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FALTER Special 63

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SPECIAL

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Foto: Fotolia

d   S p i t a l s k o n z e p t 2 0 3 0 d e n tg e ltlic h e Ve r la g s b e ila g e zu F al te r 3 8, 2 01 3

Neues bei den Spitälern in Wien

d  Wiener Spitalskonzept 2030    KAV-Generaldirektor Wilhelm Marhold erklärt die Hintergründe d  Erstversorgung neu    Emergency Rooms am Beispiel des Krankenhauses Hietzing d  „In Watte betten“    Palliativmedizin im Wilhelminenspital d  Das Flaggschiff unter Wiens Spitälern    Das neue Krankenhaus Nord in Floridsdorf d  Neue Häuser – neue Standards    So sehen Gemeindespitäler künftig aus


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spitalskonzept 2030

Mehr Qualität in den Spitälern

Wilhelm Marhold, Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes, zum Wiener Spitalskonzept 2030

tillstand wäre Rückschritt. Der Bedarf an Spitalsleistungen steigt kontinuierlich an. Allein in den Krankenhäusern des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) werden pro Jahr rund 400.000 PatientInnen stationär aufgenommen und 3,5 Millionen ambulante Behandlungen durchgeführt. Um auch in Zukunft topmedizinische Versorgung bieten zu können, werden die Gemeindespitäler Schritt für Schritt modernisiert. Das Wiener Spitalskonzept 2030 schlägt neue Wege ein: Neben einer optimierten PatientInnenversorgung spielen betriebswirtschaftliche Ziele eine bedeutende Rolle. Medizinische Ethik und wirtschaftliches Denken stellen nach Überzeugung des Generaldirektors des KAV Wilhelm Marhold keinen Widerspruch dar: „Ethisch handelt, wer auch wirtschaftlich handelt.“ Ein wichtiges Ziel sei, die Anzahl an Akutbetten zu verringern und die aufgrund der demografischen Entwicklung dringend benötigten Betten im Pflegebereich aufzustocken. Künftig sollen sieben moderne Krankenhäuser, gut aufeinander abgestimmt, die medizinische Versorgung der WienerInnen übernehmen: das Donauspital im 22. Bezirk, das Ottakringer Wilhelminenspital, das Krankenhaus Hietzing, das KaiserFranz-Josef-Spital in Favoriten, die Rudolfstiftung im dritten Bezirk, das Krankenhaus Nord in Floridsdorf sowie das AKH Wien.

Was war die Idee hinter dem Spitalskonzept 2030? Wilhelm Marhold: Die Gemeindespitäler sind durchschnittlich 80 Jahre alt. Viele der Häuser stammen noch aus der Kaiserzeit. Das bedeutet, dass enorme Investitionen in die baulichen Strukturen notwendig

sind. Um weiterhin Spitzenmedizin anbieten zu können, müssen Wiens Spitäler modernisiert, umgebaut bzw. auch neu errichtet werden. Welche Ziele haben Sie beim Spitalskonzept vor Augen? Marhold: In erster Linie strukturelle Ziele, wie etwa die optimierte PatientInnenversorgung unter optimierten betriebswirtschaftlichen Bedingungen. Das eine ist vom anderen nicht zu trennen. Die Qualität der PatientInnenversorgung hängt mit der Qualität der betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen eng zusammen. Ich möchte mit einem alten Trugschluss aufräumen: Mehr Geld bedeutet nicht automatisch mehr Qualität. Wenn wir mit dem Wiener Spitalskonzept unsere derzeit dreizehn Spitalsstandorte konzentrieren, kommen die notwendigen Investitionen günstiger. Mit sieben Schwerpunktspitälern können wir alle für die PatientInnen notwendigen Leistungen anbieten. Wie hoch werden Investitionen für das Spitalskonzept 2030 sein? Marhold: Die Gesamtinvestitionen bis 2030 werden rund 3,5 Milliarden Euro ausmachen. Dann gibt es sechs moderne Gemeindespitäler und das AKH, das ja gemeinsam vom Bund und der Gemeinde Wien betrieben wird. Was sind die konkreten Vorteile? Marhold: Mehr Qualität in der Ökonomie sowie Qualität in der PatientInnenversorgung durch Leistungsbündelung und Schwerpunktsetzung führen klarerweise zu besseren medizinischen Leistungen und somit zu Vorteilen für die PatientInnen. Der Spruch „Wer etwas oft macht, macht es auch gut“ gilt auch für ÄrztInnen. Einzel­

standorte wie das Orthopädische Krankenhaus Gersthof oder die Semmelweis-Frauenklinik sowie Riesenareale wie das Otto-WagnerSpital oder das Wilhelminenspital entsprechen baulich nicht mehr den Anforderungen an ein Spital des 21. Jahrhunderts.

„Dank unserer Spit- zenmedizin sinkt die Aufenthaltsdauer in den Spitälern.“ Wilhelm Marhold, Generaldirektor des KAV

Hat man damals zu wenig vorausschauend gebaut? Marhold: Die damaligen Spitalsbetreiber waren klug. Die Zeiten sind einfach nicht vergleichbar, die Bedingungen haben sich geändert: Damals war etwa die Isolierung von PatientInnen ein ganz wesentlicher Punkt, da es noch keine Antibiotika gab. Unsere VorgängerInnen handelten also den damaligen Notwendigkeiten entsprechend. Heute zählen andere Prioritäten. Eine davon ist etwa, dass man im Krankenhaus der Zukunft keine endlos langen Wege mehr zurücklegen muss. Das bringt enorme Vorteile für PatientInnen als auch für MitarbeiterInnen.

Das Krankenhaus Wien-Nord soll 2016 in Betrieb gehen. Ist alles im Plan? Marhold: Wir sind im Plan. Ich bekomme alle vier Wochen eine konkrete Kostenverfolgung auf den Tisch. Es sind bereits 86,5 Prozent der Leistungen vergeben. Jetzt gilt es nur noch, den Bauzeitplan seitens der beauftragten Firmen einzuhalten. Die dafür veranschlagten Kosten von 825 Millionen Euro sind in der Kostenverfolgung eingehalten – auf der Preisbasis vom 1. Jänner 2009. Sie wollen die teuren Akutbetten in Zukunft deutlich reduzieren. Wie geht das? Marhold: Dank des rasanten medizinwissenschaftlichen Fortschritts und infolge der demografischen Entwicklung haben sich die Anforderungen an ein Spital grundlegend geändert: So sinkt etwa, dank unserer heutigen Spitzenmedizin, die Aufenthaltsdauer von PatientInnen in den Spitälern, was zur Folge hat, dass wir dementsprechend weniger Akutbetten benötigen. Stattdessen können wir die dringend benötigten Pflegebetten von derzeit 8.500 auf 10.000 erhöhen – Tendenz steigend. Zusätzlich werden die Akutspitäler zukünftig noch mehr intensivmedizinische Qualität bieten, als sie das heute schon tun. Wie halten Sie es mit Forschung und Weiterbildung? Marhold: Wir trennen nicht mehr zwischen Spitälern, die forschen, und jenen, die nur versorgen. Angewandte Forschung findet überall statt, weil sie der Qualität der Behandlung dient. Universitäre und experimentelle Forschung wird weiterhin dem AKH vorbehalten bleiben. Noch ein Wort zur Weiterbildung: Auf dem Gelände des neuen Krankenhauses

Fotos: Katrin Bruder

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spitalskonzept 2030

SPECIAL

„Wir trennen nicht mehr zwischen Spitälern, die forschen, und jenen, die nur versorgen“ Wien-Nord wird ein Simulationszentrum für alle MitarbeiterInnen des Wiener Krankenanstaltenverbundes errichtet. Auf rund 1.000 Quadratmetern werden künftig Notfallsituationen und neueste OP-Methoden an computergesteuerten Simulationspuppen und -geräten erprobt. Die MitarbeiterInnen trainieren dann in einem authentischen Arbeitsumfeld mit originalgetreuen OP-Sälen und Krankenzimmern. Schon vorhandene Simulationseinheiten, wie etwa der Laparoskopie-Simulator für chirurgische Fachdisziplinen in der Rudolfstiftung, werden dann in das neue Zentrum integriert. Interview: Dieter Hönig

Angewandte Forschung an Wiener Gemeindespitälern Um PatientInnen von den Vorteilen des wissenschaftlichen Fortschritts schneller und direkter profitieren zu lassen, wurde das Scientific Forum eingerichtet, eine an der ­Spitalspraxis orientierte ­Forschungsplattform des Wiener Krankenanstaltenverbunds 2011 wurde das Scientific Forum des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) gegründet. Hier tauschen die Forschungsgruppen innerhalb des KAV Ideen aus. Ziel ist, neue Erkenntnisse so schnell wie möglich zum Nutzen der PatientInnen einzusetzen. Einige Beispiele, wie die Forschung im KAV Diagnosen schneller und genauer macht sowie

­Behandlungen verbessert und verkürzt:

• Stephan Kriwanek und Walter Krugluger entdeckten mit ihren Teams, dass bestimmte Proteine tagesrhythmischen Schwankungen unterliegen und diese im gesunden Gewebe anders verlaufen als im kranken. Dank dieser Erkenntnis kann eine Chemotherapie tageszeitlich gezielt verabreicht werden.

• Guntram Schernthaner hat bei oralen Medikamenten gegen Diabetes mellitus Typ II erhebliche Unterschiede in ihrer Verträglichkeit und Wirkung festgestellt. Daraus lässt sich eine verbesserte Medikation für an Diabetes Erkrankte ableiten.

• In der Krankenanstalt Rudolfstiftung steht Susanne Binder ein weltweit einzigartiger Prototyp zur Verfügung: ein Operationsmikroskop mit integriertem optischen Kohärenztomographen für chirurgische Eingriffe an der Netzhaut.

• Ein Team um Heinz Ludwig entwickelte ein Analyseverfahren, welches das Verhältnis von malignen (bösartigen) zu nicht malignen Plasmazellen erfasst. Das erlaubt u. a. präzisere Aufschlüsse über den Verlauf von Krebserkrankungen. Das Scientific Forum ist auch Basis der Forschungskooperation des KAV mit der

Fachhochschule Campus Wien. Der KAV vergibt wichtige ­Forschungsprojekte im Rahmen von Bachelor- oder Masterarbeiten an die FH Campus Wien. Dabei reicht die Palette von der Bewertung und Analyse von eingesetzten Methoden oder Instrumenten bis zur Erforschung von neuen Methoden. Die Auswahl praxisrelevanter und erfolgversprechender Themen trifft ein wissenschaftlicher Beirat, an den vom Scientific Forum und von KAV-MitarbeiterInnen der Pflege Projektideen herangetragen werden. Damit werden Themen aus allen Arbeitsbereichen und von allen Berufsgruppen des KAV aufgegriffen. Infos: scientificforum@wienkav.at


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erstversorgung

Das neue Zentrum im Spital

Die im Wiener Spitalskonzept 2030 verankerte, topmoderne Erstversorgung im Krankenhaus ermöglicht es, PatientInnen noch rascher und effizienter zu behandeln. Ein Besuch in der Erstversorgung des Krankenhauses Hietzing

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er akute Beschwerden hat, will keine Zeit verlieren. Diesem Bedürfnis kommt die im neuen Wiener Spitalskonzept 2030 vorgesehene Erstversorgung gezielt entgegen. Sie funktioniert ähnlich wie der auch aus TV-Serien bekannte „Emergency Room“. Seit September letzten Jahres gibt es im Krankenhaus Hietzing eine zentrale Anlaufstelle für alle PatientInnen. „Damit kommen wir auch den steigenden PatientInnenzahlen und dem erhöhten Bedarf an Direktversorgung entgegen“, erklärt die ärztliche Direktorin Brigitte Ettl. Seit 2005 sind die Besuche in den Erstversorgungen der Spitäler des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) von 200.000 auf knapp 250.000 pro Jahr gestiegen. „Zu stark frequentierten Zeiten haben wir bis zu 110 Akutfälle pro Tag“, sagt Ettl. In den Abend- und Nachtstunden, an den Wochenenden und zur Urlaubszeit ist der Andrang besonders groß. „Also immer dann, wenn keine oder kaum niedergelassene ÄrztInnen zur Verfügung stehen“, ergänzt Michael Nebosis, Arzt und Qualitätsmanager im Krankenhaus Hietzing. Das neue Wiener Spitalskonzept trägt dem Rechnung und macht gleichzeitig eine wesentliche Entlastung für alle Fachabteilungen möglich, in denen die Behandlung von leichten Erkrankungen die Versorgung der schweren Fälle behindern würde.

der leitende Oberarzt des Spitals­ Michael Mierau. Kein Wunder, denn die neue, zentrale Anlaufstelle bietet alle Möglichkeiten der Diagnostik und kann zudem auf die Expertise aller Fachambulanzen zurückgreifen. Durch die umfassende Ausstattung mit Notfallraum, Überwachungsmöglichkeiten, einem ständig verfügbaren Labor, Ultraschall und ambulanten Therapieplätzen ist man bestens gerüstet. In der Erstversorgung werden die Fälle nach Dringlichkeit betreut. Über 50 Prozent der PatientInnen können so ohne stationäre Aufnahme rasch und unkompliziert behandelt und nach kurzer Zeit wieder entlassen werden. „Der stationäre Aufenthalt beträgt hier maximal 24 bis 72 Stunden. Dafür haben wir fünfzehn Betten zur Verfügung. Nur schwere Fälle werden an die Spezialabteilungen überstellt“, erklärt die Direktorin Brigitte Ettl.

Vom Schnupfen bis

Die Erstversorgung: rasch,

unkompliziert und ambulant Im Krankenhaus Hietzing gibt es keine Unfallchirurgie und auch keine Kinderabteilung. „Doch kommt bei uns so ziemlich alles herein, außer jene Fälle, die unfallchirurgische Maßnahmen erfordern“, sagt

„Wir haben bis zu 110 Akutfälle pro Tag.“

Brigitte Ettl, Direktorin

Diese deutliche Erleichterung für PatientInnen stellt gleichzeitig einen hohen Anspruch an die ÄrztInnen und das Pflegeteam. „Eine Erstversorgung vom Schnupfen bis zum Herzinfarkt erfordert hohe Qualifikationen auf allen Ebenen“, sagt Qualitätsmanager Nebosis. „Diese medizinisch anspruchsvolle Arbeit und die raschen Entscheidungen der Ärzteschaft wirken sich auf das gesamte Krankenhaus aus. Das heißt, eine richtige Diagnostik und Behandlung gleich zu Beginn ermöglicht ein positives, reibungsloses Funktionieren des Gesamtsystems Spital.“ Der ­Oberarzt Michael Mierau schätzt seine ­fordernde Berufung: „Die Arbeit ist vielfältig und

Fotos: Katrin Bruder

zum Herzinfarkt


SPECIAL

„Die Arbeit hier ist sehr abwechslungsreich.“ abwechslungsreich, hält also geistig jung. Zudem kann man bei der Di­ rektversorgung unmittelbare Erfol­ ge bei der Behandlung erzielen.“ Zum möglichst reibungslosen Ablauf im Arbeitsalltag werden die Hierarchien zwischen diplomier­ tem Pflegepersonal und Ärzteschaft möglichst flach gehalten. Das bestä­ tigt auch die pflegerische Stations­ leiterin Barbara Dvoracek: „Im ge­ samten Team hilft man einander gegenseitig. Die Aufgabenbereiche sind zwar sehr klar zugeteilt, aber jede und jeder hat einen gewissen Spielraum, ohne dabei die jeweiligen Kompetenzen zu überschreiten.“ Die Aufgaben des Pflegeperso­ nals sind mindestens so umfang­ reich wie die Krankheitsfälle, die hier behandelt werden, meint Dvoracek: „Neben den administrativen Tätig­ keiten, der Betreuung und Überwa­ chung sind bei einigen ­PatientInnen auch grundlegende Dinge wie Kör­ perpflege oder die Versorgung mit Nahrung und frischer Kleidung notwendig.“ Über die Jahre wur­ de im Krankenhaus Hietzing mit

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erstversorgung

Michael Mierau, Oberarzt

Michael Nebosis, Arzt und Qualitätsmanager im Krankenhaus Sachspenden von MitarbeiterInnen ein Kleiderfundus angelegt. Immer wieder werden auch Ver­ giftungsnotfälle nach Tablettenoder Drogenkonsum eingeliefert. „Diese PatientInnen sind oft verstört und benötigen spezielle psychologi­ sche Zuwendung. Das Team kann im Bedarfsfall auch deeskalierende Maßnahmen setzen, für die wir spe­ zielle Fortbildungsveranstaltungen besuchen.“ Das Wiener Spitalskonzept 2030 bringt für Wiens Spitäler

„Im Team hilft man einander. Die Aufgaben sind sehr klar zugeteilt, aber es gibt einen Spielraum.“ Barbara Dvoracek, pflegerische Stationsleiterin

t­ opmoderne Erstversorgung. Diese ebnet als neues Zentrum im Kran­ kenhaus den Weg für eine künftige Behandlung, bei der nicht mehr die PatientInnen „wandern“, son­ dern die Fachärztinnen zu ihnen kommen. Das Krankenhaus Hietzing wird runderneuert und auf diese omni­ disziplinäre Versorgung ausgerich­ tet. Die Arbeit der Erstversorgung wird genau dokumentiert und lie­ fert einen essenziellen Beitrag für die Optimierung der Abläufe im Spital. Wenn alle ungeplanten Akutfäl­ le an einer Stelle versorgt werden, sind die Fachambulanzen deutlich entlastet und notwendige Ressour­ cen langfristig besser kalkulierbar. Obwohl die Zahl der ambulant betreuten Patientinnen und Pati­ enten steigt, bleiben die stationären Aufnahmen stabil. Jedenfalls hat die neue Erstver­ sorgung im Krankenhaus Hietzing den Zuwachs von Erkrankten bisher fast vollständig abgefangen. Text: Barbara Duras


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palliativmedizin

Mehr Menschlichkeit in der Medizin

Die Palliativstation im Wilhelminenspital dient Menschen mit unheilbaren chronischen Krankheiten. Im Fokus der Betreuung stehen neben der Linderung von Schmerzen emotionale, soziale und spirituelle Unterstützung

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„Wir ­akzeptieren, was in der Person steckt. Mit allen Gegebenheiten“, betont Heinz Ludwig. „Dabei zwingen wir den Menschen aber nichts auf. Sie können selbst entscheiden, ob sie eine Therapie machen wollen oder nicht.“ So beginnt die unterstützende Betreuung gleich nach der Diagnose. Studien bestätigen dieses Vorgehen: Wer zusätzlich zur Standardtherapie auch umfassend palliativ betreut wird, hat deutlich weniger Depressionen, mehr Lebensqualität und manchmal auch mehr Lebenszeit.

Palliativmedizin als Vorbild für menschliches Handeln

Terrassen für PatientInnen der

Palliativstation im Wilhelminenspital

Ein Tagesablauf in der Palliativstation

Der Tag auf der Palliativstation im Wilhelminenspital beginnt mit dem Treffen eines interdisziplinären ExpertInnen-Teams, bei dem die aktuellen Krankengeschichten aller PatientInnen besprochen werden. Danach setzt sich Karin Brenner persönlich zu jeder und jedem Kranken ans Bett, erkundigt sich nach dem Befinden und bespricht die weitere Vorgehensweise. Allerdings nur dann, wenn es der Patientin bzw. dem Patienten gut genug geht, um ein Gespräch zu führen. Denn neben der Linderung von Schmerzen sind vor allem die Fürsorge, das Zuhören, das Eingehen auf die Gefühle und individuellen Wünsche sowie Bedürfnisse der Schwerkranken wichtig.

Schließlich bedeutet der Begriff „palliativ“ so viel wie „in Watte betten“, was verletzliche, unheilbar kranke Menschen dringend benötigen. Auf der Palliativstation im Wilhelminenspital steht dafür ein Team von ÄrztInnen, Pflegefachkräften, PsychologInnen, PhysiotherapeutInnen und SozialarbeiterInnen bereit. „Wir wollen die Patientinnen und Patienten rasch wieder fit für daheim machen, damit sie möglichst viel ihrer kostbaren verbleibenden Zeit in gewohnter Umgebung mit ihrer Familie verbringen können, denn das wollen die meisten“, erklärt Heinz Ludwig, Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung, Zentrum für Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin im Wilhelminenspital. Dabei werden auch die Angehörigen der PatientInnen in das Betreuungskonzept eingebunden.

Im Wilhelminenspital wurde schon 2008 ein mobiler Dienst eingerichtet, der jährlich 450 PatientInnen betreut. Die neue Station hat diese Kompetenz zusätzlich erweitert. Ein Neubau bildet das Zentrum für die Arbeit des interdisziplinären Teams. Doch soll die Grundhaltung der Palliativmedizin nicht nur auf die Station im Wilhelminenspital beschränkt bleiben. „Wir wollen den palliativen Geist in die Welt tragen: in die Köpfe und Herzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitssystems, aber auch in die Gesellschaft“, sagt Heinz Ludwig. Das Team im Wilhelminenspital hat dabei schon viel erreicht, wie die Briefe und Nachrichten von Angehörigen auf der Pinnwand des Gemeinschaftsraums beweisen. Berührende Worte des Dankes und der Anerkennung für die Menschlichkeit und Professionalität aller MitarbeiterInnen sind da zu lesen. Karin Brenner freut sich sehr darüber: „Die Arbeit ist so befriedigend, weil man so viel bewirken kann.“

Foto: Votava

armonie der Farben, der Architektur und des Designs bestimmen die modernste Palliativstation Österreichs. 2012 eröffnet, erfüllt sie alle Anforderungen an zeitgemäßes Bauen und verbindet Funktionalität mit behaglichem Ambiente. Alles ist praktisch und ästhetisch zugleich. Als Ort konzipiert, um innere Einkehr zu halten, Gedanken zu klären oder auch um Abschied zu nehmen, steht hier – im Gegensatz zum Hospiz – die Sterbebegleitung nicht im Vordergrund. Die Palliativstation ist Teil eines Akutspitals und für chronisch kranke Menschen mit unheilbaren Erkrankungen. Sie sollen sich im Rahmen des menschlich Möglichen hier wohlfühlen. Dafür bilden das Ambiente und die Ausstattung den entsprechenden Rahmen: einladende Aufenthaltsräume, ein ansprechender Innenhof, 12 moderne, behagliche Ein- und Zweibettzimmer für insgesamt 14 PatientInnen, barrierefreie Toiletten und Duschen sowie Terrassen mit Blick ins Grüne. „Es tut meinen Patientinnen und Patienten so gut, wenn sie an die frische Luft kommen, da merke ich richtig, wie sie aufleben“, erzählt die Leiterin der Station Karin Brenner aus dem Stationsalltag. Neben modernster medizinischer Versorgung zur Stabilisation der Symptome ist für sie die Verbesserung der Lebensqualität oberste Maxime. Dabei spielen auch die Angehörigen der PatientInnen eine große Rolle. Deshalb ist für sie im Haus in jedem Krankenzimmer für Schlafmöglichkeiten gesorgt. Bei Bedarf werden sie bei dieser schweren Aufgabe, ihren liebsten Menschen beizustehen, unterstützt.


SPECIAL

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flaggschiffspital

Das Spital der Zukunft

Im neuen Krankenhaus Nord werden die Prinzipien des Wiener Spitalskonzepts 2030 sichtbar: modernes Notfallzentrum, Healing Gardens, wohnliche Ein- und Zweibettzimmer, viel Grün und viel Licht

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as Krankenhaus Nord ist das Flaggschiff des Spitalskonzepts 2030. Ab 2016 wird das neue Krankenhaus in der Brünner Straße in Floridsdorf den PatientInnen zur Verfügung stehen. Das neue Krankenhaus ist ein Hightech-Spital, das ganz und gar nicht nach Spital „riechen“ wird: Es kombiniert modernste medizinische Technik mit einer angenehmen Atmosphäre und einem hohen Grünraumanteil, den sogenannten Healing Gardens. Schließlich ist es erwiesen, dass ein hoher Tageslichtanteil sowie viele Grünflächen eine gesundheitsfördernde Wirkung auf Menschen haben. Um diese zu

Das neue Kranken- haus ist ein High- tech-Spital, das gar nicht nach Kranken- haus „riechen“ wird

verstärken, wird gut die Hälfte des 111.000 Quadratmeter großen Areals mit Dachgärten, weitläufigen Grünflächen und speziellen Therapiegärten gestaltet.

Künftig kurze Wartezeiten in den Ambulanzen

Auch im neuen Krankenhaus Nord ist gemäß dem Wiener Spitalskonzept 2030 die erste Anlaufstelle für alle akut erkrankten und verletzten Personen ein hochmodernes Notfall-Zentrum, auch Erstversorgung genannt (siehe den Beitrag über Erstversorgung auf Seite 4). Nach dem Vorbild des Emergency Rooms

steht ein Notfallteam rund um die Uhr zur Erstbegutachtung zur Verfügung. Durch diese Trennung vom planbaren Spitalsbetrieb können in den Ambulanzen künftig Termine vergeben werden, was wiederum zu kurzen Wartezeiten führt. Im September 2012 begannen die Rohbauarbeiten für das neue Schwerpunktspital in Floridsdorf. Derzeit sind die Bauarbeiten in vollem Gange, erste Gebäudeteile sind entstanden. Bei seiner Fertigstellung wird das neue Spital zwei Unter- und sieben Obergeschoße umfassen und für stationäre PatientInnen 785 Betten bereitstellen.

Rendering: Health Team KHN – Albert Wimmer ZT

So wird das gerade in Bau befindliche Krankenhaus Nord nach seiner Eröffnung im Jahr 2016 aussehen

Weitere Informationen: www.wienkav.at/krankenhausnord www.wienkav.at/krankenhausnord -webcam


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neue spitäler

Spitzenmedizin für alle

Alle WienerInnen sollen sich auch künftig auf eine sichere Gesundheitsversorgung verlassen können. Daher werden die Spitäler des Wiener Krankenanstaltenverbunds entsprechend modernisiert

n den Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) werden pro Jahr rund 400.000 PatientInnen stationär aufgenommen und 3,5 Millionen ambulante Behandlungen durchgeführt. Bis 2030 werden rund 3,5 Milliarden Euro in Um- und Neubauten investiert. Das Wiener Spitalskonzept 2030 gibt die Richtung vor: Künftig übernehmen sieben moderne Krankenhäuser gut aufeinander abgestimmt die medizinische Versorgung der WienerInnen: das Donauspital im 22. Bezirk, das Ottakringer Wilhelminenspital, das Krankenhaus Hietzing (siehe Seite 4), das KaiserFranz-Josef-Spital in Favoriten, die Rudolfstiftung im dritten Bezirk, das Krankenhaus Nord in Floridsdorf und das AKH Wien am Alsergrund. Einige Beispiele: Das Kaiser-Franz-Josef-Spital (1) wird während des laufenden Betriebs neu gebaut. Im Herbst 2013 findet die Dachgleiche des MutterKind-Zentrums und OP-Zentrums statt. Im Sommer 2015 startet in diesem Neubau der Spitalsbetrieb. Das Gottfried von Preyer’sche Kinderspital übersiedelt dorthin.

Das Wilhelminenspital (2) wird während des laufenden Betriebs neu errichtet. Künftig gibt es für den Spitalsbetrieb nur mehr zwei Gebäude: ein Büro- und Betriebsgebäude sowie eine Zentralklinik. Am Spitalsgelände des Wilhelminenspitals entstehen zudem eine neue Gesundheits- und Krankenpflegeschule und ein neuer Kindergarten. Im Frühling 2013 begannen die Bauarbeiten für den Kindergarten, der ab Mitte 2014 den Kindern zur Verfügung steht.

jedes Zimmer mit Panoramafenster bzw. mit Blick in die Parkanlage • Vollständige Barrierefreiheit inkl. Zusatzmaßnahmen in Wartezonen und Aufenthaltsräumen (z. B. elektronische Informationen, Trinkwasserversorgung) • Grün- und Erholungsflächen sowie intensiv begrünte Dächer und Fassaden • Zentrale Eingangshalle mit Restaurant/­

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Der Südzubau der Krankenanstalt Rudolfstiftung (3) mit 18 ­ bergeschoßen wurde im heurigen O Sommer fertiggestellt. Am Dach gibt es jetzt einen Hubschrauberlandeplatz. Gegenüber der Rudolfstiftung – in der Juchgasse 22 – wird derzeit eine psychiatrische Regionalabteilung mit mehreren Ambulanzen und psychiatrischen Stationen gebaut. Erst kürzlich fand die Dachgleiche statt.

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Das Krankenhaus Nord (4) – siehe Seite 7 – ist im Bau und wird im Jahr 2016 für die Behandlung von PatientInnen eröffnet.

Neue Häuser – neue Standards • Ein- und Zweibettzimmerstandard,

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Café, Geschäften, zentraler Information, Sitzplätzen, Treffpunkt … • Detaillierte Tageslicht- und Kunstlichtplanung • Umfassende Planung der Raumluft (z. B. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO2-Gehalt) • optische und akustische Hinweise und Signale, differenzierte Farbgestaltung der Innenräume usw. • Niedrigenergiehaus-Standard

Impressum: Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H., 1010 Wien, Marc-Aurel-Straße 9, T: 01/536 60-0, F: DW 935, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at; Herstellung: Falter Verlags­gesellschaft m.b.H.; Redaktion: Fuchs & Partner; Gestaltung und Produktion: Reinhard Hackl; Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau

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DVR: 047 69 86. Diese Beilage ist eine entgeltliche Einschaltung und erscheint in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar

Fotos: Nickl & Partner Architekten, Markus Perntaler Architekt, Soyka Architekten, Albert Wimmer ZT GmbH

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