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FALTER Special 61

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SPECIAL

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e n t g e l t l i c h e Ve r l a g s b e i l a g e z u F a l t e r 3 4 , 2 0 1 3

Foto: Ioulia Kondratovitch

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Alles für Kinder und Familien d  d  d  d

R e s p e k t f ü r d a s K i n d     Die Arbeit der MAG ELF für Kinder und Familien in Wien „ W a s b r a u c h t d a s K i n d ? “     Johannes Köhler, Leiter der MAG ELF, im Gespräch P f l e g e e l t e r n u n d K r i s e n p f l e g e e l t e r n     Was sie leisten, was sie sich erhoffen E i n O r t f ü r F r e u n d s c h a f t e n u n d B e r a t u n g     Die Eltern-Kind-Zentren in Wien


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Respekt für das Kind

Der Umgang der Eltern mit ihren Kindern hat einen entscheidenden Einfluss auf deren psychische Gesundheit und beeinflusst die Entwicklung der emotionalen Intelligenz. Die MAG ELF versucht Eltern im richtigen Verhalten zu unterstützen und Kinder vor Fehlentwicklungen zu schützen

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espektvolle Erziehung bedeutet Wertschätzung der Persönlichkeit des Kindes unter Beachtung seiner Individualität. Die Förderung seiner Fähigkeiten sowie die Hinführung zu Eigenverantwortung und Mitverantwortung für die Gemeinschaft“, sagt die Hamburger Psychotherapeutin Gudrun Halbrock. Sie ist Gründerin der „Gudrun Halbrock Stiftung zum Wohle der Kinder“ und wurde jüngst von Deutschlands Bundespräsidenten Joachim Gauck für ihre Verdienste um das Kindeswohl geehrt. „Respektvoll erziehen“ bedeutet ein grundlegendes Umdenken in der Gesellschaft, weil die heute immer noch auf der von vielen geübten Praxis der Manipulation von Kindern durch Angstverbreitung besteht. Bei dieser „schwarzen Pädagogik“ wird Druck auf Kinder ausgeübt, oft auf sehr subtile Weise, ohne dass Erwachsene sich dessen bewusst sind – und meist merken sie auch nicht, wie sehr sie letztlich selbst von ihren Kindern manipuliert werden. Gudrun Halbrock berichtet von einem Erlebnis anlässlich einer Bahnfahrt. Von einem etwa dreijährigen Buben, der sehr zum Missfallen seiner Mutter übermütig auf dem Sitz herumzuhüpfen beginnt. Sofort kommandiert seine Mutter ihn von dort weg. Da er nicht gleich spurt, zerrt sie ihn gewaltsam am Arm. Aber auch die Drohung „Gleich kommt die Schaffnerin!“ bleibt wirkungslos. Als diese kurze Zeit später tatsächlich erscheint, rutscht das Kind sofort ängstlich auf den Sitz. Die Mutter bricht in hysterisches Gelächter aus ob des Erfolges ihrer Drohgebärde. Als sie ihren Sohn auffordert, seine Schuhe anzuziehen, weigert sich dieser: Das soll gefälligst die Mutter tun, die seiner Aufforderung auch

Beim Babytreff findet Sina M. andere Babys zum Spielen

unverzüglich nachkommt. In der Zwischenzeit hat sie bereits, als selbstverständliche Dienstleistung, die Spielsachen in den kleinen Rucksack gepackt – nun zieht sie dem Jungen die Jacke an. Was wird wohl aus diesem Kind? Wie gestaltet sich die Beziehung zu seiner Mutter, wenn es heranwächst? Der Junge wird nicht respektvoll erzogen. Durch Panikmache wird er eingeschüchtert. Drohungen dienen dazu, ihn gefügig zu machen.

Gerade in den ersten Lebensjahren brau- chen Kinder Rückhalt und Schutz von ihren Eltern dringend

Kinder lernen bei Spiel und durch eigene Bewegung

Selbstverständlich brauchen Kinder Eltern, auf die sie sich verlassen können, die Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. „Wichtig ist, mit sinnvollen Regeln, ethischen und

s­ ozialen Anregungen Orientierung zu bieten und sich um die Gesundheit der Kinder durch entsprechende Ernährung, Pflege, medizinische Versorgung etc. zu kümmern“, erklärt die Sozialarbeiterin Eveline Holzmüller, stellvertretende Leiterin bei „Soziale Arbeit mit ­Familien“ der MAG ELF. Junge Menschen werden selbstsicher und stark, wenn ihre Bezugspersonen sich ihnen liebevoll zuwenden und keine Angst- und Panikmache verbreiten. Positive Beziehungen gelingen umso besser, wenn Eltern ihren Kindern zuhören, ihre Leistungen loben und anerkennen und auch einmal eigene Fehler eingestehen können. „Kinder lernen am besten bei Spiel und Bewegung, sie können vernünftige Anforderungen bewältigen, wenn sie sich im Zweifelsfall auf Förderung und Unterstützung ihrer Eltern verlassen können und nicht überfordert werden“, sagt Holzmüller. „Respekt vor kindlichem Entdeckerdrang ist vom ersten Tag an wichtig“, erklärt der Kinderpsychologe Hannes Kolar. Eine anregende Umwelt zur Verfügung stellen, Mut machender Zuspruch, liebevoll erklärte Grenzen und Freude an der Individualität des Kindes sind aus entwicklungspsychologischer Sicht Ausdruck dieser Anerkennung der kindlichen Eigenständigkeit. Hingegen untergraben Besserwisserei, übermäßiges Beschützen, Beschämung bei Fehlern, Verbote ohne Erklärung durch die Eltern die Ausbildung einer selbstwussten, kompetenten und aufgeschlossenen Persönlichkeit des Kindes. „Wenn Eltern sich durch ihre Kinder selbst verwirklichen wollen, lernen Kinder nicht ihre eigenen Bedürfnisse

Fortsetzung Seite 4


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Fotos: Ioulia Kondratovitch

SPECIAL

Caroline H. auf dem Weg zum Babytreff in einem der acht

Eltern-Kind-Zentren der MAG ELF, wo MĂźtter Rat finden und sich austauschen kĂśnnen

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Fortsetzung von Seite 2 Eine Einrichtung für Ihn und seine Eltern: Gabriel beim Babytreff

wahrzunehmen und eigene Ziele zu entwickeln. Als spätere Erwachsene müssen sie dann mühevoll ihre eigene Identität erst entwickeln.“ sagt Hannes Kolar. Doch was tun, wenn Kinder etwas versuchen wollen, was nicht den Vorstellungen der Eltern entspricht? Grenzen auszuloten gehört zu einer gesunden Entwicklung dazu. Die Aufgabe der Eltern ist nicht, Kinder von den Grenzen fernzuhalten, sondern sie an ihre Grenzen zu begleiten und sie gleichzeitig vor seelischem oder körperlichem Schaden zu bewahren. Dabei benötigen Kinder viel emotionale Zuwendung der Eltern, um Enttäuschungen verarbeiten zu können.

Die Eltern und Kinder im

pädagogischen Dschungel „Niemand kann behaupten, dass Kindererziehung eine einfache Sache ist“, sagt die Sozialarbeiterin Holzmüller. „Selbst Eltern, die ihre Kinder von ganzem Herzen lieben und besten Willens sind, stoßen mitunter an ihre Grenzen.“ Sie glaubt, dass die meisten Menschen sich heute bewusst sind, dass „schwarze Pädagogik“, die darauf abzielt, Kinder bedingungslos dem Willen ihrer Erziehungspersonen zu unterwerfen, diesen nachhaltigen Schaden zufügt. Wie sieht es aber mit der antiautoritären Erziehung der 68er aus, ist diese ein Allheilmittel?

Erziehung ohne Gewalt: „Wir liegen damit noch immer 46 Prozent hinter den Schweden.“

Michael Gnauer, Leiter der Abteilung Advocacy/KinderJugendrechte bei SOS-Kinderdorf

„Auch die antiautoritäre Erziehung der 68er hat nicht immer die glücklichen, freien und sozial kompetenten Persönlichkeiten zu Tage gefördert, auf die sie abzielte“, meint Holzmüller. Die oft unüberschaubare Masse an pädagogischen Mode-Trends ist ihr suspekt. „Junge Eltern sehen sich heute einer Vielzahl von möglichen Erziehungsstilen, pädagogischen Trends und Förderprogrammen gegenüber und sind nicht zuletzt gerade deshalb damit überfordert, den für ihren Nachwuchs richtigen Weg durch diesen pädagogischen Dschungel zu finden.“ Für den Kinderpsychologen der MAG ELF Hannes Kolar wäre es in vielen Situationen besser den aktuellen Entwicklungsschritt eines Kindes durch Beobachtung herauszufinden und ihm zur Selbstentfaltung Raum zu geben, anstatt ein trendiges Förderprogramm vorzugeben und somit das natürliche Wachstum zu stören.

Gewaltfreie Erziehung ist ein verbrieftes Kinderrecht

Seit 24 Jahren ist in Österreich das Gewaltverbot in der Erziehung gesetzlich verankert und seit 2011 in den Verfassungsrang erhoben. Die Einstellung zur „g’sunden Watschn“ hat sich in den letzten zwei Jahr-

zehnten zwar grundlegend verändert, dennoch verzichten etwa zwei Drittel der österreichischen Familien nach wie vor nicht gänzlich auf das Erziehungsmittel Gewalt. „Wir liegen damit zwar aktuell 2 Prozent besser als unsere deutschen Nachbarn, aber noch immer 46 Prozent hinter den Schweden“, sagt Michael Gnauer, diplomierter Sozialarbeiter und Leiter der Abteilung Advocacy/ Kinder-Jugendrechte bei SOS-Kinderdorf in Österreich. In Schulen, pädagogischen und sozialpädagogischen Einrichtungen sollte Gewaltfreiheit eine Selbstverständlichkeit sein. Dennoch verlieren auch hier Pädagoginnen und Pädagogen aus Überforderung zuweilen ihre Impulskontrolle. „Das gilt es dann sofort und unmittelbar zu klären, aber niemals nachträglich als legitimes Mittel zu rechtfertigen“, sagt Gnauer. Wenn aber öffentliche Personen wie etwa ein Kärntner Politiker oder ein weltweit bekannter Extremsportler die „Tetschn“ oder „g’sunde Watschn“ wieder salonfähig machen, untergraben sie das gesetzlich verankerte Bekenntnis zur gewaltfreien Erziehung. Gewaltfreie Erziehung ist Kinderrecht. Und Gewalt, in welcher Form auch immer, kein Kavaliersdelikt, sondern KinderText: Dieter Hönig Unrecht!

Die Kinderrechte als Wegweiser Die 1989 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen einstimmig angenommene Konvention über die Rechte des Kindes wurde von Österreich 1992 ratifiziert und 2011 als Bundesverfassungsgesetz beschlossen. Damit kommt Kindern ein eigenständiges Recht auf Versorgung, Schutz und Beteiligung zu. Die Kinderrechte orientieren sich am Wohl des Kindes, das bei allen Entscheidungen und Maßnahmen, die Kinder betreffen, ausschlaggebend sein soll und dem auch im seit Februar 2013 geltenden Kindschafts- und Namensrechts-Änderungsgesetz 2013 besondere Bedeutung zukommt. www.kinderrechte.gv.at

Kindeswohl § 138. In allen das minderjährige Kind betreffenden Angelegenheiten, insbesondere der Obsorge und der persönli-

chen Kontakte, ist das Wohl des Kindes (Kindeswohl) als leitender Gesichtspunkt zu berücksichtigen und bestmöglich zu gewährleisten. Wichtige Kriterien bei der Beurteilung des Kindeswohls sind insbesondere 1. eine angemessene Versorgung, insbesondere mit Nahrung, medizinischer und sanitärer Betreuung und Wohnraum, sowie eine sorgfältige Erziehung des Kindes; 2. die Fürsorge, Geborgenheit und der Schutz der körperlichen und seelischen Integrität des Kindes; 3. die Wertschätzung und Akzeptanz des Kindes durch die Eltern; 4. die Förderung der Anlagen, Fähigkeiten, Neigungen und Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes; 5. die Berücksichtigung der Meinung des Kindes in Abhängigkeit von ­dessen Verständnis und der Fähigkeit zur Meinungsbildung;

6. die Vermeidung der Beeinträchtigung, die das Kind durch die Um- und Durchsetzung einer Maßnahme gegen seinen Willen erleiden könnte; 7. die Vermeidung der Gefahr für das Kind, Übergriffe oder Gewalt selbst zu erleiden oder an wichtigen Bezugspersonen mitzuerleben; 8. die Vermeidung der Gefahr für das Kind, rechtswidrig verbracht oder zurückgehalten zu werden oder sonst zu Schaden zu kommen; 9. verlässliche Kontakte des Kindes zu beiden Elternteilen und wichtigen Bezugspersonen sowie sichere Bindungen des Kindes zu diesen Personen; 10. die Vermeidung von Loyalitätskonflikten und Schuldgefühlen des Kindes; 11. die Wahrung der Rechte, Ansprüche und Interessen des Kindes sowie 12. die Lebensverhältnisse des Kindes, seiner Eltern und seiner sonstigen Umgebung.


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Fotos: Ioulia Kondratovitch

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Aleksandra mit ihrer Tochter Nina beim

Babytreff in einem der acht Eltern-Kind-Zentren der Stadt Wien

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„Zwei Drittel sind von Gewalt betroffen“ Ein Gespräch mit Eveline Holzmüller, der stellvertretenden Leiterin von „Soziale Arbeit mit Familien“ der MAG ELF, zum Thema „gewaltfreie Erziehung“

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rau Holzmüller, Felix Baumgartner propagierte jüngst die „g’sunde Watschn“ als Erziehungsmittel. Was sagen Sie dazu? Eveline Holzmüller: Die Strategie eines Felix Baumgartner, sich im Zweifelsfall auf die Erfahrungen aus der eigenen Kindheit zu besinnen und die „g’sunde Watschn“ zum Mittel der Wahl zu erklären, ist bekannterweise ebenso häufig wie schädlich für Kinder. Gefährlich wird sie durch die Prominenz, den Erfolg und die damit verbundene Vorbildfunktion des Absenders dann, wenn sie von Bewunderern als Aufruf zur Nachahmung verstanden wird. Woran sollen sich Menschen im Zweifel orientieren, der gewaltfreie Raum in der Familie ist ja noch Zukunftsmusik? Holzmüller: Gewalt ist nie das richtige Mittel der Wahl! Gewalt an Kindern ist in Österreich seit Inkrafttreten des KindschaftsrechtsÄnderungsgesetzes 1989 auch gesetzlich verboten. Dennoch sind aktuellen Schätzungen zufolge etwa zwei Drittel der Mädchen und Buben in unserem Land von Gewalt betroffen, wobei die Täter und Täterinnen in den meisten Fällen aus dem eigenen Familien- und Bekanntenkreis stammen.

Formen von Gewalt an Kindern: erstens körperliche Misshandlung. Darunter werden alle Formen der physischen Gewaltanwendung verstanden, egal ob in erzieherischer Absicht oder im Affekt. Das Spektrum reicht vom HartAnfassen, Schütteln und der Ohrfeige über das Ziehen an den Haaren oder Ohren bis hin zu Schlägen mit der Hand oder mit Gegenständen, Verbrennungen etc. Körperliche Misshandlungen führen neben den psychischen und emotionalen Beeinträchtigungen oft zu körperlichen Verletzungen und reichen von blauen Flecken und Blutergüssen über Knochenbrüche, in den schlimmsten Fällen bis zum Tod. Zweitens emotionale und psychische Misshandlung: Wer Kindern das Gefühl gibt, dumm, hässlich oder nichts wert zu sein, wer ihnen Angst oder sich über sie lustig macht, sie beschimpft und bedroht, übt psychische Gewalt aus und fügt ihnen seelische Wunden zu. Zur emotionalen Gewalt zählt auch das Miterleben von Gewalt in der Familie. Wenn Eltern einander misshandeln, erleben Kinder Angst, Ohnmacht und Schutzlosigkeit; außerdem er-

leben sie Gewalt als Strategie im Umgang mit Konflikten. Drittens sexuelle Gewalt. Von sexueller Gewalt spricht man, wenn überlegene Personen die Unwissenheit, das Vertrauen oder die Abhängigkeit eines Kindes ausnützen, um ihre eigenen sexuellen Bedürfnisse oder die anderer Personen zu befriedigen. Kinder dürfen nicht zu sexuellen Handlungen, aber auch nicht zum Ansehen oder Miterleben solcher gezwungen oder verleitet werden. Schwere Schäden der körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung sind die Folge. Und viertens seelische und körperliche Vernachlässigung. Sie hat viele Facetten. Sie tritt immer dann auf, wenn die körperlichen, emotionalen, kognitiven und sozialen Bedürfnisse von Kindern von ihren Bezugspersonen nicht ausreichend wahrgenommen werden (können). So können sich vernachlässigte Kinder beispielsweise nicht auf regelmäßige Mahlzeiten oder der Jahreszeit entsprechende Kleidung verlassen, werden nicht zur ärztlichen Untersuchung gebracht, wenn sie schlecht sehen und eine Brille bräuchten, werden schon als Babys

Welche Folgen haben Kinder, denen Gewalt angetan wird, zu erwarten? Holzmüller: Menschen, denen Gewalt angetan wird, fühlen sich unterlegen, ausgeliefert, macht- und hilflos, wütend und zornig. Gewalt macht Angst, blockiert das Denken, führt häufig wieder zu Gewalt und beeinträchtigt dadurch Kinder nachhaltig in ihrer Entwicklung. Welche Formen von Gewalt an Kindern gibt es? Holzmüller: Die Wiener Kinderund Jugendhilfe unterscheidet vier

zuhause allein gelassen, während ihre Eltern unterwegs sind. Welche Kinder sind besonders gefährdet? Holzmüller: Babys und Kleinkinder haben aufgrund ihrer größeren Verletzlichkeit und ihrer hohen Abhängigkeit von elterlicher Fürsorge ein erhöhtes Gefährdungsrisiko. Mädchen sind gefährdeter, Opfer sexueller Übergriffe zu werden, als Buben. Kinder suchtkranker Eltern sind krankheitsanfälliger als Kinder gesunder Eltern. Und Kinder mit Behinderungen werden häufiger Opfer von Gewalt als gesunde Kinder. Psychische und physische Erkrankungen, selbst erlebte Gewalt, Arbeitslosigkeit, materielle Not und Wohnungslosigkeit, ein fehlendes soziales Netz, Beziehungskrisen und sonstige emotionale Belastungen von Eltern und Bezugspersonen machen Kinderleben potenziell riskanter und gefährlicher. Könnte man also sagen, dass Gewalt an Kindern eher in problematischen oder wirtschaftlich schwachen Familien vorkommt? Holzmüller: Eine Generalisierung ist nicht zulässig. Manche Menschen wachsen trotz vieler Risikofaktoren in der Elternrolle über sich hinaus, während andere, auf den ersten Blick deutlich weniger belastete Eltern an den Anforderungen einer verantwortungsvollen Erziehung scheitern. Können Sie mir Beispiele nennen?

Holzmüller: Ein Paar, beide zwi-

„Gewalt macht Angst, blockiert das Denken, führt häufig wieder zu Gewalt und beeinträchtigt dadurch Kinder nachhaltig in ihrer Entwicklung.“

schen 25 und 30 Jahre alt, substituiert und mit langjähriger Suchtvergangenheit, wird sehr überraschend Eltern. Die Schwangerschaft ist erst im letzten Drittel aufgefallen. Das Baby muss nach der Geburt im Krankenhaus einen Entzug vom Substitutionsmittel der Mutter durchmachen, ist aber sonst gesund.


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7 Kontakt: Servicestelle der MAG ELF Telefon: 4000–8011

Fotos: Ioulia Kondratovitch

„Kinder mit Behinderungen werden häufiger Trotz ungünstiger Prognose gelingt es den Eltern, über einen längeren Zeitraum eng und zuverlässig mit der Kinder- und Jugendhilfe zusammenzuarbeiten und unter Beweis zu stellen, dass sie gut für ihr Baby sorgen und liebevoll auf seine Bedürfnisse eingehen können. Oder: Eine ausgebildete Kindergartenpädagogin wird nach der Geburt im Krankenhaus als sehr ambivalent im Umgang mit ihrem Baby wahrgenommen. Mutter und Kind werden zur genaueren Abklärung an einem dicht betreuten Wohnplatz untergebracht. Dort wird innerhalb weniger Wochen deutlich, dass es der Frau nicht gelingt, die verlässliche Betreuung ihres Babys ins Zentrum ihres Interesses zu stellen. Sie will ihre bisherigen Freiräume nicht aufgeben, erlebt ihr Kind dabei als persönliche Einschränkung und gibt es, nachdem auch der Vater keine Erziehungsverantwortung übernehmen möchte, zu Pflegeeltern. Woran kann ich in meiner Nachbarschaft Gewalt an Kindern erkennen und wie soll ich reagieren?

Opfer von Gewalt als gesunde Kinder.“

Holzmüller: Sie sollten uns auf je-

den Fall informieren, wenn Sie bei einem Kind grobe Versorgungsmängel feststellen; wenn Eltern sich nicht ausreichend um ihr Kind kümmern, es schreien lassen, allein lassen, nicht spielen, nicht fördern; wenn ein Kind verängstigt wirkt und/oder über Ge-

walt in der Familie berichtet; wenn Kinder von Eltern abgewertet und gedemütigt werden; wenn Kinder Gewalt zwischen ihren Eltern miterleben müssen; oder wenn ein Kind Auffälligkeiten zeigt, die auf Gewalt deuten, wie etwa plötzliche Verhaltensänderungen.

Die Arbeit der MAG ELF Beratung, Hilfe und Schutz in der MAG ELF SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen der Regionalstellen „Soziale Arbeit mit Familien“ sind für die Kinder da. Sie arbeiten intensiv mit Eltern, Kindern, weiteren Familienmitgliedern und ExpertInnen verschiedener Fachbereiche zusammen. Wir unterstützen Familien dabei, Erziehung ohne Gewalt auszuüben, die Bedürfnisse ihrer Kinder wahrzunehmen und sie zu fördern. Denn es ist nicht nur unser Auftrag, sondern auch unser wichtigstes Ziel, mit unserem professionellen Know-how, unserer Erfahrung und persönlichem Engagement gemeinsam mit der Familie die Grundlagen für eine positive Entwicklung von Kindern zu sichern.

Prävention vor Krisenintervention Nach folgenden Grundsätzen gehen wir vor:

• Wir beraten Familien in allen Erziehungsfragen, damit Probleme sich nicht zu tiefgreifenden Krisen auswachsen. • Wir unterstützen Familien in Krisensituationen mit dem Ziel, dass Kinder ohne Gefahr in ihren Familien leben können. • Wenn der Schutz des Kindes in der Familie trotz aller Hilfsangebote nicht ausreichend sichergestellt werden kann, bringen wir Kinder bei Krisenpflegeeltern, in Krisenzentren, bei Bedarf bei Pflegeeltern und in Wohngemeinschaften in Sicherheit.

Wie reagiert die Kinder- und Jugendhilfe beim Verdacht, dass mit einem Kind oder einem Jugendlichen etwas grundlegend nicht stimmt? Holzmüller: Wir nehmen jede Vermutung einer Gefährdung, die uns gemeldet wird, ernst! Zunächst tragen wir alle Informationen zusammen, die für die Einschätzung einer möglichen Gefährdung wichtig sind. Wir nehmen Kontakt mit dem Kind und seiner Familie auf. Wichtige Informationen holen wir aus dem Umfeld des Kindes, etwa aus Kindergarten, Schule oder von ÄrztInnen. Wenn ein Kind oder/ und seine Familie Unterstützung brauchen, suchen wir gemeinsam nach den passenden Hilfsangeboten. Dabei greifen wir immer nur so weit ein, als das zum Schutz des Kindes unbedingt erforderlich ist. Sollte der Schutz des Kindes in der Familie nicht ausreichend gewährleistet sein, bringen wir es in einem Krisenzentrum oder bei Krisenpflegeeltern, bei längerfristigem Hilfebedarf in einer Wohngemeinschaft oder bei Pflegeeltern in Sicherheit. Interview: Dieter Hönig


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Die Frage ist: Was braucht das Kind?

Der Leiter der MAG ELF Johannes Köhler erklärt im Gespräch die neuen Herausforderungen für zeitgemäße Familien-, Kinder- und Jugendberatung

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err Köhler, die MAG ELF widmet sich der Unterstützung von Familien und dem Schutz von Kindern und Jugendlichen. Sie sind seit 2009 Leiter der MAG ELF. Hat sich in den Jahren Ihrer Tätigkeit die Aufgabenstellung verändert? Johannes Köhler: Kernaufgabe ist und war immer der Schutz der Kinder! In den letzten Jahren bemühen wir uns verstärkt um präventive Angebote, die Eltern in ihrer Erziehungsaufgabe unterstützen. Ziel ist, die Eltern fit zu machen, sie in Krisen zu unterstützen, damit die Kinder weiterhin in der Familie bleiben können. Wir haben acht Eltern-Kind-Zentren, die als Anlaufstelle für alle Fragen rund ums Elternsein dienen. Wo wir Kinder in ihren Familien bereits als gefährdet erachten, investieren wir verstärkt in Hilfestellungen, die es ermöglichen, Kinder in den Familien zu belassen. Wo sehen Sie heute die größten Herausforderungen für die MAG ELF? Köhler: Eine der größten Herausforderungen ist, mit den vorhandenen Mitteln bedarfsgerechte Angebote und Hilfen für Kinder und deren Familien umzusetzen. So wie jeder Mensch unterschiedlich ist, braucht es auch unterschiedliche Unterstützungen. Das beginnt bei der Abklärung von Gefährdungen, wo wir jetzt etwa intensive ambulante Krisenarbeit, eine sehr zeit- und personalintensive Risikoeinschätzung, als Pilotprojekt laufen haben. Wir vereinbaren jedes Jahr mit rund 3.500 Familien einen Hilfeplan und verfolgen damit das Ziel, die Kinder in der Familie belassen zu können. Und wir brauchen für Kinder, die trotz allem nicht zu Hause leben können, unterschiedlichste Betreuungsformen – vom Baby bis zum Jugendlichen. Die klassische Familie verändert sich mehr und mehr. Hat das für Kinder

„Wir sehen Babys, die nicht ausreichend ernährt und gepflegt werden.“

Johannes Köhler, Leiter der MAG ELF

aus Ihrer Sicht Konsequenzen und beeinflusst dies die Arbeit der MAG ELF? Köhler: Ja natürlich, die hohe Scheidungsrate, viele verschiedene Patchworkmodelle, alleinerziehende Eltern ohne soziale Netze, aber auch vielfältige Kulturen mit unterschiedlichen Haltungen zu Erziehung und Beziehung sind nicht nur für die Familien eine Herausforderung. Sowohl in der Beratung als auch in der Risikoeinschätzung ist unser Blickwinkel dabei immer das Kindeswohl. Was braucht das Kind? Wie schauen seine Beziehungen zu den Eltern und der erweiterten Familie aus? Wie konstant und verlässlich sind seine Bezugspersonen? Was alles Kindeswohl ausmacht, ist seit heuer erstmals im Gesetz, und zwar im § 138 ABGB, definiert. Sehen Sie aus Ihrer Sicht ein höheres Gefährdungspotenzial für Kinder und Jugendliche als früher? Köhler: Vielleicht sind die Gefährdungsmöglichkeiten heute vielfältiger. Internet und Social Media etwa haben eine Menge an negativen Begleiterscheinungen wie Mobbing via Facebook, aber auch das Filmen von Gewalttaten unter Kindern und Jugendlichen. Dem können sich Kinder nur schwer entziehen. Wir erleben leider auch, dass sich manche Eltern wenig Zeit für die Kinder nehmen. Wobei es nicht um die Quantität, sondern die Qualität der Zeit geht. Erziehung passiert über die Vorbildwirkung der Eltern, das scheint vielen nicht bewusst zu sein. Wir als Erwachsene leben Kindern vor, wie wir miteinander umgehen oder wie wir Konflikte lösen. Das alles prägt Kinder. Erst später ist dann der Freundeskreis ein wichtiger Einflussfaktor. Was sind die häufigsten Schwierigkeiten bei Kindern und Jugendlichen, mit denen die MAG ELF konfrontiert ist?

Köhler: Unsere Statistik weist

Vernachlässigung als das Hauptthema aus. Mehr als die Hälfte der Gefährdungsabklärungen hat dies zum Thema. Vernachlässigung wirkt sich je nach Alter des Kindes unterschiedlich dramatisch aus. Wir sehen Babys, die nicht ausreichend ernährt und gepflegt werden. Erfahren von Kleinkindern, die schwere Entwicklungsrückstände aufweisen, weil sich niemand mit ihnen beschäftigt, spricht und spielt. Wir erleben Kinder, deren Eltern es nicht gelingt, einen regelmäßigen Tagesablauf mit Schulbesuch, Aufgaben, Freizeitaktivitäten usw. sicherzustellen. All diese Mängel beeinträchtigen Kinder aber massiv in ihrer Entwicklung. Ein weiteres Thema, das Kinder sehr belastet, ist das Miterleben von Gewalt. Kinder, deren Eltern ihre Konflikte gewalttätig miteinander austragen, sind immer mitbetroffen. Sie empfinden diese Gewalt genauso massiv, als würden sie selbst die Schläge bekommen. Ein wesentliches Thema ist leider auch immer noch die Anwendung von körperlicher Gewalt in der Erziehung. Trotzdem Gewalt als Erziehungsmittel bereits seit 1989 gesetzlich verboten ist, gelingt es manchen Eltern nicht, Werte, Regeln und Grenzen ohne Ohrfeigen, Schläge, Drohungen und drastische Strafen zu vermitteln.

Die MAG ELF ist ja auch eine Serviceeinrichtung für Familien. Welche Anliegen werden am häufigsten an Ihre MitarbeiterInnen herangetragen? Köhler: Ein großes Thema ist immer die finanzielle Beratung. Geringes Einkommen, Schulden, plötzlich zu leistende Zahlungen und vieles mehr belasten Familien enorm. Wichtig sind auch die Beratungen rund um Trennung, Scheidung und Obsorge. Wir unterstützen viele Paare dabei, ihre eigenen Befind-


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„Kinder, deren Eltern ihre Konflikte gewalttätig miteinander austragen, sind immer mitbetroffen. Sie empfinden diese Gewalt genauso massiv, als würden sie selbst die Schläge bekommen.“

Johannes Köhler

Foto: Ioulia Kondratovitch

„Unser Augenmerk werden wir in der MAG ELF in Zukunft verstärkt auf die Umsetzung der lichkeiten hintanzustellen und trotz Trennung als Eltern für die Kinder da zu sein. In dieser auch für die Kinder schwierigen Zeit sollten sie jedoch Halt und Sicherheit geben. Auch die Erziehungsberatung ist wichtig. Oft hilft ein Gespräch zur richtigen Zeit, um kleine Probleme nicht zu großen werden zu lassen. Ja, und dann gibt es noch alle Fragen rund um Schwangerschaft und Ge-

burt. Hier bieten wir Elternschule, Elternberatung, Einzelgespräche und Gespräche in Gruppen in den acht Eltern-Kind-Zentren an. Auch die Regionalstellen der Rechtsvertretung sind ein wichtiges Serviceangebot. Sie beraten und unterstützen bei der Durchsetzung von Unterhaltsansprüchen von Kindern und informieren zu Fragen des Familien- und Kindschaftsrechts.

Kinderrechte legen.“ Johannes Köhler, Leiter der MAG ELF

Wo sehen Sie die Aufgabenstellung der MAG ELF in Zukunft – wird es neue Schwerpunkte geben? Köhler: Wir werden weiterhin dem Schutz der Kinder in dieser Stadt oberste Priorität geben. Unser Augenmerk wird dabei verstärkt in der Umsetzung der Kinderrechte liegen. Aktuell werden in einer multiprofessionellen Arbeitsgruppe Vorschläge zur Umsetzung der Kin-

derrechte in allen Arbeitsbereichen der MAG ELF erarbeitet. Ziel ist es, diese Vorschläge in die bestehenden Arbeitsstandards einzubinden. Mir ist es wichtig, dass wir uns – und zwar alle Berufsgruppen in der MAG ELF – fachlich weiterentwickeln, sodass wir für die kommenden Herausforderungen gerüstet sind. Interview: Christian Zillner


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Kindeswohl an erster Stelle

Was passiert, wenn Familien in einer Krise stecken, Eltern ihre Erziehungsaufgaben nicht mehr erfüllen können und das Wohl der Kinder dadurch gefährdet ist. Sechs Frauen erzählen von ihren Erfahrungen mit Krisenpflege

mmi und Anni wachsen gemeinsam auf, sind im gleichen Alter und wie Schwestern füreinander. Dass die beiden sich äußerlich so gar nicht ähneln, sieht man erst auf den zweiten Blick. „Emmi ist mein Enkerl und Anni ist unser Dauerpflegekind. Sie ist damals nach der Krisenpflege gleich bei uns geblieben“, sagt Elisabeth G. (Name von der Redaktion geändert). Seit 2009 ist sie Krisenpflegemutter im Auftrag der MAG ELF. „Ich wollte unbedingt etwas Soziales machen und Kindern helfen, denen es nicht gut geht. Durch Internetrecherchen bin ich draufgekommen, dass es in Wien Krisenpflegefamilien gibt, wo Kinder bis drei Jahre in Krisensituationen untergebracht werden“, erzählt sie.

Krisenpflegeeltern – eine

Berufung mit Verantwortung Diese Maßnahme wird von der MAG ELF als letzter Ausweg gesehen, wenn Kleinkinder aus einem gefährdenden Umfeld kommen, vernachlässigt werden oder seelischer bzw. körperlicher Gewalt ausgesetzt sind. Während der Zeit in einer Krisenpflegefamilie wird abgeklärt, ob die Kinder zu ihren leiblichen Eltern zurückgehen können oder Pflegeeltern gesucht werden müssen. Elisabeth G. empfindet die Krisenpflege als Berufung. „Viele der Kinder kommen mit ganz traurigen Gesichtern, sind oft total dünn und blass, haben Läuse oder sind schmutzig. Es macht mir irrsinnig viel Freude zu sehen, wie sie sich innerhalb kürzester Zeit verändern, rote Wangen bekommen und glückliche kleine Menschen sind.“ Wenn in einer Familie eine Krisensituation eingetreten ist, muss meist alles sehr schnell gehen. „Da

„Wir bieten den Pflegeeltern kosten- lose Coachings an, damit sie besser zurechtkommen.“ Gerlinde Kosits, Krisenpflegeverantwortliche der MAG ELF

läutet das Telefon, eine Sozialarbeiterin schildert kurz den Fall und fragt, ob man das Kind übernehmen kann. Ich richte dann gleich Kleidung, Windeln, Bettchen usw. her. Manchmal weiß ich nicht einmal, welches Flascherl, welchen Schnuller oder welche Nahrung das Kind gewohnt ist. Das muss man dann möglichst schnell herausfinden.“ Normalerweise hat Elisabeth G. ein Kind, wenn viel los ist maximal zwei Krisenpflegekinder gleichzeitig, die dann sechs bis acht Wochen bei ihr bleiben. „Es ist aber auch schon passiert, dass es sechs Monate geworden sind, bis die Situation geklärt oder ein gerichtlicher Beschluss getroffen werden konnte“, erzählt sie.

Pflegeeltern für geschädigte

Kinder sind schwer zu finden Gerade Krisenpflegekinder haben oft Krankheiten oder zeigen Auffälligkeiten, deren Ursache zuerst herausgefunden werden muss. Bei kleinen Babys spielen häufig Drogen oder Alkohol in der Schwangerschaft eine Rolle. Die Aufgabe der Krisenpflegeeltern ist, genau zu beobachten und mit den Kindern zum Arzt oder auf die Entwicklungsambulanz zu gehen. Meist sind auch spezielle Therapien notwendig. „Es ist nicht einfach, Pflegeeltern für Kinder zu finden, die schwere Schäden davongetragen haben oder sogar eine Behinderung haben. Die meisten wünschen sich halbwegs gesunde Kinder.“ Das drei Monate alte Mädchen, das sie seit einigen Wochen zur Pflege bei sich hat, wirkt proper und kerngesund. Die Zukunft der Kleinen ist noch ungewiss. „Es ist teilweise ganz schlimm und hart, die Kinder wieder zurückzugeben. In

der Zeit, wo sie bei mir sind, kann ich aktiv sein und handeln, aber natürlich nicht alle behalten oder gar ihr Leben vorbestimmen.“

Auch gleichgeschlechtliche

Paare sind Krisenpflegeeltern Loslassen zu können ist für Krisenpflegeeltern besonders wichtig, da sie die Kinder immer nur für eine bestimmte Zeit bei sich haben. Das betont auch Gerlinde Kosits. Sie ist schon seit 20 Jahren bei der MAG ELF und im Moment speziell für die Krisenpflege zuständig. „Wir bieten den Pflegeeltern kostenlose Coachings an, damit sie mit schwierigen Situationen besser zurechtkommen“, erklärt sie. Pro Jahr gibt es etwa 200 Fälle, die sich auf ca. 49 Krisenpflegefamilien aufteilen. Es werden auch ständig neue Plätze für Kleinkinder gesucht – ältere Kinder werden im Krisenfall in speziellen Wohngemeinschaften untergebracht. Interessierte Personen oder Paare können sich direkt beim Referat für Adoptiv- und Pflegekinder melden und werden dann zu einem Erstgespräch eingeladen. Seit ungefähr zehn Jahren sind auch immer mehr gleichgeschlechtliche Paare dabei. Frau Kosits erklärt die Kriterien, die geeignete Krisenpflegeeltern auszeichnen: „Rund um die persönliche Eignung wird abgeklärt, ob es bereits private Erziehungserfahrung gibt, ob man zeitlich und organisatorisch flexibel ist und vor allem das Geschick an den Tag legt, ein Kind gut auffangen zu können. Natürlich muss man auch belastbar sein, um mit den Vorgeschichten zurechtzukommen.“ Die Zeit der Krisenpflege ist gleichzeitig eine Abklärungssituation und daher müssen die Bewerber

Foto: privat

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Foto: Ioulia Kondratovitch

SPECIAL

„Als ich herausgefunden habe, was mir geblüht hätte, war ich sehr froh, dass es

Pflegeeltern gibt.“ Sandra Geissler war ein Pflegekind

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mag elf Alkoholkrankheit gestorben“, erzählt sie. Pflegemutter Mathilde hat auch zehn Jahre lang Krisenpflege gemacht und dabei viel erlebt. „Die MAG ELF muss oft sehr schwere Entscheidungen treffen und ich möchte wirklich nicht in ihrer Haut stecken. Die leiblichen Eltern lieben ihre Kinder zwar, können sich aber einfach nicht ausreichend um sie kümmern. Ich hab’ mich stets auf jedes gefreut, wie wenn ich mein eigenes gekriegt hätte.“ Sandra Geissler ist heute einfach nur dankbar. „Als ich herausgefunden habe, was mir geblüht hätte, war ich sehr froh, dass es solche Familien gibt, die keine Unterschiede machen. Ich hätte nicht so ein großes Los gehabt. Das versteht man, glaube ich, erst, wenn man erwachsen ist.“

Fortsetzung von Seite 11 auch bereit sein, bei den wöchentlichen Kontakttreffen mit den leiblichen Eltern dabei zu sein. „Diese Eltern sind nicht bösartig, sondern aufgrund ihrer eigenen Geschichte in ihren Kompetenzen eingeschränkt. Daher legen wir Wert auf einen wertschätzenden Umgang.“ Nachdem in gut 50 Stunden ein spezieller Vorbereitungskurs absolviert ist, werden die Krisenpflegeeltern ständig von den SozialarbeiterInnen der MAG ELF begleitet. „Neben der weiterführenden Schulung im ersten Jahr begleiten wir stets die ganze Fallgeschichte, von der ersten Nacht über das Erstgespräch mit der Herkunftsfamilie bis zur Entscheidung über den weiteren Weg der Kinder“, erklärt die Sozialarbeiterin Kosits und betont: „Neben einem professionellen Zugang müssen Krisenpflegeeltern auch mit Herz dabei sein, weil die Kinder auch emotional versorgt werden müssen.“ In etwa der Hälfte der Fälle können die Kinder nach Bewältigung der Krise wieder zu den leiblichen Eltern zurückkehren.

Was Dauerpflege für Eltern und Kinder bedeutet

Wenn die Pflegeeltern für ein Kind zur Familie werden

Für Sandra Geissler kam diese Option nicht in Frage. Sie wurde 1979 als Einjährige aus dem damaligen Zentralkinderheim an ihre Pflegemutter vermittelt. „Ich habe keine Erinnerung an die Zeit im Heim und auch erst mit sechs Jahren davon erfahren. Meine Pflegefamilie war für mich immer meine richtige Familie.“ Mathilde Geissler hat vier leibliche Kinder und dazu noch sechs Pflegekinder aufgenommen. „Ich wollte immer schon viele Kinder und nach einer Problemgeburt habe ich das mit meinem Mann so entschieden. Wir sind eine Großfamilie und es wurde nie ein Unterschied gemacht“, erzählt sie. Mit 15 Jahren wollte Sandra, die heute selbst Mutter ist, ihre biologischen Eltern kennenlernen. „Meine Mama hat mir das damals ermöglicht und ich war sehr enttäuscht. Das waren zwei fremde Leute für mich und da hat es keinen Bezug gegeben. Beide sind bereits an ihrer

„Wir suchen aktuell verstärkt Familien mit Migrations- hintergrund.“ Andrea Papousek, Ansprechpartnerin für Pflegeeltern bei der MAG ELF

Sandra Geissler hat als Teenager den Namen ihrer Pflegefamilie angenommen, doch generell ist das bei dieser Form der Obsorge nicht vorgesehen. Zudem bleibt rechtlich die gesetzliche Vertretung und die Vermögensverwaltung bei den leiblichen Eltern und nur die Pflege und Erziehung wird an die Pflegeeltern weitergegeben. Die Sozialarbeiterin Andrea Papousek ist seit vier Jahren die erste Ansprechpartnerin für 34 Pflegefamilien mit 44 Pflegekindern in ihrem Bezirk und erklärt einen weiteren Unterschied zur Adoption: „Es ist theoretisch möglich, dass ein Pflegekind nach einiger Zeit wieder in die Herkunftsfamilie zurückgeführt wird, wenn die leiblichen Eltern bestimmte Auflagen erfüllt haben. Das kommt jedoch sehr selten vor, weil vor einer Unterbringung in einer Pflegefamilie zuerst mit der Herkunftsfamilie jede Maßnahme probiert werden muss, damit das Kind bei den eigenen Eltern aufwachsen kann. Das ist das oberste Ziel und erst wenn gar nichts mehr geht, kommt eine Pflegefamilie als Ersatz in Frage.“ Wie auch bei der Krisenpflege gibt es im Vorfeld der Dauerpflege eine Eignungsüberprüfung. Dabei müssen bestimmte persönliche, soziale, gesundheitliche und wirtschaftliche Bedingungen erfüllt

werden. Wenn auch alle Familienmitglieder mit dem Schritt, ein Kind aufzunehmen, einverstanden sind und der Haushalt für eine Lebensweise mit Kindern geeignet ist, folgt wieder ein spezieller Ausbildungskurs. „Die Pflegeeltern sind danach gut gerüstet und vorbereitet. Sie sind dann Kooperationspartner der MAG ELF“, erklärt Frau Papousek. Neben der Freude an der Arbeit mit Kindern müssen die Bewerber auch bereit sein, einen Einblick in ihr eigenes Familienleben zu gewähren. Zudem ist Offenheit, Toleranz und auch Neugierde wichtig, um sich auf den Beziehungsaufbau mit einem fremden Kind einzulassen. Bei der Besetzung der Pflegefamilie wird genau darauf geachtet, ob ein Kind mit seiner Vorgeschichte in diese passt. Denn auch die ­Pflegeeltern tragen das „Rucksackerl“ eines Kindes weiter mit. Sie müssen bereit sein, Kontakttreffen mit leiblichen Eltern durchzuführen. Papousek erklärt die Notwendigkeit dieser Kontakttreffen: „Das ist für die Biografie sowie die Identitätsfindung eines Kindes ganz wichtig. Jeder Mensch muss wissen, woher er kommt und wer sein Erzeuger ist, um sich daran messen zu können. Kinder, die nichts über ihre Herkunft wissen, sind ewig Suchende.“ Sobald ein passendes Pflegekind vermittelt werden kann, bleiben die SozialarbeiterInnen stets in engem Kontakt mit den Familien. „Fast jedes Pflegekind braucht spezielle Förderungen, weil es körperliche oder geistige Defizite aufweist. Da gibt es einen recht hohen Therapiebedarf.“ Die Kosten dafür werden großteils von der MAG ELF übernommen. Weiters gibt es spezielle Pflegeelternrunden in den Bezirken, Coachings und diverse Fortbildungsveranstaltungen. Finanziell werden die Eltern mit dem Pflegegeld unterstützt, haben Anrecht auf Familienbeihilfe und können sich vom Verein „Eltern für Kinder Österreich“ anstellen lassen, um auch entsprechend versichert zu sein. Aktuell gibt es in Wien 1.700 Pflegekinder in voller Erziehung. Davon leben ca. 850 Kinder in 500 Wiener Pflegefamilien und die andere Hälfte bei Pflegefamilien in den Bundesländern.


„Wir hatten das Geld und den Platz und haben uns für ein Natürlich werden trotzdem immer wieder neue Pflegefamilien gebraucht, wie Andrea Papousek betont: „Wir suchen aktuell verstärkt Familien mit Migrationshintergrund. Auch aufgrund der verschiedenen Religionen wäre es fein, die Kinder in passenden Familien unterbringen zu können.“

Pflegekinder statt Adoption –

Fotos: Ioulia Kondratovitch

geht der Kinderwunsch gut?

Emilie hat vor einem Jahr eine passende Familie gefunden. In wenigen Tagen veranstalten ihre Pflegeeltern eine große Einzugsparty mit allen Freunden und Bekannten, wie Pflegemama Charlotte B. (Name von der Redaktion geändert) erzählt.

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mag elf

SPECIAL

Pflegekind entschieden, obwohl es mit Unsicherheiten verbunden ist“

„Bei uns war es Liebe auf den ersten Blick und daher wird der Tag, an dem sie zu uns gekommen ist, groß gefeiert.“ Die Entscheidung für eine Pflegeelternschaft hat sich aus einem unerfüllten Kinderwunsch ergeben. „Wir hatten das Geld und den Platz und weil es in Wien so viele arme Kinder gibt, die ein Zuhause brauchen, haben wir uns für ein Pflegekind entschieden, obwohl es mit Unsicherheiten verbunden ist. Adoptivkinder gibt es ja quasi keine.“ Von den Kursen der MAG ELF haben die frischgebackenen Eltern sehr profitiert. „Da gab es auch noch abends viel Diskussionspotenzial, um herauszufinden, was man wirk-

Pflegeeltern Informationsveranstaltung der MAG ELF: 19. September, 18 bis 20 Uhr. Malzgasse 1, 1020 Wien www.wien.gv.at/menschen /magelf/

lich will und was nicht.“ Eine ­gewisse Angst bleibt für Charlotte B. trotz der guten Vorbereitung aber immer bestehen, da es nie ausgeschlossen ist, dass die Eltern eine Rückführung beantragen. „Wir hatten dieses Jahr viel Spaß, aber auch schlaflose Nächte. Besonders schön ist es zu sehen, dass sich Emilie inzwischen zu einem selbstständigen Mädchen entwickelt hat und genau weiß, was sie will. Am Anfang hat sie versucht, sich anzupassen und uns zu gefallen. Jetzt hat sie ihre Eigenheiten wie jedes andere Kind auch und als Elternteil ist es meine Aufgabe, mit ihr zu gehen und ihr Selbstbewusstsein fürs Leben zu lehren.“ Text: Barbara Duras


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Ein Ort für Freundschaften und Beratung Beim wöchentlichen Babytreff im Eltern-Kind-Zentrum der MAG ELF werden Mütter und Väter beraten und tauschen sich mit anderen Eltern aus. Währenddessen machen ihre Babys erste Erfahrungen mit Gleichaltrigen

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Durch die Wohnung wie ein

ie Szene könnte auch in einer privaten Wohnung stattfinden: Junge Mütter sitzen mit ihren Kindern am Boden, die Babys krabbeln und robben über die weichen Matten, untersuchen die roten Spielbausteine, dösen vor sich hin, trinken an der Brust oder aus dem Fläschchen. Gequengelt wird wenig, die Stimmung ist entspannt. Es ist zehn Uhr an einem sonnigen Montagvormittag, Zeit für den wöchentlichen Babytreff im ElternKind-Zentrum in der Rößlergasse, Wien-Liesing.

Baby krabbeln

Am Übergang vom Stillen

zur festen Nahrung fürs Baby Heute ist es besonders ruhig, Urlaubszeit, es sind nur fünf Frauen mit ihren Säuglingen gekommen. Sonst nehmen bis zu 25 Mütter und Väter an den Treffen teil. Wie immer sind auch die Sozialpädagoginnen Helga Stohandl und Martina Sommer-Bartonek dabei. Sie beraten die Frauen und stehen Rede und Antwort rund um Ernährung, Erziehung, Hygiene – Fragen, die sich frisch gebackene Mütter und Väter eben stellen: Was ist das Beste für mein Kind? Wie meistere ich den Übergang zwischen Stillen und fester Nahrung? Ab wann muss ich meinem Kind Grenzen setzen? Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich wieder arbeiten gehe? „Diese Entscheidungen zu treffen, ist für Eltern oft schwierig“, sagt Stohandl. Die Sozialpädagogin ist seit Jahrzehnten bei der MAG ELF. Sie weiß: In dieser Zeit hat sich viel verändert. „Ob es um Ernährung geht, um das richtige Spielzeug oder um den besten Kindergarten: Heute gibt es viel mehr Angebote als früher. Das kann auch überfordern.“

„Die Menschen heute kommen häufiger mit Geldproblemen zu uns.“

Angelika Markwica, leitende Sozialarbeiterin in einem Eltern-Kind-Zentrum

Nach der Geburt des ersten Kindes stehen Jungfamilien vor einer langen Reihe an neuen Herausforderungen – eine schöne und aufregende, aber auch schwierige Zeit. Stohandl und Sommer-Bartonek geben unter anderem Tipps zum Thema Sicherheit: „Wir raten Eltern, durch die Wohnung zu krabbeln und zu schauen, was in dieser Höhe erreichbar ist. Kabel und Tischdecken können Gefahrenquellen für Kinder sein“, sagt Stohandl. Am häufigsten geht es um das Thema Stillen. Auch Susanne Ilgner hatte anfangs Schwierigkeiten damit. „Mein Sohn ist ein paar Wochen zu früh gekommen“, sagt sie, während der mittlerweile zehn Monate alte Gabriel das hölzerne Schaukelpferd erkundet. „Ich war verunsichert, wie ich das machen soll, und habe ein Stillhütchen genommen. Dann hat die Sozialpädagogin mir Mut gemacht, es einmal ohne zu probieren. Das klappt jetzt auch meistens. Außerdem war es schön zu sehen, dass auch andere mit diesen Problemen zu kämpfen haben.“

Das Gespräch unter Müttern als Know-how-Transfer

Die Beratung durch die beiden Expertinnen ist aber nicht der einzige Grund, warum so viele Eltern den montäglichen Babytreff nutzen. „Ich bin hier, um mich mit anderen auszutauschen“, sagt Caroline H., Mutter von Philipp, viereinhalb Monate. Das erste Mal kam sie, um sich ihren „Wickelrucksack“ abzuholen, das Geschenk für alle in Wien geborenen Babys. Dann traf sie die anderen Frauen und merkte, dass ihr die Gespräche guttun. „Zu Hause“, sagt sie,

„fällt dir irgendwann die Decke auf den Kopf. Sobald es mit dem Stillen geklappt hat, habe ich meinen Radius erweitert. Seither habe ich kein Treffen verpasst.“ Bevor Caroline H. in Karenz ging, arbeitete sie 40 Stunden die Woche. Eine engagierte Frau, die ihre Bedürfnisse kennt und sich selbst zu helfen weiß. Überrascht war sie trotzdem: „Ich wusste nicht, dass man die Babys hier auch medizinisch durchchecken lassen, abwiegen und abmessen kann.“ Wichtig sei auch, dass die Kleinen mit anderen Babys in Kontakt kommen. „Sie sind zwar noch zu klein, um Freundschaften zu schließen“, sagt Stohandl, „aber sie merken, dass sie nicht die Einzigen sind, das ist eine gute Vorbereitung auf den Kindergarten.“

Freundschaft und

Prophylaxe-Beratung Sommer-Bartonek hat beobachtet, dass sich aus vielen Begegnungen im Babytreff echte Freundschaften entwickeln: „Es verbindet, wenn man gleichaltrige Kinder hat. Wir merken, dass diese Freundschaften oft halten.“ Auch Caroline H. und Susanne Ilgner haben sich außerhalb des Kindervormittags getroffen. Sie planen, zusammen einen Musikkurs zu besuchen. Ein wichtiger Teil der Beratung, sagt Sommer-Bartonek, sei die Prophylaxe-Arbeit: „Viele Eltern machen sich Sorgen, dass ihr Kind sich nicht schnell genug entwickelt. Da können wir sie beruhigen. Bei uns sehen sie, dass jedes Baby seine eigene Strategie und sein eigenes Tempo hat.“ Manche ziehen oder schieben sich über den Boden, andere krabbeln oder fangen früher an zu gehen. „Es ist total okay, wenn sie erst später laufen lernen“, sagt Sommer-


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SPECIAL

Bartonek. Durch den Vergleich mit anderen Eltern und die Betreuung der Pädagoginnen würden die Eltern sicherer und entspannter.

Beratungen bei Finanz-

Fotos: Ioulia Kondratovitch

problemen und Scheidung Die Betreuung des Eltern-KindZentrums geht weit über die aufregenden ersten Wochen und Monate hinaus. Neben den Babytreffs gibt es auch Nachmittage für Eltern mit größeren Kindern, aber das ist noch lange nicht alles. „Wir haben vier große Beratungsbereiche“, erklärt Angelika Markwica, leitende Sozialarbeiterin des Zentrums. Neben Themen zu Geburt und Erziehungsfragen gibt es auch Beratung zu wirtschaftlichen Problemen sowie bei Scheidungen. „Finanzielle Schwierigkeiten machen einen großen Teil der Beratung aus“, sagt Markwica, „Die Herausforderungen haben sich geändert. Die Menschen kommen heute häufiger mit Geldproblemen zu uns.“ Das Angebot der Eltern-KindZentren wird gut angenommen. An acht Standorten Wiens werden jährlich rund 88.000 Personen beraten und unterstützt. Die Angebote erstrecken sich von den Eltern-KindGruppen über Elternschule, Elternberatung und Einzelgespräche. Im Babytreff stellen die Mütter den Sozialpädagoginnen Fragen. Natürlich gibt es Probleme, bei denen diese an ihre Grenzen stoßen. Doch auch hier können sie helfen, indem sie die Familien an entsprechende Stellen verweisen. Das ist auch an diesem Montag der Fall. Gegen elf Uhr kommt eine Frau mit ihrer Mutter und fünf Monate alten Zwillingen. Die Frau bittet Sommer-Bartonek um ein Einzelgespräch. Die beiden verschwinden für eine Viertelstunde, während die Oma auf die Zwillinge aufpasst. „Das ist komplex, da geht es um familiäre und partnerschaftliche Probleme“, erklärt die Sozialpädagogin, nachdem sie zurück ist. „Solche Schwierigkeiten kann ich allein nicht abdecken, aber ich weiß, an wen sich die Frau wenden muss.“ In diesem Fall hilft die Psychologin. Sie sitzt im Haus und kann schnell zur Beratung hinzugezogen werden. Text: Siobhán Geets

„Bei uns sehen die Eltern, dass jedes Baby seine eigene Strategie und sein eigenes Tempo hat.“ Martina Sommer-Bartonek, Sozialpädagogin in einem Eltern-Kind-Zentrum

Gabriela S. mit ihrem eigenen

Baby Sina (rechts) und Gabriel

beim Babytreff in einem Eltern-Kind-Zentrum


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Service für Kinder und Eltern

Das umfassende Beratungsangebot der Eltern-Kind-Zentren der MAG ELF unterstützt in allen Lebenssituationen oder Krisen, die mit Elternsein verbunden sind

Eltern-Kind-Zentren

MAG ELF–Servicestelle

Bereits in den ersten Wochen mit einem Neugeborenen tauchen viele Fragen auf. Zu Beginn stehen Ernährung und Pflege im Vordergrund, später die richtige Förderung und Erziehungsfragen. Auch Kindergarten, Schuleintritt, Berufswahl, Trotzphase, Pubertät und Erwachsenwerden werfen viele Probleme auf. Unabhängig davon, ob man in Schwierigkeiten steckt, ein Problem lösen oder sich nur Rat für die Kindererziehung holen will: Im Eltern-Kind-Zentrum bieten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner aus den Bereichen Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Psychologie und Medizin umfassende Informationen, Unterstützung und Beratung zu Themen rund um die Geburt, in Erziehungsfragen, bei wirtschaftlichen Problemen und rund um Trennung, Scheidung und Besuchsrechtsfragen.

3., Rüdengasse 11, Servicetelefon: 01/4000-8011 Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr E-Mail: service@ma11.wien.gv.at Alle Servicestellen im Überblick sowie detaillierte Informationen zu den einzelnen Einrichtungen: www.wien.gv.at/menschen/ magelf/service

Stadt Wien ihre Babys. Um den Wickelrucksack zu bekommen, muss man sich bei den Sozialarbeiterinnen oder Sozialarbeitern der MAG ELF in einem Eltern-Kind-Zentrum oder in ihrer Geburtsklinik anmelden. Der Wickelrucksack kann auch nach der Geburt mit Gutschein und Mutter-Kind-Pass in jedem ElternKind-Zentrum abgeholt werden.

Wiener Dokumentenmappe

Elternschule

Eltern, die ein Baby erwarten, haben viele Fragen. Die Teams in den Elternschulen der Eltern-Kind-Zentren bereiten mit ihren Vorträgen auf die Geburt und das Leben mit Kindern

Elternberatung

vor. Sie greifen die Fragen der TeilnehmerInnen auf und geben Impulse und Anregungen. In entspannter, angenehmer Atmosphäre können sich die werdenden Eltern informieren,

austauschen und Kontakte knüpfen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Wiener Wickelrucksack

Mit diesem Geschenk begrüßt die

Die acht Eltern-Kind-Zentren in Wien Mollardgasse 6., Mollardgasse 8 Katharinengasse 10., Katharinengasse 16 Rosa-Jochmann-Ring 11., Rosa-Jochmann-Ring 5/Stiege 13 3., Hagenmüllergasse 20 – Außenstandort Längenfeldgasse 12., Längenfeldgasse 28 Huttengasse 16., Huttengasse 19–21

Impressum: Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H.,1010 Wien, Marc-Aurel-Straße 9, T: 01/536 60-0, F: DW 935, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at; Herstellung: Falter Verlags­gesellschaft m.b.H.; Redaktion: Fuchs & Partner; Gestaltung und Produktion: Reinhard Hackl; Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau

Anton-Bosch-Gasse 21., Anton-Bosch-Gasse 29 20., Pappenheimgasse 31 – Außenstandort Langobardenstraße 22., Langobardenstraße 128/ Stiege 10 2., Malzgasse 1 – Außenstandort Rößlergasse 23., Rößlergasse 15 14., Linzer Straße 253–255/Stiege 1 Außenstandort

Eltern sehen sich in der Betreuung ihrer Babys und Kleinkinder mit immer neuen Herausforderungen konfrontiert. In den Elternberatungen werden neben der medizinischen Beratung auch Still- und Ernährungsberatung angeboten, sowie Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und die im Mutter-KindPass vorgesehenen Untersuchungen kostenlos durchgeführt.

Treffpunkte für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern

Bei Treffen mit Säuglingen und Kleinkindern geht es vor allem darum, miteinander ins Gespräch zu kommen. Eltern können in zwangloser Atmosphäre ihre Erfahrungen untereinander austauschen und sich mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den Bereichen Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Psychologie beraten.

DVR: 047 69 86. Diese Beilage ist eine entgeltliche Einschaltung und erscheint in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar

Foto: Andrew Rinkhy

Wer Bescheid weiß, tut sich leichter. Auch wenn es darum geht, dem eigenen Kind den Start ins Leben zu erleichtern. Die MAG ELF versorgt rund um die Geburt mit unterschiedlichen Informationspaketen. Alle Eltern erhalten bei der Anmeldung für den Wickelrucksack – das ist das „Willkommensgeschenk der Stadt Wien“ nach der Geburt – die Wiener Dokumentenmappe. Der Sammelordner enthält wichtige Dokumente des Babys und persönliche Unterlagen, kurz gefasste Informationen über verschiedenste Themen rund um die Geburt und ein Gutscheinheft mit Ermäßigungen für eine Vielzahl von Artikeln und Dienstleistungen in ganz Wien.


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