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FALTER Special 52

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SPECIAL

Beilage zu Falter 17, April 2012

Foto: Karin Wasner

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Unterwegs zur Bildung d  d  d  d  d

D e l p h i n e w a s c h e n o d e r U n k r a u t r u p f e n ?     Was man beim Wwoofen lernt N u r k e i n e G e i s e l d e r S i c h e r h e i t     Der Weg einer Weiterbildung zur Schriftstellerin M a s t e r d e s F l o ß b a u e n s     Was man mit exotischen Ausbildungen anfangen kann A u s b i l d u n g i n S e x o c o r p o r e l     Vier Frauen berichten von ihrer exotischen Bildung „ H o r i z o n t “ a u f I n d o n e s i s c h     Sprachen lernen vor Ort im Ausland oder im Internet


Bildung, exotisch

Foto: Karin Wasner

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Auf dem vulkanischen WĂźstenboden der kanarischen Insel

Fuerteventura

wird die Aloe-Vera-Pflanze angebaut – wie hier auf der Avisa-Farm


THEATER INHALT

SPECIAL

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Editorial

Sei kein Meerschweinchen Die Erfahrung ist so alt, dass jede neue Generation von Bildungspolitikern sie wieder vergessen hat – und daher mit ihren Reformen oft die Probleme verschärft, die sie lösen möchte. Studieren sollte man das, was Spaß

Um Lust auf exotische Orte zur Bildung außerhalb von Österreich zu machen, zeigen wir in diesem Special einige Ausschnitte der Welt im Bild.

macht, nicht das, was Gesellschaft oder Wirtschaft verlangen. Die Schulpflicht hat man spätestens mit der Matura absolviert, danach geht es um die persönliche Entwicklung, die einen zu einem selbstbewussten Menschen macht. Ein solcher findet sich in fast jeder (Arbeitsmarkt-)­ Situation zurecht. Akademische Meerschweinchen zu züchten ist nicht nur menschenunwürdig, son-

sellschaft nix, selbstbewusste Exoten hingegen schon.

Christian Zillner

Fotos: Karin Wasner

dern bringt am Ende auch der Ge-

Impressum: Herausgeber: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. ; Verleger: Falter Zeitschriften GmbH.,1010 Wien, Marc-Aurel-Straße 9, T: 01/536 60-0, F: DW 935, E: service@falter.at, www.falter.at, DVR Nr. 0476986. Ein Service der Anzeigenabteilung: Sigrid Johler (Leitung), DW 952, E: johler@falter.at, Sabine Kejval, DW 922, E: kejval@falter.at, Produktion: Fuchs & Partner, Redaktion: Nicole Albiez, Laura Ari, Peter Badowien, Barbara Duras, Nora Fuchs, Emily Walton, Christian Zillner; Gestaltung und Produktion: Reinhard Hackl; Fotos: Karin Wasner; Lektorat: Helmut Gutbrunner, Patrick Sabbagh; Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau

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Bildung, exotisch

Delphine waschen oder Unkraut rupfen? Eine eigene Art der Weiterbildung in einem exotischen Land bietet das Wwoofen. Die Autorin hat in Australien bei Biobauern gearbeitet. Ein Erfahrungsbericht

xotisch war schon mein „Orchideenstudium“ der Ethnologie, doch ich kenne noch eine exotischere Ausbildungsform: die Biofarm in Australien. Wollte ich biologischen Landbau erlernen, die Sprache und das Leben der Einheimischen kennen lernen? Meine Motivation, ganz ehrlich, war die freie Kost und Logis. Als Tausch gegen rund sechs Stunden Arbeit täglich. Wie es dazu kam? Es war die einzige Möglichkeit, ohne Arbeitsvisum legal in Australien zu arbeiten. Welche Erfahrungen ich dabei gemacht habe? Die besten meines Lebens.

­ üssen für gesunde Mahlzeiten und m eine saubere und sichere Unterkunft ihrer „Wwoofer“ sorgen. Als künftiger „Wwoofer“ wählt man aus den WWOOF-Organisationen in Afrika, Nord- und Südamerika, Asien/Pazifik und Europa – registriert sich durchs Bezahlen des Mitgliedsbeitrags, erhält ein Buch oder eine Liste mit Hosts, schreibt dem ausgewählten Biobauern ein EMail oder ruft an – und los geht’s. Das Ziel der Organisation WWOOF ist, (frei-)willige Helfer und Biobauern zusammenzubringen. Mitarbeit am Hof gegen freie Kost und Logis. Dabei sollen nachhaltiger Lebenswandel, Wissen um Bioanbau sowie Kenntnisse der Sprache und Kultur vermittelt werden.

Das Wwoofen ist eigentlich ein Tauschgeschäft

WWOOF steht für „Willing Workers on Organic Farms“. WWOOF ist ein internationales Netzwerk, um Freiwilligen Aufenthalt und Arbeiten auf Biobauernhöfen zu ermöglichen. Auf der Website der Mutterorganisation steht neuerdings „World Wide Opportunities on Organic Farms“. „Weltweite Möglichkeiten“ soll wohl ansprechender klingen als „willige Arbeiter“. Die WWOOFOrganisationen sorgen dafür, dass WWOOF-Hosts (Biobauern) und „WWOOFer“ (Volontäre) zusammenkommen, um gemeinsam „eine gesündere Welt“ zu schaffen. So die offizielle Erklärung. Wwoofen ist eben nicht nur unbezahlte Feld- und Gartenarbeit, dahinter stehen idealistische Grundsätze. Das Tauschgeschäft funktioniert nach klaren Grundsätzen: Die Freiwilligen (WWOOFer) geben ihre Zeit und Energie, um bei der Farmarbeit zu helfen. Die Arbeitgeber (WWOOF-Hosts), die ihre Lebensmittel biologisch anbauen und einen nachhaltigen Lebenswandel pflegen (sollten), bieten dafür ihr Wissen zu biologischen Landbau an und

Von den biodynamischen Anfängen des Wwoofen

Exotische Umgebung, aber auch harte Arbeit. Beim Wwoofen kommt man durch die Welt, und manchmal darf man dabei auch Pferde betreuen, wenn man Glück hat

London im Herbst 1971: Die Londoner Sekretärin Sue Coppard, selbst Besitzerin eines Biogartens ruft zum ersten Mal „Working Weekends on Organic Farms“ ins Leben – aus einer Not heraus. Nicht nur Sue, sondern auch befreundete Biobauern aus der Umgebung brauchen Unterstützung, um die Felder nach nachhaltigen Richtlinien bewirtschaften zu können. Wer kein Gift spritzt, muss viel Unkraut rupfen. Manpower ist gefragt. Vier Freiwillige kommen auf Einladung der Hobbybäuerin auf die biologisch-dynamische Farm des Emerson College in Sussex. Das Arbeitswochenende verlief erfolgreich, auch andere Bauern und Gärtner wollten Freiwillige bei sich aufnehmen. Gleichzeitig schienen die Londoner Stadtmenschen geradezu danach zu lechzen, aufs Land zu kommen. Es entstand die erste WWOOF-Organisation: WWOOF UK. Sie entwickelte sich

rasch und wurde immer weiter nach Wünschen von Hosts und WWOOFern adaptiert. Bis heute ist das WWOOF-Ethos einer ständigen Weiterentwicklung unterworfen. In den letzten 40 Jahren sind an die 50 autonome WWOOF-Organisationen in unterschiedlichsten Ländern entstanden. Wenn sich die Organisation und Abwicklung auch der einzelnen Gruppen unterscheiden mag, die Prinzipien sind gleich. Hat ein Land keine eigene WWOOFOrganisation, findet man die Hosts bei „WWOOF-Independents“. 2000 wurde die erste internationale WWOOF-Konferenz abgehalten. Repräsentanten aus 15 verschiedenen Ländern waren anwesend. Klare Richtlinien, für WWOOFer, WWOOF-Hosts und „wwoofen“, wurden erarbeitet. WWOOF-Organisationen in Entwicklungsländern ins Leben zu rufen und tatkräftig zu unterstützen stand ebenfalls am Programm.

Verschiedene Bezeichnungen, aber das gleiche Prinzip

Der Wunsch nach einem längeren Aufenthalt der WWOOFer auf den Farmen führte zu einer Namensänderung der Organisation: Aus den „Working Weekends on Organic Farms“ wurden die „Willing Workers on Organic Farms“ und, um dem weltweiten Netzwerk Rechnung zu tragen und auch das Wort „Workers“ zu vermeiden, schließlich „World Wide Opportunities on Organic Farms“. Einige der Organisatio­nen blieben der alten Version treu. So auch WWOOF-Australien. Die österreichische Organisation macht daraus „We’re welcome on Organic Farms“. Unterschiedliche Bezeichnungen, gleiches Prinzip.

Fortsetzung Seite 6

Fotos: Privat

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Bildung, exotisch

Foto: Karin Wasner

SPECIAL

Um Lust auf exotische Orte zur Bildung zu machen, zeigen wir hier einige Ausschnitte der

Welt im Bild. Am Foto ist die Autorin in Arizona zu sehen

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Bildung, exotisch

Fortsetzung von Seite 5 In den Anfängen der WWOOFBewegung 1971 hätte niemand ­daran gedacht, dass die Bezeichnung „Work“ zu nicht unerheblichen Problemen mit den Einwanderungsbehörden führen würde. In einigen Ländern wird bis heute von den Regierungen dahinter eine geheime Organisation für Arbeitsimmigranten vermutet. Zu den Grundsätzen der Betreiber von WWOOF zählt es, einen nicht unwesentlichen Beitrag zur „Bio-Welt“ beizutragen, indem zumeist junge Menschen in direkten Kontakt mit Biobauern kommen. Neuigkeiten, Einsichten, Jobs und Ausbildungen zu „Bio“ und Nachhaltigkeit werden ausgetauscht und über die Organisationen kommuniziert. Das Verb „wwoofen“ ist mittlerweile sogar schon im Sprachgebrauch etabliert. Aber nicht nur junge Menschen „wwoofen“. Jeder im Alter zwischen 18 und 80 kann mitmachen. Voraussetzung ist physische und psychische Fitness.

Wwoofer können auch ihre Kinder mitbringen.

Ist Wwoofen Sklaverei?

Die Theorie und die Praxis So viel zu den „offiziellen“ Grundsätzen von WWOOF. Doch wie sieht es in der Realität aus? Meine Erfahrungen waren unterschiedlich. Generell positiv. Doch hörte ich auch Erzählungen anderer „Wwoofer“, die weniger Freudvolles zu berichten hatten. Von „modern slavery“ war

die Rede. Harte Arbeit, nur um ein Dach über den Kopf zu haben. Und manchmal war es nicht einmal ein Dach, sondern ein heruntergekommenes Zelt im Garten hinterm Haus oder ein von Schimmel befallener Camping-Van irgendwo im australischen Outback. Ohne eigenes Auto keine Chance, von dort wegzukommen. Oder die Arbeit bei einer chaotischen Mutter, deren verwahrloste fünf Kinder zu hüten und verdrecktes Haus zu putzen war. Von Biobauernhof und besserer Welt keine

Biologisch-Dynamische Landwirtschaft Bio-dynamisch

bedeutet Landbau, Viehzucht, Saatgutproduktion und Landschaftspflege nach anthroposophischen Grundsätzen. Grundlage der biologisch-dynamischen Landwirtschaft sind Vorträge von Rudolf Steiner aus dem Jahr 1924. In den 1920er Jahre begann in Europa die Massenproduktion von Lebensmitteln. Ein Gefühl der Qualitätsverschlechterung trat auf: Eine Gruppe von Landwirten, Gutsbesitzern und Lebensmittelverarbeitern baten Steiner um Impulse zur Neuorientie-

rung des Landbaus. Die Grundlagen der Anthroposophie Rudolf Steiners (in der die Welt und die Menschen als mehrdimensionale Wesen gesehen werden und die den Anspruch hat, die moderne materialistische Weltanschauung durch eine geistige Sichtweise zu ergänzen) sollten auf die Feld- und Obstwirtschaft, wie Tierhaltung und menschliche Ernährung übertragen werden. Grundhaltung ist eine „erweiterte“ Erkenntnis der physischen Stoffe als „Träger“ geistiger Kräfte.

Spur. Klar, man kann diese Hosts der Organisation melden, doch was tun, wenn man bereits dort ist? Ein gewisses Risiko bleibt. Nicht alle WWOOF-Hosts scheinen sich den anthroposophischen biodynamischen Idealen verschrieben zu haben, zumindest in Australien. Das WWOOF-Australia-Buch gibt an die 2300 Hostadressen an, rund 240 von ihnen sind biozertifiziert, ungefähr 1800 von ihnen sind herkömmliche Farmen, die Biopraktiken anwenden, und die restlichen Hosts haben gar keine Farm. Obwohl als Grundlage der „WWOOFHost Guidelines“ angegeben wird „A WWOOF Host must be growing or producing organic products“. Ist ja auch ein Riesenkontinent, dort alle Gastgeber auf „Bio“ zu prüfen, ist ein schwieriges Unterfangen. Und wie sieht es mit den „willigen Arbeitern“ aus? Erzählten mir meine Hosts von verzogenen Teenies, die ihr ganzes Geld am Surferstrand und auf Partys verbraten haben und nun eine Gratisunterkunft mit Verpflegung suchten. Die auftauchten, den Kühlschrank leerten und am

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SPECIAL

nächsten Morgen wieder abhauten.

Unkraut ausrupfen für eine

Foto: Privat

bessere Welt

Ich selbst suchte ursprünglich nach einer Möglichkeit, ohne Visum arbeiten zu können. Mit österreichischer Staatsbürgerschaft bekam ich kein „Work and Holiday“-Visum, im Gegensatz zu den Reisenden aus den meisten anderen europäischen Ländern. An den australischen Behörden läge das allerdings nicht, erklärte man mir vor der Abreise in der australischen Botschaft in Wien. Aber ich wollte arbeiten, und Schwarzarbeit war mir zu heikel. Eine junge Kanadierin, mit der ich in Australien Freundschaft schloss, wies mich in die Geheimnisse des „Wwoofens“ ein. „Ich soll was tun? Wufen?“, und dachte eher an Star Wars als an Feldarbeit. Danielle, die dem kanadischen Winter nach Australien entflohen ist, war bereits eine erfahrene Wwooferin und zeigte mir ihr WWOOF-Buch. „Du kaufst dieses Buch im Tourist-Office, nimmst deinen Pass mit, die melden dich

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Bildung, exotisch

„Das Ernten von Kaffee auf einer bio- dynamischen Farm in Australien ist harte Arbeit “

an, tragen eine Nummer ins Buch, und damit bist du dann offiziell als Volunteer gemeldet und vor allem auf der Farm versichert.“ „Ich hab ja schon eine Reiseversicherung“, warf ich ein. „Egal, ohne diese Anmeldung darfst du nicht arbeiten, du kannst dir auch das Buch mit einer zweiten Person gemeinsam kaufen, dann könnt ihr euch die Gebühr teilen.“ Der Preis des Buches setzt sich fast zur Gänze aus der Gebühr der Versicherung zusammen. Ein dicker Wälzer mit tausenden Adressen. Unterteilt in die Bundesstaaten Australiens. Von Delphinwaschen über Kühehüten bis zu Kaffeeernten, die Aufgabenbereiche sind so vielfältig, wie der Kontinent selbst. Ins Hinterland von Australien zu gelangen, am Arbeitsalltag und dem täglichen Leben der Einheimischen teilnehmen zu können klang verlockend. Also Buch gekauft, Host ausgewählt, angerufen, am nächsten Morgen ging’s schon los. Brett, der Bauer, der gar nicht wie einer aussah, holte mich mit dem Auto ab und wies mich ein. Eine Kaffeefarm im Hinterland von Byron Bay, dem Surferparadies.

Weil der Kaffee „bio“ ist, wurden die Kaffeekirschen von Hand gepflückt. Dazu braucht man viele Arbeiter – und Zeit. Wir waren drei Wwoofer auf der Farm. Ein französischen Pärchen und ich. Und das Ehepaar Brett und Brooke. Wobei Brooke, seitdem sie Yoga machte, keinen Kaffee mehr trank. Und lieber töpferte, als Kaffeebohnen röstete. Brett schien deswegen ein wenig verstimmt zu sein. Doch so lernte ich neben Kaffeeernten, -pressen und -trocknen, auch Yoga und Töpfern, später auch Surfen (Brett fuhr mit uns zur Belohnung an den Strand und erzählte uns Schauergeschichten von Haien, die hinter ahnungslosen Woofern am Surfbrett schwammen), und auch ein Rennpferd aus Tokio durfte ich hüten. Kaffeeernten ist körperlich harte Arbeit. Nun weiß ich, dass der Preis für Biokaffee gerechtfertigt ist. Bekleidet mit Wwoofer-Klamotten – altem, abgetragenen Arbeitsgewand, bestehend aus langärmeligen Hemden, alten Hosen und einem zerzausten Strohhut – ging’s um sechs Uhr morgens mit dem Jeep auf die

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Bildung, exotisch

Fortsetzung von Seite 7

kleine Plantage. Mit Kübel, Korb und Baumwollhandschuhen ausgerüstet, zog ich die Kaffeekirschen von den Stauden. Vorher die Staude geschüttelt, vielleicht schlief ja noch eine Ratte darin. Auch Wespenstiche im Finger konnten unangenehm sein. Die Kirschen, rote, gelbe und grüne, fielen in den Korb zu meinen Füßen. Von Hand aussortiert, nur die dunkelroten waren die Guten. Die „Cherries“ in Wassertröge geleert. Die Kirschen sanken ab, der Rest schwamm an der Oberfläche. Die Kirschen kommen in die Presse, das Fruchtfleisch wurde weggequetscht, zurück blieben die rohen Kaffeebohnen. Sahen schon aus, wie wir zu Hause uns Kaffee vorstellen, _DUK 03.12_: 21.03.12 11:26 1 In der Sonne nur waren sieSeite beige. trockneten wir sie auf großen Netzen. Nicht schnell mechanisch hoch erhitzt, wie bei konventionellem Kaffee. Die dunkle Färbung erhielten die Bohnen erst später durch die Röstung. Dann war ich bei Vicky und Wally. Er sanft und freundlich,

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sie ein „tough cookie“ – ein harter Knochen. Doch sie lehrt mich einen Quad Honda zu fahren, sich nach einem Schlangenbiss richtig zu verbinden und die Angst vor riesigen Spinnen abzulegen. Im Dezember schmückten Vicky und ich das Haus mit Weihnachtsgirlanden und Plastik-Santa-Claus mitsamt Rentieren. Bei über 40 Grad in Flip-Flops. Vicky und Wally hatten eine kleine Biofarm: Am Feld bauten wir Karotten, Zwiebel, Koriander, rote Rüben, Paprika, Tomaten und eine Rübe namens Thurner an. Ich grub ab sechs Uhr morgens in der Erde, bis ich Blut unter den Fingernägeln hatte, suchte Hühnereier in Büschen (der Nachteil von Bio-Hühner-Haltungen: die Hühner haben viel Platz, um ihre Eier zu verstecken), wusch trögeweise das zuvor händisch geerntete Gemüse, band es zu Bündeln, säuberte die Eier in Lauge, setzte sie in Kartons. Unsere hart erarbeitete Ernte verkauften wir allwöchentlich am „Farmers Market“. Markttag war der Höhepunkt der Woche, zwar noch eine Stunde früher als sonst aufstehen, aber das

Verkaufen am Marktstand liebte ich. Unter Menschen zu sein, Biokaffee für eine Schlange an Menschen zu kochen … Vicky und Wally waren Stadtmenschen aus Sydney, die beschlossen hatten, ein anderes Leben zu führen. Die ihre schicke Wohnung verkauften, ihre Jobs aufgaben, um im Hinterland von den Erträgen ihrer kleinen Farm zu leben. Auch Brett und Brooke waren keine Bauern, sondern entdeckten auf dem Anwesen ihres neu erworbenen Hauses durch Zufall eine kleine Kaffeeplantage. Sie beschlossen, Kaffeebauern zu werden. Die Zugänge zum „Wwoofen“ sind ebenfalls unterschiedlich: Das Interesse an biologischem Landbau, eine Möglichkeit im Ausland zu arbeiten, Einheimische kennen zu lernen und deren Sprache zu sprechen oder einfach die Lust auf ein Abenteuer. Ich habe viel gelernt, nicht nur über Feldarbeit, sondern auch über den Alltag von Menschen, der von meinem Alltag gänzlich verschieden war – und vor allem über mich selbst. Text: Laura Ari


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Bildung, exotisch

SPECIAL

Workshops: Sprachen und Integration

Effective Communication

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Vom 2. bis 9. Mai findet in Wien die zweite „Wiener Integrationswoche“ statt

ber 140 Veranstaltungen in ganz Wien – Ausstellungen, Diskussionen, Lesungen, Kinder-, Musik-, Theaterprojekte, Workshops – stehen am Programm. Sie sollen zum interkulturellen Austausch beitragen. Die Wiener Volkshochschulen (VHS) bieten im Rahmen der Wiener Integrationswoche mit „Wien spricht mehr“ ein breites Sprachangebot für Interessierte jeden Alters – egal ob mit Sprachvorkenntnissen oder ohne, und das in unzähligen Sprachen. Austauschen kann man sich auf allen Stufen und in allen Fachbereichen mit den Lehrenden und den Lernenden in der Fremd- oder Muttersprache. Infor-

mationen über Sprachen in Wien am VHS-Stand: 3. und 4. Mai von 14 bis 18 Uhr im Wiener Stadtpark. Eintritt gratis. An die 400 Kurse oder Workshops, von Sprachkursen über Kunst- und Kulturangebote bis hin zum Bereich Bewegung und Gesundheit, kann man mit einer VHS-Summercard von Juni bis September 2012 besuchen. Die Karte kostet 60 Euro und ist ab 2. Mai in jeder Volkshochschule oder online erhältlich. Eine rechtzeitige Anmeldung für die Kurse und Workshops ist jedoch erforderlich.

VHS-Bildungstelefon: +43 (0)1 893 00 83 info@vhs.at, www.vhs.at www.integrationswoche.at

studium mit aussicht www.uni.li

Der neue Zertifikatskurs startet im Wintersemester 2012 an der Universität Wien

er Kurs zielt spezifisch auf die Förderung von Kommunikationskompetenzen für Personen, die im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie tätig sind, wie IT-ExpertInnen, ProjektmanagerInnen, Consultants und PädagogInnen. Der Kurs ist berufsbegleitend konzipiert, dauert ein Jahr und findet in Form von Blockveranstaltungen statt. Modul 1 vermittelt Kommunikationsgrundlagen und zeigt, wie das theoretische Wissen konkret in den Arbeitsalltag integriert werden kann. In Modul 2 steht internationale und interkulturelle Kommunikation im Zentrum. Im Modul 3 lernen die Studierenden

wie Motivation in Teams gefördert werden kann, wie gemeinsame Visionen entstehen und wie Wissen im Unternehmen gemanagt werden kann. Eine Veranstaltung zum Kurs mit dem Impulsreferat von Renate Motschnig: „Kommunikation in IT-Unternehmen – Effektivität und Kosten“ findet am 2. Mai um 18.30 Uhr statt. Campus Lounge des Postgraduate Centers, 9., Spitalgasse 2, Hof 1.13.3 (Campus), Anmeldung: effective.comm@univie.ac.at.

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Bildung, exotisch

Nur keine Geisel der Sicherheit

Privatschule in England, Gymnasium in Salzburg, Uni und FH in Wien, Praktikum in Neuseeland, erster Job in Österreich – und dann etwas ganz Neues: eine WEITERBILDUNG zur Schriftstellerin

raues Schürzenkleid, Blazer, dunkelblaue Spangenschuhe. Ein schiefer Pony, ein noch schieferes Lächeln. An meinen ersten Schultag kann ich mich nicht erinnern. Wenn ich heute, 23 Jahre später, daran denke, sehe ich nur das pausbäckige Mädchen vor mir, das ich aus dem Fotoalbum kenne. Ich war gerade viereinhalb Jahre alt. (In England, meinem Geburtsland, geht die Schule früher los.) War ich am ersten Schultag aufgeregt? Hatte ich Angst? Fühlte ich mich groß, stark oder superklug? Auf dem nächsten Bild im Album halte ich eine bunte Schultüte im Arm. Prall gefüllt mit Geschenken – und großen Erwartungen.

ren wir nach Österreich gezogen und ich ging ins Gymnasium, musste ich meine Eltern enttäuschen. Ich kippte bei der Blutabnahme um und wusste: Aus mir würde nie eine gute Ärztin werden. In der Pubertät entdeckte ich, was ich wollte: schreiben. Journalistin sein. Zunächst führte ich diesen Wunsch darauf zurück, dass ich, wie alle anderen Mädchen in der Klasse, in den Deutschlehrer verknallt war. Aber die Liebe zum Geschriebenen überdauerte jene zum Professor. Mit Tausenden anderen Publizistik zu studieren kam aber nicht infrage. Etwas anderes musste her.

Was wird aus einem Kind?

Heute weiß ich, warum Bildungspolitiker die Bedeutung der Studienwahl hervorheben. Mit 18 Jahren interessierte mich diese wenig. Meine Entscheidung fiel schnell, war impulsgesteuert: Hauptsache Wien, dachte ich als Salzburgerin. Hauptsache weg von den Eltern. Hauptsache: nie mehr Schule. Ein Studium der Betriebswirtschaftslehre schien mir passend: Ich wollte Wirtschaftsjournalistin werden. Und das Fach „Geografie und Wirtschaftskunde“ hatte in der Schule Spaß gemacht. Dass „Geo“ wenig mit BWL gemeinsam hatte, kam mir nicht in den Sinn. Erstmals im Studentenheim angekommen, klang das Läuten der Bim vor dem Fenster nach Freiheit. So manches Fach auf dem Stundenplan hingegen klang gruselig: Controlling, Finanzierung, Buchhaltung. Mathematik war mir immer ein Dorn im Auge gewesen. Mit 19, nach einem Jahr an der Wirtschaftsuni, viel Freude mit „Europäischem Recht“ und viel Leid mit „Finanzierung I“, dann ein kur-

Schon früh hatten meine Eltern einen Privatschulplatz organisiert. Was für Österreicher elitär klingen mag, ist in England Alltag. Wer eine gute Bildung wünscht, muss in eine private Schule. Damit sind hier schlichtweg ordentliche Schulen gemeint, nicht Institutionen wie die Prinzenschule Eton. Und viele Eltern sind bereit, in die Zukunft der Kinder zu investieren. Als Kind wollte ich nicht Ballerina werden, nicht Lokomotivführerin. Und wenn, dann kann ich mich auch daran nicht erinnern. In meiner Familie waren sich alle einig, dass ich Ärztin werden sollte: Weil Ärzte angesehen und finanziell abgesichert sind. Außerdem glaubten meine Eltern, es sei nützlich, eine Ärztin in der Familie zu haben. Zudem sprachen sie mir eine naturwissenschaftliche Begabung zu, obwohl ich weder mit dem Ärztenoch mit dem Kinderchemiekoffer etwas anfangen konnte. Spätestens als ich zwölf war, mittlerweile wa-

Studier was G’scheits!

Emily Walton, geb. 1984 in Ox-

ford, ist Journalistin und Autorin in Wien. Soeben ist ihr Debüt „Mein Leben ist ein Senfglas“ (PROverbis, € 17,95) erschienen. www.emilywalton.at

zes Innehalten: Es taugte mir nicht. Und jetzt? Fast zufällig stieß ich auf die neu eröffnete FH für Journalismus in Wien – nur wenige Tage vor dem Bewerbungsschluss. Für langes Grübeln oder Angst blieb wenig Zeit, ich handelte. Noch ein Jahr zuvor hatte ich zu großen Respekt vor dem bedrohlichen Wort „Aufnahmetest“ gehabt. Heute weiß ich, dass es weniger bedrohlich als sinnvoll ist: Jene, die wirklich wollen, schaffen es. Jene, die sich vorher Gedanken gemacht haben, wohin die Reise gehen soll. An der FH wurde die studentische Freiheit etwas eingegrenzt. „Verschult“ sagen manche. Aber anders als vorher war die Menge der Studenten hier überschaubar. Und wer sich brav an den Stundenplan hielt, konnte die Ausbildung in acht Semestern abschließen. Während Praktika in Zeitungsredaktionen lernte ich Kollegen kennen, die neben dem Studium gejobbt hatten, von der Arbeit aufgesaugt wurden und keine Zeit mehr für die Uni hatten. An der FH ist Bummeln nicht möglich.

Hungrig nach Sicherheit Noch vor meinem Studienabschluss fand ich einen Job. Dabei war ich nicht mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Gerade als ich mein Praktikum in Neuseeland absolvierte – ich hatte es mir mühsam in hunderten E-Mails erschrieben –, wurde eine Stelle bei einer österreichischen Zeitung frei. Hungrig nach Sicherheit nahm ich diesen Job an. Flog dafür sogar früher zurück. Ich stellte schnell den Koffer in meiner Wohnung ab, schon saß ich an meinem ersten Schreibtisch.

Fortsetzung Seite 12

Foto: HVB

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Bildung, exotisch

Foto: Karin Wasner

SPECIAL

Auf den Stufen zum Dom am

Senatsplatz von Helsinki. Hier treffen sich die Studenten um in der Sonne zu sitzen und gemeinsam zu lernen

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BILDUNG, EXOTISCH

Emily Walton, in der Schuluniform ihrer private school in England

Der erste Job wird wie auch die erste Wohnung und die erste Liebe überbewertet. Mit 22 ist man geblendet von Visitenkarten, der eigenen Durchwahl, der Firmen-E-MailAdresse, dem ersten Gehalt. Ich lebte für die Arbeit, fühlte mich erwachsen. Und viel zu schnell lernte ich das Hamsterradtreten, von dem mir die Älteren erzählt hatten. Tagein, tagaus. Bleibt keine Energie mehr, zu hinterfragen, wohin du läufst. Ob du 45 Jahre weiterlaufen willst. Ob du überhaupt in diesem Hamsterrad laufen, nicht lieber Ballerina oder Lokomotivführerin sein willst. Mit Mitte 20 spürte ich, dass es zu früh war, Geisel der Sicherheit zu sein. Ich hatte ein Studium abgeschlossen, die Diplomarbeit neben einem Fulltime-Job geschrieben, und würde man für einen Artikel über die „Generation Praktikum“ recherchieren, wäre ich ein guter Interviewpartner. Gut unterwegs eigentlich. Ich aber fühlte mich, als sei ein Pferd mit mir davongaloppiert. Zwar nicht in eine ganz falsche, aber doch verkehrte Richtung. Ich wollte

und Karrieredenken geprägt zu sein. Ich kündigte. Ich schrieb an meinem ersten Roman (der soeben erschienen ist), schrieb (als freie Journalistin) und studierte. Ich wurde nicht ins kalte Wasser geworfen, sondern bin selbst gesprungen. Weil ich schwimmen wollte. Und wenn ein Auftraggeber wegbrach oder eine Literaturzeitschrift meinen Text ablehnte, lernte ich auch, kräftig zu rudern. Nicht nur von neun bis fünf Uhr, auch abends und am Wochenende. Das Los der Selbstständigen. Zwei Jahre später wird das Wasser langsam wärmer, ich vertraue darauf, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Denn ich habe gelernt, und turbulente Wirtschaftslagen haben gezeigt, dass es Sicherheit nicht gibt. Selbst jenen, die sich im Angestelltenverhältnis sicher wähnen, kann die Kündigung ins Haus flattern. Wohin die Reise führt, weiß ich nicht. Sollte ich scheitern, weiß ich aber, dass ich zumindest versucht habe, meine Ziele zu verfolgen. Für eine Rückkehr ins Hamsterrad ist es nie zu spät. Fürs Aussteigen schon. Text: Emily Walton

etwas ändern. Nachdem mir klar geworden war, was ich nicht mehr machen wollte, kam mir allmählich, was ich machen wollte: Schriftstellerin werden.

Träume leben lernen In meiner knappen Freizeit schrieb ich Kurzgeschichte um Kurzgeschichte, aber das befriedigte nicht. Ich wollte auch Hintergrundwissen und schrieb mich an der Uni ein. Meine Sitznachbarin hatte ihr Federpenal direkt vom Klassenzimmer in den Hörsaal getragen. Ich schrieb auf einen Block mit Firmenlogo. Und fühlte mich wieder wie 18, nur reifer. Damals wäre ich nie auf die Idee gekommen, Germanistik zu studieren. Nun also hatte ich eine Dreifachbelastung: Job, Schreiben und ein Studium – noch dazu ein brotloses geisteswissenschaftliches. Man warnte mich: Was willst du mit wenig Geld und ohne Sicherheit? Ja, was wollte ich? Vielleicht wollte ich einfach einmal das tun, wovon ich träumte. Ohne von Sicherheits-

Durch die Kombination aus technischen Studieninhalten und Englisch als Unterrichtssprache wird der Studierende auf die Aufgaben in international tätigen Unternehmen vorbereitet. Die Kombination aus geblockten Präsenzphasen und Fernstudium ist optimal auf den berufstätigen, weiterbildungswilligen HTL-Ingenieur abgestimmt.

Foto: Privat

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Das Entdeckerdenkmal für Heinrich den Seefahrer in

Lissabon. Mit an Bord ist z.B. auch Vasco da Gama, der den Seeweg nach Indien entdeckt hat

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Fachhochschule Wiener Neustadt

Master

Foto: Karin Wasner

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Bildung, exotisch

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Johannes Gutenberg-Str. 3 . A-2700 Wiener Neustadt . +43 (0) 26 22 / 89 0 84 . office@fhwn.ac.at . www.fhwn.ac.at . www.facebook.com/fhwnfan * Vorbehaltlich der Genehmigung durch den Fachhochschulrat.

Campus Wr. Neustadt Neu Training & Sport a

b Herbst!


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Bildung, exotisch

Sommerakademie für Kulturmanagement

Universitätslehrgang Bildungsmanagement

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Kulturmanagement aus der Praxis in Workshops, Exkursionen und Networking

ie Sommerakademie für Kulturmanagement des Instituts für Kulturkonzepte wurde speziell für StudentInnen und JungakademikerInnen aller Studienrichtungen entwickelt, die eine Tätigkeit im Kulturbereich anstreben. Sie bietet einen Überblick über das Berufsfeld Kulturmanagement sowie die Grundlagen kultureller Projektorganisation, internationalen Arbeitens und des Kulturmarketings. Ihr Ziel ist es, brauchbare Methoden erfolgreichen Kulturmanagements aus der Praxis zu vermitteln. Die Wochen der Sommerakademie können unabhängig voneinander gebucht werden. „Modern Times“

Berufsziel Kultur: Strategien für den Einstieg, 9. bis 13. Juli, „Jungle Fever“ Projektorganisation und Finanzierung, 23. bis 27. Juli, „Do the Right Thing!“ Grundlagen internationalen Kulturmanagements, 3. bis 7. September, „Monkey Business“ Kulturmarketing und Web 2.0, 17. bis 21. September. Anmeldefrist: 15. Juni 2012. Kosten: 320 Euro/1 Woche, 600 Euro/2 Wochen, 850 Euro/3 Wochen, 1100 Euro/4 Wochen.

Institut für Kulturkonzepte 6., Gumpendorfer Straße 9/10 Tel. +43 (0)1 585 39 office@kulturkonzepte.at www.kulturkonzepte.at

Neues Weiterbildungsprogramm Managementkompetenzen für effizientes Handeln im Bildungsbereich

er viersemestrige Universitätslehrgang „Bildungsmanagement“, eine Kooperation der DonauUniversität Krems und des Bundesinstituts für Erwachsenenbildung (bifeb), startet erstmals im Oktober 2012. Er bietet eine Weiterbildung, die von Personal- und Organisationsentwicklung über Fundraising und Kommunikation bis zu Bildungspolitik reicht, und wendet sich vor allem an Führungskräfte in Bildungseinrichtungen sowie Bildungsverantwortliche in Unternehmen. Die Inhalte: Managementkompetenz, Entwicklungskompetenz, Leitungs- und Führungskompetenz.

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Die neuen Webinare • online lernen • einfach übers Internet • von jedem Ort der Welt aus dieberater.com/webinare

Das Studium wird in Form von ELearning-Einheiten und Präsenztagen an der Donau-Universität Krems und dem Bundesinstitut für Erwachsenenbildung in Strobl absolviert. Voraussetzungen: mindestens einen Hochschulabschluss oder eine dementsprechende mehrjährige Berufserfahrung. Abschluss: Master of Arts, Kosten: 9900 Euro. Bewerbungsfrist: 17. September. Donau-Universität Krems, Department für Weiterbildungsforschung und Bildungsmanagement.

Kontakt: Florian Reisky Tel. +43 (0)2732 893-2218 florian.reisky@donau-uni.ac.at www.donau-uni.ac.at/wbbm


Foto: Karin Wasner

SPECIAL

Vom Pulverturm in

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Bildung, exotisch

Prag hat man den Überblick. Von hier oben sieht man bis zur Prager Burg und zum Wahrzeichen Žižkovs, dem Fernsehturm

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Bildung, exotisch

Ausbildung in Sexocorporel

Was bewegt Frauen dazu, einen ungewöhnlichen oder exotischen Bildungsweg einzuschlagen? Vier Frauen erzählen ihren Motiven sowie den Vor- und Nachteilen einer Ausbildung fernab vom Mainstream

„Frauen müssen sich

einfach viel mehr zutrauen“ „Schon im Kindergarten hat mich fasziniert, dass etwas Vergangenes unter der Erde liegt, das man erforschen kann“, sagt Sabine Ladstätter. Die 43-Jährige hat Klassische Archäologie, alte Geschichte und Altertumskunde in Graz studiert. „Als ich mit 18 zum ersten Mal die Stufen zum Institut hinaufgegangen bin, hat mein Leben erst so richtig begonnen, da ich endlich meinen Interessen nachgehen konnte.“ Heute ist Ladstätter die erste weibliche Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts und leitet zudem die Grabungen in Ephesos, einer der bedeutendsten Fundstätten der Antike. „Das Studium der Klassischen Archäologie ist bis zu 70 Prozent mit Frauen besetzt. Grabungsarchäologie wird aber vor allem von Männern betrieben, da sich Frauen oft nicht zutrauen, eine Grabung zu machen. Insofern war diese Richtung in meinem Fall schon sehr außergewöhnlich“, erklärt sie. Die erste Hürde im Zuge der Entscheidung für einen außergewöhnlichen Bildungsweg ist, Familie und Freunde von den eigenen Interessen

„Es ist mir ein Rätsel, wie man glücklich le- ben kann, wenn man einen Beruf hat, der einen nicht erfüllt“ Sabine Ladstätter, Wissenschafterin des Jahres 2011

und Wünschen zu überzeugen. „Ich habe schon oft von Kolleginnen gehört, dass die Familie stark gegen das Studium war. Meine Eltern haben mich aber immer unterstützt und ich konnte meinen Interessen folgen. Es ist mir ein Rätsel, wie man glücklich leben kann, wenn man einen Beruf hat, der einen nicht erfüllt. Mich reizt die Archäologie nach 20 Jahren Berufserfahrung immer noch, weil sie sehr lebhaft ist und ihre Quellen durch Ausgrabungen permanent erweitern kann.“ Auch für ihre jungen Kolleginnen hat Ladstätter einen Rat: „Frauen müssen sich einfach viel mehr zutrauen. Ich sehe es als meine Rolle, bei Ausgrabungen bewusst junge Frauen anzusprechen und sie zu fördern. Auch ist es wichtig, unterschiedliche Lebenskonzepte zu erlauben. Im Leben ergeben sich verschiedene Dinge, und wenn man den Mut hat, sich darauf einzulassen, erlangt man eine Reife, die für eine gute Wissenschafterin essenziell ist.“

„Ziel eines Studiums ist es, sich weiterzuentwickeln“

www.univie.ac.at www.vhs.at www.waff.at

Die geistige Reife ist für Anna Pflügel der größte Vorteil an ihrem Studium der Kultur- und Sozialanthropologie. Sie ist eben von einer Forschungsreise aus Ecuador zurückgekehrt und resümiert: „Auf jeden Fall habe ich in den letzten Jahren viel gelernt, womit sich andere Leute nie auseinandersetzen werden. Mit diesem weiten Bildungshorizont fällt es mir leicht, Dinge kritisch zu hinterfragen, und das ist immer nützlich.“ In ihrem Fach sind 78 Prozent der 2837 Studierenden weiblich. Die 24-Jährige glaubt, dass Frauen generell sehr offen für andere Kulturen sind und über den Tellerrand hinausblicken wollen.

Natürlich ist unter den Studentinnen auch das zukünftige Berufsleben Thema. „Bei vielen Sozialwissenschaften gibt es kein fixes Berufsbild, und man kann viele verschiedene Richtungen einschlagen. Ich würde gerne bei einer NGO und mit Menschenrechten arbeiten und habe auch schon ein Praktikum in Nicaragua gemacht. Aber natürlich habe ich auch Angst, dass ich später keinen Job bekommen könnte.“ Das Risiko nimmt die gebürtige Bayerin gern in Kauf. „Wenn man im Bereich der Menschenrechte arbeitet, leistet man auch etwas Positives für die Menschheit. Ziel eines Universitätsstudiums ist es nicht, eine Berufsausbildung zu erlangen, sondern sich selbst weiterzuentwickeln und somit attraktiver für den Arbeitsmarkt zu werden.“

„Mit 44 als Studentin

Ägyptologie inskribiert“ „An den Wiener Volkshochschulen werden die Kurse zu 70 Prozent von Frauen besucht“, erklärt VHSMediensprecherin Daniela Lehenbauer. Das Kursprogramm hat insbesondere im sprachlichen Bereich viele Exoten wie Indonesisch, Wolof, Singhalesisch, Urdu oder Suaheli im Angebot. „In meinen Hindi-Kursen zähle ich oft bis zu 90 Prozent Frauen“, sagt Kiran Schreuer. Die gebürtige Inderin lebt seit sechs Jahren in Wien und leitet einige Abendkurse in ihrer Muttersprache. „Die Kursteilnehmerinnen sind zwischen 20 und 50 Jahre alt. Viele von ihnen haben einen Inder geheiratet oder leben in einer Fernbeziehung und möchten daher gerne Hindi lernen. Einige interessieren sich auch für Bollywoodfilme und indische Tänze oder reisen einfach

Fotos: Privat

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n der Universität Wien beträgt der Anteil der Frauen mittlerweile 64 Prozent. Außergewöhnliche und kleine Fächer wie Ägyptologie, Indogermanistik, Afrikanistik oder Koreanologie weisen einen Frauenanteil von bis zu 80 Prozent auf. Die österreichische Wissenschafterin des Jahres 2011 Sabine Ladstätter wählte ein Studium ­„dazwischen“ – mit einen Frauenanteil von 70 Prozent: Klassische Archäologie, alte Geschichte und Altertumskunde.


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Bildung, exotisch

SPECIAL

alles kann, und das bringt einfach viel Selbstbewusstsein. Auch mein Freundeskreis hat gemeint, dass ich mich verändert habe und jetzt viel fröhlicher und glücklicher bin.“

„Sexualpädagogik ist ein

relativ junges Berufsfeld“

Nicht nur für Frauen gibt es zahlreiche Förderungen, die allerdings eine Ausbildung mit guten Berufschancen voraussetzen. Zum Beispiel richtet sich der Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (WAFF) gezielt an Personen, die über keinen Pflichtschulabschluss verfügen und etwa eine Lehre nachholen wollen. „Auch ArbeitnehmerInnen, die ein niedriges Einkommen unter 1300 Euro netto haben, werden für zielgerichtete Weiterbildungen mit bis zu 1000 Euro unterstützt. Häufig sind das Teilzeitbeschäftigte und Frauen“, wie Mediensprecher Klaus Kienesberger erklärt. Die ehemalige Schauspielerin Ingrid Jaksch hat durch den WAFF zwei verschiedene Förderungen für ihre Ausbildungen zur Lebens- und Sozialberaterin sowie zur Sexualpädagogin bekommen.

„Ich habe in den letzten Jahren viel gelernt, womit sich andere nie auseinan- dersetzen werden“ Anna Pflügel, Studentin der Kultur- und Sozialanthropologie

„Gerade Sexualpädagogik ist ein relativ junges Berufsfeld und noch nicht so verbreitet wie Supervision oder Coaching. Als ich den Lebensund Sozialberater fertig hatte, war mir gleich klar, dass ich eine Nische brauche, um beruflich weiterzukommen.“ Die heute 50-Jährige hat während ihrer Ausbildung vor allem mit Frauen zu tun gehabt: „In meiner Gruppe war unter 24 Teilnehmerinnen nur ein Mann. Viele Frauen waren Lehrerinnen oder sind aus der Richtung Behindertenpädagogik gekommen. Sie wollten sich weiterbilden, um die vielen Fragen von Jugendlichen möglichst gut beantworten zu können. Die Entscheidung, mit der Geburt ihrer Kinder einen neuen Beruf zu wählen, hat Jaksch bisher nie bereut. „Ich leite auf Anfrage Seminare und Workshops und bilde mich nebenbei ständig weiter, um keine Entwicklung zu versäumen. Im Moment beschäftige ich mich mit Sexocorporel, einem völlig neuen Sexualberatungsmodell auf ganzheitlicher Basis, das schon erfolgreich eingesetzt wird.“ Text: Barbara Duras

Foto: Karin Wasner

gerne. Die Frauen sind sehr motiviert, lernen schnell und haben Spaß daran, eine neue Sprache und die indische Kultur kennenzulernen.“ Aus einer persönlichen Faszination für Ägypten wurde bei Eveline Zahradnik sogar ein verspäteter Universitätsabschluss: „Ich wollte meine Tochter immer selbst erziehen und war daher über zehn Jahre nicht berufstätig. Um ein bisschen rauszukommen, habe ich mit 44 als außerordentliche Studentin für Ägyptologie inskribiert. Am Anfang habe ich gar nicht vorgehabt, das Studium zu beenden, weil ich noch keine Studienberechtigungsprüfung hatte.“ Als positive Begleiterscheinung hat die damals 44-Jährige nette StudienkollegInnen kennengelernt und sich einen neuen Freundeskreis aufgebaut. „Mir hat auch gefallen, dass das Institut für Ägyptologie sehr klein und familiär ist.“ Aufgrund der vielen positiven Effekte war es für die 56-Jährige kein Kriterium, später einen Job in diesem Bereich zu finden. „Das Lernen hat Spaß gemacht und ist irgendwann fast zur Sucht geworden. Zudem habe ich gesehen, was ich

An der Küste

Venezuelas

in Südamerika. Die karibischen Fischer fahren täglich mit ihren Booten aufs Meer und versuchen ihr Glück


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Bildung, exotisch

Master des Floßbauens

Seriöse Wiener Bildungsinstitutionen bieten auch EXOTISCHE AUSBILDUNGEN an. Was auf den ersten Blick merkwürdig klingt, kann eine erfolgreiche Karriere begründen

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aben Sie sich schon immer für finnische Literatur interessiert? Oder sind Sie heimlich ein Anhänger der Paläobiologie? Träumen Sie davon ihren ersten Dokumentarfilm zu drehen? Das alles könnten Sie in Angriff nehmen, vertiefen – und wer weiß – daraus sogar einen Job machen.

terbilden lassen. Angeboten werden neben Reinigung, Wartung und Verwaltung Kommunikation, interkulturelle Kompetenzen und Konfliktmanagement. In den 300 Stunden Lehrgang sind auch Exkursionen enthalten.

Filmer, Journalist oder ein Überlebenstrainer werden

Die Matura nachholen oder lieber Hausmeister werden?

Wer seine Lehre abgeschlossen hat oder auch schon länger im Beruf steht, kann an den Wiener Volkshochschulen seinen Schulabschluss nachholen: vom Hauptschulabschluss, dem Abschluss des polytechnischen Lehrgangs, der Berufsreifeprüfung, der Studienberechtigungsprüfung bis hin zu AHSMatura und B-Matura. Die AHS-Matura berechtigt zu jeder höheren Weiterbildung und zum Zugang zum gehobenen öffentlichen Dienst. Die Beamtenmatura (B-Matura) ermöglicht die Einstufung als Maturant in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis. Die Volkshochschulen bieten gezielte, oft modulare Vorbereitungslehrgänge an, die zu den Prüfungen führen. Bei entsprechenden Vorkenntnissen ist auch der Einstieg in ein höheres Semester möglich. Es geht auch eine Nummer kleiner: Warum nicht Hausmeister werden! Da ist man sein eigener Boss und Herrscher über ein kleines Reich. Das ist ein Beruf, den man auch in einer deutschsprachigen Feriensiedlung sagen wir an der nördlichen Adria oder auf Phuket ausüben kann. Die Volkshilfe Wien bietet seit neuestem genau solche Weiterbildungskurse. Voraussetzung ist lediglich eine zweijährige Berufspraxis. Auch bereits tätige Hausbesorger können sich hier wei-

Linktipps www.berufsmatura-wien.at www.vhs.at www.polycollege.at www.fh-campuswien.ac.at www.fh-wien.ac.at/   gastro-kulinarikmanagement www.fh-wien.ac.at/   tourismus-management www.boku.ac.at/departments.html www.fh-vie.ac.at www.univie.ac.at

Oder machen Sie Ihr Hobby zum Beruf: Warum nicht ins Kinomanagement einsteigen! So manches Programmkino könnte vermutlich Hilfe brauchen. Das polycollege in Margareten, das seit Jahren das Filmcasino betreibt, hat sich zu einem Kompetenzzentrum im Bereich Medien und Film entwickelt. Dort werden Kurse im Kinomanagement oder Sommerkurse zum Thema „Dokumentarfilm“ angeboten. Hier kann man als Quereinsteiger lernen, wie Online-Journalismus funktioniert oder wie man eine professionelle Homepage baut. Die Wiener FH Campus bietet auch ein Kompetenzzentrum für Soziale Arbeit („KOSAR“). Neu ist dort der Lehrgang „Erlebnispädagogik“. Daraus wird zwar selten ein gutbezahlter Job, aber dafür ein interessanter. Man darf mit Menschen wilde Sachen unternehmen: Fallschirmspringen, Flöße bauen und das Überleben im Wald trainieren. Alle interessieren sich für gutes Essen und Trinken. Die FH-WienStudiengänge der WKÖ bieten dazu berufsbegleitende Weiterbildungsmaßnahmen an. Vielleicht der erste Schritt auf dem Weg zum eigenen Lokal? Neben Managementwissen vermittelt die Ausbildung viel Praxis zum Beispiel zu den neuesten kulinarischen Trends. Die FH Wien bietet außerdem den Studiengang „Tourismus-Management“. Auch da wird schon während des Studiums

praxisnah gearbeitet – wie etwa beim 30. Wien-Ball in Mailand. Die FH Wien bietet ihren Studierenden neben einer soliden wirtschaftswissenschaftlichen Grundlage auch die Möglichkeit, Sprachkenntnisse aus- oder aufzubauen: in Spanisch, Russisch oder Chinesisch, die Sprachen der kommenden Märkte. Dazu unterhält die FH Wien Partnerschaften mit Hochschulen von Südamerika bis Sibirien.

Wasserguru an der BOKU

oder TV-Produzent an FH bfi An der BOKU, der Wiener Universität für Bodenkultur, gibt es das „Department für Lebensmitteltechnik“ – interessant zu Zeiten des Diätwahns und der sich jagenden Lebensmittelskandale. Oder ein „Department Wasser – Atmosphäre – Umwelt“. Ein zukunftsträchtiger Bereich: Der Run auf frisches Wasser hat längst begonnen. Eine Möglichkeit zu einer internationalen Karriere in der Frischwasseraufbereitung. Man kann auch ohne Matura studieren. Die Fachhochschule des bfi Wien bietet Bewerbern ohne Matura den Einstieg in einen ihrer BachelorStudiengänge. Voraussetzung ist der Abschluss einer mindestens dreijährigen berufsbildenden mittleren Schule (z.B. Handelsschule) oder die deutsche Fachhochschulreife im Bereich „Wirtschaft“. Und was kann man dann studieren? Zum Beispiel Film-, TV- und Medienproduktion an der FH des bfi – das ist einzigartig in Österreich. Geboten wird eine Kombination aus Wirtschaft, Recht, Technik und Dramaturgie, um den notwendigen Überblick für die Film-, TV- und Medienproduktion zu vermitteln.

Fortsetzung Seite 20


Bildung, exotisch

Foto: Karin Wasner

SPECIAL

Zum Date trifft man sich in

Beirut

an der Strandpromenade. Im Libanon berühren Frauen und Männer einander nicht in der Öffentlichkeit

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Bildung, exotisch Fortsetzung von Seite 18

Von den Orchideenfächern

Vor den Unruhen in Syrien. Vom Hügel, wo Kain Abel erschlagen haben soll, blickt man auf

Damaskus

Es geht allerdings noch exotischer. Die verdienstvolle Universität Wien kommt ihrem Bildungsauftrag zum Glück immer noch nach und bietet auch sogenannte „Orchideenfächer“ an. Im Zuge eines Studiums der „Afrikawissenschaften“ lernt man zum Beispiel die Sprachen Bambara (spricht man in Mali), Hausa (Handelssprache in West- und Zentral­ afrika) oder Swahili (Verkehrs­ sprache in Ostafrika). Auch die „Byzantinistik und Neogräzistik“ verspricht ein Studium völlig jenseits der aktuellen Griechenlandkrise. Wer „Fennistik“ belegt, beschäftigt sich mit der finnischen Kultur und Sprache. Wem das noch zu naheliegend ist, der kann sich auch mit den „Sprachen und Kulturen Südasiens und Tibets“ auseinandersetzen und bekommt im Zuge dieses Studiums auch eine Einführung in die Indologie, Tibetologie und Buddhismuskunde. Wer „MATILDA“ studiert, erwirbt einen „European Master in Women’s and Gender History“ und beschäftigt sich mit „Fragestellungen und Themen der europäischen Frauen- und Geschlechtergeschichte“ – „Exkursion und disziplinärer Kontext“ im Rahmen einer „Summer School“ mit Vorlesungen und Workshops inklusive. Kommen wir schließlich zur eingangs erwähnten Paläobiologie: Wer sich darauf einlässt, erfährt etwas über Fossilisation und Paläoökologie, Terrestrische Aktuopaläontologie, Paläontologische Evolutionsforschung, Paläoklimatologie und Paläobiogeografie. Absolventen können nach Auskunft der Uni Wien später wissenschaftlich an Universitäten, Museen und geowissenschaftlichen Institutionen tätig sein – oder auch als Consulter in der Erdölindustrie, im Bergbau oder im Fossilienhandel und Fossilschutz. „Fossilienhändler“ – also, wenn das kein echt exotischer Beruf ist! Text: Peter Badowien

Foto: Karin Wasner

zum Fossilienhändler


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Bildung, exotisch

„Horizont“ auf Indonesisch

Den eigenen Horizont ausdehnen – zwischen Mouseklick und Boarding Card: der Weg zu neuen Erkenntnissen, zu frischem Wissen. Ein erweiterter SPRACHSCHATZ ist dabei erst der Anfang …

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ibetisch, Hindi, Isländisch – um exemplarisch drei zu nennen – hallt es durch die Sprachlabore der Universität Wien. Die Wiener Volkshochschulen stehen dem reichhaltigen und teilweise sehr offensichtlich nicht auf die Quote schielenden Ausbildungsangebot in nichts nach. In Brigittenau wird Urdu gelehrt (ein Angebot, das bisher 30 Personen in Anspruch genommen haben), wird Amharisch (Äthiopisch) parliert (bisher 25 Teilnehmer), in der Landstraße werden von bis dato 150 Menschen erste Schritte ins Indonesische unternommen. Die Liste ist überraschend lang: Mehr als 60 Sprachen stehen zur Auswahl, darunter alle europäischen Sprachen und solche, die ansonsten nirgends angeboten werden. Beim

bfi Wien können 18 verschiedene Sprachkurse „auf allen Niveaus“ – von Japanisch bis Arabisch – gebucht werden, zum Beispiel auch „Russisch 8“, bei dem das Niveau A2d erreicht wird.

In virtuellen Sphären:

Facebook auf Indonesisch? In Zeiten, in denen Sloterdijks Vertikalspannung nach der BesserwisserPlattform Wikipedia selbst bei Youtube zum viel geklickten Phänomen avanciert, ist es wenig verwunderlich, dass E-Learning inzwischen Social-Media-vernetzte Züge angenommen hat. Einfachen Fremdsprachenerwerb verspricht beispielsweise die kostenpflichtige Onlineplattform

„Babbel“. Zur Auswahl stehen derzeit elf Sprachen, darunter Portugiesisch, Niederländisch, Polnisch und Indonesisch. „Lebendige, multimediale Kurse und Übungen machen Spaß und bringen schnell bleibenden Erfolg“, lautet der optimistische Ansatz in der Selbstwahrnehmung. „Ob am Computer über die Website oder mobil mit der iPhone-App: Mit Babbel kannst du überall unkompliziert lernen.“ In Tutorials und in themenspezifischen, aufbauenden Kursen erlernt man (per Bild- und Soundebene) Grammatik und das nötige Vokabular, durch eine Spracherkennungssoftware wird die Aussprache, durch einen „WiederholManager“ das Vokabular geprüft, darüber hinaus kann man mit den

virtuellen „Kommilitonen“ in Kontakt treten: Babbel gibt an, nicht nur „ein umfangreiches Team von mehr als 30 Didaktikern, Sprachlehrern, Produktionsdesignern und Software-Entwicklern“ auf seiner Seite zu haben, sondern – auf Userseite – auch „mehr als eine Million Sprachenlerner“. In der Community können die neuen Sprachkenntnisse gleich angewendet werden. „Babbel“ ist nur ein Beispiel für Onlinetrainings. Manches wird gratis angeboten (www.lang-8.com), die meisten werden beim Aufbau kostenpflichtig, den Communitygedanken pflegen alle (www.italki. com, www.livemocha.com), seien es Videochats mit Native Speakern (www.busuu.com, u.a. gegründet vom Wiener Bernhard Niesner) oder

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22 eine Börse für Offlinebegegnungen, hält man sich im Ausland auf (www. palabea.net). Arenalingua (www. arenalingua.de) erweitert das Angebot noch um Sprachreisen.

Beim Lernen der Sprache

im Ausland anderen helfen Der ergiebigste Weg, sich eine Sprache anzueignen ist und bleibt trotz all den virtuellen Möglichkeiten die Version „vor Ort“, wo man gleich Native Speaker mit seinem radebrechendem Chinesisch, Russisch, Spanisch, Arabisch, Türkisch konfrontieren kann. Und vor Ort sind im Fall von Sprachreisen auch Sprachschulen. Die Möglichkeiten harmonieren mit den Wünschen, Sprachreisen sind so etwas wie Sprachaustausch und Erasmus-Semester in komprimierter Form „für Erwachsene“, sie berücksichtigen bei der Reiseplanung eben auch die entsprechenden Sprachkurse. Beim Reisen kann man mitunter auch über sich hin-

Bildung, exotisch auswachsen. Ein Beispiel dafür ist Ulrich Salamun von der KomikerFormation „maschek“. Salamun hat eine Reise mit Perspektive begonnen, die auch heute noch nicht zu Ende ist: „Die meisten wissen von Nicaragua gerade noch, wo es ungefähr liegt, etwas von der Revolution der Sandinisten und haben vielleicht noch verschwommene Kindheitserinnerungen an Fernsehbilder aus einem Land im Bürgerkrieg. Ja, und dass Reagan auch noch irgendwie seine Finger im Spiel hatte. Bei meiner ersten Reise nach Nicaragua mit zwei Freunden ist es mir genau so gegangen.“ Seine Freizeit verbringt Salamun noch heute in Granada, Nicaragua. Er hat dort im Februar 2006 ein Community-Radio, „Radio Volcán“, aufgebaut, ein freies, gemeinschaftliches Radio. Mittlerweile ist es per Internet zu hören (www.radiovolcan.org). Über den Sender verlautet die Bevölkerung ihre Bedürfnisse, Gedanken und Ratschläge. Außerdem unterstützt Salamun örtliche

Kaffeebauern, indem er an ihrem Vertrieb arbeitet – faire Preise für das Spitzenprodukt soll das Selbstbewusstsein heben. Auf Spanisch heißt „um meinen Horizont zu erweitern“ übrigens „para abrir mis horizontes“. Was Salamun privat begann, wird auch von Reiseveranstaltern angeboten (neben Auslandspraktika und „Work Placement“): Lernreisen, die über den Spracherwerb hinaus gehen – Reisen mit (freiwilliger) Arbeit. Temporär auf einer Farm in Kanada, Europa, Afrika, Australien, Neuseeland, Lateinamerika. Freiwilligenarbeit im Ausland: Gutes tun, sich als Volunteer im Sozialen, im Gemeinschafts- und Gesundheitswesen betätigen, sich für

Linktipps www.univie.ac.at www.vhs.at www.bfi-wien.at http://de.babbel.com www.statravel.at www.radiovolcan.org

Tier- und Umweltschutz engagieren. Erfahrungen, die unvergleichlich sind. Und die mit der Gewissheit einhergehen, etwas aufzubauen, das nicht nur anderen etwas bringt, sondern auch einen selbst bildet. Mithelfen, die Lebensumstände anderer zu verbessern. STA Travel (www.statravel. at) etwa bietet gemeinsam mit der Nonprofit-Organisation ­Planeterra in über 25 Ländern Volontariatsprogramme an: In Südafrika oder Thailand, in der Südsee oder in Buenos Aires unterrichten, bei Tierschutzprojekten in Afrika mit Haien oder Löwen arbeiten, oder im Elefantencamp nördlich von Chiang Mai mithelfen. Für Umweltschutz im Galapagos-Archipel eintreten. Oder in Westkalimantan ein Orang-UtanSchutzzentrum mit aufbauen. Der auch online verfügbare Katalog „Reisen mit Perspektiven“ bei STA Travel fasst Freiwilligenprojekte, „Work & Travel“ und weltweite Sprachreisen zusammen. Was lernen wir morgen? Text: Nicole Albiez

Tipps

Sprachdiplom für die deutsche Sprache

Kur für gestresste Managerinnen

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Das ÖSTERREICHISCHE SPRACHDIPLOM DEUTSCH (ÖSD) ist staatlich anerkannt

ie ÖSD-Prüfungen orientieren sich an den Niveaubeschreibungen des „Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen“ (GER) und an „Profile Deutsch“. Es gibt neun Prüfungen auf sechs verschiedenen Niveaus: A1 Grundstufe Deutsch 1 (GD 1), A1 Kompetenz in Deutsch 1 (KID 1), A2 Grundstufe Deutsch 2 (GD 2), A2 Kompetenz in Deutsch 2 (KID 2), B1 Zertifikat Deutsch (ZD), B1 Zertifikat Deutsch für Jugendliche (ZDJ), B2 Mittelstufe Deutsch (MD), C1 Oberstufe Deutsch (OD), C2 Wirtschaftssprache Deutsch (WD). Die Prüfungen bestehen aus schrift-

lichen und mündlichen Teil, und können an einem der zahlreichen Prüfungszentren in Österreich (in Wien allein gibt es 65 Zentren) oder in über 200 Prüfungszentren in rund 40 weiteren Ländern absolviert werden. Das ÖSD bietet jedoch keine Deutschkurse an. In der ÖSD-Zentrale kann man sich zu den unterschiedlichen Prüfungsstufen beraten lassen und Übungsmaterialien kaufen. Anmeldungen und Informationen zu Prüfungsterminen erhalten Sie direkt an den ÖSD-Prüfungszentren.

ÖSD-Zentrale, 9., Hörlgasse 12/14 Tel. +43 (0)1 319 33 95, info@osd.at www.osd.at

Neue Kraft durch FASTEN verspricht das neue FastenSeminar für „Personen mit erhöhtem Leistungseinsatz“

asten für alle Zielgruppen – Berufstätige im Alltag oder im Büro, Senioren, Vollschlanke und Schlanke bietet die Österreichische Gesellschaft für Gesundheitsförderung (GGF). „Aus der Tiefe Kraft schöpfen“ nennt sich die Gesundheits- und Fastenwoche, die neu und speziell für ManagerInnen angeboten wird. Sie ist konzipiert für eine Gruppe von maximal 14 Personen. Für Firmen, die aktiv zu der Gesundheitsförderung ihre MitarbeiterInnen beitragen wollen, werden Fastenseminare für Firmengruppen angeboten. Die Begleitung des Fastenprozesses erfolgt direkt am Arbeitsplatz.

„Aus der Tiefe Kraft schöpfen“, Gesundheits- & Fastenwoche mit Coaching, Hotel Loipersdorf Spa & Conference****superior, 8282 Loipersdorf (Stmk.), 12.5.–19.5.2012. Monatlich stattfindende Veranstaltung: „Fasten in der City“, Fasten im Alltag mit Beruf und Familie, Apotheke zur Kaiserkrone, 7., Maria­ hilfer Straße 110. Nächster Termin: 10.5.–18.5.2012 .

GGF Österreichische Gesellschaft für Gesundheitsförderung 6., Haydngasse 6/31 Tel./Fax: +43 (0)1 967 66 50 office@gesundheitsfoerderung.at www.gesundheitsfoerderung.at www.fastenfuergeniesser.com www.kleinundgesund.at


Bildung, exotisch

Foto: Karin Wasner

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In

Nazaré,

einem kleinen Fischerstädtchen an der Westküste Portugals. Weißer Strand am Atlantik

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