THEMA :
#2 2017
E N T G E LT L I C H E V E R L A G S B E I L A G E Z U FA LT E R 8 / 17
:BILDUNG
Die Technik ist weiblich Österreich hat das noch nicht begriffen. Daher Nachhilfe für alle,
Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W; Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2588/2017
die gut verdienen wollen
Während des Zweiten Weltkriegs waren Frauen in der Rüstungsindustrie tätig. Diese US-Arbeiterin bemüht sich 1942 um die Montage eines Triebwerks FOTO: AKG-IMAGES
Eine unter 49 Männern Können sich Frauen auch bei uns endlich in technischen Berufen etablieren? Seite 4
Nicht beirren lassen! Fünf Frauen, die Technik studiert haben und beruflich erfolgreich sind Seite 12
Vom Lehrling zum Chef? Wie das geht, zeigen einige Beispiele aus heimischen Unternehmen Seite 18
Craft Beer brauen … als Teil des Studiums. Was Lebensmitteltechnologie so spannend macht Seite 22
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Das Service-Portal meiner Sozialversicherung
Sanja grad’ ’ d a r g n s e SImo l b s t v e r s i c : h e s r u t : t a t s s g e s Beziehun i s t g a n z e t i r n e f i a c z h i l p m o k es ist
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In h a lt : B i l d u n g : Th ema 2 /1 7 FALTER 8/17 03
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Wiener hallenbäder
A u s d e m I n h a lt Eine Frau unter 49 Männern Seite 4 Der Frauenanteil unter Technikern und in technischen Studien ist viel zu gering. Wie können es Frauen schaffen, sich in technischen Berufen zu etablieren?
Nicht beirren lassen! Seite 12 Ein technisches Studium ermöglichte fünf Frauen ihren Traumjob: an der Uni, als Architektin, als Qualitätsmanagerin, HTLLehrerin oder Projektmanagerin.
Keine Grenzen für Lehrlinge? Seite 18 Einige Beispiele dafür, wie es Lehrlinge auch in mittlere Führungspositionen heimischer Betriebe schaffen können – und was es sie kostet, weiter aufzusteigen.
Fünftausend freie Stellen Seite 8 Heimische Hochschulen bemühen sich sehr, Frauen für IT-Studien zu begeistern. Immer noch mit viel zu wenig Erfolg, obwohl Frauen in der IT richtig gut verdienen können.
Auch an FHs wird geforscht Seite 16 Fachhochschulen sind keine bloßen Ausbildungsstätten, sie verwirklichen auch innovative Forschungsprojekte. Wir stellen einige davon vor.
Wo sie Craft Beer brauen Seite 22 Die BOKU hat eine preisgekrönte Craft-Beer-Brew-Crew. Lebensmitteltechnologie kann also schon während des Studiums viel Spaß machen.
Erklärung der Bildstrecke Stöbert man in Bildarchiven in der Vergangenheit, um zu sehen, welche Motive das Schlagwort „Frauen und Technik“ bereithält, sieht man schnell: Für den heutigen Betrachter erscheinen viele Fotos oft unfreiwillig komisch. Doch es gibt auch andere, mit ernstem Hintergrund – zu sehen in der Thema-Bildstrecke. Frauen als Arbeiterinnen in der Welt der Technik, vor allem in der US-Rüstungsindustrie. 1941 sind die USA in den Zweiten Weltkrieg eingetreten. Während also die Männer Krieg führen mussten, haben die Frauen Kampfbomber zusammengeschraubt. fotos: AKG-Images (6), AKGImages/Dodenhoff
IMpressum Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H., 1010 Wien, Marc-Aurel-Straße 9, T: 0043 1 536 60-0, F: DW 935, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at; Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H.; Redaktion: Fuchs & Partner; Gestaltung und Produktion: Dirk Merbach, Reini Hackl; Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau,
DVR: 047 69 86. Diese Beilage ist ein Service der Sales-Abteilung der Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.
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Eine Frau unter 49 Männern Der Frauenanteil unter Technikern und in technischen Studien ist viel zu gering. Wie können es Frauen schaffen, sich in technischen Berufen zu etablieren? hre Klassenkollegen waren schockiert, als Anja Siegel erzählte, was sie studieren möchte. „Es war für mich ein großer Schritt, ein technisches Studium zu beginnen, da ich eine Handelsakademie besucht habe und somit weniger naturwissenschaftliches Vorwissen hatte.“ Siegel studiert seit 2011 Elektrotechnik mit Schwerpunkt Energietechnik an der Technischen Universität Graz. Ihr Großvater war Elektriker, so hat sie als Kind schon diese Fachrichtung interessiert. Gerade schreibt sie an ihrer Masterarbeit im Bereich der Hochspannungstechnik. Frauen sind in technischen Berufen immer noch deutlich in der Minderheit. Im Studienjahr 2013/2014 haben in Österreich rund 6.000 Personen ein technisches Studium an einer öffentlichen Universität abgeschlossen, davon waren nur 26 Prozent weiblich. Doch gerade technische Berufe bieten sehr gute Aussichten auf einen Job – und vor allem sind Frauen in diesem Bereich sehr gefragt. „In meinem Studium waren wir nur fünf Mädchen bei insgesamt 150 Studierenden“, sagt Siegel. Das hat sie aber nicht besonders gestört. „Heute fällt es mir gar nicht mehr auf, wenn ich das einzige Mädchen in einer Vorlesung bin“, lacht sie. Mädchen haben oft falsche Vorstellungen von Technik Besonders am Anfang ihres Studiums machte Anja Siegel viele positive Erfahrungen und bekam von ihren Kollegen ausreichend Unterstützung. „Teilweise wurde mir aber auch weniger zugetraut als meinen männlichen Kollegen. Aber damit muss man einfach leben, muss sich auf die eigenen Fähigkeiten besinnen und darf sich nicht unterkriegen lassen.“ Dass Frauen in technische Berufe gehen, findet sie sehr wichtig. „Ich habe schon oft beobachtet, dass Frauen in eine Diskussion häufig eine andere Sichtweise einbringen als Männer.“ Um mehr Frauen für die Technik zu begeistern, gibt es schon seit einigen Jahren eine Vielzahl an Projekten. Anja Siegel arbeitet neben dem Studium beim FIT (Frauen in die Technik) Programm mit. Ziel dieser Initiative ist, technische Studienrichtungen zu bewerben, das Berufsspektrum und somit auch die Berufsmöglichkeiten von Maturantinnen zu verbessern und den Zugang zu technischen Studien zu erleichtern. „Wir besuchen Schulen und Berufsmessen
„Ich war die einzige Frau unter 49 Männern – das war sehr angenehm, da eine sachliche Arbeitsatmosphäre herrschte“ ewa weinmüller, professorin an der tu wien
und erzählen den Schülerinnen über das Technikstudium an der TU Graz“, erklärt Siegel. „Das Interesse dafür ist sehr groß. Allerdings haben die Mädchen oft falsche Vorstellungen“. Denn um ein technisches Studium erfolgreich zu absolvieren, sollte man sich für Naturwissenschaften interessieren. Vor allem die hohen mathematischen Anforderungen schrecken viele Mädchen ab, ein technisches Studium zu beginnen. Besonders wichtig ist auch, den Schülerinnen einen praktischen Einblick in die Technik zu ermöglichen. An der TU Graz stehen im Sommer 100 Ferialjobs für Schüler zur Verfügung. Da kann ein Monat lang Forscherluft geschnuppert werden. 35 Prozent der Schülerinnen, die solch einen Ferialjob gemacht haben, haben später ein Studium an der TU Graz begonnen. An den Fachhochschulen zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Wintersemester 2014/15 waren nur 22 Prozent der Studierenden im Bereich Technik- und Ingenieurwissenschaften weiblich. Am FH Technikum Wien steigt der Frauenanteil kontinuierlich, aber langsam. Im Jahre 2006 lag der Frauenanteil bei 12, jetzt liegt er bei 18 Prozent. Für die Entwicklung und Implementierung der Strategie zu „Gender Mainstreaming & Managing Diversity“ wurde dieser Fachhochschule Ende 2016 der Diversity Preis verliehen. Auch mit der Teilnahme am FIT Programm soll der Frauenanteil gesteigert werden. „Das Arbeitsklima ist ganz anders, wenn Frauen und Männer zusammenarbeiten. Frauen haben mehr Rundumblick und eine andere Sichtweise. Für die Entwicklung der Technik gehört das Denken der Frau einfach dazu“, sagt Nicole Sagmeister, Leiterin des Gender Mainstreaming an der FH Technikum Wien. Mit einer weiteren Initiative, dem Stipendium „1.000 Euro statt Blumen“, werden dort jedes Jahr Frauen mit besonderen Leistungen ausgezeichnet. „Ich denke, es ist besonders wichtig, dass mehr Frauen unterrichten, um den Studierenden ein Role Model zu bieten“, meint Sagmeister. An der TU Graz ist die Anzahl der weiblichen Professorinnen äußerst gering – von den insgesamt 106 UniversitätsprofessorInnen sind nur 8 weiblich. Im Studium von Anja Siegel gibt es zumindest eine Professorin. „Es ist schön zu sehen, dass man nicht die einzige Frau ist – und auch als Frau
Karriere in der Technik machen kann“, sagt Siegel. Die einzige Frau unter 49 Männern – das war angenehm Nicht viel anders sieht es an der Technischen Universität Wien aus. Am Institut für Analysis und Scientific Computing gibt es sogar zwei Professorinnen, die Einblick in ihr Leben in der Technik geben. Ewa Weinmüller, geboren 1950 in Posen (Polen), studierte ebendort Maschinenbau. „Ich denke, dass es mehrere Gründe dafür gibt, dass ich ein für Frauen so untypisches Studium gewählt habe. Ich war in einem Mädchengymnasium, wo wir in jenen Richtungen gefördert wurden, die unseren Talenten und Neigungen entsprachen, und nicht in jenen, die für Frauen typisch sind. Der zweite Grund war die damals im kommunistischen Polen herrschende politische Meinung, dass Arbeit und Selbstverwirklichung das wichtigste Lebensziel jedes Menschen seien, egal ob Frau oder Mann. Erst an zweiter Stelle kam die Familie.“ Ihre Eltern waren beide Akademiker und berufstätig. Sie gaben ihr die Freiheit, ihr Studium frei zu wählen. Auch ihre Kollegin Gabriela Schranz-Kirlinger, ebenfalls Professorin am Institut für Numerische Mathematik, empfiehlt, jenes Studium zu wählen, das einen wirklich begeistert. „Ich würde jeder Frau, die interessiert ist, auf jeden Fall raten, ein technisches Studium zu machen und sich nicht aufhalten zu lassen. Es ist nicht immer leicht, aber das ist in anderen Ausbildungen und Berufen auch so.“ Schranz-Kirlinger forscht über die Analyse und Numerik von Differenzialgleichungen. Die Studien der beiden Professorinnen waren nicht immer einfach. Das Maschinenbaustudium war teilweise sehr theoretisch und anspruchsvoll. „Ich war die einzige Frau unter 49 Männern – das war sicher ungewöhnlich, aber sehr angenehm, da in der Gruppe eine sachliche und kooperative Arbeitsatmosphäre herrschte“, sagt Weinmüller. Immer mehr Frauen studieren Technik – leider forschen wenige Ähnlich erging es Schranz-Kirlinger, die 1981 an der Universität Wien begonnen hatte, Mathematik zu studieren: „Während der Vorlesungen war ich manchmal die einzige Frau. Heute ist das Studium der Mathematik bei
Foto: Werner Jäger
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Oktober 1942: Nieterinnen der Douglas Aircraft Company sind mit der Montage eines US-Bombers beschäftigt Foto: AKG-Images
Frauen beliebter. Etwa 40 Prozent der Studierenden sind nun Frauen. In der Forschung bleiben aber leider nicht so viele, da die Jobaussichten hier oft unsicher sind.“ Das war früher nicht so. Nachdem sich Ewa Weinmüller dazu entschlossen hatte, zusätzlich Mathematik zu studieren, und dieses Studium an der Universität Wien abschloss, nahm sie eine Stelle als Dissertantin am Institut für Numerische Mathematik der TU Wien an. „Von da an bis heute lebe ich einen der schönsten und befriedigendsten Berufe. Jenen des Wissenschaftlers und Universitätslehrers im Bereich der angewandten und numerischen Mathematik. Die damaligen gesetzlichen Rahmenbedingungen haben eine sichere Berufsperspektive ergeben. Man musste sich innerhalb von zehn Jahren habilitieren, um eine Dauerstelle zu bekommen. Es war klar: Wenn du dich bewährst, darfst du bleiben“, erklärt Weinmüller. Heute ist das anders. In der Forschung zu arbeiten ist riskanter geworden. Frauen nehmen solche Bedingungen seltener auf sich als Männer. Gabriela Schranz-Kirlinger hat neben ihrer Karriere an der TU Wien auch zwei Kinder großgezogen. „Ich war jeweils etwa ein Jahr in Karenz, habe aber während dieser Zeit Vorlesungen gehalten. Dann hatten wir eine Tagesmutter. Trotzdem hatte ich hin und wieder ein schlechtes Gewissen. Doch ich denke, das geht jeder Frau so, die arbeitet und Kinder hat.“
Der größte historische Moment der Frauen aus Sicht einer englischen Arbeiterin? Der Tag, an dem der Erste Weltkrieg ausbrach. Danach wurden sie in den Fabriken als vollwertige Kräfte ernst genommen
Frauen erleben die Erfolge ihrer Studierenden als bereichernd In unserer Gesellschaft herrscht immer noch die Ansicht, dass Maschinenbau, Bauingenieurwesen oder Elektrotechnik nur für Männer geeignet sei. Dies kann Ewa Weinmüller nicht nachvollziehen. Unterschiede zwischen Frauen und Männern an der TU Wien sieht sie nicht – mit einer Einschränkung: „Ohne verallgemeinern zu wollen, ist es vielleicht den weiblichen Lehrenden öfter wichtig, dass die Studierenden das ihnen gebotene Wissen gut verstehen und anwenden können. Frauen sind eher bereit, zusätzliche Hilfen anzubieten. Sie erleben die Erfolge ihrer Schüler als persönliche Bereicherung.“ Gabriela Schranz-Kirlinger fügt hinzu: „Ich habe oft das Gefühl, dass Frauen anders agieren als Männer. Fortsetzung Seite 6
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Bei der Douglas Aircraft Company in Long Beach, Kalifornien, wurde Anfang der 40er Jahre eifrig geschraubt. Eine Arbeiterin auf Tuchfühlung mit einem Triebwerk Foto: AKG-Images
Fortsetzung von Seite 5 Frauen zweifeln viel öfter an sich als Männer. Ich denke, dass es für die Erstsemestrigen sehr wichtig ist, dass auch Frauen unterrichten und nicht nur Männer.“ Mittlerweile hat sich auch an der TU Wien vieles verändert. Es gibt einen Kindergarten, Wickelräume und Treffen mit Eltern in Karenz. Gabriela Schranz-Kirlinger ist Mitglied beim Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen der TU Wien. Dieser Arbeitskreis wird bei jeder Personalentscheidung hinzugezogen und achtet darauf, dass Frauen nicht benachteiligt werden. Eine weitere Initiative an der TU Wien ist das Mentoring-Programm für Dissertantinnen. Dabei werden die Studentinnen während ihrer Dissertation zwei Jahre lang begleitet, damit sie sich im wissenschaftlichen Alltag besser zurechtfinden.
Die Einbildung der Österreicher, dass Frauen für Technik völlig ungeeignet sind, wird schon dadurch bestätigt, dass unter den vier Doppelnobelpreisträgern nur eine Frau ist: Marie Curie
Wichtig sind Frauen in der Technik als Role Model für jüngere Um den Frauenanteil in technischen Berufen zu erhöhen, ist es sinnvoll, den gesamten Werdegang inklusive Herkunft einer Frau zu berücksichtigen. Sehr wichtig ist eine langfristige Förderung. Immer noch sind technische Berufe sehr stark mit „männlichen“ Werten belegt. Und allzu oft lassen sich Frauen vom altmodischen Bild der Technik abschrecken. Besonders wichtig sind Frauen als Role Models, mit denen sich eine Frau identifizieren kann und die beweisen, dass solch eine Karriere für Frauen möglich ist. Und schließlich muss der Arbeitsplatz Raum für die Vereinbarkeit mit persönlichen Bedürfnissen bieten. Wenn Anja Siegel im Sommer ihr Studium beenden wird, steht sie vor einer spannenden Entscheidung: Wie soll ihr weiterer Lebensweg aussehen? Ein paar Dinge sind aber auf alle Fälle sicher: Erstens hat sie sich nicht von traditionellen Vorstellungen und Normen von einem Technikstudium abhalten lassen. Zweitens hat sie jenes Studium ausgewählt, das ihr Spaß macht und sie begeistert. Und drittens, und das sollten sich alle, die über schlechtere Bezahlung von Frauen am Arbeitsmarkt klagen, genau merken, hat sie jenes Studium ausgewählt, das die höchste Nachfrage am Arbeitsmarkt bietet. Sophie Hanak
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Nach der Schulung zur Technikerin war diese Frau während des Zweiten Weltkriegs für die Douglas Aircraft Company tätig Foto: AKG-Images
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m Gegensatz zu vielen anderen Berufsfeldern blickt die IT-Branche äußerst optimistisch in die Zukunft. Als Träger des technologischen Fortschritts tut sie das mit gutem Recht. Andere Wirtschaftszweige haben bereits heute mit der Digitalisierung der Arbeit zu kämpfen. Wie bei jeder Revolution der Arbeitswelt werden viele Jobs unwiederbringlich verschwinden. Während die Digitalisierung für die einen bedrohlich ist, bietet sie anderen neue Chancen, gerade auch den Frauen. Die digitale Welt wird, wenn auch schleppend, zunehmend weiblicher. Heute ist die Szene, als deren Inbegriff lange Zeit der Nerd galt, eine der vielfältigsten überhaupt. All das ist in unserer Zeit, die nur so von düsteren Zukunftsperspektiven strotzt, besonders wertvoll. Die Zukunft war schon immer das Kerngeschäft der IT-Branche. Angetrieben von Pioniergeist und Fortschrittsglaube, ging und geht es stets um das, was noch nicht ist, aber bald sein könnte. Das Denkbare verwirklichen, selbstverständlich zum Wohle einer besseren Welt. Diese Einstellung hat der Menschheit in den letzten Jahren reichlich neue Technologie, eine Menge neuer Geschäftsmodelle, aber auch einige Datenschutzprobleme beschert. Nicht zuletzt wandelte sich dadurch die Art, wie wir kommunizieren, handeln, lieben etc. Kurz gefasst: Die Digitalisierung hat unsere Lebenswelt und Lebensweise revolutioniert. Mit seinen unaufhörlich nachsprießenden Utopien hat das Silicon Valley Hollywood längst den Rang als Traumfabrik abgelaufen.
Eine der r eichsten Frauen der Welt und sicherlich die berühmteste ist von ihrer Ausbildung her Automechanikerin: Queen E lizabeth II.
Digitalisierung im Industrieland Österreich Auch hierzulande will man auf die Herausforderungen der Digitalisierung und den globalen Wettkampf gut vorbereitet sein. Wenn es nach der Politik geht, soll aus der Industrienation Österreich bald ein IT-Vorzeigeland werden. Die von Digitalisierungsstaatssekretärin Muna Duzdar und Wirtschaftsstaatssekretär Harald Mahrer vorgestellte „Digital Roadmap“ umfasst neben Infrastrukturausbau und digitaler Schulbildung auch das Versprechen, Zehntausende neue Jobs zu schaffen. Zur Erreichung dieser ambitionierten Ziele braucht es nicht nur das Know-how und die Ressourcen, sondern auch das nötige gesellschaftliche Bewusstsein. Darüber hinaus gilt
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Fünftausend freie Stellen Heimische Hochschulen bemühen sich sehr, Frauen für IT-Studien zu begeistern. Immer noch mit viel zu wenig Erfolg, obwohl Frauen in der IT richtig gut verdienen können
Fotos: Pfluegl, Barbara Mair
es, das große Potenzial der Frauen zu aktivieren. Gegenwärtig bestehen in Österreich knapp 15.000 Unternehmen mit beinahe 100.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im IT- oder IKT-Bereich (Informations- und Kommunikationstechnologie). Da der Markt ständig wächst, reißt die Nachfrage nach qualifiziertem Personal nicht ab. Aktuell gibt es hierzulande etwa 5.000 freie Stellen. Ulrike Huemer ist für die Digitalisierungsstrategie der Stadt Wien verantwortlich. Der Fachkräftemangel stellt sie vor eine Herausforderung. Gemeinsam mit Unternehmen der Wiener IT-Branche hat sie 2015 die DigitalCity.Wien ins Leben gerufen. „Ein wesentlicher Aspekt unserer gemeinsamen Aktivitäten sind Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel. Daher gibt es in der DigitalCity eine Bildungsinitiative, wo Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von IT-Unternehmen an Schulen gehen und IT-Wissen vermitteln. Die interessanten Berufe der Zukunft werden in der IT zu finden sein und dafür müssen wir die Kinder und Jugendlichen fit machen und jene Menschen, die bereits im Erwerbsleben stehen, weiterbilden.“ Wolfgang Horak, Geschäftsführer von ICT Austria, einem Zusammenschluss 15 heimischer IT-Firmen, teilt diese Einschätzung. Er ist davon überzeugt, dass man mit der Ausbildung, Förderung und Aufklärung „über das Zukunftspotenzial der Berufsbilder und die weitreichenden Möglichkeiten der Digitalisierung“ nicht früh genug beginnen kann. Aus diesem Grund kooperieren Unternehmen der ICT Austria mit Schulen und Akademien. „Wir brauchen Digitalisierungs-Know-how, Coding- und Medienkompetenz“, so Horak. Studienbeschränkungen gegen Fachkräftemangel? Dass Fachkräfte äußerst gefragt sind, zeigt sich auch am steigenden Studienangebot der heimischen Fachhochschulen. Auf den ersten Blick seltsam mutet hingegen die im letzten Jahr eingeführte Beschränkung der Informatik-Studienplätze an der Universität Wien und der TU Wien an. Mit Einführung der Beschränkung wird die Zahl der Studierenden kontinuierlich sinken. Davon verspricht man sich eine effizientere Ressourcenverteilung und eine Senkung der hohen Dropout-Rate. Aus Wirtschaftskreisen mussten die Universitäten dafür
ereits erhebliche Kritik einstecken. b Die Informatik-Dekanin der Universität Wien, Stefanie Rinderle-Ma, begründet das Vorgehen: „Die Einführung eines Aufnahmeverfahrens mit beschränkten Studienplätzen mag kontraproduktiv wirken, allerdings nur auf den ersten Blick: Wir kämpfen mit sehr hohen Dropout-Raten jenseits der 70 Prozent, Tendenz steigend. In den sechs Jahren vor der Einführung des Aufnahmeverfahrens hat sich zwar die Zahl der StudienanfängerInnen in unseren Informatikstudien mehr als verdreifacht, die Zahl der AbsolventInnen stagnierte aber nahezu. Der Test soll zu einem gewissen Commitment führen, sodass diejenigen, die zum Aufnahmeverfahren antreten, es auch mit ihrer Studienwahl ernst nehmen und ihr Studium unter guten Studienbedingungen zügig abschließen können. Dann gibt
„Es gibt so viele tolle Frauen in der IT, man muss sie nur sichtbar machen“ ulrike huemer, digitalisierungsstrategin der stadt wien
es am Ende sogar mehr universitär gut ausgebildete Fachkräfte in der Wirtschaft als bisher.“ Des Fachkräftemangels ist man sich auch an der TU Wien bewusst. Hannes Werthner, Dekan der Fakultät für Informatik, weist in diesem Zusammenhang in erster Linie auf den Forschungsauftrag der Universitäten hin: „Ein (wenn nicht der wesentliche) Aspekt ist ja nicht nur die Ausbildung bzw. Bildung junger Menschen, sondern auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der Forschung. Dort werden die Methoden und Technologien von morgen oder besser übermorgen entwickelt, und da will die TU Wien dabei sein. Wir sollten ja nicht nur anderswo entwickelte Tools bedienen bzw. weiterentwickeln. Innovation lebt von der ForFortsetzung Seite 10
QUERDENKER GESUCHT� STUDIERE AN DER N E W D E SI GN UN I VE R SI T Y
„Wir kämpfen mit sehr hohen Dropout-Raten jenseits der 70 Prozent“ Stefanie Rinderle-Ma, Informatik-Dekanin, Uni Wien
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Die Arbeiterinnen des Unternehmens North American Aviation waren in Kalifornien im Einsatz Foto: AKG–Images
Auch der Z weite Weltkrieg wurde für M illionen F rauen zur Bestätigung dafür, dass sie technische Arbeiten so gut erledigen können wie Männer
schung! Dies ist das Ziel der Fakultät für Informatik der TU Wien, die übrigens als Fakultät international sehr gut gerankt ist. Forschen und Lehren kann man nur, wenn genügend Ressourcen vorhanden sind.“ Ein Indiz für den effizienteren Umgang sieht Werthner in der sinkenden Zahl der Studieninteressierten. Denn mit der Ankündigung der Aufnahmeprüfungen ist die Zahl von jährlich zwischen 800 und 1.000 auf 650 TestteilnehmerInnen gesunken. Davon wurden schlussendlich 581 an der TU Wien aufgenommen. Neben dem Forschungsauftrag hält Werthner den kritischen Stimmen aus der Wirtschaft auch die Überkapazitäten der Informatikstudienplätze in den anderen Bundesländern entgegen. Bei aller Kritik und Rechtfertigung darf nicht vergessen werden, dass es neben der universitären Ausbildung eine Vielzahl anderer Möglichkeiten gibt. Die unaufhaltsame Weiterentwicklung der Technologie und die Notwendigkeit ständiger Weiterbildung sind zentrale Merkmale der Branche. Wie so oft ist das zugleich Fluch und Segen, Problem und Chance. Denn die rasche Entwicklung führt unweigerlich dazu, dass nicht alles innerhalb eines Studiums bewältigt werden kann. Vielfältige Bildungswege und noch mehr Jobmöglichkeiten Ohne Flexibilität und Lernbereitschaft kommt man in der IT nicht allzu weit. Für den weitaus größten Teil der Stellen ist eine HTL-Ausbildung mit EDV-Spezialisierung ausreichend. Ein umfangreiches Kursangebot von WIFI und BFI ermöglicht den Berufseinstieg im zweiten Bildungsweg. Darüber hinaus sind autodidaktische Bildungswege in der Branche keine Seltenheit. Der spielerisch-erfinderische Charakter der Tätigkeiten, ob Webdesign oder Programmieren, ermöglicht es, das Hobby zum Beruf zu machen. Einige der erfolgreichsten IT- und Web-UnternehmerInnen haben solche auf den ersten Blick ungewöhnliche Karrierewege hinter sich. Nicht zu unterschätzen sind auch Events wie Kongresse, Barcamps oder Tweetups. Dort werden zum einen die Neuerungen der Branche vorgestellt und diskutiert, zum anderen bieten sie einen idealen Vernetzungsrahmen. Wer sich in den Kopf gesetzt hat, auf dem einen oder anderen Weg in die IT einzusteigen, findet ein enorm weites Spektrum an Betätigungsfeldern vor. Software-Entwickler, Webdesigner, Cyber-Security- oder Big-Data-Experten sowie Netzwerk- und Systemadministratoren werden in Zukunft vermehrt benötigt. Es ist erforderlich, die anwachsenden Datenmengen gezielt auszuwerten. Neben der Entwicklung von Apps, Tools und Algorithmen gewinnen auch
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Foto: citronenrot
Onlinemarketing, Imageberatung und Social-Media-Betreuung zunehmend an Bedeutung. Darüber hinaus ist die Informatik seit Jahren ein interdisziplinärer Gegenstand. Spezielle Studiengänge wie Bioinformatik oder Medizinische Informatik verweisen auf das Potenzial und die Bedeutung computerbasierter Anwendungen für andere Forschungs- und Lebensbereiche. Zudem schafft die Internationalisierung der Branche eine Menge lukrativer Aufstiegschancen. Nicht umsonst haben die Unis eine Reihe englischsprachiger Studiengänge im Angebot. Frauen in der IT – dort werden sie längst erwartet „Arbeit mit Computern ist Männersache.“ Entsprechend diesem Vorurteil war die IT für die weitaus längste Zeit seiner kurzen Geschichte ein rein männliches Fachgebiet. Die wenigen Programmiererinnen und Softwareentwicklerinnen galten als exotisch. Mittlerweile hat man in der ITBranche das Potenzial von Frauen und die Vorteile gemischter Teams und Abteilungen erkannt. Doch obwohl der Frauenanteil stetig ansteigt, ist er auch heute noch verhältnismäßig niedrig. An der TU Wien sind rund 20 Prozent der Informatikstudierenden weiblich, an der Univer-
„Wir können keinen Interessenunterschied zwischen Mädchen und Buben feststellen“ wolfgang horak, geschäftsführer von ict austria
sität Wien sind es 27 Prozent. Dennoch gibt man sich speziell an den Hochschulen seit Jahren Mühe. An der TU Wien äußert sich die aktive Politik in Form eines Frauenförderungskonzepts. Zu diesem Zweck wurde 2003 mit dem Wissenschafterinnenkolleg Internettechnologien (WIT) ein eigenes Dissertationsprogramm für Frauen gegründet. Andere Fördermaßnahmen sind Informationstage und Workshops. Dazu zählt die am 14. März stattfindende internationale Podiumsdiskussion „More female students in CS. Who cares?“, zu welcher Hannes Werthner einlädt. „Obwohl wir viel machen, wissen wir auch, dass der Erfolg größer sein könnte und auch müsste.“ Der geringe Frauenanteil lässt sich nicht durch Berufs- und Lohnaussichten erklären. Im Gegensatz zu vielen anderen Berufsfeldern ist die Lohnschere relativ niedrig. Man könnte nun einwenden, dass junge Frauen eben weniger Interesse an Technik und Computern haben. Ein anderes, oft wiederholtes und ebenso oft widerlegtes Argument betrifft die angebliche Mathematik-Schwäche der Mädchen. Geschlechtsneutrale Talentförderungen und Initiativen haben diese Annahmen bereits des Öfteren ins Reich der Mythen verwiesen. Die grundsätzliche
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Eignung junger Frauen und Mädchen steht auch für Wolfgang Horak fest: „Mit dem Projekt SMART KIDS gehen wir mit altersgerechten ICT-Workshops in die Schulen. Wir können keinen Interessenunterschied zwischen Mädchen und Buben feststellen. Vertreter beider Geschlechter kommen gleichzeitig mit den neuen Technologien in Berührung und sind neugierig, was man damit alles tun kann. Diesen Schwung müssen wir mitnehmen.“ Früh erkennbare Talente zu fördern und bereits in der Volksschule bei den Mädchen Interesse für IT und Naturwissenschaften zu schaffen, ist auch für Ulrike Huemer ein wichtiges Anliegen. „Erfolgreiche Frauen in der IT positionieren wir daher sehr gern als Vorbilder. Ich selbst gehe sehr kritisch damit um, wenn auf Veranstaltungen und Kongressen keine Frauen als Sprecherinnen vorgeschlagen bzw. eingeladen werden! Es gibt so viele tolle Frauen in der IT, man muss sie nur sichtbar machen. Es ist ein Prozess der Bildung in den Schulen, aber auch ein gesellschaftlicher Prozess.“ Bei allem Aufholbedarf verdeutlicht die Vielfalt an Initiativen dennoch eines: Die IT wird Frauen in Zukunft genauso benötigen wie Frauen die IT. Joshua Köb
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Nicht beirren lassen! Ein technisches Studium ermöglichte diesen Frauen ihren Traumjob: an der Uni, als Architektin, Qualitätsmanagerin, HTL-Lehrerin oder Projektmanagerin zra Korjenic hat schon als Kind ihrem Vater gern beim Hausbau geholfen, daheim in Sarajevo. Sie studierte dort Bauingenieurwesen. 1994 kam sie als Kriegsflüchtling nach Wien und war verwundert. „In Österreich haben wenige Frauen das studiert im Vergleich zu meiner Heimat. Dort waren es sicher vierzig Prozent. Ich habe in Wien in einem Planungsbüro gearbeitet. Wir waren unter zwanzig Mitarbeitern drei Frauen.“ Danach begann die Bauingenieurin ein Dissertationsprojekt am Institut für Bauphysik der TU Wien. Sie konnte es mit einer Projektassistenz-Stelle kombinieren. Dämmstoffe, Energieeffizienz, Berechnungsverfahren und Umweltthemen in der Forschung faszinierten sie. So war ihr weiterer Weg als Wissenschaftlerin rasch klar. Heute ist sie Associated Professor am Institut für Hochbau und Technologie. „Es war immer mit viel Lernen verbunden, bis heute. Aber das liegt an der Materie. Es gibt ständig neue Entwicklungen in der Bauphysik. Wir forschen viel. Momentan leite ich zehn große, zumeist anwendungsorientierte Projekte, darunter ,Aspangstraße Eurogate‘, die größte Passivhausanlage Europas.“ Der Frauenanteil an der TU Wien hat sich deutlich erhöht: „Im Bauingenieurwesen beginnen rund 300 Studierende, davon sind 20 bis 30 Prozent Frauen.“ Wie beschreibt Korjenic jungen Frauen, was sie genau macht? „Ich sage immer: Wir machen das Richtige. Wir bauen gesund und ordentlich und schaffen ein gutes Raumklima. Vor allem erkläre ich gern, wie vielfältig unsere Berufsmöglichkeiten sind: Das reicht von der Planung und Ausführung über Controlling bis zu Lehre, Forschung und Entwicklung. Und wichtig: Alle AbsolventInnen haben in Österreich einen Job gefunden.“ Frauen sollten mehr Vertrauen in ihren Zugang zur Technik haben, der sich von dem der Männer durchaus unterscheidet. „Wir sehen auch die Umgebung, sind praktischer, denken in viele Richtungen. Die Technik ist kein Selbstzweck. Männer nehmen die Technik oft zu technisch.“ Vorurteile gegenüber Frauen in einem technischen Beruf erlebt sie nicht mehr, im Gegenteil. „Viele Firmen suchen gezielt Frauen, denn es ist wissenschaftlich als Vorteil erwiesen, gemischte Teams zu haben. Etwa in Smart-City-Projekten bringen Frauen andere Sichtweisen ein, wie zum
Beispiel, dass Fahrräder ja gut sind, aber Mütter mit kleinen Kindern bei strömendem Regen damit schwer ihre kleinen Kinder in den Kindergarten bringen können.“
„Am Anfang wurde man oft nicht ernst genommen, etwa bei Bauleitungen. Maximal als Mediatorin, die schaut, dass alles im sozialen Zusammenspiel funktioniert“ Ute Burkhardt, Architektin
Mädchen in HTL-Klassen verbessern die Atmosphäre Auch Gudrun Oswald übt als Bauingenieurin einen lehrenden Beruf aus und unterrichtet an einer Wiener HTL. Sie hat sich als Kind schon für Räume und den Lichteinfall interessiert und wollte eigentlich Architektin werden. „Letztlich habe ich aber an meinen künstlerischen Fähigkeiten gezweifelt und mich für Bauingenieurwesen an der TU Graz entschieden. In meinem Jahrgang gab es relativ viele Frauen, und ich habe mich in diesem Umfeld sehr wohl gefühlt“. Oswald blieb nach Studienende als Assistentin am Institut für Tragwerkslehre der TU Graz und schrieb eine Dissertation über „Ökologische Bewertung im Holzwohnbau“. Nach fünf Jahren wollte sie in der Holzforschung arbeiten, aber es kam anders. „Die Architektur kam durch die Hintertür wieder ins Spiel, denn ich bekam das Angebot vom Institut für Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien, Tragwerkslehre zu unterrichten.“ Dort blieb sie sieben Jahre und bekam in der Zeit auch ihre beiden Kinder. Das sollte an einer Hochschule recht gut zu vereinbaren sein, oder? „Ich habe fast das Gegenteil zu meiner Assistentenzeit an der TU Graz erlebt, weil ich es mit Professorinnen zu tun hatte, die selbst kinderlos waren und wenig Verständnis für meine Situation aufbrachten. Ich war auch nur ein Jahr in Karenz – und das wurde schon nicht gern gesehen. Aber diese Professorinnen kamen nicht aus Österreich und kannten vielleicht das System hier nicht gut. Dann ist der Vertrag ausgelaufen und ich war in einem Zivilingenieurbüro als Tragwerksplanerin tätig.“ Eine interessante Aufgabe, doch Oswald hatte am Unterrichten sehr großen Gefallen gefunden. Sie bewarb sich an der Wiener HTL Camillo Sitte und wurde sofort genommen. Wie machen sich die HTL-Schülerinnen im Allgemeinen? „Die Anzahl der Mädchen steigt laufend und die Atmosphäre ist deutlich besser, wenn Mädchen in der Klasse sind. Es ist ein freundlicherer, respektvollerer Umgang miteinander als in reinen Buben-
klassen und die Mädchen sind meistens leistungsmäßig sehr stark. Sie haben sich ja vielleicht noch bewusster für die HTL entschieden als ihre männlichen Kollegen.“ Wie könnte man noch mehr Mädchen an eine HTL bringen? „Es gibt nach wie vor zu wenig standardisierte Information an den Schulen über die Möglichkeiten der verschiedenen Schultypen. Da gehört mehr getan. Der jedes Jahr stattfindende Tag der offenen Tür bei uns an der Schule ist immer sehr erfolgreich und eine gute Möglichkeit, interessierte Schülerinnen und deren Eltern zu informieren“. Kult um männliche Architektenstars ist passé „Für mich war es schon als Kind klar, Architektur zu studieren“, sagt die gebürtige Deutsche Ute Burkhardt. „Und zwar dezidiert an der Hochschule für Technik in Stuttgart und nicht an der Akademie der Bildenden Künste“. Zunächst mit der Vision, Innenarchitektin zu werden, „kristallisierte sich schon bald heraus, dass der Beruf der Architektin sehr viel allgemeiner angelegt ist. Die Anforderungen sind ästhetischer, technischer, theoretischer, ökonomischer und ökologischer Natur.“ In Stuttgart lag der Anteil der Frauen im Architekturstudium damals bei 25 bis 30 Prozent. Das Studium bereitete Burkhardt keinerlei Mühen. Sie wollte sogar nach Beendigung und Diplom noch weitermachen, und zwar in einer Meisterklasse der „Hochschule“ (wie sie damals noch hieß) für angewandte Kunst in Wien. „Das haben damals viele AbsolventInnenen technischer Hochschulen gemacht, um noch weiter Projekte machen zu können. Wien hatte einen exzellenten Ruf.“ Sie bewarb sich bei Wilhelm Holzbauer und blieb drei Jahre lang in seiner Klasse. Danach arbeitete sie in verschiedenen Architekturbüros, etwa bei Helmut Richter oder Gustav Peichl, bei dem sie an der Planung für den Millennium Tower in Wien beteiligt war. Gemeinsam mit anderen Kollegen gründete Burkhardt die Architektengruppe O.A, „Ohne Architektur“, nahm an Wettbewerben teil und realisierte erste Projekte. Einer der Kollegen war ihr späterer Mann Markus Bodenwinkler, mit dem sie heute noch zusammenarbeitet.
Foto: Markus Bodenwinkler
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Eine Arbeiterin der Douglas Aircraft Company nietet einen Metallträger für den Flügel eines B–17 F Bombers Foto: AKG–Images
Gab es negative Erfahrungen in einem Beruf, in dem zwar mehr Frauen unterwegs sind als in anderen technischen Fächern, aber vorwiegend Männer die Star-Architekten werden? „Am Anfang wurde man oft nicht ernst genommen, etwa bei Bauleitungen. Maximal als Mediatorin, die schaut, dass alles im sozialen Zusammenspiel funktioniert. Aber ich denke, dass der männlich dominierte Starkult heute passé ist. Architektur wird immer komplexer und bedarf guter Teams, die aus gleichberechtigten Partnern bestehen.“
Frauen an den Herd – ja, aber nur, um ihn zu zerlegen und reparieren zu können. Danach kommt das Auto dran, dann der Fernseher und schließlich wird der Sack auf der Couch zum ebenbürtigen Partner – oder er geht
Es fehlt an Vorbildern zur Begeisterung der Mädchen für Technik Teamarbeit ist auch für Simone Sauter ein großes Thema. Die Abteilungsleiterin Quality Operations bei Opel Wien führt als Maschinenbau-Absolventin der TU Wien ein Team von dreißig Personen, darunter nur eine Frau. „Das ist mein Traumjob, denn ich bin verantwortlich für Problemlösung sowohl bei Qualitätsproblemen als auch bei komplexen technischen Problemen in der Fertigung. Eine wirklich spannende Aufgabe. Es geht darum, Probleme in strukturierter Weise zu beschreiben, ihre Ursachen zu verstehen und Maßnahmen zur Behebung zu implementieren.“ Der Weg zum Traumjob war nicht ganz eben, denn nach dem Maschinenbau-Studium an der TU Wien fand sich nicht gleich ein adäquater Job. „Das war auch für männliche Jungabsolventen ohne Berufserfahrung Mitte der Neunzigerjahre nicht einfach. Ich habe viele Blindbewerbungen geschrieben, aber wurde kaum zu Gesprächen eingeladen. Eine im Personalwesen tätige Bekannte sagte mir damals, dass Männer gegenüber Frauen in technischen Berufen tatsächlich bevorzugt würden. Das war noch so.“ Sie landete dann als ManagementTrainee in der Sprachschule Berlitz. „Die haben sich mehr für meine Persönlichkeit und meine Sprachkenntnisse als mein Maschinenbau-Diplom interessiert. Mir hat der Job in einem reinen Frauenteam sehr viel Spaß gemacht. Aber nach drei Jahren wollte ich dann doch in einem technischen Beruf arbeiten. Nach einem Wechsel in die Papierindustrie kam Sauter schließlich zu Opel Wien. Seit siebzehn Jahren ist Fortsetzung Seite 14
14 FALTER 8/17 T h em a 2/ 17 : B i ld ung : T ec h n ik
„Die Technik ist kein Selbstzweck. Männer nehmen die Technik oft zu technisch“
Fortsetzung von Seite 13 sie nun dort und versucht gezielt, junge Frauen in ihrem Team zu fördern. „Es fehlt an Vorbildern für Mädchen, das ist schade. Frauen wie ich müssten direkten Kontakt mit ihnen haben und erzählen, wie toll so ein Beruf ist und wie viel Spaß er macht.“ Eine sinnvolle Maßnahme wäre für Sauter, Mädchen die Gelegenheit zu geben, spielerisch Technik zu erleben. „Denn Frauen in technischen Berufen sollten als etwas Selbstverständliches gesehen werden, nicht als Exotinnen. Aber diese Einstellung muss vorgelebt werden, und zwar für Mädchen und Burschen. Das ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe.“
truktiven Ingenieursbau.“ Nachteile als Frau empfand sie nie, auch wenn von den damals 180 Erstsemestrigen nur 15 Frauen waren. „Das heißt, an eine unangenehme Situation erinnere ich mich. Wir haben im Rahmen einer Exkursion eine Tunnelbaustelle besichtigt, doch ich durfte als Frau nicht hinein. Die Bauleiter konnten ihren Aberglauben nicht ablegen, dass Frauen auf einer Tunnelbaustelle Unglück bringen.“ Nach dem Studium arbeitete sie in einem Ingenieurbüro und machte Eisenbahnplanung, obwohl es sie eher zum Straßenbau zog. Die nächste Station war ÖBB-Postbus und danach die Hochleistungs AG, heute zur ÖBB gehörig. „Ich habe viel über Finanzierung, wirtschaftliche Überlegungen und EUweite Ausschreibungen von Baudienstleistungen gelernt. Aber ich wollte wieder an Projekten arbeiten.“ Ihr Wunsch wurde 2006 erfüllt, als man ihr die Projektleitung für die Realisierung des Hauptbahnhofes Wien anbot. „Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich da einlasse, und wusste nur,
Frauen sind im Tunnel verboten: Sie bringen Unglück! Judith Engel zog es an die TU Wien, weil sie nicht an einer überfüllten Uni studieren wollte. Im Vorlesungsverzeichnis blätternd, blieb sie bei Bauingenieurwesen hängen und dachte: „Das ist spannend, denn es beinhaltet Verkehrsplanung, Wasserbau, Bauwirtschaft und Statik und kons-
FUNDIERTE ANALYSEN
Azra Korjenic, Professorin TU Wien
„Die Mädchen an der HTL sind meistens sehr stark. Sie haben sich ja bewusst dafür entschieden“ Gudrun Oswald, HTL Camillo Sitte
Lehrveranstaltungen 2017 Experimente mit dem existentiellen Raum Franz Xaver Baier
Chaos und Ordnung Manfred Bergauer
Contemporary archaeology of outer space
DA S jü D I S chE KULT UR - UND GE I STESL EbEN .
Alice Gorman
Unplugged images. An observation on CERN Katrin Hornek
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„Ich habe gelernt, viele Meinungen einzuholen und sie wertfrei anzuhören“ Judith Engel, projektleiterin hauptbahnhof wien
Fotos: Privat, Kunstfotografin. at, Wolfgang Lehrner, Helga Mayer
das will ich machen, denn das war eine einmalige Chance.“ Sie startete bei null mit der kompletten Organisation und ohne Mitarbeiter. Daraus wurden mit der Zeit dreißig. Frauen brauchen Unterstützung durch ihre Partner Wurde sie sofort akzeptiert? „Am Anfang war die Stimmung eher verhalten, zum Teil wegen des noch fraglichen Projektes und zum Teil meiner Person gegenüber. Ich war erst 28 und hatte noch kein Großprojekt vorzuweisen.“ Engel ignorierte alle Vorbehalte und ging ans Werk. Gelernt hat sie jede Menge bei dieser Aufgabe: „In den ersten fünf Jahren waren die Problemstellungen jeden Tag komplett neu. Es gab keine standardisierten Lösungen, wir mussten sie selbst finden. Und ich habe gelernt, viele Meinungen einzuholen, sie wertfrei anzuhören, und dass es bei Entscheidungen nicht darum geht, sie als Projektleiterin selbst zu treffen, sondern sie herbeizuführen. Das ist das
„Es fehlt an Vorbildern für Mädchen, das ist schade. Frauen wie ich müssten direkten Kontakt mit ihnen haben“ Simone Sauter, Managerin, Opel Wien
Wichtigste überhaupt, denn die Entscheidung muss von allen mitgetragen werden.“ Zusätzlich gab es eine andere Herausforderung familiärer Natur, denn Engel bekam in diesen zehn Jahren als Projektleiterin zwei Kinder und adoptierte ein weiteres. „Wenn man Ehrgeiz hat und eine anspruchsvolle Tätigkeit machen will, dann ist das Familienleben immer anstrengend zu organisieren, egal ob in technischen oder anderen Berufen. Es braucht immer Unterstützung.“ In ihrem Fall stehen Ehemann und Babysitter zur Seite. In Karenz war Engel nur mit dem dritten Kind, ein Jahr lang. Und bald geht es wieder in einem neuen Fulltime-Job weiter, als Bereichsleiterin für Bau- und Bestandsmanagement am Flughafen Wien-Schwechat. Ihr Rat an junge Frauen: „Nicht hinhören und beirren lassen, wenn jemand von einer technischen Ausbildung abrät! Meistens haben die Warnenden das selbst gar nicht gemacht.“ Barbara freitag
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Auch an FHs wird geforscht Fachhochschulen sind keine bloßen Ausbildungsstätten, sie verwirklichen auch innovative Forschungsprojekte. Wir stellen einige davon vor ngebot und Nachfrage sind an den mittlerweile 21 Fachhochschulen Österreichs in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Neben der Lehre gewinnen Forschung und Entwicklung zunehmend an Bedeutung. Gemein ist vielen der Vorhaben die Nähe zur Praxis und zu unserem Alltag. Viren-Killer: RNS zur Bekämpfung viraler Infektionen „Die Spitzenmedizin in Österreich ermöglicht heute vielen Patienten ein Überleben in Bereichen, in denen früher Therapien nicht oder nur unzureichend zur Verfügung standen. Dies ist zu einem nicht unwesentlichen Teil der Weiterentwicklung der Intensivund Transplantationsmedizin zu verdanken“, erklärt Reinhard Klein vom Department Life Sciences der FH Krems. Dadurch steigt auch die Zahl immungeschwächter Patienten. Ihre Immunaktivität wird medikamentös herabgesetzt, um die Abstoßung eines Transplantats zu verhindern. „Bakterielle Infektionen sind mittels Antibiotika weitestgehend gut kontrollierbar“, sagt Klein. „Doch die Therapieoptionen für viele Virusinfektionen erweisen sich als unzureichend. Die für bestimmte virale Infektionen relativ hohe Mortalitätsrate zeigt Handlungsbedarf in die-
sem Bereich.“ In einem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt beschäftigten er und sein Team sich mit der Möglichkeit, Ribonukleinsäure (RNA) zur Bekämpfung von Adenoviren einzusetzen. Die meisten Viren dieser Gruppe sind für den Menschen weitgehend harmlos. Während sie bei gesunden Menschen oft lediglich zu einem Schnupfen und Atemwegsinfekten führen, stellen sie für immungeschwächte Menschen eine ernsthafte Bedrohung dar. RNA liest die Informationen der DNA ab und veranlasst deren Umsetzung in Eiweiße. An der FH Krems arbeitet man mit künstlich erzeugter RNA: Diese unterbindet das Auslesen der Virus-DNA und verhindert so deren Vermehrung. Was im Reagenzglas bereits funktioniert, soll nun auch in lebenden Organismen untersucht werden. Gelingt dies, könnte eine effektive Therapieoption zur Verfügung stehen. Das könnte die Lebenserwartung und -qualität immungeschwächter Patienten deutlich verbessern.
„Unsere Forschung ist auf Praxisforschung ausgerichtet, ein wesentliches Kennzeichen von Forschung an FHs“ marika Gruber, fh kärnten
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Wenn sich das Handy mit dem Fernseher unterhält „Im Zuge meiner Forschung habe ich an der Übertragung von Information im Ultraschallbereich gearbeitet. Damals ging es darum zu prüfen, ob das überhaupt möglich ist“, erklärt Matthias Zeppelzauer vom Institut für Creative\Media/Technologies der FH St. Pölten. Menschen können Geräusche bis zu einer Frequenz von etwa 18.000 Hz, die Mikrophone von Handys bis zu 22.000 Hz wahrnehmen. „Unsere Untersuchungen haben bestätigt, dass in diesem für uns nicht hörbaren Frequenzbereich Informationen über mehrere Meter Entfernung übertragen werden können. Im Zuge dieser Forschung wurde mir bewusst, dass hier ein neues Spannungsfeld im Bereich der Privatsphäre entsteht.“ Neben durchwegs praktischen Anwendungen lässt sich diese Form der Übertragung auch für die Überwachung von Benutzern gebrauchen: Zugleich mit einem Werbespot können akustische Signale gesendet werden. Handys können diese über das Mikrofon empfangen, entschlüsseln und Information an den Urheber des Signals schicken. Dieser weiß nun, dass wir die Werbung gesehen haben. Da auch Handys so miteinander kommunizieren können, ließe sich auch feststellen, wer sich in unserem Umfeld aufhält. In beiden Szenarien findet die
Übertragung oft ohne unser Wissen und unsere Zustimmung statt. Zeppelzauer und seine Studierenden wollen nun zumindest Ersteres ändern: Das Handy wird dabei vom Sicherheitsrisiko zum Sicherheitstool. Eine App soll für uns sichtbar machen, was wir nicht hören: „Die SoniControl App soll es in Zukunft ermöglichen, Audio Tracking zu erkennen und aktiv durch den Lautsprecher die Ultraschallübertragung zu unterbinden.“ Die ungewollte Kommunikation von Geräten wird von Störgeräuschen unterbrochen und unsere Privatsphäre geschützt. Ein erster Prototyp soll in der zweiten Jahreshälfte bereitstehen. Die Zukunft des Bauens: neue Glas- und Dämmtechnologien Mit dieser beschäftigt man sich sowohl an der FH Salzburg als auch an der FH Joanneum Graz. Das dort neu gegründete Johann-Ressel-Zentrum widmet sich der Erforschung von Dünnglastechnologien. Darunter versteht man Glasstärken von weniger als zwei Millimeter. Je dünner Glas ist, desto flexibler wird es – so sehr, dass es gebogen werden kann. Das erlaubt gleich mehre Optimierungen: Dünner bedeutet auch leichter und weniger Material, damit einhergehend sinkt der Ressourcenverbrauch. Die Flexibilität erlaubt es zudem, anstatt aufwendiger, gewölbter Glaselemente ebene Dünnglas-Platten zu produzieren. Diese können einfach geschnitten und in die gewünschte Form gebogen werden. Die Architektur erhält so einen völlig neuartigen Werkstoff. Die Neuerungen, die man an der FH Salzburg anstrebt, sind dagegen hinter der Fassade angesiedelt: die Wärmedämmung. Am häufigsten kommen dabei Polystyrol-Platten zum Einsatz. Diese bestehen zum Großteil aus Erdöl. An der FH Salzburg hat man eine ökologische Alternative gefunden: Tannin. Es wird aus der Rinde von Bäumen gewonnen. Nicht nur haben die Tannin-Schäume ähnlich gute Eigenschaften wie herkömmliche Materialien. Sie bestehen zudem aus nachwachsenden Rohstoffen. Dabei ist die Rinde sogar überwiegend ein Abfallprodukt der Holzindustrie, das nicht weiterverarbeitet wird. Für viele Gemeinden stellt die Abwanderung in die Städte oder deren Speckgürtel eine zunehmende Herausforderung dar. Wie es gelingen kann, Neuankömmlinge langfristig in den
Foto: Helge Bauer
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Eine Elektrotechnikerin bei der Goodyear Aircraft Corporation in Akron, Ohio, trägt ihren Teil zum Bau eines Flugzeugs bei Foto: AKG–Images
Gemeinden einzubinden, zeigt das Projekt „Migration als Chance für den ländlichen Raum“ von Marika Gruber, Studienbereich Wirtschaft und Management der FH Kärnten. Initiiert wurde das Projekt durch den Bezirkshauptmann, der sich mit seinen Fragen an die FH wandte, schildert die Forscherin: „Wie kann man das Potenzial der bereits im Bezirk lebenden Zuwanderer besser nutzen bzw. noch weiter heben? Und wie lassen sich diese Personen samt ihren Familien auch auf Dauer in der Region halten?“ Das gemeinsam mit der Bezirkshauptmannschaft entwickelte Projekt etablierte erstmalig ein lokales Angebot an Deutschkursen: „Die Kurse wurden so konzipiert, dass nicht nur Deutsch vermittelt wird, sondern auch die Region, Bräuche, Verwaltungseinrichtungen und Freizeitmöglichkeiten im Rahmen von Exkursionen kennengelernt werden können.“
90 Prozent unserer Industrieunternehmen können Fachkraftstellen in Technik und Produktion kaum besetzen. Der Frauenanteil unter den technischen Fachkräften beträgt 15 Prozent. Aber wer schickt seine Tochter an die HTL?
Wie hält man neu zugezogene Menschen in ländlichen Regionen? In einer Begleitstudie wurden Motive für Zuzug und langfristige Ansiedlung erhoben. Basierend auf dieser wurde ein integrationspolitisches Handlungskonzept entwickelt. Zu den konkreten Ergebnissen zählen etwa ein Regionalhandbuch für Neuankömmlinge und Sensibilisierungsworkshops für Verwaltungsbedienstete. Zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Zuwanderern und Einheimischen finden in weiterer Folge Workshops mit Vertretern der Neunankömmlinge und den öffentlichen Akteuren statt. „Es geht nicht einfach darum, Informationen zu erheben. Man muss die Betroffenen vor Ort zu Beteiligten machen“, betont Gruber und folgert: „Forschung ist damit stark auf Praxisforschung ausgerichtet, was ein wesentliches Kennzeichen von Forschung an Fachhochschulen ist.“ Wie auch die Universitäten folgen die FHs dem Prinzip der Vernetzung von Forschung und Lehre: Lehrende, die auch selbst forschen, können aktuelle Fragestellungen und Erkenntnisse in die Lehre einfließen lassen und so gleichzeitig Studierende an die Forschung heranführen. Internationale Kooperationen unterschiedlicher Forschungseinrichtungen und die Einbeziehung von Studierenden in die Forschungstätigkeit sind daher oftmals Teil der Tagesordnung. Werner Sturmberger
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Keine Grenzen für Lehrlinge? Einige Beispiele dafür, wie es Lehrlinge auch in mittlere Führungspositionen heimischer Betriebe schaffen können – und was es sie kostet, weiter aufzusteigen ohannes Jäger hat seine berufliche Laufbahn als Jugendlicher mit einer Lehre zum Feinmechaniker für optische Geräte begonnen. Nach mehreren Umorientierungen ist der 49-Jährige heute Filialleiter einer großen Hervis-Filiale in der Linzer Innenstadt und leitet ein Team von 15 Mitarbeitern. Derartige berufliche Aufstiege werden von Unternehmen gern als Beispiele im Werben um Lehrlinge herangezogen. Und nicht erst seit der letzten „Mission:Job“-Kampagne der Wirtschaftskammer ist der alte Slogan „Karriere mit Lehre“ wieder in aller Munde. Außer der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer werben auch zahlreiche Branchenführer des Einzelhandels laufend in groß angelegten Werbestrecken um Lehrlinge und heben dabei stets die guten Aufstiegschancen
Wer an die Universität Liechtenstein kommt, den erwartet eine staatliche Hochschule mit den Vorzügen einer Privatuniversität.
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ie rund 800 Studierenden stehen in direktem Kontakt zum Lehrkörper – auf einen Dozierenden kommen zwölf Studierende. Damit ist bei überschaubaren Studiengebühren ein persönliches Arbeitsumfeld garantiert. Innovative Lehre Mit neuen Ansätzen zeigt die Universität, was moderne Lehre bedeutet. Nach schweizerischen Qualitätsstandards wird hier dynamisch Wissen transferiert. Die vier Institute Architektur und Raumentwicklung, Entrepreneurship, Finanzdienstleistungen und Wirtschaftsinformatik setzen auf eine kreative und leistungsbetonte Umgebung. Hier wird in kleinen Gruppen praxisnah gearbeitet, den Absolventen ermöglicht das hervorragende Karrierechancen auf einem attraktiven Arbeitsmarkt. International und regional Die Universität Liechtenstein überzeugt mit einem lebendigen Campus mit Studierenden aus über 40 Ländern. Diese profitieren vom exzellenten Netzwerk der Universität in Form von Austauschprogrammen mit 80 Partnerhochschulen in 38 Ländern. Gleichzeitig ist die Universität fest in der Region verankert uni liechtenstein f thema 215x135.indd 1
und Karrieremöglichkeiten im jeweiligen Unternehmen hervor. So bewirbt die Drogeriekette DM ihre Ausbildungsplätze zurzeit bewusst angepasst an aktuelle Internettrends: mit Hashtag und dem Werbespruch „Herz und Kopf “. Auf der Website der Firma wird dann der Weg von der Lehre zum Gebietsmanager beschrieben. Auch der Posten eines Studioleiters, Qualitätsmanagers oder Fachtrainers steht jungen Menschen, laut Infoblatt, nach der Lehre bei DM offen.
„Auch der Vertriebsleiter für Österreich hat als Lehrling im Unternehmen begonnen“
Nach der Lehre ist Weiterbildung für den Aufstieg unerlässlich Aber ist es tatsächlich möglich, nach der Lehre in die Führungsriege aufzusteigen? Welche reellen Chancen haben Ausgelernte im Einzelhandel auf den Posten des Filialleiters? Stefan Ehrlich-Adám, Ob-
johannes jäger, filialleiter bei hervis
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und ein Innovationsmotor der hiesigen Wirtschaft. Sie berät Gemeinden, Wirtschaftsunternehmen und die Verwaltung, unterstützt KMU und Startups sowie Non- Profit-Organisationen und wirkt im Drei-Länder-Rheintal als offenes Transferzentrum für innovatives Wissen und Technologie. Leuchtturm der Forschung Mit Themen wie Nachhaltiges Planen
mann der Sparte Industrie der WKO und Geschäftsführer des Sicherheitsunternehmens EVVA, erklärt im Interview, welche Lehrlinge echte Aufstiegschancen haben und unter welchen Vorrausetzungen man in der Industrie die Karriereleiter erklimmen kann. Außerdem beantwortet Günter Helm, Geschäftsführer der Hofer KG, die Frage, wie man als ausgelernter Einzelhandelskaufmann bei Hofer Filialleiter wird. In Ehrlich-Adáms Unternehmen werden jährlich 4 bis 5 neue Lehrlinge aufgenommen und zum Elektriker, Mechatroniker oder Maschinenschlosser ausgebildet. EVVA ist spezialisiert auf mechanische und elektronische Schließsysteme sowie Zutrittskontrollen und hat ihren Hauptsitz im 12. Bezirk in Wien. Die Wirtschaftskammer Wien führt alle zwei Jahre eine Bildungs-
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Studienangebot • Bachelorstudiengänge: Architektur, Betriebswirtschaftslehre • Masterstudiengänge: Architecture, Entrepreneurship, Finance, Information Systems • Doktoratsstudiengänge: Business Economics, Architecture and Planning • Weiterbildung: Executive Masterstudiengänge (LL.M., EMBA, MBA), Lehrgänge, Seminare und Tagungen in den Bereichen Banking and Finance, Entrepreneurship und Management, Recht, Steuern und Wirtschaftsinformatik.
Zusätzlicher Weiterbildungsstudiengang ab Juni 2017: und Bauen, Entrepreneurship, Wealth • Master of Business AdministratiManagement und Business Process on (MBA) in Corporate Finance & Management leistet die Universität Accounting wertvolle Beiträge für internationale Diskussionen. Fachimpulse aus und zurück nach Liechtenstein zeigen, das Fürstentum ist ein exzellenter Wissenschaftsstandort. Studierenden garantiert dies eine persönliche und fachliche Weiterentwicklung auf internationalem Niveau.
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20.02.2017 10:42:14 Uhr
statistik durch, der man entnehmen kann, dass rund 50 Prozent der Führungspositionen in Wiener Unternehmen von Personen besetzt sind, die als Lehrlinge im Betrieb begonnen haben. „Das zeigt also durchaus, dass die Lehre im Endeffekt nur das erste Puzzleteil einer Bildungskarriere darstellt und man nach einer Lehre sehr wohl etwas erreichen kann“, stellt Ehrlich-Adám fest. Besonders den Jugendlichen, die sich nach dem Abschluss ihrer Lehre aktiv um ihre Weiterbildung kümmern, prophezeit Ehrlich-Adám einen raschen Aufstieg auf der Karriereleiter: „Gerade die jungen Menschen, die eine Lehre machen, sich dann entsprechend weiterbilden und etwa weiterführende Ausbildungen wie Meisterprüfungen, Spezialisierungskurse oder eine Berufsakademie besuchen, werden in der Zukunft erfolgreich sein.“ Einige Unternehmen haben eigene „Academys“ zur Weiterbildung Solche Berufsakademielehrgänge sind ein Weiterbildungsangebot auf Hochschulebene, das die Wirtschaftskammer Österreich gemeinsam mit dem WIFI und der FH Wien der WKW anbietet. In vier Semestern kann man an der Berufsakademie auch ohne Matura den Titel Master of Science erwerben. Derzeit werden in diesem Rahmen fünf Fachrichtungen angeboten: Handel, Marketing und Verkauf, Bilanzbuchhaltung, Gebäudemanagement und Unternehmensmanagement. Im technischen Bereich gibt es keine Lehrgänge. Hier sieht EhrlichAdám eine Lücke im Bildungsangebot: „Es gibt zwar in den technischen Berufen die Meisterausbildung, aber Meisterausbildung und Berufsakademie sind nicht unbedingt vergleichbar, weil man die Berufsakademie mit einem Master abschließt.“ Weiters plädiert er dafür, technische Lehrgänge ins Angebot der Berufsakademien aufzunehmen. „Universitäre Titel genießen heute einfach ein höheres Ansehen und sind das Ziel vieler junger Menschen und ihrer Eltern.“ Als Beispiele in seinem Unternehmen nennt Ehrlich-Adám zwei Lehrlinge, die aus dem ausschließlich technischen Bereich abgewandert sind und innerhalb des Unternehmens nach der Lehre Bürojobs mit technischen Komponenten angenommen haben. „Ihnen steht jetzt natürlich eine ganz andere Karriere offen, weil sie sich im Bereich
des Managements weiterentwickeln können“, erklärt der Geschäftsführer. „Für die technischen Fachkräfte, die in der Produktion arbeiten, wäre der nächste Schritt der Meister und damit die Führung eines operativen Teilbetriebs.“ Insgesamt sieht er für Lehrlinge keine Grenzen, wenn sie bereit sind, sich entsprechend weiterzubilden. „Weiterbildung ist der Schlüssel zu allem, was wir heute tun.“ Weiterbildung ist auch im Handel von großer Bedeutung, erklärt der Generaldirektor der Hofer KG, Günter Helm. Ausgelernte haben sehr gute Chancen, nach der Lehre zum Einzelhandelskaufmann bei Hofer zu bleiben: „Wir übernehmen rund 90 Prozent unserer Lehrlinge, denn schließlich sind sie unsere Führungskräfte von morgen“, sagt Helm. Er erklärt, dass zahlreiche Filialleiter als Lehrlinge bei Hofer begonnen haben und heute Teams von bis zu 30 Verkaufsmitarbeitern leiten. Um Mitarbeiter weiterzubilden und richtig schulen zu können, wurde im Unternehmen vor einigen Jahren die Hofer Academy ins Leben gerufen. „Hier bieten wir unseren Mitarbeitern maßgeschneiderte Programme und Seminare mit Schwerpunkten in den Bereichen soziale, persönliche, methodische und fachliche Kompetenz.“ In den Weiterbildungsprogrammen mit internen sowie externen Fachleuten wird versucht, die persönliche Entwicklung und berufliche Handlungsfähigkeit der Mitarbeiter zu fördern. Ausgewählte junge Fachkräfte werden nach der Lehrabschlussprüfung in einem eigenen Führungskräfteprogramm auf die Position des Filialleiters vorbereitet. Programme wie die Hofer Academy sind mittlerweile in vielen Unternehmen des Einzelhandels allgemein üblich. Die Drogeriekette DM bietet Weiterbildung an der DM Akademie an, der Sportdiskonter Hervis setzt ebenfalls auf eine sogenannte Hervis Academy. Filialleiter Johannes Jäger erklärt, dass Lehrlinge bei Hervis zusätzlich zu den Online-Kursen und Tests auf der Plattform der Hervis Academy einmal jährlich ein einwöchiges Seminar in Maria Alm besuchen, wo sie von Coaches beruflich und persönlich weitergebildet werden. Allein in Jägers Filiale auf der Linzer Landstraße werden jährlich zwei Lehrlinge aufgenommen, Fortsetzung Seite 20
Kick off your Career
Mit den berufsbegleitenden MBA Programmen der WU Executive Academy, Studierenden aus über 30 Ländern und international renommierten Vortragenden Global Executive MBA Start April, 15 Monate, Englisch, Studienreisen nach Asien, Südamerika, USA Professional MBA Start Oktober, 18 Monate, Englisch bzw. Deutsch, Studienreise in die USA Spezialisierungen u.a.: Marketing & Sales, Finance, Entrepreneurship & Innovation, Energy Management, Project Management WU Executive Academy Wirtschaftsuniversität Wien mba@wu.ac.at, +43-1-313 36-4816 executiveacademy.at/mba
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Wer weiterkommen will, muss sich auch extern weiterbilden „Es gibt bei uns die Möglichkeit, online, über unsere App und direkt im Geschäft zu kaufen. Außerdem verfügt jeder unserer Verkäufer über ein Tablet, das ihn im Verkaufsgespräch mit dem Kunden unterstützt.“ Die Lehre zum digitalen Kaufmann erfreue sich großer Beliebtheit unter den Bewerbern. Prinzipiell werden bei Hervis alle guten Lehrlinge übernommen, erklärt Jäger. „Hervis expandiert sehr stark, sodass genug Arbeitsplätze vorhanden sind und gut ausgebildete Kräfte gebraucht werden.“ Außerdem werde versucht, so viele Stellen wie möglich mit selbst ausgebildeten Fachkräften zu besetzen. „Nach dem Lehrabschluss haben unsere jungen Mitarbeiter dann auch die Chance, ins Ausland zu gehen. Ob nach Deutschland, Ungarn oder beispielsweise Kroatien, dank der Expansion ist das alles kein Problem!“ Wenn sich junge Verkäufer nach der Lehre bei Hervis bewähren, steht ihnen zuerst der Posten des Abteilungsleiters, schließlich der des Filialleiters und sogar der Regionalleiterposten offen. „60 Prozent der Filialleiter und sogar 75 Prozent der Regionalleiter haben ihre Lehre bei Hervis gemacht. Karriere mit Lehre wird bei Hervis gelebt, auch der Vertriebsleiter für Österreich hat als Lehrling im Unternehmen begonnen“, sagt Jäger stolz. Die Kurse der Hervis Academy gehen auch nach der Lehre weiter. Besonders gute Verkäufer werden in drei unterschiedlichen Fortbildungskursen direkt für den Aufstieg in die Filial-
führung vorbereitet. Trotzdem ist Jäger der Meinung, dass man sich auch außerhalb des Unternehmens fortbilden sollte, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Er selbst hat 2012 aus Interesse an wissenschaftlichen Grundlagen einen Master of Business Administration (MBA) in Marketing und Vertrieb an der Wirtschaftsuniversität Krems gemacht.
„Wir übernehmen rund 90 Prozent unserer Lehrlinge. Sie sind unsere Führungskräfte von morgen“ Günther Heim, Generaldirektor Hofer KG
„Für den Aufstieg ist kontinuierliche Weiterbildung erforderlich“ Stefan ehrlich-adÁm, geschäftsführer evva
AB SEPTEMBER 2017 STARTET
MBA oder AE als weitere Meilensteine der Karriere Der berufsbegleitende MBA der Wirtschaftsuniversität Krems richtet sich an Hochschulabsolventen und an Personen mit Matura und mindestens sechs Jahren einschlägiger Berufserfahrung. Wenn man mindestens 10 Jahre einschlägige Berufserfahrung vorweisen kann und auch ein Bewerbungsgespräch positiv absolviert, kann man, wie Johannes Jäger, auch ohne allgemeine Hochschulreife zum MasterLehrgang zugelassen werden. Zusätzlich zum Master of Business Administration bietet die Wirtschaftsuniversität Krems noch zwei andere Lehrgänge im Bereich Marketing und Vertrieb an: Es gibt die Möglichkeit, den Titel „Akademischer Experte“ zu erwerben und einen Master of Science zu machen. Diese beiden Lehrgänge erfordern jeweils weniger Berufserfahrung und nehmen weniger Zeit in Anspruch. Während der MBA in Marketing und Vertrieb 6 Semester dauert, braucht man für den Master of Science nur 4 und für den Titel Akademischer Experte (AE) lediglich 3 Semester. Dementsprechend unterscheiden sich auch die Kosten für die Teilnahme an den Lehrgängen. Das Studium zum AE kostet 7.700, der MSc 12.900 und der MBA 16.900 Euro. Die Kosten für derartige Studiengänge an der Berufsakademie bewegen sich in einem ähnlichen Bereich: Ein MSc in Marketing und Vertrieb kostet auf der Berufsakademie 12.580 Euro.
Grundsätzlich scheint eine Karriere nach der Lehre durchaus möglich zu sein. Besonders im Handel können motivierte junge Menschen durch die vielseitigen Weiterbildungsprogramme innerhalb der Unternehmen schnell in mittlere Führungspositionen gelangen. Denn auch die großen Ketten setzen mittlerweile stark auf eigens ausgebildetes Personal und fördern dieses. Was Johannes Jäger als Quereinsteiger bei Hervis gelungen ist, hat Christian Klaushofer bei Hofer geschafft. Der erst 22-jährige Salzburger leitet eine große Filiale im Salzburger Zentrum Herrnau, nachdem er sich direkt nach dem Lehrabschluss in insgesamt elf Filialen in ganz Österreich bewährt hatte. Zum Filialleiter wurde Klaushofer im Unternehmen selbst ausgebildet. Für den kontinuierlichen Aufstieg in einer Firma wird jedoch auch außerbetriebliche Fortbildung nötig. Stefan Ehrlich-Adám von EVVA empfiehlt zukünftigen Führungskräften, berufsbegleitende Studiengänge zu besuchen, um bei dem aktuellen Überangebot an Akademikern am Arbeitsmarkt mithalten zu können. Auch Johannes Jäger, Filialleiter bei Hervis, legt Fachkräften jeden Alters eine duale Ausbildung ans Herz. Weiterbildung ist teuer – daher sollte man sie richtig betreiben Derartige Studiengänge nehmen jedoch nicht nur neben der regulären Arbeitsverpflichtung viel Zeit in Anspruch, sondern sind auch sehr kostenintensiv. Bei Gebühren von bis zu 17.000 Euro ist wohl besonders die Finanzierung eines solchen Studiums für viele motivierte Fachkräfte eine große Hürde. Es ergibt sich das Bild einer Karriereleiter, auf der für Fachkräfte einiges möglich ist. Ab einem gewissen Punkt wird jedoch für den weiteren Aufstieg trotzdem eine kontinuierliche Weiterbildung erforderlich – und das kann teuer werden.
Fotos: Hofer KG, www.fotoweinwurm.at
blicherweise ein junger Mann und ü eine junge Frau. Zusätzlich zur Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann wird seit diesem Jahr auch die Lehre zum digitalen Kaufmann angeboten. Diese Ausbildung setzt stark auf die Vernetzung von Handel und digitalen Medien, wie Hervis das seit ein paar Jahren forciert.
Sophie Jaeger
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Wo sie Craft Beer brauen Die BOKU hat eine preisgekrönte Craft-Beer-Brew-Crew. Lebensmitteltechnologie kann also schon während des Studiums viel Spaß machen
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onroe, Ekuanot, Hallertau Blanc – wenn Elisabeth Wiesen von Hopfensorten erzählt, fehlt nicht viel und der Duft von Erdbeeren und Kirschen, von Guaven und Weinaromen steigt einem in die Nase. Wiesen ist Lebensmitteltechnologin und arbeitet bei Joh. Barth & Sohn, dem weltweit größten Anbieter von Hopfenprodukten. Vor allem die Vielfalt der Themen, mit denen man sich im Studium der Lebensmitteltechnologie beschäftigt, hat Wiesen gereizt, als sie 1999 an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien inskribierte. Vielfalt ist auch, was Wiesen heute an ihrem Beruf schätzt. Die 36-Jährige ist für die Entwicklung neuer Produkte zuständig, sie berät Brauereien in technischen Fragen und hält Seminare zum Thema Hopfen. Auch am Institut für Lebensmitteltechnologie der BOKU wird gebraut. Die Craft-Biere der BOKU Brew Crew, einer Initiative von Studierenden, wurden bereits ausgezeichnet. Bier ist allerdings bei Weitem nicht das einzige Lebensmittel, das hier eine wichtige Rolle spielt. Im Erdgeschoß des Institutsgebäudes in der Muthgasse im 19. Bezirk stehen in einer großen Halle die unterschiedlichsten Maschinen und Apparate. In Praxiskursen stellen die Studierenden Pralinen ebenso her wie Senf und Ketchup. Sie prozessieren Fruchtsäfte und verarbeiten Obst, Gemüse und Erdäpfeln. In einer Laborbäckerei werden Backwaren hergestellt. Sogar in den Semesterferien tummeln sich hier Studentinnen und Studenten in weißen Kitteln. „Die Aufgabe von Lebensmitteltech-
BILDUNG & SOZIALES
nologen ist, Gesundheitswert, Genusswert und Gebrauchswert in Einklang zu bringen“, sagt Henry Jäger, der stellvertretende Leiter des Instituts für Lebensmitteltechnologie. So würden beispielsweise Produkte mit viel Fett und Zucker zwar gut schmecken, aber selten gesund sein. Oder Fertiggerichte: die seien zwar bequem zu verzehren, hätten also einen hohen Gebrauchswert, dafür seien sie industriell stärker verarbeitet. „In der Lebensmitteltechnologie geht es darum, Mittelwege zu finden“, sagt Jäger. „Also Produkte, die den Convenience-Anforderungen nachkommen, die gesund sind, die aber auch gut schmecken.“ Die Kunst besteht darin, Rohmaterialien und Technologien möglichst optimal zu kombinieren. Glutenfrei und vegan: auch das gehört zur Lebensmitteltechnik An der BOKU werden das Bachelorstudium Lebensmittel- und Biotechnologie sowie das Masterstudium Lebensmittelwissenschaften und -technologie angeboten. Im Masterstudium ist eine Spezialisierung im breit gefächerten Gebiet der Lebensmittelwissenschaft möglich. „Da spielen dann auch aktuelle Themen wie glutenfrei und vegan eine Rolle“, meint Jäger. Die Jobaussichten sind gut. In Österreich seien besonders der Backwarenbereich, die Milchbranche und das Brauereiwesen stark. Lebensmitteltechnologen würden allerdings nicht nur in der Lebensmittelbranche landen, sondern auch in Biotechnologie und Pharmazie, bei Kontrollbehörden und später
GESUNDHEIT & NATURWISSENSCHAFTEN
– „mit etwas Berufserfahrung“ – auch in Beratungseinrichtungen. Wie man Pudding macht – und was der im Körper anstellt So vielfältig wie die Berufsmöglichkeiten sind in Österreich auch die Ausbildungswege: vom Lehrberuf Lebensmitteltechniker über HLAs und Kollegs bis zum Studium an verschiedenen Fachhochschulen und eben der BOKU. Gerade die Fachhochschulen, die traditionell praxisorientiert und industrienah ausgerichtet sind, konzentrieren sich oft auf einen bestimmten Aspekt im großen Feld der Lebensmitteltechnologie. An der FH Wels etwa liegt der Fokus auf der Kombination von Lebensmitteltechnologie und Ernährung. Die Studierenden sollen beides verstehen, sagt Studiengangsleiter Otmar Höglinger. Denn: „Es geht nicht nur darum, wie ich einen Pudding mache, sondern auch darum, was mit dem Pudding in meinem Körper passiert.“ Der erste Bachelor-Jahrgang in Wels wurde erst vergangenes Jahr fertig. Der Großteil der Absolventen macht auch den Master, den es erst seit dem Wintersemester 2016 gibt. Man könne daher noch nicht genau sagen, wo es die Absolventen hinzieht, so Höglinger. An den Bachelorarbeiten des ersten Jahrgangs sehe man allerdings, dass es keinen Fokus auf eine bestimmte Branche gebe. Die Studierenden beschäftigten sich darin mit Kleinbetrieben ebenso wie mit großen Konzernen – vom klassischen Fruchtsafthersteller über Brot und Gebäck bis zur Süßwarenproduktion.
INTERNATIONALES & WIRTSCHAFT
Wer aufhört, besser werden zu wollen, hört auf, gut zu sein.
KOMMUNIKATION & MEDIEN
Die Hälfte der Vortragenden sind laut Höglinger „Menschen aus der Industrie“, etwa technische Leiter von Unternehmen. Praktika seien wesentlicher Teil des Studiums, und viele Masterstudierende würden bereits einen Tag in der Woche in einem Unternehmen arbeiten. Wie kommt die Haselnuss aufs Brot – und wie dieses auf den Tisch? Was Lebensmitteltechnologen machen, veranschaulicht Katrin Bach, Studiengangsleiterin am Management Center Innsbruck (MCI), anhand der Frage „Wie kommt die Haselnuss aufs Brot?“. Um aus Haselnüssen einen Brotaufstrich zu machen, bedarf es vieler einzelner Schritte und Entscheidungen: Woher kommen die Rohstoffe? Wie werden sie bearbeitet? Was ist aus rechtlicher Sicht zu beachten? Wie kommt das Produkt auf den Frühstückstisch des Konsumenten? Und schlussendlich: Was machen die Inhaltsstoffe im Körper des Konsumenten? Als wäre das noch nicht genug, beschäftigt sich das Fachgebiet zunehmend mit großen wirtschaftlichen und politischen Themen: Wie werden wir zukünftig die wachsende Bevölkerung ernähren? „Aktuelle Zukunftsfragen, die unsere gesamte Gesellschaft beschäftigen“, sagt Bach. Konsumenten wünschten sich heute gesunde und nachhaltige Produkte. Wissen aus dem Bereich Ernährungswissenschaften sei für die Lebensmittelproduktion in steigendem Maße wettbewerbsrelevant. Im Masterstudium „Lebensmitteltechnologie und Ernährung“, das es seit 2014 am
RECHT
Neues aus dem Weiterbildungsangebot: • Internationales Masterprogramm "Global Political Economy of Sustainable Development (MSc)" ab Herbst 2017 • Start des Zertifikatskurses "Dolmetschen mit neuen Medien" im Mai 2017
Masterprogramme n Universitätslehrgänge n Zertifikatskurse n Corporate Programs n Lifelong Learning Projekte
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Prüfung bestanden? Eine Arbeiterin der Firma Telefunken im Jahr 1958 an einem Prüfgerät, vermutlich einem Spannungsmesser Foto: AKG-Images/Dodenhoff
MCI gibt, habe man diesen Trend sowohl im Namen als auch im Curriculum verankert.
Erst die industrielle Technik und der Kapitalismus haben die Emanzipation der Frauen möglich gemacht. Sie entkamen ihrer Rechtlosigkeit in der Subsistenzwirtschaft durch Lohn- arbeit in Fabriken
Zusatzeinkommen für Tierärzte in ländlichen Gebieten Auch an einer Ausbildungsstätte, an der man es vielleicht im ersten Moment nicht erwarten würde, spielt Lebensmitteltechnologie eine wichtige Rolle, nämlich an der Veterinärmedizinischen Universität (VetMed) in Wien. Ihren Platz in der Veterinärmedizin hat die Lebensmitteltechnologie seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Weil Menschen oft durch den Verzehr von Fleisch kranker Tier selbst erkrankten, wurden Tierärzte zur Fleischbeschau an die Schlachthöfe geholt, erzählt Martin Wagner, Leiter des Instituts für Milchhygiene an der VetMed. Heute werden alle angehenden Tierärztinnen und Tierärzte im Rahmen des Diplomstudiums Veterinärmedizin in Lebensmittelhygiene und -technologie ausgebildet. Zehn bis 15 Prozent des Studiums mache dieser Bereich aus, so Wagner. Fast jeder zweite Veterinär in Österreich ist nebenberuflich in der Fleischbeschau auf Schlachthöfen tätig. „Für einen Tierarzt mit einer kleinen Praxis beispielsweise im Waldviertel kann das ein interessantes Zusatzeinkommen sein“. Lebensmitteltechnologie ist zweifellos ein stark interdisziplinärer Fachbereich. Das Fach vereint Inhalte aus Biologie, Physik, Chemie, Ernährungswissenschaften und Technik. Auch Qualitätsmanagement, Marketing und Lebensmittelrecht sind oft Teil der Ausbildungen. Für Elisabeth Wiesen, bei der sich heute alles um Hopfen dreht, macht gerade die Vielfalt an Themen den Reiz des Studiums aus. Die Faszination dafür, „was man aus wenigen Zutaten alles machen kann“, und die Fülle an möglichen Aufgabengebieten waren ausschlaggebend dafür, dass sie auch nach ihrem Doktorat am renommierten Lehrstuhl für Brau- und Getränketechnologie der Technischen Universität München in Weihenstephan der Bierbranche treu geblieben ist. Studienanfängern rät Wiesen in Anbetracht der vielen unterschiedlichen Berufsmöglichkeiten vor allem eines: offen zu sein für die Vielfalt der Fächer, denn „alles kann spannend sein“. Ramona Beer
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