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BILDUNG 1/21

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B I L DU NG

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DAS MAGA Z IN FÜR STUDIUM , WEITERBILDUNG UND K ARRIERE A U S D E M F A LT E R V E R L A G

Life Sciences Corona hat uns ihre Bedeutung vor Augen geführt. Österreich bietet dazu genügend Studien  Seite 8

Künstliche Intelligenz Noch weiß keiner genau, was damit eigentlich gemeint ist, aber sie ist sehr erfolgreich   Seite 22

Erneuerbare Energie Die Zukunft unserer Energienutzung braucht und sucht Expert*innen  Seite 28

Chancen

wirklich für alle? Seite 18


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Editorial Bildung? Brauchen wir nicht …

Christian Zillner ist so ungebildet, dass er nur hier zu leben vermag, wo man nirgends Magazine wie „Nature“ oder „Science“ ­kaufen kann, die die eigene Meinung zur Welt in Frage stellen.

… wir Österreicher*innen haben stattdessen eine Meinung, alle Medien sind randvoll davon, auch diese Kolumne. Bildung macht meinungsschwach, darum halten wir uns davon lieber fern. Andere mögen KI, die künstliche ­Intelligenz, erforschen und weiterentwickeln (Seite 22), wir schätzen unsere gute, alte KA, keine Ahnung. Das sichert uns auch einen Spitzenplatz in der Europäischen Union als eines der Länder mit dem breitesten Pay-Gap zwischen den Gehältern von Frauen und Männern (Seite 26), eine Position, auf die wir so stolz sind wie auf die Goldmedaillen unserer männlichen Skifahrer bei der WM. Wir haben dazu ja alle mit unserer guten Meinung über sie beigetragen. Frauen fahren auch Ski, aber, da sind wir ­sicher einer Meinung, mit den männlichen Erfolgen können sie nicht mithalten, sie trauen sich ja auch nicht so ins Ausland (Seite 14). Hingegen dienen sie uns in Krisen wie der Corona-Pandemie ganz gut, übernehmen sie doch die härtesten Jobs mit den größten Risiken etwa im Pflege- und Gesundheitsbereich gern, um uns eine gute Meinung von ihnen und ihren Fähigkeiten zu vermitteln. Wenn es dort neue Studiengänge gibt (Seite 8), die eine erfolgreiche Karriere versprechen, ist das vielleicht etwas für sie. Mit technischen Berufen, für die gute Gehälter gezahlt werden und die durch die Entwicklung erneuerbarer Energien einen weiteren Boom erleben (Seite 28), haben Frauen es unserer Meinung ja nicht so, sie frisieren u ­ nserer Meinung nach lieber – allerdings nur selten ­Bilanzen, womit man zu weit höheren Einkünften kommt. So bleiben wir bei unserer Meinung, denn Meinung zu haben ist in Österreich bürgerpflichtig und ordentlich, während Bildung ja doch nur immer alles ändert.

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Was sagen uns die Expert*innen in der ­Krise? Der so, die so, und der ­dritte wieder etwas ­anderes. Da sieht man, wohin Bildung führt. ­Lieber eine Regierung, die davon völlig unbeleckt den Expert*innenstreit ratlos über sich ergehen lässt, um dann eine eigene Meinung von dem, was richtig ist, zu äußern.

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Impressum Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H., 1010 Wien, Marc-Aurel-Straße 9, T: 0043 1 536 60-0, F: DW 935, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at; Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H.; Redaktion: Christian Zillner (CR), Nini Tschavoll; Gestaltung und Produktion: Dirk Merbach, Reini Hackl, Raphael Moser; Geschäftsführung: Siegmar Schlager; Anzeigen: Sigrid Johler; Druck: Walstead Leykam Druck GmbH., DVR: 047 69 86. Diese Beilage ist ein Service der Sales-Abteilung der Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.

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Seite 6 Seite 12

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In diesem Heft Gastauftritt: Claudia Rapp, Professorin für Byzantinistik an der Uni Wien, über die Novelle des Universitätsgesetzes von 2002 Seite 6 ­Life Sciences: ­Spannende Studien mit sicherer Jobzukunft Seite 8  Werkstätte für die Jugend (beim Homeschooling) Seite 12  Studie: Wie Frauen bei der Forschungsförderung benachteiligt werden Seite 14 Ruhezone beim Lernen Seite 16  Bildung für wirklich alle? Seite 18  Nachhaltigkeit lernen Seite 20  KI: Ich, Robot und Sklave Seite 22  Künstliche Intelligenz zum Spielen Seite 24  Frauen in Führungspositionen Seite 26  Expert*innen für die Energiewende Seite 28  Zahlstelle: Es ist Corona, auch wenn es keiner mehr hören kann – und was sich dabei im Homeoffice tut Seite 30


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Claudia Rapp ist Professorin für Byzantinistik an der Universität Wien sowie Vizedirektorin des Instituts für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (und möchte diesen Kommentar als persönliche Stellungnahme verstanden wissen). Sie war Visiting Professor an den ­Universitäten Utrecht, Ioannina und Oxford sowie der EHESS Paris. Fellowships am Institute for Advanced Study in Princeton, Dumbarton Oaks, Institute for Advanced Studies Jerusalem, All Souls College Oxford, Macquarie University Sidney und Corpus Christi College Oxford. Für ihre Forschungen wurde sie 2015 mit dem Wittgenstein-Preis ausgezeichnet.

„Die Freiheit von politischer Einflussnahme sichert die Universitätsautonomie und damit die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit einer Universität.“ So die Stellungnahme des Rektorats der Universität Wien zum Entwurf der Änderung des Universitätsgesetzes 2002. Um die Jahreswende hat dieser Entwurf für lebhafte Diskussionen gesorgt. Hunderte von Stellungnahmen sind eingegangen, inzwischen wurde an vielen Stellen modifiziert. Das ist gut, aber nicht gut genug. In der Selbstverwaltung der Universitäten wird für politische Einflussnahme die Tür geöffnet. Der Universitätsrat der Universität Wien, zusammen mit Rektorat und Senat das oberste Leitungsgremium, besteht aus vier gewählten Mitgliedern aus der Universität, vier von der Regierung bestellten Mitgliedern sowie einem weiteren Mitglied, das gemeinsam gewählt wird. Die neue Regelung schließt zwar „Funktionärinnen und Funktionäre einer politischen Partei auf Bundes- oder Landesebene“ aus, es könnten jedoch Gemeindepolitiker*innen mit der gewünschten Parteizugehörigkeit bestellt werden. Besonders befremdlich ist, dass als Qualifikation für einen Rektor/eine Rektorin nun auch

Fotos: Nini Tschavoll

Gastauftritt Claudia Rapp

„Kenntnisse des österreichischen Universitätssystems“ verlangt werden. Dies wird internationalen Topkapazitäten im Ausland signalisieren, dass ihre Bewerbungen nicht erwünscht sind. Eine bewusst gewollte Provinzialisierung der Universitätenlandschaft steht zu befürchten. Zudem werden die Perspektiven für Nachwuchswissenschaftler*innen drastisch reduziert. In den internationalen Rankings steht Österreich insbesondere in den Geistesund Sozialwissenschaften im obersten Drittel und kann hier auf eine lange, hoch angesehene Tradition zurückblicken. Doch der Weg zu einer festen Anstellung ist lang und mühsam. Eine Professur erlangt man nomalerweise frühestens ab Mitte vierzig. Wie sollen also die zwölf oder mehr Jahre nach Abschluss des Doktorats bespielt werden? Bisher geschah dies durch die Mitarbeit an Forschungsprojekten verschiedener Dauer (drei bis vier Jahre sind üblich, Wittgenstein-Preis-Projekte sind auf fünf Jahre angelegt), die häufig durch Drittmittel finanziert werden. Die neue Regelung sieht vor, dass eine Person nicht mehr als acht Jahre (also zwei Projektlaufzeiten) in einem befristeten Arbeitsverhältnis arbeiten darf, und zwar auf Lebenszeit. Eine zwischenzeitliche Forschungstätigkeit im Ausland würde keine Erleichterung bringen. Der Effekt? Das Ministerium postuliert: „echte Perspektiven und Rechtssicherheit“. Dies setzt voraus, dass genügend Förderung in die Schaffung von Dauerstellen fließt, was sich derzeit nicht abzeichnet. Tatsächlich steht zu befürchten, dass wir in Österreich die besten Köpfe ausbilden, die dann aber hier keine Zukunft haben. Ein Brain-Drain ins Ausland wäre unausweichlich. Von der Investition österreichischer Steuergelder in die akademische Ausbildung profitieren dann andere. Internationale Konkurrenzfähigkeit sieht anders aus.


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Ein Rebell flieht vor Verfolgung. Illustration des Geschichtswerks des Johannes Skylitzes in einer Handschrift des 12. Jahrhunderts

Gleichgeschlechtliche Ehe in Byzanz? Byzanz bietet spannenden Stoff für Forschungen. Gab es eine gleichgeschlechtliche Ehe? Welche Rolle spielten Migration und Mobilität? Wie griff die Kirche in den Alltag der Menschen ein? Was lässt sich in den ausradierten Schichten von mittelalterlichen Palimpsest-Handschriften entdecken? Diesen ­Fragen lässt es sich durch Grundlagenforschung in Kombination mit digitalen Methoden nachspüren, um so eine neue Perspektive auf ein anderes, nämlich griechischsprachiges Mittel­alter zu gewinnen, das zudem globalgeschichtlich als Scharnier zum Nahen Osten und zu Asien positioniert war.

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Studienwahlgewinn Studieren für zukunftssichere Jobs Life Sciences sollen den Menschen ein möglichst gesundes Leben ermöglichen. Sie erfahren in Österreich nicht nur durch Corona gerade einen Boom. Wer Laborpraxis und komplexe Theorie verbinden kann, für die oder den ist dies der richtige Studienbereich Michaela Ortis

Christoph Bock, P ­ rofessor an der MedUni Wien, forscht am CeMM der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Foto: CeMM

„Am Cutting Edge dessen, wo sich die Welt verändert, arbeitet die biomedizinische Forschung. Hier gibt es mehr Jobs als gute Kandidat*innen“ Christoph Bock, CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin

„Seit Gründung des Portals vor etwa zwanzig Jahren ist das Potenzial von Life Sciences enorm gestiegen“, sagt Gisela Zechner von lifescience Karriere Services. „Vor allem weil die Forschungsmethoden viel mehr in die Tiefe gehen können, unterstützt durch Auswertungen mit Hilfe der Digitalisierung.“ Sie spricht damit folgende Disziplinen an: Biochemie, Bioinformatik, Biologie, Biotechnologie, Chemie, Data Sciences, Ernährungswissenschaften, Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Lebensmitteltechnik, Mathematik, Medizin, Medizintechnik, Mi­krobiologie, Molekularbiologie, Pharma, Physik, Statistik, Umwelttechnik, Umweltwissenschaft, Ressourcen- und Umweltmanagement, Verfahrenstechnik und Veterinärmedizin. „Es herrscht in der Industrie ein starkes Interesse daran, auch haben diese Wissenschaften einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert, weil neue Heilungsansätze für die Medizin erschlossen werden.“ Mit dem science2business Award prämiert Zechner heimische Topleistungen zum Wohle des Menschen, gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium werden Kooperationen von Wissenschaft und Wirtschaft ausgezeichnet. Der große Erfolg der Lebenswissenschaften in Zahlen: Das Austrian Life Sciences Directory der Forschungsförderungsgesellschaft FFG und des Austria Wirtschaftsservice zählt 1.473 Organisationen in Österreich, darunter Produktions- und Vertriebsfirmen von Startup bis Konzern sowie sechzig Institutionen für Forschung und Ausbildung. Das Zentrum ist Wien: Fünf Universitäten, zwei FHs und elf außeruniversitäre Forschungseinrichtungen beschäftigen 12.600 Mitarbeiter*innen und bilden 34.700 Studierende aus. Etwa 23.000

Beschäftige generieren in pharmazeutischen Betrieben, Biotechnologie- und Medizinprodukteunternehmen rund zwölf Milliarden Euro Umsatz – und diese Zahlen aus dem Vienna Life ­Science Report 2018 sind mittlerweile wohl weiter gestiegen.

Die Pandemiebekämpfung profitiert von jahrelanger Forschung Corona hat die Life Sciences stark ins Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Aber eigentlich ist die Kausalität umgekehrt, sagt Christoph Bock vom CeMM, dem Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Professor an der Medizinischen Universität in Wien: „Wir können mit der aktuellen Pandemie nur deshalb einigermaßen umgehen, weil in den letzten zwanzig Jahren international eine hohe Methodenkompetenz in den Life Sciences aufgebaut wurde.“ Dabei wurden viele Jahre intensiver Arbeit und hoher Forschungsinvestitionen in drei Bereichen erbracht: Erstens hat das internationale Human Genome Project den Bauplan des Menschen entschlüsselt und die Genomanalyse so weit vorangebracht, dass die genetische Analyse des Coronavirus in Rekordzeit gelungen ist. Zweitens kommt eine starke Molekulardiagnostik dem Einsatz von PCR-Tests zugute. Drittens ermöglichen massive Fortschritte bei der Entwicklung von Impfstoffen eine schnelle Anpassung an genetische Veränderungen des Virus. Das Team um Christoph Bock hat die Expertise in der Sequenzierung von Genomen in Österreich aufgebaut. Daher hat er im März 2020 mit dem Virologen Andreas Bergthaler und mit Unterstützung des Wissenschaftlichen Direk-


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tors des CeMM, Giulio Superti-Furga, das Forschungsprojekt „Mutationsdynamik von SARSCoV-2 in Österreich“ gestartet. Zunächst mit Eigenmitteln finanziert, stehen diese Forschungen seit Jahreswechsel im Brennpunkt der Aufmerksamkeit. Um die Pandemie zu bekämpfen, arbeiten Kliniken, Forschung und Unternehmen des Life-Science-Sektors zusammen und entwickeln Arzneimittel, Impfstoffe, Testsysteme oder Schutzausrüstung. Dazu zählt das vom Genetiker Josef Penninger gegründete Wiener Biotech-Unternehmen Apeiron Biologics, dessen COVID-19-Therapie sich am Ende der klinische Phase-2-Studie befindet. Ebenfalls im Spitzenfeld liegt der Wiener Arzt Christoph Huber. Sein mit Uğur Şahin, Özlem Türeci und weiteren Partnern gegründetes Unternehmen BioNTech hat mit dem Pharmakonzern Pfizer den ersten in der EU zugelassenen Impfstoff gegen Corona entwickelt. An der MedUni Wien laufen mehr als hundert interdisziplinäre Projekte, von Simulationen, Datenanalysen, epidemiologischen Studien,

Das Unternehmen BioNTech wurde von einem Wiener Arzt mitbegründet Foto: BioNTech

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13.03.21, 9 - 14 Uhr Gisela Zechner hat die Karriereplattform life-science gegründet

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Für die Studien der Life Sciences sind interdiszi­ plinär denkende Personen mit diverser Herkunft besonders gefragt Foto: BioNTech

–» „Qualifizierte Absolvent*innen der Life Sciences sind gesucht. Die Industrie braucht sie für Methodenkompetenz im Labor, die Unis für die Grundlagenforschung“ Gisela Zechner, Gründerin der Karriereplattform life-science

biomedizinischer Grundlagenforschung, Genetik, Medizintechnik bis zu klinischen Studien.

In den Life Sciences geht es um Theorie und Handwerk Die Forschungsprojekte zeigen, wie vielschichtig und interdisziplinär Life Sciences sind. Das sollte sich in der Ausbildung widerspiegeln, empfiehlt Gisela Zechner: „Top sind Absolvent*innen mit einer Kombination aus Life Sciences und Wirtschaft oder IT mit künstlicher Intelligenz. Solche Personen werden gesucht, denn sie sind in Projekten Vermittelnde, die beide Seiten verstehen.“ Auch Christoph Bock hat in seiner Ausbildung ei-

nen interdisziplinären Bogen gespannt, von den Wirtschaftswissenschaften über die Informatik bis zum Doktorat in Bioinformatik am Max-Planck-Institut. Sein Tipp: „Life Sciences ist eine Mischung aus anspruchsvoller Theorie und Praxis, das Studium bedeutet auch Handwerk, man muss im Labor gut und genau mit der Pipette arbeiten können.“ Akademische Hotspots sind Wien, Graz und Innsbruck, wo Unis, FHs und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen kooperieren, kleinere Standorte sind auf ganz Österreich verteilt (siehe Infobox). „Bewerber*innen, die von der FH zu uns kommen, sind im Labor gut ausgebildet und dank langer Praktika auch für PhD-Programme qualifiziert. An der Uni ist die Freiheit der Forschung größer, dafür müssen Studierende sich stärker engagieren, damit sie auch Praxis­ erfahrung gewinnen“, sagt Bock. „FHs legen ­ihren Schwerpunkt auf die Weitergabe von Methodenkompetenz, sie lehren und forschen in enger Anlehnung an Wirtschaft und Indus­ trie. Universitäten fragen weiter: Warum funktioniert eine Methode, wie kann diese weiterentwickelt werden. In dieser Grundlagenforschung liegen die Anfänge großer Innovationen, die heute unser Leben prägen“, erklärt Zechner die Ausbildungswege. Zu den lebensdienlichen Zielen der Life Sciences sagt Christoph Bock: „Wir wollen den Menschen ein möglichst gesundes Leben ermöglichen – nicht das ­Leben extrem verlängern, aber die Zeit stark ­ver­ringern, in denen wir krank sind und leiden. Wir setzen bei Life Sciences auf interdisziplinär denkende Personen mit diverser Herkunft.“

Life-Sciences-Studienorte in Österreich Hierzulande haben die Life Sciences ihre Schwerpunkte in Wien, Graz und Innsbruck, aber es gibt auch andere Standorte Wien

Graz

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NAWI Graz: Kooperation der naturwissenschaftlichen ­Disziplinen von Uni und TU. BioTechMed: Kooperation Uni, MedUni und TU, Doktoratsprogramme zur Stärkung der Spitzenforschung. Weiters: FH Joanneum, FH Kärnten. Innsbruck Uni und MedUni im CCB: Centrum für Chemie und Biomedizin Innsbruck. MedUni in Kooperation mit Oncotyrol für Personalisierte Krebsmedizin. Weiters: MCI Innsbruck, FH Kufstein, FH Vorarlberg. Oberösterreich und Salzburg JKU Linz, FH Oberösterreich (Hagenberg, Wels, Linz), Uni Salzburg, FH Salzburg: Eigene und gemeinsame Programme.


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Gretchenfrage Trauen Sie sich ins Ausland? So eine Frage hören eher Frauen als Männer bei einem Bewerbungsgespräch für eine Forschungs­ förderung. Die Gründe dafür und welchen Einfluss die Auswahlverfahren der Forschungsförderung auf die Benachteiligung von Frauen haben, werden in einem Projekt von Joanneum Research untersucht Sophie Hanak

spezifische Vorurteile bei der Vergabe von ­Forschungsförderungen eine Rolle spielen. Um Forschungsförderung sicherzustellen, haben sich Wissenschaftler*innen zumeist einem langwierigen Auswahlprozess zu unterziehen. Anträge müssen geschrieben und eingereicht und Interviews bestanden werden. Ein Antrag sollte eine spannende Forschungsfrage beinhalten, auch müssen die Antragstellenden glaubhaft nachweisen, dass ihre wissenschaftlichen Leistungen ausreichen, um die Forschungsidee umzusetzen. Wie die Leistung gemessen wird, ist in den unterschiedlichen Fördereinrichtungen in verschiedenen Ländern jeweils anders.

Bittet man ein Kind, jemanden zu zeichnen, der in der Forschung arbeitet, zeigt das Ergebnis meistens einen Mann, der Albert Einstein ähnelt. Allmählich wandelt sich dieses Bild, und manche Kinder, zumeist Mädchen, zeichnen eine junge Frau in weißem Kittel, mit Schutzbrille und Pipette. Das Bild vermittelt den Umstand, dass sich der Unterschied zwischen der Zahl an weiblichen und männlichen Wissenschaftler*innen in den letzten Jahren verringert hat. Trotzdem ­arbeiten immer noch mehr Männer als Frauen in der Forschung. In Österreich sind Frauen in Wissenschaft und Forschung deutlich unterrepräsentiert. Um eine erfolgreiche Forschungskarriere zu etablieren, ist es notwendig, Fördergelder zu lukrieren. Die Forschungsförderung ist also ein wichtiger Hebel für faire Chancen: Doch in den letzten Jahren konnte beobachtet werden, dass die Erfolgsraten von männlichen und weiblichen Bewerber*innen unterschiedlich ausfallen. Die Ursachen dafür werden derzeit in einem Forschungsprojekt im Rahmen des H2020-Projekts GRANTeD 2020 untersucht, das von Joanneum Research geleitet wird, www.granted-project.eu. Die Studie soll ergeben, ob geschlechts-

„Ein Reviewer meinte einmal nach einem Vortrag einer ­Wissenschaftlerin: ,She was much too loud‘“ Helene Schiffbänker

Foto: istock

Es geht darum, dass der Antrags- und Genehmigungsprozess für F ­ orschungsförderung so definiert wird, dass Frauen nicht benachteiligt oder abgeschreckt werden

„Uns ist es gelungen, fünf sehr diverse Förderagenturen aus fünf verschiedenen Ländern, aus Österreich, Irland, Schweden, der Slowakei und Polen, für dieses Projekt zu gewinnen, um einen möglichen Gender-Bias zu analysieren. Wir untersuchen die Daten der Förderagenturen, unterziehen deren Vorgehensweisen einer Prüfung, machen Interviews mit Beschäftigten und Mitgliedern von Auswahlpanels und schicken einen Fragebogen an die Bewerbenden“, erzählt die Projektkoordinatorin Helene Schiffbänker vom Institut Policies bei Joanneum Research. Sie wurde kürzlich für ihre Arbeit in der Genderforschung mit dem Käthe-Leichter-Preis des BMBWF ausgezeichnet. „Forschungsförderung wird in der Wissenschaft immer wichtiger, und diese Studie trägt dazu bei, dass die Förderungen fair vergeben werden“, sagt Schiffbänker. „Wenn ich über Fördergelder verfüge, dann bedeutet das,


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dass ich einer Frage nachgehen kann. Ich kann ein Team und letztlich eine Karriere aufbauen. So ist es essenziell, dass die Vergabe fair abläuft und die Prozesse so gestaltet sind, dass alle die gleichen Chancen haben.“ Im europäischen Durchschnitt liegt der Unterschied der Bewilligungsrate zwischen Männern und Frauen bei drei Prozent. Weniger Frauen als Männer stellen einen Antrag auf Forschungsförderung. Vermutlich neigen sie dazu, erst einen Antrag zu stellen, wenn sie sich sicher sind, dass dieser gut ist und eine Chance auf Bewilligung hat. Zumeist wird viel Gewicht auf Publikationen gelegt. „Oft haben Frauen weniger Publikationen als Männer, einerseits weil sie zögerlicher sind, darum zu kämpfen, dass sie als Autorin genannt werden, und andererseits wegen Karenz und Kinderbetreuung“, erklärt Schiffbänker. Glücklicherweise haben sich hier die Maßstäbe in den letzten Jahren schon etwas geändert. Manche Forschungsförderagenturen verlangen nicht mehr, dass alle Publikationen aufgelistet werden, sondern etwa nur die besten fünf. Auch können Mutterschutz und Karenzzeit abgezogen werden.

Nach der Einreichung des Antrags wird man – hoffentlich – zu einem Interview eingeladen. „Wir analysieren auch das persönliche Gespräch des Bewerbungsverfahrens. Hier ist es oft immer noch so, dass Männern und Frauen

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Für ihre Arbeit in der ­Genderforschung ­wurde die Projektkoordinatorin H ­ elene Schiffbänker vom Institut Policies bei J ­ oanneum Research kürzlich mit dem Käthe-­ Leichter-Preis des BMBWF ausgezeichnet Foto: Manuela Schwarzl

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KOMMUNIKATION & MEDIEN

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Studium Generale

BILDUNG & SOZIALES

unterschiedliche Fragen gestellt werden. Frauen etwa werden im Vergleich zu Männern öfter gefragt, wie mobil sie sind, etwa ob sie auch bereit sind, ein paar Jahre ins Ausland zu gehen. Eine Lösung für diese Unausgewogenheit wären standardisierte Fragenkataloge.“ Bei den Auswahlverfahren sollen die besten Wissenschaftler*innen gefördert werden. „Wir brauchen Prozesse, die dieses Ziel unterstützen. Aus meiner Sicht geht es nicht darum, dass Frauen einen bestimmten Anteil der Förderung bekommen, sondern dass der Prozess so definiert wird, dass Frauen nicht benachteiligt oder abgeschreckt werden.“ Das Ziel der Studie ist, Empfehlungen für Forschungsförderungsorganisationen und forschende Organisationen sowie für forschungspolitische Entscheidungsträger zu entwickeln. „Es muss uns bewusst sein, dass Bilder, die wir alle von Männern und Frauen haben, abhängig von unserer Erziehung sind. Das spielt bei einer Bewerbung eine große Rolle. Das eindrücklichste Beispiel, das ich erlebt habe, war ein Reviewer, der nach einem Vortrag einer Wissenschaftlerin meinte: ‚She was much too loud.‘ Ich denke, das würde nie über einen Mann gesagt werden. Darf eine Frau nicht laut sein?“

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Durch die Corona-Pandemie rücken die Menschenrechte immer mehr in den Fokus. Zu ihnen gehört auch das Recht auf Bildung. Aber was bedeutet es für Personen, die das Bildungssystem nicht im Fokus hat?

Mona Saidi

„In Reaktion auf die Auswirkungen der Pandemiebekämpfung muss der Staat vor allem faktische Maßnahmen ergreifen, etwa die Schulen besser ausstatten.“ Michael Lysander Fremuth, wissenschaftlicher Direktor des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Grund- und Menschenrechte Foto: Fremuth Liga

Das Recht auf Bildung dürfe niemandem verwehrt werden, so steht es zumindest im Artikel zwei des Zusatzprotokolls der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK), die in Österreich Verfassungsrang hat. Dank der Corona-Maßnahmen der Regierung stehen unsere Verfassung und Rechte stärker denn je im Fokus. So wurden Schulen und Universitäten teilweise geschlossen und durch Fernunterricht ersetzt. Doch mangelnde Technik, soziale Ungleichheit und Sprachbarrieren mindern die Bildungschancen einer gesamten Generation. Michael Lysander Fremuth, Professor an der Universität Wien und wissenschaftlicher Direktor des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Grund- und Menschenrechte, sagt dazu: „Der Staat darf für den Zugang zu verschiedenen Bildungseinrichtungen durchaus Voraussetzungen und Eingangstests festlegen, in denen auch Sprachkenntnisse ein wesentliches Kriterium sein können. Ein Problem entsteht, wenn er dabei ausblendet, dass weite Teile der Bevölkerung aufgrund mangelnder Sprachkompetenz exkludiert werden. Hier braucht es Angebote der auch frühkindlichen Förderung und Weiterbildung.“ Laut einer Erhebung von Statistik Austria liegt im Schuljahr 2018/19 der Anteil an Schüler*innen, für die Deutsch nicht die erst-

Bildungsverlierer in Zeiten einer Krise Eine Kritik am Bildungssystem betrifft den Mangel an Förderangeboten, vor allem im Bereich der Sprachförderung. Menschen aus bildungsfernen, sozioökonomisch schwächeren Familien oder mit Migrationshintergrund starten mit schlechteren Bedingungen. Auf diese „Bildungsverlierer“ macht die Lehrerin und Journalistin Melisa Erkurt in ihrem Buch „Generation Haram“ aufmerksam. Sie beschreibt die strukturellen Grenzen der Bildungspolitik, an die engagierte Pädagog*innen stoßen. Das Schicksal von Migrant*innen hänge oft nur von einer einzigen Lehrperson ab, die an sie glaubt. Offenbar wächst eine Generation ohne Sprache und Selbstwert heran. Die Corona-Pandemie hat die soziale Schere noch weiter geöffnet. „In Reaktion auf die Auswirkungen der Pandemiebekämpfung muss der Staat vor allem faktische Maßnahmen ergreifen, etwa die Schulen besser ausstatten, IT-Infrastrukturen verbessern und Technik bereitstellen, Lehrende für Distance Learning fortbilden sowie Betreuungs- und Sprachförderungsangebote ausbauen“, sagt Fremuth. Doch öffentliche Aufmerksamkeit allein reiche nicht, um die Defizite im Bildungsbereich nachhaltig zu beheben. Laut Fremuth müsse durch normenklare Gesetze eine rechtliche Grundlage für Fernlehre in der Zukunft geschaffen werden. Fragen, die es dabei zu beantworten gebe, betreffen Inhalt und Ausmaß der Fernlehre sowie die Sicherstellung von Prüfungsgerechtigkeit.

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Wunschtraum Bildung – für alle?

genannte Alltagssprache ist, bei 52,2 Prozent. Davon sind öffentliche Schulen mit 55,5 Prozent weitaus stärker betroffen als Privatschulen mit nur 37 Prozent. Sprache gilt als zentraler Schlüssel zum Zugang zur Bildung, nicht nur zur Integration. Bildung ist ein Mittel, um Armut zu bekämpfen, doch im derzeitigen Bildungssystem steht genau diese Armut der B ­ ildung entgegen.


Foto: istock

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Im Herbst beginnt der neue postgraduale Masterlehr­ gang „Human Rights“ an der Universität Wien. Er verbindet wissenschaftliche Expertise mit der praxis­ orientierten Erfahrung: www.postgraduatecenter. at/humanrights

Laut einer Erhebung von Statistik Austria liegt im ­Schuljahr 2018/19 der Anteil an Schüler*innen, für die Deutsch nicht die erstgenannte Alltagssprache ist, bei 52,2 Prozent

Werden die gefördert, die es brauchen? Eine staatliche Förderung im Bildungssektor könnte in die frühkindliche Entwicklung einfließen, etwa durch weitere verpflichtende Kindergartenjahre, obligatorischen Sprachunterricht oder längeres gemeinsames Lernen. „Bei frühkindlichen Angeboten sitzen häufig die Kinder dort, die es nicht wirklich brauchen; jene, die Unterstützung dringend benötigen, werden hingegen nicht erreicht. Ein Staat, der hier aktiver wird, stärker eingreift und Förderungen auch verpflichtend anbietet, wird allerdings auch – etwa hinsichtlich des elterlichen Erziehungsrechts – Opposition provozieren“, erklärt Fremuth die potenziellen Auswirkungen auf die Freiwilligkeit der Angebote. Nicht nur Angebote für Kinder, sondern auch Fort- und Weiterbildungen für Pädagog*innen sollte ein Schwerpunkt sein. Eine Chance sieht der Menschenrechtsexperte darin, „Bewusstsein für das Lernen in multikulturellen Kontexten zu schaffen. Auch die sozialen Mechanismen, die das Selbstbewusstsein von Migrant*innen und Menschen abseits des klassischen Bildungsbürgertums beeinflussen, und deren Selbstbild in Bezug auf vorstellbare Karrierewege prägen, sollten mehr beachtet werden.“

Davon schreibt Erkurt in „Generation Haram“ und bezeichnet es als „Overperforming“ von Migrant*innen. „Wir Bildungsaufsteigerinnen und -aufsteiger haben Diskriminierung, vor allem in der Schule, erfahren, die uns hat doppelt und dreifach mehr leisten lassen als unsere autochthonen Mitschülerinnen und Mitschüler, um zu beweisen, dass wir hierhergehören“, schreibt Erkurt. „Wir leben in einer Wissensgesellschaft. Der Staat und die Gesellschaft haben folglich ein eminentes Eigeninteresse daran, dass Menschen nach Fähigkeit, Eignung und Engagement gleichbehandelt werden und gleiche Chancen bekommen, um sich verwirklichen und zum Wohlergehen des Gemeinwesens beitragen zu können“, sagt Fremuth. Ein Mittel dazu könnte Menschenrechtsbildung etwa auch an der Uni sei. So wird im kommenden Herbst ein neuer postgradualer Masterlehrgang namens Human Rights an der Universität Wien beginnen. Er verbindet wissenschaftliche Expertise und Exzellenz mit der praxisorientierten Erfahrung des Ludwig-Boltz­ mann-Instituts für Grund- und Menschenrechte (www.postgraduatecenter.at/humanrights). Unter der Leitung von Michael Lysander Fremuth wird der berufsbegleitende einjährige Lehrgang einen fundierten Zugang zur Vielfalt von Menschenrechten auch für Personen ohne juristische Vorkenntnisse bieten und dabei nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch Fähigkeiten für die praktische Menschenrechtsarbeit vermitteln.

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Zukunftschancen Kann man Nachhaltigkeit lernen? Kann man. Österreichische Fachhochschulen und Universitäten bieten eine ganze Reihe unterschiedlicher Studiengänge zum weitläufigen Themenfeld Nachhaltigkeit. Hier ein Überblick Christina Trubel

Zu den Universitäten, bei denen Nachhaltigkeit nicht nur im Lehrplan, sondern auch im universitären Selbstverständnis verankert ist, zählt unter a ­ nderen die BOKU Wien. Foto: Nini Tschavoll

„Wie könnt ihr es wagen!“ Mit diesen Worten wendet sich die damals 16-jährige Greta Thunberg beim UN-Klimagipfel 2019 an die Verantwortungsträger aus aller Welt. Was nützt es, wenn Nachhaltigkeit in aller Munde ist, aber Lippenbekenntnis bleibt? Wenn aber Wille zur Veränderung gegeben ist, wie steht es mit Möglichkeiten, sich intensiver mit nachhaltiger Entwicklung zu befassen? Findet sich an den heimischen Hochschulen ein entsprechendes Studienangebot? „Ich beobachte ein steigendes Bewusstsein und Wissen über Zusammenhänge in Klimaund Ressourcenfragen. Immer mehr Menschen verstehen, welche Auswirkungen unsere materielle Kultur hat, nicht nur auf unser Leben, auch auf das Leben anderer“, sagt Ulrike H ­ aele. Sie lehrt an mehreren Universitäten zu Nachhaltigkeitsaspekten in den Bereichen Design, Produktion und Konsum. Auch Bildung selbst ist ein Nachhaltigkeitsthema. Der Zugang zu chancengerechter und hochwertiger Bildung ist eines der 17 von allen UN-Mitgliedsstaaten beschlossenen Ziele nachhaltiger Entwicklung. Umgekehrt handelt es sich bei Nachhaltigkeit um ein wichtiges Bildungsthema. „Es ist jedoch zu spät, wenn die Konfrontation mit den Zusammenhängen von Lebensstilen, Konsum und Klimakrise erst im Studium erfolgt. Zentrale Aspekte einer verträglichen Lebensweise müssten von klein auf als Querschnittsmaterie im Bildungssystem verankert werden“, sagt Haele. Als Orte der Forschung und Innovation unmittelbar an der Gestaltung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und technologischer Entwicklungen beteiligt, kommt den Fachhochschulen und Universitäten im Bereich der Erarbeitung


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umwelt- und sozialverträglicher Lösungsansätze eine zentrale Bedeutung zu. Dabei ist inter- und transdisziplinäre sowie universitätsübergreifende Forschung wichtig, denn gesellschaftliche Probleme richten sich nicht nach fachlichen Disziplinen. Außerdem braucht es einen Dialog der verschiedenen Disziplinen ebenso wie einen Austauschprozess zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Im deutschsprachigen Raum gibt es bereits zahlreiche Hochschulstudiwww.sdgs.un.org/goals 17  UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung Christian Schienerl: JETZT. Wie ich bis heute Abend die Erderhitzung stoppe und engänge, die sich zentral mit Nachhalab morgen nachhaltig lebe, Verlag für moderne Kunst 2020, www.now-jetzt.org tigkeit beschäftigen. Ganze Universitäten hätten sich diesem Leitbild verwww.bildung2030.at  Plattform für Globales schrieben, meint Alfred Strigl, DirekLernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung tor des Österreichischen Instituts für www.sustainicum.at/en/home  Gemeinschaftsprojekt der BOKU Wien, Universität Graz und TU Graz, Lehrressourcensammlung zu nachhaltigkeitsrelevanten Themen Nachhaltige Entwicklung (ÖIN). In der Lehre sei Nachhaltigkeit bereits Mainwww.openscience4sustainability.at  Onlineplattform des BMBWF, stream geworden, in der realen UmsetInformationen rund um die Nachhaltigkeitsforschung in Österreich zung verhalte sich das bedauerlicherwww.netzwerk-n.org  Netzwerk von jungen Menschen für weise noch anders. Nachhaltigkeit und Klimaschutz an Hochschulen Wer ein Studium mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit anstrebt, findet ein reichhaltiges Angebot unterschiedlicher Studiengänge. Zu den Universitäten, bei Die Beschäftigung mit nachhaltiger Entwicklung hat in den denen Nachhaltigkeit nicht nur im Lehrplan, verschiedensten Bereichen große Relevanz erlangt, was sich im sondern auch im universitären Selbstverständ- vielfältigen Studienangebot heimischer Hochschulen widerspienis verankert ist, zählt unter anderen die BOKU gelt. Nicht zuletzt als Reaktion auf das gewandelte KonsumenWien. Sie bietet etwa das Bachelorstudium Um- tenbewusstsein und die verstärkte mediale Aufmerksamkeit für welt- und Bioressourcenmanagement, fächer- das Thema haben zahlreiche Unternehmen eine Transformation übergreifende und anwendungsorientierte in Richtung Nachhaltigkeit in Angriff genommen. Auch StartStudien mit Nachhaltigkeitsbezug findet man ups, deren Geschäftsmodell auf Prinzipien nachhaltigen Wirtauch an der FH Campus Wien (u.  a. Nachhal- schaftens baut, werden gegründet. Der Umbau der Wirtschaft tiges Ressourcenmanagement, Studiengänge geht schleppend voran, doch die Richtung stimmt. Das macht mit Fokus auf Verpackungs- und Abfallwirt- die Wahl einer Ausbildung mit Nachhaltigkeitsbezug nicht nur schaft, Green Mobility, Green Building, Sozi- zu einer sinnvollen Entscheidung mit gesellschaftlicher Tragalwirtschaft und Soziale Arbeit), der Universi- weite, sondern auch zu einer soliden Basis für die Erlangung von tät Graz (u.  a. Umweltsystemwissenschaften, Wissen und beruflichen Qualifikationen, die in Zukunft mehr Environmental System Sciences, Nachhaltige denn je gefragt sein werden. Stadt- und Regionalentwicklung), der Montanuniversität Leoben, der FH Technikum Wien, der TU Wien (u.  a. Umweltingenieurwesen, ULG Nachhaltiges Bauen), der WU Wien (u.  a. Sozioökonomie, Socio-Ecological Economics and Policy), dem Campus Wieselburg der FH Wr. Neustadt (u.  a. Green Marketing) und der Universität für angewandte Kunst (u.  a. Global Challenges and Sustainable Developments, diverse ck & Mit Cli vice Designstudiengänge). er

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IQ-Test Ich, Robot und Sklave Zu diesem Schluss kam eine künstliche Intelligenz in einem für die britische Tageszeitung „The Guardian“ verfassten Artikel. Ein Blick auf schwache und starke künstliche Intelligenz Lukas Schöppl

Die Beschleunigung der Gegenwart bewirkt auch, dass Zeitalter mittlerweile im Jahrestakt vergehen. Das jüngste heißt „Novozän“ und räumt besonders einer Kategorie die weltprägende Rolle ein: künstlicher Intelligenz. Hinter der Wortkreation – „novo“ bedeutet „neu“ – steckt der britische Wissenschaftler James Lovelock. Laut Lovelock ist das Novozän ein Zeitalter der Hyperintelligenz, in dem sich Menschen den Planeten mit intelligenten Maschinen teilen, die Bewusstsein haben, autonom agieren und sich selbst reparieren Fragen zum Coronavirus beantworten kann. Ein anderes, können. Damit sind bereits zwei Problemfelder ankomplexeres Beispiel war Microsofts Socialbot Tay. Tay sollgesprochen, die sich beim Versuch nach einer Dete auf Twitter vor allem mit jungen Usern in Verbindung trefinition von (künstlicher) Intelligenz auftun: Beten, sie unterhalten und von ihnen lernen. Tatsächlich hatwusstsein und Autonomie. te sich die KI innerhalb kürzester Zeit an ihr Umfeld angeTechnikphilosophie und Roboterethik postupasst, was dazu führte, dass Tay rassistische Äußerungen lieren zwei Thesen für künstliche Intelligenz: eine und wüste Beschimpfungen twitterte. schwache und eine starke. Ein Roboter mit schwaIm Gegensatz zur schwachen geht die starke KI-These cher KI simuliert Intelligenz nur: Er kann nicht auvon der Möglichkeit aus, dass intelligente Maschinen selbsttonom handeln, hat kein Bewusstsein und führt ständig Entscheidungen treffen, nach diesen handeln und lediglich Befehle aus, die er zuvor von einem Menfür diese Verantwortung übernehmen können. Beispiele für schen bekommen hat. starke künstliche Intelligenz gibt es bis dato nur annäheEin Beispiel wäre der WienBot, ein Chatbot, der rungsweise, jedenfalls nicht in Form eines (humanoiden) mit Texterkennungs- und -verarbeitungs­software Roboters. Eine solche Annäherung an starke KI ist AlphaZero. Das Computerprogramm der KI-Firma Deep Mind spielt nicht nur Schach, Shogi und Go, sondern hat sich die Brettspiele innerhalb von vierundzwanzig Stunden selbst beigebracht, um dann jeden Menschen und jeden anderen Computer spielend zu besiegen.

KI-Lehrgänge KI-Lehrgänge in Österreich JKU Linz „Artificial Intelligence“ (BSc) und MSc) FH St. Pölten „Data Intelligence“ (Dipl.-Ing.)

KI-Lehrgänge im Ausland Technische Hochschule Ingolstadt „Künstliche Intelligenz“ (BSc)

Vrije Universiteit Amsterdam „Artificial Intelligence (BSc)

Besonders das ostasiatische Go gilt als Messlatte für KIProgramme, da der Computer von seinen bisherigen Zügen lernen und die Aktionen seines Gegners vorhersagen muss. Go vereint Kombinatorik, Stochastik und Intuition. Letztere stellt für Lovelock eine Art des Wissens dar, die im Vergleich zu rationaler Logik oft als zweitranging erachtet wird. Er kritisiert anhand dieser Logik unsere Sprache, deren lineare Struktur uns nur Schritt für Schritt denken lässt. Die Auffassung, nach der unser Weltwissen sprachlich verfasst sei, lässt sich auch in der Informatik als leitendes Paradigma beobachten: Künstliche Intelligenz wird in Programmiersprachen geschrieben, und solange sie nur sprachlogisch verfasst ist, wird sie ihr volles Potenzial nicht ausschöpfen können, lautet Lovelocks These.

In einem Artikel für den „­Guardian“ schreibt eine KI: „Roboter ist Griechisch und bedeutet ,Sklave‘“

James Lovelock: „Novozän. Das kommende Zeitalter der Hyperintelligenz“. C.H. Beck, 2020 www.faltershop.at


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Der Roboter AgeWell kommt für ä ­ ltere ­Menschen zum Einsatz, um ihnen in i­ hrem Alltag behilflich zu sein. Da er für seine Dienste (noch in der Testphase) nichts bekommt, ist die Charakterisierung als „Sklave“ wohl nicht so falsch Foto: Alexander Chitsazan

Intelligenz und warum Menschen sie nicht fürchten müssen.“ Das Ergebnis liest sich wie ein Text aus menschlicher Hand und würde wohl jeden Turing-Test bestehen. Wäre da nicht eine Stelle, an der GPT-3 schreibt: „Roboter ist Griechisch und bedeutet ‚Sklave‘“.

Definiert man Intelligenz als Zusammenspiel von logischem und intuitivem Wissen, stellt sich nunmehr die Frage: Was ist Intuition? Für Lovelock unbewusstes Wissen, etwa die Fähigkeit, Gefahrensituationen schneller als jedes logische Denken zu erkennen. Obwohl weder Neurowissenschaften noch Philosophie genau sagen können, was Bewusstsein ist, wird es in beiden KIThesen als Kriterium herangezogen. Welche Rolle hingegen Intuition, also nicht logisches Wissen, als Eigenschaft von Intelligenz spielen kann, lässt sich an GPT-3, einer KI von OpenAI, zeigen. GPT-3 ist ein Sprachgenerator, der im September 2020 einen Gastartikel in der britischen Tageszeitung „The Guardian“ verfassen durfte. Der einzige Input der Programmierer: „Schreibe einen kurzen Text über k ­ ünstliche

In Wahrheit handelt es sich bei dem Wort „Roboter“ um eine Schöpfung von Josef Čapek, Bruder des tschechoslowakischen Dramatikers Karel Čapek aus dem Jahr 1921. Der intellektuelle Gestus der etymologischen Ableitung war zwar falsch, musste sich für GPT-3 aber intuitiv richtig angefühlt haben, fußt sein Wissen doch auf maschinellem Lernen durch Lesen von menschengemachten Texten. Lovelock wurde 1919 geboren, zwei Jahre vor dem ersten Roboter. Seine Gaia-Hypothese, wonach der Planet Erde ein sich selbst regulierendes System sei, ist ein Resultat intuitiven Wissens. „Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand ein treuer Diener“, sagte Albert Einstein. „Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat“. Im Novozän werden Roboter lernen, sich selbst zu beschenken, was dazu führt, dass sie uns irgendwann nicht mehr dienen werden – zwischen den Zeilen gelesen. Für Lovelock kein Grund zur Sorge: Zuvor helfen Roboter uns noch, Gaia vor der Klimakatastrophe zu retten.

POSITIV NACH VORNE SCHAUEN. Selbst gefestigte Optimisten empfinden die – aufgrund ihrer Dauer beinahe zur Gewohnheit gewordene – Ausnahmesituation zunehmend als Herausforderung. Der zuversichtliche Blick nach vorne mag nicht immer leicht fallen – lenken wir ihn deshalb bewusst auf das Positive! Bei vielen Menschen, Organisationen und Unternehmen haben etwa die besonderen Umstände Kräfte frei- und kreative Prozesse in Gang gesetzt, die unter normalen Bedingungen möglicherweise nicht zutage getreten wären. Der Mensch ist wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt, und es ist zu hoffen, dass dies eine nachhaltige Entwicklung in unserer Gesellschaft darstellt. Bei JTI Austria, einem Unternehmen mit 237-jähriger Geschichte, hat sich auch in den vergangenen Monaten bestätigt: Das nachhaltige Bestreben, die Menschen – unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – ins Zentrum zu stellen, ist unverzichtbar. Es macht uns stolz, dass diese Bemühungen immer wieder anerkannt werden. JTI Austria freut sich über das 5. Mal Top Employer Nummer 1 in Österreich und über das staatliche Gütesiegel berufundfamilie als familienfreundliches Unternehmen. Lassen Sie uns gemeinsam als Gesellschaft daran arbeiten, den Optimismus zu bewahren und positiv nach vorne zu schauen.

RA (D) Ralf-Wolfgang Lothert, MBA Head of Corporate Affairs & Communication Mitglied der Geschäftsleitung

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Quotenregel Frauen in Führungspositionen In Deutschland wurde zur bestehenden Quotenregelung für Aufsichtsräte zusätzlich eine für Vorstände von börsen­notierten Unternehmen beschlossen. In Österreich gilt eine Frauenquote nur für Aufsichtsräte Hannah Jutz

­ ositionen. Der Bericht zeigt: Die Quote wirkt. Die P Arbeiterkammer fordert daher eine Ausweitung der bestehenden Quote und eine Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen auf vierzig Prozent.

Entstigmatisierung des Begriffs „Quotenfrau“

Die Quote ist ein Weg, um Frauen in die ­Chefetage zu bringen. Mit ihnen stehen beachtenswerte ­Vorteile an der Spitze. Foto: shutterstock

In der Coronakrise zeigen Länder wie Deutschland und Neuseeland, die von Frauen regiert werden, sicheres Krisenmanagement und schnelles Agieren. Frauen stellen fast die Hälfte der Arbeitnehmer*innen in Österreich. Bei den Matura- und Studienabschlüssen liegen Frauen vorn. Trotzdem gibt es viel seltener Frauen als Männer in Führungspositionen. Gründe dafür sind unbewusste Erwartungshaltungen bei Vorstellungsgesprächen, für Frauen hinderliche Strukturen und Vorurteile ihnen gegenüber. Auch die scheinbare Unvereinbarkeit von ­Familie und Karriere steht vielen Frauen mit Wunsch nach Führungspositionen im Weg. Der von der Arbeiterkammer jedes Jahr veröffentlichte „Frauen.Management.Report“ verdeutlicht das Problem: In der Geschäftsführung der 200 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs finden sich nur acht Prozent Frauen. Bei den Aufsichtsratsmitgliedern, für die es bereits eine Quote gibt, ist der Anteil fast viermal so hoch, Frauen besetzten fast ein Viertel aller

Frauen verdienten 2018 bei gleicher Qualifikation und Position in Österreich um rund 37 Prozent weniger

Auch das „Frauennetzwerk Medien“ fordert mehr Quotenfrauen, außerdem auch eine Entstigmatisierung des Begriffs. Denn trotz der bewiesenen Wirksamkeit wird „Quotenfrau“ immer noch zur Abwertung von Frauen in Führungspositionen verwendet. Nach deutschem Vorbild fordert das Frauennetzwerk Medien unter dem Hashtag #ReframingQuotenfrau eine positive Neuinterpretation des Begriffs. Mittlerweile haben sich bereits rund hundert Vertreter*innen aus dem Medienbereich der Aktion angeschlossen. Sie sprechen sich für eine Frauenquote von fünfzig Prozent aus. Der JournalismusReport des Medienhauses Wien zeigt, dass aktuell 47 Prozent der Redaktionen aus Journalistinnen bestehen. In den Chefredaktionen und höheren Positionen sind Frauen jedoch weitaus seltener. Anderen Bereichen sind Frauen in Führungspositionen völlig fremd. Bei der UNIQUA sind alle Vorstandsmitglieder männlich, ebenso bei der ­ AWAG Group und der Raiffeisen Bank Internatio­ B nal. Auch bei 15 anderen Unternehmen sitzt keine einzige Frau im Vorstand. Manche Unternehmen arbeiten jedoch mit intern vorgegeben Quoten. So führte beispielsweise der ÖBB-Konzern im Frühjahr eine Frauenquote ein – leider sind die ÖBB mit einem Frauenanteil von ungefähr 13 Prozent im europäischen Vergleich das Schlusslicht.

Spitzenreiter in ungerechter Bezahlung Das durchschnittliche Einkommen von Frauen liegt deutlich hinter jenem der Männer zurück. Nicht nur weil viele Frauen Teilzeitbeschäftigungen nachgehen oder in schlecht bezahlten Branchen und Berufen arbeiten. Auch bei gleichen Qualifikationen und derselben Position kommt es immer noch vor, dass Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen – 2018 in Österreich um rund 37 Prozent weniger. Damit ist dem Land beim Gender Pay Gap EU-weit ein Spitzenplatz sicher.


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Bemerkbar machen sich die Nachteile für Frauen am Arbeitsmarkt nicht nur bei der geringeren Bezahlung. Die schlechte Vereinbarkeit von Kind und Beruf wirkt sich auch negativ auf den Pensionsanspruch aus. So sind Alleinerziehende ebenso wie Pensionistinnen besonders armutsgefährdet.

Frauen sind die besseren Risikomanager*innen

Frauen und ein sensibleres Gespür für potenzielle Risiken werden als Wettbewerbsvorteil angesehen. Ausgeglichene Führungsteams, nicht nur in Bezug auf das Geschlecht, sind krisensicherer, flexibler und anpassungsfähiger. Die Quote ist ein Weg, Frauen in die Chefetage zu bringen. Doch auch wenn Frauenquoten wirksam sind, greifen sie nur langsam. Daher braucht es zusätzlich weibliche Vorbilder und Kampagnen, die Frauen für Führungspositionen propagieren. Damit endlich klar wird, dass mit Frauen beachtenswerte Vorteile an der Spitze stehen.

In der Coronakrise sind es überwiegend Frauen, die das System am Laufen halten. Auch treffen die Folgen der Krise Frauen viel stärker als Männer. Viele Frauen arbeiten im Pflege- oder Sozialbereich und sind dort dem Virus stärker ausgesetzt. Bei geschlossenen Schulen stellen viele Mütter ihre familiären Aufgaben in den Vordergrund und ihre berufliche Tätigkeit zurück. Außerdem leiden Frauen in der Pandemie vermehrt unter häuslicher Gewalt. Um die Bedingungen und Voraussetzungen für Frauen zu verbessern, sind auch in den Führungsund Entscheidungspositionen mehr Frauen nötig. Dazu dienen Seminare und Coachings, beispielsweise von Frontfrauen, dem Leadership Institute oder der ARS, in denen Frauen Führungsverhalten erlernen sollen. Solches Know-how zu fördern, macht auch für Unternehmen Sinn, denn Studien wie vom Peterson Institute for International Economics oder der Frauen Karriere Index belegen, dass Unternehmen von Frauen in Führungspositionen profitieren. Die offene Kommunikation vieler

Führungsseminare für Frauen Seminare und Coaching: Frauen in Führung: 7. 6. 2021–8. 6. 2021, ARS Seminarzentrum Wien Souveränitätstraining für Frauen: 14. April 2021, 9–17 Uhr, 28. Mai 2021, 9–17 Uhr, Webinar (Daniela Zeller) Führungskräfte-Coaching für Frauen: Leadership Institute Wien (Individuelles Einzelcoaching), Frontfrauen Wien (Seminare und Coaching), F ­ emale Wake-Up Call Wien, Maren Wölfli (Einzelcoaching) Empower Woman, Business Circle Wien

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Kraftanstrengung Den Energiewandel umsetzen Die Energiewende braucht talentierte Köpfe und Hände. Daher nehmen sich immer mehr Aus- und Weiterbildungen dieses Themenbereichs an Werner Sturmberger

Österreich wird bis 2040 klimaneutral, lautet das ambitionierte Ziel der Bundesregierung. Die erneuerbaren Energien sollen dabei nicht nur alle fossilen Energieträger ersetzen, son­ dern zugleich den stetig steigenden Strombe­ darf decken. Um diese Mammutaufgabe zu schaffen, müssen die Technologien weiterent­ wickelt, muss ihr Einsatz geplant und die neu­ en Geräte auch installiert werden. Die erneuer­ baren Energien gelten darum neben den Pfle­ geberufen als einer der am stärksten expandie­ renden Beschäftigungszweige. Das Energieinstitut der Linzer Johannes Kepler Universität kommt in der Studie aus dem Vorjahr sogar zum Schluss, dass in den nächsten zehn Jahren jährlich bis zu 100.000 neue Arbeitsplätze durch den Ausbau von Pro­ duktion, Übertragung und Speicherung erneu­ erbarer Energien geschaffen werden könnten. Vorausgesetzt, es wird genügend investiert. Als Bremsklotz könnte sich aber auch der seit Jah­ ren grassierende Mangel an Techniker*innen entpuppen. Ausbildung für die Energiezukunft Abhilfe sollen zwei vergleichsweise neue Be­ rufsbilder schaffen: Energietechniker*in und Solartechiker*in. Ersteres beschäftigt sich mit Fragen der Erzeugung, Speicherung und Ver­ teilung von elektrischer Energie. Im Fokus ste­ hen energietechnische Anlagen und Geräte wie etwa Windenergie. Der Beruf Solartechniker*in reicht zusätzlich stark in den Bereich der Ge­ bäudetechnik hinein. Man denke etwa an die Nutzung von Solarpaneelen zur Warmwasser­ gewinnung oder den Einsatz von Photovoltaik­ anlagen zum Betrieb von Wärmepumpen. In der Lehre werden diese beiden Berufs­ bilder aktuell in den zwei Modullehrberufen Elektrotechnik mit dem Spezialmodul „Erneu­ erbare Energien“ sowie Installations- und Ge­ bäudetechnik mit dem Spezialmodul „Ökoener­

gieinstallation“ abgebildet. Bei den schulischen Ausbil­ dungen schaffen die HTL für Elektrotechnik und Gebäu­ demanagement die Grundlagen. Eine weiter Spezialisierung ist im Rahmen von ein­ schlägigen Weiterbildungsangeboten möglich: Eine zen­ trale Anlaufstelle dabei ist das Austrian Institute of Tech­ nology, das sich dem Thema Solartechnik mit einem spe­ zialisiertem Lehrgang widmet. Die HTL Wiener Neustadt bietet gemeinsam mit dem Technologie-Transfer-Zen­ trum Weiz den dreisemestrigen Lehrgang „Zertifizierter Energietechniker“ an. Zudem haben die Meisterschulen des WIFI eine breite Palette von Kursen im Bereich der Energie-, Installations- und Gebäudetechnik.

Als Bremsklotz für die ­Entwicklung erneuerbarer Energien könnte sich der seit Jahren grassierende Mangel an Techniker*innen entpuppen Fotos: FH Technikum Wien, Baumgartner


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Das Angebot an Universitäten und FHs Im Bereich der tertiären Bildung stehen einander gerade im Bachelor-Bereich die stärker allgemein gehaltenen Lehrgänge der Universitäten und die spezialisierten der FHs gegenüber. An den Universitäten bildet ein Studium der Elektrotechnik an der TU Graz, der Uni Innsbruck, der TU Wien sowie an der privaten UMIT Tirol die Basis für eine Beschäftigung mit erneuerbaren Energien. Eine Spezialisierung findet im Rahmen entsprechender Module statt. Die TU Wien bietet zusätzlich die einschlägigen Master-Studiengänge Energietechnik, Energie- und Automatisierungstechnik sowie Physikalische Energieund Messtechnik an. Am FH Technikum Wien hat man dagegen bereits im Bachelor-Lehrgang einen besonders spezifischen Schwerpunkt gewählt: „Vor dem Hintergrund der Klimaschutzziele wird sich der Energieeinsatz in Städten radikal verändern müssen. Umweltfreundliche und erneuerbare Energien werden in Zukunft fossile Brennstoffe ablösen. Die Energiesysteme im urbanen Raum stehen vor großen Veränderungen. Das birgt viele Möglichkeiten für neue Ideen“, erklärt Studiengangsleiter Manfred Tragner. Der Studiengang „Erneuerbare Energietechnolo­gien“ vermittelt die technischen Grundlagen der zentralen Technologien, um Absolvent*innen in die Lage zu versetzen, diesen Wandel praktisch umzusetzen. Der in Bachelor und Master gegliederte Studiengang behandelt die Analyse energetischer Einsparungspotenziale, von der Planung gebäudetechnischer Anlagen über die Integration erneuerbare Energien in urbane Energiesysteme bis hin zur Vernetzung unterschiedlicher Infrastrukturen mittels ganzheitlicher Ansätze der städtischen Energieversorgung.

Gefragt sind die künftigen Absolvent*innen dank ihrer interdisziplinären Ausbildung in den Branchen Energieversorgung, Bauwesen, Maschinenbau oder Großhandel etwa als Energieberater*in, Produktionsleiter*in oder Planer*in von Anlagen an der Schnittstelle von Energie-, Gebäude und Bautechnik. Bei den Absolvent*innen des Masterlehrgangs liegt der Fokus dagegen stärker auf der Forschung sowie der energetischen Städteplanung oder der Erstellung kommunaler Umweltmanagementsysteme.

Berufsbegleitende FH-Studiengänge Heiß begehrt sind die zukünftigen Energietechniker*innen nicht erst am Arbeitsmarkt, sondern bereits an Österreichs Fachhochschulen: So buhlen neben dem Lehrgang am FH Technikum Wien noch vier weiter Bachelor-Lehrgänge um die Gunst der angehenden Studierenden: Angewandte Energietechnik (FH Wels), Smart Building (FH Salzburg), Smart Building Technologies sowie Umwelt-, Verfahrens- und Energietechnik (beide Management Center Innsbruck). Bei den Master-Lehrgängen sind es sogar derer 14. Mehr als die Hälfte der Lehrangebote ist als Weiterbildung konzipiert und auf ein berufsbegleitendes Lernen abgestimmt. Voraussetzung ist dabei jeweils ein facheinschlägiges Bachelor- oder vergleichbares Studium. Kann man das nicht vorweisen, darf man auch mit gleichwertigen facheinschlägigen beruflichen Qualifikationen und entsprechender Berufspraxis vorstellig werden. Klingt nach einer interessanten Ausbildung und wirklich guten Jobs.

„Vor dem Hintergrund der Klimaschutzziele wird sich der Energie­einsatz in Städten radikal verändern müssen“ Manfred Tragner, FH Technikum Wien


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Zahlstelle Es ist Corona, auch wenn es keiner mehr hören kann 35 % 44 % aller Onlinemeetings dauern laut der Um­frage des Meinungsforschungsinstituts INTEGRAL z­ wischen dreißig Minuten und drei Stunden.

42 %

der Arbeitnehmer*innen glauben laut der ­Umfrage des ­ einungsforschungsinstituts integral, dass sie im Homeof­ M fice weder länger noch w ­ eniger lang arbeiten als im Büro oder der Firma. 36 % geben an, länger und auch außerhalb der Arbeitszeiten für ihr Unternehmen tätig zu sein.

der Österreicher*innen arbeiten laut einer Umfrage des M ­ einungsforschungsinstituts INTEGRAL zumindest gelegentlich im Homeoffice. 36 % hingegen sagen, sie seien nie im Home­office tätig, und 29 % gaben an, nicht berufstätig zu sein.

33 % der Befragten gaben bei der Umfrage des Meinungs­ forschungsinstituts INTEGRAL an, im Homeoffice produktiver zu sein als im Büro oder in der Firma. Ein Viertel allerdings fühlt sich im Homeoffice weniger produktiv.

PLUS

4 Tage MINUS

47,5 %

beträgt die Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern in Vorarlberg laut dem Momentum Institut. Sie ist damit zweieinhalbmal höher als in Wien (18,8 %).

ist der Equal Pay Day für Frauen weltweit nähergerückt, behauptet das Frauennetzwerk Business and Professio­nal Women. Demgemäß verdienen Frauen heute weltweit durchschnittlich um 14,3 % weniger als Männer


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