SPECIAL
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Ve r l a g s b e i l a g e z u F a l t e r 2 4 , J u n i 2 0 1 2
Foto: Katrin Bruder
d Stadtplanung d
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Wien, die Stadt für Menschen d d d d d d d d
D i e S t a d t i n Z a h l e n So sieht die Stadt aus, wenn man sie in Zahlen darstellt A l t e r S c h w e d e ! Bei der Umgestaltung des Schwedenplatzes sind die WienerInnen am Wort B a h n h o f v e r s t e h e n Aufgelassene Bahnhöfe ermöglichen innerstädtisches Wachstum L e b e n a m K a n a l Der Donaukanal entwickelt sich zur innerstädtischen Erholungszone S c h ö n i n B o d e n n ä h e Erdgeschoße beleben und die Natur in die Stadt holen S u p e r s m a r t e s W i e n Unter den Smart Cities dieser Welt belegt Wien Platz eins S e i d b e t e i l i g t , B ü r g e r I n n e n ! Die WienerInnen bestimmen die Stadtentwicklung mit 1 0 T h e s e n z u r S t a d t p l a n u n g So wird das wachsende Wien noch lebenswerter
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Stadtplanung
Wien – die St So sieht die Stadt aus, wenn
142.670.000.000 Liter Wasser wurden im Jahr 2010 in Wien verbraucht. Das entspricht dem Inhalt des Gepatsch-Stausees in Tirol.
373.392.000
Liter Wasser fließen im Durchschnitt pro Tag durch das 3.369 Kilometer lange Rohrnetz und die 30 Wasserbehälter Wiens. Fast die gesamte Menge stammt aus der ersten und zweiten Hochquellenleitung.
875.000.000
5.710.905
Quadratmeter beanspruchen die insgesamt 55 Friedhöfe in Wien. Die städtischen Friedhöfe verwal ten 525.000 Grabstellen und haben im Jahr 2011 10.332 Bestattungen vorgenommen.
56.778
Hunde wurden 2011 registriert. In den letzten fünf Jahren wuchs diese Population schneller als die Wiener Bevölkerung. Den Hunden stehen 162 Hundezonen mit gesamt 1.071.555 Quadratmeter und ihren BesitzerIn nen 2.750 Hundekotsackerlspender zur Verfügung.
Fahrgäste beförderten die Wiener Linien im Jahr 2011.
50
Prozent (rund) der Wiener Stadtfläche ist Grünraum: Das sind Erholungs- und Freizeiteinrichtungen, Gewässer und vor allem landwirtschaftliche Flächen, Wiesen und Wälder. Ein Viertel der Fläche Wiens machen Wohnund Mischnutzung aus, etwa ein Achtel werden für Verkehr benötigt.
52.905
Gästebetten aller Kategorien in ganz Wien wurden 2011 mehrheitlich von Gästen aus Österreich und den angrenzenden Nachbarländern belegt.
209.877
Personen reisten 2010 zu 579 Kongressen nach Wien.
84.847
Bäume säumen die Wiener Straßen, darunter vor allem Ahorn, Linde und Rosskastanie.
2.758.655
Meter lang sind zusammengenommen alle Wiener Ge meindestraßen, das entspricht in etwa der Länge der Donau. Ihre Fläche beträgt 40.328.498 Quadratmeter. Bundesstraßen machen lediglich 46 Kilometer aus. 4.514 Unfälle mit 5.690 Verletzten, darunter 22 Toten, ereigneten sich 2011 auf diesen Straßen. Während die allgemeine Unfallstatistik verglichen mit dem Vorjahr rückläufig ist, stieg die Anzahl der verletzten oder ge töteten RadfahrerInnen um rund ein Fünftel auf 639.
14.986
Meter ist die Höhenstraße lang – damit ist sie die längs te Straße Wiens. Die Irisgasse im ersten Bezirk ist mit 17,5 Metern die kürzeste.
829.790
Kraftfahrzeuge waren zum Jahresende 2011 in Wien registriert. Darunter fallen PKW, LKW und Motorräder. Es gibt aber auch eine steigende Anzahl von Motor booten – 3.085 waren im Jahr 2010 erfasst. Obgleich die Zahl zugelassener Kraftfahrzeuge steigt, sinkt die Anzahl zugelassener PKW pro 1000 Einwohner.
6.203.486
Quadratmeter Rebflächen wurden 2011 in Wien bewirt schaftet. Das ist das weltweit größte innerstädtische Weinbaugebiet. Der Großteil der Flächen liegt im 19. und 21. Wiener Bezirk, wo vor allem Grüner Veltliner, Rheinriesling, Weißburgunder und Gemischter Satz angebaut werden.
230
Betriebe produzieren jährlich 2.524.200 Liter Wein oder etwa 20 Millionen Achterl, die in einer der 5.609 Gast stätten genossen werden können. Prost.
1.731.236
Menschen lebten am 1. Jänner 2012 in Wien. Die Bevölkerung hat in den letzten zehn Jahren um 160.000 BewohnerInnen zugenommen. Das ent spricht einem Zuwachs von 1 Prozent pro Jahr. Inter nationaler Zuzug machte in den letzten Jahren rund drei Viertel des Wachstums aus, der Rest verteilt sich auf den Geburtenüberschuss und innerösterreichi sche Zuwanderung. Durch den Zuzug verjüngt sich die Wiener Bevölkerung im Vergleich zu den restlichen Bundesländern.
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Stadtplanung
adt in Zahlen man sie in Zahlen darstellt
35.872
393,5
Pkws pro 1000 Einwohner registrierte man in Wien 2011. Damit liegt die Stadt deutlich unter dem österreichweiten Schnitt von 537. Auftanken kann man an 403 Tankstellen.
414.870.000
Quadratmeter beträgt die Fläche der Stadt Wien. Damit ist Wien das kleinste Bundesland. Die Stadtgrenze hat eine Länge von 136,5 Kilometern. Die maximale NordSüd-Ausdehnung beträgt 22,8 Kilometer, die West-OstAusdehnung 29,4 Kilometer.
543
Meter hoch ist Wiens höchster Berg, der Hermannskogel. Am niedrigsten ist die Lobau mit 151 Metern Seehöhe.
266.965
BewohnerInnen zählte die Stadt Graz 2011. Um etwa diese Größe könnte Wien bis zum Jahr 2035 anwachsen und damit wieder knapp zwei Millionen EinwohnerInnen zählen.
2.000.000
Fahrgäste benutzen täglich die die „Öffis“. Dies entspricht einem Anstieg von 100 Millionen Fahrgästen in den letzten fünf Jahren. Der größte Anteil entfällt dabei auf die U-Bahn, auf deren 74,2 Kilometer langen Linien 567,6 Millionen Fahrgäste zu einer der 101 Haltestellen befördert wurden. Die Straßenbahnen transportierten 193,8 Millionen auf einer Linienlänge von 214.8 Kilometer zu 1.031 Haltestellen. Die Busse halten an 3.231 Autobushaltestellen entlang der 384,2 Kilometer langen Linien und befördern 113,6 Millionen Fahrgäste.
Feuerwehreinsätze gab es in Wien im Jahr 2010. Die 1.608 Männer und drei Frauen des Einsatzpersonals der Wiener Berufsfeuerwehr rückten dabei vornehmlich für technische Einsätze aus. Die meisten Einsätze fanden am Alsergrund statt, die wenigsten in der angrenzenden Josefstadt.
3.096
Tiere wurden im Jahr 2010 in den 32 Jagdgebieten innerhalb des Stadtgebietes erlegt – vor allem Wildschweine, Rehe und Fasane. 529 Tiere (Fallwild) starben aus natürlichen Gründen, durch Straßenverkehr oder Landwirtschaft.
67
Meter hoch ist Bahnorama und damit der höchste begehbare Holzturm Europas. Die 150 Tonnen schwere Aussichtsplattform dient der Beobachtung der Baustelle des Hauptbahnhofs und beherbergt im unteren Teil ein Informationszentrum und ein Café für BesucherInnen. Nach Fertigstellung des Hauptbahnhofs im Jahr 2015 soll der Turm an einen anderen Ort versetzt werden.
49
Prozent der österreichischen Melanzani-Ernte ent fielen im Jahr 2010 auf Wien. Auch bei der Ernte von Paprika, Paradeisern und Schnittlauch wie allgemein bei Fruchtgemüse liegt Wien österreichweit an erster Stelle. Insgesamt werden in Wien 69.502 Tonnen Gemüse produziert.
145
Schweine zählte man im Jahr 2011 in Wien. Im Jahr 1960 waren es noch 13.018. Des Weiteren gibt es 130 Rinder, 266 Schafe und 108 Ziegen.
11.405.048
Gästeübernachtungen verzeichneten die 409 Hotels und Pensionen in Wien im Jahr 2011 – die Hälfte davon entfiel auf Viersternehotels.
0,77
beträgt der Wert für den „Glasdeckenindex“ für Wien im Jahr 2010 und ist damit österreichischer Spitzenwert. Dieser Wert gibt das Verhältnis von Frauen und Männern in Positionen mit Leistungsfunktion wieder. Eins wäre dabei ein perfektes Gleichgewicht der Geschlechter, ein Wert kleiner als eins gibt eine Unterrepräsentation von Frauen wieder.
145.220
Terajoule betrug der energetische Endverbrauch im Jahr 2010. Ein Jahr davor waren es 138.063 Terajoule – 59 Prozent dieser Energie stammten dabei aus fossilen Brenn- und Treibstoffen, 20 Prozent entfallen auf elektrische Energie, 16 Prozent auf Fernwärme und vier Prozent auf erneuerbare Energieträger. 37 Prozent der Energie verbraucht der Verkehr, 30 Prozent private Haushalte, 22 Prozent öffentliche und private Dienstleistungen und 11 Prozent Produktion und Landwirtschaft. Fast die Hälfte der in Wien verbrauchten Endenergie wird für Kraft und Licht verwendet, etwa ein Drittel für Raumwärme.
246.157
Starts und Landungen verzeichnete der Flughafen Wien Schwechat im Jahr 2011. Dabei wurden 21.106.292 Passagiere befördert und 246.157 Tonnen Luftfracht umgeschlagen.
1.091.268
Tonnen Müll wurden im Jahr 2011 von der MA 48 gesammelt. Den größten Anteil daran machen Hausmüll aus der Behältersammlung, Altpapier und Pappe, Bio-Müll und Bauschutt aus. Auch 69 Tonnen Altmedikamente fallen an.
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Stadtplanung
Alter Schwede!
Der Schwedenplatz, einer der zentralsten Orte der Stadt, soll umgestaltet werden – ein planerisches Großprojekt für die nächsten fünf Jahre
E
r ist etwas in die Jahre gekommen. Nicht nur äußerlich. Der Schwedenplatz (mit dem Morzinplatz) muss immer mehr Funktionen übernehmen. Er ist eine stark frequentierte Station im öffentlichen Nahverkehr: Hier treffen die UBahn-Linien U4 und U1 auf mehrere Tramlinien und den Flughafenbus.
zur Innenstadt
Ein Leitbild für den Schwedenplatz
Auf Initiative von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou fällt am 14. Juni der Startschuss für die Neugestaltung des Schwedenplatzes und des Morzinplatzes. Unter Federführung der MA 19 für Architektur und Stadtgestaltung soll in einem ersten Schritt ein Leitbild für die Weiterentwicklung der Plätze entwickelt werden. „Dieses Leitbild soll Qualitäten festlegen und damit die Grundlage für einen kommenden Gestaltungswettbewerb bilden“, erklärt Andrea Kreppenhofer, Projektleiterin in der MA 19. Und ihre Kollegin Lisa Magdalena Hofkirchner ergänzt: „Wichtig ist uns, die Bedürfnisse und Nutzungsansprüche an den öffentlichen Raum festzustellen, noch bevor wir über konkrete Gestaltungsfragen diskutieren.“
Die Planung soll von Anfang
Von 15. bis 22. Juni 2012 können sich alle Interessierten in einer Dialogbox am Schwedenplatz Ecke Rotenturmstraße mit ihren Meinungen, Einschätzungen und Wünschen zum Schwedenplatz-Morzinplatz beteiligen. Die WienerInnen definieren dabei Qualitäten für die Neugestaltung des Platzes. ExpertInnen der Stadt Wien stehen für Fragen zur Verfügung. Parallel dazu gibt es von 14. bis 24. Juni die Möglichkeit, sich über www.schwedenplatz.wien.at einzubringen. Die Gesprächsergebnisse aus der Dialogbox werden täglich ins Internet gestellt und umgekehrt können auch in der Dialogbox die aktuellen Diskussionsthemen aus der Online-Beteiligung verfolgt werden. Eine Verschränkung von Offline- und Online-Beteiligung ist zentral, um möglichst alle Wienerinnen und Wiener in die Beteiligung einzubinden. Die Ergebnisse des Beteiligungsverfahren werden im September in einer „Priorisierungsphase“ noch einmal von den WienerInnen gewichtet und die Ergebnisse in einer Ausstellung öffentlich gemacht. Das alles wird dann in ein Leitbild einfließen, das als Grundlage eines Gestaltungswettbewerbs 2013 dient.
Klar ist jetzt schon, dass die beiden Plätze, die oft als ein etwas heterogenes Gebilde wahrgenommen werden, eigentlich aus mehreren Zonen mit ganz unterschiedlichen Funktionen bestehen. Es gibt die eher stilleren Bereiche vor dem Hotel Capricorno und auf der anderen Seite, wo die Flughafenbusse halten. Dem stehen die hochfrequentierten Zonen an den U-Bahn-Eingängen und rund um die Würstelstände gegenüber. „Die technische Planung gibt zwar den Rahmen vor, wir erheben eher den soziologischen Bedarf der Nutzerinnen und Nutzer, auch des Umfeldes. Wir hören dabei auch auf die eher leisen Stimmen“, sagt Udo Häberlin von der MA 18 für Stadtentwicklung und Stadtplanung. „Es ist wichtig, dass nicht gleich ausschließlich über gestalterische Fragen diskutiert wird, über das Aussehen von Laternen oder die Pflasterung. Das ist ja auch immer eine Geschmacksfrage. Uns geht es darum, die Funktionen des Platzes, seine Nutzung zu objektivieren und in die künftige Planungen und Diskussionen einfließen zu lassen.“ „Analyse vor der Planung heißt genau hinzusehen, was Menschen brauchen“, sagt Gabriele Zimmermann von der MA 18. „Man kann auch bei der Möblierung von öffentlichen Räumen noch sensibler auf die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer eingehen. Ältere Menschen brauchen zum Beispiel Sitzgelegenheiten mit Armlehnen, um sich abstützen zu können. Junge Leute wollen eher informelle Aufenthaltsräume. Auch die Arrangements von Bänken ist zum Beispiel wichtig: Sie sollten nicht alle in eine Richtung ausgerichtet sein, das erschwert kommunikative Situationen.“ Text: Peter Badowien
Beteiligung im Internet
Eines der wichtigsten Tore Rund 150.000 Menschen steigen hier an einem durchschnittlichen Werktag um. Am Westbahnhof sind es mit 43.000 Fahrgästen deutlich weniger. Der Platz ist damit eines der wichtigsten Tore der Innenstadt und funktioniert als „Scharnier“ zwischen City, Donaukanal und Leopoldstadt. Mit der Neugestaltung soll der Platz von einem Transitraum zu einem lebenswerten Stadtquartier werden.
Dialogbox und
„Wichtig ist uns, Nutzungsansprüche an den öffentlichen Raum festzustellen, bevor wir über Gestaltungsfragen diskutieren“ Lisa Magdalena Hofkirchner MA 19 Architektur und Stadtgestaltung
Von 15. bis 22. Juni 2012 können BürgerInnen ihre Wünsche über den Platz äußern
an nutzerorientiert sein
Stadtplanung
Fotos: Karin Wasner
SPECIAL
Der Schwedenplatz wird umgebaut – unter umfangreicher
BürgerInnenbeteiligung, damit das Ergebnis von möglichst vielen geschätzt wird
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Stadtplanung
Bahnhof verstehen
Die Areale aufgelassener Bahnhöfe ermöglichen das Wachsen Wiens in seiner Mitte – statt in den Grüngürteln entwickelt sich die Stadt in urbanen Bereichen
W
ien ist in der glücklichen Situation, über innerstädtische Areale zu verfügen, die zur Stadterweiterung genutzt werden können“, erklärt Christoph Reinprecht vom Institut für Soziologie. Die Bahnlinien der Stadt werden neuerlich zu Lebensadern, die Bahnhöfe erneut zum Ausgangspunkt der Stadtentwicklung.
Bahnhofsareale als
städtische Wohngebiete Diesmal ist dafür aber nicht in erster Linie ihre Errichtung, sondern ihre Nachnutzung erforderlich. Der Hauptbahnhof ist das sichtbarste Zeichen für den Wandel der Wiener Verkehrsinfrastruktur – durch raumsparende Verkehrsplanung sind Flächen für lebendige Stadtteile freigeworden. Dort, wo einst Züge rollten und Bahnhöfe ganze Stadtviertel und deren Leben begründeten, sollen nun neue Gebiete entstehen, die Teile des zu erwartenden Bevölkerungswachstums aufnehmen. Bis 2030 wird Wien laut Prognosen um die Anzahl der heute in Graz lebenden Menschen anwachsen und zwei Millionen EinwohnerInnen haben. Es gilt daher Rahmenbedingungen zu schaffen, um dieses Wachstum zu bewältigen. Anders als vergleichbare Städte wird Wien jedoch nicht nur an seinen Rändern, sondern auch mitten in der Stadt wachsen.
Der Hauptbahnhof und
sein künftiger großer Park Die Schaffung von Wohnraum und Arbeitsstätten ist dabei eine Hauptaufgabe. Der gerade im Entstehen begriffene Hauptbahnhof ist daher kein rein verkehrstechnisches, sondern vor allem auch ein städteplanerisches Projekt. Auf dem rund sechs Kilometer langen, 109 Hektar um-
„Es braucht soziale Treffpunkte und Akteure sowie Institutionen. Das hilft den Menschen, Konflikte anzu- sprechen und zu entschärfen“ Alexander Hamedinger, Ökonom
fassenden Areal entlang des Gürtels vom Südtirolerplatz bis hin zum Belvedere entstehen neben dem Bahnhof das Geschäftsviertel Quartier Belvedere und der neue Stadtteil Sonnwendviertel mit 5.000 neuen Wohnungen. Allein das Sonnwendviertel nimmt sich im Gesamtprojekt mit knapp 30 Hektar aus, beherbergt einen eigenen Bildungscampus und verfügt mit dem zentral gelegenen Helmut-Zilk-Park über eine acht Hektar große Grün- und Erholungsfläche. Orte werden immer erst dann zu sozialen Räumen, wenn Menschen diese in ihr Handeln und ihre Interessen einbeziehen.
Soziale Räume in der Stadt schaffen
Zwischen einem gebauten und einem sozialen Raum steht seine Aneignung durch die BenutzerInnen selbst. So erklärt Alexander Hamedinger, Ökonom am Institut für Soziologie der TU Wien: „Es braucht Kontaktmöglichkeiten, soziale Treffpunkte und Akteure sowie Institutionen. Das hilft den Menschen, Konflikte anzusprechen und zu entschärfen, um einen funktionierenden Sozial raum zu schaffen. Das heißt Betreuungsstrukturen vor Ort schaffen, etwa eine Prozessbegleitung ähnlich dem Stadtteilmanagement.“ Damit könnten unterschiedliche Nutzungsinteressen einfach koordiniert und etwaige Konflikte frühzeitig gelöst werden, wenn das Areal im Jahr 2019 komplettiert worden ist. Damit dies auch so passiert, nutzt die Stadt Wien verschiedene Instrumentarien. Von der entsprechenden Gestaltung des HelmutZilk-Parks über einen Treffpunkt für Jugendliche bis zur Konzeption des Bildungscampus als Bildungs-und Veranstaltungsort über den reinen Schulbetrieb hinaus.
Dazu kommt das Quartiers management der lokalen Gebiets betreuung wie auch ein ausgesuchtes Haus- und Wohnungssanierungsprogramm im nah gelegenen Gründerzeitviertel. Alt und Neu zu verbinden ist ebenso Teil des Konzepts wie das Überwinden örtlicher Barrieren, etwa durch Brücken. Auch MieterInnenmitbestimmung bei Bauvorhaben steht am Programm: Es ist ein breiter Mix an Strategien, der angewendet wird.
10.000 Wohnungen und
ein Park am Nordbahnhof Die Bebauung des Areals des Nordbahnhofs ist zwar schon fortgeschritten, wird jedoch erst im Jahr 2030 komplett fertiggestellt sein. Das mit 75 Hektar größte innerstädtische Entwicklungsareal verläuft vom Praterstern entlang der Lassallestraße Richtung Donau und entlang der Nordbahn- und Dresdner Straße zur Innstraße. Mit der Vorgartenstraße als Nordostgrenze ist das Areal gerade einmal zwei Blocks vom Donauufer entfernt. Dort, wo einst der Nordbahnhof stand, der bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg als prächtigster Bahnhof Wiens galt, sollen 10.000 Wohnungen für ca. 20.000 Menschen entstehen. Bis 2013 ist dort ein Drittel der Fläche mit 4.000 Wohnungen bebaut. Als Herzstück kann der 3,1 Hektar große Rudolf-Bednar-Park im Nordosten des Areals gelten. Unweit des Parks befindet sich ein Geriatriezentrum samt betreutem Wohnen, direkt an der Südwestseite der 11 Kindergarten- und 17 Volksschulklassen beherbergende Campus Gertrude Fröhlich-Sandner. In der unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Busgarage aus dem Jahr 1949 finden ein Supermarkt und Parkplätze Unterschlupf.
Stadtplanung
SPECIAL
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Das Areal des
Nordwestbahnhofs
Fotos: Katrin Bruder
bietet Platz für die innerstädtische Entwicklung Wiens
Das Areal, das mit seiner an der Nordbahnstraße gelegenen Gleis trasse bislang eine städtebauliche Barriere bildet, wird nach seiner Fertigstellung Stuwer- und Volkert viertel zusammenwachsen lassen sowie die Leopoldstadt mit der Brigittenau.
Der Nordwestbahnhof
mit einer grünen Mitte
Daran angrenzend findet sich beim Nordwestbahnhof eine ähnliche Si tuation. Das als Frachtenbahnhof be triebene Gebiet trennt die Brigittenau in zwei Bezirkshälften. Bis 2025 soll auf dem 44 Hektar großen Areal zwi schen Nordwestbahn- und Dresdner Straße ein neuer Stadtteil, der 5.000 Wohnungen und 5.100 Arbeitsplätze beherbergen wird, entstehen. Insge samt werden bis zu 780.000 Quadrat
meter Bruttogeschoßfläche errichtet, zwei Drittel davon sind dem Wohnen vorbehalten. Die Gebäudekomplexe, primär entlang dieser beiden Stra ßen ausgerichtet, bilden begrünte Innenhöfe und schaffen Platz für ei nen öffentlichen Park zwischen den straßenabgewandten Innenseiten. Diese „Grüne Mitte“ zieht sich wie ein Band durch das gesamt Areal und wird allein eine Fläche von circa zehn Hektar beanspruchen. Ein Bei spiel für die Vermeidung städtebauli cher Monokulturen, wie es sich auch Christoph Laimer, Herausgeber von „dérive – Zeitschrift für Stadtfor schung“, wünscht: „Bei Stadterwei terungsprojekten muss die Funkti onsdurchmischung Priorität haben. Wir brauchen mehr Urbanität und kürzere Wege. Wir brauchen endlich eine Abkehr von der autogerechten Stadt und stattdessen eine starke
Reduzierung des Anteils des Privat autos am Verkehrsaufkommen, um die Lebensqualität in den Städten zu erhöhen.“ Das Projekt Nordwestbahnhof könnte diesbezüglich wegweisend sein. Es wird keinen Kfz-Durch zugsverkehr geben, der Autover kehr soll nicht mehr als ein Viertel der Gesamtwegstrecken betragen und die Errichtung von Stellplätzen auf ein Minimum reduziert bleiben. Dagegen sind ein dichtes Fuß- und Radwegenetz und ein Ausbau des Straßenbahnnetzes geplant.
Der Franz-Josefs-Bahnhof wird durchlässig
Auch für die zukünftige Nutzung des Areals des Franz-Josefs-Bahn hofs, dessen Gleisanlagen unsicht bar unter einer Betondecke ruhen,
ergeben sich bald neue Möglichkei ten. Der Bahnhof und das dazugehö rige Gebiet sollen städtebaulich neu ausgerichtet und die Wohngebiete im Alsergrund mit dem Erholungs gebiet entlang des Donaukanals ver bunden werden. Die anstehende Übersiedlung der Wirtschaftsuniversität in den Prater lädt dazu ein über die zukünftige Nutzung von Teilen des 24 Hektar großen Areals mit den BewohnerIn nen des Alsergrunds nachzudenken. Im Zuge einer ersten Ideenfindung haben Studierende der TU Wien, der Akademie der Bildenden Küns te und der Ecole Nationale Supéri eure d’Architecture de Paris bereits erste Gestaltungsentwürfe und Nutzungsmodelle entwickelt, die die Bedürfnisse der AnrainerInnen stärker berücksichtigen. Text: Werner Sturmberger
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Stadtplanung
Leben am Kanal
Der Donaukanal entwickelt sich mehr und mehr zur innerstädtischen Erholungszone. Auch immer mehr Tiere und Pflanzen finden hier einen Platz in der Stadt
Ein Masterplan
ine Runde am Wasser joggen oder schwimmen im Pool? Oder doch lieber ein Feierabendbierchen in einer der zahlreichen Strandbars am Donaukanal genießen? Diese Frage stellen sich an warmen Tagen rund 15.000 Besucher, die man allein in den Gastronomiebetrieben der Naherholungsmeile Donaukanal zählt.
für den Donaukanal
Der Donaukanal als Freizeitoase
Das war nicht immer so. Bis in die frühen Neunzigerjahre galt der Donaukanal als das Stiefkind der Freiräume Wiens. Da und dort verirrten sich höchstens ein paar Jogger ans Ufer und Hundebesitzer ließen ihre Lieblinge ihr Geschäft am Kanal verrichten. Dann setzte die Stadt Wien mit einem Radweg entlang des Donaukanalufers erste Akzente. Kurze Zeit später eröffnete das Szenelokal Flex im 1. Bezirk und die Summer Stage im 9. Bezirk und lockten erste Gäste ans Wasser. Doch wieder verfiel der Donaukanal in einen Dornröschenschlaf, aus dem ihn 2003 die Strandbar Hermann wachküssen sollte. „Als Übergangslösung verpachtete die Stadt das Areal des ehemaligen Hermann-Parks. Damit begann die intensive Freizeitnutzung des Kanals“, erklärt der Donaukanal koordinator Bernhard Engleder. Weitere Gastronomiebetriebe folgten und Ausbaumaßnahmen an der Spittelauer Lände mit der von Zaha Hadid geplanten Wohnhausanlage und dem Peer 9 kamen dazu. Schließlich wurde der Donau kanal im Rahmen des Stadtentwicklungsplans 2005 als eines von 13 urbanen Zielgebieten definiert, dem besondere Bedeutung zukommt.
Am Donaukanal gilt es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen kommerziellen und nicht- kommerziellen Flächen zu schaffen
Um eine koordinierte Entwicklung sicherzustellen, bündelte die Stadt Wien 2009 sämtliche planerische Auseinandersetzungen und Nutzungstudien der vergangenen zwanzig Jahre und erstellte einen Masterplan für den Kanal. Dieser, so liest man darin, „will dazu beitragen, dass entlang des gesamten Donaukanals ein qualitativ hochwertiger Freizeitund Erholungsraum entsteht und gleichzeitig die positive Wirkung des Wassers intensiver wahrgenommen werden kann“. Der Masterplan legt ein besonderes Augenmerk darauf, die Wünsche der WienerInnen für den über 17 Kilometer langen Kanal einzubeziehen, so Engleder: „Der Kanal soll die Handschrift der umliegenden Bevölkerung tragen. Deshalb werden Projektkonzepte über Monate hinweg gemeinsam mit interessierten AnrainerInnen erstellt“.
Die Bezirke beleben
den Donaukanal
Ein Beispiel dafür gibt der Alsergrund. Die Bezirksvorstehung hatte einst die Errichtung der Summerstage unterstützt und wurde so zu einem Vorreiter der gemeinsamen Planung und Gestaltung des unmittelbaren Uferbereichs. Nicht nur bei der Planung, auch bei der finanziellen Umsetzung nehmen die umliegenden Bezirke eine wichtige Rolle ein, erklärt Engleder: „Während Stadt, Land und Bund die Erhaltungskosten der historischen Kaimauern und der Infrastruktur übernehmen, investieren die angrenzenden Bezirke in das punktuelle Angebot. Davon profitiert der Standort Summerstage bis heute.“ Die Zusammenarbeit laufe mit allen angrenzenden Bezirken gut und das sei für die weitere Umset-
zung des Masterplans entscheidend, denn „durch die zahlreichen beteiligten Institutionen ist die Koordination ohnedies eine komplexe Angelegenheit“.
Neue Tiere und Pflanzen am Donaukanal
Ein Schwerpunkt für die nähere Zukunft liegt auf der Entwicklung von nicht kommerziell genutzten Flächen im urbanen Raum des Kanals. „Damit alle WienerInnen das innerstädtische Kanalufer besuchen können und es ein Naherholungsraum bleibt, haben wir im Masterplan zwischen den intensiv genutzten kommerziellen Flächen Ermöglichungsräume definiert“, erklärt Engleder. Im Bereich der Friedensbrücke etwa entsteht eine Fläche frei von komerziellen Angeboten. Gemeinsam mit dem Bezirk und den Anrainern hat man sich bereits darauf geeinigt neben einer Hundezone eine Schmetterlingswiese als speziellen Verweilbereich zu schaffen. „Im Rahmen des ökologischen Erhaltungs- und Entwicklungskonzepts für den Donaukanal werden dort mit einfachen Mitteln wertvolle Pflanzen und Tiere für den Lebensraum Stadt, wie etwa die Mehlschwalbe, angesiedelt“, so Donaukanalkoordinator Engleder.
Das urbane Dorf am Donaukanal
Gerade einmal 10 Prozent des Ufers im urbanen Bereich werden derzeit kommerziell genutzt und dabei soll es auch bleiben. Diese Überlegungen begrüßt Christian Pichler, Raumplaner und Experte für Sozialfragen im Beirat für Stadtentwicklung und Stadtplanung und Mitarbeiter der Arbeiterkammer Wien: „Der öffentliche Raum ist in einer Stadt
Foto: Katrin Bruder
E
Foto: Katrin Bruder
Das Ufer des
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Stadtplanung
SPECIAL
Donaukanals
ist für die Wienerinnen und Wiener Strand und Lokalszene, aber auch Freiraum, Radweg, Spielplatz und Sportgelände
dringend nötig. Denn dort finden die ungeplanten Begegnungen statt, ein gewisser dörflicher Charakter entsteht“. Da öffentlich nutzbare Flächen im urbanen Raum ein knappes Gut sind, gelte es in besonderem Maß ein ausgewogenes Verhältnis zwischen kommerziellen und nicht- kommerziellen Flächen zu schaffen. „Das stärkt indirekt den sozialen Zusammenhalt in der Stadt“, sagt Pichler.
Neue Zugänge zum Donaukanal sind ebenso geplant wie Überquerungs- möglichkeiten
Auch die Erreichbarkeit des anals – zu Fuß und per Rad – soll K in Zukunft noch weiter verbessert werden. Neue Zugänge zum Kanal sind ebenso geplant wie Überquerungsmöglichkeiten, etwa mit dem Wassertaxi. „Dieses soll die Besucher künftig zu Anlegestellen im Bereich der Gastrobetriebe und viel frequentierter Zonen bringen“, so Engleder. Der nächste neue Zugang zum Kanal ist
zwischen Schwedenbrücke und Marienbrücke geplant. Im Rahmen eines Wettbewerbs, der ab Herbst von der Magistratsabteilung für Architektur und Stadtgestaltung MA 19 ausgeschrieben wird, können sich Investoren bewerben. Im Mittelpunkt des Projekts steht der barrierefreie, behindertengerechte Zugang. Text: Martina Weinbacher
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Stadtplanung
Schön in Bodennähe
Erdgeschoße beleben, verwilderte Grundstücke zwischennutzen und die Natur in die Stadt holen: So bleibt Wien als multifunktionale Stadt lebenswert
A
ls wir uns im Amerling Beisl zum Gespräch treffen, hat Jutta Kleedorfer gerade wieder ein biss chen die Welt gerettet. Zumindest die Welt der BewohnerInnen einer Wagenburg. Eine Zeitlang dienten die unangepassten Wagenburgler in der Freudenau als willkommene inoffizielle Baustellenwächter. Doch jetzt ist das Gebäude fertig und sie müssen weichen. Gerade noch rechtzeitig hat Jutta Kleedorfer ei nen anderen Bauträger mit einer neuen Baustelle gefunden.
Die Rote Kiste in der
Siedlung am Rennbahnweg „Jetzt muss ich nur noch die Wa genburgler erreichen. Hoffentlich sind sie nicht schon weg“, sagt die Diplomingenieurin mit feuerrotem Haar. Sie ist die Projektkoordinato rin für Mehrfachnutzung in der MA 18 (Stadtentwicklung und Stadtpla nung). Sie sieht sich als „Ermögli cherin“. Angefangen hat sie mit der Ermöglichung von Treffpunkten für Jugendliche und Kinder, Abenteuer spielplätze, unerwartete Orte mitten in der Stadt oder in der Siedlung. Zum Beispiel die „Rote Kiste“ des Projekts Parklife in der Rennbahn wegsiedlung (22. Bezirk). Die Initiative kam von Architekt Peter Fattinger. Er entwirft regel mäßig mit Studierenden der TU Architekturen für „ungewöhnliche Räume“. In der Siedlung hatten Ju gendliche eine alte Baracke als Rück zugsraum entdeckt. Doch die drohte einzustürzen. Jetzt steht dort eine rote Kiste mit einer langen Stiege zu einem Fenster, vor dem man wie vor einem Bildschirm sitzen und die Landschaft betrachten kann. „Jugendliche wollen keine Tische und Stühle, das ist ihnen zu steif. Deshalb haben wir ihnen viele Stu fen zum Sitzen gebaut und einen gro ßen Raum, den sie für Partys, Auf
„Erdgeschoßzonen haben das Potenzial zum nächsten urbanen Megatrend zu werden, wenn es keine Dachböden zum Ausbauen mehr gibt“ Thomas Madreiter, MA 18 Stadtentwicklung und Stadtplanung
führungen oder Filmabende nutzen können“, sagt Fattinger. Unter der Treppe liegt eine vollausgestattete Werkstatt, ein Tor kann herunter geklappt werden und dient dann als Brücke in den Außenraum. Aktuell baut Fattinger mit seinen Studieren den an der „Actionsfabrik“ in den Stadtbahnbögen der Spittelau. Bauen wird wörtlich genommen: Die Stu dierenden planen nicht nur, sie legen selbst Hand an. Die „Actionsfabrik“ soll eine Anlaufstelle für Jugendliche werden, die eigene Sozialprojekte verwirklichen wollen.
Der Mädchengarten in
einem Simmeringer Hinterhof „Solche Projekte sind mehr als Ju gendzentren“, erklärt Jutta Kleedor fer. Außerschulische Jugendarbeit, Parkbetreuung und Streetwork arbeiten zusammen. Im fünften Bezirk ist es zum Beispiel gelungen, ein Schulgebäude außerhalb der Schulzeiten für Kinder und Jugend liche zu öffnen. Sie haben dort eine Art Wohnzimmer bekommen, mit einem Außenraum im angrenzen den Park – wieder mit vielen Stufen zum Sitzen. „Hier kochen einige
Natur in die Stadt holen Urban Farming in Liesing Beim U-Bahnhof Erlaaer Straße gab es früher viele Gärtnereien. Hier entsteht gerade das Wohnprojekt „In der Wiesen Süd“. Die Magistratsabteilung für Stadtteilplanung und Flächennutzung MA 21B möchte darüber hinaus die Tradition des Ortes wiederbeleben. „Urban Farming“ soll es BewohnerInnen nicht nur dieses Wohnprojekts ermöglichen, vor der eigenen Haustür Gemüse auf Gemeinschafts beeten anzubauen. Loggias bekommen ein Bewässerungssystem und Platz für Hochbeete. Auf dem Dach sollen Gewächshäuser stehen, die
im Winter mit der Abluft aus den Nassräumen der Wohnhäuser beheizt werden. „Das Ziel ist nicht die Selbstversorgung“, erklärt Architekt Volkmar Pamer von der MA 21B. „Stadtkinder sollen wieder ein Gespür für die Natur bekommen und vielleicht mit SeniorInnen im Haus Gemüse beete betreuen. Die MieterInnen brauchen nicht mehr ins Umland zu fahren, um Natur zu erleben. Die Natur kommt zu ihnen vor die Haustür.“ „Urban Farming“ ist ein langfristiges Wiener Projekt – und wahrscheinlich das größte seiner Art, weltweit.
Burschen“, sagt die „Ermöglicherin“ Kleedorfer. „Ihre Mama lässt sie zu Hause nie an die Töpfe.“ Wichtig ist, dass so etwas ohne Bevormundung und selbstorgani siert abläuft. Ein schönes Beispiel dafür ist der „Mädchengarten“ in Simmering. Auf einem Hinterhof der Szene Wien entdeckten Mäd chen einen verwilderten Garten. „Leider sind solche Hinterhof idyllen auch gefährlich“, sagt Jutta Kleedorfer. „Speziell für Mädchen. Die suchen einen Ort, wo sie sich ungestört treffen können.“ Für ihren „Mädchengarten“ luden sie zunächst auch die Burschen ein. Doch die lehnten ab: Gartenarbeit war uncool. Also bauten die Mädels ihre Hütte und ihren Garten ohne männliche Hilfe. Als alles fertig war, waren die Burschen neidisch und revanchier ten sich mit einer Sprayattacke. Die Betreuer schlichteten den Konflikt. Heute können sich die Mädels in aller Ruhe in ihrer Laube treffen. Manchmal darf auch ein Bursche mitkommen. Aber nur, wenn er ganz brav ist.
Nutzung leerstehender Räume aktiv betreiben
Längst hat Jutta Kleedorfer ihre Arbeit in den Bereich Kultur aus gedehnt. Das berühmte Fluc am Praterstern ist auch mit ihrer Hilfe entstanden. Aus einer stillgelegten, nach Urin stinkenden unterirdi schen Passage ist einer der bekann testen Wiener Clubs entstanden – mit einem Mietvertrag für 15 Jahre. So mittelfristig sind „Zwischennut zungen“ schon ausgelegt. Aktuell wird diskutiert, ob man eine „Zwischennutzungsagentur“ gründen soll. Die könnte zwischen Eigentümern und möglichen Nut zern/Mietern vermitteln. „Aber noch haben wir zu wenig Angebot“, sagt Jutta Kleedorfer. Das könnte
Stadtplanung
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Foto: Katrin Bruder
SPECIAL
In Simmering haben Mädchen im Hinterhof der Szene Wien ihren eigenen
sich bald ändern, wenn man die Nutzung von leerstehenden Räumen im Erdgeschoß noch aktiver betreibt. „Daran arbeiten wir, denn sie werden noch viel zu wenig genutzt“, stellt Thomas Madreiter, Abteilungsleiter für Stadtentwicklung und Stadtplanung, fest. „Die haben das Potenzial zum nächsten urbanen Megatrend zu werden, wenn es keine Dachböden zum Ausbauen mehr gibt.“
Was geschieht mit den
Erdgeschoßen in Zukunft? Leerstehende Räume erfüllen eine wichtige urbane Funktion: Stellt man zum Beispiel der Kreativwirtschaft günstige Räume zur Verfügung, erreicht man gleich mehrere Ziele: Der Eigentümer vermeidet Leerstand und bekommt zumindest ein paar Einnahmen, die Kreativen können in günstigen Räumen arbei-
Mädchengarten
ten – und das Grätzel wird belebt. Am Fachbereich Örtliche Raumplanung der TU Wien wurde in Zusammenarbeit mit der MA 18 die „Plattform EG-Zone“ etabliert. Im Februar dieses Jahres stellte Fachbereichsleiter Rudolf Scheuvens die Studie „Perspektivencollage Erdgeschoß“ vor. Auch er beobachtet einen „Aufbruch“. Andere Städte würde darauf schauen, wie aktiv Wien bereits mit dem Potenzial der Erdgeschoße umgeht. Es geht nicht nur um die Bekämpfung von Leerstand, sondern um einen Imagewechsel. „Warum müssen Arztpraxen immer in den oberen Stockwerken angesiedelt sein?“, fragt Scheuvens. Antwort: Weil davon ausgegangen wird, dass unten öfter eingebrochen wird und die Versicherungspolizzen deshalb teurer sind. „Alles lediglich eine technische Frage“, sagt Madreiter. Beide fordern ein Um-
eingerichtet. Burschen sind willkommen, wenn sie sich benehmen
denken der Vermieter und der Versicherungen. Madreiter beobachtet einen Trend zur Reurbanisierung. Die Leute ziehen wieder in die Stadt. „Die Suburbanisierung hat sich seit 2008 halbiert. Der Trend arbeitet für uns. Bald wird ein regelrechter Run auf Erdgeschoße einsetzen. Dem steht momentan lediglich die strukturelle Unintelligenz des Immobilienmarkts im Weg.“
Eine Plattform, um Interessen zusammenzuführen
Thomas Madreiter sieht die Stadt Wien in der Rolle des „Ideengebers“, er möchte über eine Kommunikationsplattform „Prozesse anstoßen“, verschiedene Interessen zusammenführen, „irrationale Ängste und Vorurteile“ durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit bekämpfen, motivie-
ren und zuhören. Er und Scheuvens denken an eine „marktorientierte Erdgeschoßagentur“, die das Potenzial von Erdgeschoßen einer noch zögerlichen Öffentlichkeit darlegt und konkrete wirtschaftliche Aktivitäten im Erdgeschoß-Management entfaltet. „Schlechte Erfahrungen machen schnell die Runde“, sagt Scheuvens. „Gute Erfahrungen werden als selbstverständlich abgehakt.“ Scheuvens plädiert für einen „begrenzten Ausnahmezustand“ bei der Belegung von Erdgeschoßen. „Man sollte einfach ausprobieren, was geht und was nicht, mit befristeten Mietverträgen.“ Und es geht schon einiges: Büros auf Zeit, Büro-Ateliers, Probewohnen im ehemaligen Geschäftslokal, Hotelzimmer mit direktem Zugang zur Straße. Das alles gibt es schon in Wien. Es hat begonnen. Text: Thomas Askan Vierich
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Stadtplanung
Wien wird supersmart
Unter den Smart Cities dieser Welt belegt Wien Platz eins. Damit dies in Zukunft so bleibt, existiert ein Maßnahmenplan, der BürgerInnenbeteiligung als zentrales Element beinhaltet.
S
mart Cities sind vor allem Metropolen, die sich durch nachhaltigen Einsatz und Verbrauch erneuerbarer Energien auszeichnen. So steht es im Strategic Energy Technology Plan der EU, dessen Ziel ist, Energiequellen mit geringem CO2Ausstoß leistbar und damit marktfähig zu machen.
Wien ist bei „Smart Cities“ die Nummer eins
Boyd Cohen, US-amerikanischer Klimastratege, erstellte ein weltweites Ranking der Smart Cities. Wie er schreibt, belegt Wien dabei für ihn selbst überraschend den ersten Platz. Grundlagen seiner Bewertung sind weitere Rankings, die Wien Spitzenplatzierungen in internationalen Vergleichen zu Themen wie Innovation, Ökologie und Lebensqualität bescheinigen. Des Weiteren verweist Cohen auf das Smart City Vienna Concept, mit dem sich Wiens Stadtplanung ambitionierte Ziele gesetzt hat. Finanziert vom Klimafonds Österreich und entwickelt unter der Federführung der Magistratsabteilung für Stadtplanung ist es in mehrere zeitliche Horizonte gegliedert.
Energie sparen und
umweltfreundlich erzeugen Das als „Smart Energy Vision 2050“ bezeichnete Leitbild sieht einen massiven Wandel in der Nutzung und Erzeugung von Energie vor. Der Anteil erneuerbarer Energie soll in Wien auf 50 Prozent steigen und der Pro-Kopf-Verbrauch auf die Hälfte des aktuellen Niveaus sinken. Darüber hinaus soll diese Energie auch lokal produziert werden können: Die Gebäude der Stadt der Zukunft sollen nicht mehr Energie verbrauchen, als sie erzeugen können. Energie zu sparen soll nicht zuletzt
Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs an der gesamten, in einem Jahr zurück- gelegten Wegstrecke soll bis 2050 auf 15 Prozent sinken
durch den Ausbau des öffentlichen Verkehrs erreicht werden. Ziel ist, 2050 den Anteil des motorisierten Individualverkehrs an der in einem Jahr zurückgelegten Wegstrecke auf 15 Prozent zu senken – das entspräche einer Halbierung. Das soll die Emissionen auf ein Fünftel jener des Jahres 1990 reduzieren.
„Green Jobs“ für ein wachsendes Wien
Motor der grünen Stadtplanung sollen Smart-City-Technologien sein. Der Ausbau von Forschung und Entwicklung bildet die Basis für den Wandel. „Es macht Sinn, in Green Jobs zu investieren. Wien ist eine wachsende Stadt. Man muss Sektoren finden, in denen es wirtschaftliches Wachstum gibt, gleichzeitig aber auch das Wachstumsparadigma kritisch hinterfragen: Ist Wachstum, das ja auch Teil der Überlegungen zu Green Economy bildet, mit nachhaltigem und sozial gerechtem Wirtschaften vereinbar?“, fragt Alexander Hamedinger, Ökonom am Institut für Soziologie der TU Wien.
Die Entwicklung zur
nachhaltigen Stadt
Hamedinger erklärt, dass die Entwicklung zur nachhaltigen Stadt nicht nur ein technologischer oder ökonomischer Prozess sei. Es brauche auch gesellschaftliches Umdenken, um einen schonenden und bewussten Umgang mit Ressourcen zu gewährleisten. „Es braucht Wissen über den Ressourcenverbrauch einzelner sozialer Gruppen, über ihren Bezug zu den Räumen, in denen sie leben: Welche soziale Gruppen gibt es überhaupt und wo gibt es diese? Wer benutzt wie viel Energie und wofür? Und zu
guter Letzt: Wie unterscheiden sich soziale Gruppen hinsichtlich ihrer Nutzung von Energie?“ Um ein Umdenken anzustoßen, müsse man einzelne soziale Gruppen sowie ihren Umgang mit Energie und ihre Möglichkeiten, diese einzusparen, beschreiben. In den Prozess müssen BürgerInnen aktiv miteinbezogen werden, erklärt Christoph Reinprecht, Soziologe an der Uni Wien: „Es braucht vor allem auch Demokratisierung, Bottom-up-Prozesse, BürgerInnenbeteiligung. Ein effizienter Umgang mit Ressourcen kann nur unter Beteiligung der Bevölkerung umgesetzt werden. Ein bloßes Green Management von oben wird nicht erfolgreich sein.“
Die BürgerInnen planen
die Stadt mit
BürgerInnenbeteiligung ist ein zentrales Thema des Maßnahmenplans der Stadt Wien, um die angestrebten Ziele bis 2050 zu erreichen. Als weitere zentrale Handlungsfelder der Stadtentwicklung identifiziert der Maßnahmenplan Mobilität, den Neubau und die Sanierung von Gebäuden sowie die bewusste Nutzung unterschiedlicher Energieformen. Die Stadtentwicklung findet dabei auch eine chancenreiche Ausgansposition vor. Ein großes Plus ist die Dichte der Stadt, denn sie ermöglicht eine energieeffiziente Nutzung von Infrastruktur. Mit den Projekten Haupt-, Nordund Nordwestbahnhof bietet sich der Wiener Stadtplanung eine große Chance für die Zukunft. Diese innerstädtischen Entwicklungsgebiete bieten die Möglichkeit, das Konzept Smart City Wien zu realisieren und die Stadt noch lebenswerter zu machen. Kurz, Wien wird supersmart. Text: Werner Sturmberger
Stadtplanung
Fotos: Wiener Linien / Johannes Zinner, MQ / Martin Fuchs
SPECIAL
Moderne Kommunikationstechnologien und attraktive
รถffentliche Verkehrsmittel. Sie tragen ganz wesentlich dazu bei, eine Stadt smart zu machen
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Stadtplanung
Seid beteiligt, BürgerInnen!
In der Stadtplanung werden BürgerInnenbeteiligungsverfahren immer wichtiger. Ob in Ottakring, auf der Wieden, am Schwedenplatz oder am Franz-Josefs-Bahnhof – BürgerInnen bestimmen aktiv mit
m gute Entscheidungen treffen zu können, ist es wichtig, von Beginn an das Wissen der lokalen Bevölkerung zu nutzen und deren Ideen bei der Planung zu berück sichtigen“, sagt Gregor Puscher. Er ist Dezernatsleiter der MA 21A für Stadtteilplanung und Flächennut zung und auch Ansprechpartner für das Projekt zur Umgestaltung der Ottakringer Straße zwischen Gürtel und Taubergasse.
attraktiver werden und eine Brücke zwischen den beiden Bezirken bil den. Durch zusätzliche Zebrastrei fen, Radwege in beide Richtungen und grüne Verweilzonen wollen wir der Durchzugsstraße Aufenthalts qualität verleihen“. Über zwanzig neu gepflanzte Bäume, Hochbeete, Fassadenbegrünung, neuer Boden belag und eine eigene Möblierung sollen dazu beitragen, die Ottakrin ger Straße in Zukunft grüner und ruhiger zu machen.
BürgerInnenbeteiligung
Die Lokale Agenda 21
an der Ottakringer Straße Im August dieses Jahres möchte man mit der Neugestaltung der stark befahrenen Ottakringer Straße be ginnen, die den 16. vom 17. Bezirk trennt. Die Planung mit den Anrainer Innen startete allerdings schon viel früher. Seit 2011 arbeitet man ge meinsam an einer Lösung. „Nach ersten Sozialraumanalysen haben wir 8.500 Haushalte und Betriebe per Post zur Mitarbeit aufgerufen. 270 interessierte BürgerInnen er schienen schließlich bei der Bür gerInnenbeteiligungswerkstatt im Juni vorigen Jahres“, erinnert sich Puscher. Gemeinsam mit allen Beteiligten (neudeutsch „Stakeholder“), unter anderem ExpertInnen der Grünbauund der Straßenbauabteilung, der Wiener Linien, der Gebietsbetreu ung und die politischen Vertreter der betroffenen Bezirke, erörterten BewohnerInnen, Berufstätige und Geschäftsleute innerhalb zweier in tensiver Treffen konkrete Vorschlä ge. Diese wurden zu einem Konzept zusammengefasst, das man mit den BürgerInnen im Februar 2012 noch einmal feinabstimmte. Der jetzige Plan könne sich sehen lassen, freut sich Puscher: „Die neue Ottakringer Straße soll für Fahrrad fahrerInnen und FußgängerInnen
Planungsprozesse dauern durch Bür- gerInnenbeteiligung oft länger. Dennoch bringt ihr Erfolg langfristig Kosten- einsparungen
in der Stadtplanung
Dass das Teilhaben aller Betroffe nen an Entscheidungsprozessen Vorteile bringt, weiß auch Thomas Madreiter, Abteilungsleiter der MA 18 für Stadtentwicklung und Stadt planung: „Einerseits kann man die lokale Expertise der BürgerInnen in die Planungsarbeit miteinbeziehen. Andererseits erhöht sich der Pro jekterfolg, weil die Akzeptanz für neu Geschaffenes größer ist“. Seit dem Ende der Neunzigerjah re bekomme die Bürgerbeteiligung in Wien immer größere Bedeutung, so Madreiter. Damals wurde die Agenda 21 auf Bezirksebene imple mentiert. Das Aktionsprogramm wurde 1992 bei der UN-Nachhal tigkeitskonferenz in Rio de Janeiro festgelegt und beruht auf der Grund idee einer nachhaltigen Entwicklung unter intensiver Einbeziehung der Öffentlichkeit. In Wien begannen Lokale-Agen da-21-Prozesse 1998 als Pilotprojekt am Alsergrund. Erste Erfolge führten zur Entwicklung eines gesamtstäd tischen Lokale-Agenda-21-Modells. Mittlerweile wird dieses Modell in verschiedenen Bezirken umgesetzt, unter anderem auf der Wieden und in der Josefstadt. Neben Lokale-Agenda-21Projekten auf Bezirksebene laufen
zahlreiche andere Bauprojekte, bei denen die Stadt auf die Mitarbeit der BürgerInnen zählt, etwa bei der Neugestaltung des SchwedenplatzMorzinplatz und des Franz-JosefsBahnhofs/Althangrundes. Während am Schwedenplatz im Juni erste Dialoge zwischen Bürger Innen und PlanerInnen stattfinden, hat es am Althangrund bereits Sit zungen mit BürgerInnenvertretern gegeben. Dabei wurde eine gemein same Vision erarbeitet, was aus der 20 Hektar großen Fläche werden soll, wenn die WU abzieht. Auch hier wollen die BürgerIn nen, dass mehr Ruhe einkehrt, er klärt der Leiter der MA 21a, Klaus Vatter: „Eine neue Mitte am Alser grund soll entstehen, ein Stadtteil der verbindet. Die BürgerInnen wünschen sich eine lebendige Erd geschoßzone mit Gastronomie und Kultur. Wohn- und Arbeitsräume sowie eine Schule und ein Kinder garten sind ebenfalls erwünscht. Und ein Hallenbad würden die An rainerInnen gerne haben“. Ob die Wünsche erfüllt werden können, weiß man derzeit noch nicht. Vorerst gilt es Eigentümerproble matiken und aufwendige technische Details zu klären. „Das Projekt ist äußerst komplex. Es handelt sich um einen sperrigen und massiven Bau bestand, den es zu überformen gilt. Aber wir tun unser Bestes, um die klaren und positiven Vorstellungen der BürgerInnen zu verwirklichen“, zeigt sich Vatter optimistisch.
BürgerInnenbeteiligung als
Entwicklungsinstrument
„Diese partizipativen Planungspro zesse werden den aktuellen Ansprü chen in Ballungsräumen besonders gerecht“, sagt der Architekturprofes sor und ehemalige Bereichsdirektor für Stadtentwicklungsplanung in Wien Arnold Klotz. „Früher wur
Foto: Archiv Stadt Wien
U
SPECIAL
Foto: Katrin Bruder
26 Stunden nach Verkaufsbeginn bereits ausverkauft: die Module des
den die BürgerInnen erst informiert, wenn alles bereits beschlossen war. Mittlerweile versucht man die Partizipation an den Anfang der Planung zu stellen.“ Dass Planungsprozesse dadurch oft länger dauern und kostspieliger sind, räumt Klotz ein. Dennoch spreche der Erfolg für sich, langfristig gesehen könne man Kosten sparen, denn ernst genommene Partizipation bringe bessere und krisensichere Ergebnisse. Wichtig sei, dass die Erwartungshaltung der BürgerInnen nicht zu hoch geschraubt würde,
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Stadtplanung
ersten Wiener BürgerInnen-Solarkraftwerks in der Donaustadt
um Enttäuschungen zu vermeiden. „Man muss von vornherein Klarheit schaffen, was möglich ist und was nicht“.
BürgerInnenbeteiligung bei
der Solarenergie
Dass Partizipation mitunter ganz andere Wege gehen kann, zeigt das Beispiel des ersten BürgerInnenSolarkraftwerks in der Donaustadt. Es wurde am „Tag der Sonne“, dem 4. Mai 2012, von den Vizebürgermeisterinnen Renate Brauner und
Maria Vassilakou in Zusammen arbeit mit Wien Energie eröffnet. „Für 475 Euro konnten die Wiener Innen eine halbes, aber auch bis zu zehn der 2.100 Photovoltaik-Module erstehen“, erklärt Christian Ammer, Unternehmenssprecher bei Wien Energie. Die Photovoltaik-Besitzer erfreuen sich nicht nur eines guten Gewissens, sondern profitieren auch jährlich mit 3,1 Prozent an der investierten Summe. „Nun ist es auch für jene 80 Prozent der WienerInnen, die in Mietwohnungen leben und keine Solaranla-
ge am Dach ihres Hauses montieren können, möglich, die Erzeugung von Sonnenstrom aktiv voranzutreiben“, freut sich Ammer. Dass auch dieses Beteiligungskonzept auf großen Anklang stieß, zeigte der regelrechte Run auf die Anteile: „Nur 26 Stunden nachdem wir die Beteiligung ermöglichten, waren alle Module verkauft. Auch die Paneele dreier weiterer geplanter BürgerInnen-Solarkraftwerke, die bis Herbst 2012 in Betrieb gehen, sind bereits vergeben“, sagt Ammer. Text: Martina Weinbacher
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Stadtplanung
10 Thesen zur Stadtplanung
Wien wächst bis 2030 auf zwei Millionen EinwohnerInnen. Um das gute Leben der Menschen in der Stadt bei diesem Wachstum sicherzustellen und noch weiter auszubauen, folgt die Stadtplanung zehn Thesen
1. Die Stadt ist dort, wo viele Menschen leben wollen.
Menschen mit Kindern sollen nicht das Gefühl haben, aufs Land ziehen zu müssen, sondern zur Überzeugung gelangen, dass es Sinn macht, in der Stadt zu bleiben. Eine Stadt, die gut ist für Kinder, ist gut für uns alle. Kinder brauchen Bewegung, Freiräume sowie einen Bezug zur Natur. Eine lebenswerte Stadt muss diese Qualitäten auch im inneren, dicht verbauten Gebiet aufweisen.
2. Die Stadt ist Begegnung und Inspiration.
Die Stadt ist dort, wo sich Menschen begegnen. Und diese Begegnung findet zumeist nicht in geschlossenen, kleinen Räumen statt. Daher sind die Straßen unserer Stadt neu zu definieren – zu dem, was sie waren, bevor sie von den Autos übernommen wurden – zu Frei- und Bewegungsräumen für uns alle. Das kann etwa passieren, indem Radstraßen entstehen. Wichtig ist dabei, die Wienerinnen und Wiener mit einzubeziehen. Ein zentrales Element ist die BürgerInnenbeteiligung, damit auch bei der Gestaltung solcher Projekte neue Wege beschritten werden können. Es muss gelingen, den öffentlichen Raum neu zu denken und ihn nicht als „Restfläche“ zu begreifen.
3. Die Stadt ist Effizienz.
Langfristig kann das Lebensmodell reicher Industrieländer nicht mehr weitergeführt werden. Ressourcenverbrauch und Mobilität müssen künftig anders gelöst werden. Unsere Ressourcen sind begrenzt, außer: Innovation und Wissen. Diese Chancen müssen wir nutzen. Außerdem werden wir unseren Lebensstil in den kommenden Jahrzehnten verändern müssen. Es geht darum, neue Wege zu entdecken, um Lebensqualität, moderne Mobilität und das Leben in der Stadt neu zu definieren.
Heute besteht die Möglichkeit, Häuser so zu bauen, dass sie entweder kaum Energie verbrauchen oder sogar Überschüsse produzieren, von denen die Stadt profitieren kann. Das wird in Wien zum Teil bereits eingesetzt – Tendenz steigend. Nur im Bürobau funktioniert das noch kaum. Daher möchten wir einen neuen Weg beschreiten, vor allem durch die neu geschaffene Magistratsabteilung 20 für Energieplanung. Es sollte für alte Bauten verpflichtend sein, energetische Nachrüstungen vorzunehmen – nach und nach in einem gut angelegten und konzipierten Plan.
4. Die Stadt ist Mischung und Flexibilität.
Die Gesellschaft ändert sich laufend und entwickelt immer neue Bedürfnisse. Eine Stadt muss die Möglichkeit bieten, genau auf diese Änderungen flexibel zu reagieren. Heute werden keine monofunktionalen Stadtteile oder Siedlungen mehr errichtet. Es muss allmählich auch der nächste Schritt erfolgen: in einem Bau verschiedene Nutzungen miteinander zu mischen. Wohnen, Arbeit, soziale Infrastruktur und Nahversorgung in ein und demselben Gebäude können sinnvoll miteinander verknüpft werden.
5. Die Stadt ist Vielfalt und Inklusion.
Die Stadt ist ein Ort, an dem maximale Vielfalt möglich sein muss – etwa hinsichtlich der Lebensstile oder ethnischer Diversität. Gleichzeitig muss die Möglichkeit an Teilhabe und Zugehörigkeit maximiert werden. Wirft man einen Blick auf die Entwicklung von Städten in den vergangenen zwanzig Jahren, stellt man genau das Gegenteil fest: zunehmende Uniformität bei stetig steigender Ausgrenzung. Es werden nicht nur finanziell schwache Menschen ausgegrenzt, sondern auch
Impressum: Herausgeber: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H.; Verleger: Falter Zeitschriften GmbH, 1010 Wien, Marc-Aurel-Straße 9, T: 01/536 60-0, F: DW 935, E: service@falter.at, www.falter.at;
solche, die zunehmend das Gefühl haben, nicht dazuzugehören und an den Rand gedrängt zu werden. Mitgestaltung und Mitbestimmung muss deshalb ein wichtiges Ziel sein. Das heißt, die Stadt muss Vielfalt und Inklusion gewährleisten. Es muss zu einer Planung und Städtebau-Kultur kommen, die unterschiedliche Nutzungsbedürfnisse von Beginn an mitdenkt. Was Zuwanderung betrifft, ist eine gleichmäßige Verteilung von Menschen unterschiedlichster Herkunft über das gesamte Stadtgebiet von zentraler Bedeutung. Deshalb muss man dafür sorgen, dass innerstädtische Mieten leistbar bleiben. Das Schlimmste, was eine Stadt aus integrativer Sicht machen kann, ist eine hohe Konzentration von MigrantInnen am Stadtrand. Denn dort beginnen Probleme, deren Lösung mehrere Jahrzehnte braucht.
6. Die Stadt ist Wachstum.
Seit mehr als drei Jahren lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, Tendenz steigend. Auch Wien wird in den nächsten Jahrzehnten wieder auf zwei Millionen EinwohnerInnen anwachsen. Daher muss zunächst ein Schwerpunkt auf der innerstädtischen Verdichtung liegen. Dabei bildet der Freiraum die Ausgangsbasis, von der aus Verdichtung gedacht werden muss. Das Wachstum unserer Stadt bedeutet auch, Wien als Metropolenregion zu begreifen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Wien und Niederösterreich ist deshalb wesentlich – ebenso wie eine gemeinsame Strategie für die Entwicklung der Region Wien-Bratislava.
7. Die Stadt ist Innovation und Transparenz.
Es muss mehr zweistufige, offene Wettbewerbe geben, die so gestaltet sind, dass junge oder weniger
etablierte ArchitektInnen zum Zug kommen. Außerdem muss ein Modell entwickelt werden, wie Jurysitzungen transparent gestaltet werden. Was es künftig nicht mehr geben soll, sind Wettbewerbe, in die 100 TeilnehmerInnen eingebunden sind und am Ende kein Projekt ausgelobt werden kann. Auch freihändige Vergaben von neuen PrestigeProjekten darf es nicht mehr geben. Wichtig ist, Qualität, Transparenz und Innovation sicherzustellen.
8. Die Stadt ist Partizipation und Selbstorganisation.
Partizipation bedeutet BürgerInnenbeteiligung von Beginn an, schon bevor man in die Wettbewerbsphase geht. Bei Konflikten braucht es eine professionelle Mediation mit offenem Ausgang. Selbstorganisation bedeutet auch Selbstbauprojekte. Es gibt ein erstes Pilotprojekt, das realisiert wird.
9. Die Stadt ist Kontroverse und Dialog.
Wenn über Städtebau, Architektur und Baukultur in Wien gesprochen wird, muss sich eine Kultur des Dialogs und der Kontroverse etablieren. Es muss möglich sein, Fehler zu machen. Dabei darf die Bevölkerung den Aufschrei nicht scheuen. So sind für uns alle Lernprozesse möglich. Die Stadt ist Innovation, die Stadt ist Flexibilität, die Stadt ist Bewegung, die Stadt ist Freiraum, die Stadt ist Grünraum, die Stadt sind wir.
10. Die Stadt ist Vision und Utopie.
Städte sind der Motor für Innovationen. Es braucht auch in Wien in den kommenden Jahren mehr Mut zur Utopie, um das Leben in der Stadt zum Besseren zu verändern. Nur wenn Visionen und Utopien entwickelt werden, kann man sich an die Arbeit machen, diese auch eines Tages zu verwirklichen.
DVR Nr. 0476986; im Auftrag der Stadt Wien; Produktion: Fuchs & Partner; Gestaltung und Produktion: Reini Hackl; Lektorat: T.A.Vierich; Druck: Passauer Neue Presse Druck-GmbH, 94036 Passau