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FALTER

ImPulsTanz 12 Vienna International Dance Festival

Nr. 27a/12

Interviews: Jan Fabre, Manuel Legris, Ismael Ivo & Johann Kresnik Reports: Choreographic Platform Austria, Prix Jardin d’Europe Service: Workshop-Guide, Performance-Lexikon

C O V E R M O T I V : A N N A M I R L VA N D E R P L U I J M I N „T H E P O W E R O F T H E AT R I C A L M A D N E S S “. F O T O : R O B E R T M A P P L E T H O R P E F Ü R J A N F A B R E / T R O U B L E Y N

Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2356/2012


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Fotos: pat r ick t. sellit to, s tanisl av dobak , dav id elofer , dann y willem s, c ar l ander s nil sson, johannes gellner

18 Vorwort

Inhalt

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Das war schon extrem radikal“ Jan Fabre spricht über sein Frühwerk, das bei ImPulsTanz wiederaufgeführt wird 

Perfektion ist man von den Vorstellungen bei ImPuls­ Tanz gewohnt. Eine „Perfektion“ aber gab es bei Ös­ terreichs größtem Performancefestival noch nie. Im „Österreich Pavillon“, den ImPulsTanz dieses Jahr im Grand Etablissement Gschwandner in Hernals ein­ richtet, werden sich nicht nur rund 30 Künstlerinnen und Künstler der heimischen Szene präsentieren; im Rahmen einer „Perfektion“ wird dort auch das Publi­ kum „choreografiert“. Der Österreich Pavillon ist das Herzstück der Choreographic Platform Austria (CPA), die heuer erstmals bei ImPulsTanz stattfindet. Was das ist und wie das alles zusammenhängt, erfahren Sie ab Seite 18 dieses Heftes. Neu bei ImPulsTanz ist auch, dass die Nachwuchs­ reihe [8:tension] heuer nicht acht, sondern 14 Produk­ tionen umfasst. Hintergrund dafür ist, dass die Per­ formances in diesem Jahr zugleich im Wettbewerb um den begehrten Prix Jardin d’Europe stehen, der seit 2008 jährlich vergeben wird. Verwirrt? Kein Problem, Christine Standfest, heuer Ko-Kuratorin von [8:ten­ sion], kann alles erklären (Seite 8). Nicht nur die junge Kunst, auch die „Alten“ werden bei ImPulsTanz hochgehalten. Die große Anne Tere­ sa De Keersmaeker kommt heuer mit ihrem legendä­ ren Steve-Reich-Stück „Drumming Live“ nach Wien (Seite 13); ImPulsTanz-Mitgründer Ismael Ivo tanzt, fast 20 Jahre nach der Premiere, wieder sein Künstler­ drama „Francis Bacon“, das er gemeinsam mit Johann Kresnik entwickelt hat (Seite 30); und Jan Fabre prä­ sentiert zwei Performances aus den frühen 1980erJahren, die längst Theatergeschichte geschrieben ha­ ben, wieder auf der Bühne (Seite 4). Neben der gewohnten Mischung aus Information und Analyse enthält das Falter-Special zu ImPuls­ Tanz dieses Jahr auch einen Artikel zu einem Thema, das wirklich alle interessiert: Wer mit wem? Dieser in der Wiener Performance-Szene sehr berechtigten Frage wird auf Seite 21 nachgegangen. Viel Spaß mit ImPulsTanz und mit diesem Heft! 

Wolfgang K r alice k

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Dieser Mann kann Ihr Bewusstsein erweitern Der Kanadier Benoît Lachambre zeigt zwei Kollaborationen mit musikalischen Partnern

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Let’s Trance! Wenn Tanz Grenzen überschreitet: Ivo Dimchev, Koffi Kôkô, Ko Murobushi, David Wampach

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Einer wird gewinnen Die Reihe [8:tension] ist heuer zugleich Wettbewerb um den Prix Jardin d’Europe

10 11 „Ein Kuss ist ein Kuss“ 12 Interview mit Manuel Legris, der für ImPulsTanz eine Ballett-Gala gestaltet   Im Wirbel der Trommeln Starchoreografin Anne Teresa De Keersmaeker und ihr Klassiker „Drumming Live“ 13 Wenn man seinen Augen nicht traut 15 „booty Looting“ von Wim Vandekeybus & Ultima Vez – ein Premierenbericht Ein Arsenal an Möglichkeiten 16 Selber tanzen: ein Überblick über das Workshop-Programm von ImPulsTanz 

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Einer hat schon gewonnen Interview mit Olivier Dubois, dem ersten Gewinner des Prix Jardin d’Europe Blick zurück nach vorn Diane Shooman über die retrofuturistische Performance „Danses Libres“

Made in Austria Erstmals findet bei ImPulsTanz die Choreographic Platform Austria statt. Was ist das? Liebt und arbeitet in Wien Aufgedeckt: Nicht wenige Künstlerinnen und Künstler sind auch aus Liebe in der Stadt Stark geschminkte Wahrheiten Performance goes Varieté: Trajal Harrell, Miguel Gutierrez, Mark Tompkins Der Treibstoff des Tanzens Faustin Linyekula aus dem Kongo erklärt, was ihn bewegt

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27 Nach dem Tanz ist vor dem Tanzen Partyservice: ein Überblick über das After-Show-Programm des Festivals 27 Lexikon ImPulsTanz von A bis Z: alle Performances, alle Daten, alphabetisch geordnet  28 Der Ästhet und der Molotowcocktail Ismael Ivo und Johann Kresnik über ihr Künstlerdrama „Francis Bacon“ 30 Langsam wachs ma z’samm Wenn zwei Körper verschmelzen: Angela Schubot und Jared Gradinger

Impressum Falter 27a/12 Herausgeber: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. Medieninhaber: Falter Zeitschriften GmbH., Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, Tel. 01/536 60-0, E: service@falter.at, www.falter.at Redaktion: Wolfgang Kralicek  Layout: Raphael Moser, Marion Großschädl Korrektur: Helmut Gutbrunner Druck: Passauer Neue Presse Druck Gmbh, 94036 Passau; DVR: 047 69 86. Im Auftrag von ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival

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I m pu lstanz 12 fast 30 Jahre danach, will Jan Fabre es noch einmal wissen: Mit neuen Schauspielern hat er „The Power of Theatrical Madness“ rekonstruiert, ebenso die 1982 entstande­ ne, acht Stunden lange Performance „This is theatre like it was to be expected and fore­ seen“ („Es ist Theater wie zu erwarten und vorauszusehen war“). Beide Arbeiten wer­ den bei ImPulsTanz gezeigt.

Mapplethorpe fotografiert Fabre: „The Power of Theatrical Madness“ mit Wim Vandekeybus (1984)

„Schauspieler und Tänzer reden nie über Geld. In der bildenden Kunst geht es nur noch darum“

Falter: Herr Fabre, warum holen Sie zwei Stücke aus den 80ern aus dem Fundus? Jan Fabre: In den letzten Jahren wurde ich von Veranstaltern immer wieder danach ge­ fragt. Ich sagte immer nein, weil ich dach­ te: Der Mythos ist stärker. Man findet diese Stücke in jedem jüngeren Buch über Thea­ ter- und Tanzgeschichte! Dass ich sie jetzt dennoch wieder mache, hat einen anderen Grund: Ich bereite für 2014 das 24-Stun­ den-Projekt „Mount Olympus“ vor. Und da sind diese alten Stücke eine gute Ba­ sis für die junge Generation von Perfor­ mern: Darin sind die Wurzeln meiner Ar­ beit enthalten. Die Re-Enactments sind also eine Art Vorstufe für das neue 24-StundenStück.

Wie haben Sie die Performer gefunden? Fabre: Ich habe Auditions in ganz Europa gemacht – in Stockholm, Paris, Rom, Zag­ reb, Brüssel und Antwerpen. Ich habe mir 1500 oder 1600 Leute angeschaut und da­ raus 15 ausgewählt, die die beiden Stücke spielen werden. Und die Besten von diesen 15 wiederum werden, zusammen mit älte­ ren Performern aus meiner Company, in der 24-Stunden-Performance dabei sein.

Wolfgang Kralicek

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en 11. Juni 1984 wird Jan Fabre nie vergessen. An diesem Tag betrat der flämische Künstler überfallsartig die internationale Theaterszene. Im Rahmen der Biennale von Venedig hatte im Teatro Carlo Goldoni Fabres drit­ te Theaterinszenierung „The Power of The­ atrical Madness“ („Die Macht der theater­ lichen Torheiten“) Premiere. Im Zuge der mehr als vier Stunden langen, streng struk­ turierten Aufführung trieb Fabre seine Dar­ steller (darunter Wim Vandekeybus, später selbst ein berühmter Choreograf und Re­ gisseur) buchstäblich an den Rand der Er­ schöpfung; Publikum und Kritik waren ge­ spalten: Hatten sie gerade das Meisterwerk eines Genies gesehen? Oder doch nur das Machwerk eines Scharlatans? Die Theatergeschichte hat entschieden: Das Stück gilt inzwischen als Klassiker der zeitgenössischen Bühnenkunst. Und jetzt,

„Das war schon extrem radikal“ Der flämische Künstler und Theatermacher Jan Fabre über sein Frühwerk, das er nach 30 Jahren wieder auf die Bühne bringt

Versuchen Sie, die Stücke so genau wie möglich zu rekonstruieren? Fabre: Ja, bis ins kleinste Detail. Wir ver­ wenden die Originalmusik, dasselbe Ti­ ming, dieselben Bewegungen – ich wollte die Stücke nicht neu inszenieren. Was für ein Verhältnis haben Sie denn zu Ihren Arbeiten aus den Eighties? Fabre: Ich muss sagen, das war schon extrem radikal, und das ist es immer noch. Als ich die Stücke auf der Probe jetzt wieder gese­ hen habe, hat mich die Simplexität, die das hat, ganz schön beeindruckt. Was ist Simplexität? Fabre: Eine Kombination aus Simplizität und Komplexität. Die Stücke sind sehr ein­ fach, zugleich aber auch sehr komplex.

Foto: robert Mapplethorpe

Interview:

Warum machen Sie Ihr allererstes Stück, „Theater geschrieben mit K ist ein Kater“, nicht auch wieder? Fabre: Das war zu extrem, da gab es eine echte Vergewaltigung auf der Bühne. Ich wurde damals mehrmals verhaftet, einmal in Belgien und einmal in Chicago. Also hab ich beschlossen, dieses Stück nicht wiederaufzunehmen.


I m p u l s t a n z 1 2    Ihre ersten drei Stücke haben alle den Begriff „Theater“ im Titel. Ist das Theater über Theater? Fabre: Beim Acht-Stunden-Stück war ich, glaube ich, einer der ersten Regisseure der Geschichte, der Echtzeit, echte Aktionen, echten Schmerz ins Theater gebracht hat. Das hat noch viel mit Avantgardekunst, Performancekunst, Installation zu tun. In „The Power of Theatrical Madness“ geht es mehr um die Beziehung zwischen klassischer Malerei und klassischem Schauspiel. Heute ist diese Inszenierung ein Klassiker. Wie wurde sie denn damals aufgenommen? Fabre: Als wir „The Power of Theatrical Madness“ bei Theater der Welt im Schauspiel Frankfurt zeigten, war das Theater am Anfang ausverkauft, über 1000 Zuschauer. Am Ende waren noch 30 Leute drin. Aber mit diesen 30 Leuten bin ich heute noch befreundet! Tom Stromberg war einer von ihnen, William Forsythe, Claus Peymann … Wie oft haben Sie das Stück denn insgesamt gespielt? Fabre: So ungefähr 200 Mal, von New York bis Japan. Mit dem Acht-Stunden-Stück war es genauso. Da hatten wir in Belgien ganz schlechte Kritiken, erst im Ausland wurde es ein Erfolg. Soll man sich das wirklich acht Stunden lang anschauen, oder kann man, wie in einer Installation, kommen und gehen? Fabre: Es steht den Leuten frei, jederzeit rein- und rauszugehen. Bei den Durchläu-

fen zeigt sich jetzt allerdings, dass die meisten bis zum Schluss bleiben. Wie sind Sie als bildender Künstler damals überhaupt auf Theater gekommen? Fabre: Ich hatte, im Kunstkontext, immer schon Soloperformances gemacht. Die anderen Performancekünstler waren aber alle älter als ich, ich wollte mit Leuten aus meiner Generation arbeiten. Dazu kam, dass ich mich Anfang der 80er-Jahre in eine Schauspielerin verliebte. Das war ein gutes Alibi, mit Schauspielern und Tänzern zu arbeiten. Deshalb gründete ich damals meine eigene Company. Parallel zu den Stücken wird in Wien auch eine Ausstellung mit Fotos zu sehen sein, die Robert Mapplethorpe zu „The Power of Theatrical Madness“ gemacht hat. Wie kam es denn dazu? Fabre: Das war ein Glücksfall. Ich hatte 1983 eine Ausstellung im Stedelijk Museum in Amsterdam, und Robert, der damals noch nicht sehr bekannt war, hatte gleichzeitig eine kleine Galerieausstellung. Er mochte meine Arbeiten, kontaktierte mich und lud mich in seine Ausstellung ein. Es funkte zwischen uns, und er sagte: Ich möchte deine Arbeit fotografieren. Er kam dann fünf Tage in mein Studio in Antwerpen und machte die Fotos. Seitdem besitze ich 50 Originalabzüge von Robert Mapplethorpe! Die werden in der Ausstellung zu sehen sein. Dazu zeige ich die Zeichnungen, die ich bei der Kreation des Stücks gemacht habe.

Zur Person Jan Fabre, 53, ist ein Allroundkünstler. Der Flame genießt als bildender Künstler ebenso Weltruhm wie als Theaterregisseur und Choreograf. Fabre lebt und arbeitet in Antwerpen

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Inwiefern hat sich Ihr Verhältnis zum Theater in den letzten 30 Jahren verändert? Oder ist das im Prinzip immer noch dasselbe wie damals? Fabre: Na ja, ich hoffe doch, dass ich inzwischen ein bisschen weiser, erfahrener und besser geworden bin. Aber ich würde sagen, der wichtigste Unterschied ist, dass ich mich in Tänzer und Schauspieler verliebt habe. Ich habe im Lauf der Jahre gelernt, sie zu respektieren. Um ehrlich zu sein, verdiene ich mit meiner Kunst mehr als mit Theater oder Tanz. Aber ich arbeite gern mit Schauspielern und Tänzern, weil die noch mit Leidenschaft bei der Sache sind. Die reden nie über Geld! In der bildenden Kunst geht es nur noch darum.

This is theatre like it was to be expect­ed and foreseen: 21.7., 21.00, und 22.7., 19.00, MQ, Halle G

Hatten Sie früher keinen Respekt vor Schauspielern? Fabre: Als junger Künstler ist man einfach extremer unterwegs. Man denkt nicht an morgen. Aber wenn so eine Company einmal 20, 25 Jahre zusammen ist, dann freundet man sich natürlich auch an. Es ist aber auch schön für mich zu sehen, wie radikal ich einmal war. Auf eine einfache, aber auch ehrliche Art. Natürlich wird man mit der Zeit erfahrener – man droht dabei aber die Simplexität zu verlieren.

Ausstellung Jan Fabre / Robert Mapplethorpe: 14.7. bis 15.9., Galerie Mario Mauroner (Vernissage: 14.7., 12.00)

Bedauern Sie das? Fabre: Ach, ich glaube, man braucht ein Leben lang, um ein junger Künstler zu werden. Und ich finde, dass ich heute jünger bin als mit Mitte 20, als ich meine ersten Stücke gemacht habe.  F

The Power of Theatrical Madness: 18.7., 21.00, Burgtheater

Dieser Mann kann Ihr Bewusstsein erweitern Der Kanadier Benoît Lachambre lebt und arbeitet über die Transformation – und erhebt sie zum Ideal der Gesellschaft V o rsc h a u : E lfi Ober h u ber

enoît Lachambre ist abgewrackt, echt B fertig ... ein Experte für kaputte Typen, für Freaks und Extremkreaturen, die im Schmerz zum brüllenden Tier werden können.“ Ist diese Beschreibung der Kritikerin Nicole Strecker anlässlich der Uraufführung von „Snakeskins“ ein Kompliment oder eine Beleidigung?

Fotos: S. Van Fleteren, michael slobodian

Wer die Trance-Analyse in diesem Falter-

Special (S. 6) liest, weiß: Der Kanadier Lachambre ist wahrscheinlich gerade deshalb einer der größten Künstler dieses Festivals. Die erleuchtende Metamorphose im meditativ schmerzvollen Grenzgang beginnt und endet bei ihm nicht mit einem Stück, er lebt sie selbst. Allein seine Wandlung vom vitalen, edlen Schönling des modernen Ausdrucksballetts vor 22 Jahren, als er etwa den Romeo oder einen puppenhaften Charlie-Chaplin-Fantomas tanzte, zur bis ins Innerste gezeichneten Galionsfigur der zeitgenössischen Improvisation und des Körperbewusstseins ist eine Transformation sondergleichen. Seitdem experimentiert Lachambre im Feld der Geste, auf der Suche nach höchster Authentizität und Intensität, sowie in kreativen Entwicklungsprozessen.

Schon das bedeutet ständige Neuerung. Mit „Snakeskins“ („Schlangenhäute“) nimmt die Metamorphose ein größeres Ausmaß an, indem Lachambre seine Bewegungswahrnehmung neu definiert. Der Weg dazu, die sich häutende Schlange, ist gar nicht so offensichtlich, denn der in einer Skelettrüstung steckende Performer kämpft sich in seinem Lebensraum – einem gigantischen symmetrischen Netz aus gespannten Seilen – eher wie ein Insekt ab. Er mutiert bettelnd, heulend und wie ein Rockstar auf Drogen zum Landstreicher, Kampfhund, Avatar. Bis zur tödlichen Erschöpfung. Und da appelliert sein wilder Geist im zerrütteten Körper an das Un-

Chutes incandescentes: 12.7., 21.00 und 15.7., 20.00, Odeon Snakeskins: 10. und 12.8., 21.00, Museumsquartier, Halle G

Solo für zwei Körper: Clara Furey und Benoît Lachambre

terbewusste der Menschen, die ihre ausgetretenen Pfade nie verlassen: „Kennen wir den Unterschied zwischen Rückbildung und Hochentwicklung in der gegenwärtigen Gesellschaft überhaupt?“ Benoît Lachambre nennt das Solo insgeheim

„Fake Solo“, weil auch sein Stammmusiker, der Multiinstrumentalist Hahn Rowe, live mitimprovisiert und neben weiteren Künstlern am Entstehungsprozess beteiligt war. Eine typische Arbeitsweise für Lachambre, wie auch in „Chutes incandescentes“, einem „Solo für zwei Körper“ mit der Songwriterin, Pianistin und Tänzerin Clara Furey, einer Stimmcharismatikerin mit Faible für orientalische Mythologie. Ein Solo für Furey wurde quasi ausgebaut, sodass Lachambre nun den zweiten, persische Traumgedichte vortragenden „Körper“ in dieser von ihr geprägten Welt mimt. Die Träume handeln vom Absturz des Halbgottes Rama, dessen geliebte Frau Sita vom Dämon Ravana entführt wird. Wie schon Louise Lecavalier in „Is You Me“ bringt Transformator Lachambre auch diese Künstlerin zu einem bewusstseinserweiterten Zugang ihres Werkgebiets. Clara Furey nähert sich dem Klavier – und auch Lachambre – zuckend, sinnlich, erotisch und überhaupt auf allen Wegen, nur nicht den konventionellen.  F


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Die Trance ist für den Tänzer eine schmerzhafte Reise ans Limit seiner Kräfte – und zum Licht

Das Licht im

Essay: E l f i O b er h u b er

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er Körper ist ein Wunder. Ein wunder Körper. Die Wunde kommt vom Geist. Wenn die Zeit keinen Körper mehr hat, sie sich im Schwindel dreht, wenn der ganze Raum fliegt: Das ist Trance. Oder ein Traum. Von da gelangt der Künstler in einen Bewusstseinszustand höchster Konzentration, in den Fokus seines Themas. Erreicht ein Tanzkünstler über die Transgression die spirituelle Dimension, indem er über seine physischen Grenzen hinaus wächst, greift der Traum, das Abnormale, um sich. Der Mensch überwindet seine Gewohnheiten, Ängste, seine Vorurteile, zugunsten einer erweiterten Erkenntnis. Bei religiös-spirituellen Tänzern wirkt der Traum schon unmittelbar von ihrer „fantasievoll“ fremden Herkunft her. Da müssen sie nicht einmal einschlägig sein wie Ko Murobushi, die japanische Ikone des Butoh, wo­ rin sich der Körper mit buddhistischer Tiefe und Kraft in andere Formen und Substanzen verwandelt; es geht auch bei dem Afrikaner Koffi Kôkô, der rituellen Voodoo zum modernen Theatertanz verarbeitet. Ein wunder Körper. Die Wunde kommt vom Geist. Der Geist verwundet den Körper schwer. Tanzende und rhythmische Bewegungen, um mit Gott oder Geistern zur Erkenntnis zu gelangen, gehören zur afrikanischen Glaubenspraxis, so wie Gott und Teufel in einer Person gesehen werden. Kôkô erkundet in „La beauté du diable“ die jüdisch-christliche, getrennte Sichtweise und behauptet: „Jeder trägt neben Gott auch den gefürchteten Teufel in sich.“ Und der ist „schön“. Ja, die moralisch-ethischen Abgründe sind sogar anziehend. Deshalb steckt der Teufel Kôkôs Körper in einen weißen Herrenanzug und tunkt dessen Gesicht in weiße Farbe, wenn der afrikanische Mann auf der Bühne ein barockes Reifrock-Kinderkleidchen entdeckt. So ist das in weißen Landen also: historisch gewachsen. Diese meditative Erleuchtung mit brodelnder Energie nach innen und stoischer Ruhe nach außen kostet Kôkôs Würde ein ironisch-weiches Tänzeln. Er schneidet zur live anwachsenden Buschtrommel mit bedrohlichem Glockenklang Grimassen, er schreitet, stampft, rudert, nebelt sich mit Kreide ein und zieht, innerlich frei, alles in seinen Bann.

Der Teufel trägt Weiß: „La beauté du diable“ von und mit Koffi Kôkô


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wunden Körper

Fotos: ar naldo j.g . tor r es, clive jenk ins, mirolto, ta m a s k atko

Der Geist Murobushis lässt seinen Körper indessen den direkten Leidensweg vom Himmel zur Hölle durchlaufen: als Suchender Millimeter um Millimeter, nackt, gebeugt, auf Zehen- und Fingerspitzen, vom rauschenden Wind umweht. Er denkt in „quick silver“, dass das Wunder Körper (= Mensch) stark wie Metall geboren und in einsamer Wanderung durch die Gesellschaft verletzt wird. So viele Lücken (Hürden) gibt es zu meistern – da könnte der Unvollkommene, der Unpassende leicht durchfallen! Sein silberfarbener, gestählter Körper nimmt die Hürden auf sich und stößt sich ans Limit, um in einem Universum aus Schmerz und Dunkelheit zu einem alten Mann an der Grenze zwischen Leben und Tod zu mutieren. In der Endzeitstimmung gibt es aber auch eine Botschaft: Die Zerbrechlichkeit wird gesellschaftsfähig gemacht. „Ich habe mit diesem Theater nichts zu tun“, sagt Murobushi. „Gibt es auf dieser Erde dennoch irgendeinen Platz für mich?“ Die Wunde kommt vom Geist. Der Geist verwundet den Körper schwer. Er findet sein Licht. Der Tanz bedient sich zur TranceAuslösung in der Bewegung und in der Akustik der mehrfachen, schleifenartigen Wiederholung eines Reizmusters. Ein weiteres Mittel ist der Schmerz, bei dem körpereigene Drogen (Endorphine) ausgeschüttet werden, um die Schmerzempfindlichkeit herabzusetzen. Der bulgarische Extrem-Performance-Künstler Ivo Dimchev nutzt zu diesem Zweck bis zur Transformations- und Transgressionsidee alles. Er identifiziert sich jedoch mit keiner Rolle, sondern mutiert sozusagen innerhalb seiner selbst. Bei so vielen Begabungen – Choreograf, Tänzer, Schauspieler, Komponist, Sänger und Fotograf – geht das auch. In „the P project“ spielt Dimchev mit den Konnotationen des Polizisten, der Prostituierten, des Pianos, der Pussy oder des Printers. Das Publikum begleitet ihn durch Leben und Tod, indem er an die Wahrnehmung persönlicher Schamgrenzen stößt. In „Concerto“ kehrt Dimchev hauptsächlich den Musiker hervor und improvisiert mit seinem Landsmann Emilian Gatsov, einem Komponisten. Fragil und leise steigert er sich in Nummern wie „Traveling“ und „Back Home“ mit toller Rockstimme zeitzerdehnend in

ein leidenschaftliches Perückenwesen mit Opern-Kopfstimme.

In Trance wächst der Mensch über sich hinaus: François Chaignaud und Marie-Caroline Hominal als lebende Statuen in „Duchesses“ (l.o.); Butoh-Tänzer Ko Murobushi (r.o.) und Extremperformer Ivo Dimchev (u.)

Der Geist verwundet den Körper schwer: Er findet sein Licht. Über die erotische Ekstase, das Trauma. Die Kombination aus rhythmischrepetitiven Kreisbewegungen, zwei nackten Körpern und einem Symbol der sexuellen Revolution wie dem Hula-Hoop-Reifen strahlt zunächst Erotik aus. Den historischen Kampf haben diese beiden gelassen eleganten „Duchesses“, Marie-Caroline Hominal und François Chaignaud, jedoch überwunden, selbst in den Barockgärten des Belvedere. Sodass zur trancehaft schwebenden Musik von Granular Synthesis bald nur noch das Gegenteil dominiert: Keuschheit und Askese. Dagegen ist das genial komplexe „Sacre“ vom Franzosen David Wampach Hardcore. Er holt da etwas aus dem Körper heraus, das nur ein „Insider“ kennen kann. Der frühere Medizinstudent Wampach und seine Partnerin Tamar Shelef erleben den schockinduzierten, psychischen, physischen Schmerz hier als extreme Angst, als Trauma, was sie mit permanent anwachsendem Hyperventilieren vertiefen. Ausgehend vom rituellen NijinskyStrawinsky-Original der Frühlingsopferung, steigert Wampach zudem die sexuelle Unterwerfung in den Lustschmerz eines Kapuzenpaares. Das Irrationale trifft daher die Frau und ihr männliches Ebenbild, vom riesenhaften Phallussymbol in der Frau bis zur metaphorischen Selbsttötung des Mannes. Ein Albtraum, der für die beiden allerdings auch eine Lösung parat hat.  F Concerto (Ivo Dimchev & Emilian Gatsov): 12. und 16.7., 23.00, Schauspielhaus the P project (Ivo Dimchev): 5.8., 23.00, und 12.8., 19.00, Kasino am Schwarzenbergplatz Sacre (David Wampach): 17. und 19.7., 23.00, Odeon quick silver (Ko Murobushi): 29.7., 21.00, Odeon Duchesses (François Chaignaud & Marie-Caroline Hominal): 30.7., 23.00, und 1.8., 23.59, Barockgärten des Belvedere La beauté du diable (Koffi Kôkô): 2. und 4.8., 21.00, Museumsquartier, Halle G


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„Die junge Generation ist sehr gelassen“ gen die Kultur gerichtet. Aus diesem Grund werden EU-Projekte einerseits wichtiger, sie sorgen vielleicht wirklich für eine Art kultureller oder politischer Verständigung in Europa – man muss es ja nicht gleich Identität nennen. Andererseits besteht die Gefahr, dass lokale Strukturen, die natürlich notwendig sind, damit Künstler kontinuierlich arbeiten können, abgebaut werden, nicht selten mit dem Hinweis: „Ihr bekommt ja eh EU-Gelder.“ Aber um beim Festival zu bleiben: [8:tension] ermöglicht vor allem eine nachhaltige, dichte und sehr menschliche Ebene von Begegnung.

Bei der Nachwuchsreihe [8:tension] gibt es heuer 14 Stücke zu sehen – und einen Preis zu gewinnen. Ein Gespräch mit Ko-Kuratorin Chris Standfest INTERVIEW: U l l i M o s c h en

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ie Reihe [8:tension] ist seit vielen Jahren Fixpunkt im Programm von ImPulsTanz. Die Young Choreographers’ Series haben sich auch international als Plattform einer neuen Generation von Tanz- und Performancekünstlern etabliert. In diesem Jahr läuft allerdings einiges anders. Der Falter sprach mit Ko-Kuratorin Chris Standfest über die Rolle von [8:tension], die Vielfalt im zeitgenössischen Tanz, künstlerische Auseinandersetzungsfelder und eine besondere Form der Kuratierung.

Die langjährige Kuratorin Christa Spatt ist in Karenz, die 14 Stücke wurden deshalb von verschiedenen Leuten kuratiert. Wie ist das Programm zustande gekommen? Standfest: Wir haben in diesem Jahr gewissermaßen drei Kuratorenpools – was übrigens den interessanten Nebeneffekt hat, dass niemand von uns alle Stücke gesehen hat. Zum einen haben die europäischen Partner Künstler aus ihren Ländern für den Prix Jardin d’Europe vorgeschlagen. Zum anderen hat Christa Spatt vor ihrer Babypause noch einige Künstler empfohlen, aus diesem nochmals erweiterten Pool hat schließlich ein Team von ImPulsTanz die Auswahl getroffen. Und der dritte wichtige Punkt ist die CPA. Diese wird heuer zum ersten Mal von ImPulsTanz gehostet.

Falter: In diesem Jahr wird im Rahmen von ImPulsTanz der Prix Jardin d’Europe, ein Nachwuchspreis der EU, vergeben. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und ist für die Realisierung eines Stückes vorgesehen. Was bedeutet das für [8:tension]? Chris Standfest: Das Augenscheinlichste ist zunächst einmal, dass das Programm von acht auf 14 Stücke aufgestockt wurde. Das hat verschiedene Gründe. ImPuls­ Tanz ist dieses Jahr ja nicht nur Gastgeber für den Prix Jardin d’Europe, sondern auch für die Choreographic Platform Austria, kurz CPA. Beides sind wirklich wichtige Netzwerke, ohne die der zeitgenössische Tanz in der jetzigen Form überhaupt nicht denkbar wäre. [8:tension] spielt als Reihe mit großer Kontinuität für die internationale Entwicklung dieser Netzwerke eine entscheidende Rolle und ermöglicht sowohl politische als auch künstlerische Vernetzung. Wichtig ist auch, dass die eingeladenen Künstler jeweils eine zweiwöchige Residence in Wien erhalten. Das führt dazu, dass sich die Tänzer verlinken. Diese Konstellation regt zur Auseinandersetzung mit anderen Künstlern und Producern an – was nicht denkbar wäre, wenn die Künstler nur für ihre Produktion eingeflogen werden und nach der Show müde in ihr Hotelbett fallen würden. Das Resultat dieser Tradition ist nicht nur eine Belebung des Diskurses, sondern es kommt auch zu neuen Projektkonstellationen und Kooperationen.

Die Festivalleitung ist dazu an in Österreich lebende und arbeitende CPA-Künstler, die auch jeweils bei ImPulsTanz mit Stücken vertreten sind, herangetreten und hat sie gebeten, ihrerseits je einen Künstler für [8:tension] vorzuschlagen.

Einer von 14: Fabian Barba tanzt „A personal yet collective history“

Voriges Jahr in Bukarest haben acht Juroren aus sieben Ländern die Gewinner des Prix Jardin d’Europe ermittelt. In diesem Jahr sind es gerade einmal drei Entscheidungsträger. Warum? Standfest: Das hat sich rein praktisch ergeben. Bis jetzt haben die Teilnehmer von „Critical Endeavour“, eines von der EU geförderten Coachings für junge Tanzjournalisten, die Juroren gestellt. 14 Stücke ansehen und dann eine gemeinsame Entscheidung treffen wäre für eine so große Jury aber eine Überforderung und würde den zeitlichen Rahmen sprengen. Unsere drei Juroren, Bettina Kogler von imagetanz, Koen Kwanten von APAP und Gergely Talló von der Workshop Foundation, werden dieses Jahr bestimmt eine gute Wahl treffen. Kann man aus dem Programm so etwas wie Themen herauslesen, die die junge Generation beschäftigen?

Foto: jean Luc Tanghe

Was bedeutet diese politische und künstlerische Vernetzung für den europäischen Raum? Standfest: Im Moment werden Förderstrukturen und finanzielle Mittel in vielen Ländern, etwa Holland und Ungarn, drastisch gekürzt. Das politische Klima ist dort ge-

„Diese Choreografien machen uns sensibel und gelassen für die Krisen unserer Umgebung“


TIamnpzuwl os ct a hn en z 1 2   

Standfest: Das Besondere an [8:tension] ist

ja, dass das Programm ohne Motto oder Themenvorgabe arbeitet. Insofern kann man nicht von übergreifenden Themen sprechen, vielleicht eher von Auseinandersetzungsfeldern. Wenn man die letzen beiden Stücke, „Tremor“ und „A personal yet collective history“, miteinander in Beziehung setzt, könnte man etwa vom Entwurf einer neuen Körperlichkeit als Reaktion auf die Zwänge unserer Zeit sprechen, ohne dass die Auseinandersetzung mit Tanz und Choreografie verlorengeht. Ein weiteres Themenfeld ist der spezifische Umgang mit Medien beziehungsweise die Überschreitungen zwischen Medien und Genres. Ein roter Faden durch das Programm ist auch das Thema Gender. Künstler wie An Kaler, Christine Borch

oder Raul Maia und Thomas Steyaert finden neue Entwürfe jenseits von Geschlechterdefinition. Was die neue Generation von Tänzern verbindet, ist der gelöste Umgang mit der Frage, was es grundsätzlich heißt aufzutreten. „Wir alle spielen Theater“, hieß es vor einigen Jahren, und dieser Druck, aber auch der Genuss, „sich selbst zu performen“, ist ja nicht kleiner geworden. Die jüngere Tänzer- und Performergeneration begegnet diesem „Staging-Moment“ mit großer Gelassenheit. Ihr Zugang ist durchaus kritisch, aber auch sehr souverän. Diese jungen Choreografien machen uns sensibel und gelassen für die Krisen unserer Umgebung, seien es ökonomische, solche des „Auftretens“ oder auch ökologische.

Zur Person Chris Standfest Die 1963 geborene Bayerin lebt und arbeitet als Theoretikerin, Dramaturgin und Performerin in Wien; seit 1997 enge Zusammenarbeit mit Theatercombinat Wien. Bei ImPulsTanz ist Standfest heuer Mitkuratorin der Reihe [8:tension] und der Choreographic Platform Austria

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Was erwarten Sie sich persönlich in diesem Jahr von [8:tension]? Standfest: Ästhetisch erwarte ich so etwas wie ein gesteigertes Feeling für unsere Umgebung – im Kleinen wie im Globalen. Ich denke, dieses Jahr ist es uns durch die vielen Querverbindungen von internationalem, europäischem und österreichischem Zusammenwirken sehr gut gelungen, diese komplexen Verhältnisse aufzugreifen und sie dem Publikum nahezubringen. Und ich hoffe, dass [8:tension] auch vor Ort ein Bewusstsein schafft, dass es dazu nicht nur die konkreten und sinnlichen, die nomadischen oder mikropolitischen Begehren der Künstler braucht, sondern neben den großen Förderinstrumenten auch stabile und kontinuierliche lokale Strukturen. F

Artist’s choice: fünf Künstler als Nachwuchs-Kuratoren für [8:tension] haben fünf österreichische Choreografen bzw. Gruppen, die alle auch im diesjährigen Festivalprogramm vertreten sind, jeweils ein Stück eines jungen Kollegen für das Programm von [8:tension] nominiert. Der Falter bat Philipp Gehmacher, Chris Haring, Anne Juren, Superamas und Doris Uhlich, ihre Wahl zu begründen.

Fotos: annik a goe t z, Eva Würdinger, l aur a vuoma, naoko tanak a, michael str asser, ivo hofste

::  Auf Einladung von ImPulsTanz

Philipp Gehmacher über „Insignificant Others (learning to look sideways)“ von An Kaler: Ich

mag An Kaler. Ich mag ihre Fähigkeit, im Raum einfach dazustehen. Dieser stille Körper, der gleichzeitig so expressiv sein kann. Ich schätze ihre Versuche, körperliche Zustände zu fassen und aufzuzeigen. Mir scheint ihre Suche, den Körper als Schnittstelle zwischen so vielem – kulturell Geprägtem wie körperlich Empfundenem – zu verstehen und darüber hinaus Repräsentation abseits eingespielter Bilder von Mann und Frau zu lokalisieren, unterstützenswert. Auch der Versuch, mit dem Körper eine Sprache zu finden, der vielleicht paradoxerweise eine Sprachlosigkeit zugrunde liegt. Doch diesen Grund gilt es wie auch immer an die Oberfläche zu bringen und erlebbar zu machen. Chris Haring über „In Human Disguise“ von Eeva Muilu und Milja Sarkola: Ich habe Eeva

Muilu mit „In Human Disguise“ vor einigen Jahren in Finnland gesehen, wo wir gemeinsam bei einem Festival aufgetreten sind. Als mir angeboten wurde, jemanden vorzuschlagen, ist mir die beeindruckende Performance der vier Künstlerinnen in diesem ansprechenden Bühnenraum, der von

einem Fell dominiert wird, eingefallen. „In Human Disguise“ bedient viele choreografische Komponenten, spielt mit Raum, Körper und der Beziehung zueinander und erzeugt eine Spannung, die beim Zuschauer etwas mit der Wahrnehmung und der eigenen Körperlichkeit macht. Die Stimmung, die das Stück bei mir hinterlassen hat, hat sich über die Jahre gehalten. Es war für mich eine Art Inventur, Bestandsaufnahme und Positionierung des verlorenen Körpers in einer verlorenen Zeit. Der nackte Körper bleibt bis zum Schluss der Performance ein großes, lebendiges Fragezeichen. Anne Juren über „Die Scheinwerferin“ von Naoko Tanaka: Ich habe Naoko Tanaka vorge-

schlagen, weil mir ihr mehr poetischer, symbolhafter denn direkter Zugang gefällt. „Die Scheinwerferin“ arbeitet mit der Imagination der Zuschauer. Die Materialien, die sie für ihre Installation benutzt, sind simpel, eine Flasche, eine Puppe, ein Licht, aber damit kreiert sie eine ganze Welt. Aus etwas Kleinem entsteht etwas sehr Großes, fast schon Apokalyptisches. Sie selbst wirkt dabei sehr bescheiden, etwas, das ich sehr schätze bei einer jungen Künstlerin. Superamas über „Stardoom“ von The Bandaloop: Unser Anliegen ist es ja seit jeher, In-

halt und Form im Kontext der alten Institution Theater zu hinterfragen. Popkultur erscheint uns als ein brillantes Werkzeug, um uns auf die aktuelle Gesellschaft und ihre ökonomischen und kommerziellen Regeln zu beziehen. The Bandaloop einzuladen soll ein Zeichen dafür sein, dass sich unsere Szene für andere Kunstformen öff-

Von links: Insignificant Others: 27. und 29.7., 21.45, Kasino am Schwarzenbergplatz In Human Disguise: 21.7., 19.00 und 24.7., 23.00, Wuk Die Scheinwerferin: 17.7., 21.00 und 19.7., 20.00, Kasino am Schwarzenbergplatz Stardoom: 29.7. und 3.8., 23.00, Wuk Grind: 13.7., 22.00 und 15.7., 23.00, Kasino am Schwarzenbergplatz Alle [8:tension]Termine: siehe Lexikon, Seite 28

nen muss, zum Beispiel Konzerte. Als wir die Band ansprachen, waren sie begeistert von dem Gedanken, ihren Auftritt für ein Performance-Setting anzupassen. [8:tension] und die CPA bieten den perfekten Rahmen dafür. The Bandaloop einzuladen, bedeutet, die Bedingungen dafür herzustellen, dass ein Konzert in eine Konzert-Performance transformiert werden kann. Doris Uhlich über „Grind“ von Jefta Van Dinther, Minna Tiikkainen & David Kiers: Ich ver-

folge Jeftas Arbeiten, seit wir uns 2004 im danceWEB-Stipendium von ImPulsTanz kennengelernt haben. Das Projekt „Grind“ ist ein Gesamtkunstwerk, das mich auf vielen Ebenen beeindruckt. Selten habe ich erlebt, dass Tanz, Licht und Sound in so einer fein differenzierten Weise miteinander kommunizieren. „Grind“ ist ein dunkles Stück, in dem Licht eine Rolle zu spielen beginnt. Hier setzt Licht nicht einen Tänzer ins Rampenlicht – hier setzt Licht sich selbst in Szene und lässt uns die Dunkelheit und das Schwarze sehen. Sound peitscht der Stille die Ruhe aus und dem Körper seine Selbstverständlichkeit. Je länger sich Sound, Licht und der Körper verstricken und einen Sog von Bildern erzeugen, desto mehr habe ich das Gefühl, dass es hier nicht bloß um technische Spielereien geht, sondern um ein Stück über das „In-der-WeltSein“. Das Projekt trifft den Puls der Zeit – es verkörpert eine Grundstimmung innerhalb unserer Gegenwartsgeschichte. Seit einiger Zeit beschäftigt mich die Frage, was zeitgenössischer Tanz im Jahr 2012 eigentlich bedeutet. „Grind“ gibt mir einen Denkanstoß.  F


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Interview: Bettina Hagen

„Die Gurke befindet sich an einem speziellen Ort“ Ein Gespräch mit Olivier Dubois, der 2008 erster Gewinner des Prix Jardin d’Europe war

Der französische Tänzer/Choreograf Olivier Dubois, 40, ist nach 2008 und 2009 heuer zum dritten Mal bei ImPulsTanz zu Gast Falter: Ihr Stück „Pour tout l’or du monde“, mit dem Sie 2008 den Prix Jardin d’Europe gewannen, vereint ­Sexiness und Verletzlichkeit – beides Eigenschaften, die einen starken Eindruck in der Gefühlswelt hinterlassen. Ziehen Sie es vor, das Publikum bei den Emotionen und weniger beim Intellekt zu packen, wie es im zeitgenössischen Tanz so en vogue ist? Olivier Dubois: Ehrlich gesagt, versuche ich beides zu kombinieren. Ich meine, ich denke nicht emotional oder intellektuell, sondern versuche beide Aspekte in meinen Kreationen möglichst geistreich zu verbinden. Meine Herangehensweise ist zunächst sehr intellektuell, die Gefühle kommen erst nach und nach. Ich lasse sie entstehen und ihre eigene Bedeutung im Stück finden. Sicher, irgendwann beginnen sie dann zu fließen, aber immer im Dienst des Stückes. Dieser emotionale Aspekt will kontrolliert sein, vielleicht mehr als der intellektuelle. Meine Arbeiten konzentrieren sich im Moment auf das Thema Widerstand, auf das Überleben. Und wenn du dich da wirklich involvieren möchtest, musst du deinen emotionalen und intellektuellen Strömen freien

Lauf lassen. Und ist das mit der Intellektualität von Tanz mittlerweile nicht auch schon wieder ein Klischee? Mag sein, aber Klischees sind ja nicht immer ganz falsch. Es fällt auch auf, dass Sie in Ihren Solos sehr viel tanzen. Was für eine „Ausrede“ haben Sie denn dafür? Dubois: Also, Ausrede brauche ich dafür sicher keine! Wenn ich mich auf ein Solo einlasse, geschieht das wie in einem Labor, wo ich tief in meinen Körper und meine Seele eindringe. Ich komme da in Tiefen, wohin ich bei jemand anderem nicht gelangen könnte. Ich kenne mich und betrachte meinen Körper als Werkzeug, das ich benützen und missbrauchen kann, wie es mir gefällt. Die Ergebnisse dieser Nachforschungen werden dann zu neuen Experimentierfeldern mit anderen Tänzern – zum Beispiel in dem Stück „Revolution“ aus dem Jahr 2009 oder in „Tragedie“, das erst vor kurzem in Avignon Premiere hatte. Und ja: Ich liebe es zu tanzen, und das wird auch immer so bleiben. Ein Jahr nach Ihrem preisgekrönten Stück zeigten Sie bei ImPulsTanz „Faune(s)“, in dem Sie wieder mit Männlichkeit und Begierde spielten. Gibt es da so etwas wie einen roten Faden zu Ihrem neuen Solo „Rouge“? Dubois: „Rouge“ muss man als männlichen Aufschrei sehen, einen Ruf zum Kampf. Es ist eine Antwort auf die zwölf Frauen in meinem Stück „Revolution“. Begierde spielt hier keine Rolle, Widerstand schon. Es ist ein Schrei, der gehört werden will, der Angst macht. Ein Schrei des Lebens und des Todes!

„Rouge“ mit Olivier Dubois: „Das Solo ist ein Schrei, der gehört werden will“

Besitzen Sie Erwin Wurms Gurke noch, die Trophäe von 2008? Wenn ja, wo bewahren Sie sie auf? Dubois: Aber sicher habe ich die noch! Es ist eine Ehre. Ich bewahre die Gurke zu Hause an einem sehr speziellen Ort auf. Wer sie sehen möchte, muss sie erst suchen, schließlich ist das eine sehr intime Trophäe!  F Rouge: 31.7., 23.00, Museumsquartier, Halle G Preisverleihung Prix Jardin d’Europe: 12.8., 17.00, Odeon (Eintritt frei)

Prix Jardin d’Europe: alle Preisträger und was aus ihnen wurde ::  Wer sind die Künstlerinnen und Künst-

ler, die mit dem Prix Jardin d’Europe in den letzten Jahren Aufmerksamkeit, Auftrittsmöglichkeiten sowie eine Bestätigung ihres künstlerischen Weges verliehen bekamen? 2008, bei ImPulsTanz in Wien, wur-

den Dalija Acin aus Serbien und Olivier Dubois aus Frankreich ausgezeich-

net. Während Acin auf Minimalismus und Langsamkeit setzte und sich auf Formen und Konturen konzentrierte, ging es bei Dubois heiß her. 2009 erhielt die Französin Claire Croi­

zé in Brüssel für „The Farewell“ den Preis. Sie tanzte darin „in“ der Musik von Gustav Mahler, völlig unprätentiös und jegliche Show vermeidend.

Seither hat Croizé weitere Stücke mit und zu klassischer Musik kreiert.

Arbeit war im Herbst im Tanzquartier zu sehen.

2010 gewann in Istanbul das rumänisch-bosnische Trio Maria Baroncea, Eduard Gabia und Dragana Bulut mit „E.I.O.“ den Prix – einem originellen Versuch, das Publikum für sich „arbeiten“ zu lassen und damit den Kunstbegriff locker auszuhebeln. Die

2011 wurden in Bukarest die Portugiesen Sofia Diaz und Vitor Roriz ausgezeichnet. In „A Gesture That Is Nothing But a Threat“ befreien sie Worte von ihrer Bedeutung und lassen ihnen die Eigenschaften von Körpern angedeihen. F

Fotos: arno bouvier, françois stemmer

D

er Prix Jardin d’Europe, ein nach dem gleichnamigen Tanznetzwerk benannter Nachwuchspreis für Choreografie, wird seit 2008 alljährlich vergeben. Wettbewerb und Verleihung finden heuer im Rahmen von ImPuls­Tanz statt. Schon die Premiere vor vier Jahren war in Wien ausgetragen worden. Ausgezeichnet wurde damals – ex aequo mit Dalija Acin aus Serbien – der Franzose Olivier Dubois; als Trophäe stiftete der Künstler Erwin Wurm eine seiner Gurken-Skulpturen. Heuer zeigt Dubois bei ImPulsTanz sein Solo „Rouge“. Im Interview gewährt er Einblick in seine Arbeitsweise – und verrät, was aus der Siegergurke geworden ist.


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Zurück zur Natur: Der Abend ist eine Hommage an den Tanzvisionär François Malkovsky

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Die Zukunft des Tanzes: Jennifer Lacey als Prophetin Text: W o l fga n g K ra l i c e k

uch in Zukunft werden die meisten Männer, die Röcke tragen, A damit etwas sagen wollen. Auch in

Danses Libres: 31.7. und 2.8., 21.00, Kasino am Schwarzenbergplatz

Raus aus dem Mausoleum! Über die Retro-Performance „Danses Libres“ von Cecilia Bengolea und François Chaignaud Analyse: Diane Shooman

ie Geschichte des Tanzes wird D oft als Spannungsverhältnis zwischen zwei einander ausschließenden

Positionen erzählt. Die eine befiehlt uns, der Vergangenheit zu huldigen und der Gegenwart zu misstrauen; die andere fordert dazu auf, das Vergangene in jedem Sinn des Wortes zu verwerfen, um etwas gänzlich Neues zu kreieren. Folgt man der einen oder der anderen der beiden Maximen wortwörtlich, droht Stillstand. Die Ehrfurcht vor der Kunst eines früheren Zeitalters soll inspirieren, nicht einschüchtern; sonst kann man nur imitieren, nicht kreieren. Die andere Position, das Verwerfen des Vergangenen, lässt sich durch ein Beispiel aus der Tanzgeschichte gut illustrieren. In dem Versuch, sich „natürlich“ zu bewegen und alles Gelernte, Stilisierte abzuschütteln, haben es die Tänzerinnen und Tänzer der 1960er-Jahre lange nur noch gewagt, sich in Babyschritten über die Bühne zu bewegen. Der Komponist Steve Reich bemerkte: „Während der Sixties besuchte man Tanzperformances, wo niemand tanzte – und danach Partys, wo alle tanzten.“

Fotos: l aurent paillier, ian dougl as

Wenn man die Vergangenheit einmau-

ert, um sie gegen die Gegenwart abzuschotten (und umgekehrt), entsteht ein Mausoleum. Dort kann nichts wachsen. Was Künstler in Wirklichkeit bewusst und unbewusst inspiriert – das Leben, die Natur, die Kunst –, ist eine äußerst persönliche, spezifische Sache, und ob ihre Arbeiten originell sind oder nicht, hängt nicht von den Quellen der Inspiration, sondern von den Fähigkeiten der Kreativen ab.

Muss ein Seelenverwandter unbedingt ein Zeitgenosse sein? Was könnte es heißen, Vergangenes als Inspiration zu entdecken und als frischer Wind wehen zu lassen, um für heute neue Möglichkeiten zu öffnen? Und was heißt es für Tänzerinnen und Tänzer, sich „natürlich“ zu bewegen? ImPulsTanz bietet auch heuer unterschiedliche Gelegenheiten an, über die Beziehung des Vergangenen zum heutigen Tanz zu reflektieren. In „Danses Libres“ zum Beispiel nehmen Cecilia Bengolea und François Chaignaud die Werke des fast vergessenen tschechischen Choreografen François Malkovsky (1889–1982) auf. Während seines Gesangsstudiums in Pa-

ris traf Malkovsky 1912 auf Isadora und Raymond Duncan und deren neuen revolutionären Tanz. Er brach das Studium ab, um sich der Entwicklung eines neuen, eigenen Bewegungssystems zu widmen, die er dann „Danse Libre“ (Freier Tanz) nannte. Bengolea und Chaignaud kennen wir von ImPulsTanz 2011 aus dem brillanten Werk „(M)imosa“ des New Yorker Choreografen Trajal Harrell, das aus der Reibung zweier konträrer Tanzansätze – des theatralischen Drag-Voguing einerseits und der anti-spektakulären Judson Church andererseits – entstand. Gemeinsam mit Thiago Granato und dem Pianisten Aurélien Richard bearbeiten Bengolea und Chaignaud in „Danses Libres“ Malkovskys Œuvre, das aus kurzen, kurzweiligen Soli, Duetten und Gruppenwerken besteht. Daraus entsteht kein musealer Raum, sondern ein lebendiger Ort, worin wir unseren Ahnen in die Augen schauen und sie als Verwandte erkennen können. Wie muss man sich Malkovskys Danse Libre vorstellen? Sein Bewe-

gungssystem basiert auf der Beobachtung von Bewegungsprinzipien in der Natur. Aber keine Angst: Die Tänzerinnen und Tänzer stellen weder Rehe noch Flüsse noch wehende Bäume dar, sondern lassen deren von Malkovsky abstrahierte Bewegungsqualitäten und -energien in einem dynamisch variierten organischen Fluidum durch ihre Körper fließen. Jede Choreografie kann von Frauen oder Männern getanzt werden. Die Gesichter sind weder ausdrucksvoll noch ausdruckslos. In ihren halb entblößten, bemalten Körpern erkennt man Schamanen, Rockstars und Regenbogenparadeteilnehmer wieder. Wenn das Licht gedimmt wird, füllt das Klavier, dieser Riese von einem Klangkörper, den Raum mit Werken von Beethoven, Brahms, Chopin, Debussy, Dvořák, Grieg, Liszt, Mussorgski, Schubert, Wagner, jedes ein klares, komplexes Geflecht, das eine vielschichtige Atmosphäre erzeugt. Malkovskys Tänze agieren vor allem in

den musikalischen Subtexten, den subtilen harmonischen, rhythmischen, atmosphärischen Geweben unter den dominanten Melodien, Takten, Tempi und Dynamiken der Oberfläche. Sie machen sie sichtbar, und daher auch anders hörbar. In den Körpern der Tänzerinnen und Tänzer hängt noch die prägnante Stille verklungener Töne, und die Nachspuren der melodischen Linien, ob schwungvoll, ob leise oder ephemer. Wenn das Licht wieder angeht, steht das Klavier, dieses intime Wohnzimmer- und Tanzstudioinstrument, wieder da und führt uns die Geschichte des Tanzes als unsere eigene Geschichte vor. Denn fängt diese Geschichte nicht mit jedem von uns an? Mit jedem tanzenden Kind?  F

Zukunft wird es manche Menschen glücklich machen, frivole Schuhe zu tragen. Und auch in Zukunft wird man die heute aktuelle Haarmode ziemlich lächerlich finden. Das zumindest behauptet die in Paris lebende US-Choreografin Jennifer Lacey im ersten Teil in ihrer LecturePerformance „Gattica“. Sie sitzt an einem Tisch mit zwei Kerzen und ergeht sich in Prophezeiungen. Die Zukunft der Tanzperformance? Schwer zu sagen. Möglich, dass Tänzer dereinst Furcht und Schrecken verbreiten werden wie die Baader-MeinhofBande. Es könnte aber auch sein, dass Tanz wieder zu einem Minderheitenprogramm für Frauen wird. Auf die Idee zu dem Solo, das sie dieses

Jahr bei ImPulsTanz zeigt, kam Jennifer Lacey im Auftrag des Tanzquartiers. Intendantin Sigrid Gareis hatte im Herbst 2008 die zehntägige Reihe „(Precise) Woodstock of Thinking“ veranstaltet, für die Künstler und Theoretiker aufgerufen waren, sich Gedanken über die Zukunft der Performance zu machen. „Gattica“ war Laceys Beitrag, in modifizierter Form hat sie ihre Zukunfts-Performance jetzt wieder aufgenommen. Im zweiten Teil tanzt sie mit geschlossenen Augen, danach spricht sie mit einem Gast im Stil eines Partytalks über das Thema, und am Ende wird auch noch das Publikum einbezogen. „In der Zukunft wird sich herausstellen, dass Langeweile eine Chance ist“, sagt Lacey unter anderem. Leider biete ihre ruhige, fesselnde Performance keine Anhaltspunkte dafür, dass das stimmen könnte, befand ein New Yorker Kritiker. „In Zukunft werden einige von uns sterben“, prophezeit Jennifer Lecey. „Und dann alle anderen.“  F Gattica: 30.7. und 3.8., 21.00, Schauspielhaus

Jennifer Lacey: Werden Tänzer dereinst gefürchtet sein wie Terroristen?


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„Es kommt wie im Leben: Ein Kuss ist ein Kuss“ Der Wiener Ballettdirektor Manuel Legris über den leidenschaftlichen Gala-Abend, den er für ImPulsTanz gestaltet

„Il faut qu’une porte …“ – Gala des zeitgenössischen Balletts: 24., 26. & 27.7., 21.00, Burgtheater Im Burgtheater ist Manuel Legris (im Bild mit Aurélie Dupont) auch als Tänzer zu erleben

Das Programm: Il faut qu’une porte … Ch: Jiří Kylián T: Aurélie Dupont, Manuel Legris

Interview: Elfi Oberhuber

Factum (Création) Ch: Patrick de Bana T: Helena Martin, Patrick de Bana Third Mahler Ch: John Neumeier T: Silvia Azzoni, Alexandre Riabko Halo Ch: Helena Martin T: Helena Martin Not Without My Head Ch: Natalia Horecna T: Silvia Azzoni, Alexandre Riabko Silent Cry Ch: Patrick de Bana T: Patrick de Bana Arcangelo Ch: Nacho Duato T: Tamako Akiyama, Dimo Kirilov Milev Le Parc Ch: Angelin Preljocaj T: Aurélie Dupont, Manuel Legris

E

s war ein entrückter Tanzmoment, als Manuel Legris, damals noch Étoile der Pariser Oper, 2008 bei ImPulsTanz auftrat: im Duett „Abandon“ aus „Le Parc“ von Angelin Preljocaj. Heuer hat Legris, inzwischen Direktor des Wiener Staatsballetts, für ImPulsTanz selbst eine Ballettgala zusammengestellt. Neben dem erwähnten „Abandon“ tanzt Legris mit Expartnerin Aurélie Dupont Jirí Kylians „Il faut qu’une porte ...“. Die Startänzer und Choreografen, die er noch eingeladen hat, sind weitere Meister der zeitgenössischen Forschung auf Basis der Neoklassik: Patrick de Bana, John Neumeier (Hamburg Ballett) oder Nacho Duato (Michailewski-Ballett St. Petersburg). Sieben Duetten unterschiedlichen Beziehungsfeuers stehen zwei Soli entgegen.

rend auf dem Fragonard-Gemälde „Le Verrou“ (der Türriegel), ist komplexer. Bei ihm ist oft etwas traurig und schwer – und dennoch zum Lachen. Konkret zeigt sich seine Vision darüber, was sich hinter der Tür auf dem Gemälde, wo ja das Liebespaar nach der Verriegelung greift, abspielen könnte; was es machte, bevor es danach griff – etwa, dass eine weitere Person kommen könnte und es allein sein wollte.

Falter: Ist das Liebesleben in Ihrer

Das lässt also viele Interpretationen zu. Legris: Ja. Es ist eine Lebensansicht, ein Vorschlag. Wie dieses Bild (zeigt auf ein Staatsopernballett-Gruppenfoto an der Wand), wo man zwar die Compagnie nach dem Urlaub sieht, sich aber fragen kann: Was machen die denn gleich danach? Oder: Was haben sie im Urlaub gemacht? Das als „echter“ Tänzer zu tanzen, ist für mich sehr schön, weil ich als Ballettdirektor nur noch selten mittanze. Und diese Stücke fallen mir nicht so schwer, sodass ich es genießen kann.

Ballettgala ein geheimnisvolles Wagnis zwischen Erfüllung und Zurückgeworfenwerden auf sich selbst? Manuel Legris: Es ist so geheimnisvoll wie der Umstand, dass ich eigentlich nur mit Aurélie Dupont tanzen wollte. Am besten lässt sich das an diesen zwei mehr und weniger barock nachempfundenen zeitgenössischen Stücken von Kylián und Preljocaj erklären. Sie bilden den Rahmen dieses Abends der Liebe, an dem nichts konkret ist. Man fragt sich: Sind die beiden ineinander verliebt oder kämpfen sie miteinander? In „Abandon“ gibt die Frau ihre Seele und ihren Körper hin. Kyliáns Stück, basie-

„Die Chemie muss stimmen. Das traf in meiner Laufbahn nur bei zwei, drei Partnerinnen zu“

Sie müssen immerhin auf komplizierte Weise und drehend eine Frau tragen! Legris: Stark muss ich sein, ja, das ist kein

Problem. Es ist aber kein „Don Quijote“! Wissen Sie, an wen ich bei Ihrem „Le Parc“ denke? An HollywoodKüsserkönig Richard Gere! Legris: Das bewirken die Choreografie und die absolut schöne, pure Musik Mozarts, sodass der Kuss wie von selbst kommt. Es ist zwar weder normal noch leicht, im Flug zu küssen (streckt eine Hand kerzengerade aus und drückt einen Kussmund auf die andere), wir müssen so im Drehen – ich weiß nicht, wie lange – verharren. Aber es kommt wie im Leben: Ein Kuss ist ein Kuss, den man in dem Moment auch fühlt. Tatsächlich gibt es nicht viele Darsteller, die das so hinkriegen, schon gar keine der Dekonstruktion klassischer Bewegungen verschriebenen Tänzer und Choreografen, weil sie diese Art von Emotion gar nicht wollen. Legris: Leute und Stile, die von Haus aus emotionslos sind, können dennoch unglaublich viel Emotion oder zumindest emotionalen Effekt vermitteln. Das kommt dann von der Persönlichkeit. Leute, die sichtlich viel ausdrücken wollen, sind sogar peinlich. Es gibt eine unendliche Freiheit an Ausdrucksmöglichkeiten, aber kein Rezept. Macht das am Ende überhaupt erst die Kunst aus? Legris: Genau. Es geht darum, während der großen Wirkung das Geheimnis über das „Wie“ zu wahren, wobei keiner im Publi-

Foto: david elofer

Créatures Ch: Patrick de Bana T: Tamako Akiyama, Dimo Kirilov Milev


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kum auf dieselbe Weise reagiert und dennoch die meisten Leute begeistert sind. Wie wichtig ist für Ihren intensiven Duett-Ausdruck die Partnerin? Legris: Unendlich wichtig. Wenn die Leute berührt werden, liegt das an den zwei Leuten auf der Bühne, die eins sind, mit einer vertrauensvollen, echten Hingabe zueinander. Die Chemie muss stimmen, was in meiner Laufbahn nur bei zwei oder drei Partnerinnen in ganz besonderer Weise zutraf.

De Bana tanzt in der Uraufführung „Factum“ mit Helena Martin, die auch das Solo „Halo“ choreografiert und tanzt. Legris: Das Duett ist zur elektronisch beeinflussten Flamencomusik im wahrsten Sinne des Wortes stark elektrisierend. Martin ist eine unglaubliche Flamencotänzerin, die nur eine Bewegung machen muss, und dem Betrachter bleibt der Mund offen. Und da Zur Person diese beiden privat sehr gute Freunde sind, wirkt es wieder sehr stark, mit einer „Lie- Manuel Legris be“ spanischen Feuers. Der 1964 in Paris

Auf legendäre Tanzpaare haben Sie auch beim Gala-Abend gesetzt. Legris: Ja, wobei jeder und jede für sich eine Persönlichkeit ist. Die haben alle schon viel Erfahrung als Choreografen und mit Compagnien, und sie stehen fast „am Ende“ ihrer Karriere. Das verweist auch auf mich, meine Arbeitskollegen und meine noch bestehenden Möglichkeiten. Das Hamburger Paar Silvia Azzoni und Sascha Riabko tanzt Neumeiers „Third Mahler“ und Natalia Horecnas – sie hat auch mit Kylian und Neumeier gearbeitet – für sie neu geschriebenes „Not Without My Head“. Dann kommt Helena Martin, die für Regisseur Carlos Saura tanzte, mit Patrick de Bana, der bei Nacho Duato und Maurice Bejart war. Zwei echte Künstler! Und die sehr speziellen Duato- und De-Bana-Interpreten, die Japanerin Tamako Akiyama und ihr Mann Dimo Kirilov Milev, können selbst mir noch Neues vermitteln.

„Halo“ kommt noch mehr aus der Flamenco­welt. Sie erinnern mich nicht nur als federleichter „Bajadere“-Kraftspringer an den androgynen Sonnenkönig Louis XIV., sondern auch von ihrem Zugang her, den Kunstgedanken ins Zentrum allen Handelns zu stellen. Legris: Schon, weil ich „Bajadere“ gar nie tanzen wollte, weil mir das zu groß, stark, zu russisch war ... Aber im Zusammenstellen und urhebergerechten Einstudieren bin ich, glaube ich, wirklich nicht schlecht. Wobei das von mir bis jetzt an der Staatsoper gezeigte klassische Ballett am schwierigsten vorzuführen ist. Denn es kann ­soooo schlecht sein. Da geht es um das Timing mit der Musik, die Beachtung der kleinsten Regung des Corps – an diesen Details habe ich bisher am meisten gearbeitet, sodass es jetzt natürlich wirkt. Die kreative, auch künftig geplante zeitgenössische Ballettarbeit wird dagegen sehr

geborene Tänzer und Choreograf war unter Rudolf Nurejew „danseur étoile“ (Solotänzer) an der Pariser Oper. An der Wiener Staatsoper trat er erstmals 1985 auf, bei ImPulsTanz war er 2000, 2005 und zuletzt 2008 zu sehen. Seit 2010 ist Legris Direktor des Wiener Staatsballetts

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durch die gemeinsame Ballett­organisation und den Spielplan von Volks- und Staatsoper behindert. Sie tragen den französischen Titel „Ritter“. Zeigt sich ihre Verantwortung beim Gala-Abend ausschließlich gegenüber älteren Prima-Solisten Ende 30? Legris: Ja, denn es gibt den harten Moment im Ballettleben, wenn man die Bühne mit 42 verlassen muss. Gerade dann, wenn man alles versteht und in Charakterrollen auf der Bühne viel mehr reinlegen könnte. Dagegen verblassen die Jungen, und das weiß der Betroffene. Wenn er mental nicht sehr gefestigt ist, kann ihn das in eine tiefe Krise stürzen. Bei der Gala wird ein unterschiedliches Universum an Leuten offenbart, mit Leidenschaft, Sinn und Träumen für ein Leben der Kunst, das unendlich weiter erforscht werden muss. Nun sind Sie Ritter, und ich fühle mich wie die Queen von England. Weil ich immer noch da bin, während die Ballettdirektoren wechseln: Renato Zanella, Giorgio Madia, Gyula Harangozo – was für ein Verhältnis haben Sie zu Ihren Vorgängern? Legris: Renato Zanella ist ein echt guter Freund von mir, er ließ mich hier tanzen, Giorgio Madia kenne ich nur aus meiner Nurejew-Zeit, ich habe hier leider nichts von ihm gesehen, und von Herrn Harangozo konnte ich immerhin sehr gute Tänzer übernehmen.  F

Im Wirbel der Trommeln Starchoreografin Anne Teresa De Keersmaeker bringt ihren energiereichen Klassiker „Drumming“ wieder auf die Bühne Bericht: El f i O b e r h u b e r

Fotos: wiener sta atsoper/michael pöhn, her man sorgeloos

er belgische Star des zeitgenössischen Tanzes, Anne Teresa De Keersmaeker, D erfährt derzeit das ganz typische Schicksal

einer 52-jährigen Legende: Einerseits erhält sie eine Ehrung nach der anderen – zuletzt das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien sowie den American Dance Festival Award; andererseits zeigt sie auf diversen Festivals die sinnlich und theatral ausgewogenen Kultstücke und Publikumsmagneten ihrer Compagnie Rosas, während sie als Reaktion auf die Welt heute – eher im Stillen – andere, sperrigere Stücke erarbeitet, um das Wesentliche im Tanz neu zu überdenken. Ähnliches lässt sich etwa bei William Forsythe beobachten. Das klingt traurig und irgendwie einsam. Man

sieht, dass für einen auf Lebenszeit zum Erfolg verdammten Künstler am Ende doch nicht der Applaus, sondern die Überzeugung zählt. Es zeigt aber auch wieder, wie sensibel und mutig diese Frau doch ist. Im Grunde konnte man De Keersmaekers Aufmerksamkeit gegenüber den Abgründen dieser Welt jedoch schon 1998 erkennen, als sie „Drumming“ schuf, das bei ImPulsTanz uraufgeführt wurde und heuer wieder gezeigt wird. Damals sagte sie: „Es

gibt so viel Ungerechtigkeit auf dieser Welt, etwa in Afrika. Und du, du tanzt. Und du fragst dich, ob das wichtig ist? Dann sagst du: ja. Weil man es selbst braucht. Weil das Publikum es braucht. Weil man die Dinge verteidigen muss, die eine Reflexion darstellen, die nachdenklich machen.“ Bezeichnend für diesen Sager ist nicht nur der Inhalt, sondern auch seine Rhythmik, seine Wortwahl. Die lassen sich in ihrer eindringlichen Wiederholung auf das Bewegungsvokabular ihrer Tänzerinnen und Tänzer in „Drumming Live“ übertragen. Aus zwei sich gegenüberstehenden Gruppen stürzt mit dem ersten Schlag der Musik eine Frau in die Mitte. Sie gibt eine Bewe-

Drumming Live: 14. und 16.7., 21.00, Burgtheater Buchpräsentation und Meeting: 14.7., 18.30, Odeon (Eintritt frei)

gungsphrase vor, die ab nun von den anderen in Variationen abgeändert wird. Sie korrespondieren exakt zur titelgebenden, minimalistischen Trommelmusik aus neun Percussioninstrumenten, einer Flöte und zwei Stimmen, live gespielt vom Ictus Ensemble. Steve Reich hatte das Stück nach einem Besuch in Ghana komponiert. Auf dem mit Pentagramm-Linien mathema-

Thema mit Variationen: „Drumming Live“ zu Musik von Steve Reich

tisch strukturierten Boden strömen, spurten, sprinten die Tänzer wie spielerische Pendel entlang, sodass sich Solo, Duo und Trio kanonartig zur Gruppe verdichten, um gleich wieder auseinanderzudriften. Innerhalb der Symmetrieabfolge, sind immer wieder Tänzerindividuen unterschiedlichen Ausdrucks und Charakters auszumachen, die aber wieder von der Gruppe verschluckt werden. Wie ein Rausch greift die ansteigende Energie um sich, bis die Trommeln verstummen, die Körper verharren und der Zuschauer erfährt: Was für eine Reise, was für ein Wirbel an Lebensenergie! In der Neuinszenierung werden vierzehn statt zwölf Tänzer zu sehen sein; drei davon – Marta Coronada, Fumiyo Ikeda, Cynthia Loemij – waren schon vor 14 Jahren dabei. Wer mehr über De Keersmaekers Frühwerk (1981–1986) erfahren will, sollte die Buchpräsentation mit ihr und Theoretikerin Bojana Cvejic nicht verpassen. F


Vielseitig wie das Leben Beste österreichische Popmusik, spannendes Sommerkino und neue Literatur live: Wien bietet auch im Sommer ein spannendes und abwechslungsreiches Kultur-Programm. – Vieles davon gibt es sogar zum Nulltarif.

Lesefest im MQ: O-Töne

Gratis: Kino unter Sternen

• Neun Open-Air-Lesungen an neun Tagen: Friederike Mayröcker, Raoul Schrott u. a. lesen aus ihren Werken unter freiem Himmel.

• Filmreihe „Böse, Böse“. Abgründiges Kino aus Österreich über die dunklen Seiten des Lebens: „Der Knochenmann“, „Michael“, „Kasbach“, „Der Räuber“

• Großes Finale am 30. August mit Wolf Haas (siehe Foto links). Der Schöpfer der BrennerKrimis präsentiert live sein druckfrisches Buch „Verteidigung der Missionarsstellung“. Wolf Haas liest bei den O-Tönen.

• Aktuelle Literatur aus Österreich kostenlos und live erleben. Außerdem gibt es sechs Buchpremieren.

Schlaue Links im Internet

• Lesefest O-Töne: 5. Juli bis 30. August, donnerstags, ab 20.30 Uhr, im Haupthof des MuseumsQuartiers, Eintritt frei

http://popfest.at www.o-toene.at www.kinountersternen.at www.veranstaltungen.wien.at

Alles über das vielseitige Kultur- und Freizeitprogramm in Wien. Scannen Sie mit Ihrem Handy diesen QR-Code. Er führt Sie direkt zur Internetseite der Veranstaltungsdatenbank der Stadt Wien.

• Publikumsfilm „Indien“ am 18. Juni • Vier österreichische Premieren • Gespräche mit Filmschaffenden • Bis 22. Juli, tägl. ab 20.30 Uhr, Open Air auf dem Karlsplatz, Eintritt frei

Bezahlte Anzeige

Fotos: Andrew Rinkhy

Wer die heimische innovative Musikszene kennenlernen will, ist beim Popfest genau richtig. 50 Live-Acts spielen von 26. bis 29. Juli auf dem Karlsplatz – 35 davon sind zum ersten Mal beim Popfest, das von Attwenger aus Linz eröffnet wird, dabei. Tipp: Das Konzert der frischgebackenen AmadeusAward-Gewinner „M185“ sollte man sich ebensowenig entgehen lassen wie „5/8erl in Ehr’n“ oder die große ElektroNacht mit Kult-DJ Patrick Pulsinger.


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Die Bühne für „booty Looting“ ist auch ein Fotostudio

booty Looting: 6. und 7.8., 21.00 sowie 8.8., 23.00, Museumsquartier, Halle G

Man soll seinen Augen nicht trauen Das neue Stück von Wim Vandekeybus ist gewohnt spektakulär und überraschend analytisch geraten Premierenbericht: CHRI S T O P HER W U RM D O B L ER

D

ie Show beginnt mit rasender Trauer. Eine Frau beklagt wild schreiend den Tod ihrer Kinder, die unter Filzdecken vor ihr liegen. Plötzlich bricht sie ab, geht schimpfend („so eine Scheiße!“) von der Bühne. Die Frau ist Schauspielerin und spielt sehr überzeugend eine Schauspielerin, die Kinder sind Tänzer und alles andere als tot. Die Filzdecken verweisen auf die deutsche Künstlerikone Joseph Beuys, für den Filz – neben Fett – ein wichtiges Ausdrucksmittel war.

Fotos: danny willems

All das erfahren wir wenig später, und

am Ende von „booty Looting“ wird dann auch klar, dass das neueste Stück des belgischen Theater- und Filmemachers Wim Vandekeybus und seiner Compagnie Ultima Vez mit einem Zitat aus der Mythologie- und Filmgeschichte begonnen hat: Da gibt es dann noch mehr Medea-Material. Doch zuvor müssen andere Materialschlachten geschlagen werden. Denn bis es so weit ist, müssen noch viele andere Geschichten erzählt werden, wahre und erfundene. Zunächst irritiert ein Fotograf, der wie ein Kriegsreporter die düstere Szene aus dem Zuschauerraum heraus dokumentiert, die Bühne betritt und ganz schön unverschämt Fotos schießt. Der Mann heißt Danny Willems, ist im echten Leben erfolgreicher

Rock- und Werbefotograf. Er zählt neben dem Musiker Elko Blijweert, der mit E-Gitarre und allerhand elektronischen Verzerrern den Livesound zu dem Spektakel liefert, zum achtköpfigen Ensemble des Stückes. Im Hochglanzambiente eines Fotostudios mit jeder Menge Studiolampen, fotorealistischen Hintergründen und einigem technischem Aufwand dokumentiert Willems die Performance auf der Bühne, illustriert gemeinsam mit den Akteuren die StoWim Vandekeybus, 49, gehört zu den Stammgästen des Festivals. Seit 1989 hat er bei ImPulsTanz bereits 18 Stücke gezeigt

rys, die sie erzählen, und zeigt gleichzeitig, dass man nicht alles glauben darf, was man so sieht. Zum Beispiel in einer typischen Vandekeybus-Szene: Gefahrvoll, aggressiv gehen die jungen Tänzer zur Sache, wenn sie mit einem Schauspieler die Beuys-Aktion „I like America and America likes me“ von 1974 nachstellen. Der Künstler, erfahren wir, hatte damals eine Woche mit einem wilden Kojoten in einer New Yorker Galerie verbracht. „Weil wir nicht so lange Zeit haben“, geht es in „booty Looting“ um einiges schneller, aber auch wilder zu. Gleich vier Tanz-Kojoten stürzen sich auf den Akteur, zer-

fleischen ihn zwar nicht, aber reißen ihm immerhin die Kleider vom Leib. Auf der Bühne sieht „I like America Extreme“ sehr gewaltvoll aus. Auf den Bildern, die der Fotograf von der Szene macht und die unmittelbar auf einer großen Leinwand im Hintergrund zu sehen sind, wirkt das Ganze hingegen viel spielerischer, leichter, ja fast heiter. Es geht ums Fotografieren, um die Erin-

nerung und darum, wie Bilder manipuliert werden. Beziehungsweise: wie Bilder unsere Erinnerungen manipulieren. Livevideo ist mittlerweile ein gängiges Ausdrucksmittel im aktuellen Performancetheater. Im Gegensatz zum bewegten Bild wirken die Fotos, die hier während der Performance geschossen, inszeniert oder auch nur dokumentarisch eingesetzt werden, ungemein stark. Aber es geht auch um Abrechnung mit dem Künstlerdasein; die – erfundenen – Geschichten, die Künstlerpersönlichkeiten erst interessant machen. Realität und Lüge vermischen sich genial in der Lebensgeschichte von Birgit Walter. Einerseits heißt eine Akteurin im Ensemble so, andererseits bekommt die Frau Biografisches von Romy Schneider mit. Oder von Maria Callas. Die echte Birgit Walter spielt eine fiktive Birgit Walter, Bühnendiva, Filmstar und Ethnologin, ziemlich verrückte Künstlerin mit Atelier in Berlin-Mitte und Mutter, die ihre Söhne umbringt. Womit wir wieder

bei Medea wären. Vandekeybus lässt die großartige Schauspielerin den Monolog von Maria Callas aus dem Pasolini-Film im italienischen Original rezitieren; nicht nur, weil das Stück kürzlich bei der Tanz-Biennale in Venedig uraufgeführt wurde. „booty Looting“, den Titel der furiosen, aber auch überraschend analytischen Show, könnte man mit „Beute machen“ übersetzen. Nicht nur der Fotograf findet hier eine Unmenge an Motiven für seine Echtzeit-Bilderflut – zumindest so lange, bis ihn die Akteure des Bilderdiebstahls anklagen – oder sich am bereitgestellten Fotokopierer selbst vervielfältigen. Auch Vandekeybus und seine Leute machen fette Beute. Am Ende haben die Performer die papierne Leinwand zerfetzt und sich über ihre eigenen Bilder erhoben. Der Schauspieler im Ensemble entledigt sich seiner Kleider und „Contemporary-Dance-Attribute“ wie Knieund Hüftprotektoren. Nackt hüpft er über die kaum noch beleuchtete Bühne, während der Musiker auf der EGitarre eine Handvoll bekannter Motive anspielt. Obwohl es gar nichts mehr zu sehen gibt, kommen einem bei Led Zeppelins „Stairway to Heaven“ oder anderen Hadern unvermittelt Bilder in den Sinn. Bilder, die man nie wieder aus dem Kopf bekommt. An diesem Abend sind womöglich ein paar neue dazugekommen.  F


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Von Atmen bis Tango Für alle, die auch selber tanzen wollen, hat ImPulsTanz über 200 Workshops im Angebot. Auch für Anfänger! Überblick: B e tti n a H a g e n

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rnst ist das Leben, heiter ist der Austausch von Lebensentwürfen, wie er jedes Jahr rund um die 200 Workshops des Festivals im Arsenalgelände und vor allem am Rande der Anfängerklassen passiert. „Der Kopf ist rund, damit die Gedanken ihre Richtung ändern können.“ Dieser Spruch des französischen Dadaisten Francis Picabia enthält auch die Essenz dessen, wie Rio Rutzinger bei der Programmierung des Workshopfestivals vorgeht. Es geht ihm nicht nur um den Austausch der Dozenten untereinander, sondern auch um ihren Kontakt zu jenen Menschen, die vielleicht nur einmal im Jahr in das Tanzumfeld eintauchen. Stars wie Bollywood-Dozent Terence Lewis (Rutzinger: „der Dieter Bohlen von 1,3 Milliarden Indern“) oder Street-JazzDozent Jermaine Brown, der unter anderem jedes Jahr den Victoria’s Secret Engellauf choreografiert, treffen in Wien auf den Hausmann von nebenan oder die Lehrerin aus Leoben (siehe Interview).

Mamadou M´Baye unterrichtet African Dance und Percussion für Erwachsene und Kinder

Aktivismus im Park

Tango und die ganze Welt In Gesprächen mit „seinen“ Lehrern bekam Rio Rutzinger immer wieder den Wunsch nach Tangoklassen zu hören. Rutzinger war skeptisch, weil er „Inselbildungen“ wie in früheren Jahren befürchtete, als Flamenco und Steppen unterrichtet wurden. Auf die Dauer aber war Widerstand zwecklos: Gerade zeitgenössische Tänzer, die immer weniger tanzen und immer mehr performen, leben ihre private Tanzlust gern beim Tango aus. Und nachdem mit Maurizio Ghella und Martin Maldonado endlich ein Paar gefunden war, das sich äußerst elegant in beiden Welten – der des zeitgenössischen Tanzes und der des Tangos – bewegt, wird heuer „Connection Tango“ angeboten, und Rutzinger wittert bereits „Entzündungspotenzial auf einem Lustlevel“. Auch eine Empfehlung für Leute, die sich nur als Zuschauer ins Arsenal wagen, sei an dieser Stelle ausgesprochen.

Auf Vorschlag des Festivalmitbegründers Ismael Ivo, der ja geborener Brasilianer ist, bilden die Tänze seiner Heimat heuer einen kleinen Schwerpunkt. Die Anthropologin Gilsamara Moura und die Tänzerin Daniela Amoroso von der Tanzuniversität Bahia laden ein, die Vielfalt und Eigenheiten brasilianischer Tanzkunst zu erleben. Sifiso Seleme aus Südafrika, einst als danceWEB-Stipendiat zu Gast in Wien, unterrichtet Pantsula. Das freut Rutzinger, der Pantsula als „totales sinnliches und schweißtreibendes Tanzfest“ und „fußlastige Form von Hip-Hop, die archaischer als House, laut, treibend, aggressiv und erdig ist“, beschreibt. Dieser Tanz eignet sich als Workout für Tänzer genauso wie für Normalos. Und während der Pantsula zunächst nur die Afro-Community angezogen hat, wird er inzwischen unter allen zeitgenössischen Tänzern immer beliebter.

Impressions 12 – Opening Lecture: 15.7., 16.00, Arsenal. Eintritt frei! Expressions 12 – Student Showing: 11.8., 16.00, Arsenal. Eintritt frei! Workshopphasen: Week 0: 9. bis 13.7. Week 1: 16. bis 20.7. Intensive 1: 21. & 22.7. Week 2: 23. bis 27.7. Intensive 2: 28. & 29.7. Week 3: 30.7. bis 3.8. Intensive 3: 4. & 5.8. Week 4: 6. bis 10.8.

Die Zeit, die man sich nimmt, um Alltagsverbiegungen im Geist oder im Körper zu glätten und durchzuatmen, ist sicher nie vertan. Frans Poelstra und Robert Steijn, die beiden niederländischen Wahlwiener, gehen heuer in einen Park im 17. Bezirk und bringen politische Aktion, Diskussion und Improvisation in eine Umgebung, „die wirklich nicht darauf gewartet hat“ (Rutzinger). Spannende Körperarbeitsklassen gibt es viele. Und es gibt Sri Louise, die exzentrische Yoga-Priesterin, die sich abends schon einmal in eine Göttin verwandelt. Ob sie nun einen geflochtenen Dorfschullehrerinnen-Zopf ums Haupt oder einer Plüschschlange um den Hals geschlungen hat, zu übersehen ist die zarte Kalifornierin jedenfalls nicht; ihren dogmatischen Unterricht prägt eine „unglaublich persönliche Färbung“, so Rutzinger. Heuer kommt Sri Louise von der „Occupy Oakland Front“ nach Wien, wo sie Reden schwingend vor der City Hall stand, im Zelt schlief und

auch einmal verhaftet wurde. Im Vergleich mit Louises „Detoxing Capitalism Yoga“ könnte „Leisure and Activism in the Park“ von Poelstra und Steijn fast ein Spaziergang werden.

Atmung und Stimme Benoît Lachambre, heuer als Lehrer, Performer und danceWEB-Mentor zugange, bringt seine Meisterin Linda Rabin mit. Wer von ihm nicht genug bekommen kann, könnte es also auch einmal mit Rabins von der Atmung bestimmtem Tanzworkshop versuchen. Miguel Gutierrez, dem Rutzinger „queere Selbstdarstellungsherrlichkeit und auch köstlichste Selbstverarschung“ zuschreibt, ist noch so ein begeisterter und begeisternder Lehrer. Außerdem schreibt er großartige Texte und war Backgroundsänger bei Antony and the Johnsons. Er sieht in seiner Open-Level-Klasse die Stimme als einzigartiges emotionales Instrument, auch um Dinge einfach rauszulassen, Spaß zu haben und mit Konventionen zu spielen.

Entstaubte Technik Ballett Eigentlich ist es ja als Technik nie alt geworden: „Die Leute müssen kapieren, dass Ballett nicht nur ,Schwanensee‘ ist – oder eben auch ,Schwanensee‘, aber noch viel mehr“, meint Rio Rutzinger. Zvi Gotheiner etwa unterrichtet seit Jahren mit ungebrochener Leidenschaft; Bettina Schae­fer, deren Profiklassen im Tanzquartier sich größter Beliebtheit erfreuen, ist heuer erstmals dabei – mit einer Anfängerklasse. Dass Rock’n-’Roll-Ballett, wie Elizabeth Ward es versteht, mit wilder Musik und größtmöglicher Freiheit im Umgang mit der Technik Spaß machen kann, ist dann auch nicht schwer vorzustellen – Letzteres wird leider nur für Fortgeschrittene angeboten.

Bondage für Fortgeschrittene Alix Eynaudi & Mark Lorimer – beide Rosas-Tänzer – beschäftigen sich in


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Ein Arsenal an Möglichkeiten: In den im Sommer leerstehenden Werkstätten und Probebühnen des Burgtheaters im Arsenal gibt es genug Platz für das vielfältige WorkshopProgramm von ImPulsTanz

ihrer künstlerischen Arbeit gerade mit dem Thema Bondage – ein Umstand, der dem Festival einen ebensolchen Workshop beschert. Ihre Klasse wendet sich an Fortgeschrittene. Für alle zugänglich ist Shibari, eine japanische Seiltechnik, die Dasniya Sommer mit Yoga verbindet, wobei man sich das Ganze als „Weiterschrauben“ von Yoga vorstellen kann. Michael O’Connor und Corinne Jola meinen mit ihrem Workshopthema „Technologies of Love“ nichts Schlüpfriges, sie widmen sich vielmehr der Empathieforschung. Wie funktioniert Empathie? Was mit Musik so leicht funktioniert – „drei

Mollakkorde erklingen, und die Hälfte im Saal ist schon gerührt“ (Rutzinger) –, wird im Tanz gerade erst erforscht: der Transport von Emotionen.

Für den späten Nachmittag dann – und das ist neu – wird vor dem Dschungel eine Lounge zum Weitertun, Ausprobieren und Kennenlernen eingerichtet, dann aber ohne Anleitung. Die Rollstuhlfahrerin Vera Rebl, die „einfach ihr Ding macht wie Ute Bock“ (Rutzinger) und nichts entwürdigender findet, als wenn Menschen mit Beeinträchtigung ständig mit entsprechendem Mascherl versehen werden, verkörpert einen ganz besonderen Lebensentwurf. Zum einen arbeitet sie in der EDV einer Metallverarbeitungsfirma, zum anderen ist sie engagierte DanceAbility-Trainerin. Sie wird Erwachsene und Kinder unterrichten. F

Sommerakademie im Dschungel Neu bei ImPulsTanz ist die Möglichkeit, Kinder nicht nur für einen einstündigen Workshop, sondern für längere Zeit „parken“ zu können. Workshops gibt es für die Kleinen natürlich auch, und zwar zu den erweiterten Themenfeldern Mode, Theater und Tanz. Unter anderem bietet Doris Uhlich für „wilde KerlInnen“ ab 10 einen mit dem vielversprechenden Titel „Let’s fetz!“ an.

Eine Workshopteilnehmerin erzählt: „Bollywood Dance ist mitreißend!“ Theresia Kerneza, genannt Thesi, besuchte bei ImPulsTanz schon Workshops, als das Festival noch gar nicht ImPulsTanz hieß. Im Interview erzählt sie, wie sie zum Tanz kam – und wie sie 13 indische Tänzer in die Berge brachte.

Fotos: domenico giustino (5), marta l amovsek, privat

::  Die Leobener Mittelschulprofessorin

Falter: Wie und wann sind Sie zu ImPulsTanz gekommen? Theresia Kerneza: Schon als das Festival noch Wiener Tanzwochen hieß und auf der Schmelz stattfand, bin ich aus Tanzbegeisterung immer wieder hingefahren. Mit 36 habe ich dann meine Tochter bekommen, die Jahre vergingen, und als sie in der Musikschule in Leoben mit Tanz begonnen hat, habe ich sie anfänglich nur beneidet. Und dann war es auch meine Tochter, die mich nach 25 Jahren zu ImPulsTanz zurückgebracht hat. Manche Lehrer waren noch immer da, wie Joe Alegado, nur eben mit grauen Haaren.

Sie haben sich für einen Bollywood-­DanceWorkshop entschieden. Warum gerade dafür? Kerneza: Zunächst einmal wollte meine Tochter nach der Matura in ein Dritte-WeltLand fahren, und so sind wir gemeinsam nach Indien gereist. Im Sommer darauf haben wir dann beide bei ImPulsTanz mitgemacht. Bollywood Dance ist einfach mitreißend, die Dynamik, die Lebensfreude! Die Kombination mit Schauspiel liegt mir besonders. Es ist ja so, dass der Text getanzt

wird. Terence Lewis übersetzt, und dann wird das getanzt. Mit dem Dozenten Terence Lewis verbindet Sie mittlerweile eine Freundschaft, wie kam es dazu? Kerneza: Da ich selber Lehrerin bin, faszinieren mich gute Lehrer. Mein Herz schlägt höher, wenn jemand gut erklären kann und Charisma hat. Bei Terence war das vom ersten Augenblick an der Fall. Da er sich im Rahmen des „BollyHop“-Schulprojekts jedes Jahr schon im Mai einmal in Österreich aufhält, hab ich ihn irgendwann gefragt, ob er eventuell auch in meine Schule nach Leoben kommen würde, und er hat schlicht und einfach Ja gesagt. Im Lehrerkollegium haben wir dann gleich ein fächerübergreifendes Indienprojekt geboren, als dessen Höhepunkt Terence die siebenten Klassen

Urlaub bei Freunden: Theresia Kerneza (l.) mit Bollywood-Star Terence Lewis und Familie

unterrichtete. Auch da fand ich seinen Umgang mit den Schülern, der auch von Spiritualität geprägt ist, sehr berührend. Nach dem Tanzen gab es stundenlange Gespräche, in denen wir uns freundschaftlich sehr nahe gekommen sind. Immer wieder hat Terence zu den Schülern gesagt: „Verlasst eure Komfortzone, macht etwas Neues!“ Und da habe ich ihn gefragt: „Würdest du auch einmal deine Komfortzone verlassen und mit meinem Mann, der Kletterführer ist, in die Berge gehen?“ Er meinte: „Ja, aber nur mit meiner Compagnie.“ Und so hatten wir im Jahr darauf 13 Inder bei uns zu Hause. Das Ganze war unglaublich lustig. Danach sind mein Mann, meine Tochter und ich über Weihnachten zu Terence nach Mumbai geflogen. Er hatte damals eine ganz kleine Wohnung, wo er uns sofort das Bett freigemacht hat; er hat im Wohnzimmer auf dem Boden geschlafen. Mit ihm haben wir Indien dann ganz anders als bei unserer ersten Reise gesehen. Was schätzen Sie an der Atmosphäre im Arsenal, und wie geht es weiter mit Ihnen und ImPulsTanz? Kerneza: Ich bin mittlerweile 59, finde mit meinem Können aber noch immer was. Ich nehme auch immer Schüler mit, die gehen halt dann in Hip-Hop. Im Vorjahr waren es acht, heuer haben sich schon zwölf gemeldet. Meine Schülerinnen genießen den netten und freundschaftlichen Umgang, sie mögen die Lehrer besonders, mit denen sie einfach im Gras sitzen können. F


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Zur schönen Aussicht Ein Festival im Festival: Auf der Choreographic Platform Austria präsentiert sich die heimische Szene Bericht: Wolfgang Kralicek

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Performance in progress: Die Gruppe Studio 5 zeigt bei der CPA eine Uraufführung

Fotos: chris haring, david muth

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ine Plattform ist ein Ort, von dem aus man sich einen guten Überblick verschaffen kann. Genau deshalb wurde die Choreographic Platform Austria (CPA) ins Leben gerufen: Sie soll dazu dienen, dem Publikum einen Überblick über die in Österreich tätigen Choreografen zu verschaffen. Nach Salzburg (2004), Linz (2006) und Graz (2009) sollte die CPA eigentlich schon im vergangenen Herbst in Wien stattfinden, was aber an der Finanzierung scheiterte. Dass die Plattform nun im Rahmen von ImPulsTanz errichtet wird, ist aber wahrscheinlich kein Schaden: So viel interessiertes Publikum ist wohl zu keiner anderen Jahreszeit in der Stadt versammelt. Außerdem wird auf diese Weise vermieden, dass die Plattform zur reinen „Fachmesse“


I m p u l s t a n z 1 2    The Ballet of Sam Hogue and Augustus Benjamin: 17. und 19.7., 22.00, Wuk

Beim Gschwandner draußt, in Neulerchenfeld, is Perfektion!

Silk: 20.7., 22.00 und 23.7., 23.00, Schauspielhaus

::  Der Österreich Pavillon ist

solo with Jack: 23. und 25.7., 21.00, Kasino am Schwarzenbergplatz Österreich Pavillon: 25. und 27.7., 15.00 bis 23.00, Grand Etablissement Gschwandner body in a metal structure: 27. und 29.7., 20.00, Albertina-Terrasse TALK-SHOW: 28.7., 17.00, Odeon The Impossible Movement Series #4: 28.7., 20.00 und 29.7., 18.00, Arsenal Rising Swan: 28.7., 23.00, Odeon The Perfect Garden: Odeon – Mush Room: 1., 3. und 4.8., 21.00, Odeon Alle CPA-Termine: siehe Lexikon auf Seite 28/29 Chris Haring lässt Gras über die Sache wachsen: Teil 2 seiner Serie „The Perfect Garden“

Fotos: reinhard werner, carl anders nilsson

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Die Choreografin Saskia Hölbling tanzt auf einem Gerüst vor der Albertina

das Herzstück der Choreographic Platform Austria (CPA) bei ImPulsTanz. Im Grand Etablissement Gschwandner, draußen in Hernals, finden zwei lange Abende statt, an denen insgesamt mehr als 30 Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern der Wiener Tanz-Performance-Szene gezeigt werden. Einlass in den Österreich Pavillon ist um 15 Uhr. Ab 16 Uhr stehen dann im Stundentakt eine Reihe von kurzen Performances (Dauer 20 bis 30 Minuten) auf dem Programm. Am 25.7. treten Amanda Piña & Daniel Zimmermann, Fanni Futterknecht, Magdalena Chowaniec, Stephanie Cumming und Agata Maszkiewicz auf; am 27.7. bespielen Akemi Takeya, Krõõt Juu­rak, Stephanie Cumming, Magdalena Chowaniec sowie Georg Blaschke & Liz King das Gschwandner. Ergänzt wird das Programm an beiden Tagen durch performative Installationen, die vor und zwischen den Performances begehbar sind. Sie stammen von Luke Baio & Dominik Grünbühel, Julius Deutschbauer, Laia Fabre & Thomas Kasebacher, Philipp Gehmacher, Alexander Gottfarb, Lisa Hinterreithner, Krõõt Juurak, Agata Maszkiewicz, Michikazu Matsune, Anna Mendelssohn & Burkhard Stangl, Oleg Soulimenko, Elisabeth Tambwe und Zak Ra. Das Grand Etablissement Gschwandner ist ein

erst kürzlich wiederentdecktes Baujuwel. Wie in Bernstein ist darin das Flair der untergegangenen Wiener Vorstadtkultur des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben. Das 1838 als Heuriger eröffnete Lokal zwischen Geblergasse und Hernalser Hauptstraße wurde immer wieder um- und ausgebaut. Unter anderem wurde 1907 auch ein Kinosaal in den Komplex integriert. 1250 Plätze fasste der große Saal in den besten Zeiten des Etablissements; dort wurden Konzerte, Singspiele, Bälle oder auch Boxkämpfe veranstaltet. Und 1920 hielt Adolf Hitler im Gschwandner seine erste Rede in Österreich. „Das Etablissement Gschwandner ist kein Ronacher, kein Konzerthaus, ist nicht vergleichbar mit den eleganten innerstäd-

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tischen Ballsälen und den Produkten der höfischen Wiener Hochkultur, die im 19. Jahrhundert rund um das Kaiserhaus entstanden ist“, heißt es in einem Anfang des Jahres im Metroverlag erschienenen Buch über das Gschwandner. „Das Besondere ist vielmehr, dass sich mit den Gebäuden des Gschwandner ein wesentliches Stück Wiener Alltagskultur erhalten hat, ein Stück historischer Normalität.“ Seit der Schließung 1960 war das Gschwandner als Lager genutzt worden und in Vergessenheit geraten. Nach einem Eigentümerwechsel gibt es jetzt wieder ehrgeizige Pläne für den denkmalgeschützten Bau. Das Gschwandner soll (vom Architekturbüro BWM) restauriert und adaptiert werden und 2013 als „kulturelle Plattform für Veranstaltungen aus allen Kunstbereichen“ wiedereröffnet werden. ImPulsTanz ist jetzt schon drin. Das Festival

war immer schon ein „early adaptor“, wenn es darum ging, neue Spielorte zu erschließen. Dem Geist der Vorstadt wird im Österreich Pavillon auf besondere Weise entsprochen: Nach den Performances wird zur „Perfektion“ gebeten. In der legendären Bronner/QualtingerNummer „Der g’schupfte Ferdl“ ist der Tanzschulbrauch, für seine Klienten am Wochenende eine „Perfektion“ anzubieten, besungen: „Beim Dumser draußt, in Neulerchenfeld, is Perfektion!“ Der Dumser war eine Tanzschule, und die befand sich im heutigen Metropol, ganz in der Nähe vom Gschwandner. Namhafte Künstlerinnen und Künstler werden im Österreich Pavillon ab 21 Uhr das Publikum choreografieren; die Perfektion wird von Oleg Soulimenko (25.7., 21.00), Doris Stelzer (27.7., 21.00) und Lieve De Pourcq (25. & 27.7., 22.00) geleitet. Es gehe dabei nicht darum, gemeinsam Jive oder Quickstep zu tanzen, sagt Ko-Kurator Michael Stolhofer von der Szene Salzburg. „Da geht es darum, das ganze Etablissement in Bewegung zu bringen.“ Österreich Pavillon: 25. und 27.7., 15.00– 23.00, Grand Etablissement Gschwandner

Das Gschwandner in Hernals wird als „Österreich Pavillon“ zum Zentrum der CPA


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Fortsetzung von Seite 18

wird und hauptsächlich Veranstalter im Zuschauerraum sitzen. Betrieben und kuratiert wird die CPA von Brut Wien, ImPulsTanz, Tanzquartier, Wuk, Szene Salzburg, dem Steirischen Herbst und der Webzeitung Corpus. Dass die verschiedenen Institutionen durch die gemeinsame Arbeit an der Plattform auch gezwungen sind, miteinander zu kooperieren, ist ein positiver Nebeneffekt der Initiative, wobei ImPulsTanz-Intendant Karl Regensburger anmerkt, „dass die Kommunikation im CPA-Kuratorium reich an Verbesserungspotenzial ist“. Aus dieser Formulierung kann man schließen, dass es bei der Programmierung der Plattform nicht nur harmonisch zugegangen ist. Das Ergebnis aber kann sich jedenfalls sehen lassen. Die vierte Ausgabe der CPA ist die bisher umfangreichste. Auf dem Programm stehen zwölf „große“ Produktionen (darunter zweieinhalb Uraufführungen und ein Preview) sowie rund 20 Kurzperformances, die an zwei langen Abenden im „Österreich Pavillon“ (siehe Kasten auf Seite 19) gezeigt werden. In der „Kernzone“ der CPA, Ende Juli, kann man in einer Woche fast 30 Arbeiten sehen. Philipp Gehmacher bringt mit „solo with Jack“

eine neue Arbeit zur Uraufführung, in der er – gemeinsam mit dem Wiener Performer Jack Hauser – die Möglichkeiten und Grenzen von (Bewegungs-)Sprache auslotet. Chris Haring (Liquid Loft) setzt die bei ImPulsTanz im Vorjahr begonnene Serie

Intendant Karl Regensburger: „Die Plattform bereichert das Festival“

Michael Stolhofer von der Szene Salzburg ist Ko-Kurator der CPA

„The Perfect Garden“ fort, in der „Konzepte des perfekten Lebens und Seins“ hinterfragt werden. „Mush Room“ wurde zwar im Februar bereits im Tanzquartier gezeigt; Haring hat das Stück für den neuen Spielort Odeon aber noch einmal überarbeitet – und hofft jetzt, dass der vom bildenden Künstler Michel Blazy für die Performance angelegte Garten so wächst wie geplant. Die erfrischend unkonventionelle Choreo-

grafin/Performerin Doris Uhlich ist bei der CPA mit ihrem Solo „Rising Swan“ (2010) vertreten, in dem sie sich daran erinnert, was sie sich einmal von der Zukunft erwartet hat. Abgesehen davon, ist das Stück auch eine der seltenen Gelegenheiten, den Song „Eye of the Tiger“ einmal richtig gut finden zu können. Saskia Hölbling (Dans.Kias) tanzt ihre für theaterfremde Orte konzipierte GerüstPerformance „body in a metal structure“ bei der CPA auf der Terrasse der Albertina. Und das österreichisch-belgisch-französische Kollektiv Superamas präsentiert als Preview eine etwas andere „Talk-Show“, in der die Künstler von der perspektivischen Malerei des 15. Jahrhunderts auf aktuelle Bildmanipulationen schließen. Mit Studio 5, Florentina Holzinger oder Raul Maia & Thomas Steyaert werden bei der CPA aber auch Künstlerinnen und Künstler präsentiert, deren Namen noch nicht so bekannt sind. Studio 5 (Andrea Maurer & Thomas Brandstätter) zeigen als Uraufführung die vierte Folge ihrer

Serie „The Impossible Movement“; sechs Performer arbeiten darin an der Herstellung kurzer Trickfilmsequenzen, die den realen Bewegungsabläufen der Performance zeitgleich gegenübergestellt werden. Florentina Holzinger kommt in ihrem Solo „Silk“ im Rollstuhl auf die Bühne – was nicht der einzige irritierende Moment ihrer Arbeit bleiben wird. Der Portugiese Raul Maia und der Belgier Thomas Steyaert, die beide Tänzer bei Wim Vandekeybus waren, wiederum stellen in „The Ballet of Sam Hogue and Augustus Benjamin“ die wahrscheinlich unerotischsten Unterhosen des gesamten Festivals zur Schau. Die Idee, ImPulsTanz für die CPA ein paar Tage

lang zu unterbrechen, wurde angedacht, aber verworfen. Die Plattform findet jetzt als „Festival im Festival“ statt und sorgt dafür, dass der Österreicheranteil bei ImPulsTanz in diesem Jahr so hoch wie nie zuvor ist. Finanziert wird die CPA ungefähr zur Hälfte durch Subventionen von der Stadt Wien (150.000 Euro) und dem Bund (50.000), den Rest steuert ImPulsTanz aus seinem Festivalbudget bei. Angeblich zeigen sich die Subventionsgeber nicht abgeneigt, die CPA bei ImPuls­ Tanz zur Dauereinrichtung werden zu lassen. Auch Karl Regensburger fände das spannend. „Die Plattform ist eine Bereicherung für das Festival“, sagt er. „Ich will sie aber nicht an uns reißen.“ Auch diese Frage wird im CPA-Kuratorium noch besprochen werden müssen.  F

Performen im Selbstversuch Claudia Bosse und Joke Laureyns erarbeiten während des Festivals in Workshops Performances, die öffentlich gezeigt werden Bettina Hagen

ei ImPulsTanz hat es immer wieB der Workshops gegeben, die mit einem sogenannten „Showing“, also

Die Belgierin Joke Laureyns aus Gent hat

einer öffentlichen Aufführung des Erarbeiteten, endeten. Zumeist waren die Themen politisch motiviert, wie ja überhaupt der Körper im zeitgenössischen Tanz ein politischer ist. Dass heuer „nur“ zwei solcher Aufführungen geplant sind, führt Workshop-Kurator Rio Rutzinger hauptsächlich darauf zurück, dass die meisten Research-Projekte in diesem Jahreher introspektiv angelegt sind. Regisseurin Claudia Bosse setzt dem ihr

Choreographer’s Venture „your energetic democratic body!“ entgegen. In den vergangenen Jahren war die Leiterin der Gruppe Theatercombinat Wien mit ihren Produktionen auch international erfolgreich. Zuletzt hat sie sich mit den Auswirkungen des arabischen Frühlings auf die Bevölkerung der betroffenen Länder beschäftigt, führte Interviews mit Menschen vor Ort. Danach aber wollte Bosse diesmal nicht mit Schauspielern arbeiten, sondern die Texte auf Tänzerkörper

Regisseurin Claudia Bosse hat für ihr Projekt im arabischen Frühling recherchiert

prallen lassen – und sie wandte sich vertrauensvoll an ImPulsTanz. Ausgewählte Teilnehmer werden nun die Möglichkeit bekommen, ihre Körper auf Bewegungsmuster hin zu überprüfen und in Beziehung zu einem Raum sowie die von Bosse gesammelten Inhalte zu setzen. Wer die Arbeiten des Theatercombinats kennt, weiß, dass man es dort auch als Zuschauer nicht ganz leicht

hat. Bosse bespielt gern theaterfremde Räume, wo es weder Heizung noch bequeme Sessel gibt, von der Dauer ihrer Inszenierungen ganz zu schweigen. Spielort des dreiwöchigen „Ventures“ ist die ehemalige Zollamtskantine im dritten Bezirk. Ein brachliegender Industriebau der 70er-Jahre, der seine Bedeutung für die Gesellschaft eingebüßt hat. Gleichzeitig wird die Rolle des Raums überprüft, indem das

Philosophie und Theologie studiert und arbeitet als Choreografin immer wieder mit Kindern und Tanzprofis gemeinsam. Für ihr zweiwöchiges Creative Project unter dem Motto „Begegnungen“ und das damit verbundene Atelier-Showing im Dschungel hat sie demnach auch die beste Begründung der Welt: die Beschäftigung mit Kindern. In diesem Fall werden Kinder von acht bis zwölf Jahren dazu angeleitet, sich über die Sprache des Körpers und der Bewegung ein neues, eigenes Bild von der Welt zu machen. Sowohl für „Begegnungen“ als auch bei „your energetic democratic body!“ werden Bewerbungen noch entgegengenommen. F your energetic democratic body! (Claudia Bosse): 10.8., 19.30, ehem. Zollamtskantine; 11.8., 19.00, Kasino am Schwarzenbergplatz Begegnungen (Joke Laureyns): 10.8., 17.00, Dschungel Wien

Fotos: michael dürr, wolfgang kirchner, claudia bosse

Material auch ins Kasino am Schwarzenbergplatz, also an einen Kunstort, transferiert wird. Dort gibt es Sitzgelegenheiten, vielleicht.

B e ric h t :


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Liebt und arbeitet in Wien Die Wiener Tanz-Performance-Szene ist ziemlich international. Das hat oft auch ganz private Gründe Paaranalyse: B e tt i n a H a g e n

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Fotos: Sophie Thun, L aurent Ziegler, nadaproduc tions, Privat

nem ImPulsTanz-Workshop nach Wien und lernte zu dieser Zeit einen bayerischen Künstler kennen, mit dem sie mittlerweile eine Familie hat. Dank ihrer tschechischen Wurzeln sei ihr die österreichische Seele nicht ganz fremd, erzählt sie. Nach über zehn Jahren in Wien ist sie sich auch sicher, dass der Umgang mit Kollegen, die Sprache oder ganz einfach die Bewegungen auf der Straße sie künstlerisch beeinflusst haben. Manchmal hat Anne Juren Heimweh. Aber sie ist froh, nicht auf die französische Kulturpolitik angewiesen zu sein. „In Frankreich gibt die Politik ein Thema vor, zum Beispiel China, und wer eine Unterstützung möchte, muss zu diesem Thema arbeiten.“ Auch in New York, wo sie zwei Jahre lang studiert hat, habe man es als Tänzerin schwer. Dort könnten nur große Namen wie die Trisha Brown Dance Com-

Theorie & Praxis: Kuratorin Bettina Kogler und Choreograf Michikazu Matsune

Arbeiten tun sie noch zusammen: Amanda Piña und Daniel Zimmermann

Die Französin Anne Juren kam 2001 zu ei-

Nachwuchskünstler: Laia Fabre und Thomas Kasebacher sind Eltern geworden

Fruchtbare Beziehung Milli Bitterlie und Frans Poelstra haben zwei Kinder

benso attraktiv wie ImPulsTanz, das Tanzquartier, die Nachwuchsförderung und die Subventionen sind in Wien die Kolleginnen und Kollegen aus der Tanzszene: Manche Künstlerin, mancher Künstler kam beruflich in die Stadt – und blieb aus Liebe. Nicht selten haben sich hier auch Paare ergeben, deren beide Partner gar nicht aus Österreich stammen. Amanda Piña aus Chile etwa, deren Vater wiederum aus Mexiko stammt, bezeichnet sich selbst als transnationale Künstlerin. Mit dem Schweizer Künstler Daniel Zimmermann verband sie jahrelang nicht nur ihr gemeinsames Projekt nadaproductions. Wegen der attraktiven Wiener Tanzszene wollte sie in Wien leben, Zimmermann ist ihr nachgezogen. Für den „Österreich Pavillon“ der Choreographic Platform Austria inszenieren nadaproductions die Gründungsfeierlichkeiten des Österreichischen Bundesministeriums für Allgemeine Bewegungsangelegenheiten. Piña verrät im Gespräch auch, dass der Schwede Ale­xander Gottfarb mit einer Polin zusammen ist und beide jetzt in Wien leben. Wobei es für künstlerische Menschen sowieso unerlässlich sei, öfter mal die Umgebung oder das Land zu wechseln.

pany vom Tanz leben und sonst niemand. Juren zeigt im Rahmen der CPA ihr Stück „Magical“, das auf feministische Performances aus dem New York der 70er-Jahre zurückgreift. Dass „Magical“ heuer auch im Austrian Cultural Forum in New York gezeigt werden kann, ist ebenfalls der CPA-Netzwerkarbeit zu verdanken. Die österreichische Choreografin Milli Bitter-

li und ihr niederländischer Kollege Frans Poelstra, der wiederum künstlerisch mit Robert Steijn liiert ist, sind ein Ehepaar mit Kindern, das schon mal – wie in „A donut has a hole“ – gemeinsam auf der Bühne steht und die Widrigkeiten des Zusammenlebens thematisiert. Bei ImPulsTanz allerdings wird Poelstra heuer mit Steijn – im Rahmen eines Research-Projekts im Workshopprogramm – einen Park im 17. Bezirk unsicher machen.

Österreich Pavillon: Beiträge von Amanda Piña & Daniel Zimmermann, Alexander Gottfarb, Stephanie Cumming, Laia Fabre & Thomas Kasebacher, Michikazu Matsune, Lieve De Pourcq, Philipp Gehmacher u.a. 25. und 27.7., 15.00–23.00, Grand Etablissement Gschwandner Magical (Anne Juren): 26.7., 21.00, Odeon solo with Jack (Philipp Gehmacher): 23. und 25.7., 21.00, Kasino am Schwarzenbergplatz

Ein junges Künstlerpaar sind die Spanierin Laia Fabre und der Österreicher Thomas Kasebacher. Sie sind kürzlich Eltern geworden. Trotzdem werden sie im Gartenhaus des Österreich Pavillons keine Brei-, sondern ihre „Pudding Show“ veranstalten. Dass zwischen dem österreichischen Choreografen Chris Haring und seiner Muse, Weggefährtin und Mitstreiterin Stephanie Cumming aus Kanada schon Funken und Fetzen geflogen sind, kann man sich auch als Außenstehende gut vorstellen. Ihre künstlerische Beziehung ist jedenfalls bemerkenswert, da Cummings eigenwillige Körpersprache den Bewegungsstil der Liquid-Loft-Produktionen mitgeprägt hat. Sie zeigt Im Österreich Pavillon ihr Solo „aurora borealis“. Auch zwischen Theorie und Praxis kann Liebe gedeihen. Kuratorin Bettina Kogler – bei ImPulsTanz heuer als Jurorin des Prix Jardin d’Europe engagiert – und der Choreograf Michikazu Matsune, ein gebürtiger Japaner, sind ein Paar. „Er ist wegen mir nach Wien gekommen“, sagt Kogler. „Ich hoffe, er liebt mich noch.“ In seiner Installation „etc.“ wird Matsune das Publikum im Österreich Pavillon zu kleinen, unterhaltsamen Aktionen überreden. Der Belgierin Lieve De Pourcq hat es ein junger österreichischer Künstler, Joachim Kapuy, angetan. Und die französische ExRosas-Tänzerin Alix Eynaudi, die bei ImPulsTanz heuer einen Bondage-Workshop mitverantwortet, ist gerade beim Übersiedeln – natürlich der Liebe wegen. Warum der lange in Berlin beheimatete Russe Vladimir Miller so viel Zeit in Wien verbringt, muss man Philipp Gehmacher nicht fragen. Mit Meg Stuart haben die beiden gerade das Stück „the fault lines“ kreiert. Gehmacher zeigt im Kasino am Schwarzenbergplatz die Uraufführung „solo with Jack“ und im Österreich Pavillon seine jüngsten Videoarbeiten. Wenn es einmal vorbei sein sollte mit der Liebe, bleibt den hier ansässigen Künstlerinnen und Künstlern immer noch die Zuneigung des Publikums. „Die Wiener wissen, wie man sich als Zuschauer zu benehmen hat“, weiß Amanda Piña.  F


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Stark geschminkte Wahrheiten Das Varieté war eigentlich schon tot. Aber dann hat die Performance ihre Liebe zum Fummel entdeckt

„Heavens What Have I Done“ mit Miguel Gutierrez: „übergenau geplante Selbstzerstörung“ Analyse: Elfi Oberhuber

So lässt sich der New Yorker Hype um Trajal

Harrells spannende, überraschende und etwas schlüpfrige Serie „Twenty Looks – Paris Is Burning at The Judson Church“ erklären, die in den Formaten XS, S und M im Vorjahr bei ImPulsTanz zu sehen war und jetzt mit „Antigone Sr.“ und „Antigone Jr.“ fortsetzt wird. Ausgangspunkt für die sich berückend bewegenden und posierenden Frau-Männer war für den Afroamerikaner Harrell, dem die Drag-Queen selbst kaum anzusehen ist, eine Sehnsucht nach einem bestimmten Bewegungsausdruck. Er wollte in einem Stück

die Künstlichkeit des Harlem-Voguing – berühmt-berüchtigt in den 1960ern, als sich Männer mit glamourösem Inszenierungsdrang auf dem Catwalk einem Schönheitsund Typenwettbewerb stellten – neben dem sich aller Virtuosität und Theatralität entsagenden postmodernen Tanz des Judson Church Theater verwenden. Woran denken Sie bei „Varieté“ jetzt? An den

Life Ball? An Heidi Klums Topmodel-TVLaufsteg-Trainer Jore Gonzalez? Das wäre zynisch, denn das Varieté ist mit dem Aufkommen des Fernsehens in den 60ern offiziell gestorben. So wie das französische und amerikanische Vaudeville, eine in seiner Hochblüte niveauvolle Form. In Wien fallen einem dazu die Inszenierungen des früheren Schauspielhaus-Direktors Barrie Kosky ein. Oder der singende Off-TheaterStar Lucy McEvil. Im Untergrund scheint es die schrillen Persönlichkeiten ja doch noch zu geben, denen sich der Zuschauer so sensationslüstern nähert wie in der Nummernrevue des 19. Jahrhunderts: den ArtistenKraftmenschen, Magiern, Löwenbändigern, Akrobaten, Groteskenpantomimen und den Menschen mit körperlichen Abnormitäten.

Antigone Jr. (Trajal Harrell): 1.8., 23.00, Garage X Antigone Sr. (Cie. Trajal Harrell): 4. und 6.8., 23.00, Kasino am Schwarzenbergplatz Heavens What Have I Done (Miguel Gutierrez): 5.8., 21.00 und 7.8., 23.00, Wuk Rouge (Olivier Dubois): 31.7., 23.00, Museumsquartier, Halle G Opening Night – a vaudeville (Mark Tompkins): 2.8., 23.00, und 4.8., 21.00, Schauspielhaus Here Comes the Crook (The Loose Collective): 27.7., 23.00, Museumsquartier, Halle G

Wenn damit nicht eine spezielle musische Qualität einhergehen würde! Wenn da nicht ein tieferer Sinn dahinterläge: das Entdecken einer Wahrheit oder eines echten, persönlichen Schicksals mit einer bestimmten Sicht auf die Dinge. Die Maske dient oft der Demaskierung. Ein Paradebeispiel dafür ist der Amerikaner

Miguel Gutierrez in „Heavens What Have I Done“. Mit aufgepickten Diven-Wimpern und weißbemaltem Clownsgesicht packt er furchtbar viel persönlichen Kleinkram und Bücher aus seinem Koffer, um sie dem Publikum zu zeigen, das ihn eng umkreist. In einer rastlosen Monologfolge gewährt Gutierrez Einblicke in seine tiefsten Gefühle und Träume, während er sich aus- und ein Kleidchen samt Marie-Antoinette-Perücke anzieht. Cecilia Bartoli singt vom Band, er singt mit. „Jede Bewegung ist unmittelbar und wohlüberlegt, so flüchtig sie sich anfühlt – eine übergenau geplante Selbstzerstörung“, analysiert Kritikerin Christine Hou die Performance. Der Franzose Olivier Dubois begibt sich in den ewigen Krieg von Mann und Frau, indem er Verhaltensmuster wie „gruppen-

Foto: ian douglas

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as Varieté ist tot. Oder was kommt Ihnen dabei in den Sinn? Erotik? Cancan-Tänzerinnen im Moulin Rouge? Das kann zwei Dinge bedeuten. Zunächst den Kampf um Nacktheit und das Ausleben der Sexualität, der ganz persönlichen ästhetischen Vorlieben von Sexualität – was ein gewisses Maß an Exhibitionismus einschließt. Gleich danach kommt aber schon der Striptease als Geschäft, das deshalb so lukrativ ist, weil die geheimen Voyeure in der geknechteten Menschengemeinschaft immer in der Überzahl sein werden.


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unfähige Frauen“ und „Männerklüngel“ verdreht. Nach „Revolution“, worin Frauen mit einem melancholischen Schrei des Widerstands als Untergrundgruppe auf sich aufmerksam machen, ist das Solo „Rouge“ die einsame Männerantwort darauf: Es holt das revolutionäre Vieh im metallenen, roten Bühnenkäfig aus ihm heraus. Dubois nimmt griechische SpeerwurfPosen ein, entledigt sich schreiend der roten Stöckelschuhe und des schwarzen Gummibodys. Blutüberströmt wird er – dank etlicher Motorradhelme, die ihn mit „männlichem“ Licht stärken – zur Raubkatze. Doch nach dem Friedensaufruf von tausenden russischen und französischen Männernamen (Partisanen) findet er vor den Klängen eines russischen Männerchors doch noch zur Ruhe.

Wer hat gesagt, das Varieté sei tot? Der in Paris lebende Amerikaner Mark Tompkins und der Franzose Mathieu Grenier pflegen es in höchster Reinkultur: im Stil des Vaudeville und der Music Hall, aus der Komiker wie Stan Laurel und Charlie Chaplin hervorgingen. In „Opening Night“ treffen ein alter Berufstänzer, Mr. T, und Junior, der junge Außenseiter, aufeinander. In tragikomischen Song-and-DanceNummern sprechen sie von Liebe, Leben und Tod, während sie von zwei Technikern gestört werden. Von gestern sind Tanzrhythmen wie Stepptanz und Soft Shoe, die Körperbewegungen aber sind von heute. Dramatischer Motor ist das Spiel zwischen onstage und backstage, um die Wahrheit der Show und die Lebenslügen hervorzukehren.

The Loose Collective (linkes Bild): „We can be kitsch enough for your stage“ Mark Tompkins und Mathieu Grenier (rechtes Bild): „Opening Night“ im Stil des Vaudeville

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Am Ende sind die neuen Varietékünstler die Antichristen der gegenwärtig dominierenden zeitgenössischen Tanzszene. Sie füllen eine Lücke mit Visionen der stilistischen Erweiterung, die sich gegen die kalte Nüchternheit im Konzepttanz richtet, die in Österreich besonders ausgeprägt ist. Für umso mehr Furore sorgt das junge öster-

reichische Loose Collective mit „Here Comes the Crook“, einem zeitgenössischen Musical, das auf dem ersten Broadway-Musical von 1866 beruht. Die elektronische Wiener Band 78plus begleitet fünf Tänzer von der Vergangenheit in den zeitgenössischen Tanz des Jahres 2110. Ganz nach dem Motto: „We can be kitsch enough for your stage.“ Und: „Any change is better than no change at all.“  F

Halb Scott Heron, halb Thomas Hauert Die Performance „Like me more like me“ ist das unterhaltsame Ergebnis einer transatlantischen Kooperation Vorschau: Sara Schausberger

Fotos: johannes gellner, rudolphe martin, filip vanzieleghem

eide sind sie über 40, und beide sind sie B schwul. Die Performances der beiden Tänzer sind allerdings äußerst unterschiedlich. Der eine lebt und arbeitet in Brüssel, der andere in New York. 2008 haben sie sich beim Movement Research Festival in New York kennengelernt. „Ich war überrascht von seiner Performance, sein Tanz hat mich zum Lachen gebracht“, sagt Thomas Hauert, Gründer der belgischen Tanzkompanie ZOO, über den amerikanischen Performancekünstler Scott Heron. Auch ihre erste gemeinsame Arbeit regt zum

Lachen an. „Like me more like me“ ist ein Spiel mit klischeebehafteten Kleidungsstücken, die an- und ausgezogen werden, ein Spiel mit Tanzstilen und Bewegungen, die immer neue Blickwinkel auf den Menschen auf der Bühne erzeugen. Scott Heron und Thomas Hauert misstrauen sozialen und ästhetischen Konventionen, die sie in ihrer Performance zitieren: Welche Klischees werden auf der Bühne reproduziert, wenn ein Typ im bauchfreien T-Shirt und in fleischfarbenen Leggins, mit einer blauen Baseballkappe auf dem Kopf zu Discomusik tanzt? Wie verändert sich der Blick auf den Tänzer Scott Heron, wenn dieser sich

der Anzughose und des Hemds entledigt und plötzlich im knöchellangen schwarzen Abendkleid, einer Langhaarperücke und Highheels auf der Bühne steht? Heron arbeitet häufig mit Perücken, Highheels und extravaganten Kleidern. Thomas Hauert mag das Wechselspiel von Körpern und Musik. In „Like me more like me“, einer transatlantischen Kooperation, verbinden die beiden Performer ihre spezifischen Arbeitsweisen. Sehr unterschiedliche Stile treffen aufeinander, Anzughosen und Hemden auf weiße Rüschenkleider, Turnschuhe auf Highheels, Ringelsocken auf Baseballkappen.

Like me more like me: 9. und 11.8., 23.00, Schauspielhaus

Obwohl die Tänzer zu zweit sind, wirken sie immer wieder verdammt einsam

Heron und Hauert tanzen zu Gustav Mahler, zur Musik des mittelalterlichen Komponisten Guillaume de Machaut, zu Sufjan Stevens und zur Stille. Während Heron im Abendkleid verstörend ins Mikrofon brüllt, tanzt Hauert und wirkt dabei extrem angreifbar. Er ist fast nackt, trägt nur eine glänzend violette Unterhose. Obwohl sie zu zweit sind, wirken die beiden Performer immer wieder verdammt einsam. Zu Beginn imitieren sie einander. Sie beobach-

ten sich gegenseitig und versuchen, dem anderen auf dessen spezifische Art zu begegnen. Sie spielen füreinander und miteinander. Wenn der eine für den anderen tanzt, ist das wie die Übertragung ihres ersten Zusammentreffens in New York und vielleicht auch eine Anspielung auf die Arbeitsweise für „Like me more like me“: Hauert und Heron haben sich über ein halbes Jahr lang Videos, Fotos, Links und Geschriebenes über den Atlantik geschickt. Sie haben sich dann mit einem Koffer voll signifikanter Dinge getroffen, die der jeweils andere zu interpretieren hatte. Herausgekommen ist ein einfühlsames und humorvolles Stück, in dem Körpergrenzen verschwinden und die beiden Tänzer sich sehr nahe kommen. Zum Schluss werden sie eng beisammen einschlafen. Halb Heron, halb Hauert. F


Wirklich frisch Geerntetes auf dem Teller wollen Anita und Gregor so oft es geht, weil da noch alle Vitamine enthalten sind. Außerdem tut´s der Umwelt gut, wenn das Gemüse vom nächsten Feld kommt. Wobei Gregor gerne gleich am Markt essen will, weil dort auch das gastronomische Angebot riesig ist und die Speisen an Frische nicht zu überbieten sind. Wiens 22 Märkte sind Nahversorger mit regionalen, saisonalen und frischen Produkten. Damit ist Einkaufen am Markt nicht nur ein Erlebnis, sondern auch ökologisch und ökonomisch sinnvoll.

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Porträt: J u li a K o sp a c h

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Foto: agathe poupeney

ragen sind Faustin Linyekula lieber als Antworten. „Ich bin in einer Diktatur aufgewachsen. Ich versuche, keine Antworten zu haben. Ich habe immer nur Fragen.“ Auch und vor allem als Tänzer und Choreograf. Eine Frage aus einem Gedicht des syrisch-libanesischen Dichters Adonis steht am Anfang von Linyekulas erstem Soloprogramm „Le Cargo“: „Wie soll ich mich auf den Weg zu mir selbst, zu meinem Volk machen, mit meinem Blut in Flammen und meiner Geschichte in Trümmern?“ In „Le Cargo“ unternimmt Faustin Linyekula diesen Marsch in seine eigene Geschichte, die auch die Geschichte seiner Heimat ist. Seine Heimat ist der Kongo, seine Stadt ist Ki­sangani im Nordosten des riesigen zentralafrikanischen Landes. Dort wurde ­Linyekula 1974 geboren, mitten hinein in die Militärdiktatur Mobutos, der neben vielen anderen Losungen auch diese ausgab: „Glücklich das Volk, das singt und tanzt.“ Damals hieß das Land Zaire, davor Belgisch-Kongo, davor KongoFreistaat – jeder dieser Namen ist zugleich eine Chiffre für brutalste Ausbeutung, Unterdrückung, Zerstörung, Gewalt und Tod. Auch nach Mobutos Sturz 1997, dem weitere verheerende Bürgerkriege folgten. In manchen Regionen des Landes branden die Kämpfe bis heute immer wieder auf. Die Infrastruktur ist zerstört, Armut und Bedrohung allgegenwärtig, nichts funktioniert. Das Leben ist eine einzige Improvisation, ein Seiltanz ständiger Wachsamkeit. „Wir machen Pläne“, sagt Faustin Linyekula, „aber wir verhandeln sie ständig neu im Austausch mit der Wirklichkeit um uns herum, die wir nicht verstehen.“

Linyekula hatte den Kongo schon vor Mobutos Sturz verlassen. Er hätte, sagt er, nicht gehen müssen, er sei kein Flüchtling gewesen – und ging doch ins Exil. Für die Träume, die er und seine Freunde träumten und in denen es vor allem um Literatur, ums Schreiben und ums Theatermachen ging, gab es im Kongo keinen Raum. Er begann zu tanzen, spät – mit 21. Auch dem Tanz näherte er sich über Fragen. Jede Tanztechnik, sagt er, jede Bewegung, ist eine Antwort auf eine Frage und das Ergebnis einer Reflexion. Im Ballett kann die Frage lauten: Wie gehe ich mit Gewicht um, wie überwinde ich die Schwerkraft? Im traditionellen Tanz: Habe ich Verbindung zum Boden? Es befreite ihn, so übers Tanzen nachzudenken. Er wurde dadurch offen für jeden Einfluss. Linyekula tanzte in Kenia und Angola, in Frankreich und Belgien, in den USA und in Österreich, in Südafrika und Slowenien. Der danceWEB-Stipendiat war längst auf dem Weg zum internationalen Tanzstar, der er heute ist, als er 2001 in Kinshasa, der

Faustin Linyekula: „Das Leben im Kongo ist schwierig. Aber ich muss hier sein“

Die Treibstoff des Tanzens In seinem ersten Solo zeigt der kongolesische Tänzer und Choreograf Faustin Linyekula, was ihn bewegt Hauptstadt des Kongo, der nun Demokratische Republik Kongo hieß, seine „Studios Kabako“ gründete, eine Tanz- und Künstlercompagnie, die er nach einem toten Freund benannte. „Ich ging zurück, als mir bewusst wurde, dass ich ein Geschichtenerzähler bin. Und die Geschichten, die mich wirklich berühren, sind keine Exilgeschichten.“ Es sei keine sehr bequeme Entscheidung gewesen. „Das Leben im Kongo ist schwierig. Aber ich muss hier sein.“ Seine Geschichten speisen sich aus dem Leben, das ihn hier umgibt. Auch als er 2006 die Studios Kabako von Kinshasa in seine Geburtsstadt Kisangani verlegte, aus der die letzten Rebellen noch nicht abgezogen waren, war das eine bewusster Schritt. Lin­

yekula will eine Änderung bewirken, Anteil haben an der Zivilgesellschaft, Verantwortung übernehmen und einen Unterschied machen. Kinshasa, sagt er, ist dazu zu groß – und es braucht ein kulturelles Gegengewicht abseits der Hauptstadt. Das soll Kisangani werden. Dort arbeitet er nun an – neben seinen Studios Kabako – drei über die Stadt verteilten Kulturzentren, die er als Inkubatoren sieht, in denen das kulturelle Leben der Stadt entstehen und wachsen können soll: Tanz ebenso wie Theater, Film, Literatur oder Musik. Faustin Linyekula ist ein zierlicher, in sei-

ner Feingliedrigkeit beinah verletzlich wirkender Mann mit klar gezeichneten Muskeln und ausdrucksstarken,

schönen Händen. Jede seiner Bewegungen ist zugleich grazil und kraftvoll, er ist beweglich wie ein Kontorsionist. Streng und abstrakt ist die Choreografie für sein Solo „Le Cargo“. Nach zehn Jahren und ebenso vielen Tanzstücken, in denen er immer mit anderen auf der Bühne stand, wollte er einmal über sich selber nachdenken, Fragen an sich selbst stellen. Was ist das, mein Tanz? Tanze ich wirklich? Was sind meine ältesten Erinnerungen, die mit dem Tanzen zu tun haben? Diese Erinnerungen führen in ein Dorf nahe Kisangani. Das Kind, das Faustin Linyekula war, machte dort seine ersten Tanzerfahrungen – ohne selbst zu tanzen, ja sogar ohne die Tänze zu sehen. „Es waren rituelle Tänze, die nachts getanzt wurden und Kindern verboten waren. Ich musste im Haus bleiben, aber ich hörte die Trommeln und die Geräusche und stellte mir vieles vor.“ Zu diesen Fantasien, diesen Bildern von Tanz kehrt Linyekula in „Le Cargo“ zurück. Es ist zugleich der Versuch, eine Anbindung an den Kern des Tanzens zu finden, sagt er, einen Kern, der weit über den einen tanzenden Körper hin­ ausweist, der zurückgeht in der Geschichte, zu etwas viel weiter Zurückliegendem, Archaischem. „Es gibt eine tiefe Erinnerung ans Tanzen in Zeiten, als ich noch gar nicht in der Welt war.“ Es geht ihm um nichts weniger als darum, die Essenz des Tanzens auszuloten. Auf einer sehr abstrakten Ebene: „Ich hoffe, dass ich nichts erzähle – außer der Energie.“ Die Choreografie, sagt er, müsse streng sein. Nur innerhalb dieses strikten Rahmens sei es ihm möglich, in den emotionalen Zustand zu kommen, den diese Erinnerungsarbeit brauche. Also steht Faustin Linyekula in „Le Cargo“ allein auf der Bühne, in dunklem T-Shirt und einem knielangen Rock. Er könnte ein Mann sein oder eine Frau, scheint diese Kleidung zu sagen. Linyekula geht ans Mikrofon, stellt seine Fragen an sich selbst, ans Tanzen und an sein Land, unter dem einen Arm einen hölzernen Hocker, unter dem anderen vier Bücher über traditionelle afrikanische Kunst und übers postkoloniale Afrika. Er erzählt von der Reise ins Dorf, die er im Vorjahr mit seinem Vater erneut angetreten hat, und spielt dann mit einem Laptop die Klänge, Rhythmen und Geräusche ab, die er dort aufgenommen hat. Dazu tanzt er. Wie Wellen gehen die Bewegungen durch seinen Körper, anmutig und hochgespannt. „Es geht darum, ob du es zulässt, dass die Erfahrungen deines Lebens zum Treibstoff deines Tanzens werden. Dann wird er zu einer zutiefst allgemein menschlichen Erfahrung.“  F Le Cargo: 22.7., 21.00, Odeon


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Schluss mit dem Ich! Angela Schubot und Jared Gradinger aus Berlin zeigen unendlich viele Varianten der körperlichen Nähe Vorschau: Sara Schausberger

s ist wie beim Vögeln: ein nie enE den wollendes Auf und Ab, ein heftiges und rhythmisches Stöhnen.

Nur dass sich beim Sex spezifischere Körperteile berühren. In Angela Schubots und Jared Gradingers Duett „What they are instead of “ begegnen sich zwei Körper an allen erdenklichen Stellen, in allen erdenklichen Positionen. Sie sind immer in Berührung und stoßen sich gleichzeitig weg. Lustvoll und brutal ist der Versuch einer lückenlosen Vereinigung, der vom hyperventilierenden Atmen der beiden Tänzer begleitet wird. „is maybe“ ist die zweite Zusammen-

arbeit von Angela Schubot (Mitbegründerin von Two Fish) und Jared Gradinger (Gründungsmitglied von Constanza Macras’ Compagnie DorkyPark) und die Fortsetzung ihrer erfolgreichen ersten Performance „What they are instead of “. Im Mittelpunkt steht die Frage, ab wann sich die eigene Identität auflöst und zu einer gemeinsamen wird. „is maybe“ macht Schluss mit dem Begriff des „Ich“ und sucht nach einer

Intimer geht’s nimmer: „What they are instead of“ von Schubot & Gradinger What they are instead of: 9.8., 21.00, Wuk is maybe: 11.8., 21.00, Wuk

Form, das Individuum zu teilen. Wie nahe kann man dem anderen kommen? Und was passiert, wenn man plötzlich nicht mehr Ich ist und es kein Du mehr gibt? Zu Beginn der einstündigen Performance stehen sich Schubot und Gradinger gegenüber. Sie schließen die Augen und werden sie bis zum Schluss nicht mehr öffnen. Wo der eine anfängt, hat der andere längst begonnen. Selbst wenn sie sich voneinander wegdrücken, bleibt die körperliche Nähe bestehen. Sie lassen sich keine Sekunde los.

Leuchtende, ineinanderfließende Körper hängen in allen erdenklichen Posen von der Decke, andere liegen auf der Drehbühne. Allesamt haben sie keine Köpfe. Der Street-Artist Mark Jerkins hat mit seinen KlebebandSkulpturen den Raum physisch gestaltet. Das Licht von Andreas Harder ist kühl, was einen starken Kontrast zur durchaus romantischen Sehnsucht nach kompletter Auflösung schafft. Im Gehen, Stehen, Liegen, im Sitzen, in der Hocke, in fester Umarmung: Gradinger und Schubot loten alle Varianten der körperlichen Nähe aus. Im-

mer haben sie die Hände im Gesicht des jeweils anderen. Zwei Körper, die plötzlich wie einer sind: mit zwei Köpfen, vier Beinen und vier Armen. „Schubot und Gradinger erweisen sich

als hingebungsvolle Performer, die physische Vehemenz mit halsbrecherischer Komik paaren“, schrieb ­Sandra Luzina im Tagesspiegel. „is may­be“ ist existenziell. Gradinger und Schubot ist der Schmerz ins Gesicht geschrieben. Wenn sie versucht, ihm ihre ganze Faust in den Mund zu stecken, würgt es sie, als wäre es ihr eigener. Die Musik – ein atmosphärisches elektronisches Klanggeflecht von Johannes Malfatti – wird dringlicher, während sich die Bühne schneller und immer schneller dreht. Beide Duette erfordern höchste körperliche Anstrengung und schaffen größte Intimität. Trotzdem gehen Schubot und Gradinger zum Schluss in keiner Einheit auf, weil das Ich nie ganz im anderen verschwinden wird. Am Ende von „is maybe“ ist da nur noch ein Atmen, das an das heftige Stöhnen aus „What they are instead of “ erinnert. Was bleibt, sind zwei Menschen, die einander wie am Anfang gegenüberstehen. F

Ein Haufen DJs und ein Hauch Romantik Was macht man nach dem Tanz am besten? Richtig: tanzen! Ein Überblick über das Partyprogramm von ImPulsTanz nius und Dorian Concept. Auch die Sendungen „313 Radio“, „Crazy“ und „Lost in Music“ hosten Abende.

P a r t y s e r vi c e : K a t h a r in a S e i d l e r

erschüttete Getränke, zerquetschV te Zehen, in die Brust gerammte Ellenbogen – wenn sich normale Men-

schen auf einem Club-Dancefloor im expressiven Ausdruckstanz üben, kann das Ergebnis für die anderen Tanzenden irritierend bis schmerzhaft ausfallen. Wenn aber die Bewegungen der Tänzer geschmeidig und kreativ sind und auch vertrackte Rhythmuswechsel leichtfüßig angenommen werden, dann kann man davon ausgehen, dass man auf einer ImPulsTanz-Party ist.

Fotos: fengr an zhou, Marta L amovsek

Auch diesen Sommer haben Nachteulen

neben all den Workshops und Performances des Festivals die Möglichkeit, die eigene Gelenkigkeit im direkten Vergleich auf der Tanzfläche zu erproben. Die zwei großen Feste finden wie in den vergangenen Jahren im Kasino am Schwarzenbergplatz statt. Die erste ImPulsTanz-Woche schließt am Freitag, 20. Juli, mit einem Konzert des Wiener Trios The Bandaloop, das Synthesizer-Ästhetiken aus Electro, Techno und Wave mit einem Live-Schlagzeug und den poppigen Melodien von Sängerin Bar-

Nach dem Letztjahresthema „From Dis-

Im Sommer sind die Nächte kurz. Jedenfalls kürzer als manche ImPulsTanz-Party

ca Baxant kurzschließt. DJ-Support kommt von Superfly-Radiohost Joja und den Loud-Minority-DJs Ella und Mr. Guan. Der irische DJ Kormac flitzt in seinen Sets irgendwo zwischen ElectroSwing, Hip-Hop und Drum ’n’ Bass herum und ist Stargast der danceWEB-Party am 10. August. In seiner AV-Show geben die Plattenspieler auch ein visuelles Signal ab, wodurch Filmausschnitte und Musikvideos ebenso gescratcht und übereinandergelagert werden können wie Beats. Der Eintritt ins Kasino kostet jeweils zwölf Euro; für Teilnehmer der

ImPulsTanz-Workshops gibt es eine Ermäßigung. Das Burgtheater-Vestibül wird währenddessen wieder zur allabendlichen festival lounge. In Kooperation mit Radio Superfly gibt es hier bei freiem Eintritt DJs und Konzerte einer guten Handvoll heimischer Musikprotagonisten zu erleben. Gleich zum Auftakt am 12. Juli fusioniert die Instrumental-Jazzband Kompost 3 ihren Sound mit den vertrackten Beats und Keyboard-Eskapaden von Sixtus Preiss; an anderen Tagen kommt die Musik von seinen Affine-Labelkollegen Zanshin, Cid Rim, The Clo-

co to Disco“ steht die festival lounge diesmal unter dem Motto der Romantik. Inspiriert von dem alten Liebeslied „Try a little tenderness“ aus dem Jahr 1932 lässt Kuratorin Magdalena Stolhofer Getränkekarte und Raumdekoration dem Inhalt anpassen. Musiker sind dazu eingeladen, ihre liebsten Coverversionen des Songs mitzubringen oder sich selbst an einer Version zu versuchen, während auf der Leinwand Liebesfilme laufen. Richtig kuschelig und kitschig wird es musikalisch an den Sonntagen, wenn Romantik-Experten wie Nikolaus Hanzo und Fillfonso vom SchmuseSalon oder DJ Como vom nostalgischen 50er-JahreClub Swell Time auflegen. F ImPulsTanz Party: 20.7., 22.00, Kasino am Schwarzenbergplatz danceWEB Party: 10.8., 22.00, Kasino am Schwarzenbergplatz

ImPulsTanz festival lounge: Burgtheater-Vestibül, ab 12.7., täglich ab 22.00


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Tanz im Bild

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Lexikon Alle Termine von A—Z

Die Zwei: „Counting To One Hundred“ mit Jonathan Burrows & Matteo Fargion

Wenn zwei eins werden: „is maybe“ mit Angela Schubot & Jared Gradinger

Zur Zeit der heißeste Typ in New York: „Antigone Jr.“ mit Trajal Harrell

Der Tänzer als sich häutende Schlange: „Snakeskins“ mit Benoît Lachambre

Impulstanz Antigone Jr. Trajal Harrell (USA). Ch: Harrell D: Harrell, Thompson, Lac, Fordeyn, Vidlar Der junge New Yorker Choreograf Trajal Harrell war eine der Entdeckungen des letztjährigen Festivals. Heuer zeigt er – frei nach Sophokles – zwei weitere Folgen einer von Vogueing und 70ies-Avantgarde geprägten Performanceserie; dieses ist die kleinere Version. Garage X Theater Petersplatz, Mi 1.8., 23.00 Antigone Sr. Cie. Trajal Harrell (USA). Ch: Harrell D: Harrell, Thompson, Lac, Fordeyn, Vidlar Der junge New Yorker Choreograf Trajal Harrell war eine der Entdeckungen des letztjährigen Festivals. Heuer zeigt er – frei nach Sophokles – zwei weitere Folgen einer von Vogueing und 70ies-Avantgarde geprägten Performanceserie; dieses ist die größere Version. Kasino am Schwarzenbergplatz, Sa 4.8., 23.00, Mo 6.8., 23.00 La beauté du diable Cie. Koffi Kôkô (F/BJ) Der in Benin und Frankreich lebende Tänzer/Choreograf Koffi Kôkô ist einer der wichtigen Erneuerer der afrikanischen Tanzszene. In diesem Solo spielt der Voodoo-Priester einen überaus eleganten Teufel. Museumsquartier (Halle G), Do 2.8., 21.00, Sa 4.8., 21.00 Begegnungen Joke Laureyns (B) & Atelier-TeilnehmerInnen Die Choreografin Joke Laureyns arbeitet immer wieder mit Kindern und Tanzprofis zusammen. Für ihr zweiwöchiges Creative Project hat sie Kinder von 8 bis 11 Jahren dazu angeleitet, sich über die Sprache des Körpers und der Bewegung ein neues, eigenes Bild von der Welt zu machen. Zum Abschluss gibt’s ein Showing. Dschungel Wien, Fr 10.8., 17.00 booty Looting Ultima Vez/Wim Vandekeybus (B). R/Ch/B: Vandekeybus M: Blijweert D: Killick, Walter, Fokina, Szypura, Jessop, Johnson Kein ImPulsTanz ohne Wim Vandekeybus: Die neue Arbeit des flämischen Regisseurs/Choreografen ist ein gewohnt energetisches, hinterlistiges Stück (koproduziert vom Schauspiel Köln) über die trügerische Macht von Bildern. Geliefert werden diese live vom Rock-Fotografen Danny Willems. Museumsquartier (Halle G), Mo 6.8., 21.00, Di 7.8., 21.00, Mi 8.8., 23.00 Le Cargo Faustin Linyekula (CD) Der kongolesische Tänzer/Choreograf Faustin Linyekula begibt sich in seiner ersten Soloperformance auf den Weg in seine eigene Geschichte, die auch die bewegte Geschichte seiner Heimat ist. Odeon, So 22.7., 21.00 Chutes incandescentes Par B.L.eux / Benoît Lachambre & Clara Furey (CAN) In diesem „Solo für zwei Körper“ arbeitet der abenteuerlustige kanadische Performer/Choreograf Benoît Lachambre mit der Singer/Songwriterin, Tänzerin und Pianistin Clara Furey zusammen. Songs und Gedichte, Spiritualität und Sexualität sind die Ingredienzien des Abends. Odeon, Do 12.7., 21.00, So 15.7., 20.00 Concerto Ivo Dimchev & Emilian Gatsov (BG) Der bulgarische Performance-Extremist Ivo Dimchev kehrt in dieser Arbeit hauptsächlich den Musiker hervor. Gemeinsam mit seinem Landsmann Emilian Gatsov, einem Komponisten, improvisiert er ein Konzert. Schauspielhaus, Do 12.7., 23.00, Mo 16.7., 23.00 Counting To One Hundred Jonathan Burrows & Matteo Fargion (UK/I) Eine weitere Folge der Serie von intelligent-gewitzten Duetten, mit denen der klassisch ausgebildete Brite Jonathan Burrows und sein italienischer Bühnenpartner Matteo Fargion auch bei ImPulsTanz regelmäßig zu Gast sind. Schauspielhaus, Di 7.8., 21.00 Danses Libres Cecilia Bengolea & François Chaignaud (ARG/F). D: Bengolea, Bodak, Chaignaud, Granato, Mugler Das französische Performance-Duo Cecilia Bengolea & François Chaignaud ist immer für eine Überraschung gut. In dieser Arbeit beziehen sie sich auf den tschechischen Choreografen François Malkovsky, der in der Zwischenkriegszeit ein neues Bewegungssystem namens Danse Libre entwickelte. Kasino am Schwarzenbergplatz, Di 31.7., 21.00, Do 2.8., 21.00 Drumming Live Rosas/Anne Teresa De Keersmaeker & Ictus Ensemble (B). Ch: De Keersmaeker M: Reich D: Coronada, Ikeda, Loemij u.a. Immer wieder hat Anne

Teresa De Keersmaeker bei ihren Choreografien auf die amerikanischen Musik-Minimalisten zurückgegriffen. Steve Reichs 70-minütiges, ausschließlich für Percussion geschriebenes Stück „Drumming“ (1974) bildet die Grundlage für die formal meisterhafte Performance, die 1998 bei ImPulsTanz uraufgeführt und jetzt (abermals) neu einstudiert wurde. Die Musik wird vom Ictus Ensemble live gespielt. Burgtheater, Sa 14.7., 21.00, Mo 16.7., 21.00 Duchesses François Chaignaud & Marie-Caroline Hominal (CH/F) In ihrer 35-minütigen Open-Air-Performance lassen François Chaignaud & Marie-Caroline Hominal, mystisch beleuchtet und nackt wie antike Statuen, zu Trancemusik von Granular Synthesis HulaHoop-Reifen kreisen. Sexy. Belvedere (Barockgärten), Mo 30.7., 23.00, Mi 1.8., 23.59 expressions 12 – Student Showing Zum Abschluss des ImPulsTanz-Workshopfestivals zeigen Studentinnen und Studenten, was sie erarbeitet haben. Arsenal, Burgtheater-Probebühnen, Sa 11.8., 16.00 (Eintritt frei) „Il faut qu’une porte ...“ Manuel Legris & Gäste Gala des zeitgenössischen Balletts: Tänzerinnen und Tänzer des Wiener Staatsballetts und des Ballet de l’Opéra National de Paris tanzen Choreografien von Nacho Duato, Jiri Kylián, John Neumeier, Angelin Preljocaj, Patrick de Bana u.a. Die Gala ist auch eine der seltenen Gelegenheiten, den Wiener Ballettdirektor Manuel Legris als Tänzer zu erleben. Burgtheater, Di 24.7., 21.00, Do 26.7., 21.00, Fr 27.7., 21.00 Francis Bacon Cie. Ismael Ivo & Johann Kresnik (BRA/A). Ch: Ivo R: Kresnik B: Wehrli M: Chagas D: Ivo, Paolicelli, Violante, Schisa Neueinstudierung eines Tanzstücks, das der brasilianische ImPulsTanz­Mitbegründer Ismael Ivo und der Kärntner Tanztheatermeis­ter Hans Kresnik 1993 erarbeitet haben – eine Reise in die Bildwelten des irischen Malers Francis Bacon. Odeon, Mi 8.8., 21.00, Do 9.8., 21.00, Fr 10.8., 21.00, Sa 11.8., 21.00 Gattica Jennifer Lacey (F/USA) In dieser LecturePerformance blickt die in Paris lebende Amerikanerin Jennifer Lacey in die Zukunft. Sie sitzt an einem von Kerzen beleuchteten Tisch und prophezeit unter anderem, dass unsere Frisuren dereinst dumm aussehen werden. Und dass wir alle sterben werden. Schauspielhaus, Mo 30.7., 21.00, Fr 3.8., 21.00 Heavens What Have I Done Miguel Gutierrez (USA) Dick geschminkt und mit Rokokoperücke bestreitet der New Yorker Performer Miguel Gutierrez dieses Solo. Auch die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli ist dabei – aus der Konserve. Ein schriller, aber auch melancholischer Abend. Wuk (Saal), So 5.8., 21.00, Di 7.8., 23.00 impressions 12 – Opening Lecture Dozentinnen und Dozenten der ImPulsTanz-Workshops zeigen, was sie in den nächsten Wochen vermitteln wollen. Hier können Interessierte einmal in das WorkshopAngebot „hineinschnuppern“. Arsenal, BurgtheaterProbebühnen, So 15.7., 16.00 (Eintritt frei) is maybe Angela Schubot & Jared Gradinger (D/USA) In der Fortsetzung ihrer mit „What they are instead of“ begonnenen Zusammenarbeit gehen Angela Schubot und Jared Gradinger aus Berlin der Frage nach, ab wann sich die eigene Identität auflöst und zu einer gemeinsamen wird. Was passiert, wenn man plötzlich nicht mehr Ich ist und es kein Du mehr gibt? Wuk (Saal), Sa 11.8., 21.00 Like me more like me Thomas Hauert & Scott Heron (B/CH/USA) Der Schweizer Thomas Hauert und der Amerikaner Scott Heron haben einander 2008 kennengelernt. Vor ihrer ersten gemeinsamen Performance haben sie einander über ein halbes Jahr lang Videos, Fotos, Links und Geschriebenes über den Atlantik geschickt. Schauspielhaus, Do 9.8., 23.00, Sa 11.8., 23.00 Opening Night – a vaudeville Cie. I.D.A. / Mark Tompkins (F/USA). D: Tompkins, Grenier Tänzer/ Choreograf Mark Tompkins, ein Amerikaner in Paris, frönt in dieser Arbeit mit Bühnenpartner Mathieu Grenier seiner Liebe zu Vaudeville und Music Hall. Die Performance, die während des Festivals entsteht, wird bei ImPulsTanz uraufgeführt. Schauspielhaus, Do 2.8., 23.00, Sa 4.8., 21.00 The Power of Theatrical Madness Troubleyn/ Jan Fabre (B). R: Fabre B: Mertens Mit diesem Stück, uraufgeführt 1984 in Venedig, eroberte der bildende Künstler Jan Fabre die Theaterwelt. In der mehr als vier Stunden langen Aufführung lotete er die Grenzen des Theaters – insbesondere die der Schauspieler – aus.

Fast 30 Jahre danach hat Fabre seinen Welterfolg nun mit neuem Ensemble wieder einstudiert. Burgtheater, Mi 18.7., 21.00 the P project Ivo Dimchev (BG) Im neuen Projekt des extremen bulgarischen Performers Ivo Dimchev dreht sich alles um den Buchstaben P – wobei noch nicht klar ist, wofür dieser eigentlich steht: Polizei? Prostituierte? Piano? Pussy? Uraufführung. Kasino am Schwarzenbergplatz, So 5.8., 23.00, So 12.8., 19.00 quick silver Ko Murobushi (JP) Ein Solo des japanischen Butoh-Meisters Ko Murobushi, dessen muskulöser Körper in dieser Performance silbern bemalt ist. Odeon, So 29.7., 21.00 Rouge Olivier Dubois (F) Der französische Tänzer/ Choreograf Olivier Dubois war 2008 der erste Preisträger des Prix Jardin d’Europe. Sein neues Solo ist Teil 2 einer Revolutionstrilogie, die um Farbe, Atmosphäre und Tragödie des Aufstands zirkuliert. Museumsquartier (Halle G), Di 31.7., 23.00 Sacre David Wampach (FR). Ch: Wampach D: Shelef, Wampach Der französische Choreograf David Wampach zeigt eine extreme Version des NijinskijKlassikers „Sacre du Printemps“. Wampach und seine Partnerin Tamar Shelef hyperventilieren darin so heftig, dass auch dem Publikum die Luft wegbleibt. Odeon, Di 17.7., 23.00, Do 19.7., 23.00 Snakeskins Par B.L.eux/Benoît Lachambre & Hahn Rowe (CAN/US) Gemeinsam mit seinem StammMusiker Hahn Rowe gibt der kanadische Ausnahmechoreograf Benoît Lachambre in dieser Performance die sich häutende Schlange. Manchmal wirkt er aber auch eher wie ein alter Kampfhund, ein Sandler oder ein Avatar. Museumsquartier (Halle G), Fr 10.8., 21.00, So 12.8., 21.00 This is theatre like it was to be expected and forseen Troubleyn/Jan Fabre (B) Die zweite Theaterarbeit (1982) des flämischen Künstlers Jan Fabre ist noch stark von Performancekunst beeinflusst: Alles, was auf der Bühne passiert, ist „echt“. Extrem ist auch die Dauer dieses neu einstudierten Klassikers: Die Aufführung dauert acht Stunden, die Bar hat durchgehend geöffnet. Museumsquartier (Halle G), Sa 21.7., 21.00, So 22.7., 19.00 What they are instead of Angela Schubot & Jared Gradinger (D/USA)) In ihrer „Hechelperformance“ suchen Angela Schubot und Jared Gradinger aus Berlin nach dem bedingungslosen Miteinander. Der Weg dorthin ist steinig und hart; ihr Selbstversuch führt durch alle Höhen und Tiefen der Zweisamkeit. Wuk (Saal), Do 9.8., 21.00 your energetic democratic body! Claudia Bosse (A/D) & Choreographers’ Venture Group Abschluss-Showing eines dreiwöchigen Choreographers’ Venture, das die Regisseurin Claudia Bosse (Theatercombinat Wien) im leerstehenden Zollamtsgebäude realisiert hat. Vorausgegangen waren dem Projekt Recherchen in Staaten des „arabischen Frühlings“. Ehemalige Zollamtskantine, Fr 10.8., 19.30; Kasino am Schwarzenbergplatz, Sa 11.8., 19.00

[8:tension] The Ballet of Sam Hogue and Augustus Benjamin Raul Maia und Thomas Steyaert (PT/B/A) Die zwei Ex-Vandekeybus-Performer Raul Maia und Thomas Steyaert (alias Sam Hogue und Augustus Benjami) improvisieren ein Ballett, das natürlich alles andere als ein Ballett ist. Für Standard-Kritiker Helmut Ploebst war das 2011 „eines der besten Tanzstücke der Saison in Wien“. Wuk (Saal), Di 17.7., 22.00, Do 19.7., 22.00 The body that comes Christine Borch (D/DK) „Wir haben nicht nur einen Körper, wir haben mehrere“, sagt die Tänzerin/Choreografin Christine Borch. In ihrem Solo führt sie vor, wie ein Mensch in den Körper eines anderen geraten kann. Schauspielhaus, Fr 13.7., 21.00, So 15.7., 21.30 Concerto for three bodies Azra Ibrahimovic, Aleksandar Georgiev & Jovana Rakic Kiselcic (HR/BG/ RS) Wie funktioniert die Kommunikation zwischen der Musik als Klangsystem und dem Körper als Bewegungssystem? Dieser Frage gehen drei Künstlerinnen und Künstler vom Garage Collective in ihrem Happening nach, das den Untertitel „progress in work“ trägt. Schauspielhaus, Fr 20.7., 21.00, Mo 23.7., 21.00

fotos: herman sorgeloos, winnie mahrin, whitney browne, christine rose divito

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fotos: angel a bedekovic, Heiri Häfliger, anna van kooij, rol and seidel

I m p u l s t a n z 1 2    Grind Jefta van Dinther, Minna Tiikkainen, David Kiers (S/SF/NL) Der Tänzer/Choreograf Jefta van Dinther, die Lichtdesignerin Minna Tiikkainen und der Sounddesigner David Kiers hebeln in ihrer Zusammenarbeit die gängigen Prinzipien der Wahrnehmung aus. Inspiriert werden sie dabei vom Prinzip der Synästhesie. Empfohlen von Doris Uhlich! Kasino am Schwarzenbergplatz, Fr 13.7., 22.00, So 15.7., 23.00 Hardcore Research on Dance Georgia Vardarou (GR/B) Der Titel täuscht: Die Performance der jungen griechischen Choreografin Georgia Vardarou richtet sich nicht nur an ein Hardcore-Tanzpublikum. Die Atmosphäre ist leicht, auch komplexe Situationen werden immer wieder aufgelöst. Kasino am Schwarzenbergplatz, Fr 27.7., 21.00, So 29.7., 21.00 Here Comes the Crook The Loose Collective (A). M: Berger,Sperlich R/D: Deutinger, Dolan, Gottfarb, Navaridas, Nowak Ein in Österreich ansässiges, internationales Kollektiv von Performern, Choreografen und Tänzern bedient sich in seinem ersten gemeinsamen Projekt der künstlerischen Strategien und dem Potenzial des Feelgood-Genres Musical. Ausgangspunkt der futuristischen Performance ist das Originallibretto der Musical-Extravaganza „The Black Crook“ von 1866 – dem ersten Broadway-Hit, der als großangelegte Produktion auf die Bühne gebracht wurde. Museumsquartier (Halle G), Fr 27.7., 23.00 In Human Disguise Eeva Muilu & Milja Sarkola (SF). Ch: Muilu, Sarkola D: Haartti, Hartl, Hosiasluoma, Raiskinmäki Diese finnische Performance ist so authentisch wie die finnische Sauna – und so nackt. Der Mensch wird hier als seltsames Tier präsentiert. Empfohlen von Chris Haring! Wuk (Saal), Sa 21.7., 19.00, Di 24.7., 23.00 Insignificant Others (learning to look sideways) An Kaler (A). Ch: Kaler D: Kaler, Baczynski-Jenkins, Livingstone In ihrem Trio untersucht die Choreografin An Kaler das Bildhafte der Performance, die Tableaux der Körper. Die Performer gleichen dabei Gespens­ tern, sind Träger zweideutiger Bilder. Empfohlen von Philipp Gehmacher! Kasino am Schwarzenbergplatz, Fr 27.7., 21.45, So 29.7., 21.45 Light Solos Ula Sickle (B/CAN) In Ula Sickles kurzen Solos „Atomic 5.1“ und „Solo #2“ spielt Licht eine entscheidende Rolle. Beleuchtungsequipment, wie es normalerweise bei Konzerten oder in Clubs zum Einsatz kommt, entwickelt choreografisches Potenzial. Wuk (Saal), So 29.7., 19.30, Di 31.7., 19.30 A personal yet collective history Fabian Barba (B/ EC) Der aus Ecuador stammende Choreograf tanzt in diesem Solo sechs Solos in 60 Minuten. Sie stammen aus Choreografien von Alexander Baervoets, Klever Viara, Henrique Rodovalho, Esteban Donoso, Fergus Early und Eric Raeves und erzählen zusammen Barbas persönliche Tanz-Geschichte. Kasino am Schwarzenbergplatz, Mi 8.8., 22.30, Do 9.8., 21.00 Die Scheinwerferin Naoko Tanaka (D/J) Mit kleinen Mitteln (eine Puppe, eine Flasche, eine Taschenlampe) entwickelt die japanische Performerin in ihrem Solo eine ganze Welt. Empfohlen von Anne Juren! Kasino am Schwarzenbergplatz, Di 17.7., 21.00, Do 19.7., 20.00 Silk Florentina Holzinger (NL/A) „Aerial Silk“ ist die Bezeichnung für Akrobatik mit zwei von der Decke hängenden Stoffstreifen. In ihrer irritierenden Performance „Silk“ arbeitet Florentina Holzinger mit dem Umstand, dass Fakes sehr real sein können. Begleitet wird sie von dem Musiker Steve Martin Schneider. Schauspielhaus, Fr 20.7., 22.00, Mo 23.7., 23.00 Stardoom The Bandaloop (A) Ein Konzert als Performance, eine Performance als Konzert: Die österreichische Elektropopband The Bandaloop präsentiert in Kollaboration mit Regisseur Martin Wall einen Abend, in dem die Klischees vom Superstar ironisch und verspielt bearbeitet werden. Empfohlen von Superamas! Wuk (Saal), So 29.7., 23.00, Fr 3.8., 23.00 Tremor Sebastian Matthias (D). Ch: Matthias D: Matthias, Goodhue, Spencer Der junge deutsche Choreograf Sebastian Matthias bringt die Tänzer seines Stücks zum Zucken. Er erzählt keine Geschichte, das Publikum ist eingeladen, seinen Assoziationen freien Lauf zu lassen. Kasino am Schwarzenbergplatz, Mi 8.8., 21.00, Do 9.8., 22.30

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Choreographic Platform Austria The Ballet of Sam Hogue and Augustus Benjamin Raul Maia und Thomas Steyaert (PT/B/A) Die zwei Ex-Vandekeybus-Performer Raul Maia und Thomas

Steyaert (alias Sam Hogue und Augustus Benjami) improvisieren ein Ballett, das natürlich alles andere als ein Ballett ist. Für Standard-Kritiker Helmut Ploebst war das 2011 „eines der besten Tanzstücke der Saison in Wien“. Wuk (Saal), Di 17.7., 22.00, Do 19.7., 22.00 body in a metal structure Dans.Kias/Saskia Hölbling & Laurent Goldring (A/F). Ch: Hölbling, Goldring B: Lenk-Wane D: Hölbling Die österreichische Tänzerin/Choreografin Saskia Hölbling und der französische Künstler Laurent Goldring präsentieren mit dieser Performance den Auftakt ihres „Squatting-Projects“, einer Serie, die sich parasitär an Orten ansiedeln, wo sie eigentlich fehl am Platz sind. Der Spielraum wird von einem großen Baugerüst dominiert. Albertina (Terrasse), Fr 27.7., 20.00, So 29.7., 20.00 Here Comes the Crook The Loose Collective (A). M: Berger,Sperlich R/D: Deutinger, Dolan, Gottfarb, Navaridas, Nowak Ein in Österreich ansässiges, internationales Kollektiv von Performern, Choreografen und Tänzern bedient sich in seinem ersten gemeinsamen Projekt der künstlerischen Strategien und dem Potenzial des Feelgood-Genres Musical. Ausgangspunkt der futuristischen Performance ist das Originallibretto der Musical-Extravaganza „The Black Crook“ von 1866 – dem ersten Broadway-Hit, der als großangelegte Produktion auf die Bühne gebracht wurde. Museumsquartier (Halle G), Fr 27.7., 23.00 The Impossible Movement Series #4: The Short Cut Studio 5 / Andrea Maurer & Thomas Brandstätter (A). D: Maurer, Brandstätter, Hoffman, Ward, Quesada, Brauner Im vierten Teil der Serie „The Impossible Movement“ arbeiten sechs Performer an der Herstellung kurzer Trickfilmsequenzen, die den realen Bewegungsabläufen der Performance zeitgleich gegenübergestellt werden. Uraufführung. Arsenal, Burgtheater-Probebühnen, Sa 28.7., 20.00, So 29.7., 18.00 Magical Anne Juren & Annie Dorsen (F/USA). R: Juren, Dorsen B: Seidel D: Juren Die feministische Zaubershow hatte bei ImPulsTanz 2010 sehr erfolgreich Premiere. Die in Wien lebende französische Choreografin Anne Juren und die New Yorker Regisseurin Annie Dorsen treten zusammen mit dem Zauberer Steve Cuffio den Beweis an, dass Feminismus und Zauberei zusammengehen. Odeon, Do 26.7., 21.00 Österreich Pavillon – Programm I Installationen und kurze Performances von österreichischen Künstlern und Kollektiven. Auf dem Programm stehen Arbeiten von Magdalena Chowaniec, Stephanie Cumming, Lieve De Pourcq, Julius Deutschbauer, Fanni Futterknecht, Philipp Gehmacher, Alexander Gottfarb, Lisa Hinterreithner, Krõõt Juurak, Agata Maszkiewicz, Michikazu Matsune, Amanda Piña & Daniel Zimmermann, Oleg Soulimenko, Elisabeth Tambwe und Zak Ra. Ab 21 Uhr „Perfektion“ mit Publikumschoreografien von Oleg Soulimenko und Lieve De Pourcq. Grand Etablissement Gschwandner, Mi 25.7., 15.00–23.00 Österreich Pavillon – Programm II Installationen und kurze Performances von österreichischen Künstlern und Kollektiven. Auf dem Programm stehen Arbeiten von Luke Baio & Dominik Grünbühel, Georg Blaschke & Liz King, Magdalena Chowaniec, Stephanie Cumming, Julius Deutschbauer, Lieve De Pourcq, Laia Fabre & Tom Kasebacher, Philipp Gehmacher, Lisa Hinterreithner, Krõõt Juurak, Agata Maszkiewicz, Michikazu Matsune, Anna Mendelssohn & Burkhard Stangl, Oleg Soulimenko, Doris Stelzer, Akemi Takeya, Elisabeth Tambwe und Zak Ra. Ab 21 Uhr „Perfektion“ mit Publikumschoreografien von Doris Stelzer und Lieve De Pourcq. Grand Etablissement Gschwandner, Fr 27.7., 15.00–23.00 The Perfect Garden: Odeon – Mush Room (extended) Liquid Loft/Chris Haring (A). Ch: Haring B: Jelinek, Blazy M: Berger D: Cumming, Enright, Garside, Nowak, Odena, Weilinger Die Performanceserie „The Perfect Garden“ über „Konzepte des perfekten Lebens und Seins“, wurde bei ImPulsTanz 2011 mit „Wellness“ gestartet wurde. Im zweiten Teil stoßen die Performer spielerisch auf die Euphemismen und die Fantasien, die die Suche des Individuums nach seinen Gestaltungsmöglichkeiten prägen. Odeon, Mi 1.8., 21.00, Fr 3.8., 21.00, Sa 4.8., 21.00 Rising Swan Doris Uhlich (A) Ausgangspunkt für das 2010 entstandene Solo ist Michel Fokines revolutionäre Choreografie „Der sterbende Schwan“, die 1907 von Anna Pawlowa uraufgeführt wurde. Doris Uhlich holt die Choreografie in die Gegenwart und verknüpft sie mit persönlichen Erinnerungen von Aufbrüchen und Untergängen. Schön. Odeon, Sa 28.7., 23.00 Silk Florentina Holzinger (NL/A) „Aerial Silk“ ist die Bezeichnung für Akrobatik mit zwei von der Decke hängenden Stoffstreifen. In ihrer irritierenden Performance „Silk“ arbeitet Florentina Holzinger mit dem Umstand, dass Fakes sehr real sein können. Begleitet wird sie von dem Musiker Steve Martin

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Schneider. Schauspielhaus, Fr 20.7., 22.00, Mo 23.7., 23.00 solo with Jack Philipp Gehmacher (A). Ch: Gehmacher D: Hauser, Gehmacher Der renommierte österreichische Tänzer/Choreograf Philipp Gehmacher untersucht in seiner neuen Arbeit gemeinsam mit dem Performer Jack Hauser die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache. Uraufführung. Kasino am Schwarzenbergplatz, Mo 23.7., 21.00, Mi 25.7., 21.00 Stardoom The Bandaloop (A) Ein Konzert als Performance, eine Performance als Konzert: Die österreichische Elektropopband The Bandaloop präsentiert in Kollaboration mit Regisseur Martin Wall einen Abend, in dem die Klischees vom Superstar ironisch und verspielt bearbeitet werden. Empfohlen von Superamas! Wuk (Saal), So 29.7., 23.00, Fr 3.8., 23.00 TALK-SHOW – Perspective & Representation / Painting & Politics in Western and Islamic Societies Superamas (A/B/F) Die Macht der Bilder ist das Thema dieser neuen Arbeit des Kollektivs Superamas, die bei ImPulsTanz als Preview gezeigt wird. Eine Talkshow der besonderen Art, die in die nächste Superamas-Produktion „Theatre“ einfließen soll. Odeon, Sa 28.7., 17.00

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Tanz im Bild

Uraufführung: „solo with Jack“ mit Philipp Gehmacher und Jack Hauser

Bücher Anne Teresa De Keersmaeker & Bojana Cvejic: A Choreographers’ Score Im Gespräch mit der Theoretikerin Bojana Cvejic gibt die berühmte belgische Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker Einblick in ihr Frühwerk (1981–86). Im Rahmen der Buchpräsentation wird es auch eine Liveperformance von De Keersmaeker herself geben. Odeon, Sa 14.7., 18.30 (Eintritt frei) The Interferencias Book „Interferencias 2010“ hieß eine künstlerische Plattform in Mexiko, die sich aus 26 jungen, internationalen Künstlerinnen und Künstlern zusammensetzte. Nach der Veranstaltung beschlossen die Teilnehmer, den Prozess der Zusammenarbeit und die Ergebnisse ihrer Diskussionen und Recherchen in einem Buch zu dokumentieren, das von allen gemeinschaftlich geschrieben wurde. Arsenal, Burgtheater-Probebühnen, Sa 11.8., 13.00 (Eintritt frei) The Swedish Dance History Dritte „Episode“ eines Projekts, das mehr Phänomen als Buch ist. Trotzdem hat es 1100 Seiten, neben einem kostenlosen Exemplar werden Erfrischungen gereicht. Garage X Theater Petersplatz, Do 26.7., 23.00 (Eintritt frei)

Der Prix Jardin d’Europe 2012, gestaltet von Heiri Häfliger (Atelier Franz West)

Ausstellung Jan Fabre/Robert Mapplethorpe: The Power of Theatrical Madness Parallel zur Wiederaufnahme seines Klassikers „The Power of Theatrical Madness“ (1984) zeigt der flämische Allroundkünstler Jan Fabre in dieser Ausstellung Originalzeichnungen zur Inszenierung sowie die Fotoserie, die US-Fotograf Robert Mapplethorpe 1985 mit den Darstellern der Produktion aufgenommen hat. Eintritt frei. Galerie Mario Mauroner, 14.7. bis 15.9. (Vernissage: 14.7., 12.00)

Bei der Nachwuchsreihe [8:tension]: „Silk“ mit Florentina Holzinger

Adressen Albertina 1010, Albertinaplatz 1 Arsenal 1030, Arsenal, Objekt 19 Belvedere 1030, Prinz-Eugen-Straße 27 Burgtheater 1010, Dr.-Karl-Lueger-Ring 2 Dschungel Wien 1070, MQ, Museumsplatz 1 Galerie Mario Mauroner 1010, Weihburggasse 26 Garage X 1010, Petersplatz 1 Grand Etablissement Gschwandner 1170, Hernalser Hauptstraße 41 Kasino am Schwarzenbergplatz 1030, Schwarzenbergplatz 1 Museumsquartier, Halle G 1070, Museumsplatz 1 Odeon 1020, Taborstraße 10 Schauspielhaus 1090, Porzellangasse 19 Wuk 1090, Währinger Straße 59 ehem. Zollamtskantine 1030, Schnirchgasse 9

Wiedersehen macht Freude: „Magical“ mit Anne Juren


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Der Ästhet und der Molotowcocktail Fast 20 Jahre nach der Premiere tanzt Ismael Ivo wieder sein Künstlerdrama „Francis Bacon“ R ek o n s trukti o n : W o l f g a n g K r a l icek

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Der Tanzästhet Ivo und der Kraftlackel Kresnik sind eigentlich kein Traumpaar. „Hans kann als Regisseur wie ein Molotowcocktail sein“, sagt Ivo über Kresnik. „Ich glaube, ich bin der Einzige, der ihn biegen kann“, sagt Kresnik über Ivo. Klingt nach einer explosiven Arbeitsbeziehung. Aber irgendwie scheint die Chemie zwischen den beiden zu stimmen. „Ich habe ja schon viele Maler gemacht“, sagt Johann Kresnik. „Aber Francis Bacon war besonders schwierig umzusetzen.“ Anders als etwa Kresniks „Frida Kahlo“ (2001 bei ImPulsTanz) ist „Francis Bacon“ keine getanzte Künstlerbiografie. Das Drama haben Ivo und Kresnik hauptsächlich aus den Bildern des irischen Malers (1909–1992) auf die Bühne geholt. „Ich würde sagen, es ist eine Verknüpfung“, sagt Ivo. „Wir woll-

ten weder seine Biografie nacherzählen noch seine Bilder einfach nachstellen. Wir wollten eine Reise in das Universum des Francis Bacon unternehmen.“ Um etwa zu verstehen, was Bacon mit seinem berühmten Bild eines schreienden Papstes ausdrücken wollte, reiste Ivo nach Madrid, um sich im Prado das VelázquezPapstporträt anzusehen, von dem Bacon inspiriert wurde. „In den Augen dieses Papstes habe ich das Böse gesehen“, erinnert sich Ivo. „In diesen Augen liegt die ganze Grausamkeit der katholischen Kirche. Bacons schreiender Papst ist sozusagen die logische Fortsetzung dieses Blicks.“ Den in Bacons Werk allgegenwärtigen Tod führt der Tänzer/Choreograf auf die Asthma-Erkrankung zurück, an der der Künstler als Kind laborierte. Das Stück beginnt deshalb auch mit einer buchstäblich atemberaubenden Szene, in der Ismael Ivo minutenlang nach Luft schnappt. Als Coach hatte er in Stuttgart eine auf Asthmapatienten spezialisierte Therapeutin engagiert, die auf der Probe täglich seine Lungen trainierte. Als er die Szene dann erstmals Kresnik präsentierte, brachte Ivo sich dermaßen in Atemnot, dass die Therapeutin irgendwann die Notbremse zog und sagte: „Jetzt muss ich ihn stoppen – sonst kommt er nicht mehr zurück!“ Kresnik war übrigens sehr beeindruckt. Dass er „Francis Bacon“ jetzt wieder tanzen

Ismael Ivo (Tanz, Choreografie) und Johann Kresnik (Regie) wollen mit „Francis Bacon“ weder die Biografie nacherzählen noch einfach Bilder nachstellen. „Es ist eine Reise in das Universum Bacon“

kann, bezeichnet Ismael Ivo als „Geschenk“. Er hält es für eines der wichtigsten Stücke seiner Karriere. Außerdem sei er inzwischen reifer geworden, sodass ihm vieles, was er damals eher intuitiv getanzt hat, heute viel bewusster sei. Ivo hält die „Rekreation“ des Werks (eine „Rekonstruktion“ sei schon deshalb unmöglich, weil Erinnerung immer trügerisch sei) aber auch ganz grundsätzlich für wichtig. „Ich finde, der zeitgenössische Tanz braucht Erinnerung, so wie das Ballett“, sagt der ImPulsTanz-Mitbegründer. Nicht von ungefähr zeigten beim Festival heuer auch Jan Fabre und Anne Teresa De Keersmaeker frühe Werke. „Wir versuchen bei ImPulsTanz auch, so etwas wie einen Erinnerungsraum für zeitgenössischen Tanz zu entwickeln.“ Der wunde Punkt dabei ist in der Regel der Körper der Tänzer. „Ich hoffe, dass seine Kondition noch gut genug ist“, gibt Hans Kresnik zu bedenken. Aber da muss man sich keine ernsthaften Sorgen machen. Ivos Körper scheint unverwüstlich zu sein. Wie macht der Mann das? „Man darf einfach nicht aufhören zu arbeiten, das ist das ganze Geheimnis“, sagt Ismael Ivo. „Ich bin eben immer noch sehr neugierig.“ Und das ist alles? Nicht ganz. „Natürlich mache ich täglich in der Früh meine ein, zwei Stunden Körperarbeit. Egal, wo ich bin.“ F Francis Bacon: 8. bis 11.8., 21.00, Odeon

F o tos: b e r n d u hli g , g e r t w e i g e lt, di e t e r b lu m

ie beiden Herren sind zwei große Außenseiter des deutschen Tanztheaters. Der eine, Ismael Ivo, kam aus Brasilien ins kalte Deutschland. Vom strengen Feuilleton wurde er schon mal als eitler Narziss bezeichnet, weil er seinen ziemlich makellosen Körper durchaus nicht ungern imposant zur Geltung bringt. Der andere, Hans Kresnik, kam aus dem wilden Kärnten in die saubere Bundesrepublik. Von sensiblen Kritikern wurde er gern mit Attributen wie „Tanzberserker“ versehen, weil der aufrechte Linke Schönheit auf der Bühne für eine Lüge hält. Ismael Ivo hat inzwischen das für einen Tänzer biblische Alter von 57 Jahren erreicht. Und der Choreograf Johann Kresnik ist mit seinen 72 auch nicht mehr der Jüngste. Beide aber lassen keine Anzeichen von Müdigkeit erkennen. Ivo jettet unter anderem als Leiter der Tanzbiennale von Venedig um die Welt; Kresnik würde zwar gern weniger arbeiten, „ich schaffe es aber nicht“. Die beiden haben einfach immer weitergemacht. Einige ihrer Kritiker haben sie längst überlebt. Und nach so vielen Jahrzehnten im Geschäft stehen die Ausnahmekünstler Ivo und Kresnik sowieso schon über den Dingen. Zwei Stücke haben der Brasilianer und der Kärntner zusammen gemacht, „Francis Bacon“ (1993) und „Othello“ (1995). Ersteres wird heuer, fast 20 Jahre nach der Premiere am Theaterhaus Stuttgart, bei ImPulsTanz wieder aufgenommen – selbstverständlich mit Ismael Ivo in der Hauptrolle. Die Idee, ein Stück über den Maler Francis Bacon zu machen, kam Ivo, als er 1989 in Tokio an seinem Solo „Apocalypse“ (ImPulsTanz 1991, 2006) arbeitete. Ushio Amagatsu, der Choreograf, meinte nach einer Probe einmal, was Ivo da mache, erinnere ihn an die Bilder von Bacon. Am nächsten Tag ging der Tänzer ins Museum, um sich ein Bacon-Gemälde anzusehen. Zurück in Deutschland, erzählte er Kresnik von seinem Plan. „Du spinnst“, meinte der nur. „Das machen wir!“


ImPulsTanz 12 Datum 12.7. 12. + 16.7. 13.7. 13.7. 14. + 16.7. 15.7. 15.7. 15.7. 17.7. 17. + 19.7. 17. + 19.7. 18.7. 19.7. 20. + 23.7. 20.7. 20.7. 21.7. 21.7. 22.7. 22.7. 23. + 25.7. 23.7. 24. + 26. + 27.7. 24.7. 25.7. 26.7. 27.7. 27. + 29.7. 27. + 29.7. 27. + 29.7. 27.7. 28.7. 28.7. 28.7. 29.7. 29. + 31.7. 29.7. 29.7. + 3.8. 30.7. + 3.8. 30.7. 31.7. + 2.8. 31.7. 1. + 3. + 4.8. 1.8. 1.8. 2. + 4.8. 2.8. 4.8. 4. + 6.8. 5.8. 5.8. 6. + 7.8. 7.8. 7.8. 8. + 9. + 10. + 11.8. 8.8. 8.8. 8.8. 9.8. 9.8. 9.8. 9. + 11.8. 10.8. 10.8. 10. + 12.8. 10.8. 11.8. 11.8. 12.8.



www.ImPulsTanz.com

12. Juli — 12. August

Compagnie

Stücktitel

Spielort

Beginn

Par B.Leux/Benoît Lachambre & Clara Furey Ivo Dimchev & Emilian Gatsov Christine Borch Jefta Van Dinther/Minna Tiikainen/David Kiers Rosas/Anne Teresa De Keersmaeker & Ictus Ensemble Par B.Leux/Benoît Lachambre & Clara Furey Christine Borch Jefta Van Dinther/Minna Tiikainen/David Kiers Naoko Tanaka Raul Maia & Thomas Steyaert David Wampach Troubleyn/Jan Fabre Naoko Tanaka A. Ibrahimovic/A. Georgiev/J. Rakic Kiselcic Florentina Holzinger ImPulsTanz Party Eeva Muilu & Milja Sarkola Troubleyn/Jan Fabre Troubleyn/Jan Fabre Faustin Linyekula Philipp Gehmacher Florentina Holzinger Manuel Legris & Gäste Eeva Muilu & Milja Sarkola Österreich Pavillon Anne Juren & Annie Dorsen Österreich Pavillon Dans.Kias/Saskia Hölbling & Laurent Goldring Georgia Vardarou An Kaler The Loose Collective Superamas Studio 5/Andrea Maurer & Thomas Brandstätter Doris Uhlich Studio 5/Andrea Maurer & Thomas Brandstätter Ula Sickle Ko Murobushi The Bandaloop Jennifer Lacey François Chaignaud & Marie-Caroline Hominal Cecilia Bengolea & François Chaignaud Olivier Dubois Liquid Loft/Chris Haring Trajal Harrell François Chaignaud & Marie-Caroline Hominal Koffi Kôkô Cie. I.D.A./Mark Tompkins Cie. I.D.A./Mark Tompkins Cie. Trajal Harrell Miguel Gutierrez Ivo Dimchev Ultima Vez/Wim Vandekeybus Jonathan Burrows & Matteo Fargion Miguel Gutierrez Cie. Ismael Ivo & Johann Kresnik Sebastian Matthias Fabian Barba Ultima Vez/Wim Vandekeybus Fabian Barba Angela Schubot & Jared Gradinger Sebastian Matthias Thomas Hauert & Scott Heron Joke Laureyns & Atelier-Teilnehmer/-innen Claudia Bosse & Choreographers’ Venture Group Par B.Leux/Benoît Lachambre & Hahn Rowe danceWEB Party Claudia Bosse & Choreographers’ Venture Group Angela Schubot & Jared Gradinger Ivo Dimchev

Chutes incandescentes Concerto The body that comes [8:tension] Grind [8:tension] Drumming Live Chutes incandescentes The body that comes [8:tension] Grind [8:tension] Die Scheinwerferin [8:tension] The Ballet of Sam Hogue … [8:tension] [CPA] Sacre The Power of Theatrical Madness Die Scheinwerferin [8:tension] Concerto for three bodies [8:tension] Silk [8:tension] [CPA] The Bandaloop live, Joja, Ella & Mr. Guan In Human Disguise [8:tension] This is theatre like it was to be expected … This is theatre like it was to be expected … Le Cargo solo with Jack [CPA] Silk [8:tension] [CPA] „Il faut qu’une porte …“ (Ballett-Gala) In Human Disguise [8:tension] Programm I [CPA] Magical [CPA] Programm II [CPA] body in a metal structure [CPA] Hardcore Research On Dance [8:tension] Insignificant Others [8:tension] [CPA] Here Comes the Crook [8:tension] [CPA] TALK-SHOW (Preview) [CPA] The Impossible Movement Series #4 [CPA] Rising Swan [CPA] The Impossible Movement Series #4 [CPA] Light Solos [8:tension] quick silver Stardoom [8:tension] [CPA] Gattica Duchesses Danses Libres Rouge The Perfect Garden: Odeon – Mush Room [CPA] Antigone Jr. Duchesses La beauté du diable Opening Night – a vaudeville Opening Night – a vaudeville Antigone Sr. Heavens What Have I Done the P project booty Looting Counting To One Hundred Heavens What Have I Done Francis Bacon Tremor [8:tension] A personal yet collective history [8:tension] booty Looting A personal yet collective history [8:tension] What they are instead of Tremor [8:tension] Like me more like me Begegnungen your energetic democratic body! Snakeskins DJ KORMAC, Kido Soon, Thomas de Martin your energetic democratic body! is maybe the P project

Odeon Schauspielhaus Schauspielhaus Kasino Burgtheater Odeon Schauspielhaus Kasino Kasino Wuk Odeon Burgtheater Kasino Schauspielhaus Schauspielhaus Kasino Wuk Museumsquartier, Halle G Museumsquartier, Halle G Odeon Kasino Schauspielhaus Burgtheater Wuk Gschwandner Odeon Gschwandner Albertina, Terrasse Kasino Kasino Museumsquartier, Halle G Odeon Arsenal Odeon Arsenal Wuk Odeon Wuk Schauspielhaus Belvedere, Barockgärten Kasino Museumsquartier, Halle G Odeon Garage X Belvedere, Barockgärten Museumsquartier, Halle G Schauspielhaus Schauspielhaus Kasino Wuk Kasino Museumsquartier, Halle G Schauspielhaus Wuk Odeon Kasino Kasino Museumsquartier, Halle G Kasino Wuk Kasino Schauspielhaus Dschungel ehem. Zollamtskantine Museumsquartier, Halle G Kasino Kasino Wuk Kasino

21.00 23.00 21.00 22.00 21.00 20.00 21.30 23.00 21.00 22.00 23.00 21.00 20.00 21.00 22.00 22.00 19.00 21.00 19.00 21.00 21.00 23.00 21.00 23.00 15.00–23.00 21.00 15.00–23.00 20.00 21.00 21.45 23.00 17.00 20.00 23.00 18.00 19.30 21.00 23.00 21.00 23.00 21.00 23.00 21.00 23.00 23.59 21.00 23.00 21.00 23.00 21.00 23.00 21.00 21.00 23.00 21.00 21.00 22.30 23.00 21.00 21.00 22.30 23.00 17.00 19.30 21.00 22.00 19.00 21.00 19.00

kartenvorverkauf: (01) 712 54 00-111  I mPulsTanz-Tageskassa MuseumsQuartier Halle E + G (7., Museumsplatz 1): (01) 524 33 21-1126, tägl. 10–19 Uhr

(tägl. 8–20 Uhr) info: (01) 523 55 58 

ImPulsTanz-Tageskassa STAATSOPER – UNTER DEN ARKADEN (1., Herbert-von-Karajan-Platz): (01) 514 442958, Mo–Sa 10–13 und 14–20, So 14–20 Uhr

I mPulsTanz-Tageskassa (ab 15. Juli) ARSENAL/BURGTHEATER-PROBEBÜHNEN (3., Objekt 19): (01) 514 44-5416, täglich 10–19 Uhr (bis 11. August) 

Abendkassa eine Stunde vor Vorstellungsbeginn am jeweiligen Spielort

Workshops & Research 15.7. bis 11.8. im Arsenal. Information: www.ImPulsTanz.com, Tel. (01) 523 55 58. Eröffnungspräsentation am 15.7., 16.00, Arsenal (Eintritt frei)


ImPulsTanz 12