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FALTER Special 62

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SPECIAL

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Ve r l a g s b e i l a g e z u F a l t e r 3 5 , A u g u s t 2 0 1 3

Foto: Irena Rosc

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d   Reden wir übers Essen,   ganz ohne Lebensmittelskandal d   Reden wir über die Leute,   die unser Essen sicher machen d   Reden wir über gesundes Essen,   wir alle leben davon


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THEATER INHALT

SPECIAL

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Kommentar

Komplexität braucht Platz

Alois Stöger, Bundesminister für Gesundheit

Viele von uns sind – man muss es so drastisch sagen – zu fett. Das ist weniger ein ästhetisches als ein volkswirtschaftliches Problem. Aber es gibt einen Plan dagegen. Seite 4

Wer sorgt dafür, dass wir sichere Lebensmittel genießen? Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES. Sie identifiziert Bakterien wie Campylobacter (Bild): Seite 10

Falsche Ernährung ist auch eine Bewusstseinsfrage. Für ein anderes Bewusstsein wirbt das Gesundheitsministerium in vielfältigen Kampagnen. Hier werden einige vorgestellt. Seite 14 Fotos: EPA, AGES, BMG

Ernährung und Lebensmittelsicherheit sind emotionale und komplexe Themen. Die Ernährungssituation in der westlichen Welt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Gab es vor 100 Jahren in vielen Gebieten Europas noch Unterernährung und Lebensmittelknappheit, haben wir es heute mit Übergewicht und Adipositas in großem Umfang zu tun. Auch die Lebensmittelsicherheit und der Markt haben sich verändert. In der EU als Binnenmarkt führt der freie Warenverkehr dazu, dass die Produkte in den Supermärkten aus ganz Europa, oft auch aus der ganzen Welt zu finden sind. Die Behörden müssen in so einem Umfeld natürlich vernetzt agieren und die Politik muss über einzelne Staaten hinausgehende Antworten auf gesundheitspolitische Fragen wie Übergewicht finden. Lebensmittelsicherheit und Ernährungsfragen sind oft nur in Zeiten von Lebensmittelskandalen im medialen Fokus, dabei kommen die Komplexität und die Zusammenhänge oft zu kurz. Ich finde es daher besonders wichtig, den ganzen Themenkomplex zu beleuchten und die Expertinnen und Experten, die jeden Tag für die Sicherheit unserer Lebensmittel arbeiten, zu Wort kommen zu lassen. Eine der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen in der industrialisierten Welt ist das Übergewicht. Lebensstilbedingte Erkrankungen nehmen immer weiter zu. Das Problem bei diesem Trend ist, dass er nicht schnell zu stoppen ist. Eine echte Trendwende zu erreichen, dauert Jahre, die Widerstände sind groß. Der einzige Weg, echte Veränderung zu schaffen, ist in Verhältnisprävention zu investieren. Reine Bewusstseinsbildung und Eigenverantwortung ist zu wenig. Wenn in der Schule die Leberkäsesemmel regiert, können noch so viele Hochglanzbroschüren nichts ausrichten. Daher sind wir darangegangen, die Schulbuffets strukturell zu verbessern und Ernährungsberatung bereits für Schwangere und junge Eltern anzubieten. Aus diesem Grund plädiere ich dafür, dem Thema gesunde Ernährung auch den Platz einzuräumen, den es verdient. Nur mit nachhaltigen und intensiven Anstrengungen kann es uns gelingen, dass die Menschen in Österreich länger bei guter Gesundheit leben. Das ist mein Ziel.

Impressum: Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H., Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at Herstellung: Falter Verlags­gesellschaft m.b.H; Gestaltung und Produktion: Raphael Moser, Reini Hackl Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.


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Gesundheit Essen

Das Gewicht der Welt

Nicht Hunger, Übergewicht bedroht die Menschen. Der „Nationale Aktionsplan Ernährung“ (NAP.e) zeichnet den Weg vor, wie dieser Bedrohung zu begegnen wäre

s klingt paradox: Wir erfahren aus Medien ständig vom Hunger in der Welt. Doch unter Medizinern und Gesundheitspolitikern gilt längst das genaue Gegenteil als größte Bedrohung für den Menschen: Fehlernährung mit Übergewicht, Bewegungsmangel und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In den USA sind bereits zwischen 20 und 30 Prozent der Bevölkerung krankhaft übergewichtig. Mittlerweile betrifft das Problem auch Europa, Australien, Russland, Brasilien und China. Laut einer OECD-Studie bringen speziell die Europäer immer mehr Gewicht auf die Waage. 24 Prozent der Briten sind mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 30 krankhaft dick – in Österreich 13 Prozent, Tendenz steigend.

Ziel des Ernährungsplans: weg mit dem Fett!

Bereits 2002 reagierten Europas Gesundheitspolitiker auf diese prekären Zustände, wenn auch zunächst nur mit politischen Willensbekundungen: Die europäischen Gesundheitsminister und -ministerinnen waren sich einig, dass es zu einer Verbesserung der Ernährungssituation in der EU-Bevölkerung kommen müsse. Während man bei der EU noch diskutierte, gab Gesundheitsminister Alois Stöger 2009 die Erarbeitung eines „Nationalen Aktionsplan Ernährung“ (NAP.e) in Auftrag. Dieser sollte erstmalig in Österreich ernährungspolitische Maßnahmen und Strategien bundesweit durchsetzen. Ehrgeizige Ziele des NAP.e: die Verringerung von Fehl-, Über- und Mangelernährung sowie eine Trendumkehr der steigenden Übergewichts- und AdipositasZahlen bis 2020. Der NAP.e legt ernährungspolitische Ziele fest, bietet einen Überblick über internationale und europäische

40 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind bereits übergewichtig

Während man in der EU noch diskutierte, gab Minister Stöger die Erarbeitung eines nationalen Plans in Auftrag

Zsuzsanna Jakab, Regionaldirektorin der WHO für Europa, und Gesundheitsminister Stöger mit der Vienna Declaration (5. Juli 2013, siehe auch Kasten rechte Seite)

Entwicklungen und zeigt akuten Handlungsbedarf auf. Der Plan soll kein statisches Dokument sein, sondern laufend aktualisiert werden. Anfang des Jahres 2010 konnten Experten, Fachorganisationen, Berufsverbände, Interessensgruppen, Sozialpartner, andere Ministerien sowie Länder und Kommunen ihre Wünsche, Anregungen und Strategien vorbringen. Man war sich einig: Früh anfangen, Dinge deutlich machen! Breiten Konsens fanden also Maßnahmen in Horten, Kindergärten und Schulen sowie die verbesserte Lebensmittelkennzeichnung. Nicht nur Strukturen sollten sich ändern, vor allem müssten einheitliche Regeln zur Vermittlung von Ernährungswissen zur Verfügung stehen. Anfang November 2010 tagte erstmals die Nationale Ernährungskommission (NEK). Sie soll den Minister in allen gesundheitsrelevanten Fragen bezüglich Ernährung beraten. Diese Kommission schuf die Grundlage für eine Aktualisierung des NAP.e: Der Fokus liegt weiterhin bei den Zielgruppen Kinder, Schwangere, Stillende und sozial Schwache. Neu hinzu kommt noch die Zielgruppe ältere Menschen.

Internationale Studien zeigen, dass sieben der 15 Hauptrisikofaktoren für Krankheit und Tod in die Bereiche Ernährung und Lebensstil fallen. Schätzungen der WHO gehen davon aus, dass, wenn alles beim Alten bleibt, chronische Erkrankungen im Jahr 2020 für mehr als drei Viertel aller Todesfälle in den Industriestaaten verantwortlich sein werden. Die Ernährung wird dabei eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

In Österreich sind immerhin 13 Prozent krankhaft dick

Auch die österreichische Gesundheitsstatistik offenbart einen klaren Anstieg ernährungs- und lebensstilbedingter Erkrankungen. Speziell die Zunahme an Übergewicht und krankhafter Fettsucht (Adipositas) und die damit verbundenen Folgeerkrankungen und Kosten machen Gesundheitspolitikern und Medizinern zunehmend Sorgen. Neben erhöhtem Blutdruck sowie Tabak- und Alkoholkonsum sind auch erhöhter Blutcholesterinspiegel, Übergewicht, niedriger Obst- und Gemüsekonsum und geringe körperliche Aktivität Hauptrisikofaktoren für Erkrankungen mit Todesfolgen. Im Jahr 2008 waren die höchsten Anteile an der Gesamtsterblichkeit auf Herz-KreislaufErkrankungen (43 Prozent) und Krebs (26 Prozent) zurückzuführen. Das Problem Übergewicht bzw. Fettsucht zieht sich in Österreich übrigens quer durch alle Altersgruppen. Bereits zwölf Prozent der Jugendlichen zwischen sechs und 15 Jahren sind übergewichtig oder fettsüchtig. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit von Übergewicht bzw. Adipositas: Laut Österreichischem Ernährungsbericht 2008 (letzte Erhebung) sind

Foto: iStock, BMG

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Gesundheit Essen

SPECIAL

Aufklärung kann nicht früh genug beginnen, denn rund 40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung bereits übergewichtig oder adipös, wobei die männliche Bevölkerung in allen Altersgruppen überwiegt. Erst ab 65 Jahren ist ein rückläufiger Trend erkennbar. An der falschen Ernährung allein liegt diese besorgniserregende Entwicklung nicht: Laut einer Gesundheitsbefragung von Statistik Austria ist rund die Hälfte aller Österreicher und Österreicherin-

falsche Ernährung durch zu viel Fett, Salz und Fleisch fängt leider allzu früh an

nen ab 15 Jahren in ihrer Freizeit körperlich kaum aktiv, soll heißen, sie betreibt weniger als einmal pro Woche Sport.

Ohne Bewegung hilft der beste Aktionsplan nichts

Von Jugendlichen zwischen elf und 15 Jahren bringt es gar nur ein Drittel auf eine Stunde Freizeitsport pro Woche. Gerade aktive Bewegung

auch im Alltag gehört zu einem gesunden Lebensstil. Vernünftige Ernährung und ausreichende Bewegung sind auch im Kampf gegen Adipositas untrennbar miteinander verbunden. Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt sich unter anderem präventiv auf chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2 sowie auf manche Krebserkrankungen aus

und stärkt zudem die Immunabwehr des Körpers. Sie hilft bei Stressbewältigung und fördert unser Selbstwertgefühl. Bewegungsmangel in Verbindung mit zu hoher Energieaufnahme muss zwangsweise – früher oder später – zur Gewichtszunahme führen. Deshalb kommt Bewegung auch in der Vorbeugung von Übergewicht und Adipositas eine bedeuText: Dieter Hönig tende Rolle zu.

Foto: iStock

„Vienna Declaration“ der WHO für gesunde Ernährung Im Namen aller GesundheitsministerInnen der WHO-Europaregion unterschrieb Gesundheitsminister Alois Stöger am 5. Juli 2013 die „Vienna Declaration“ für gesunde Ernährung. Dass sie den Titel Vienna Declaration trägt, ist auch eine anerkennende Geste der WHO für die Vorreiterrolle des Gesundheitsministers. Diese Erklärung wurde im Rahmen der MinisterInnenkonferenz der WHORegion Europa zum Thema „Ernährung und nicht übertragbare Erkrankungen“ vom 4. bis 5. Juli 2013 in Wien erarbei-

tet. Sie dient der WHO-Europaregion als Grundlage für einen umfassenden Aktionsplan für Ernährung und Bewegung. Das achtzehn Punkte umfassende Papier beinhaltet zahlreiche Maßnahmen, die in Österreich im Rahmen des „Nationalen Aktionsplans Ernährung“ bereits umgesetzt sind. „Alle Länder sind jetzt gefordert, Gesamtstrategien im Ernährungsbereich zu erstellen, wir haben diesen Schritt in Österreich schon 2010 gesetzt. Auch der Ansatz, Gesundheitspolitik in allen Politikfeldern zu machen,

ist mit den Rahmen-Gesundheitszielen in Österreich realisiert worden. Wir haben dabei verschiedenste Stakeholder, von der Armutskonferenz bis zur Industriellenvereinigung, eingebunden, um gemeinsam an der Verbesserung der Gesundheit der Menschen in Österreich zu arbeiten“, sagte Minister Stöger. Die wichtigsten Fragen der WHOErnährungs­konferenz waren:

• Wie können wir verhindern, dass Adipositas bei Kindern zur Norm wird?

• Führt bessere Aufklärung der Verbrau-

cher- und Verbraucherinnen (etwa durch bessere Warenkennzeichnung) auch zu einer besseren Ernährung? • Welche Unterstützung benötigen die Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen, damit sie sich für eine gesunde Ernährung entscheiden? • Welchen Einfluss können Vermarktungsbeschränkungen, Lebensmittelpreise, Verbote und Subventionen ausüben?


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Gesundheit Essen

Volkskrankheit Fettsucht

Das sind fette Zahlen. Adipositas oder Fettsucht ist zuständig für etwa fünf Prozent der Kosten des Gesundheitssystems. In Österreich sind das etwa 1,1 Milliarden Euro

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Warum werden wir so fett? Es sind die Gene!

Es liegt in den Genen jedes Einzelnen, was mit der überschüssigen Energie passiert. Ist normales Körpergewicht vorprogrammiert, stellt sich das Sättigungsgefühl rascher ein, überschüssige Energie wird als Wärme abgegeben und der Grundumsatz gesteigert. Steht die Genprogrammierung auf Übergewicht,

Diese versagen bei über 90 Prozent aller krankhaft Übergewichtigen“, sagt Univ.-Prof. Albert Tuchmann, Leiter der Chirurgie am Floridsdorfer Krankenhaus. „Die lapidare Empfehlung ,essen S’ halt weniger‘ ist für einen 140-Kilo-Mann, der dringend abnehmen muss, wenig zielführend.“ Nimmt der Übergewichtige durch eine Crash-Diät rasch ab, kommt es vor allem zu einer Reduktion der Muskelmasse, erst später zur Reduktion der Fettdepots. Beginnt er wieder normal zu essen, giert sein Körper nach dem genetisch programmierten Ziel und wandelt zugeführte Energie sofort in Fettgewebe um. Am Ende des Tages schlägt die Waage weiter aus als je zuvor.

Wenn alle Diäten erfolglos

bleiben, kommt das Skalpell

Sumoringer brauchen

Übergewicht.

Ungewollt ist es ein Riesenproblem

„Man muss endlich beim Fast Food ansetzen und nicht bei Diäten.“ Univ.-Prof. Albert Tuchmann, Leiter der Chirurgie, Floridsdorfer Krankenhaus

wird überschüssige Energie sofort als Fett gespeichert und das Sättigungsgefühl erst später erreicht. Die menschlichen Gene haben sich seit 300.000 Jahren nicht verändert, wohl aber die Lebens- und Essgewohnheiten. Einzig von ihnen hängt ab, ob die genotypische Veranlagung relevant wird. Adipositas ist auch ein soziales Phänomen. Die krankhafte Fettsucht gilt vorwiegend als Problem der sozialen Unterschichten. Sie essen statt teurerer gesunder Nahrung wie Obst und frischem Gemüse günstigeres „Junk Food“. Außerdem sind ihre Arbeitszeiten meist kürzer, was das Verlangen nach Unterhaltung steigert, die meist auch mit der Aufnahme von „Junk Food“ einhergeht. „Man muss endlich beim Fast Food ansetzen und nicht bei Diäten.

Erfordern die Folgen der Fettsucht (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen) raschen Gewichtsverlust, hilft zumeist nur mehr das Skalpell. Die moderne Adipositas-Chirurgie (Magenband, Magenverkleinerung, Magenbypass) zielt darauf ab, Nahrungsaufnahme und Kalorienaufnahme im Magen-Darm-Kanal massiv einzuschränken. Dadurch kann binnen weniger Monate ein erheblicher Gewichtsverlust erreicht werden. „Wenn bei einem BMI von über 35 alle vorangegangenen Diäten erfolglos geblieben sind, ist der chirurgische Eingriff eine Option“, sagt Univ.-Prof. Gerhard Prager, Leiter der Arbeitsgruppe Adipositaschirurgie an der Univ.-Klinik für Chirurgie in Wien. Auch schwer übergewichtige Jugendliche zählt Gerhard Prager zu seinen Patienten: „Natürlich nach Ausschöpfen aller konservativen Maßnahmen.“ Text: Dieter Hönig

Foto: EPA

rankhafte Fettsucht (Adipositas) hat ebenso fatale wie teure Folgen: Bereits 75 Prozent der Bluthochdruckpatienten, 50 Prozent der Patienten mit erhöhten Blutfetten und 90 Prozent der Typ-2Diabetiker sind übergewichtig. Das ist gefährlich: Das Typ-2-DiabetesRisiko steigt bei Übergewichtigen auf das 40-Fache(!). Bei einem BMI von über 35 ist das Sterberisiko mehr als doppelt so hoch wie bei Normalgewicht, bei einem übergewichtigen Diabetiker sogar zehnmal höher. Das Risiko einer Krebserkrankung beträgt das Dreifache, das Herzinfarktrisiko ist doppelt so hoch. Darüber hinaus verursacht Adipositas erhöhte direkte Kosten für das Gesundheitssystem durch Spitalsaufenthalte, OPs, Medikamente etc. Sie sorgt auch für indirekte Kosten wie Ressourcenverlust und Produktivitätsausfälle durch Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Frühpension oder vorzeitigen Tod. Schätzungen zufolge machten die direkten Adipositas-assoziierten Kosten in Europa 2005 bis zu fünf Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben aus. Umgelegt auf Österreich sind das mehr als 1,1 Milliarden Euro bzw. 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, Tendenz steigend. Die WHO sprach 2006 bereits von sechs Prozent der Gesundheitskosten durch Adipositas.


SPECIAL

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Gesundheit Essen

Wie kommt das Salz aus dem Brot?

Wir nehmen mehr als viermal so viel Salz zu uns, wie unser Körper braucht. Mit der Initiative „Weniger Salz ist g’sünder“ will das Gesundheitsministerium gegensteuern – und so Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen

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eit Jahrtausenden verwendet der Mensch Salz für die Herstellung und Konservierung von Lebensmitteln. Die Griechen und Römer in der Antike sahen es als Geschenk der Götter, ab dem Mittelalter wurden die Salzkristalle als „Weißes Gold“ bezeichnet und mit Edelsteinen aufgewogen. Bis in die Neuzeit war es eher rar und entsprechend teuer. Doch mit der Entdeckung großer Salzvorkommen in den Alpen wurde es zu einem billigen Konsumgut.

Zu viel Salz schadet

Fotos: iStockphoto, BMG

Herz und Gefäßen

Salz enthält auch Natrium und spielt eine wichtige Rolle im Flüssigkeitshaushalt und beim Stoffwechsel des menschlichen Körpers. Doch wie so oft macht auch hier die Dosis das Gift: Erwachsene brauchen etwa zwei Gramm Kochsalz am Tag, der durchschnittliche Konsum liegt aber weit darüber. In Österreich sind es zwischen acht und neun Gramm täglich – fast doppelt so viel, wie von der WHO maximal empfohlen wird. Die Au s w i rk u ngen auf das Herz-K reislauf-System sind enorm: Salz bindet Wasser, dadurch werden die Zellen gedehnt, das Herz muss stärker pumpen und die Gefäße werden beansprucht. Um diesen negativen Folgen entgegenzuwirken, startete das Gesundheitsministerium die Initiative „Weniger Salz ist g’sünder“. „Wir haben uns darauf geeinigt, unser Hauptaugenmerk auf Brot und

Gebäck zu legen“, sagt Fritz Wagner, der die Initiative im Gesundheitsministerium leitet. „Das Salz, das wir konsumieren, stammt zu 70 bis 80 Prozent aus verarbeiteten Lebensmitteln. Bis zu 25 Prozent nehmen wir allein über Brot auf.“

„Mit den Bäckern haben wir schnell eine Übereinkunft getroffen“ Fritz Wagner, Gesundheitsministerium

Salz nehmen wir vor allem aus Lebensmitteln auf

Aufbauend auf einer EU-Initiative zur Verringerung des Salzgehaltes in Nahrungsmitteln, begann das Gesundheitsministerium Ende 2008 die Verhandlungen mit österreichischen Lebensmittelproduzenten. „Mit den Bäckern haben wir schnell eine Übereinkunft getroffen“, sagt Wagner. Das Ziel: Der Salzgehalt im Gebäck soll bis 2015 um 15 Prozent reduziert werden. Rund 120 Betriebe sind der Initiative beigetreten, darunter Größen wie Mann, Ströck und Felber.

Damit sich die Konsumenten an den veränderten Geschmack gewöhnen, sollen die Betriebe das Salz im Gebäck schrittweise reduzieren. „Wir haben die 15 Prozent aber ohnehin so gewählt, dass man es kaum merkt“, sagt Wagner. „Bei der Wiener Ernährungskonferenz haben wir Kostproben mit und ohne reduziertem Salzgehalt aufgelegt. Niemand hat den Unterschied gemerkt.“ Auch wenn man sie nicht schmeckt, zeigt die Reduktion durchaus Wirkung: „Dadurch nimmt man zwei bis drei Prozent weniger Kochsalz am Tag auf.“ Wagner hat versucht, die Initiative auch auf andere Bereiche auszuweiten. „Die großen Produzenten wollten sich aber nicht auf eine verbindliche Maßnahme einigen“, sagt er. Wichtig sei, den Salzgehalt auch in Fleischwaren und Käse zu reduzieren. Immerhin stammen rund 12 Prozent des Kochsalzes, das wir zu uns nehmen, von diesen Produkten. Das Problem: „Bei Fleisch, Wurst und Käse spielt Salz eine Rolle in der Herstellung und bei der Haltbarkeit. Da besteht leider keine Bereitschaft, den Anteil zu reduzieren.“

Brot wird wieder zum

gesunden Lebensmittel Die Bäcker können also durchaus als Vorreiter bezeichnet werden. Auch sie ziehen einen Vorteil aus der Aktion. „Sie können mit dem Logo der Initiative auf ihre Produkte aufmerksam machen“, sagt Wagner, „Und mit dem reduzierten Salzgehalt kann das Brot auch wieder als gesundes Lebensmittel bezeichText: Siobhán Geets net werden.“


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Gesundheit Essen

Kein freier Verkehr für Keime

Warnsysteme und Kontrollen rund ums Essen und Trinken in Österreich und der Europäischen Union müssen in Zeiten des gemeinsamen Markts und offener Grenzen schneller und besser funktionieren denn je

er Kellner stellt ein köstlich nach Kaffee duftendes Stück Tiramisu hin. Es schmeckt herrlich, Glückshormone strömen in die Synapsen. Damit das Glück nicht teuer erkauft ist, weil man die nächsten Tage mit einer Salmonellenerkrankung fiebernd auf der Toilette verbringt, werden Lebensmittel, von den einzelnen Bestandteilen bis zur fertigen Speise, in Österreich und der Europäischen Union (EU) systematisch kontrolliert. Findet man dabei bedenkliche oder gesundheitsgefährdende Produkte, sorgen die Hersteller und Behörden dafür, dass solche Nahrungsmittel aus den Verkaufsregalen verschwinden und die Konsumenten über mögliche Gefahren informiert werden. Kontrolliert werden in Österreich Lebensmittel, die hierzulande hergestellt oder verkauft werden. Grenzkontrollen für Nahrungsmittel gibt es bloß an den Flughäfen in Linz und Wien für jene, die aus Drittstaaten angeflogen kommen. Was in anderen EU-Ländern produziert oder in diese hineingelassen wurde, ist im freien Markt in der ganzen EU verkehrsfähig und kann so auch die österreichische Grenze ungehindert passieren.

Detektivarbeit

in hohem Tempo „Damit wir wissen, was in den anderen EU-Staaten und den Außengrenzen geschieht, gibt es ein Schnellwarnsystem“, sagte Ulrich Herzog, der Leiter des Bereiches Verbrauchergesundheit im Bundesministerium für Gesundheit. Mit dem Rapid Alert System for Food and Feed (RASFF) werden die Mitgliedsländer rasch informiert, wenn irgendwo in der EU ein Problem auftritt. Carolin Krejci, die Leiterin der Abteilung Lebensmittelrecht,

„Die Unternehmen haben mittlerweile erkannt, dass es kein Nachteil ist, schnell zu informieren.“ Ulrich Herzog, BMG Leiter Verbrauchergesundheit, Internationale Angelegenheiten, Informations- und Berichtswesen

„Wir erreichen EU-weite Prävention durch schnelle Meldung“ Carolin Krejci, BMG Leitung Abteilung B/13 (Lebensmittelrecht, -sicherheit und -qualität)

RASFF news

-sicherheit und -qualität im Ministerium, schildert einen konkreten Fall. Eine Person in Österreich wusste offensichtlich, dass rohe Eier in der warmen Jahreszeit nicht immer frei von Salmonellen sind, und hatte extra über das Internet pasteurisiertes Eiweiß bestellt und verwendet. Doch kurz darauf musste sie mit Durchfall, Kopfschmerzen und Fieber zum Arzt. Der vermutete eine Salmonellenerkrankung, und tatsächlich konnte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in der Eiweiß-Flasche Salmonellen nachweisen. Sie warnte sofort die ÖsterreicherInnen vor dem Produkt, das in Frankreich hergestellt und von einer britischen Firma per Internet in ganz Europa vertrieben wurde, und meldete den Vorfall per RASFF-Schnellwarnsystem der EUKommission. So konnten auch die KonsumentInnen in Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien alarmiert werden, die ebenfalls Flascheneiweiß dieser Firma gekauft hatten, und europaweit wurde kein weiterer solcher Krankheitsfall bekannt.

40.0000 Proben,

44.000 Kontrollen Neben der AGES analysieren und begutachten drei Landesuntersuchungsanstalten in Wien, Kärnten und Vorarlberg Lebensmittel. Im Vorjahr haben sie rund 40.000 Proben untersucht, 44.000-mal tauchten die Lebensmittelaufsichten der Bundesländer zur Kontrolle in den heimischen Betrieben auf. Dabei fanden sie nicht viel zu beanstanden. Gerade einmal vier von tausend Proben stuften die Behörden als „gesundheitsschädlich“ ein, viele davon waren auf Verdacht gezogen worden, wenn etwa ein Kunde der

Lebensmittelaufsicht meldete, die Wurst im Feinkostgeschäft sehe alles andere als frisch aus, oder wenn ein Inspektor bei der Kontrolle im Supermarkt feststellte, dass die Tiefkühlregale überquollen.

Wie Proben immer

effizienter werden

Bei gesundheitsschädlichen Produkten wird der Hersteller in die Pflicht genommen – er muss sie sofort aus den Regalen holen und die Bevölkerung informieren, etwa per Firmenhomepage, über Zeitungen, Radio und Fernsehen. Ein Geschäft, das solche Waren verkauft hat, muss zusätzlich eine Produktwarnung, zum Beispiel bei der Kassa, aushängen. Drückt sich ein Hersteller davor, die Konsumenten zu warnen, tut dies das Gesundheitsministerium. Doch das war 2012 kein einziges Mal notwendig. „Die Unternehmen haben mittlerweile erkannt, dass es kein Nachteil für sie ist, wenn sie ihrer Verantwortung nachkommen und möglichst rasch die Öffentlichkeit informieren“, sagt Ulrich Herzog. „Neben den Verdachtsproben gibt es routinemäßige, unangekündigte Kontrollen etwa im Lebensmittelhandel, in Gasthäusern, Kindergärten, Schulen, Imbissbuden und Almhütten“, sagt Carolin Krejci. Die Behörden nehmen diese Tests nach einem mehrjährig angelegten Plan vor, der die unterschiedlichen Risiken bei den einzelnen Nahrungsmitteln berücksichtigt. Dabei gibt es auch von der EU und dem Gesundheitsministerium festgelegte Schwerpunkte. 2012 hielt man unter anderem vermehrt nach gentechnisch verändertem Mais und Soja Ausschau. Der Schwerpunkt der Kontrollen habe sich in den vergangenen Jahr-

Fotos: BMG

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zehnten von den Endprodukten zum Herstellungsprozess verschoben, erklärt Herzog. „Als die Lebensmittelerzeugung noch nahe am Verkaufsort war, hat es vielleicht noch Sinn gemacht, die Produkte vor allem aus den Regalen zu testen“, sagte er. Bei globalisierten Produktions- und Vertriebsmethoden heutzutage sei es effizienter, sich auf die Herstellung zu konzentrieren. Verfeinerte Analyseverfahren hätten es mit sich gebracht, dass man Verunreinigungen wie Pestizide, Medikamente aus der Tierhaltung und Schwermetalle besser nachweisen könne als noch vor einigen Jahren, so Herzog. Doch größere Gefahren als von Chemikalien-Spuren gingen meist von Mikroorganismen wie eben Salmonellen aus, so der Experte. Deshalb arbeiten bei der AGES in Graz Lebensmittelfachleute, Mediziner und Tierärzte zusammen, um Krankheitserreger, die von Tieren und Tierprodukten über Lebensmittel auf Menschen übertragen werden, effektiver zu bekämpfen. So könne man, wenn die ersten Krankheitsfälle auftreten, rasch feststellen, um welche Bakterienstämme es sich handelt, und etwa bei einem Salmonellen-verseuchten Tiramisu Schritt für Schritt zurückverfolgen, wo die Zutaten verarbeitet wurden. Die Kennzeichnung der Eier verrät schließlich den Betrieb, der nicht gut genug auf die Hygiene seiner Legehennen aufgepasst hat. Text: Jochen Stadler

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GESUNDHEIT ESSEN

SPECIAL

RASFF INFORMATION

F F S RA T R ALE fo lert System

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Mit dem informie itteln ed (RASFF), e F d n a bei Lebensm d e o m Fo le b ro P EU über Länder der

Europäische Kontrollinstitutionen

Illustrationen: Reini Hackl

Rapid Alert System for Food and Feed (RASFF) Mit dem europäischen Schnellwarnsystem informieren die EU-Staaten einander über gefährliche Futter- und Lebensmittel und sorgen dafür, dass etwa verdorbene Bananen, die im Hamburger Hafen abgeblitzt sind, nicht in Genua an Land gebracht werden können. Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) Eine GmbH, die dem Gesundheitsministerium und dem Landwirtschaftsmi-

nisterium gehört. Sie untersucht unter anderem Saatgut, Tierfutter und Nahrungsmittel von den einzelnen Zutaten bis zum Produkt in den Einkaufsregalen. Außerdem entwickelt sie Analyseverfahren und informiert die Bevölkerung über mögliche Risiken, die von Lebensmitteln ausgehen könnten. Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) Die AGES ist keine offizielle Behörde und kann keine amtlichen Bescheide ausstellen.

Dies übernimmt das ihr zugeordnete Bundesamt.

Lebensmittelaufsichts- und Veterinärämter der Bundesländer sowie der EU.

Landesuntersuchungsanstalten Gibt es in Wien, Klagenfurt und Bregenz, sie führen Lebensmittelkontrollen durch und untersuchen amtlich und privat gezogene Proben.

Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Lebensmittel- und Futtermittelsicherheitsbehörde der EU.

RASFF BORDER REJECTION

Bundesministerium für Gesundheit (BMG) Das Ministerium koordiniert die Aktivitäten der einzelnen Beteiligten wie der AGES, der

Private Kontrollstellen Untersuchen Lebensmittelproben für die Hersteller und testen etwa, ob BioRichtlinien und Gentechnikfreiheit eingehalten werden und geschützte Herkunftsangaben stimmen.


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Gesundheit Essen

BSE bis EHEC – eine Erfolgsgeschichte Sichere Nahrungsmittel? Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit sorgt dafür. In Zeiten internationalisierter Lebensmittelproduktion und neuartiger Epidemien geht die Arbeit nicht aus

ilzbrand, Maiswurzelbohrer, SARS, BSE, Vogelgrippe, Blauzungenkrankheit, Dioxin, Feuerbrand, Schweinegrippe, Listerien, Fukushima, EHEC, noch einmal Dioxin und Pferdefleisch. Nur die wenigsten würden vermuten, dass sich hinter dieser Aufzählung von Epidemien, Katastrophen, Beinahe-Katastrophen und Skandalen auch eine Erfolgsgeschichte verbirgt. Doch dabei handelt es sich um jene Themen, die als die bisher größten Herausforderungen in der elfjährigen Geschichte der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) gelten können. Ein Großteil der Arbeit der AGES findet aber keinen Widerhall in den Medien. Man könnte sogar sagen, je reibungsloser die Arbeit der AGES funktioniert, desto weniger gibt es für die Medien zu berichten und desto besser ist es um die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen bestellt. Um diese sicherzustellen, ist es aber mit der Analyse von Lebensmittelproben noch lange nicht getan. Dafür braucht es auch sichere Düngemittel, genauso wie einwandfreies Tierfutter, um die Gesundheit der Pflanzen und Tiere zu garantieren. Die AGES beschäftigt daher Experten und Expertinnen aus diversen Fachgebieten, um Risiken aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu analysieren, zu bewerten und zu kommunizieren.

Die Geschichte der AGES:

gebündelte Kopmpetenzen Vor der Gründung der AGES wurden diese Aufgaben von unterschiedlichsten Bundes- und Landesämtern wahrgenommen. Der Wunsch nach einer effizienteren Zusammenarbeit verlangte aber nach einer Verände-

„Zoonosen sind In- fektionskrankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden – eine neue Herausforderung“ Ingrid Kiefer, Leiterin der Unternehmenskommunikation AGES

rung dieser Rahmenbedingungen. Diesen Rahmen schuf das Gesundheits- und Ernährungssicherheitsgesetz. Es bildet die rechtliche Grundlage für die 2002 erfolgte Gründung der AGES und des Bundesamts für Ernährungssicherheit. „Die Gründung der AGES hatte das Ziel, alle Kompetenzen und Ressourcen des Bundes aus den Bereichen Landwirtschaft, Lebensmittel, Veterinärmedizin und Humanmedizin unter einem Dach zu bündeln“, erklärt Pressesprecherin Ingrid Kiefer dazu. In den beiden darauffolgenden Jahren wurden die bereits bestehenden Labors zu Analytik-Kompetenzzentren zusammengeführt. Ziel dieser organisatorischen Umgestaltung war es auch, eine bereichsübergreifende Risikobewertung zu ermöglichen und entsprechende Kommunikationskanäle zu etablieren. Achtzehn zuvor separate Bundesanstalten wurden seit damals sukzessive in die Organisationsstruktur der AGES überführt. Als einer der größten Bausteine wurde 2006 die AGES PharmMed, die in Kooperation mit dem Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen als Zulassungsstelle für Arzneimittel fungiert, eingegliedert. Das alles schafft nicht nur Vorteile für die Bürgerinnen als Konsumentinnen und Endverbraucherinnen, sondern auch als Steuerzahlerinnen: Die Umstrukturierungsbemühungen der AGES haben seit ihrem Bestehen jährliche Einsparungen von ca. 20 Millionen Euro ermöglicht. Im Schnitt kostete die Tätigkeit der AGES im Jahr 2012 jede/n BürgerIn lediglich 8,50 Euro. Der Rest des Budgets stammt aus Erträgen von Zulassungen, Inspektionen und Kontrollen, die die insgesamt fast 1.400 MitarbeiterInnen der AGES erwirtschaften.

Neue Krankheitserreger, neue Problemstellungen

Zu den großen Herausforderungen, mit denen sich die MitarbeiterInnen der AGES in den letzten Jahren vermehrt konfrontiert sehen, zählen neuartige Krankheitserreger im Kontext von Zoonosen. Das sind Infektionskrankheiten, die vom Tier auf den Menschen und umgekehrt übertragbar sind. Gegenwärtig sind in etwa 200 Krankheiten bekannt, auf die das zutrifft. „Diese haben als Ausbrüche von SARS, Influenza A – besser bekannt als „Schweinegrippe“ – oder durch das West-Nil-Virus – in Rumänien und Griechenland – für neuartige Epidemien gesorgt“, sagt Ingrid Kiefer. Doch auch bereits bekannte Erreger können neue Eigenschaften entwickeln und dadurch schwere Erkrankungen verursachen. Varianten des auch im menschlichen Darm vorkommenden Bakteriums Escherichia Coli können zu verschiedensten Erkrankungen führen. Erst jüngst hatte der Stamm EHEC zu einer Serie von Lebensmittelvergiftungen geführt. Der Giftstoff, den das Bakterium bildet, kann im schlimmsten Fall zu akutem Nierenversagen führen. Das Bundesministerium für Gesundheit veranlasste daher ein Programm zur Überprüfung des Vorkommens dieser Keime in Tieren oder Lebensmitteln, die diese Erreger beherbergen. Die gewonnenen Daten werden für die Entwicklung von Bekämpfungsstrategien verwendet. Ingrid Kiefer erklärt dazu: „Ein integrativer Ansatz, der die gesamte Lebensmittelkette beinhaltet, kann zu schnellerer Erkennung und Aufklärung

Fortsetzung Seite 12

Foto: AGES

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SPECIAL

Gesundheit Essen

Die Experten der AGES testen Lebens­ mittel in ihren Laboren (oben, links).

Salmonellen

Fotos: Getty Images, AGES

sehen grün aus (Mitte rechts), CampylobacterBakterien in der Probe eher schwarz (rechts unten), im Elektronenmikroskop hingegen wurm­ förmig. In unseren Lebensmitteln möchten wir weder das eine noch das andere haben

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Gesundheit Essen

Fortsetzung von Seite 10

Lebensmitteldetektive jagen Erregerstämme

Essenziell bei einer Ausbruchsabklärung ist die Frage, ob es Verbindungen zwischen einzelnen Fällen gibt. Während geografische und zeitliche Nähe lediglich Indizien dafür sind, liefert nur eine molekulargenetische Analyse Klarheit. Mittels genetischem Fingerabdruck kann festgestellt werden, ob es sich um denselben Erregerstamm handelt. So kam es zwischen Juni 2009 und Februar 2010 zu einem lebensmittelbedingten Ausbruch von Listeriose. Insgesamt wurden 34 Krankheitsfälle, 25 davon in Österreich, registriert. Listeriose ist eine Infektionskrankheit, die von Bakterien verursacht wird, die in Lebensmitteln, in der Umwelt und bei Tieren weit verbreitet sind. Lebensbedrohlich ist eine Infektion vor allem für immungeschwächte Menschen, daher auch Un- und Neugeborene. Besonders tückisch an dieser Erkrankung ist ihre Seltenheit, weshalb viele ÄrztInnen nur über geringe Erfahrungen mit ihr verfügen. In einem ersten Schritt wurde in den AGES-Referenzzentralen ein genetischer Fingerabdruck der Isolate, das sind Bakterienstämme z. B. aus Blut- oder Stuhlproben erkrankter Personen, angefertigt. Damit lässt sich abklären, ob es sich um ein und denselben Erregerstamm handelt. Die Arbeit der Lebensmitteldetektive ist aber nicht auf das Labor und das Elektronenmikroskop beschränkt: Fragebögen und statistische Verfahren sind mindestens genauso wichtig, wenn es darum

Generell gilt, dass unsere Lebensmittel sicher sind wie noch nie

geht herauszufinden, durch welches Lebensmittel die Bakterien übertragen werden. Bei Listerien ist dies aufgrund der langen Inkubationszeit von bis zu siebzig Tagen besonders schwierig. Weder finden sich die infizierten Lebensmittel noch im Kühlschrank, noch können sich die Betroffenen genau daran erinnern, was sie vor Wochen gegessen haben. So blieb im konkreten Fall eine Befragung genauso ergebnislos wie Probennahmen aus den Kühlschränken. Die Antwort fand sich aber auf den Einkaufszetteln und Rechnungen der Betroffenen. Als Kontrollgruppe fungierte eine Gruppe von 22 an einem anderen Listerienstamm Erkrankten. Ein Vergleich der beiden Gruppen ließ Quargel als die wahrscheinlichste Quelle der Erkrankung aufscheinen. Daraufhin wurden im Herstellerbetrieb Proben genommen. Diese enthielten jenen Listerien-Stamm, der bereits im Blut und im Stuhl der Betroffenen identifiziert worden war. Die Quelle des Ausbruchs war gefunden und es konnten Präventionsmaßnahmen eingeleitet werden.

Sie können sich entspannen! Unsere Lebensmittel   sind so sicher wie noch nie: 2012 wurden von den Lebensmittelaufsichtsbehörden der Länder 43.872 Betriebskontrollen durchgeführt und 30.966 Proben von der AGES oder den Untersuchungsanstalten der Länder begutachtet. 124 Proben (0,4 Prozent) wurden als gesundheitsschädlich, 1.066 Proben (3,4 Prozent) als für den Verzehr ungeeignet eingestuft. Bei 2.707 Proben (8,7 Prozent) wurden Kennzeichnungsmängel beanstandet.

der Höchstwertüberschreitungen aber stark gesunken. 2011 wiesen lediglich 41 (1,5 Prozent) von 2.682 Proben hohe Pestizidrückstände auf. Keine Probe war gesundheitsschädlich.

• Drei Jahre BSE-frei: Bis zum Mai dieses

Jahres wurden in Österreich 2.414.651 Rinder auf BSE untersucht. Insgesamt wurden in Österreich 8 Tiere positiv getestet. Das letzte Mal 2010 in Ober- und Niederösterreich.

• Im Jahr 2011 wurden in Österreich 232 • Die österreichische Viehzucht ist seulebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche mit 789 Erkrankten (davon 179 hospitalisiert) dokumentiert. Erstmals überstieg die Anzahl der Campylobacteriosen-Ausbrüche (51 Prozent aller Ausbrüche) die Anzahl der Salmonellosen-Ausbrüche (44 Prozent).

• I n der öffentlichen Wahrnehmung werden Risiken oft überzeichnet: Pestizidrückstände liegen an der Spitze der Besorgnisskala. Tatsächlich ist die Zahl

chenfrei: Nach weit über 200.000 Tests gilt Österreich seit März 2011 als frei von der Blauzungenkrankheit und auch amtlich anerkannt frei von anderen Tierseuchen. Dadurch ergeben sich Vorteile im Export von Tieren.

• Saatgut für die Zukunft: In der AGES-

Genbank in Linz lagern 1.679 alte Zuchtsorten, 1.675 Landsorten/Lokalsorten, 265 Wildpflanzen, 45 geschützte Arten (z. B. Arnika, Echtes Bergwohlverleih).

Täuschung ist nicht

gleich Gefährdung

Generell gilt aber, dass unsere Nahrungsmittel so sicher wie noch nie sind. Im Jahr 2012 waren lediglich 0,4 Prozent der 30.966 von der AGES und den Untersuchungsanstalten der Länder begutachteten Proben als gesundheitsschädlich beurteilt worden. Den wenigsten Lebensmittelskandalen liegt daher eine tatsächliche Gesundheitsgefährdung zugrunde. „In der öffentlichen Wahrnehmung wird nicht unterschieden, ob nun ein tatsächliches oder nur ein vermeintliches Risiko besteht“, sagt Ingrid Kiefer. Die Skandale der letzten Jahre scheinen ihr recht zu geben: Weder von „Schummelschinken“, „Analogkäse“ oder „Klebefleisch“ geht ein tatsächliches Gesundheitsrisiko aus. Viele VerbraucherInnen wollen aber natürliche Nahrungsmittel, die frei von synthetischen Zusätzen sind. Dementsprechend wird mit Aussagen wie „ohne künstliche Farbstoffe“, „ohne Konservierungsstoffe“ oder „frei von künstlichen Aromen“ geworben. Weicht der Inhalt des Produkts von diesen Aussagen ab, ist das Täuschung. Das gilt natürlich auch dann, wenn ein Produkt Rohstoffe enthält, die es nicht enthalten sollte – Stichwort Pferdefleisch. Um solchen Fällen und der gestiegenen öffentlichen Aufmerksamkeit für die Zusammensetzung und Herstellung unserer Lebensmittel Rechnung zu tragen, wurde die Stabstelle Täuschungsschutz eingerichtet. Damit sollen noch gezielter Informationen an die VerbraucherInnen gebracht werden, denn gut informierte Konsumentinnen und Konsumenten sind ein Hauptanliegen der AGES. Dafür setzt man auch auf unterschiedliche Kommunikationskanäle, um Fachwissen, Produktwarnungen bei Lebensmitteln, Spielzeug und Medikamenten, aber auch Informationen über die Wasserqualität von Badegewässern publik machen zu können. So unterschiedlich die Aktivitäten der AGES auch sein mögen, dienen sie doch einem einzigen Zweck: der Sicherung unserer Gesundheit und Lebensgrundlagen in der Gegenwart genauso wie in der Zukunft. Text: Werner Sturmberger

Foto: AGES

von Gefahren für Mensch und Tier beitragen.“ Um dem Rechnung zu tragen, wurde in Graz ein Zentrum für lebensmittelbedingte Krankheiten etabliert. Durch die Konzentration von Lebensmitteluntersuchungen, Veterinär- und Humanmedizin sowie Risikobewertung an nur einem Ort kann eine qualitativ hochwertige und rasche Diagnostik für künftige Ausbruchsabklärungen sichergestellt werden.


SPECIAL

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Gesundheit Essen

Die Genüsse am Gipfel? Lieber nicht!

Die österreichische Ernährungspyramide will mit einem Blick erfassbar machen, wie eine gesunde, ausgewogene Ernährung aussieht

Foto: BMG

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u süß, zu fett, zu salzig“ – seit Jahren der Standard-Begleitsatz jeder Präsentation zur nationalen Ernährungslage. Schweinsripperln und Pommes, Wurstwaren und Semmerl, Softdrinks, Bier und Süßwaren ließen, gepaart mit Bewegungsmangel, jene Speckbauchwellen entstehen, die die Alpenrepublik überrollen und mit Zivilisationskrankheiten sonder Zahl einhergehen. Um Herrn, Frau und Kind Österreicher gesünderes Essen näherzubringen, wurde deshalb vom Gesundheitsministerium und der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES 2010 der Nationale Aktionsplan Ernährung (NAP.e) auf den Weg geschickt (siehe Seite 4). Dessen erster Meilenstein war die im März 2010 präsentierte österreichische Ernährungspyramide. „Davor gab es unterschiedliche Darstellungen und Botschaften“, so Ernährungswissenschaftlerin Ingrid Kiefer, die Leiterin der AGESUnternehmenskommunikation, über deren Entstehungsprozess. „Unser erstes Ziel war, alle relevanten Organisationen wie die Österreichische Gesellschaft für Ernährung, die Institute für Ernährungswissenschaften und Sozialmedizin und die MedUni Wien an einen Tisch zu bringen und sich auf eine gemeinsame Botschaft zu einigen.“ Die Ergebnisse wurden grafisch umgesetzt: Gewählt wurde eine Pyramide (eigentlich ein Dreieck) aus weißen Bauklötzchen mit aufgedruckten Lebensmitteln, die eine Hierarchie von „reichlich zu konsumieren“ an der Basis zu „sparsam verwenden“ an der Spitze zeigt. Auf einen Blick erkennbar, sollen etwa Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte den Hauptanteil der Ernährung bilden. Eine Veränderung gegenüber

Die 7 Stufen zur Gesundheit Alkoholfreie Getränke

Täglich mindestens 1,5 Liter Wasser und alkoholfreie bzw. energiearme Getränke

Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst

Täglich 3 Portionen Gemüse und/oder Hülsenfrüchte und 2 Portionen Obst

Getreide und Erdäpfel

Täglich 4 Portionen Getreide, Brot, Nudeln, Reis oder Erdäpfel (5 Portionen für Sportler und Kinder), v. a. Vollkorn

Milch und Milchprodukte

Täglich 3 Portionen Milchprodukte (fettärmere Varianten bevorzugen)

Fisch, Fleisch, Wurst und Eier

Wöchentlich 1–2 Portionen Fisch, maximal 3 Portionen mageres Fleisch oder magere Wurst, maximal 3 Eier

Fette und Öle

Täglich 1–2 Esslöffel pflanzliche Öle, Nüsse oder Samen. Wenig Streich-, Back-, Bratfette, fettreiche Milchprodukte

Fettes, Süßes und Salziges

Selten fett-, zucker- und salzreiche Lebensmittel und energiereiche Getränke

den meisten (früheren) Empfehlungen: „Kohlenhydrate passen nicht mehr als Basis für eine sitzende Bevölkerung“, sagt Kiefer. Das Klötzchen an der Spitze zieren Eis, Torte und Pommes frites, stellvertretend für all jene „kritischen“ Lebensmittel, die zu fett, zu süß und zu salzig sind – im Grunde die Produkte der Nahrungsmittelindustrie, auch wenn das nur verklausuliert gesagt wird – und die deshalb nur selten konsumiert werden sollten. „Ein Verbot werden Sie nirgends finden“, betont Kiefer die wichtige Botschaft, dass – in Maßen – alles erlaubt ist. „Und wenn etwas gegessen wird, sollte es mit Genuss geschehen.“ Das Pyramiden-Dreieck ist zwangsläufig eine starke Vereinfachung der komplexen Empfehlungen, auf denen sie basiert, und damit nur Orientierungshilfe. Wer sich für Details interessiert, etwa was im Einzelfall „eine Portion“ ist (die Angaben unterscheiden sich von Produkt zu Produkt) oder wovon wie viel pro Tag oder Woche auf den Teller soll, um die optimale Versorgung mit Nährstoffen zu garantieren, muss Erläuterungstexte und -broschüren studieren. Hier finden sich dann doch recht detaillierte Vorgaben wie „fettarme Milch“, „maximal drei Eier pro Woche“, „täglich ein bis zwei Esslöffel pflanzliche Öle, Nüsse oder Samen“ oder Kochtipps (während eine klare Warnung vor Convenience-Produkten fehlt). Die Empfehlungen basieren auf den Referenzwerten der deutschsprachigen Ernährungsgesellschaften (DACH) für gesunde Erwachsene. Seit Kurzem gibt es auch eine Pyramide für Schwangere und eine für Kinder. Details finden sich auf der Website des GesundheitsminisText: Verena Ahne teriums.


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GesundHEIT Essen

Gesünderes Essen in der Praxis

Man kann nicht früh genug anfangen, richtig zu essen. Das Schulbuffet bietet dazu eine wichtige Gelegenheit

ie nackten Zahlen zeigen kein gutes Bild. In Österreich sind 24 Prozent der Sieben- bis 14-Jährigen übergewichtig oder adipös, Tendenz steigend. Die Kinder und Jugendlichen essen zu fett, zu salzig, zu süß und zu wenig Obst und Gemüse. Gleichzeitig frühstückt jedes dritte Schulkind nicht oder isst morgens nur wenige Bissen.

Schulkinder erreicht man

am besten am Schulbuffet Viele kommen ohne Jause in die Schule – doch mit Jausengeld. Was sich Kinder und Jugendliche kaufen, hängt entscheidend vom Angebot vor Ort ab. „Wir haben in puncto Übergewicht absolut Handlungsbedarf. Wir haben untersucht, wo wir am besten ansetzen können, um die Ernährung der Schulkinder zu verbessern, und haben uns für die Schulbuffets entschieden“, erklärt Dr. Walpurga Weiß, die zuständige Expertin im Gesundheitsministerium. Als Basis wurde die wissen-

„Wichtig ist es, Veränderungen gemeinsam mit den Buffetbetreibern zu erarbeiten“ Walpurga Weiß, Expertin im BMG

schaftliche „Leitlinie Schulbuffet“ ausgearbeitet, welche die wichtigsten Kriterien für ein gesünderes Schulbuffet enthält. Die Leitlinie wurde von Fachleuten für Ernährungswissenschaften, Prävention und Bildung sowie Buffetbetreibern und -betreiberinnen und Elternvertretungen erarbeitet und im August 2011 präsentiert. Es gibt damit erstmals eine Vorgabe, die österreichweit einheitliche Gültigkeit beansprucht. Die Leitlinie enthält konkrete Empfehlungen für alle Warengruppen, die an Schulbuffets üblicherweise angeboten werden. Die darauf aufbauende „Initiative Schulbuffet“ setzt die wissenschaftlichen Standards jetzt in die Praxis um. Dafür gibt es eigene mobile Berater, die Buffetbetreibern beim Umstellen des Angebots helfen. „Es ist wichtig, die Betriebe vor Ort zu unterstützen, jeder Fall ist anders. Buffetbetreiber, die bei der Initiative mitmachen wollen, können sich unbürokratisch anmelden und werden dann von uns beraten und begleitet.

Beispielhafte Schulbuffets: Gourmet-Menü-Service GmbH (Wien 6., Amerlingg. 6, diese Seite);

Wichtig ist es uns, die Veränderungen gemeinsam mit den Buffetbetreibern zu erarbeiten und Vereinbarungen zu treffen“, so Weiß.

Die Aktion erreicht 200.000 Schülerinnen und Schüler

Bisher nehmen 273 Schulen an der Initiative teil, immerhin 20 Prozent aller Schulen mit Pausenverkauf in Österreich, das entspricht knapp 200.000 Schülerinnen und Schülern. Als Anreiz für Betriebe gibt es nach erfolgreicher Umstellung des Speisen- und Getränkeangebots eine Auszeichnung durch das Gesundheitsministerium, die jedes Jahr verlängert werden muss, damit die Qualität gehalten wird. Die seit zwei Jahren laufende Initiative wurde im August für ein weiteres Jahr verlängert, auch wenn der Fokus mittlerweile nicht mehr nur auf der Umstellung neuer Buffetbetriebe, sondern auch auf der langfristigen Qualitätssicherung der bereits teilnehmenden liegt.

Lebenshilfe Vorarlberg (Feldkirch Schillerstr. 13, rechte Seite)

Fotos: BMG, Gourmet

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GesundHEIT Essen

SPECIAL

Bei einem vom BMG veranstalteten Workshop stand das gesunde Schulbuffet im Mittelpunkt. Hier beraten Buffetbetreiberinnen über ein Buffet

Die „Initiative Schulbuffet“ setzt wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis um Praxisbeispiele – besonders engagierte Schulbuffetbetreiber und -betreiberinnen

Fotos: BMG, UnserSchulbuffet

Peter Halama

Buffetbetreiber – AHS Korneuburg sowie Neue NÖ Mittelschule Langenzersdorf Niederösterreich Für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, dass das Angebot am Schulbuffet abwechslungsreich ist. Unser aktueller Hit ist unser „school cooler“. Das sind gespritzte Fruchtsäfte, die wir selbst von einem Bauern der Region abfüllen lassen. Der coole Name nimmt den Schülern und Schülerinnen die Berührungsangst. Durch diese Innovation haben wir es geschafft, Softdrinks aus unserem Angebot zu verdrängen, ohne dass etwas verboten wird.

Martina Kostelanik

Buffetbetreiberin – Bertha von Suttner Schulschiff Wien Bei mir am Schulbuffet ist mein selbstgemachtes Bircher Müsli der Renner. Auf die Idee bin ich gekommen, weil im Verkauf oft Obst übrigblieb und ich es sinnvoll weiterverwerten wollte. Das Müsli quillt über Nacht im Kühlschrank in Milch auf. Danach kommen noch Joghurt, Obst, geriebene Äpfel und Nüsse dazu. Ich habe es anfangs mit wenigen Portionen ausprobiert und war dann selbst überrascht: Mein Bircher Müsli kommt sehr gut an und ist inzwischen der Renner. Es ist mein Geheimrezept für nicht verkauftes Obst. Da bleibt nichts mehr übrig.

Johannes Lödler

Buffetbetreiber (gemeinsam mit Lebenshilfe Graz) – Schulzentrum Köflach Steiermark Mir liegt es sehr am Herzen, treue Kunden und Kundinnen zu belohnen. Daher habe ich einen Salatsammelpass entwickelt: Für jede gekaufte Salatbox gibt es einen Stempel in den Sammelpass. Für zwölf Stempel gibt es eine Salatbox gratis. Mittlerweile sind unsere vielen Salatvariationen (z.B. Mozzarellasalat, Thunfischsalat) der Verkaufsschlager. Wir verkaufen so viel Salat wie nie zuvor. Der Salatpass schafft auch Anreiz für Schüler und Schülerinnen, immer wieder zum Schulbuffet zu kommen!

Martina Ehrenhöfler

Buffetbetreiberin – Bundesschul­ zentrum Fürstenfeld Steiermark Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Kinder und Jugendlichen bei ihrer Kaufentscheidung sehr stark auf Aussehen und Präsentation der Produkte achten. Deshalb ist auch unser „Herzweckerl“ der Renner am Schulbuffet. Zusätzlich informieren wir die Schüler und Schülerinnen mit Plakaten, auf denen unsere Angebote abgebildet sind. So machen wir die gesündere Wahl zur leichteren Wahl.


Gesundheitspolitik zum Schmökern. Das neue Buch des Gesundheitsministeriums. Jetzt online lesen oder gratis nach Hause bestellen: bmg.gv.at

Weg mit den Gartenzäunen! Vom Überwinden gesundheitspolitischer Grenzen in Österreich.

Entgeltliche Einschaltung | Grafiken: © ychty - Fotolia.com


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