• Mörderische Streifzüge durch Schönbrunn von: Edith Kneifl Andreas Gruber Beatrix Kramlovsky Peter Wehle Anni Bürkl Franz Zeller Nora Miedler Edwin Haberfellner Clementine Skorpil Günter Neuwirth Petra Hartlieb
Kneifl (Hg.)
Tatort Schönbrunn
13 österreichische Krimiautorinnen und -autoren machen Schönbrunn, die ehemalige kaiserliche Sommerresidenz, zur Bühne für packende Kriminalgeschichten. Geheimgänge, Dachböden, Tiergarten, Palmenhaus und der barocke Schlosspark werden zum Tummelplatz des Bösen.
Edith Kneifl (Hg.)
13 Kriminalgeschichten aus Wien
Tatort Schönbrunn
Raoul Biltgen Jacqueline Gillespie
ISBN 978-3-85439-515-7 www . fa l ter . at
FA LT E R V E R L A G
FA LT E R V E R L A G krimi
Die Handlung der folgenden Kurzgeschichten ist frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig.
ISBN 978-3-85439-515-7 © 2014 Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. 1011 Wien, Marc-Aurel-Straße 9 Tel. +43/1/536 60-0, Fax +43/1/536 60-935 E-Mail/Verlag: bv@falter.at E-Mail/Bestellungen: service@falter.at Web: faltershop.at Alle Rechte vorbehalten. Herausgeberin: Edith Kneifl Autorinnen und Autoren: Raoul Biltgen, Anni Bürkl, Andreas Gruber, Jacqueline Gillespie, Edwin Haberfellner, Petra Hartlieb, Edith Kneifl, Beatrix Kramlovsky, Nora Miedler, Günter Neuwirth, Clementine Skorpil, Peter Wehle, Franz Zeller Mit einem einleitenden Text von Inge Podbrecky Lektorat: Helmut Gutbrunner Umschlagdesign: Dirk Merbach Grafik und Layout: Marion Großschädl, Barbara Blaha Illustration Vorsatz: pingvin_house/shutterstock Produktion: Susanne Schwameis Gedruckt in Österreich
Inhalt Vorwort ~ Edith Kneifl
7
Wir sind barock! ~ Inge Podbrecky
11
Edith Kneifl ~ Die Altschönbrunner
19
Andreas Gruber ~ Katzenaugen
41
Beatrix Kramlovsky ~ Ars Moriendi
61
Peter Wehle ~ Das klinget so tödlich
81
Anni Bürkl ~ Prinzentode
99
Franz Zeller ~ Diebsgesindel
119
Nora Miedler ~ Des ewige Bummerl
135
Edwin Haberfellner ~ Ruinös
155
Clementine Skorpil ~ Pilzgeflecht
173
Günter Neuwirth ~ Der Dachschaden
185
Petra Hartlieb ~ Wer einmal lügt …
205
Raoul Biltgen ~ Friedbert und der Feuerpott
221
Jacqueline Gillespie ~ Ein Mann von Ehre …
237
Herausgeberin, Autorinnen und Autoren
257
5
Vorwort Draußen im Schönbrunnerpark Sitzt ein alter Herr Sorgenschwer Gibt in aller Hergottsfrüh’ Schon für unser Wohl sich Müh’ »Anno 14« von Fritz Grünbaum (Text) und Ralph Bernatzky (Musik)
K ennen Sie Schönbrunn? Natürlich kennen Sie dieses Wahrzeichen von Wien. Aber waren Sie schon einmal im Schloss selbst? Haben Sie die Prunkräume der Habsbur ger je betreten? Oder gehören Sie zu jenen, die zwar Ver sailles, Sanssouci, die Eremitage, den Winterpalast der russischen Zaren und so manch andere hochherrschaft liche Residenz besichtigt haben, aber Schönbrunn lieber den Touristen aus aller Welt überlassen? Mit der Anthologie »Tatort Schönbrunn« möchte ich Sie jedenfalls auf einen Spaziergang der besonderen Art durch das Machtzentrum der ehemaligen Donaumonar chie einladen: auf einen mörderischen. Das Erscheinungs jahr 2014 ist mit Bedacht gewählt. Begann doch vor genau hundert Jahren mit dem Ersten Weltkrieg der Unter gang der österreichisch-ungarischen Monarchie, der uns Österreichern bis heute zu schaffen macht. 7
Vorwort
Sein heutiges Aussehen verdankt das ehemalige Jagd schlösschen im kaiserlichen Lust- und Tiergarten vor den Toren Wiens vor allem Maria Theresia. Die gebär freudige Kaiserin brauchte dringend Platz für ihre zahl reichen Sprösslinge und den damit wachsenden Hofstaat. In enormem Tempo ließ sie daher das kleine »Jagd- und Lustschloss« erweitern und komfortabler einrichten. Ver ständlicherweise wollte sie die Fertigstellung noch erle ben. Repräsentationsbauten des Barock dienten eben in erster Linie der Verherrlichung der Monarchen. Ich lud zwölf renommierte österreichische Kriminal schriftstellerinnen und -schriftsteller ein, sich fernab von Habsburger-Nostalgie und Sisi-Romantik der Machtzent rale des »Hauses Österreich« als Tatort zu bedienen. Auffallen wird Ihnen vielleicht, dass die meisten Kol leginnen und Kollegen den wunderschönen Park oder den weltberühmten Tiergarten als Schauplatz für ihre Krimi nalgeschichten wählten. Vielleicht fanden sie diese Orte inspirierender als den Barockpalast? Oder war es eine Frage des Respekts? Einige richteten ihr Interesse auf die eher unbekann ten, nicht öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten, z. B. den Dachboden oder die geheimen Stiegenaufgänge und Dienstbotenwohnungen des Schlosses. Andere wiederum ließen ihre Täter auf der Gloriette, im Palmenhaus oder in den ehemaligen Stallungen ihr Unwesen treiben. Das Böse ist immer und überall, lauert hinter den schönbrunnergelben Fassaden des »goldenen Käfigs« ge 8
Vorwort
nauso wie hinter einem Gebüsch oder Brunnen im wahr haft kaiserlichen Park. Viel Vergnügen mit diesen witzigen, aufregenden und mysteriösen Kriminalgeschichten über das prächtigste Symbol der k. u. k Monarchie aus den Federn, oder besser gesagt PCs, von prominenten österreichischen Kriminal schriftstellerinnen und -schriftstellern wünscht Ihnen die Herausgeberin Edith Kneifl Wien, im August 2014
9
• Andreas Gruber •
Katzenaugen Die Direktorin und der Kommissar
Direktorin Monika Dornhofer starrte den Kripobeamten genervt an. »Hören Sie, es waren schon so viele Ermittler hier, und ich habe immer wieder die gleiche Geschichte erzählt. Wie oft denn noch? Außerdem muss ich – Sie und Ihre Kollegen werden es kaum glauben – tatsächlich arbeiten.« Sie ging zur Tür, um ihr Büro zu verlassen. Kommissar Sarkovsky betrachtete sie mit einem z ynischen Lächeln. »Sie wollen doch nicht etwa fliehen?« »Ich muss die Vitaminpräparate in den Futterrationen überprüfen – danach werde ich fliehen.« »Ich begleite Sie.« »Auf der Flucht?« »Witzig!« Der Kripobeamte folgte ihr mit seinen polierten Glanzlederschuhen und den genagelten Absätzen, die ein präpotentes Klappergeräusch verursachten, das Monika auf die Palme brachte. Außerdem trug Sarkovsky ein blitzend weißes Hemd mit gestärktem Kragen und eine dreihundert Euro teure Krawatte mit goldener Nadel. Es würde ihr eine Freude 41
• Andreas Gruber •
bereiten, ihn durch die stinkende Futterstation zu führen. »Was wollen Sie wissen?«, seufzte sie, während sie durchs Treppenhaus gingen. »Wie kam es zu den mysteriösen Unfällen im Tiergarten?« »Es begann damit, dass ich nach drei Tagen endlich wieder mein Büro betreten konnte. Die Arbeiter hatten tonnenweise Müll hinterlassen, und egal wohin man blickte …« … überall lagen Staub und Spachtelreste auf dem Boden. Es war zum Aus-der-Haut-Fahren! Direktorin Monika Dornhofer riss die Plastikfolie von ihrem Schreibtisch und stopfte den Mist in einen großen gelben Sack. Endlich war ihr Büro so weit instand gesetzt, dass sie es wieder beziehen konnte. Es roch zwar noch nach Silikon und Malerfarbe, aber die Klimaanlage würde den Baustellenmief bald abgesaugt haben. Sie entfernte ein Schild von der Fensterscheibe. Als sie anschließend auf dem Boden kniete und die Klebestreifen vom Teppich abzog, klopfte es an der Tür. Baumeister Dimpfstingl betrat ihr Büro, noch bevor sie »Herein!« sagen konnte. Sie verabscheute den kleinen, fetten Mann mit den schmierigen Wurstfingern, mit denen er sie ständig zu begrapschen versuchte und die immer nach Leberkäse rochen. Aber nicht nur wegen seiner fehlenden Manieren, 42
Katzenaugen
sondern besonders wegen seiner sexuellen Anspielungen, die er einfach nicht lassen konnte. »Sie können ruhig so bleiben, wie Sie gerade sind«, röchelte er. »Drehen Sie Ihre Stielaugen wieder rein«, antwortete sie, erhob sich und straffte ihren Rock. Dank regelmäßigen Joggens und Pilatestrainings war sie trotz ihres Alters – Mitte vierzig – top in Form. Sie sah zwar nicht aus wie Catherine Zeta-Jones, trotzdem war sie für Dimpfstingl zwei Nummern zu groß. Doch das hielt ihn kein bisschen von seinen Annäherungsversuchen ab. »Wir sind mit den Arbeiten fertig, Fräulein Dornhofer«, sagte er mit gurgelnder, speckiger Stimme, wobei er das Wort Fräulein so betonte, als wollte er diesen Umstand am liebsten eigenhändig aus der Welt schaffen. Am besten gleich jetzt auf dem Schreibtisch. »Ein paar Kleinigkeiten noch hier und da, dann sind wir fertig. Haben Sie Lust, heute Abend gegen neun mit mir zu Abend zu essen?« »Liegen Ihre Frau und die Kinder da schon im Bett?« Wie zur Bestätigung schob er die Unterlippe vor. »Welches Lokal schlagen Sie vor?«, fragte sie. »Plachutta.« »Hietzing, Nussdorf oder in der Wollzeile?« »Wollzeile natürlich.« »Dann weiß ich, wo ich heute Abend nicht hingehen werde.« Dimpfstingl ignorierte ihren Kommentar. »Darf ich Sie etwas Intimes fragen?« 43
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