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Barcelona Blues

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der seine planlose Fahrt Richtung Süden durch Tank­ stellenüberfälle finanziert. Frank Kretschmer ist auf der Flucht, weil er Informationen besitzt, die ­e inem mächtigen Mann schaden könnten, und weil die ­Trennung von seiner Frau nicht ganz konfliktfrei ver­

Jürgen Benvenuti

Jürgen Benvenuti

Rob Fresa ist ein Romantiker mit gebrochenem ­H erzen,

laufen ist. Unterwegs treffen die beiden a­ ufeinander und beschließen, gemeinsam nach Barcelona zu ­f ahren. Als ihnen dort zufällig der ehemalige Rockstar Sara Nielsson begegnet, wittern sie die Chance aufs

Und plötzlich wird es für Fresa und Kretschmer verdammt ungemütlich im sonnigen Barcelona. „Barcelona Blues“, erstmals 2003 erschienen, ist der achte Kriminalroman von Jürgen Benvenuti und liegt nun in einer überarbeiteten Fassung vor.

Weitere Werke von Jürgen Benvenuti im Falter Verlag: Harter Stoff. Ein Wiener Kriminalroman Leichenschänder. Ein Wiener Kriminalroman Schrottplatz Blues. Ein Wiener Kriminalroman

ISBN 978-3-85439-513-3

www.falter.at

B Ein Kriminalroman

FALTER  V ERLA G

und ein übel gelaunter Killer durchkreuzen ihre Pläne.

BARCELONA BLUES

ganz große Geld. Doch ein eifersüchtiger Leibwächter

FALTER  V ERLA G krimi


ISBN 978-3-85439-513-3 Veröffentlichung als Taschenbuch © 2014 Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. 1011 Wien, Marc-Aurel-Straße 9 Tel. +43/1/536 60-0, Fax +43/1/536 60-935 E-Mail/Verlag: bv@falter.at E-Mail/Bestellungen: service@falter.at Web: faltershop.at Alle Rechte vorbehalten. Die erste Auflage erschien 2003 unter demselben Titel im Europa Verlag, Hamburg. Autor: Jürgen Benvenuti Korrektur: Helmut Gutbrunner Coverdesign: Dirk Merbach Grafik und Layout: Barbara Blaha Produktion: Susanne Schwameis Gedruckt in der EU


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M ichèle hatte zu ihm gesagt: „Dein Herz schlägt zu dicht an der Oberfläche. Eines Tages wird dich das umbringen.“ Sie hatte sich geirrt. Es hatte ihn nicht umgebracht. Nur beinahe. Die letzten vierundzwanzig Stunden hatte er nicht geschlafen. Er hatte Cola aus einer Zweiliterflasche getrunken, pausenlos geraucht, Patti Smith in ohrenbetäubender Lautstärke gehört. War ab und zu am Straßenrand stehengeblieben, hatte sich gestreckt, gegen einen Baum gepisst, gegähnt. Nun lag die französische Grenze gut fünfzig Kilometer hinter ihm. Er warf einen Blick auf die Tankanzeige; fast leer. Genau wie seine Geldtasche. Axel hatte zu ihm gesagt, er solle das alles nicht so ernst nehmen. Nein, das waren nicht genau seine Worte gewesen. Fresa erinnerte sich jetzt. Axel hatte gesagt, Rob, nimm dir diese Sache nicht so zu Herzen. Da war es wieder. Das Herz. Du hattest vorher Frauen, hatte Axel gesagt, und du wirst auch nachher wieder welche haben. Fresa hatte genickt und zugehört. Fresa war ein ausgezeichneter Zuhörer. In seinem Job war das wichtig. Beinahe so wichtig wie gute Drinks mixen zu können. Fresa hörte sich alles an. Dein Hund hat Dünnschiss? Fresa brannte darauf, jedes Detail zu hören. Deine Frau betrügt dich? Fresa war ganz Ohr.

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Ich kann es mir nicht leisten, einen Barkeeper wie dich zu verlieren, hatte Axel gesagt, als Fresa sich entschlossen hatte zu gehen. Du trinkst nicht während des Dienstes, du greifst nicht in die Kasse, du bist nie krank. Ja, hatte Fresa gesagt, und ich bin ein guter Zuhörer. Er zog sich die Budweiser-Baseballkappe, die Axel ihm zum Abschied geschenkt hatte, tiefer in die Stirn. Die Sonne schwebte knapp über dem Boden. Fresa kniff die Augen zusammen. Ein erneuter Blick auf die Tankanzeige. Der Zeiger zuckte im roten Bereich. Fresa blickte aus dem Fenster. Grüne Wiesen, so weit das Auge reichte, Schafe, archaische, kleine Häuser aus Stein, gurgelnde Bäche mit kristallklarem Wasser. Kein Problem, den Wagen ein paar Meter von der Straße weg zu parken und zu pennen. Wenn es sein musste. Er hatte Lust, mal wieder in einem richtigen Bett zu schlafen, sich am nächsten Morgen zu duschen und ein Frühstück zu sich zu nehmen, das nicht nur aus lauwarmer Cola und Zigaretten bestand. Also … Fresa zögerte eine Sekunde. Nichts also. Ein verbeultes Schild, das für Repsol-Kraftstoffe warb, kündigte eine Tankstelle in knapp einem Kilometer Entfernung an. Fresa ging noch einmal das Für und Wider in seinem Kopf durch, aber er wusste, das war rein akademisch. Er hatte kein Geld. Er war müde. Er wollte ein Bett.

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Also … Die Tankstelle war ein kleiner Wellblechschuppen, der auf dem braunen Boden hockte wie ein räudiger Hund. Es gab nur eine Zapfsäule. Fresa fuhr direkt vor sie hin, stellte den Motor ab. Die Tankstelle schien verlassen. Ein Seat, der ein paar Meter neben dem Schuppen stand, rostete in der Sonne vor sich hin. Er drehte den Kopf, betrachtete die beiden kümmerlichen Palmen, die in Steinguttöpfen links und rechts von der Tür standen. Er stieg aus. Die Sonne verschwand langsam hinter den Bergen. Beim Anblick all dieser grauen Gipfel fröstelte ihm. Die Pyrenäen deprimierten ihn. „Volltanken?“ Fresa drehte sich um. Er sah sich einem knapp fünfzig Jahre alten Mann in blauer Latzhose, dreckigem, grauem Sweater und schwarzen Stiefeln gegenüber. Sein Gesicht war braungebrannt, sein Rücken gebeugt. Fresa nickte und blickte sich um. Die Farbe des Schuppens blätterte ab, die Jalousien waren heruntergelassen. Es gab ein Werbeschild von Coca-Cola und eines von Kas, einen Zigarettenautomaten, in dem sich nur Ducados und Fortunas befanden. „Woher kommen Sie?“, fragte der Mann. Sein Spanisch klang seltsam, ein wenig wie Französisch. Fresa vermutete, dass die Muttersprache des Mannes Katalanisch war. Fresa deutete mit dem Kinn über die Schulter. „Frankreich?“ Fresa nickte.

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Der alte Mann lachte und schob den Stutzen in die Tank­ öffnung. Fresa ging ein paar Schritte, atmete die frische Luft ein. Er sehnte sich nach einem Bett. „Machen Sie Urlaub?“ Fresa befühlte den kleinen Zylinder in seiner Hosentasche, lächelte. „Sozusagen.“ Der alte Mann warf ihm einen Blick zu, runzelte die Stirn. „Aha.“ Fresa sah, dass der Wagen beinahe vollgetankt war. Er zog sich die Baseballkappe noch ein wenig tiefer in die Stirn, warf einen schnellen Blick auf seine dreckverschmierten Nummernschilder, nickte befriedigt und betrat den Schuppen. Drei Regale. Süßigkeiten, ein paar Toilettenartikel, Alkohol. An der Wand drei verblichene Poster mit halbnackten Frauen. Toupierte Haare, Augen aus Eis. Er wartete. Der alte Mann ließ sich Zeit. Machte eine Riesenshow daraus, den Tankdeckel mit einem öligen Lappen abzuwischen, den Stutzen sorgfältig einzuhängen, die Anzeige an der Zapfsäule zu studieren. Schließlich betrat er den Schuppen. Fresa war bereit. Der alte Mann ging hinter die Theke, tippte ein paar Zahlen in die Kasse. Fresa deutete auf die Kisten mit Estrella Damm, die die gesamte hintere Wand in Anspruch nahmen. „Hilft Ihnen jemand damit?“

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Der alte Mann blickte von der Kasse auf, lachte. „Wer soll mir denn helfen?“, behauptet er. „Mein Sohn lebt jetzt in Madrid. Er studiert, behauptet er zumindest. Er studiert schon seit fast zehn Jahren, und alle paar Monate muss ich ihm Geld schicken. Wissen Sie, als ich …“ „Sie sind also ganz alleine hier?“, sagte Fresa und blickte sich in dem schäbigen Raum um. Kameras? Nein. „Genau“, sagte der alte Mann. „Außer mir ist niemand hier.“ Er öffnete die Kasse, kniff die Augen zusammen, starrte auf das Display. „Macht genau …“ Fresa zog die Dose mit dem Pfefferspray aus seiner Hosentasche, sprühte dem Mann die volle Ladung ins Gesicht. Beugte sich über die Theke, riss die Lade der Kasse heraus und raffte die Scheine zusammen. Die Münzen ließ er liegen. Vielleicht wollte der Sohn in Madrid noch ein paar Semester studieren. Draußen blickte er sich schnell um; keine anderen Autos weit und breit. Nach zwanzig Minuten erreichte er Figueres. Er fuhr auf den Parkplatz eines Supermarktes und zählte das Geld. Sechzehntausend Peseten. Nicht die Hölle, aber okay für ein Bett und ein Bier oder zwei. Er machte sich auf die Suche nach einem Hotel.

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Frank Kretschmer saß an der Bar, trank Bier und dachte über Autos nach. Autos brachten ihm kein Glück. Hatten es nie, würden es nie. Seinen ersten Autounfall hatte er mit fünf gehabt. Sein Vater, ein Mechaniker, der nicht viel von Sicherheitsgurten, Tempolimits oder Fahren in nüchternem Zustand hielt, hatte eine Kurve unterschätzt und seinen Mazda drei Meter neben der Straße in einem Bachbett geparkt. Kretschmer war mit Abschürfungen und einem leichten Schock davongekommen, sein Vater hatte einige Wochen im Streckverband verbracht. Mit neun hatte Kretschmers Vater es an der Zeit gefunden, dass sein Junge, schon beinahe ein Mann, wie er meinte, das Autofahren lerne. Kretschmer hatte sich nicht allzu blöd angestellt, und einige Jahre später wunderte sich niemand in der Vorstadtsiedlung, dass ein Zwölfjähriger, der kaum bis zur Windschutzscheibe reichte, durch die Gegend fuhr. Mit vierzehn war er Go-Kart-Meister gewesen, mit sechzehn wechselte er zum Rallyesport. Und da holte es ihn ein, sein unglückliches Verhältnis zu Autos. Kretschmer seufzte und trank noch einen Schluck Bier. Er blickte sich um, stellte fest, dass er immer noch der einzige Gast in der Hotelbar war. Er fuhr sich mit der flachen Hand übers Kinn, spürte die Stoppeln. Er fühlte sich dreckig, verschwitzt, gehetzt. Auf der Flucht.

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Nach dem Unfall, sein Rallyewagen war nur noch Schrott, hatte er sich gefragt, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war, einen Beifahrer zu beschäftigen, der eine Zweistärkenbrille trug. Nichts gegen Brillenträger, sein Vater trug eine Brille und der hielt sich für einen ausgezeichneten Autofahrer, aber Kretschmer hatte sich des Eindrucks nicht erwehren können, dass ein Beifahrer, der seine volle Sehfähigkeit ohne Brille aufbrachte, die Angaben auf dem Blatt möglicherweise richtig gelesen hätte. Möglicherweise hätte dieser Beifahrer dann Kretschmer nicht versichert, er könne ohne Probleme im vierten Gang durch diese Kurve da vorne rasen, da es sich, genau genommen, nicht um eine Kurve, sondern nur um eine Gerade mit einem leichten Knick handle. Dieser leichte Knick betrug, wie Kretschmer später nachgemessen hatte, knapp hundertzehn Grad. Und der Baum am Straßenrand hatte die Sache nicht gerade besser gemacht. Kretschmer war ausgestiegen, hatte das Wrack begutachtet, das einmal sein Rallyewagen gewesen war, in den er und sein Vater ein kleines Vermögen investiert hatten, hatte geschaut, ob er verletzt war, nein, hatte geschaut, ob sein Beifahrer verletzt war, ebenfalls nein, und hatte ihm dann einen Schlag in die Visage verpasst, genau auf die Brille. Da der Schrottplatzbesitzer ein Freund war, hatte Kretschmer fürs Abschleppen nichts bezahlen müssen. Er hob den Kopf, winkte den Barkeeper heran, bestellte noch ein Bier. Es war kalt, er konnte die Berge spüren,

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der seine planlose Fahrt Richtung Süden durch Tank­ stellenüberfälle finanziert. Frank Kretschmer ist auf der Flucht, weil er Informationen besitzt, die ­e inem mächtigen Mann schaden könnten, und weil die ­Trennung von seiner Frau nicht ganz konfliktfrei ver­

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Rob Fresa ist ein Romantiker mit gebrochenem ­H erzen,

laufen ist. Unterwegs treffen die beiden a­ ufeinander und beschließen, gemeinsam nach Barcelona zu ­f ahren. Als ihnen dort zufällig der ehemalige Rockstar Sara Nielsson begegnet, wittern sie die Chance aufs

Und plötzlich wird es für Fresa und Kretschmer verdammt ungemütlich im sonnigen Barcelona. „Barcelona Blues“, erstmals 2003 erschienen, ist der achte Kriminalroman von Jürgen Benvenuti und liegt nun in einer überarbeiteten Fassung vor.

Weitere Werke von Jürgen Benvenuti im Falter Verlag: Harter Stoff. Ein Wiener Kriminalroman Leichenschänder. Ein Wiener Kriminalroman Schrottplatz Blues. Ein Wiener Kriminalroman

ISBN 978-3-85439-513-3

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und ein übel gelaunter Killer durchkreuzen ihre Pläne.

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