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Foto: Katrin Bruder
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Sicher auf Wiens Straßen
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R e s p e k t – a u c h i m S t r a ß e n v e r k e h r Verkehrsfachleute über mehr Sicherheit R a d f a h r e n i n W i e n ? A b e r s i c h e r ! Erklärungen und Tipps für sicheres Radfahren Z u - F u ß - G e h e n d e i n d e n M i t t e l p u n k t ! fordert Verkehrspsychologin Lilo Schmidt G u t m i t e i n a n d e r a u s k o m m e n wünscht sicht FußgängerInnenbeauftragte Petra Jens D a m i t a l l e s f l i e ß t Von der Baustellenkoordination bis zur Unfallhäufungsstellenentschärfung B e g e g n u n g s z o n e M a h ü Was andere Städte längst haben, kommt nun auch in Wien
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sicher auf Wiens Strassen
Respekt – auch im Straßenverkehr!
Wiener Fachleute aus Wissenschaft und Praxis über gedeihliches Miteinander aller am Verkehr Beteiligten
erden Karl und Otto mit den Köpfen zusammenstoßen, nur weil sie gleichzeitig durch die Bürotür wollen? Natürlich nicht, ein kurzer Blickwechsel, die Mimik und Gestik genügen, um zu klären, wer wem den Vortritt lässt.
Wer begegnet wem in einer
„Zu-Fuß-Gehende bekommen einen neuen Stellenwert im Straßenverkehr.“ Elisabeth Füssl, Factum
Begegnungszone?
Auf diesem Prinzip beruht auch Shared Space, bei uns Begegnungszone genannt und derzeit noch ein heiß diskutiertes neues Phänomen. Hier sollen sich nun alle am Verkehr Teilnehmenden – ob mit Rad, Auto oder zu Fuß – ohne großes Regelwerk miteinander verständigen und die festgelegte Fläche gleichberechtigt miteinander teilen. Gerade wird die erste Wiener Begegnungszone auf der Mariahilfer Straße mit Hochdruck umgesetzt (siehe Seite 14). Der Grund: Internationale Studien haben gezeigt, dass verkehrsberuhigende Maßnahmen wie diese die Verkehrssicherheit entscheidend verbessern können. „Außerdem machen es Faktoren wie eine wachsende Bevölkerung, die erforderliche Gewährleistung der Mobilität, aber auch Umweltziele notwendig, den motorisierten Individualverkehr einzugrenzen und Radfahren, Öffi-Nutzung und Zu-Fuß-Gehen zu propagieren“, sagt Elisabeth Füssl von Factum, einer Forschungseinrichtung, die Mobilität und Verkehr aus sozialwissenschaftlicher und psychologischer Sicht analysiert. „Und das muss sich natürlich auch in der gebauten Umgebung widerspiegeln.“ Konflikte um das Konzept Begegnungszone ergeben sich vor allem bei Verteilungs-, Orientierungs- und Gestaltungsaspekten für die einzelnen Gruppen.
Fix ist aber, dass wer aufgrund seines Unterbaus aus zwei oder vier Rädern dazu imstande ist, bis maximal 20 Stundenkilometer fahren darf. Wenn die Situation es zulässt. Zu-Fuß-Gehende sollen nämlich im Mittelpunkt stehen. „Sie bekommen einen anderen Stellenwert, dürfen allerdings den Fahrzeugverkehr auch nicht mutwillig behindern“, so Füssl. Das hält die Straßenverkehrsordnung (StVO) ausdrücklich fest. Somit ist Achtsamkeit für alle angesagt. Im Übrigen auch etwas, was man mit Shared-Space-Konzepten positiv beeinflussen will: das soziale Verhalten. Unumgänglich für die Sicherheit im Verkehr.
Fair teilen will auch auf der Straße gelernt sein
Nun ist uns die Fähigkeit zu teilen nicht unbedingt angeboren. Aber schon im Sandkasten beginnt ein mit allerlei emotionalen Hoppalas gepflasterter Lernprozess, der uns im Idealfall zu verantwortungsbewussten, sozial verträglichen Menschen
Bikebox Durch Bikeboxen sicherer über die Kreuzung radeln Zwar haben sie einen Helm, aber keinen Panzer: In dicht verbautem Gebiet kann es für Radfahrende schon manchmal ganz schön ungemütlich werden. Von sogenannten Fahrradstädten wie Münster hat sich die Stadt Wien daher eine einfache, aber effiziente Maßnahme abgeschaut: die „Bikeboxen“, zu Deutsch „vorgezogene Haltelinien“. Sie ermöglichen es Radfahrenden, bei Rot an den wartenden Autos vorbeizufahren und sich dort aufzustellen. Der Vorteil: Sie sind gut sichtbar, Drängeleien werden vermieden. In Wien gibt es bereits zwölf solche Bikeboxen.
heranreifen lässt. Das ist in allen Lebensbereichen wünschenswert, im Verkehr aber existenziell. Besonders wenn Autos, Motorrad- und Radfahrende sowie Zu-Fuß-Gehende auf einandertreffen. Eine Begegnungszone könnte also eine Chance sein, die generell im Straßenverkehr erforderliche Rücksichtnahme unter günstigen Voraussetzungen zu praktizieren und zu trainieren. Die Änderung eingefahrener Gewohnheiten stellt die Menschen in Wien dabei allerdings vor die Herausforderung neuer Lernprozesse. Wie gut das Pilotprojekt angenommen wird und wie sich die verschiedenen Detailentscheidungen auswirken werden, wird sich zeigen. Noch ist es Work in Progress. „Wenn es fertig ist, werden wir uns als technisch ausgebildete Menschen anschauen, wie es funktioniert, und daraus lernen“, zeigt sich Gabriele Steinbach als Frau der Praxis. Prognosen zählen nicht zu den Aufgaben der Koordinatorin für FußgängerInnen- und Jugendangelegenheiten bei der MA 46 (Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten). In Vorbildländern wie den Niederlanden oder der Schweiz hat sich das Konzept aber bewährt.
Wie erfahren Kinder richtiges Verhalten im Verkehr?
Ein Beispiel für die in Wien auf der Straße markierten Bikeboxen. Wo sich alle Bikeboxen befinden, kann man einsehen auf: www.fahrradwien.at
„Bei der grünen Ampel muss ich trotzdem schauen“, erklärt Eva. „Es könnte ja einer abbiegen.“ Die Siebenjährige hat gelernt, am Schutzweg einen Schritt nach vorne zu machen und Blickkontakt mit einem Autofahrenden aufzunehmen. „Dann warte ich aber, ob er wirklich
Fortsetzung Seite 4
Foto: Radlobby IG-Fahrrad, Coverfoto: Katrin Bruder
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Foto: Katrin Bruder
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„Bei der grünen Ampel muss ich trotzdem schauen“, sagt die siebenjährige Eva. Auch am
Sommerboulevard Donaukanal muss sie vorsichtig sein
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Fortsetzung von Seite 2 stehen bleibt.“ Weil jeder einmal klein anfängt, auch im Straßenverkehr, stellen Verkehrserziehung und Unfallprävention für die Kleinsten wichtige Eckpfeiler der Verkehrssicherheitsarbeit dar. Durch die Teilnahme bei verkehrspädagogischen Tagen an Volksschulen, an einem Verkehrssicherheitsquiz oder an speziellen Veranstaltungen zum Rad- und Scooterfahren bemüht sich die MA 46, die Weichen in eine gute Richtung zu stellen. „Richtiges Verhalten im Verkehr kann man nicht früh genug lernen“, betont Gabriele Steinbach. „Und dabei ist das Vorbild des Umfelds entscheidend. Wenn ich mit dem Kind an der Hand bei Rot über eine Straße gehe, werde ich es nicht dazu bringen, immer auf Grün zu warten, wenn es allein unterwegs ist.“ Neben dem Nachahmungsfaktor seien altersadäquates Lernen und sichere Bedingungen wesentlich: „Volksschulkinder müssen dort queren, wo es für sie am wenigsten anspruchsvoll ist.“ Verkehrsflüsse aus mehreren Richtungen könnten sie noch nicht bewältigen, bei Schienenstraßen bräuchten sie Lichtsignale, auch durchgehende, ausreichend breite Gehsteige seien wichtig. Darauf achten Steinbach und ihr Team bei der Erstellung der sogenannten Schulwegpläne auch ganz genau. Bereits für über 250 Wiener Volksschulen haben sie durch Erhebungen und anschließende Vor-Ort-Begehungen die geeignetsten Strecken festgelegt. „Wir empfehlen grundsätzlich den sichersten Weg und nicht den kürzesten“, so die Diplomingenieurin.
Warum passieren Unfälle? Zu hohe Geschwindigkeit?
„Verkehr ist ein komplexes System, bei dem sich Menschen mit unterschiedlichen Fortbewegungsarten begegnen“, sagt Elisabeth Füssl von Factum. „Zum einen gibt es Regeln, vieles beruht aber auch auf gegenseitiger Verständigung, etwa durch Zeichen oder Blickkontakte.“ Wenn diese Interaktion zusammenbreche, komme es zu Unfällen. „Etwa bei Regelbrüchen, wenn ein Vorrang nicht gewährt wird
„Volksschulkinder müssen dort queren, wo es für sie am wenigsten anspruchs voll ist.“ Gabriele Steinbach, Koordinatorin für FußgängerInnenund Jugendangelegenheiten, MA 46
oder die Geschwindigkeit zu hoch ist, um noch gut reagieren zu können.“ Hier spielen Zeitdruck, Stress und Ablenkung hinein, aber auch psychologische Phänomene. „Sensorisch nimmt man Dinge, die klein oder dunkel sind, nicht gut wahr“, erklärt die Soziologin. „Und auf der kognitiven Ebene haben Studien gezeigt, dass man das, womit man nicht rechnet, oft nicht bemerkt. Etwa einen von hinten kommenden Radfahrenden.“ Ein wesentlicher Punkt der Forschung von Factum sei aber auch die Sicht der Menschen auf ihre Rolle im Verkehr. „Man muss sich immer bewusst sein, dass man eine Verantwortung und das eigene Verhalten Konsequenzen hat.“ Ganz wichtig seien Geschwindigkeitsbegrenzungen. „Zu schnelles Fahren kann tödlich enden, schon darum ist es kein Kavaliersdelikt“, so Füssl. Das bestärkt auch Edwin Postl, Leiter der Gruppe Verkehrssicherheit bei der MA 46. „Zwar hat die Verkehrssicherheit ungemein zuge-
Respekt-Kampagne „tschuldigen, passt schon!“ Ein Augenzwinkern für die gute Sache Mit ernstem Hintergrund lustig sein. Nicht belehrend, sondern gescheit eine unumstößliche, leider oft ignorierte Wahrheit verkünden: Ohne Respekt und Achtsamkeit kommen wir alle im Verkehr nicht weit(er). Die „tschuldigen, passt schon!“-Sensibilisierungskampagne der Stadt Wien und ihrer Kooperationspartner ist so gut gemacht, dass sie sogar international Aufsehen erregt hat. Unter dem grif-
figen Motto begann man 2012, unterstützt von Social Media, Flashmobs und Plakaten, für mehr Rücksichtnahme und einen guten Ton im Wiener Stadtverkehr zu werben. Von Herbst 2013 bis Frühjahr 2014 folgte ein Kinospot mit Schwerpunkt rote Ampeln. Hintergrund: Zwischen 2007 und 2011 kamen in Wien 13 Menschen durch die Nichtbeachtung roter Ampeln ums Leben, 2.789 wurden verletzt. Wer die „Street Odyssey“ und andere Spots noch nicht gesehen hat, findet alles unter: http://tschuldigen.at
nommen, seit wir 1983 die Unfalldatenbank eingerichtet haben und mit effektiven Maßnahmen reagieren“, sagt der Oberstadtbaurat. „So gibt es in diesem Zeitraum einen fast neunzigprozentigen Rückgang bei den Verkehrstoten. Aber mir geht es auch um die Anzahl der Verletzten, und jeder, der zu Schaden kommt, ist für mich einer zu viel.“ Es gebe einen Zusammenhang zwischen Fahrgeschwindigkeit und Unfallschwere, darum bemühe sich seine Abteilung, das Tempo an den richtigen Stellen zu verringern. Autofahrende etwa könne man durch PlateauAnhebungen an Kreuzungen dazu veranlassen, vom Gas zu steigen.
Schon einfache Maßnahmen bringen mehr Sicherheit
Insgesamt bedient sich die MA 46 einer Reihe bewährter baulicher und organisatorischer Mittel wie Verkehrszeichen, Lichtanlagen oder Bodenmarkierungen. „Letzteres ist zum Beispiel eine ganz einfache, aber sehr wirksame Vorkehrung, um Streifkollisionen zu vermeiden“, so Postl. Am liebsten sei ihm die präventive Arbeit in der Planungsphase von Projekten. „Wir achten dann schon im Vorfeld auf Dinge wie gute Sichtverhältnisse oder die richtige Länge von Gehsteigvorziehungen.“ Weil sich menschliches Verhalten aber nicht immer planen lässt, gebe es natürlich auch Sanierungen aufgrund von Unfallstellenanalysen. Überwachungstechnische Maßnahmen der Polizei ergänzen die Verkehrssicherheitsstrategien. „Wenn es irgendwo eine Häufung von Alkoholunfällen gibt, wird ein Planquadrat dort wohl sinnvoller sein“, schmunzelt Postl. „Gegen bewusst gesetztes menschliches Fehlverhalten gibt es kein technisches Werkzeug.“ Mit Sensibilisierungskampagnen versucht die Stadt Wien immer wieder, die notwendige Aufmerksamkeit füreinander in die Köpfe der Menschen zu bringen. Schließlich kommt Respekt vom lateinischen „respicere“, was „zurückschauen“ bedeutet. Das dürfen wir als am Verkehr Teilnehmende ruhig wörtlich nehmen: Denn der Blick über die Schulter – auf Radfahrende, ZuFuß-Gehende oder Autos – kann Leben retten.
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Fotos: Katrin Bruder
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Respekt kommt von „respicere“, das heißt
„zurückschauen“ – nämlich, ob da nicht womöglich Autos, Radfahrende oder Zu-Fuß-Gehende kommen
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Radfahren in Wien? Aber sicher!
In Wien radeln mehr Menschen als je zuvor. Manche fühlen sich dabei unsicher. Fahrsicherheitstrainings und ein paar einfache Tricks können das Sicherheitsgefühl deutlich erhöhen
„Denn das Problem ist folgendes: In der Stadt ist der Geschwindigkeitsunterschied zwischen Rad und Auto viel geringer als der zwischen Zu-Fuß-Gehenden und Radfahrenden.“ Wichtig sei außerdem, dass Radfahrende keine Zu-Fuß-Gehenden schneiden.
Wiens Weg zur Radstadt
Mehr Sicherheit im Verkehr
„Wir bekommen Rückmeldungen, dass sich vieles verbessert hat“, sagt Martin Blum, Radverkehrs-Beauftragter der Stadt Wien. „Speziell Gäste aus dem Ausland berichten uns, dass man in Wien gut Rad fahren kann. Wir wissen aber auch, dass es noch viel zu verbessern gibt.“ „Wenn man geübt ist, kann man hier sicher gut fahren“, ergänzt Eliza Brunmayr, FahrSicherRad-Kursleiterin der Radlobby. „Aber Wien ist noch nicht unbedingt die radfreundlichste Stadt für weniger Geübte.“ Das erkenne man auch daran, dass nicht alle Bevölkerungsgruppen auf den Radwegen zu sehen sind: „Kinder, Jugendliche, ältere Menschen und Radneulinge sind unterrepräsentiert.“
Eliza Brunmayr von der Radlobby hält Verkehrssicherheitskurse für Radfahrende ab – auch für sogenannte „Wiederaufsteigende“, etwa mit E-Bike. „Wer mit dem E-Bike wieder anfängt, muss berücksichtigen, dass das E-Bike ziemlich schwer ist und schnell beschleunigt. Da ist es sinnvoll, erst ein paar Übungen zur Radbeherrschung zu machen, bevor man im Verkehr unterwegs ist.“ Auch wer ein oder mehrere Jahrzehnte lang nicht oder nur am Land gefahren ist, muss sich an den Stadtverkehr gewöhnen. „In der Stadt gelten ein paar zusätzliche Verhaltensregeln. Aber wenn man die beachtet, ist man sicher unterwegs.“ Zu Konfliktstellen zwischen ZuFuß-Gehenden und Radfahrenden sagt Eliza Brunmayr: „Wenn nicht genug Platz ist, wird es schwierig, beide auf dieselben Flächen zu leiten. Und der Geschwindigkeitsunter-
braucht mehr Sicherheit
durch Fahrsicherheitskurse
„Radfahrende fühlen sich sicher, wenn sie das Gefühl haben, dass Autofahrende bei Kreuzungen vorsichtig sind.“ Martin Blum, Leiter der Mobilitätsagentur
Wie können sich
Radfahrende sicherer fühlen? „Radfahrende fühlen sich sicher, wenn sie das Gefühl haben, dass Autofahrende bei Kreuzungen vorsichtig sind“, erklärt der Radbeauftragte Blum. „Dabei sollte man weder telefonieren noch SMS schreiben.“ Auch das Tempo ist ein wichtiger Punkt: „Wenn überholt wird, soll das mit ausreichendem Abstand und bei eher niedrigerem Tempo geschehen.“ „Wir appellieren aber auch an die Radfahrenden, auf Zu-Fuß-Gehende Rücksicht zu nehmen“, setzt er fort.
Fahrradtipps Mit dem Rad sicher durch den Sommer: Helmpflicht für Kinder bis 12 Jahre. Erwachsene sollten ihren Kopf aus Sicherheitsgründen ebenfalls mit einem Helm schützen. Und einige Punkte sind im Sommer ganz speziell zu beachten: • Sonnencreme auf den exponierten Stellen (Arme, Oberschenkel) nicht vergessen!
• Ausreichend Flüssigkeit mitnehmen! • Statt einem Rucksack besser Fahrradtaschen oder Fahrradkorb verwenden, dann bleibt der Rücken schweißfrei • Kopfschutz (Helm wird dringend empfohlen) gegen die Sonne • Wer an Sommerabenden bei Tageslicht wegfährt und vorhat, länger unterwegs zu sein, sollte an ein Licht für die Heimfahrt denken!
schied ist groß – das birgt Konfliktpotenzial.“
Nicht zu eng am Straßenrand und bremsbereit fahren
Eine wichtige Verhaltensregel ist das Abstandhalten. Eine entsprechende Kampagne der Radlobby heißt „Abstand macht sicher.“ Ein großes Problem ist, dass viele Radfahrende knapp am Straßenrand fahren. Das vermittelt ein Sicherheitsgefühl – nur leider ist es falsch. „Man tut damit so, als wäre man eh nicht da – und wird dann oft sehr knapp überholt. Nun kann man nicht mehr ausweichen, weil man eh schon am Straßenrand fährt. Daher ist eine zentrale Regel zu beachten: Nach rechts etwas mehr als einen Meter Abstand halten und sich diesen Raum nehmen“, sagt Eliza Brunmayr. „Man darf sich auch nicht verunsichern lassen, wenn jemand drängelt oder hupt.“
Planerische Maßnahmen
erbringen mehr Sicherheit Fachleute raten zu folgender Faustregel: Sich nach außen hin offensiv verhalten, aber nach innen defensiv, also immer bremsbereit, fahren. Wichtig sei außerdem, trotz Vorrangs immer den Blickkontakt herzustellen und zu schauen, dass man gesehen wird. Eine andere wichtige Regel besagt, dass man vorausschauend fahren soll. Also so, dass man mögliche Gefahrensituationen schon im Voraus erkennen und rechtzeitig darauf reagieren und für andere mitdenken kann. „In der Innenstadt sind die baulichen Gegebenheiten sehr eng“, erklärt der Radverkehrs-Beauftragte der Stadt Wien Martin Blum. „Da ist es schwer, Maßnahmen zu treffen.“
Fotos: Wolfgang Zajc/Mobilitätsagentur Wien
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n den letzten zehn Jahren hat sich Wien zur Radstadt gemausert. In der Hälfte aller Wiener Haushalte gibt es mindestens ein Fahrrad und im Durchschnitt besitzt jeder Fahrradhaushalt 2,4 Räder. Das macht insgesamt eine Million Fahrräder in Wien.
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„Der Äußere-Ring-Radweg ist die Straße mit dem größten Zuwachs an Radfahrenden in ganz Wien.“
Hingegen sei der „Äußere-RingRadweg“ ein Erfolg. „Das ist die Straße mit dem größten Zuwachs an Radfahrenden in ganz Wien.“ In den Stadterweiterungsgebieten werde jedenfalls von vornherein darauf geachtet, Zu-Fuß-Gehenden und Radfahrenden den nötigen Platz zu verschaffen. Ziel ist, bis 2030 den Autoverkehr in der Stadt zu halbieren – wachsen sollen dafür der öffentliche Verkehr sowie die Anzahl der Zu-Fuß-Gehenden und Radfahrenden.
Guter Rat für wiederauf-
steigende Radfahrende
„Ich würde auf ruhigen Straßen beginnen, etwa Wohnstraßen“, rät
liza Brunmayr. „Wenn man sich E dort sicher fühlt, kann man sich auch auf andere Strecken trauen, vielleicht an einem Sonntag, wo weniger Verkehr ist. Beginnen würde ich auf ruhigen Straßen.“ Und der Radverkehrs-Beauftragte der Stadt Wien Martin Blum ergänzt: „Aus Erfahrung wissen wir, dass Menschen, die sich erst unwohl fühlen und sich trotzdem wieder in den Sattel setzen, sehr schnell merken, dass es doch geht. Man sollte möglichst darauf achten, unterschiedliche Strecken zu wählen, und vor allem solche, auf denen man sich sicher fühlt.“ Man findet sie etwa mit dem Routenplaner der Mobilitätsagentur auf www.fahrradwien.at Text: Sabine Edith Braun
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Martin Blum, Radverkehrs-Beauftragter der Stadt Wien Verstöße und das Bußgeld
Fehler, die man vermeiden sollte – und was sie kosten:
• Radfahren auf dem Gehsteig • Radfahren gegen die Einbahn • Telefonieren beim Radfahren (ohne Freisprecheinrichtung) • Missachten eines Stoppschilds • Überfahren einer roten Ampel • Alkoholisiert Rad fahren (mehr als 0,8 ‰)
€ 30,– € 50,– € 50,– € 50,– € 70,– € 800,– Die angegebenen Strafen beziehen sich auf Organstrafverfügungen; im Falle einer Anonymverfügung oder Strafverfügung können sie auch höher sein. Verboten ist außerdem: Radfahren mit Hund an der Leine, die Mitnahme von Personen am Gepäckträger, freihändiges Radfahren sowie das Radfahren auf Schutzwegen.
Linktipps Links für Radfahrende: Homepage der Mobilitätsagentur samt Routenplaner: www.fahrradwien.at Verkehrssicherheitskurse der Radlobby Wien: http://fahrsicherrad.at Gefahrenstellen für Radfahrende melden: http://radkummerkasten.at
Quelle: http://issuu.com/fahrradwien/docs/radfibel_screen_issuu
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„Zu-Fuß-Gehende in den Mittelpunkt!“
Das fordert die Verkehrspsychologin Lilo Schmidt, um die Verkehrssicherheit in Wien noch weiter zu erhöhen
chon fast acht. Martin K. sprintet schnaufend die Stiegen hoch und saust aus der U-Bahn-Station Margaretengürtel. Aktentasche zu Hause vergessen, noch einmal zurück, so ein Mist. Hätte allerdings leicht noch schlimmer kommen können, denn kaum aus der Station, mäht ihn fast eine Radlerin nieder. Den darauf folgenden Wortwechsel geben wir hier nicht wieder. Begnügen wir uns damit, dass es noch einmal gut gegangen ist.
Die Umlegung eines Radwegs für mehr Sicherheit
Nicht nur Hektik begünstigt das Konfliktpotenzial zwischen den am Verkehr Teilnehmenden, auch bauliche Gegebenheiten können sich verstärkend oder mildernd darauf auswirken. Derzeit etwa führt der Radweg direkt am U-Bahn-Ausgang Margaretengürtel vorbei. „Das haben wir natürlich auch bemerkt“, sagt Markus Raab, Leiter der MA 46 (Magistratsabteilung für Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten). „Deshalb bereiten wir gerade die Umlegung dieses Radwegs vor.“ Als gern ein bisschen sudernder Stadtmensch bekommt man normalerweise nicht mit, dass die eigene kritische Einstellung nicht unbedingt die einzige ist. Markus Raab, selbst überzeugter Radfahrer und Öffi-Benutzer, hat gleich mehrere Fachgruppen unter sich, die ständig ihren geübten Blick über den Stadtverkehr schweifen lassen, ihn auf Schwachstellen absuchen und Verbesserungsmöglichkeiten in Angriff nehmen. „Es gibt immer etwas, woran man feilen kann“, sagt der Leiter der MA 46.
Die Vorteile von
Busschleusen für den Verkehr Vergegenwärtigt man sich unsere Stadt, wird schnell klar, wie vielschichtig und umfassend diese Aufgabe ist. So begutachten die Fachleute der MA 46 bei Straßenneu- oder -umbauten jeden Plan und jede vorgesehene Örtlichkeit, um beispielsweise auf die Mindestbreiten von Flächen, die strategisch sinnvolle Festlegung von Ampeln und die ideale Koordination des Verkehrs zu achten. Was aber ist zu tun in dicht verbautem Gebiet?
Muss man die Verhältnisse dort so nehmen, wie sie historisch gewachsen sind? „Keineswegs“, sagt Raab. „Es gibt genügend Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung. Oft kann man schon mit kleinen Eingriffen viel erreichen.“ Ein Beispiel sind Busschleusen: Früher ließ man den Verkehr gleich neben dem haltenden Bus vorbeiziehen, ohne Rücksicht auf ihm nachhetzende oder sich von ihm entfernende Fahrgäste. Heute baut man zwischen Bus und Fließverkehr eine Aufstellfläche. Oder nehmen wir das typische Wiener „Ohrwaschl“:
Tipps Spielerisch zur Verkehrssicherheit: Radfahrregeln kennen die meisten. Aber wer weiß, dass Scooterfahren am Radweg verboten ist? Das Wissen um Verkehrsregeln und Sicherheitstipps helfen Kindern, sich kompetent im Verkehr zu bewegen. Mit „Scooterkids“ und dem „Verkehrssicherheitsquiz“ wurden seit dem Vorjahr bereits über 6.000 Sechsbis Zwölfjährige erreicht. Scooterkids • informiert in einem Flyer über Scooterregeln (Fahren nur am Gehsteig, in Fußgängerzonen, Wohnstraßen; Kinder unter zwölf nur in Begleitung von Erwachsenen etc.) • bietet beim Wiener Ferienspiel und in den Übungsverkehrsgärten einen Übungsparcours, an dem Kinder die
verschiedensten Situationen trainieren können (Gehsteigkanten, Schutzwege, Gefälle etc.) • erklärt gute Ausrüstung (Helm, feste Schuhe etc.) • gibt Tipps für den Gerätekauf • zeigt, worauf man beim Bremsen achten muss Verkehrssicherheitsquiz wie ein Quizrad – das macht Spaß und Wissen wird belohnt • vermittelt wichtige Verkehrsregeln • beinhaltet gängige Verkehrszeichen • bringt Kinder und Erwachsene über das Thema Verkehr ins Gespräch • ist anzutreffen bei den sicherheitspädagogischen Tagen in Volksschulen und beim Wiener Ferienspiel am Scooterparcours
• funktioniert
Diese Gehsteigverbreiterung an Kreuzungen sorgt dafür, dass am Verkehr Teilnehmende einander besser sehen. Auf jede Häufung von Unfällen folgen zudem sachkundige Analysen und Sanierungen. „Gibt es an einer Stelle innerhalb von drei Jahren drei typengleiche Unfälle mit Personenschaden, wissen wir, dass wir Handlungsbedarf haben.“
Weniger Personenschäden, 87 Prozent weniger Tote
Neben der Flüssigkeit und Leichtigkeit des Verkehrs wirkt sich der technische und organisatorische Einsatz auch auf die Wiener Unfallstatistik aus: um 40 Prozent weniger Personenschäden, um 87 Prozent weniger Tote als vor dreißig Jahren. Trotzdem müssen wir immer wieder über das Verhalten so mancher am Verkehr Teilnehmenden den Kopf schütteln. Etwa wenn uns Radfahrende schneiden, die ohne Rücksicht auf Verluste durch die Stadt schießen. Womöglich noch mit Kopfhörern auf statt Helm. Oder wenn jemand trotz Verbots im Auto telefoniert oder „SMSend“ durch die Gegend zockelt. „Da werden wir uns noch einiges einfallen lassen müssen“, sagt Lilo Schmidt, selbstständige Verkehrspsychologin und Universitätslektorin. „Ablenkung ist fatal. Das gilt für alle am Verkehr Teilnehmenden.“ Ein reibungslos funktionierender Verkehr sei ein Kommunikationsprozess, der permanente Aufmerksamkeit erfordere. „Auch das Tempo spielt eine Rolle, denn wir Menschen aktivieren unser Verantwortungsgefühl erst dann, wenn wir eine soziale Situation als solche einordnen können“, so Schmidt. „Die Gestik und Mimik eines anderen kann ich nicht mehr beobachten, wenn ich zu schnell bin.“ Dann sehen wir vor uns
Fotos: Rudolf Salomon/MA 46
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Alle profitieren, wenn wir in der Stadt langsamer unterwegs sind. Ein nur mehr das Auto und nicht mehr den Menschen. Auch aus anderen Gründen ist die Fachfrau für Tempolimits. „Alle profitieren, auch die Autofahrenden, wenn wir in der Stadt langsamer unterwegs sind.“ Ein besseres Mit einander und mehr Lebensqualität wären die Folge. Und wohl auch ein flüssigerer Verkehr. „Die beste Verkehrssicherheits maßnahme ist zweifellos eine Be einflussung der Verkehrsmittelwahl hin zu sicheren und umweltfreund
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besseres Miteinander und mehr Lebensqualität sind die Folge
lichen Formen der Fortbewegung“, fügt Schmidt hinzu. „Zu-Fuß-Ge hende sollte man noch viel mehr in der Mittelpunkt stellen.“ Die guten Ansätze der Stadt diesen gegenüber begrüße sie sehr, doch da sei noch Luft nach oben.
Im Alkohol ertrinkt auch das
Verantwortungsgefühl
Anja M. hat ins Röhrchen geblasen. Mit so viel Promille, dass sie froh sein muss, dass nichts Schlimmeres
passiert ist als der Führerscheinver lust und vier Abende Nachschulung. Hier bekommt sie von Fachleuten wie Lilo Schmidt unter anderem Einblicke in die Gehirnforschung. Was passiert im Oberstübchen ge nau mit Koordinationsfähigkeit, Ri sikobereitschaft und Reaktionszeit? „Schon mit 0,3 Promille sehen die Augen ganz anders“, verdeutlicht Schmidt. Wer hierherkommt, fiel allerdings mit mehr als 1,2 Promille auf. Oder hat in der Probeführer scheinzeit die Null-Promille-Verord
nung nicht eingehalten. „Diese Maß nahme konnte die Rückfallquote um die Hälfte senken“, sagt Schmidt. „Wir sagen immer, wer nach drei Krügerln weiß, dass er nicht fahren kann, setzt sich nach acht Krügerln wieder ans Lenkrad.“ Anders gesagt: Ab einer gewissen Alkoholisierung wird jegliches Verantwortungsge fühl mitertränkt. Verantwortungsgefühl fürein ander ist aber genau das, was wir im Verkehr brauchen. Text: Uschi Sorz
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„Gut miteinander auskommen“
Die Mobilitätsagentur der Stadt Wien kümmert sich auch um die Angelegenheiten von Zu-Fuß-Gehenden. Ihre FußgängerInnenbeauftragte Petra Jens erklärt, was das genau bedeutet
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ehntausend Schritte pro Tag, also etwa eine Stunde zu Fuß gehen, sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) jenes Maß an Bewegung, das unser Körper braucht. Dieses Pensum lässt sich im Alltag ganz leicht erfüllen, ist man im Team „Wien zu Fuß“ der Wiener Mobilitätsagentur überzeugt. „Wir sind eine Kommunikationsstelle zwischen der Wiener Bevölkerung und der Stadtverwaltung in Fragen des Fußverkehrs und der Barrierefreiheit“, sagt Petra Jens, Beauftragte der Stadt Wien für ZuFuß-Gehende. Die Mobilitätsagentur nimmt Anfragen, Anregungen, Beschwerden und Ideen entgegen – entweder in der Online-Wunschbox ihrer Website www.wienzufuss.at oder auch per Telefon oder Brief. Die Anliegen werden dokumentiert und zu einer weiteren Bewertung und Bearbeitung an die entsprechende Magistratsabteilung weitergeleitet.
„Wir sprechen auch die positiven Effekte des Zu-Fuß-Gehens an, etwa für die Gesundheit.“ Petra Jens, Mobilitätsagentur
Information über Problem- stellen in Bezirken
Bei der Organisation zahlreicher Kampagnen und Veranstaltungen, die sich immer an mindestens zwei Gruppen von am Verkehr Teilnehmenden richten, arbeitet die Mobilitätsagentur eng mit verschiedenen Partnern wie der Polizei, dem ARBÖ, den Wiener Fahrschulen, der Ärztekammer, der AUVA oder den Bezirken zusammen. „Die Zusammenarbeit mit den Bezirksvorstehungen ist uns ganz besonders wichtig“, meint Jens. „Sie sind für uns eine gute Informationsquelle, weil sie nahe an den Menschen in Wien sind und die Problemstellen im Straßenverkehr in ihrem Bezirk genau kennen.“
Weltweit unterschiedliche
In der Räumphase „Leo“ ist
Straßenmarkierungen
es an der Ampel sicher
Im Vorjahr, dem ersten Jahr des Bestehens der Mobilitätsagentur, wurden hunderte Anfragen ausgewertet und dokumentiert. „Die häufigsten Problemfelder im Verkehr, mit denen wir konfrontiert werden, sind Geschwindigkeit und Lärm des motorisierten Verkehrs, das Nicht-Anhalten vor Schutzwegen, Konflikte mit Radfahrenden und Konflikte an der Ampel“, zählt Jens auf. Die Verunsicherung und die Konflikte an der Ampel entstehen vor allem bei Abbiegemanövern von Autofahrenden, wenn die Fußgängerampel rot ist und die Zu-Fuß-Gehenden sich noch am Zebrastreifen befinden. Das wird oft falsch interpretiert, es kommt zu Huperei und Wortwechseln. Die
aben, die Fahrbahn zu verlassen. h Die Räumphase kann aber nur funktionieren, wenn sie alle kennen und respektieren“.
Zu-Fuß-Gehenden geraten in Stress. Sie haben das Gefühl, dass die Grünphase zu kurz sei, um es rechtzeitig über die Straße zu schaffen. Dieser Verunsicherung versucht die Mobilitätsagentur durch Informationen über die Ampel-Warnphase zu begegnen. 2013 lief in Österreich die Aktion „Bleib gelassen an der Ampel“ (www.aktionampel.at). In Wien wurde sie „Räumphase ist Leo!“ genannt. „Beim Fangenspiel ist ,Leo‘ für Wiener Kinder der Ort, wo man in Sicherheit ist“, erklärt Jens. „Das bedeutet also, dass sich die Zu-FußGehenden nach dem Grünblinken noch immer in einer Schutzzone befinden und ausreichend Zeit
Da der Anteil an Radfahrenden in Wien von Jahr zu Jahr steigt, rückt das Thema Rücksichtnahme gegenüber den Zu-Fuß-Gehenden auch immer mehr in den Vordergrund. Die meisten Schwierigkeiten
e ntstehen auf einem gemischten Geh- und Radweg wie am Ring. Das Erkennen von Rad- oder Fußweg ist besonders für manche Gäste Wiens eine Herausforderung. Denn Bodenmarkierungen können von Land zu Land unterschiedlich sein. Schwierigkeiten können aber auch die Radfahrenden selbst heraufbeschwören. „Autofahrende sowie Zu-Fuß-Gehende empfinden es als unangenehm, wenn Radfahrende zu knapp und zu schnell vorbeifahren“, weiß Jens. „In unserer Arbeit geht es aber nicht darum zu sagen, diese Gruppe verhält sich falsch. Uns liegt am Herzen, bei allen am Verkehr Teilnehmenden Verständnis für die jeweilige Verkehrssituation zu schaffen und zu lernen, gut miteinander auszukommen.“
Die Radfahr-Fibel als
Handbuch für den Verkehr Die wichtigsten Regeln und nützliche Tipps fürs Radfahren in der Stadt hat die Mobilitätsagentur in einer Radfahr-Fibel zusammengefasst. „Im Frühjahr sind wir in den Bezirken unterwegs und verteilen unterschiedliches Informationsmaterial zum Thema Verkehr. Besonders die Radfahr-Fibel wird von den Menschen sehr gern genommen“,
Verkehrssicherheitstipp Schulwegpläne für den sicheren Weg zur Schule „Bei der Erstellung neuer Schulwegpläne, die sich an Volksschulkinder bis zur dritten Klasse richten, arbeiten wir mit Kindern, ihren Eltern, dem Lehrkörper sowie den Kinderpsychologinnen und -psychologen zusammen“, meint Gabriele Steinbach, Koordinatorin für FußgängerInnen- und Jugendangelegenheiten der MA 46. „Nach Auswertung aller Daten starten wir eine Begehung vor Ort, bei der Maßnahmenvorschläge und ein Entwurf für den jeweiligen Schulwegplan erstellt werden.“ Diese Initiative hat die MA 46 in Zusammenarbeit mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit 2002 ins Leben gerufen. Nun setzt sie sie seit 2004 mit der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) fort. www.schulweg.wien.at www.auva.at
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Mobilitätsagentur, 17., Lienfeldergasse 96, Tel. 4000-49906 gehen@mobilitaetsagentur.at www.wienzufuss.at
freut sich Jens. Doch sieht sie noch viel Kommunikationsbedarf: vor allem bei Fragen wie Abstandhalten und Tempoverringern. Das ist besonders wichtig, wenn man an älteren Personen und Personen mit kleinen Kindern vorbeifährt.
Ein Spaziergang als Erholung
Fotos: Katrin Bruder
vom Alltagsstress
„Wien hat ja für die
Zu-Fuß-Gehenden sehr viel zu bieten: viele Parks und Grünflächen.“ Petra Jens
„Wir befassen uns aber nicht nur mit Konfliktsituationen“, erklärt Jens. „Wir sprechen auch die positiven Effekte des Zu-Fuß-Gehens an, etwa für die Gesundheit. Wir machen Lust auf das Zu-Fuß-Gehen und möchten dazu anregen, sich mit einem täglichen Spaziergang eine Erholung vom Alltagsstress zu gönnen. Wien hat ja sehr viel zu bieten – viele Parks und Grünflächen, in denen man einen halben Urlaub verbringen kann.“ Wer sich allein zu einem Spaziergang nicht aufraffen kann, der ist im „Geh-Café“ gut aufgehoben. Die Teilnahme an den geführten Spaziergängen, die immer in einem anderen Bezirk stattfinden, ist kostenlos. Dabei kann man nicht nur neue Grätzel in der Stadt entdecken, sondern auch in Gesprächen mit Fachleuten und Gleichgesinnten einiges über das Zu-Fuß-Gehen, die Gesundheit, das jeweilige Grätzel oder über interessante, wienweite Themen erfahren. Die kommenden Geh-CaféTermine: 16. September um 17 Uhr im Sonnwendviertel (10. Bezirk) und 4. Dezember ebenfalls um 17 Uhr in der Wiener Planungswerkstatt – ein Geh-Café Spezial, nämlich der Jahresrückblick der Mobilitätsagentur 2014. Noch mehr Veranstaltungen findet man im ersten Wiener Spaziergangkalender auf der Website www.wienzufuss.at Text: Nora Fuchs
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Damit alles fließt
In Wien ist jede Baustelle genau geplant – auch wenn die am Verkehr Teilnehmenden manchmal den Eindruck haben, dass nur im Sommer gebaut wird
ie 14.000 Straßenbaustellen, die es pro Jahr in Wien gibt, unterliegen einer exakten Planung. Dazu gehört nicht nur eine ausgeklügelte, zeitlich optimale Abfolge, sondern auch die regelmäßige Überprüfung der Sicherheit. Die Vorlaufzeit ist lang: Im September findet jährlich die Planung für das Folgejahr statt. Einzelne Dienststellen – Straßenbau, Wiener Netze, Wiener Wasser – geben dann ihre Projekte bekannt.
Die Koordination von 14.000 Baustellen jährlich in Wien
Damit beginnt die Tätigkeit des Baustellenkoordinators. Norbert Berger von der Baustellenkoordination der MA 46 erstellt die Liste der wichtigen Infrastrukturprojekte. Das hat auch wirtschaftliche Gründe: Wenn Wasserrohre und der Straßenbelag
repariert werden müssen, hat es wenig Sinn, zuvor den Asphalt zu erneuern, um diesen ein halbes Jahr später wieder aufzugraben. „Es geht aber auch um die Entscheidung: Ist das jetzt etwas Verkehrseinschneidendes?“, sagt Berger. Heuer sind dies die Westeinfahrt, der Gürtel und die Gürtelbrücke. Bei solch großen Baustellen finden regelmäßig „Einbautenbesprechungen“ statt: Dabei wird sichergestellt, dass etwa beim Aufgraben des Asphalts kein Gasrohr angestochen wird. Ebenfalls wöchentlich gehen Informationen an die Medien und die Autofahrerclubs.
Der Grund für die großen Bauprojekte im Sommer
Tausende Baustellen von unterschiedlichen Antragstellenden werden das ganze Jahr über abgewickelt
– vom Frühling bis in den Herbst. Der Sommer ist die Zeit für große Projekte – nicht nur wegen des Wetters. „Durch die Schulferien gibt es keine Schulfahrten und einen geringeren Morgen- und Abendverkehr“, sagt Berger. In Wien verringert sich
der Verkehr im Sommer um 10 bis 20 Prozent. Je mehr Menschen im Urlaub sind, desto weniger ist in der Stadt los.“ Die Baustellen werden terminlich und örtlich so gestaltet, dass der Verkehr trotzdem noch gut Text: Sabine Edith Braun fließt.
Kurse für Motorradfahrende Safebike – Fahrsicherheitstraining Mehr Sicherheit auf dem Motorrad Seit mehr als zehn Jahren bietet die Stadt Wien (MA 46) eintägige Fahrsicherheitstrainings für einspurige Kraftfahrzeuge an. Bestimmte Situationen, etwa kontrolliertes Bremsen und Gasgeben, werden dabei ebenso geübt wie das Kurvenfahren auf der Autobahn. Das Ganze findet im Fahrtechnikzentrum in Pachfurth in Niederösterreich statt. 800 bis 1.000 Personen nehmen das kostenlose Angebot der MA 46 jährlich in Anspruch. Es richtet sich auch an in
der Freizeit Fahrende, die nicht dieselbe Übung haben wie jemand, der täglich und bei jedem Wetter mit dem Moped oder Motorrad in die Arbeit fährt. Aber auch an alle, die eine kleine Auffrischung machen wollen, bevor sie sich zu Saisonbeginn in den Sattel schwingen. Mehr als 70.000 einspurige Kraftfahrzeuge sind in Wien zugelassen. „Wichtig ist, dass die Menschen mit dem eigenen Fahrzeug kommen, denn sie sollen ja genau auf dem Fahrzeug üben, mit dem sie dann auch hauptsächlich unterwegs sind“, sagt MA-46-Sprecherin Iris Wrana.
Fotos: Katrin Bruder
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Eine der jährlich 14.000 Straßenbaustellen in Wien – in diesem Fall auf der Mariahilfer Straße
SPECIAL
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Gefährliche Stellen
Treten an bestimmten Orten gehäuft ähnliche Unfälle auf, werden diese Unfallhäufungsstellen „entschärft“
E
dwin Postl von der MA 46 entschärft Unfallhäufungsstellen. Unfall … – was? „Eine Stelle ist dann eine Unfallhäufungsstelle, wenn dort mindestens drei gleichartige Unfälle mit Personenschaden innerhalb von drei Jahren passieren, oder wenn es mindestens fünf gleichartige Unfäl le mit Sachschaden innerhalb eines Jahres gibt“, sagt Postl. „Gleichartig“ sind Unfälle dann, wenn es sich um den gleichen Un falltyp handelt. Die Richtlinie sieht über hundert Unfalltypen vor. Postl nennt ein paar Beispiele: „Recht winkelige Kollision, Abbiegeunfall, Abkommensunfall (ein Auto kommt von der Fahrbahn ab, der Fahrer verletzt sich), Auffahrunfall etc.“ Datengrundlage ist eine „Unfall datenbank“, bestehend aus sämtli chen von der Polizei aufgenomme nen und von der Statistik Austria anonymisierten Unfalldaten. „Da hat man einen Ortsbezug: Man weiß, wo der Unfall geschehen ist, welche Fahrzeugart bzw. welche Art von am Verkehr Teilnehmenden
beteiligt war und aus welcher Rich tung die Fahrzeuge kamen. Auch den Kollisionspunkt kennen wir meist ziemlich genau, der ergibt sich aus dem Unfalltyp.“ Wenn man auch die Straßen- und Wetterzustände kennt, kann man den Unfall nachvollzie hen. Eines ist Edwin Postl wichtig: „Uns geht es nicht um die Schuld frage. Das klären die Gerichte. Wir analysieren Rahmenbedingungen und Unfallursache.“ Die Unfalldatenbank ist aber nicht die einzige Quelle der Unfall forschenden. Es gibt auch viele Hin weise aus der Bevölkerung. Diese ergehen telefonisch und schriftlich an die MA 46 oder über den Bürger dienst. „Solche Hinweise sind oft sehr zweckdienlich – obwohl es auch ein subjektives Unsicherheitsgefühl gibt“, sagt Postl. Um eine Unfallhäufungsstelle zu entschärfen, gibt es mehrere Arten von Maßnahmen: überwachungs technische (Planquadrat), orga nisatorische (Optimierung durch Hilfsmittel wie Bodenmarkierun
gen oder Verkehrszeichen) und bauliche. „Letzteres geschieht dort, wo es massive Defizite gibt, etwa Plateau-Erhöhungen vor Kreuzun gen, um Fahrzeuglenkende einzu bremsen.“ Als Beispiel für eine entschärfte Unfallhäufungsstelle nennt Postl den Radweg am Hernalser Gürtel „in der alten 8er-Trasse. Der geht bergab zur Kreuzung. Dort gab es vermehrt Unfälle mit linksab biegenden Autos in die Kinder spitalgasse. Wir haben die Un fallhäufung lichtsignaltechnisch saniert: Es gibt jetzt eine eigene Linksabbiegephase.“ Die wichtigste Unfallprophy laxe sei aber immer noch ständige Konzentration auf den Verkehr, „egal ob man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto unter wegs ist“, sagt Edwin Postl. „Das Fehlverhalten der anderen ausglei chen – also nicht um jeden Preis auf seinen Vorrang bestehen –, das sollte die Prämisse sein!“ Text: Sabine Edith Braun
Ohrwaschl Die „Gehsteigvorziehung“: mit wenig Aufwand viel Sicherheit Nein, es handelt sich beim Wiener „Ohrwaschl“ um keine Parkplatzverbauungsmaßnahme, die den Autofahrenden das Autofahren madig machen soll. Das „Ohrwaschl“ – Amtsdeutsch „die Gehsteigvorziehung“ – an vielen Wiener Straßenecken hilft, die Sichtbeziehungen auf Kreuzungen zu verbessern. Wodurch vor allem die Sicherheit der Zu-Fuß-Gehenden erhöht wird. Zu-Fuß-Gehende, die eine Fahrbahn queren wollen, sehen dank des Ohrwaschls Autos früher und besser – und sind wiederum auch von den Auto fahrenden früher und besser zu erkennen. Für die Zu-Fuß-Gehenden verkürzt sich durch ein Ohrwaschl auch die Querungslänge auf der Fahrbahn. Dass diese baulichen Sicherheitsmaßnahmen Parkplätze wegnehmen, ist übrigens ein Mythos unter Autofahrenden. Denn an den Ecken der Gehsteige bzw. an den Kreuzungen gilt seit jeher sowieso ein Parkverbot.
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sicher auf Wiens Strassen
Begegnungszone Mahü
Begegnungszonen gibt es in Österreichs Mittelstädten bereits seit einiger Zeit – mit Erfolg. Doch mit der Mahü-Begegnungszone setzt sich Wien auch in dieser Hinsicht an die Spitze
u Stoßzeiten verkehrsreich und stark frequentiert: Wiens beliebteste Einkaufsstraße bot in den letzten Jahren nur mehr wenig Lebensqualität. Höchste Zeit also für einen Neubeginn auf der „Mahü“. Demgemäß hat sich die Stadt Wien viel vorgenommen: „Die Mariahilfer Straße steht für den Beginn einer völlig neuen Verkehrskultur in Wien“, erklärt Martin Blum, Radverkehrs-Beauftragter der Stadt Wien und Leiter der Mobilitätsagentur. Er und sein Team unterstützen das Umsteigen auf Zu-Fuß-Gehen, Radfahren und Öffentliche Verkehrsmittel.
Warum es zur Begegnungszone Mahü kam
Seit Mitte der Neunzigerjahre steigt die Zahl der Zu-Fuß-Gehenden kontinuierlich an, heute sind je nach Wochentag zwischen 25.000 und 70.000 Menschen zu Fuß unterwegs. Die Stadt Wien will diese Form des „Boulevards“ bestärken – eine Verkehrsberuhigung der Mahü lag daher nahe. Erste Überlegungen dazu begannen 2010, als man über die Einrichtung einer Fußgängerzone
Ausblick Neue Begegnungszonen in Wien In Zukunft sollen noch weitere Begegnungszonen in Wien umgesetzt werden, um in bestimmten Grätzeln mehr Lebensqualität zu schaffen. Hält man sich an erste Studien aus der Schweiz, ist dies durchaus begrüßenswert. Die Bilanz ist nämlich überaus positiv: Die Zahl der Verkehrsunfälle und Verletzten ist deutlich niedriger als vorher. Die Umwandlung in eine Begegnungszone wird die „Mahü“ also nicht nur lebenswerter, sondern auch sicherer machen.
nachdachte. Diese wäre jedoch auch wegen Garageneinfahrten auf der gesamten Länge der Mariahilfer Straße nicht möglich gewesen. So ergab sich das Konzept der Begegnungszone als ein verkehrsberuhigter Ort, an dem Autos, Radfahrende und Zu-Fuß-Gehende gleichberechtigt unterwegs sind. „Wir haben insgesamt ein gelungenes Konzept geschaffen, mit einer Fußgängerzone zwischen Andreasund Kirchengasse und zwei Begegnungszonen in den Außenbereichen der Straße“, sagt Blum.
Was ist eine Begegnungszone und was bringt sie?
„Sie soll eine gemeinsame Verkehrsfläche für alle am Verkehr Teilnehmenden sein“, meint Martin Blum. Stärkere nehmen auf die Schwächeren Rücksicht. Kraftfahrzeuge
dürfen Zu-Fuß-Gehende nicht behindern, diese wiederum den Verkehrsfluss nicht mutwillig stören. „Ich vertraue dem Prinzip der gegenseitigen Rücksichtnahme – hier geht es um ein sinnvolles Miteinander.“ Die Begegnungszone zählt zum fließenden Verkehr und ist daher gegenüber anderen Verkehrsflächen nicht nachrangig. Es gelten die allgemeinen Vorrangregeln. „Der Trend geht weltweit zur Begegnungszone“, sagt Blum. „Die starke Trennung zwischen den am Verkehr Teilnehmenden soll aufgehoben werden.“ Ziel ist nicht nur die Verkehrsberuhigung, sondern auch die Rückeroberung der Straße durch die Zu-Fuß-Gehenden: Die Menschen sollen ihre Stadt genießen können, die Barriere-Wirkung des Autoverkehrs soll verringert werden. Die ersten Begegnungszonen entstanden 2002 in der Schweiz. Auch in Frankreich, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden gibt es ähnliche Modelle, alle basierend auf dem Konzept des „shared space“ unter allen am Verkehr Teilnehmenden.
Wien kommt spät, setzt sich nun aber an die Spitze
In Österreich trat am 31. März 2013 die Novelle zur Straßenverkehrsordnung in Kraft. Sie ermöglicht Begegnungszonen. Diese haben sich seitdem in Städten wie Bludenz, Dornbirn, Graz, Linz, Villach, Mödling oder St. Pölten etabliert. Da kann doch Wien nicht nachstehen. Und mit der Mahü ist die Stadt wieder ganz vorn: „Die Mariahilfer Straße ist beispielgebend für diese Art der Verkehrsberuhigung in Österreich. Denn es ist eine Hauptverkehrsstraße, und die Neugestaltung wird die Bedeutung dieser Straße wider-
spiegeln“, erläutert Blum. Die Straße wird für alle einen Mehrwert bieten, mit Grünflächen, Ruhezonen, Aktivzonen und Schanigärten.
Wie funktioniert die
Begegnungszone Mahü? „Essenziell sind der Blickkontakt und die Körpersprache zwischen den am Verkehr Teilnehmenden“, beschwört Blum das Zusammenspiel aller im Verkehr. „Wir wollen das intuitive Verhalten im Verkehr fördern.“ Die stärkere Aufmerksamkeit und die gegenseitige Rücksichtnahme aller Beteiligten erhöhen die Verkehrssicherheit. Auto- und Radfahrende haben sich an Tempo 20 zu halten und „nehmen Blickkontakt mit Zu-Fuß-Gehenden auf, verständigen sich durch Handzeichen, lassen wenn nötig Zu-Fuß-Gehenden den Vortritt.“ Rollschuhfahrende wiederum müssen ihre Geschwindigkeit den Zu-Fuß-Gehenden anpassen. Bei Tempo 20 ist es allen noch möglich, direkt miteinander zu kommunizieren. Die Menge der Schilder und Markierungen soll gering gehalten werden, um Ablenkungen zu vermeiden und die Menschen aufs Miteinander einzuschwören.
Sicherheit durch bauliche
Maßnahmen auf der Mahü Die neue Straßengestaltung trägt zur Einhaltung der vorgeschriebenen Geschwindigkeit maßgeblich bei. Gerade um die Wechsel zwischen den einzelnen Zonen übersichtlich zu gestalten, plant man spezifische bauliche Maßnahmen. So wird die Begegnungszone niveaugleich umgesetzt, es wird also keine Gehsteigkanten und andere Höhen unterschiede mehr geben. Durch diese einheitliche Oberflächen
Foto: Katrin Bruder
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SPECIAL
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sicher auf Wiens Strassen In der Begegnungszone
Der Projekt-Koordinator Peter Lux über die Begegnungszone Mahü. Herr Lux, in welchem Zustand ist die Begegnungszone gerade? Peter Lux: Dank optimaler Baustellenkoordination und Bauführung seitens der Auftragnehmer sowie der professionellen Zusammenarbeit der beteiligten Dienststellen der Stadt Wien konnten wir bereits am 4. August, zwei Wochen früher als geplant, die ersten beiden Abschnitte der Mariahilfer Straße für die Nutzerinnen und Nutzer freigeben. Derzeit sind rund 145 Meter der westlichen Begegnungszone fertig. Etwas mehr als 1.000 Meter Begegnungszone werden wir bis spätestens 31. Juli 2015 noch baulich herstellen.
Wann ist das Ganze fertig? Lux: Mit der Begegnungszone Ost zwischen Kirchengasse und Getreidemarkt, die bis spätestens 31. Juli 2015 umgesetzt wird, endet der Umbau der Mariahilfer Straße. Die Bauarbeiten für diesen letzten Bauteil beginnen, sobald es die Witterungsverhältnisse zulassen, das wird voraussichtlich im Februar 2015 der Fall sein.
Fotos: Katrin Bruder, Gerd Götzenbrucker/MA 28
Ob die Begegnungszone Mahü ein Erfolg wird, darüber entscheidet letztlich die gestaltung ist für alle ersichtlich, dass die gesamte Verkehrsfläche gemeinsam und unter gegenseitiger Rücksichtnahme genutzt wird. Um die Sicherheit für sehbehinderte Menschen zu gewährleisten, werden auf beiden Seiten der Straße taktile Blindenleitsysteme errichtet. Zusätzlich werden in den Bereichen zahlreicher Ampeln taktile Querungen ermöglicht. Auch an Tage mit erhöhtem Verkehrsaufkommen wie an Einkaufssamstagen wurde gedacht. Daher führt ein alternativer Radweg durch die Lindengasse.
wie Querungshilfen und profitieren von mehr Platz zum Gehen. Die beidseits der Fahrbahn hergestellten Entwässerungsrinnen markieren deutlich den Bereich, für Autofahren, Laden und Zustellen.
Welche Aufgaben fallen für Sie an? Lux: Die präzise Koordination und Abstimmung der beteiligten Dienststellen untereinander, damit eine rasche Bauzeit mit wenigen Beeinträchtigungen für die Wirtschaftstreibenden, die AnrainerInnen und die VerkehrsteilnehmerInnen gewährleistet werden kann.
Was soll die Sicherheit in der Begegnungszone gewährleisten? Lux: Eine Oberfläche ohne hohe Randsteine erleichtert das Vorankommen für Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigung oder Personen mit Kinderwagen. Menschen mit Sehbeeinträchtigung erhalten ein eigenes Blindenleitsystem so-
Verantwortung der Menschen
Entscheidend für den Erfolg der Begegnungszone ist auch die Einbeziehung der Menschen an der Mahü sowie der gesamten betroffenen Bevölkerung. Daran arbeiten Blum und sein Team von der Mobilitätsagentur: „Wir leisten sehr viel Bewusstseinsarbeit bei allen am Verkehr Teilnehmenden und begleiten sie beim Übergang in dieses neue Verkehrsprojekt.“ Auch über das Internet kann man sich gut informieren, und die „Mahü App“ gibt tagesaktuelle Tipps für Auto- und Radfahrende. Text: Alexandra Markl
Wovon wird es Ihrer Meinung nach abhängen, dass die Begegnungszone ein Erfolg wird? Lux: Die gestalterischen und technischen Qualitäten, die an den öffentlichen Raum gestellt sind und die hier in der Mariahilfer Straße umgesetzt werden, sind eine Grundlage dafür, wie die Begegnungszone von den Wienerinnen und Wienern angenommen wird. Wichtig ist, dass die unterschiedlichen VerkehrsteilnehmerInnen partnerschaftlich und rücksichtsvoll miteinander umgehen.
füreinander
Verbesserungen im Verkehr Fahrrad Map – das Pilotprojekt zur Verkehrssicherheit „Wir wollten uns anschauen, wo genau im Alltag Konflikte zwischen Radfahrenden und Zu-Fuß-Gehenden entstehen“, erklärt Martin Blum das Projekt. Er ist Leiter der Mobilitätsagentur Wien, die das Umsteigen auf das Zu-Fuß-Gehen, Radfahren und die Öffis unterstützt. Unter maps.fahrrad-wien.at hatte man Gelegenheit, Konfliktstellen auf Wiens Straßen in eine virtuelle Karte einzutragen. Die rege und rasche Beteiligung ergab 554 Stellen.
„Die Rückmeldungen waren qualitativ sehr hochwertig“, erklärt Blum. Und sie ermöglichten einen lebhaften Austausch zwischen den Radfahrenden – über 2.200 Zustimmungen folgten auf die Kommentare. Bei einzelnen KonfliktHotspots gaben die Betroffenen auch Ratschläge, wie diese entschärft werden könnten. Alle Meldungen sind nach wie vor einsehbar. Das Projekt ist nun abgeschlossen, und alle Kommentare werden gesichtet. Dann wird die Mobilitätsagentur mit Infrastruktur-Fachleuten Verbesserungsvorschläge erarbeiten.
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sicher auf Wiens Strassen
Wien, Zahlen bitte!
Wien wächst rasant. Hier einige beeindruckende Zahlen aus der Großstadt
S
eit Mai 2011 macht die Stadt Wien öffentliche Daten frei zugänglich. Dadurch bekommt die Bevölkerung eine stärkere Mitwirkungsmöglichkeit.
679.492
Menschen leben hier. Damit ist Wien die zweitgrößte Stadt im deutschsprachigen Raum (Berlin hat 3,5 Millionen). Wien wächst jährlich um rund 20.000 Menschen.
Personen – so lautet die Fahrgastzahl der Wiener Linien im Jahr 2013. Ein Zuwachs von rund 25 Prozent seit 2002 (730 Millionen).
1.741.246
415
Quadratkilometer. Auf dieser Fläche erstreckt sich Wien. Rund die Hälfte davon besteht aus Grünflächen (Parkanlagen, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Wälder, Wiesen).
2 bis 15
Prozent beträgt der Grünanteil in den Innenbezirken und bis zu 70 Prozent in den westlichen Bezirken.
1.930
Hektar oder rund 5 Prozent des Stadtgebiets beträgt die Fläche der Gewässer in Wien. Darunter sind 4 Donauarme (Fließgewässer), 29 Augewässer (stehende Gewässer), 4 Flüsse und Kanäle, 29 Wienerwaldbäche und ca. 40 Teiche und kleine Seen.
37,7°
Celsius wurden am 30. Juni 2012 an der Wetterstation Wien Innere Stadt gemessen – die höchste Temperatur seit Beginn der Aufzeichnungen. Im Jahresverlauf schien die Sonne 2.205 Stunden lang. 2012 war eines der sonnigsten Jahre seit 1881.
Pkw, 63.075 Lkw und 83.325 Motorräder (Stand 2012) sind in Wien angemeldet.
900.000.000 429.000.000
Personen: die Fahrgastzahl der UBahn. 294.000.000: jene der Bim. Rund 178.000.000: jene der Busse.
126.942
Sitz- und Stehplätze, 74,2 Kilometer Linienlänge, 101 Haltestellen, 760
Triebwagen, 86 Beiwagen kommen auf die fünf U-Bahn-Linien Wiens.
1.712
Bim-Linien haben 89.060 Sitz- und Stehplätze, 221,5 Kilometer Linienlänge, 1.056 Haltestellen, 516 Triebwagen und 230 Beiwagen.
2.763
29
98
Bus-Linien haben 39.303 Sitz- und Stehplätze, 479,9 Kilometer Linienlänge (bei Tag) und 237,4 Kilometer Linienlänge (bei Nacht), 3.626 Haltestellen und 469 Fahrzeuge.
450
Kilometer Gleisanlagen für die Straßenbahnen ziehen sich quer durch die Stadt.
Die Mobilitätswoche „Die Europäische Mobilitätswoche“ vom 16. bis 22. September 2014 findet österreichweit mit Veranstaltungen zum Thema „sanfte Mobilität“ statt: ZuFuß-Gehen, Radfahren und das Nutzen Öffentlicher Verkehrsmittel. Details: www.mobilitaetswoche.at Zum Auftakt der Mobilitätswoche am 13. und 14. September veranstaltet die Mobilitätsagentur Wien erstmals das „Streetlife Festival“. Street-Art, StreetSport, Urban Gardening, Slacklining,
Live-Acts, Mitmach-Aktionen, Workshops, Kinderprogramm und vieles mehr auf 6.000 Quadratmetern Fläche. Das Motto: „Überall dort, wo sich Menschen zu Fuß, mit dem Fahrrad und den öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt bewegen, wird Raum frei für ein buntes, vielfältiges Straßenleben“. www.streetlife-festival.at Die Aktionen der Mobilitätswoche in Wien und ihre Veranstaltungen unter: www.mobilitaetswoche.wien.at
Weiterführende Quellen • www.wien.gv.at/verkehr/strassen/fakten.html • www.wien.gv.at/verkehr/verkehrssicherheit/massnahmen/fussgaengerzonen.html • www.wien.gv.at/verkehr/radfahren/radnetz/fakten.html • www.wien.gv.at/statistik • Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien 2013 (Magistratsabteilung 23) • www.wien.gv.at/verkehr/organisation/abteilung/ – Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten (MA 46)
Impressum: Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H., 1010 Wien, Marc-Aurel-Straße 9, T: 01/536 60-0, F: DW 935, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at; Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H.; Redaktion: Fuchs & Partner; Gestaltung und Produktion: Reini Hackl; Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau
Brücken überspannen Wiens Gewässer mit einer Gesamtlänge von rund 54 Kilometern.
Kilometer umfasst das Wiener Straßennetz, davon sind 222 Kilometer Hauptstraßen B (ehemalige Bundesstraßen), 51 Kilometer Autobahnen und Schnellstraßen, 2.541 Kilometer Gemeindestraßen. Insgesamt sind es 6.842 Straßen (die längste ist die Höhenstraße mit 14,8 Kilometer und die kürzeste die Irisgasse mit 17 Meter), außerdem gibt es rund 1.200 Ampelanlagen.
1.259
Kilometer umfasst das Wiener Radverkehrsnetz, davon sind 55 Prozent Radrouten (mit Radwegweisern beschildert), verkehrsberuhigte Bereiche (allgemeines Fahrverbot ausgenommen Radfahrende, Anrainerinnen und Anrainer), Wohnstraßen und Fußgängerzonen (Ausnahmeregelung für Radfahrende), 21 Prozent bauliche Anlagen (Radweg, Geh- und Radweg) und 24 Prozent markierte Anlagen (Radfahrstreifen, Mehrzweckstreifen und Radfahren gegen die Einbahn). Radfahren gegen die Einbahn ist auf einer Länge von rund 227 Kilometern erlaubt.
42.000
Kilometer ist das Wiener Ver- und Entsorgungsleitungsnetz lang. Dies entspricht mehr als einer Erdumrundung. Es kommen ständig neue Leitungen, besonders für Datenübertragungen, hinzu. Text: Nora Fuchs
DVR: 047 69 86. Diese Beilage ist eine entgeltliche Einschaltung und erscheint in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar