich, Traumbilder. Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 25.10., 13.30 + Kino am Schwarzenbergplatz: Di 29.10., 18.00 (OmenglU) Oktober November (Ö 2013) R: Götz Spielmann D: Nora von Waldstätten, Ursula Strauss, Peter Simonischek. 114 min. Auf „Revanche“ lässt Götz Spielmann die Studie zweier Schwestern folgen: Sonja ist Fernsehschauspielerin in Berlin, Verena arbeitet daheim in einem Gasthaus. Als der Vater im Sterben liegt, kehrt Sonja heim zu alten Geheimnissen und neuen
Thomas Arslan hat einen Western gedreht: „Gold“ mit Nina Hoss
Baba, Brooklyn: Avantgardistin Su Friedrich wünscht „Gut Renovation“
Dokumentarfilmer Marcel Ophüls legt seine Memoiren vor: „Un Voyageur“
Portugiese zu entdecken: „Corridas de alegría“ von Gonzalo García Pelayo
Special Program: „Tih Minh“, serielles Kino von Louis Feuillade, 1918
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Konflikten. Gartenbau: Do 31.10., 18.00 (dF) + Urania: So 3.11., 13.30 (OmenglU) O quinto evanxeo de Gaspar Hauser/The Fifth Gospel of Kaspar Hauser (E 2013) R: Alberto Gracia D: Josecho, Sara García, Oliver Laxe, Nando Vázquez. 61 min. Nicht zu verwechseln mit der (ebenfalls schwarzweißen) Techno-Seltsamkeit „La leggenda di Kaspar Hauser“ (2012), hört sich diese galicische Variation auf den Stoff aber noch immer eigenartig genug an: Im Stall, in dem er aufwächst, leisten Hauser hier allerlei wunderliche Gestalten Gesellschaft, darunter der Regisseur im Batman-Kostüm. Kino am Schwarzenbergplatz: Sa 26.10., 18.00 + Do 31.10., 13.00 (OmenglU) P3ND3J05 (ARG 2013) R: Raúl Perrone D: Mariano Blanco, Cabito, Yenien Teves, Eugenia Juárez. 157 min. Lies: Pendejos. Gangster- und Liebesgeschichten in Schwarzweiß und mit Dialogen in Zwischentiteln. Statt einem Stummfilm-Pastiche ist der Film aber ein Musical aus der argentinischen Gegenwart, mit Anleihen bei Oper, Punkrock und der volkstümlichen Musikrichtung Cumbia. Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 30.10., 15.30 + Metro: Mi 6.11., 21.00 (OmenglU) Pardé / Closed Curtain (Iran 2013) R: Jafar Panahi, Kamboziya Partovi D: Kamboziya Partovi, Maryam Moghadam, Jafar Panahi. 106 min. Der iranische Filmemacher Jafar Panahi, 2010 zu sechs Jahren Gefängnis und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt, arbeitet weiter: Die prekäre Lebenssituation, die Panahi in „This is not a film“ (2011) offen abbildete, überführt „Pardé“ ins Symbolische. Ein Mann zieht sich in eine Strandvilla zurück, verhängt die Fenster mit schwarzem Tuch. Die Welt kommt trotzdem bei der Tür herein. Urania: Do 31.10., 13.30 + Gartenbau: So 3.11., 18.00 (OmenglU) Le Passé (F/I 2013) R: Asghar Farhadi D: Bérénice Bejo, Tahar Rahim, Ali Mosaffa, Pauline Burlet. 124 min. Um eine Trennung ging es in Asghar Farhadis oscarprämiertem „Nadar and Simin“ (2011), in seinem neuen Drama liegt die schon fünf Jahre in der Vergangenheit. Um die Scheidung von seiner französischen Frau amtlich abzuschließen, kommt der Iraner Ahmad nach Paris. Dort bringt er ein verwickeltes Beziehungsnetz aus dem Gleichgewicht. Gartenbau: Fr 1.11., 18.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: So 3.11., 13.30 (OmenglU) La plaga/The Plague (E 2013) R: Neus Ballús D: Raul Molist, Maria Ros, Rosemarie Abella, Iurie Timbur. 85 min. Hundstage in der Vorstadt von Barcelona: Fünf Laien, darunter eine philippinische Pflegerin und ein moldawischer Ringer und Landarbeiter, spielen sich selbst in diesem behutsam fiktionalisierten Mosaik globalisierter Überlebenskämpfe. Metro: Di 29.10., 13.30 + Urania: Di 5.11., 21.00 (OmenglU) Primer (USA 2004) R: Shane Carruth D: Shane Carruth, David Sullivan, Casey Gooden, Anand Upadhyaya. 77 min. Einer der unfassbarsten US-Indie-Filme der letzten ein, zwei Jahrzehnte: Ein paar junge Ingenieure basteln in einer Garage herum, bis die Zeitmaschine fertig ist. Damit ließe sich schön Geld machen, aber jemand kann das Experimentieren nicht lassen. Um 7000 Dollar drehte Autarkist Shane Carruth sein Debüt. Statt Schauwerten fährt er zunehmend wahnwitzige Erzählmanöver auf. Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 26.10., 23.30 + Urania: Mi 6.11., 11.00 (OF) Prince Avalanche (USA 2013) R: David Gordon Green D: Paul Rudd, Emile Hirsch, Lance Legault, Joyce Payne. 94 min. Es ist Sommer 1988 in Texas, und nach einem Waldbrand muss die Straße aufgeräumt werden. Dabei geraten die beiden temperamentverschiedenen Straßenarbeiter Alvin und Lance aneinander. Mit diesem in den Hauptpartien prominent besetzten Crowdpleaser nach isländischer Filmvorlage versucht David Gordon Green den Spagat zwischen den Polen seiner sonderbaren Regiekarriere: unzimperliche Kumpelkomik und Indie-Versonnenheit. Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 25.10., 23.30 + Di 29.10., 6.30 + Gartenbau: Sa 26.10., 11.00 (OmU) Razredni sovraznik/Class Enemy (SLO 2013) R: Rok Bicek D: Igor Samobor, Natasa Barbara Gracner, Tjasa Zeleznik, Masa Derganc. 112 min. Bester TitelWortwitz des heurigen Viennale-Programms: Der „Klassenfeind“ in diesem slowenischen Debütdrama ist der strenge Deutschlehrer, den eine Klasse eher unmotiviert für den Selbstmord einer Mitschülerin verantwortlich macht. Die Rebellion bringt den ganzen Schulbetrieb durcheinander. Stadtkino im Künstlerhaus: So 27.10., 20.30 (OmU) + Urania: Mo 28.10., 13.30 (OmenglU) Runaway Day (GR 2013) R: Dimitris Bavellas D: Maria Skoula, Makis Papadimitriou, Erricos Litsis. 82 min. Einfach wegrennen ist nicht die dümmste Idee im krisengebeutelten Griechenland der Gegenwart, meint diese Schwarzweiß-Parabel. Die reiche Hausfrau Maria und der arbeitslose, verschuldete Loukas reißen am gleichen Tag aus. Nach einigen seltsamen Begegnungen merken die beiden, dass sie nicht
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die Einzigen sind. Metro: Sa 2.11., 21.00 + Kino am Schwarzenbergplatz: So 3.11., 23.00 (OmenglU) Salvo (I/F 2013) R: Fabio Grassadonia, Antonio Piazza D: Saleh Bakri, Sara Serraiocco, Luigi Lo Cascio. 103 min. Wenn ein Mafiakiller Salvo heißt, ist die Chance auf Erlösung nicht weit. Den Titelhelden dieses Films ereilt sie in Gestalt von Rita, der blinden Schwester seines letzten Opfers, die zu töten er nicht übers Herz bringt. Formsichere Pulp-Fiction auf der Fährte JeanPierre Melvilles. Stadtkino im Künstlerhaus: So 3.11., 18.30 + Gartenbau: Mo 4.11., 23.30 (OmenglU) San Diego Surf (USA 1968/1995) R: Andy Warhol D: Viva, Taylor Mead, Joe Dallesandro, Louis Waldon, Ingrid Superstar. 90 min. Bevor Andy Warhol die Kamera an den Nagel hängte und Paul Morrissey unter dem Warhol-Label seine ganz eigenen Interessen verfolgte, drehten die beiden gemeinsam dieses California-Drama: Viva und Taylor Mead spielen ein unzufriedenes Ehepaar, in dessen Strandhaus andere Factory-Mitglieder als Surfer einziehen. Morrissey stellte den Film erst 1995 fertig. Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 4.11., 23.30 (OF) Die Schwärmer (D 2013) R: Johanna Pauline Maier D: Anna Daria Fontane, Jutta Wernicke-Sazunkewitsch, Laurent Hervé. 81 min. Eine Weltpremiere der heurigen Viennale: Johanna Pauline Maier, Studentin an der HFF München, zieht Schneisen durch das Aphorismendickicht und die Beziehungsmathematik von Robert Musils „Die Schwärmer“. Kino am Schwarzenbergplatz: Sa 2.11., 18.00 + Metro: Mo 4.11., 11.00 (OmenglU) The Selfish Giant (GB 2013) R: Clio Barnard D: Conner Chapman, Shaun Thomas, Sean Gilder, Steve Evets. 93 min. Eine Adaption von Oscar Wildes gleichnamiger Kindergeschichte als Milieudrama in der Ken-LoachTradition: In einem Arbeiterviertel in Bradford beginnen zwei Schulfreunde für einen lokalen Händler Metallschrott zu sammeln. Die ungleich verteilte Aufmerksamkeit dieser Vaterfigur treibt einen Keil zwischen die beiden. Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 2.11., 23.30 + Urania: Mo 4.11., 16.00 (OF) Shirley – Visions of Reality (Ö 2013) R: Gustav Deutsch D: Stephanie Cumming, Christoph Bach, Florentin Groll, Elfriede Irrall. 92 min. Gustav Deutsch ist mehr als Found Footage. Sein neuer Film erzählt das Leben einer Amerikanerin als Abfolge im Studio nachgestellter Edward-Hopper-Gemälde. Radionachrichten geben die historischen Koordinaten, innere Monologe treiben die Handlung voran. Als Shirley: die Tanzkünstlerin Stephanie Cumming. Gartenbau: Di 5.11., 18.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 6.11., 11.00 (englOF) Soft in the Head (USA 2012) R: Nathan Silver D: Sheila Etxeberría, Ed Ryan, Carl Kranz, Melanie J. Scheiner. 71 min. Natalia taumelt durch ein New York, das kaum weniger hysterisch ist als sie selbst: Ihr Freund hat sie aus der Wohnung geworfen, bei Freundin Hannah mischt sie betrunken ein Festtagsessen auf und in der Obdachlosenunterkunft von Maury haben andere Gäste ein Auge auf sie geworfen. Entschieden unaufgeräumtes Schauspielkino auf Cassavetes’ Spuren. Stadtkino im Künstlerhaus: So 27.10., 23.30 + Urania: Mo 28.10., 21.00 (OF) Soshite chichi ni naru/Like Father, Like Son (J 2013) R: Koreeda Hirokazu D: Fukuyama Masaharu, Ono Machiko, Maki Yoko, Lily Franky. 120 min. Ein Seifenopern-Plot, mit dem der genaue Familienbeobachter Koreeda („Nobody Knows“) einiges anfangen sollte: Zwei Elternpaare – das eine reich, das andere weniger – erfahren, dass ihre sechsjährigen Kinder nach der Geburt vertauscht wurden. Urania: Fr 25.10., 16.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 26.10., 11.00 (OmenglU) Suzanne (F 2013) R: Katell Quillévéré D: Sara Forestier, Adèle Haenel, François Damiens, Paul Hamis. 94 min. Melo im Schnelldurchlauf: 25 Jahre aus dem Leben der impulsiven Suzanne und ihrer besorgten Familie rafft der Film in 90 elliptisch zugespitzte Minuten. Viel gelobt in den Hauptrollen: Sara Forestier als Suzanne und François Damiens als ihr Vater. Gartenbau: So 27.10., 15.00 + Urania: Mo 4.11., 21.00 (OmenglU) Tian zhu ding/A Touch of Sin (China/J 2013) R: Jia Zhangke D: Zhao Tao, Jiang Wu, Wang Baoqiang, Luo Lanshan. 133 min. Schluss mit filigran: Jia Zhangke, berühmt geworden mit hintersinnig-melancholischen Kunstfilmen wie „Platform“ oder „Still Life“, spitzt sein neues Sozialdrama in Richtung Thriller zu. Angesichts der Ungerechtigkeiten, die der Film nach wahren Ereignissen im China der Gegenwart verzeichnet, bleibt manchem nur der Griff zur Waffe. Gartenbau: Fr 25.10., 13.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 28.10., 11.00 (OmenglU) Tip Top (F/LUX 2013) R: Serge Bozon D: Isabelle Huppert, Sandrine Kiberlain, François Damiens. 106 min. Eine Polizistinnen-Buddy-Komödie mit Isabelle Huppert? Mit Musicaleinlage und Subplots über die erotischen Obsessionen der beiden Damen? Von
einem der sympathisch spleenigsten NachwuchsAutorenfilmer Frankreichs? Hört sich nicht übel an. Urania: Sa 26.10., 18.30 + Gartenbau: Mo 28.10., 15.30 (OmenglU) Tomogui/Backwater (J 2013) R: Aoyama Shinji D: Suda Masaki, Kinoshita Misaki, Shinohara Yukiko, Ken Mitsuishi. 102 min. Ein Familienmelodram, begleitet von beunruhigendem Insektenzirpen: Der 17-jährige Toma erkennt in seinem Verhalten zur Geliebten Kotoko die Gewalttätigkeit des Vaters wieder. Als sich ein Taifun auf seine Heimatstadt zubewegt, eskalieren die familiären und erotischen Spannungen. Urania: Mi 30.10., 11.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 1.11., 16.00 (OmenglU) Tonnerre (F 2013) R: Guillaume Brac D: Vincent Macaigne, Solène Rigot, Bernard Menez. 106 min. Nach den Komödien „Le naufragé“ und „Un monde sans femmes“ (beide auf der letzten Viennale zu sehen) macht Guillaume Brac ernst: Sein Stamm-Hauptdarsteller Macaigne gibt einen Rockmusiker, der sich zum Arbeiten in die Provinz absetzt. Dort droht nicht Langeweile, sondern schicksalshafte Verstrickung, als er sich in die junge Mélodie verliebt. Kino am Schwarzenbergplatz: Do 31.10., 15.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 1.11., 21.00 (OmenglU) Überraschungsfilm 123 min. Gartenbau: So 3.11., 15.30 La última película (CAN/DK/MEX/Philippinen 2013) R: Raya Martin, Mark Peranson D: Alex Ross Perry, Gabino Rodríguez, Iazua Larios. 88 min. Ein Filmpublizist (Peranson) hinter der Kamera, ein Regisseur (Perry) als Hauptdarsteller – ein Zeichen der Apokalypse? Vielleicht, jedenfalls will der Filmemacher-Protagonist von „La última película“ vor dem anstehenden Ende der Welt noch einen letzten Film auf Zelluloid drehen. Eine Unternehmung auf den Spuren von Dennis Hoppers „The Last Movie“. Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 28.10., 21.00 + Kino am Schwarzenbergplatz: Di 29.10., 13.00 (OmenglU) Upstream Color (USA 2012) R: Shane Carruth D: Amy Seimetz, Shane Carruth, Andrew Sensenig, Thiago Martins. 96 min. Acht Jahre nach der wahnwitzigen Zeitreisechronik „Primer“ (2004) legt Solitär Carruth seinen Zweitling vor. Wieder bildet ein verrätselter Thrillerplot den Ausgangspunkt: Ein Dieb verwendet geheimnisvolle Würmer als Drogen, um sich Leute gefügig zu machen. Irgendwann zerfasert der Film in Richtung Terrence-Malick-Parodie, aber die hypereffizient erzählte erste halbe Stunde ist schon ziemlich beeindruckend. Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 26.10., 21.00 + Urania: Mi 6.11., 23.30 (OF) Uri Sunhi/Our Sunhi (Südkorea 2013) R: Hong Sangsoo D: Jung Yumi, Lee Sunkyun, Kim Sangjoong, Jung Jaeyoung. 88 min. Hong Sangsoos Figuren tun, was er nicht lassen kann: Man will sich beim Essen und Trinken näherkommen und verfehlt einander dabei auf qualvoll vergnügliche Weise. Im Zentrum des Films steht diesmal die Regiestudentin Sunhi, die von ihrem Professor gern ein Empfehlungsschreiben hätte und sich danach noch mit zwei ehemaligen Liebhabern herumschlagen muss. Gartenbau: Sa 26.10., 16.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 28.10., 13.30 (OmenglU) Vic + Flo ont vu un ours (CAN 2013) R: Denis Côté D: Pierrette Robitaille, Romane Bohringer, Marc-André Grondin. 95 min. Der neue Spielfilm des Kanadiers Côté, von der Viennale 2010 mit einer Werkschau bedacht, bietet wieder Realismus-Anmutungen mit Verstörungsfalltüren. Die Haftentlassene Victoria zieht sich mit ihrer Geliebten Florence in eine Waldhütte zurück. Allein: Ihre Vergangenheiten und der Filmemacher lassen die beiden nicht in Ruhe. Gartenbau: Mo 28.10., 18.00 + Urania: Mi 30.10., 23.30 (OmenglU) La Vie d’Adèle – Chapitres 1 et 2 (F/B/E 2012) R: Abdellatif Kechiche D: Léa Seydoux, Adèle Exarchopoulos, Salim Kechiouche, Mona Walravens. 175 min. Diese lesbische Liebesgeschichte ist ein „succès de scandale“: weniger wegen der detaillierten Sexszenen, sondern weil sich Hauptdarstellerinnen und Regisseur seit dem gemeinsamen Palmen-Sieg in Cannes allerhand publikumswirksam an den Kopf geworfen haben. Der Film selbst vermählt Kechiches ausufernden Realismus mit Melodramatik: wenn geheult wird, dann bis die Tränendrüsen versagen. Gartenbau: So 3.11., 20.30 + Mo 4.11., 11.00 (OmenglU) Viola (ARG 2012) R: Matìas Piñeiro D: María Villar, Agustina Muñoz, Elisa Carricajo. 63 min. Piñeiro, Stammgast der Viennale, hat mit dieser Variation auf Shakespeares „Was ihr wollt“ die internationale Kritik aufhorchen lassen. Einer jungen Frau namens Viola wird die Rolle der Viola in einer Produktion des Stücks angetragen. Die Kamera fasst die Menschen konsequent in Zweier-Großaufnahmen und verwischt damit die Schwelle zwischen Bühne und Alltag. Urania: Fr 1.11., 16.00 + Sa 2.11., 14.00 (OmenglU)
Dokumentarfilme 12 O’Clock Boys (USA 2013) R: Lofty Nathan. 76 min. Was 2009 als Studentenprojekt über den naiven Buben Pug begann, wuchs sich über die Jahre zum lyrischen Entwicklungsroman eines schwierigen Jugendlichen aus: Pug träumt davon, von der Dirt-BikeGang 12 O’Clock Boys aufgenommen zu werden. Das ist eine der harmloseren Tätigkeiten für Jugendliche in Baltimore, aber noch immer lebensbedrohlich genug. Urania: So 3.11., 23.30 + Kino am Schwarzenbergplatz: Mi 6.11., 20.30 (OF) The Act of Killing (DK/NOR/GB 2012) R: Joshua Oppenheimer, Christine Cynn, Anonym. 159 min. Geschichte, erzählt von den Siegern: Mitglieder jener indonesischen Todesschwadronen, die in den 1960ern über eine Million Menschen ermordeten, berichten hier nicht nur von ihren Taten. Auf Aufforderung Oppenheimers stellen sie ihre Verbrechen als groteske Genrefilme nach. Errol Morris und Werner Herzog waren so begeistert, dass sie nach Sichtung des Rohschnitts koproduzierten. Gartenbau: Sa 26.10., 18.00 + Urania: So 27.10., 16.00 (OmenglU) And We Made the Room Shine (F 2013) R: François Clos, Thomas Lallier. 45 min. Diese „Post-Rockumentary“ ist ein Ertrag der Viennale-Jubiläumsfeierlichkeiten vor einem Jahr. Sieben Bands des kanadischen Labels Constellation Records musizierten an ungewöhnlichen Wiener Konzertschauplätzen. Filmemacher Lallier und Tonkünstler Clos vom Pariser Musikblog „La Blogothèque“ zeichneten die unterschiedlichen Klangereignisse auf. Stadtkino im Künstlerhaus: Di 29.10., 18.30 + Metro: Mi 30.10., 11.00 At Berkeley (USA 2013) R: Frederick Wiseman. 244 min. Institutionenfilmer Wiseman nimmt sich eine der bedeutsamsten Bildungseinrichtungen der USA vor: Sein Vierstünder zeigt nicht nur die Vorgänge, Schauplätze und Organisationsebenen von (im Fall von Berkeley: staatlich organisierter) Bildung, sondern vor allem auch deren Bedrohung durch Gebührenerhöhungen und Sparmaßnahmen. Metro: Fr 25.10., 11.00 (OF) + Urania: So 27.10., 19.30 (dF) Bambi (F 2012) R: Sébastian Lifshitz. 60 min. Vom algerischen Buben zur Pariser Cabaret-Girlie-Sensation zu einer Lehrerinnenlaufbahn: Lifshitz’ Doku über die 1935 geborene Marie-Pierre Pruvot, auf der Bühne bekannt als Bambi, hat reichlich Stationen zu bewältigen. Super-8-Aufnahmen der Protagonistin unterstützen die Erinnerungsarbeit. Urania: Fr 25.10., 18.30 (OmU) + Kino am Schwarzenbergplatz: Sa 26.10., 23.00 (OmenglU) Belleville Baby (SE 2013) R: Mia Engberg. 75 min. Früher, in Paris, waren Mia und Vincent ein Paar. Heute lebt sie mit einer kleinen Tochter in Schweden, und Vincent fehlen nach acht Jahren im Gefängnis die Erinnerungen. Er bittet Mia, die Filmemacherin, ihm von ihrer gemeinsamen Zeit zu berichten. Um die Stimmen spinnen sich Bilder von einst und jetzt. Kino am Schwarzenbergplatz: Fr 25.10., 18.00 + Urania: Di 29.10., 23.30 (OmenglU) Bloody Daughter (CH/F 2012) R: Stéphanie Argerich. 95 min. Was passiert, wenn eine Künstlerin, die sich unnahbar gibt, von ihrem Kind gefilmt wird? Stéphanie Argerich hat ihre Mutter, die berühmte Konzertpianistin, mit der Kamera beobachtet, seit sie elf ist. Mit Ende 30 hat sie diesen Film über ihre Mutter fertiggestellt, in dem familiäre Spannungen nicht weggeschnitten werden. Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 4.11., 21.00 + Metro: Mi 6.11., 16.00 (OmenglU) Carta a un padre/Letter to a Father (ARG/F 2013) R: Edgardo Cozarinsky. 65 min. Der bedeutende argentinische Schriftsteller und Filmemacher Edgardo Cozarinsky hat der Viennale die Welturaufführung seines jüngsten Essayfilms überantwortet. Der Urenkel russisch-jüdischer Emigranten geht darin den Spuren seines Vaters nach. Urania: Do 31.10., 18.30 + Kino am Schwarzenbergplatz: Sa 2.11., 13.00 (OmenglU) Costa da Morte (E 2013) R: Lois Patiño. 84 min. Für die Römer war es das Ende der Welt, für viele Schiffe tatsächlich das Ende. Lois Patiños Landschaftsfilm arbeitet sich an der kantigen Schönheit der galicischen Costa da Morte ab. Menschen bleiben in seinen Tableaus von Land und Meer, auch wenn sie deutlich zu hören sind, meist winzig. Urania: Di 29.10., 11.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 30.10., 18.30 (OmenglU) Le Cousin Jules (F 1973) R: Dominique Benicheti. 91 min. Wiederentdeckung: Seinen einzigen abendfüllenden Film widmete Dominique Benicheti (1943–2011) seinem Cousin, dem alten Bauern Jules, und dessen Frau. Das Tagewerk der beiden fing er in penibel geplante Cinemascope-Bilder und (dialoglosen) Stereo-Ton. Kino am Schwarzenbergplatz: Mo 28.10., 15.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 30.10., 11.00
Presented by
VIENNALE FESTIVALZENTRUM DJ Andy Smith & MC Honeybrown
Dave Rowntree
E AGORA? LEMBRA-ME
Do, 24. 10., ab 22 h – DJ-Set & Party ERÖFFNUNG DJ ANDY SMITH (EX-PORTISHEAD) & MC HONEYBROWN Als Live-DJ von Portishead hat Andy Smith maßgeblich zum Erfolg von Trip Hop beigetragen. Heute ist der Brite mit seiner Partyreihe «Jam Up Twist» erfolgreich und seine 7"-Sets, die Tanzbares von Vintage Funk, Soul, Boogie bis zu HipHop und Ska umfassen sind legendär. Im Anschluss wird es housig mit The New Tower Generation (Praterei).
Sa, 26. 10., ab 22 h – DJ-Set & Party FILMEMACHERINNEN AN DEN PLATTENTELLERN FilmemacherInnen versuchen sich als DJs: Thomas Arslan (GOLD), Alan Berliner (FIRST COUSIN ONCE REMOVED ), Serge Bozon (TIP TOP) und Lance Edmands (BLUEBIRD). Überraschungen versprochen! Den Profi-Part übernimmt DJ Marcelle (Another Nice Mess). Moderation: Norman Shetler So, 27. 10., 18 h – Diskussion (Englisch) CALL ME MR. LEWIS Kein zweiter Komiker war Zeit seines Lebens ähnlich populär und ähnlich umstritten wie Jerry Lewis. Genie oder Grimassenschneider? Adrian Martin, Jonathan Rosenbaum und Mehrnaz Saeedvafa, alle drei große Experten auf diesem Gebiet, erzählen uns, why Mr. Lewis definitely matters.
DJ Marcelle
JERRY AND ME
Jerusalem in My Heart
Di, 29. 10., ab 21 h – Konzert & Party JERUSALEM IN MY HEART (LIVE) Klassischer arabischer Gesang, traditionelle Instrumente und sphärische elektronische Musik – die Live-Performances von Jerusalem in My Heart werden in Kombination mit ausgeklügelten Visuals zum Multimedia-Gesamtkunstwerk. Die FM4DJs Fritz Ostermayer und Thomas Edlinger sorgen nach dem Konzert für die passende Stimmung. In Kooperation mit Mi, 30. 10., ab 21 h – DJ-Set & Party GLEN MATLOCK (SEX PISTOLS) Als Bassist der Sex Pistols war Matlock maßgeblich an der Entstehung von Songs wie «Anarchy in the U.K.» und «God Save The Queen» beteiligt. Seit er die Band Ende der 70er verließ, spielt er in unterschiedlichsten Konstellationen Rockmusik, zuletzt als The Philistines. Als DJ lässt er die guten alten Zeiten wieder aufleben.
Glen Matlock
Vihanna
Daniel Wang
GUT RENOVATION
Freier Eintritt bei allen Veranstaltungen und Konzerten!
Fr, 1. 11., ab 22 h – DJ-Set & Party DANIEL WANG (BALIHU) & SMOAB (SUPERFLY) Seine bedingungslose Liebe für Disco drückt Daniel Wang nicht nur in seinen House-Produktionen aus: seine Live-Sets sind eine Hommage an die old days of disco, bei denen der DJ schon mal in Hotpants selber das Tanzbein schwingt. Local Support erhält Wang von Superfly-DJ Smoab. In Kooperation mit Sa, 2. 11., ab 21 h – Lesung & Party H.A.P.P.Y «Hapsi Apsi Pipsi Popsi Yipsi – Jugendhaare einer Kaiserin» ist Titel des Jubiläumsbuches über das Performance-Kollektiv H.A.P.P.Y. Die H.A.P.P.Y-Jugendhaare-Party ist eine weitere Station des Buchpräsentationsmarathons. Monobrauenservice, Lesung, Maskottchen und – Deephouse satt bis zum Abwinken inklusive! So, 3. 11., 20 h – Diskussion (Englisch) IT’S LIFE. AND IT’S LIFE ONLY Kino und Leben. Eines der wunderbarsten, geheimnisvollsten und schlampigsten Verhältnisse. Was eins mit dem anderen zu tun hat, kann man in jedem Film sehen. Oder eben nicht. Die Filmemacherinnen Mati Diop, Su Friedrich, Alain Guiraudie und Matt Porterfield haben gerade davon eine Ahnung und unterhalten sich darüber. So, 3. 11., ab 21.30 h – DJ-Set & Party MARKUS BINDER (ATTWENGER) Bei Attwenger sitzt Gründungsmitglied Markus Binder am Schlagzeug, singt und spielt die Maultrommel – auf Konzerten von Simbabwe bis Sibirien. Ins Festivalzentrum bringt Binder eine Auswahl seiner Lieblingsplatten mit, eine Mischung auf die man gespannt sein darf.
Gonzalo García Pelayo
So, 27. 10., ab 21 h – DJ-Set & Party SKERO Als Rapper der Band Texta hat Skero in den letzten 20 Jahren die österreichische HipHop-Szene geprägt. Nach Soloausflügen bringt der Linzer nun mit «Müßig Gang» ein Wienerlied-Album der etwas anderen Art heraus. Man darf sich auf die Lieblinge aus seiner Plattensammlung freuen. Mo, 28. 10., ab 21 h – DJ-Set & Party LA BLOGOTHÈQUE François Clos und Thomas Lallier vom französischen Musikblog La Blogothèque, das Musikfans mit seinen «Take Away Shows» neue Perspektiven auf ihre Lieblingsmusiker eröffnet, geben einen Einblick in ihre umfangreichen Musiksammlungen.
1010 Wien, Dominikanerbastei 11 (U1, U4 Schwedenplatz)
Do, 31. 10., ab 22 h – Party VIHANNA & HAM & DJ SALUTE (COOL KID MUSIC) Vihanna und Ham, die beiden hippsten Neuzugänge der Wiener Clubszene gastieren im Festivalzentrum. Neben fetten Bässen haben sie den jungen Nachwuchsproduzenten und DJ salute (Cool Kid Music) im Gepäck. Vergesst Halloween und lasst die Booties shaken!
Fr, 25. 10., ab 22 h – DJ-Set & Party DAVE ROWNTREE (BLUR) DJ-SET & DJ ILIAS In den letzten Jahren machte Blur-Drummer Dave Rowntree vor allem als Politiker von sich hören. Abseits des Polit-Parketts findet er aber dennoch Zeit als DJ die Clubs von Barcelona bis Moskau mit einem Mix aus Indie, Pop und Soul zu rocken. Da geht die Post ab im Festivalzentrum! Sa, 26. 10., 18 h – Diskussion (Englisch) FORMEN DES DOKUMENTARISCHEN Genau genommen ist der Begriff «dokumentarisches« Kino eine unzulässige Verallgemeinerung angesichts der vielen unterschiedlichen kinematografischen Formen. Die FilmemacherInnen Alan Berliner, Joaquim Pinto, u.a. diskutieren ihre spezifischen Haltungen dazu.
Café · Bar · Events · Diskussionen TÄGLICH VON 18 UHR BIS 4 UHR FRÜH
Flo Real
Adia und Trishes
Mo, 4. 11., ab 21 h – DJ-SetJ-Set & Party VON SEVILLA NACH LAS VEGAS Tribute-Gast Gonzalo García Pelayo eröffnet den Abend mit seiner persönlichen Plattensammlung: Dabei wird er – selbst ehemaliger Disco-Flamenco-Produzent, Stierkampf-Organisator und höchst erfolgreicher professioneller Glücksspieler – einen musikalischen Streifzug durch sein turbulentes Leben liefern. Mo, 4. 11., ab 22 h – DJ-Set & Party FILMEMACHERINNEN AN DEN PLATTENTELLERN Für die zweite Ausgabe der schon legendären Partyreihe packen Andrea Pallaoro (MEDEAS) sowie die drei Special Program Gäste Claudia Larcher, Johann Lurf und Jennifer Reeder ihre musikalischen Schätze aus. Moderation: Dietmar Schwärzler Di, 5. 11., 18 h – Diskussion (Englisch) SAFETY LAST: FROM LEWIS TO FERRELL Zwei der großen amerikanischen Filmkomiker finden sich dieses Jahr im Viennale-Programm. Was verbindet die beiden, was eben nicht, was gibt es dazwischen? Es diskutieren der Autor und Kurator Chris Fujiwara sowie der Journalist Emmanuel Burdeau und die Kulturwissenschaftlerin Andrea B. Braidt. Moderation: Lisa Nesselson Di, 5. 11., ab 21 h – DJ-Set & Party ADIA & TRISHES Unter dem Motto «American Nostalgia» legen die DJs Adia & Trishes eine Mischung aus Rockabilly, Surf, Rhythm & Blues und Artverwandtem auf, die bis jetzt noch jede Tanzfläche zum Ächzen gebracht hat. Let’s rock and roll! Mi, 6. 11., ab 22 h – DJ-Set & Party DJ MASEO (DE LA SOUL) & DJ D.B.H Mit seiner Band De La Soul steht DJ Maseo seit Ende der 80er für HipHop mit positiver Message und hoher Partytauglichkeit und hat die Szene entscheidend geprägt. Mit viel Bühnenerfahrung und einem seiner energiegeladenen DJ-Sets rockt er die Viennale zum Abschluss, DJ d.b.h steht ihm dabei zur Seite.
DJ Maseo
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Dokumentarfilme Empfehlung
Kampf gegen Windmühlen, Schreiben gegen Tabus
Kim Longinottos „Salma“: das Porträt einer Lyrikerin und Frauenaktivistin
ie wurde aus Salma, dem 13W jährigen weggesperrten Mädchen, Salma, die Lyrikerin und Frau-
enaktivistin? Die britische Regisseurin Kim Longinotto macht sich in ihrem Dokumentarfilm „ Salma“ auf die Suche nach den Anfängen ihrer Titelheldin. Ein muslimisches Dorf in Südindien. Nach der ersten Periode werden die jungen Mädchen im Elternhaus vor der Außenwelt – den Männern – versteckt. So will es die Tradition. Fern von Bildung und Autonomie, willigt Salma unter Druck in eine arrangierte Ehe ein. Doch auch im Haus ihres Mannes bleibt sie eine Gefangene. Sie liest, was sie in die Hände bekommt: Reklame, Zeitungsschnipsel. Heimlich beginnt sie zu schreiben: Verse über ihr Leben, ihr Leiden, ihre Sexualität. Die vollgekritzelten Notizblätter schmuggelt sie mit der Schmutzwäsche aus dem Haus. Ein Verleger findet sich, der ihre Gedichte veröffentlicht, und mit einem Schlag wird Salma berühmt. Noch nie hatte eine muslimische Frau es gewagt, über diese Tabus zu schreiben. Der Film lässt seine Protagonistin erzählen, illustriert mit Archivfotos den schmerzhaften Weg zur Selbstständigkeit. „Warum hast du dich anders entschieden?“, fragt Salma ihren Ehemann. Anstatt sie zu unterdrücken, lässt er ihr ihren Willen und beginnt sie zu unterstützen. Mehr noch: Er schlägt sie als Dorfvorsteherin vor. Salmas Söhne hingegen zeigen sich unbeeindruckt von den Gedichten ihrer Mutter, ihr Neffe fordert von ihr Gehorsam und das Tragen der Burka. Ein Kampf gegen Windmühlen. Ein Hauch von Melancholie hängt über Salma. So sitzt die Heldin der Geschichte am Ende geknickt auf dem Balkonsims ihres Hauses. Kann eine Einzelne etwas ändern?
MARTIN NGU YEN
Stadtkino im Künstlerhaus: Sa, 26.10., 13.30 Metro: So, 27.10., 21.00 (OmenglU)
V i e nnale 13
Death Row II (USA 2013) R: Werner Herzog. 220 min. Werner Herzog setzt seine TV-Serie mit Porträts zum Tode verurteilter US-Bürger fort. Befragt werden auch Mittäter und Angehörige der Opfer. Schrecken über die Gewalttaten und Ablehnung der Todesstrafe stehen für den neugierigen Befrager ganz selbstverständlich nebeneinander. Gezeigt in zwei Teilen. Gartenbau: Do 31.10., 15.30 + Sa 2.11., 15.30 + Urania: Fr 1.11., 21.00, 23.30 (OF) Le Dernier des injustes (F/Ö 2013) R: Claude Lanzmann. 219 min. Im Zuge der Recherchen für „Shoah“ (1985) sprach Claude Lanzmann 1975 mit Benjamin Murmelstein, dem einzigen Überlebenden der Judenräte, deren Rolle im Nationalsozialismus nach wie vor umstritten ist. Aus dem umfangreichen Material erarbeitete Lanzmann diesen Film. Entgegen seinem bisherigen Dogma setzt er dabei auch Archivmaterial aus der NS-Zeit ein. Gartenbau: So 27.10., 17.00 + Mo 28.10., 11.00 (OmU) Double Play: James Benning and Richard Linklater (USA/F/P 2013) R: Gabe Klinger. 70 min. Ein Doppelporträt der Filmemacher James Benning und Richard Linklater. Deren Freundschaft geht vor Linklaters Filmkarriere zurück, auf seine Kuratorentätigkeit. Filmkritiker Klinger begleitet die beiden während eines Wiedersehens in Texas und spürt den Ähnlichkeiten ihrer Werke nach. Kino am Schwarzenbergplatz: So 3.11., 15.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 4.11., 13.30 (OF) E agora? Lembra-me/What Now? Remind Me (P 2013) R: Joaquim Pinto. 164 min. Mein Jahr mit experimenteller Medikation: Pinto, als Tonmann ein Veteran des portugiesischen Films, lässt in diesem Tagebuchfilm an seiner Behandlung wegen HIV und Hepatitis C teilhaben. Das „erzwungene Ruhejahr“, von dem er eingangs spricht, stellt sich aber als ziemlich dynamisch heraus, und sein Blick auf die Welt als großzügig, wenn schon nicht zuversichtlich. Urania: Sa 26.10., 21.00 + Metro: So 27.10., 10.00 (OmenglU) Élevage de poussière (B 2013) R: Sarah Vanagt. 47 min. Ein Film über die Schwierigkeit, Evidenz zu erzeugen: Radovan Karadžić stellt beim VölkermordProzess gegen ihn die Beweiskraft von belastenden Fotografien in Abrede. Die Künstlerin Sarah Vanagt untersucht den Ort der Verhandlungen, indem sie seine Texturen mit einem Bleistift auf Papier abdrückt. Urania: Mo 4.11., 18.30 (englOF) Feng ai/’Til Madness Do Us Part (HK/F/J 2013) R: Wang Bing. 228 min. Wang Bing, einer der maßgeblichen Dokumentarfilmer der Gegenwart, sieht sich in einer chinesischen Anstalt um. Mit psychiatrischen Problemfällen sind hier auch körperlich Behinderte, angebliche Kriminelle und andere draußen Unerwünschte zusammengesperrt. Über den Skandal hinaus interessiert den Film die Alltagsroutine dieses Lagerlebens, samt Momenten der Zärtlichkeit. Stadtkino im Künstlerhaus: Do 31.10., 11.00 + Metro: Mo 4.11., 18.30 (OmenglU) First Cousin Once Removed (USA 2012) R: Alan Berliner. 78 min. Der nämliche Verwandte zweiten Grades ist Dichter, Übersetzer und Universitätsprofessor Edwin Honig (1919–2011), den sich der Filmemacher auch eine Zeitlang als Mentor gewählt hatte. Hier spricht er mit dem an Alzheimer erkrankten Honig, der noch immer verbale Pirouetten dreht. Über die einzelne Biografie hinaus fragt Berliner nach der Verbindung von Selbstwahrnehmung und Sprache. Urania: Fr 25.10., 13.30 + Metro: Sa 26.10., 21.00 (OF) A Fuller Life (USA 2013) R: Samantha Fuller. 80 min. Ein Fest für Samuel Fuller, ausgerichtet von seiner Tochter: In Fullers altem Büro liest eine bunte Gruppe von Bewunderern – James Franco, Joe Dante, Jennifer Beals, Monte Hellman etc. – aus seiner Biografie „A Third Face“. Dazu sind Archivaufnahmen zu sehen, darunter seine 16-mm-Aufnahmen aus dem Dienst im Zweiten Weltkrieg. Kino am Schwarzenbergplatz: Mo 4.11., 15.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Di 5.11., 18.30 (OF) Good Ol’ Freda (USA/GB 2013) R: Ryan White. 86 min. Da hat jemand eine unerzählte BeatlesGeschichte aufgestöbert: Freda Kelly war Beatles-Fan der ersten Stunde und blieb dann ihre Sekretärin bis zur Auflösung der Band. Ob die dezente Dame über mehr berichten kann und will als über irre Fanpost, bleibt zu sehen. Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 28.10., 23.30 + Urania: Mi 6.11., 21.00 (OF) The Great Flood (USA 2012) R: Bill Morrison. 80 min. „Louisiana, Louisiana, they’re tryin’ to wash us away.“ So besang Randy Newman die verheerende große Flut von 1927, der Found-Footage-Künstler Morrison hier in Archivaufnahmen nachforscht. Verwüstet sind teils auch die unrestaurierten Filmbilder. Die Musikbegleitung einer Formation um Bill Frisell arbeitet sich am Blues ab, den die Flut in den Norden trieb. Kino am Schwarzenbergplatz: Mi 6.11., 13.00 Gut Renovation (USA 2012) R: Su Friedrich. 81 min. Erst kamen die Künstler, dann folgte ihnen das
Geld, und jetzt muss Su Friedrich aus ihrer selbst renovierten Fabriksetage in Brooklyn ausziehen. Mit der Dringlichkeit einer Betroffenen, aber nicht ohne Witz, dokumentiert sie, wie die Mietpreise steigen, die Luxus-Appartmentblöcke aus dem Boden schießen und die Nachbarschaft sich verändert: „What’s with all the fancy dogs?“ Kino am Schwarzenbergplatz: Sa 2.11., 20.30 + Di 5.11., 13.00 (OF) Hélio Oiticica (BRA 2012) R: Cesar Oiticica Filho. 94 min. Hélio Oiticica war einer der wichtigsten südamerikansichen Künstler der 1960er- und 1970er- Jahre und Vorhut der Tropicália-Bewegung. Bekannt wurde er für seine begehbaren Skulpturen/Raum-Malereien, die Penetráveis. Im Film, den sein Neffe und Nachlassverwalter aus Archivmaterial erstellt hat, erklärt sich der 1980 früh verstorbene Künstler in eigenen Worten. Kino am Schwarzenbergplatz: Sa 26.10., 15.30 + Di 29.10., 23.00 (OmenglU) I Have Always Been a Dreamer (USA/Arabische Emirate 2012) R: Sabine Gruffat. 78 min. Bietet sich an als Partnerfilm zu Su Friedrichs „Gut Renovation“: ein Doppelportät der verfallenen (inzwischen insolventen) Industriestadt Detroit und der arabischen Reißbrett-Metropole Dubai. Das 16-mm-Material gibt den (teils mit Steadicam gedrehten) Aufnahmen etwas Zeitenthobenes, und auch sonst ist es Gruffat um Ungleichzeitigkeiten zu tun: Haben die Durchzugsstädte Detroit und Dubai vielleicht doch mehr miteinander gemein, als man meinen würde? Kino am Schwarzenbergplatz: Mi 6.11., 15.30 (OF) L’Image manquante (Kambodscha/F 2013) R: Rithy Panh. 90 min. Rithy Panh, der mit „S-21“ (2002) einen der klügsten Filme über Genozid gemacht hat, nähert sich den Verbrechen der Khmer Rouge diesmal mit anderen Mitteln. Der gründlichen Vernichtung von Bildern, die Verbrechen des Regimes bezeugen könnten, hält er neu gebastelte entgegen: In Tableaus mit spielzeuggroßen Miniaturfiguren stellt er seine Erinnerungen nach. Gartenbau: Mo 4.11., 15.30 + Metro: Di 5.11., 16.00 (OmenglU) In Sarmatien (D 2013) R: Volker Koepp. 122 min. Sarmatien nannten Römer und Byzantiner das Land zwischen Weichsel und Wolga. Die Region, die für diese am Rand der bekannten Welt lag, hat im Schaffen von Volker Koepp seit Jahrzehnten ihren festen Platz. Hier haben die Machtwechsel und Vertreibungen des 20. Jahrhunderts besonders markante Spuren hinterlassen. Metro: Di 5.11., 21.00 (OmU) + Urania: Mi 6.11., 16.00 (OmenglU) Katiyabaaz/Powerless (IND 2013) R: Fahad Mustafa, Deepti Kakkar. 82 min. Früher galt Kanpur als „Manchester des Ostens“, heute gibt es in manchem Teil der indischen Stadt mehr Stunden mit Stromausfall als mit Strom. Die Einwohner behelfen sich mit lebensgefährlichem Elektrizitätsdiebstahl, was die Leiterin des lokalen Energiekonzerns nicht dulden will. Wie die Kabel sind die Fronten aber reichlich verwickelt. Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 26.10., 18.30 + Urania: So 27.10., 24.00 (OmenglU) Kutchi Vahan Pani Wala/From Gulf to Gulf to Gulf (IND/Arabische Emirate 2013) R: Shaina Anand, Ashok Sukumaran. 83 min. Durch den arabischen Golf ziehen noch Handelsschiffe, die aus Holz gebaut sind. Die Matrosen solcher Schiffe haben dem indischen Kollektiv CAMP über vier Jahre Videoaufnahmen von Alltag und besonderen Ereignissen am Schiff geschickt. Diese Video-Flaschenpost wird von vielen der Amateuerfilmer mit indischem Pop unterlegt. Urania: Sa 2.11., 16.00 + Metro: Di 5.11., 11.00 (OmenglU) Lacrau (P 2012) R: João Vladimiro. 99 min. Von der Stadt aufs Land zieht es diesen sensualistischen Essayfilm. Enigmatische Szenenblöcke, interpunktiert mit Zitaten von Edmund Spenser oder Stig Dagerman, gehen auf Tuchfühlung mit Mutter Natur. Kino am Schwarzenbergplatz: So 27.10., 13.00 + Metro: Mo 28.10., 21.30 (OmenglU) Lenny Cooke (USA 2013) R: Josh Safdie, Benny Safdie. 90 min. Kein Heldenepos, sondern die Geschichte eines unspektakulären Niedergangs erzählt diese Sportlerdoku: 2001 war Lenny Cooke eine der großen Nachwuchshoffnungen im Basketball, bis heute hat er keine Minute in der NBA gespielt. Die Indie-FilmerBrüder Safdie folgen der Kette unglücklicher Entscheidungen, die Cooke aus dem Spiel warf. Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 6.11., 16.00 (OF) Let the Fire Burn (USA 2013) R: Jason Osder. 88 min. Eine Fehde mit der radikalen afroamerikanischen Gruppierung MOVE eskalierte am 13. Mai 1985, als die Polizei von Philadelphia das Reihenhaus der Gruppe bombardierte. Unter den Todesopfern waren fünf Kinder. Das Feuer zerstörte 61 Wohnhäuser, die Feuerwehr rückte nach über einer Stunde an. Osder hat keine neuen Interviews geführt, sondern zeigt zeitnahe Aufnahmen von Gerichtsverhören und ein Gespräch mit dem einzigen Überlebenden der Attacke. Urania: Di 5.11., 23.30 + Metro: Mi 6.11., 18.30 (OF)
Manakamana (USA/Nepal 2013) R: Stephanie Spray, Pacho Velez. 118 min. Neues aus dem Labor: Der jüngste Film aus Harvards Sensory Ethnography Lab, dem die Viennale heuer ein Schwerpunktprogramm widmet, zeigt Gondelfahrten zum hinduistischen Manakamana-Tempel und wieder hinunter. Eine Fahrt, eine Einstellung, eine 16-mm-Rolle – zwölfmal, mit wechselnder Pilger-Begleitung. Metro: Mi 30.10., 16.00 + Gartenbau: Fr 1.11., 12.30 (OmenglU) Manqana, romelic kvelafers gaaqrobs/The Machine Which Makes Everything Disappear (Georgien/D 2012) R: Tinatin Gurchiani. 97 min. Die Filmemacherin hat zum Casting geladen, eine Handvoll junger Georgierinnen und Georgier antwortet auf ihre eigenwilligen Fragen: „Kannst du weinen?“ – „Ja, lachen kann ich auch.“ Nach diesem Kameratest lassen die Ausgewählten die Kamera an Alltag und Wünschen teilhaben, stellen wichtige Ereignisse sogar als Spielszenen nach. Metro: So 27.10., 18.30 + Kino am Schwarzenbergplatz: Mo 28.10., 23.00 (OmenglU) Mara Mattuschka_Different Faces of an Anti-Diva (Ö 2013) R: Elisabeth Maria Klocker. 90 min. 2007 fragte Si.Si. Klocker mit „Die Frau, die Arbeit, die Kunst und das Geld“ nach den Arbeitsbedingungen von Medien- und Performancekünstlerinnen. Jetzt porträtiert sie eine der bedeutendsten experimentellen Filmemacherinnen Österreichs, die „Anti-Diva“ Mattuschka. Kino am Schwarzenbergplatz: Mo 4.11., 23.00 + Urania: Di 5.11., 18.30 (OmenglU) A Masque of Madness (Notes on Film 06-B, Monologue 2) (Ö 2013) R: Norbert Pfaffenbichler. 80 min. Kino als Frankensteins Maschine, Found-Footage-Montage als Leichenfledderei im Dienste höherer Erkenntnis: Aus etwa 170 verschiedenen Auftritten des legendärsten Monster- und exzellenten Charakterdarstellers Boris Karloff hat Pfaffenbichler diesen erstaunlich unterhaltsamen Monolog gebastelt. Kino am Schwarzenbergplatz: Mo 4.11., 18.00 (OmenglU) Mille soleils (F/Senegal 2013) R: Mati Diop. 45 min. In Djibril Diop Mambétys Meisterstück „ToukiBouki“ (1972) spielte Magaye Niang einen Mann, der mit seiner Geliebten von Dakar nach Paris fliehen will. Jungfilmemacherin Mati Diop, die Nichte des Regisseurs, findet Niang im Dakar der Gegenwart beim Rinder hüten. Hat er neue Fluchtpläne gefasst? Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 1.11., 18.30 + Metro: Sa 2.11., 18.30 (OmenglU) Northern Light (USA 2013) R: Nick Bentgen. 105 min. Wenn in dieser abgelegenen Gegend in Michigan der Schnee kommt, kann man entweder schwermütig werden oder sich auf das nächste große Schneemobilrennen freuen. Dieses Rennen bildet den dramaturgischen Anker und Höhepunkt der Beobachtung dreier Arbeiterfamilien in der Provinz, die Heartland heißt. Urania: Di 29.10., 16.00 + Kino am Schwarzenbergplatz: Mi 30.10., 18.00 (OF) El ojo del tiburón/The Shark’s Eye (E/ARG/Costa Rica 2013) R: Alejo Hoijman. 93 min. Haie jagen oder Drogen schmuggeln? Im Heimatdorf von Maicol und Bryan sind die Entscheidungen, die das Erwachsenwerden mit sich bringt, besonders schwer. Auch weil die Haie hier, an der Küste Nicaraguas, immer weniger werden. Diesen einen Sommer lang, den die Kamera die beiden begleitet, lässt sich die Welt aber noch in Schach halten. Kino am Schwarzenbergplatz: Fr 25.10., 23.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Di 5.11., 16.00 (OmenglU) Our Nixon (USA 2013) R: Penny Lane. 84 min. Richard Nixon – the gift that keeps on giving. Diese Doku durchschreitet Nixons Präsidentschaft entlang von Super-8-Aufnahmen dreier Berater, die während der Watergate-Ermittlungen konfisziert worden waren. Zu sehen gibt es Antikriegs-Demos, Nixons Chinatrip oder eine Ostereiersuche am Rasen des Weißen Hauses. Urania: Fr 25.10., 11.00 + Sa 26.10., 16.00 (OF) Pays barbare (F 2013) R: Yervant Gianikian, Angela Ricci Lucchi. 65 min. Das Found-Footage-FilmerDuo Gianikian/Ricci Lucchi arbeiten sich wieder an ethnografischem Film ab. „Pays barbare“ basiert auf kürzlich aufgefundenem Filmmaterial zu den Kolonialbestrebungen des faschistischen Italien in Afrika. An den Archivbildern soll auch das erotische Imaginäre des Kolonialismus anschaulich werden. Metro: Di 29.10., 21.00 + Do 31.10., 13.30 (OmenglU) Ricardo Bär (ARG 2013) R: Gerardo Naumann, Nele Wohlatz. 96 min. In diesem Film werden Glaubensfragen verhandelt: spirituelle und die des dokumentarischen Kontrakts. Naumann und Wohlatz wollen bei deutschstämmigen Siedlern in Argentinien drehen, sind aber unerwünscht. Da gehen sie mit dem ortsansässigen Farmersohn Ricardo Bär, der gern Pastor werden will, einen Deal ein ... Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 4.11., 18.30 + Urania: Di 5.11., 16.00 (OmenglU) Roland Klick – The Heart Is a Hungry Hunter (D 2013) R: Sandra Prechtel. 80 min. Konventionelles
fotos: Viennale
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fotos: Viennale
V i e n n a l e 1 3 Porträt des deutschen Konventionen-nicht-einmalIgnorierers Roland Klick. Der inszenierte Filme wie „Deadlock“ (1970) und „White Star“ (1983) zielsicher an den Interessen von Kunst- wie Publikumskino vorbei und strahlt auch heute vor der Kamera reichlich Abenteuerlust aus. Urania: So 3.11., 18.30 + Kino am Schwarzenbergplatz: Di 5.11., 23.00 (OmenglU) Rosso cenere/Red Ashes (F/I 2013) R: Augusto Contento, Adriano Aprà. 60 min. Stromboli heißt ein Vulkan, die Mittelmeerinsel, auf der er steht, und der berühmte Film, den Roberto Rossellini dort 1950 gedreht hat. Filmemacher Contento und Filmkritiker Aprà haben sich für „Rosso cenere“ selbst auf Stromboli begeben, um diese Ebenen der Insel durchzusortieren. Ihnen helfen dabei zwei Einwohner, die an Rossellinis Dreh beteiligt waren. Kino am Schwarzenbergplatz: Mo 4.11., 20.30 + Metro: Mi 6.11., 11.00 (OmenglU) Sacro GRA (I/F 2013) R: Gianfranco Rosi. 93 min. Wie eine Autobahn verfilmen? Gianfranco Rosi („El Sicario, Room 164“) zeigt weniger die römische Ringautobahn GRA selbst, stattdessen transportiert uns die Montage von einer leicht angeschrägten Alltagssituation am Stadtrand zur nächsten: vom Prinzen, der sein Anwesen für Filmdrehs vermietet, zum Biologen, der Palmen auf Parasiten ablauscht. Als erster Dokumentarfilm gewann „Sacro GRA“ den Goldenen Löwen in Venedig. Gartenbau: Di 5.11., 15.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 6.11., 23.30 (OmenglU) Salma (GB/IND 2013) R: Kim Longinotto. 90 min. Kim Longinotto hat schon viele Filme über Frauenunterdrückung und -ermächtigung gemacht, aber so eine irre wahre Geschichte hatte noch keiner: Als das indische Mädchen Salma 13 war, wurde sie von ihrer Familie eingesperrt. Die arrangierte Ehe, zu der man sie zwingen wollte, verweigerte sie für Jahre und begann zu schreiben. Frei kommt Salma, als ihre Werke berühmt werden. Ihre anschließende Reformversuche im Dorf stoßen auf erbitterten Widerstand. Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 26.10., 13.30 + Metro: So 27.10., 21.00 (OmenglU) Der Schmetterlingsjäger – 37 Karteikarten zu Nabokov (D 2012) R: Harald Bergmann. 135 min. Keine Literaturverfilmung, kein Film über den Autor Vladimir Nabokov, sondern ein Film, der Nabokovs Vorstellung von Zeit untersucht. Zwischen Spielszenen verhandeln ein Philosoph (Heinz Wismann) und ein Filmemacher (Klaus Wyborny), ob das Gedrehte Nabokovs Ideen gerecht wird. An der Kamera: Elfi Mikesch. Stadtkino im Künstlerhaus: Di 29.10., 21.00 (OmU) + Urania: Mi 30.10., 13.00 (OmenglU) Sickfuckpeople (Ö/Ukraine 2012) R: Juri Rechinsky. 75 min. Direct Cinema in seiner rabiateren Spielart: Filmer Rechinsky schaut obdachlosen ukrainischen Jugendlichen beim Drogenspritzen zu, er begleitet aber auch einige von ihnen bei ihren Gehversuchen in der Erwachsenenwelt. Ein Bub sucht im Heimatdorf nach seiner Mutter, ein schwangeres Mädchen will sein Kind gegen Widerstände behalten. Kino am Schwarzenbergplatz: So 27.10., 23.00 (OmenglU) + Mo 28.10., 18.30 (OmU) Sing Me the Songs That Say I Love You (USA/CAN 2012) R: Lian Lunson. 108 min. Lieder der großen, 2010 verstorbenen Singer/Songwriterin Kate McGarrigle, vorgetragen von ihren Kindern Rufus und Martha Wainwright und diversen Gästen (Emmylou Harris, Norah Jones, Justin Vivian Bond). Zwischen den Konzertaufnahmen: Erinnerungen an die Mutter. Stadtkino im Künstlerhaus: Di 29.10., 24.00 + Gartenbau: Fr 1.11., 15.30 (OF) A Spell to Ward Off the Darkness (F/NOR/FIN/ Estland 2013) R: Ben Russell, Ben Rivers. 98 min. Drei Sequenzen, drei Erfahrungen von Gegenwart: Erst ist der Mann (Musiker Robert A.A. Lowe) in einer Kommune in Estland, dann allein in der Wildnis Nordfinnlands, dann Sänger einer Black-Metal-Band in Norwegen. In ihrer gemeinsamen Arbeit führen die beiden Bens Russell und Rivers locker ihre jeweiligen Themenkataloge zusammen: auch eine Form von Kommunion. Trip-Verdacht! Kino am Schwarzenbergplatz: Mi 30.10., 20.30 (OF) Stemple Pass (USA 2012) R: James Benning. 121 min. Eine Hütte mitten im Wald, wo sich Abschottungsmentalität und Naturromantik gute Nacht sagen. Vier halbstündige Einstellungen, Frühling, Herbst, Winter, Sommer. Ein Off-Text zwischen Naturbetrachtung und brutalen Kalkulationen. Der Text stammt vom Unabomber Ted Kaczynski. Dessen Waldhütte hat Filmemacher James Benning nachgebaut, im Rahmen seines „Two Cabins“-Projekts, zu dem dieser Film gehört. Kino am Schwarzenbergplatz: So 3.11., 18.00 + Urania: Di 5.11., 11.00 (OF) Sto lyko/To the Wolf (GR/GB 2013) R: Aran Hughes, Christina Koutsospyrou. 74 min. Das Wetter ist schlecht an diesen vier Tagen, aber das ist in dem griechischen Bergdorf das geringste Problem. Ihre
Tiere bringen sie kaum mehr an, stattdessen müssen diese herhalten, wenn der angestaute Frust nach außen bricht. Schwer von Begriff, wer bei solchem Ingrimm nicht an die Lage der Nation denkt. Urania: Mo 4.11., 13.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 6.11., 18.30 (OmenglU) Terra de ninguém/No Man’s Land (P 2013) R: Salomé Lamas. 72 min. Bekenntnisse eines Auftragsmörders: Paulo Figueiredo berichtet von seinem Leben als Söldner in portugiesischen, spanischen und amerikanischen Staatsdiensten. Die Wahrheit seiner Angaben interessiert Filmemacherin Lamas weniger als die ungerührte Performance des Mannes, der eine 15-jährige Haftstrafe abgesessen hat und vom Duft frischen Bluts zu schwärmen weiß. Stadtkino im Künstlerhaus: Do 31.10., 23.30 + Urania: Fr 1.11., 18.30 (OmenglU) This Ain’t No Mouse Music! (USA 2013) R: Chris Simon, Maureen Gosling. 92 min. Chris Strachwitz ist seit über 50 Jahren Spezialist für US-amerikanische Roots Music von Blues bis Tex-Mex. Gemeinsam mit dem Leiter des legendären Labels Arhoolie Records unternehmen die Filmemacher einen Trip quer durchs Land. Bei aller regionalen Vielfalt eint die verschiedenen Musiker ein gemeinsames Feindbild: gleichförmige Kommerzmucke vulgo „mouse music“. Urania: Do 31.10., 16.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 1.11., 23.30 (OmenglU) Those Who Go Those Who Stay (Ö 2013) R: Ruth Beckermann. 75 min. Welturaufführung von Ruth Beckermanns neuem Film: Nach den „American Passages“ spannt sich ihr neues Montagegewebe über Europa und den Mittelmeerraum. Zentrales Thema sind freiwillige und unfreiwillige Reisebewegungen. Gartenbau: Fr 25.10., 18.00 + Urania: So 27.10., 13.30 (OmenglU) Three Landscapes (USA/Äthiopien 2013) R: Peter Hutton. 47 min. Wo James Benning Landschaften vermisst, da setzt sich Peter Huttons Kino ihnen aus. Sein neuer Film zeigt das Industriegebiet rund um Detroit (wo Hutton aufwuchs), die Grasflächen des Hudson River Valley (wo er jetzt lebt) und eine äthiopische Salzwüste (wo er im Auftrag Robert Gardners hinkam). Metro: Fr 25.10., 16.00 + Mo 28.10., 11.00 Un voyageur (F 2013) R: Marcel Ophüls. 106 min. Marcel Ophüls, Regisseur dringlicher Dokumentarfilme wie „La chagrin et la pitié“ oder „Hôtel Terminus“, gibt in seinen Film-Memoiren den jovialen Anekdotentandler. Vater Max Ophüls ist nur einer von vielen Filmemachern und Stars, die in seinen Erzählungen vorkommen. Einige schauen auch persönlich vorbei: Jeanne Moreau trifft Ophüls im Restaurant, mit Frederick Wiseman plaudert er auf einem Skitrip. Urania: Mi 30.10., 16.00 + Kino am Schwarzenbergplatz: Di 5.11., 15.30 (OmenglU) Weekend of a Champion (USA/Monaco 1971/2012) R: Frank Simon. 93 min. Wer bei „Rush“ zuwenig Boliden-Kicks und Tribünen-Glamour bekam, sollte an dieser Formel-1-Trouvaille Gefallen finden: Frank Simon hinter und Roman Polanski vor der Kamera begleiten Dreifach-Weltmeister Jackie Stewart beim Rennen von Monte Carlo. Mit Polanskis Unterstützung wurde diese vergessene Doku restauriert. Gartenbau: Mo 28.10., 20.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Di 29.10., 11.00 (OmU) Wo Guxiang De Sizhong Siwang Fangshi/Four Ways to Die in My Homewtown (China 2012) R: Chai Chunya. 92 min. Der Landflucht in China begegnet der Film mit mehr spirituellen als soziologischem Interesse: Von Visionen gewarnt, kehrt Studentin Ga Gui nach Hause zurück zum kranken Vater. Wie sich nach buddhistischem Glauben auf den Tod vorbereitet, zeigt Chai Chunya in kräftig stilisierten, symbolverhangenen Bildern. Urania: Mi 30.10., 18.30 (OmenglU) Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe (D 2013) R: Philipp Hartmann. 80 min. Philipp Hartmann hat ein Problem mit der Zeit. Chronophobie, sagen die Ärzte. Also hat er einen Film gedreht, der sich mit Zeit befasst, genauer: mit Zeit als dem Leben wie dem Filmen inhärentes Phänomen. 76,5 Jahre ist die statistische Lebenserwartung des Filmemachers, 76,5 Minuten dauert (minus Credits) sein Film. Stadtkino im Künstlerhaus: Do 31.10., 21.00 + Metro: Sa 2.11., 11.00 (OmenglU
Kurzfilme America (F/USA 2013) R: Valérie Massadian D: Solomon Calvert-Adera. 7 min. Die idealen Vorbedingungen für Fotografin Massadian, einen Kurzfilm zu drehen: an einem Tag, eine ganze Filmrolle durch, in einer Einstellung, ohne Schnitt. Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 26.10., 23.30 + Urania: Mi 6.11., 11.00 (OF) Arbor (USA 2012) R: Janie Geiser. 7 min. Fotografien von Frauen und Männer aus Arbor, die quasi von
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Natur überwuchert werden. Ohne Dialog. Kino am Schwarzenbergplatz: Mi 6.11., 15.30 Audition (USA 2013) R: Bob Byington D: Onur Tukel, Nikki Valdez, Bob Byington, Ted Beck. 5 min. Vier Schauspieler, zwei Männer und zwei Frauen, bei einem Casting: „Why are we here? To have fun? To be creative?“ Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 28.10., 21.00 + Kino am Schwarzenbergplatz: Di 29.10., 13.00 (OF) Cha Fang/The Questioning (China 2013) R: Zhu Rikun. 21 min. Die titelgebende Befragung fand im Juli 2012 statt: Filmer Zhu Rikun und ein Menschenrechtsaktivist aus der Provinz Jiangxi werden von der Polzei vernommen. Kino am Schwarzenbergplatz: Mo 28.10., 18.00 + Metro: Di 29.10., 11.00 (OmenglU) Creme 21 (Ö 2013) R: Eve Heller. 10 min. FoundFootage-Forschung zum Wesen der Zeit: So schnell können zehn Minuten vergehen! Kino am Schwarzenbergplatz: Sa 2.11., 20.30 + Di 5.11., 13.00 Dad’s Stick (GB 2012) R: John Smith. 5 min. Mit drei Gegenständen aus dessen Verlassenschaft gestaltet Smith, der zweiten Generation englischer Strukturalisten angehörend, ein „Porträt“ seines Vaters. Urania: Do 31.10., 18.30 + Kino am Schwarzenbergplatz: Sa 2.11., 13.00 (OF) Filme von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub (BRD / F/CH 1954–2013) R: Danièle Huillet, Jean-Marie Straub. 81 min. Zwei neue Arbeiten von Straub: „Un conte de Michel de Montaigne“ (F/CH 2012) und „Dialogue d’ombres“ (CH/F 1954–2013), eine Weltpremiere nach einem Text von Georges Bernanos. Dazwischen: „Machorka-Muff“ (BRD 1962), das Filmdebüt von Straub-Huillet – ein knapper, böser Kommentar zur Wiederaufrüstung der Bundesrepublik. Kino am Schwarzenbergplatz: Fr 25.10., 20.30 + Metro: So 27.10., 16.00 (OmU) Hab’ so lang auf dich gewartet (Ö 2012) R: Claudia Siefen. 4 min. Suspense: vom Moment, in dem eine Schürze angehoben wird. Kino am Schwarzenbergplatz: Di 29.10., 20.30 + Urania: Di 5.11., 14.00 Jerry & Me (USA 2012) R: Mehrnaz Saeedvafa. 38 min. „Dean & Me“ nannte Lewis sein letztes Buch. „Jerry & Me“ nennt Filmmacherin Saeedvafa, aus Iran gebürtig, so gewitzt ihre Doku über Jerry Lewis – und darüber, was dieser für sie und ihre Arbeit bedeutet hat. Metro: Sa 26.10., 18.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: So 27.10., 13.30 (OmenglU) Kurzfilmprogramm 1 70 min. Gezeigt werden Arbeiten von Ben Russell: „Let Us Persevere in What We Have Resolved Before We Forget“ (USA/F/Vanuatu 2013), Amit Dutta: „Museum of Imagination“ (IND 2012), Wojciech Bakowski: „Suchy Pion“ (PL 2012) und Karl Heil: „Les Chats de l’Atalante“ (D 2013). Kino am Schwarzenbergplatz: Mo 28.10., 13.00 (OmenglU) Kurzfilmprogramm 2 65 min. Formal avancierte, kurze Videoarbeiten von Stephen Connolly: „Zabriskie Point (Redacted)“ (GB 2013), Sergei Loznitsa: „Letter“ (RUS/NL 2013) und Luciano Piazza: „Windows By Night“ (ARG/USA 2013). Kino am Schwarzenbergplatz: Mi 30.10., 15.30 + Urania: Do 31.10., 11.00 (englOF) Kurzfilmprogramm 3 58 min. Ein schlankes Avantgarde-Programm mit Shorts von Christoph Girardet und Matthias Müller: „Cut“ (D 2013), Tom Rosenberg: „Rehearsal“ (USA 2013) und Ohata Hajime: „DaiKenjyu“ (J 2008). Urania: Do 31.10., 23.30 + Kino am Schwarzenbergplatz: Sa 2.11., 15.30 (OmenglU) Kurzfilmprogramm 4 60 min. Das „ethnografische“ Programm, wenn man so will, mit Arbeiten von Alexandra Cuesta: „Despedida“ (USA/Ecuador 2013) und Benjamin Triven: „A Third Version of the Imaginary“ (USA/Kenia 2012) und Harun Farocki: „Ein neues Produkt“ (D 2012). Metro: Di 5.11., 18.30 + Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 6.11., 13.30 (OmenglU) Land of Nod (USA 2013) R: Coleen Fitzgibbon. 21 min. Impressionen, die Fitzgibbon in den 1980ern in der Lower East Side aufnahm, hat die Avantgardistin nun digitalisiert und zu einem sehenswerten 20-Minüter montiert. Stadtkino im Künstlerhaus: Di 29.10., 18.30 + Metro: Mi 30.10., 11.00 (OF) Listening to the Space in My Room (CH/D/USA 2013) R: Robert Beavers. 19 min. Gewoben aus BildTon-Farbe-Dauer-Bewegung-Ruhe-und-Stille: eine Ode an Schönheit und Mühsal der menschlichen Existenz. Metro: Fr 25.10., 16.00 + Mo 28.10., 11.00 (OF) Livepan (Ö 2013) R: Sasha Pirker. 2 min. Bügelbrett vor Ziegelwand: eine Raumvermessung. Kino am Schwarzenbergplatz: Mo 4.11., 23.00 O Som e a Fúria presents (P 2013) R: Sandro Aguilar /Telmo Churro/Miguel Gomes. 73 min. Die frei nach William Faulkner (The Sound and the Fury) benannte Filminitiative stellt drei Arbeiten bedeutender portugiesischer Filmer vor – „Jewels“ von Sandro Aguilar, „Rei inútil“ von Telmo Churro, „Redemption“ von Miguel Gomes, der im Vorjahr mit „Tabu“ auch bei uns regulär im Kino vertreten war. Stadtkino im
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Tribute Will Ferrell
Weltumarmungskomik: Viennale-Stargast Ferrell
Will Farrell als „Anchorman“ und Spanisch redend in „Casa de mi padre“
S-Komiker Will Ferrell als Stargast der Viennale – ein wenig ist U das schon so wie der große, herzzer-
reißende Kuss am Ende von „Talladega Nights“, wenn NASCAR-Fahrer Ricky Bobby (Will Ferrell), der selbstzufriedene Prolo, seine Nemesis, den intellektuellen Formel-1Fahrer Jean Girard (Sascha Baron Cohen), knutscht. Ein gegenseitiger Kulturschock, aufgehoben in einer Geste der Weltumarmung. Genau diese Bewegung vollführen Ferrells beste Filme freilich selbst immer wieder: Sie geben sich so populistisch lowbrow wie seine MannskindFiguren überzogen selbstbewusst, um dann fröhlich den mehrheitsamerikanischen Gewissheiten die Tischbeine wegzusägen. Das lässt sich im Viennale-Programm nicht nur an verbrieften Klassikern wie Ferrells beiden ersten und besten Arbeiten mit Adam McKay, „Anchorman: The Legend of Ron Burgundy“ (2004) und eben „Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby“ (2006), studieren, sondern auch an einer einnehmend wunderlichen Produktion wie „Casa de mi padre“ (2012): Der Film ist eine Telenovela-Parodie mit vielen fadenscheinigen Schauwerten, seifigen Dialogen und Zeitlupenexzessen, aber der Blick ist wundersamerweise nicht so sehr ein hämischer auf die „kleinere“ Filmindus trie im Süden, sondern ein besorgter zurück auf die USA und ihren exterritorial geführten war on drugs. Dass Will Ferrell durchwegs englisch untertiteltes Spanisch spricht, wird hier nie als Witz gesetzt. Wenn solche schlauen Dummheiten fürderhin auch ohne Stargast im Viennale-Programm landen, umso besser.
JOACHIM SCHÄT Z
Die einzelnen Termine finden Sie im Programmteil
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Special Das Rohe und das Gekochte
Schwindel in Beton und Serie: Johann Lurfs Filme
Sachen gibt’s: „Kreis Wr. Neustadt“, in 3D umrundet von Johann Lurf
ie kurzen Filme und Videos, die der Wiener Johann Lurf seit 2003 D gemacht hat, sehen recht verschieden
aus. Gemeinsam ist ihnen – die man oft als Wahrnehmungsspiel bzw. -studie klassifiziert –, dass sie von zwei gegenläufigen Tendenzen, nun ja: zusammengehalten werden. Zuerst ist da ein Raum, meist ein urban-industrieller; kann aber auch ein Wald oder das Weltall sein, eine Vösendorfer Mehrzweckpyramide, eine US-Torpedotestanlage. Die eine Tendenz gibt sich dem Raum so hin, dass daraus handlungslogisch gesehen Kräfte frei werden und wahrnehmungslogisch gesehen Atmosphären. Die andere Tendenz behält kühlen Kopf, unterwirft denselben Raum einem Konzept; da bildet sich handlungslogisch die Anmutung eines Automatismus, wahrnehmungslogisch ein Inventar. Etwa „12 Explosionen“: nächtliche Straßen, Parkplätze, das Jonasreindl; immer wieder ohne jeden Grund eine Feuerwerksexplosion. Jedes Bild wird spooky, auch in Suspense versetzt, im Warten auf den nächsten Knaller: Wann kommt der und wo? Immer an der Schnittnaht zwischen zwei Perspektiven auf „beliebige Räume“, die so von Antonioni sein könnten. Wenn Lurf Explosionen, automatisch wechselnde Raketenflugansichten oder das ebenso vertiginöse Abfahren zugekunsteter Wiener Neustädter Kreisverkehre inventarisiert, entsteht ein Formenarchiv jüngerer Filmavantgarden mit – Snow & Gehr, Kren & Pirker, Kamensky & Tscherkassky. Dadurch, dass solche Namensraketen im Kopf aufblitzen, sind wir noch mehr in Suspense, und die Avancen, die Lurfs berechnetes Versetzen in Schwenks, Fahrten und Kamera schleudern unseren Sinnen macht, werden umso frivoler. D R . R O B N I K Metro: Mi, 30.10., 21.00 und Do, 31.10., 11.00
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Künstlerhaus: Di 5.11., 13.30 + Kino am Schwarzenbergplatz: Mi 6.11., 18.00 (OmenglU) Para armar un helicóptero/To Put Together a Helicopter (MEX 2012) R: Izabel Acevedo D: Roberto Pichardo, Tomihuatzi Xelhua, Angeles Cruz. 37 min. Dauerregen hat die Energieversorgung von Mexico City lahmgelegt: Nur der 17-jährige Oliverio weiß, was da zu tun ist. Urania: Mo 4.11., 18.30 (OmenglU) Presence (IND 2012) R: Yashaswini Raghunandan, Ekta Mittal. 18 min. Urbane Ghost Story: Baugerüste in Bangalore erzählen vom Wachstum der drittgrößten Stadt Indiens – wer aber erzählt die Geschichten der Wanderarbeiter, die sie erbauen? Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 1.11., 18.30 + Metro: Sa 2.11., 18.30 (OmenglU) Ritournelle (D 2012) R: Christopher Becks. 4 min. Bilder seiner Wohnung in Berlin hat Filmer Becks zu Tonaufnahmen von Peter Miller aus einer anderen Stadt montiert. Metro: Di 29.10., 21.00 + Do 31.10., 13.30 Still Dissolution (Ö 2013) R: Siegfried A. Fruhauf. 3 min. Mikrostrukturelles, ein Bild löst sich auf. Kino am Schwarzenbergplatz: Mo 4.11., 18.00 Stoplight Liberty (USA 2013) R: Kevin Jerome Everson. 2 min. Everson, geboren 1965, gilt als kommende Kraft der US-amerikanischen Filmavantgarde: Hier stehen wir zwei Minuten vor einer Ampel vor der Statue of Liberty. Stadtkino im Künstlerhaus: So 27.10., 23.30 Viennale-Trailer 2013: Illusions & Mirrors (USA/Ö 2013) R: Shirin Neshat. 2 min. Parfümiertes Plagiat der Meisterwerke von Maya Deren und Alexander Hammid: mit Natalia Portman am Fenster und am Strand. Gartenbau: Do 24.10., 19.30, 23.00 La voce di Berlinguer (I 2013) R: Mario Sestio, Teho Teardo. 20 min. Enrico Berlinguer, in den 1970ern der Führer der italienischen Kommunisten, hält eine Rede: dazu Bilder von Massenkundgebungen und Gesichter in Großaufnahme. Kino am Schwarzenbergplatz: Mo 4.11., 20.30 + Metro: Mi 6.11., 11.00 (OmenglU)
Tribute: Will Ferrell Anchorman: The Legend of Ron Burgundy (USA 2004) R: Adam McKay D: Will Ferrell, Christina Applegate, David Koechner, Paul Rudd, Vince Vaughn. 94 min. Will Farrell als Anchorman einer Fernsehstation im San Diego der 1970er bekommt Konkurrenz durch Christina Applegate: ein herzhaft blödes Abenteuer aus jener fernen Zeit vor der Erfindung des Kabelfernsehen, als noch die Faustregel galt: „Only men were allowed to read the news!“ Urania: Fr 25.10., 23.30 + Gartenbau: Mi 6.11., 17.00 (OF) Blades of Glory (USA 2006) R: Josh Gordon, Will Speck D: Will Ferrell, John Heder, Will Arnett, Craig T. Nelson, William Fichtner, Amy Poehler. 93 min. Bubenbodyburleske um zwei rivaliserende Eisläufer, die nach einer Schlägerei vom Verband geschasst werden und später als erstes männliches Duo in der Geschichte des Eiskunstlaufs ein fulminantes Comeback hinlegen. „Spaß regiert, Power pulsiert: Spür das Eis!“ (Dr. Robnik) Gartenbau: Di 29.10., 11.00 + Stadtkino im Künstlerhaus: So 3.11., 24.00 (OF) Casa de mi padre (USA 2012) R: Matt Piedmont D: Will Ferrell, Gael García Bernal, Diego Luna, Nick Offerman, Pedro Armendáriz Jr. 84 min. SpaghettiWestern-Verarsche, gedreht auf Spanisch (mit engl. Untertiteln): Luna und Bernal sind rivalisierende Drogenhändler, was Ferrell südlich der Grenze zu suchen hat, spielt keine Rolle. Singulärer Höhepunkt: ein Shoot-out à la Peckinpah in extremer Zeitlupe. Stadtkino im Künstlerhaus: So 27.10., 16.00 + Metro: Mi 6.11., 13.30 (OmenglU) Old School (USA 2002) R: Todd Phillips D: Luke Wilson, Will Ferrell, Vince Vaughn, Jeremy Piven. 90 min. Drei ehemalige Studienfreunde in der Midlife-Crisis mieten sich am Campus ein und lassen ordentlich die Sau raus. Einziger Lichtblick: Juliette Lewis alias Heidi. Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 26.10., 16.00 + Metro: Mo 4.11., 16.00 (OF) Safety Last! A Selection of Shorts, Sketches and Skits (USA 1995–2012) R: Adam McKay et al. D: Will Ferrell, Christopher Walken, Pierce Brosnan, Jim Carrey. 70 min. Programm mit Sketches von „Funny or Die“, einer Comedy-Website, die Ferrell und McKay im Jahr 2007 gründeten, darunter: „The Landlord“ und „Between Two Ferns With Zach Galifianakis“, anschließend: 12 Sketches aus der legendären NBCShow „Saturday Night Live“, in der Ferrell ab 1995 mitgewirkt hat. Kino am Schwarzenbergplatz: Sa 2.11., 23.00 (OF) Step Brothers (USA 2008) R: Adam McKay D: Will Ferrell, John C. Reilly, Mary Steenburgen, Richard Jenkins. 98 min. Albernheiten um zwei 40-Jährige, die noch bei ihren jeweils alleinerziehenden Elternteilen wohnen: Als jene sich verlieben und zusammenziehen,
müssen die neuen Stiefbrüder sich nolens volens arrangieren. Gartenbau: Do 31.10., 13.00 (OF) Stranger Than Fiction (USA 2006) R: Marc Forster D: Will Ferrell, Maggie Gyllenhaal, Dustin Hoffman, Queen Latifah, Emma Thompson, Tom Hulce. 113 min. Schriftstellerin hat ein Problem: Sie weiß nicht, wie sie die Hauptfigur ihres neuen Romans umbringen soll. Diese Figur, ein biederer Steuerprüfer, hat ebenfalls ein Problem: Er hört die Erzählstimme der Autorin und weiß deshalb um seinen baldigen Tod. Geht sich da noch ein Happy End aus? Grundsolide, gemütliche Mindgame-Komödie. Stadtkino im Künstlerhaus: Di 29.10., 16.00 (OF) Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby (USA 2006) R: Adam McKay D: Will Ferrell, John C. Reilly, Sacha Baron Cohen, David Koechner, Amy Adams, Elvis Costello. 108 min. Forciert unsubtile Komödie aus der fernen Welt der Rednecks und ihrer geliebten NASCAR-Autorennen. Ricky Bobby (Ferrell) wird Champion, „indem er über die Konflikte mit seinem besten Freund (Reilly) sowie einem schwulen, Camus-lesenden Widersacher aus Frankreich (Cohen) hinauswächst: ‚I’ll be your predateur, Ricky Böbby!‘“ (Christoph Huber) Urania: Mo 28.10., 16.30 + Gartenbau: Di 5.11., 23.30 (OF) Will Ferrell: You’re Welcome, America (USA 2009) R: Marty Callner D: Will Ferrell, Pia Glenn, Adam Mucci, Patrick Ferrell. 92 min. HBO übertrug die von Will Ferrell verfasste Broadway-Komödie live im März 2009: A final night with George W. Bush! Stadtkino im Künstlerhaus: Fr 25.10., 16.00 (OF) Zoolander (USA/D/AUS 2001) R: Ben Stiller D: Ben Stiller, Owen Wilson, Will Ferrell, Milla Jovovich, Jon Voight. 89 min. Die allmächtige Modebranche plant ein Komplott: Alle Politiker, die sich für ein Verbot von Kinderarbeit stark machen, sollen aus dem Weg geräumt werden. Für künftige Filmhistoriker interessant: Aus der Skyline von Manhatten ward hier das WTC erstmals herausretuschiert. Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 30.10., 23.30 (OF)
Tribute: Gonzalo García Pelayo Corridas de alegría (E 1982) R: Gonzalo García Pelayo D: Carla Antonelli, Luis Barboo, Luis Fernández, Javier García Pelayo. 74 min. Miguel ist aus dem Gefängnis geflohen. Erstens will er seine Freundin Dina, zweitens offene Rechnungen begleichen. Javier, ein exaltierter Zocker, möchte ihm dabei helfen. Noir Buddy Movie. Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 6.11., 21.00 (OmenglU) Frente al mar (E 1978) R: Gonzalo García Pelayo D: Ana Bernal, Javier García Pelayo, José Grau. 87 min. Erotikon: Während einer Reise von Sevilla nach Chipiona erforschen drei Paare die Freuden des Partnertauschs. Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 4.11., 16.00 (OmenglU) Manuela (E 1976) R: Gonzalo García Pelayo D: Charo López, Fernando Rey, Máximo Valverde. 102 min. Manuelas Vater, ein Wilderer, wird vom Gutsherren erschossen. Die stolze junge Frau und ihre Mutter müssen sich fortan allein durchs Leben fretten. – Pelayos Regiedebüt ist klassisches Erzählkino und zelebriert gleichzeitig dessen Zertrümmerung im Zeichen der Kinomoderne. Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 2.11., 18.30 + Di 5.11., 11.00 (OmenglU) Rocío y José (E 1982) R: Gonzalo García Pelayo D: Curro Franco, Miguel Ángel Iglesias, María José López. 79 min. Die scheue Liebe der jungen Titelhelden dient hier als willkommener Vorwand, ein Spektakel zu filmen: den Tross gläubiger Wallfahrer nach El Rocio, eine Ortschaft am Rande von Andalusien. Stadtkino im Künstlerhaus: So 3.11., 16.30 (OmenglU) Vivir en Sevilla (E 1978) R: Gonzalo García Pelayo D: Miguel Ángel Iglesias, Lolo Sordo, Ana Bernal. 112 min. „Das Kardinalwerk Pelayos: eine Stadt-Collage, in der die Liebesgeschichte zwischen Ana und Miguel von ständiger Bewegung bestimmt ist – es ist eine Bewegung zueinander hin und voneinander weg, die Geschichte einer Liebe als Ausgangs- und zugleich Fluchtpunkt.“ (Olaf Möller) Stadtkino im Künstlerhaus: Di 5.11., 21.00 (OmenglU)
Special Programs Out 1 – Noli me tangere (F 1970/90) R: Jacques Rivette D: Jean-Pierre Léaud, Juliet Berto, Michael Lonsdale, Bernadette Lafont, Bulle Ogier. 769 min. „‚Out‘ ist ein Film, in dem die Personen sich aufeinanderzubewegen, ohne sich je wirklich zu berühren. Sobald sie sich zu nahe kommen, entsteht wie in der Elektrizität so etwas wie ein Gegenstrom, der sie sofort auseinanderbringt. Es gibt viele Momente des Aufeinanderzugehens in dem Film, die jedoch immer, fast immer, unterbrochen werden: ‚noli me
tangere‘ – berühre mich nicht.“ (J. Rivette) – Gezeigt in vier Tranchen an einem Tag, mit einem Gespräch mittendrin (17.45 Uhr, Eintritt frei)! Metro: Fr 1.11., 10.00, 13.45, 17.45, 19.00, 22.30 (OmU) Tih-Minh (F 1918) R: Louis Feuillade D: René Cresté, Mary Harald, Georges Biscot, Édouard Mathé, Louis Leubas, Gaston Michel, Marcel Maruet. 497 min. Jacques d’Athys, ein junger Forschungsreisender, jagt 12 Episoden lang einem Schatz in Indien hinterher: Der Hindu Kistna, ein Chemiker namens Wilson und ein deutscher Spion wollen ihm das Geheimnis abpressen, kidnappen seine Verlobte und flößen ihr einen Trank des Vergessens ein, der Tih-Minh in eine „lebende Tote“ verwandelt. Tolles Stummfilmserial, hier in vier Tranchen gezeigt. Metro: Sa 2.11., 13.30 + So 3.11., 13.30 + Mo 4.11., 13.30 + Di 5.11., 13.30 (OmfrzU)
Das Rohe und das Gekochte Filme von Claudia Larcher (Ö 2008–2013) R: Claudia Larcher. 19 min. Bekannt durch Installationen wie „The Replicated Gaze“, arbeitet Larcher sich im Film an Räumen ab, die nicht selten etwas Albtraumhaftes haben. Vier ihrer Filme laufen, zwei und zwei, als Vorprogramm: „Heim“ (2008) und „Baumeister“ (2012) am 31.10. sowie 2.11., „Empty Rooms“ (2011) und „Yama“ (2011) nur am 6.11. Stadtkino im Künstlerhaus: Do 31.10., 21.00 + Metro: Sa 2.11., 11.00 + Kino am Schwarzenbergplatz: Mi 6.11., 13.00 Filme von Jennifer Reeder (USA 2012/13) R: Jennifer Reeder. 65 min. Kindheitserinnungen und Girlhood-Fantasien gehören zu den wesentlichen inhaltlichen Paramatern der gewitzten, oft musikalisch inspirierten Kurzfilmen der amerikanischen Videokünstlerin Jenny Reeder: „And I Will Rise If Only to Hold You Down“ (2012), „Seven Songs About Thunder“ (2010), „Answer. Now. (Loop Version)“ (2013), „Girls Love Horses“ (2013). Kino am Schwarzenbergplatz: So 3.11., 21.00 + Mo 4.11., 13.00 (OmenglU) Filme von Johann Lurf (Ö 2003–2013) R: Johann Lurf. 63 min. Passage durchs Œuvre des Experimentalfilmers Lurf, dessen Arbeiten vor allem durch ihre technischen Furor bestechen: „ohne Titel“ (2003), „pan“ (2005), „Vertigo Rush“ (2007), „12 Explosionen“ (2008), „Zwölf Boxkämpfer jagen Viktor quer über den großen Sylter Deich 140 9“ (2012), „Endeavour“ (2010), „Kreis Wr. Neustadt“ (2010), „Reconnaissance“ (2012), „Picture Perfect Pyramid“ (2013). Metro: Mi 30.10., 21.00 + Do 31.10., 11.00 Filme von Nicolás Guillén Landrián (Kuba 1963– 1968) R: Nicolás Guillén Landrián. 74 min. Der vor zehn Jahren verstorbene Avantgardefilmer und Maler ist der große Unbekannte unter Kubas bedeutenden (Film-)Künstlern. Auch im eigenen Land stieß der politische Abweichler, der sich nicht scheute, Fidel Castro zu den Beatles (The Fool on the Hill!) tanzen zu lassen, auf Widerstand. – Raritätenprogramm mit „En un barrio viejo“ (1963), „Los del baile“ (1965), „Ociel del toa“ (1965), „Reportaje“ (1966), „Retornar a Baracoa“ (1966) und „Coffea Arábiga“ (1968). Kino am Schwarzenbergplatz: Mo 28.10., 20.30 + Mi 30.10., 23.00 (OmenglU) Sandra Gibson & Luis Recoder: Live-Cinema (USA 2011–13). 60 min. Gibson/Recoder zeigen ihre 35-mm-Doppelprojektions-Performance „Aberration of Light: Dark Chamber Disclosure“, bei der Found Footage durch Änderungen des Fokus und Lichtbrechung zur Unkenntlichkeit entstellt wird. Expanded Cinema, light is all you need! (Publikumsgespräch im Anschluss) Filmmuseum: Do 31.10., 21.00
In Focus: John Torres Ang ninanais / Refrains Happen Like Revolutions in a Song (Philippinen 2010) R: John Torres D: Che Villanueva, Tope Grabato, Ciriaco Gibraltar. 118 min. Von leichter Hand inszeniertes Cine-Poem, das drei Geschichten ineinander webt, die während der Befreiungskriege gegen die US-amerikanischen und spanischen Kolonisatoren spielen und, weiter zurück, zudem in eine mystische Vorzeit verweisen. Stadtkino im Künstlerhaus: Mi 30.10., 13.00 (OmenglU) Kurzfilme von John Torres (Philippinen 2004– 2012) R: John Torres. 89 min. Acht vom Filmemacher selbst ausgewählte Kurzfilme: „Tawidgutom“ (2004), „Salat“ (2004), „Hai, They Recycle Heartbreaks in Tokyo So Nothing’s Wasted“ (2009), „Very Specific Things At Night“ (2009), „We Don’t Care for Democracy, This Is What We Want: Love and Hope and Its Many Faces“ (2010), „Silent Film“ (2011), „Muse“ (2011), „Mapang-akit“ (2012). Metro: So 3.11., 18.30 (OmenglU)
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V i e n n a l e 1 3 Taon noong ako’y anak sa labas/Years When I Was a Child Outside (Philippinen 2008) R: John Torres D: Donna Miranda, Ian Lomongo, Chico Pace, Mario Lim. 105 min. Geschichte eines Außenseiters: Als der erwachsene Sohn eines Autors, der sich in den 1980ern mit Erziehungsratgebern einen Namen machte, von dessen unehelichen Nachkommen erfährt, beschließt er davonzulaufen. Kino am Schwarzenbergplatz: Fr 1.11., 18.00 (OmenglU) Todo Todo Teros (Philippinen 2006) R: John Torres D: Olga Aliseichyk, Bughaw, Earl Drilon, Regiben Romana, Lav Diaz. 102 min. Collage aus improvisierten Musikszenen, Aufnahmen von Nachtclubs in Manila, Bildern des Straßenlebens der Armen sowie der Reiseleiterin Olga in Berlin: „Todo Todo Teros“ entfaltet sich als Reise zwischen persönlicher und politischer Paranoia und zeigt, wie die Grenzen zwischen diesen Polen verschwinden. Stadtkino im Künstlerhaus: Sa 2.11., 16.00 (OmenglU)
Special: Wilde Ethnografie As Long As There’s Breath (USA/Nepal 2010) R: Stephanie Spray. 57 min. Familie Gayek wartet in Nepal auf die Rückkehr eines geliebten Sohnes: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Kino am Schwarzenbergplatz: Di 29.10., 15.30 (OmenglU) Chaiqian/Demolition (USA/China 2008) R: J.P. Sniadecki. 62 min. In Changdu, der Hauptstadt der Provinz Sechuan, muss Freiraum für neue Gebäudeprojekte geschaffen werden. Sniadecki, Anthropologe aus Harvard, begleitet die Abrissarbeiter aus dem Umland beim Trümmerzerkleinern und -abtransportieren, aber auch beim abendlichen Beisammensein. Kino am Schwarzenbergplatz: So 27.10., 15.30 (OmenglU) Foreign Parts (USA/F 2010) R: Véréna Paravel, J.P. Sniadecki. 80 min. Behutsames Porträt einer dem Untergang geweihten New Yorker Enklave: In Willets Point, nahe dem entstehenden neuen Mets-Baseballstadiums, leben etliche Autoersatzteilverkäufer von den Funden angrenzender Schrotthalden. Die Delogierung im Rahmen urbaner Umstrukturierung ist nur noch eine Frage der Zeit. Metro: Mo 28.10., 13.30 (OmenglU) Leviathan (USA/GB/F 2012) R: Véréna Paravel, Lucien Castaing-Taylor. 87 min. Die beiden filmenden Anthropologen haben Fischer auf ihren Ausfahrten begleitet und sind mit bildgewaltiger Beute zurückgekehrt. Die kleinen digitalen Kameras sinken an Netzen unter die Wasseroberfläche oder zeichnen den Wirbel von einfallenden Möwenschwärmen auf. In dieser sinnlichen Dichte entsteht ein Porträt einer der gefährlichsten Professionen der Welt. Stadtkino im Künstlerhaus: Mo 28.10., 16.00 (OF) Sound Works (USA/CH/Nepal 2011) R: Ernst Karel / Stephanie Spray. 75 min. „Swiss Mountain Transport Systems“ basiert auf Tonaufnahmen, die im Sommer und Herbst 2008 von verschiedenen Transportmittel in den Schweizer Bergen gemacht wurden. „DeadIce“, zweiteiliges Audio-Projekt, wurde auf dem Mount Everest sowie in Gletscherseen aufgenommen. Metro: Mi 30.10., 13.30 Still Life (USA 2007) R: Diana Keown Allan. 25 min. Said Otruk, ein palästinensischer Fischer aus Acre, rettete eine Fotosammlung aus der Heimat, die er 1948 verlassen musste, ins libanesische Exil: Der „Untergang“ Palästinas geht mit seinem Vergessen einher. Kino am Schwarzenbergplatz: Di 29.10., 15.30 (OmenglU) Sweetgrass (USA 2009) R: Ilisa Barbash, Lucien Castaing-Taylor. 101 min. Seit vielen Generationen verbringen die Hirten von Montana den Sommer mit ihren Schafen in den Beartooth Mountains fern der Zivilisation. Die zwei Filmemacher haben die Männer auf ihrer Reise begleitet. Stadtkino im Künstlerhaus: Do 31.10., 16.00 (OF) The Yellow Bank (USA/China 2010) R: J.P. Sniadecki. 27 min. Shanghai am 22. Juli 2009: das Porträt einer Stadt in totaler Sonnenfinsternis. Kino am Schwarzenbergplatz: So 27.10., 15.30
Special: Asian Delights Da Nao Tian Gong 3 D/The Monkey King: Uproar in Heaven 3 D (China 1961–64/2012) R: Wan Laiming, Tang Cheng / Su Da, Chen Zhihong. 92 min. Die Abenteuer des Affenkönigs Sun Wukong. Für den zweiteiligen, 1961/64 entstandenen Animationsfilm wurden rund 130.000 Tuschezeichnungen angefertigt und im Stil einer Peking-Oper vertont. – „Für die Restaurierung des Klassikers und seine Umwandlung in 3 D bewahrte man den Geist des Films.“ (Andreas Ungerböck) Gartenbau: Di 29.10., 23.00 (OmenglU) Haunted 3 D (Indien 2011) R: Vikram Bhatt D: Mahakshay Chakraborty, Tia Bajpai, Achint Kaur. 143 min. Rehan, der Sohn eines Immobilienmaklers, bereitet
in Kori ein Herrenhaus zum Verkauf vor: Da hört er Nachts das Wehklagen eines Mädchens und bringt Licht in tragische Ereignisse. Tolle Special Effects! Gartenbau: Fr 1.11., 23.30 (OmenglU) My Nhan Ke/The Lady Assassin (Vietnam 2013) R: Nguyen Quang Dung D: Thanh Hang, Ngoc Quyen, Kim Dung, Tang Thanh Há. 93 min. Martial-Arts-Film in Tradition der legendären Shaw Brothers: „Ein Quintett zupackender, unabhängiger Frauen, dazu böse Schurken, korrupte Beamte und dunkle Geheimnisse. Und zwischen all dem ist sogar noch Platz für eine kurze Musical-Einlage“ (James Marsh). Gartenbau: Do 31.10., 23.00 (OmenglU) Taiji Yingxiong Jueqi/Tai Chi Hero (HK/China 2012) R: Stephen Fung D: Jayden Yuan Xiaochao, Tony Leung Ka-fai, Angelababy. 102 min. Nachdem er ein Dorf vor einer Armee gerettet hat, steht der Hochzeit von Yang Luchan mit der Tochter des Dorfältesten nichts mehr im Wege: Dann fangen die Probleme aber erst richtig an. Wildes Martial-Arts-Action-Komödien-Spektakel. Gartenbau: Sa 26.10., 24.00 (OmenglU) Xue di zi/The Guillotines (TW/HK/China 2012) R: Andrew Lau D: Huang Xiaoming, Ethan Juen, Shawn Yue, Li Yuchun. 112 min. Während der Qing-Dynastie herrscht Manchu-Kaiser Yongzheng über China. Ein wichtiges Instrument seiner Herrschaft ist eine geheime Spezialeinheit, die als die „Guillotinen“ bekannt ist, denn sie verwenden eine ganz spezielle Waffe, mit denen sie in der Lage sind, ihre Feinde auch über größere Distanz zu enthaupten. Gartenbau: Fr 25.10., 23.00 (OmenglU)
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Special: Realitäten Programm 1: Kinochronisten (Ö 1903–1927). 55 min. Von den Wurzeln des Kinos, dem Wanderkino, und den Wurzeln des dokumentarischen Films in Österreich: vom „Besuch Kaiser Franz Josefs in Braunau am Inn“ anno 1903 bis zu den neu restaurierten „Aufnahmen des Kino Reichenau in PayerbachReichenau 1919“, „Die Eröffnung des Zentral-Kino in Bad Vöslau“, „Die Fronleichnamsprozession 1927 in Gainfarn“ und „Historischer Schützenfestzug in Oberhollabrunn“, 1928. (Live-Musik: Philip Jeck & Klaus Karlbauer) Metro: Fr 25.10., 21.00 Programm 2: Kino-Real (Ö 1909–1929). 58 min. Diverse Aktualitäten, darunter Filmdokumente aus dem Ersten Weltkrieg („Der Wehrmann aus Eisen. Die Einweihungsfeierlichkeiten am Schwarzenbergplatz am 6. März 1915“) bis hin zur Provinzialisierung der noch jungen Ersten Republik („Das Volkstrachtenfest in Wien“, 1920). – Live-Musik: deepseafish-K! Metro: Sa 26.10., 16.00 Programm 3: Kino macht Schule (Ö 1907–1921). 54 min. Aus dem Schaffen von Alto Arche, dem Erfinder des österreichischen Lehrfilms, der im KosmosKino und später der Staatlichen Filmhauptstelle (SHB) eine Heimstatt fand, und seiner Nachfolger: von „Hafner an der Drehscheibe“ (1907) über „Entstehung eines Modellkleides“ (1920) bis zu „Die Sonnenfinsternis am 8. April 1921“. – Live-Musik: dieb13 & Mats Gustafsson! Metro: So 27.10., 14.00 Programm 4: Distinktion des Körpers (Ö 1904–1940). 70 min. Gezeigt werden ethnografische Aufnahmen von Rudolf Pöch und „Als Anthropologe im Kriegsgefangenenlager Feldbach bei Graz“ (R: Pöch, 1914/15), „Hygiene der Ehe“ (1922, D: Julius Tandler) und „Rassenkundliche Untersuchungen an gefangenen Franzosen und Belgiern im Kriegsgefangenenlager Kaisersteinbruch“ (1940). Metro: Mo 28.10., 16.00 Programm 5: Werkstätten des Krieges (Ö 1916– 1922). 53 min. Bespiele frühen österreichischen Industriefilms und seiner Anfänge in der Propaganda für den Großen Krieg: über die Phönix Flugzeugwerke, Carl Zeiss Wien, die Munitionsfabrik Hermann Weiffenbach, den Werdegang einer Soldatenmontur, die Draht- und Siebwarenfabriken Hutter & Schrantz und Bilder aus einer Großschmiede. (Live-Musik: Morphosis) Metro: Di 29.10., 16.00 Programm 6: Phantom Riders (Ö 1912–1920). 50 min. Kino als Faktor des Reisens und der Beschleunigung, hier etwa: „Eine Fahrt mit der Mariazeller Bahn“ (1912) und „Die Wachau, Mit dem Dampfschiff ‚Donau‘ abwärts von Grein bis Melk“ (1914) sowie „Eine Fahrt mit der Drahtseilbahn an der italienischen Alpenfront“ (1916). – Live-Musik: Lorenzo Senni! Metro: Mi 30.10., 19.30 Programm 7: Landscape Icons (Ö 1912–1930). 59 min. Eine der Konstanten im heimischen Filmschaffen: das Zelebrieren der Naturschönheiten in Bild und (später auch) Ton. Das vorliegende Programm spannt den Bogen vom neu restaurierten „Maria-Zell und Umgebung im Schneegestöber“ (1912) bis Folge Nr. 23 von „Im Postkraftwagen durch Österreichs Alpenwelt: Von der Schnellzugsstation Dirnbach-Sto-
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Retrospektive Jerry Lewis
Martin & Lewis und das Anarcho-TV der 1950er
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der nach Hinterstoder“ (1930). – Live-Musik: Cherry Sunkist! Metro: Do 31.10., 16.00 Programm 8: Ikonografie der Macht (Ö 1907–1924). 59 min. Herrschaftsverhältnisse – und die unreflektierte Art und Weise, wie diese sich im hierzulande schon zu Kaisers Zeiten von der Obrigkeit gegängelten Kino niedergeschlagen haben: ein Kaisermarsch, Kaiserbesuch, Kaisergeburtstag nach dem andern. (Live-Musik: Eduardo Raon) Metro: Sa 2.11., 16.30 Programm 9: Entfesselte Massen (Ö 1917–1928). 58 min. Der politische Diskurs erobert den öffentlichen Raum, woran auch das Kino nicht vorbeigehen kann. „... es muss nun Schluß gemacht werden mit dem roten Gespenst!“, so die Losung der Demonstranten in „23.000 Heimatschützer marschieren am Staatsfeiertag in Graz“ (1929), neu restaurierter Höhepunkt und Abschluss dieses Programms. – LiveMusik: Mika Vainio! Metro: So 3.11., 16.30
Jerry Lewis
Blödeln, bis das Chaos perfekt ist: The handsome man and his monkey
he genius of Martin and Lewis T was my partner“, beteuerte Jerry Lewis, heute 87, immer wieder: „He
kept the center.“ Die Genialität von Dean Martin bestand darin, selbstbewusste und selbstironische Rollen ganz straight zu spielen. Die Vorstellungen, die er in ihren 16 gemeinsamen Filmen sowie unzähligen Shows gegeben hat, kommen praktisch ohne jedes Augenzwinkern aus. Je weniger er macht, desto besser. Wie viel Arbeit und Disziplin es brauchte, um neben Lewis mitunter wie ein hölzerner Klotz dazustehen und, im besten Fall, noch einen Song vorzutragen, davon bekommt man eine leise Ahnung, wenn man sich einen ihrer vielen frühen Fernsehauftritte ansieht. So beispielsweise bestritt das Duo ab 1950 fünf Jahre lang regelmäßig NBCs „Colgate Comedy Hour“. Dean macht hier Jerry noch Konkurrenz, hastet blitzschnell kreuz und quer über die Bühne, gestikuliert nach Leibeskräften und legt schließlich noch einen pratfall von geradezu Arbuckle’scher Grandezza hin. Zu guter Letzt entfaltet sich aber sogar in solchen TV-Routinen noch die ganze subversive Kraft des „Akts“ von Martin & Lewis, der immer auch so etwas wie ein Stück angewandte Medienkritik ist: Sie wissen nicht mehr, wie lange sie noch weitermachen sollen (fünf Minuten? zwei Minuten?), beginnen den Bühnenmanager in eine Diskussion zu verwickeln (die Orchestermusiker, hinter ihnen, biegen sich vor Lachen), verfallen scheinbar spontan auf die Idee, dem Publikum auch die übrigen Mitarbeiter der Show vorzustellen, geben dem irritierten Kameramann neue Regieanweisungen, bis das Chaos perfekt ist.
MICHAEL OMASTA
Vor vielen Filmen der Retro werden Ausschnitte aus der „Colgate Comedy Hour“ gezeigt
Arizona Dream (F/USA 1992) R: Emir Kusturica D: Johnny Depp, Jerry Lewis, Faye Dunaway, Lili Taylor, Vincent Gallo, Paulina Porizkova. 142 min. Kusturica in den Staaten: Ein Streifzug durch die Träume eines Europäers vom amerikanischen Kino und von der amerikanischen Landschaft. Schöne Bilder, hervorragende Darsteller, mit denen die etwas lang ausgewalzte Geschichte nicht ganz mithalten kann. Filmmuseum: Fr 8.11., 20.30 + So 24.11., 15.30 (OmU) Artists and Models (USA 1955) R: Frank Tashlin D: Dean Martin, Jerry Lewis, Shirley MacLaine, Dorothy Malone, Eva Gabor, Anita Ekberg. 109 min. HollywoodPop-Art. Jerry hat Albträume von Vincent, dem Falken, der Vampirlady und dem Rattenmann, sein Zimmergenosse Dean macht blutrünstige Comicbooks für Kinder daraus. Bald schalten Elternvereine und besorgte Pädagogen sich ein, um der Verblödung der amerikanischen Jugend umgehend Einhalt zu gebieten, bis, kurz vor der Zielgeraden, noch Miss Gabor als kurvige Ost-Spionin auftaucht und den Freunden, die sie im Besitz einer Geheimformel wähnt, den Kopf verdreht. Ein Meilenstein im Genre der hysterischen Cold-War-Paranoia-Slapstick-Musical-Comedy. Filmmuseum: So 20.10., 18.30 + Sa 2.11., 21.00 (OF) The Bellboy (USA 1960) R: Jerry Lewis D: Jerry Lewis, Alex Gerry, Bob Clayton. 70 min. Unfassbar: Jerry als tolpatschigster Page, der je seinen Fuß in das Hotel Fontainebleau in Miami Beach gesetzt hat: „He is a force of nature – the uniformed bellboy as celestial superschlepp and living nightmare“ (J. Hoberman). Milton Berle und Walter Winchell treten als Gäste auf. Filmmuseum: Fr 18.10., 21.00 + Do 31.10., 18.30 (OF) The Big Mouth (USA 1967) R: Jerry Lewis D: Jerry Lewis, Susan Day, Harold J. Stone, Buddy Lester. 107 min. Jerry wird für einen Diamantenschmuggler gehalten. Um sich seinen diversen Verfolgern zu entziehen, taucht er immer wieder in neuen Maskierungen auf – Höhepunkt: Er konversiert „auf küchenjapanisch mit dem furchterregenden chinesischen Diamantenschieber Fu Man-chu“ (Frieda Grafe). – Einführung am 30.10. von Jonathan Rosenbaum! Filmmuseum: Mi 30.10., 21.00 + Mo 11.11., 18.30 (OF) Bonjour Mr. Lewis (F 1982) R: Robert Benayoun. 332 min. Grandiose, sechsteilige Dokumentarreihe über Jerry Lewis, der dem französischen Filmkritiker Benayoun nicht nur Rede und Antwort stand, sondern ihm auch Zugang zu seinem irren Archiv aus Fotos, Making-ofs und Outtakes seiner Filme gewährte. Zu Wort kommen Regiekollegen wie Peter Bogdanovich, Mel Brooks und Martin Scorsese. Screening in drei Tranchen von je zwei Folgen. – Zum Auftakt am 25.10. in Anwesenheit von Pierre Kalfon, des Produzenten der Serie. Filmmuseum: Fr 25.10., 18.30 + Sa 26.10., 16.00 + Mo 28.10., 16.00 + Mi 30.10., 16.00 + Do 31.10., 16.00 + Sa 2.11., 16.00 (OmenglU) The Caddy (USA 1953) R: Norman Taurog D: Dean Martin, Jerry Lewis, Donna Reed, Barbara Bates, Joseph Calleia. 95 min. Spaßetteln beim Golfen. In der Erinnerung bleibt von dem Film nur Dinos erster Riesenhit: „That’s Amore“! Filmmuseum: Mi 23.10., 18.30 + So 3.11., 16.00 (OF) Cinderfella (USA 1960) R: Frank Tashlin D: Jerry Lewis, Ed Wynn, Judith Anderson, Anna Maria Alberghetti, Henry Silva. 91 min. Das arme Waisenmädchen wird zum Waisenknaben, die gute Fee zu einem rotnasigen Kobold: „Cinderfella“ erzählt die „gegenderte“ Version des Märchens vom Aschenbrödel – ein freudsches Melodrama à la Jerry Lewis, der sich da gegen Stiefmutter Anderson und seine beiden mafiosen Halbbrüder durchsetzen muss. Highlight des Films: eine Mitternachtseinlage von Count Basie und Orchester. Filmmuseum: So 20.10., 21.00 + Mi 6.11., 18.30 (OF) The Disorderly Orderly (USA 1964) R: Frank Tashlin D: Jerry Lewis, Glenda Farell, Susan Oliver, Everett
Sloane, Kathleen Freeman. 90 min. Jerry als Krankenpfleger Jerome leidet Höllenqualen, weil er durch seine übermäßige Empathie jeden Schmerz seiner Patienten mitfühlt. Ein Gag jagt den nächsten, ein Höhepunkt surrealer Körperkomik. Filmmuseum: So 27.10., 21.00 + Sa 23.11., 18.30 (OF) The Errand Boy (USA 1961) R: Jerry Lewis D: Jerry Lewis, Brian Donlevy, Sig Ruman, Fritz Feld, Iris Adrian, Kathleen Freeman. 91 min. Jerry on the loose im Filmstudio: „Die Paramutual setzt den ‚Bürotrottel‘ wegen seiner harmlosen Unauffälligkeit als Aufpasser und Spitzel ein, um schließlich sein komisches Talent zu entdecken“ (Frieda Grafe). Filmmuseum: Mo 21.10., 21.00 + Sa 2.11., 18.30 (OF) The Family Jewels (USA 1965) R: Jerry Lewis D: Jerry Lewis, Donna Butterworth, Sebastian Cabot, Robert Strauss. 98 min. Eine kleine Millionenerbin muss unter sechs Onkeln einen Adoptivvater für sich auswählen und findet schließlich eine glückliche Notlösung. Jerry Lewis in siebenfacher Ausführung! Filmmuseum: Mo 28.10., 21.00 + Sa 16.11., 18.30 (OF) Funny Bones (GB/USA 1995) R: Peter Chelsom D: Oliver Platt, Lee Evans, Richard Griffith, Oliver Reed, Jerry Lewis. 127 min. Nach dem Flop seiner LasVegas-Show verfällt Tommy, Sohn des legendären Alleinunterhalters George Fawkes (Lewis) und von Beruf ebenfalls Komiker, auf den Gedanken, nach Blackpool zu fahren, um sich günstig ein Quäntchen britischen Humor zu erkaufen. Verquer erzählte Tragikomödie, in ihren besten Momenten von einem grandiosen Ensemble mitgerissen. Filmmuseum: Do 7.11., 20.45 + Sa 23.11., 16.00 (OF) The Geisha Boy (USA 1958) R: Frank Tashlin D: Jerry Lewis, Marie McDonald, Sessue Hayakawa, Suzanne Pleshette, Barton McLane. 98 min. Frank Tashlin, meisterhafter Schöpfer visueller Gags, und sein kongenialer Interpret Jerry Lewis erzählen hier von einem drittklassigen Zauberer (wer wohl), der in Japan die US-Truppen betreuen soll. In Technicolor. Filmmuseum: Mo 28.10., 18.30 + So 10.11., 20.45 (OF) Hardly Working (USA 1980) R: Jerry Lewis D: Jerry Lewis, Susan Oliver, Roger C. Carmel, Buddy Lester. 104 min. Ein arbeitsloser Clown schlägt sich mit diversen Gelegenheitsjobs durchs Leben. – „Hardly Working“, der Film, der Lewis’ Karriere fast beendete, gilt unter Kennern „als Meisterwerk des Tragikomischen“ (Obacht: meistens wird nur die verschlimmbesserte Schnittfassung des Films gezeigt). – Einführung am 3.11. von Chris Fujiwara! Filmmuseum: So 3.11., 21.00 + Do 14.11., 18.30 (OmU) Hollywood or Bust (USA 1956) R: Frank Tashlin D: Dean Martin, Jerry Lewis, Anita Ekberg, Pat Crowley. 95 min. Der letzte gemeinsame Film von Martin und Lewis ist einer ihrer besten: Mit rotem Cabrio, das sie gewonnen haben, und einem Mondkalb von Hund geht’s auf nach Hollywood zur großen Anita Ekberg! – Einführung am 26.10. von Filmkritiker Adrian Martin! Filmmuseum: Sa 26.10., 18.30 + Mi 13.11., 20.30 (OF) The King of Comedy (USA 1983) R: Martin Scorsese D: Robert De Niro, Sandra Bernhard, Jerry Lewis, Diahnne Abott, Joe Strummer, Martin Scorsese. 109 min. De Niros Rupert Pupkin, eine monströse Eruption aus dem Es des Publikums, verfolgt und entführt einen Talkshowmaster (Lewis). Seine Mitverschwörerin ist Sandra Bernhard, haifischartig in ihrem Hunger nach Kontakt mit Berühmtheiten. Perfekt gespielter Film, Scorseses gemeinhin unterschätzter Kommentar aufs moderne Medienbusiness. Filmmuseum: Fr 25.10., 21.15 + So 24.11., 20.30 (OF) The Ladies Man (USA 1961) R: Jerry Lewis D: Jerry Lewis, Helen Traubel, Pat Stanley, Kathleen Freeman, George Raft. 95 min. Jerrys mit Abstand stärkster Film in Eigenregie. „Er hat sein Trauma weg, als ihn als Abiturient seine Verlobte versetzt. Dann folgt eine Art Erziehungsroman. Er wird Mädchen für alles wider Willen in Mrs. Wellenmelons Mädchenpensionat, das man im Aufschnitt sieht wie ein Puppenhaus.“ (Frieda Grafe) Filmmuseum: Sa 19.10., 21.00 + Fr 1.11., 18.30 (OF) Living It Up (USA 1954) R: Norman Taurog D: Dean Martin, Jerry Lewis, Janet Leigh, Edward Arnold, Sheree North, Sig Ruman. 94 min. Der vermeintlich verstrahlte Jerry und sein guter Onkel Doktor Dino werden von einer Sensationsreporterin aus dem Kuhdorf nach New York geholt, um sich ein paar schöne letzte Tage und Schlagzeilen zu machen. Remake von „Nothing Sacred“ mit Fredric March und Carole Lombard, 1937. Filmmuseum: Do 24.10., 18.30 + Sa 9.11., 18.30 (OF) The Nutty Professor (USA 1963) R: Jerry Lewis D: Jerry Lewis, Stella Stevens, Del Moore, Buddy Lester, Kathleen Freeman. 107 min. Eine Variante auf die Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Um sein Sozialleben auf Vordermann zu bringen, entwickelt Dr. Kelp eine Elixier, dass ihn in „Buddy Love“, Frauenliebling und veritables Party-Tier, verwandelt. – Lewis inszenierte sich in einem seiner besten Filme selbst und redefiniert die Komödie als Form von
autopsychotherapeutischem Exorzismus neu: zum Heulen komisch, zum Brüllen traurig. Filmmuseum: Do 24.10., 21.00 + Sa 9.11., 20.45 (OF) Pardners (USA 1956) R: Norman Taurog D: Dean Martin, Jerry Lewis, Lori Nelson, Agnes Moorehead, Lon Chaney Jr., Lee Van Cleef. 88 min. New Yorker Millionärssproß Jerry und sein Partner Dean gehen in den Wilden Westen und säubern eine Kleinstadt von Banditen. Deutsch: „Wo Männer noch Männer sind“, Remake nach Taurogs „Rhythm on the Range“ mit Bing Crosby, 1936. Filmmuseum: So 27.10., 16.00 + So 17.11., 18.30 (OF) The Patsy (USA 1964) R: Jerry Lewis D: Jerry Lewis, Ina Balin, Everett Sloane, Keenan Wynn, Peter Lorre, John Carradine. 101 min. Deutscher Titel: „Die Heulboje“. Das meint Jerry, einen trotteligen Liftboy, der vom Team und den sinistren Managern eines tödlich verunglückten Komikers zum neuen Star aufgebaut wird. Peter Lorres letzter Film. Hat was. Filmmuseum: Sa 26.10., 21.00 + Fr 8.11., 21.00 (OF) Rock-a-Bye Baby (USA 1958) R: Frank Tashlin D: Jerry Lewis, Marilyn Maxwell, Connie Stevens, James Gleason, Reginald Gardiner. 103 min. Jugendfreundin, die zur Filmdiva wurde, vertraut Tolpatsch Jerry ihre Drillinge an – und bald erweist der sich als perfekte Mutter. „Bei Jerry Lewis ist Realität nicht Ziel der Darstellung, sondern nur Ausgangspunkt für Abstraktionen. Abstraktionen sind Fantasien, die dem Leben entschweben, sagt Lenin. Oh, Mama!“ (Frieda Grafe) Filmmuseum: So 27.10., 18.30 + Mo 11.11., 20.45 (OF) Sailor Beware (USA 1952) R: Hal Walker D: Dean Martin, Jerry Lewis, Corinne Calvet, Marion Marshall, Leif Erickson, Betty Hutton. 108 min. Dean und Jerry als Rekruten bei der Marine. Während einer Boxszene kommt hier einmal auch ein anderer Dean ins Bild: der noch unbekannte James Dean. Filmmuseum: Fr 25.10., 16.00 + Do 7.11., 18.30 (OF) Smorgasbord (USA 1983) R: Jerry Lewis D: Jerry Lewis, Herbert Edelman, Francine York, Zane Busby. 89 min. Lewis als notorischer Pechvogel und erfolgloser Selbstmörder schildert einem Psychiater seine Probleme, was diesen zuletzt selbst den Verstand kostet. Einzig Milton Berle und Sammy Davis jr hielten Lewis noch die Treue und treten als Gäste auf. – Einführung am 4.11. von Chris Fujiwara! Filmmuseum: Mo 4.11., 21.00 + Do 21.11., 18.30 (OmU) The Stooge (USA 1951/53) R: Norman Taurog D: Dean Martin, Jerry Lewis, Polly Bergen, Marion Marshall. 99 min. Der erste Film Dinos, der auf seine Biografie referiert und in dem er einen Music-Hall-Singer spielt, der sich des Erfolgs wegen mit einem trotteligen Typ zusammentut. Ein schöner, kleiner Film des Duos, dessen reale Situation er quasi seitenverkehrt widerspiegelt – der Kritik nach war seinerzeit Dean Martin „der Prügelknabe“. Filmmuseum: Fr 18.10., 18.30 + Mo 4.11., 18.30 (OF) That’s My Boy (USA 1951) R: Hal Walker D: Dean Martin, Jerry Lewis, Marion Marshall, Ruth Hussey, Polly Bergen, John McIntire. 104 min. Jerry soll in die Fußstapfen seines Papas treten und Footballspieler werden, Dean wird als sein Privattrainer engagiert. Selten unlustiges Frühwerk. Filmmuseum: Mo 21.10., 18.30 + Fr 1.11., 16.00 (OF) Three on a Couch (USA 1966) R: Jerry Lewis D: Jerry Lewis, Janet Leigh, Mary Ann Mobley, Leslie Parrish, Kathleen Freeman. 109 min. Hier muss Lewis fünf verschiedene Persönlichkeiten annehmen, damit Psychoanalytikerin Leigh ihn nicht weiter vernachlässigt und endlich heiratet. Selten zu sehen, und das aus gutem Grund. – Einführung am 30.10. von Chris Fujiwara! Filmmuseum: Mi 30.10., 18.30 + Do 14.11., 20.30 (OF) Which Way to the Front? (USA 1970) R: Jerry Lewis D: Jerry Lewis, John Wood, Jan Murray, Kaye Ballard. 96 min. Gelangweilter, untauglicher Milliardär gründet Privatarmee, die den Ausgang des Zweiten Weltkriegs entscheidet. „Jerry ist sehr gut, wenn er arme Trottel spielt, aber aus reichen holt er nocht mehr heraus“ (Frieda Grafe). – Einführung am 1.11. von Chris Fujiwara! Filmmuseum: Fr 1.11., 21.00 + Mi 13.11., 18.30 (OF) Who’s Minding the Store (USA 1963) R: Frank Tashlin D: Jerry Lewis, Jill St. John, Agnes Moorehead, John McGiver, Ray Walston. 90 min. Jerry als Raymond Phiffier, heimlicher Ehekandidat einer Kaufhauserbin. „Die Destruktion, die durch die Toren kommt, als einzige Hoffnung für die von reibungslos funktionierenden Dingen beherrschte Welt.“ (Frieda Grafe) Filmmuseum: Mi 23.10., 21.00 + So 3.11., 18.30 (OF) You’re Never Too Young (USA 1955) R: Norman Taurog D: Dean Martin, Jerry Lewis, Diana Lynn, Raymond Burr, Nina Foch. 102 min. Jerry als Hahn im Korb im Mädchenpensionat, bei uns „Der Gangsterschreck“ betitelt. Ein Film, in dem man, frei nach Rainer Gansera, sehen kann, was die Choreografie im Hollywoodmusical den Paraden und dem Truppenübungsplatz zu verdanken hat. Remake von Billy Wilders „The Major and the Minor“. Filmmuseum: Sa 19.10., 18.30 + Mi 6.11., 21.00 (OF)
foto: FALTER ARCHIV
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