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Schrottplatz Blues

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Schrottplatz am Rand von Wien, wo er wenig arbeitet, viel Bier trinkt und sein geruhsames Dasein genießt. Dies ändert sich, als eine geheimnisvolle Unbekannte in sein Leben tritt und kurz darauf seine chaotische Schwester bei ihm einzieht. Und plötzlich muss sich

Jürgen Benvenuti

Nach ausgedehnten Reisen landet Ben Poller auf einem

Jürgen Benvenuti

Ben mit dem Ex-Junkie Jerry, einem kranken Killer, einem durchgeknallten Wissenschaftler und –

„Schrottplatz Blues“, erstmals 1996 erschienen, ist der dritte Kriminalroman von Jürgen Benvenuti, der nun in einer völlig überarbeiteten Fassung vorliegt.

Weitere Werke von Jürgen Benvenuti im Falter Verlag: Harter Stoff. Ein Wiener Kriminalroman Leichenschänder. Ein Wiener Kriminalroman

ISBN 978-3-85439-508-9

www.falter.at

Ein Wiener Kriminalroman

FALTER  V ERLA G

Suche nach einer reißerischen Story herumschlagen.

SCHROTTPLATZ BLUES

schlimmer geht’s immer – einem Fernsehteam auf der

FALTER  V ERLA G krimi


ISBN 978-3-85439-508-9 Veröffentlichung als Taschenbuch © 2014 Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. 1011 Wien, Marc-Aurel-Straße 9 Tel. +43/1/536 60-0, Fax +43/1/536 60-935 E-Mail/Verlag: bv@falter.at E-Mail/Bestellungen: service@falter.at Web: faltershop.at Alle Rechte vorbehalten. Die erste Auflage erschien 1996 unter demselben Titel bei Deuticke Verlag, Wien. Autor: Jürgen Benvenuti Korrektur: Helmut Gutbrunner Grafik und Layout: Marion Großschädl, Barbara Blaha Produktion: Susanne Schwameis Gedruckt in der EU


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Die Sirene heult über dem Schrottplatz auf. Seit knapp acht Monaten arbeite ich hier, und noch immer zucke ich bei diesem Geräusch zusammen. Ich lege den Kühlschrankkompressor, an dem ich seit dem Nachmittag herumbastle, auf den Boden und betrachte den Abendhimmel, der, angestrahlt von einer tiefstehenden, mattschimmernden Sonne, ein paar Wolken als Spielwiese dient. Ein leichter Wind streicht über den Platz, bringt die Blätter der Birken und ­U lmen hinter der Umzäunung zum Rascheln und wirbelt Fetzen undefinierbaren Abfalls umher. Ich atme tief durch, schnappe mir meinen Werkzeuggürtel und marschiere hinüber zum Schuppen. Der von der gnadenlosen Hitze der letzten Wochen gebackene Kies knirscht unter den Sohlen meiner Arbeitsstiefel. Ich betrete den Schuppen, hänge den Werkzeuggürtel an den Haken neben der Tür und zünde mir eine Zigarette an. Steiner sitzt auf seinem zerkratzten Sessel und blättert durch einen Heimwerkerkatalog. Sein Gesicht ist eine Studie in Gleichmut. Mit seinem Bierbauch, seinen Pranken und seinem vollen, wettergegerbten Gesicht wirkt er wie eine leicht missglückte Reinkarnation Buddhas.

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Er schaut auf, wirft mir einen amüsierten Blick zu und lässt den Katalog mit einem Knall auf die vernarbte Tischplatte fallen. „Na, schon wieder erschrocken?“ Er gibt sich nicht die geringste Mühe, seine Schadenfreude zu verbergen. „Hast du mich beobachtet?“ Steiner schüttelt den Kopf. „Das seh ich dir am Gesicht an.“ Er schenkt mir ein süffisantes Grinsen und dreht sich eine daumendicke Zigarette. Ich lasse mich auf den zweiten Stuhl fallen, der offiziell den Kunden vorbehalten ist, zupfe ein Reinigungstuch aus der Schachtel auf dem Tisch und wische mir die Hände ab. „Ist dieses Sirenengeheul wirklich notwendig?“ Steiner steht auf, drückt sein Kreuz durch, betrachtet verträumt die barbusige Schönheit auf dem Kalenderblatt neben dem Fenster und sagt mit einem Achselzucken: „Macht der Gewohnheit.“ „Eine verdammt nervtötende Gewohnheit, wenn du mich fragst.“ „Ich hatte mal sieben Mitarbeiter.“ „Ich weiß. Hast du mir schon erzählt.“ „Und für diese sieben Mitarbeiter brauchte ich die Sirene“, fährt Steiner mit tonloser Stimme fort. „Ja, ich weiß.“ Steiner setzt sich wieder an den Tisch, zündet seine fette Zigarette an und blättert schweigend durch den Katalog.

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Ich starre aus dem Fenster und betrachte die untergehende Sonne, die mittlerweile von einem stattlichen Haufen dunkelgrauer und schwarzer Wolken angegriffen wird. Steiner erklärt mir, dass es bald ein Gewitter geben werde, und zwar eines von der heftigen Sorte. Steiner, Schrottplatzbesitzer und Wetterprophet. Ich stehe auf, drücke meine Zigarette im Werbe­ aschenbecher aus und gehe zu meinem Spind. „Willst du nicht auf die Hunde warten?“, fragt Steiner. „Die lern ich schon noch früh genug kennen.“ Ich schäle mich aus meinem Blaumann und schlüpfe in Jeans und T-Shirt. „Wie du meinst. Aber beklag dich dann nicht, wenn sie eine Ewigkeit brauchen, bis sie sich an dich gewöhnt haben.“ „Ach was, dieser eine Tag macht ihnen sicher nichts aus.“ „Wie du meinst. Dann bis Montag.“ Als ich rausgehe, holt Steiner die Chivas-Flasche vom Wandbrett herunter und schraubt genüsslich den Deckel ab.

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A uf dem Weg zur U-Bahn werfe ich ab und zu einen Blick gen Himmel. Wie es scheint, hat Steiner mit seiner Wetterprognose Recht. Die Wolken werden dichter und dunkler, und vereinzelt segeln Schwalben im Tiefflug über das Industriegebiet, das ich durchquere. Als ich den Bahnsteig betrete, fährt gerade die UBahn ein. Ich remple mich in den letzten Waggon, erkämpfe mir einen freien Platz und schließe die Augen. Ein halbe Stunde später steige ich beim Westbahnhof aus. Scheiße! Auf dem Bahnsteig findet eine Fahrscheinkontrolle statt. Und natürlich habe ich keinen Fahrschein. Ich schaue mich hektisch um. Oben, unten, links und rechts, überall Kontrollore. Keine Chance zu entkommen. Sich dumm stellen funktioniert bei den Clowns leider nicht, also muss ich mir was einfallen lassen. Ich halte Ausschau nach einer guten Fee, die mich hier rausbringt. Drei Sekunden später hab ich sie entdeckt. Eine Frau Mitte zwanzig, mit einem Aktenkoffer in der linken und einer Reisetasche in der rechten Hand. Ihr Gesichtsausdruck ist gehetzt und ihre große, schwarze Brille hängt ihr schief im Gesicht. Ich renne zu ihr hinüber, packe sie am Arm und frage: „Kannst du mir einen Gefallen tun?“

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Sie will sich von mir losreißen. Ich verstärke den Druck meiner Finger, flüstere „Fahrscheinkontrolle“ und deute auf die beiden Männer mit dem entschlossenen Gesichtsausdruck, die sich uns unaufhaltsam nähern. „Sag ihnen, ich sei dein Freund und habe dich gerade abgeholt. Bitte!“ Sie schaut mich misstrauisch aus blaugrauen Augen an. Bin ich wirklich in einer verzweifelten Lage, oder will ich nur ihr Gepäck klauen? Ihre makellose Stirn runzelt sich, während sie um sich schaut. Ich folge ihrem Blick und sehe die beiden Kontrollore, die sich eben zwischen einem Mittdreißiger im Geschäftsanzug und einem älteren Mann mit ausgemergeltem Gesicht durchquetschen und sich uns unaufhaltsam nähern. Die Unbekannte lächelt mich verständnisvoll an. Im nächsten Moment flattert der Ausweis eines Kontrollors vor meinem Gesicht herum. „Die Fahrscheine, bitte.“ Die Unbekannte rückt ihre Brille zurecht und beginnt ihre Handtasche zu durchwühlen. Plötzlich hält sie inne, greift in die Gesäßtasche ihrer Designerjeans und zieht mit spitzen Fingern einen Fahrschein heraus. Nun schauen die beiden Kontrollore mich an. Ich schlucke. Der Blick der Kontrollore wird eindringlicher. Die Unbekannte räuspert sich und erklärt ihnen mit engelsgleicher Stimme, dass ich ihr Freund sei, der

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sie nach ihrer langen, anstrengenden Reise hier abhole und in der Eile leider vergessen habe, einen Fahrschein zu lösen. Die Kontrollore mustern mich skeptisch und beratschlagen sich flüsternd. Die Unbekannte lächelt sie entwaffnend an. Schließlich haben die beiden Kontrollore eine Entscheidung getroffen. Man könne eine Ausnahme machen, sagt der eine und zwinkert der Unbekannten zu, und der andere wünscht uns noch einen schönen Abend und grinst dabei zweideutig. Dann traben sie davon und suchen ein nächstes Opfer. „Das war knapp“, sage ich. „Danke.“ „Keine Ursache.“ „Hast du Lust, noch einen Kaffee mit mir zu trinken? Ich lad dich ein.“ Die Unbekannte wirft einen hektischen Blick auf die Menschenmassen auf dem Bahnsteig und sagt mit etwas forciertem Lächeln: „Gerne.“ Wir fahren mit der Rolltreppe hinauf und setzen uns ins Café Westend gegenüber vom Bahnhof. Kellner mit verwaschenen Schürzen und ausdruckslosen Gesichtern huschen zwischen den Tischen umher. Einer von ihnen erbarmt sich und nimmt unsere Bestellung auf. Die Unbekannte rutscht auf der Sesselkante hin und her, raucht mit kurzen, hastigen Zügen eine dünne Zigarette und rückt sich immer wieder die Brille zurecht. Ab

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und zu tastet sie nach ihrem Aktenkoffer, der sich den Platz zu ihren Füßen mit der klobigen Reisetasche teilt. Ich werfe einen Blick aus dem Fenster: von Gewitter keine Spur. Die Unbekannte räuspert sich und fragt: „Sprichst du öfter fremde Frauen auf Bahnsteigen an?“ „Ich habe dir doch schon erklärt …“ „Ich weiß, die Fahrscheinkontrolle.“ „Genau“, sage ich. „Apropos fremd: Wie heißt du eigentlich?“ „Lara. Und du?“ „Benjamin. Aber alle nennen mich Ben.“ „Hallo Ben, schön, dich kennenzulernen.“ „Hallo Lara, gleichfalls.“ Ich trinke ein Schlückchen von dem kalten, widerlich schmeckenden Kaffee, zünde mir meine vorletzte Zigarette an und werfe ihr meinen Schlafzimmerblick zu. „Übertreib’s nicht“, sagt Lara mit neckischem Unterton und stößt einen Rauchschwall aus, der mir die Tränen in die Augen treten lässt. Das glühende Ende ihrer Zigarette tanzt gefährlich nahe vor meiner Nasenspitze herum. „Ich weiß nicht, was du meinst“, sage ich mit unschuldiger Miene. „Komm schon, bei den Blicken, die du mir zuwirfst, brennt gleich das Café ab.“ „Dann hoffe ich, du bist feuerfest.“

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Schrottplatz am Rand von Wien, wo er wenig arbeitet, viel Bier trinkt und sein geruhsames Dasein genießt. Dies ändert sich, als eine geheimnisvolle Unbekannte in sein Leben tritt und kurz darauf seine chaotische Schwester bei ihm einzieht. Und plötzlich muss sich

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Nach ausgedehnten Reisen landet Ben Poller auf einem

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Ben mit dem Ex-Junkie Jerry, einem kranken Killer, einem durchgeknallten Wissenschaftler und –

„Schrottplatz Blues“, erstmals 1996 erschienen, ist der dritte Kriminalroman von Jürgen Benvenuti, der nun in einer völlig überarbeiteten Fassung vorliegt.

Weitere Werke von Jürgen Benvenuti im Falter Verlag: Harter Stoff. Ein Wiener Kriminalroman Leichenschänder. Ein Wiener Kriminalroman

ISBN 978-3-85439-508-9

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