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Wissenschaft und Forschung

Kopf im Bild Günther Knör, Chemiker Was der Kaiser nicht goutiert Zensur im Habsburgerreich Wohin geht die Universität? Der Countdown zum Thema Karrieren an den Unis Die Voraussetzungen werden schwieriger

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Wohin geht die Universität? Kommt die völlige Ökonomisierung? Internet – Zukunft der Unis? Was Massiv Open Online Courses bringen Die Lage der Unis im Ausland Schweiz, Deutschland, Großbritannien Zukunft ohne Forscherriege? Die Aussichten für junge Forschende

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Kommen die Barfuß-Ärzte? Die Angst vor dem medizinischen Bachelor Universitätspolitik Das Glossar Zehn Jahre nach der Trennung Eine Bilanz der autonomen MedUnis Gedicht, HEUREKA-Rätsel, Kommentar Was am Ende bleibt: Raketenschlaf

Kommentar

Editorial

Wohin geht die Universität? J ü r g e n M i t t e l s t r a SS

ie Universität ist längst nicht mehr das, was sie einmal war, D nämlich eine kleine, herausgehobene

Bildungsinstitution mit Professorinnen und Professoren als Inkarnation der Weltweisheit und der wissenschaftsbegeisterten Studierenden. Abgesehen davon, dass das wohl nie ganz so war, ist hier die Humboldt-Universität beschrieben, jene noch heute mal rhetorisch beschworene, mal als Mythos verächtlich gemachte Universitätskonzeption mit ihren Idealen der „Einheit von Forschung und Lehre“ und der „Bildung durch Wissenschaft“. Gleichzeitig hat die Universität aber auch ihre Idee verloren, und das Humboldt-Prinzip, das auf eine forschungsnahe Lehre verpflichtete, seine Realität. Was setzen wir an die Stelle ihrer überkommenen Idee und ihres Prinzips? Bologna, sagen die einen – als ob eine dem bisherigen System fremde Studienstruktur die Frage nach dem Wesen der Universität beantwortete. Gar nichts, sagen die anderen – und sind ganz einfach ehrlich, was leider nicht weiterhilft. Man kann auch mit Illusionen leben, aber von ihnen leben kann man nicht. Deshalb ist auch die Frage, wohin die Uni geht, eine unabweisbare Frage, vor allem in einer Gesellschaft, die sich als Wissensgesellschaft zu verstehen beginnt. Eingefangen in wechselnden, oft schier unerfüllbaren gesellschaftlichen Erwartungen, einem Wachstumsprozess ausgeliefert, den sie nicht zu kontrollieren vermag, institutionellen Erosionsprozessen ausgesetzt – alles ist heute Universität, was auf sich hält, alles Forschung, was sucht –, an Ideenlosigkeit leidend, wenn es um das eigene Wesen und die eigene Zukunft geht, sucht die Universität nach einer eigenen Identität und nach ihrem Platz in der Gesellschaft. Im österreichischen Kontext geht es unter anderem um die Fragen: Wie

autonom muss eine Universität sein, um ihren Aufgaben in Forschung und Lehre zu entsprechen? Und wie autonom kann eine Universität als Institution in einer Gesellschaft und unter deren Zwecken sein? Wie lassen sich wohlverstandene Autonomie und gebotene Hochschulpolitik zusammendenken? Wie stellt sich die erstrebte Einheit eines Hochschulsystems angesichts einer ebenso erstrebten institutionellen Differenzierung dar? Dabei sei bei Beantwortung der Fragen nicht vergessen,

Christian Zillner

dass die Zukunft der Universität auch die Zukunft der Wissensgesellschaft ist, weil die Universität den eigentlichen Kern eines Wissenschafts- und Bildungssystems, auch des österreichischen, darstellt.

Finkenschlag Handgreifliches von Tone Fink

Jürgen Mittelstraß Vorsitzender des Österreichischen Wissenschaftsrates

www.tonefink.at

Gibt es in Literatur, Kunst und Wissenschaft so etwas wie einen festen Stock wiederkehrender Vorstellungen? Ja, klar, nämlich den, dass die jeweilige Gegenwart das Letzte und ein die Vergangenheit beschämendes Phänomen ist. In weniger gebildeten Kreisen sagt man „Früher war alles besser“, doch die Hochgebildeten finden für den gegenwärtigen Kleinmut niederschmetternde Metaphern. Kunst, Literatur und Wissenschaft gehen immer gerade vor die Hunde. Ignorante Zeitgenossen zerstören, was Generationen mit übermenschlichen Leistungen begründet haben. Das Dumme daran ist, dass die früheren Generationen tatsächlich die größten Leistungen vollbracht haben. Allein wie sie es schafften, Mais zu züchten, liegt jenseits jeder gegenwärtigen Vorstellungskraft. Dagegen scheint die RosettaMission, vor deren Leistungen mir der Mund offenbleibt, wie ein Zeitvertreib von Nerds. Pablo ­Picasso hat angesichts der Höhlenmalereien in Frankreich gemeint, wir hätten gar nichts dazugelernt, und wer die Odyssee oder die Bibel kennt, wird es schwer haben, die Bedeutung aller nachfolgenden Literatur zu würdigen. Schön, dass es in Kunst, Literatur und Wissenschaft diese Gemeinsamkeit gibt. Vielleicht sind sie ja den übrigen Tätigkeiten der Menschen näher, als man glaubt.

Impressum Falter 49a/14 Herausgeber: Armin Thurnher Medieninhaber: Falter Zeitschriften GmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: service@falter.at, www.falter.at Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. Redaktion: Christian Zillner Fotoredaktion: Karin Wasner Produktion/Grafik: Barbara Blaha, Reini Hackl Korrektur: Martina Paul Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.

HEUREKA ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit

F o t o : S t e f a n H e m z a / B a y e r i s c h e s S t a a t s m i n i s t e r i u m f ü r W i ss e n s c h a f t , F o r s c h u n g u n d K u n s t ; G r a f i k : T o n e F i n k

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Aus Wissenschaft und Forschung Kopf im Bild Auf den Spuren der Natur Günther Knör, Professor für Anorganische Chemie an der Uni Linz, betreibt Bionik auf molekularer Ebene. „Durch genaue Analyse der natürlichen Vorgänge in Zellen und lebenden Organismen wird deren Übertragung auf technisch oder medizinisch nutzbare Prozesse möglich“, so Knör. In den letzten Jahren hat er fundamentale Pionierarbeit geleistet und ein eigenständiges Forschungsgebiet etabliert: die biomimetische Photokatalyse. „Dabei werden Reaktionen nach dem Vorbild der Natur gezielt durch Licht ausgelöst und gesteuert.“ Mit diesem Ansatz hat er sehr erfolgreich künstliche Enzyme geschaffen, die sich als robuste Katalysatoren für die umweltfreundliche Chemie oder die molekulare Photomedizin eignen. Nun ist ihm sein bisher größter Durchbruch gelungen: die direkte Gewinnung von solaren Treibstoffen durch künstliche Photosynthese. Was in dieser Form bisher nur Pflanzen, Algen und einige Bakterien konnten, dient ihm und seinem Team schon jetzt als Basis für weitere Folgereaktionen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energie- und Kreislaufwirtschaft. T e x t : u s c h i s orz F oto : robert ma y bac h

JungforscherInnen U s c h i Sorz

iese drei haben vor Kurzem ihre Dissertation mit Unterstützung D eines Abschlussstipendiums der Universität Wien fertiggestellt:

Fotos: privat

Ana Monika Pirc, 30, Sprachwissenschaft

In ihrer Forschung habe sich die Verbindung zwischen Sprachwissenschaft und Sprachphilosophie als produktiv erwiesen, erzählt Ana Monika Pirc. Die gebürtige Wienerin, die teilweise in Slowenien aufgewachsen ist und dort vor ihrem Doktoratsstudium an der Uni Wien Russisch und Französisch studiert hat, hat in ihrer Dissertation „Regel, Fehler, Korrektur. Der non-­ native discourse in Linguistik und Sprachphilosophie“ das Sprechen

von Nichtmuttersprachlern untersucht. „Besonders hat mich interessiert, wie ausgewählte Theorien aus den unterschiedlichen Disziplinen mit solchen Unregelmäßigkeiten umgehen. Dadurch können sowohl die Begriffe von sprachlicher Regelhaftigkeit und Korrektheit als auch der Begriff des Native Speakers diskutiert und kritisch betrachtet werden.“ Bernhard Bauer, 31, Kultur- und Sozialanthropologie

Die Idee für eine Dissertation an der Schnittstelle von Consulting, Tourismusforschung und Ethnologie entwickelte Bernhard Bauer, weil er nach seinem Studium der Kultur- und Sozialanthropologie in Wien und dem Master für Tourismusmanagement in Triest bei einer

Florentiner Firma in der Tourismusentwicklung zu arbeiten begann. Warum nicht ethnographische Forschungsmethoden mit Analysetechniken aus dem Beratungsbereich verbinden, dachte er sich. Das ideale Forschungsumfeld dafür fand er in New Orleans. „Dort werden nämlich besonders immaterielle Kulturelemente wie etwa Musik, Mardi Gras Indians oder Voodoo vermarktet.“ In seiner über 400 Seiten starken Doktorarbeit zeigte Bauer, wie immaterielle Kultur in Tourismusprodukte verwandelt wird und welche Auswirkungen das auf die kulturellen Akteure hat. Birgit Swoboda, 31, Anglistik und Amerikanistik

In ihrer Dissertation „L2P n00b – The

pragmatics of positioning in MMORPGs“ konnte Birgit Swoboda zwei ih-

rer Leidenschaften miteinander verbinden: Sprachwissenschaft und Computerspiele. Die Wienerin, die Anglistik und Amerikanistik sowie Geschichte studiert hat, untersuchte die Sprachverwendung in Computerspielen wie etwa „World of Warcraft“ und die Positionierung der Spieler in Gesprächen. „Ich wollte herausfinden, was Spieler bewegt und wie sie das sprachlich umsetzen“, so Swoboda. Dabei ging es ihr nicht so sehr um die Unterschiede, sondern um die Gemeinsamkeiten. „Auffallend ist, dass die grundlegenden Positionen in Gesprächen dieselben sind wie außerhalb der Spiele, obwohl die Sprache der Spieler auf den ersten Blick gänzlich andersartig wirkt.“


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Aus Wissenschaft und Forschung Literaturwissenschaft

Mathematik

Brief aus Brüssel

Was der Kaiser nicht goutiert und verboten hat:

Emi l y W a l to n

Über Zensur im Habsburgerreich und die Digitalisierung von Ludwig Tiecks legendärer Bibliothek

Mit mathematischen Methoden den Geheimnissen des Alls näherkommen: Raumzeiten?

A l e x a n d ra M ar k l

USCHI SORZ

Universität zwei spannende Projekte. Einerseits leitet Norbert Bachleitner die Untersuchung über die Zensur der italienischsprachigen Literatur in der Habsburgermonarchie 1750 bis 1918. Der Germanist will ergründen, wie stark die Literatur dieser Zeit von der habsburgiArbeitet an der digitalen Katalogisierung von Ludwig Tiecks Bibliothek: Achim Hölter, Universität Wien

schen Bücherzensur beeinflusst war. Denn die Monarchie kontrollierte sowohl die Produktion von Büchern innerhalb ihrer Grenzen als auch die Verbreitung von importierten Büchern. Zu diesem Thema sind ebenfalls Recherchen in den Staatsarchiven von Mailand und Venedig geplant. Das Projekt, das bis September 2017 befristet ist, soll darstellen, wie

effizient die Überwachung der Zensurbehörden über die Herstellung und Verbreitung von Literatur und insbesondere von Manuskripten innerhalb der Donaumonarchie war. Das zweite Projekt namens „Ludwig Tiecks Bibliothek. Anatomie einer romantisch-komparatistischen Büchersammlung“ wird von Achim Hölter mit der Universität Dresden und der Österreichischen Nationalbibliothek über die nächsten drei Jahre erarbeitet. Das Ziel ist die virtuelle Rekonstruktion und Würdigung der etwa 9.000 Bände umfassenden Bibliothek des deutschen Romantikers Ludwig Tieck (1773–1853). Diese wissenschaftliche Privat- und Dichterbibliothek, eine der berühmtesten der Literaturgeschichte, kann als Grundlage für komparatistische Lese- und Schreibweisen dienen. Die Büchersammlung wurde 1849/1850 verkauft, heute will man den Inhalt nach modernen Standards der Katalogisierung auflisten. Die so entstandene digitale Datenbank soll internationale Forscherinnen und Forscher zusammenführen, die sich mit Tieck, der Romantik oder der Komparatistik beschäftigen.

Luise Duttenhofer: Ludwig Tieck, sitzend und lesend, schwarzer Scherenschnitt. Tieck war berühmt für seine Bibliothek. Nun wird sie digital katalogisiert

ie reine Mathematik sehe ich als D kreativste Wissenschaft überhaupt, weil sie sich nur im Kopf ab-

spielt“, sagt Annegret Burtscher. Ihren eigenen beschäftigt die 31-Jährige mit nichts Geringerem als Einstein-Gleichungen. Unsere Sicht auf das Universum hat die Relativitätstheorie vor gut einem Jahrhundert drastisch verändert: Nicht mehr die Kräfte bestimmen, wie sich Planeten und Lichtstrahlen „Die meisten fanden es verrückt, dass ich Mathematik studieren wollte.“ Annegret Burtscher, Mathematikerin

bewegen, sondern die Krümmung des Raumes selbst. „Hier kommt die Mathematik ins Spiel“, erklärt Burtscher. „Die Krümmung ist ein zentraler Begriff der Differentialgeometrie, und Einstein-Gleichungen sind ein komplexes System nicht linearer partieller Differentialgleichungen.“ Zu Jahresbeginn hat sie sub auspiciis über analytische und geometrische Aspekte der Relativitätstheorie dissertiert. „Mich interessiert, wie sich Raumzeiten verhalten, wenn man von gewissen räumlichen Anfangsdaten ausgeht und deren dynamische Entwicklung beobachtet.“ Burtscher ist auf geometrische Analysis spezialisiert. Dabei geht es darum, geometrische Fragen mithilfe analytischer Methoden zu lösen. Ihre Forschung sei rein mathematisch und habe keine direkte Anwendung, Berührungspunkte mit der Realität gebe es aber schon: So spielt Einsteins Relativitätstheorie in der Astrophysik eine wichtige Rolle. „Sie fließt unter anderem beim GPS zur Verbesserung der Positionsbestimmung ein.“ Obwohl sie Mathematik immer schon mochte und Simon Singhs Buch „Fermats letzter Satz“ ihren Berufswunsch prägte, fiel ihr die Studienwahl nicht leicht. „Ich habe an der HTL für Tiefbau in Rankweil maturiert, dort fanden die meisten so etwas ziemlich verrückt“, erzählt die zweifache Mutter, die im Frühjahr eine Postdoc-Stelle in Bonn antreten wird. „Dass ich’s dann doch inskribiert hab’, habe ich nie bereut.“

kurse boomen: Oft sind sie gratis und manchmal die einzige Möglichkeit für „normale“ Studierende, eine Vorlesung mit einem Star-Professor an einer renommierten Universität zu hören. Gleichzeitig verkündet die EU-Kommission in Brüssel jedes Jahr neue Rekordzahlen, was Erasmus betrifft: Schon wieder haben mehr junge Menschen am Studierendenaustausch teilgenommen als im Vorjahr; wieder plant man, das Programm in den nächsten Jahren auszubauen. Erasmus-Stipendien und kostenlose Online-Vorlesungen machen das Studium nicht nur reicher an Erfahrungen, sie haben auch einen gemeinsamen Nebeneffekt: Bildung wird zugänglicher, vor allem für jene, die von Haus aus mit weniger Ressourcen ausgestattet sind. Um das zu erreichen, braucht es freilich nicht immer viel Geld oder gleich neue Techniken. Simple Mittel reichen oft, um Bildung zumindest etwas weniger erblich zu machen. Wie das geht, kann man sich seit Kurzem an der belgischen Universität Leuven ansehen. Seit diesem Wintersemester gibt es Einführungskurse für „Pionier-Studierende“. Der schöne Begriff meint all jene, die in ihrer Familie die ersten sind, die in den Genuss einer akademischen Ausbildung kommen. Weil sie keine Eltern oder Geschwister haben, die Erfahrungen aus ihren Universitätstagen weitergeben können, erhalten sie einen kostenlosen, einwöchigen Blitzkurs über das Hochschulleben. Danach sollen sie genauer wissen, was von ihnen erwartet wird – und was die Universität ihnen bieten kann. Sie sollen Grundbegriffe der akademischen Sprache erlernen und ein besseres Gefühl bekommen, ob sie im richtigen Studium gelandet sind. Wie die Verantwortlichen in Leuven auf diese Idee gekommen sind? Nebensächlich durch Vorbilder unter anderem in den Vereinigten Staaten und in den Niederlanden. Hauptsächlich jedoch durch das Gefühl, dass viele Studierende aus „bildungsfernen Schichten“ am Studium scheitern – und zwar nicht, weil sie nicht das Zeug dazu haben, sondern weil sie sich schlechter einleben. Dass Bildung weniger davon abhängt, was die Eltern gelernt und wodurch sie ihr Einkommen verdient haben, sondern mehr davon, was man sich selbst aneignet, ob im Inland oder im Ausland, ob im Vorlesungssaal sitzend oder zu Hause on- und offline – das wäre eine schöne Vision für die Universität der Zukunft.

F o t o s : p r i v a t , L u i s e D u t t e n h o f e r / M a r b a c h , D e u t s c h e s L i t e r a t u r a r c h i v , I n v e n t a r n u mm e r 5 4 8 6

eit Oktober 2014 laufen an der Abteilung für Vergleichende S Literaturwissenschaften der Wiener

as Studium der Zukunft spielt sich verstärkt im Ausland ab – D oder gleich im Cyberspace. Online-


Titel 5

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Wohin geht die Universität?

Der Countdown zum Thema

Christof Damböck, Ur sula Pichlwagner, Jakob Weiss, Anna Ze thner

1. 675.715.000

Euro betrugen die Ausgaben der öffentlichen Universitäten für Forschung und Entwicklung (F&E) im Jahr 2011. Mit über 554 Mio. Euro ist der größte Teil den Naturwissenschaften zuzuschreiben, gefolgt von der Humanmedizin (inklusive Kliniken) mit rund 451 Mio. Euro. Die Geisteswissenschaften bilden mit 149 Mio. Euro das KostenSchlusslicht. Damit wurden zu großen Teilen Personal- und Sachausgaben gedeckt sowie Investitionen in Infrastruktur getätigt.

585.129.695

Euro konnten die öffentlichen Universitäten 2012 mit F&E-Projekten und Projekten der Entwicklung und Erschließung der Künste lukrieren. Die Einnahmen stammen von Unternehmen, Ländern und Gemeinden sowie aus wettbewerblich vergebenen Fördergeldern des FWF, der FFG und der EU sowie von sonstigen öffentlichen Fördereinrichtungen (Stiftungen und Fonds); nur in geringem Ausmaß von privaten Stiftungen.

7.090.709

Bücher weist der Bestand der Universitätsbibliothek Wien auf, der sich auf die Hauptbibliothek und dezentrale Bibliotheken verteilt. Das Angebot wurde 2013 mit rund 6.084.438 Entlehnungen äußerst rege genutzt; im Schnitt liest eine Studentin bzw. ein Student 32 Bücher pro Semester.

2.500.000

Euro beträgt das Gesamtvolumen von PEEK, dem „Programm zur Entwicklung und Erschließung der Künste“ des FWF, welches exzellente „arts-basedresearch“ unterstützt.

1.880.190

Quadratmeter beträgt die Nutzfläche aller Unis in Österreich (Stand 2012), dafür zahlen diese insgesamt rund 230 Mio. Euro an Miete pro Jahr an die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG). 343.271 Quadratmeter davon nutzt die Universität Wien, die sich auf insgesamt 79 Standorte verteilt: 72 in Wien, fünf in Niederösterreich, je einer in Oberösterreich und Salzburg.

44.860

Studierende, also etwa 15 Prozent, bezogen im Studienjahr 2012/13 Studienbeihilfe in der Höhe von 181,9 Mio. Euro. Mit 19,5 Prozent ist der Anteil der Beihilfenbeziehenden bei den Studierenden der Veterinärmedizin am höchsten, mit 9,5 Prozent bei den Studierenden der Theologie am geringsten. Wer Anspruch auf eine Studienbeihilfe hat, ist im Studienförderungsgesetz von 1992 geregelt.

28.099

Doktoranden, davon 47 Prozent Frauen, gibt es in Österreich. 7.500 verfassen ihre Dissertation in einem Fach der Geistes- und Kulturwissenschaften, 5.900 in den Ingenieur- bzw. Technikwissenschaften und 1.990 in einem medizinischen Studienfach.

23.275

Studierende nutzten 2013/14 die Möglichkeit, in Mobilitätsprogrammen als „Outgoing“ in einem anderen Land zu studieren oder als „Incoming“ aus dem Ausland eine österreichische Universität oder Fachhochschule zu besuchen. Besonders beliebte Gastländer österreichischer Studierender sind Deutschland, Spanien oder Frankreich.

11.662

Ratsuchende wandten sich 2013 an die sechs Psychologischen Beratungsstellen für Studierende. 37 Prozent davon zur Beratung im psychischen Bereich, 22 Prozent hatten Probleme mit ihrer Studienwahl, und 18 Prozent suchten Rat zu den Themen Lernen, Arbeit (z.B. Vereinbarkeit von Studium und Arbeit) und Prüfungen (Bewältigung von Prüfungsangst und Konzentrationsproblemen). Die größte Gruppe bildeten Studierende der Geisteswissenschaften mit einem Anteil von 22,3 Prozenten; Studierende der BOKU oder Doktoranden nahmen hingegen diese Hilfe gar nicht in Anspruch.

9.948

Interessentinnen und Interessenten traten 2014 zum Medizin-Aufnahmetest an (Human- und Zahnmedizin), 1.560 Studienplätze konnten, verteilt auf die Standorte Graz, Innsbruck, Wien und seit heuer erstmals in Linz, vergeben werden. 75 Prozent der Plätze sind für Österreicherinnen bzw. Österreicher reserviert.

273.280

5.067

174.752

4.000

ordentlich Studierende, davon 53 Prozent Frauen, waren im Studienjahr 2013/14 an öffentlichen Universitäten inskribiert. 62 Prozent sind sogenannte prüfungsaktive Studierende, die in einem Studienjahr mehr als 16 ECTS erreichen.

Studierende haben im Studienjahr 2013/14 ein Bacherlorstudium inskribiert (inkl. Lehramtsstudien), 47.541 Studierende bemühen sich um den Masterabschluss.

Interessentinnen und Interessenten gab es zu Beginn des Wintersemesters 2014 für das Studium Psychologie, 500 Kandidatinnen und Kandidaten erhielten nach dem Aufnahmetest einen Studienplatz. als deutsch-national eingestufte Burschenschaftler (Aktive sowie „Alte Herren“) gibt es in Österreich,


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Wohin geht die universität? organisiert in etwa 60 schlagenden Verbindungen. Vereinzelt existieren auch sogenannte „Mädelschaften“ (z. B. die „Freya“), ihr Anteil am deutschnationalen studentischen Milieu wird jedoch nur auf maximal zwei bis drei Prozent geschätzt. Insgesamt befinden sich 34.000 Österreicherinnen und Österreicher in studentischen Verbindungen.

77

Prozent beträgt die Übertrittsrate von Bachelor- in Masterstudien an öffentlichen Universitäten in Österreich innerhalb eines Jahres nach Studienabschluss im Jahr 2014. 69,61 Prozent der Masterstudierenden bleiben ihrer Studienrichtung treu und bleiben zum Großteil auch an derselben Universität (95 Prozent).

Professuren gab es in Österreich im Studienjahr 2012/13. Etwa ein Fünftel davon wird von Frauen, deren Anteil in den letzten Jahren leicht gestiegen ist, ausgeübt.

2.333

64

1897

58

war das Jahr, in dem Frauen in Österreich als ordentliche Hörerinnen erstmals zugelassen wurden, allerdings vorerst nur an der Philosophischen Fakultät, drei Jahre später dann auch in der Medizin. Elise Richter habilitierte sich 1907 als erste Frau in der Romanistik.

1365

ist das Gründungsjahr der Universität Wien; sie ist somit die älteste Universität im deutschen Sprachraum. Gegründet wurde die Universität Wien mit drei Fakultäten: Philosophie, Jurisprudenz und Medizin. Der theologischen Fakultät stimmte der Papst erst im Jahr 1384 zu.

920

Sitzplätze hat das Audimax, der größte Hörsaal der Universität Wien, und ist trotzdem zu klein für so manche einführende Lehrveranstaltung. Abseits vom regulären Betrieb war das Audimax immer auch Zentrum des politischen Universitätslebens – sogar besetzt und bekocht während der „unibrennt“-Bewegung (daher: Audimaxismus). Zwischendurch ist das Audimax beliebter Veranstaltungsort für Kabaretts und bebilderte Reisevorträge.

650

Euro beträgt in Niederösterreich und im Burgenland die Entlohnung im Klinisch-Praktischen Jahr (KPJ), das Studierende der Medizin im letzten Studienjahr absolvieren müssen. In Vorarlberg wurde eine ähnliche Vereinbarung getroffen (dort beträgt die Aufwandsentschädigung 579,70 Euro pro Monat).

381,86

Euro beträgt die Studiengebühr an öffentlichen Hochschulen (inklusive ÖH-Beitrag von 18,50 Euro), sobald die Mindeststudienzeit inklusive Toleranzsemester überschritten wird (ausgenommen sind internationale Studierende aus den nach der OECD-DAC-Liste am wenigsten entwickelten Ländern).

237

verschiedene Kurse bietet das Universitätssportinstitut (USI) auf der Schmelz in Wien und an anderen Standorten, um für die notwendige Abwechslung im Studium zu sorgen. Darunter auch exotische Kurse wie z.B. Clownerie, Fliegenfischen oder Unterwasserrugby.

163

unterschiedliche Staatsangehörigkeiten haben Studierende an öffentlichen Universitäten im Wintersemester 2013/14, von A wie Äquatorialguinea über Palau bis Z wie Zypern.

81

Habilitationen wurden 2012 von Frauen abgeschlossen, 181 von Männern. Zusammengefasst werden die meisten Habilitationen in den Human- bzw. Naturwissenschaften abgeschlossen, gefolgt von den Geisteswissenschaften. Im Bereich der Erschließung und Entwicklung der Künste habilitierten 2012 zwei Frauen, aber kein einziger Mann.

Starting Grants und 37 Advanced Grants vergab der ERC (European Research Council) an Forscherinnen und Forscher österreichischer Einrichtungen (Stand November 2013). Diplomstudien werden an den Universitäten angeboten (Stand 2013), im Jahr 2004 waren es noch 221. Das Studienangebot wird sukzessive der internationalen Bologna-Architektur angepasst (Bachelor – Master – PhD). Zu den letzten Diplomstudien gehören die Kunst- und Musikstudien, Human-, Zahn- und Veterinärmedizin, Pharmazie, Rechtswissenschaften, Katholische Theologie sowie Wirtschaftsrecht und Wirtschaftspädagogik. An den Fachhochschulen werden seit 2011 keine Diplomstudien mehr angeboten.

55

Jahre ist die Altersgrenze, ab wann eine Studentin als „Seniorin“ gilt; bei Männern liegt die Grenze bei 60 Jahren. Genau 62 Jahre beträgt die Differenz zwischen dem ältesten Universitätsabsolventen (Doktor der Medizin mit 78 Jahren, 2012) und dem jüngsten Absolventen, der mit 16 Jahren im Jahr 2008 einen Bachelor in Informatik erwarb. Im Studienjahr 2013/14 fanden rund 3.800 „Seniorstudierende“ ihren Weg in die Hörsäle, also 1,4 Prozent der Studierenden. Zu ihren beliebtesten Fächern zählen Geschichte, Philosophie oder Germanistik.

40

Jahre lang versorgen bereits „Mensa“-Standorte in ganz Österreich die Studierenden mit den nötigen Nährstoffen für ein ausgewogenes Studentenleben. 2013 wurden für über vier Millionen hungrige Studierende (Tagesdurchschnitt: 15.000) rund 50 Tonnen Teigwaren, 70 Tonnen Pommes Frites und Kroketten und 400 Tonnen Fleisch und Wurst sowie 60 Tonnen Geflügel verarbeitet.

16

nationale Patenterteilungen erhielt die TU Wien im Jahr 2013 und liegt damit an der Spitze unter Österreichs Universitäten und auf Platz sechs im Erfindungsranking 2013 des Österreichischen Patentamts.

10

verschiedenen Parteien konnten die Studierenden bei der letzten ÖH-Wahl 2013 bundesweit ihre Stimme geben. Die Bandbreite reicht vom Kommunistischen StudentInnenverband bis zum Ring Freiheitlicher Studenten.

0

Aufnahmetests gibt es an der Montanuniversität Leoben. Die Universität hat ausreichende Kapazitäten und betont, die Anzahl der Studienplätze sei nicht begrenzt, Interessierte sind also willkommen!

Quellen: • Homepage des bmwfw • Unidata, hochschulstatistisches Informationssystem des bmwfw • bmwfw, Wissenschaft in Österreich/ Statistiken, 2014 • Statistik Austria • Österreichische Agentur für Wissenschaftliche Integrität, Kommission für wissenschaftliche Integrität. Jahresbericht 2013, Wien 2014


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WOHIN GEHT DIE UNIVERSITÄT?

Zu den Illustrationen

ILLUS T R AT ION: G ER ALD HAR T W IG / W W W. ZEICHEN S T R ICH.DE

Gerald Hartwig ist freischaffender Künstler und Zeichner. Er lebt und arbeitet in Berlin. Seine erste Graphic Novel „Chamäleon“ ist im Wiener Verlag Luft schacht erschienen. Vor Kurzem hat er gemeinsam mit seinem Bruder ein Buch mit Schüttelreimen und Zeichnungen veröffentlicht, zu bestellen auf www.brudertwist.com. Weitere Informationen und einen Einblick in sein Werk auf: www.zeichenstrich.de

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Wohin geht die universität?

Das System wird kompetitiver Wie sehen die wissenschaftlichen Karrierechancen von Doktoranden gegenwärtig aus? Werner Sturmberger

W

ie wirken sich die Rahmenbedingungen wissenschaftlichen Arbeitens auf den wissenschaftlichen Nachwuchs und den Forschungsbetrieb aus? Im Rahmen eines Forschungsprojekts am Institut für Wissenschaftsforschung der Universität Wien versuchte Ruth Müller gemeinsam mit Ulrike Felt und Max Fochler diese Fragen am Beispiel der Lebenswissenschaften zu beantworten. Da es sich bei den Lebenswissenschaften um ein recht junges Forschungsgebiet handelt, dessen gesamter institutioneller Rahmen quasi von Grund auf neu entworfen wurde, sind an ihnen forschungspolitische Überlegungen besonders deutlich zu erkennen. Darüber hinaus gelten die Lebenswissenschaften auch als „Modellorganismus“, an dessen Beispiel sich auch Sozial- und Geisteswissenschaften orientierten sollten, erklärt Müller. Im Gespräch erläutert sie, wie das Arbeiten und das wissenschaftliche Leben in den Lebenswissenschaften aussieht. Falter Heureka: Wie sieht die ­

Entwicklung in den Lebenswissenschaften aus? Ruth Müller: Das ist graduell unterschiedlich. Aber wir haben eine stark steigende Zahl an PhD-Abschlüssen, Postdoc- und Gruppenleiterinnen- und -leiter-Positionen. Dennoch gibt es einen ausgeprägten Flaschenhals entlang dieses Karrierewegs. Denn es werden wesentlich mehr PhDs ausgebildet und für eine akademische Karriere

sozialisiert, als jemals in der Wissenschaft Platz finden können.

„Es gibt eben nicht mehr nur ein Lehr-, sondern auch ein Produktionsziel.“ Ruth Müller, Universität Wien

Ruth Müller ist Postdoc in der Research Policy Group, Universität Lund. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen Forschungspolitik und Forschungskulturen

Der Wettbewerb um Positionen steigt? Müller: Ja, das System wird dadurch kompetitiver. Die Positionen sind auch in der Regel befristet, was den Erfolgsdruck zusätzlich erhöht. Diese Settings verlangen ein sehr hohes Commitment für die Wissenschaft, sowohl emotional als auch zeitlich. Sich parallel auch Alternativen offen zu halten, in andere Bereiche hinein zu schnuppern, erscheint kaum möglich. Darüber hinaus sind viele Wissenschafterinnen und Wissenschafter stark auf das Credo, nur eine wissenschaftliche sei eine lohnende Karriere, eingeschworen. Was braucht es, um erfolgreich zu sein? Müller: Es geht nicht nur darum, Karrierekapital, Publikationen mit hohen Impactfaktoren oder Drittmittel zu akquirieren, sondern das auch in möglichst kurzer Zeit zu tun. Zeit, die für etwas anderes als dafür verwendet wird, ist in dieser Logik verlorene Zeit. Wie ändert sich das Forschen in einem solchen Setting? Müller: Es ist notwendig, sich relativ früh auf einen Forschungsbereich festzulegen und Forschungsfragen so zu formulieren, dass sie mit dem Publikationswesen zu­ sammenpassen. Es reicht nicht, nach fünf

Jahren einmal ein Paper zu veröffentlichen. Man muss regelmäßig publizieren, regelmäßig publizierbare Resultate erzeugen. Die Komplexität und Kreativität von Forschungsfragen wird so tendenziell eingeschränkt. Was bedeutet das für die Lehre? Müller: Da in diesem System der Laborgruppen die Produktion von Papers im Vordergrund steht, nehmen Postdocs die Betreuung von PhDs als etwas Zusätzliches wahr. Die Postdocs scheinen auch als Co-Autoren in den Papers der PhDs auf. Das heißt, es gibt eben nicht mehr nur ein Lehr-, sondern auch ein Produktionsziel. Die Logik von Lernen und Produktion ist nicht notwendigerweise deckungsgleich. Wie verändert dieses Forschungsparadigma die gesellschaftliche Rolle von Forscherinnen und Forschern? Müller: In diesen hochkompetitiven Settings bleibt nicht mehr viel Zeit für anderes. Gerade internationale Forschende werden von ihren Forschungsinstitutionen aufgesogen und wandern von Land zu Land, ohne sich jemals wirklich mit der Gesellschaft, in der sie arbeiten, beschäftigen zu können. Damit schrumpft die Masse der Akademikerinnen und Akademikern, die als Ressource von Kritik zu zivilgesellschaftlichen Diskursen beitragen könnten. Den einzelnen Forschenden kann man das aber nicht vorwerfen. Das ist ein systemisches Problem.

Karrieren sind unsicherer geworden Wie steht es mit dem Nachwuchs für die Universität? An der Universität Wien steigt die Zahl der Doktoranden Claudia Stieglecker

Befähigung zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten. Außerdem ist sie der Grundstein für eine wissenschaftliche Karriere, denn aus den Reihen der Doktoranden rekrutieren die Universitäten ihren Nachwuchs. „Die Doktoratsausbildung ist Teil der Forschungsaktivität einer Universität. Gleichzeitig bietet sie Gelegenheit zur individuellen Reflexion, ob man für eine wissenschaftliche Berufslaufbahn geeignet ist“, erläutert Gabriele Kucsko-Stadlmayer, Vorsitzende des Senats der Universität Wien und Sprecherin der österreichischen Senatsvorsitzenden. Im Jahr 2011 schlossen 450 Kandidatinnen

und Kandidaten ihr Doktoratsstudium an der Universität Wien ab. Zwei Jahre später

„Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist eine der primären Aufgaben der Universität“ Gabriele KucskoStadlmayer, Universität Wien

waren es bereits 650 – das Ergebnis von intensiven Förderungsbemühungen durch die Schaffung unterstützender inhaltlicher und administrativer Strukturen. „Es geht darum, das gesammelte Wissen der Gesellschaft an die nächste Generation weiterzugeben, kritisch zu reflektieren und weiter zu entwickeln“, sagt Kucsko-Stadlmayer. „Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist eine der primären Aufgaben der Universität.“ Dementsprechend wichtig sei das institutionelle Engagement der Uni für eine qualitätsvolle Betreuung. Diese ist zu einem großen Teil eine Frage des Geldes: Mit bis zu 100.000 Euro im Jahr schlägt ein vollbeschäftigter Doktorand zu Buche, Entlohnung laut Kollektivvertrag, Arbeitskosten der Betreuer, Labor- und Gemeinkosten inklusive. „Es muss noch mehr investiert werden“, betont Kucsko-Stadlmayer. „Hier

muss der Staat die Finanzierung sichern und dafür sorgen, dass die Universitäten ihre Aufgaben erfüllen können.“ Aktuell entscheidet sich an der Universität

Wien etwa ein Viertel der Doktoranden für eine Postdoc-Phase, wovon wiederum ein Viertel eine Professur erlangt. Ein sinnvoller Ausleseprozess, der prinzipiell im System begründet liegt, so Kucsko-Stadlmayer. Jedoch seien wissenschaftliche Karrieren unsicherer geworden, nicht zuletzt durch die ausschließliche Vergabe befristeter Stellen auf dem Weg zu einer Professur. Eine tendenzielle Erhöhung der dauerhaften Beschäftigungsverhältnisse für Personen mit hervorragender Qualifikation wäre daher wünschenswert: „Die Universitätsleitungen stehen bei der Gewinnung und Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses vor großen Herausforderungen.“

F o t o s : J o h a n n a R a u c h , B a rb a r a M a i r

as Doktorat ist der höchste akademische Grad, den eine Universität vergeD ben kann. Die Promotion bescheinigt die


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Wohin geht die universität?

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Haidingers Hort der Wissenschaft

Grafikkabinett Püribauers Tierversuche

Kampfboden Universität M art i n ha i d i n ger

Martin Haidinger ist Historiker, Wissenschafts­ journalist bei Ö1 und ­Staatspreisträger für Wissenschafts­ journalismus

Illu s trat i o n : B er n d P ü r i bauer

Freihandbibliothek Buchtipps von Emily Walton Was kostet die Uni?

Lehre per Mausklick

Kann man sich in den Hochschulsektor einkaufen? Dieser Frage geht Derek Bok, ehemaliger Präsident der Harvard University, nach. Er beschreibt die zunehmende Kommerzialisierung der Universitäten in Amerika und auch die Prozesse, die hinter corporate-funded research stecken. Er schildert auch, welchem Druck Universitätsverantwortliche standhalten müssen: Die lukrativen Verlockungen machen es reizvoll, allzu viele Verträge mit großen Konzernen zu unterzeichnen.

Online-Learning ist ein wichtiger Trend im Hochschulbereich. Das Lernen über PC ist nicht nur für Studierende attraktiv, sondern auch für die Universitäten. Die Online-Angebote ermöglichen es, Kosten zu sparen und höhere Studierendenzahlen zu bewältigen. William Bowen, vormaliger Präsident der Princeton University, untersucht, welche langfristigen Auswirkungen die Digitalisierung der Vorlesungen (= MOOC, Massive Open Online Courses) hat und sucht Wege, um Qualität zu garantieren.

Ein Titel auf Pump

Abu Dhabi statt Oxford

College Unbound: The Future of Higher Education and What It Means for Students. Von Jeffrey J. Selingo. New Harvest, 256 S.

The Great Brain Race: How Global Universities Are Reshaping the World. Ben Wildavsky, Princeton University Press, 256 S.

Universities in the Marketplace: The Commercialization of Higher Education. Von Derek Bok. Princeton University Press, 256 S.

Es ist längst bekannt, dass ein akademischer Titel keine Jobgarantie mehr ist. Jeffrey Selingo, Redakteur bei The Chronicle for Higher Education, stellt die Frage, wieviel ein Universitätsabschluss denn eigentlich wert ist. Darf ein Master an einer (durchschnittlichen) Universität mehrere tausend Dollar kosten? Sind die horrenden Gebühren noch irgendwie zu rechtfertigen? Und warum sind so viele Studierende bereit, sich für einen Titel hoch zu verschulden? Dieses Buch liefert eine gute Einführung in das US-Modell der StudierendenDarlehen.

Higher Education in the Digital Age. Von William G. Bowen. Princeton University Press. 192 S.

Erasmus-Semester und Auslandspraktika sind Standard im Lebenslauf, mit einem Postgraduate-Abschluss in Oxford oder Harvard fällt man eher auf. Seltener findet man Aufenthalte an Unis in Indien, Südafrika oder Saudi-Arabien im CV. Dabei gibt es hier Hochschulen (und Satelliten-Campus westlicher Universitäten), die versuchen, sich mit renommierten angloamerikanischen Fakultäten zu messen. Bildungsexperte Ben Wildavsky widmet sich auf 256 Seiten der internationalen Hochschullandschaft und den Studentenströmungen zwischen den Kontinenten.

eden wir hier doch einmal über die vielfach glorifizierte Vergangenheit R der Universität und wie es damals den an

ihr Lehrenden und Studierenden so ergangen ist. Es war im Jahr des Herrn 1414, also vor exakt 600 Jahren. Damals ließ die katholische Rechtgläubigkeit in Form des Konzils von Konstanz den als Häretiker bezichtigten Jan Hus auf dem Scheiterhaufen verbrennen – auf der Brühl an der Stadtmauer der Bodensee-Metropole. Vorangegangen waren jahrelange, wüste Raufereien zwischen der Glaubensgemeinschaft tschechischer Früh-Nationalisten und den deutschen, ultramontanen Romtreuen, deren Umzug nach Leipzig die Prager Universität zerrissen hatte. Eine Grundlage für die Verurteilung von Jan Hus in Konstanz waren übrigens Gutachten der damals noch jungen Universität Wien gewesen. Nicht nur in theologischen Angelegenheiten bildeten die Expertisen von angesehenen Hochschullehrern (damals alle männlich) die Grundlage für einschneidende Urteile, die Legitimation für Verurteilungen und oft genug einen Vorwand für Gewaltanwendung. Das war damals auch an der Universität Wien nicht anders. Deren soziale Dynamik war bereits im 15. Jahrhundert eine raue. Im Wiener Studentenkrieg, einem „gar wilden Geräuf “, wie es in alten Berichten heißt, krachten 1479 die klerikalen Studenten der „Lilienburse“ und die freisinnigen der „Rosenburse“ aufeinander. Der blutige Streit aperte erst aus, als der Rädelsführer der „Rosen“ Christian Voigt fertig studiert hatte und hinterher zum Biedermann mutiert war: Er war zu einem Wiener Ratsherren geworden, also zu einem Kommunalpolitiker … Die Alma Mater Rudolfina, wie sich die Universität Wien auch nennt, blieb in ihrer Geschichte ein Kampfboden – auch jenseits zivilisierter Diskussionen. Zu vielen Zeiten regierten neben dem intellektuellen Disput der Denkschulen an der Universität auch billiger Aktionismus und sogar Fäuste und Knüppel – egal, welche jeweiligen tatsächlichen oder vermeintlichen politischen Mehrheitsverhältnisse unter den Studierenden auch herrschten. Und erfahrene Hochschulforscherinnen und Hochschulforscher wissen, dass das bei Weitem nicht nur für Zeiten galt, da Diktaturen Land und Universität unterdrückten. Totalitäre Fantasien und Ideen, die dann in tätige Intoleranz übergingen, konnten sich nicht zuletzt auch in akademischen Szenen freizügigerer Zeiten ausbilden. Wie gesagt – Vergangenheit, nicht wahr? Freuen wir uns lieber auf die Zukunft der Universität.


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WOHIN GEHT DIE UNIVERSITÄT?

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ologna den Prozess machen!“, forderten Studierende im Herbst 2009. Hintergrund der bundesweiten Protestwelle waren die Auswirkungen der Implementierung des Universitätsgesetzes von 2002 (UG 2002). Darin erhalten sind die Bologna-Richtlinien sowie die darüber hinausreichende Neuorganisation der universitären Leitungs- und Entscheidungsstrukturen und die Hochschulautonomie Rechtsverbindlichkeit. Für viele Studierenden schienen sich die Befürchtungen, die man mit Bologna verband – kurz gesagt eine neoliberale Umstrukturierung der Hochschulen –, zu bewahrheiten. Außerdem wurden Hoffnungen enttäuscht, etwa hinsichtlich einer größeren sozialen Durchlässigkeit. Gleichzeitig brachte die Implementierung des UG 2002 ein bereits zuvor angespanntes System an seine Leistungsgrenzen. Die Unis konnten oft Bedürfnisse der Studierenden nicht mehr erfüllen. Kritik richtet sich auch gegen die chronische Unterfinanzierung, eine Verschulung und Überfrachtung der Curricula und die Nichterreichung der Bologna-Ziele in puncto Mobilität, Vergleichbarkeit der Abschlüsse und Verbesserung der Lehre. Helga Nowotny, Wissenschaftsforscherin und ehemalige Präsidentin des Europäischen Forschungsrates, sagt dazu: „Der Bologna-Prozess ist besonders in den deutschsprachigen Ländern in verzerrter Weise umgesetzt worden. Statt die Freizügigkeit und Mobilität für Studierende zu erhöhen, ist es zu kleinlichen Einschränkungen an vielen Universitäten gekommen. Hier sollte ein Befreiungsschlag einsetzen. ,Bologna‘ lässt nämlich viel mehr Freiräume zu, als diejenigen zugeben wollen, die den Prozess für ihre eigenen Zwecke nutzen.“ Diese Freiräume auszuloten, würde aber eine breite Debatte über die gesellschaftliche Rolle und Form der Universitäten im 21. Jahrhundert erfordern. Mit dem Abklingen der Studierendenproteste ist das Thema aber aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden.

Forschung als Produktivitätsfaktor In ökonomischer Hinsicht steht die Bedeutung der Universitäten nicht infrage. Nowotny beschreibt sie für die Forschung folgendermaßen: „Die Produktion von neuem wissenschaftlichem Wissen, Technologien und methodischen Zugängen bleibt das zentrale Element für die Zukunft und wird auch weiterhin die Dynamik des Wirtschaftswachstums wesentlich mitbestimmen.“ Eine völlige Vereinnahmung wissenschaftlicher Forschung muss man nicht befürchten. Die Wissenschaft folgt noch immer einem Eigensinn. Sie hat aber mittlerweile erkannt, dass der Jargon des Ökonomischen bei Forschungsförderungsanträgen oder der Einwerbung von Drittmitteln die Erfolgschancen

erhöhen kann. Doch an die DrittmittelFinanzierung, die aufgrund stagnierender Budgets unverzichtbar geworden ist, knüpfen sich neue Fragen: Wie lässt sich die Unabhängigkeit der Forschung wahren? Wie verhindert man eine Privatisierung von öffentlich finanzierter Forschung? „Das Problem sind nicht Drittmittel an sich, sondern wofür und wie sie vergeben bzw. eingeworben werden und welche positiven Anreize an den Universitäten für die Einwerbung jener Drittmittel gesetzt werden, die mithelfen, ihr Profil zu schärfen und ihre Stärken zu betonen. Ein kluger Umgang mit der Verwertung von Wissen, das an Universitäten erzeugt wird, ist sicher auch nützlich“, meint Nowotny.

Bildung oder Ausbildung? Die Dokumente des Bologna-Prozesses beziehen sich positiv auf die Lissabon-Strategie und deren Ziel, Europa zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ zu machen. Dazu spielt neben der Forschung auch die Lehre eine vitale Rolle: „Universitäre Studien zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie Bildung in einem umfassenderen Verständnis vermitteln“, meint Christa Schnabl, Vizerektorin für Lehre an der Universität Wien. „Insofern bin ich optimistisch, weil ich davon überzeugt bin, dass gerade universitäre Studien die Studierenden auf einen sich rasch verändernden, dynamischen Arbeitsmarkt vorbereiten.“ Ulrike Felt, Wissenschaftsforscherin und Dekanin der Fakultät für Sozialwissenschaft, weist auf die Bedeutung einer entsprechenden Form der Lehre hin: „Im Umfeld einer sich stark verändernden Arbeitswelt stellt sich die Frage, wie man Bildung organisieren muss, um Menschen Lernfähigkeit in einem epistemologischen Sinn beizubringen.“ Und Julia Freidl, Generalsekretärin der ÖH, sagt dazu: „Ich studiere an der WU. Der Lehrplan ist stark kanonisiert und besteht ausschließlich aus Mainstreamökonomie. Es gibt keinen Platz, um sich mit anderen Büchern und Theorien zu beschäftigen.“ Für die Zukunft wünscht sie sich „mehr Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung“. Ein Anfang wäre die Wiedereinführung freier Wahlfächer. Längerfristig sei eine größere Mitgestaltungsmöglichkeit an den Curricula wünschenswert. Ein System, in dem das bloße Sammeln von ECTS-Punkten und nicht mehr die inhaltliche Auseinandersetzung im Vordergrund steht, sei „Betrug an den jungen Leuten“, gab Konrad Paul Liessmann, Philosoph an der Universität Wien, anlässlich der Präsentation seiner Bildungsstreitschrift zu bedenken: „Sie befinden sich dann nicht an einer Universität, sondern in einer Zertifizierungsagentur.“

Geht es in Richtung Ökonomisierung der Hochschulausbildung? Dies wurde auch bei der Konferenz des Österreichischen Wissenschaftsrates zum Thema erörtert

Die Bedeutung der Lehre Während die Bedeutung von Forschung und Ausbildung kontinuierlich steigt, verändert sich das Verhältnis dieser beiden Bereiche. Benchmarking und Rankings bewerten vor allem die Publikationsleistung einer Universität, daher gewinnt die Forschungstätigkeit für die Karriere an Bedeutung. Gerade Jungen in „exzellenten“ Wissenschaften gilt alles, was nicht der Publikationstätigkeit dient, als verlorene Initiative. Gleichzeitig lässt sich aber auch eine Aufwertung der Lehre beobachten. Eine Studie der deutschen Hochschulrektorenkonferenz spricht von einer Zunahme der Lehrtätigkeit in den letzten Jahren. Ob das eine willentliche oder notwendige Aufwertung war, lässt sich schwer abschätzen. Immerhin stieg in Österreich die Zahl der Studierenden zwischen 2002 und 2012 um knapp 100.000 auf rund 300.000. „Die Einheit von Lehre und Forschung wie im Humboldtschen Universitätsmodell muss grundsätzlich gegeben sein, wollen wir vom Hochschultyp Universität sprechen“, sagt Elmar Pichl, Leiter der Hochschulsektion im Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium. Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner wünscht sich ein Betreuungsverhältnis von 1:30. Die Uni Wien erreicht aktuell einen Schnitt von 1:250. Dass dennoch gute Gründe bestehen, die Einheit von Forschung und Lehre aufrechtzuerhalten, bezweifelt kaum jemand. Es sind aber neue Modelle notwendig: „Man muss darauf achten, dass die Studierenden immer wieder mit forschenden Professorinnen und Professoren Kontakt haben“, sagt Wissenschaftsforscherin Felt. Es sei faktisch so, dass auch Lehrende an Stellen, die wenig Forschungstätigkeit vorsehen, forschend tätig sind – nur eben kaum im Rahmen ihrer Anstellung. Gleiches gilt auch für viele externe Lektorinnen und Lektoren, die in manchen Studienrichtungen einen Großteil der Lehrtätigkeit übernehmen. Die prekären Arbeitsverhältnisse der Lektoren und Lektorinnen erschweren allerdings stabile und kontinuierliche Betreuungsverhältnisse.

Wissenschaft und Demokratie

„Studierende sollen ihr Studium frei wählen und besser kennen lernen können bevor sie sich festlegen. Das erfordert eine verbesserte Orientierungsphase und an den Schulen statt findende Initiativen.“ Julia Freidl, Generalsekretärin der ÖH

Das UG 2002 hat die Administrations- und Entscheidungsstrukturen innerhalb der Universität umgestaltet und „die Macht in der Universität den Führungsorganen gegeben und den Gremien genommen. Aus der sich demokratisch nennenden Universität wurde per Gesetz eine monokratische Organisation, ohne dass je darüber gesprochen wurde, warum“, schrieb die scheidende Vizerektorin für Forschung, Susanne Weigelin-Schwiedrzik, jüngst in einem Kommentar in der Tageszeitung Der Standard. Dass die Koppelung von Leitungs- und Entscheidungsstrukturen weder den Idealen noch der Realität einer Universität

FOTO: LUIZA OUIU

WERNER STURMBERGER

Wohin geht es mit


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Wohin geht die universität?

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den Universitäten? gerecht wird, zeigt die Unzufriedenheit mit den gegenwärtigen Verhältnissen. Heinrich Schmidinger, Präsident der Universitätenkonferenz und Rektor der Universität Salzburg, kam im Rahmen der Tagung des Österreichischen Wissenschaftsrats zum Thema auf Konflikte in universitären Leitungsgremien zu sprechen, vor allem im Kontext der Besetzung der Universitätsräte seit des Inkrafttretens des UG 2002. Er wünscht sich eine klare Rollen- und Kompetenzverteilung zwischen Rektorat, Universitätsrat und Senat, gibt aber gleichzeitig zu bedenken: „Gegenüber der Kommunikationskultur an einer Universität ist die strukturelle und formalisierte Governance nachgereiht.“ Er sieht ein „beträchtliches kommunikatives Defizit“ in den Auseinandersetzungen zwischen Gremien und Amtsträgerinnen und Amtsträgern.

„Um eine qualitätsvolle Grundausbildung im Bachelor zu gewährleisten, müssen die bestehenden Strukturen neu gedacht und Investitionen vorgenommen werden.“ Ulrike Felt, Uni Wien

F o t o s : F o t o W i l k e , H e i m o A g a 2 0 1 1 , B M W F W / p e t r a s p i o l a , B a r ba r a Ma i r

Nachbessern am UG Es gelte daher intern, aber auch bei der Weiterentwicklung des UG 2002 mehr auf die Behebung von Mängeln in der Kommunikation und der Partizipation zu achten. Andernfalls würde der GovernanceStruktur des UG 2002 weiterhin „das Odium anhaften, keine Demokratie zu enthalten, einzelne Gruppen zu entmachten und von jeglicher Partizipation auszuschließen“, sagt Schmidinger. Doch Kommunikationskultur lässt sich nicht verordnen. Das haben die Erfahrungen mit der Drittelparität und ihrer formal verbrieften Mitbestimmung gezeigt: Inhaltlicher Austausch wurde häufig durch bloße Mehrheitsentscheidungen ersetzt. Wie die Studierendenproteste zeigten, hat das UG 2002 mit dem formalen Rückbau studentischer Mitbestimmung die Rahmenbedingungen für eine vitale Kommunikationskultur eher verschlechtert als verbessert. Von einer Hochschuldemokratie, wie sie sich die ÖH wünscht, sind die österreichischen Universitäten im Moment weit entfernt. Studierende, wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie externe Lektorinnen und Lektoren sind in den Gremien der Universität unterrepräsentiert. Könnte nicht eine Reform der Entscheidungsstrukturen eine von budgetären Vorgaben unabhängige Möglichkeit zur Verbesserung der Lern- und Arbeitssituation vieler an ihr Tätiger ermöglichen und eine stärkere Bindung zwischen den Studierenden und ihrem Studium entstehen lassen?

Autonom, aber unterdotiert „Universitäten haben eine Entwicklung von nachgeordneten Dienststellen des Ministeriums zu autonomen Einrichtungen vollzogen, die mit einem definierten mehrjährigen Globalbudget unabhängig von Zurufen aus Politik und Wirtschaft agieren können“, sagt Vizerektorin Christa Schnabl über die

„Die Unis sollten ihre Autonomie weiter ausbauen, um mehr Raum für selbstbestimmte wie gesellschaftsorientierte Forschung und innovative Lehrformen zu gewinnen.“ Helga Nowotny, Wissenschaftsforscherin

„Man hat mit dem Bologna-Prozess ambitionierte Ziele erreicht, manches muss aber hinterfragt werden. Die Frage lautet: Welche sind die neuen Ziele?“ Elmar Pichl, BMWFW

„Eine stärkere Mitbeteiligung der Studierenden an der Gestaltung der Universität und ihres Studiums ist ein Anliegen, das ich teile.“ Christa Schnabl, Vize­rektorin Uni Wien

Implementierung der Hochschulautonomie im Rahmen des UG 2002. Dass die Universitäten an Autonomie gewannen, ist, anders als deren Ausmaß, unstrittig. Festgemacht wird das Budget der Universitäten in den Ziel- und Leistungsvereinbarungs-(sprich Budget-)verhandlungen mit dem Ministerium. Das ist auch das Forum, in dem die Bundesregierung ihre bildungs-, forschungs- und wirtschaftspolitischen Interessen deponieren kann. Zurufe goutiert sie selten. Fraglich ist auch, wie sehr die gegenwärtige Budgetierung unabhängiges Agieren ermöglicht: Österreichs Ausgaben für den tertiären Bildungssektor liegen mit etwa 1,5 Prozent am Bruttoinlandsprodukt noch immer deutlich unter dem OECD-Schnitt. Elmar Pichl, Leiter der Hochschulsektion, nennt die Budgetierung der Unis „passabel“. Helga Nowotny jedoch spricht von einer „bestehenden Finanzierungslücke“, und Vizerektorin Schnabl möchte, dass die Bundesregierung ihr Bekenntnis zu zwei Prozent des BIP auch verwirklicht. Für die Zukunft wünscht sie sich eine kapazitätsorientierte Studienplatz- und eine staatliche Forschungsfinanzierung.

Geregelter Hochschulzugang Kapazitätsorientierung meint die Einführung von Zugangsbeschränkungen, wenn ein bestimmtes, mit dem Ministerium vereinbartes Kontingent an Studienplätzen überschritten wird. Während die ursprünglich daran geknüpfte Studienplatzfinanzierung weiter auf sich warten lässt (aktuell wurde sie auf 2018 vertagt), wird im Ministerium über eine Ausweitung der Zugangsbeschränkungen auf weitere Fächer nachgedacht. Mittlerweile gelten für 35 Prozent aller Studienanfängerinnen und -anfänger Zugangsregelungen. Teilweise sind diese aber inaktiv, wie etwa beim Publizistikstudium, da der „Andrang“ unter der Kontingentierung liegt. Im Medizinstudium kommen dagegen auf 1.500 Studienplätze rund 10.000 Bewerberinnen und Bewerber. Zugangsbeschränkungen sind in der hochschulpolitischen Diskussion einmal umstritten, dann wieder common sense. Im UN-Sozialpakt ist jedenfalls das Recht auf Bildung als Menschenrecht formuliert: Der Hochschulunterricht müsse „auf jede geeignete Weise, insbesondere durch allmähliche Einführung der Unentgeltlichkeit, jedermann gleichermaßen entsprechend seinen Fähigkeiten zugänglich gemacht werden“ (Artikel 13, Absatz 2, Buchstabe c des UNSozialpaktes). Daraus ließen sich eventuell Zugangsbeschränkungen zur Sicherstellung von Befähigung wie beim Sport- oder beim Kunststudium ableiten, nicht aber eine aufgrund beschränkter Ressourcen. Die aktuellen Zugangsregelungen sind aus dieser Perspektive zumindest fragwürdig.

Laut einer Studie der ÖH hätten die ersten Erfahrungen mit Zulassungsregelungen eine abschreckende Wirkung gezeigt. „Die Kontingente der Unis bleiben in vielen Studienrichtungen ungenutzt. Bestehende soziale Selektionsmechanismen haben sich dadurch verstärkt“, sagt Julia Freidl.

Das fehlende Geld Selbst wenn man Hochschulbildung nur als Humanressourcenaufwertung im Rahmen einer wissensbasierten Ökonomie denkt, bleiben Zugangsbeschränkungen als einzige Lösung zur Herstellung guter Betreuungsverhältnisse an den Universitäten problematisch, weil sie eben dieser Aufwertung im Weg stehen. Nachvollziehbar sind sie hingegen im Kontext der aktuellen Budgetsituation von Universitäten und Bundesregierung: „Aufgrund der Ressourcenproblematik ergibt sich automatisch auch eine Steuerungsproblematik“, erklärte Minister Reinhold Mitterlehner jüngst in einer Presseaussendung. „Daher werden wir auch in Zukunft über Zugangsregelungen und einen gesamtösterreichischen Entwicklungsplan diskutieren müssen. (…) Das ist auch eine Frage der Effizienz und des respektvollen Umganges mit Steuergeld.“ Die Ursachen dieser Ressourcenproblematik stammen aus der Wirtschaftskrise und wurden durch die Hypo-Rettung verschärft. Diese scheint nun die rasche Umsetzung des Zwei-Prozent-Ziels zu gefährden.

Neue Leistungsvereinbarungen Im April dieses Jahres hatten mehr als 50.000 Menschen die von Helga ­Nowotny initiierte Petition zur adäquaten finanziellen Ausstattung von Unis, Wissenschaft und Forschung unterzeichnet. Die Reaktion von Öffentlichkeit und Politik glich der eines Studierenden, der die „Snooze“-­ Taste an seinem Wecker betätigt. Aufwachen sollte man aber in den nächsten Wochen, wenn das Ministerium, nach Rücksprache mit dem Österreichischen Wissenschaftsrat, einen ersten Vorschlag für den Universitätsentwicklungsplan vorlegen wird. Spätestens im nächsten Jahr wird das Thema wieder auf der politischen Agenda und im öffentlichen Rampenlicht stehen. Denn dann sind die Ziel- und Leistungsvereinbarungsverhandlungen fällig. Sie werden auch darüber Aufschluss geben, welche Bedeutung die Bundesregierung dem tertiären Bildungssektor beimisst. Elmar Pichl vom Ministerium spricht von zusätzlichen 615 Millionen Euro. Diese würden die Universitäten im Zeitraum 2016 bis 2018 benötigen, um dem Status quo ihres bisherigen Leistungsspektrums aufrecht zu erhalten. Aber Wissenschaft kann auch nicht nur unter rein ökonomischen Gesichtspunkten bewertet werden.


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Wohin geht die universität?

Ist das Internet die Zukunft der Unis? Barbara Duras

Online-Kurse kommen modernen Lerngewohn­ heiten entgegen – aber lösen sie das Problem der Lehre an Universitäten?

Hochwertiges Lehrmaterial Für seinen MOOC „Algorithmen und Datenstrukturen“, ein klassisches Erstsemesterprogramm für alle naturwissenschaftli- Oliver Vornberger chen Studiengänge, die Grundkenntnisse der Programmiersprache erlernen möchten, hat er viele Stunden mit dem Schreiben von Drehbüchern und den Aufnahmen vor der Kamera verbracht. „Bereits seit zehn Jahren biete ich als Serviceleistung für meine Studierenden diese Lehrveranstaltung als herkömmliches Video zum Download an. Wir sind durch unsere Sehgewohnheiten jedoch eine gewisse Abwechslung gewöhnt, zum Beispiel Manfred Prisching bei den Kameraeinstellungen. Zudem sollte ein hochwertiger MOOC keine Redundanzen oder Versprecher beinhalten und die Inhalte präzise auf den Punkt bringen.“ Sein Onlinekurs ist nun kompakter, in 45-minütige Kapitel gegliedert und aus kurzweiligen Takes bestehend, die sich mit

„Das Material der MOOC ist didaktisch ­hochwertiger als eine ­konventionelle Vorlesung“ O l i v e r Vo r n b e r g e r U n i v er s i t ä t O s n a b r ü c k

Powerpoint-Folien oder Multiple-ChoiceFragen abwechseln. „So muss man am Ball bleiben und ist gezwungen mitzudenken. Weiter kommt nur derjenige, der alle Fragen richtig beantwortet hat.“ Für die Studierenden besteht die Herausforderung darin, sich einmal die Woche aufzuraffen und freiwillig mit dem MOOC auseinanderzusetzen. „Ich glaube, das Material der MOOC ist didaktisch hochwertiger als eine konventionelle Vorlesung im

Hörsaal. Aber es verlangt sozusagen übermenschliche Willenskräfte, einen Onlinekurs zu einem beliebigen Zeitpunkt zu besuchen.“ Vorreiter des Hypes rund um die neuen elektronischen Lehrmethoden sind amerikanische Elite-Universitäten wie Harvard oder Stanford. Und natürlich private Anbieter, vornehmlich aus Kalifornien, die sich ein gutes Geschäft erhoffen. Erste Testläufe der renommierten Privatuniversitäten mit MOOC hatten riesige Teilnehmerzahlen von über 100.000 Studierenden in einem Kurs.

Lehrende durch MOOC ersetzen? „MOOC sind für diese Bildungseinrichtungen nicht nur innovativ, sondern auch ein zusätzlicher Absatzmarkt. Ein Onlinekurs kostet für die Studierenden nur ein Viertel oder ein Zehntel der regulären Studiengebühr. Damit können amerikanische Universitäten ihre Lehre weiter kommerzialisieren und neben dem Luxusmarkt eine zweite, kostengünstige Schiene bedienen“, sagt der Soziologe Manfred Prisching von der Universität Graz und Mitglied des Österreichischen Wissenschaftsrates. Kann sich also bald jede und jeder die begehrten Zertifikate von Elite-Universitäten leisten? „Unter Unis mit guter Reputation wird im Moment diskutiert, ob man sich wirklich den eigenen Ruf zerstören will, indem man billige Versionen für den Massenmarkt anbietet. Das Ursprungsprodukt könnte ebenfalls an Wert verlieren, wenn man Zertifikate in Massen verschleudert. Ein Bildungsangebot, das nur ein Zehntel kostet, ist vielleicht in der öffentlichen Wahrnehmung auch nur ein Zehntel so gut“, gibt Prisching zu bedenken. Ein weiteres Zukunftsszenario rund um MOOC: Bildungseinrichtungen könnten sich auflösen, gar überflüssig werden, und tausende Hochschullehrer ihre Jobs verlieren, da alles nur mehr auf der virtuellen Ebene abläuft. „Diese Variante ist für mich unrealistisch. Jedoch denke ich, dass Vorlesungen mit einigen hundert Personen überflüssig sind. Und wenn in Wien oder auch Graz Kinosäle zur Übertragung von Lehrveranstaltungen angemietet werden müssen, weil zu wenig Platz vorhanden ist, kann man das wirklich durch elektronische, örtlich ungebundene und besser vorbereitete Alternativen ersetzen.“

Senkung der Durchfallquoten Wir stehen mit der digitalisierten Wissensvermittlung erst am Anfang. Erste Studien über webbasierte Vorlesungen zeigen, dass dadurch bei Einführungsveranstaltungen die Durchfallquoten gesenkt werden können. In kommerzielle Onlineplattformen wie „Coursera“ oder „Udacity“, auf denen Lehrende Erklärvideos veröffentlichen, werden Millionen investiert. Oliver Vornberger hat sich von „Iversity“, einem europäi-

schen Portal, inspirieren lassen. Alle Onlinekurse von iversity.org sind weltweit kostenlos verfügbar. Die Bandbreite der Themen reicht von Medizin über Informatik bis zu Physik, Design und Philosophie. Lehrenden soll so ermöglicht werden, ihre Reichweite auszudehnen. „Mein MOOC zu Algorithmen und Datenstrukturen könnte an verschiedenen Universitäten für Erstsemestrige angeboten werden. Finanzielle oder räumliche Probleme könnten mit der Entrichtung eines gewissen Betrages für das Copyright leicht gelöst werden. Es ist eine bestechende Idee, doch bekanntlich benutzt ein Professor eher die Zahnbürste eines Kollegen als dessen

„Unter Unis mit guter Reputation wird diskutiert, ob man sich den Ruf zerstören will“ M a n f r e d p r i s ch i n g U n i v er s i t ä t G ra z

Unterrichtsmaterial. Es sollte mich wundern, wenn das eine Universität macht.“ Da noch keine Qualitätsstandards für MOOC existieren, hat sich Vornberger einer altbekannten Bildungswährung bedient. „Damit der Wert von Anfang an klar ist, habe ich mir von der Studienkommission meines Fachbereichs an der Universität Osnabrück bestätigen lassen, dass nach einer erfolgreicher Teilnahme sechs ECTSCredits vergeben werden. Das entspricht einem Workload von 180 Stunden Arbeit.“

Mogeln bis der Doktor kommt? Auch der Soziologe Manfred Prisching sieht Qualitätsunterschiede und das Zertifizierungsproblem von MOOC „Es gibt noch eine Menge Kurse, bei denen in primitivster Form Vorträge einfach abgefilmt werden. Und wenn zigtausende Studierende nur online lernen, bleibt die Frage, wie ich überprüfbare Tests abhalten kann. Ich weiß ja nie, wer da wirklich vor dem Computer sitzt.“ „Proctored Exams“ bieten eine Möglichkeit zur validen Überprüfung von online abgelegten Prüfungen, meint Oliver Vornberger. „Für unseren MOOC gab es die Möglichkeit, eine Online-Klausur abzulegen. Die Überwachung dieser Tests haben wir an einen Proctoring Service ausgelagert. Ein Mitarbeiter kann über die Webcam überprüfen, wer an der Tastatur sitzt und bittet die Teilnehmenden stichprobenartig ihr Zimmer mit der Webcam abzufilmen. Da ist dann schon kriminelle Energie nötig, um trotzdem zu mogeln.“ Die ECTS Credits erhält allerdings nur, wer auch zur Klausur nach Osnabrück kommt. Manfred Prisching meint dazu: „Kein Onlinekurs wird je die wissenschaftliche Praxis ersetzen können.“

fotos: christian jungwirth, privat

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enn Studierende heute aufstehen, dann haben sie meist schon 17 Mails gelesen, ein Video auf youtube gesehen, gechattet und etwas auf Facebook gepostet, bis sie schließlich zur Vorlesung in die Universität kommen. Im Hörsaal sind sie bereits so gesättigt, dass es ihnen sehr schwer fällt, einfach zu sitzen und zuzuhören“, sagt Oliver Vornberger. Er ist geschäftsführender Direktor des Instituts für Informatik an der Universität ­Osnabrück und war Vortragender bei der 10-Jahres-Tagung des Österreichischen Wissenschaftsrates im vergangenen November. Aktuell hat er seinen ersten selbst kreierten Massive Open Online Course, kurz MOOC, zum zweiten Mal für seine Studierenden zugänglich gemacht. „Diese neue, spezielle Form von Onlinekursen kommt den Seh- und Lerngewohnheiten der jungen Menschen sehr entgegen. Allerdings sind sie für Lehrende und Teilnehmende mit einem enormen Aufwand verbunden“, sagt er.


illus t r at ion: g er ald har t w ig / w w w. zeichen s t r ich.de

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Wohin geht die universität?

Keine arbeitslosen Akademikerinnen Claudia Stieglecker

Deutschland: Die Grenzen zwischen Uni und FH verschwimmen Die Zukunft hat an den europäischen Universitäten Einzug gehalten und sieht doch, trotz aller Vereinheitlichungen, überall anders aus. „In Deutschland wird von den Universitäten immer mehr erwartet, dass sie zukunftsweisende Forschung leisten und forschungsnah lehren“, sagt der Literaturwissenschafter und ehemalige Rektor der Uni Konstanz, Gerhart von Graevenitz. „Der Akademisierungsgrad in Deutschland wird immer höher. Die Studierenden wissen, dass ein akademischer Abschluss die prozentuell höchste Garantie für einen Arbeitsplatz bedeutet.“ Diese Entwicklung berge allerdings das Risiko eines Fachkräftemangels. Ein großer Teil jener, die sich für ein Studium entscheiden, wäre in einem Handwerksberuf besser aufgehoben. „Viele meinen aber, man müsse Akademikerin oder Akademiker sein.“ Auf der anderen Seite werden die Anforderungen der Berufe zunehmend komplexer: Wo früher, etwa bei Erziehern und Erzieherinnen, eine Seminarausbildung genügt hat, führt heute der Weg direkt in die Hochschule. „Auch die Grenze zwischen Fachhochschule und Universität verschwimmt zunehmend“, beobachtet Gerhart von Graevenitz.

„Nicht jede Hochschule oder Universität muss alles bieten, sondern im Gegenteil Schwerpunkte setzen“

… gibt es in der Schweiz. In Deutschland hingegen kämpft man mit einem Überschuss an Hochgeschulten. Und in Groß­britannien gehen sie infolge von Studienge­bühren zurück

Gerhart von Graevenitz

gerhart von graevenitz U n i K o n s ta n z

Die Zukunft der Hochschulen liegt seiner Meinung nach aber in der Differenzierung: „Nicht jede Hochschule muss alles anbieten, sondern im Gegenteil Schwerpunkte Kerstin Mey setzen.“ Die größte Herausforderung für die deutschen Universitäten sieht von Graevenitz jedoch in ihrem Umgang mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs. Denn die Risiken durch ausschließlich befristete Verträge sind in einer Lebensphase, in der unter anderem die Gründung einer Familie aktuell wird, nicht abschätzbar. Die Situation Martin Fischer

habe sich hier massiv verschärft: „Es gibt keine vernünftigen Alternativen, die Menschen werden hin- und hergeschoben. Hier muss Verantwortung übernommen und gefragt werden: Wie viele Doktorinnen und Doktoren braucht das Land?“

Schweiz: Immer mehr nicht hier Geborene studieren an der Uni Mit solchen Problemen kämpft man in der Schweiz nicht. Zwar ist auch hier der Karriereweg auf der Uni langwierig, jedoch wird dieser von den meisten erst gar nicht eingeschlagen. „Die Alternativen zur Unikarriere sind in der Schweiz sehr gut, die Wirtschaft floriert“, sagt Martin Fischer, Leiter der Kommunikation des Eidgenössischen Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation in Bern. „Bei uns gibt es keine arbeitslosen Akademikerinnen oder Akademiker.“ Und auch keine Massenuniversitäten: Zwei von drei Schweizerinnen oder Schweizern entscheiden sich nach der Schule für den Weg der Berufsbildung. „Der Hochschul- und der Berufsbildungsweg sind gleich attraktiv“, erklärt Fischer. Kein Zufall, sondern unter anderem das Ergebnis gezielter Förderungsmaßnahmen und Informationskampagnen von Bund und Branchenverbänden: „Hier wird um Talente gekämpft, denn wer Nachwuchs will, muss ansprechende Bedingungen bieten.“ Dennoch ist in den letzten Jahren auch in der Schweiz die Attraktivität des Studiums gestiegen, was statistisch nachweisbar mit der hohen Zuwanderung aus der Europäischen Union zusammenhängt. „Die Kinder mit Migrationshintergrund gehen eher an die Uni“, erklärt Fischer. „Fünfzig Prozent aller Doktoranden und Postdocs an Schweizer Hochschulen kommen nicht aus dem Land.“ Als potenziell problematisch sieht Fischer das Ergebnis der Volksabstimmung „Gegen Masseneinwanderung“ im Februar dieses Jahres, bei der sich eine knappe Mehrheit für die Beschränkung der Zuwanderung aussprach. „Das Hochschulwesen kann davon betroffen sein, je nachdem, wer im Endeffekt ins Land gelassen wird.“ Ab 2015 tritt außerdem ein neues Hochschul- und Koordinationsgesetz in Kraft, das im Hinblick auf das in der Schweiz erfolgreich praktizierte Konkurrenzprinzip zwischen den öffentlichen Hochschulträgern von Interesse ist. „Grundsätzlich zahlt der Bund für alle Studierenden einen ProKopf-Beitrag an jene Institution, für die sich jemand entscheidet“, erklärt Fischer. Je attraktiver eine Hochschule, desto mehr zusätzliche Mittel hat diese zur Verfügung. Regelten bislang zwei separate Gesetze die Bundeshilfe an die kantonalen Universitäten und Fachhochschulen, wird es nun noch eine Grundlage dafür geben: „Ziel ist eine bessere Gesamtsicht und mehr Transparenz unter Bewahrung der Trägerautonomie.“

Großbritannien: Studieren kostet nun Geld, daher studieren weniger In Großbritannien haben es die Studierenden schon seit dem Wintersemester 2012/2013 mit veränderten Bedingungen zu tun: Bis zu 9.000 britische Pfund, das sind aktuell etwa 11.400 Euro, müssen sie an Gebühren für ein Studienjahr fortan kalkulieren. Zur Finanzierung des Studienplatzes gibt es die Möglichkeit eines Kredits, der nach Abschluss der Ausbildung und ab einem Gehalt von 21.000 Pfund jährlich zurückzuzahlen ist. Im September 2012 sank die Zahl der vergebenen Studienplätze dadurch um 50.000, ein Minus von 6,3 Prozenten. „Die Einführung der Gebühren macht sich bei inländischen Studierenden eher im PostGraduate-Bereich bemerkbar“, sagt Kerstin Mey, Dekanin für Medien, Künste und

„Die Einführung der Gebühren macht sich bei inländischen Studierenden eher im PostGraduate-Bereich bemerkbar“ Kerstin Mey U n i v er s i t y o f W e s t m i n s ter

Design und Professorin für Gegenwartskunst an der University of Westminster sowie Mitglied des Österreichischen Wissenschaftsrates. „Besonders im Post-GraduateBereich fehlt es an finanziellen Unterstützungsmaßnahmen. Bei der Aussicht, mit einer hohen Verschuldung das Studium zu beenden, entscheiden sich weniger für ein weiterführendes Masterstudium.“ Dadurch, dass in Großbritannien kein systematisches und flächendeckendes Berufsausbildungssystem existiert, ist ein Studium aber trotzdem attraktiv. Generell hätten sich im Lauf der letzten zwei Jahrzehnte die Studienbedingungen stark verändert, meint Mey. „Es hat einen Wechsel von intensiver Betreuung hin zu Massenuniversitäten gegeben. Der Arbeitsaufwand der Lehrenden hat sich sehr verstärkt, so bleibt auch weniger Zeit für die Forschung.“ Prekär sei besonders die Situation des akademischen Nachwuchses, die von Zeitverträgen, häufigen Stellenwechseln und Unsicherheit geprägt ist. „Die Entwicklungsmöglichkeiten für Akademikerinnen und Akademiker müssen durchlässiger und sichtbarer gemacht werden.“ Universitäten und Hochschulen müssten auch auf die Veränderungen der Arbeitswelt reagieren: „Flexibles Arbeiten und flexible Berufsentwicklungen werden in Zukunft nicht mehr die Ausnahme, sondern die Norm sein“, betont Mey. Schlussendlich gehe es darum, qualifizierte, kritische, kreative und engagierte Weltbürgerinnen und Weltbürger auszubilden.

F o t o s: J oa n n e O ' B r i e n 2 014 , p r i vat

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enn Studierende einst Diplomprüfungen oder Staatsexamina abgelegt haben, geht es heute für Bachelors oder Masters in spe um die Erlangung von „European Credit Transfer System“-Punkten. Aktuell 47 europäische Staaten beteiligen sich am Bologna-Prozess, der eine Harmonisierung der Hochschullandschaft erreichen will. Ein einheitlicher europäischer Hochschulraum soll es werden, in dem Mobilität, internationale Wettbewerbs- und Beschäftigungsfähigkeit gefördert werden.


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Zukunft ohne Forscherriege? Sonja Burger

Ein Informatiker, ein Philosoph und ein Soziologe über die Zukunft der Forschung und ihre schlecht bezahlten Kinder

„Kurzfristige Arbeitsverträge machen es schwieriger, ein neues Forschungsgebiet zu eröffnen“ herbert hrachovec p h i l o s o p h , u n i v ers i t ä t w i e n

Was man in der Informatik heute macht

eine große Aufgabe für die Geisteswissenschaften. Man ist dort oft noch zu sehr beim Roman ,1984‘ und zu wenig beim Film ,Matrix‘.“

„Wer ist zum Beispiel verantwortlich, wenn ein selbstfahrendes Auto in einen Unfall mit Todesfolge verwickelt ist? Programmierende, Herstellende, oder doch die Fahrenden? Wie gehen wir damit in Zukunft um?“, fragt Helmut Veith, Informatiker an der TU Wien. Fragen dieser Art tauchen auch rund um Entwicklungen wie „Industrie 4.0“ auf, finden meist jedoch wenig Gehör. Gerät also langsam der Bezug zum Menschen aus dem Blickfeld? „Ganz im Gegenteil“, betont Veith, „denn die Informatik ist eine Querschnittswissenschaft, und es gibt kaum Lebensbereiche, die davon unbeeinflusst wären“. Die Zeiten, als sich Informatik bloß damit beschäftigte, wie ein Betriebssystem funktioniert, sind längst passé. Heute und in naher Zukunft sind Antworten auf weit schwierigere, fundamentale Fragen gefordert, die viel mit künstlicher Intelligenz zu

„Es dauert weit länger, um an einer Uni Exzellenz aufzubauen, als sie zu zerstören“

Fehler zu schweren Unfällen führen können. In dem vom FWF seit 2011 geförderten Nationalen Forschungsnetzwerk „Rigorous Systems Engineering“ (RiSE) gelang es, die heimische Grundlagenforschung in diesem Bereich durch die Kooperation von TU Graz, TU Wien, den Unis Linz und Salzburg sowie dem IST Austria weiter zu stärken. Die tiefgreifenden Veränderungen des Alltags und der Gesellschaft durch Informatik sollten aber auch andere Wissenschaftsdisziplinen aufgreifen. Für Veith „wäre dies

Die Philosophie bekommt Neues zu tun

Jörg Flecker

helmut veith i n f o r m at i k er , t u w i e n

tun haben und mehr Risiken und Verantwortung mit sich bringen. Rechtliche und ethische Fragen spielen deshalb im Forschungsfeld Computational Intelligence Herbert Hrachovec eine wachsende Rolle. Neben künstlicher Intelligenz zählt dort auch die Verifikation von Soft- und Hardware zu den Top-Forschungsgebieten. Veith ist darin spezialisiert und befasst sich, einfach ausgedrückt, damit, „wie man Computer in die Lage versetzt, Fehler in Programmen oder Chips zu finden oder zu vermeiden“. Ein wichtiger Aspekt, wenn man etwa an das fahrerlose Shuttle denkt, wo solche Helmut Veith

Zwar sieht der Philosoph Herbert Hrachovec von der Universität Wien den Fall nicht ganz so drastisch, doch auch für ihn ist der Bereich Technik- und Medienphilosophie ausbaufähig. Wie die Entwicklungen im Forschungsbereich Wissenschaftsphilosophie an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft der Uni Wien zeigen, soll dort in den nächsten Jahren verstärkt zu Technikphilosophie oder ethischen und politischen Aspekten von Wissenschaft und Technik geforscht werden. Dies ist freilich nicht das einzige Leuchtfeuer im Feuerwerk, einer spontanen Assoziation von Hrachovec auf die Frage „Wohin geht’s in der Forschung?“. Diese sei in unterschiedlichste Richtungen verstreut und sehr dynamisch. Was stets für neue Impulse sorge, sei die Konfrontation mit gegenwärtigen Problemen, was laut Hrachovec „die Besten nützen, um daraus eine Lichterscheinung zu machen.“ Interdisziplinarität, Kooperation sowie die Verzahnung von theoretischer und praktischer Philosophie tragen gleichfalls dazu bei, dass Forschungsbereiche wie die „Philosophie der globalen Welt“ oder „Philosophie und Öffentlichkeit“ entstehen. Internationale Kontakte, Vernetzung und eine Orientierung an Themen, die im Moment boomen, führen in der Philosophie zwar zum Erfolg: Langfristig gesehen verlaufen manche Entwicklungen seitens der Forschenden aber offenbar alles andere als ideal. So besteht für Hrachovec etwa wegen der kurzfristigen Arbeitsverträge das Problem, „dass es schwieriger wird, ein neues Forschungsgebiet entstehen zu lassen“. Ähnliches beobachtet Veith. Die inadäquate

finanzielle Ausstattung der Informatik habe zur Folge, dass junge Forschende gern dem Ruf ins Ausland folgen und die Ausbildung der Studierenden leidet.

Arbeitsforschung gibt es jetzt auch an Universitäten Wie der Soziologe Jörg Flecker von der Uni Wien mit Schwerpunkt Arbeitsforschung weiß, ist das Arbeitsumfeld in der Forschung ein schwieriges Terrain. Ein Umstand, der für ihn etwa in den Sozialwissenschaften in Kontrast zur gesellschaftlichen Bedeutung der Erkenntnisse steht. Für Flecker, ehemals wissenschaftlicher Leiter der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA), sind die aktuellen Entwicklungen in der Arbeitsforschung ein positives Beispiel, wie mit vereinten Kräften ein Weg aus der Misere gefunden wurde. Während sich der Arbeitsforschung früher nur außeruniversitäre Forschungseinrichtungen annahmen, konnte sie sich nun auch auf mehreren heimischen Unis etablieren. Vor Kurzem wurde das Forschungsnetzwerk universitäre und außeruniversitäre Sozialforschung (SOZNET) mit Schwerpunkt Arbeitsforschung gegründet. Derzeit sind die Unis Wien, Linz und Graz sowie FORBA und das Institut für Höhere Studien (IHS) beteiligt. Die Initiative zeigt, dass unter suboptimalen Rahmenbedingungen ein Schulterschluss Sinn macht, etwa um international wahrgenommen zu werden. Unübersehbar ist hingegen der gleichbleibend harte Konkurrenzkampf um Ressourcen, vor allem finanzieller Art. Flecker warnt davor, dass „überzogene Konkurrenz und Unsicherheit der Qualität mehr schaden als nützen, da Qualifikation und Kompetenz verloren gehen“. Besonders Junge

„Überzogene Konkurrenz und Unsicherheit schaden der­­­ Qualität eher als es ihr nützt“ jörg flecker S o z i o l o g e , U n i v ers i t ä t W i e n

müssten oft aussteigen, da sie unter den Bedingungen nicht weiter forschen können. Für Veith basiert etwa der Erfolg von RiSE auf einer Reihe von Berufungen hervorragender Forschender, doch er betont, „dass es weit länger dauert, Exzellenz aufzubauen, als sie zu zerstören“. Letztlich stellt sich mit Blick auf die Forschenden die Frage, ob es sich Österreich leisten kann, für den exzellenten Nachwuchs zu wenige Ressourcen bereitzustellen und damit seine Karriereperspektiven zu gefährden – man will ja auch in Zukunft auf hervorragende Forschungsleistungen, Preise und internationale Reputation bauen können. Und das geht, anders als im Auto, ohne Menschen gar nicht.

F o t o s : P h i l i pp H o r a k , p r i v a t , F o t o W i l k e | M e d i e n d i e n s t . c o m

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an stelle sich folgende Situation vor: Ein kleines, fahrerloses Shuttle kommt auf einen zu. Man steigt ein. Statt dem Fahrer zu sagen, wo man auf dem Spitalsgelände aussteigen möchte, drückt man auf einen Touchscreen – und los geht’s! Fahrerlos sucht sich das Shuttle seinen Weg ans Ziel. Ein solches Roboter-Shuttle namens NAVIA des französischen Technologieunternehmens INDUCT gibt es bereits. Computer Vision Systems oder künstliche Intelligenz verhelfen neuen Formen von urbaner Mobilität langsam zum Durchbruch. Und die Forschung, ob in Unternehmen oder an Universitäten, schreitet in den hochindustrialisierten Ländern in atemberaubendem Tempo voran – kommt der Mensch da eigentlich noch mit, oder gerät er unter die Räder?


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Kommen nun die Barfuß-Ärzte? Dieter Hönig

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as Thema „Bachelor und Master“ weckt im medizinischen Bereich heftigste Emotionen. In Österreich derzeit noch hinter vorgehaltener Hand, in Deutschland in aller Öffentlichkeit. Von „Schmalspurärzten und Discount-Medizin“ ist die Rede. Aber auch flotte Sprüche, die man bisher nur vom Fußball kannte, wie etwa „Barfuß-Mediziner“ sind zu hören. Sind Österreichs und Deutschlands Medizinerinnen und Mediziner reformunwillig oder einfach nur standesbewusst? Der Bologna-Prozess ist für alle Studiengänge, die mit Staatsexamen abschließen, eine enorme Herausforderung. Bisher war das Medizinstudium auf die staatlichen Prüfungen am Ende der Studiendauer ausgerichtet, ein qualifizierter Ausstieg war nicht möglich. Die mit dem BolognaProzess einhergehende Flexibilisierung und Modularisierung des Studiums und die damit verbundenen Qualifikationen sind die Herausforderungen.

Der Versuch, in Deutschland BachelorMaster-Studien in der Medizin einzuführen, scheitert am Widerstand der Ärzte. Und in Österreich?

Berufsverbände sehen sich bedroht „Sie wurden aber von den Berufsverbänden bisher weniger als Chance denn als Bedrohung empfunden, gegen die man Widerstand leisten müsse“, berichtet Reto Weiler, Rektor der Medizinischen Universität Oldenburg. Dort hatte man bereits 2012 vergeblich einen Modellversuch des Reformstudiums gestartet. Gemäß Universitätsgesetz ist es auch in Österreich seit Herbst 2012 möglich, ein bereits bestehendes Medizinstudium auf das Bologna-Modell umzustellen. Gesetz- Karin Gutiérrezlicher Zwang dazu bestehe jedoch nicht, Lobos

meint Karin Gutiérrez-Lobos, die Vizerektorin für Lehre an der MedUni Wien. Für neu einzurichtende Studien ist das Bachelor-Master-Studium allerdings verpflichtend, wie etwa an der neuen Medizinischen Fakultät in Linz. Diese vierte MedUni Österreichs muss von Anfang an ein Bachelor-Master-Studium anbieten.

„Die gemeinsame Ausbildungsstrecke von Gesundheitsberufen ist eine spannende Vision“

Gutiérrez-Lobos kennt auch weitere Unkenrufe aus der medizinischen Community. So sei die Trennung in Vorklinik und Klinik ein Rückschritt in alte Zeiten. Es käme zu einer „Ärzteausbildung light“, die unzulänglich ausgebildete Arbeitskräfte schaffe. In Österreich seien, so Gutiérrez-Lobos, immer gleich die Interessenvertretungen zur Stelle, wenn Änderungen drohen. Sie verweist auf die medizinische Fakultät in Linz: „Was dort am wenigsten oder gar nicht diskutiert wurde, war die gesetzlich vorgegebene Bologna-Architektur. Diese wurde widerspruchslos von allen angenommen.“

K a r i n Gu t i é r r e z - L o b o s V i z ere k t o r i n , M e d U n i W i e n

Neue Impulse für Medizinberufe

In Wien wird zurzeit eine Reform des seit zwölf Jahren existierenden Wiener-MedizinCurriculums erarbeitet. Das Bologna-Modell wird zur Sprache kommen, jedoch als offener Diskussionsprozess und nicht als zentraler Punkt. „Voraussetzung für die Einführung ist, dass diese von allen Beteiligten unterstützt wird, eine organisatorische Anpassung erfolgt und die Finanzierung gesichert ist“, zerstreut Karin Gutiérrez-Lobos Bedenken ihrer Kolleginnen und Kollegen, man würde über sie „drüberfahren“. Eines der Hauptargumente gegen das Bologna-Modell: Es sei ein Top-Down-Prozess, der nicht mit den Lehrenden akkordiert ist. Er würdige die Besonderheiten der Medizin im Verhältnis zu anderen Disziplinen zu wenig. Diese Sicht wird von zahlreichen Ärztinnen und Ärzten an der MedUni Wien geteilt – wenn auch hinter vorgehaltener Hand.

Für schwieriger als die Einführung des Reformstudiums hält die Vizerektorin der MedUni Wien die Umstellung des Studiums. Sie versteht die Einwände wie die Frage nach dem Sinn der Einführung eines Bologna-konformen Medizinstudiums, oder: Wenn so wenige Studierende das Studium abbrechen, macht es da überhaupt Sinn, eine Zweiteilung vorzunehmen? „Die gemeinsame Ausbildungsstrecke von Gesundheitsberufen ist eine spannende Vision, die Synergien schaffen könnte und Potenziale für künftige Anforderungen und den Wandel des Gesundheits- und Pflegesystems verspricht“, meint Gutiérrez-­Lobos. Wichtig sei es, alle Beteiligten, Studierende sowie Lehrende, von Anfang an einzubeziehen. Gutiérrez-Lobos stimmt auch Oldenburgs Rektor Reto Weiler zu, wenn dieser dazu rät: „Besser die Vorreiterrolle übernehmen, als am Ende zu Getriebenen zu werden.“

Der Rektor der Medizinischen Universität Oldenburg und Mitglied des Österreichischen Wissenschaftsrates, Reto Weiler, zum Bologna-Prozess für das Medizinstudium. Falter Heureka: Herr Weiler,

warum stößt der Bologna-Prozess gerade in der Medizin auf so heftigen Widerstand? Reto Weiler: Die mit dem BolognaProzess einhergehende Flexibilisierung und Modularisierung des Studiums und die damit verbundenen Qualifizierungen sind eine besondere Herausforderung. Sie wurden aber von den Berufsverbänden weniger als Chance denn als Bedrohung gesehen, gegen die man Widerstand leisten müsse. Dieser fokussierte sich vor allem auf den Bachelor-Abschluss als Qualifikation zur Berufsausübung. Man war dann schnell mit Vorurteilen wie Barfuß-Ärzten zur Hand und

machte damit jeden kleinsten Ansatz einer vernünftigen Diskussion über zukünftige Berufs­felder im Gesundheitswesen zunichte. War auch Standesdünkel mit im Spiel? Weiler: Unterschwellig spielte sicher auch die Furcht der Standesorganisationen vor einer Akademisierung der Gesundheitsberufe eine wichtige Rolle. Traditionell sind die Gesundheitssysteme in Deutschland und Österreich hierarchisch aufgebaut. Eine breite Akademisierung im medizinischen Bereich würde ein solches System zumindest infrage stellen. Haben sich die Gemüter in Deutschland inzwischen beruhigt? Weiler: Von einer echten Beruhigung kann keine Rede sein. Nach wie vor gibt es keine Möglichkeit der Einführung eines deutschen Bachelor- und

Mastergrades in der Medizin. Die European Medical School OldenburgGroningen vergibt zwar Bachelor- und Masterdiplome, aber nur niederländische. Gleichzeitig offeriert sie die „Traditionell sind die Gesundheitssysteme in Deutschland und Österreich hierarchisch aufgebaut“ Reto Weiler

Möglichkeit eines deutschen Staatsexamenabschlusses. Nach wie vor gibt es aber keine ernsthafte Diskussion über mögliche Berufsfelder für Bachelor in der Medizin. Wo sehen Sie die größten Vorteile der Modellstudiengänge? Weiler: Die Verbindung von einem problemorientierten Lernen hin in

strukturierten Modellen ist zweifelsohne der wichtigste Durchbruch in der Ausbildung und hat sich in der Praxis als großer Erfolg erwiesen. Die damit aufgehobene Trennung zwischen vorklinischer und klinischer Ausbildung hat nicht nur für das Verständnis elementarer Zusammenhänge von molekularbiologischen Vorgängen und Entstehung von Krankheitsbildern neue Zugänge geschaffen, sondern auch für das Verständnis des Menschen als Patientin oder Patienten und damit für das Arzt-Patient-Verhältnis. Was würden Sie Österreichs Medizinern und Medizinerinnen empfehlen? Weiler: Es liegt mir fern, Ratschläge zu geben. Grundsätzlich würde ich mir jedoch wünschen, dass die Berufsverbände und die medizinischen Universitäten eine Vorreiterrolle in der Gestaltung eines Gesundheitssystems übernehmen.

Fotos: MedUni Wien/Matern, privat

„Vorreiterrolle übernehmen!“


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Wohin geht die universität?

Universitätspolitik: Das Glossar U r su l a P i ch l w ag n e r , A n n a Z eht n e r , C h r i st o f D amb ö c k , J a k o b We i ss

Alma Mater

Geläufige Bezeichnung für Universität. Aus dem Lateinischen übersetzt, bedeutet Alma Mater „nähernd, gütig“ und „Mutter“. Die Universität stillt den Bildungshunger. Akademikerquote

Beschreibt den prozentualen Anteil an Hochschulabsolvierenden einer Bevölkerung. In Österreich liegt die AkademikerInnenquote mit 20 Prozent unter dem OECDDurchschnitt, doch die Abschlussquoten steigen langsam an. Gründe dafür sind unter anderem vermehrte Studienangebote durch Fachhochschulen und schnellere Abschlüsse (Bachelor). Die weitere Erhöhung der Quote soll durch Schaffung akademischer Studiengänge für Kindergärtnerinnen und Kindergärtner oder die Akademisierung von Pflegeberufen erreicht werden. Akkreditierung

Aus dem lateinischen accredere: Glauben schenken. Durch eine Akkreditierung wird Hochschulen, Forschungseinrichtungen sowie Instituten oder einzelnen Studiengängen der „Glaube geschenkt“, anerkannte wissenschaftliche Forschung und Lehre zu betreiben. Sie ist zugleich Gütesiegel und notwendige Qualitätssicherung der Einrichtung. Für eine Akkreditierung muss die Bildungseinrichtung Standards erfüllen. In Österreich erfolgt eine Akkreditierung durch die AQ Austria. AQ Austria

Die Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria ist seit ihrer Gründung 2012 für die Durchführung von Akkreditierungsverfahren von Privatuniversitäten (und deren Reakkreditierung) und Fachhochschulen sowie für die Durchführung von Audits zuständig, die rechtliche Grundlage bildet das Hochschul-Qualitätssicherungsgesetz (HS-QSG). Audimaxismus

„Österreichisches Wort des Jahres 2009“, etablierte sich im Rahmen der andauernden Proteste der Studierenden, im Zuge derer auch das Auditorium Maximum, kurz Audimax, der Universität Wien besetzt wurde. Forderungen wie „Reiche Eltern für alle“ (Spruch des Jahres 2009), nach besserer Finanzierung, Abschaffung der Studiengebühren und einem freien Hochschulzugang bestimmten die Bewegung. Aktionen unter dem Namen „unibrennt“ führten zum Hochschuldialog. 2010 entzündeten sich die Proteste an der Bologna-Reform erneut. Berufstätigkeit

Für den Großteil der Studierenden notwendiges Übel neben dem Studium, oft als Zettelverteilende, Kellnern-

de oder Kräfte für NGOs zu arbeiten. Darunter leidet die Mindeststudien­zeit. Laut einer Umfrage der ÖH gaben 85 Prozent der Studierenden an, berufstätig zu sein, jedoch kämen nur 43 Prozent mit ihrem Geld aus. Stichwort: „Studying poor“. Bibliothek

Hort und Speicher für analoge und digitale Informationsträger jeglicher Art, zugleich auch Lernräumlichkeit, Veranstaltungsort, Wissensvermittler und Institution mit gesellschaftlichem Auftrag. Die Bibliothekarinnen und Bibliothekare unterstützen Studierende und Lehrbeauftragte bei der Suche nach der gewünschten Quelle. Bologna

Der „Bologna-Prozess“ bezeichnet die europaweite Umstellung aller Studiengänge auf das B-System (Bachelor- und Masterstudien) zur Harmonisierung der Studiengänge und -abschlüsse sowie zur Förderung von Studienmobilität. Wird außerhalb Italiens eher mit dem Verlust wissenschaftlicher Freiheiten (durch Verschulung des Studiums) als mit südländischem „Dolce Vita“ in Verbindung gebracht. Führte in Österreich zur umgangssprachlichen Gleichsetzung von Universitätsabsolvierenden (Master) und Handwerkern („Masta“). Braindrain

Abwanderung qualifizierter Personen in Länder, die bessere Forschungsbedingungen, Karriereoptionen und/oder Entlohnung offerieren. Profiteure des sogenannten „Brain-Gains“ sind die Zielstaaten der Abwandernden. Burschenschaft

Tradierte Form der Studentenverbindung in Österreich, Deutschland und Chile. Mitglieder veranstalten mittwochs den „Couleurbummel“ zur Uni Wien und dem „Siegfriedskopf “, wie kürzlich von der Österreichischen Hochschülerschaft kritisiert, ausgestattet mit „Deckel“ und Couleurband. Die Mehrheit der Burschenschaften ist schlagend, ideologisch reicht die Bandbreite von deutschnationalen, katholisch-konservativen bis zu monarchistischen Überzeugungen. Curriculum

Aufbau und Lehrplan eines Studiums. Die inhaltliche Gestaltung obliegt der Curricularkommission, wenngleich in diesem Bereich die förmlichen Entscheidungszuständigkeiten zwischen Senat und Rektorat der Universität geteilt sind. Drop-out

Abbruch eines Studiums oder Bildungsprozesses ohne formalen Abschluss, aber um einige Lebenserfahrungen reicher. Schrecken der

Hochschulstatistik. ECTS

Das European Credit Transfer and Accumulation System soll für die internationale Vergleichbarkeit studentischer Leistung an europäischen Hochschulen sorgen. Die ECTS-Punkte verleihen den Lehrveranstaltungen – je nach zeitlichem Aufwand und Arbeitsleistung – eine bestimmte „Wertigkeit“. Der workload für den Erhalt eines ECTS-Punktes sind durchschnittlich 25 Stunden. Erasmus

Ein Programm der Europäischen Union, das Auslandsaufenthalte an Universitäten weltweit fördert. Die Assoziation mit dem niederländischen Gelehrten Desiderius Erasmus von Rotterdam liegt nahe, wollte dieser auch „Weltbürger sein, überall zuhause und überall unterwegs“, doch der Name von Europas erfolgreichem Bildungsprogramm ist tatsächlich das Akronym für European Community Action Scheme for the Mobility of University Students. Fächer

Von M wie Massenfächer (Publizistik, Psychologie und Architektur) bis O wie Orchideenfächer, z. B. Byzantistik, Afrikanistik oder Numismatik. Initiativen zur Entscheidungshilfe in der Angebotsfülle für ein Studium gibt es viele, auch, um wachsenden Drop-outs vorzubeugen. Familienbeihilfe

Staatliche finanzielle Unterstützung für Kinder bis zum Alter von 24 Jahren, unabhängig von Beschäftigung oder Einkommen der Eltern. Die Senkung der Altersgrenze sollte als Ansporn für den Abschluss des Studiums in der Mindeststudiendauer dienen. Finanzierung

Das Budget der Unis setzt sich aus dem Globalbudget, Erlösen aus Studienbeiträgen, universitären Weiterbildungsangeboten, Forschungsleistungen, künstlerischen Leistungen sowie Kostenersätzen zusammen. Hinzu kommen Drittmittel aus Projekten der Forschung und Entwicklung sowie aus Projekten der Entwicklung und Erschließung der Künste. Forschung

Ist neben der Lehre nach Humboldt eine Kernaufgabe einer Universität. Nicht zuletzt aufgrund der Forschung und der forschungsbasierten Lehre wird allein den Universitäten das Promotionsrecht eingeräumt. Freier Zugang

Der „Freie Zugang“ an Österreichs Universitäten beschreibt die grundsätzliche Freiheit, sich für ein Studium nach Interesse zu entschei-

den. Reguliert wird jedoch bei vielen Studienrichtungen durch quantitative Zugangsbeschränkungen, Aufnahmeverfahren sowie Eignungstests. Unter freiem Zugang, aber anders gemeint, ist auch Open Access zu verstehen. Gendern

Bezeichnet das politische Ziel einer geschlechtergerechten Hochschul- und Forschungslandschaft. Im UG 2002 ist die Gleichstellung von Frauen und Männern als leitender Grundsatz verankert. Aktuell wird thematisiert, ob „Gendern“ in wissenschaftlichen Abschlussarbeiten methodisch verpflichtend sein sollte, hier besteht derzeit keine allgemeine Regelung. Generation Y

Die Generation des digitalen Zeitalters, der sozialen Netzwerke und Massenstudien. Es wird ihr nachgesagt, die potenziellen Unsicherheiten des Arbeitsmarktes akzeptiert zu haben und im Bewusstsein der sich ständig verändernden Zukunftsperspektiven zu leben. Nicht selten wird dieser Generation mangelnde Reflexions- und Kritikfähigkeit und geringes Interesse an wissenschaftlicher Erkenntnisarbeit vorgeworfen; dererlei Ambitionen seien aber – so die Replik – aufgrund der ständigen Jagd nach ECTSPunkten zu einem Luxus geworden, den sich in Zeiten der Bologna-Studienarchitektur kaum jemand mehr leisten könne. Generation Praktikum

Bezeichnung für jene Akademikerinnen und Akademiker, die während oder nach ihrem Studium zahlreiche Praktika absolvieren, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Nicht selten sind die Praktika unteroder unbezahlt, es mangelt an sozialer Absicherung. Trotz hohem Engagement während des Praktikums bleiben die Aussichten auf eine fixe Arbeitsstelle und eine angemessene Entlohnung in weiter Ferne. Globalbudget

Bezeichnet jenes Budget, das aus öffentlicher Hand den autonomen Universitäten bereitgestellt wird. Berechnungsgrundlage für die Höhe des Budgets sind deren langfristige strategische Entwicklungspläne, umgesetzt werden diese je nach budgetärer Machbarkeit in der Leistungsvereinbarung zwischen Universität und Wissenschaftministerium. Hochschulautonomie Durch das UG 2002 wurde den öffent-

lichen Universitäten eine umfassende institutionelle Autonomie zuerkannt. Seitdem entscheiden die Universitäten nunmehr selbstständig über das ihnen vom Staat zur Verfügung


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WOHIN GEHT DIE UNIVERSITÄT? gestellte Budget, die Gestaltung des Studienangebots und wissenschaftliche Schwerpunktsetzungen sowie Personal und Organisation. Hochschulkonferenz

Die Hochschulkonferenz (gegründet 2012) besteht aus einer Kerngruppe (ständige Vertretung des bmwfw, der Universitätenkonferenz, Fachhochschulkonferenz, Privatuniversitäten konferenz, der Senate, des Wissenschaftsrates und der ÖH) sowie Arbeitsgruppen. Ihre Aufgabe besteht in der Erarbeitung von Empfehlungen an das Wissenschaftsministerium. Ihre Ziele sind eine vermehrte Zusammenarbeit der Hochschulsektoren, eine verbesserte Nutzung der Ressourcen und eine Profilschärfung der Sektoren des Hochschulsystems. Jubiläum

Kommendes Jahr ist ein universitäres Jubiläumsjahr: 2015 zelebriert die Alma Mater ‚Rudolphina‘ ihr 650-jähriges Bestehen (gegründet 1365), die Veterinärmedizinische Universität Wien kann 250 Jahre (gegründet 1765) und die Technische Universität Wien 200 Jahre (gegründet 1815) ihres Bestehens feiern. Der Österreichische Wissenschaftsrat feiert bereits heuer, und zwar sein zehnjähriges Bestehen. Kommilitone

An Hochschulen mittlerweile selten verwendete Bezeichnung für Studienkolleginnen und -kollegen eines Faches oder aus demselben Semester. Das Wort leitet sich vom lateinischen Wort „commilito“ ab, was Kamerad oder Kriegsgefährte bedeutet. KoVo

Kurzform für Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis. Traditionell in Form einer gedruckten Broschüre oder auch digital werden die angebotenen Lehrveranstaltungen (Bachelor und Master) aufgelistet und kurz inhaltlich illustriert. Leistungsvereinbarung

Wesentliches Element der Hochschulautonomie. Das von Rektorat und Bund unterzeichnete Dokument ist Ergebnis ihrer Budget- und Leistungsverhandlungen, also Zeugnis einer Rechenschaftspflicht der Verhandlungspartner gegenüber der Öffentlichkeit. Die Leistungsvereinbarungen wurden erstmals 2007 abgeschlossen und gelten für einen Zeitraum von drei Jahren. Aktuell gelten die Leistungsvereinbarungen 2013 bis 2015, die nächste Periode ist in Vorbereitung. Massenfächer

Studienfächer, die aufgrund großer Beliebtheit stark überlaufen sind, zum Beispiel Betriebswirtschaft, weshalb bereits mit Zugangsbeschränkungen in bestimmten Fächergruppen reagiert wurde. Das Pendant zu Orchideenfächern. Mensa

Im Grunde genommen eine Hochschulkantine vorwiegend für Stu-

dierende und Uni-Angehörige. Der Begriff stammt aus dem lateinischen mensa für „Tisch“ oder „Tafel“. In den österreichischen Mensen werden im Durchschnitt rund 15.000 Gäste täglich verköstigt. Mindeststudiendauer

Die laut Studienplan vorgeschriebene Dauer eines Studiums. Bei Überschreitung der Mindeststudiendauer sind im weiteren Verlauf Studiengebühren zu entrichten, auch der Erhalt der Familienbeihilfe orientiert sich an der Mindeststudiendauer. MINT

„Erfrischend anders“ – PR-Kampagne für die Fächer Mathematik, Informatik, Wirtschaftsinformatik, Chemie, Physik, Astronomie, Erdwissenschaften und Meteorologie. Hervorgehoben werden nicht nur die guten Studienbedingungen, sondern auch aussichtsreiche Jobaussichten – ein möglicher Anreiz für die Generation Praktikum. Mittelbau

Gruppe der wissenschaftlich (künstlerisch) Mitarbeitenden im Lehr- und Forschungsbetrieb mit Ausnahme der Professorinnen und Professoren. Der durch das UG 2002 entstandene „neue Mittelbau“ besteht aus Uniassis, Senior Scientists/Lecturers und jenen, die sich um eine (zeitlich befristete) Qualifizierungsstelle in Richtung Professur beworben haben. MOOC

Massive Open Online Courses, also Onlinekurse, die von Studierenden weltweit absolviert werden können. MOOC bestehen vorwiegend aus Videosequenzen, integrieren Quiz und Multiple-Choice-Fragen und werden von Onlineforen begleitet. Nostrifizierung

Anerkennung eines ausländischen Studienabschlusses durch eine Uni. Open Access

Bezeichnet die uneingeschränkte und kostenlose Zugänglichkeit wissenschaftlicher Publikationen und Materialien im Internet. Die OpenAccess-Bewegung gewinnt im Wissenschaftsbetrieb zunehmend an Bedeutung, viele Unis bekennen sich durch OA-Policies zu dieser Praxis. Orchideenfach

Bezeichnung für ein ausgefallenes, sogenanntes exotisches Studienfach, das nicht an jeder Universität Teil des Lehrplans ist. Ein Beispiel ist die Numismatik, dessen Institut an der Uni Wien das einzige selbstständige Universitätsinstitut dieser Ausrichtung in Europa ist und sogar über einen eigenen methodischen Ansatz, die „Wiener Schule“, verfügt. Österreichische Hochschülerschaft Die ÖH ist die gesetzliche Vertretung

der Studierenden von Unis, FH und Pädagogischen Hochschulen. Die Mitgliedschaft ist fakultativ, alle Studierenden sind automatisch Mitglieder. Plagiat

Umgangssprachlich das „Copy-PastePrinzip“, beschreibt die unrechtmäßige

(weil nicht nachgewiesene) Nutzung fremder Erkenntnisse unter eigenem Namen. Methode, sich mit fremden Lorbeeren zu schmücken. Kann zur Aberkennung akademischer Titel führen. Plagiatsprüfung: Wird bei wissenschaftlichen Arbeiten durchgeführt, um Plagiate ausfindig zu machen. Promotion

Wesentlicher Teil der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Sie dokumentiert und bestätigt die Befähigung zu eigenständiger wissenschaftlicher Forschung und ist somit, neben der Habilitation, Alleinstellungsmerkmal der Universitäten. Promotio sub auspiciis

Spezifisch österreichische Auszeichnung für exzellente schulische und akademische Leistungen. Den Absolventinnen und Absolventen wird als Anerkennung vom Bundespräsidenten ein Ehrenring angesteckt. Rund 1.090 „Sub auspiciis“ gab es seit 1952, sieben Personen gelang es sogar, zwei Mal „unter den Augen“ des Bundespräsidenten zu promovieren. Ranking

Anglizismus für Rangliste, dessen Aussagekraft über die Leistungsfähigkeit von Universitäten umstritten ist. Universitätsrankings listen die weltweit besten Universitäten, gemessen an ihren Hauptaufgaben Forschung, Lehre, Wissenstransfer und Internationalität anhand kalibrierter Indikatoren. Rektor/Rektorin

Dem Rektorat obliegen wesentliche Entscheidungen wie Entwürfe der allgemeinen Planungen, Budgetallokation und die Wahrnehmung der Personalhoheit. Vieles hängt davon ab, welchen Führungsstil ein Rektorat entwickelt. Das zentrale Universitätsmanagement beruht auf dem Zusammenwirken im Kräftedreieck von Universitätsrat, Rektorat und Senat. Ringvorlesung

Vorlesungsreihe, bei der verschiedene Dozierende, oft auch aus unterschiedlichen Fachbereichen, Vorträge halten. Ringvorlesungen dienen oft der Orientierung und werden als StEOP-Lehrveranstaltung abgehalten. Schein

Landläufige Bezeichnung für ein Lehrveranstaltungszeugnis; hat seit der Bologna-Reform und der damit verbundenen Orientierung an ECTSPunkten als Maßeinheit des Studienerfolgs an Relevanz eingebüßt. Senat

Diesem Vertretungsorgan kommen zentrale Entscheidungs- bzw. Mitentscheidungsbefugnisse zu, zum Beispiel die Mitwirkung bei der Rektoratswahl und der Wahl von Mitgliedern des Universitätsrates, die Entscheidung über die Satzung der Universität und die Erlassung von Curricula. Zudem kann der Senat zu den vom Rektorat vorgelegten Planungen Stellung nehmen. Er setzt sich aus unterschiedlichen Personengruppen

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zusammen: Professorat, Mittelbau, Studierenden und dem allgemeinen Universitätspersonal. Spartenuniversität

Eine Universität, die zum Unterschied zu einer Volluniversität auf bestimmte Disziplinen spezialisiert ist. Beispiele sind die TU, WU, BOKU und die VetMed Wien. StEOP

Die Studieneingangs- und Orientierungsphase zu Beginn eines Studiums umfasst bestimmte Lehrveranstaltungen, welche positiv absolviert werden müssen. Die StEOP soll den Studierenden einen Überblick über das Fach verschaffen. Über ihre Reform wird derzeit nachgedacht. Tenure-Track-Modell

Im angloamerikanischen System verbreitet: junge Postdocs können sich um eine Tenure-Track-Stelle bewerben, welche bei Erfüllung der vorgeschriebenen Leistung in eine unbefristete Anstellung mündet; dabei besteht die Möglichkeit, bis zum „Full-Professor“ zu avancieren. Das österreichische Laufbahnstellenmodell bietet Jungwissenschafterinnen und -wissenschaftern in Österreich eine ähnliche Chance. UG 2002

Mit dem Bundesgesetz UG 2002 erhielt das Universitätssystem seine heutige Ausprägung. Universitätsrat

Diesem Organ obliegen elementare Entscheidungen, zum Beispiel Planungsentscheidungen, Zustimmung zu den Entwürfen der Leistungsund Gestaltungsvereinbarungen sowie dem Budgetvorschlag. Die Mitglieder sind extern besetzt, sie werden von der Bundesregierung auf Vorschlag der Ministerin oder des Ministers für Wissenschaft und Forschung bestellt und vom Senat gewählt. Volluniversität

Im Mittelalter geprägt. Vier „klassische“ Fakultäten – Theologie, Medizin, Jurisprudenz und Philosophie. Den Abschied von den Volluniversitäten in Österreich in ihrer tradierten Bedeutung markiert das UG 2002 mit der Überführung der Medizinischen Fakultäten in selbstständige Medizinische Universitäten. Wissenschaft srat, Österreichischer

festgeschrieben im §119 des Universitätsgesetzes. Das Gremium berät den für Wissenschaft und Forschung zuständigen Bundesminister bzw. die Bundesministerin in allen Fragen, die das österreichische Universitäts- und Wissenschaftssystem betreffen. Zukunft

Die Unis planen in Forschung und Lehre, in Profilbildung, Internationalisierung und Budget ihre umfassenden Aufgaben und Leistungen. Ein Instrument der langfristigen inhaltlichen Zukunftsplanung sind die Entwicklungspläne: Die strategische Grundlage für Budgetverhandlungen mit dem Bund sind die Leistungsvereinbarungen.


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Wissenschaftspolitik Freistetters Freibrief

Keine Schule!

Zehn Jahre nach der Trennung Österreichs Medizinische Universitäten sind seit zehn Jahren autonom. Eine Bilanz

Florian Freistetter

Dieter Hönig

er Wechsel von der Schule zur Universität sollte mehr als ein D Ortswechsel sein. Als ich 1995 mein

Bestes Ranking unter Österreichs Unis

Studium begann, war das auch der Fall. In der Schule gab es einen fixen Stundenplan. In der Schule war alles vorgegeben, an der Universität war sehr viel mehr Eigeninitiative gefragt. Im Studienplan meines Faches war damals im Wesentlichen nur festgeschrieben, welche Disziplinen ich in welchem Ausmaß zum Erreichen eines Magistertitels absolvieren musste. Zum Beispiel 40 Semesterwochenstunden Physik während des ersten, vier Semester dauernden Studienabschnitts. Aber welche Vorlesungen ich im Detail besuche, war weitestgehend mir allein überlassen. Man musste sich selbst darum kümmern, das zu lernen, was man wissen musste, um eine Diplom- und später eine Doktorarbeit zum gewünschten Thema schreiben zu können. Heute erhalten die Studierenden meist komplette Stundenpläne, in denen genau festgelegt ist, welche Vorlesungen wann absolviert werden müssen. Der Ablauf eines Bachelor- und Masterstudiums ist genauso vorgegeben wie früher das Lernen in der Schule. Das ermöglicht es den Studierenden natürlich, ihr Studium schneller zu beenden. Aber es verhindert, dass sie echte Wissenschafterinnen oder Wissenschafter werden. Wer forschen will, muss lernen, selbstständig zu denken und selbstständig zu lernen. Wer etwas herausfinden will, was zuvor noch niemand herausgefunden hat, kann sich dabei nicht an vorhandenen Lehrplänen orientieren. Man muss selbst die Fähigkeiten identifizieren können, die man sich aneignen muss, um ein Forschungsvorhaben zu bewältigen. Und man muss das Risiko eingehen, sich dabei zu irren und erst auf Umwegen zum Ziel zu gelangen. Die Universität darf nicht zur Schule werden! Zumindest dann nicht, wenn es weiterhin ihr Ziel ist, nicht nur möglichst schnell gut qualifizierte Fachkräfte für die Wirtschaft zu produzieren. Wenn die Universität auch in Zukunft Wissenschafter hervorbringen möchte, die in der Lage sind, zu wirklich neuen Erkenntnissen zu gelangen, und Forschende, die unser Wissen um die Welt vergrößern, dann muss sie ihren Studierenden die Möglichkeit geben, selbstständiges Denken zu lernen. Echte Wissenschaft ist mehr als das Abarbeiten vorgegebener Lehrpläne. Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs.de/ astrodicticum-simple

Die Medizinische Universität Wien hat in den letzten Jahren eindeutig an Profil gewonnen. Das spiegelt sich auch in den aktuellen Uni-Rankings wider. Im zehnten Jahr ihres Bestehens als eigenständige Universität zählt die MedUni Wien etwa im renommierten Times Higher Education Ranking erstmals zu den 50 besten Medical Schools der Welt. In Europa ist sie Nummer 14, im deutschsprachigen Raum die Nummer drei. Nur leider wurden diese Erfolge von den jüngsten Ereignissen etwas überschattet. Nichtsdestoweniger steht, laut Rektor Wolfgang Schütz, die MedUni Wien heute, zehn Jahre nach der Ausgliederung aus der Universität Wien, besser da als je zuvor. „Das Drittmittelvolumen konnte in diesem Zeitraum verdoppelt werden, die Erwartungen wurden klar übertroffen. Die Leistungen unserer Forscherinnen und Forscher, die immer wieder in absoluten Top-Magazinen ihre Arbeiten publizieren, sind wichtige Basis dieses Erfolgs“, so Schütz. Und das, obwohl die Rahmenbedingungen in Österreich im internationalen Vergleich schlechter seien als in vielen anderen Ländern. Dass diese Erfolge durch Ärgernisse wie etwa das neue Arbeitszeitgesetz, das das ärztliche Personal am AKH auf die Barrikaden steigen lässt, getrübt werden, sieht der Rektor unaufgeregt: „Hier hat der Gesetzgeber einen sechsjährigen

Übergangszeitraum vorgesehen. In diesem Zeitraum werden Maßnahmen für die künftigen neuen Rahmenbedingungen gesetzt. Wir sind diesbezüglich in Gesprächen mit dem Betriebsrat. Einen höheren Bedarf an Personalmitteln für die nächste Leistungsperiode 2016 bis 2018 haben wir bereits im zuständigen Wissenschaftsministerium deponiert.“ Einzigartige Kooperation zweier MedUnis

Seit Ausgliederung der Medizinischen Universität Graz im Jänner 2004 als autonome Einrichtung findet ein permanenter dynamischer Entwicklungsprozess statt. Insgesamt hat sich die Forschungsleistung in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht. Die Grazer Spitzenpublikationen füllen hochrangige, internationale Journale. Eine beachtliche Entwicklung erfährt aktuell der Bereich „Personalisierte Medizin“. Rektor Josef Smolle sieht darin eine Evolution: „Es ist die sukzessive Entwicklung in Richtung einer spezifischeren, wirksameren, sanfteren und individuell angepassten Behandlung.“ Als Voraussetzung für diese Entwicklung bedarf es, laut Smolle, des Zugangs zu großen Mengen an Gewebsproben. Dies sei an der MedUni Graz durch eine der größten, eben erst wieder ausgezeichneten Biobanken Europas und die Ansiedlung der EU-Forschungsinfrastruktur zu Biobanken am Standort gewährleistet.

Von der zukünftigen, engen Kooperation mit der Johannes Kepler Universität Linz, die ja durch die hochschulpolitisch heiß diskutierte Gründung einer medizinischen Fakultät der vierte und jüngste Medizinstandort in Österreich ist, erwartet er sich große Stücke. Damit werde ein sinnvoller und auch volkswirtschaftlich günstiger Weg beschritten. Diese besondere Art der Kooperation sei in Österreich einzigartig, und Smolle ist überzeugt, dass sie Vorbildcharakter haben wird: „Wir erweitern damit unsere vorklinischen Forschungsinstitute und sehen interessante wechselseitige Impulse für die klinische Wissenschaft.“ Ob damit der Turnus-gebeutelte ärztliche Nachwuchs in Österreich gehalten werden kann, ist zu hoffen. Wir-Gefühl an der MedUni

Anlässlich der Feier „10 Jahre MedUni Innsbruck“ verwies Rektorin ­Helga Fritsch ebenso auf Hindernisse wie auf breite Erfolge in der Entwicklung zu einer weltoffenen, leistungsstarken und studierendenfreundlichen medizinischen Universität. Als eigentliche Leistung sei jedoch die Entwicklung eines Wir-Gefühls zu sehen: „Unsere Identität und unsere Corporate Identity sind die besten Voraussetzungen dafür, als selbstbewusste, starke Partnerin im wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld wahrgenommen zu werden“, so die Rektorin.

„Wir bilden nicht nur Ärztinnen und Ärzte aus“ Die Rektorin der MedUni Innsbruck, Helga Fritsch, über das BachelorMaster-Studium an ihrer Institution. Falter Heureka: Sie verglichen die

Ausgliederung der MedUni Innsbruck mit der Trennung siamesischer Zwillinge. Welche Hindernisse gab es? Helga Fritsch: Eine Trennung von althergebrachten Strukturen ist nie einfach, und Neues wird oft sehr kritisch beäugt. Vor diesem Hintergrund muss man die Hindernisse sehen. Die universitäre Landschaft muss sich generell auf neue Herausforderungen einstellen. Es findet ein Generationenwechsel statt, und das ist auf allen Ebenen bemerkbar. Die Bedürfnisse und Herausforderungen einer MedUni sind einfach andere als die einer Gesamtuniversität, wie etwa die enge Verbindung zur Krankenversorgung, also auch zu Krankenhaus­trägern. So ist unser ärztliches und wissenschaftliches

Personal nicht nur mit Lehre und Forschung beauftragt, sondern auch mit Krankenversorgung an unseren Universitätskliniken. Welche waren die Vorteile? Fritsch: Nach zehn Jahren Eigenständigkeit und mit der damit verbundenen stärkeren Verhandlungsbasis sind Kooperationen mit dem Landeskrankenhausträger, die sich durch die Dualität zwischen Krankenversorgung einerseits und Lehre und Forschung anderseits ergeben, einfacher umzusetzen. In Innsbruck werden in einer Kommission alle relevanten Themen über die Zusammenarbeit verhandelt. Dies wäre als Fakultät schwieriger. Mit der Eigenständigkeit und Vollrechtsfähigkeit einer MedUni verhandeln wir autonom und gleichberechtigt. Für uns als MedUni ist es das ausgesprochene Ziel, Spitzenmedizin und hauseigene Forschung so

schnell wie möglich ans Krankenbett zu bringen. Sie bieten exklusiv in Österreich das Bachelor-Master-Studium in der Molekularmedizin an? Fritsch: Die Vorstellung, dass eine MedUni nur Ärztinnen und Ärzte ausbildet, ist falsch. Wie jede Universität bildet ein Studium die Basis für verschiedene Richtungen. Und wenn Sie das Studium der Molekularmedizin ansprechen: Mit einem Abschluss des Bachelor-Studiums stehen unseren Absolventinnen und Absolventen, je nach Interesse, verschiedenste Möglichkeiten offen. Denn einerseits befähigt das Studium für eine praktisch-berufliche Tätigkeit, andererseits kann es auch als Basis für eine weiterführende theoretische Ausbildung dienen. Es kann aber auch im Bereich der sogenannten Life Sciences an Unis oder Fachhochschulen ein Sprungbrett sein.


heureka

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Gedicht I n n o k e n t i j A n n e n s k i j : SCHNEE

Der Winter gefiele mir durchaus, wäre er nicht so beschwerlich … Träge stockt selbst der Rauch unter der Wolkenschicht.

Der Dichter, Dramatiker, Literaturkritiker und Übersetzer Innokentij Annenskij (1855–1909) gilt als einer der wichtigsten Vertreter des russischen Symbolismus und des „Silbernen Zeitalters“ der russischen Kultur um 1900 sowie als Vorläufer modernistischer Strömungen wie des „Akmeismus“.

er ich k lein

Aus: Innokentij Annenskij, Wolkenrauch. Gedichte. Edition Rugerup, Önneköp 2014

Und besonders den schmelzenden, wenn er sich müde, geöffnete Berghöhen passierend, auf glatte Abhänge bettet, Herden weißgeflockter Träume im Nebel, die auf den schwindelerregenden Säumen des Frühlings zu Asche verbrennen.

Aus dem Russischen von Martina Jakobson

Rätsel von Gaja 3

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Waagrecht: 1 Diffusionsbereich für Schwarzweißmaler 8 Lösungswort: Das Adjektiv lässt sich im Ausschlussverfahren ermitteln 9 Metronomes frequenzieren? 10 Für Programmierer nur bedingt von Bedeutung 12 Auszeit für Journalisten? 1 ohne2Schlag eine 3 Empfehlung 4 5 6 7 8 13 Auch 14 Schneider haben das Zeug dazu 17 Ob medizinisch oder ökonomisch: Was an sie geht, geht zu weit 20 Graduierungs-Kategorie beim Jet-Setting? 21 Arturo verursacht Brechtreiz 22 U-18 TU? 23 Beim Germanistikstudium von gravierender Bedeutung 25 Engl. Aufsteiger im akademischen Titelrennen 27 Konsoledierte sich 1972 mit Pong? 28 Hoc aus der Hüfte 29 1 Chinese oder 51 Römer? 30 Afrikanischer Goldküsten-Schmelztiegel 32 Klebrige Eulen?

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Senkrecht: 1 Kann beim Kopfzerbrechen schon mal grammeln 2 Liegt im Amt, steht im Stück, hängt an der Wand 3 Urbanisiert Bator, vergebirgt sich vor Burgassy? 4 Unverändert hymnisch besungen 5 19. Hieb von Rom, verwirrenderweise im Südwesten 6 Loserlos 7 NOEnergie 11 Nicht nur an der Uni optional 15 Gaucho-Ponderosa? 16 Persönliche Eintritts-Karte für Elite-Uni? 18 Auf das Holz ist man in der Neotropis stolz 19 Was? Jetzt! 24 Macht cool cooler 26 Die Zeugen treten paarweise auf 28 Kunst, Technologie, Gesellschaft – so beginnt’s in Linz 31 See you in Kürze Lösungswort: BACHELOR Waagrecht: 1 GRAUZONE, 8 EXKLUSIV, 9 TAKTEN, 10 IF , 12 NUIT, 13 RAT , 14 NAEH, 17 SUBSTANZ , 20 CLASS , 21 UI , 22 HTL, 23 RUNE, 25 MASTER , 27 ATARI , 28 AD , 29 LI , 30 ACCRA , 32 UHUS Senkrecht, 1 GEHIRNSCHMALZ , 2 AKT, 3 ULAN, 4 ZUKUNFTSREICH , 5 OSTIA, 6 NIETE, 7 EVN, 11 FAKULTATIV , 15 HAZIENDA, 16 ASS, 18 BALSA, 19 NUN, 24 UR, 26 TRAU , 28 ARS, 31 CU

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Was am Ende bleibt Raketenschlaf

erich klein

Diese kantigen Linien, im Flug – diese Schwerfälligkeit! Das Blau ist ausgeblichen, wie verwaschen ist erst das Eis! Ich liebe den erschöpft taumelnden, selig aus Wolken fallenden Schnee – mal Diamant staubenden, mal violett leuchtenden Schnee …

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Kürzlich traf ich den russisch-israelischen Schriftsteller Alexander Ilitschewski: Der Verfasser von fünf Romanen ist eigentlich Absolvent des renommierten physikalisch-mathematischen Instituts der Moskauer Universität. Ilitschewskis soeben ins Deutsche übersetzter Roman „Matisse“, für den er den russischen BookerPreis erhielt, rekapituliert die Ausbildung an der elitärsten Bildungseinrichtung, die es in der UdSSR gab. Ihr Zweck im Rahmen der Wissenschaftsgroßmacht Sowjetunion war strategischer Natur. Die Absolventen des „Phys-Tech“ gehörten jener Wissenselite an, die dem Kommunismus im Kalten Krieg mit den USA gleiche Augenhöhe garantierten. Ihr Selbstverständnis war dementsprechend. Dass Wissen Macht ist, hielt der englische Philosoph Francis Bacon erstmals in seinen „Meditationes sacrae“ fest, der genaue Wortlaut ist: „Nam et ipsa scientia potestas est.“ Die sogenannte „Lebenswelt“ war damit zum Zwecke der Erkenntnisgewinnung überschritten. Um Ideale an den Universitäten scherte man sich in der von Ilitschewski beschriebenen Sowjetunion nicht besonders, auch wenn die darin implizierten Ideale von „Bildung“, „Weltbürgertum“ und „Einheit von Forschung und Lehre“ gern beschworen wurden. Ilitschewskis „Matisse“ handelt die verbogenen Karrieren der Nachwuchsforscher ab, die teilweise ins westliche Ausland gingen, um weiterhin Wissenschaft betreiben zu können; manche wechselten in die Bankensphäre, um Geld zu verdienen, andere landeten im Gefängnis; der Protagonist Leonid Koroljew fällt als Obdachloser aus allen Zusammenhängen und folgt dem Lauf der Sonne. Die scheinbar obskure Geheimwissenschaft im Gefolge des Sonnentrajektoriums ist eine Erfindung des Romanciers, der während seiner Studienzeit etwas nicht weniger Skurriles erlebte. Sowjetische Studenten ließen anstelle des Militärdienstes die sogenannte „Militärfakultät“ über sich ergehen. Im Fall des Ballistikers Ilitschewski, der bis heute Reserveoffizier der strategischen Luftabwehr der russischen Armee ist, war das eine Art Praktikum in den Bombenschächten der rund um Moskau stationierten Interkontinentalraketen. „Das Ganze war außerordentlich langweilig, weshalb ich einmal im Inneren einer SS-18 ,Satana‘-Rakete einschlief. Deren Sprengköpfe wären geeignet gewesen, halb Amerika in Schutt zu legen.“ In Russland ist das Leben doch ein Roman.


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Publikationen des Österreichischen Wissenschaftsrates aus jüngerer Zeit Universität Österreich 2025

Mit dem Band „Universität Österreich 2025“ legt der Österreichische Wissenschaftsrat seine Vorstellungen über eine gedeihliche Entwicklung des österreichischen Hochschulsystems vor. Empfohlen wird ein übergreifendes hochschulpolitisches Entwicklungskonzept aus der übergeordneten Perspektive des österreichischen Wissenschaftssystems. Ein derartiges Gesamtkonzept könne nur in Abstimmung zwischen dem Staat und den Akteuren des Systems, zumal in dessen autonomen Teilen, entwickelt werden.

Das Promotionsrecht in einem differenzierten Hochschulsystem

Vor dem Hintergrund der hochschulpolitischen Diskussion um ein Promotionsrecht für die Donau-Universität Krems und die Fachhochschulen empfiehlt der Österreichische Wissenschaftsrat, das Promotionsrecht wie

bisher ausschließlich bei den Universitäten zu belassen, aber die Kooperation mit den Fachhochschulen im Forschungsbereich, einschließlich gemeinsamer Promotionsprogramme, auszubauen. Voraussetzung einer Promotion ist die enge Verbindung zu wissenschaftlicher Forschung und ein weites, modernen interdisziplinären Forschungsentwicklungen entsprechendes Fächer- und Disziplinenspektrum, das in dieser Form nur an der Universität gegeben ist. Unabhängig davon sollte der Zugang zur Promotion für die leistungsfähigsten Absolventen und Absolventinnen anderer Einrichtungen des Hochschulsystems institutionell gesichert und gestärkt werden.

Die Vermessung der Wissenschaft. Messung und Beurteilung von Qualität in der Forschung

Die Wissenschaft ist es gewöhnt, zu messen und selbst vermessen zu werden. Scharf kritisiert der Österreichische Wissenschaftsrat jedoch die ständig wachsende Zunahme von immer häufiger eingesetzten Gutachterkommissionen, von aufwendigen Evaluationsverfahren ohne Konsequenz und den mittlerweile inflationären Einsatz von Bilanzen, Ratings und Rankings. Die methodische Orientierung der Wissenschaftsbewertung an Steigerungsattributen („mehr“) oder die Beurteilung anhand nackter Produktionszahlen sagt wenig über die wissenschaftliche Qualität aus. Der Österreichische Wissenschaftsrat hat die gängigen internationalen Methoden der Wissenschaftsbewertung untersucht und legt mit dieser Studie eine Handlungsanleitung – für den fortschrittlichen Gebrauch dieser Messinstrumente – für Politik und Wissenschaft vor.

Bildgebung. Forschung, Lehre und Ausstattung an Österreichs Medizinischen Universitäten

Hintergrund eines fordernden Arbeitsmarktes schwierige individuelle Entscheidungen zu nachhaltigen Bildungs- und Ausbildungswegen müssen getroffen werden. Die Unis stöhnen aber auch unter der wachsenden Organisationslast der ersten Semester, die durch die Anforderungen einer sinnvollen Orientierung für die Studierenden (die sowohl Interesse als auch Eignung bestätigt) nicht leichter geworden ist. Es gibt also gute Gründe, Studierenden zur Überzeugung zu verhelfen, dass sie, nachdem einmal die Entscheidung für die Universität getroffen wurde, dort auch „im richtigen Film“ sitzen.

In den letzten zehn Jahren haben sich die Möglichkeiten der Bildgebung rasant weiterentwickelt. Die Geräte wurden deutlich leistungsfähiger, bildgesteuerte medizinische Interventionen, neue Möglichkeiten der Datenauswertung und die Teleradiologie haben gewaltig an Bedeutung gewonnen. Die Bildgebung ist kostenintensiv. Diese Kosten relativieren sich allerdings, wenn durch ihren Einsatz Forschungserfolge erzielt, korrekte Diagnosen frühzeitig gestellt, teure und invasive Therapien besser gesteuert werden. Der Wissenschaftsrat analysiert das Potenzial der Bildgebung als Querschnittfach, das die medizinische Versorgung entscheidend unterstützt.

Zur universitären Gerichts­medizin in Österreich. Status quo, Stellungnahme und Empfehlungen

Zur Studieneingangs- und Orientierungsphase (StEOP) an Österreichs Universitäten

Die Gerichtsmedizin hat einen umfassenden gesellschafts- und demokratiepolitischen Auftrag zu erfüllen. Eine funktionierende universitäre und damit von Politik, Justiz und Polizei unabhängige Gerichtsmedizin stellt eine wichtige Säule im Bereich der Rechtssicherheit dar. Fehlende Stellen für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses (trotz hohem Interesse der Studierenden an gerichtsmedizinischen Themen), sinkende Obduktionszahlen (damit einhergehend: sinkende Aufklärungsquoten) und Einigungsschwierigkeiten zwischen Bund und Ländern (hier vor allem in Wien) für die Abgeltung universitärer Obduktionstätigkeiten nehmen dem Fach die Bedeutung, die es aufgrund seiner zentralen Vermittlerposition zwischen moderner Medizin und Rechtswissenschaften hat. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zielen darauf ab, die Gerichtsmedizin an Österreichs Universitäten so zu verankern, wie es ihrem wissenschaftlichen Selbstverständnis entspricht.

Der Übergang von der Schule zur Hochschule stellt Studierende vor völlig neue Herausforderungen: Es gilt, sich in einer Welt mit noch unbekannten intellektuellen und administrativen Spielregeln zurechtzufinden. Dieser Orientierungsphase des Übergangs wird zunehmend Bedeutung beigemessen, denn weitreichende, auf dem


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