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THEMA: BAUEN & WOHNEN 5/18

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THEMA :

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Österreichische Post AG, WZ 02Z033405 W, Falter Zeitschriften GesmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien

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: BAUEN.WOHNEN

„ Es gibt keine Trends mehr“

FOTO: GEORG DUNEKAMP

sagt Interior Designer Georg Dunekamp

Wohnexpertinnen So wohnen sie: Immobilienmaklerin, Designexpertin und Wohnungscoach Seite 3

Wohnungen für Junge Was Wien jungen Menschen mit knappen Budgets an Wohnraum anbietet Seite 8

Neues beim Einrichten Ein Interior Designer und ein bekannter Architekt über Wohntrends Seite 18

Holz und Grüne Wände Holzbauten im urbanen Umfeld und Pflanzen an der Wand Seite 14 und 24


E X P E RTIN N E N : WO H N E N : TH E MA 5/18

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Inhalt „Schönes Wohnen war mir immer wichtig“

So wohnen Wohnexpertinnen Seite 3

Wohnen für junge Menschen

SABINE KLEIN, MAKLERIN, RABAS & KLEIN IMMOBILIEN WWW.RKI.WIEN

Seite 8

Holz als moderner Baustoff Seite 14

Es gibt keine Trends mehr Seite 18

Gehen Sie gern barfuß? Begrünte Wände in Innenräumen Seite 24

Gemeinschaftsgärten Seite 26

Vom Schloss in die Gruft Seite 30

IMPRESSUM Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H., 1010 Wien, Marc-Aurel-Straße 9, T: 0043 1 536 60-0, F: DW 935, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at; Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H.; Redaktion: Fuchs & Partner; Gestaltung und Produktion: Reini Hackl, Andreas Rosenthal; Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau, DVR: 047 69 86. Diese Beilage ist ein Service der Sales-Abteilung der Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.

Sabine Klein unter der Arco-Lampe in ihrem Wohnzimmer. „Nur schön ist zu wenig“, sagt sie

So wohnen Wohnexpertinnen Immobilienmaklerin, Designexpertin und Wohnraumpsychologin verraten, worauf es beim Wohnen ankommt

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enn ich einen Raum betrete, achte ich darauf, wie er sich anfühlt“, sagt Sabine Klein. „Es fällt mir zum Beispiel auf, ob er harmonisch ist oder durch welche Veränderungen er noch an Atmosphäre gewinnen könnte.“ Über solche Dinge habe sie immer schon gern nachgedacht. Mittlerweile hat die 48-jährige Wienerin ein geschultes Auge für Wohnqualität. Nachdem sie 17 Jahre als Flugbegleiterin gearbeitet und nebenher ein Jusstudium samt darauffolgendem Gerichtsjahr abgeschlossen hatte, setzte sich ihre Leidenschaft für Architektur und schönes Wohnen durch: Vor fünf Jahren wechselte sie in die Immobilienbranche. Heuer gründete sie zusammen mit einer Freundin das eigene Unternehmen Rabas & Klein Immobilien. „Beruflich mit verschiedensten Wohnsituationen und -stilen konfrontiert zu sein ist durchaus inspirierend“, sagt sie mit einem Lächeln. „Da habe ich mir schon manchen raffinierten Einrichtungskniff abgeschaut.“ Betritt man die Penthousewohnung, in der Klein mit ihrem Lebensgefährten Michael Flügel und ihrem

16-jährigen Sohn Konstantin lebt, fallen als Erstes die lichtdurchfluteten Räume auf. „Als freiheitsliebender Mensch sind große Fensterflächen für mich ein Muss“, erklärt die Maklerin. „Helligkeit und ein Gefühl von Weite sind mir mindestens genauso wichtig wie ein perfekter Grundriss.“ Für die Kombination aus beidem hat sie vor dreieinhalb Jahren sogar den geliebten dritten Bezirk verlassen und ist nach Simmering gezogen. „Hier hat einfach alles gepasst: der loftartige, offene Wohnraum, die südseitige Ausrichtung, der schöne Ausblick auf alte Bäume, eine Jugendstilvilla und eine kleine Kirche und natürlich auch das Preis-Leistungs-Verhältnis.“ Nicht zu vergessen das Highlight, eine sechzig Quadratmeter große Dachterrasse, die man von jedem Zimmer aus betreten kann. Grün bepflanzt und lauschig ist es hier, mit behaglichen dunklen Rattan-Möbeln und einem schwarz-weißen Fliesenboden im Ethnostyle. Auch an den exotischen Masken in den Zimmern und anderen DekoGegenständen merkt man, dass Klein weit gereist ist. „Die Begegnung mit

fremden Kulturen fand ich immer spannend, da hab ich mir oft das eine oder andere Stück mit nach Hause genommen.“ Ihr Faible für stilvolles Wohnen habe sie wohl von ihrem Vater, meint Klein. „Er ist ständig mit ersteigerten Antiquitäten oder schönen Bildern nach Hause gekommen.“ Sie begann früh, Flohmärkte und Caritas-Läden abzuklappern und ihre Fundstücke selbst zu restaurieren. Heute setzt sie auch auf Designklassiker wie die große Arco-Bogenlampe im Wohnzimmer. Ihr Hang zur Ästhetik ist deutlich spürbar: bis hin zu liebevollen Kleinigkeiten wie dem stets frischen Blumenstrauß auf dem Tisch. Dennoch gilt: „Nur schön ist zu wenig.“ Auch Bequemlichkeit, Luftigkeit und Platz für Veränderungen muss es geben. „Hier feiere ich Feste, bekoche meine Freunde, führe ein Familienleben, möchte Kraft tanken und meine Kreativität ausleben“, sagt sie. „Mein Zuhause gestalte ich so, dass es die Lebensfreude in mir weckt.“ Fortsetzung Seite 4

FOTO: NINI TSCHAVOLL

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„Vertraute Hülle mit Entwicklungspotenzial“ LILLI HOLLEIN, DESIGN- UND ARCHITEKTUREXPERTIN, KURATORIN, DIREKTORIN UND MITBEGRÜNDERIN DER VIENNA DESIGN WEEK

Fortsetzung von Seite 3

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in erweiterter Showroom ist die geräumige Altbauwohnung, in der die Designexpertin Lilli Hollein mit ihrem Mann Markus Eiblmayr und ihrer Tochter Ada lebt, sicher nicht. Hier dominiert der Alltag. Mit dem üblichen Krimskrams am Vorzimmertisch, an die Tür gepinntem Kinder-

Lilli Hollein in ihrer Wohnung vor der „kleinen Loos-Bar“ von breadedEscalope VIENNA DESIGN WEEK VOM 28. 9. BIS 7. 10. 2018 WWW.VIENNADESIGNWEEK.AT

drachen, Reisetaschen auf dem Boden. Von wegen durchgestylt bis aufs i-Tüpfelchen. „Das ist ja auch unser privater Rückzugsort“, lacht Hollein. Gerade aus dem Urlaub zurück, nehmen sie die letzten Vorbereitungen für die nahende Vienna Design Week schon wieder voll in Anspruch, kei-

ne Zeit zum Auspacken. Aber natürlich wäre es seltsam, wenn man ihrer Wohnung nicht ansähe, dass sie sich als Direktorin des größten heimischen Designevents schon seit Jahren für den Wert guten Designs stark macht. Oder dass sie als Tochter des berühmten Architekten Hans Hollein das Einmaleins der Gestaltung von klein auf mitbekommen hat. Nicht zuletzt ist das hier die elterliche Wohnung, in der sie aufgewachsen ist und die sie vor 21 Jahren übernommen hat. „Es ist eine total vertraute Hülle“, befindet die 46-Jährige. „Aber eine, die sich mit dem Leben in ihr immer wieder verändern kann.“ Tatsächlich ist Holleins Wohnung mit den schönen Flügeltüren und dem Fischgrätparkett mit beeindruckenden Möbelstücken ausgestattet. Gleich im Vorzimmer springt ein Sideboard ins Auge, das ihr Vater einst für die Mailänder Designergruppe Memphis entworfen hat. Darauf eine Vase von Ettore Sottsass. „Ein Geschenk meines Mannes.“ Markus Eiblmayr ist wie sie selbst ausgebildeter Designer. Vielleicht ist also nicht die Designdichte hier das Auffallendste, sondern der unprätentiöse Umgang damit. Katze Mimis respektlose Krallen haben sich in den von Hans Hollein entworfenen Esszimmerstühlen verewigt, die rund um einen großen Clemens-HolzmeisterTisch stehen. „Den benutzen wir intensiv, wie vieles andere hier“, sagt Hollein. „Es gibt aber auch Stücke, die ich einfach als schönes Objekt betrachte, etwa den Stuhl von Karl Schwanzer.“ Einen „atmosphärischen Quantensprung“ brachte vor zwei Jahren eine Ausmal- und Bodenschleifaktion. „Seitdem sind die Wände frei und alle Bücherregale in einen einzigen Raum verbannt.“ Im Esszimmer gibt es keinen Vorhang mehr, was nicht nur Licht bringt, sondern auch ein Stück Wiener Stadtgeschichte offenbart. „Mein Vater sah hier auf den kriegszerstörten Südbahnhof, zur Babyzeit meiner Tochter wurde der Campus der Erste Bank gebaut.“ Alles andere als eintönig, vielmehr unschlagbar urban ist der Blick vom Balkon auf sich kreuzende Straßenbahnlinien und das sechsspurige Autogebrause bis hinunter zum Südtiroler Platz. Stabil ist hingegen die Sicht auf Schloss Belvedere aus einem anderen Eck der Wohnung. In diesem nähern wir uns schließlich der „kleinen Loos-Bar“ des Designstudios breadedEscalope, einem kommodenartigen Möbel auf Stelzen mit zwei Barhockern darunter. Öffnet man die Kästchen und setzt sich, findet man sich unversehens in einer intimen Barsituation für zwei wieder. „Auf unseren Festen sehr beliebt“, schmunzelt Hollein. „Da drin reden oft Leute miteinander, die sich vorher gar nicht kannten.“ Fortsetzung Seite 6

FOTO: KATHARINA GOSSOW

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„Das Zuhause ist der Spiegel der Seele“ ANGELA LAHRMANN, WOHNRAUMCONSULTERIN UND -COACH MIT SCHWERPUNKT RAUMPSYCHOLOGIE

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ch lebe gern am Stadtrand“, sagt Angela Lahrmann. „In wenigen Minuten draußen in der Natur zu sein und die Jahreszeiten spüren zu können ist mir extrem wichtig.“ Seit 22 Jahren bewohnt die Wohnraumberaterin die untere Hälfte eines Hauses mit einem idyllischen Garten. Hier hat sie, überwiegend allein, ihre beiden Kinder Gabriel und Isabel, mittlerweile Soziologie bzw. Soziale Arbeit Studierende, großgezogen. Seit deren Auszug teilt sie die weitläufige Familienwohnung mit ihrem Lebensgefährten, dem Unternehmensberater Gerhard Stefka. Einen Teil davon hat sie sich als Praxis eingerichtet. „Ich habe mich immer schon stark mit meiner Umgebung auseinandergesetzt“, erzählt Lahrmann. „Einerseits mit den Menschen und ihrer psychologischen Verfassung, andererseits aber auch mit dem Charakter des Raums um mich herum.“ Vor einigen Jahren gelang es ihr, diese Interessen zu kombinieren und ihrem Leben eine entsprechende berufliche Wende zu geben. Die 54-Jährige hat lange als Cheflektorin und Kulturredakteurin einer Frauenzeitschrift gearbeitet. Dann absolvierte sie eine Aus-

Angela Lahrmann in ihrem Wintergarten: „Er ist unser sozialer Austauschraum. Wir essen hier oder sitzen mit Freunden und Familie zusammen“

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bildung zur Wohnraumconsulterin mit einem Schwerpunkt auf Wohnpsychologie. „Schließlich wollte ich mir noch mehr systemisches psychologisches Wissen aneignen und habe zusätzlich ein Diplom als Lebensberaterin gemacht.“ Dieses doppelte Knowhow spiegelt sich im Namen ihrer Praxis: „LebensRaumBeratung“. Im Kern dreht es sich um die Wechselwirkung zwischen den Menschen, ihrem momentanen psychischen Zustand und der Weise, wie sie ihren Wohnraum nutzen. „Im Wohnen kann man viel von den Prägungen, Verhaltensmustern und Glaubenssätzen von jemandem erkennen“, sagt Lahrmann. „Das lässt sich zum Beispiel bei Lebensproblemen nützen, um positive Veränderungen anzustoßen.“ Sie berate aber auch Leute beim Hausbau oder bei Sanierungen in Grundrissfragen, um von vornherein die persönliche Entwicklung und ein gutes Zusammenleben zu begünstigen. Dabei nutzt sie unter anderem ein Tool, das sich an alten europäischen Architekturgrundmustern für die Abfolge der Räume in einer Wohnung orientiert. Es heißt Novagramm und geht teilweise auf C. G. Jung zu-

rück. „Es schlüsselt den Zusammenhang von archetypischen Lebensthemen und der Raumnutzung auf.“ Wobei es hier nicht um richtig oder falsch gehe, sondern um das Erkennen und Umsetzen der eigenen Bedürfnisse. Sie selbst nutzt diese Art der Analyse beispielsweise, um den beruflichen und den privaten Teil ihrer Wohnung so geschickt wie möglich zu trennen. Nachträglich habe sie auch erkannt, warum sich ihre Tochter Isabel als Kind in ihrem Zimmer nie richtig wohlgefühlt habe. Und erfreut habe sie festgestellt, dass ihr heller, freundlicher Wintergarten an der perfekten Stelle für die ihm zugedachte Rolle ist. „Er ist unser sozialer Austauschraum“, erklärt sie. „Wir essen hier oder sitzen mit Freunden und Familie zusammen.“ Die Küche ist gleich daneben. „Ich habe ein offenes Haus, möchte mich aber in meinen vier Wänden auch geschützt und geborgen fühlen.“ Dem habe sie hier im Lauf der Zeit immer besser Gestalt geben können. Einrichtungsfragen sind ebenfalls Thema. „Wenn ich etwas nicht stimmig finde, ändere ich es so lange, bis es mir passt.“ USCHI SORZ

FOTO: NINI TSCHAVOLL

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In der Leopoldau entstehen bis 2020 rund 330 SMART-Wohnungen der Gemeinde Wien im Wohnprojekt „NeuLeopoldau – Junges Wohnen“

Jung, fremd und arm sucht Wohnung

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as Elternhaus zu verlassen und die ersten eigenen vier Wände zu beziehen ist für viele junge Menschen der wichtigste Schritt in ein selbstbestimmtes Leben. Steigende Mietkosten, Maklerprovisionen, Ablöse und Eigenmittelanteile stellen junge Familien, Studierenden und Lehrlinge jedoch gleichermaßen vor große Probleme: ohne finanziellen Rückhalt und Bürgschaft von Verwandten oder Freunden fehlt auch bei regelmäßigen Einkünften zumeist das notwendige finanzielle Polster, um eine Wohnung oder ein Zimmer anzumieten. Mit den besonderen Wohnbedürfnissen junger Wienerinnen

Wohnungsgrundriss einer Wohnung in „NeuLeopoldau – Junges Wohnen“

und Wiener und solchen, die es werden wollen, befassen sich in der Stadt Wien unterschiedliche private Initiativen und die städtische Institution „Wiener Wohnen“. Das Unternehmen WGE!, zum Beispiel, vermittelt jungen Menschen und Studierenden mit knappem Budget Wohnraum in Seniorenwohnhäusern oder in Privatwohnungen von älteren Menschen. Einer anderen und besonders verletzlichen Gruppe am Wohnungsmarkt in Wien widmet sich die Initiative „Flüchtlinge Willkommen“. Freiwillige machen geflüchtete, junge Männer und Frauen fit für die Suche nach einem WG-Zimmer.

FOTOS: SCHREINERKASTLER, JENNY FETZ

Junge Menschen, die in Wien eine günstige Wohnung suchen, haben es nicht leicht. Einige Institutionen helfen bei der Suche nach leistbarem Wohnraum


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Die Stadt Wien wiederum unterstützt junge Wienerinnen und Wiener durch unterschiedliche Beihilfen und günstige Darlehen und bietet darüber hinaus durch Projekte wie der „JungwienerInnen-Aktion“ Zugang zu Wohnungen des sozialen und geförderten Wohnbaus. Die einzelnen Projekte teilen das Ziel, jungen Menschen auf ihrem Weg in eine eigenständige Zukunft zu helfen. JungwienerInnen-Aktion und SMART-Wohnungen Den größten Spielraum hat dabei die Stadt Wien. Ihre Projekte im Bereich des sozialen Wohnbaus nehmen im internationalen Vergleich eine Führungsrolle ein. Als „JungwienerInnen“ gelten junge Menschen unter dreißig, die über keine eigene Wohnung verfügen und seit über zehn Jahren im elterlichen Haushalt gemeldet sind. Wer das „Wiener Wohn-Ticket“ lösen will, muss mindestens 17 Jahre alt sein, die österreichische Staatsbürgerschaft haben oder österreichischen Staatsbürgern gleichgestellt sein. Außerdem gelten je nach Größe des Haushalts Einkommensgrenzen und die Wohnungsinteressenten müssen seit mindestens zwei Jahren in Wien an derselben Adresse gemeldet sein. Nach erfolgreicher Registrierung auf www.wohnberatung-wien.at erhalten JungwienerInnen ein Angebot aus

„ SMART-Wohnungen sind sehr günstige Wohnungen in geförderten Neubauprojekten, bei denen intelligente Planung zur optimalen Flächennutzung führt“ ISABELLA JANDL, WOHNSERVICE WIEN

dem Bestand der Wiener Gemeindebauten und können sich für geförderte Wohnungen eintragen. Besonders beliebt unter jungen Menschen sind sogenannte SMARTWohnungen, erzählt Isabella Jandl, Prokuristin des „Wohnservice Wien“. „Als SMART-Wohnungen werden sehr günstige Wohnungen in geförderten Neubauprojekten bezeichnet, bei denen intelligente Planung zu einer optimalen Flächennutzung führt“, erklärt sie. So hat eine Einzimmerwohnung eine maximale Größe von vierzig Quadratmetern, eine Zweizimmerwohnung ist höchstens 55 Quadratmeter groß – usw. Inklusive Betriebskosten und Steuern kostet ein Quadratmeter in einer SMART-Wohnung maximal € 7,50. Wie bei gewöhnlichen geförderten Wohnungen sind allerdings Eigenmittel erforderlich, die bei einer SMART-Wohnung jedoch höchstens € 60/m2 betragen. Eine Zweizimmerwohnung mit 55 Quadratmetern erfordert daher Eigenmittel von rund € 3.300 bei einer Bruttomiete von € 412,50. „Damit bestechen SMART-Wohnungen nicht nur durch die günstige Miete, sondern besonders durch die moderne Ausstattung und die innovative Raumaufteilung. In einer SMARTWohnung werden in der Regel ineffiziente genutzte Flächen vermieden“, sagt Jandl. Im Vergleich zu einer Ge-

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meindewohnung verfügt eine SMARTWohnung für denselben Haushalt auch über ein zusätzliches Zimmer. Während bei einer Gemeindewohnung die Zimmeranzahl genau der Anzahl der Personen im Haushalt entspricht, gilt bei den SMART-Wohnungen „+1 Zimmer“. Sind die im Unterschied zur Gemeindewohnung nötigen Eigenmittel für eine junge Familie ohne finanzielle Rücklagen ein Hindernis? Jandl sieht das nicht. Denn Wohnungssuchende unter dreißig könnten über die Stadt Wien ein mit nur einem Prozent verzinstes Darlehen zur Finanzierung der Bau- und Grundkosten erhalten. Das erleichtere jungen Erwachsenen mit Kindern den Zugang zum geförderten Wohnbau deutlich. Neue SMART- und PlusWohnungen in der Leopoldau Als Beispiel für ein aktuelles Bauprojekt nennt Jandl das Vorhaben „Neu Leopoldau – Junges Wohnen“. Auf dem Areal des ehemaligen Gaswerks Leopoldau sollen bis 2020 rund 1.000 geförderte Wohnungen entstehen, 330 davon SMART-Wohnungen. Die ersten Wohnanlagen des Projekts werden voraussichtlich bereits nächstes Jahr fertiggestellt. So zum Beispiel das Projekt auf Bauplatz F: Von den 138 Fortsetzung Seite 10


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Eine Lösung, wenn die Wohnung zu teuer wird: sympathische Menschen darin aufnehmen Fortsetzung von Seite 9

Ein Beispiel für die innovative Nutzung eines „schwierigen“ Grundstücks durch PPAG architects an der Fickeysstraße: „Mit dieser Methode der stadträumlichen Organisation können Grundstücke aller Größen und Zuschnitte objektiv und geschmacksneutral bearbeitet werden“

„Mein Wien-Apartment“ für Zuzügler nach Wien Wer aus beruflichen Gründen nach Wien zieht oder in die Bundeshauptstadt kommt, um ein Studium oder eine Lehre zu beginnen, hat keine Chance auf ein „Wiener Wohn-Ticket“, eine Gemeinde- oder SMARTWohnung. In diesem Fall können sich junge Erwachsene und andere Menschen mit Wohnbedarf an „Mein Wien-Apartment“ wenden. 1971 von der Stadt Wien und den Sozialpartnern gegründet, vermietet dieser Fonds kostengünstige, möblierte Wohnungen an maximal zwei Personen. Die Vergabe der Apartments erfolgt für mindestens sechs Monate, die maximale Wohndauer beträgt drei Jahre. Die Häuser des Fonds befinden sich in inneren und äußeren Bezirken der Stadt. Ein beliebtes Apartmenthaus mit 22 Einzimmerwohnungen liegt beispielsweise in der Schiffamtsgasse in der Leopoldstadt. Je nach Größe belaufen sich die Kosten für eine solche Wohnung inklusive Betriebskosten, Heizkosten, Strom, Warmwasser und Mehrwertsteuer auf € 325,- bis € 410,-. Günstig wohnen in Wien mit älteren Menschen Eine kostengünstige Option bietet das Unternehmen WGE!. Um Wohnraum für Jung und Alt leistbar zu machen, vermittelt WGE! passende Wohnpartner an ältere Menschen und Fortsetzung Seite 12

FOTOS: ROLAND KRAUSS

geförderten Mietwohnungen werden 38 als SMART-Wohnungen errichtet. Darüber hinaus gibt es auch zwei Wohngemeinschaften mit 13 Heimplätzen und einer Erstausstattung, um die Startinvestitionen für WG-Bewohner zu verringern. Zusätzliche „PlusRäume“ ermöglichen eine sehr hohe Flexibilität, wodurch mit wenig Aufwand neue Wohnbereiche geschaffen werden können. Diese Plus-Wohnungen ermöglichen Drei-Zimmer-Einheiten in der Größe einer Zwei-Zimmer-SMARTWohnung („SuperSMART“). Um die Gründung des ersten eigenen Haushalts zu erleichtern, ist in den kleinen Wohnungen eine Grundausstattung vorgesehen, wie Küchen und Schrankelemente, die als Grundmöblierung mitvermietet wird. Ein besonderer Hingucker ist das historische Trafogebäude. Das wird saniert und als Quartierzentrum genutzt.


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T H EM A 5/ 18 : WOH NEN : WO H N U N G E N F Ü R J U N G E

Fortsetzung von Seite 10 Seniorenwohnhäuser. Diese Wohnpartner, meist Studierende, stellen im Austausch gegen ein günstiges Zimmer Zeit für gemeinsame Aktivitäten oder Unterstützung im Alltag zur Verfügung. Manuel Schuler, einer der Gründer von WGE!, erklärt, dass Menschen über 66 in Wien laut Statistik auf rund siebzig Quadratmeter leben, oft allein. Die steigenden Erhaltungskosten für so großen Wohnungen stellen Pensionisten häufig vor finanzielle Probleme. „Hier setzt WGE! an“, erklärt Schuler, „Wir vermitteln junge Menschen auf der Suche nach günstigem Wohnraum an ältere Menschen und Seniorenwohnheime. Daraus ergibt sich eine Win-win-Situation“. Er unterstreicht, dass auf diese Weise der Vereinsamung im urbanen Raum aktiv entgegengewirkt wird: „Abgesehen von den finanziellen Vorteilen, profitieren beide Seiten auch auf einer ganz anderen Ebene. Unsere Erfahrungen zeigen, dass sich viele junge Erwachsene nach einem familiären Umfeld sehnen. Allein lebende ältere Menschen freuen sich über Gesellschaft, wenn die eigenen Kinder bereits ausgezogen sind“. Anhand eines Algorithmus ermittelt das Team von WGE! Erwartungen und Bedürfnisse der potenziellen

Gerade im Entstehen: Hörbiger Gründe Bauteil WBV-GPA von Martin Kohlbauer. Charakteristisch sind die Rundungen der quadratischen Gebäude. Die beiden Häuser sind dreißig und 25 Meter hoch

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Wohnbau in der Seestadt Aspern von querkraft und Berger+Parkkinen. Aufgabe war eine kostenbewusste, ökologisch gebaute Wohnanlage. Sie enthält eine halböffentliche Sockelzone mit Durchgängen und Gemeinschaftsräumen. Die großzügigen Lofts können nach Belieben unterteilt werden

Wohnpartner. Schließlich findet ein erstes Treffen statt, bei dem evaluiert wird, ob die Lebensrealitäten der beiden Menschen vereinbar sind. Im Gespräch mit Mitgründer Schuler wird klar, dass das Miteinander der WohnpartnerInnen im Mittelpunkt steht: „Der Bogen spannt sich von gemeinsamen Theaterbesuchen, Spaziergängen oder Kartenspielen bis zur Unterstützung im Haushalt bzw. Garten, beim Arztbesuch oder beim EMail-Schreiben.“ Seit Jänner 2016 hat WGE! mehr als 250 Personen erfolgreich vermittelt und begleitet. „Flüchtlinge Willkommen“ für junge Geflüchtete Besonders große Schwierigkeiten, am Wiener Wohnungsmarkt fündig zu werden haben geflüchtete Menschen. Diesem Problem nimmt sich die Initiative „Flüchtlinge Willkommen“ an. Basierend auf der Idee, dass Integration in Einzelunterkünften besser funktioniert als in großen Heimen, vermittelt das Projekt seit 2015 junge Flüchtlinge als Mitbewohner an Wohngemeinschaften. Im Gespräch mit Projektleiter Raoul Kopacka stellt sich heraus, dass sich die Arbeitsbereiche von „Flüchtlinge Willkommen“ seit den Anfängen stark gewandelt haben: „Natürlich hat die Idee mit den WGs 2015 besser funktioniert. Schon seit 2016 erhalten wir viel weniger Anmeldungen, jetzt noch circa eine pro Woche.“

Kopacka führt das darauf zurück, dass sich interessierte Wohngemeinschaften wohl bereits angemeldet hätten. „Daher haben wir umdisponiert und bieten jetzt hauptsächlich Wohnberatungsworkshops an.“ Diese Workshops, die derzeit regelmäßig in Wien, Innsbruck und Graz angeboten werden, klären Begriffe wie „Kaution“ und „Provision“ und behandeln das Konzept „Wohngemeinschaft“ an sich: Was sind Gemeinschaftskassa und Putzplan? Wie wird das Zusammenleben in einer Wohngemeinschaft gestaltet? Die Workshops bereiten die Geflüchteten also auf die selbstständige Suche nach einem WG-Zimmer und das Zusammenleben mit Gleichaltrigen vor. „Viele unserer Interessenten könnten sich ein Zimmer durchaus leisten und würden auch gut in einen WGAlltag hineinpassen. Weil aber die Nachfrage nach WG-Zimmern viel größer ist als das Angebot, wird oft schon bei den Anschreiben von Seiten der WGs radikal aussortiert: Wer eine allzu kurze Nachricht schickt oder sich auf Deutsch nicht gut ausdrücken kann, bekommt einfach den Fuß nicht in die Tür“, erklärt Kopacka. Die Wohnungssuchenden werden im Rahmen der Workshops daher mit Freiwilligen zusammengebracht, die die Geflüchteten beispielsweise beim Verfassen von Anschreiben unterstützen. SOPHIE JAEGER

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T H EM A 5/ 18 : WOH NEN : BAU STO F F

Mit Holz hoch hinaus

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as wird ein Holzhochhaus? Blickt man auf die Baustelle des HoHo Wien in der Seestadt Aspern, sieht man vor allem viel Beton. „HoHo“ klingt zwar so, steht aber nicht für ein Geschenk vom Weihnachtsmann – es wäre ein teures. 65 Millionen Euro Investitionsvolumen stellt Investor Günter Kerbler laut Eigenangaben bereit. „HoHo“ steht für „Holzhochhaus“. Anfang 2019 soll es fertig sein. 84 Meter Höhe, 24 Stockwerke, 25.000 Quadratmeter Bruttogesamtfläche. Am Ende werden 75 Prozent der Außenwände und Decken des Turms aus Holz sein. Vor allem innen soll es sicht- und erlebbar sein, das ist den Beteiligten wichtig. Gegenwärtig sieht man noch nicht viel davon, nur der Betonkern des Turms ragt in die Höhe. Es wird viel Holz verbaut, dennoch ist das HoHo Wien ein Hybridbau. Auf den Betonkern werden vorgefertigte, holzlastige Teile montiert. In Dornbirn: das erste Holz-Hybrid-Hochhaus Das HoHo ist nicht das einzige Gebäude in Wien, bei dem viel Holz zum Einsatz kommt. 2015 wurde in der Seestadt ein Holzwohnbau fertig, geplant von den Architekturbüros querkraft und Berger+Parkkinen. Die Wohnanlage hat eine Holzfassade, im Hof gibt es Brücken aus Holz – gut, auch ein paar Betonbrücken –, die die Häuserblöcke verbinden. So viel Holz an Gebäuden sieht man in Wien sonst nicht. Der Baustoff Holz scheint nach ländlichen Gebieten auch die Hauptstadt zu erreichen. Das erste Holz-Hybrid-Hochhaus Österreichs stellte Cree in Vorarlberg fertig, eine Firmentochter des Bauunternehmens Rhomberg. Alexander Hilbe ist Projektleiter bei Rhomberg. Den 28-Jährigen fasziniert Holz schon lang. „Beim Holzbau gibt es viel weniger Feuchtigkeit, die Arbeit lässt sich besser, ja bis ins kleinste Detail planen und schneller durchführen. Außerdem ist der Baustoff ökologisch gesehen unschlagbar. Und er duftet gut“, sagt Hilbe. Weil man bei Rhomberg darin Potenzial sah, spezialisierte sich das

„Wenn wir es schaffen, das HoHo umzusetzen, müsste es einfach sein, andere Projekte durchzusetzen“ RÜDIGER LAINER, ARCHITEKT DES HOHO WIEN

„Es geht darum zu zeigen, was Holz kann. Wir wollen etwas Nachhaltiges für unsere Kinder schaffen“ CAROLINE PALFY, GESCHÄFTSFÜHRERIN CETUS UND BAULEITERIN DES HOHO WIEN

Unternehmen auf Holzbau. Bei der Verwendung des Baustoffs ist Vorarlberg Wien voraus. Der Grund dafür? „Wir sind eine ländliche Region, die von Einfamilienhäusern geprägt ist“, sagt Hilbe. Vorarlberg gilt vielen als Region mit dem innovativsten Einfamilienhausbau der Welt. „Vor allem die Bregenzerwälderhäuser sind präsent. Doch wenn wir höher als sechs Geschoße bauen, stößt Holz im Wohnungsbau an wirtschaftliche Grenzen.“ Holzgebäude sind vor allem in Wien noch sehr teuer Die Kosten sind einer der größten Hemmschuhe für den Holzbau, vor allem in Wien. Je nach Projekt kostet ein Gebäude mit hohem Holzanteil hier zehn bis dreißig Prozent mehr als ein ähnlicher Bau in Massivbauweise, also etwa aus Beton. In Vorarlberg ist das anders. Bei Häusern mit bis zu fünf Stockwerken geht es hier billiger, sagt Hilbe: „Bei Rhomberg liegen wir bei den Kosten bei plus/minus zwei Prozent im Vergleich zum Stahlbetonbau.“ In Wien hingegen wird der Holzbau richtig teuer. Caroline Palfy ist Geschäftsführerin der cetus Baudevelopment GmbH und Bauleiterin des HoHo Wien. „Nur zehn Prozent Mehrkosten gehen sich beim HoHo nicht aus, zwanzig Prozent auch nicht. Denn wir investieren dabei auch viel in Forschung“, sagt die 39-Jährige. Weil es das erste Projekt dieser Größenordnung in Wien ist, fehlen Erfahrungswerte. Hinzu kommen andere Kosten: Etwa die generell hohen Anforderungen beim Bau eines Hochhauses und die Multifunktionalität des Gebäudes: Büros, Restaurants, ein Hotel und Wellnesszentren sollen im HoHo Wien Platz haben. Trotz der Kosten ist Palfy vom Projekt überzeugt. „Es geht darum zu zeigen, was Holz kann. Wir wollen ein Statement abgeben und etwas Nachhaltiges für unsere Kinder schaffen“, sagt die Mutter von Zwillingstöchtern. Der Holzbau soll weiterentwickelt und konkurrenzfähiger gemacht werden.

Die Vorteile von Holz als Baustoff Kommt das Holz trotz der hohen Kosten zurück? „Es gibt sicherlich eine Renaissance in der Akzeptanz der Holzbauweise“, sagt Manfred Brandstätter, Institutsleiter der Holzforschung Austria (HFA). Die HFA ist ein Forschungs- und Prüfinstitut für Holz. Brandstätter sieht zwei Gründe für die Holzrenaissance. „Erstens hat sich der Holzbau sehr professionalisiert und industrialisiert“, sagt der 59-Jährige. Man kann Holzteile in der Fabrik vorfertigen und dann auf der Baustelle montieren, ein Vorteil. Damit lässt sich der Bauprozess besser planen und die Bauzeit verkürzen. Der zweite Grund liegt laut Brandstätter in der Branche. „Viele Architekten haben den Werkstoff Holz wiederentdeckt und realisieren damit attraktive Gebäude.“ Sie werden in einschlägigen Medien publiziert, was andere zum Nachbauen anregt. Holz hat aber auch praktische Vorteile. Viele schätzen den Wohnkomfort. Holz hält etwa die Luftfeuchtigkeit in Räumen konstant. „Es kann Wasser puffern. Ist die Luft feucht, nimmt es Feuchtigkeit auf. Ist es trocken, gibt es sie wieder ab“, sagt Brandstätter. Das ist angenehm im Winter, wenn man die Heizung aufdreht und die Luft austrocknet, dennHolz kann hier etwas ausgleichen. Und es speichert noch etwas: Kohlendioxid, kurz CO2. „Denkt man an das Klima dieses Sommers, wird der Vorteil klar“, sagt Michael Grabner, Wissenschaftler an der Universität für Bodenkultur Wien. Der 50-Jährige befasst sich seit 35 Jahren mit Holz, beruflich und privat. So baute er sich beispielsweise selbst ein Zirbenbett. Wie jedes Holz besteht Zirbe zum Teil aus CO2. In der Atmosphäre befeuert freies CO2 die Klimaerwärmung. Holz bindet es, hingegen setzt die Erzeugung von Beton den Stoff an der Luft frei. Grabner arbeitete bei einem historischen 190-Quadratmeter-Holzbau in Blockbauweise mit, bei dem die CO2-Bilanz berechnet Fortsetzung Seite 16

FOTOS: RÜDIGER LAINER + PARTNER/WOLFGANG THALER, CETUS BAUDEVEOLPMENT GMBH

Noch in der Gründerzeit war Holz als Baustoff in Wien weit verbreitet. Bauordnung, Stahl und Beton verdrängten dann den Baustoff. Nun kehrt Holz unter neuen Vorzeichen zurück


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FOTO: CETUS BAUDEVEOLPMENT GMBH

BAU STO F F : WO H N E N : TH E MA 5/18

Seestadt Aspern, 2018. Die Baustelle des HoHo Wien. Es soll ein Hochhaus werden, das zu einem ganz erheblichen Teil aus Holz besteht

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„Viele Architekten haben den Werkstoff Holz wiederentdeckt und realisieren damit attraktive Gebäude“ MANFRED BRANDSTÄTTER, INSTITUTSLEITER HOLZFORSCHUNG AUSTRIA

„Im Holz steckt CO 2 gebunden. Beim Stahlbetonbau wird es freigesetzt“ MICHAEL GRABNER, BOKU WIEN

„Wenn wir höher als sechs Geschoße bauen, stößt Holz an wirtschaftliche Grenzen“ ALEXANDER HILBE, PROJEKTLEITER BEI RHOMBERG BAU

Das erste Holz-Hybrid-Hochhaus der Welt steht in Dornbirn. Die Fassade ist aus Aluminium, um der Abwitterung vorzubeugen

Holzbau: Die große Angst vor dem Feuer Holz in der hohen Hütte? Bei einigen Mietern herrsche Skepsis, sagt HoHo-Wien-Bauleiterin Palfy. „Holz hat ein Problem: Es ist brennbarer.“ Bestimmte Verbundstoffe wie die Alufassade und ihre Dämmstoffe am (abgebrannten) Grenfell Tower in London sind auch brandgefährlich. Aber Holz als Brennmaterial ist alltäglicher, jeder kennt es vom Lagerfeuer oder dem Kamin her. Für den HoHo-Wien-Architekten Rüdiger Lainer ist die Angst irrational. „Wenn Holz brennt und dick genug ist, bildet sich beim Brand eine Kohleschicht. Diese Schicht dämmt“, erklärt der 69-Jährige. Das Feuer greife das Holz ab einem gewissen Punkt nicht weiter an, weil die Schicht es schützt. Obwohl dies bekannt ist, ließ die Brandschutzbehörde es sich beim HoHo Wien extra nachweisen. Das erste Gebäude in Wien, für das ein solcher Nachweis erbracht werden musste. „Wir haben einen Raum nachgebaut und eine Holzstütze mit einer Feuerlanze neunzig Minuten lang mit tausend Grad Hitze befeuert“, sagt Lainer. Als der Prüfer die Kohleschicht abnahm, kam unversehrtes, weißes Holz zum Vorschein. Von dieser Pionierarbeit werden künftige Projekte profitieren, bestätigt die für Brandschutz zuständige Wiener Magistratsabteilung MA 37. Es sei jedes Vorhaben einzeln zu beurteilen. Sollte jedoch „ein gleicher oder ähnlicher Lösungsansatz wie beim HoHo Wien gewählt werden, so bedarf dieser keiner neuerlichen Entscheidungsfindung mehr“, heißt es aus der MA 37. Holz sei für mehrgeschoßige Wohnbauten bereits erlaubt, trotzdem werde es nur selten verwendet. Rüdiger Lainer hingegen hofft, dass das Beispiel HoHo Wien Schule machen wird. „Hindernisse in den Köpfen“ sollten wegfallen, Konstruktionsentwicklungen und Genehmigungsverfahren einfacher werden. „Wenn wir es schaffen, das HoHo umzusetzen, müsste es einfach sein, andere Projekte durchzusetzen.“ Mit einer Weiterentwicklung ihres Bausystems könne etwa ein achtstöckiges Wohngebäude zu gleichen Kosten wie ein Massivbau errichtet werden, behauptet Lainer. „Wir sind ein radikales Exempel dafür, dass Holz im Normalgebrauch effizient und einfach verwendbar sein kann.“ Selbst wenn noch ein Stück zu gehen ist, auf dem Holzweg fühlen sich Lainer und Palfy nicht. TOBIAS SCHMITZBERGER

FOTOS: HOLZFORSCHUNG AUSTRIA/POLLERES, BOKU, RHOMBERG, NORMAN A. MÜLLER (2)

wurde. „In diesem Gebäude stecken 32 Tonnen Kohlendioxid. Hätte man denselben Bau in Stahlbeton aufgeführt, wären 147 Tonnen CO2 freigesetzt worden.“ Für die Ökobilanz ist Holz also besser.


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Zentrale Anlaufstelle bei sämtlichen Fragen rund ums Wohnen 1., Bartensteingasse 9 Tel.: 01/4000-8000 Telefonische Beratung: Mo – Fr: 8 – 18 Uhr Persönliche Beratung: Mo – Fr: 8 – 17 Uhr

Sanitär, Heizung, Wärmedämmung, Schallisolierung, behindertengerechter Umbau; Info-Point für Wohnungsverbesserung der MA 25 und MA 50 20., Maria-Restituta-Platz 1, Zi. 6.09 Tel.: 01/4000-74860 Telefonische Beratung: Mo – Fr: 8 – 15 Uhr Persönliche Beratung: Mo – Fr: 8 – 13 Uhr

Rasche und kostenlose Hilfe bei Wohnrechtsfragen 1., Rathausstraße 2 Tel.: 01/4000-25900 Beratung: Mo– Fr: 8–17 Uhr

Wohnungssuche Wohnberatung Wien Informationen für alle, die eine geförderte Wohnung oder eine Gemeindewohnung suchen 3., Guglgasse 7-9/Ecke Paragonstraße Tel.: 01/24 111 Telefonische Beratung und Terminvergabe: Mo – Fr: 7–20 Uhr Persönliche Beratung: Mo, Di, Do, Fr: 8 – 19 Uhr, Mi: 8 – 12 Uhr www.wohnberatung-wien.at

Alle Informationen rund ums Wohnen finden Sie auch auf www.wohnen.wien.at.

www.um-haeuser-besser.at www.wien.gv.at/wohnen/wohnbaufoerderung

Sanierungsberatung für Hauseigentümer wohnfonds_wien fonds für wohnbau und stadterneuerung 8., Lenaugasse 10 Tel.: 01/4035919-0 Mo – Do: 9 – 16 Uhr, Fr: 9 – 11.30 Uhr www.wohnfonds.wien.at

Neubau Voraussetzungen, Einkommensgrenzen MA 50 – Antragstellung Neubau 19., Muthgasse 62, Zi. G139 Tel.: 01/4000-74840 Parteienverkehr: Mo – Fr: 8 – 12 Uhr

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Wiener Gebietsbetreuung Umfassendes Informations- und Beratungsangebot zu Fragen des Wohnens, des Wohnumfeldes und der Stadterneuerung MA 25, Tel.: 01/4000-25000 www.gbstern.at


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Es gibt keine Trends mehr Sagt zumindest der Interior Designer Georg Dunekamp und erklärt, was gerade angesagt oder verpönt ist, wie Polstermöbel mit Lederüberzug

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Russische Kunden wollen Modelabels Mitunter müsse man als Spezialist aber auch gegensteuern. „Russische Kunden haben zum Beispiel eine Vorliebe für Möbel von Modelabels, wie ein Sofa von Fendi. Solche Produkte haben zwar einen klingenden Namen, sind aber oft von geringer Qualität.“ Überhaupt sei Qualität etwas, das man oft erklären müsse. „Manche haben etwas gesehen und wollen es auch haben, obwohl es vielleicht billig hergestellt ist und kein gutes Design hat.“ Apropos, was ist gutes Design? „Das Objekt muss schön sein, eine Funktion erfüllen und lang halten“. Gibt es Trends beim Wohnen? „Es ist wie in der Mode, es gibt keine echten Trends mehr. Alles besteht gleichzeitig und kann miteinander kombiniert werden.“ Eben war der Interior Designer Georg Dunekamp, der als studierter

Politik- und Kommunikationswissenschaftler seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat, bei der „Maison & Objet“-Fachmesse in Paris. „Midcentury ist immer noch stark angesagt, also Möbel der Fifties und Sixties. Bei der AD Interieur 2018, einer Ausstellung junger Designer im Rahmen der Maison & Objet, sieht man eigentlich wenig neues und visionäres Design.“

„Von Österreich an südwärts glaubt man, dass Metall beim Schlafen schlecht sei. Nördlich davon hat man kein Problem damit“ GEORG DUNEKAMP, INTERIOR DESIGNER

INFO: WWW.WEIHBURG.COM

Momentanes No-Go: Leder für Polstermöbel Feststellen lasse sich jedenfalls ein Trend zu bestimmten Materialien, sagt Dunekamp. So wäre Leder für Polstermöbel derzeit out. „Zu kühl, und vielleicht geht es im Hinterkopf der Kunden auch darum, keine tierischen Produkte zu verwenden.“ In der Küche gebe es wieder mehr Holzflächen, und geräumige Wohnküchen hätten sich durchgesetzt. Im Bad fänden sich vermehrt Fliesen anstelle von Naturstein. „Das hat aus meiner Sicht auch mit dem Retro-Trend zu tun“. Im Schlafbereich dominieren Boxspring-Matratzen. Stören Metallfedern die Kunden nicht? Es gebe da eine witzige Studie eines Bettenherstellers, erläutert Dunekamp, nach der man von Österreich an südwärts glaube, dass Metall beim Schlafen schlecht sei. Nördlich davon habe man interessanterweise kein Problem damit. Ist Nachhaltigkeit bei den Kunden ein Thema? „Nicht ausdrücklich, leider. Aber wir legen Wert darauf, mit Firmen zu arbeiten, die langlebige Produkte erzeugen und zum Teil auch in Handarbeit herstellen“. Wann ist eine Wohnung für den Experten gut eingerichtet? „Für manche ist sie ein Rückzugsort, andere legen mehr Wert auf Repräsentation. Eine gut eingerichtete Wohnung bildet eine Einheit mit den Menschen, die darin leben“. Wie lebt er selbst? Dunekamp: „Wie der Modedesigner, der bunt entwirft, aber selbst immer Schwarz trägt. Wir sind viel eklektischer und es muss nicht alles akkurat zusammenpassen. Gutes Design passt aber sowieso überall dazu“. BARBARA FREITAG

Design aus aller Welt FOTO: ALEXANDER CHITZASAN

aum einer seiner Kunden möchte zugeben, die Ideen zur neuen Einrichtung jemand anderem zu verdanken. „In Österreich schämt man sich noch immer dafür und verschweigt es gern“, erzählt Georg Dunekamp. Seit 2002 führt er gemeinsam mit Robert Ludl den Showroom „Weihburg Interiors“ in einem Barockhaus am Wiener Franziskanerplatz. In den ehemaligen Stallungen findet man geschmackvolle Möbel und Accessoires der mittleren bis gehobenen Preisklasse. Die internationalen Kunden haben das nötige Budget und leisten sich auch gern die Erstellung eines Wohnkonzepts vom Profi dazu. Haben die Menschen zwar Geld, aber keine Fantasie? „Wir kommen oft ins Spiel, wenn etwa die Frau keinen Ansprechpartner für das Projekt hat, weil der Mann berufsbedingt kaum da ist“, sagt Dunekamp. Die Klientel rekrutiert sich vorwiegend aus Empfehlungen von Architekten und anderen Kunden. So ein Projekt ziehe sich oft über lange Zeit, und es wären schon viele Freundschaften daraus entstanden, erzählt er. „Wir arbeiten mit Leidenschaft und sehr gern für unsere Kunden“.

Vom 5. bis 7. Oktober 2018 findet wieder die Design District 1010 in der Wiener Hofburg statt. Über sechzig Stores präsentieren sich auf 7.000 Quadratmetern. Unter den Topmarken finden sich Jaguar Land Rover, Minotti, Steininger Designers, Rolf Benz, Molteni, KFF, USM, Freistil, Fritz Hansen, Anrei, Geberit, Moroso, Gira, Formdepot, Mafi, Klafs, Gaggenau, Ton, Edra und Bene etc. www.design-district.at


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FOTOS: GEORG DUNEKAMP

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Georg Dunekamp hat sich bei der Fachmesse in Paris inspirieren lassen: „Midcentury ist immer noch stark angesagt, also Möbel der Fifties und Sixties“


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„Es braucht ein langes Gespräch mit den Auftraggebern, ich muss etwa wissen, ob jemand gern barfuß geht.“ Gregor Eichinger

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regor Eichinger, Jahrgang 1956, ist ein international ausgezeichneter Architekt. Er unterrichtet unter anderem an der Akademie der bildenden Künste in Wien, der ETH Zürich und der ADBK in München. Herr Eichinger, was müssen Sie über ihre Kunden wissen, wenn Sie ein Projekt beginnen? Gregor Eichinger: Vieles, es braucht ein langes Gespräch. Gehen sie vielleicht gern barfuß? Natürlich gibt es auch Klienten, die sagen, bitte überrasche mich! Doch auch dann brauche ich gewisse Eckdaten wie Rituale des Alltags, und über das, was ihnen im täglichen Leben wichtig ist. Diesen Flow soll man in einem Wohnraum ermöglichen, aber ohne einen komplett alles zudeckenden Komfort. Sie bauen schon lang. Wie würden Sie Ihre Erfahrung zusammenfassen? Eichinger: Beim Wohnen geht es um etwas Intimes, da adressiert man den Menschen unmittelbar, damit muss man sorgfältig umgehen. Mit der Zeit lernt man, Missverständnisse schon

Einer der besten Architekten des Landes und ein berühmter Gestalter von Lokalen: Gregor Eichinger über seine Art, Wohnprojekte zu gestalten

viel früher auszuräumen und die versteckten Zeichen in der Kommunikation rascher zu lesen. Wir entwickeln Architektur grundsätzlich von innen nach außen. Die Fassade kommt zum Schluss und soll ausdrücken, was innen stattfindet. Innen dominiert der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Befindlichkeiten. Die emotionale Ebene ist ausschlaggebend für die Atmosphäre. Es geht darum, ein Gleichgewicht zu erzielen, ein Sich-Wohlfühlen im Raum, ohne darin unterzugehen. Das ist wichtig. Man muss lebendig bleiben. Es kann ruhig ein paar Dinge geben, an die man sich erst gewöhnen muss, denn dies bedeutet Veränderung und Zukunft. Als Innenarchitekt soll man Dinge zwar wahrnehmen, aber auch offenlassen, und nicht der absolute Erfüllungsgehilfe beim Wohnen sein. Einrichten sollte eine gewisse Skizzenhaftigkeit behalten. Dann gibt es Potenzial zur Entwicklung. Kommt es auch zu Konflikten? Eichinger: Der Konflikt kommt sicher. Ein guter Auftraggeber lässt sich

darauf ein. Damit etwas entstehen kann, muss man erst die Vorbedingungen verhandeln. Ein Raum wird immer von Menschen konstruiert, denn die Natur lässt ja keine Häuser wachsen. Wir müssen also eine Kette von Entscheidungen treffen. Es geht dabei auch nicht einfach darum, ob etwas dem Klienten gefällt oder nicht. Das ist zwar eine wichtige Kategorie, aber nicht prioritär. Als Klient muss man Vertrauen haben, denn es geht um das Gesamte, und das wird am Ende gefallen, auch wenn man ein einzelnes Objekt vielleicht zunächst gar nicht versteht. Zum Beispiel? Eichinger: Beim Lichtdesign kann das vorkommen. Es gibt da ein Paradox: Wenn man einen dunklen Raum möchte, muss man mehr investieren als in einen hellen. Das muss man als Klient erst einmal verstehen und das Konzept dahinter akzeptieren. Grundsätzlich gibt es in einem solchen Projekt natürlich auch laufend Kompromisse, denn ich baue und gestalte ja nicht für mich, sondern für

FOTOS: GERBERIT, ELFIE SEMOTAN

Gehen Sie vielleicht gern barfuß?


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Zum Beispiel dieser Hype um die 1950er- und 1960erMöbel, woher kommt der? Eichinger: Meistens soll ein Trend eine Art Ausgleich bieten für einen Verlust. Heute müssen fast alle am Computer arbeiten. Da braucht es eine Art Sichtbarmachung einer Gefühlswelt. Die 1950er waren ja eigentlich alles andere als lustig und bunt, eher eine hierarchische Verbotswelt. Aber optisch war es ein Aufbruch, unbekümmert. Das ist heute wieder attraktiv in einer Zeit der Klimaproblematik und anderer globaler Herausforderungen.

einen Auftraggeber. Aber wenn es dem nur um Dekoration geht, verabschieden wir uns aus dem Projekt. Sie entwerfen auch Möbel. Ist es in Ordnung für Sie, wenn jemand etwas Bestimmtes möchte, zum Beispiel ein Erbstück aufstellen? Eichinger: Ja sicher. Es gibt durch alle Jahrhunderte tolle Möbel. Ein billiger Nachbau ist aber immer eine Katastrophe. Man möchte, dass etwas so ausschaut, kann es aber nicht bezahlen. Dann lieber reduzieren und auf etwas anderes verzichten, aber dafür in ein Original investieren. Für Menschen mit kleinem Budget finden Sie auch Lösungen? Eichinger: Man wird ja mit uns arbeiten, nicht weil es teuer ist, sondern weil man ein Konzept und eine Überlegung dahinter haben möchte. Weniger Geld ist sogar eine größere Herausforderung, denn dabei kann man sich als Architekt selbst auch mit neuen Lösungen überraschen. Berücksichtigen Sie Trends? Eichinger: Wir sind eher daran interessiert, den nächsten Schritt nach dem Trend zu suchen oder auszulösen. Der Trend ist ja schon alt, wenn er in der Öffentlichkeit ankommt. Natürlich muss man analysieren, woher etwas kommt.

„Wir sind eher daran interessiert, den nächsten Schritt nach dem Trend zu suchen – oder auszulösen“ GREGOR EICHINGER, ARCHITEKT UND DESIGNER

Was kommt danach? Eichinger: Materialwelten, Oberflächen. Einerseits eine gewisse Beruhigung, aber auch ein Bedürfnis nach einer echten Ornamentik. Also nicht Tattoowelten, sondern eine Intensivierung durch Reduktion. Nicht mehr einen Emotionsteppich, sondern pure, authentische Situationen. Es geht um langfristiges Denken heute und darum, etwas zu kaufen, was man vererben kann. Diese Mentalität des „jedes Jahr etwas Neues“ ist zwar aktuell immer noch da, aber das wird sich künftig ändern. Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie? Eichinger: Wichtig ist, dass man sich mit dem Möbel körperlich wohlfühlt.

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Dann ist es auch langlebig. Handwerk und Qualität sind für mich nachhaltig – und das findet lokal statt. Ich arbeite mit Handwerkern vor Ort und nicht mit Konzernen, die irgendwo in Bangladesch etwas produzieren und das mit riesigen Containerschiffen samt riesigen Emissionen transportieren müssen. Was bedeutet „Design“ für Sie? Eichinger: Ich empfinde Design als die Sichtbarmachung einer Entscheidungskette, wie Blüten, die aufgehen, wie eine blühende Wiese. Alles hat einmal als technische Zeichnung begonnen. Fahren Sie gelegentlich zu Ikea? Eichinger: Ich habe einmal für zwei Mädchen Zimmer mit Ikea eingerichtet. Ich habe mich auch schon öfters inspirieren lassen, denn die haben viel Intelligenz in einfachste Lösungen gesteckt. Wie wohnen Sie selbst? Eichinger: Ich will, dass auch mein Wohnen eine Art Skizze und veränderbar bleibt. „Stay hungry“, wie Arnold Schwarzenegger sagte. Ich muss mir immer Sachen wünschen können, dann entwickle ich eine Art Sehnsucht, die ich bei meinen Auftraggebern umsetzen kann. BARBARA FREITAG


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Komfortabel und einfach zu pflegen Badezimmer als Wellness-Oase: Der Trend geht zum Wellnessbad, das möglichst ohne Stufen geplant wird und über eine bodenebene Dusche sowie ein Dusch-WC verfügt. Die Einrichtung soll komfortabel und pflegeleicht sein. Die Badezimmermöbel sollten den vorhandenen Raum bestmöglich nutzen und viel Stauraum bieten. Innovative Lösungen bei kleinerem Budget: Natürlich gibt es Lösungen für jedes Budget. Aber es kommt auch auf eine clevere Planung durch den Fachmann an. Beispielsweise gibt es AquaClean Dusch-WCs in verschiedenen Ausführungen und Preisklassen. Dass Innovationen nicht teuer sein müssen, beweist Geberit mit der CleanLine Duschrinne, die mit dem Gütezeichen der österreichischen Fliesenleger ausgezeichnet wurde. Nachhaltigkeit im Sanitärbereich: Ein geringer Wasserverbrauch bei der WC-Spülung ist heute bereits Standard. Der nächste Schritt geht jetzt in Richtung Langlebigkeit, Komfort und einfache Reinigung. Als Beispiel dienen hier wieder die AquaClean Dusch-WCs, die auch hinsichtlich Strom- und Wasserverbrauch sehr sparsam sind, vor allem wenn man sich die Ökobilanz über den Produktlebenszyklus hin ansieht.

FOTOS: GEBERIT

„Im Badbereich geht der Trend zur eigenen Wellness-Oase“

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Wandwiesen zum Im-Grünen-Sitzen L

Es grünt so grün an den Wänden Fassadenbegrünungen hat fast jeder schon gesehen. Den meisten gefällt’s. Kein Wunder, das saftige Grün bringt Leben in die urbane Betonwüsten. Gut für Luft und Klima. Womit wir beim Thema Lebensqualität wären. Als lebenswerteste Stadt der Welt muss sich Wien in dieser Hinsicht nicht verstecken. Bestes Vorbild ist die Stadtverwaltung selbst. Seit 2010 schmückt die nicht selten innovationsfreudige MA 48 ihre Zentrale mit einer grünen Fassade. Die Wiener Stadtgärten lassen bis zu 2.200 Euro an Förderung für vertikale Grünflächen springen. Doch für begrünte Innenräume

Begrünte Fassaden gelten als mögliche Lösung für die immer hitziger werdenden Großstädte. Auch in der Wohnung wollen immer mehr Grün an der Wand

Vertical Magic Garden stellt Kunden frei, die Pflege der Grünen Wand selbst zu übernehmen

fühlt man sich (noch) nicht zuständig, wie die Umweltschutzabteilung MA 22 erklärt. Bewusstseinsbildung fürs Grün in der Stadt findet bis zum Jahresende am Hauptbahnhof statt. Am Vorplatz vermittelt das Innovationslabor „Grünstattgrau“ im Showcontainer MUGLI die Vorzüge der Begrünung. Der Name ist Programm (mobil.urban.grün.lebendig.innovativ) und MUGLI eine Art Miniaturdschungel in der Stadtwüste. Ein Teil des Programms befasst sich mit Vertikalbegrünungen für drinnen. Unweit davon, in den Räumen der ÖBB-Zentrale, befinden sich bereits 500 Quadratmeter solcher Grünflächen. Zum Wohl von Mitarbeitenden und Besucherinnen. „Sie sorgen für Kontraste sowie ein angenehmes Ambiente im Büroalltag“, erklärt die Unternehmenssprecherin der ÖBB, Marleen Pirchner.

An der Wohnungswand Grün ohne Erde Grundsätzlich unterscheidet sich die Begrünung im Innenraum nur wenig von der im Freien. Kletterpflanzen wachsen da wie dort. Soll es professionell werden, wird „erdfrei“ gearbeitet, wie Grünstattgrau-Geschäftsführerin Vera Enzi verrät. Bei Systemen ohne Boden und Erde wachsen die Pflanzen in Hydrokulturen heran. „Diese Substrate sollen dauerhaft formstabil bleiben, Wasser und Nährstoffe speichern und zudem frei von Schimmel-

sporen bleiben“, betont sie. Der Verzicht auf Erde verringert außerdem das Schädlingspotenzial. Norbert Machek-Klein von der Firma Green Wall Tec beschreibt den Aufbau eines solchen Systems: „Das Gerüst der Pflanzenwand besteht aus Edelstahl oder Aluminium. Auf der Unterkonstruktion aus wasserfesten Platten wird ein Vlies mit Pflanzentaschen aufgebracht. Bei uns sind es rund 25 bis 28 Pflanzen pro Quadratmeter. Das Bewässerungssystem ist eigenständig und wird von einem Computer gesteuert.“ In den Topf bzw. die Haltekonstruktion kommen tropische und immergrüne Pflanzen. „Im Bereich von Living Walls werden oft Arten wie Philodendron, Epipremnum, Peperomia oder Spathiphyllum verwendet. Eine große Rolle bei der Auswahl spielt der Lichtbedarf der Pflanzen“, sagt Enzi. Um diesen zu stillen, greifen die Hersteller inzwischen auf pflanzenoptimierte LED-Technologien zurück. Doch mit Licht allein ist es nicht getan. Wer Wandwiesen wünscht, muss außerdem auf Raumlüftung, Wasserverfügbarkeit und Wandstatik achtgeben. Viele Hersteller spezialisieren sich daher auf individuelle Komplettlösungen. „Wir bieten alles aus einer Hand. Es beginnt mit Beratung, Angebot und Projektmanagement. Dabei werden die Gewerke mit Elektrikern und Ingenieuren koordiniert“, sagt Marek Kocher, Geschäftsführer von Florawall. „Alles wird nach Maß und Kundenwunsch produziert.“ Aus diesem Grund verkauft das Unternehmen bisher ausschließlich an Businesskunden für deren Empfangsbereiche, Lobbys, Working Spaces, Ruhezonen oder Gemeinschaftsräume. Das Grün an der Wand braucht Pflege „Ohne Pflege gibt es keine Florawall, da sind wir strikt. Und Pflege ohne Service gibt es nicht“, betont Kocher. „Die Wände werden automatisch gedüngt und über Sensoren bewacht. Viermal im Jahr gibt es einen Rundumservice inklusive Systemwartung.“ Ohne Wartungsvertrag geht es nicht. Bei Green Wall Tec verhält es sich ähnlich: Vierteljährliche Wartung und Ersetzung der verendeten Pflanzen. Der Anbieter Vertical Magic Garden stellt seinen Kunden hingegen Wartung in Eigenregie frei. Dennoch empfiehlt Elisabeth Rist zumindest zwei Pflegeeinsätze im Jahr, am besten im Frühjahr und Herbst. Etwa zehn Prozent der gesetzten Pflanzen werden jährlich ausgetauscht. „Bei guter Pflege können vertikale Wände guter

FOTO: VERTICAL MAGIC GARDEN

ebendiges Grün an der Wand? Bis vor wenigen Jahren Grund zur Sorge (Himmel hilf, Schimmel!), heute trendiges und noch dazu gesundes Accessoire. Living Walls oder Green Walls werden die oft als vollautomatische Systeme hergestellten Wandwiesen für den Innenraum genannt. Noch ist der Markt überschaubar, die Anschaffung der Pflanzenwände recht kostspielig und sind grüne Elemente entsprechend exklusiv. Damit könnte es bald vorbei sein. Im Gartengroßhandel, Spiegel des häuslichen Geschmacks, finden sich bereits günstige Alternativen zu den Profiprodukten. Erobern die Pflanzen nach Dächern und Fassaden nun auch unsere Lebens- und Arbeitsräume?


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FOTO: FLORAWALL

Hersteller im Innen- wie im Außenraum viele Jahre überdauern. Dabei kommt es auf die verwendeten Komponenten und Materialien an“, meint Vera Enzi von Grünstattgrau. Läuft alles nach Plan, sind bis zu dreißig Jahre Grün drin. Was Wissenschaft zu Grünen Wänden sagt Die Wissenschaft beschäftigt sich seit Jahren mit den Auswirkungen begrünter Räume. Dabei werden, vor allem in Klassenzimmern Luftfeuchtigkeit, Temperatur, CO2-, Staub- und Schimmelsporenkonzentration gemessen. Azra Korjenic vom Institut für Hochbau und Technologie an der TU Wien bestätigt die positiven Folgen: „Es zeigt sich, dass in begrünten Räumen das hygrothermische Klima behaglicher ist.“ Grund dafür ist die höhere Luftfeuchtigkeit. Besonders im Winter bei trockener Luft reduziere sich dadurch auch das Erkrankungsrisiko. Doch grüne Räume sind nicht nur gesünder und gemütlicher, sie fördern auch ein besseres akustisches Ver-

Florawall produziert Grüne Wände bislang ausschließlich für Geschäftskunden

„Es zeigt sich, dass in begrünten Räumen das hygrothermische Klima behaglicher ist“ AZRA KORJENIC, INSTITUT FÜR HOCHBAU UND TECHNOLOGIE, TU WIEN

ständnis. Als hochwertige Schallabsorber verringern Begrünungen die Nachhallzeit. „Generell sind viele positive Auswirkungen von Innenraumbegrünung aber (noch) nicht in Zahlen fassbar. Es ist allgemein bekannt, dass sich Menschen in grüner Umgebung wohler fühlen, was auch unsere Befragungen bei verschiedenen Projekten bestätigen. Das ist aber schwer in Zahlen fassbar.“ Azra Korjenic und ihre Forscherkollegen haben also noch viel zu tun: „Wir arbeiten weiter daran, die Auswirkungen zu quantifizieren.“ Die günstigere Alternative an der Wand: Moos Die Anschaffung von Wandwiesen ist teuer. Der Preis beträgt rund 1.000 Euro pro Quadratmeter – Planungskosten, Steuerung und gegebenenfalls LED-Beleuchtung nicht eingerechnet. Es gibt eine etwa halb so teure Variante aus Moos. Wandflächen aus den flauschigen Pölsterchen erzeugen ein mindestens genauso grün schimmerndes Ambien-

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te wie Pflanzen. Vera Enzi weiß um die Stärken der grünen Kissen: „Prinzipiell ist Moos eine tolle Pflanze. Sie hat eine stark vergrößerte Oberfläche, absorbiert dementsprechend viel Schall.“ Einziger Nachteil: Es handelt sich meist um stabilisierte Moose. „Von einer lebenden Wand im ursprünglichen Kontext kann man da nicht sprechen.“ Kein Wasser-, kein Licht-, kein Wartungsbedarf. Moos ist der einfache Weg. Darum verkauft Marek Kocher seine Mooswall auch an Privatkunden. Ab Herbst sollen Moosbilder in Standardgrößen folgen. Azra Korjenic von der TU Wien gibt sich zuversichtlich, dass die Preise auch für Pflanzenwände bald sinken werden. „Die Systeme entwickeln sich weiter. Sobald sie weniger wartungsintensiv sind und eine breitere Masse ansprechen, werden sie auch leistbarer werden.“ Bis dahin wollen die Forscher weitere positive Eigenschaften der Innenraumbegrünungen nachweisen. JOSHUA KÖB


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Gemüse säen, Gemeinschaft ernten

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ur von außen wirkt der Gemeindebau in der Herbortgasse 22–24 in Simmering, dem elften Wiener Gemeindebezirk, einheitlich grau. Wer durch die Durchfahrt in den Innenhof geht, betritt zumindest im Sommer eine Oase der Vielfalt: In sieben Hochbeeten und zahllosen Töpfen und Kisten wächst für jeden Geschmack etwas. Rote Rüben, Tomaten, Artischocken, Melanzani und Süßkartoffeln sind hier ebenso gute Nachbarn geworden wie die Gärtner und Gärtnerinnen, die sich gemeinschaftlich um die grüne Oase kümmern. Gemeinsam garteln im Gemeindebau Hermine Flach ist eine von ihnen. Die Pensionistin baut in ihrem Teil des Hochbeets vor allem Salat an, weil sie ihn am liebsten isst. Dass unter ihren Händen nicht nur grüne Häuptl, sondern auch viele Kräuter sprießen, wundert sie selbst am meisten: „Ich bin ein reines Stadtkind und froh, dass ich Petersilie von Schnittlauch unterscheiden kann.“ Dass sie trotzdem jede Menge ernten kann, verdankt sie jenen Nachbarn und Nachbarinnen, die mit ihr gemeinsam die Hochbeete nutzen. Expertinnen wie Elisabeth Pieler, die lange Zeit als Hausbesorgerin im Gemeindebau gearbeitet hat, helfen Laien wie Hermine Flach, die froh ist, dass sie nach der Pensionierung eine neue Aufgabe gefunden hat. Mit den ersten vier Hochbeeten, die die Mitarbeiterinnen von „wohnpartner Wien“, einer Organisation zur Stärkung der Nachbarschaft in den Gemeindebauten, 2014 an der Hauswand mit der meisten Sonne im Hof aufgestellt haben, sind auch die Kontakte aufgeblüht. „Dadurch, dass die Leute stehen bleiben und schauen, was hier alles wächst, kommt man ins Gespräch und redet miteinander“, sagt Miroslava Brunner, die seit 29 Jahren in der Herbortgasse 22–24 wohnt und hier noch ein bisschen mehr zu Hause ist, seitdem sie gemeinsam mit anderen

In Wien wachsen die Gemeinschaftsgärten. Rund siebzig soll es mittlerweile geben. Wir stellen zwei aus Simmering vor: einen kleinen im Gemeindebau und einen sehr großen, der von einem Verein getragen wird

gärtnert. „Mittlerweile sind sogar richtige Freundschaften entstanden.“ Miroslava, von allen Mira genannt, ist oft Ansprechpartnerin, denn sie ist diejenige, die nie vergisst, dass das Gemüse noch gegossen werden muss. „Andere gehen ins Wirtshaus, ich gehe zu meinen Pflanzen“, sagt sie schmunzelnd. Das Lächeln vergeht der 68-Jährigen nur, wenn eine Pflanze ausgerissen wird – ohne zu fragen, ob man sich eine Gurke, ein paar Tomaten oder vielleicht auch ein bisschen Beinwell nehmen darf. Eine Erklärung, wogegen dieses Kraut gewachsen ist, bekommt man gleich dazu: „Wenn man die Wurzeln in Schnaps einlegt, hat man ein gutes Mittel gegen Rheuma.“ Der große Garten bei den Gasometern Die Gartengruppe in der Herbortgasse sei nicht nur eine der aktivsten, sondern auch eine der vielfältigsten, was Alter, Bildung und Herkunft angeht, meint Alma Cehajic vom wohnpartner-Team für den 3., 4. und 11. Bezirk. Jeder tue, was er kann, und das in großer Harmonie: „Bis jetzt haben wir noch nie gestritten“, beteuert Mira. Kein Wunder, dass das gemeinsame Garteln auch bei den anderen Bewohnern auf so großes Interesse stößt, dass es eine lange Warteliste gibt. Groß ist das Interesse auch am 11er Garten, der – wie der Name schon sagt – ebenfalls in Simmering liegt. Äußerlich haben der wenige Quadratmeter umfassende Hochbeetgarten in der Herbortgasse und der alles in allem 3.300 Quadratmeter große Gemeinschaftsgarten an der Hallergasse wenig gemeinsam, doch gäbe es wohl beide Gärten nicht ohne Georg Schmidt und Elisabeth Pieler, die seit rund 15 Jahren im Gemeindebau Herbortgasse wohnen und 2013 den „11er Garten Verein zur Förderung von Gemeinschaftsgärten“ gegründet haben. Während der Hochbeetgarten in der Herbortgasse von vier auf sieben Beete gewachsen ist, werden an der Hallergasse inzwischen 54 Beete gepflegt, die meisten davon als Hoch-

beete. „Hier in umittelbarer Nähe zu den Gasometern ist der Boden belastet, da sind Hochbeete die beste Möglichkeit“, erklärt Georg Schmidt. Für die Stromversorgung hat er eine Solaranlage installiert, sodass elektrische Pumpen den Garten mit Wasser aus einem Brunnen versorgen können. Viele andere Dinge, die aus einem reinen Nutzgarten ein Erholungsparadies machen, wurden von den mittlerweile 47 Mitgliedern gespendet. Rund um die Hochbeete stehen nun Sessel, Tische und ein Pavillon. Neben den Containern für die Werkzeuge und Geräte gibt es eine einladende überdachte Terrasse. Ein paar Meter entfernt auf der Wiese steht ein Spülbecken zum Händewaschen und für die Kinder gibt es ein Trampolin und ein Baumhaus, vor allem aber den Gatschhügel, der in der Gunst der jüngsten Gärtner ganz oben steht. Auf mehreren Grillern kann geerntetes Gemüse gemeinsam zubereitet werden oder man sucht sich einen ruhigen Platz auf einer Liege und tut einfach einmal gar nichts. Gisela Flohr, die nicht wie fast alle anderen Mitglieder aus der Nachbarschaft, sondern aus dem zweiten Bezirk hierherkommt, bringt gern ihr Frühstück mit, um es mitten im Grün zu genießen. „Ein ganzer Garten ist schon ziemlich viel Arbeit“, sagt sie auf die Frage, warum sie ein Hochbeet in einem Gemeinschaftsgarten hat. Um hier eigenes Gemüse zu ernten, reicht es, dass sie sich zwei- bis dreimal pro Woche aufs Fahrrad oder in die U-Bahn setzt und in den 11er Garten fährt. „Einerseits hat man hier ein eigenes Beet, andererseits etwas Gemeinsames“, meint sie. Wie viele andere Menschen auch, die gemeinschaftlich garteln, genießt sie die Vielfalt, sowohl was das Gemüse und das Obst als auch was die Menschen angeht: „Vor allem mag ich es, dass viele Kinder in den Garten kommen, da ist dann was los.“ CHRISTINA RADEMACHER

Wie man am besten zu einem Gemeinschaftsgarten in Wien kommt Die Idee der Gemeinschaftsgärten geht auf die „Community Gardens“ zurück, die in den 1970er Jahren in New York entstanden sind. In Wien gibt es schätzungsweise siebzig Gemeinschafts- oder Nachbarschaftsgärten, womit umzäunte Flächen gemeint

CHRISTINA RADEMACHER

sind, die von mehreren Mietern oder Menschen aus der Umgebung gemeinschaftlich genutzt werden. Die MA 42 fördert pro Bezirk einen Garten mit einem einmaligen Zuschuss, der Verein „Gartenpolylog“ unterstützt den Aufbau und begleitet die Gruppen

organisatorisch und fachlich. In Gemeindebauten, in denen es zwar Interesse am gemeinsamen Garteln, aber keine ausreichend großen Flächen für einen „richtigen“ Garten gibt, hat „wohnpartner Wien“ seit 2011 rund 400 „Mobile Hochbeete“ aufgestellt.


FOTO: NINI TSCHAVOLL

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3.300 Quadratmeter groĂ&#x; ist der 11er Garten an der Hallergasse in Simmering. Er wird von einem Verein getragen

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Die 54 Beete im 11er Garten sind meist Hochbeete. „Hier bei den Gasometern ist der Boden belastet, da sind Hochbeete die beste Möglichkeit“, erklärt Georg Schmidt, der mit Elisabeth Pieler 2013 den „11er Garten Verein zur Förderung von Gemeinschaftsgärten“ gegründet hat


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Vom Schloss bis in die Gruft Wohnungen sind auch Stationen eines Lebens: in diesem Fall Stationen des Lebens von Dieter Mahdjobian, der heute bei SHADES TOURS arbeitet, das Touren zum Thema Obdachlosigkeit anbietet

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eine erste Wohnung war ein Hinterhaus. Der Vater leitete eine Volksschule. Die Mutter arbeitete bei der Staatspolizei. Als Dieter vier war, ließen sich die Eltern scheiden. Seine Mutter lernte einen iranischen Arzt kennen, der mit einer Tochter und sieben Katzenbabys zu ihnen ins Hinterhaus zog. Am liebsten hielt er sich als Bub im Verbindungshaus auf. Dort war Opas Backstube. Im Verkaufsraum hinter der Theke schaufelte er sich aus einer Kipplade handweise Rosinen in den Mund. Der Opa hatte eine Frisur wie Beethoven und einen Bauch gegen schlechte Zeiten. Er mochte Waffen und brachte dem Buben das Schießen bei. Der Stiefvater war als angesehener Oberarzt im Krankenhaus tätig. Er kaufte ein Ziegelhaus aus der Nachkriegszeit, die Familie musste mit. Das Einfamilienhaus verfügte über eine Garage, Kellerräume, eine Terrasse, eine Weinlaube, einen großen Garten, Obstbäume und Gemüsebeete. Finanziell fehlte es an nichts. Die Kinder bekamen, was sie sich wünschen – Dieter eine Pocketkamera, seine Stiefschwester einen Araberhengst namens „Irak“ mit drei weißen Blessen auf der Stirn. Doch drosch der Arzt mit dem Schürhaken auf das Mädchen ein, wenn es eine schlechte Note nach Hause brachte. Dieters Noten waren gut. Sommer im Wohnwagen und als Soldat im Schloss Nach der Volksschule besuchte er das musische Gymnasium. Die Sommermonate verbrachte er in einem Wohnwagen mit weinroten Streifen am Campingplatz in Grado. Anfangs kamen auch die Eltern mit, später iranische Onkel aus Wien, Tanten und Cousins. Mit denen war es schöner. Sein Kinderzimmer lag neben dem Elternschlafzimmer. So konnte er hören, dass der Arzt die Mutter schlug. Sie bekam schwere Hepatitis und lag Monate im Krankenhaus. Das Essen musste trotzdem pünktlich auf den Tisch. Also kochte Dieter, rief die Oma an und fragte sie, wie man Rosmarinhendl macht. Er schmiss den Haus-

halt und passte auf seinen kleinen Stiefbruder auf. Der Arzt kaufte ein winterfestes Seehaus aus Holz mit fünfzehn Metern Uferzugang in Pörtschach. Die Familie verbrachte dort viel Zeit. Im Winter, wenn die Ostbucht zufror, lief Dieter Schlittschuh. Er wollte Priester werden und bezog ein Dreierzimmer in einem katholischen Internat. Doch dann erwischte man ihn nackt mit einem Mädchen im Badeteich der Schule. Das Zölibat war doch nicht seins. Er wollte die Schule abbrechen, die Eltern protestierten, schließlich seien alle Akademiker. Dreimal versuchte die Mutter, sich das Leben nehmen. Dreimal war es Dieter, der sie fand. Als der Arzt wegen eines verlorenen Schlüssels auf ihn losgehen wollte, packte er seine Sachen und zog zum Opa. Das Haus vom Opa umfasste zweitausend Quadratmeter Garten, einen Grillplatz, eine Terrasse aus Waschbeton. Bei Kika absolvierte Dieter eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann. Der Opa war streng, aber Dieter verübelte es ihm nicht – Regeln können schon was. Dann die Einberufung zum Militär. Opa kündigte an, ihn zu enterben, sollte er untauglich sein. So blieb er beim Heer, wurde Fallschirmspringer, Hochalpinist, Elitesoldat und kletterte die Karriereleiter hinauf. Das Guardhouse der UNO-Soldaten befand sich in einer Villa in Damaskus. Weiß getüncht, ein Stockwerk hoch. Im Garten blühten Orangenbäume. Dieter Mahdjobian hatte mit anderen das Gebiet zwischen Israel und Syrien zu überwachen. Golanhöhen. Mount Hermann. Quneitra. An einem Straßenstützpunkt kontrollierte er Fahrzeuge. Von seinem Stiefvater hatte er ein wenig Arabisch gelernt, das half, als ein Syrer mit dem Revolver auf ihn zielte: Mahdjobian schrie, dass er schneller schießen könne. Auf einem Berg über Tirana entstand das Chateau Linza, eine luxuriöse Hotelanlage. Kurz vor der Eröffnung löste der Zusammenbruch eines Pyramidenspiels einen Bürgerkrieg aus. Statt Touristen zogen Sol-

daten ein. Mahdjobian wohnte im ersten Stock und kochte am Balkon auf dem Bauch liegend Nudeln in einem Campingkocher, während unten Schüsse fielen. Er war als Richtschütze fürs Panzerabwehrrohr vorgesehen, doch der Kommandant des Jagdkommandos brauchte einen fähigen Mann an seiner Seite, einen guten Autofahrer und einen, der wusste, wie man bei Galadiners mit Messer und Gabel umgeht. Vom Hotel in Tirana in die Stiftskaserne Wien Seinen Urlaub verbrachte er im Hotel Rogner in Tirana. Die Familie kam auf Besuch: Freundin, Mutter und der junge Bruder. Sie saßen beim Essen im Restaurant neben dem Pool, als Scharfschützen hereinkamen und ein überschweres Maschinengewehr aufbauten. Die Kellner tauchten ab und zwei albanische Präsidentschaftskandidaten auf, jeweils mit Bodyguards. Am Ende des Urlaubs überraschte er seine Freundin mit einem Heiratsantrag. Die beiden zogen in eine achtzig Quadratmeter große Mietwohnung mit Balkon im 6. Stock. In der Kaserne bildete Mahdjobian Grundwehrdiener aus, war unterwegs auf Fortbildung oder im Auslandseinsatz. Weil die Mietwohnung kein Kinderzimmer hatte, übersiedelte die Familie in eine Maisonette-Wohnung mit 104 Quadratmetern samt Wintergarten und Möbeln nach Maß. Ein Sohn kam zur Welt. Mahdjobian kaufte eine Almhütte, richtete seiner Frau ein Modegeschäft ein und wollte aus dem Heer aussteigen. Er machte den Master of Public Relations und absolvierte Uni-Lehrgänge, um sich mit einer PR-Agentur ein zweites Standbein aufzubauen. Der Tennisspieler Horst Skoff buchte ihn als PR-Berater. Exklusiv! Die große Chance! Dann starb Skoff völlig unerwartet mit 39 Jahren. Mahdjobians Ehe ging in die Brüche. Er überließ Frau und Sohn die Wohnung und zog in eine FünfzigQuadratmeter-BUWOG-Wohnung. Es fehlte ihm an Kraft, sich einen neuen Kundenstock aufzubauen, eine Steuernachzahlung nahm ihm jeden

„Die Familie saß im Restaurant beim Essen, als Scharfschützen hereinkamen und ein Maschinengewehr aufbauten“


ILLUSTRATION: GEORG FEIERFEIL

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Spielraum. Das Modegeschäft seiner Frau ging pleite. Er musste die Almhütte verkaufen. Ins Verteidigungsministerium berufen, war er für PR zuständig und übersiedelte in die Stiftskaserne. Dort bezahlte er keine Miete. Seine finanziellen Reserven waren aufgebraucht. Er schlitterte in ein Burn-out und ging in unbezahlte Karenz – ohne Anspruch auf Unterstützung. Die Kaserne musste er verlassen, wohnte schließlich bei einem Freund, der sich allerdings als unberechenbarer Alkoholiker entpuppte. Von der Parkbank über die Gruft in eine Wohngemeinschaft Dann die Parkbank. Es war kalt. Niemand wollte etwas mit ihm zu tun haben. Sein Sohn löschte ihn aus den sozialen Netzwerken. Freunde schick-

ten ihn weg, nur Rennrad und Gepäck durfte er unterstellen. Am Heldenplatz sah er Militärzelte für die Heeresschau am Nationalfeiertag. Dort kroch er eine Nacht unter. Von anderen erfuhr er von der Gruft, Wiens bekanntester CaritasEinrichtung für obdachlose Menschen, und bat dort um Einlass. Nur eine Nacht, aber was er dort erlebt hatte, prägte sich ihm tief ein. Im U63, einem Nachtnotquartier für Männer, bekam er ein Bett in einem Dreierzimmer. Mit einem Afrikaner, der um vier Uhr früh laut aus der Bibel las, trug er Kämpfe aus. Gut verstand er sich mit einem Serben, der angeblich Boxweltmeister war und nachts ein Atemgerät verwenden musste. Mahdjobian weiß, wie man in Krisenregionen überlebt. Zu seiner Hobo-Grundausstattung gehör-

Dieter Mahdjobian im Kreis einiger seiner Wohnstätten

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ten ein Akkupack, ein Kopfhörer, und ein Sechsfachstecker. Damit sicherte er sich im Winter im Tageszentrum den Platz an der Steckdose zum Aufladen des Handys. Eines Tages besuchte ihn dort die 32-jährige Perrine Schober, eine Tourismusmanagerin. Sie wollte Führungen zum Thema Obdachlosigkeit anbieten. Mahdjobian lachte sie aus: Kein Mensch wird dafür bezahlen, dass ein Obdachloser „Gschichtln druckt.“ Trotzdem stieg er ein. Schon bald arbeiteten fünfzehn Menschen für SHADES TOURS. Mittlerweile wohnt Dieter Mahdjobian in einer Wohngemeinschaft in Meidling. Seine Obdachlosigkeit hatte acht Monate gedauert. Angefühlt habe sie sich wie eine Ewigkeit. IRMGARD KRAMER


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THEMA: BAUEN & WOHNEN 5/18 by Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. - Issuu