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FALTER ImPulsTanz 14

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FALTER

ImPulsTanz 14 Vienna International Dance Festival

Nr. 28a/14

Interviews: Alain Platel, Lloyd Newson, Ismael Ivo, Jérôme Bel Porträts: Dada Masilo, Chris Haring, Bengolea & Chaignaud Service: Workshop-Tipps, Performance-Lexikon

COVERMOTIV: DV8 PHYSIC AL THEATRE, „JOHN“ (PERFORMER: HANNES L ANGOLF) / FOTO: BEN HOPPER

Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2457/2014


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Offizieller Partner vOn IMPULSTANZ // VIENNA INTERNATIONAL DANCE FESTIVAL


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F o t o s : J u l i a n R ö d e r J u - O s t k r e u z , J o h n H o g g , C h r i s H a r i n g , G e o r g Sc h e u , M a x i m i l i a n P r a m a t a r o v , Kr i s R o z e n t a l

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Vorwort

Inhalt

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Ich kriege immer noch Gänsehaut“ Alain Platel über „tauberbach“ und sein Leben mit Johann Sebastian Bach

Möglicherweise hatten Sie in den letzten Tagen das diffuse Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Ihr Gefühl täuschte Sie nicht, irgendwas ist heuer anders. ImPulsTanz fängt eine Woche später an als gewohnt. Die gute Nachricht: Das Festival hört dafür auch eine Woche später auf als sonst. Rechtzeitig zur Eröffnung halten Sie jedenfalls wieder das Falter-Special in der Hand, in dem Sie wie gewohnt alles finden, was Sie über ImPulsTanz wissen müssen. Große Interviews haben wir etwa mit Alain Platel und Lloyd Newson geführt. Der flämische Choreograf Platel (Seite 4) eröffnet das Festival mit seinem Tanzstück „tauberbach“, für das er auch Aufnahmen eines gehörlosen Chors verwendet, der eine Bach-Kantate singt. Und Lloyd Newson, Gründer des englischen DV8 Physical Theatre, bringt bei ImPulsTanz sein neues Stück „John“ zur Uraufführung. Spätestens nachdem Sie Christopher Wurmdoblers äußerst unterhaltsames Interview (Seite 24) mit Newson gelesen haben, werden Sie das Stück unbedingt sehen wollen. Für alle, die mit dem Gedanken spielen, selbst zu tanzen und einen der mehr als 240 Workshops zu buchen, die ImPulsTanz heuer anbietet, hat Sara Schausberger Informationen aus erster Hand eingeholt: Acht Dozentinnen und Dozenten verraten, was man bei ihnen lernen kann (Seite 20). Da ist Hip-Hop ebenso dabei wie Bollywood-Dance oder Parkour, und für die Generation 55+ leitet Doris Uhlich einen Workshop namens „Ruhestandstanz“. Mit 14 Performances ist die Reihe [8:tension] heuer besonders umfangreich ausgefallen; die Young Choreographers’ Series ist zu einem richtigen Festival im Festival geworden. Einen Überblick finden Sie ab Seite 14. Noch eine Premiere gibt es zu vermelden: Erstmals schreibt die brillante Wiener Tanzkritikerin Andrea Amort in diesem Heft. Ihren schönen Text über die „Schwanensee“-Version der südafrikanischen Choreografin Dada Masilo finden Sie auf Seite 6.

Wolfgang K r alice k

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4 Schwan mit Kraft Die rasante „Schwanensee“-Version der jungen Südafrikanerin Dada Masilo   6 Afghanistan, Osterinsel, Wien Die heimische Tanzszene ist ziemlich international. Das merkt man   8 Körper als Spielverderber Der österreichische Choreograf Chris Haring im Porträt   11 Ballett goes Dub Eine Begegnung mit dem extremen Duo Cecilia Bengolea & François Chaignaud   Bagger und andere Objekte der Begierde Die 14 Performances der Young Choreographers’ Series [8:tension]

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No risk, no fun David Zambrano, Iva Bittová, Meg Stuart und die Kunst der Improvisation   Dunkle Obsession Krimiautor James Ellroy wird zum Thema einer Performance

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Jeder kann tanzen! Acht Dozentinnen und Dozenten des Workshopfestivals erzählen

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Entsetzen tut gut Kann Kunst heilen? Ivo Dimchev und Florentina Holzinger glauben daran

23 „Zu viel Tanz ist bedeutungslos“ DV8-Leiter Lloyd Newson im Interview über sein neues Stück „John“   24 „Bring back our girls!“ Ismael Ivo über sein neues Projekt mit der Grupo Biblioteca do Corpo   27 Lexikon ImPulsTanz von A bis Z: alle Performances, alle Daten, alphabetisch geordnet   28 „Diese Performance gehört nicht mehr mir“ Jérôme Bel über sein Frühwerk „Jérôme Bel“ aus dem Jahr 1995   30

Impressum Falter 28a/14 Herausgeber: Armin Thurnher. Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H., Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: service@falter.at, www.falter.at; Herstellung: Falter Verlags­gesellschaft m.b.H; Redaktion: Wolfgang Kralicek; Gestaltung und Produktion: Oliver Hofmann, Raphael Moser; Lektorat: Helmut Gutbrunner, Daniel Jokesch; Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau. DVR: 0476986. Im Auftrag von ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.


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„Ich kriege immer noch Gänsehaut“ Alain Platel über sein neues Stück „tauberbach“ und sein Leben mit Johann Sebastian Bach Interview: W o l f g a n g K r ali c e k

Falter: Zunächst einmal möchte ich Ihnen dafür danken, dass Sie mein Leben verändert haben. Alain Platel: Oh, wie das?

Ihr Stück „Iets op Bach“ hat mir die Welt der Bach-Kantaten eröffnet. Wie haben denn Sie Bach entdeckt? Platel: Das ist eine gute Geschichte, und sie ist wirklich wahr. Ich war 16 und ging in eine Bubenschule. Gleich daneben war eine Mädchenschule, und die haben einmal im Jahr ein Theaterprojekt über einen Komponisten gemacht. Bis dahin waren alle Rollen, auch die männlichen, von Mädchen gespielt worden. In diesem Jahr aber hatten sie beschlossen, Buben mitspielen zu lassen. Es war ein Stück über das Leben von Johann Sebastian Bach – und ich spielte Bach! Für Leute, die ihn kennen, muss das komisch ausgesehen haben: dieser lange, dünne, blasse Bub, der den kleinen dicken Bach spielt. Jedenfalls war ich da zum ersten Mal mit seiner Musik konfrontiert. Und ich glaube, dass ich ihr schon damals verfal-

len bin. Vielleicht nicht bewusst, aber von da an war sie immer da. Und als ich dann anfing, Stücke zu machen, habe ich immer wieder Bach-Musik verwendet, und es hört nie auf. Wenn man mir sagen würde, ich dürfte nur noch mit Bach-Musik arbeiten, würde ich das sofort unterschreiben. Sie haben aber auch mit Musik von anderen großen Komponisten gearbeitet, etwa Mozart. Was unterscheidet Bach von anderen Meistern? Platel: Vielleicht kann man gar nicht beschreiben, warum einen das so tief ergreift. Zum Glück bin ich auch nicht der Einzige, der sich schwertut, das in Worte zu fassen. Aber ich denke, meine Obsession für diese Musik wurde umso größer, je mehr ich darüber mit Leuten sprach, die sie wissenschaftlich, mathematisch erklären wollten. Oder je mehr Performances ich sah, in denen seine Musik analysiert wurde. Das hat mich richtig empört, denn in erster Linie berührt mich diese Musik emotional – nicht nur die traurigen Stücke, auch die fröhlichen. Und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass ein Mann, der so viele Kinder auf die Welt kommen und sterben sah, einfach nur streng mathematisch komponiert haben soll. Ich glaube, Bach war stark von seinen Stimmungen beeinflusst, die er gerade durchlebte. Und in der Art, wie er diese Stimmungen in Musik übersetzte, habe ich mich irgendwie wiedererkannt. Und wie geht es Ihnen mit der religiösen Komponente seiner Musik? Platel: Natürlich hat Bach in einem religiösen Kontext gearbeitet, das versuche ich ein bisschen auszublenden. Aber wenn man die Musik von der Religion abstrahiert, hört man in Töne übersetztes Leben. Und wenn eine Musik nach 250 Jahren immer noch so viel Kraft hat, dann muss das etwas bedeuten. Aber hat diese Musik nicht auch etwas Spirituelles? Platel: Ganz bestimmt. Und obwohl ich sicher nicht in Bachs Sinn religiös bin, habe ich auch keine Scheu, mich auf diese spirituelle Ebene einzulassen.

Zur Person Alain Platel wurde 1956 in Gent geboren und arbeitete als Orthopädagoge in einem Spital für behinderte Kinder. 1984 gründete er les ballets C de la B und wurde zu einem der wichtigsten Choreografen des zeitgenössischen Tanzes. Bei ImPulsTanz war zuletzt 2010 sein Travestiestück „Gardenia“ zu sehen

Hören Sie viel Bach? Platel: Ich glaube, es gibt in meinem Leben keinen Tag, an dem ich nicht irgendwas von ihm höre. Jetzt, bei der Arbeit an „tauberbach“, war er natürlich sehr präsent. Wir verwenden da zum Beispiel die „Air“, ein sehr, sehr berühmtes Stück. Ich selbst habe es mindestens tausendmal gehört, ohne Übertreibung. Und ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich es höre! Nach „Iets op Bach“ ist „tauberbach“ Ihr zweites Stück mit Bach im Titel. Die Stücke sind sehr unterschiedlich. Was haben sie Ihrer Meinung nach gemeinsam? Platel: In beiden Stücken gibt es eine Verbindung zwischen harter Lebensrealität und seiner Musik. „Iets op Bach“ war für viele Zuschauer ein Schock, weil das eines der ersten Stücke war, in denen so etwas gemacht wurde. Der Titel „tauberbach“ bezieht sich auf ein Projekt des polnischen Künstlers Artur Zmijewski, in dem dieser mit

F o t o s : J U L I A N R ö D E R ju - OST K R E U Z , c h ri s v an der b ur g h t

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er flämische Choreograf Alain Platel, 55, bringt gerne Dinge zusammen, die eigentlich nicht zusammenzupassen scheinen. In seinem Stück „Iets op Bach“ („Ein bisschen was über Bach“) etwa, das 1998 bei ImPulsTanz zu sehen war, inszenierte er ein schäbiges Hinterhof-Familiendrama unter Artisten und ließ dazu live Bach-Kantaten singen und spielen. Ein ähnliches Konzept hat er 2003 in „Wolf “ mit Mozart realisiert. Das Stück, mit dem Platel dieses Jahr ImPulsTanz eröffnet, trägt wieder Bach im Titel: „tauberbach“, eine Koproduktion seiner Compagnie les ballets C de la B und der Münchner Kammerspiele, zeigt eine schizophrene Frau, die auf einer Müllhalde lebt und sich mit ihrer inneren Stimme unterhält. Dazu ist – diesmal allerdings nicht live – Musik von Bach zu hören; unter anderem eine Kantate, die von einem Gehörlosenchor gesungen wird. „tauberbach“ wurde 2014 als eine der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen des Jahres im deutschen Sprachraum zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen.


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tauberbach: 17., 19. und 20.7., 21.00, Volkstheater

erschöpft. Umgekehrt stellten wir uns die Frage, wie wir die Sprache in die Performance integrieren, ohne dass sie zu dominant wird. Es ist merkwürdig: Wenn auf der Bühne jemand spricht und sich daneben jemand bewegt, dann bekommt jede Bewegung automatisch eine bestimmte Bedeutung. Da einen Weg zu finden war nicht ganz leicht. Was wurde eigentlich aus Estamira? Platel: Gute Frage, ich weiß es nicht. Wir hatten den Filmemacher Marcos Prado wegen der Rechte kontaktiert und ihn gefragt, ob es möglich wäre, das Geld an sie weiterzugeben. Er hat nie geantwortet. Aber wo immer sie jetzt ist: Dieser Film ist ihr Vermächtnis.

gehörlosen Jugendlichen eine Bach-Kantate aufgenommen hat. Platel: Ich mochte das so, weil es für mich die extremste Form eines Zugangs zu Bachs Musik darstellt. Für mich ist es die emotionalste Interpretation seiner Musik, die ich je gehört habe. So gesehen, passte es gut zu meinem Bach-Verständnis. Warum ist der taube Chor im Stück nur so selten zu hören? Platel: Er ist während der ganzen Aufführung präsent, die Musik schwingt immer mit. Wenn man den Chor pur hört, ist das ziemlich schockierend. Ich wollte, dass die Leute etwas hören, das etwas seltsam klingt, aber nicht zu seltsam – sodass sie langsam darauf vorbereitet werden. Die pure Tauber-Bach-Musik verwenden wir nur an vier oder fünf Stellen. Aber sie ist von Anfang an da. Aber auch die anderen Bach-Stücke, die wir verwenden, klingen ungewöhnlich. Sie werden von einem Akkordeonisten gespielt – und auch da haben wir die TauberBach-Musik hineingemischt.

Die zweite Quelle für das Stück war ein Dokumentarfilm über eine schizophrene Brasilianerin namens Estamira, die auf einer Müllkippe lebt. Wie kamen ihre Geschichte und der taube Chor zusammen? Platel: Ausgangspunkt für das Projekt war die Schauspielerin Elsie de Brauw, die mich gefragt hatte, ob wir einmal zusammenarbeiten könnten. Ich ging schon längere Zeit mit diesen beiden DVDs – „Estamira“ und „Tauber Bach“ – herum und wusste nicht genau, was ich damit anfangen sollte. Als Elsie und ich dann über ein gemeinsames Projekt nachdachten, gab ich ihr die DVDs und fragte sie, ob sie das inspirieren könnte. Und sie meinte: Okay, versuchen wir’s! Elsie de Brauw ist eine großartige Schauspielerin. Aber wie war die Zusammenarbeit mit den Tänzern? Platel: Am Anfang war es hart für sie. Sie war auf einmal mit Leuten konfrontiert, die ganz selbstverständlich improvisierten, und zwar ständig. Bei den ersten Proben war Elsie nach zwei Minuten vollkommen

Die Schauspielerin Elsie de Brauw (Mitte) spielt in „tauberbach“ die Hauptrolle – eine schizophrene Frau, die auf einer Müllhalde lebt

Wenn Sie, wie in den beiden erwähnten Stücken, Bachs Musik mit dem wirklichen Leben konfrontieren, kommt es zu einer Transformation in zwei Richtungen. Einerseits wird die Handlung durch die Musik überhöht, andererseits wird die „heilige“ Musik geerdet. Was geht da vor sich? Platel: Ich weiß es nicht. „Iets op Bach“ zu machen war eine intuitive Entscheidung. Und das, was Sie da beschreiben, habe ich erst danach realisiert. Das ist eine unerschöpfliche Methode, man kann sie wieder und wieder anwenden. Es reicht aber nicht, einfach ein bisschen Bach über eine bestimmte Handlung zu legen. Es ist mehr als das. Worin besteht die Schwierigkeit? Was kann man da falsch machen? Platel: Man darf nicht versuchen zu analysieren, dann wird es schnell sehr formal. Seit einigen Jahren reden meine Tänzer und ich viel darüber, wie man Sexualität oder Erotik auf der Bühne darstellen kann. Und ich habe gesagt: „Es muss möglich sein, zur Musik von Bach etwas Sexuelles oder zumindest etwas Erotisches zu zeigen.“ Ich war davon überzeugt, weil seine Musik oft auch sehr sinnlich ist. Zuerst zu schauen: Wo finde ich Sinnlichkeit oder Sex in seiner Musik, wäre der falsche Ansatz. Es muss umgekehrt laufen. F


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Schwa Kraft Text: Andrea Amort

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as gibt es Spannenderes, als mit einem außereuropäischen Blick hehres Kulturgut des alten Kontinents auf seine Tauglichkeit in der Gegenwart zu hinterfragen? Seit der politische und kulturelle Eurozentrismus nicht nur in Wissenschaftsdebatten kritisch auseinandergenommen wird, entstehen dazu auch mehr und mehr Bühnenprojekte. Die noch keine 30 Jahre zählende Choreografin Dada Masilo aus dem südafrikanischen Johannesburg hat sich den „Schwanensee“ vorgenommen. Nicht zuletzt deswegen, weil sie selbst als schwarze Tänzerin von klein auf Ballett studierte und wie die meisten ihrer Kolleginnen das romantische Märchen der Spitzentanzwelt schlechthin liebte. Klar war ihr auch: „Wenn ich den ‚Schwanensee‘ anrühre, dann muss ich etwas zu sagen haben!“ Bereits 2010 gelang ihr mit einer einstündigen Version eine blitzgescheite Ausei-

nandersetzung auf mehreren Ebenen, die sie derzeit in Europa Erfolge feiern lässt. Und wohl auch die Nachfrage nach ihren weiteren Choreografien, wie „Romeo und Julia“, „Carmen“ und „Der Tod und das Mädchen“, anheizen wird. Im Fall von „Schwanensee“ hat Masilo die tradierte choreografische St. Petersburger Vorlage von Marius Petipa und insbesondere den zweiten Akt von Lew Iwanow (1895) genau studiert und das Motiv um das vergebliche Begehren einer idealen Frau – oder besser: eines passenden Partners – in einer nach engen Verhaltensregeln funktionierenden Gesellschaft auf ihre heutige Entsprechung überprüft.

„Schwanensee“ in 60 Minuten: Dada Masilos „Swan Lake“ ist kurz – und kurzweilig

Mit einem furios zusammengerührten Mix aus

europäischem klassisch-akademischem, zeitgenössischem und afrikanischem Tanz zielt Masilo auf ein rasant verlaufendes Entertainment ab, das mit 13 hinreißenden Tänzerinnen und Tänzern – darunter die Choreografin – auch noch Südafrikas Probleme widerspiegelt. Je nachdem, mit

Die Choreografin Dada Masilo, 29, aus Johannesburg erobert gerade Europa

welchem kulturell geprägten Blick der Zuschauer im Wiener Volkstheater sitzt, wird er im munteren schwarzen Schwanengetümmel mehr oder weniger der einzelnen Ingredienzien und Anspielungen auf ungelöste Fragen erkennen: Frauenrechte, Apartheid, Homophobie, Aids. Masilo inszeniert aber kein Betroffenheitspathos, sondern nutzt das „Schwanensee“-Märchen als Oberfläche für kurzweilige Unterhaltung. Diese hält auch volle 60 Minuten lang und entspricht damit nebenbei auch dem „niederschwelligen“ Zugang, den sich Wiens Kulturpolitik für das Volkstheater wünscht. Kein elegischeleganter „Schwanensee“ also, sondern eine widerständige und muntere Aktualisierung aus der Sicht von Masilo. Den eingeschworenen Klassikfan, der gerne

dreieinhalb oder mehr Stunden, je nach Inszenierung, „Schwanensee“ zelebriert sehen will, könnte nicht nur die Kürze irritieren, sondern auch die musikalische Zusammenstellung. Denn zum einen setzt Masilo die

Fotos: JOHN HOGG, suzy bernstein

Die südafrikanische Choreografin Dada Masilo und ihre knapp-rasante Version des Ballettklassikers „Schwanensee“


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Fotos: JOHN HOGG, max moser

an mit Abschnitte, die sie für ihre umgemodelte Erzählung vom schwulen Prinzen braucht, in eine unorthodoxe Reihenfolge. Zum anderen fügt sie zwischen Tschaikowski (sie benutzt eine temporeiche Einspielung vom Johannesburg Festival Orchestra unter Graham Scott) Musik von Steve Reich („Variations for Vibes, Pianos & Strings“), René Avenant („Duck’n Dance“), Arvo Pärt („Für Alina“) und Camille Saint-Saëns ein. Dessen „Schwan“ aus dem „Karneval der Tiere“ ist als „Sterbender Schwan“ durch die prominente russische Tänzerin Anna Pawlowa in die Kulturgeschichte eingegangen. In der südafrikanischen Fassung tanzt des jungen Mannes auserkorener männlicher Schwan in Spitzenschuhen Pawlowas Herzstück wie eine Vision von der reinen Liebe. Masilo darf sich das zumuten, weil sie auch an dieser Stelle mit viel Wissen und Gespür ein weiteres Denkmal russischeuropäischer Klassik nicht stürzt, sondern davon sorgsam entwendete Merkmale in ihre energetische Bühnensprache einfließen lässt. Diese macht auch vor dem ly-

rischen Solo der Schwanenkönigin Odette aus dem zweiten Akt nicht Halt, das in Masilos Interpretation wie ein ständiges Frage-und-Antwort-Spiel nach der physischen und sozialen Verfassung einer Frau, die Schwan sein soll, anmutet. Der Ort der Handlung ist so gut wie leer, unterschiedliches Licht sorgt für Atmosphären, Tanz-Tanz ist das Hauptelement. Während sich viele Protagonisten der freien europäischen Szene immer noch schwertun, sich wieder oder erneut oder eben diskursiv auf fließende Körpersprache einzulassen, tut Dada Masilo das ganz ungeniert. Sie hat auch in Anne Teresa de Keersmaekers Brüsseler Ausbildungsstätte P.A.R.T.S. Zeit verbracht, und mitunter fühlt man sich auch in der Art, wie sie die Bewegung in die Musik legt und wie respektvoll sie letztlich der Musik begegnet, an die belgische Meisterin erinnert.

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WWW steht jetzt auch für Wien Welt Wettbewerb: ein Fest für die Ballettfans der Stadt

Masilo ist auf ihre Weise konsequent und form-

bewusst. Sie zerstört nicht, sondern öffnet Grenzen und sucht offenbar nach einem künstlerisch-tänzerischen Amalgam. Besonders gut gelingt ihr das choreografisch, indem sie bekannte Motive oft nur kurz aufblitzen lässt, um Gesellschaftsverhältnisse eindeutig zu machen oder auch empfindsame Stimmung zu suggerieren. Das geht ohne Verkitschung und Übertreibung, auch mit Komik hat das nichts zu tun. Der bodenverhaftete afrikanische Tanz akzentuiert dieses schwarze Schwäne-Ensemble, das barfuß, selbstbewusst und lautmalerisch und so stakkatoartig die Bühne beherrscht, wie man die Tänzerin Dada Masilo bei ImPulsTanz 2013 mit William Kentridge in der Produktion „Refuse the Hour“ im Volkstheater erlebt hat. Ein Schwan mit Kraft, der weiße Rock als Transporteur für die beweglich rasselnde Hüfte. Die typischen, unisono ausgeführten Flügelschlag-Handgesten des Klassikers werden von abrupten Gesten, die wie spontane Äußerungen wirken, unterlaufen. Masilo zerlegt den westlichen „Schwanensee“, setzt ihn mit afrikanischem Drive, auch in- Swan Lake: haltlich aktualisiert, neu auf und reiht sich 22. bis 25.7., 21.00, auf diese Art in die Liste der erfolgreichen Volkstheater zeitgenössischen Neubearbeiter ein. F

Galagäste: Catherine Franco und Dennis Piza vom Ballett der Staatsoper Hannover

er bisher unter dem mäßig glamouröD sen Titel „ÖTR-Contest“ veranstaltete Wettbewerb für junge Tänzerinnen und

Tänzer gastiert heuer erstmals bei ImPulsTanz – unter dem deutlich attraktiveren Label „Wien Welt Wettbewerb“. Der internationale Contest für Ballett und zeitgenössischen Tanz erlebt in diesem Jahr seine siebente Auflage. Rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über 20 Nationen sind am Start, der Hauptpreis (Grand Prix) ist mit 10.000 US-Dollar dotiert. Unter den vielen weiteren Preisen gibt es auch den „In Memoriam Karl Musil Preis“, mit dem des 2013 verstorbenen Staatsopernsolotänzers gedacht wird, der als Präsident des Österreichischen Tanzrats (ÖTR) zusammen mit Evelyn Téri eine der Initiatoren des seit 1996 ausgetragenen Contests war. Vor den Augen einer Jury, der unter dem Vorsitz des einstigen Staatsopernsolotänzers Vladimir Malakhov unter anderen Esther Balfe und Elio Gervasi angehören, wird an vier Abenden um die Wette getanzt. Die Vorrunde geht im MuTh über die Bühne, das Finale findet im Volkstheater statt. Höhepunkt des Wettbewerbs ist die Preisverleihung, die von einer hochkarätig besetzten Ballettgala gerahmt wird. Neben den Preisträgern werden bei der von

Peter Rapp moderierten Gala auch Catherine Franco und Denis Piza vom Ballett der Staatsoper Hannover, Dinu Tamazlacaru, Rainer Krenstetter und Marian Walter vom Staatsballett Berlin, Zhang Haidong und Yu Chuanya aus Peking, die frühere Forsythe-Tänzerin Francesca Harper sowie Jakob Feyferlik und Maria Yakovleva vom Wiener Staatsballett zu erleben sein. Die erste Solotänzerin Yakovleva wird übrigens den Klassiker „Der sterbende Schwan“ tanzen. Ein Sieger des Wien Welt Wettbewerbs steht schon fest: das Ballettpublikum. F

Schwarze Schwäne: barfuß, selbstbewusst und stakkatoartig

Wien Welt Wettbewerb: Vorrunde: 23. bis 25.7., 18.00, MuTh Finale: 26.7., 19.00, Volkstheater Gala & Preisverleihung: 27.7., 19.00, Volkstheater


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Afghanistan, Osterinsel, Wien Die heimische Tanzszene ist ganz schön international. Das schlägt sich in den Themen ihrer Stücke nieder Überblick: Sara Schausberger

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Attan bleibt bei uns (Magdalena Chowaniec & The Rechnitz Crew): 9. und 10.8., 18.00, MumokHofstallungen The Bosch Experience (Georg Blaschke): 4., 6. und 8.8., 19.00, Akademie der bildenden Künste Wien (Gemäldegalerie & xhibit) Contingencies (An Kaler): 29. und 31.7., 21.00, Kasino am Schwarzenbergplatz

Schon in „Nature“ untersuchten Piña und Zimmermann, die seit 2005 zusammenarbeiten, postkoloniale Strukturen und ließen sich von indigenen Völkern aus dem Regenwald Südamerikas ihre Tänze und Rituale erklären. In „War“ wird die westliche Art, Dinge zu betrachten, dekonstruiert. Kriegswaffen und Uniformen werden in Museumsvitrinen ausgestellt, die rituellen Tänze der Rapa Nui wie für Touristen aufbereitet und von Alexandra Mabes, Pascual Pacarati und Amanda Piña vorgeführt. „Für mich geht es in der Performance eigentlich um die westliche Gesellschaft, um die Vormachtstellung des westlichen Blicks, und darum, wie wichtig es ist, unser Denken zu entkolonialisieren.“ Auch in „Attan bleibt bei uns“ steht ein traditioneller Tanz im Mittelpunkt. Attan ist der afghanische Nationaltanz, der früher vor Kämpfen aufgeführt wurde. Die Choreografin und Tänzerin Magdalena Chowaniec hat zusammen mit acht afghanischen Asylwerbern („The Rechnitz Crew“) ein Stück entwickelt, in dem mittels Tanz ein im Verschwinden begriffenes Afghanistan rekonstruiert wird, das die jungen Männer, die im „Haus der Jugend“ in Rechnitz wohnen,

nie kennengelernt haben. Weit entfernt von Folklore wird untersucht, wie sich Heimat, Krieg, Sehnsucht, Flucht, Abschied und Fremde in den Körper einschreiben. Als Musikerin und Performerin wird die in

Wien lebende Polin Chowaniec, die auch in einer Post-Punk-Band spielt, beim Festival in einem weiteren Stück zu sehen sein. In „The Bosch Experience“ des Wiener Choreografen Georg Blaschke beginnt das berühmte Gemälde „Weltgerichtstriptychon“ von Hieronymus Bosch zu tanzen. Schauplatz ist die Akademie der bildenden Künste, wo das Bild hängt. Vor jeder Vorstellung gibt es eine Einführung in das Gemälde, das um 1500, zu einer Zeit des radikalen Umbruchs, entstanden ist. Blaschke setzt das Triptychon in zwei Teilen tänzerisch um: „Prélude Paradis“ bezieht sich auf das irdische Paradies und ist eine choreografisch-musikalische Komposition für drei Frauen, die einen Gesangsund Körperchor bilden, der vom Klagelied bis zum Punkrock reicht. Der zweite Teil, „Bosch frontal“, ist eine installative, choreografische Auseinandersetzung mit dem Jüngsten Gericht, der Hölle und dem Höl-

Foto: LAURENT ZIEGLER

WAR (nadaproductions): 4. und 6.8., 21.00, Odeon

ie heimische Tanz- und Performanceszene präsentiert sich bei ImPulsTanz kämpferisch. Der Kriegstanz der Rapa Nui, der Hoko, und der afghanische Nationaltanz Attan stehen im Mittelpunkt der Performances „War“ und „Attan bleibt bei uns“, die sich auf sehr unterschiedliche Art mit traditionellen Tanzformen auseinandersetzen. Kriegerisch wird es auch für Florentina Holzinger, die sich in „Agon“ zum „Warrior“ ausbilden lässt, und für Akemi Takeya, die sich mit „Little Stories About S.O.S.“ in Kampfbereitschaft zur Rettung des Solos begibt. Kampflustig gibt sich auch Amanda Piña, deren aktuelles Stück bei ImPulsTanz zu sehen ist. Schauplatz von „War“ ist die Osterinsel Rapa Nui, auf der Bühne steht Pascual Pacarati. Der Tänzer ist seit 25 Jahren Mitglied einer Tanzcompagnie, die auf der Osterinsel für Touristen tanzt. „Nicht weil er das will, sondern weil es der einzige Kontext ist, in dem es ihm möglich ist“, erklärt die aus Chile stammende Tänzerin und Choreografin. „Es ist mir wichtig, denjenigen eine Stimme zu geben, die tanzen, aber in einem professionellen Kontext nicht aufscheinen.“ Für „War“ haben Amanda Piña und der Schweizer Künstler Daniel Zimmermann – zusammen sind die beiden nada­ productions – polynesische Tanzformen untersucht. „War“ ist ein getanztes Manifest gegen die fortschreitende Hegemonisierung der Gesellschaft. In einem kolonialisierten und von Tourismus geprägten Umfeld sind diese Tänze, die vor ungefähr 20 Jahren für Touristen rekonstruiert wurden, sowohl identitätsstiftend als auch Überlebensstrategie. Piña hat unter anderem Theateranthropologie studiert, was sich auch in ihren Stücken niederschlägt.


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lenfürsten. Vier Tänzer, eingebettet in eine mobile Sound- und Lichtinstallation, deuten das detailbesessene Bild neu. Für An Kaler spielt der Raum, in dem Per-

formance stattfindet, eine wichtige Rolle. „Raum ist oft einer der Ausgangspunkte meiner Überlegungen zu einer neuen Arbeit. Ich starte beispielsweise oft mit einer Affinität, einem Interesse für einen bestimmten Raum. Unterschiedliche Versionen eines Stückes entwickle ich immer raumbezogen, das heißt: Die Choreografie entwickelt und verändert sich über die jeweilige Raumsetzung auch weiter.“ Die Performance „Contingencies“ wurde in eigenen Fassungen auch schon im Leopold Museum und in Berlin gezeigt. Bei der Version für ImPulsTanz im Kasino am Schwarzenbergplatz wird erstmals zu fünft getanzt. „Mir geht es in dieser Fünferkonstellation um die Möglichkeitsräume, die durch das Aufeinandertreffen der Performer Fortsetzung nächste Seite Drei lokale Festivalbeiträge: „The Bosch Experience“ (großes Bild) von Georg Blaschke, „Attan bleibt bei uns“ mit der Rechnitz Crew (u.), „Agon“ (l.) mit Florentina Holzinger

Pornography: A Trying-Out (Anne Juren): 8.8., 22.30, Odeon

Fotos: Florentina Holzinger, Max Biskup

Agon (Florentina Holzinger): 9.8., 23.00, und 11.8., 21.00, Kasino am Schwarzenbergplatz Little Stories About S.O.S. (Akemi Takeya): 9.8., 21.00, und 11.8., 23.00, Schauspielhaus Far Away So Close (Hannes Wurm): 20., 22., 24., 26., 28. und 30.7., 22.00, Schaufenster im Schauspielhaus


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Fortsetzung von Seite 9

„WAR“ von nadaproductions: ein Kriegstanz, der vor 20 Jahren für Osterinseltouristen rekonstruiert wurde

jedes Mal neu entstehen und jedes Mal neu ausverhandelt werden müssen.“ „Contingencies“ sind Möglichkeiten und Zufälle. Und so sucht diese Performance auch nach Differenzen, die etwa in gewohnten Bewegungsabläufen zu finden sind und innerhalb einer Gruppe entstehen können. Licht, Musik und Architektur greifen in die Ereignisse ein. Das Verhältnis von Raum und Körper ist maßgeblich, die Architektur ist performatives Element.

Es ist nicht das erste Stück Kalers, das als Serie angelegt ist. Kaler hat in Wien Transmediale Kunst und am Berliner HZT zeitgenössischen Tanz, Kontext und Choreografie studiert. Der queere Erstling „Save a horse ride a cowboy“, in dem das Stereotyp des Cowboys dekonstruiert wurde, erregte gleich einmal Aufmerksamkeit; seit 2010 sind Kalers Arbeiten als langfristige Praxisreihen angelegt. „Pornography: A Trying-Out“ von der in Wien

lebenden Französin Anne Juren ist das erste einer Reihe von Showings zur Vorbereitung ihrer neuen Arbeit. Vorlage für das choreografische Material, das sie mit der US-Performerin Elizabeth Ward entwickelt, ist Witold Gombrowicz’ Roman „Pornografie“ von 1960; nicht der sexuelle Akt wird darin als pornografisch beschrieben, sondern seine Verstrickungen in Machtverhältnisse. Schon in „Magical“, das 2010 und 2012 bei ImPulsTanz zu sehen war, wurde in Anlehnung an feministische Performances aus den 60er- und 70er-Jahren ein magisches Spiel mit dem weiblichen Körper betrieben. Juren holte unter anderem Objekte, die man da nicht erwartete, aus ihrer Vagina hervor. Dass sie auf der Bühne vor Extremitäten nicht zurückscheut, dafür ist auch die Wiener Ausnahmeperformerin Florentina Holzinger bekannt, die sich in ihrem neuen Soloprojekt „Agon“, in dem es vor allem um Heilkunst und Kampfgeist geht, von weiblichen Coaches zum „Warrior“ ausbilden lässt.

Mit Fliegerhaube wird die Tanzperformerin Akemi Takeya 32 kurze Geschichten als Medley präsentieren. „Little Stories About S.O.S.“ nennt sich ihre Ansage zur Rettung des Solos, eine präzise Performance- und Videoinstallation. Die aus Japan stammende Choreografin, die seit 1991 in Wien lebt, arbeitet in ihren Performances an der Schwelle zwischen Asien und Europa. Dieses Spannungsfeld spiegelt sich auch in ihren Stücken wider. Takeya hat eine eigene Voice&-Body-Performance-Methode entwickelt. Ihre Gedanken hält sie in Tagebüchern und Essays festhält; für „Little Stories About S.O.S.“ hat sie ein „Performance Recipe Book“ geschrieben, das parallel zur Performance pub­liziert wird. Noch ein kleines Solo zum Schluss: So was wie ein Debüt ist das Tanzsolo des Wieners Hannes Wurm. Der Performancekünstler konzentriert sich in seinem ersten Tanzstück „Far Away So Close“ auf einen einzigen Körperteil: seine Füße. Der Künstler beschreibt es so: „Als Kind saß ich oft da und betrachtete am anderen Ende meines Körpers die Füße. Ich war dabei immer wieder von neuem fasziniert, dass diese zwei Gliedmaßen, die so weit entfernt schienen, Teil von mir sind. Oft geht es mir heute noch so. Far away, so close.“ Zu sehen ist Wurms erstes Stück bei ImPulsTanz übrigens im SchauspielhausNachbarhaus – genau da, wo das von Wurm begründete freie Theater das schaufenster, das 2013 sein zehnjähriges Jubiläum feierte, seinen Ursprung hat. F

Hiroshima ist des Butohs Kern Der japanische Butoh-Tanz entstand als Reaktion auf die Atombombe. Keiner weiß das besser als Altmeister Ko Murobushi U l l i M os c h e n

adioaktives StrahlenbombardeR ment zerstört die Zellbausteine. Die Strahlenkrankheit äußert sich in Haarausfall, unkontrollierten Blutungen, zerstörtem Knochenmark, Koma und Kreislaufversagen: Am 6. August 1945 warfen die USA auf den Befehl von US-Präsident Harry S. Truman über der westjapanischen Hafenstadt Hiroshima die erste Atombombe ab. Mehr als 70.000 Menschen, die meisten davon Zivilisten, starben unmittelbar. Bis Ende Dezember 1945 stieg die Zahl der Toten auf 140.000, unzählige weitere folgten. Ohne den Schatten dieser Ereignisse lässt sich die japanische Tanzform Butoh, die in den 50ern und 60ern als Widerstandsbewegung gegen die zunehmende Verwestlichung und als Antwort auf den kulturellen Identitätsverlust entstand, nicht begreifen. Ankoku Butoh, Tanz der Finsternis, nannte ihn Tatsumi Hijikata, der zusammen mit Kazuo Ohno als Begründer des Butoh gilt. Ko Murobushi, anerkannter Erbe von Hijikatas Butoh und langjähriger Begleiter des ImPulsTanz-Festivals

als Performer, Choreograf und Dozent, thematisiert dieses Jahr in seinem Quintett „Enthusiastic Dance on the Grave“ Hiroshima als den innersten Kern von Butoh. „Ich will über Dinge sprechen, über die

man unmöglich sprechen kann, und über unmögliche Erfahrungen. Ich will über Leere und Indifferenz sprechen. Wenn du beginnst, über das Schweigen zu sprechen, tust du das mit Schweigen.“ Murobushis Schweigen ist ein Schweigen aus einer anarchischen Grundhaltung gegenüber der Wirklichkeit und maximaler Körperkontrolle heraus.

Schon der erste Teil des Abends beschäftigt sich mit dem Tod. Drei quecksilberfarbene Männer trotzen der Schwerkraft und den Zumutungen des Lebens, indem sie die Welt beziehungsweise sich selbst auf den Kopf stellen und zur melancholischen Ballade „Baïlèro“ aus der Sammlung „Chants d’Auvergne“ von Joseph Canteloube nicht aufhören zu fallen. Nicht nur die Welt des Butoh, auch das persönliche Universum, aus dem der unermüdliche Altmeister schöpft, ist von frühen Erfahrungen mit dem Tod und toten Körpern geprägt. Murobushi wuchs in der Nähe der Küste auf. Ein paar Mal wäre er selbst fast Ko Murobushi wuchs an der Küste auf, einmal wäre er fast ertrunken Enthusiastic Dance on the Grave: 28. und 30.7., 21.00, Akademietheater Faux Pas: 15. und 17.8., 21.00, Odeon

ertrunken, und nicht selten schwemmte das Meer die grasbedeckten Körper Ertrunkener an den Strand. Ziel im Butoh ist es, sich über den Körper anderen Seinsformen, animalischen, pflanzlichen oder mineralischen Zuständen, und einer anderen Zeitlichkeit zu nähern. „Die physische Bewegung im Tanz ist nicht eine Frage der Bewegung durch den Raum“, erklärt Ko Murobushi. „Es gibt eine Körperlichkeit, die in einen Zustand unbeweglicher Stille eingefaltet ist, und ich glaube, es ist ein Prozess ständigen und andauernden Experimentierens, um an dessen Ursprung zu kommen.“ Mit knapp 70 Jahren sucht Ko Muro-

bushi immer noch den physischen Grenzgang, wird er nicht müde, sich in die unauslotbaren Tiefen seines Körpers zu begeben und sich dessen unwillkürlichem Gedächtnis auszuliefern. Hiroshima, Kern des Butoh, war ein Fehler: In „Faux Pas“, der zweiten bei ImPulsTanz uraufgeührten Arbeit, lässt sich Murobushi aus dem Gleichgewicht bringen und durchschütteln, bis kein Stein mehr auf dem anderen steht – oder sich keine Zelle mehr dort befindet, wo sie vorher war. F

Fotos: nadaproductions, Werner Siebert

einführung:


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Körper als Spielverderber Die Cyborgs aus den Stücken von Chris Haring werden Menschen immer ähnlicher. Beruhigend ist das nicht deotechnisch vergrößert, in einem Glas gefangene Wasserflöhe. Die Tänzerinnen und Tänzer in Harings Werk spielen diese Transhumanen bis ins Letzte ausgefeilt: Sogar ihre Sprache läuft immer wieder aus dem Ruder und plappert, raunt oder murmelt – stets von den Sprechenden getrennt aus Soundboxen. Als das Projekt „diese Körper, diese Spielverderber …“ zum Stück geworden war und 2004 bei ImPulsTanz im Akademietheater uraufgeführt wurde, war zu erleben, wie der Körper in Harings Arbeit eine unheimliche Spaltung erfuhr. Auf der Bühne wand sich ein Monster, dessen Ober- und Unterkörper in groteskem Missverhältnis zueinander standen. Ein schizophrenes Wesen, das sich selbst das Spiel verdarb. Es war das letzte Stück, in dem Haring noch selbst auftrat. Aufgefallen war der 1970 im burgenländi-

Bitte zu Tisch: Mit „Deep Dish“ schließt Chris Haring seine Serie „The Perfect Garden“ ab Werkporträt: H e l m u t P l o e bs t

F o t o s : C H R I S H A R I N G , chri s t in e e b e n t ha l

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blicherweise blüht und gedeiht der menschliche Körper erst einmal vielversprechend. Aber mit den Jahren beginnt das Fleisch zu welken, falls es nicht schon vorzeitig vergeht. Gegen das Ableben gibt es bekanntlich Einwände, und die hat der österreichische Choreograf Chris Haring einmal so auf den Punkt gebracht: Der Körper ist ein „Spielverderber“. Davon waren vor allem viele von Science-Fiction-Utopien träumende Schäfchen überzeugt – um es mit einer Anspielung auf Philip K. Dick zu sagen. Sie versprachen die elektronische Erlösung. Der Medienphilosoph Vilém Flusser verkündete: „Der Körper ist im digitalen und virtuellen Zeitalter ein nutzloser Restwiderstand.“ Ein makabrer Satz. Haring zitierte ihn vor zehn Jahren in dem Programmzettel für das von ihm geleitete Künstler-Labor „diese Körper, diese Spielverderber …“ im damals noch existierenden ChoreographicCentreLinz. So einen körperfeindlichen Kommentar hören jene, die sich mit Tanz beschäftigen, nur ungern. Wird doch gerade von dieser Kunstform der durch historische Sündenideologien und Geistesesoterik verdrängte Körper immer wieder neu ins Spiel gebracht. Sozusagen als politi-

scher Auftrag, dem viele Tänzer und Choreografen folgen. Chris Haring stellt da keine Ausnahme dar. Aber die Körper in seinen Stücken sind nicht die von glücklichen Bühnenakrobaten. Sondern im Gegenteil solche von Cyborgs, deren Gebrauchsdatum sichtlich abgelaufen ist. Sich in solche gekippten Halbroboter überzeugend einzufühlen ist keine leichte Aufgabe. Harings Tänzerinnen und Tänzer – vor allem Stephanie Cumming, aber auch etwa Alexander Gottfarb, Anna M. Nowak oder der großartige Johnny Schoofs (in „Kind of Heroes“, 2005) und die markante Ulrika Kinn Svensson – haben diese Herausforderung immer tapfer angenommen.

Chris Haring, 43, ist einer der auch international erfolgreichsten Choreografen Österreichs

Dabei entwickelten sie erstaunliche Fähigkei- Deep Dish: ten im Darstellen seltsamer Limitierungen 6.8., 21.00, und Irritationen des Körpers und seines Volkstheater

Verhaltens. Die versierteste „Techneurotikerin“ in Chris Harings Gruppe Liquid Loft ist zweifellos Stephanie Cumming. Die Kanadierin ist bis heute ein geborener „Fremdkörper“ (2003) und „Legal Errorist“ (2004) geblieben, sogar dann, wenn sie jetzt bei „Deep Dish“ (2013) im Grün einer Nachtsichtkamera-Aufnahme unterm Tisch sitzt und verschwörerisch raunt, dass sie etwas zu erzählen hat. Aber sie kann es nicht sagen. Über diesem Verschweigen tanzen, vi-

Talking Head: 10. und 12.8., 21.00, Odeon espressofilmKurzfilmnacht mit Chris Haring: 8.8., 21.30, Gartenpalais Schönborn (Eintritt frei)

schen Schattendorf geborene Künstler bereits 1995 als Tänzer in Bert Gstettners Gruppe Tanz*Hotel. Chris Harings Interesse an einem in Verfremdung versetzten Körper hatte sich bereits 1996 in seinem Frühwerk „Cephalopods. Tanzzeitlose Kopffüßer im Tempodrom der Realität“ gezeigt. Aus den Kopffüßlern wurde zwei Jahre später – in Zusammenarbeit mit Klaus Obermaier – „D.A.V.E.“, ein „digital amplified video engine“, der Videobilder passgenau auf Live-Körper projizieren konnte. Von hier aus brach Haring – seit 2004 unter dem Label Liquid Loft und in Zusammenarbeit mit dem Musiker Andreas Berger sowie dem Regisseur Thomas Jelinek – in seine von Science-Fiction-Elementen getriggerte Zukunft auf. Seinen Durchbruch (und 2007 einen Goldenen Löwen der Biennale von Venedig) brachte ihm sein dreiteiliges „Posing Project“ ein, bei dem sich seine „Heroes“ in die reale Kultur des Aufschneidens und Posierens einschleusten. Die Ironie, mit der Haring dieser Kultur begegnet, ließ sich auch in einer „Lovely Liquid Lounge“ erleben, die 2009 gemeinsam mit der chinesischen Tanzdiva Jin Xing entstand. Darin hatten auch Arbeiten von Künstlern wie Lisa D., Hans Scheirl und Jakob Lena Knebl Platz. Im Jahr darauf machte der kooperationsfreudige Choreograf ein Stück für Les Ballets de Monte-Carlo, bevor er seine nächste Trilogie startete: „The Perfect Garden“ – ein Abgesang auf unsere Wellness- und Genussgesellschaft. Immer weiter also arbeiten sich Harings „Helden“ aus der Science-Fiction in die Wirklichkeit vor, immer ähnlicher werden die einstigen Cyborgs den Media-Victims von heute: am treffendsten 2010 in der Social-Media-Satire „Talking Head“. Sowohl „Deep Dish“, der letzte Teil der „Perfect Garden“-Serie, als auch „Talking Head“ sind jetzt bei ImPulsTanz wiederzusehen. Darüber hinaus ist Chris Haring dieses Jahr auch Mentor des danceWebStipendiatenprojekts, für das er 63 Künstlerinnen und Künstler aus 40 Ländern ausgewählt hat. F


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©: Shutterstock/Vectomart, Complot

Wien. Die Stadt fürs Leben.

Sommer in Wien. Ein lauer Sommerabend, ein kühles Getränk und Kultur unter freiem Himmel: Mit dem Schönwetter halten auch alljährlich die Sommerkinos Einzug in die Stadt. Wien fördert die Sommerkinos und damit auch ein Stück urbanes Lebensgefühl. Ob Hollywood-Blockbuster, Musikfilme, Science Fiction oder Cineasten-Kleinode, ob auf dem Dach, vor dem Schloss oder in der Wiese – die Filme und Locations sind so vielseitig wie die Stadt selbst. Ein Tipp: Profis haben Decke und Gelsenschutz mit dabei. So steht dem Vergnügen nichts mehr im Wege: Film ab! www.sommerkinos.wien.at


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„Spitzenschuhe faszinieren uns schon lange“ Cecilia Bengolea und François Chaignaud machen sich’s gern schwer. In „Dub Love“ tanzen sie Ballett Begegnung: W o lf g a n g K r a lic e k

A

ls Cecilia Bengolea und François Chaignaud zum ersten Mal zusammen tanzten, steckte beiden ein gläserner Dildo im Anus. Das Stück hieß „Pâquerette“ und war in Wien 2010 bei imagetanz im Brut zu sehen. (Aus gegebenem Anlass wurde das Festival damals erstmals in der ansonsten eher performancefreien UBahn-Zeitung Heute erwähnt.) Schon ihr Debüt zeigte: Die Argentinierin Bengolea und der Franzose Chaignaud haben es auf der Bühne nicht gern bequem. In „Sylphides“, mit dem sie 2009 in der ImPulsTanz-Nachwuchsreihe [8:tension] auftraten, steckten sie in schwarzen Latexsäcken, aus denen die Luft abgesaugt wurde; nur ein dünnes Atemröhrchen rettete sie vor dem Ersticken. „Wir versuchen immer, etwas zu machen, was uns schwerfällt“, bestätigt Cecilia Bengolea. „Es geht uns dabei aber nicht um die Suche nach Neuem, sondern darum, etwas Unmögliches zu versuchen. Für mich ist das eine Metapher für Engagement. Nur in diesem Sinn ist unsere Arbeit politisch.“

Foto: Sommerszene/Bernhard Müller

Das Treffen mit dem vielleicht extremsten Duo

der internationalen Tanzperformance findet in der Lobby eines Salzburger Hotels statt. Die beiden kommen gerade vom Frühstück und sind noch etwas müde. Der auch abseits der Bühne exzentrisch gestylte François Chaignaud – Hotpants, Schminke, lackierte Fingernägel – wirkt in dieser unglamourösen Umgebung überhaupt wie im falschen Film; das Reden überlässt er vorerst lieber seiner Partnerin. Am Abend davor haben die beiden bei der Sommerszene ihre jüngste Arbeit „Dub Love“ gezeigt, mit der sie heuer auch bei ImPulsTanz zu Gast sind. Das Stück ist so etwas wie die Fortsetzung der Vorgängerperformance „altered natives’ Say Yes To Another Excess – Twerk“ (ImPulsTanz 2013). Wieder ist die Bühne ein Dancefloor, wieder wird sie mit dröhnendem ClubSound beschallt. In „Twerk“ wirbelten fünf Tänzerinnen und Tänzer zu Grime-Musik wie Derwische durch den Raum. Diesmal werden Bengolea und Chaignaud nur von Ana Pi begleitet, sie tanzen zu extrem basslastigen Dubsounds – und auf Spitzenschuhen. Beide Stilrichtungen, Grime und Dub, haben ihre Wurzeln im Reggae. „Aber während bei Grime keine so große Philosophie dahinter ist, gibt es bei Dub diesen antikonsumistischen, idealistischen Hintergrund“, erklärt Cecilia Bengolea, die bei diesem Projekt federführend war. Im Rahmen ihrer Recherchen verbrachte sie einen Monat auf der Reggae-Insel Jamaica. Aber Reggae oder Dub gibt es dort nicht mehr. „Dort machen nur noch Gangster und Killer Musik. Sie jagen allen Angst ein, schießen einander nieder, manche sit-

zen im Gefängnis. Die Dancehall-Stars von Jamaica kommen alle aus dem Ghetto, und wenn sie dann reich sind, kaufen sie Waffen für ihre Gangs.“ Die wahre Dub-Kultur wird nur noch im Exil gepflegt, vor allem in London. Die ansonsten leere Bühne wird von einer mächtigen Lautsprecherbatterie dominiert. Die von DJ High Elements generierten Schallwellen sind so durchdringend, dass das ganze Theater erbebt. „Die Vibrationen können so stark sein, dass man sich übergeben muss“, weiß Bengolea. Dagegen helfen dann wohl auch die Ohrstöpsel nichts, die vorsorglich im Publikum verteilt werden. Abgesehen davon, war’s in Salzburg gar nicht besonders laut. Das wiederum hört Cecila Bengolea gar nicht gern. „Heute wird es lauter sein! Als wir in Lausanne spielten, war es so laut, dass zehn Leute rausgegangen sind. Das war richtig aggressiv.“ „Bei dieser Musik geht es nicht nur darum, Spaß zu haben und seinen Alltag zu vergessen“, meldet sich jetzt auch François Chaignaud zu Wort. „Im Gegenteil: Es geht darum, bewusster zu werden, die Wahrheit zu erkennen. Diese Musik bringt dich zum Zittern und lässt dich alles anders sehen.“ Eine konkrete Botschaft lässt sich aus „Dub Love“ nicht herauslesen. Das ist ein Tanz-Tanz-Stück, nur halt kein ganz gewöhnliches – und ein ziemlich cooles. In hautengen Kostümen tanzen die drei Performer allein, zu zweit und zu dritt durch den Raum. Sie steigen auch aufeinander, aber im Unterschied zu „Twerk“ hat das

Aus einer massiven Lautsprecherwand kommen in „Dub Love“ Basswellen, die das ganze Theater erbeben lassen

diesmal nichts Sexuelles an sich. Der knapp einstündige Abend hat etwas von einem Trip. Wie das die Künstler empfinden? „Ein Trip? Ja, so wie eineinhalb Stunden Hot Yoga ein Trip sind, oder ein Fußballmatch“, meint Chaignaud. „Harte körperliche Arbeit verwandelt einen“, glaubt Bengolea. „Es fühlt sich ein bisschen an, als hätte man Drogen genommen.“ Auch das ist ein Grund, warum die beiden sich

Dub Love: 18. und 20.7., 21.00, Museumsquartier, Halle G High Elements Dub Plates Set & Guests (Konzert mit Performance): 19.7., 23.30, Space (6., Gumpendorfer Straße 68)

immer so schwierige Projekte ausdenken: Sie sind süchtig nach dem Kick, den ihnen die Erschöpfung gibt. „Für mich ist eine Peformance der beste Teil des Tages“, sagt Chaignaud. „Ich will das immer wieder erleben.“ Die Herausforderung besteht in diesem Fall darin, dass sie Spitze tanzen. Das ist wahnsinnig anstrengend, vor allem dann, wenn man kein Ballettprofi ist. Bengolea und Chaignaud schlüpfen in „Dub Love“ aber nicht zum ersten Mal in Spitzenschuhe. „Die faszinieren uns schon lange“, erklärt Chaignaud. „Sie zu tragen, verändert den Körper. Im romantischen Ballett ging es ja sogar darum, so etwas wie einen immateriellen Körper zu erschaffen. Das war nicht immer so eine Virtuosendisziplin, das hatte eine sehr spirituelle Komponente.“ Ballettkenner werden bemerken, dass diese Tänzer nicht immer ganz schrittsicher unterwegs sind. Aber um Perfektion geht es diesen romantischen Extremisten der Tanzperformance gar nicht. François Chaignaud: „Berührend ist Tanz für mich immer dann, wenn er nicht nur starke Körper zeigt, sondern auch verletzbare.“ F


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wird da

Was

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er Name der ImPulsTanz-Reihe [8:tension] wird wie „Attention“ ausgesprochen: Achtung, hier kommen acht neue Choreografinnen und Choreografen! Das Problem ist nur, dass das Wortspiel nicht mehr stimmt: Inzwischen laufen bei [8:tension] mehr als acht Produktionen, heuer sind bei der „Young Choreographers’ Series“ 14 Stücke am Start. Die Aufstockung des Programms hängt einerseits damit zusammen, dass der im Rahmen des EU-Projekts Life Long Burning vergebene Choreografiepreis Prix Jardin d’Europe seit 2012 an eine der [8:tension]Produktionen vergeben wird – und in den Preisstatuten zehn bis 14 Stücke vorgesehen sind. Andererseits war die Suche nach interessanten Beiträgen heuer einfach besonders ergiebig. „Wir kamen vollkommen begeistert von unseren Reisen zurück“, berichtet Chris Standfest aus dem fünfköpfigen Kuratorenteam, dem heuer außerdem noch Bojana Mladenovic, Christa Spatt, Rio Rutzinger und Michael Stolhofer angehörten. Die Liste der bei [8:tension] seit 2001 aufgetretenen Künstlerinnen und Künstler ist voller inzwischen berühmter Namen: Cecilia Bengolea & François Chaignaud, Alice Chauchat, Olivier Dubois, Miguel Gutierrez, Akram Khan, Ivana Müller, Hooman Sharifi, Ann Liv Young – und so weiter. Eine Altersgrenze gibt es für die Choreografinnen und Choreografen keine, mit „young“ ist mehr der Karriere­status als das biologische Alter gemeint. Zu arriviert dürfen die

nominierten Künstler natürlich nicht sein, aber für Debütanten ist [8:tension] meist noch eine Nummer zu groß. Faustregel: Meist ist es die zweite oder dritte Arbeit eines Choreografen, die eingeladen wird. In der aktuellen Auswahl ist das Geschlechterverhältnis fast ausgeglichen (8 Frauen, 6 Männer) und die geografische Streuung breit: Neben acht europäischen Produktionen sind je drei Performances aus Nordamerika und Asien dabei. Der wahrscheinlich schrägste Beitrag kommt

aus Südkorea: Geumhyung Jeong, die neben Tanz auch Trickfilm gelernt hat, erzählt in ihrer Lecture-Performance „Oil Pressure Vibrator“ von der Obsession eines geschlechtslosen Wesens für ein ungewöhnliches Lustobjekt – einen Bagger. Erstaunlich, wie sexuell man Baumaschinen sehen kann; „Anbaggern“ kriegt durch Jeongs Performance jedenfalls eine neue Dimension. Vergleichsweise unspektakulär sind die Fantasien, von denen die chinesische Tänzerin/Choreografin Zhang Mengqi vom Living Dance Studio in ihrem intimen Solo „Self Portrait and Sex Education for My­ self “ berichtet. Ihre Erinnerungen an knospende Brüste oder die heimliche Lektüre von Liebesromanen unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen jedes anderen Mädchens. In seiner unprätentiösen Offenheit ist der Abend dennoch berührend. Ein ganz anderer Beitrag zum Thema kommt aus New York: Rebecca Patek ver-

Achtung, neue Choreografen! Die Reihe [8:tension] bietet in diesem Jahr 14 Performances aus drei Kontinenten ü b e rb l i ck : wolfgang kra l i c e k

arbeitet in „ineter(a)nal f/ear“ eine (ihre?) Vergewaltigung. Diese wird einerseits in einem Fake-Dokumentarfilm thematisiert, andererseits spielt Patek das traumatische Erlebnis auf der Bühne – gemeinsam mit Sam Roeck – in einer Art Therapiesetting nach. Die trashige Performance begegnet dem harten Thema mit trockenem Humor – eine Gratwanderung, die nicht alle witzig finden werden. Sicherlich einer der kontroversiellsten, spannendsten, aber auch witzigsten Abende dieses Festivals. Im Solo „Cheerleader of Europe“ wird die Bühne zum Mini-Fußballstadion und der aus Singapur stammende Daniel Kok wedelt im knackigen Cheerleader-Outfit mit den Pompons. Der Künstler hat in London am Goldsmiths College Fine Arts & Critical Theory und im Laban Centre Chorografie studiert; auf der Bühne aber gibt er den „Diskodanny“ und erzählt unter anderem von seiner Zeit als Militärausbildner in Singapur und seinen Erfolgen als Poledancer. Very queer. Fast sportlichen Charakter hat auch das Solo des polnischen Tänzers/Choreografen Karol Tymiński. In seinem nach dem gleichnamigen Ausdauertest „Beep“ betitelten Solo klappt er seinen Körper unentwegt auf und zu – auch für das Publikum wird das eine extreme Dreiviertelstunde. Der Portugiese Dinis Machado ist 2012 nach Stockholm gezogen, weil er sich dort bessere Arbeitsbedingungen erwartete. Die erste Zeit in der neuen Wahlheimat aber

Foto: ian douglas

gespielt?


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Verweigerung als Konzept: Die Kanadierin Dana Michel (Bild links) spielt in „Yellow Towel“ mit unseren Projektionen

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What Remains Of What Has Passed: 20. und 22.7., 21.00, Schauspielhaus Oil Pressure Vibrator: 21.7., 21.00, und 23.7., 22.30, Kasino MIT: 21.7., 22.30, und 23.7., 21.00, Kasino Beep: 24. und 26.7., 21.00, Schauspielhaus Cheerleader of Europe: 24. und 26.7., 22.30, Schauspielhaus

Einstürzende Neubauten: „Meanwhile,“ von Gaëtan Rusquet (Bild unten) ist ein meditatives Katastrophenstück

Tertiary: 28.7., 21.00, und 30.7., 22.30, Schauspielhaus

Fotos: georg scheu, Giannina Ur mene ta Ot tiker, Thomas Martius

Mit Charme und Melone: das empathische Trio „Tertiary“ (Bild oben) von Michael O’Connor

war hart, Machado hatte kaum Geld – und beschloss, seine prekäre Situation zum Thema einer Bühnenarbeit zu machen. „Black Cats Can See In The Dark But Are Not Seen“ ist mehr szenischer Essay als Tanzperformance: Drei Männer errichten aus Bananenkisten und anderen schlichten Materialien, Licht und Text eine Welt. Am Ende wird diese Welt in Trümmern liegen, dafür aber ein Fahrrad repariert sein. Für Kuratorin Standfest verkörpert Machado die lost generation von Südeuropa, wo Kunstförderung praktisch nicht mehr existiert. Seine Arbeit ist aber auch formal ein gutes Beispiel dafür, dass man eine Tanzperformance auch dann von einer Theateraufführung unterscheiden kann, wenn darin nicht getanzt wird. „Machado hat

Kuratorin Chris Standfest: „Wir kamen begeistert von unseren Reisen zurück“

Theaterwissenschaft studiert, seine inhaltlichen Referenzen sind Brecht und Artaud, auch Heiner Müller“, weiß Chris Standfest. „Aber er ist eben auch ausgebildeter Tänzer und entwickelt dadurch eine bestimmte Form des Komponierens, die einer anderen Dramaturgie folgt als Theater.“ Die Grenzen zwischen den Genres sind längst

fließend. Trotzdem stellt sich für die Kuratoren von [8:tension] natürlich immer wieder die Frage, was für ein Festival wie ImPulsTanz infrage kommt und was nicht mehr. „Für mich haben Tanz und Performance dann doch Alleinstellungsmerkmale“, meint Standfest. Es komme dabei nicht unbedingt darauf an, wie viel Tanz in einer Aufführung ist. „Es geht um den Zugang

zur Bühne, um die Präsenz des Auftretens, den Umgang mit Verweisen.“ Eindeutig Performance ist etwa das Solo „Yellow Towel“ der Kanadierin mit karibischen Wurzeln Dana Michel, das ­übrigens auf einen Workshop mit Ivo Dimchev bei ImPulsTanz 2011 zurückgeht. Es ist ein recht sperriges Stück, Michel verweigert sich den üblichen Regeln so konsequent, dass es schon was Widerständiges hat. „Das Timing ist quälend“, bestätigt ­Standfest. „Aber irgendwann merkt man, da geht es noch um was anderes. Ich hab mir immer gedacht: Was spielt sie da gerade? Ist das jetzt ein Junkie oder was? Und irgendwann habe ich gemerkt, dass das nur meine Projektionen von Blackness sind, die ich da sehe.“ Auch „Meanwhile,“ von dem in Brüssel lebenden Franzosen Gaëtan Rusquet ist ein Geduldspiel. Zusammen mit zwei Kolleginnen baut er eine Stunde lang aus hunderten Ziegeln eine Mauer auf, die durch Vibrationen aus dem Lot gebracht wird. Heroisch stemmen sich die Performer gegen den Einsturz, der letztlich nicht zu verhindern ist. Ein meditatives Katastrophenstück. Teresa Silva und Filipe Pereira aus Portugal werfen in „What Remains Of What Has Passed“ die philosophische Frage auf, was von der Vergangenheit bleibt. Sie beantworten sie mit einer 35-minütigen melancholisch-mysteriösen Bühnenelegie voller Irrlichter und stummer Schreie. Fortsetzung nächste Seite


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Erstaunlich komische Aufarbeitung eines Traumas: „ineter(a)nal f/ear“ von Rebecca Patek

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Es gibt aber auch Stücke, die eindeutig Tanz sind. Etwa das Trio „Tertiary“, den einzigen heimischen Beitrag. Der in Wien lebende US-Amerikaner Michael O’Connor untersucht darin mit Raul Maia und Karin Pauer die neurowissenschaftliche These, wonach Beobachten schon Mitfühlen ist. Oder das rein weiblich besetzte Trio „Phenomena“ von Georgia Vardarou, das auf ihr 2012 bei [8:tension] gezeigtes Solo „Hardcore Research on Dance“ zurückgeht. „Das Stück hat kein Thema“, sagt die griechische Choreografin. „Es geht um unsere drei Körper auf der Bühne. Die Ideen kommen ausschließlich aus den Bewegungen.“ Es geht also „nur“ um Tanz, wie in vielen Tanzperformances. Aber so deutlich wie Georgia Vardarou sagt das selten wer.

Meanwhile,: 29.7. und 1.8., 23.00, Mumok Hofstallungen Polly Pocket: 31.7. und 2.8., 21.00, Odeon Wagner & Ligeti: 31.7. und 2.8., 22.30, Odeon Black Cats Can See In The Dark But Are Not Seen: 3. und 5.8., 20.00, Schauspielhaus Yellow Towel: 3. und 5.8., 21.30, Schauspielhaus Self Portrait and Sex Education for Myself: 7.8., 23.00, und 9.8., 19.30, Garage X Phenomena: 15.8., 22.30, und 16.8., 21.00, Schauspielhaus Prix Jardin d’Europe Award Ceremony: 17.8., 19.00, Kasino (Eintritt frei) [8:tension]-Abo: 15 % Ermäßigung bei Buchung von zwei Produktionen, 25 % bei sechs, 50 % bei allen 14 Produktionen

In einer Puppenstube von einer Bühne inszeniert die New Yorkerin Jillian Peña mit „Polly Pocket“ ein wunderschön anzuschauendes Balletttrio, das auf eine sehr amerikanische Weise glatt und zugleich auf etwas mysteriöse Weise beunruhigend ist. Chris Standfest erkannte darin Verweise auf Freud und Lacan, sie fühlte sich aber auch wie in einem Disney-Comic. Das Verhältnis von Tanz und Musik untersucht der Spanier Albert Quesada in „Wagner & Ligeti“ – am Beispiel von so unterschiedlichen Klangwelten wie Wagners „Tannhäuser“ und Ligetis „Lontano“. Und das vielleicht radikalste Tanzstück der Reihe ist das Solo „Mit“, das die norwegisch-deutsche Choreografin Rosalind Goldberg mit der Tänzerin Anne-Mareike Hess und der Komponistin Camilla V. Barratt-Due entwickelt hat. Hess bewegt sich als Kunstwesen namens Mit durch den leeren Raum. „Fasziniert hat mich daran, dass da durch minimalste Mimik tatsächlich eine Figur entsteht“, berichtet Standfest. „Es bleibt nicht eine Tänzerin, die etwas performt.“ Am Ende von [8:tension] entscheidet eine Jury, wer den mit 10.000 Euro und einer Residency verbundenen Prix Jardin d’Europe zugesprochen bekommt. Der Jury gehören heuer die französische Choreografin Anne Juren, die belgische Produzentin Charlotte Vandeveyver und der spanische Kurator Quim Pujol an, die Trophäe wird von Deborah Sengl gestaltet. Parallel zum Jurypreis wird heuer erstmals ein „Fan Award“ vergeben, für den die beteiligten Künstlerinnen und Künstler kurze Videoclips produziert und ins Netz (www.lifelongburning.eu) gestellt haben; bis zum Ende des Festivals kann gevotet werden. Verliehen werden die Preise am 17. August im Kasino. Die „Award Ceremony“ wird heuer von der Choreografin Doris Uhlich – die 2008 mit „Spitze“ bei [8:tension] war – und dem langjährigen ImPuls­ Tanz-Fan Dirk Stermann moderiert. F

Foto: maria bar anova, christian gl aus

ineter(a)nal f/ear: 28.7., 22.30, und 30.7., 21.00, Schauspielhaus


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No Risk, No Fun Was ist Improvisation? David Zambrano & Iva Bittová, Meg Stuart und Michael O’Connor machen’s vor A na l y se : U l l i M osc h en

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er legt die Regeln fest? Sollte es überhaupt welche geben? Und was passiert, wenn du sie brichst?“ Diese Fragen stammen nicht aus dem Munde eines Politikwissenschaftsstudenten, sondern aus dem von Fred Frith, dem virtuosen Komponisten, Multi-Instrumentalisten und Leiter des Lehrgangs für (musikalische) Improvisation am Mills College in Kalifornien. Fürs Protokoll: Mit den spärlichen Zutaten aus einem beinahe leeren Kühlschrank Delikates zu zaubern, nennt man Improvisieren. Improvisation hingegen ist ein Spiel, dessen Regeln aus dem Augenblick heraus geschaffen werden. Und: Improvisation bedeutet, aus dem Moment heraus zu komponieren. Als eigenständige Kunstform heißt improvisieren, sich ohne das Auffangnetz einer festgelegten Choreografie auf die Bühne zu wagen. Improvisation bedeutet die Freiheit und gleichzeitig die Kunst, aus dem Meer an Möglichkeiten Entscheidungen zu treffen. Und Improvisation bedeutet Risiko: das Risiko, in gewohnte Muster zu verfallen, und das Risiko, dass die Inspiration ausbleibt.

Mit der assoziativen Szenenfolge „Sketches/ Notebook“ kehrt Meg Stuart zurück zur Improvisation

Michael O’Connor hat ebenfalls schon mit Da-

Foto: Tadao K a z ama

Erfahrene Improvisationskünstler wie David

Zambrano gehen allerdings nicht ohne Material auf die Bühne. „Ich entwickle choreografische Elemente, auf die ich bei Bedarf zurückgreifen kann“, erklärt der gebürtige Venezolaner, ein leidenschaftlicher Botschafter für kulturellen Austausch, großartiger Performer und Dozent. Der Lohn für das Risiko, das die Freiheit in der Improvisation birgt, ist für ihn unvergleichlich hoch. „Meistens braucht es ein bisschen, um die Beziehung zum Publikum aufzuwärmen, aber wenn der Funke überspringt, gibt es diese magischen Momente. Ganz im Moment zu sein ist ein fantastisches Aufeinander-Abstimmen all der Elemente, die Teil des Raums sind, mein Körper eingeschlossen. Wenn ich in diesen Zustand von gegenseitiger Vernetzung und Durchdringung eintrete, wird mein Geist zu diesem Raum, und mein Körper zu einem weiteren Element in diesem Raum. Mein Körper ist es, der meine Gedanken sichtbar macht.“ Als Bühnenformat lassen sich zwei Improvisationsformen unterscheiden: die offene Improvisation und die strukturierte. Letztere gibt eine Struktur vor, an der sich der oder die Künstler orientieren können.

„Ich schätze beide Varianten sehr“, sagt der selbsterklärte „full-time movement researcher“. „Manchmal arbeite ich mit einem spezifischen Raum, einer Bewegungsqualität, einem Bild oder auch Musik.“ Letzteres ist auch der Zugang zu „Why Not!“, für das Zambrano Iva Bittová mit auf die Bühne holt. Die Violine der tschechischen Vollblutmusikerin ist fast wie ein zusätzliches Körperteil, „ein Spiegel, der meine Träume und Vorstellungen reflektiert“, nicht selten im Dialog mit ihrer Stimme. Was Bittová und Zambrano verbindet, ist ihre Leidenschaft für die Improvisation.

Why Not! (David Zambrano & Iva Bittová): 2.8., 21.00, Volkstheater Tertiary (Michael O’Connor): 28.7., 21.00, und 30.7., 22.30, Schauspielhaus Sketches/Notebook (Meg Stuart/Damaged Goods): 24. bis 27.7., 21.00, Museums­ quartier, Halle G (am 26.7. „extended version“)

vid Zambrano gearbeitet. Er nähert sich in „Tertiary“ – aus dem[8:tension]-Programm – dem Phänomen der magischen Momente über die Neurowissenschaften. „Sehen ist wie Fühlen“, lautet O’Connors abgewandelte These der Neurowissenschaftler Thomas Fuchs und Hanne de Jaegher: Wir fühlen mit unseren Augen. „Die Wahrnehmungsmechanismen, über welche die Tänzer einander spüren, sind dieselben, die beim Publikum beim Zusehen aktiv sind“, erklärt der in Wien lebende US-Amerikaner. O’Connor arbeitet in „Tertiary“ mit einer strukturierten Improvisation, um die Momente sichtbar zu machen, in denen der menschliche Körper reflexartig reagiert, zum Beispiel auf menschlichen Kontakt. „Der Score hilft den Performern, ihre Sinneswahrnehmung anzuzapfen. Ich mag an der Improvisation, dass sich der Körper nicht hinter dem Material verstecken kann. Er ist das Material.“ Die Struktur, die „Tertiary“ zugrunde liegt, ergibt sich aus dem vorgegebenen Raum – dem Raum zwischen den Tänzern, ihrem Kontakt untereinander, einer Wassermelone und einem musikalischen Score. Den akustischen Stimmungsteppich knüpft Michael O’Connor aus Klassik, Hollywood-Filmmusik und Motown-Soul aus den 50ern und 60ern.

Eine Lichtgestalt am Improvisationshimmel ist Meg Stuart. Die in Berlin lebende US-Amerikanerin fühlt sich allerdings, passend zum Thema, keinem bestimmten Format verpflichtet. In Improvisation, Thesenballett, Konzert, Installation oder Lesung fusioniert sie Tanz, Theater, Architektur, bildende Kunst und Musik. Die eigentliche Konstante ihrer Arbeiten sind ihr Aufgehen im Prozess und ihr Grundanliegen, „innere Fragen und Konflikte nach außen zu kehren“. „Sketches/Notebook“ entstand vergangenes Jahr im Rahmen von Meg Stuarts Residency im Berliner Hebbel am Ufer. Das in zahlreichen Improvisationssettings entwickelte Stück mit seiner assoziativen Szenenfolge ist ein nervöser und gleichzeitig wie in Trance versunkener Transformationsprozess, in dem die Körper der Performer als „Container“ fungieren, als Gefäße für mögliche, flüchtige Spielformen menschlicher Emanationen. Textfragmente entwerfen eine eigene poetische Parallelwelt mit losen Bezugspunkten. Eine schwarze Plastikplane mit menschlichen

Umrissen wird über den Boden geschleift. Unter Anleihe diverser Kostüme verwandeln sich die elf Akteure in unterschiedliche, archetypisch gebrochene Figuren, und spiegeln die Vorläufig- und Vieldeutigkeit des menschlichen Individuums. Tierfelle, Steppdecken und Endzeitdramen-Lederlook suggerieren dürftige Schutzzonen. „Wir haben unsere Sicherheiten verloren“, sagt Meg Stuart über ihren Versuch, sichtbar zu machen, was unsere Gegenwart prägt, „aber nicht die Courage gefunden, andere Gesellschaftsformen zu erproben.“ Bei Meg Stuart ist die Improvisation nicht nur ein naheliegendes Format, sondern daseinsimmanent. Letzten Endes ist Improvisieren etwas, das wir alle tun“, mein Fred Frith. „Mit Improvisieren schlagen wir uns durchs Leben, selbst innerhalb rigider Strukturen.“ F


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Das Atemwunder David Wampach treibt seine Bauchund Kopfstimmen in den Lustrausch

Ein Reigen intimer, verstörender Szenen: „The Lee Ellroy Show“

Text: El f i O b e r h u b e r

as aus dem zum O geöffneten Mund im regungslosen Kopf D strömende Röcheln beginnt lang-

His Dark Places Hans Van den Broeck lässt den Krimi-Autor James Ellroy mit seiner toten Mutter tanzen Text: S e b a st i a n f a st h u b e r

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nspiration zu Kunstwerken kann von überall kommen. Neben dem schieren Drang, etwas produzieren zu müssen, sind Isolation und Leid besonders mächtige Impulse. Selten ist der Fall, warum einer zu schreiben begonnen hat, so klar wie bei James Ellroy: Der US-Bestsellerautor von düsteren Werken wie „The Black Dahlia“ hätte wahrscheinlich nie ein Buch verfasst und ganz sicher keine derart große Obsession mit dem Tod entwickelt, wäre seine Mutter nicht grausam ermordet worden, als er noch ein Kind war.

F o toS: C h r i s Va n D e r Bu rg h t, Va lé r i e A rc h e n o

Der spätere Literaturweltstar wurde

1948 als Lee Earle Ellroy in Los Angeles geboren. Seine Mutter Geneva war Krankenschwester in Wisconsin, ehe es sie nach L.A. zog, sein Vater Armand arbeitete in den späten 40ern kurz für Rita Hayworth und schlug sich danach mit Buchmacherjobs durch. Als der Bub sechs war, ließen sich die Eltern scheiden, die Mutter bekam das Sorgerecht zugesprochen. Im Juni 1958 fiel sie eines Nachts einem Sexualverbrechen zum Opfer – ihre Leiche wurde in einer Straße in Hollywood abgelegt, der Fall mangels einer heißen Spur bald zu den Akten gelegt und nie aufgeklärt. Der junge Lee Ellroy geriet in eine Abwärtsspirale: Er kam zu seinem Vater, erlebte mit, wie der sich langsam der Gosse näherte, und hatte von Jugend an selbst mit Alkoholund Drogenproblemen zu kämpfen.

Dazu gesellten sich kleinkriminelle Aktivitäten, eine unehrenhafte Entlassung aus der Navy sowie eine interessante Ausprägung von Voyeurismus: ­Ellroy brach mit Vorliebe in Wohnungen von Frauen ein – nicht nur um zu stehlen, sondern auch, um diese in ­ihrer ­Privatsphäre zu beobachten. ­Später sollte er über seine frühen Jahre sagen: „I was fucked up in those days.“ Während er den Tod der Mutter betrauer-

te, entwickelte er auch eine lang anhaltende Faszination mit einem ähnlich gelagerten, allerdings besser dokumentierten Fall. 1948, also in seinem Geburtsjahr, fiel die junge Schauspielerin Elizabeth Short einem Sexualverbrechen zum Opfer, ihre Leiche wurde ebenfalls in den Straßen von Hollywood gefunden. Über die Beschäftigung mit dieser und anderer True-Crime-Geschichten und der Lektüre von Krimis wurde Ellroy langsam zum Autor. Er verpasste sich den Vornamen James, schrieb eine Reihe unglaublich blutiger, düsterer, auf eine abgründige Art aber auch schöner Bücher, die sich millionenfach verkauften. Und er machte aus dem Fall Short „The Black Dahlia“, einen seiner populärsten Romane. 1996, mit Ende 40, legte er das autobiografische Werk „My Dark Places“ (auf Deutsch: „Die Rothaarige“) vor. Er stellte sich darin seinen Dämonen und legte seine Ängste und Obsessionen offen. Das macht Ellroy zwar in praktisch all seinen Romanen. Aber nur in „My Dark Places“ schrieb er auch ausführlich über den Tod seiner

Mutter, und wie dieser von da an sein Leben prägte. Dem belgischen Choreografen Hans Van den Broeck diente das Buch als Vorlage zu der Performance „The Lee Ellroy Show“, in der Mutter und Sohn Ellroy auf der Bühne noch einmal aufeinandertreffen. Der Betrachter wird zurück in die 50er-Jahre geführt, eingangs erklingt Rock-’n’-Roll- und Doo-Wop-Musik aus der Ära. Die unbeschwerte Atmosphäre hält nicht lange an: „I was a miserable, lonely boy“, sagt der erwachsene Ellroy über den zehnjährigen Buben, ehe er sich prompt wieder in diesen verwandelt. Die Stimmung wird langsam düster und mysteriös sowie auch zunehmend sexuell, ein bisschen wie in David Lynchs „Mulholland Drive“. Der junge James Ellroy trifft in unter-

schiedlichen Phasen seiner Adoleszenz auf verschiedene Frauen, darunter auch Elizabeth Short, die aber im Grunde alle seine Mutter darstellen. Wenn der junge Mann keuchend versucht, seine Lust beim Betrachten der Mutter-Variationen zu unterdrücken, wird schnell klar, worum sich diese Show dreht: um Sex und Schuldgefühle, Begehren und Trauer. Hans Van den Broeck hat aus Ellroys Kindheitstrauma einen Reigen intimer, mitunter verstörender Szenen gemacht, in denen Worte nur eine ganz kleine Rolle spielen, während die Körper der beiden Darsteller die Geschichte erzählen. F The Lee Ellroy Show: 14.8., 21.00, Kasino am Schwarzenbergplatz

sam und unheimlich. Als schnarche ein kleinlauter Geist in David Wampachs Rumpf, der vom Unterleib getrennt inmitten der schwarzen Bühne „schwebt“. Menschlich ist an diesem Wesen mit den kraftlos herabhängenden Armen nichts. Das Leben spielt sich allein in den ruckenden Tanzmuskeln und Rippen von Bauch und Brustkorb ab, wo diese luftstarke, immer lauter werdende Urgewalt ihren einsamen Stützpunkt hält. Ihre Sehnsucht ist so klagend, dass sie zu ersticken droht. Bis sie auf die krächzend johlende Kopfstimme trifft, die sie zum lustvollen Grunzen und sich selbst zum Stöhnen bringt. Zwei kurzatmige Gegenstimmen treiben einander im blitzschnellen Wechsel zur gleichzeitigen Ekstase – anatomisch erscheint das unmöglich. Der Franzose Wampach setzte sich in „Batterie“ eingehend mit Schlagwerk, in „Battement“ mit grotesker Bewegungs- und Stimmkombination auseinander. In „Sacre“ konzentrierte er sich dann ganz auf die Atemtechnik. Wobei jenes Duett aber auch sonst – wegen der originellen, abendfüllenden Handlung voller überraschender Körperbilder und Präzision – sicher Tanzgeschichte schreiben wird. Die nur 24 Minuten kurze „Tour“ ist klein, aber fein. Der Individualist Wampach spielt auch hier mit einem Stilmittel, das ihn von den meisten unterscheidet: Sein Umgang mit Erotik ist raffiniert, anziehend und positiv. In „Bascule“ und „Quatorze“ zierte transparente Farbe die Körper; in „Cassette“ trugen die Tänzerinnen und Tänzer geschlitzte Kleider, die sich in der Bewegung öffnen. Als Co-Mentor des danceWeb-Programms sollte Wampach den Stipendiaten diesbezüglich Anstöße geben. F TOUR: 8.8., 21.00, Odeon

Every Breath You Take: David Wampach und seine atemberaubende „Tour“


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Protokoll: Sara Schausberger

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ährend auf den Wiener Bühnen beim ImPulsTanz-Festival Tanz gezeigt wird, kann man in den großen, hellen Räumen des Arsenals selber das Tanzen lernen – oft von denen, die man am Vorabend noch auf der Bühne gesehen hat. Über 240 Workshops, davon 90 für Anfänger, bietet ImPulsTanz, das vor 31 Jahren als reines Workshop-Festival angefangen hat, heuer an. Workshops gibt es für Kinder und Jugendliche, Alte („Golden Age“) und alle dazwischen. Das Angebot reicht von zeitgenössischem Tanz über Ballett, Yoga, afrikanischen Rhythmustanz bis hin zu Bollywood, Jazz oder Pilates. Aber auch die

japanische Bondagetechnik Shibari oder Parkours werden unterrichtet. Die Quantität des Festivals sei auch seine Qualität, meint Rio Rutzinger, der künstlerische Leiter des Workshop-Programms. Der Falter hat einige der Workshop-Leiter zu ihren Tanzklassen befragt.

Terence Lewis „Indo-Contemporary Dance“, „Bollywood Dance“

Bei mir zu Hause bin ich berühmt als die Person, die den zeitgenössischen Tanz nach Indien gebracht hat. Ich bin Juror und Choreograf für die größte Castingshow Indiens. Ursprünglich komme ich vom Bollywood-Tanz, aber dann habe ich bei ImPuls-

Mehr als 240 Workshops können bei ImPulsTanz gebucht werden. Acht Dozentinnen und Dozenten erklären, was man bei ihnen lernen kann

Tanz zeitgenössischen Tanz entdeckt, und der war komplett anders als alles, was ich aus Indien kannte. Diese Begegnung hat mich von Grund auf verändert. In meinen Workshops werde ich aber indische Disziplinen unterrichten. Die „Indo-Contemporary Dance“-Klasse ist eine Kombination aus klassischen indischen Stilen, Yoga und zeitgenössischem Tanz. Die westliche Philosophie von zeitgenössischem Tanz wird hier auf den indischen Tanz übertragen. Du wirst in diesem Workshop Energien tanken – quasi eine Detox-Klasse für deine Energie. Danach wirst du dich gleichzeitig relaxt und aufgeladen fühlen. Der „Bollywood Dance“-Workshop soll hauptsächlich Spaß machen. Da stecken keine Philosophien dahinter, wir werden zwei Stunden lang einfach wild tanzen.

F o to s: k a ro lina m i e r n i k , ju di t h lu t z , si lv i a w i m m e r

„Es ist nie zu spät! Jeder kann


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In Indien arbeitet Terence Lewis (rechts) für die größte Castingshow des Landes. Bei ImPulsTanz unterrichtet er Bollywood-Dance

Doris Uhlich unterrichtet „Ruhestandstanz“ (links) für Menschen ab 55, der ParkourKurs von Sascha Hauser (unten) dürfte eher ein etwas jüngeres Publikum ansprechen

Fotos: domenico giustino, stefan sietzen

tanzen!“ Wir machen Old-School-Bollywood-Tanz aus den 70er- und 80er-Jahren, in dem es allein um den Körper geht. Bollywood-Tanz ist ein Karneval. Er ist laut, romantisch, erotisch und sinnlich. Er macht dich wach und lebendig, wie ein Adrenalinrausch!

Doris Uhlich „Ruhestandstanz“ (55+), „more than naked“ (nur für Profis)

Mein Ansatz ist: Jeder kann tanzen, und es ist nie zu spät, damit anzufangen. Mich hat immer schon der Körper interessiert, der nicht durch Tanztechniken geformt ist und nicht versucht, mir einen perfekten Tanz vorzuführen. Es ist spannend, welche Biografie in einem Körper steckt, und in einem

Präsentationen: impressions ’14: 20.7., 16.00, Arsenal (Eintritt frei) expressions ’14: 16.8., 16.00, Arsenal (Eintritt frei) Workshopphasen: Week 1: 21. bis 25.7. Intensive 1: 26. & 27.7. Week 2: 28.7. bis 1.8. Intensive 2: 2. & 3.8. Week 3: 4. bis 8.8. Intensive 3: 9. & 10.8. Week 4: 11. bis 15.8.

älteren Menschen steckt eben eine längere Biografie. Mir gefällt es, Facetten aus einem Körper herauszuholen, die er noch nicht erlebt hat, Tanzerlebnisse hervorzukehren, die am Anfang vielleicht befremdlich wirken, die man aber immer mehr zu lieben beginnt. Der ältere Körper wird dazu gezwungen, sich immer reduzierter zu bewegen. Ich hole den Menschen dort ab, wo er körperlich steht. Ich ermutige ihn, an körperliche Grenzen zu gehen, diese sanft zu berühren, zu erweitern und weich zu machen. Es steht nicht im Vordergrund, wie es ausschaut, sondern wie es sich anfühlt. Es gibt keine Bewertung wie „Das ist gut, das ist schlecht“, „Das ist schön, das nicht“, vielmehr sollen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Vielfalt der Möglichkeiten und Auswirkungen erfreuen. In „Ru-

hestandstanz“ wird der Ruhestand in Bewegung versetzt, Fragilität bekommt eine Stärke, wobei der Spaß nie zu kurz kommt. Denn ohne Vergnügen keine Bereitschaft Neues zuzulassen und zu entdecken. Es kann losgehen, mit 55 oder auch mit 85.

Sascha Hauser aka Cionn „Parkour & Freerunning“

Mit sechs Jahren schon bin ich am Spielplatz herumgehüpft, ohne dass ich gewusst habe, was ich tue, ganz ohne Definition. Ich wollte mich als Kind immer wie ein Ninja bewegen, 2002 habe ich dann angefangen, aktiv Parkour und Freerunning zu machen Fortsetzung nächste Seite


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Fortsetzung von Seite 21

– Freerunning lässt einen die absolute Freiheit spüren. Ich versuche den Leuten beizubringen, zuerst den Kopf und dann den Körper zu benutzen. Ich will jungen Menschen vermitteln, was für einen Spaß es macht, überschüssige Energie mit kreativer Bewegung umzusetzen.

mehr fruchtbar ist, weil wir ihre Ressourcen mit Düngern und Chemikalien ausgeschöpft haben. Und wir wollen ein solches Ritual aus heutiger Sicht betrachten und anhand von Reenactments wiederverwerten. Wir werden also alte Tänze und Rituale recyceln, sie wiederholen, bewahren und analysieren, um sie als politisches Instrument zu nutzen. Wir werden uns als Laien einer Kultur, die wir nicht kennen, über den Tanz annähern. Wir werden uns ihre Bewegungen einverleiben und über die Bewegung etwas herausfinden.

Dasniya Sommer „Shibari Yoga“ (mit Frances D’Ath), „Make your own tutu“ (ab 6, mit Florian Loycke)

Chris Haring „Clips and Loops“ (mit Andreas Berger) Dasniya Sommer (oben) kombiniert Yoga mit der japanischen Seiltechnik Shibari, Rakesh Sukesh (rechts) hat eine Bewegungstechnik entwickelt, die von einer südindischen Kampfkunst inspiriert ist

war schon während meiner Zeit als Balletttänzerin an der Volksoper viel in der Streetdance-Szene in Paris und New York unterwegs. Mittlerweile lebe ich seit acht Jahren in L.A., war mit den Black Eyed Peas auf Tournee und habe bei der Oscar-Verleihung getanzt. Meinen Unterricht starte ich immer mit einem klassischen Warm-up. Das geht dann über in die Grundbewegungen des Hip-Hops: Old School, Hip-Hop-Trills, B-Boying, Popping und Locking. Wir werden Choreografien lernen und Freestyles am Platz machen. Da richte ich mich auch sehr danach, was die Leute lernen wollen und wie die Stimmung so ist.

Amanda Piña „Endangered Human Movements“ (mit Alexandra Mabes)

Nina Kripas „Hip-Hop“ für Anfänger und Fortgeschrittene, „Urban Culture Souls Signature“ (zusammen mit Marjory Smarth)

Hip-Hop ist mehr als dieses kommerzielle „YoYoYo“ und alle tragen Goldketten und singen von Titten und Ärschen. Hip-Hop vermittelt Realtalk, er setzt sich mit politischen und sozialen Themen auseinander. Ich habe im Hip-Hop einen Release für mein Befinden gefunden. Wenn ich einen guten Beat höre, kann ich dazu im Freestyle genauso gut abgehen, wie wenn ich mit zeitgenössischem Tanz improvisiere. Ich

Nina Kripas war Balletttänzerin an der Volksoper. Jetzt lebt sie in L.A. und tanzt Hip-Hop

Ich bin in Chile aufgewachsen, habe als Halbmexikanerin aber auch sehr prägende Erinnerungen an Mexiko. Als Kind bin ich immer ins Anthropologische Museum gegangen und war fasziniert von den Steinen. Damals durfte man sie noch anfassen, und ich war berührt von der Geschichte dieser verlorenen Kultur, die wir nicht mehr verstehen, sondern uns nur noch vorstellen können. In unserem Workshop werden die Tänzerin Alexandra Mabes und ich Tänze und Rituale, die am Verschwinden oder schon ausgestorben sind, untersuchen. Ich glaube, all diese Themen aus der Vergangenheit sind immer noch sehr relevant. Nehmen wir zum Beispiel das Ritual der Massai zur Befruchtung der Erde: Was haben wir heute? Wir haben Erde, die nicht

Wenn man an ein Videoprogramm denkt, dann sieht man in der Betrachtung einer Schleife, eines Loops, mit der Zeit immer mehr Details – das heißt, der Ausschnitt wird intensiver. Dasselbe passiert, wenn man die eigene Bewegung loopt, anhand der Wiederholung kann man feine Unterschiede erkennen – und daraus entwickelt sich, womit wir arbeiten und was wir verstärken wollen. Wir versuchen, eine Computertechnik direkt auf den Körper und in eine Tanz- und Bewegungssprache zu übertragen. Vergleichbar ist das auch mit Minimal Music, wo sich in der Wiederholung ebenfalls immer leicht etwas verändert und sich dadurch ein anderes Zeitempfinden ergibt. In unserer westlichen Welt ist Wiederholung eigentlich negativ konnotiert, in der östlichen Philosophie aber heißt Wiederholung Intensivierung. Ziel dieses Research-Projekts ist es, dass die Leute am Ende ihre eigenen Clips und Loops haben, die sie weiterentwickeln und verwenden können.

Rakesh Sukesh „Payat INtransit“, „Kalaripayattu“

Ich habe eine eigene Bewegungstechnik für zeitgenössische Tänzer entwickelt, die von der südindischen Kampfkunst Kalaripayattu inspiriert ist. Ich nenne sie „Payat INtransit“, weil sie sich immer wieder verändert und weiterentwickelt. Im Workshop „Payat INtransit“ werden wir mit Bewegungen arbeiten, die von Kalaripayattu inspiriert sind, und deren Physikalität nutzen. Es fließen auch noch viele andere Techniken mit hinein, wie Yoga oder verschiedene zeitgenössische Stile. Wir versuchen immer, Dinge voneinander abzugrenzen, wenn doch eigentlich alles zu einem werden könnte. Immerhin ist es ein Körper, der das alles tut und in sich vereint. Bei „Kalaripayattu“, einer Tradition, die seit Tausenden von Jahren existiert, startet man jeden Tag bei null. Deshalb kann diesen Workshop auch wirklich jeder machen und für sich selbst entscheiden, wie weit er gehen mag. In „Kalaripayattu“ geht es vor allem ums Springen und Wiederholen, die Bewegungstechniken sind Tieren nachempfunden, es ist alles sehr dynamisch und flüssig. Wichtig sind nicht die kämpferischen, sondern die physischen Aspekte dieser Kampfkunsttechnik, die Körper und Geist gleichermaßen trainiert. F

F o to s: f r a n c e s d ’at h , S o u m i ta & S o u m i t/G at i Da n c e , c h r i s s i n g e r

Was macht das mit mir, wenn ich gefesselt werde? Was gehen da für Fantasien los? Ist das überhaupt real? Wie wichtig ist es, dabei die Kontrolle zu behalten? Beim Bondage geht es darum, einen Umgang mit dem Schmerz zu finden, auch auf einer emotionalen Ebene. Und als Vorbereitung dafür eignet sich Yoga sehr. Der Konflikt zwischen Yoga als einer Reinigungstechnik und Bondage als etwas eher Abgründigem löst sich in der Praxis auf. Da steckt auch was Revolutionäres drinnen und man merkt: Eigentlich ist Yoga auch eine Art von Bondage, wenn man von Aushalten redet. Ich bin eine große Verfechterin und Promoterin des Körpers und seiner Intelligenz, und dieses Zusammenspiel von Denken und Körperimpulsen kann man in der Kombination von Yoga und der japanischen Seiltechnik Shibari, in der viel Physik und Körperverständnis steckt, schulen. Im Shibari-Teil sind Feedback-Runden besonders wichtig: dass man sagt, wie sich etwas angefühlt hat, was man gemocht hat und was nicht, weil es viel um Sexualität und Sinnlichkeit geht. Man hat Trainingspartner, die man zwischendurch wechselt, um auch die Unterschiede zu spüren, je nachdem, von wem man gefesselt wird. Auf einer spielerischen Ebene werden Grenzen ausgelotet, auch wenn wir am Anfang sehr sachlich trainieren werden. „Make your own tutu“ ist eine Mischung aus Tanzenergie, Bastellust und Straßenenergie für alle ab sechs. Jeder baut sich aus Schaumstoff ein Tutu oder ein Pferd, in das man reinsteigen kann. Es ist ein tolles Gefühl, ein Tutu zu tragen. Zum Schluss werden wir zusammen unsere eigene Version von „Schwanensee“ in einer kleinen Performance auf der Straße aufführen. Es wäre schön, wenn nicht nur Kinder, sondern auch ältere Menschen an diesem Workshop teilnehmen, der für alle ein ziemlich großer Spaß werden kann.


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Wie der Kunst­ betrieb wirklich funktioniert: Ivo Dimchev (kniend) in „Fest“

Entsetzen tut gut Ivo Dimchev, Florentina Holzinger und Rebecca Patek versprechen Heilung durch Kunst

Fest (Ivo Dimchev): 1.8., 21.00, Akademietheater ICURE (Ivo Dimchev): 4. und 6.8., 23.00, Kasino am Schwarzenbergplatz Agon (Florentina Holzinger): 9.8., 23.00, und 11.8., 21.00, Kasino am Schwarzenbergplatz ineter(a)nal f/ear (Rebecca Patek): 28.7., 22.30, und 30.7., 21.00, Schauspielhaus A na l y s e : E l fi O b erhu b er

Foto: Ma ximilian Pr amatarov

E

s ist kein Zufall, dass sich die drei radikalen Performancekünstler Ivo Dimchev, Rebecca Patek und Florentina Holzinger in ihren neuen Produktionen der „Heilung durch Kunst“ verschreiben. Das Thema war schon in der exzessiven Ausdrucksweise ihrer vorausgegangenen Arbeiten angelegt. Sie greifen auf den im Theater fast schon vergessenen Begriff der „Katharsis“ zurück, den der Theoretiker Aristoteles hinsichtlich der griechischen Tragödie aufgestellt hat: der „Reinigung“ von bestimmten Affekten durch das Durchleben von Jammer (Rührung) und Schrecken (Schauder). Im Gegensatz zu den gemäßigten Formen des bürgerlichen Theaters, wo der Zuschauer bei der Rezeption in einer distanziert-moralisierenden Haltung verbleibt, wird über tabulose Grenzgänge in Grauzonen der Abbau psychischer Spannungen bei Zuschauern und Protagonisten bewirkt – zugunsten einer Neuorientierung der Lebensgrundsätze. Insofern dürfte Ivo Dimchevs – 2013 bei ImPulsTanz uraufgeführtes und in diesem Jahr wiederaufgenommenes – Stück „Fest“ über die Erniedrigung im Kunstbetrieb für einen Theatergeher das „Entsetzlichste“ sein, das er jemals in seinem Leben gesehen hat. Der ungewollte „Blowjob“ des Bulgaren dauert so lange, dass einem der Mund beim bloßen Hinsehen salzig wird. Obwohl die Satire durch den Zusammenhang, in dem der Oralverkehr praktiziert wird, offensichtlich

ist, trifft das Vorgeführte – wobei sich primär Protagonist „Ivo Dimchev“ als Künstler von seinem Psychostress „heilt“ – den Zuschauer ganz unmittelbar. Möglicherweise wird jener dadurch aber ähnlich gelagerte Demütigungen künftig leichter nehmen. Handelt es sich bei „Fest“ um ein geschlossenes Stück, so wendet sich Dimchev in der neuen Arbeit „Icure“ dem Publikum zu, um Heilung „interaktiver denn je“ zu praktizieren. Für ihn selbst sei das „eine komplett neue Erfahrung“, meint der Künstler. Er ruft zur Bewusstseinsänderung auf: „Wenn Heilung zur Wahl steht, warum sollte man diese Wahl dann nicht im Theater treffen? Warum sollten wir eine Stunde mehr mit dem Versuch verschwenden, ,kultivierter‘ zu werden, wenn wir sie dazu nützen können, ,gesünder‘ zu werden?“ Die Performance ist keine Therapie, soll

aber bestimmte physische oder psychische Probleme des Publikums heilen – und zwar alle auf einmal. „Ihre Beteiligung wird eine signifikante Auswirkung auf den Heilungsprozess haben. Je mehr Sie ,Icure‘ als kulturelle Erfahrung betrachten, umso beliebiger und temporärer wird der therapeutische Effekt sein. Auf jeden Fall sollte nach der Show aber zumindest die Art, wie Sie auf Performances schauen, eine andere sein.“ Das Repertoire der Österreicherin Florentina Holzinger ist nicht minder bissig, zumindest in den Duos mit ihrem Lebenspartner Vincent Riebeek. Ihre gemeinsame Trilogie gilt als Grat-

wanderung zwischen Obszönität und Schönheit, Faszination und Ekel. In ihrer Abfolge ist der Katharsis-Gedanke als Suche enthalten: Im exzessiven „Kein Applaus für Scheiße“ trieben sie ihre (Künstler-)Beziehung auf die Spitze und beantworteten klischeebeladene schöne Tanzkunst mit erbrochener Farbe und Blasenentleerung. Im fernöstlich-spektakulären „Spirit“ ging es um den Glauben an das Theater und das Publikum. „Wellness“ bezweckte schließlich die heilende Wirkung von Kunst und Tanz: Fünf Wellness-Guerilleros lehrten in schamfreier Extremdehnung von Raum, Zeit und Körpern eso-schnulzige Missverständnisse im Hinblick auf den idealen Körper und das Wohlbefinden das Fürchten. „Wir führen uns gegenseitig zu solchen Extremen, dass wir nicht mehr miteinander arbeiten können“, ängstigte sich Riebeek. „Es ist wichtig zu entdecken, wer jeder von uns als Einzelkünstler ist.“ Just in dem Augenblick, als Holzinger dann an einem Solo arbeitete, verletzte sie sich vor zwei Jahren bei einem Bühnenunfall schwer. Die lange Zwangspause machte sie aber nur noch kämpferischer. In der bei ImPulsTanz uraufgeführten Performance „Agon“ steigt Holzingers außer Rand und Band geratenes Alter Ego in den Ring, fällt um, steht wieder auf – um schließlich, gestützt von

weiblichen Coaches, ihre körperliche Gesundheit und künstlerische „data recovery“ zu erlangen. Die Katharsis liegt hier in der Selbstheilung und eröffnet Holzinger neue, erstmals feministische Bilder jenseits knechtender Zuschreibungen. Die New Yorkerin Rebecca Patek „heilt“

doppelt: über die schockierende Darstellung von gewalttätigen Sexerlebnissen und durch schwarzen Humor. In ihrer bei [8:tension] gezeigten Performance „ineter(a)nal f/ear“ werden Vergewaltigungen verarbeitet, wobei Patek auch die Frage aufwirft, ob es dabei auch Momente echter Lust geben kann. Mit kühler Ironie spricht sie umgekehrt auch den Vergewaltigungscharakter an, den einvernehmlicher Sex haben kann. Das ist der Punkt, wo die kollektive Betroffenheit einsetzt, wo Machtverhältnisse und Beziehungsmuster hinterfragt werden. Sehr sachlich wird die „Schändung“ mehrfach durchgearbeitet: zuerst im Video mit Olen Holm, dann live mit Sam Roeck, der auch ein Opfer mimt. In einer Therapiesituation analysieren sie, in Einbeziehung des Publikums, traumatische Erlebnisse. Wie die US-Gesellschaft und ihre Medien mit Trauma, Gewalt und Scham umgehen, gleicht hier einer satirischen Parodie. „Es ist eine echte Erlösung, wenn man am Ende merkt, dass all die Unannehmlichkeiten, die schmerzhaften Geschichten und der wiederholte kalte Sex nur Kunst – oder eben ein Trauma sind“, resümierte eine beeindruckte Kritikerin. F


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INTERVIEW: CHRISTOPHER WURMDOBLER

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ännertheater. Mit diesem Label wurden Lloyd Newson und seine 1986 gegründete Company DV8 Physical Theatre lange in Verbindung gebracht. Der Australier hat das Tanztheater geprägt und mit seinen riskant-brutalen Körperperformances auch immer wieder zu gesellschaftlichen Themen Stellung bezogen; zuletzt, in „Can We Talk About This?“, ging es um Islamismus und politische Korrektheit. Bei ImPulsTanz wird jetzt die neue DV8-Produktion uraufgeführt: „John“. Doch Männertheater? Ursprünglich sollte es tatsächlich eine Studie darüber werden, wie Männer über Liebe und Sex denken. Doch dann entdeckte Newson John Usher – und so entstand das Porträt eines Mannes mit ungewöhnlicher Karriere. Dafür, dass Newson bei der ImPulsTanzPressekonferenz mit Sonnenbrille und ins Gesicht gezogener Kappe am Podium saß, ist er übrigens ein charmanter Gesprächspartner. Jetzt sitzt er ohne Verkleidung beim Tee in einem Nebenzimmer. Fotografiert werden mag der Choreograf, der laut UK Critics’ Circle zu den 100 einflussreichsten Künstlern der letzten 100 Jahre zählt, nicht. Er wolle Menschen beobachten, sagt er, aber nicht beobachtet werden.

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„Zu viel Tanz ist Lloyd Newson hat mit DV8 Physical Theatre das Tanztheater neu erfunden. Sein neues Stück „John“ hat bei ImPulsTanz Premiere

Falter: Keine Sorge, wir machen keine Fotos. Lloyd Newson: Sonst müsste ich Sie leider

auch umbringen.

„John“ handelt von John Usher, den Sie bei Recherchen getroffen haben. Ist es ein Männerstück? Newson: Ursprünglich sollte das neue Stück wieder eine Sozialstudie werden. Nachdem ich aber über 50 Männer zum Thema Sex und Liebe befragte habe, stellte sich Johns Geschichte als extrem interessant heraus. Ich konzentriere mich seit langem mal wieder auf eine einzige Figur. In den beiden letzten Produktionen ging es um soziologische und politische Themen. „John“ folgt einer narrativen Erzähllinie. „John“ ist nicht erfunden? Newson: Nein, es ist in erster Linie Johns Lebensgeschichte. Als er klein war, klaute seine Mutter Schuluniformen und verkaufte sie zum halben Preis in der Nachbarschaft, um zu überleben. Er spricht über das Stehlen, über seine kriminellen Aktivitäten. Er wurde 65 Mal verhaftet und 86 Mal verurteilt, wegen unerlaubten Waffenbesitzes, Einbruch, Diebstahl. Fünf Jahre seines Lebens war er obdachlos, schlief im Park, war ­heroinabhängig. Mitten in der Geschichte passiert etwas sehr Ungewöhnliches. Was?

Newson: Das werde ich hier natürlich nicht

sagen. Aber vielleicht haben Sie ja schon Gerüchte gehört ... Nein.

Newson: Das ist gut. Es passiert jedenfalls

etwas sehr Ungewöhnliches im Leben von

Der deutsche Performer Hannes Langolf spielt in „John“ die Titelrolle


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bedeutungslos“ John, und die meisten Zuschauer werden überrascht sein. Es wird sehr viel gesprochen, wie in Ihren letzten Stücken, oder? Newson: Es ist ein debating piece. Es wird immer viel gesprochen bei mir, sie sprechen immer! In „Can We Talk About This?“ gab es regelrechte Sprechteppiche, sodass man als Zuschauer zeitweise den Text gar nicht mehr verstand. Newson: Ja, wenn die Figuren sehr leidenschaftlich werden. Aber wenn Menschen einander anschreien, versteht man die Situation und die Themen auch, ohne den Text zu verstehen. Wie „Can We Talk About This?“ wirft auch „John“ Themen auf, mit denen die meisten Zuschauer vielleicht noch nie konfrontiert wurden. Mich hat vor allem fasziniert, wie John dieses komplizierte, schwierige Leben überlebt hat. Einerseits hatte er so viele negative Erfahrungen, aber auch positive. Letztlich kommt er in den Knast und versucht, sich zu bilden. Wie haben Sie den echten John gefunden? Newson: Das ist eine Überraschung. Das werden Sie erst erfahren, wenn Sie das Stück sehen. Wie alt ist John Usher jetzt? Newson: Heute ist er 52.

F o t o s : K r i s R o z e n t a l , s t e ff i d i t t r i c h

Gar nicht mehr so jung, wie wirkt sich das auf die Zusammenstellung des Ensembles aus? Newson: Oh, das ist ein weiteres Thema. Wir haben Anzeigen geschaltet, in denen wir nach Performern zwischen 40 und 80 gesucht haben. Sie sollten einen Tanzbackground haben, unterschiedliche Körperformen besitzen: dick, dünn, groß, klein. Viele haben sich zum Casting gemeldet, und wir hatten trotzdem Schwierigkeiten. Nachdem wir 600 Männer gesehen hatten, entschieden wir uns für einen 32-jährigen Deutschen, der nun einen britischen Mann in seinen 50ern spielt: Hannes Langolf. Er ist ein großartigen Schauspieler, ein brillanter Tänzer und wunderbar authentisch. Er war schon in den letzten zwei DV8-Produktionen dabei, und er ist bei „John“ auch mein künstlerischer Mitarbeiter. Es ist das erste Mal, dass ich einen künstlerischen Mitarbeiter habe. Hannes ist smart und klug. Es ist wunderbar, mit ihm zu arbeiten.

Bewegungskünstler, aber sie können nicht sprechen. Überhaupt nicht. Das trifft leider auf die meisten Tänzer zu. Ist das tatsächlich heute noch so? Newson: Bei Pina Bausch zum Beispiel haben die Tänzerinnen und Tänzer immer schon sprechen und sich bewegen können mussten auf der Bühne – die haben aber stets als sie selbst gesprochen. Sie hingegen wollen Figuren auf die Bühne bringen? Newson: Absolut. Darum müssen meine Performer auch sehr gute Schauspieler sein. Wer Text liefern muss, nimmt das Persönliche weg und gibt uns die Möglichkeit, das Leben der anderen zu zeigen. Die meisten Tänzer haben ihr Tänzerleben, sie leben in einer Blase. Ich weiß nicht, wie viele Tänzer obdachlos waren wie John. Ich bin sicher, dass die meisten Tänzer ein ereignis- Zur Person reiches Leben haben. Aber sie haben eben auch ein sehr beschütztes Leben. Lloyd Newson, Haben Ihre Performer die originalen Männer aus den Interviews getroffen? Newson: Noch nicht. Aber das kommt noch. Hannes trifft demnächst John. Wurden die Interviews vor der Kamera gemacht oder nur mit Mikro? Newson: Beides. Ich habe die Männer erst nur mit Ton aufgenommen. Dann habe ich sie gebeten, über ihre Körper zu sprechen, und sie dabei gefilmt. John hat uns auch ein Video geschickt, in dem er tanzt. Er hat die Initialien „J. U.“ auf seinem Körper tätowiert. Das war interessant zu sehen. Das steht für „John Usher“, gesprochen klingt das aber wie „Jew“, Jude. Entstehen die Bewegungen auch nach den Videos der Interviewpartner? Newson: Nein, nicht direkt. Wir müssen Metaphern dafür finden, was in den Interviews gesagt wird. Daraus ergeben sich dann die Bewegungen. Wenn John erzählt, wie sein Vater ihn und seinen Bruder geschlagen hat, den Babysitter vergewaltigte oder die Mutter so verprügelte, dass sie zwei Kinder verlor, ist das sein Leben. Dafür müssen wir Bewegungen erfinden.

57, wurde in Australien geboren und studierte Psychologie und Sozialarbeit, bevor er Tänzer wurde. Bevor Newson 1986 in London seine Company DV8 Physical Theatre gründete, tanzte und choreografierte er bei verschiedenen Ensembles. Früh verband der Theatermacher Tanz, Text, Theater und Film. Seit einigen Jahren konzentriert sich Newson auf „Verbatim Dance Theatre“, die Kombination von Sprache und Bewegung. 2003 war Lloyd Newsons „The Cost of Living“ bei ImPulsTanz im Burgtheater zu sehen

Braucht es Worte, um John: 5., 7., 8. Geschichten zu erzählen? und 9.8., 21.00, Newson: (macht eine abstrakte Bewegung mit Akademietheater dem Arm.)

Filmretrospektive

Er wird aber nicht wie ein Deutscher klingen? Newson: Nein! Er hat sich einen tollen, nord­englischen Akzent angeeignet.

Wie bitte? DV8 Physical Newson: Sie haben nicht verstanden, oder? Theatre:

600 waren beim Casting, wie viele sind jetzt dabei? Newson: Fünf! Weniger als ein Prozent. Die Performer müssen mit Text und Bewegung arbeiten können. Und das ist ein Problem. Denn manchmal hast du wunderschöne

Sie meinten „Wie bitte?“.

Nein.

Newson: Genau! Ich habe mich bewegt und

27.7., 13.00, Stadtkino im Künstlerhaus

Hinweis: Lloyd Newson sucht noch Immerhin hat es schön ausgesehen. Performer für die Newson: Nein, nicht mal das! Wir sprechen „John“-Welttournee. mit Worten. Worte sind wichtig. Ich könnte Audition: 10.8., versuchen, Johns Geschichte nur mit Bewe- 10.00, Arsenal

gung zu erzählen, aber das wäre nicht genug. Natürlich zeigen wir viel Bewegung, aber ich vertraue Worten mindestens so sehr wie Bewegung. Bewegung ist reich an Möglichkeiten, aber das ist nicht genug, um komplexe Themen zu verhandeln. Das ist der Grund, warum im Londoner Westend Tanzshows nie länger als zwei Monate laufen – Theaterstücke aber jahrelang: Weil sich die Menschen für Themen interessieren. Und zu viel Tanz ist bedeutungslos. Die gesprochene Erzählung hat im Tanz in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Newson: Wenn du älter wirst, langweilt dich das pretty, nice und lovely im Tanz. Das ist ein sehr eingeschränktes Vokabular. Ich möchte mit dem Vokabular arbeiten, das mich in der Welt umgibt, der Widerlichkeit, den Gegensätzen, der Hässlichkeit, Scheinheiligkeit und Gewalt. Die einzige Art, damit umzugehen, ist Sprache zu benutzen. Wie viele Filme oder TV-Serien gibt es ohne Sprache? Wie viele Stunden vergehen da, ohne dass jemand spricht? Die Produzenten wissen, dass die Zuschauer etwas verstehen wollen. Aber bitte nicht falsch interpretieren: Alle meine Performer sind ausgebildete Tänzer, und ich bin davon überzeugt, dass der menschliche Körper eine Menge ausdrücken kann. Doch nur den Körper und keine Worte zu verwenden würde bedeuten, auf die Hälfte der Möglichkeiten zu verzichten. Das Tolle daran ist auch: Man hat noch Subtext, man kann etwas sagen und mit dem Körper etwas total Gegensätzliches ausdrücken. Wie oft lacht man im Tanztheater? Nicht sehr oft. Wenn die Leute im Theater lachen, dann meist, weil etwas Lustiges gesagt wird. Gibt es nicht auch den getanzten Witz? Newson: Da lachen nur die Insider, und das nervt mich. Ich will, dass jeder meine Arbeit sehen und verstehen kann: eine Ärztin, ein Straßenkehrer oder ein Dieb. Dafür ist es wichtig, klar und präzise zu sein. Ich mag die Dinge nicht so abstrahieren, dass sie keiner versteht. Aber ich will sie auch nicht so naturalistisch zeigen, dass es vorhersehbar und langweilig wird. Der Grund, warum so viele Leute in Tanzaufführungen gehen, ist: Sie sind gelangweilt von sprechenden Köpfen, wie man sie vom traditionellen Sprechtheater kennt. Da sitzen Schauspieler bei einem Tässchen Tee, bei Edward Albee trinken sie Wein. Das ist zu naturalistisch. Das Tolle am Tanz ist, dass es nicht diesen narrativen Naturalismus braucht. Wir betrachten uns nicht als Tanzkompanie, wir machen physical theatre. DV8 bedeutet „sprechen und tanzen über etwas“. „John“ ist erst ab 18 Jahren, wieso? Newson: Wegen des Textes. Und wegen der Überraschung. Es wird viele schockieren. Spannend!

Newson: Ich hoffe, Sie sind dann nicht ent-

täuscht.

F


Foto: Mike Ranz

sponsoring.casinos.at Serviceline +43 (0)1 534 40 50

; tr ia Aus anz s o in sT P ul Ca s nd/ ng/Im a t tu rs era , Vo her che B c s o is ar H stler etm , Kün i D ag. l Ivo R M Ismae K . f ; o i li t y ; Pr anz i xed Ab T s l u in/M Im P nt/ ozent a d D n ebl, Inte ger, Vera R r u b ens Reg l r Ka

r ü f ! n t n f i a w h e c s G l l n e i s E Ge e i d

nd it u preihe m s ho en sch Works en de n e e M hm det namig im R a iese n i erb ich kt zt d ty v ie gle mpun erstüt n mit i l i b e D t ed A Tanz. ogram ria un ensch x i r M P st .M m . L os rung i htiger nos Au on von n w ird . n w ic asi nze rati sse nde Gre e Behi 14 ein vals. C Integ überla e i 0 ohn uch 2 z Fest mit di Zufall a a ist ulsTan ng, d t dem u h t P Im nstal ng nic a Ver inderu Beh

Gut für Österreich.


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markt. Seit vielen Jahren gibt es Kinderprostitution und Kinderzwangsarbeit in geschlossenen Räumen, bis zu neun Stunden am Tag. Die argentinische Organisation „Großmütter der Plaza de Mayo“ verweist auf 500 Mütter, deren Kinder während der Militärdiktatur verschwanden. In São Paulo erfuhr ich von einer Gesellschaft ebenso betroffener Mütter, dass jeden Tag 100 Kinder verloren gingen. Zehn Jahre später schaut eine von ihnen noch immer abends täglich auf die Straße, weil sie ihr Mädchen unter den Pros­tituierten vermutet. Deshalb sage ich auch in deren Sinn: „Bring back our girls!“ Ich frage: „Wer in der Welt hat das Recht, mir meine Kindheit zu stehlen?“

Ismael Ivo über sein neues Tanzstück: „Südamerika entspricht heute der neuen Welt, diese liegt aber schon in Ruinen“

„Bring back our girls!“

Fotos: Lenise Pinheiros, michael dürr

E

in fassungslos stolzes Lachen breitet sich über Ismael Ivos Gesicht, wenn er auf seinen letztjährigen Erfolg von „No Sacre“ mit seiner Compagnie Grupo Biblioteca do Corpo angesprochen wird. Das erstmals in Österreich durchgeführte „Projekt für Tänzer am Karrierestart“ mit sechswöchigem Workshop und Stückerarbeitung samt gefeierten Aufführungen in Wien und São Paulo stellt sich in seiner visionären Komplexität und Zielsetzung als echte Marktlücke heraus: Junge Tänzerinnen und Tänzer aus aller Welt tauschen sich wie Bücher einer Enzyklopädie aus, um ihr ureigenes Talent, ihre Botschaft zu finden und zu vermitteln. „Viele Leute mit Talent haben keine Karriere gemacht, weil Charisma der Schlüssel dazu ist. Man kann es aber nicht zum Kilopreis bei Billa kaufen“, sagt Ivo. „Glaube, Gefühl, Fantasie, Inspiration sind die Quellen dazu, die sich aus der tiefen Überzeugung speisen, dem Publikum etwas mitteilen zu müssen. In der ersten Bühnenbewegung liegt jener magische Moment der Verbindung mit dem Publikum, der für einen jungen Künstler eine fundamentale Erfahrung ist.“ Ivo freut sich, dass jeder Teilnehmer seinen Schritt in diese Richtung geschafft hat. Für die diesjährige Gruppe mit 30 Teilnehmern (15 Stipendiaten aus Brasilien, 15 aus dem Rest der Welt) hat Ismael Ivo eine wahrscheinlich noch feinfühligere Stückwahl getroffen: „Erendira“ nach der magisch-rea-

Ismael Ivo und seine Grupo Biblioteca do Corpo nehmen sich eines harten Themas an: des weltweiten Kindesmissbrauchs I n ter v iew : E l fi O ber h u ber

Der brasilianische Tänzer/Choreograf Ismael Ivo, 59, gründete 1984 gemeinsam mit Karl Regensburger ImPulsTanz

listischen Kurzgeschichte des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez. Falter: García Márquez’ Kurzgeschichte ist eine Parabel über ein junges Mädchen, das für seine Großmutter seinen Körper verkaufen muss. Wie setzen Sie das um? Ismael Ivo: Wegen der kurzen Arbeitszeit mit den jungen „Profis“ arbeite ich einige Punkte sehr prägnant heraus. Im Gegensatz zur letzjährigen Produktion „No Sacre“, wo ich persönliche Texte von den Tänzern einbaute, haben wir in „Eréndira“ für die gesprochenen Passagen Cleide Eunice Queiroz, eine bekannte Schauspielerin aus São Paulo, als schwarze Big Mama engagiert. Die 20 Tänzerinnen werden Erendira, die zehn Tänzer ihr Geliebter Ulysses sein – ganz wie im choreografischen Theater von Pina Bausch oder Johann Kresnik, wonach ein Charakter in ein Mosaik aus verschiedenen Körpern aufgespalten wird. Wegen der aktuellen Brisanz von Michelle Obamas „Bring back our girls“ ist Márquez’ magischer Realismus für mich etwas ganz Politisch-Soziales und Existenzielles. Denn das ist ja nur ein Teil des weltweiten Kindesmissbrauchs. Die Tänzerinnen und Tänzer sollen sich bei Amnesty International darüber informieren, um die Härte der Realität in ihren Kopf, ihren Körper, ihre Seele zu bekommen: Ein erpresserischer Terrorist droht mit dem Verkauf von 200 Mädchen am Schwarz-

In der Erzählung kommen sexuelle Übergriffe vor. Einmal muss Erendira mit einer ganzen Kompanie von Soldaten verkehren und fleht ihre Großmutter um Erlösung an. Worauf diese bloß sagt: „Es sind eh nur noch zehn Soldaten.“ Ivo: Ein Moment ganz starker Gewalt wird jener sein, wenn die Großmutter Erendira mit der Peitsche in der Hand nötigt, „ihre Arbeit“ zu machen. Das Schöne, Symbolreich-Magische dagegen ist der zynische Teil dieser Welt. Südamerika entspricht heute der neuen Welt, diese liegt aber schon in Ruinen. Sie ist in Unordnung, wie in einem Labyrinth. Im Stück benütze ich eine Installation als Szenario, weil Erendira beim Treffen mit Ulysses bemerkt, dass er nach Orangen dufte. In einem Solo wird Ulysses mit 500 Orangen auf der Bühne sein und sie verschlingen. Der Duft wird als Symbol das Publikum erreichen: „Bring back our girls! Bring back our dreams!“ Am Ende läuft Erendira mit dem Geld der getöteten Großmutter weg, auch vor Ulysses, der sie befreit hat. Das steht einerseits für Gewaltmechanismen, die einem ein Zuhause suggerieren, andererseits dafür, dass Opfer wie ihre Täter zu Ausbeutern werden. Wie geht die Geschichte bei Ihnen aus? Ivo: Erendira wird auch bei mir frei sein, aber immerzu laufen und nicht wieder zurückschauen. Es hat also etwas Unendliches. Die Großmutter wird noch immer leben, Ulysses immer noch träumen. Wir können heute kein Happy End zaubern, weil das unsere Realität nicht zulässt. Choreografen wie ich müssen die Körper als Atlas unserer Gesellschaft zeigen. Unsere Existenz und Wirtschaft sind in der Krise, ebenso die Religionen mit all ihren Problemen und Skandalen. Deshalb hat jeder Körper beim Festival etwas zu sagen. Das Existenziell-Soziale rahmt das Festival – mit Alain Platels brasilianischer Müllfrau in „tauberbach“ am Anfang und „Erendira“ am Ende: „Bring back unser Recht zu träumen!“ F Erendira: 13. bis 15.8., 21.00, Volkstheater


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Vorstellungen von Vorstellungen: der Kritiker als Schreibtischtäter te x t : wolfgang kralicek

Julius Deutschbauer schaut sich jede Produktion von ImPulsTanz nicht an

ei der Lektüre von Theaterkritiken B denkt man sich immer wieder: Der kann die Aufführung nicht gese-

hen haben. Für Julius Deutschbauer ist dieser Gedanke bei ImPulsTanz Programm: Er wird das Festival mit einem Blog namens „Schon wieder eine Aufführung, die ich nicht gesehen habe“ begleiten. Das heißt: Er sieht sich jede bei ImPulsTanz gezeigte Performance nicht an – ist dafür dann aber der Erste, der darüber schreibt: Sobald eine Vorstellung zu Ende ist, wird Deutschbauers ­Rezension freigeschaltet. Deutschbauer, 53, ist so etwas wie der Hofnarr der Wiener Kunstund Performanceszene. Seine Aktionen und Performances sind stets zugleich Parodien auf die Genres oder das Umfeld, in denen sie stattfinden. Berühmt ist er für ein Projekt, das er bereits seit 1997 betreibt, die „Bibliothek ungelesener Bücher“. Dafür interviewt er Menschen über Bücher, die sie noch nicht gelesen haben; 2011 hat Deutschbauer im Stadtkino dann auch eine „Videothek ungesehener Filme“ eingerichtet. Basis seiner Besprechungen der ImPulsTanz-Performances sind ausschließlich die kurzen Texte im Programmfolder. Insgesamt 49 Kritiken wird er sich auf diese Weise aus den Fingern saugen, sogar die Partys werden rezensiert. Weil: „Ich geh ja nicht einmal auf die Partys!“ Nur das Abschlussfest wird Julius Deutschbauer besuchen. Der Künstler bittet allerdings schon jetzt um Verständnis dafür, dass er etwas später kommen wird. Er muss vorher ja noch seine Rezension schreiben. F

Blog: http://impulstanz.julius-deutschbauer.com

I m pu ls tanz 14

Lexikon

Alle Termine von A bis Z

Agon Florentina Holzinger (NL/A). Ch: Holzinger M: Schneider u.a. D: Holzinger, Amadour u.a. Die neue Performance der extremen österreichischen Performerin Florentina Holzinger („Kein Applaus für Scheiße“) ist als Reaktion auf einen schweren Bühnenunfall entstanden, den sie 2012 erlitten hatte: Sie steigt, von weiblichen Coaches betreut, als „Warrior“ in den Ring. Uraufführung. Kasino am Schwarzenbergplatz, Sa 9.8., 23.00, Mo 11.8., 21.00 Attan bleibt bei uns Magdalena Chowaniec (A/P) & The Rechnitz Crew (A/AF). Ch: Chowaniec D: Alizadah, Hakimi, Malekzai, Sharifi, Nowrozi, Mohammadi, Sadeqi Die in Wien lebende Polin Chowaniec hat mit afghanischen Asylwerbern aus dem Flüchtlingslager Rechnitz ein Stück entwickelt, in dem mittels Tanz ein im Verschwinden begriffenes Afghanistan rekonstruiert wird. Mumok Hofstallungen, Sa 9.8., 18.00, So 10.8., 18.00 The Bosch Experience Georg Blaschke/M.A.P. Vienna (A). Ch: Blaschke M: Colonna D: Colonna, Kern, Cho­waniec, Hewelt, Klebel, Dudus, Palmio In einer zweiteiligen Arbeit bringt der Wiener Choreograf Georg Blaschke das berühmte „Weltgerichtstriptychon“ von Hieronymus Bosch zum Tanzen. Schauplatz ist die Akademie der bildenden Künste, wo das Bild hängt; vor jeder Vorstellung gibt es eine Einführung zur Geschichte des Gemäldes. Akademie der bildenden Künste, Mo 4.8., 19.00, Mi 6.8., 19.00, Fr 8.8., 19.00 Contingencies An Kaler (D/A). Ch: Kaler M: Dougherty D: Camelin, Engels, Kaler, Ramadan, Sobarzo Für An Kalers an verschiedenen Orten realisiertes Projekt sind das Verhältnis von Raum zu Körpern und von Körpern zu Räumen sowie die Auseinandersetzung mit Architektur entscheidende Parameter. An jedem Spielort entsteht eine neue Variante der choreografischen Serie. Das Zusammensein der Gruppe, aber auch die Beziehung der Performer zum Publikum wird ständig weiterverhandelt. Kasino am Schwarzenbergplatz, Di 29.7., 21.00, Do 31.7., 21.00 Deep Dish Chris Haring/Liquid Loft (A). Ch: Haring B: Blazy, Jelinek M: Berger D: Baio, Cumming, Meves, Nowak In der Serie „Perfect Garden“, bei der Liquid Loft mit dem bildenden Künstler Michel Blazy zusammenarbeitet, ist das Motiv des Gartens Ausdruck menschlichen Strebens nach Beherrschung der Dinge im unerbittlichen Fluss der Vergänglichkeit, aber auch ein Sinnbild des Wachsens und Wucherns. In dieser letzten Folge (UA 2013 im Tanzquartier) wird ein Abendmahl zum surrealen Stillleben und Labor einer von Sehnsucht und Neugierde getriebenen Gesellschaft. Volkstheater, Mi 6.8., 21.00 Dub Love Cecilia Bengolea (F/AR) & François Chaignaud (F). Ch: Bengolea M: High Elements D: Bengolea, Chaignaud, Pi Nach ihrer mitreißenden GrimePerformance „Twerk“ (ImPulsTanz 2013) begeben sich Cecilia Bengolea und François Chaignaud wieder in den Club und sagen ein weiteres Mal „yes to another excess“ – dieses Mal aber auf Spitzenschuhen und zu extrem basslastigem Dub-Sound. Strange, aber cool. Museumsquartier (Halle G), Fr 18.7., 21.00, So 20.7., 21.00 Enthusiastic Dance on the Grave Ko Murobushi (J). Ch: Murobushi D: Hotei, Hassell, Faure, Goto, Otani Der japanische Butoh-Tanz ist als Reaktion auf die Bombe

von Hiroshima entstanden, als Widerstandsbewegung gegen die zunehmende Verwestlichung. Genau das thematisiert Butoh-Altmeister Ko Murobushi in diesem Quintett: Hiroshima als innerster Kern von Butoh. Uraufführung. Akademietheater, Mo 28.7., 21.00, Mi 30.7., 21.00 Erendira Cie. Ismael Ivo & Grupo Biblioteca do Corpo (D/BR). Ch: Ivo B: Kaskeline Mit den 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern seines Nachwuchsprojekts Grupo Biblioteca Do Corpo (15 Stipendiaten aus Brasilien, 15 aus dem Rest der Welt) erarbeitet ImPulsTanz-Mitbegründer Ismael Ivo nach Motiven einer Erzählung von Gabriel García Márquez ein Stück über Kinderprostitution und andere Formen des Missbrauchs. Uraufführung. Volkstheater, Mi 13.8., 21.00, Do 14.8., 21.00, Fr 15.8., 21.00 Far Away So Close Hannes Wurm (A). Ch: Wurm M: Hamza D: Wurm Der Wiener Hannes Wurm, Leiter des 2013 gegründeten freien Theaters das schaufenster, spielt in diesem Solo mit seinen Füßen: „Als Kind war ich immer wieder von neuem fasziniert, dass diese zwei Gliedmaßen, die so weit entfernt schienen, Teile von mir sind. Oft geht es mir heute noch so: far away, so close.“ Schauspielhaus (Schaufenster), So 20.7., 22.00, Di 22.7., 22.00, Do 24.7., 22.00, Sa 26.7., 22.00, Mo 28.7., 22.00, Mi 30.7., 22.00 Faux Pas Ko Murobushi (J) Der fast 70-jährige ButohAltmeister Ko Murobushi lässt sich in diesem Solo aus dem Gleichgewicht bringen und durchschütteln, bis kein Stein mehr auf dem anderen steht – oder sich keine Zelle mehr dort befindet, wo sie vorher war. Uraufführung. Odeon, Fr 15.8., 21.00, So 17.8., 21.00 Fest Cie. Ivo Dimchev (BG). T/R: Dimchev D: Schössler, Machaz, Feliziani, Dimchev Wiederaufnahme eines im Vorjahr bei ImPulsTanz uraufgeführten Theaterstücks, in dem der bulgarische Performer und Choreograf Ivo Dimchev seine Erfahrungen in der Festivalszene verarbeitet. Die erfrischend drastische Kunstbetriebssatire enthält u.a. ungewöhnlich explizite Sexszenen. Akademietheater, Fr 1.8., 21.00 ICURE Ivo Dimchev (BG) Der bulgarische Choreograf und Performer Ivo Dimchev verspricht: Wer diese Performance besucht, wird geheilt. Über unerwünschte Nebenwirkungen der Therapie informieren Arzt, Apotheker und der Kritiker Ihres Vertrauens. Uraufführung. Kasino am Schwarzenbergplatz, Mo 4.8., 23.00, Mi 6.8., 23.00 Jérôme Bel Jérôme Bel (F). Ch: Bel D: Haenni, Pelozuelo, Affergan, Roch, Seguette In seinem Frühwerk von 1995, das bei ImPulsTanz erstmals 2002 zu sehen war, reduziert der Diskurschoreograf Bel den Tanz auf die Essenz: den nackten Körper. Keine tänzerischen Schritte, keine eleganten Sprünge, dafür ein kompromissloses Pamphlet. Jérôme Bel über „Jérôme Bel“: „Ich wollte den Zuschauer mit seiner Verantwortung konfrontieren. Es liegt an ihm, die Leere zu füllen, die Bilder zu entwickeln.“ Schauspielhaus, Di 12.8., 21.00, Di 12.8., 23.00, Mi 13.8., 21.00, Mi 13.8., 23.00 John Lloyd Newson/DV8 Physical Theatre (GB). R: Newson D: Benjamin, Boggess, Castillo, Garside, Goro, Langolf, Johnson, Wood, Xhuma Für seine neue Arbeit, die bei ImPulsTanz uraufgeführt wird, hat Choreograf Lloyd Newson über 50 Männer zu Liebe, Sex und harten Zeiten befragt. Schließlich hat er sich entschlossen, sich auf einen von ihnen konzentrieren: Der heute 52-jährige John Usher wurde 65 Mal wegen Diebstahls oder Einbruchs verhaftet, war obdachlos und heroinabhängig. Akademietheater, Di 5.8., 21.00, Do 7.8., 21.00, Fr 8.8., 21.00, Sa 9.8., 21.00 The Lee Ellroy Show Hans Van den Broeck/Cie Soit (B). R: Van den Broeck M: Brown B: De Hooghe D:

Ingram-Dodd, Von Oppen Die Mutter des berühmten US-Krimiautors James (eigentlich: Lee) Ellroy wurde Opfer eines Sexualmords – was Ellroys Obsession für Verbrechen erklärt. Auf Basis des autobiografischen Buchs „My Dark Places“ inszenierte Hans Van den Broeck einen Reigen verstörender Szenen, dessen Atmosphäre an einen Lynch-Film erinnert. Kasino am Schwarzenbergplatz, Do 14.8., 21.00 Little Stories About S.O.S. Akemi Takeya (A/J) Rettet das Solo! Mit Fliegerhaube präsentiert die seit 1991 in Wien lebende Japanerin Akemi Takeya ein Medley aus 32 kurzen Geschichten. Es geht darin etwa um Geheimhaltung, den Geist des Samurai, den Schatten eines Lächelns oder den Sound des Sehens. Schauspielhaus, Sa 9.8., 21.00, Mo 11.8., 23.00 Pornography: A Trying-Out Anne Juren (A/F). Ch: Juren B: Rauschmeier D: Juren, Ward In „Magical“ (ImPulsTanz 2010 und 2012) betrieb die in Wien lebende Französin Anne Juren ein magisches Spiel mit dem weiblichen Körper. Dieser Abend ist das erste einer Reihe von Showings zur Vorbereitung ihrer neuen Arbeit, die sie mit der US-Performerin Elizabeth Ward entwickelt. Vorlage ist Witold Gombrowicz’ Roman „Pornografie“ (1960). Odeon, Fr 8.8., 22.30 Sketches/Notebook Meg Stuart/Damaged Goods (D/ USA/B). Ch: Stuart B: Miller M: Dougherty D: De Hoyos, Livingstone, Postalcioglu, Scaroni, Weber Neben ihrer großen Bühnenarbeit „Built to Last“ (ImPulsTanz 2013) hat die in Berlin lebende US-Choreografin Meg Stuart ein Format wiedererweckt, mit dem sie seit ihren Anfängen reüssiert: die Improvisation. In ihrem Fall bedeutet das ein Ausloten wirklich aller künstlerischen Möglichkeiten zwischen Risikobereitschaft, Freiheit und souverän-entspannter Kenntnis des Materials. Museumsquartier (Halle G), Do 24.7., 21.00, Fr 25.7., 21.00, Sa 26.7., 21.00 (extended version!), So 27.7., 21.00 Swan Lake Dada Masilo/The Dance Factory (ZA). Ch: Masilo M: Tschaikowski, Reich, Avenant, Saint-Saëns, Pärt Die aufstrebende südafrikanische Choreografin Dada Masilo hat sich an den Ballettklassiker „Schwanensee“ gewagt. Eine 60 Minuten kurze, rasante, überzeugende Version voller politischer Anspielungen. Volkstheater, Di 22.7., 21.00, Mi 23.7., 21.00, Do 24.7., 21.00, Fr 25.7., 21.00 Talking Head Chris Haring/Liquid Loft (A). Ch: Haring B: Jelinek, Priewasser M: Berger D: Cumming, Baio Die 2010 uraufgeführte und 2011 erstmals bei ImPulsTanz gezeigte Performance ist eine der besten Arbeiten des österreichischen Choreografen Chris Haring: Das technisch brillante Stück zeigt einen Mann und eine Frau im Twitter-Youtube-Facebook-Universum: zwei Medienwesen in permanenter Simulation und gegenseitiger Imitation. Odeon, So 10.8., 21.00, Di 12.8., 21.00 tauberbach Alain Platel / les ballets C de la B (B) & Münchner Kammerspiele (D). Ch: Platel D: Bodin, Tass, de Brauw, Estaras, Runa, McCormack Der flämische Choreograf Alain Platel bringt in dieser Arbeit zwei Welten zusammen: die aus einem Dokumentarfilm bekannte Geschichte einer schizophrenen Brasilianerin, die auf einer Müllhalde lebt, und die Musik von Johann Sebastian Bach – teilweise von einem Gehörlosenchor interpretiert. Die Inszenierung, in der die Schauspielerin Elsie de Brauw die Hauptrolle spielt, wurde 2014 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Volkstheater, Do 17.7., 21.00, Sa 19.7., 21.00, So 20.7., 21.00 TOUR David Wampach (F) In seinem nur 24 Minuten langen Solo erweist sich David Wampach erneut als Meister des „Deep Breathings“. Eine im Wortsinn

Die Kunst des Moments: „Why Not!“ mit David Zambrano und Iva Bittová

Prost! Doris Uhlich moderiert die Prix Jardin d’Europe Award Ceremony

Vielleicht sein bestes Stück: „Talking Head“ von Chris Haring ist wieder da

Impulstanz

fotos: Marlene Ropac, Tadao K a zama, Daniel Got tschling, Chris Haring

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I m p u l s t a n z 1 4    atemberaubende Performance zwischen burlesquer Erotik und diabolischer Abgründigkeit. Odeon, Fr 8.8., 21.00 WAR Amanda Piña & Daniel Zimmermann / nadaproductions (A). Ch: Pakarati, Piña M: Müller D: Mabes, Pakarati, Piña, Tambwe Das choreografische Ausgangsmaterial dieses 2013 im Tanzquartier uraufgeführten Stücks sind polynesische Tanzformen, die während der 1980er- und 1990er-Jahre auf der Osterinsel rekonstruiert und entwickelt wurden – unter anderem Hoko, ein berühmter Kriegstanz der Rapa Nui. Die Performance benutzt das Rapa-Nui-Repertoire, um das Motiv des Krieges auf eine globale Ebene zu übertragen. Odeon, Mo 4.8., 21.00, Mi 6.8., 21.00 Why Not! David Zambrano (NL/VE) & Iva Bittová (USA/ CZ) Der große Tanz-Improviser David Zambrano und die renommierte Violinistin und Vokalistin Iva Bittová treffen einander auf der Bühne. Und führen vor, wie zwischen einem Tänzer und einer Musikerin aus dem Moment heraus und jenseits aller kultureller Grenzen ein intensiver künstlerischer Dialog entstehen kann. Volkstheater, Sa 2.8., 21.00

fotos: Ander s Lindén, Luis Martins, Joana Patita

[8:tension] Beep Karol Tymiński (PL) Karol Tymiński aus Warschau hat u.a. bei P.A.R.T.S. in Brüssel studiert. In seinem Solo „Beep“ geht er an die äußersten Grenzen physischer Ausdauer: In rasendem Tempo klappt der Körper des Tänzers wieder und wieder zusammen; seine Intensität produziert geradezu entrückende Zustände. Schauspielhaus, Do 24.7., 21.00, Sa 26.7., 21.00 Black Cats Can See In The Dark But Are Not Seen Dinis Machado (S/P). Ch: Machado D: Cabecinha, Jácome, Machado Der in Schweden lebende Portugiese Dinis Machado tanzte u.a. in der Trisha Brown Company und arbeitet seit 2006 als Choreograf. In dieser Arbeit aus dem Jahr 2013 errichten drei Männer eine ganze Welt aus Bananenkisten und dem Alphabet, aus Musik und Poesie, Licht und Schatten. Ein introvertierter szenischer Essay. Schauspielhaus, So 3.8., 20.00, Di 5.8., 20.00 Cheerleader of Europe Daniel Kok (SG) „Diskodanny“ nennt sich der junge, aus Singapur stammende Daniel Kok. Mit Erregungspotenzialen aus seinen Erfahrungen als Militärausbildner wie als Pole Dancer der Weltklasse will er uns auf die europäischen Sprünge helfen – mit einer jeweils tagesaktuellen Show über Utopien politischen Glücks. Pompons und Sprechchöre inklusive! Schauspielhaus, Do 24.7., 22.30, Sa 26.7., 22.30 ineter(a)nal f/ear Rebecca Patek (USA). Ch: Patek D: Patek, Roeck, Holm Die junge US-Choreografin Rebecca Patek analysiert ihre eigene (?) Vergewaltigung, explizite Videobilder inklusive. Unter anderem stellt sie die Frage, ob es bei einer Vergewaltigung auch Momente echter Lust geben kann – und spricht umgekehrt auch den Vergewaltigungscharakter an, den einvernehmlicher Sex haben kann. Dem harten Thema wird mit viel schwarzem Humor begegnet. Schauspielhaus, Mo 28.7., 22.30, Mi 30.7., 21.00 Meanwhile, Gaetan Rusquet (F). Ch: Rusquet D: Marneffe, Rusquet, u.a. Einstürzende Neubauten, ein Erdbeben, ein Tsunami, fantastisch-assoziative Bilder: Dröhnende Schallwellen bringen Mauern, Städte, Landschaften, die von drei Performern unentwegt aus hunderten Ziegeln gestapelt, geschichtet, gebaut werden, immer wieder zum Einsturz. Ein meditatives Katastrophenstück. Mumok Hofstallungen, Di 29.7., 23.00, Fr 1.8., 23.00 MIT Rosalind Goldberg (D/NO). Ch: Goldberg M: Barratt-Due D: Hess Die norwegisch-deutsche Choreografin Rosalind Goldberg hat mit der jungen Tänzerin Anne-Mareike Hess eine seltsam künstliche Bühnenfigur entwickelt, die sich – von Sounds und Luftströmen geleitet – durch den leeren Raum be-

wegt. Dabei berührt sie etwas in uns, das wir vielleicht noch nicht kennen. Kasino am Schwarzenbergplatz, Mo 21.7., 22.30, Mi 23.7., 21.00 Oil Pressure Vibrator Geumhyung Jeong (KR) Die aus Südkorea stammende Geumhyung Jeong erschafft in ihren Arbeiten künstliche Charaktere mit geradezu unheimlichen Realitätseffekten. Diese Lecture-Performance (UA 2008) handelt von der Obsession für ein ungewönliches Objekt der Begierde: einen Bagger. Kasino am Schwarzenbergplatz, Mo 21.7., 21.00, Mi 23.7., 22.30 Phenomena Georgia Vardarou (B/GR). Ch: Vardarou D: Yeini, Vardarou, Campbell Drei junge Tänzerinnen geben sich völlig dem Phänomen der individuellen, ganz persönlichen Bewegung hin. Die anfängliche Stille fließt in Bearbeitungen der Musik von Philip Glass über: Minimalism goes Dancefloor! „Phenomena“ ist die Weiterentwicklung des Solos „Hardcore Research on Dance“, mit dem Georgia Vardarou 2012 bei [8:tension] am Start war. Schauspielhaus, Fr 15.8., 22.30, Sa 16.8., 21.00 Polly Pocket Jillian Peña (USA). Ch: Peña D: Albrecht, Champlin, Kleven Die US-Choreografin Jillian Peña inszeniert ein bestechend schön getanztes Drama aus Verführung, verwirrenden Rollenwechseln und Ausgrenzung. Ballett, Queerness, Psychoanalyse und marxistische Ideen sind die Ingredienzien. Odeon, Do 31.7., 21.00, Sa 2.8., 21.00 Self Portrait and Sex Education for Myself Zhang Mengqi (CN) In ihrem Bestreben nach „self education“ hat die Tänzerin, Choreografin und Mitarbeiterin des renommierten Living Dance Studio in Peking ihr zweites Stück geschaffen: die einfühlsame Studie eines sexuellen Erwachens als Akt radikaler Selbstermächtigung. Garage X Theater Petersplatz, Do 7.8., 23.00, Sa 9.8., 19.30 Tertiary Michael O’Connor (USA/A). Ch: O’Connor D: Maia, Pauer, O’Connor Der in Wien lebende USChoreograf Michael O’Connor überprüft in diesem Trio (2013) die neurowissenschaftliche Theorie, wonach Beobachten gleichbedeutend mit Fühlen sei: Ist Berührung ohne Körperkontakt möglich? Schauspielhaus, Mo 28.7., 21.00, Mi 30.7., 22.30 Wagner & Ligeti Albert Quesada (B/E). Ch: Quesada D: Baldemar, Campbell, Porello, de Querol, Quesada, Vakulya Auf der Suche nach Methoden der Verschmelzung von Musik und Bewegung führt der junge spanische Choreograf Albert Quesada durch so unterschiedliche musikalische Welten wie Richard Wagners „Tannhäuser“ und György Ligetis von polyphonen Gesängen erfülltes „Lontano“. Odeon, Do 31.7., 22.30, Sa 2.8., 22.30 What Remains Of What Has Passed Teresa Silva & Filipe Pereira (P) Unheimliches Irrlichtern, stumme Schreie und eine geheimnisvolle Soundkulisse: Das portugiesische Choreografen-Paar Filipe Pereira und Teresa Silva entwickelt eine ganz eigene und bewundernswert klare Ästhetik. Daraus entsteht ein Stück voll kämpferischer Melancholie über die Spuren des Vergänglichen. Schauspielhaus, So 20.7., 21.00, Di 22.7., 21.00 Yellow Towel Dana Michel (CAN) Wie geht eine Caribbean-Canadian mit den Stereotypen „schwarzer“ Kultur um? Dana Michel aus Montreal biegt in diesem Solo als exaltierte Bühnenfigur diverse Klischees ins Absurde. „Yellow Towel“ ist nach einem Workshop mit Ivo Dimchev bei ImPulsTanz 2011 entstanden. Schauspielhaus, So 3.8., 21.30, Di 5.8., 21.30

Specials expressions ’14 – Student Showing Zum Abschluss des ImPulsTanz-Workshopfestivals zeigen Studentinnen und Studenten, was sie erarbeitet haben. Arsenal, Sa 16.8., 16.00 (Eintritt frei) Filmretrospektive DV8 Physical Theatre Ergänzend zum neuen DV8-Stück „John“ sind bei diesem

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Filmbrunch die – exzellent produzierten – Filmversionen von vier früheren Arbeiten der englischen Company um Choreograf Lloyd Newson zu sehen: „Dead Dreams of Monochrome Men“ (1990), „Strange Fish“ (1992), „Enter Achilles“ (1995) und „The Cost of Living“ (2004). Stadtkino im Künstlerhaus, So 27.7., 13.00 (Eintritt frei) Impressions ’14 – Workshop Opening Lecture Dozentinnen und Dozenten der ImPulsTanz-Workshops zeigen, was sie in den nächsten Wochen vermitteln wollen. Hier können Interessierte einmal in das Workshopangebot „hineinschnuppern“. Arsenal, So 20.7., 16.00 (Eintritt frei) Kurzfilmnacht mit Chris Haring Im Rahmen des Open-Air-Kurzfilmfestivals espressofilm sind zwei international prämierte Filme des österreichischen Choreografen Chris Haring (Liquid Loft), beide in Co-Regie mit Mara Mattuschka entstanden, zu sehen: „Running Sushi“ (2008) und „Burning Palace“ (2009). Gartenpalais Schönborn, Fr 8.8., 21.30 (Eintritt frei) Prix Jardin d’Europe Award Ceremony Alljährlich wird bei ImPulsTanz der Nachwuchs-ChoreografiePreis Prix Jardin d’Europe vergeben. Zur Wahl standen die Produktionen der Reihe [8:tension], an diesem Abend wird der Gewinner bekannt gegeben. Durch den Abend führen die Choreografin Doris Uhlich und der Satiriker Dirk Stermann. Kasino am Schwarzenbergplatz, So 17.8., 19.00 (Eintritt frei) A Talk Happening Rund um die Ausstellung „Mein Körper ist das Ereignis. Wiener Aktionismus und internationale Performance“ (27.2. bis 16.8.2015) planen Mumok und ImPulsTanz nächstes Jahr eine Kooperation. In diesem „Kick-Off-Talk“ trifft Eva Badura, Mumok-Kuratorin und ausgewiesene Spezialistin für den Wiener Aktionismus, auf internationale Künstler(innen) und Theoretiker(innen) aus Tanz, Choreografie und Performance. Mumok Hofstallungen, Sa 9.8., 19.30 (Eintritt frei) Through the Back. Situating Vision between Moving Bodies Jeroen Peeters (B) & Gäste Der belgische Dramaturg und Schriftsteller Jeroen Peeters präsentiert sein neues Buch über die Rolle des Publikums im zeitgenössischen Tanz. Alice Chauchat wird eine Gesprächsrunde hosten, an der neben dem Autor der Wiener Choreograf Philipp Gehmacher und die US-Choreografin Jennifer Lacey teilnehmen. Schauspielhaus, Di 22.7., 23.00 (Eintritt frei) Wien Welt Wettbewerb 2014 7. Internationaler Contest & Festival für Ballett und zeitgenössischen Tanz Der Wien Welt Wettbewerb ist die Fortsetzung des renommierten ÖTR-Contest; der Tanzwettbewerb ist heuer erstmals bei ImPulsTanz zu Gast. Die Vorrunde geht im MuTh über die Bühne, das Finale im Volkstheater. Dort findet auch die Preisverleihung statt, die von einer international besetzten Ballettgala umrahmt wird; unter anderen tanzt Maria Yakovleva (Wiener Staatsballett) den „Sterbenden Schwan“. Moderation: Peter Rapp! MuTh, Mi 23.7., 18.00, Do 24.7., 18.00, Fr 25.7., 18.00 (Vorrunde); Volkstheater, Sa 26.7., 19.00 (Finale); Volkstheater, So 27.7., 19.00 (Preisverleihung & Gala)

Adressen Akademie der bildenden Künste Wien 1010, Schillerplatz 3 Akademietheater 1030, Lisztstraße 1 Arsenal 1030, Arsenal, Objekt 19 Burgtheater-Vestibül 1010, Universitätsring 2 Garage X 1010, Petersplatz 1 Gartenpalais Schönborn 1080, Laudongasse 15–19 Kasino 1030, Schwarzenbergplatz 1 Mumok Hofstallungen MQ, 1070, Museumsplatz 1 Museumsquartier 1070, Museumsplatz 1 MuTh 1020, Obere Augartenstraße 1e Odeon 1020, Taborstraße 10 Schauspielhaus 1090, Porzellangasse 19 Stadtkino im Künstlerhaus 1010, Akademiestr. 13

ImPulsTanz soçial: Die Superhelden der Nacht treffen sich in der Festival Lounge partyservice : wolfgang kralicek

Junge Burg: In der ImPulsTanz Festival Lounge wird jeden Abend gefeiert

bwohl das Burgtheater selbst heuO er gar kein ImPulsTanz-Spielort ist, schlägt dort auch dieses Jahr das

pulsierende Herz des Festivals: Im Vestibül (Landtmannseite) wird wieder die ImPulsTanz Festival Lounge eingerichtet. Wobei „Lounge“ eigentlich ein viel zu kuscheliges Wort dafür ist, was sich dort allabendlich abspielt. Auf dem Dancefloor brodelt’s wie Hölle, und auch draußen vor dem Vestibül kann es eng werden. Die Partys sind hauptverantwortlich dafür, dass im Sommer nicht nur Tanzfans vom ImPuls-Virus infiziert werden, sondern irgendwie die ganze Stadt. „Let us all be heroes“ lautet heuer das Motto in der Festival Lounge; Superheldenoutfits werden gern gesehen, man kommt aber auch ohne Batman-Maske und Superman-Cape rein. Zur Eröffnung am 17. Juli spielt die Band Phanda – bekannt aus den Nebenzimmer-Sessions im Café Leopold – Superheldensongs. Weitere Live-­Gigs finden jeweils am „Super­ hero Sunday“ statt – wobei heuer ausschließlich Musikerinnen gebucht wurden: Mieze Medusa (20.7.), Fijuka (27.7.), Schmieds Puls (3.8.) und Violetta Parisini (10.8.). Am DJ-Deck stehen an drei Freitagen die „FM4 Dancing Stars“ (darunter Falter-Partykolumnistin Katharina Seidler); jeden Dienstag und Donnerstag legen Künstler, Mitarbeiter und Freunde des Festivals auf. Und am 4. August debütiert die Wienerliedgruppe 5/8erl in Ehr’n als DJ-Team. Geschlossen bleibt die Lounge nur an zwei Abenden – und das nur, weil da im Kasino andere Feste gefeiert werden: Bei der ImPulsTanz-Party am 25. Juli bestreitet das gewitzte Wiener Laptopduo Ogris Debris den LiveAct; bei der danceWeb-Party am 15. August spielen Austrian Apparel & Derek Roberts. F

Faszinierende Kunstfigur: „Mit“ von Rosalind Goldberg läuft bei [8:tension]

Ein szenischer Essay: „Black Cats Can See In The Dark But Are Not Seen“

Stumme Schreie: Teresa Silva in „What Remains of What Has Passed“

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Festival Lounge: ab 17.7., tägl. ab 22.00 ImPulsTanz-Party: 25.7., 22.00, Kasino danceWEB-Party: 15.8., 22.00, Kasino


30

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i m pu ls tanz 14

„Diese Performance gehört nicht mehr mir“ Der Choreograf Jérôme Bel über sein Frühwerk „Jérôme Bel“, in dem er sich selbst kaum wiedererkennt Interview:

W o l f g a n g K r a l ic e k

J

strömt auch etwas sehr Gewalttätiges aus – nicht physisch, aber psychisch. Obwohl es keinerlei Gewaltszenen gibt, ist das ein zutiefst gewalttätiges Stück. Das hat mit meinen an Aids verstorbenen Freunden zu tun; das Stück ist eine Art Denkmal für die Menschen, die an dieser Krankheit gestorben sind. Ich habe meine ganze Trauer, meine Gedanken an den Tod in diesem Stück verarbeitet – unterbewusst natürlich. Der ganze Schmerz und die Angst, die ich damals empfunden habe, sind in diesem Stück, obwohl das eigentlich gar nicht das Thema ist. Aber die Gewalt ist drin, man kann sie spüren.

érôme Bel gehört, mit Boris Charmatz und Xavier Le Roy, zu jener Generation französischer Choreografen, die in den 90er-Jahren mit konzeptuellen, theoretisch fundierten Arbeiten die internationale Tanzperformance revolutionierten. Mit dem Discostück „The Show Must Go On“ (ImPulsTanz 2002 und 2006) begeisterte er dann sogar die Massen. Als die Pariser Oper ihn einlud, ein Ballett zu choreografieren, inszenierte er stattdessen das Solo „Véronique Doisneau“ (ImPulsTanz 2005), das sehr persönliche Porträt einer Corps-Ballerina; auf Einladung des Schweizer Behindertentheaters Hora realisierte Jérôme Bel 2012 die Performance „Disabled Theater“, die im ­Vorjahr bei ImPulsTanz zu sehen war. Heuer steht das Frühwerk ­„Jérôme Bel“ (1995) auf dem Programm. In diesem Stück, seiner zweiten Arbeit als Choreograf, beschloss Bel, ganz von vorne anzufangen. „Jérôme Bel“ ist so etwas wie das Konzentrat einer Performance, alles ist auf die nackten Körper der vier Performerinnen und Performer – Bel selbst spielt nicht mit – reduziert, die Musik singen sie sich selbst, und statt sich eine Hose anzuziehen, schreiben sie sich „Christian Dior“ auf den Unterschenkel.

Es ist Ihr zweites eigenes Stück, davor hatten Sie als Assistent von Philippe Decouflé die Eröffnunszeremonie der Olympischen Spiele in Albertville 1992 gestaltet. Was war das für eine Zeit für Sie? Bel: Es war eine sehr spezielle Zeit, aber das habe ich erst später begriffen. Die Eröffnunszeremonie der Olympischen Spiele war ein Meilenstein in der französischen Tanzgeschichte. Nicht nur Philippe Decouflé, sondern der zeitgenössische Tanz in Frankreich waren dadurch sozusagen offiziell anerkannt – François Mitterand selbst hatte ihn ausgewählt. Gleichzeitig waren die frühen 90er eine schwierige Zeit, viele junge Menschen und eine Menge Tänzer starben damals an Aids. „Jérôme Bel“ hängt mit all dem zusammen: Ich hatte einige sehr enge Freunde verloren. Und ich spür-

„Als ich die Performance jetzt wieder sah, war ich schockiert“

te, dass ich nach der „Institutionalisierung“ des französischen Tanzes neue Wege suchen muss. Hatten Sie irgendeine Erwartung, wohin der Weg gehen sollte? Bel: Nein, ich wollte nur ein bisschen herumprobieren und schauen, ob ich irgendetwas Interessantes produzieren kann. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass daraus jemals ein Stück werden würde. In „Jérôme Bel“ sind nicht nur die Performer nackt, in gewisser Weise ist auch das ganze Theater, das ganze Stück „nackt“. Wollten Sie so etwas wie künstlerische Tabula rasa machen? Bel: Nein, darum ging es mir nicht. Zuerst einmal habe ich mir nur die Frage gestellt, was eine Tanzperformance überhaupt ist. Und dann habe ich ganz

von vorn angefangen. Ich habe mich zum Beispiel gefragt: „Was braucht man für Tanz?“ Die Antwort lautete: „Einen Körper.“ Also beschloss ich, zuerst am Körper zu arbeiten und dann erst am Tanz. In gewisser Weise war das ganz naiv und überhaupt nicht so revolutionär, wie es dann rezipiert wurde. Natürlich war das Ergebnis dieser dummen Fragen am Ende provokant, aber ursprünglich war das gar nicht das Ziel. Es ging einfach nur darum, das Format Tanzperformance möglichst logisch zu analysieren. Was denkt der Jérôme Bel von heute über den Jérôme Bel von damals? Bel: Als ich die Performance jetzt wieder sah, war ich schockiert. Ich konnte nicht glauben, dass ich das inszeniert hatte! Meine Art zu denken war damals so eigenwillig, dass ich mich kaum wiedererkannt habe. Das Stück

Heute ist „Jérôme Bel“ ein moderner Klassiker. Wie war das damals? Wurde das Stück kontroversiell aufgenommen? Bel: Sehr, sehr kontroversiell. Viele Leute sind rausgegangen, manche haben die Performer während der Aufführung attackiert. Und manche fanden es gut. Sie waren einer der ersten sogenannten „Diskurschoreografen“. Hat Ihnen dieses Label eher genützt oder geschadet? Bel: Ich mag es. „Das ist kein Tanz“ hingegen hasse ich. Aber im Grunde kümmert mich das nicht, ich kann es ohnedies nicht beeinflussen. Können Sie sich vorstellen, auch andere Frühwerke wieder zu machen, etwa „The Last Performance“? Bel: Neeeeeeeein! F Jérôme Bel: 12. und 13.8., 21.00 und 23.00, Schauspielhaus Der Konzept­ choreograf Jérôme Bel, 49, war bei ImPuls­ Tanz zuletzt 2013 mit „Disabled Theater“ vertreten

Fotos: Herman Sorgeloos

Falter: 19 Jahre nach der Premiere haben Sie Ihre Performance „Jérôme Bel“ wiederaufgenommen. Warum? Jérôme Bel: Das war die Idee eines Veranstalters, und zuerst wollte ich nicht. Aber dann dachte ich: Warum nicht? Schauen wir einmal, ob dieses Stück heute noch etwas zu sagen hat.

Haben Sie bei den Proben etwas verändert? Bel: Wir haben nicht geprobt, das war nicht nötig. Die Performer haben das 15 Jahre lang gespielt, sie kennen das Stück. Und ich habe nichts verändert, weil ich ja nicht mehr dieser Jérôme Bel bin. Es ist eine Performance, und diese Performance gehört nicht mehr mir, sondern denen, die sie spielen wollen, denen, die sie zeigen wollen, und denen, die sie sehen wollen.


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ImPulsTanz 14 Datum 17., 19. + 20.7. 18. + 20.7. 20. + 22.7.

20., 22., 24., 26., 28., 30.7.

21.7. 21.7. 22. – 25.7. 22.7. 23. – 25.7. 23.7. 23.7. 24. – 27.7. 24. + 26.7. 24. + 26.7. 25.7. 26.7. 27.7. 27.7. 28. + 30.7. 28.7. 28.7. 29. + 31.7. 29.7. + 1.8. 30.7. 30.7. 31.7. + 2.8. 31.7. + 2.8. 1.8. 2.8. 3. + 5.8. 3. + 5.8. 4., 6. + 8.8. 4. + 6.8. 4. + 6.8. 5., 7., 8. + 9.8. 6.8. 7.8. 8.8. 8.8. 8.8. 9. + 10.8. 9.8. 9.8. 9.8. 9.8. 10. + 12.8. 11.8. 11.8. 12. + 13.8. 13. – 15.8. 14.8. 15. + 17.8. 15.8. 15.8. 16.8. 17.8.

17. Juli — 17. August

www.impulstanz.com

Compagnie

Stücktitel

Spielort

Beginn

Alain Platel/les ballets C de la B & Münchner Kammerspiele Cecilia Bengolea & François Chaignaud Teresa Silva & Filipe Pereira Hannes Wurm Geumhyung Jeong Rosalind Goldberg Dada Masilo/The Dance Factory

tauberbach

Volkstheater

21.00

Dub Love

Museumsquartier, Halle G

21.00

What Remains Of What Has Passed [8:tension]

Schauspielhaus

21.00

Far Away So Close

Schauspielhaus

22.00

Oil Pressure Vibrator [8:tension]

Kasino

21.00

MIT [8:tension]

Kasino

22.30

Swan Lake

Volkstheater

21.00

Jeroen Peeters & Guests

Buchpräsentation: Through The Back

Schauspielhaus

23.00

Wien Welt Wettbewerb Rosalind Goldberg Geumhyung Jeong Meg Stuart/Damaged Goods Karol Tymiński Daniel Kok ImPulsTanz Party Wien Welt Wettbewerb Lloyd Newson/DV8 Physical Theatre

Vorrunde

MuTh

18.00

MIT [8:tension]

Kasino

21.00

Oil Pressure Vibrator [8:tension]

Kasino

22.30

Sketches/Notebook

Museumsquartier, Halle G

21.00

Beep [8:tension]

Schauspielhaus

21.00

Cheerleader of Europe [8:tension]

Schauspielhaus

22.30

live: Ogris Debris

Kasino

22.00

Finale

Volkstheater

19.00

Filmretrospektive

Stadtkino im Künstlerhaus

13.00

Wien Welt Wettbewerb Ko Murobushi Michael O’Connor Rebecca Patek An Kaler Gaëtan Rusquet Rebecca Patek Michael O’Connor Jillian Peña Albert Quesada Ivo Dimchev David Zambrano & Iva Bittová Dinis Machado Dana Michel Georg Blaschke/M.A.P. Vienna Amanda Piña & Daniel Zimmermann/nadaproductions Ivo Dimchev Lloyd Newson/DV8 Physical Theatre Chris Haring/Liquid Loft Zhang Mengqi David Wampach Chris Haring Anne Juren Magdalena Chowaniec & The Rechnitz Crew

Gala & Preisverleihung

Volkstheater

19.00

Enthusiastic Dance on the Grave

Akademietheater

21.00

Tertiary [8:tension]

Schauspielhaus

21.00

ineter(a)nal f/ear [8:tension]

Schauspielhaus

22.30

Contingencies

Kasino

21.00

Meanwhile, [8:tension]

Mumok Hofstallungen

23.00

ineter(a)nal f/ear [8:tension]

Schauspielhaus

21.00

Tertiary [8:tension]

Schauspielhaus

22.30

Polly Pocket [8:tension]

Odeon

21.00

Wagner & Ligeti [8:tension]

Odeon

22.30

Fest [ImPulsTanz-Classic]

Akademietheater

21.00

Why Not!

Volkstheater

21.00

Black Cats Can See In The Dark … [8:tension]

Schauspielhaus

20.00

Yellow Towel [8:tension]

Schauspielhaus

21.30

The Bosch Experience

Akademie d. bild. Künste

19.00

WAR

Odeon

21.00

ICURE

Kasino

23.00

John

Akademietheater

21.00

Deep Dish

Volkstheater

21.00

Self Portrait and Sex Education … [8:tension]

Garage X

23.00

TOUR

Odeon

21.00

Kurzfilmnacht

Gartenpalais Schönborn

21.30

Pornography: A Trying-Out

Odeon

22.30

Attan bleibt bei uns

Mumok Hofstallungen

18.00

A Talk Happening

Wiener Aktionismus & internationale Performance

Mumok Hofstallungen

19.30

Zhang Mengqi Akemi Takeya Florentina Holzinger Chris Haring/Liquid Loft Florentina Holzinger Akemi Takeya Jérôme Bel Cie. Ismael Ivo & Grupo Biblioteca do Corpo Hans Van den Broeck/Cie SOIT Ko Murobushi danceWEB Party Georgia Vardarou Georgia Vardarou Prix Jardin d’Europe Award Ceremony

Self Portrait and Sex Education … [8:tension]

Garage X

19.30

Little Stories About S.O.S.

Schauspielhaus

21.00

Agon

Kasino

23.00

Talking Head [ImPulsTanz-Classic]

Odeon

21.00

Agon

Kasino

21.00

Little Stories About S.O.S.

Schauspielhaus

23.00

Jérôme Bel [ImPulsTanz-Classic]

Schauspielhaus

21.00 + 23.00

Erendira

Volkstheater

21.00

The Lee Ellroy Show

Kasino

21.00

Faux Pas

Odeon

21.00

live: Austrian Apparel & Derek Roberts

Kasino

22.00

Phenomena [8:tension]

Schauspielhaus

22.30

Phenomena [8:tension]

Schauspielhaus

21.00

Moderation: Doris Uhlich, Dirk Stermann

Kasino

19.00

kartenvorverkauf: (01) 712 54 00-111  ImPulsTanz-Tageskassa STAATSOPER – UNTER DEN ARKADEN (1., Herbert-von-Karajan-Platz): (01) 514 442958, Mo–Sa 10–13 und 14–20, So 14–20 Uhr

(tägl. 8–20 Uhr) info: (01) 523 55 58

I mPulsTanz-Tageskassa (ab 14. Juli) Volkstheater – Foyer (7., Neustiftgasse 1): (01) 521 11-231, täglich 10–19 Uhr

I mPulsTanz-Tageskassa (ab 20. Juli) ARSENAL/BURGTHEATER-PROBEBÜHNEN (3., Arsenal/Objekt 19): (01) 514 44-5416, täglich 10–19 Uhr (bis 16. August)

Abendkassa eine Stunde vor Vorstellungsbeginn am jeweiligen Spielort

Workshops & Research 21.7. bis 15.8. Info: www.impulstanz.com, Tel. (01) 523 55 58. «impressions ’14»: 20.7., 16.00, Arsenal. «expressions ’14»: 16.8., 16.00, Arsenal


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