Skip to main content

FALTER Schöne neue Mahü

Page 1

FALTER

Nr. 12a/15

Schöne neue Mahü Ein Falter-Sonderheft zur Umgestaltung der Mariahilfer Straße

Noch 700 Meter! Fußgänger- und Begegnungszone: Ein Jahr nach der Abstimmung ist die Mariahilfer Straße fast fertig. Wer hätte das gedacht – sie funktioniert

Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2491/2015


Einfach schรถn: unsere neue Glasfl asche.

Schรถn einfach: unsere praktische 8 x1l Splitkiste. Leicht zu ! tragen

voeslauer.com facebook.com/voeslauer


M a r i a h i l f e r S t r a ss e

FALTER

3

So schnell kann‘s gehen: Wo auf der Mariahilfer Straße vor kurzem noch Autos parkten oder im Stau standen, ist jetzt Fussgänger- und Begegnungszone

Inhalt

4

Auf der Mahü wird wieder gebaut So schnell kann’s gehen: Vor einem Jahr wurde abgestimmt und jetzt ist schon fast alles fertig

12

Prost, Mahülzeit Die Mariahilfer Straße wird keine Fressmeile. Aber sie wird sich gastronomisch wandeln

18

Was sagen Sie zur neuen Mahü Die Filmemacher von Querstadt drehen eine Langzeitdoku über die Menschen auf der Mahü

8

Worum ging’s hier eigentlich? Der neuen schönen Fußgängerzone ging ein jahrelanger Kampf voraus. Ein Rückblick

14

Was man darf und was nicht Neue Verkehrskonzepte muss man erst begreifen. Aber rote Ampeln bleiben rote Ampeln

20

Einkaufen rund um die Mariahilfer Straße Die Mahü ist eine Einkaufsstraße – dass hier jetzt Fuzo ist, fällt auch Geschäftsleuten positiv auf

10

Mehr Begegnungszonen! Unsere Autorin fordert: Noch mehr Shared Space für Wien – nicht nur auf der Mariahilfer Straße

16

Felsen in der Branding-Brandung Die neuen Möbel auf der neuen Straße sollen ruhige Zonen auf der Konsumstrecke schaffen

22

Das letzte Wort haben die Anrainer Nicht alle haben dafür gestimmt: Was sagen eigentlich die Anrainer über die neue Mahü?

Vorwort or ziemlich genau einem Jahr startete in Mariahilf und NeuV bau die „Meinungserhebung Maria­hilfer

Fotos: Christian Wind, Archiv

Straße“ – das Ergebnis ist bekannt:

Eine knappe Mehrheit der befragten Bürgerinnen und Bürger entschied sich dafür, aus der beliebten Einkaufsstraße eine Fußgänger- und Begegnungszone zu machen. Die Entscheidung hatte und hat stadtpolitisch weitreichende Folgen, denn es ging längst nicht nur um die Mahü, sondern um Verkehrsberuhigung in den beiden Bezirken. Und darum, wie wir künftig leben wollen: Wird Wien zur Autostadt oder steigen wir um auf Öffis, Rad oder gehen wir gleich zu Fuß?

Kaufen wir in den Einkaufscentern am Stadtrand (oder gleich beim Internethändler) oder in der Nähe ein? Oder geht es auf einer verkehrsberuhigten Einkaufsstraße wirklich nur um Konsum oder lassen sich hier auch Zonen schaffen, in denen man sich einfach so aufhalten kann, ohne gleich einen Milchkaffee (oder ein Bier) zu bestellen? Fragen wie diese stellten wir

Wittstock

uns vor einem Jahr bereits und suchten mit einem Falter-Sonderheft nach Antworten. Nun ist die Mariahilfer Straße teilweise fertig; die Bauarbeiten für die letzten 700 Meter begannen gerade. Zeit, sich das vielbeachtete Projekt erneut anzusehen. Auch um festzustellen: Es funktioniert. Der „Kampf um die Mahü“ (so der Titel unseres Son-

Matzinger Narodoslawsky Novotny

Hamann

Wind

derhefts vor einem Jahr, Kollege Benedikt Narodoslawsky wählte für seinen Geschichte-Text fast denselben) – für die meisten schon ganz weit weg. Fast so weit wie die historischen Bilder der Straße, die unser Fotograf Christian Wind „nachgeschossen“ hat. Wobei „historisch“ relativ ist: Wind nahm auch Fotos von vor einem Jahr oder Renderings der Planer und fotografierte sie nach. Birgit Wittstock traf Anrainerinnen, Lukas Matzinger Bauarbeiter, Maik Novotny befragte die Architektinnen und Sibylle Hamann fordert: Mehr Begegnungszonen für Wien! C hr i s t o pher W u rmd o b l er

Impressum Falter 12a/15 Herausgeber: Armin Thurnher Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H., Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, F: 01/536 60-912, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at Redaktion: Florian Klenk, Christopher Wurmdobler Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H.; Layout: Raphael Moser; Lektorat: Helmut Gutbrunner, Daniel Jokesch; Geschäftsführung: Siegmar Schlager Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar


4

F A L T E R

M a r i a h i l f e r S t r a ss e

Sie ham a begegnunszone Biertrinkende Zuseher, „Ja, Chef“ und der Geruch von nassem Zement: Auf der Mariahilfer Straße wird wieder REPORTAGE: LUKAS MATZINGER

Mariahilfer Straße damals/ heute

Prachtvolles Hotel am prachtvollen Boulevard: Das Hotel Kummer um 1900

Da fährt der 13A vorbei: Heute ist vor dem Hotel Kummer Fußgängerzone


s t h g i l h g Hi

’baut

im

gebaut. Ein Baustellenbesuch

B

eton rieselt leise. Bedächtig zeigt Wolfgang mit Zeigefinger und Daumen die richtige Menge an, schüttet Müzo den Trockenbeton aus der Kranschaufel seines Lkw, streicht Werner mit dem Rechen die kleinen Haufen glatt. Erst Beton, dann nasser Zement, nach dem hier alles riecht, dann können die Waldviertler Granitsteine entlang der weißen Fluchtschnur verlegt werden. So stehen die drei Männer an diesem Montagmorgen zwischen dem Kaufhaus Gerngross und der Mariahilfer Kirche und bauen eine Straße. Eigentlich eine Begegnungszone. Auf der Mariahilfer Straße wird wieder gebaut. Nachdem im vergangenen Jahr der Mahü-Abschnitt zwischen Kaiserstraße und Kirchengasse gegraben, geschüttet und gepflastert wurde, folgt heuer der Bereich von der Kirche bis zum Museumsquartier. Seit 23. Februar stehen auf der Mariahilfer Straße wieder Baulaster, Bagger und Mörtelpumpen zwischen Männern in orangenen Warnwesten. Bis Ende Juli sollen dann auch die verbliebenen 700 Meter Begegnungszone fertig sein. „Und das werden sie auch“, versichert Projektkoordinator Peter Lux.

F o t o s: B e z i r k s m u s e u m M a r i a h i l f, c h r i s t i a n W i n d

Der „Herr der Baustelle“ schwingt sich

wenige hundert Meter westlich der Baustelle in einem röhrenbeleuchteten Besprechungszimmer über das Büromobiliar. Er hat gerade das wöchentliche Monday-Morning-Meeting im temporären Baustellenbüro nahe der U-Bahn-Station Zieglergasse beendet und ist sichtlich guter Dinge. „Wir sind voll im Zeit- und Kostenplan“, sagt er kaugummikauend und ein bisschen stolz. Wegen des milden Wetters konnte man sogar eine Woche vor dem ursprünglich anvisierten Termin mit dem zweiten Bauabschnitt beginnen. Und auch die budgetierten 25 Millionen Euro „werden sicher kein Problem sein“, sagt der Mann, der zuletzt auch mit der Nutzung öffentlichen Raumes beim Song Contest betraut wurde. Zurzeit arbeiten 40 bis 50 von ihm koordinierte Männer zwischen Gerngross und Humanic und zwischen Starbucks und Museumsquartier auf der Mahü. Im Juni und Juli wird dann der Bereich dazwischen, also vor der Stiftskaserne, das letzte große Baugebiet sein. Von den Arbeiten betroffen sind in der aktuellen Bauphase neben den Anrainern insbesondere der Straßenverkehr und zwei Öffi-Linien. Der

13A und der Nachtbus N49 werden zurzeit wie der Autoverkehr um die Mariahilfer Straße herumgeführt. Wolfgang genießt das. Er mag seinen neuen Arbeitsplatz. „Weil es so ruhig ist. Normalerweise ist es auf Baustellen viel lauter.“ Zehn Meter vor der „Pflasterer-Partie“, der Wolfgang angehört, machen vier seiner Kollegen Licht. Sie verlegen einen halben Meter unter dem jetzigen und einen ganzen Meter unter dem späteren Niveau

Lukas R

l Klaus Ecke

Schmä esetarits h 1.-3. & 8.-10. A pril, 20.22. Mai

Weltwundern g im April jeden Sonnta

Bis Ende Juli sollen auch die verbliebenen 700 Meter Begegnungs­ zone fertig sein

ein schwarzes Hartplastikrohr mit einer 230-Volt-Leitung darin. Sie bringt den Strom zu den mit WLAN-Routern versetzten Laternenmasten. Auf das Kabelrohr schütten sie ein wenig vom vorhin ausgehobenen Boden, legen ein neongelbes Warnband mit der Aufschrift „ACHTUNG WIEN LEUCHTET KABEL“ in die Erde und schütten den restlichen Haufen Boden in die Grube. Dann kann Wolfgang kommen. Hinterm Zaun steht Baustellenleiter Johannes Blieweis, einen Notizbuch unter den Arm geklemmt, und diskutiert mit einem Kollegen, ob man die Fußgängerampel hier nicht eigentlich abschalten könnte. „Ich war von Anfang an dafür“, sagt Blieweis. „Es hält sich sowieso niemand dran.“ Er ist der Chef der „ARGE“, die für die Umgestaltung der Mariahilfer Straße eingesetzt wurde. An vier verschiedenen Stellen wird derzeit gebaut – vier Baufirmen arbeiten an fast identischen Baustellen. „Um die Kapazitäten auch dementsprechend sicherzustellen“, sagt Blieweis und erklärt die Wichtigkeit von logistischer Perfektion bei innerstädtischen Baustellen. Aber dann muss er zurück ins Büro. „Helm und Warnweste anlegen“, ruft er Wolfgang zu. „Ja, Chef.“ Auf den Tropenholzbänken vor der ­ ariahilfer Kirche beobachten M ­Männer mit Rapid-Wien-Kappen und ­Bierdosen in den Händen die Szenerie. Außer ihnen haben die BauarbeiFortsetzung nächste Seite

h r & Sc Dorfe st

euba

pril rlu /30. A Ballve März & 29. . 25. /26

Roland D

ürin

g er ICH 24. Mä rz, 7. A – Allein? pril, 5. M ai

www.stadtsaal.com oder 01 / 909 22 44 facebook.com/stadtsaal


6

F A L T E R

M a r i a h i l f e r S t r a ss e Mariahilfer Straße heute/ damals

In den 1990erJahren kam die U-Bahn unter die Mariahilfer Straße – aus heutiger Sicht ein erster wichtiger Schritt zur Verkehrsberuhigung

Fortsetzung von Seite 5

ter an diesem Montagvormittag nur wenige Zuseher – lediglich ein paar Kinder und Pensionisten verfolgen die Arbeiten interessiert. Ein kleines Mädchen im Kinderwagen schaut jeder Bewegung des Baggers gespannt nach, ein älterer Mann mit Hut und Hörgerät regt sich fürchterlich über „de Funsn“ auf, wegen der alle Baufahrzeuge aus der Baustelle ausfahren müssen: Wenn ein Mieter aus der Garage durch will, steht die ganze Baustraße ein paar Minuten still. Für die hier angesiedelten Geschäfte

ist die Baustelle eine Belastung – auch wenn direkt vor den Eingängen selbst nur in den frühen Morgenstunden gearbeitet wird. „Dazu braucht man nichts zu sagen“, sagt ein Kebapverkäufer und streckt die Hand auf den menschenarmen Gehsteig, „das sieht man“. Wenn „Es gibt bei jedem Bauvorhaben am Anfang gewisse Irritationen“, sagt Peter Lux, Projektkoordinator auf der Mahü

hier alles fertig ist, kann er sich zwar schon eine Belebung seines Geschäfts vorstellen, „aber das kann ein paar Jahre dauern“. Eine Friseurin schätzt, „die Chance, dass es besser wird, ist 50/50“, und eine Apothekerin fasst zusammen: „Schau ma mal.“ Als die Kärntner Straße 1974 zur Fußgängerzone wurde, bat ein anonymer Absender in einem Brief an die Architekten, sie mögen sich doch an den eben frisch gepflanzten „verhungerten Bäumchen“ dort aufhängen. Von Anfeindungen blieben die Verantwortlichen des Mariahilfer-StraßenUmbaus bislang verschont. Doch weiß

Projektkoordiantor Peter Lux um den alltäglichen Unmut – vor allem der Anrainerinnen und Geschäftsleute – Bescheid. „Es gibt bei jedem Bauvorhaben am Anfang gewisse Irritationen. Und wenn dann die Maschinen tatsächlich vorm eigenen Fenster krachen, rauchen und scheppern, spitzt sich alles noch einmal zu.“ Die erste große Empörung sei aber ausgestanden. Lux bringt kaum mehr etwas aus dem Schwärmen von „seiner“ Mariahilfer Straße. Und das, obwohl er selbst bis heute nicht an den im Herbst stolz präsentierten Wassertischen gesessen ist. F

Fotos: Christian Wind, bezirk smuseum neubau, patrick rieser (u.)

Da fährt die U-Bahn drunter: Auf der Mahü wird wieder gebaut – 2015 bleibt man aber an der Oberfläche


Hallo MaH端! Meine Stadt. Meine Bank.


8

F A L T E R

M a r i a h i l f e r S t r a ss e

Chronologie eines Straßenkrieges Der schönen neuen Mahü ging ein jahrelanger, politisch harter Kampf voran. Worum ging es hier eigentlich?

M

an kann sich kaum vorstellen, wie die Mariahilfer Straße früher war, so selbstverständlich liegt sie vor einem: Fußgänger mit Einkaufstaschen schlendern zwischen der Allee übers weiträumige, helle Pflaster. Radler schlängeln sich dazwischen hindurch. Eine Taichi-­ Gruppe boxt in ihrer Choreografie gegen Schatten. Bald werden die Schanigärten voll sein. Die Mahü wirkt eher wie ein langgezogener Platz als wie eine Straße. Kein Autolärm, keine Abgase, kein Asphalt. Das alte Straßenbild ist fast vergessen. So wie das jahrelange politische Ringen um die Gestalt der Mahü. Warum war das Projekt eigentlich so umkämpft? Wer beharrte auf den Asphalt? Und welche politischen Tricks, Attacken und Manöver führten dazu, dass die Mariahilfer Straße heute so aussieht wie sie aussieht? Wir begeben uns dazu ein paar Jahre zurück ins Jahr 2009. Autos wälzen sich durch die ­Mariahilfer Straße, die die ­Bezirke ­Mariahilf und Neubau teilt. Im Frühjahr jenes Jahres brandet dann ein Streit auf, den man aus heutiger Sicht so nicht erwartet hätte. Schon seit Jahren ist die „Mahü“ an Adventsamstagen Fußgängerzone, nun will ­Renate Kaufmann, damals rote Bezirskvorsteherin von Maria­hilf, die Straße jeden Samstag zur Fußgängerzone machen. Weniger Autolärm, mehr Lebensqualität ist das Ziel – es soll ein dreimonatiger

BürgerInnenumfrage: Der Stimmzettel, mit dem Anwohnerinnen und Anwohner das Schicksal der Mahü besiegelten

Versuch sein. Er scheitert am Widerstand der Grünen. Sie regieren im Nachbarbezirk Neubau; dort drohe ein „absolutes Verkehrschaos“, wenn die Mahü zur Fußgängerzone werde, sagt die grüne Vize-Bezirksvorsteherin Madeleine Reiser im März 2009. Wenige Wochen davor haben die Ökos mit den anderen Bezirksparteien in Neubau einstimmig eine Resolution gegen die Fußgängerzone verabschiedet. Ein Jahr verstreicht. Die Gemeinderatswahl steht an. Im Oktober 2010 wählt Wien, die Sozialdemokraten bleiben an der Macht, treten in Koalitionsverhandlungen mit den Grünen. Bürgermeister Michael Häupl sagt, lieber, als dauernd mit der ÖVP über die gesamte Bildungspolitik zu streiten, wolle er mit den Grünen über einzelne Straßen diskutieren. Im November ist die rot-grüne Koalition besiegelt. Wiens erste grüne Vizebürgermeisterin heißt

Maria Vassilakou, zu ihren Ressorts zählen Stadtentwicklung und Verkehr. Sie denkt anders als ihre grünen Parteikollegen im Bezirk Neubau. Um ein Drittel will sie den Individualverkehr senken. Der öffentliche Raum solle attraktiver werden, dazu gehöre die Schaffung neuer Fußgängerzonen wie etwa „abschnittsweise in der Inneren Mariahilfer Straße“. So steht es auf Seite 62 unter dem Punkt „FußgängerInnenverkehr“ im Koalitionsprogramm, schwarz auf weiß. Die

Lunte brennt. Vassilakou weiß noch nicht, dass der Satz zu ihrer größten politischen Bewährungsprobe werden wird. Im Februar 2011, drei Monate nach ihrem Amtsantritt, gibt die neue Vizestadtchefin Vassilakou eine Studie zur Verkehrsberuhigung der Mariahilfer Straße in Auftrag. Angedacht ist eine Fußgängerzone mit Raderlaubnis oder ein „Shared Space“-Projekt, in dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Schon in einem Jahr könnten die ersten Maßnahmen umgesetzt werden, glaubt die Vizebürgermeisterin. Es kommt anders. Die Oppositionsparteien fahren ihre Geschütze auf und schießen sich auf die mögliche Fußgängerzone ein. Die FPÖ geißelt die „grüne Schnapsidee“ und den „rotgrünen Anschlag auf die Mariahilfer Straße“. Die ÖVP glaubt, eine Fußgängerzone „schade der Lebensqualität weiter Teile des Bezirks Neubau“, und fürchtet um die „Mariahilfer Straße als zentrales Einkaufszentrum im Innenstadtbereich“. Die Grünen in Neubau wiederum murren und fordern ein durchdachtes Verkehrskonzept. Auch die Wirtschaftskammer zeigt sich skeptisch und bangt um die Zukunft der Geschäftsleute. Die Frontlinien sind gezogen. Sie werden sich in den nächsten Monaten verhärten. Im Spätherbst 2011 präsentiert Vassilakou ihr neues Verkehrskonzept, die Detailplanungen beginnen Anfang 2012. Sie lädt betroffene Bürger ein, Wünsche und Beden-

F o t o s : c h r i s t i a n w i n d ( 2 ) , a p a / G E OR G HOCH M U TH ( u n t e n )

Rückblick: Benedikt Narodoslawsky


M a r i a h i l f e r S t r a ss e    Mariahilfer Straße heute/ damals

Genau vor einem Jahr hat Fotograf Christian Wind das Foto mit dem Paar auf der umstrittenen Busspur gemacht. Inzwischen ist hier die Fußgängerzone perfekt

ken zu äußern, am Verhandlungstisch sitzen die skeptische Wirtschaftskammer und die Bezirkspolitiker von Mariahilf und Neubau. Bis zum Herbst wird verhandelt. Zwei Jahre nach der Wahl präsentiert Vassilakou das neue Konzept: Die Mariahilfer Straße wird in drei Abschnitte geteilt, sie soll fast durchgängig autofrei werden. Die Opposition tobt. Vassilakou ist ihre Lieb-

lingsgegnerin. Schon wegen der Parkpickerl, die sie in einigen Bezirken einführen ließ, lieferte sie sich heftige Scharmützel mit den Blauen und den Schwarzen. Nun warnt die FPÖ vor „durch Rad-Rambos verursachten Unfälle“ auf der Mahü, „die Vernichtung sämtlicher Parkplätze werde für kriegsähnliche Zustände sorgen“. Die ÖVP sieht ein „Chaos“ auf Mariahilf und Neubau zukommen. Im Februar 2013 sprechen sich die Anrainer in einer Befragung dagegen aus, dass Autos die Mahü queren dürfen. Gefragt wurden allerdings nur die Bewohner der betroffenen Querstraßen. ÖVP und FPÖ geißeln die Vorgangsweise, sie fordern eine breite Befragung zum Gesamtprojekt. Mithilfe einer Petition baut die ÖVP weiter Druck gegen Vassilakous Mahü-Plan auf. Zu Testzwecken lässt Vassilakou an einem Maiwochenende 2013 einen Abschnitt der Mahü sperren. Die Bewohner sollen ein Gefühl für die neue Mahü bekommen. Aber

die Straße sieht aus wie immer, nur ohne Autos. Fußgänger betreten den leeren Asphalt kaum, bleiben lieber auf den Gehsteigen. Immer wieder verirren sich Autofahrer in die temporäre Fußgängerzone. Der Versuch scheint zu scheitern. Vassilakou gibt aber nicht auf. Im August 2013 wird das neue Verkehrskonzept umgesetzt. Der Mittelteil der Mahü ist nun eine Fußgängerzone, auf der Radler geduldet sind. Die Außenstücke mutieren zu Begegnungszonen, in denen Autos, Räder und Fußgänger aufeinander Rücksicht nehmen sollen. Aber es sind Fehler passiert. Schilder sind falsch und widersprüchlich, Bodenmarkierungen verwirren die Verkehrsteilnehmer, schlecht geregelte Einbahnsysteme in den Nebenstraßen führen Autofahrer in die Irre. Außerdem wirkt die Mahü weiterhin nicht wie eine Fußgängerzone. Nur vereinzelt nutzen Passanten die ausladend leere Asphaltstraße. Kaum jemand kennt sich aus. Ein einziges Chaos. Dazu kommt diese rote Busspur in der Fußgängerzone, die extra auf die Straße gemalt wurde. Sie wird zum Symbol der Fehlplanungen. Auf der roten Spur sollte der 13A-Bus verkehren. Die Linie musste rasch geändert werden, schon im Vorfeld wehrten sich die Busfahrer, weil sie aus Sicherheitsgründen nicht durch die Fußgängerzone fahren wollten. Nun, im Chaos der ersten Tage, drohen sie

2009 Renate Kaufmann, SPÖ-Bezirkschefin von Mariahilf, will die Mahü an Samstagen zur Fuzo machen – das grün regierte Neubau ist dagegen, wegen des „Verkehrschaos“

2010 Wien wird rot-grün. Im Koalitionsprogramm wird u.a. festgelegt: die Schaffung neuer Fußgängerzonen – abschnittsweise auch auf der Mariahilfer Straße

2014 stimmen Bewohner und Bewohnerinnen von Mariahilf und Neubau über die neue Mahü ab: 53,2 Prozent wollen Begegnungs- und Fußgängerzone. Der Umbau beginnt

FALTER

9

gar mit Streik. Die Oppositionsparteien nützen die Situation weidlich aus. Die Mahü ist ein Dauerbrenner in den Medien. Nach wenigen Tagen ist der Druck so groß, dass Vassilakou handeln muss. Sie kündigt Nachbesserungen an und will den 13A aus der Fuzo verbannen. Aber sie kann die Lage kaum noch kontrollieren. Eine weitere Front tut sich auf: Da die SPÖ für das grüne Projekt ebenfalls Kritik einstecken muss, kommt es innerhalb der rotgrünen Koalition zu zunehmenden Spannungen. Bürgermeister Häupl maßregelt die grüne Vize erstmals öffentlich. Das Projekt wankt. Im Herbst 2013 tragen die Koalitionsparteien ihren Streit offen aus. Die Grünen präsentieren Bilder der künftigen Mahü, mit den Roten ist das offenbar nicht abgesprochen. Sie legen deshalb eigene Pläne vor, Radler sollen aus der Fußgängerzone verbannt werden. Der Bürgermeister warnt: Sollten sich die Bewohner gegen die neue Mahü aussprechen, sei das Projekt gestorben. Vassilakou bastelt derweil weiter am Mahü-Plan. Eine Querung wird aufgemacht, der 13A fährt nun eine andere Route. Aber mit der Lösung dieses Problems tut sich ein neues auf: Die Anrainer der von der neuen Busroute betroffenen Straßen rebellieren gegen die Lärm- und Abgasbelastung und behindern die Busfahrer. Die Mahü ist längst Thema im Nationalratswahlkampf 2013. In der heißen Wahlkampfphase ruft FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zur Demo gegen das „Skandalprojekt Mariahilfer Straße neu“ auf. Im Jahr 2014 folgt der nächste Wahlkampf, nämlich jener um die Mahü selbst. Die Bürger der Bezirke sollen im Frühjahr abstimmen. Es kommt zum Showdown. Beide Seiten kämpfen nicht nur mit Meinungen, sondern auch mit Zahlen und Fakten. Die Wirtschaftskammer und die Wiener ÖVP präsentieren Umfragen, in denen Geschäftsleute auf der Mahü über empfindliche Einbußen klagen und sich gegen den Umbauplan positionieren. Eine Studie Vassilakous zeigt hingegen, dass der Verkehr in beiden Bezirken abgenommen hat. Sie stellt sich den Bürgern und lädt zu offenen Diskussionen in Kaffeehäusern. Die grüne Basis schwärmt zu einer Hausbesuchstour aus, auch die Grünen aus Neubau laufen nun für den Umbau. Die grüne Stoßrichtung: mehr Lebensqualität in den Bezirken. Auch die SPÖ plakatiert für die Fuzo. Die Blauen und Schwarzen trommeln währenddessen nicht nur gegen die Verkehrsprobleme, sondern beklagen auch die hohen Kosten für Umbau und Öffentlichkeitsarbeit und kritisieren die mangelnde Demokratie bei der Abstimmung. Denn die ist rechtlich gar keine Abstimmung, sondern eine neu geschaffene „BürgerInnenumfrage“. Ein Trick, sodass auch die EU-Bürger in den beiden Bezirken mitentscheiden dürfen – sie gelten als aufgeschlossenes und grün-affines Publikum. Am 7. März 2014 sind alle Stimmen ausgezählt. Es ist ein knappes Ergebnis. 53,2 Prozent wollen eine Mahü mit Fußgänger- und Begegnungszone. Die Mehrheit will Radfahren in der Fußgängerzone erlauben und Querungen öffnen. F


10

F A L T E R

M a r i a h i l f e r S t r a ss e Mariahilfer Straße heute/ damals

Ecke Neubaugasse/ Mariahilfer Straße: Anfang der 1970er fuhr der 13A noch doppelstöckig – demnächst quert der Bus hier in der Lang-Version

Ein bisschen Neapel für Wien VERKEHRSANALYSE: S i bylle H amann

F

ür jeden, der aus dem Süden zurückkehrt, gehört es seit Generationen zum Standardrepertoire der Urlaubserzählungen: das Staunen über den Verkehr. Unglaublich, das Gewusel, alles durcheinander, Ampeln völlig egal, totales Chaos! Aber, oh Wunder, trotzdem passiert nichts! Wie machen die das bloß? Heute besteht erstmals die Chance, das auf heimischem Boden auszuprobieren. Begegnungszonen nämlich, der neueste Schrei der Verkehrspolitik, folgen demselben Grundprinzip wie der neapolitanische Stadtverkehr: Orientier dich nicht an abstrakten Vorschriften, sondern am anderen. Schau, was um dich herum passiert, und tu, was gerade passt – fahren, stehen bleiben, ausweichen, weitergehen. Rechthaben zählt nicht. Die Mariahilfer Straße ist dafür ein eher

gemütliches Testgelände. Nur ihr oberster Abschnitt ist schon zur echten Begegnungszone umgebaut worden. Ein Herr im Kamelhaarmantel quält sich hier eben ächzend auf die Rückbank eines Taxis; dass der Wagen quer auf der Straße steht, stört niemanden. Ein Installateur öffnet nebenan die Ladefläche seines Kombis, um eine Palette Fliesen auszuladen. Im Hintergrund tönt Baulärm, aber das stört die beiden Kinder nicht, die eben das erste Eis des Jahres schlecken. Ein Skateboarder rollt vorbei, dann der schwere Lkw einer Rohrreinigungsfirma im Schritttempo. Auch der schwarze Ferrari bremst sich ein, bevor er in die Andreasgasse abbiegt. Auf

dem Boden der Zone sind Taxistände und Behindertenparkplätze markiert, außerdem noch andere weiße Striche, deren Bedeutung sich nicht erschließt. Aber egal. Die wichtigste Regel befolgt hier jeder: Schauen. Schauen tut man auf der neuen Mariahilfer Straße ohnehin. Schon aus Neugier. „Der Mensch hat halt die Eigenart, dass er Dinge ablehnt, die er sich nicht vorstellen kann“, sagt Peter Lux. Lux ist der Projektkoordinator des Umbaus und hat, wie alle, auf dieser Baustelle Neuland betreten. Er erklärt das Konzept: Freiraum sollte es geben, Offenheit, „ohne Trennung zwischen dem Bereich, wo du sein darfst und wo du nicht sein darfst.“ Früher waren solche fließende Übergänge normal. Schaut man sich alte Wien-Ansichten an, etwa von der Praterstraße um die Jahrhundertwende, sieht man fliegende Händler, Straßenkinder, Pferdekutschen, Lastenkarren, alles bunt durcheinander. Holzpflöcke markierten die ungefähre Begrenzung der Fahrbahn. Erst später teilte man den Verkehrsteilnehmern fixe, baulich abgetrennte Territorien zu: den Autos die Fahrbahn, den Rädern Radwege, Fußgängern den Gehsteig, der öffentliche Verkehr kam unter die Erde. Ende der 80er-Jahre, als die Verödung der Innenstädte offensichtlich wurde, begann ein Umdenken. Pionier war der holländische Stadtplaner Hans Mondeman. Er ließ Ampeln und Schilder entfernen und brachte alle Verkehrsteilnehmer wieder auf eine gemeinsame Fläche ohne Niveauunterschiede zurück. Seine Philosophie: Weniger Vorschriften geben dem Einzelnen mehr Verantwortung. Mehr Unklarheit führt zu mehr Achtsam-

keit. „Shared Space“ heißt das Konzept im angloamerikanischen Sprachraum (und unterscheidet sich von der Begegnungszone dadurch, dass Fußgänger dort nicht automatisch Vorrang haben). In Holland kommen einige Kleinstädte mittlerweile fast ohne Ampeln aus; auch in Neuseeland und Großbritannien oder in der Schweiz gab es schon viele Umbauten. Erfahrungswerte zeigen: Shared Spaces senken vor allem die Geschwindigkeit, was dazu führt, dass weniger passiert. Für Fußgänger ist es jedoch nicht zwangsläufig angenehmer. Bei weniger als 90 Autos in der Stunde, das ergab eine Studie des „Transport Research Laboratory“, fühlen sich Fußgänger sicher genug, die gesamte Fläche zu benützen; bei mehr als 110 Autos allerdings weichen sie wieder auf jenen Streifen zurück, der einst der Gehsteig war. „Der Shared Space ist ein räumliches

Bild dafür, dass wir alle im Stadtverkehr in verschiedenen Rollen unterwegs sind“, sagt Hanna Posch vom Planungsbüro Plansinn. „Sinnvoll ist das überall dort, wo Straßen vielfältig genutzt werden.“ Geschäftsstraßen eignen sich ideal, Orte mit öffentlicher Funktion wie die Exhibition Road im Londoner Museumsviertel, wo viele Touristen unterwegs sind. Der Sonnenfeldplatz in Graz, ein komplizierter Umsteigeort für den öffentlichen Verkehr. Oder auch die Vorplätze vor Bahnhöfen. Wäre, wie von Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel angeregt, die gesamte Wiener Innenstadt da nicht die ideale nächste Begegnungszone? Sie ließe sich durch die Ringstraße ideal begrenzen; Dichte, Vielfalt und Handel

gäbe es genug. Und am Hohen Markt, wo sich Touristen in großen Trauben auf den schmalen Gehsteigen vor der Ankeruhr drängen, einen hässlichen Parkplatz im Blick, lässt sich täglich illustrieren, wie viel Schaden die fixe Zoneneinteilung auf der Straße anrichtet. Thomas Madreiter, Planungsdirektor im Magistrat, will nicht explizit widersprechen. Doch er empfiehlt, sich von der Fixierung auf die Innenstadt zu lösen und den Blick anderswohin zu richten: in die Außenbezirke. In die alten Ortskerne der Vororte. Nach Floridsdorf etwa, oder in die Donaustadt. „Wo in den Grätzeln halten sich die Menschen gern auf ? Wo treffen sie sich, wo kaufen sie ein? Diese Plätze müssen wir angenehmer gestalten. Es ist wichtig, dass es dezentrale Orte zum Verweilen gibt.“ Er sieht einen großen Trend am Werk: „Das Erfolgsmodell der 50erJahre – das Haus, um das man herumgehen kann, die Silbertanne, das Auto vor der Tür und das Einkaufszentrum – ist nicht mehr cool. Die Menschen wollen nicht mehr aneinander vorbeifahren, sie wollen einander begegnen. Genau das macht doch das urbane Leben aus!“ Planungsdirektor Madreiter kann nicht verbergen, wie sehr ihn das als Stadtplaner freut. Klar ist ihm, dass es bei jedem neuen Projekt Diskussionen geben wird. Klar ist aber auch: Da muss man durch. Aus den Erfahrungen mit der Mariahilfer Straße hat man gelernt, wie schwer es dem Menschen fällt, sich neue Konzepte vorzustellen. Aber auch: dass er sich, als Gewohnheitstier, am Ende an fast alles gewöhnen kann, wenn es erst einmal da ist. F

Fotos: christian wind, bezirk smuseum Neubau

Begegnungszonen, ja! Und nicht nur auf der Mariahilfer Straße, sondern auch im Rest der Stadt


Bezahlte Anzeige

TROTZ MAHÜ UMBAU!

EINFACHE ZUFAHRT

MUsTERN sIE sHOppINgvERgNÜgEN AUF ÜBER 30.000m2!

Gerngross bleibt für Sie weiterhin mit dem Auto einfach und bequem erreichbar, trotz Umbauarbeiten. Sie können von der 2er Linie über das Volkstheater, Breitegasse, Siebensternund Stiftgasse bequem zufahren und im Parkhaus parken. Öffentlich ist Gerngross mit der U3 und dem 13A erreichbar. Die Stationen befinden sich vor dem Haus bzw. gibt es von der U3 einen direkten Zugang, Ausgang Stiftgasse. Lassen Sie sich vom Umbau auf der Mariahilfer Straße nicht stören und genießen Sie ein entspanntes Shopping!

Akakiko, Österreichs führender Anbieter für Sushi und japanische Speisen, ist immer am Puls der Zeit. Brandauer, das urbangemütliche Bierrestaurant, bietet eine Riesenauswahl an österreichischen Schmankerln und SE AS ST R internationalen RIA A L BEL Gerichten. Dank der einzigartigen Dachterrasse haben E SS Sie von früh bis spät RA T S ER RG einen atemberaubenden BE N BE BA Ausblick über Wien.

ST R

G RIN

RG

EUM E

A SS

MU

SP

BREIT

UM

SE

BURGGASSE

TZ LA

E GA

PIS TR AN

GA

L ÜH

B AC HG A

SE

E

SS

E SS

RS

RFE

DO PEN

GUM

ÖFFENTLICHE vERKEHRsANBINDUNg U3, Neubaugasse (Direktzugang zum Kaufhaus) Buslinie 13A (während der Umbauarbeiten befindet sich die Station in der Stiftgasse)

pARKEN sIE sICH EIN:

E SC

ER G AS

M

ND

WI

GA

LD

NGS

GNU BEGE

ZONE

E THEOBA

A SS

MA

RI A

ER-G

HIL F

HOF

SSE CA

F

IAHIL

MAR

TR A ER S

SSE

SSE

SE

E

A SS

TG A

ENGA

ENG

LIND

ST

WEIG

RA

SS

E

H L-SC

HEN

K AR

SE

STIF

KIRCH

NGAS

LINDE

NGAS

SSE

S SE

NEUBAUGASSE

NSTER

SIEBE

SIEBENSTERNGASSE

4

BU

MUS

NEUSTIF TGASSE

Die Gastronomiewelt im 5. Obergeschoß lockt mit kulinarischen Köstlichkeiten.

• 350 Stellplätze • Direkter Zugang von jeder Parkebene zum Kaufhaus • Die Gerngross Garage ist von 0 - 24 Uhr geöffnet Alle Infos zum GRATIS PARKEN finden Sie auf www.gerngross.at

GE

TR

EID

EM

AR

KT

Eine spektakuläre Technikwelt mit allen aktuellen Produkttrends finden Sie bei Saturn auf zwei Etagen.

In der Sportwelt von SportsDirect.com im 3. Obergeschoß finden Hobby-Sportler und Profis alles um fit zu bleiben. ßE

TR A

Männer bekennen Farbe in der Herrenwelt mit über 1000 m2 und Kids präsentieren sich stylish in der Kinderwelt mit über 1500 m2. Fashionistas finden alle aktuellen Trends in der Beauty- und Damenwelt mit über 2500 m2. Feinschmecker kommen im Untergeschoß in der Merkur Genusswelt auf ihre Rechnung. Heimische und internationale Spezialitäten werden hier täglich frisch zubereitet.

5

REsTAURANTs MIT AUsBLICK & TERRAssE

2

DAMENMODE sCHUHE FRIsEUR EU EUR CAFé

0

3

HERREN- & KINDERMODE WOHNEN spIELWARE BÜRO

1

ACCEssOIREs sCHMUCK MODE pARFÜMERIE & KOsMETIK TEE & ZUBEHÖR

-1

FOOD CAFé sERvICE


12

F A L T E R

M a r i a h i l f e r S t r a ss e Bei Parvin Bazavi und Stephan Csiszar im Gschupftn Ferdl gibt’s auch einen Garten (l.). Little France in Neubau: Le Troquet (o.). Herr Figar vor seinem Lokal Figar (u.) und die Mählichs, die das großartige Café Mentone betreiben (r.)

F otos : heribert corn

Prost, Mahülzeit Von wegen Einkaufsstraße: Rund um die Mariahilfer Straße gibt es eine Menge Lokale. Ein Grätzelrundgang GASTROTIPPS: FLORIAN HOLZER

G

ourmetmeile wird die Mariahilfer Straße sicher nicht werden. Genauso wenig, wie sie das zu Stauzeiten war, und genauso wenig, wie das andere Wiener Fußgängerzonen sind – für Gastronomie sind die Geschäftsmieten schlichtweg zu hoch. Aber die Mahü beginnt zu leben. Die Schanigärten der bestehenden Lokale werden von den Randbereichen in die Mitte rücken, Takeaway wird nicht mehr ganz den Stellenwert haben, den es derzeit noch als Folge des Gedränges und Geschiebes hat. In den Seitengassen tut sich’s sowieso. Hier kann man was erleben.

2  Michele’s

5  Zum Gschupftn Ferdl

8  Figar

Nach dem Abgang der Bar Italia ist das Mahü-Urgestein die beste Adresse für Tramezzini und Pizza-Snack.

Seit vorigem Jahr eine Art Neu-Interpretation eines Stadtheurigen mit Bioprodukten. Schöner Hofgarten.

Man sitzt hübsch bei Herrn Figar, vor allem am Fassadenfenster, der Kaffee ist gut und das Frühstück ist eines der besten der Stadt.

1  Lutz

6., Capistrang. 8, Tel. 01/586 13 17, Mo–Sa 8–24, So, Fei 10–23 Uhr

6., Mariahilfer Str. 3, Mo–Do 8–2, Fr 8–4, Sa 9–4, So 10–2 Uhr, www.lutz-bar.at

Die Lutz-Bar hat etwas Schnösel-Appeal, dafür aber die Location im ersten Stock und eine zeitgemäße Karte.

6., Mariahilfer Str. 17, Tel. 01/581 28 09, Mo–Fr 8–24, Sa 8–20 Uhr

3  Hase und Igel

6., Theobaldg. 16, Mo–Fr 11–20, Sa 11–18 Uhr, www.haseundigel.at

Wenn einem nach Bio und Vegetarischem zumute ist, lohnt sich der Abstecher in die Theobaldgasse.

4  Café Kafka

Hamid Ajoudan machte 2002 aus dem Café Fuchs das Café Kafka. Einer der sehr angenehmen Plätze.

. Ü H A I� �M

6., Windmühlg. 20, Tel. 01/966 30 66, tägl. 9–24 Uhr, www.zumgschupftnferdl.at

6  Wein & Co Bar

9  Mentone

Diese Filiale haben die Architekten Henke/Schreieck gebaut, die Terrasse kann was, Christian Petz machte das Küchenkonzept.

Wunderschönes 50er-Jahre-Lokal mit riesigem Spiegel, rotem Kunstleder und Markise. Für Frankophile!

7., Mariahilfer Str. 36, Mo–Sa 10–2, So 15–24 Uhr, www.weinco.at

7  Le Troquet

17., Kircheng. 18, Mo–Sa 11–2.30, So 17–2.30 Uhr, www.letroquet.at

Das Le Troquet ist das französischste aller Wiener Beisln, die Quiches sind super, spontane Musikeinlagen.

R WIEN. Ü F T Ä IT L A U EHR LEBENSQ

M

7., Kircheng. 18, Mo–Do 8–24, Fr 8–2, Sa 9–2, So 9–22 Uhr, www.figar.net

7., Kircheng. 7, Tel. 01/523 53 82, Mo–Sa 7–19 Uhr

10  Shamrock/Dogstar

7., Kircheng. 3, Tel. 01/523 12 04, So–Fr 16–2, Sa 13– 2/Dogstar tägl. 18–2 Uhr, www. shamrock-vienna.at

Vor kurzem installierte man ein Lokal im Lokal, bei dem es ums „flüssige Brot“ geht: Craft Beers!


M a r i a h i l f e r S t r a ss e

13

11  Sapa

18  Keke’s

Es gibt Kaffee, Aufstrichbrote, Beinschinkensemmerln, alles bio.

26  Freiraum

Das vietnamesische Mittagsbuffet ist beliebt, à la carte isst man aber besser. Lässiger Schanigarten.

Kleine, geschmackvolle Mischung aus Cocktailbar und afrikanisch-kreolischem Restaurant.

25  Kantine m101

Restaurant, Grill, Bar, Café, Frühstück, selbst gerösteter Kaffee etc.

7., Lindeng. 35, Tel. 01/526 56 26, Mo–Sa 11–2, So 10–2 Uhr, www.sapa.at

12  Europa

7., Zollerg. 8, Tel. 01/526 33 83, tägl. 9–5 Uhr, www.europa-lager.at

Das Europa hat sich in den vergangenen 20 Jahren kaum verändert. Heterogenes Publikum, günstiges Essen, Klassiker.

13  Liebling

7., Zollerg. 6., Tel. 01/990 58 77, tägl. 9–2 Uhr

Shabby Sitzen vor abgeschabten Wänden, bezaubernder Schanigarten (neuerdings verkehrsberuhigt), nette Salate, Snacks und Drinks. Man fühlt sich wie in Berlin.

14  Cornwall Pasty Pirates

Zollerg. 2, Tel. 01/19 69 36 77, Mo–Sa 10–19.30, So 10–16 Uhr, www.pastypirates.at

Eine der erfreulichen Snack-Innovationen des Vorjahres: große, heiße, sehr gute gefüllte Teigtaschen.

15  Winetime

7., Zollerg. 5, Mo–Fr 16–24, Sa 17–24 Uhr

Eine der besten und entspanntesten Weinbars der Stadt. Tolle Weine, feine Snacks, gute Musik, viel Rauch.

16  Kaffemik

7., Zollerg. 5, Mo–Fr 8–18, Sa 10–18 Uhr, www.kaffemik.at

Viel puristischer als im Kaffemik kann man Kaffee nicht trinken: Hausröstung und monatlicher Gast-Röster. Plus: Es gibt „Flat White“ (Milchkaffee) wie in Australien. g r a f i k : ARG E KAR T O

FALTER

6., Amerlingstr. 15, Mo–Sa ab 17 Uhr, www.kekes.at

19  Café Ritter

6., Mariahilfer Str. 73, Tel. 01/587 82 38, Mo–Fr 7.30–22, Sa 8.30–22, So 9–21 Uhr, www.caferitter.at

Eines der lässigsten und entspanntesten und damit authentischsten Cafés der Stadt. Hoffentlich bald mit größerem Gastgarten!

20  Zum kaiserlichen Thron

7., Andreasg. 7, Tel. 01/526 44 12, Di–So 11.30–14.30, 18–23 Uhr, www.zumkaiserlichenthron.at

Etwas versteckt im Hofmobiliendepot / Möbelmuseum, Top-Sichuan-Küche. Nicht die Menüs, sondern lieber à la carte essen!

Eines der letzten Beisln an der Mahü. Beziehungsweise im Durchhaus. Günstige Menüs, gute Küche, traumhafter Garten, Pilsner vom Fass.

27  Freiraum Deli

6., Mariahilfer Str. 117, Tel. 01/596 96 00, Mo–Sa 8–22 Uhr, www.freiraum-deli.at

Sehr gute Sandwiches, Salate und Kuchen, im Sommer auch selbstgemachtes Eis. Und hoffentlich Garten! F

Erfolgsgeschichte BahnhofCity Wien West

21  Beim Novak

7., Richterg. 12, Tel. 01/523 32 44, Mo–Sa 11.30–14.30, ab 18 Uhr, www.beimnovak.at

Wenn man die Gutbürgerlichkeit hinter sich lässt, kann man hier wirklich sehr gut mediterran essen.

22  Trzsniewski

6., Mariahilfer Str. 95, Mo–Fr 8.30–19, Sa 9–18 Uhr, www.speckmitei.at

Mayonnaisebrot mit Kultstatus. Muss hin und wieder sein.

23  Pho Cho Lon

Foto: ÖBB/Robert Deopito

7., Zieglerg. 6, Tel. 01/956 93 05, Mo–Sa 11–22 Uhr, www.pho-cho-lon.at

Okay, hübsch ist es nicht, aber dafür hat es einen Lavastein-Grill. Alles recht frisch und gut hier.

17  Chimbiss

24  Gretel

Kleines, feines Tageslokal, das seinen alpinen Stil aufgab: Sieht gut aus, kocht sehr gut. Bester BLT-Sandwich Wiens.

Die Gretel ist die junge Take-awayFiliale des Figar (siehe Nummero 8):

6., Nelkeng. 1, Mo–Fr 11–16 Uhr, www.chimbiss.at

6., Mariahilfer Str. 101, Tel. 01/596 51 73, Mo–Fr 8–1, Sa 10–22 Uhr, www.kantine.at

6., Mariahilfer Str. 117, Tel. 01/596 96 00, So–Do 8–2, Fr, Sa 8–4 Uhr, www.freiraum117.at

7., Mariahilfer Str. 92, Tel. 0699/10 66 69 51, Mo–Fr 8–19, Sa 9–18, So 9–15 Uhr, www.facebook.com/zur.gretel

D

ie BahnhofCity Wien West ist die Nummer 1 auf der MaHü! Durch die zentrale Lage des Westbahnhofs direkt an der Mariahilfer Straße ist die BahnhofCity rasch und unkompliziert zu erreichen. Fahrgäste und Bahnhofsbesucher können hier nicht nur einen völlig modernisierten Bahnhof nutzen, sondern auch in 90 Shops ein außergewöhnliches

OEBB_105x135_RAF.indd 1

Einkaufserlebnis – von der Gastronomie bis zu Textilgeschäften – bis 21 Uhr genießen. Kommen Sie auf einen Besuch vorbei, genießen Sie die angenehme Atmosphäre und nutzen Sie die vielen Serviceangebote in der BahnhofCity Wien West.

13.03.2015 15:29:04 Uhr


14

F A L T E R

M a r i a h i l f e r S t r a ss e Mariahilfer Straße geplant/ heute

Rendering (links) und Wirklichkeit: Wie sich die Planer die neue Begegnungszone vorstellen und wie es dort momentan noch aussieht

Darf man bei Rot gehen, Herr Raab? Ampeln, Fuzo, Bezo, was darf man und was soll man? Der Jurist und Verkehrsplaner Markus Raab klärt auf CHRISTOPHER WURMDOBLER

V

erkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten. Dafür ist die Magistratsabteilung 46 verantwortlich, der seit vergangenen Sommer Markus Raab, 39, vorsteht. Eine Behörde von vielen, ein Behördenhaus beim Meidlinger Markt, Street-Photography auf dem Flur im dritten Stock. Zu sehen: Radfahrer, Fußgängerinnen und ein bisschen Autoverkehr. Begegnungs- und Fußgängerzone, Bezo und Fuzo: Der Jurist erklärt, worum es bei der Umgestaltung der Mariahilfer Straße in Sachen Verkehrsorganisation geht.

Falter: Herr Raab, wie neu ist das für Ihre Abteilung Verkehrsorganisation, dass auch Fußgänger und Radfahrende mitgedacht werden? Markus Raab: Die Abteilung Verkehrsorganisation berücksichtigt die Erfordernisse aller Verkehrsteilnehmerinnen. Und, nein, das ist nicht neu, sonst gäbe es beispielsweise innerstädtisch keine Fußgängerzonen.

Die Fuzo Kärntner Straße ist ein Projekt der frühen 1970er-Jahre ... Raab: ... bei dem sich damals niemand vorstellen konnte, dass es möglich ist, den motorisierten Verkehr zu verbannen. Jetzt kann man sich nicht mehr vorstellen, dass dort Autos durchfahren. Bei der Mariahilfer Straße wird es in kurzer Zeit ebenso sein. Gibt es in der Mahü-Begegnungszone noch zu viele Schilder? Raab: Das Konzept von Shared Space hat zwei Merkmale – die Zurverfügungstellung von Flächen gleichberechtigt für alle Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer und der Ver-

such, mit so wenig Verkehrszeichen wie möglich das Auslangen zu finden. Wenn man sich die Mariahilfer Straße vor Augen führt, dann gibt es am Beginn und am Ende der Begegnungszone Verkehrszeichen, die klarerweise darauf hinweisen. Dazwischen gibt es aber recht wenig Verkehrszeichen; sehr viel weniger als zuvor. Musste man den Leuten Anfangs mehr erklären? Raab: Da sind mehr Bodenmarkierungen zum Einsatz gekommen, ja. Markus Raab: „In der Begegnungszone ist es verboten, den Fahrzeugverkehr mutwillig zu behindern“

Mit der Umgestaltung der Mariahilfer Straße wird das Ganze nun auch optisch wahrnehmbarer: Motorisierte Verkehrsteilnehmer verirren sich nicht mehr auf Flächen, die nicht für sie bestimmt sind. Die Begegnungszone betrifft nicht nur die Mahü, sondern wurde auch auf Seitengassen ausgeweitet. Was steckt hinter diesem Konzept? Raab: Das ist aber auch bei Fußgängerzonen innerstädtisch oft der Fall, dass noch ein Stückerl ums Eck gegangen wird, um die Aufenthaltsqualität für Fußgänger noch ein Stück ums Eck zu bringen und damit der motorisierte Verkehr nicht nahtlos an die Begegnungszone anschließt. Was auffällt: Abgestellte Pkws auf Behindertenparkplätzen in der Bezo – konnte man den Betroffenen keine Parkplätze ums Eck anbieten?

Raab: Aber es gibt auch Ladezonen,

wieso hätte man da Behindertenzonen rausverlegen sollen? Unter gewissen Umständen haben Behinderte laut StVO Anspruch auf solche Abstellplätze – natürlich auch im Nahbereich der jeweiligen Wohn- oder Arbeitsstätte. Uns war es wichtig, die Bedürfnisse dieser Personengruppen zu berücksichtigen. Ampelanlagen, an die sich kein Fußgänger hält, zum Beispiel bei der Neubaugasse – existieren die aus juristischen Gründen? Raab: Ampeln haben in Wien immer den Grund, dass sie der Verkehrssicherheit dienen. In diesem neuralgischen Bereich soll der Verkehr ganz bewusst entflochten werden: Wenn ein Bus kommt. Und wenn kein Bus kommt und ich da bei Rot gehe, kann die Polizei mich abstrafen? Raab: So ist das bei Ampeln. Aber Ampeln werden ja nicht geschaffen, um nachher zu strafen, sondern um den Verkehr zu ordnen. Das ist der Zweck, den wir verfolgen. In dem Fall: Fußgänger auf einem Schutzweg schützen. Sind Autofahrer denen gegenüber rücksichtslos in Wien? Raab: Wir versuchen immer, motorisierte Verkehrsteilnehmer zu sensibilisieren, dass sie auf ungeschützte Verkehrsteilnehmer achtgeben. Wie macht man so was? Raab: Mit Verkehrssicherheitskampagnen. Zum anderen versuchen wir, bauliche Maßnahmen zu schaffen; insbesondere zur Verbesserung von Sichtbeziehungen. Zum Beispiel bei Schutzwegen, wo im Nahbereich Mistkübel

den klaren Blick auf Fußgängerinnen verstellt haben. Auf solche Situationen wollen wir draufkommen und sie bereinigen. Damit klare Sichtbeziehungen bestehen. 2015 ist in Wien das „Jahr des ZuFuß-Gehens“. Wie macht man die Stadt attraktiver dafür? Raab: Ein Aufgabe ist, kurze Wege zu schaffen. Oder bei den Ampeln ausreichende Grün-Zeiten für Fußgängerinnen und Fußgänger. Und für den Radverkehr? Raab: Der sollte mitunter von Fußgängern losgelöste etwas längere GrünZeiten und eigene Ampeln haben. Weil Radler schneller über die Kreuzung sind. Kann man sagen, dass die bereits fertiggestellten Bereiche der Mahü verkehrstechnisch funktionieren? Raab: Wir evaluieren erst, wenn der Umbau komplett fertig ist. Aber es gibt sehr wohl laufend Beobachtungen, wie die Akzeptanz der jeweiligen Flächen ist und wir stellen fest: Auch die Fußgängerinnen und Fußgänger trauen sich jetzt auf den Fahrbahnteil der Mariahilfer Straße. Das war vor dem Umbau noch nicht der Fall. Darf ich als Fußgänger ganz provokant langsam vor einem Auto herschlendern? Raab: In der Begegnungszone ist es verboten, den Fahrzeugverkehr mutwillig zu behindern. Also lieber nicht vorm 13A flanieren? Raab: Man darf nicht demonstrativ langsam vor dem Bus herspazieren. Erwartet wird, dass jeder aufmerksam ist und auf den anderen Rücksicht nimmt. F

F o t o s : S t a d t W i e n / b + b o r s o . p i t r o , c h r i s t i a n w i n d , PID 7 S c h a u b - W a l z e r

INTERVIEW:


GESCHIRR NIESSNER

IHR FACHGESCHÄFT SEIT 1852 RIEDEL Glas, Englisches Porzellan, Scanpan, Arzberg-Porzellan, WMF, KELOMAT-SERVICE RIESS-Email und alles für die Küche

7., Kirchengasse 9a, Tel.: 523 36 73 geschirr.niessner@aon.at, www.geschirr-niessner.at www.geschirr-wien.at, www.porzellan-wien.at

NIESSNER_105x63.indd 1

12.03.2015 13:39:27 Uhr

ie. Jetzt! und lauf mit! bekleidungsindustr Setz ein Zeichen gungen in der Sport din sbe on kti du Für faire Pro

E WIEN IAHILFER STRASS essrun.at

| MAR DO, 18. JUNI 2015

www.fairn

GET INSPIRED...@ 1070 Wien, Neubaugasse 33 Europas bestes Lichtdesign … ...finden Sie auch in Mariahilf! S

eit über 30 jahren bietet das Lichtstudio in der Hofmühlgasse 17 auf 200m2 Schauraum die beste Auswahl der „aktuellen“ Designleuchten und alle „Klassiker“! Von A rtemide bis Z umtobel finden sie über 50 Lichtmarken bei uns!

... von einem ausgewählten Sortiment an Kiddy Toys & Kiddy Fashion von 0 bis 10 Jahren.

Beratung, Planung, Lieferung und Montage zu besten Preisen! Testen Sie uns!

www.dasbestelicht.at - Lichtstudio Schweiger Hofmühlgasse 17, 1060 Wien Tel. 01/597 84 38 ichwill@dasbestelicht.at Mo-Fr 9.30 – 18.30 Sa 9.30 – 14.00

KIDS CONCEPT STORE im Herzen des 7ten

FLOS Tatou ab t 289,-

SCWEIGER_105x63.indd 1

Öffnungszeiten: Mo-Fr 09:30-18:30, Sa 10:00-18:00

www.lalekula.at www.facebook.com/LaLeKuLa

12.03.2015 13:51:14 Uhr

Mitten im Geschehen die Ruhe genießen

Das Hoflokal in der Mariahilfer Straße 101. GELATERIA . CAFFE . BAR . SNACKS

Mariahilferstrasse 22, Mariahilferstrasse 66, Mariahilferstrasse 94 Mariahilferstrasse 96-98 (im Kaufhaus C&A) Thaliastrasse 71

www.bortolotti.at Mariahilfer Strasse 101, A-1060 Wien,Tel.:+43-1-596 51 73, info@kantine.at,www.kantine.at

Kantine M_105x63.indd 1

13.03.2015 12:43:53 Uhr


16

F A L T E R

M a r i a h i l f e r S t r a ss e Der Flaneur ist zum Marketing-Etikett geworden: Die neuen Möbel auf der Mahü sollen konsumfreie Zonen sein; ein Park wird die Einkaufsstraße aber trotzdem nicht

Felsen in der Branding-Brandung knapper. Deswegen haben wir es als unsere Aufgabe gesehen, hier Inseln zu schaffen.“ Also haben die Architektinnen die Möbel bewusst quer zur Laufrichtung gestellt. „Früher standen die Bänke in der Mahü parallel zum Gehweg, und man hatte immer Angst, jemandem über die Füße zu fallen“, sagt Pitro. „Es war einfach eine recht stressige Straße. Wir wollten da Ruhe hineinbringen.“

STILKRITIK: M a ik N o v o tn y

D

as Hirn kennt keinen Frost: An einem winterlich kalten Abend spielen zwei Burschen mitten auf der Straße konzentriert das Brettspiel Go. Die elektronische Version, auf einem der in steinerne Tische eingelassenen Displays. Der Tisch gehört zu jenen Straßenmöbeln, die seit der Neugestaltung die Mariahilfer Straße bevölkern. Der Plan scheint aufgegangen zu sein: Wo nach Ladenschluss früher nur vereinzelt Passanten eilig von Mariahilf nach Neubau querten oder gen Bahnhof rollkofferten, ist ein Eigenleben entstanden. Es kristallisiert sich um die Stadtmöbel, die nach dem Entwurf der Landschaftsplaner Bureau B+B aus den begegnungszonenerfahrenen Niederlanden und den Wiener Architektinnen Franziska Orso und Ulrike Pitro vom Büro orso.pitro entlang der Fußgänger- und Begegnungszone verteilt wurden: So einfach wie robust, mit granitener Basis und hölzernen Lattenrosten, in Kombinationen als Sitzbank, Liegefläche, quasi-chaiselonguesker Lehnfläche, Wasserbecken und erhöhte Pflanztröge. Genau genommen sind es vier Wassertische, fünf Lounges, 24 „Baumgärten“, 82 Sitzgelegenheiten und 111 Lampen, die die neue FuzoBezo mit Freiluftkomfort ausstatten. Die Grundidee: robuste Inseln zu schaffen im Strom des Konsums zwischen MQ und Westbahnhof. „Der Druck auf den öffentlichen Raum heute ist enorm“, sagt Architektin Ulrike Pitro. „Die Schanigärten wachsen, die Geschäftsinteressen manifestieren sich. Der verfügbare Platz wird immer

Eine Lösung also, die dem übernutzten Raum

„Der Druck auf den öffentlichen Raum ist heute enorm“, sagt Architektin Ulrike Pitro (hier mit Kollegin Franziska Orso)

widerstehen soll. Dementsprechend robust sind die Möbel geformt: Die Basis aus solidem Granitstein, die Lattenroste aus – zertifiziertem und pflegeleichtem – Tropenholz. „Die Möbel müssen robust sein, weil die Mariahilfer eine sehr intensiv genutzte Straße ist, in einem Park würden die Sitzmöbel natürlich anders aussehen“, sagt Ulrike Pitro. Mit der natürlichen graubraunen Einfachheit der Materialien wollte man auch einen Gegenpunkt zum visuellen Durcheinander der Auslagen und Schanigärten schaffen, diese seien schließlich schon bunt genug. Das granitsolide Insistieren auf die Konsumfreiheit ist keine hohle Phrase. Denn auch wenn in den absurd ausufernden Debatten pro und contra Mahü immer wieder das Buzzword „flanieren“ ins Spiel gebracht wurde: Zwischen MQ und Westbahnhof geht es in erster Linie ums Shoppen. Das wird sich wohl auch nach der Umgestaltung nicht ändern. Denn „Flanieren“ ist ein gefährliches Wort. Ein kleiner Exkurs: „Für den vollkommenen Flaneur, für den passionierten Beobachter ist es ein ungeheurer Genuss, in der Menge zu hausen, im Wogenden, in

der Bewegung. Die Menge ist seine Domäne. Seine Leidenschaft und sein Beruf ist, sich mit der Menge zu vermählen.“ So beschrieb der Dichter Charles Baudelaire im Jahr 1863 in einem Artikel für den Pariser Figaro das Profil des Großstadtwanderers im heraufdämmernden Zeitalter der Massen und prägte damit den Begriff des Flaneurs. Dazugehören und doch nicht dazugehören, draußen sein und doch zu Hause sein. Mit allen Sinnen teilnehmen an allem, was im urbanen Gewusel passiert. Seitdem ist der Flaneur zum MarketingEtikett geworden. Ob Shoppingmalls, Straßenfeste, Märkte, Promenaden – alles „lädt zum Flanieren ein“. Oft nicht mehr als ein verbales Feigenblatt für das maximierte Abgreifen von Konsumgütern. Ob Baudelaire das sackerlbepackte Sichentlangwälzen an Adventsamstagen auch als „flanieren“ bezeichnet hätte, darf man bezweifeln. An Masse mangelt es zwar nicht, am genussvollen Beobachten schon eher. So weit, so gut, aber sind die Granitinseln nicht zu grau, zu steinern? Nein, denn eine Straße, mag sie auch so breit sein wie die Mariahilfer, ist weder Platz noch Park. Für Grünflächen ist kein Raum und sie würden den Strom der wälzenden Masse nicht lange überstehen. Bleibt also die Möglichkeit, dem Stromlinien-Konsum zumindest ein paar Steine in den Weg zu legen, die dem Verwahrlosungsradius um die Schnellrestaurants, der adventlichen Punschhüttenhölle und dem allgegenwärtigen Freiluftgemampfe standhalten können. Insofern sind die robusten konsumfreien Bollwerke von B+B und orso.pitro eine kluge Idee.

Fotos: christian wind

Shoppst du noch oder flanierst du schon? Die Möblierung soll ruhige Inseln auf der lebhaften Mahü schaffen


M a r i a h i l f e r S t r a ss e    Nachdem sich Möbel, Straßenbelag und Beleuchtung zwischen Kirchengasse und Kaiserstraße schon ein paar Monate in der Realität bewährt haben, vervollständigt nun die Begegnungszone zwischen Kirchengasse und Getreidemarkt die neue Mahü. Die Fahrbahn wird dabei – auch aus Gründen der Sparsamkeit – mit Betonpflaster belegt. Die Möbel werden die gleichen sein. „Es wurde lange diskutiert, ob Fuzo und Bezo sich stärker unterscheiden sollen, damit man sofort merkt, wo man ist“, erzählt Ulrike Pitro. „Wir haben uns aber dagegen entschieden. Die Leute sind ja intelligent genug zu merken, wo sie sind. Wichtiger war uns, die Straße als Ganzes, als Einheit zu belassen.“

Foto: Architekten Tillner & Willinger ZT GmbH

Die in der Anfangs-Mahü-Hysterie mehrfach

gehörten Bedenken, ein durch die Begegnungszone fahrender 13A-Bus würde für Gemetzel sorgen und niedliche, sich in der geschützten Fuzo wähnende Hunderl reihenweise zermalmen, haben sich ohnehin gelegt. Wie internationale Beispiele zeigen, funktioniert die Kombination aus öffentlichem Verkehrsmittel und Flanieren recht unblutrünstig: Die Haupt-Einkaufsstraßen in französischen Städten wie Straßburg und Nizza werden von brandneuen, leisen und schnellen Straßenbahnen durchsaust, ohne dass es zu Todesfällen kommt, und auch in Graz teilt man sich einträchtig die Herrengasse. Und die Burschen an den „Go“-Spieltischen würden sich auch von hupenden Bussen auf dem Betonpflaster neben ihnen nicht aus der Ruhe bringen lassen. F

FALTER

17

Urbane Gemütlichkeit: Straßenmöbel sind mehr als in Serie produzierte Bänke. Aktuelle und künftige Sitz- und Liege-Highlights

Hängende Terrassen über dem Wienfluss: Das Projekt wird gerade gebaut ::  Sie sind die Erben von Enzi und Enzo: Mit dem

Erfolg der Multifunktionsmöbel im MQ begann eine neue Denkweise in der Wiener Stadtgestaltung. Man erkannte, dass man im öffentlichen Raum viel mehr machen konnte, als nach Gusto verteilte Standardbankerln aufzustellen. Wie international vor allem in Spanien und den Niederlanden schon länger üblich, werden heute mehr Wettbewerbe für die Gestaltung von Sitzmöbeln und Sitzlandschaften ausgelobt – und der Expertise und den ­Ideen von Landschaftsplanern und Architekten Raum geboten. Eines der ersten größeren Projekte nach der Mahü-Möblierung werden die WientalTerrassen sein: Die Architekten Silja Tillner und Alfred Willinger entwarfen dafür vier Terrassen, die die U4 an der Rechten Wienzeile zwischen Margaretengürtel und Pilgramgasse überbrücken, als gefaltete Holzdecks zum Sitzen und Liegen, begrünt mit

Facelifting für bislang vernachlässigte ÖffiFlächen: der Südtiroler Platz beim Hauptbahnhof und die Meidlinger Hauptstraße

Gräsern und Schilf. So soll nicht nur die Engstelle des stark befahrenen Fuß- und Radwegs aufgeweitet werden, sondern auch den dicht bebauten Bezirken 5 und 6 dringend benötigte Erholungsflächen geboten werden. Seit November wird hier gebaut. Am zweiten innerstädtischen Gewässer, dem Donaukanal, ist man schon weiter: Hier wurde ein Masterplan für die Nutzung des begehrten Raums entwickelt. Für die Gestaltung der Sitzmöbel befragte die Stadt Passanten, Sportler, Kinder und Hundebesitzer nach ihren Wünschen. Das Resultat des 2010 ausgelobten Gestaltungswettbewerbs sind extrabreite und extralange Sonnenliegen aus Holzlatten, entworfen vom Designtrio Numen/For Use, das schon 2007 bei der Uferpromenade im kroatischen Split Outdoor-Möbel-Wissen gezeigt hatte. Zwei vernachlässigte Stadträume werden demnächst ihre Draußensitzmöglichkeit bekommen: Der Südtiroler Platz gegenüber dem Hauptbahnhof, bisher eine heruntergekommene Restfläche, wird von den Büros zwoPK und Michael Sailsdorfer umgestaltet. Hier entstehen vier grüne Inseln, gesessen und gelegen wird auf Bänken und schiefen Ebenen in der Inselmitte. Und seit Ende 2014 hat auch die graue Meidlinger Hauptstraße ein buntes Facelifting bekommen, die Bankerln gruppieren sich hier um neue Wasserflächen und Brunnen. F

SAGEN SIE JA UND MACHEN SIE MIT

KRAFT TEST

2015 UNTERARM SCHULTER RÜCKEN

Wir suchen für unsere Studios Personen für den Krafttest 2015. Trainieren Sie 3 Monate für 49 Euro und kommen Sie Ihrem persönlichen Trainingsziel in den Bereichen Sportvorbereitung, Starker Rücken, Lebensqualität oder Fit-für-den-Job näher. Werden Sie einer von 4 Kieser Training-Botschaftern und teilen Sie Ihre Erfahrungen auf unserer Website. Dafür erhalten Sie eine GoPro Hero Kamera als Geschenk! Bewerben Sie sich jetzt bis zum 31. März unter kieser-training.at/krafttest Kieser Training 1020 Wien | Praterstern 3 | Tel. (01) 214 80 80 1070 Wien | Neustiftgasse 73-75 | Tel. (01) 523 78 78 1090 Wien | Julius-Tandler-Platz 3 | Tel. (01) 319 77 70


18

M a r i a h i l f e r S t r a ss e

F A L T E R

„Warum wird da plötzlich gebaut?“ In Kurzdokus lässt der Filmemacher Maximilian Brustbauer die Menschen auf der Mahü zu Wort kommen BEGEGNUNG: MARTINA POWELL

V

Gesicht? Wer flaniert gemütlich? Wer ist schnell unterwegs? Brustbauer, 28, ist kein Marktforscher, Politiker oder Spendenkeiler. Er dreht Dokumentarfilme über Wien. „Querstadt im Detail – Mahü“ heißt sein aktuelles Projekt, das von der Stadt Wien in Auftrag gegeben wurde. In acht Kurzfilmen will der

Niederösterreicher ein Stimmungsbild von den Menschen auf der zuletzt hart umkämpften Einkaufsstraße zeichnen. Drei Episoden der Reihe gibt es bereits online zu sehen. Und weil er nicht der Einzige ist, der auf der Mahü Passanten anspricht, beobachtet Brustbauer sie vorher ganz genau:

„Denn nur die langsameren und aufmerksamen lassen sich auf ein Gespräch ein.“ In jeder Episode stellt der Filmemacher eine andere Frage: Was halten Sie vom Umbau? Was halten Sie von den ersten sichtbaren Ergebnissen? Wie schätzen Sie die Kosten für die neue Fußgängerzone ein?

uhe h c S n e t Die bes für Frauen

SCHUHE FRAUEN für

Kirchengasse 28 • 1070 Wien www.schuhefuerfrauen.at

Anzeigenseite_215x135.indd 1

RUHE IST DIE QUELLE JEDER GROSSEN KRAFT

www.chico.at | Siebesterngasse 54 | 1070 Wien

www.towertrash.at

or ein paar Monaten sei ihm die Mahü noch ziemlich wurscht gewesen. Eine Straße mit wenig Flair, auf der er zur Arbeit radelte – aber nur, weil es der kürzeste Weg war. Wenn Maximilian Brustbauer heute auf der Mariahilfer Straße unterwegs ist, lässt er sich Zeit und sieht genau hin: Wer schaut ihm ins

13.03.2015 10:21:04 Uhr


NICE TO MIET YOU

„Mein Material sind die Menschen auf der Mahü, die frei von der Leber weg erzählen“: Filmemacher Maximilian Brustbauer bei der Arbeit. Er interviewt mit seinem Team Freunde und auch Kritiker des Projekts

Ob Großeinkauf, Umzug oder der Sonntagsausflug: 6 unterschiedliche Auto-Typen passen zu jeder Gelegenheit und warten an fixen Standorten. Treibstoff, Versicherungen und 80 Kilometer sind in den Tarifen inkludiert.

Jetzt bis zu

5 STUNDEN GRATIS fahren

Deine Zipcard oder deine Zipcar-App ist der Schlüssel zu 10.000 Autos auf der ganzen Welt: Schnapp dir deinen Stadtflitzer für den nächsten Shoppingtrip, belade den Transporter mit deinem Billy-Regal oder nütze einen Kombi für ein sonniges Picknick am Kahlenberg. Dein Zipcar ist da wenn du es brauchst.

Seit Beginn der Umbauarbeiten im Mai 2014 ist Maximilian Brustbauer mit seinem Kamerateam auf der Mahü unterwegs und hält Bauarbeitern, Passanten, Anrainern, Bezirksvorstehern oder Apothekerinnen das Mikro unter die Nase und die Kamera vors Gesicht. Die Menschen auf der Mahü sollen in eine Art Dialog treten, erklärt der Filmer die Idee hinter der Querstadt-Kurzfilmreihe. Deshalb lässt er die Antworten seiner Interviewpartner in den knapp acht Minuten langen Dokus unkommentiert aufeinander folgen. Seine eigene Meinung zur neuen Fußgängerzone, die übrigens eine positive ist, hält Brustbauer dabei bewusst zurück: „Mein Material sind die Menschen auf der Mahü, die frei von der Leber weg erzählen. Je unterschiedlicher die Meinungen, desto besser. Ich bin der neutrale Beobachter.“

Fotos: Thomas Loacker, quer stadt

Besonders zu Beginn des Umbaus muss-

te sich Brustbauer einiges an Kritik anhören: Die Trafikantin, die über Baustellen schimpft; der Passant, der an der korrekten Planung des Projekts zweifelt; oder der Hutmacher, der sich nur eines wünscht: dass die Medien aufhören, ständig über die Mahü zu berichten. „Manche Interviews musste ich abbrechen – wegen Fremdenfeindlichkeit, Politikerba­shing oder weil Bauarbeiter beschimpft wurden“, erzählt Brustbauer. „Gegenstimmen und Kritik sind sehr wohl erwünscht, aber nicht auf einem beleidigenden Niveau.“ Bei den Gesprächen kamen aber auch ganz private Erinnerungen zum Vorschein. Erste Kindheitserlebnisse zum Beispiel, als noch die Straßenbahn auf der Mariahilfer Straße unterwegs war. Oder harmlose Kritik, etwa dass der Mistkübel ausgeleert

gehört. Überraschend: Nicht alle haben eine Meinung zur neuen FuZo, erzählt Brustbauer. „Kurz nach Baubeginn meinte eine junge Frau, sie kenne sich gar nicht aus. Warum wird da plötzlich gebaut? Ich fand das eigentlich reizend, wie sie da neben der Welt läuft.“ Trotz aller Kritik vermitteln die kleinen

Dokumentarfilme ein positives Bild von der neuen Fußgänger- und Begegnungszone, das weiß auch Brustbauer. „Mittlerweile fällt es mir einfach schwer, negative Stimmen zu bekommen“, sagt er. „Vielleicht gibt es sie nicht, vielleicht frage ich die Falschen. Oder die Kritiker wollen keine Interviews geben.“ Seine Erklärung für die zunehmend positive Stimmung auf der Straße? Genauso banal wie wienerisch, vermutet Brustbauer: „Je sichtbarer die Fußgängerzone und je besser das Wetter, desto weniger wird auf der Straße gesudert.“ Bis Ende Juni 2015 werden vier weitere Episoden gedreht. Der Fokus dabei bleibt auf die gewöhnlichen Menschen der Mahü gerichtet. Geplant sind zusätzlich Spaziergänge mit Architekten, Stadtplanern und Geschäftsleuten. Privat geht Brustbauer übrigens nur noch selten auf der Mariahilfer Straße spazieren. Denn er werde oft von Arbeitern und Unternehmern als „der Typ mit der Kamera“ erkannt und in ein Gespräch verwickelt: „Am Anfang war das ja noch lustig und aufregend, aber das war schnell vorbei.“ Jetzt kommt Brustbauer nur noch zum Filmen auf die Mahü – und radelt über die Lindengasse in die Arbeit. Da kommt man nämlich schneller voran. F Unter www.querstadt.net kann man die bereits fertigen Mahü-Dokus ansehen

Für Falter-Leser gibt’s ein besonderes Zuckerl: Jetzt auf

zipcar.at/falter

um nur 20 € (statt 60 €) anmelden und mit 30 € Fahrguthaben abfahren. Diese Aktion ist nicht an den Erwerb des FALTER gebunden.

jetzt einsteigen

zipcar.at/falter


F A L T E R

M a r i a h i l f e r S t r a ss e

Ausweitung der Flanierzone

I

Mariahilfer Straße schön und gut – aber auch auf den Konsumstrecken rechts und links in den Seitengassen tut sich momentan einiges GESCHÄFTSBERICHT: NATHALIE GROSSCHÄDEL

m Jahr 1983 veröffentlichte der Schriftsteller Bodo Hell ein Buch mit Texten und Fotos über die Autobusroute der Linie 13A. Dafür fotografierte er das Geschäftsschild des Ateliers V&V in der Windmühlgasse, obwohl es damals noch gar nicht an der Busstrecke lag. Hell sah das nicht so eng. Was ihm gefiel, kam rein ins Buch „Linie 13A“, das in der Edition Neue Texte erschien. Jetzt, wo der 13A die Fußgängerzone umfährt, schlängelt er sich auch durch die Windmühlgasse und vorbei an dem Atelier von Veronika Schwarzinger. Das Schild gibt es noch immer. Geht es nach Bodo Hell und Schwarzinger, fährt der 13A nun endlich die richtige Strecke. 2014 startete der Umbau der Mariahilfer Straße zur Fußgänger- und Begegnungszone. Die Straße war schon immer eine Rennstrecke des Konsums. Jetzt ist sie verkehrsberuhigt und mit ihren Sitzmöbeln und Ruhezonen auch ein Ort für Flaneure. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, noch vor dem U-Bahn-Bau, war die Mahü auch Anlaufstelle für viele Ungarn. „Ich hatte das Gefühl, damals fand über die Mariahilfer Straße der Elektrowarenimport nach Ungarn statt“, erinnert sich Schmuckkünstlerin Schwarzinger. Und erzählt von einer Freundin, der Besitzerin eines Elektrogeschäftes in der Esterhazygasse. Dank des ungarischen Besucherstroms erwirtschaftete die an einem Tag schon einmal 700.000 Schilling. Was ansonsten einem Jahresumsatz gleichkam. Waschmaschinen und Fernsehgeräte seien auf Autos gepackt worden. In den Seitenstraßen rund um die Mariahilfer Straße standen damals Pritschenwagen mit Schweizer Brot und Bananen; alles damals in Ungarn nicht zu kriegen. Im Jahr 1996 schließlich kam dann die

Kauf dich glücklich: So heißt auch die Filiale eines Berliner Erfolgsgeschäfts, das es seit ein paar Monaten in der Kirchengasse gibt (oben die Geschäftsgründer). Bild unten: der neue Multistore Uppers & Downers

erste H&M-Filiale auf die Mariahilfer Straße, weitere internationale Mode-Ketten wie Mango und Zara zogen nach. Die Marktstände in den Seitengassen verschwanden und in den Nullerjahren fingen die ersten Designerinnen und Selbermacher an, in den Nebenstraßen ihre Ateliers mit angeschlossenen Läden zu eröffnen. So richtig hip wurde der siebente Bezirk aber erst mit dem Museumsquartier. Mit seiner urbanen Mischung aus Museen, Cafés und kleinen Shops ist der Kunstkomplex seit der Eröffnung im Jahr 2001 Publikumsmagnet. Nach Kunstgängen und entspanntem Herumliegen auf den Enzi-Sitzmöbeln kommt Shoppinglust auf. Was liegt da näher, als durch die Gassen von Neubau zu schlendern? Gelangweilt von flüchtigen Trends suchen Großstadtmenschen gerne nach individuellem Schick. 2007 sperrte Ina Kent ihr erstes Taschengeschäft in der Lindengasse auf. Heute ist das kleine Gassenlokal das Atelier der erfolgreichen Designerin. Mit ihrem Laden ist sie weitergezogen in die doch besser frequentier-

Fotos: heribert corn (oben), uppers & downers

20


M a r i a h i l f e r S t r a ss e    te Neubaugasse. Einen zweiten hat sie bereits in der Siebensterngasse eröffnet. „Ja, das Geschäft läuft gut“, sagt Frau Kent und lacht. Das Siebensternviertel. Spricht Stephan

Klein vom Siebensternviertel, gerät er ins Schwärmen. Das Quartier ist seine Hood. Hier wohnt er. In der Kirchengasse betreibt er gemeinsam mit seiner Frau Beate ein riesiges Kindergeschäft: Herr und Frau Klein. Nur ein paar Schritte weiter in der Lindengasse haben die beiden erst kürzlich ein zweites Geschäft aufgesperrt. Auf nur 15 Quadratmeter gibt es Designerware für Mütter. Spricht man Herrn Klein auf die Mahü-Fußgängerzone an, seufzt er erst einmal, bevor er zu erzählen beginnt. Er sei Befürworter von der ersten Sekunde an gewesen, die Gegend sei nun verkehrs- und lärmberuhigt. „Alles ein Traum!“, sagt er. Aber er hatte im ersten halben Jahr den brutalsten Umsatzeinbruch seiner neunjährigen Geschäftsgeschichte. Die Schuld dafür gibt er den Parteien, die gegen das Fußgängerzonen-Projekt lautstark gewettert haben. „Vom fürchterlichen Chaos“, „von fehlenden Parkplätzen“ sei die Rede gewesen. „Das tu ich mir doch nicht an“, dachten sich wohl viele seiner Kundinnen und Kunden und blieben weg. Aber offenbar nicht lange, heute ist die Kundschaft wieder retour. „Das Siebensternviertel gilt quasi als das

Shoppingviertel von Wien“, erzählt Stefan Klein nicht ohne Stolz. „Und nein“, auf die Mariahilfer Straße in beste Frequenzlage wollte er mit seinem Laden nie: Die Mieten seien zu teuer, die Leute würden nur schauen und nichts kaufen. Außerdem werde dort zu viel geklaut. „Der halbe Block, den wir von der Mahü entfernt sind, ist ein toller Filter“, findet Klein. Was ihm noch fehlt? „Ein cooler Wochenmarkt in der Fußgängerzone.“ Schon kommenden April wird auch

Mühlbauer ein zweites Hutgeschäft in Wien eröffnen. Die braune Holzgalerie im einstigen Papierfachgeschäft Sax & Co in der Neubaugasse wurde entfernt, übrig geblieben sind hohe, helle Räume für die exklusiven Hüte des Traditionsunternehmens. Klaus Mühlbauer leitet den Familienbetrieb in vierter Generation. Vergangenen Sommer hat er die Bezirke Mariahilf und Neubau zu jeder Tages- und Nachtzeit abgeklappert, um die passende Lokalität für sein Geschäft zu finden. Gerne hätte es auch die Mariahilfer Straße, vielleicht auf der Höhe vom Hotel Kummer sein können, sagt er. „Aber dort sind die Mieten unerschwinglich.“ In den Seitengassen zahle man 30 Euro pro Quadratmeter. Wenn man Glück habe, auch bloß 25 Euro. Bis zu 90 Euro für den Quadratmeter müssen Geschäftstreibende auf der Mariahilfer Straße im Monat hinblättern, heißt es aus der Wirtschafts-

kammer. Auf dem Portal „Freie Lokale“ sind 75 Prozent aller leerstehenden Geschäftslokale für Suchende zu finden. Für die Bespielung temporär leerstehender Flächen interessiert sich der Unternehmer Christoph Prinz. Er ist gerade dabei, eine Plattform nach Berliner und Londoner Vorbild für Wien aufzubauen. „Go PopUp“ wird sie heißen und ebenfalls im April online gehen. In so einem Pop-up-Store versuchten sich die vergangenen Monate die Gebrüder Stitch mit ihren Maßjeans. In der Wintersaison wurde aus einem Eissalon beim Museumsquartier-Eck der Mahü der Arschsalon. „Die Lage war top“, sagt Moriz Piffl, einer der beiden Stitch-Gebrüder und Co-Gründer des Unternehmens. Aber der Shoppingwahn sei in der Nähe vom Museumsquartier noch nicht so spürbar wie etwa auf der Mitte der Einkaufsstraße; der Bereich wird erst im Sommer zur Begegnungszone umgestaltet. Im April, wenn der Eissalon dort wieder aufsperrt, werden die Gebrüder Stich weiterziehen, und zwar nicht zurück in den Innenhof Mariahilferstraße Nummer 101. Dort sind dann nur noch ihr Atelier und die Werkstatt zu Hause. Es wird einen neuen Laden geben. Aber einen für länger als bloß eine Saison und Arschsalon wird er auch nicht heißen. Ab April wird es in der Neubaugasse so weit sein. Wo sonst? F

FALTER

21

Lieblingsgeschäfte rund um die Mahü Atelier V&V 6., Windmühlgasse 9 Ina Kent 7., Neubaug. 34 bzw. 7., Siebensterng. 50 Herr & Frau Klein 7., Kircheng. 7 und 7., Lindengasse 25 Mühlbauer 7., Neubaug. 34 Gebrüder Stitch 7., Neubaug. 16 Glanz & Gloria 7., Schottenfeldg. 77. Im Designerladen eröffnet im Juni ein Barber-Shop Freitag 7., Neubaug. 26. Exklusive Taschen aus gebrauchter Lkw-Plane N5 7., Neubaug. 5. Damen- und Herrenkleidung zum Großteil von skandinavischen Designern Brillenmanufaktur 7., Neubaug. 18. Brillentechnisch ist hier die Coolness zu Hause Comerc 7., Westbahnstr. 20/4. Hier gibt es Rucksäcke von Qwstion und Sandqvist Kauf dich glücklich 7., Kircheng. 9. Charmante Conceptstore-Kette aus Berlin COS 7., Neubaug. 11. Gehört zum Moderiesen H&M Rosenrot 7., Lindeng. 26. Exklusive Marken Kaufhaus Wall 7., Westbahnstraße 5a. Früher Be a Good Girl und ein Friseursalon. Im Sortiment: Kleidung, Schmuck, Bücher, Taschen We Bandits 6., Theobaldg. 14 Mit vorwiegend skandinavischen, koreanischen und französischen Marken Uppers & Downers 7., Burggasse 46. Rundum glücklich machender Stoff, zum Teil secondhand WauWau 7., Westbahnstr. 7. Kleine Manufaktur, die auf Pfeffermühlen spezialisiert ist

1070 Wien, Neubaugasse 18 Mo-Fr 10.00–18.30 Uhr, Sa 10.00–17.00 Uhr www.brillenmanufaktur.at

-25% AUF DAS GESAMTE SORTIMENT

FLAGSHIP STORE ERÖFFNUNG SCHARF.NET

Mariahilferstraße 36 • 20./21.03.2015


22

F A L T E R

M a r i a h i l f e r S t r a ss e Mariahilfer Straße damals/ heute

Das Kaffeehaus Casa Piccola bei der Rahlstiege (hier ein historischer Stich aus dem 19. Jahrhundert) gibt es seit den 60er-Jahren nicht mehr. Bald ist hier auch Begegnungszone

Gute Seiten, schlechte Seiten Radler und Fußgängerinnen erobern den ersten Abschnitt der Mahü. Und was denken die Anrainer? Birgit Wittstock

W

urscht war er so gut wie niemandem. Jeder hatte seine Meinung zum Umbau der Mariahilfer Straße. Und die wurde monatelang lauthals kundgetan. Für die einen galt das Vorzeigeprojekt der grünen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou als mutig, für die anderen als schlichtweg hirnrissig. Letztendlich entschieden im März 2014 die Bewohnerinnen und Bewohner der Bezirke Mariahilf und Neubau über das rund 25 Millionen Euro teure Projekt: Eine knappe Mehrheit stimmte für die Verkehrsberuhigung der Mahü. Trotz fehlender Querungen, umgedrehter Einbahnen, monatelanger Baustelle, hohen Kosten und weniger Parkplätzen. Und obwohl viele der nicht stimmberechtigten Gewerbetreibenden weiterhin motzten, schritt man im Mai des vergangenen Jahres zur Tat und verwandelte den ersten Abschnitt, zwischen Kaiserstraße und Kirchengasse, in eine Begegnungszone, die im November mit einem „Grätzel-Fest für alle“ eröffnet wurde. Während nun der Umbau des unteren Abschnitts zwischen Kirchengasse und Getreidemarkt begonnen hat, wird im oberen Bereich der Mahü längst flaniert, auf den neuen Stadtmöbeln gechillt und demnächst auch in diversen neuen Schanigärten gehockt.

„Es ist jetzt ein viel freieres, schöneres Gefühl auf der Straße, so ohne Stau“ Bianca Taschner

Fragt man die Bummler, die zu Zigtausenden

die Einkaufsmeile hinauf- und hinunterspazieren, so wird die neue Fuzo einhellig für gut befunden. Aber wie finden die Anrainer die neue Situation im Grätzel? „Es ist jetzt ein viel freieres, schöneres Gefühl auf der Straße, so ohne Stau“, sagt Bianca Taschner, die bereits seit 20 Jahren eine Wohnung im unteren Teil der Mariahilfer Straße bewohnt. Gemeinsam mit

*Der Hausbesuch war eine Strategie der Grünen, Anrainerinnen und Anrainer von der neuen Mahü zu überzeugen

ihrem Mann, dem Mathematiker Rudolf Taschner, mit dem sie im Museumsquartier das Denk-Labor math.space betreibt, hat sich Bianca Taschner schon vor der Abstimmung für den Umbau der Mahü engagiert, der Wohnqualität wegen. Taschner glaubt, dass die Zeiten, in denen das Auto die Vorherrschaft über die Stadt hatten, im Begriff sind, zu Ende zu gehen: „Auch ich habe den Führerschein und hatte seit meinem 18. Lebensjahr immer ein eigenes Auto, dennoch benutze ich unter den Woche die U-Bahn, denn das Wiener U-Bahn-Netz ist sicher und gut ausgebaut“, sagt sie. Vor dem Umbau seien die Leute auf der Suche

nach Parkplätzen gefühlte Ewigkeiten durch die Seitengassen gekurvt, das habe sich nun beruhigt, aus dem einfachen Grund, weil nun die meisten Leute mit den Öffis kommen. Dass die Mariahilfer Straße aufgrund der Begegnungszone an Besuchern verlieren könnte, glaubt Taschner nicht. „Dann müssten im Umkehrschluss Geschäftsstraßen, wie die Wiedener oder die Simmeringer Hauptstraße, die man mit dem Auto befahren kann, brechend voll sein.“ Starker Autoverkehr würde die Wohnqualität in Grätzeln sinken lassen, findet Taschner, die Bewohner würden letztlich wegziehen und der Bezirk somit an Zuspruch verlieren. „Man geht doch gerne dort spazieren, wo keine Autos fahren oder alles verparken. Mariahilf und Neubau sollen eine noch schönere Wohngegend werden,“ sagt Taschner. „Vielleicht wird die Gegend sogar einmal zu einem Vorzeigeprojekt in Sachen Wohnen und Einkaufen.“ Ganz so rosig sieht Karin Simonitsch die Begegnungszone nicht. Simonitsch lebt nicht nur selbst bereits seit mehr als 30 Jahren im oberen Bereich der Mahü, sie führt auch die seit 1934 bestehende Marien Apotheke in der Schmalzhofgasse, die einst

ihrer Großmutter gehörte. Als Anrainerin findet sie es zwar eine super Sache, dass nun im Grätzel nicht mehr Auto an Auto steht, für die Geschäftsbetreiberin ist die Verkehrsberuhigung aber ein Problem: Simonitschs Apotheke ist auf die Betreuung von HIV-Patienten spezialisiert, sie hat viele schwerkranke und gebrechliche Kunden – Menschen, die bislang oft mit dem Taxi kamen. Doch auch die Zufahrt mit dem Taxi sei aufgrund der umgekehrten Einbahnen und der weitgehenden Trennung von sechstem und siebtem Bezirk nun erschwert. Das wirke sich nicht nur schlecht aufs Geschäft aus, sagt Simonitsch, sie sieht in der unter ihren Kunden immer noch schwelenden Diskussion über die Mahü auch einen Generationenkonflikt. „Die Jungen, die flanieren in ihrer Freizeit gerne, aber die Alten fahren eben nicht mit der U-Bahn zum Einkaufen, weil sie nun mal nicht mehr so gut zu Fuß sind.“ Man habe hier die Rechnung auf Kosten der Alten gemacht. Sinnvoller wäre es gewesen, eine temporäre Fußgängerzone einzurichten, wie man das etwa früher schon an den Samstagen vor Weihnachten gemacht hat, glaubt die Apothekerin: „Man hätte die Straße beispielsweise täglich ab 16 Uhr für Autos sperren können. So wäre man allen Bedürfnissen gerecht geworden, und hätte einen Haufen Geld gespart.“ Nun, wo Simonitsch aber bereits zwangsbeglückt wurde, findet sie, dass man die Verkehrsberuhigung auch konsequent weiterziehen und auf die Seitengassen ausdehnen sollte. „Wenn man schon A gesagt hat, dann sollte man auch B sagen.“ Obwohl sie eigentlich nicht an die totale Beruhigung glaubt: „Wenn man Ruhe will, dann sollte man ins Grüne ziehen“, sagt Karin Simonitsch. „Man kann schließlich auch keinen Bauernhof am Stephansplatz haben.“ F

Foto: christian wind

H au s b e s u c h * :


Bezahlte Anzeige

Mahü Neu – die letzte Etappe Im Sommer 2015 ist die neue „Mahü“ fertiggestellt. Momentan läuft die Umgestaltung des letzten Abschnitts der Mariahilfer Straße auf Hochtouren

Was bisher geschah

Auf www.dialog-mariahilferstrasse.at findet man alle wesentlichen Informationen zum Bauvorhaben. „Wir sind aber auch vor Ort präsent“, erläutert Lux. „Im Baubereich weisen Aviso-Tafeln auf geänderte Verkehrssituationen hin.“ Die enge Koordination aller beteiligten Dienststellen und Institutionen gewährleistet eine rasche Bauabwicklung mit so wenig Beeinträchtigungen wie möglich. Sogar der Vienna City Marathon kann trotz der Baustelle auf der Mahü stattfinden. u

Die Umfrage unter den Bürgerinnen und Bürgern des 6. und 7. Bezirks ergab, dass eine Mehrheit für die Neugestaltung der Mariahilfer Straße ist. Nach dieser Entscheidung begannen am 19. Mai des vorigen Jahres mit einem „Spatenstich für alle“ die Umbauarbeiten. Am 14. November wurde die von der MA 28 neu gestaltete Mariahilfer Straße zwischen Kaiserstraße und Kirchengasse mit einem Grätzl-Fest eröffnet. Mittlerweile ist dieser Abschnitt zur eleganten und beliebten Flaniermeile geworden. Seit 23. Februar wird am unteren Abschnitt gebaut. Er soll bis 31. Juli 2015 fertig sein.

Blick auf die neue Mahü auf der Höhe Neubaugasse

Wie es weitergeht

Weitergehen trotz Umbaus „Wir setzen die bewährte Information für die Wienerinnen und Wiener zur Neugestaltung der Mariahilfer Straße engagiert fort“, erklärt der Projektkoordinator Peter Lux. „Die MAHÜ App sorgt für eine tagesaktuelle Information für Auto- und RadfahrerInnen.“

Rückblick 2014 • Baubeginn Bauabschnitt 1: 19. Mai 2014 • Fertigstellung Bauabschnitt 1: 14. November 2014 • 2014 wurden 432 Meter FußgängerInnenzone und 459 Meter Begegnungszone errichtet. Hier gibt es nun 45 unterschiedliche Sitzgelegenheiten, zwei Wassertische, 15 Baumgärten und fünf Lounges. Außerdem steht wien.at Public WLAN zur Verfügung. Auch wurden 116 Lampen modernisiert.

Foto: Christian Fürthner / MA 28

Zwischen Getreidemarkt und Kirchengasse entsteht die Mahü als Begegnungszone neu. Sie erhält auch einen neuen Bodenbelag. Ähnlich wie in der bestehenden Begegnungszone zwischen Kaiserstraße und Andreasgasse wird die bisherige Pflasterung im Gehbereich bleiben. Das spart Kosten. Es wird Sitzgelegenheiten und zusätzliches Stadtmobiliar geben. Während der Bauarbeiten werden die Buslinien 13A und N71 lokal umgeleitet. Bis Ende Mai fahren die Busse statt über die Kirchengasse über Stiftgasse und Siebensterngasse zur Stammstrecke zurück. Zu Fuß ist die Mahü auch während der Bauarbeiten begehbar. Für den Kfzund Radverkehr wird sie abschnittsweise gesperrt.

■ Bereits fertiggestellt (2014) ■ Bauphase 2015

Vorschau 2015 • Heuer werden weitere 739 Meter Begegnungszone errichtet. Es kommen 42 unterschiedliche Sitzgelegenheiten, elf Baumgärten, eine Lounge und zwei Wassertische hinzu. • Beteiligte Dienststellen: MA 19, MA 28, MA 33, MA 34, MA 42, MA 46 • Projektkosten (gesamt, brutto): ca. 25 Millionen Euro


Checkt doch keiner. Handy

0€

Samsung Galaxy S5

Tarif. Handy. Preis. Alles auf einen Blick. Die 3BestKombi.

20 € Servicepauschale /Jahr. 69 € Aktivierungsentgelt. 24 Monate Mindestvertragsdauer. Details: www.drei.at


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
FALTER Schöne neue Mahü by Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. - Issuu