FALTER
HEUREKA Das Wissenschaftsmagazin
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empelrettung: Das Archäologische Institut restauriert den Hadrianstempel in Ephesos
Wozu Exzellenz? Bast, Ehrenfreund, Henzinger, Meyer, Penninger, Zeilinger & viele andere mehr Spitzenlehre Spezielle Lehrprofessuren für Wissenschafter, die gute Vorlesungen halten können?
Nr. 6/13
Exzellenz in der Forschung
Der Österreichische Wissenschaftsrat widmete seine heurige Herbsttagung dem Thema „Exzellenz in der Forschung.“ Hier lesen Sie, was exzellente Forscherinnen und Forscher dazu sagen I L LU S T R AT I O N: T H O M A S M O O R , W W W.T H O M A S M O O R . AT
Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2428/2013
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Inhalt Leistungsfähigkeit von Wissenschaft Kommentar von Jürgen Mittelstraß Schnecken, Tempel, Krebsforschung Beispiele für österreichische Spitzenleistungen Exzellenz in der Wissenschaft Der Countdown zum Thema Exzellenz an Kunsthochschulen Gerald Bast, Rektor der Angewandten, zum Thema
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Spitzenforschung braucht kritische Masse Wie Exzellenz in der Forschung entsteht Hat unsere Forschung Exzellenzpotenzial? Star-Prinzip oder Teamarbeit fördern? Wir haben Exzellenz, Majestät! Weltweit anerkannte Wissenschafter in Österreich „Ideen allein reichen nicht“ FWF-Präsidentin Pascale Ehrenfreund im Interview
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Wissenschaft ist ein Wagnis Was Forschende am Exzellenz-Begriff kritisieren Das Glossar Exzellenz von A bis Z „Eine Atmosphäre für verrückte Ideen“ Neurologe Arno Villringer im Gespräch Gedicht, HEUREKA-Rätsel, Kommentar Was Weinheber uns zu sagen hat
Kommentar
Editorial
Leistungsfähigkeit von Wissenschaft J ü r g e n M i t t e l s t r a SS
issenschaft weiß, wo ihre SpitW zen sind; sie übt sich Tag für Tag in der Beurteilung wissenschaftli-
cher Leistungen und geht in der Regel sparsam mit ihrer Sprache um. Nüchternheit ist ihr Markenzeichen, nicht Überschwang. Aber das mag sich derzeit ändern. Wo alle Welt in Superlativen schwärmt, rüstet auch die Wissenschaft terminologisch auf, gewinnt sie der Selbstdarstellung ganz neue Farben ab. Auf einmal wimmelt es auch in ihrer Sprache nur so von Exzellenz. Lernprozesse im Rhetorischen gehen erstaunlich schnell. Tatsächlich vernichtet ein inflationärer Gebrauch der Exzellenzvokabeln gerade das, was sie doch hervorheben soll: die ganz besondere, damit auch eher seltene Leistung oder erwiesene Leistungsfähigkeit. Um die aber geht es. Sie zeigt sich im Wettbewerb mit den Besten – mit den besten Köpfen und den besten Einrichtungen –, und sie zeigt sich in der Fähigkeit zur Kooperation, wo es darum geht, unterschiedliche wissenschaftliche Kompetenzen in Problemlösungszusammenhängen miteinander zu verbinden. Außerdem benötigt sie ein Umfeld, das sich durch hohe Qualität auszeichnet. Es gibt Forschungsparadiese und Forschungswüsten – auch wenn es die Paradiese unter finanziellen Zwängen immer schwieriger haben und es den Wüsten immer wieder gelingt, sich als vermeintliche Paradiese darzustellen. Immerhin gehört ja auch die Fata Morgana zur natürlichen Ausstattung von Wüsten. In Wahrheit gedeihen auf öden Flächen große Leistungen nur selten. Das Außerordentliche setzt auch in der Wissenschaft viel Qualität voraus, und eben diese Voraussetzung ist seltener realisiert, als wir denken und wünschen mögen. Also sollte die außerordentliche Leistung nicht nur das stets
Angezeigte, sondern auch das stets zu Fördernde sein, nennen wir sie nun groß, maßgebend oder exzellent. Auf die Wörter kommt es nicht an, solange wir nur wissen, was eine besondere, Wissenschaft und Forschung weiterbringende Leistung ist. Und eben darum, um die besondere Leistungsfähigkeit von Wissenschaft und Forschung, ferner um die Stellung Österreichs in dieser Frage, ging es auf der Tagung des Österreichischen Wissenschaftsrates zum Thema Exzellenz in der Wissenschaft.
Finkenschlag Handgreifliches von Tone Fink
Jürgen Mittelstraß ist Vorsitzender des Österreichischen Wissenschaftsrates
www.tonefink.at
Christian Zillner
Es gibt einen jüdischen Witz, in dem ein Mann Tag für Tag den lieben Gott darum anfleht, ihm doch ein bisschen Glück in der Lotterie und damit Geld zu verschaffen. Jahre-, ja jahrzehntelang geht das so dahin. Bis Gott der Kragen platzt und er mit Donnerstimme über den Mann kommt: „Herschel, gib mir eine Chance – kauf dir endlich ein Los!“ Wieso mir dieser Witz in Zusammenhang mit Exzellenz in der Forschung einfällt? Nun, vielleicht liegt es darin, dass ich eine Reihe exzellenter Wissenschafter kenne, die jahrein, jahraus Politiker um Geld für die Wissenschaft ersuchen und dabei darauf hinweisen, wie wichtig ihre Arbeit doch für die Gesellschaft sei. Nur weiß halt die Gesellschaft nichts davon, weil es weder den Wissenschaftern noch ihren Mundstücken, den PR-Beratern und den Öffentlichkeitsarbeitern, gelingt, dem Volk aufs Maul zu schauen und ihm auf seine Art zu erklären, warum Wissenschaft wichtig ist. Sie klagen lieber über die Medien, statt zu begreifen, dass sie denen Geschichten liefern müssen, die irgendwer lesen möchte. Es ginge also um einen Los-Kauf. Um einen Los-Kauf von der selbstverschuldeten kommunikativen Unmündigkeit der hiesigen Wissenschaft. Den anderen Ignoranz vorzuwerfen, wenn man ihr Geld will, ist nämlich wenig hilfreich.
Impressum Falter 49a/13 Herausgeber: Armin Thurnher Medieninhaber: Falter Zeitschriften GmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: service@falter.at, www.falter.at Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. Redaktion: Christian Zillner Fotoredaktion: Karin Wasner Produktion/Grafik: Reini Hackl Korrektur: Martina Paul Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86. In Kooperation mit dem Österreichischen Wissenschaftsrat. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.
HEUREKA ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit
Grafik: Tone Fink, foto: Uni Duisburg-Essen
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Aus Wissenschaft und Forschung
Exzellente Zahlen Einige Zahlen zur Situation der Forschung in Österreich – und ihrem Exzellenzanspruch E l l y K i ss
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8,96
Millionen Euro stellen Wirtschaftsund Infrastrukturministerium zur Schaffung von bis zu zehn Kompetenzzentren für Spitzenforschung im Rahmen des COMETProgramms bereit.
Milliarden Euro werden in Österreich heuer die Staatsausgaben für Forschung und Entwicklung betragen.
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ist die Stelle, die Österreich mit seiner Forschungsquote innerhalb der EU zukommt. Sie beträgt 2,81 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und liegt über dem EU-Durchschnitt von 2,03 Prozent.
3,76
Prozent muss die Forschungs- und Entwicklungsquote erreichen, um Österreich in die Gruppe der Innovation Leader der EU zu bringen.
196
Millionen Euro Förderung geht vom FWF an die Grundlagenforschung in Österreich. Die anwendungsorientierte Forschung wird durch die FFG mit 427 Millionen Euro gefördert.
14
Länder liegen vor Österreich in der Grundlagenforschung, wenn man als Bewertung die Zahl der Zitierungen pro Einwohner annimmt.
8
europäische Länder liegen vor Österreich in der Reihung der innovativsten Länder der EU laut Innovation Union Scoreboard. Es wird von der Europäischen Kommission jährlich veröffentlicht.
1,4
79
Beiträge mit mindestens einem Autor aus Österreich sind seit 1997 in den international renommierten Fachzeitschriften Nature und Science veröffentlicht worden.
120.000
Euro erhielt das Forschungsprojekt „PTR-TOF Spurengasanalytik“ der Universität Innsbruck als Preisgeld des Houska-Preises. Er ist der größte private Forschungspreis in Österreich.
100
ERC (European Research Council) Grants haben Wissenschafterinnen und Wissenschafter an heimischen Universitäten und Forschungseinrichtungen seit 2007 erhalten – und damit Fördergelder in der Höhe von rund 138 Millionen Euro.
13
Forscherinnen und Forscher am Institut of Science and Technology ISTA in Klosterneuburg verfügen über einen ERC-Grant. 13 Prozent der Wissenschafter am Institut sind Österreicher. Die Arbeitssprache ist Englisch.
Milliarden Euro beträgt das geplante Gesamtvolumen des COMET-Programms bis 2019. Es zählt zu einem der größten Förderprogramme für Wissenschaft, Forschung und Innovation in Österreich.
1.500
Forscherinnen und Forscher werden österreichweit durch das COMETProgramm gefördert.
1,5
Millionen Euro Fördergeld (maximal) erhält der Gewinner des höchstdotierten Wissenschaftspreises, des Wittgenstein-Preises.
10.000
Euro werden im Rahmen des ASciNA-Preises an junge österreichische Forscher in Nordamerika verliehen. Ziel ist, heimische Spitzenforschung auch im Ausland zu unterstützen.
6,5
Millionen Euro stellt das Programm „New Frontiers“ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften für exzellente Wissenschafter bereit, die nach Österreich kommen oder zurückkehren wollen.
42
europäische Nobelpreisträger haben eine Petition zur Sicherung des EUForschungs- und Innovationsbudgets unterzeichnet.
1,2
Millionen beträgt die höchstdotierte Förderung für Jungforscher. Sie soll die Forschungsarbeit für die kommenden sechs Jahre sichern.
3.300
Anträge für ERC Starting Grants (EU-Förderung für Nachwuchsforscher) wurden bei der sechsten Ausschreibung eingereicht. Gegenüber 2012 ist das eine Zunahme um etwa die Hälfte.
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österreichische Nachwuchsforscher erhalten heuer ERC Starting Grants. Die Gesamtsumme beträgt bis zu zwei Millionen, die Laufzeit fünf Jahre. Damit liegt Österreich im Mittelfeld gleichauf mit Italien und Schweden. Großbritannien führt mit 60 ERC Starting Grants, Deutschland erhält 46, die Schweiz zwölf.
30
Prozent der vergebenen ERC Starting Grants gehen an Frauen. Ihr Anteil betrug 2012 noch 24 Prozent.
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Aus Wissenschaft und Forschung Kopf im Bild Molekulare Chronobiologie Das molekulare und zelluläre Uhrwerk im „Rhythmus des Lebens“ steht im Zentrum der Arbeit von Kristin Teßmar-Raible an den Max F. Perutz Laboratories der Uni Wien. Ob ein Organismus von einer oder mehreren inneren Uhren gesteuert wird, erforscht die Neurobiologin, die heuer einen ERC Starting Grant erhalten hat, am Meeresringelwurm Platynereis dumerilii. Nun publizierte sie im Journal Cell Reports erste Hinweise, wie innere Mondund Sonnenuhren interagieren. „Diese Tiere nutzen Sonnenlicht zum Stellen ihrer 24-Stunden-Uhr und Mondlicht zum Stellen ihrer monatlichen Uhr“, erklärt sie. „Beides ist Licht. Wie kommt es, dass sie dabei nicht durcheinanderkommen, welches Licht sie gerade wahrnehmen?“ Völlig unbekannte Mechanismen aufklären zu können, nennt die Forscherin als eine ihrer Haupttriebfedern. „Endogene Rhythmen mit einer etwa monatlichen Periodenlänge tauchen auch bei manchen Säugern wie dem Menschen auf. Natürlich wissen wir nicht, ob das etwas mit den Mondrhythmen der Meerestiere zu tun hat. Aber wenn wir den grundsätzlichen Mechanismus für eine monatliche Uhr verstehen, können wir davon mit Sicherheit auch etwas für andere Organismen lernen.“ T e x t : usch i sorz F oto : K ar i n wasner
U sch i S orz
ie zählen zum hochqualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchs, S den der FWF im Rahmen von Doktoratskollegs fördert:
Elisabeth Janik, 28, Doktoratskolleg „Das österreichische Galizien und sein multikulturelles Erbe“
Elisabeth Janik hat in Bochum und Krakau Geschichte und Germanistik studiert. Bei einer Südamerikareise weckten die aktiven polnischen, deutschen und ukrainischen Communities in Buenos Aires und Rio de Janeiro ihr Interesse. Sie beschloss, die Auswanderungsströme aus Galizien zwischen 1860 und 1914 genauer zu untersuchen. „Aus kultur- und mentalitätsgeschichtlicher Perspektive“, erzählt die Doktorandin.
„Mir geht es um die Lebenswelten entlang dieser Route über die deutschen Hafenstädte nach Argentinien und Brasilien.“ Für ihre Dissertation sei das Wiener Doktoratskolleg Galizien der ideale Ort: „Die Expertise der Fakultät, der rege kollegiale Austausch und die Interdisziplinarität sind enorm motivierend und hilfreich.“ Julian Kolm, 27, Vienna Graduate School of Eonomics
„Optimale Kapitalregulierung muss Schattenbanken einbeziehen, sonst können die Eigenkapitalvorschriften für Banken umgangen werden“, fordert Julian Kolm. Den Anstoß, sich mit Verbriefungen und Schattenbanken zu beschäftigen, gab dem Volkswirtschaftler die Finanzkrise.
„Wenn Kredite zu Wertpapieren gebündelt und verkauft werden, scheinen sie in der Bilanz einer Bank nicht mehr auf “, erklärt er. „Das verringert ihre Haftung für Verluste und erhöht Risikoanreize.“ Finanzinstitutionen, die parallel zum üblichen Bankensektor Kredite gewähren, aber keine Einlagen annehmen, bezeichnet man als Schattenbanken. Wenn es normalen Banken möglich ist, ihre Geschäfte als Schattenbanken zu tätigen, kann das zu exzessivem Risikoverhalten führen. Diese Mechanismen und ihre fatalen Auswirkungen zeigt Kolms Arbeit auf. Nadine Dörre, 27, Vienna Doctoral Program on Complex Quantum Systems
„Der Welle-Teilchen-Dualismus ist
eines der grundlegenden und zugleich verblüffendsten Prinzipien der Quantenphysik“, sagt Nadine Dörre. Und obwohl sich seine Gültigkeit nicht nur auf kleine Teilchen beschränkt, lässt sich der Welle-Teilchen-Dualismus an Alltagsobjekten nicht beobachten. „Es ist eine offene Frage, ob die Regeln der Quantenphysik für alle Größenordnungen gelten“, sagt die Waldviertlerin über ihr Forschungsgebiet. „Durch Materiewelleninterferometrie mit immer größeren Molekülen erweitern wir sie Richtung Makrowelt.“ Gemeinsam mit anderen hat Dörre ein neues, weltweit einzigartiges Materiewelleninterferometer aus Licht für eine breite Klasse von Teilchen entwickelt. Damit arbeitet sie am Nachweis der Quantendelokalisation massiver Nanoteilchen.
Fotos: privat
Jungforscherinnen
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heureka!
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Aus Wissenschaft und Forschung Geologie
Archäologie
Medizin
Was uns Millionen Jahre alte Süßwasser schnecken über die Biodiversität in Seen sagen
Das Österreichische Archäologische Institut restauriert den Hadrianstempel in Ephesos
Wenn die ärztliche Tätigkeit zur Heilkunst wird
Uschi Sorz
Uschi Sorz
Dieter Hönig
athias Harzhauser war selbst M überrascht, wie schwierig aktuelle Daten zur Vielfalt des Lebens in
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n der Medizin, egal ob im wissenIreich, schaftlichen oder im Routine-Besollte jeder Tag damit begin-
Seen zu bekommen sind. „Wenn Sie eine Karte mit einer grafischen Darstellung der Diversitäten moderner Seen haben wollen, werden Sie die nicht finden“, sagt der Leiter der paläontologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien (NHM). Das seit Februar laufende FWFProjekt „Süßwassersysteme im Neo-
F o tos: F o to w i lk e , n h m/ K u r t K r ac h e r / w w w.k u r t- k r ac h e r . at, si ssi fu rg le r / w w w.f o to fu rg le r .com
„Wenn Sie eine Karte der Diversitäten moderner Seen haben wollen, werden Sie die nicht finden.“ Mathias Harzhauser, NHM Wien
gen und Quartär Europas: Biodiversität der Gastropoda, Provinzialismus und Faunengradienten“ soll hier Abhilfe schaffen. Mit internationalen Kollegen erstellen die Forscher des NHM eine Datenbank für alle Süßwasserschnecken aus Seen der letzten 23 Millionen Jahre bis heute. Das Besondere daran: „In unserer FreshGen-Database werden alle Daten auf ihren Stellenwert innerhalb der Wissenschaftsgeschichte geprüft.“ Keine Selbstverständlichkeit, denn Biologen etwa können mangels Vertrautheit mit der geologischen Terminologie das genaue Alter oft schwer erkennen. „Ob etwas zehn oder zwölf Millionen Jahre alt ist, ist aber nicht egal“, sagt Harzhauser. „Da geht’s ja um zwei Millionen Jahre Evolution.“ Darum setzt das NHM-Projekt, das bis 2016 läuft, auf Multidisziplinarität und bindet Limnologen, Evolutionsbiologen und Paläontologen ein. Erforscht werden auch bisher ungeklärte Phänomene wie Riesenwuchs innerhalb nicht verwandter Schneckengruppen zu unterschiedlichen Phasen der Erdgeschichte und der Zusammenhang mit der Größe und Langlebigkeit von Seen. Bisher wurden über 600 versteinerte und kürzlich vergangene Seen erfasst und über 7000 Arten von 4000 Fundpunkten nachgewiesen. Die Hotspots und die Orte mit wenig Diversitäten werden in „Heatmaps“ festgehalten. Alle Daten sind frei zugänglich.
eute ist zwar widerlegt, dass der Hadrianstempel Kaiser Hadrian gewidmet war, sein Name ist ihm aber geblieben. Das auffallend schöne Gebäude aus 117/118 n. Chr. wurde in den Fünfzigerjahren von österreichischen Archäologen entdeckt und wiederaufgebaut. Es ist eines der bekanntesten Monumente der antiken Metropole von Ephesos, wegen seines schlechten Erhaltungszustands aber derzeit nicht öffentlich zugänglich. Im September nahm das Österreichische Archäologische Institut (ÖAI) mit Unterstützung des J. M. KaplanFunds die dringend nötige Restaurierung in Angriff. Beim Wiederaufbau Ende der Fünfzigerjahre hatte man überwiegend originale, erhaltene Bauteile und nur sparsam neue Materialien wie etwa Beton verwendet. Diese halten Witterungseinflüssen aber nicht stand. Ein weiteres Problem bei Rekonstruktionen ist, dass das bei antiken Gebäuden vorhandene Dach meist fehlt. Beim Hadrianstempel führte das zu massiven Schäden wie etwa der Korrosion der Eisenelemente, die seinerzeit zur Verbindung und Verstärkung der Marmorblöcke und als Bewehrungsstahl eingebracht wurden. Mittlerweile haben sich einzelne Eisenelemente fast völlig aufgelöst. Auch die Marmoroberfläche zersetzt sich. „Häufig wird vergessen, dass ausgegrabene und wiedererrichtete Monumente permanente Wartung brau„Ein restauratorisches Monitoring archäologischer Stätten ist ein dringendes Muss.“ Sabine Ladstätter, Direktorin des ÖAI
chen“, sagt Sabine Ladstätter, Leiterin der Grabung Ephesos und Direktorin des ÖAI. „Man gräbt aus, man restauriert und dann überlässt man den Bestand der Zeit.“ Das bedeute de facto eben auch den langsamen Verfall. „Ein restauratorisches Monitoring archäologischer Stätten ist daher ein dringendes Muss“, so Ladstätter. Das umfassende Restaurierungsprojekt läuft noch bis Ende Juli 2014.
Krebsforschung und Lungentherapie: heimische Wissenschafter zeigen internationales Exzellenzformat
nen, Gesundheit zu definieren. Was Krankheit ist, lernen wir sowieso im Medizinstudium“, sagt Martin Riegler, Leiter der Abteilung für chirurgische Funktionsdiagnostik am AKH Wien. Nur in Kenntnis dessen, was Gesundheit ist, schaffe man den Rahmen und die Voraussetzungen für eine Heilkunde. Die ärztliche Tätigkeit werde dann zur Kunst, wenn die Ursachen von Krankheiten und damit der Therapien wesenhaft verstanden werden. Dabei geht es, meint Riegler, vor allem um das Hervorholen von verborgenen Gemeinsamkeiten. Ausgehend von der Anamnese über die Beschwerden führt der Weg über die di„In der Medizin sollte jeder Tag damit beginnen, Gesundheit zu definieren. “ Martin Riegler, AKH Wien
agnostischen zu den prognostischen Zeichen. „Wir haben es hier mit der Urform der Semiotik zu tun. Gelingt es, die Zeichen des Körpers auf das Wesentliche zu übersetzen, fügt sich dies in ein zum Wesen der Erkrankung gerichtetes Vorgehen: der sogenannten ursächlichen Therapie“, so Riegler, der sich seit Jahren der Erforschung von Reflux bedingtem Speiseröhrenkrebs widmet. „Funktionserhalt“, so lautete der Titel der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurochirurgie (ÖGNC), die vom 10. bis 12. Oktober 2013 in Innsbruck stattfand. „Die Neurochirurgie ist ein hochtechnisiertes Spezialgebiet der operativen Medizin. Hier besteht die große Herausforderung etwa darin, die Entfernung eines Gehirntumors zu ermöglichen, ohne Hirnfunktionen zu beeinträchtigen“, erklärt Tagungspräsident Claudius Thome, Direktor der Universitätsklinik für Neurochirurgie in Innsbruck. Dieser Funktionserhalt könne heute durch verbesserte mikrochirurgische
Operationstechniken, computergestützte Navigation, Messung feinster Ströme in Nervenbahnen sowie durch Gehirnoperationen am wachen Patienten erreicht werden. „Dennoch gelten viele Hirntumore infolge ihrer diffusen Infiltration in das umgebende Gehirngewebe nach wie vor als unheilbar, sodass intensive Anstrengungen in der Erforschung neuartiger Therapien erforderlich sind“, sagt Experte Thome. „Unser Verfahren könnte zu einem früheren Erkennen von Lungenhochdruck beitragen.“ Andrea Olschewski, MedUni Graz
Einem Grazer Forscherteam um ndrea Olschewski, Leiterin des LudA wig Boltzmann Instituts für Lungengefäßforschung an der MedUni Graz, gelang es mit der TU Graz erstmals, eine Methode zu entwickeln, mit der Lungenhochdruck mittels Computertomographie-Untersuchung (CT) nicht-invasiv erkannt werden kann. „Unsere neue Methode erfasst den Blutfluss in der Lungenarterie im Rahmen von Thorax-CT-Untersuchungen, die häufig im Rahmen der Lungendiagnostik bei Lungenembolie oder Lungenkrebs durchgeführt werden“, so Andrea Olschewski, die sich seit Jahren mit der Erforschung der „Bei Hirntumoren sind intensive Anstrengungen in der Erforschung neuartiger Therapien erforderlich.“ Claudius Thome, Uni-Klinik Innsbruck
Entstehung des Lungenhochdrucks beschäftigt. Die nun patentierte Methode kann bei Routineuntersuchung angewendet werden. „Das Verfahren könnte zu einem deutlich früheren Erkennen von Lungenhochdruck beitragen.“ Außerdem arbeitet die mit internationalen Forschungspreisen ausgezeichnete Anästhesistin und Intensivmedizinerin an neu zu entwickelnden Medikamenten für die Lungenzirkulation.
Titel 6
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Exzellenz in der forschung
Der Countdown zum Thema Ulrike Ple t tenbacher
Studierende waren im Studienjahr 2011/12 an Österreichs Hochschulen (also Universitäten, Fachhochschulen, pädagogischen Hochschulen) insgesamt eingeschrieben. Der Frauenanteil betrug 55,1 Prozent.
272.061 39.276
Studierende zählten 2011/12 die 21 Universitäten Österreichs. 53,4 Prozent davon waren Frauen.
Studierende absolvierten im Wintersemester 2011/12 ihre Ausbildung in einem der 372 Studiengänge an einer österreichischen Fachhochschule. 46,7 Prozent davon waren Frauen.
34.765
Personen, davon 13.482 Frauen, umfasste im Studienjahr 2011/12 das gesamte (fix angestellte oder über Drittmittel finanzierte) wissenschaftliche und künstlerische Personal (von Lektoren bis zu Professoren) der österreichischen Universitäten.
28.909 und 15.324 Männer.
Studierende beschäftigten sich im Wintersemester 2012/13 mit ihrer Doktorarbeit, davon 13.585 Frauen
19.540
weibliche und 14.920 männliche Studierende schlossen im Studienjahr 2011/12 ihr Studium mit einem Bachelor, Master, Diplom oder Doktorat ab.
8.364
Kandidaten traten 2013 zum Aufnahmetest an einer der drei Medizinischen Universitäten Österreichs an, um einen der 1.500 Studienplätzen zu ergattern.
4.952
männliche und 3.140 weibliche, über Drittmittel finanzierte wissenschaftliche Mitarbeiter forschten und lehrten 2011/12 an den österreichischen Universitäten. Hinzu kommen 1.988 „allgemeine Projektmitarbeiter“, die ebenfalls über Drittmittel finanziert wurden.
1.833 1.550
Professoren und 476 Professorinnen forschen und lehren an Österreichs 21 Universitäten.
Seiten Text hat der Österreichische Wissenschaftsrat mit seinen 47 Empfehlungen und Stellungnahmen zu Fragen der Wissenschafts- und Hochschulpolitik seit 2004 produziert.
917 525
Teilnehmer konnte der Österreichische Wissenschaftsrat auf seinen insgesamt neun internationalen Tagungen begrüßen.
Kilogramm schwer war die Aussendung des Tagungsbandes zur Weiterentwicklung der Pädagogischen Hochschulen in Österreich – übermittelt an rund 700 Personen in Wissenschaft, Forschung und Politik.
426
Seiten in drei Tätigkeitsberichten hat der Österreichische Wissenschaftsrat dem Nationalrat vorgelegt, dem er zur Veröffentlichung seiner A rbeitsschritte verpflichtet ist.
119
ist jener Paragraf im Universitätsgesetz (UG) 2002, der die Einrichtung des Österreichischen Wissenschaftsrates begründet und seine Aufgaben festlegt: die Beratung des für Wissenschaft und Forschung zuständigen Bundesministers bzw. der Bundesministerin in allen Fragen, die das Universitäts- und Wissenschaftssystem betreffen.
63
Leistungsvereinbarungen der Österreichischen Universitäten hat der Österreichische Wissenschaftsrat im Rahmen der letzten drei Leistungsvereinbarungsperioden analysiert und, entsprechend der gesetzlichen Vorgaben, dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung übermittelt.
57
Plenarsitzungen wurden im Österreichischen Wissenschaftsrat seit 2004 bis Ende 2013 abgehalten. Heuer fand die 30. Präsidiumssitzung statt.
25
Arbeitsgruppen zu jeweils aktuellen Themen der Wissenschaftsund Forschungspolitik wurden seit 2004 eingerichtet. Sie setzen sich aus Mitgliedern des Österreichischen Wissenschaftsrates und externen Experten zusammen. Für die Medizin besteht ein ständiger Medizinischer Ausschuss.
32
externe, international ausgewiesene Gutachter wurden zur Arbeit in den Arbeitsgruppen des Österreichischen Wissenschaftsrates beigezogen.
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Jungakademikern hat der Österreichische Wissenschaftsrat durch ein einjähriges Verwaltungspraktikum zu einem Start ins erufsleben verholfen. B
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Mitglieder bilden den Österreichischen Wissenschaftsrat. Sie sind international angesehene Vertreter aller Wissenschaftsdisziplinen und der Kunst, jeweils zur Hälfte aus Österreich und dem Ausland, Männer und Frauen, mit langjähriger hochschul- und wissenschaftspolitischer Erfahrung. Ein Mitglied kommt aus Wirtschaft und Industrie.
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Wissenschaftsminister hat der Österreichische Wissenschaftsrat im Laufe seines Bestehens beraten. Nationalitäten sind im Österreichischen Wissenschaftsrat dauerhaft vertreten: Deutschland, Großbritannien, Österreich und die Schweiz.
Generalsekretärin und derzeit vier Mitarbeiterinnen (unter ihnen eine Verwaltungspraktikantin) organisieren die Arbeit des sterreichischen Wissenschaftsrates. Ö
Illustr ation: Thomas Moor
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EXZELLENZ IN DER FORSCHUNG
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Zu den Illustrationen
Karl der Große, ab 768 König des Fränkischen Reiches und ab dem 25. Dezember 800 Römischer Kaiser (gestorben 814). Eine der bedeutendsten historischen Persönlichkeiten und eine Art Vorvater der Europäischen Union. Bildungs-, Kirchen- und Geldreformer, Förderer der Wissenschaften. Von seinem Hof ging die sogenannte karolingische Renaissance aus, die Bildung, Wissenschaft, Literatur und Baukunst erneuerte.
Um uns dem Thema „Exzellenz in der Forschung“ auf eine vergnügliche Weise zu nähern, haben wir den Illustrator Thomas Moor gebeten, das Wort ernst zu nehmen und Exzellenzen der Weltgeschichte wie Karl den Großen, Friedrich II., Barack Obama, den Langobardenkönig Liutprand, den Hochmeister des Deutschen Ordens Hermann von Salza und den Reichsritter Kesselstatt auf seine Weise darzustellen. Thomas Moor ist freischaffender Illustrator. Er lebt und arbeitet in Wien. Für seine illustrierte Version des Märchens „Rotkäppchen“ wurde er 2010 mit dem Antalis-Design-Preis ausgezeichnet. Außerdem ist er als Storyboardzeichner in zahlreichen Projekten tätig. Einblicke in seine Arbeiten gibt es unter www.thomasmoor.at
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Exzellenz in der forschung
Nährboden der Gesellschaft Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst in Wien, über Exzellenz in einer Kunstinstitution Claudia Stieglecker
D
as Online-Wörterbuch Wiktionary beschreibt Exzellenz als „die besondere Güte eines Objektes, einer Fähigkeit oder einer Leistung“. Laut Duden ist der Begriff auf das Lateinische zurückzuführen und bedeutet „Erhabenheit“ oder „Herrlichkeit“. In der Wissenschaft gilt sie als Maßstab für Spitzenleistungen. Und trotzdem ist es schwierig, sie zu fassen: „Was ist Erfolg? Was ist Qualität? Wie ist Exzellenz definiert?“, fragt Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst in Wien. Etwa 1.800 Studierende sind an der Angewandten inskribiert. Sie studieren zum Beispiel Architektur, bildende Kunst, Design, Medienkunst, Sprachkunst oder Kunstpädagogik und gehören damit zu einem ausgewählten Kreis: im Wintersemester 2012 wurden von 1.318 Bewerbern 298 zum Studium zugelassen. Sie alle haben eine Zulassungsprüfung durchlaufen, bei der neben der fachlichen Eignung vor allem das persönliche Gespräch über den künftigen Studienplatz entscheidet. „Das Potenzial der Kandidaten zeigt sich für uns in ihrer Ernsthaftigkeit und in ihrem Überzeugtsein, in der Kunst persönlich etwas erreichen zu wollen“, sagt Bast. „In diesem Sinne, also in dem Anspruch
„Der Trend, alles zu messen, schafft eine Scheinobjektivität, die eigentlich von der Kunst wegführt. Dabei gehört Kunst in die Mitte der Gesellschaft.“ Ger ald Bast, Rektor
an sich selbst, das Beste leisten zu wollen, ist Exzellenz ein Thema auch in der Kunst und an der Universität.“ Wenngleich ein eher ideelles und nicht objektiv bewertbares Thema. Und wieder bleibt die Exzellenz schwer zu fassen – genau hier liegt der Knackpunkt. Denn: gemessen und verglichen wird trotzdem. Auch, wenn sich Indikatoren wie zum Beispiel die Zahl der Publikationen oder die Anzahl der Zitate, die in anderen Wissenschaften als Maßstab für Exzellenz dienen, nicht auf den Kunstbetrieb umlegen lassen. Denn hier müsste das gesamte System der Ausstellungshäuser, Galerien und Theater ständig neu bewertet werden: „Doch nach welchen Kriterien sollte das erfolgen?“ So sind es schließlich der nationale und der internationale Kunstmarkt, die in der Realität als Messlatte dienen. Die Wertigkeit geschaffener Werke wird fast ausschließlich vom Markt und nicht nach künstlerischen Gesichtspunkten bestimmt. „Und das ist eine Wertung, die für die Kunst nicht adäquat ist.“ Auch im universitären Bereich sei stets zu rechtfertigen, warum die Gesellschaft Kunst und Wissenschaft brauche. „Die Bankenrettungsmilliarden werden mit dem
Argument vergeben, diese seien systemrelevant und ihre Rettung mit Steuergeld daher alternativlos. Diese Argumentation würde ich mir auch gegenüber der Kunst wünschen.“ Bast betont: „Kunst ist kein ökonomischer Faktor, sondern der Nährboden der Gesellschaft.“ Dementsprechend schwer haben es auch die knapp 200 Absolventen, die jährlich die Angewandte verlassen. Wer nach dem Studium überleben will, braucht entweder schnellen, ökonomischen Erfolg im Kunstbetrieb oder parallel zur künstlerischen Tätigkeit eine einträgliche Arbeit. Ein Leben ausschließlich als Künstler ist fast nicht möglich. „Unser ökonomisiertes System hat es geschafft, dass sich die Gesellschaft sehr weitgehend verabschiedet hat von der Verantwortung für die Künste“, kritisiert Bast. Oft vergehen viele Jahre, bis ein Künstler in diesem System erfolgreich wird. Nicht wenige geben auf dem Weg dahin ihre Kunst auf. „Der Trend, alles zu messen, schafft eine Scheinobjektivität, die eigentlich von der Kunst wegführt. Dabei gehört Kunst in die Mitte der Gesellschaft“, fasst Gerald Bast zusammen. „Die große Frage ist doch: Wozu will man eigentlich wissen, ob jemand exzellent ist?“
Raus aus der Bewertungshierarchie Wie soll man in den Geistes- und Sozialwissenschaften die Qualität der Forschung messen? von Exzellenz in der Wissenschaft die IanstRede, denken viele fast ausschließlich die sogenannten MINT-Fächer: Ma-
thematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Wie lassen sich aber außergewöhnliche Leistungen in den Geistes- und Sozialwissenschaften messen? Laut Dagmar Simon vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung ist die Messung von Exzellenz generell ein ungelöstes Problem. Sie hat das auch in der Arbeitsgruppe des Österreichischen Wissenschaftsrates zur „Messung und Bewertung von Forschungsleistung“ referiert und diskutiert. Eine Schwierigkeit dabei sei die Schwammigkeit des Begriffs, der einst mit „Qualität der Forschung“ übersetzt wurde. „Wir haben einen regelrechten Exzellenzhype.“ Auch Qualität sei schwierig zu messen, Indikatoren allenfalls „Hilfskonstruktionen“. Was bedeutet das für die Qualitätsmessung in den Geistes- und Sozialwissenschaften? Kriterien wie die Anzahl von Artikeln in Refereed Journals griffen hier zu kurz, meint Simon, da Geistes- und Sozial-
„Peer-review steht für gute Forschung.“ Dagmar Simon, Wissenschaftszentrum Berlin
wissenschafter mehr als die Naturwissenschafter in Monografien und Sammelbänden veröffentlichen. „Diese sind nicht so international ausgerichtet und meist auch nicht auf Englisch.“ Ein weiterer erschwerender Faktor: Die Forscher arbeiten seltener in internationalen Netzwerken. „So betreiben beispielsweise Historiker oft Einzelforschung“, erläutert Simon. Vor diesem Hintergrund wollten sich deutsche Historiker nicht in eine durch Rankings aufgebaute „Bewertungshierarchie“ einpassen lassen – und stiegen aus dem Forschungsrating des Deutschen Wissenschaftsrates aus. Dagmar Simon findet es erfreulich, wenn dadurch Diskussionen in Gang kommen. Gerade die Nebenwirkungen von Ratings seien das Interessante, weil sie die Disziplinen auf den Weg bringen, sich selbst zu hinterfragen. Außerdem tragen Debatten dazu bei, sich anzusehen, wie sich das Verhältnis der Disziplinen zu gesellschaftlichen Fragen gestaltet. Aber wie misst man nun die Qualität der Geistes- und Sozialwissenschaften?
„Müssen wir sie messen?“, fragt die Evaluationsforscherin. „Man kann in bestimmten Abständen schauen, ob und wie wissenschaftliche Einrichtungen ihr Forschungsprogramm bearbeitet und ob sie zu einer Diskussion beigetragen haben oder neue Theoriekonzepte erstellen.“ Ein gutes Messinstrument seien Peer-review-Verfahren: „Berichte, die externe Gutachter schreiben, gehen über Zahlen hinaus. Peer-review steht für gute Forschung.“ Parallel dazu kann man auch Kennzahlen wie Publikationen, Kooperationen, die Teilnahme an Konferenzen oder die Nachwuchsförderung erheben. „Das sind durchaus messbare Fakten“, sagt Simon. „Man soll aber schauen, dass man das möglichst breit streut und nicht auf einige wenige Kennzahlen reduziert.“ Und wie sieht es mit Drittmitteleinwerbung aus? „Das ist zurzeit die Parole, aber das kann sich fatal auswirken: Man ist ständig in Zeitnot und auf der Jagd nach neuen Mitteln, denn alles wird immer kurzfristiger und kleinteiliger. Das schränkt auch die Unabhängigkeit ein.“
Fotos: osak a, David Ausserhofer/WZB
Sabine Edith Braun
heureka
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Exzellenz in der forschung
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Haidingers Hort der Wissenschaft
Grafikkabinett Püribauers Tierversuche
Schwindlige Exzellenzen M arti n H aidi n ger
Martin Haidinger ist Historiker, Wissenschafts journalist bei Ö1 und Staatspreisträger für Wissenschafts journalismus
I ll u strati o n : B er n d P ü riba u er
Freihandbibliothek Buchtipps von Emily Walton Best-Practice Geheimnisse
Exzellenz ist kein Mascherl
In Search of Excellence: Lessons from America‘s Best Run Companies. Tom Peters, Robert Waterman. Harper Business. New York. 2006 (7. Auflage), 400 S.
Die akademische Elite: Zur sozialen Konstruktion wissenschaftlicher Exzellenz. Richard Münch. Suhrkamp. Frankfurt am Main. 2007, 474 S.
43 namhafte US-Betriebe haben die Management-Experten Peters und Waterman in den Achtzigerjahren untersucht, um daraus Kriterien für Exzellenz im Unternehmertum ausfindig zu machen. Einige Ergebnisse: Faktoren wie Kundennähe, Autonomie, Produktivität sowie Einfachheit in den Strukturen zeichnen Top-Player aus. In lebhaft erzählten Anekdoten beleuchten die Autoren, warum gerade diese Faktoren zu Erfolg führen. Drei Jahrzehnte später ist das Buch längst nicht überholt – die relevanten Erfolgskriterien werden vielerorts vernachlässigt.
Brauchen wir universitäre Leuchttürme? Solche Institutionen also, die sich mit einem Stempel „Eliteuni“ schmücken und damit versuchen, sich von anderen Hochschulen abzuheben? Autor Richard Münch kritisiert diesen Ansatz und warnt davor, ein amerikanisches Universitätsmodell blind zu kopieren. Nicht zwangsläufig lässt es sich auf die deutsche (und auch österreichische) Hochschullandschaft umsetzen. Auf 474 Seiten beleuchtet der Autor, welche Reformen es stattdessen braucht, um deutschsprachige Universitäten für die Zukunft auszurichten.
Wie misst man Exzellenz?
Der weite Weg zur Exzellenz
How Professors Think. Michèle Lamont. Harvard Uni versity Press. Cambridge/Massachusetts, 2010. 336 S.
Die Illusion der Exzellenz – Lebenslügen der Wissenschaftspolitik. Jürgen Kaube. Wagenbach Verlag, Berlin. 2009. 96 S.
Förderungen und Stipendien sollen an exzellente Kandidaten gehen. Aber: Wie lässt sich Exzellenz festmachen, wenn Bewerber aus unterschiedlichen Disziplinen kommen? Bei Mathematikern zählen Modelle, bei Historikern Geschichtsbelege. Kann Originalität ein Parameter sein? Oder zählt der interdisziplinäre Ansatz? Michèle Lamont versucht den Exzellenzbegriff von der Praxis abzuleiten. Er untersucht Vergabeprozesse von Stipendien- und Förderungen, um objektive Evaluierungsmöglichkeiten darzulegen.
Wie lässt sich lähmende Bürokratisierung in Forschung und Lehre abschaffen? Wie wird einer Verschulung des Systems vorgebeugt? Lässt sich die Doktorandenausbildung verbessern? Können faire Gehaltsschemen an Universitäten erreicht werden? FAZ-Redakteur Jürgen Kaube versucht, diesen wichtigen Fragen in der Hochschulpolitik nachzugehen: Sein Buch fasst die Stellungnahmen zahlreicher Experten aus dem deutschen Unibetrieb zusammen. Ein ehrlicher Einblick in das Thema Hochschulreform.
nter „Exzellenz“ stelle ich mir weniger ein Gütesiegel denn einen ältlichen BiU schof oder einen von gelinder Eintrocknung
befallenen Diplomaten vor, der den Herrscher demenzgeplagt mit „Seine Kajestät, der Maiser“ tituliert. So wie ich bei dem häufig von Korruptionsbekämpfern und politischen Sittenwächtern verwendeten Begriff „Transparenz“ nicht an die brave Offenlegung von wichtigen politischen oder wirtschaftlichen Vorgängen, sondern an – lassen wir das … Es ist so eine Sache mit den Attributen für Unternehmungen und Einrichtungen in der Wissenschaft, die modenabhängig einmal als „Spitze“ oder gar als „Welt-Spitze“ oder „Welt-Klasse“ bezeichnet werden. Bezahlt man für die Erfindung solch bombastischer Punzen gar teure Werber? Bei mir und wohl auch bei vielen anderen Sattgehörten verpufft der Zauber jedenfalls. So prallt die beabsichtigte Wucht des Wortes an der Wand profan-lächerlicher Assoziationen à la „exzellent“ und „transparent“ ab. Es könnte bei Übelmeinenden der Verdacht aufkommen, dass, je überladener die Bezeichnungen für bestimmte Unternehmungen geraten, desto schwindliger und zweifelhafter der tatsächliche Gehalt ist. Dazu ein Beispiel: Bei Recherchen über wohltätige Ritterorden stieß ich auf das „Knights of Malta Cable Car Chapter“ – also die Malteser Ritter vom Orden der Seilbahn. Als ich endlich wieder aus dem Lachen heraus war und näher nachforschte, entpuppte sich der Seilbahnorden nicht als der erwartete, exklusive Bund soignierter älterer Aristokraten in malteserkreuzgeschmückten Roben, sondern als szenebewährter Club von Motorrad-Enthusiasten in den USA. Nichts läge mir ferner, als irgendwelche „Centers of Excellence“ als Kuckuckseier zu denunzieren. Aber es fällt doch auf, dass anerkannte und bewährte Institutionen wie zum Beispiel die „Akademie der Wissenschaften“ noch immer nicht „Exzellenz-Akademie der Spitzenwissenschaften“ heißen müssen, um gut zu sein. Auch für die Forschung sollte gelten – wie der Vorsitzende des Österreichischen Wissenschaftsrates, Jürgen Mittelstraß, auf Seite 3 ausführt –, dass möglichst die Schlichtheit im Wort der Partner von der Hochleistung in der Tat sei. Andernfalls bliebe nur noch das Chanson „Paroles, paroles“ der italienisch-französischen Sängerin Dalida anzustimmen: „Worte, Worte, Worte, Worte, Worte, und immer wieder Wörter, die du in den Wind säst …
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HEUREKA
EXZELLENZ IN DER FORSCHUNG
Spitzenforschung brauc
JOCHEN STADLER
Geld und Freiheit: Voraussetzung für außergewöhnliche Leistungen
Was für exzellente Leistungen erforderlich ist, darüber sind sich die meisten Experten einig. Neben einer Handvoll Geld benötigen Forscher genauso wie Bergsteiger die Freiheit, ihren eigenen Weg zu gehen. Sie sollten von ebenso motivierten Kollegen umgeben sein und nicht von Bürokraten. Gerade weil man den Erfolg in der Forschung noch weniger als die Besteigung eines bisher unerreichten Berggipfels planen kann, ist eine breite Basis mit qualitativ hochwertiger Forschung notwendig, damit einzelne Forscher und Teams besonders gute Leistungen vollbringen und als „Exzellenzen“ gelten können. Besonders gut sein zu wollen, bringt aber auch Nachteile und Gefahren. Die Top-Forschungs-Universitäten häufen wie Spitzenklubs im Fußball Schulden an. Wissenschafter und deren stille Qualität, die auf den ersten Blick nicht sofort erkennbar ist, werden beim Geldverteilen oft übersehen und dadurch vernachlässigt. Trotzdem soll in Exzellenz investiert werden, meinen die meisten Expertinnen und Experten, da sonst in der Forschung nichts weitergehe.
Was wird als Exzellenz in der Forschung angesehen?
Forschung ist exzellent, wenn sie wissenschaftliches Neuland betritt, meint Christoph Kratky, Professor für Physikalische Chemie an der Karl-Franzens-Universität
Graz und bis Mitte des Jahres Präsident des Wissenschaftsfonds FWF. „Es ist nicht so, dass nur Nobelpreisträger erstklassige Forschungsergebnisse erarbeiten“, meint er. In der Grundlagenforschung wisse man nicht, wann ein wissenschaftliches Ergebnis Nutzen bringt. „Deshalb muss sie den Aufwand an Zeit und Geld damit rechtfertigen, dass durch sie unser Kenntnisstand erheblich erweitert wird“, erklärte der Biochemiker. In der angewandten Forschung sei dagegen ein möglicher Anwendungsnutzen Grund genug, ein Projekt in Angriff zu nehmen – Exzellenz ist nicht ausschlaggebend. „Wissenschaft ist kein Versorgungsinstrument für die Wirtschaft oder die Öffentlichkeit. Doch muss sie immer nach neuen Erkenntnissen streben. Mit etwas Glück wird eine solche Erkenntnis ein Durchbruch“, sagt Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Planen könne man Exzellenz oder einen wissenschaftlichen Durchbruch nicht, nur die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen. „Wir brauchen eine breite Basis. Auf ihr können wir versuchen, exzellente Forschung aufzubauen.“ Für einen Durchbruch seien oft viele Mosaiksteine notwendig. Erst wenn man eine Menge davon zusammengetragen hat, könne jemand erkennen, welches Bild sich daraus formen lässt, erklärt der Mediziner. Katharina Kohse-Höinghaus, Professorin für Physikalische Chemie an der Universität Bielefeld, ergänzt: „Wenn man an die besten Dinge auf der Welt denkt: alte Violinen, Chronometer und Ähnliches – um so etwas zu kreieren, braucht man Geduld, Tradition und Perfektionismus bis zur letzten Konsequenz.“ Außerdem müsse man sein Werk immer an den höchsten Standards prüfen. Dies sei auch in der Wissenschaft nicht anders.
Internationale Spitzenforscher versuchen zu erklären, wie Exzellenz in der Forschung eigentlich zustande kommt – und welche Gefahren die Suche nach Exzellenz birgt
Die Kritische Masse: Auf das Umfeld kommt es an
Exzellenz à la Champions League: Eigene fördern, fremde einkaufen
„Damit ein Land über exzellente Forschung verfügen kann, muss man ausreichend Geld in die Hand nehmen“, erklärt Christoph Kratky. Um es gut anzulegen, brauche man Instrumente wie den Wissenschaftsfonds FWF, der Mittel und Wege kennt, um Exzellenz zu identifizieren. Er kann aus Anträgen Forschungsvorhaben herausfinden, die eine höhere Chance auf Exzellenz haben. Damit lassen sich keine erstklassigen Forscher und Projekte aus der Luft zaubern, aber die vorhandenen Potenziale in einem Land möglichst effizient ausschöpfen. Forschungsinstitute können auch, wenn sie genug Geld dafür haben, erstklassige Wissenschafter einkaufen – so wie es die Fußballklubs mit ihren Stars machen: Zunächst wird auf allen Kontinenten gesucht, und je nach Möglichkeit eingekauft.
„Zwischen den führenden Institutionen besteht ein Wettbewerb um Spitzenforscher. Das funktioniert wie in der Champions League“, erklärt Richard Münch von der Universität Bamberg. Für eine einzelne Organisation sei es wichtig, dass eine neue Erkenntnis von den eigenen Forschern stammt. Damit kann sie sich im internationalen Wettbewerb besser positionieren. „Für die Wissenschaft selbst ist es aber völlig egal, wo der Erkenntniszuwachs entsteht“, meint der Philosoph. Auch eine Fußballmannschaft brauche eigenen Nachwuchs, der sich zunächst einmal in der Unterliga austoben kann, vergleicht die Chemikerin Katharina KohseHöinghaus. „Es ist aber natürlich im Fußball genauso wie in der Wissenschaft legitim, dass man nach Talenten Ausschau hält, die in das eigene Team passen“, sagt sie, die, ebenso wie Münch, bei der Tagung des Österreichischen Wissenschaftsrates zum Thema „Exzellenz“ im November in Wien referierte.
Britt-Marie Sjöberg, Schwedische Akademie der Wissenschaften: „Wenn man schon von vornherein festlegt, was genau man herausfinden will, verschließt man vielleicht die Türen zu unerwarteten Entdeckungen.“
In der Praxis reicht es bei Weitem nicht, nur einen einzigen hervorragenden Wissenschafter in eine Institution zu bringen. Wird er dort allein gelassen, verkümmert er meist, meint Kratky, denn Spitzenforschung braucht eine kritische Masse. Hat man gute Köpfe an einem Institut, ziehen diese wiederum andere Wissenschafter an. „Was gute Forscher wollen, ist ein Umfeld, in dem sie jeden Tag mit ihren Kollegen diskutieren können. Das bringt ihnen neue Ideen“, sagt Britt-Marie Sjöberg, Vizepräsidentin der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, ebenfalls am Rande der Tagung. Halten könne man gute Forscher, indem man sie mit genügend Geld ausstattet. Damit können sie sich um ihre Forschung kümmern und müssen nicht ständig nach Mitteln suchen, um den Laborbetrieb aufrecht zu erhalten. „Gute Forscher wollen in einem Biotop mit anderen guten Wissenschaftern leben und möglichst wenig von bürokratischen Lästigkeiten belangt werden“, behauptet Kratky. Er kenne wenige wirklich gute Wissenschafter, die es stört, den Nachwuchs zu lehren. Die Physikerin Kohse-Höinghaus sagt dazu: „Es macht mir keinen Spaß, wenn ich vor vierhundert Studierenden stehe, die alle Zeitung lesen, schlafen oder sich unterhalten.“ Doch in der Regel sei die Lehre für die Vortragenden eine Bereicherung. „Ich habe auch ein großes Schülerlabor, wo wir die Kinder frühzeitig für die Naturwissenschaften interessieren wollen“, erklärt sie. Dass manche ihrer Kollegen die Lehre nur als Belastung empfinden, findet sie den Studierenden gegenüber unfair.
FOTO: MARIA LINDSTRÖM
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m nächsten Augenblick war ich auf einer Schneefläche angekommen, um die herum es nichts anderes gab als Luft – in jeder Richtung. Mit ungeheurer Befriedigung stellten wir fest, dass wir auf dem höchsten Punkt der Erde standen.“ Es war der 29. Mai 1953 um halb zwölf Uhr, als sich der Neuseeländer Edmund Hillary, von dem dieser Bericht stammt, und der Nepalese Tenzing Norgay am Gipfel des Mount Everest in den Armen lagen. Nicht viel anders als diese beiden Erstbesteiger des Mount Everest fühlen sich vermutlich Nobelpreisträger, wenn ihnen der schwedische König in Stockholm die Auszeichnung überreicht. Auch sie haben mit ihrer Forschung Neuland betreten und dabei eine besondere Leistung vollbracht. Sie stehen nun auf dem Gipfel ihrer Karriere. Nicht nur Berg-Erstbesteiger und Nobelpreisträger sind exzellente Vertreter ihrer Art. Es ist auch eine Großtat, weniger hohe Gipfel das erste Mal zu erklimmen und einzelne Eiweißstoffe in einer Krebszelle zu isolieren. Wenn man hingegen den Everest als Sechstausendfünfzehnter besucht, oder an etwas forscht, das kaum Neues verspricht, ist dies höchstens ein netter Zeitvertreib und für den Rest der Menschheit ziemlich unwichtig.
heureka
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cht eine kritische Masse
F o t o s : N o e l T o v i a M a t o ff , N o r m a L a n g o h r / U n i B i e l e f e l d , p r i v a t
Das Verhältnis von Forschung und Lehre und Gefahren der Exzellenz
„Exzellenz erweist sich nicht immer nur in einer tollen Publikation“, sagt der Berliner Akademiepräsident Günter Stock. „Es kann auch eine brillante Idee sein, wie man aus einer wissenschaftlichen Erkenntnis ein Produkt entwickelt. Oder wenn man Schüler im Unterricht so begeistert, dass sie der Wissenschaft treu bleiben. Wenn wir ein Exzellenz-Europa sein und werden wollen, brauchen wir nicht nur den europäischen Forschungsraum, sondern auch einen gemeinsamen Bildungsraum.“ Bei der Exzellenz-Diskussion bliebe die Lehre meist auf der Strecke, meint Andrea Schenker-Wicki von der Universität Zürich und Mitglied des Wissenschaftsrates. „Die Forschung ist international, aber die Lehre nicht“, stellt sie fest. Internationale Vergleiche berücksichtigen daher nur die Forschung. Die Lehre werde von den Wissenschaftern quasi als Zugabe erbracht. „Ein Ökonom würde sagen, dafür gibt es eigentlich keinen internationalen Markt“, sagt die Betriebswirtin. „Das Streben nach Exzellenz birgt die Gefahr, dass man in die Spitze überinvestiert und die Breite vernachlässigt“, behauptet der Philosoph Richard Münch. „Hier kommen die Auswirkungen der Sichtbarkeit und der sogenannte Matthäuseffekt zusammen.“ Gemäß dem Satz aus dem Matthäus-Evangelium „Wer da hat, dem wird gegeben, dass er Fülle habe“, meinen Soziologen damit, dass Erfolge häufig eher durch frühere Errungenschaften als durch die gegenwärtige Leistung erzielt werden. „Die Forschungsförderung möchte jene, die sich schon hervorgetan haben, in besonderer Weise fördern. Sie bekommen noch mehr Mittel. Doch gibt es für jedes Fachgebiet eine gewisse optimale Größe. Wenn diese überschritten wird, sinkt die Produktivität pro Forscher.“ Wenn dabei auch die große Masse der Forscher vernachlässigt wird, entstehe ein für das Wissenschaftssystem lähmender Effekt. „Exzellenz stößt auch durch einen unglaublichen Anstieg der Kosten, vor allem in den Lebenswissenschaften, an ihre Grenzen.“ Andrea Schenker-Wicki aus Zürich ergänzt: „Sogar bei den reichen Eliteuniversitäten in den USA wachsen die Schulden.“
Günter Stock, Präsident der BerlinBrandenburgischen Akademie der Wissenschaften: „Wissenschaft ist kein Versorgungsinstrument für die Wirtschaft oder die Öffentlichkeit. Doch muss sie immer nach neuen Erkenntnissen streben. “
Katharina Kohse-Höinghaus, Professorin für Physikalische Chemie, Bielefeld: „Ich glaube, dass Exzellenz als Prädikat von anderen verliehen werden sollte.“
Wie lässt sich Exzellenz in der Forschung wirklich messen?
Politische Planung für Forschung kann kontraproduktiv sein
Wissenschaftliche Exzellenz braucht eine stabile und langfristige nationale Politik für die Forschungsförderung. „Diese sollte den Forschern auch die Möglichkeit geben, kühnen und innovativen Ideen nachzugehen“, sagt Britt-Marie Sjöberg von der Schwedischen Akademie der Wissenschaften. „Wenn man schon von vornherein festlegt, was genau man herausfinden will, ver-
schließt man vielleicht die Türen zu unerwarteten Entdeckungen. Diese können viel interessanter und wertvoller sein als die ursprüngliche Forschungsidee.“ Politiker würden zu oft annehmen, dass strategische Initiativen exzellente Resultate liefern, wenn sie auf ein vorbestimmtes Forschungsfeld ausgerichtet sind. „Mit diesem Ansatz laufen wir Gefahr, wichtige Entdeckungen zu verpassen, die oft aus weniger zielgerichteter Forschung kommen“, erklärt die Biochemikerin. „Mit politisch vorgegebenen Programmen bringt man Wissenschafter möglicherweise dazu, Dinge zu tun, die nicht ihrem eigenem Neugierpotenzial entsprechen“, ergänzt der Berliner Akademiepräsident Stock. Dies könne kontraproduktiv wirken. Man müsse Neugier und Widerspruch Raum geben. „Wissenschaft lebt auch vom Mut der Wissenschafter, Gegebenes infrage zu stellen und so aus dem Mainstream auszubrechen. Ohne diese Freiheit liefern Wissenschafter bloß immer mehr vom Gleichen.“ Auch der Philosoph Münch sieht das Problem: „Der Wettbewerb um Fördergelder hat einen Standardisierungseffekt. Wenn für alle Forschungsvorhaben ein Antrag gestellt werden muss, bei dem die herrschenden Standards eingehalten werden sollen, bleiben kaum Spielräume für Kreativität. Man muss ja stets vorweisen, was man schon geforscht hat. Dies setzt sich dann in den neuen Projekten meist nur fort. So kann nicht viel Neues entstehen.“ Daher sollte Forschern und Forscherinnen mehr Mobilität bei der Auswahl der Forschungsthemen zugestanden werden. „Sonst steckt der Wissenschafter in einem Hamsterrad.“ Die Schwedin Sjöberg stimmt dem zu und ergänzt, wie wichtig es sei, dass auch Forschung gefördert werde, bei der die Ziele offen seien. „Man sollte versuchen, Forscher mit herausfordernden Ideen zu erkennen und zu unterstützen. Damit wird man nicht zu hundert Prozent erfolgreich sein, aber wenn man ihnen die notwendigen Ressourcen gibt, werden einige Exzellenz in die Wissenschaft bringen.“
Richard Münch, Professor für Philosophie, Bamberg: „Exzellenz stößt auch durch einen unglaublichen Anstieg der Kosten an ihre Grenzen.“
„Am einfachsten ist es, nachträglich zu sagen, welche Arbeit erstklassig war. Aber gerade wenn es um Geldzuweisungen geht, muss man auch versuchen, zukünftige Entwicklungen abzuschätzen“, sagt der Berliner Akademiepräsident Stock. Die vergangenen Leistungen der Forscher seien kein schlechter Indikator für ihre künftige Arbeit. „Unsere Einschätzungsformen sind nicht unberechtigt, aber definitiv unvollständig.“ Bei Institutionen bliebe nicht viel mehr übrig, als auf
Rankings zurückzugreifen, meint Andrea Schenker-Wicki. „Schweden will nach 2015 ein landesweites Evaluierungssystem einführen. Dazu hat sich die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften, das Pendant zum Österreichischen Wissenschaftsrat, die verschiedenen Rankingsysteme angesehen. Ergebnis: Alle Systeme können manipuliert werden“, sagt Sjöberg von der Schwedischen Akademie. Mit komplizierten mathematischen Formeln könne man berechnen, wer berufen werden sollte, um ein Rating zu erhöhen, ob man einen Professor, der auf einem anderen Kontinent arbeitet, für eine Teilzeitstelle verpflichten soll, oder welche Verbindungen mit der Industrie für die Bewertung sinnvoll sind. „Ein System, mit dem man Exzellenz messen will, sollte aber auf keinen Fall mehr kosten, als man damit erreichen kann“, meint Sjöberg. Hingegen sei die Bewertung der Leistung einzelner Personen einfacher – nämlich durch die Beurteilung von Fachkollegen, die Peer-Review. Auch wenn PR-Abteilungen und manche Wissenschafter gern die Exzellenz einer Institution oder einer Person herausstreichen, sollte man das Abschätzen der Leistung Außenstehenden überlassen. „Wer und was exzellent ist, liegt im Auge des Betrachters“, meint Schencker-Wicki. Und Kohse-Höinghaus ergänzt: „Ich glaube, dass Exzellenz als Prädikat von anderen verliehen werden sollte.“ Man könne nur versuchen, ein erstklassiger Forscher zu sein. Das Urteil über die Qualität der eigenen Leistung sollte man jedoch in aller Bescheidenheit den Kolleginnen und Kollegen überlassen.
Liegt unsere Zukunft eher in Forschung als im Fußball?
Auf einem Plakat des deutschen Designers und Juristen Klaus Staeck steht: „Ein Volk, das solche Boxer, Fußballer, Tennisspieler und Rennfahrer hat, kann auf seine Universitäten ruhig verzichten.“ Für Österreich wäre diese Ironie noch bitterer. Der letzte Box-Europameister aus Österreich, Edip Sekowitsch, wurde 2008 vor seinem Pub beim Wiener Südbahnhof erstochen. Die Zeit, als Thomas Muster die Nummer 1 der Tenniswelt war, ist lange her. Und in der Formel 1 hatten wir durch Gerhard „Hätti-wari“ Berger 1997 den letzten Grand Prix gewonnen. Im Fußball liegt unser Nationalteam auf Platz 53, einen Platz hinter Burkina Faso. Der Sport als Hoffnungsträger nationaler Errungenschaften hat also offenbar längst ausgedient. Es ist daher höchste Zeit, in den österreichischen Nachwuchs in der Forscherung zu investieren und wissenschaftliche Exzellenz zu ernten.
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Exzellenz in der forschung
Hat unsere Forschung Exzellenzpotenzial? Sonja Burger
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Denn nach wie vor wird die Bedeutung warum ein sehr gut funktionierender ERC Star-Prinzip oder von Teamarbeit für den Erkenntnisgewinn Starting Grant durch heimische ProgramTeamarbeit? wenig beachtet. „Dabei lassen sich gerade me noch einmal finanziert wird“, kritisiert durch Kooperation Dinge herausfinden, auf Andre Gingrich. Wie lässt sich die man als Einzelforscher nicht gestoßen das Potenzial wäre“, sagt Gingrich. Was behindert die interdisziplinäre Zusammenarbeit in Österreich? an exzellenter Was die Geistes-, Sozial- und KulturwisHier Exzellenz, dort Nicht-Exzellenz: Ist Teamarbeit um Exzellenz in der Wer so denkt, ist alt Forschung erreichbar? Wissenschaft an senschaften und ihr Potenzial insgesamt Gingrich fallen gleich zwei heimische ERC- betrifft, sind die Ansichten durchwachIn Wahrheit lauern schon bei der Beurteilung von Exzellenz die ersten Fallgru- unseren Bildungs- Preisträgerinnen ein, die eine neue Art pfle- sen. Dass es eigene Beurteilungskriterien ben. Eine gängige Falle ist das Schwarz- einrichtungen gen, mit Teamarbeit umzugehen – und die braucht, darin stimmt auch Heinrich Schmidies auch nach außen tragen. dinger, Rektor der Universität Salzburg und Weiß-Denken: Hier Exzellenz, dort Nichtfördern? Exzellenz. Doch nicht jeder stimmt in den Lob- Präsident der Österreichischen Universitäiele wollen sie erreichen. Einige scheinen sie zu brauchen. Und nicht wenige wollen wissen, welche Hebel betätigt werden müssen, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen: Die Rede ist von Exzellenz in der Forschung.
Heinrich Schmidinger, Rektor Wie lässt sich Exzellenzpotenzial messen? Beispiel ETI Budapest der Uni Salzburg Damit sind aber längst nicht alle Probleme und Präsident der aus der Welt geschafft. Zwar wurden auf Österreichischen europäischer wie österreichischer Ebene Universitätenmehr oder weniger geeignete Beurteilungs- konferenz: kriterien für Exzellenz etabliert. Doch wie „In einem umfassenden lässt sich das Exzellenzpotenzial an einer Benchmarking-Prozess Institution messen? sehen wir uns an, welche Von dieser Frage war auch die Einrich- Bedingungen die Univertung des Europäischen Innovations- und sität Basel für Exzellenz Technologieinstituts (ETI) mit Sitz in Bu- erfüllt.“
dapest begleitet. Speziell der EU-Ausschuss der Regionen empfahl, nicht nur die Spitzenleistungen, sondern auch das dafür nachgewiesene Potenzial unter den Forschenden zu berücksichtigen. Er forderte die EU-Kommission auf, anzugeben, wie diese Kriterien gemessen werden sollen. Mittlerweile verfolgt ETI u.a. das Ziel, ein eigenes „Label“ zu entwickeln, um Exzellenz besser sichtbar und letztlich vermarktbar zu machen. Bei seinen Wissensund Innovationsgemeinschaften stehen Teamarbeit und das Denken in Netzwerkstrukturen zur Förderung von Exzellenz im Vordergrund.
Andre Gingrich, WittgensteinPreisträger: „Hierzulande muss man noch von der Bipolarität ,Exzellenz – NichtExzellenz’ wegkommen.“
gesang auf die Teamarbeit ein. Zumindest nicht ohne darauf hinzuweisen, dass auch Einzelforscher über Exzellenzpotenzial verfügen können, wie die Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts, Sabine Ladstätter, sagt. Damit sich Exzellenzpotenzial entfalten kann, sind für die Archäologin und Leiterin der Grabung Ephesos ein förderliches Umfeld und individuelle Karrieremöglichkeiten entscheidend. An ihrem Institut schaffe sie für Frauen wie Männer gute Voraussetzungen, um Familie und Forschung vereinbaren zu können. Darüber hinaus spielt Langfristigkeit in der Archäologie eine große Rolle. Kurzfristig angelegte Förderstrategien seien eher kontraproduktiv. „Bei uns hat das zur Folge, dass vieles nicht zu Ende gedacht werden kann“, bedauert Ladstätter. Das Österreichische Archäologische Institut, 1898 gegründet, ist heute eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung des Wissenschaftsministeriums. Trotz teils mangelnder Flexibilität betrachtet es die Direktorin als ihre Aufgabe, jene zu fördern, die durchschnittlich bis überdurchschnittlich gut arbeiten. „Dort steckt viel Potenzial. Wer mehr Exzellenz hervorbringen will, muss die Stufe darunter stärker fördern. Darauf wird häufig vergessen“, sagt die Forscherin.
Welche heimischen Förderprogramme sind nötig?
Wer bzw. welche Disziplinen in puncto Exzellenz gefördert werden sollen, ist eine komplexe Angelegenheit – und umstritten. Jubelt der eine, rauft sich der andere die Haare. Was Gingrich bislang vermisst, ist eine ernsthafte Diskussion darüber, welche Bereiche anhand welcher sinnhaften Kriterien gefördert werden sollen. Als einer der heimischen WittgensteinPreisträger weiß er, wie viel dieses Exzellenzprogramm des FWF bringt. Dennoch komme man aus seiner Sicht nicht umhin, manche Exzellenzprogramme des Forschungsförderungsfonds FWF, etwa das START- oder Lise-Meitner-Programm, auf Aktualität und Doppelgleisigkeit mit EU-Programmen zu durchforsten. „Beim START-Programm weiß ich nicht,
tenkonferenz mit Gingrich überein. „In jenen Teilbereichen, wo es verfehlt ist, weiterhin exklusiv auf Exzellenz aus der Grundlagenforschung zu hoffen, sollte man für den angewandten Bereich aufgeschlossen sein“, empfiehlt Gingrich und verweist umgekehrt auf die Notwendigkeit, dass sich die Forschungsförderungsgesellschaft FFG für die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften öffnet. Dass sich diese Offenheit für Natur- und Technikwissenschaften durchaus rechnen kann, weiß Sabine Ladstätter aus ihrer Erfahrung mit der Grabungsstätte Ephesos. Die Förderung interdisziplinärer Zusammenarbeit stecke zu ihrem Bedauern allerdings noch in den Kinderschuhen, wodurch viel Potenzial verloren geht. „Am ÖAI werden rund 90 Prozent der Komplementärwissenschaften nicht von heimischen Institutionen übernommen“, bedauert Ladstätter. Woran das liegt, ist für sie nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln.
Universitäten orientieren sich an internationalen Vorbildern
Quasi mittendrin in dieser heterogenen Wissenschaftslandschaft befinden sich die Hochschulen, die den Spagat zwischen Forschung und Lehre meistern und sich international bewähren sollen. Die Universität Salzburg beispielweise nimmt sich eine ausländische Universität mit hohem Exzellenzstatus zum Vorbild. „In einem umfassenden BenchmarkingProzess sehen wir uns an, welche Bedingungen die Universität Basel für Exzellenz erfüllt“, erklärt Rektor Schmidinger. „Wir ziehen daraus Schlüsse für die eigene Weiterentwicklung.“ Schließlich habe man sich das Ziel gesetzt, so bald wie möglich in internationale Hochschulrankings hineinzukommen. Woran nicht gerüttelt wird, ist die Steigerung des Frauenanteils bei Professuren, der derzeit laut Schmidinger bei rund einem Viertel liege. Eines wird jedenfalls deutlich: Potenzial ist bei Universitäten und anderen heimischen Instituten vorhanden. Ein Patentrezept, wie dessen Förderung glückt, gibt es nicht. Doch wie sagte schon Georg Christoph Lichtenberg? „Man muss Neues machen, um etwas Neues zu sehen.“
F o t o s : W i l d & T e a m , I n s t i t u t f u e r SO z i a l a n t h r o p o l o g i e d e r O e A W
Wer so denkt, sei laut Andre Gingrich, dem Direktor des Instituts für Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, „einem völlig veralteten Wissenschaftsbild treu geblieben“. Heutzutage werden einige Stars medial hochgejubelt, während die Masse an Forschern oft zusehen müsse, wo sie bleibt. Dies sei in erster Linie ein österreichisches Problem, hebt Gingrich hervor. Der Professor für Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien ließ in seiner eigenen Karriere kaum eine Station aus und nahm über die Jahre verschiedene Perspektiven ein. Hierzulande müsse man seiner Ansicht nach von der Bipolarität „Exzellenz – NichtExzellenz“ wegkommen und mit Beurteilungskriterien, speziell wenn es um die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften geht, kritischer umgehen. Der Europäische Forschungsrat (ERC) habe dieses Problem besser gelöst und seiner Erfahrung nach für diese Wissenschaftsbereiche gute Beurteilungsmaßstäbe für Exzellenz entwickelt.
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EXZELLENZ IN DER FORSCHUNG
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ILLUSTR ATION: THOMAS MOOR
Franz Ludwig Hyazinth Xaver Willibald Maria Reichsgraf von Kesselstatt (1753–1841). Mainzer Domkapitular und Maler. Der Kunstliebhaber besaß eine große Sammlung von Gemälden der niederländischen und deutschen Schule, Handzeichnungen, Kupferstiche und Plastiken sowie eine wertvolle Bibliothek. Als Mitglied des Mainzer Kunstvereins förderte Mainzer Künstler und malte Ansichten von Mainz.
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Wir haben Exzellenz, Majestät! Dieter Hönig
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sterreich darf kein Wissenschafts- Einige Beispiele Auswanderungsland werden“, warnte jüngst der Quantenphysiker für weltweit Anton Zeilinger, Präsident der Österreichi- anerkannte schen Akademie der Wissenschaften, anlässlich der Tagung des Österreichischen Exzellenz in der Wissenschaftsrates. Er selbst denke nur sel- Wissenschaft in ten ans Auswandern, aber „es fällt einem zunehmend schwerer“. Zeilinger fordert Österreich endlich eine international wettbewerbsfähige Finanzierung für unsere Universitäten sowie die Forschung, und zwar langfristig. „Durch die Anstrengungen in den 2000erJahren haben viele junge Menschen gelernt, wie Wissenschaft funktioniert. Wir müssen diese im Land halten!“ Der Molekularbiologe Josef Penninger würde ruhiger schlafen, wenn sein IMBAInstitut für die nächsten 15 Jahre Finanzierungs- und Planungssicherheit hätte: „Wir, aber auch andere Institute leisten seit vielen Jahren erstklassige Arbeit und müssen in der Forschung oft mit Mini-Budgets Silke Meyer, auskommen.“
Erfolgreiche Wissenschafter am ISTA in Klosterneuburg
Thomas Henzinger, Präsident des Institute of Science and Technology Austria (ISTA) sieht Investitionen in Wissenschaft und Forschung als wichtigste Option für ein Land wie Österreich, dessen eigentliches Kapital die geistigen Fähigkeiten seiner Menschen ist. „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, hätte Österreich zweifelsfrei das Zeug zum erstklassigen Wissenschaftsstandort.“ Dazu müsste allerdings das Budget für Grundlagenforschung um mindestens zehn bis 15 Prozent pro Jahr angehoben werden, hält Zeilinger dagegen. Im Gegensatz zu Zeilinger geht es Henzinger weniger darum, Wissenschafter an einen bestimmten Ort wie etwa Österreich zu binden, sondern vorrangig um den Austausch von Ideen: Spitzenforschung sei global und somit international. Am ISTA sind mit November 2013 gut 360 Menschen aus
Gewinnerin des Staatspreises für exzellente Lehre
Josef Penninger, Direktor des IMBA
Thomas Henzinger, Präsident des ISTA
50 Nationen tätig, darunter natürlich auch viele Österreicher. Manche, wie etwa der Physiker Robert Seiringer, entschieden sich, an das ISTA zurückzukehren. Andere, wie etwa die Krebsforscherin Angelika Amon und der Biomathematiker Martin Nowak, forschen in den USA, sind aber dem ISTA als Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats weiterhin verbunden.
Mehr EU Grants für Jungforscher am Campus Vienna BioCentre
Der Campus Vienna BioCentre hat sich in den letzten Jahren zum bedeutendsten Standort für Life Sciences in Österreich entwickelt: Mit Instituten der Akademie der Wissenschaften wie dem IMP Boehringer Ingelheim, Top-Instituten der Uni und MedUni Wien sowie erfolgreichen Biotech-Firmen gelang eine echte Erfolgsstory, die weit über Österreich hinaus registriert wurde. Heuer gingen alle Life Science Junior ERC Grants in Österreich an junge Forscher am Campus Vienna BioCentre, berichtet Josef Penninger. Dieser habe somit ebenso viele neue ERC Life Science Grants für junge Forscher erhalten wie die gesamte Schweiz. Penninger: „Wir reden nicht mehr über Exzellenz, wir haben sie bereits. Was noch fehlt, ist eine langfristige und bessere Finanzierung.“ Penningers Labor arbeitet derzeit an zwei großen Themen: „Haploiden Stammzellen, die wir entwickelt haben, und Krebsforschung. Haploide Stammzellen, also Stammzellen mit einem Chromosomensatz, sind die Revolution in der funktionellen Genetik. Diese Technologie ist besonders interessant für große Firmen und Unis wie Harvard, MIT oder die Chinese Academy of Sciences geworden, mit denen wir bereits kooperieren.“ In Penningers Labor wird haploide Stammzellenforschung durch einen Advanced ERC Grant und die Brustkrebsforschung mit einem Innovator Award des US Departments of Defense/Era of Hope mit über sieben Millionen US-Dollar gefördert.
Nicht nur Forschung, auch exzellente Lehre ist notwendig
Wissenschafter könnten die Aufmerksamkeit an ihrem Schaffen erhöhen, indem sie ihre Studierenden als Multiplikatoren nützen. Dafür brauche es keine finanziellen Mittel, nur Motivation: „Wem es gelingt, die Begeisterung für die eigene Arbeit in die Lehre zu tragen, der kann sich auf die Kommunikationsfähigkeit und das Engagement seiner Studenten verlassen“, erklärt Silke Meyer, Professorin an der Universität Innsbruck und Gewinnerin des Staatspreises „Ars Docendi“ für exzellente Lehre. Die exzellente Lehre orientiert sich an dem Grundsatz des forschenden Lernens. Dieses verbindet die zentralen universitären Aufgaben von Forschung und Lehre, indem es Forschung in die Curricula integriert und mit Lernprozessen verknüpft. Silke Meyers Ziel ist es, Studierende zur selbstständigen Forschung zu ermutigen und diese didaktisch zu begleiten. Sie hat ihr Lehrkonzept, basierend auf der Idee des forschenden Lernens, in vier Semestern Schritt für Schritt umgesetzt. Es reicht von der Vermittlung einschlägiger Theorien zu deren Anwendbarkeit für Fragestellungen in studentischen Forschungsdesigns, der Auswahl und Evaluation von Methoden, der Analyse der Daten und letztlich der Präsentation der Forschungsergebnisse in verschiedensten Medien wie Fernsehen und Printmedien. Wichtig ist ihr, den Studierenden Raum für die Entwicklung eigener Forschungsideen zu geben, ihnen aber auch die Möglichkeit zum Experimentieren zu lassen. Der Weg zum Heureka! sei begleitet von vielen Testreihen und Fehlversuchen, aus denen sich dann Fragen ergeben. Silke Meyer meint dazu: „Die Überwindung, eigenes Scheitern anzuerkennen, führt letztlich zu einer produktiven Auseinandersetzung. Samuel Beckett formulierte es auf Englisch: „Ever tried. Ever failed. No matter. Try Again. Fail again. Fail better.“
Thomas Henzinger, Präsident des ISTA in Klosterneuburg, wurde im Herbst 2013 als erst siebenter österreichischer Wissenschafter in die weltgrößte Wissenschaftergemeinde, die American Association for the Advancement of Science (AAAS), aufgenommen. Wir sprachen mit ihm über das Exzellenzmodel des ISTA. Herr Henzinger, das ISTA befindet sich in einer Wachstums–phase. Welches ist Ihr Erfolgsrezept? Thomas Henzinger: Unsere Grundsätze: Fokussierung auf Grundlagenfor-
schung in den Naturwissenschaften, Unabhängigkeit von Politik und Wirtschaft in der Forschung, das internationale Arbeitsklima und unser Karriereentwicklungsmodell, Interdisziplinarität sowie die Verwertungsperspektive für Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung. Dazu der exzellent ausgestattete Campus und die nachhaltige Unterstützung von Bund, Land und Industrie. Wie sieht Ihr Karriereentwicklungsmodell aus? Henzinger: Zu gewährleisten, dass junge Forscher nicht vom Gutdünken
eines Professors abhängig sind, sondern unabhängig forschen können. Kurz gesagt: Topwissenschafter mit dem auszustatten, was sie benötigen, um sie dann einfach in Ruhe arbeiten zu lassen. Wie viele Forschungsgruppen sind derzeit tätig und woran forschen sie? Henzinger: Mit November 2013 forschen 28 ProfessorInnen mit ihren Gruppen auf dem Campus, und zwar in den Feldern der Evolutionsbiologie, Computerwissenschaft, Zellbiologie und Biophysik, Hirnforschung, Mathematik und Physik. 14 Professor-
Innen wurden bislang mit Forschungsförderungsmitteln des European Research Council (ERC) ausgezeichnet. Gelingt es Ihnen, Spitzenforscher in Österreich zu halten? Henzinger: Es geht weniger darum, Menschen an einem bestimmten Ort zu halten, sondern einen Austausch von Ideen zu ermöglichen. Spitzenforschung ist per se global und damit transnational. Am ISTA sind mit November 2013 gut 360 Menschen aus 50 Nationen tätig. Wir sind ein Anziehungspunkt für exzellente WissenschafterInnen aus aller Welt.
F o t o : I M B A / H a n s K r i s t , I ST A u s t r ia , p r i v a t
„Wir sind ein Anziehungspunkt für exzellente Wissenschafter“
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EXZELLENZ IN DER FORSCHUNG
Friedrich II. Ab 1198 König von Sizilien, ab 1211/12 deutscher König und von 1220 bis 1250 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Spätere Generationen bezeichneten ihn als den „ersten modernen Menschen auf dem Thron“. Der zeitgenössische Geschichtsschreiber Matthäus Paris nannte ihn „stupor mundi“, das Staunen der Welt. Er war hochgebildet und sprach mehrere Sprachen: Italienisch (Muttersprache), Latein, Deutsch sowie etwas Arabisch, Französisch und Griechisch. Er brachte Jerusalem in den Einflussbereich der Christenheit zurück, indem er mit Sultan al-Kamil von Kairo einen entsprechenden Vertrag aushandelte – was ihm den Zorn der Fundamentalisten auf beiden Seiten eintrug. An seinem Hof wirkten Dichter, Wissenschafter und Künstler. Sein wissenschaftliches Werk „De arte venandi cum avibus“ (Über die Kunst der Jagd mit Vögeln) gilt in weiten Teilen bis heute als Standardwerk der Falkenjagd.
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Exzellenz in der forschung
„Tolle Ideen allein reichen nicht!“ Sabine Edith Braun
Frau Präsidentin, was bedeutet für Sie der Begriff ,Exzellenz in der Wissenschaft’? Pascale Ehrenfreund: Nur tolle Ideen allein reichen nicht – es ist ein Gesamtpaket. Der FWF fördert Spitzenqualität in der Grundlagenforschung beginnend beim Doktorat, etwa im Rahmen von FWF-Doktoratskollegs. Es gibt internationale Stipendien, Programme, Publikationen etc. Wir fördern Entwicklungsprozesse hin zu wissenschaftlicher Exzellenz und tun dies mithilfe internationaler Gutachten. Wir sind Katalysator für wissenschaftliche Exzellenz nach internationalen Maßstäben und unterstützen die Wissenschafterinnen und Wissenschafter darin, diesen Anspruch einzulösen.
Die neue Präsidentin des FWF, die Astrophysikerin Pascale Ehrenfreund, im Gespräch über fehlende Exzellenzcluster in Österreich und was man tun kann, um sie zu ersetzen
Im April 2008 kündigte der FWF ein Exzellenzcluster-Programm mit dem Ziel an, „international sichtbare Zentren der Top-Forschung in Österreich nachhaltig auszubauen“. Wie sieht so ein Zentrum aus? Ehrenfreund: Das war eine gemeinsame Idee von Ministerium und FWF, die vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise nicht verwirklicht werden konnte. Es war seither zu keinem Zeitpunkt genug Geld da, Exzellenzcluster zu realisieren. Die Idee ist in der Schublade. Wir haben aber auch jetzt schon international ausgezeichnete Bereiche in Österreich, die sich in den letzten Jahren zu Exzellenzzentren entwickelt haben.
Ist der Cluster eine Modeerscheinung, ein Modebegriff für die Vermarktung? Ehrenfreund: Das ist natürlich ein bisschen ein Modebegriff, auch bei der Tagung wurden dafür verschiedene Erklärungen abgegeben. Was aber viel diskutiert wurde, ist, dass kleine wissenschaftliche Teams, die gut mit anderen Gruppen interagieren können, denen man Freiräume gibt, die mit wenig Bürokratie behelligt sind, sich effizient zur Exzellenz entwickeln können. In Österreich zeigt das eine Vielzahl an Gruppen am Vienna Campus Biocenter oder am IST Austria, um nur zwei Standorte exemplarisch zu nennen. Es hängt nicht ausschließlich am Geld, es gibt mehrere Komponenten: Kern sind die Talente, die es zu finden gilt. In der Wissenschaft geht es aber auch um Infrastruktur und um die Atmosphäre: Werden die Leute motiviert, haben sie Freiräume, oder werden sie mit Administration erschlagen? Wir haben Vorzeigeinstitute, die sich sehr gut entwickeln. Werden die politischen Weichen klug gestellt, sollte es möglich sein, die Anzahl der exzellenten Institute in Österreich deutlich zu erhöhen. Und wenn man das Geld für Zukunftsinvestitionen nicht hat, muss man dort ansetzen, wo man kann. Exzellenzcluster bedeutet Schwarmintelligenz: Forscht es sich im Kollektiv immer leichter, oder können zu viele Köche den Brei auch verderben? Ehrenfreund: Bei riesigen Forschergruppen ist die Wechselwirkung nicht immer so günstig. Die Kommunikation ist oft nicht ideal, es gibt administrative Hürden. Wenn man es aber gut aufsetzt, kann man das überwinden. Man sollte es aber dabei belassen, verschiedenen Kleingruppen Freiraum zu geben, sodass sich daraus der Cluster von selbst bildet. Joint Research Centres mit vielen Leuten, das funktioniert oft nicht so gut.
Angenommen, es wäre genug Geld da: Wie würde dann konkret gefördert werden? Ehrenfreund: Exzellenzcluster wären Zentren, die sich innerhalb Österreichs bilden, so gut ausgestattet, dass sie weltweit als begehrte Kooperationspartner gelten. Für eine Zeitspanne von zwölf Jahren bräuchte man etwa 300 Millionen Euro, um sechs Exzellenzcluster in Österreich zu etablieren. Besteht nicht die Gefahr, dass man durch Exzellenzprogramme Zentren fördert, die ohnehin schon hervorragend sind, und andere Institutionen benachteiligt? Ehrenfreund: Minister Töchterle hat auf der Konferenz des Wissenschaftsrates im November zum Thema gesagt, er sei für die breite Spitze, weil Österreich ein kleines Land ist. Wir hinken bei den Tertiärabschlüssen nach, Post-docs schicken wir nicht selbstverständlich ins Ausland, und wir haben auch kein Tenure-track-System nach angelsächsischem Vorbild. Unsere Universitäten sind unterfinanziert, die Grundlagenforschung ist unterfinanziert. Man müsste an vielen Fronten kämpfen –
das meinte der Minister mit breiter Spitze. Er hat aufgerufen, vorhandene Stärken am Standort auszubauen, um hohe Qualität zu erreichen – als Alternative zu möglichen Exzellenzclustern. Ich stimme ihm zu, solange für den großen Wurf das Geld fehlt. Sonst sollten wir es so machen wie in Deutschland, wo Exzellenzinitiativen gesetzt werden.
Pascale Ehrenfreund, Präsidentin des FWF: „Man könnte mehr erreichen, wenn sich die richtigen Leute an einen Tisch setzen.“
Lassen sich Exzellenzcluster nur außeruniversitär verwirklichen, oder können das auch Universitäten? Ehrenfreund: Natürlich können und sollen Exzellenzcluster an Universitäten entstehen, auch dann, wenn es Komponenten gibt, bei denen die Anwendung im Vordergrund steht. Das kommt aufs Thema an. Exzellenz lässt sich jedenfalls nicht von vornherein definieren. Welche Rolle spielen Drittmittel?
Ehrenfreund: Drittmittel der Marke FWF
sind immer mehr gefragt. Unser Antragsvolumen steigt kontinuierlich. Die Lise-Meitner-Stipendien für Wissenschafter, die von außen nach Österreich kommen, sind extrem überlaufen. Aufgrund der Wirtschaftskrise in Südosteuropa erhalten wir sehr gute Anträge – auch aus den USA! Diese Forscher suchen sich Österreich als Standort aus und wollen mit Drittmitteln Fuß fassen. Diesem steigenden Antragsvolumen ist in unserem Budget nicht Sorge getragen. Es wäre aber wichtig, das auszubauen, sodass wir auch vom Brain Gain profitieren. Jetzt ist die Zeit, gute Leute zu bekommen! Sie sind Astrobiologin: ein typisches Forschungsfeld für Exzellenzprogramme, sehr geldintensiv … Ehrenfreund: In den USA gibt es ein interdisziplinäres, von der NASA gefördertes Exzellenzfeld für Astrobiology von zwölf Zentren, die sehr vernetzt sind, auch international. Sie werden jeweils mit etwa zehn Millionen US-Dollar für fünf Jahre finanziert, man kann auch noch um eine Verlängerung ansuchen. Diese Gruppen beschäftigen sich mit unterschiedlichen Themen, sie sind auch nicht an einem einzigen Standort. Fünf bzw. zehn Jahre an einem Thema forschen zu können, ist sehr lange. In Österreich zögert man, etwas zu fördern, das nicht Mainstream ist. Der Dialog fehlt mir in Österreich. In Amerika diskutiert man viel mehr. Man könnte mehr erreichen, wenn sich die richtigen Leute an einen Tisch setzen. Und wenn das Geld fehlt, muss man umso mehr versuchen, Strukturveränderungen durchzusetzen, man muss Wissenschaft und Forschung auf ein Podest heben und stärken und Österreich auf seinem Weg zum Innovationsleader helfen. Man darf die Unis nicht vergessen – da ist viel zu tun. Wie sieht das bei den Geistes- und Sozialwissenschaften aus? Ehrenfreund: Es ist derzeit auch wichtig, fachübergreifend mit den Humanities zusammenzuarbeiten: Wasser, Nahrungsmittel, Migration, Demografie, Urbanisierung und Überalterung sind Themen, zu denen alle Disziplinen beitragen können; hier spielen die Geistes- und Sozialwissenschaften eine wichtige Rolle. Bei wachsenden Großstädten sind Armut und Kriminalität, auch interkulturelle Differenzen, Themen. Mit den Programmen Europa 2020 und Horizon 2020 pumpt die EU sehr viel Geld in solche Fragestellungen. Ist das Kollektiv die Zukunft der Wissenschaft? Ist Faust im Kämmerchen ein Auslaufmodell? Ehrenfreund: Es ist wichtig, dass es Leute gibt, die sich spezialisieren, aber das Kämmerlein gibt’s nicht mehr. Die Orientierung nach außen ist wichtig – mit internationaler Kooperation kann man viel erreichen.
Foto: fwf / hans schubert
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ascale Ehrenfreund ist seit September 2013 Präsidentin des Wissenschaftsfonds FWF. Die Astrophysikerin arbeitet als Research Professor of Space Policy and International Affairs an der George Washington University und ist Lead Investigator am NASA Astrobiology Institute.
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Barack Hussein Obama II. Seit 2009 der 44. Präsident der Vereinigten Staaten. Obama ist der erste Afroamerikaner in diesem Amt. Er hatte Rechtswissenschaft an der Harvard Law School studiert und war dort als erster Afroamerikaner zum Herausgeber der Fachzeitschrift Harvard Law Review gewählt worden. Bis 2004 lehrte er Verfassungsrecht an der University of Chicago. 2008 besuchte er als erster Präsidentschaft skandidat ein Indianerreservat. Er hob das Verbot auf, die Forschung an embryonalen Stammzellen von staatlicher Seite zu finanzieren. 2013 ordnete er an, dass öffentlich finanzierte Forschungsergebnisse für jeden zugänglich veröffentlicht werden sollen.
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Exzellenz in der forschung
Wissenschaft ist ein Wagnis Verena Ahne
Ein wenig mehr Kritik bei allem, was sich exzellent nennt
Der Begriff „Exzellenz“ ist in Gefahr, zur leeren Worthülse zu verkommen. Gefordert ist die Abkehr von Automatismen
Helga Nowotny fühlt sich bei der derzeit übermächtigen Exzellenzdiskussion in der Wissenschaft oft an diesen Fall erinnert: „Exzellenz funktioniert nicht mit Automatismen“, plädiert die scheidende Präsidentin des European Research Council (ERC) kürzlich in Wien für mehr menschliches Maß. Zu viel Autopilot – und Exzellenz stürzt ab. Automatismen im „Zeitgeist-ExzellenzDiskurs“ sieht auch Peter Fröhlicher: „Was derzeit alles als exzellent verkauft wird, ist oft nicht mehr als alter Wein in neuen Schläuchen“, sagt der Romanist, der als Mitglied des Schweizer Wissenschaftsrates die Szene gut kennt. „In brüchigen Schläuchen“, ergänzt er, „nicht sehr belastbar“. Denn Projekte werden heute oft nur noch gefördert, wenn sie Schlagworte wie „nachhaltig“, „gesellschaftlich relevant“ oder „interdisziplinär“ enthalten. Die Wissenschaft und ihre Akteure, so Fröhlicher, wären gut beraten, selbstkritischer zu betrachten, worauf sie bei der Begutachtung anspringen: „Um all die inflationären Floskeln der Antragsprosa bereinigt, ist so manches Projekt gar nicht mehr sonderlich attraktiv.“ Jan-Hendrik
Olbertz, Rektor der HumboldtUniversität Berlin: Hoher Beliebtheit im Exzellenz-Reigen „Wissenschaftliche Fraerfreut sich auch die Bildung von Clus- gestellungen werden oft tern bzw. Netzwerken. Weil Transdiszi- nicht mehr aus Interesse plinarität derzeit mehr Geld verspricht, formuliert, sondern um wird zusammengeschlossen, was das Zeug größtmögliche Konforhält. „Aber Cluster sind per se noch keine mität mit einem gerade Garantie für Qualität“, spricht Fröhlicher offerierten Förderformat von mitunter „krampfhaft zurechtgebastel- herzustellen.“
Statt Freiheit der Forschung Anpassung an Förderung
ten Kooperationen“. Ähnlich kritisch ist Jan-Hendrik Olbertz, Rektor der Humboldt-Universität zu Berlin, einer Institution, die letztes Jahr in den illustren Kreis deutscher Elite-Unis aufstieg, also zu den „Siegerinnen“ der nicht unumstrittenen deutschen Exzellenzinitiative zählt. Erfolg hin oder her, Olbertz kennt auch die Schattenseiten der gegenwärtigen Entwicklungen. „Wissenschaftliche Fragestellungen werden oft nicht mehr aus Interesse oder Neugier formuliert, sondern es wird versucht, größtmögliche Konformität mit einem gerade offerierten Förderformat herzustellen“, weiß der Erziehungswissenschafter. Dieses Nach-dem-Mund-Reden sei aber eine Bedrohung der Freiheit der
Peter Fröhlicher, Mitglied des Schweizer Wissenschaftsrates: „Was derzeit alles als exzellent verkauft wird, ist oft nicht mehr als alter Wein in neuen Schläuchen.“
Forschung, verstärkt durch die mangelnde Grundfinanzierung der Universitäten und den Wettbewerb um Drittmittel. Olbertz sieht zudem eine unglückselige Inflation des Attributs „exzellent“ (kein Wunder, werden die Mittel doch eher ausgeschüttet, wenn „exzellent“ draufsteht): „Es gibt viele gute und sehr gute Forschungsleistungen, die es zu würdigen gilt, ohne dass sofort von ‚Exzellenz’ die Rede sein muss. Wenn wir solche Unterscheidungen nicht treffen, wird das Wort entwertet und führt in der öffentlichen und politischen Wahrnehmung bald zu Langeweile und Desinteresse.“
Mehr Exzellenzförderung durch EU-Programme
Was aber trennt die Spreu vom exzellenten Weizen? Es gibt eine lange Liste von Kriterien, die gern herangezogen werden, zum Beispiel Publikationen in prestigeträchtigen Journalen. Freilich stammen die meisten davon aus den „harten“ Wissenschaften, den „Sciences“; die meisten sind auf Geistesund Sozialwissenschaften kaum umlegbar, merkt Fröhlicher an. Helga Nowotny zieht die Linie anders:
Die Schweiz und Deutschland haben nach 2008 mehr Geld in (Grundlagen-)Forschung investiert. Österreich hat bereits zugesagte Mittel für den FWF drastisch zurückgefahren „Nur Exzellenz erkennt Exzellenz“, sagt die Soziologin: die besten Köpfe in handverlesenen Gremien, Personen ohne Interessenkonflikte, die beurteilen können, wer Herausragendes leistet oder vielleicht leisten wird. Die sich nicht von Schlagwörtern blenden lassen, sondern von brillanten Ideen und der Qualität und Kontinuität der bisherigen Arbeit. Der ERC, der so verfährt, ist damit höchst erfolgreich. Das Forschungsförderinstrument wurde vor ein paar Jahren ins Leben gerufen, als der EU dämmerte, wie schlecht es im globalen Wettbewerb um ihre Innovationskraft bestellt ist. Mit viel Geld wird seither überragende Grundlagenforschung gefördert: Personen, nicht Institutionen oder Themen: man will „die besten Köpfe“. In den ersten sieben Jahren flossen 7,5 Milliarden Euro in ERC-Grants und -Starting Grants (an Junge), für die kommenden sieben Jahre sind 13 Milliarden veranschlagt.
Exzellenz zieht Exzellenz an, wenn genügend Geld da ist
Evaluationen des Effekts dieser Förderungen sind erst im Entstehen, doch erste
Untersuchungen zeigen, dass die Großzügigkeit der Mittel die Projektqualität merklich erhöht: einfach, weil sich die Geförderten mehr trauen. „Exzellente Forschung erwächst nicht aus einem vorgegebenen Plan, sondern aus individueller Neugier, Fantasie, Intelligenz und Kreativität der Forscherinnen und Forscher“, bestätigt Olbertz. Deshalb auch könne sie nicht auf Knopfdruck erzeugt werden: „Man kann nur Bedingungen schaffen, unter denen solche Leistungen möglich und reizvoll sind, eine ‚Kultur der Ermöglichung’“. Wo dann gute Leute forschen, kommen andere gute gern hinzu: Exzellenz zieht Exzellenz an. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie eine Perspektive über viele Jahre hinweg geboten bekommen – ein zentraler Faktor des Erfolgs sogenannter Elite-Universitäten. Das alles braucht mehr Geld, nicht weniger. Geld auch, das nicht einzig nach dem Motto „Was bringt es für die Wirtschaft?“ fließt. „Es gibt keine allgemein gültigen Kriterien, was Top-Forschung ist“, sagt Fröhlicher. „Oft sieht man die Relevanz erst nach Jahren, manchmal Jahrzehnten.“ Wissenschaft sei eben immer ein Wagnis: Man weiß nicht immer, was herauskommen wird, doch wer das Wagnis nicht eingeht, also auch nicht interessengeleitete Forschung unterstützt, wird auf Dauer verlieren. Darin sind sich alle Befragten einig.
Zu wenig Förderung für unsere Grundlagenforschung
Länder wie die Schweiz oder Deutschland haben das erkannt und trotz Finanzkrise mehr Geld in die nationale (Grundlagen-) Forschung investiert. Und Österreich? Nach 2008 wurden die bereits zugesagten Mittel für den FWF, das wichtigste heimische Förderinstrument für Grundlagenforschung, drastisch zurückgefahren (von Planungssicherheit über viele Jahre gar nicht zu sprechen). Während das Land im internationalen Spitzenfeld liegt, was das Sponsern der Industrie- und wirtschaftsnahen Forschung angeht, liegen wir bei der Grundlagenforschung weit abgeschlagen hinter Ländern wie der Schweiz, Finnland oder den Niederlanden. Das macht sich in den Ergebnissen bemerkbar: Die heimischen Universitäten sacken trotz einzelner Spitzenleistungen, die es zweifelsfrei gibt, in internationalen Rankings Jahr für Jahr weiter ab. Laut FWF-Mehrjahresprogramm 2011 bis 2015 zeigen Analysen, „dass die führenden Länder nicht nur in einzelnen Disziplinen, sondern allgemein eine höhere Qualität des wissenschaftlichen Outputs aufweisen als Österreich“. Eine ernüchternde Bilanz, an der eine auf Autopilot gestellte Förderpolitik kaum etwas verbessern wird. Es ist Zeit für menschliche Piloten in der Politik, die sich mit Visionen, Mut und Geld auf das Wagnis Wissenschaft einlassen.
Fotos: Humboldt-Univer sität zu Berlin, Apochroma, Privat
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s gab eine Zeit, da war die Automatisierung der Flugzeuge so weit vorangeschritten, dass die, die sie eigentlich lenken sollten, praktisch überflüssig geworden waren. Eines Tages wäre so eine Maschine um Haaresbreite abgestürzt. Das Unglück geschah nur deshalb nicht, weil es dem pilotierenden Menschen in letzter Sekunde gelungen war, den übermächtigen Autopiloten zu deaktivieren.
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Liutprand, 712 bis 744 König der Langobarden. Unter seiner Herrschaft erreichte das Langobardenreich den Höhepunkt seiner Macht. Er nutzte den byzantinischen Ikonoklasmus (Leo III. verbot 726 die Verehrung von Heiligenbildern, worauf es zu Bilderstürmen kam), um den Byzantinern Land abzunehmen. In der Rechtspflege führte er umfangreiche Refomen ein, unter anderem ließ er Wahrsagerei und Magie verbieten.
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Exzellenz in der Forschung
Exzellenz in der Forschung: Das Glossar Jochen stadler
Amateur
Arbeitet als Freude an der Sache, auch ohne Ausbildung – nicht so wie ausgebildete Profis, um damit Geld zu verdienen. Do-it-yourself-biology
Spielwiese von Biologie-Amateuren, die Zentrifugen, PCR-Maschinen und andere Laborgeräte gebraucht kaufen oder selber basteln, um etwa seltene Krankheiten zu erforschen und Mikroben mit künstlichen Eigenschaften auszustatten. Sind bei offiziellen Förderprogrammen nicht zum Zug gekommen. Drittmittel
Geld, das Forscher nicht von ihren Arbeitgebern bekommen, sondern von Förderfonds, Stiftungen und Firmen. Dafür investieren sie Zeit und Nerven, denn man muss solche Fördergelder zuerst mit Anträgen einwerben und später mit Berichten rechtfertigen. Wissenschafter ohne Drittmittel riskieren ein Verlierer-Image und die Gefahr, dass die eigene Forschungsgruppe bloß aus einem Doktoranden besteht, der zwischendurch Pizza ausliefern muss, um zu überleben. Durchbruch
Massive Schmerzen im ganzen Bauchraum auslösende Perforation im Wurmfortsatz des Blinddarms. Wird durch eine Entzündung hervorgerufen. Auch Titel eines sowjetischen Kriegsfilms (Oserow 1969) und Bezeichnung eines nach langen Mühen erlangten wissenschaftlichen Erfolges. Exzellenz
Gipfel wissenschaftlichen Wissens, der alle anderen überragt und so schroff ist, dass er kaum Platz bietet; dessen Besteigung regelmäßig Opfer fordert (siehe Durchbruch), viel Ausdauer kostet sowie Träger und Mäzene braucht, die den Weg präparieren. Zum Schrecken vieler Exzellenz-Aspiranten kein Hochplateau mit geheiztem Liftanschluss, das jeder erreichen kann, wenn er Geld für ein Seilbahnticket aufbringt. Kann Schwindel auslösen. Exzellenzinitiative
Anstrengung, bei der unser deutscher Nachbar von 2006 bis 2017 4,6 Milliarden Euro an auserwählte Universitäten vergibt, weil er sie damit (noch) besser machen will. Ein ähnliches Konzept wurde auch für Österreich ausgearbeitet, aber wegen der Wirtschaftskrise in eine Schublade gesteckt. Wenn die Papiere noch nicht von Motten zerfressen wurden (siehe Leuchtturm), warten sie dort heute noch.
Fokus
Leuchtturm
Forschung
Mainstream
Punkt, den man anstarrt, um auf direktem Weg darauf zuzusteuern, auch wenn andere Dinge rundherum viel interessanter wären. Planen und Durchführen von Experimenten, Studien und Konstruktionen, die der Menschheit neues Wissen und technologische Errungenschaften bringen. Je nach Disziplin, in der sie stattfindet, fließt dafür mehr oder weniger Geld. Geld
Düngemittel, mit dem man Exzellenz manchmal auch auf kargen Böden zum Wachsen bringen kann. Ig Nobelpreis
„Ignoble“, englisch für unwürdig – Wissenschaftspreis für Erkenntnisse, die zumindest auf den ersten Blick unnütz sind. Der österreichische Verhaltensforscher Ludwig Huber bekam die Auszeichnung 2011, weil er herausfand, dass Gähnen bei Schildkröten nicht ansteckend ist. Impact Factor
Gibt an, wie oft eine Studie von anderen Forschern zitiert wird. Je höher diese Zahl ist, umso bedeutender wird die Arbeit eingeschätzt. Dass sie dabei nicht immer nur gelobt, sondern ihre Ergebnisse mitunter auch angezweifelt oder widerlegt werden könnten, ist nebensächlich. Innovation
Von PR-Abteilungen gehuldigte Entwicklung in der Forschung, Ergebnisse und ihren unmittelbaren ökonomischen (seltener: gesellschaftlichen) Nutzen in den Mittelpunkt zu stellen. Inflationär verwendet, von Schumpeter in Kombination mit Imitation erfunden. Konkurrenz
Rivalen, denen man immer eine Nasenlänge voraus sein will, weil man auf dieselben Forschungsgelder und -stellen aus ist, oder das gleiche Thema beackert und um keinen Preis zusammenarbeiten möchte. Konzept
Grober Plan, wie man jene Ergebnisse zustande bringen kann, die man für die wissenschaftliche Wahrheit hält. Stimmt nicht immer mit den Richtlinien von Fördergebern überein (siehe Ziellosigkeit). Lehre
Studierende auszubilden ist eine Belastung, die andere erledigen sollen, zumindest bis ausgewählte Nachwuchsforscher so brillant und stressresistent sind, dass sie die eigene Forschung voranbringen. Damit dieser Zeitpunkt nicht verpasst wird, sorgen Köder wie gut dotierte Doktorandenprogramme und Postdocstipendien für optimale Fangraten.
Schiffe fahren neben ihm vorbei, um nicht auf einem Riff aufzulaufen, Forscher und Motten steuern direkt auf ihn zu. Das, was alle anderen machen, weil es anscheinend ein interessantes Thema ist und Fördergelder einbringt. Es kann daher nicht allzu falsch sein, mitzuschwimmen, auch wenn es in diesem verkehrsreichen Fahrwasser kaum etwas Neues zu erforschen gibt. Mauerblümchen
Unscheinbares Mädchen, das nicht zum Tanz aufgefordert wird, und Forscher, der auf den Kongressen seinen Vortrag vor dem Galadinner halten muss, damit sich die Stars in Ruhe frisch machen können, ohne etwas Wichtiges zu versäumen. Milliarde
Düngemittelmenge, die der Österreichische Wissenschaftsrat von der Regierung für die nächsten zehn Jahre angefordert hat, damit die Forschung in Österreich mit Exzellenz glänzen kann. Mittelmaß
Solide Arbeit, die weder besonders gut noch schlecht ist. Wird von niemandem angestrebt, aber von der Mehrheit praktiziert. Nobelpreis
Medaille mit dem Konterfei des schwedischen Erfinders und Industriellen Alfred Nobel, die dem Besitzer allerhöchste Exzellenz bescheinigt. Profi
Arbeitet im Gegensatz zum Amateur, der es aus Interesse tut, für Geld. Publikation
Veröffentlichung in einer wissenschaftlichen Zeitschrift, um den Kollegen neue Ergebnisse und Erkenntnisse zu präsentieren. Je mehr man davon vorweisen kann, umso eher bekommt man einen befristeten Vertrag verlängert, eine Stelle in einem exzellenten Institut, gute Mitarbeiter und Drittmittel. Qualität
Mindestanforderung an Autos, Kühlschränke, Handynetze, Äpfel, Rindfleisch sowie Forschung und Lehre in der Wissenschaft. Wird oft gemessen und verglichen. Randgebiet
Forschungsbereich, der nicht unmittelbar medizinische oder technische Anwendungen verspricht, und von dem aus viele glänzende Augen zum Mainstream schielen. Spitzenforschung
Arbeiten, die der Menschheit Medikamente gegen bislang unheilbare Krankheiten, ungeahnte Erkenntnisse und Lösungen für weltweite Probleme bringen. Aber auch Detailwissen
zu Schaben und Milben, was Mönche im Mittelalter auf Pergament geschrieben und wieder ausradiert haben, und ob Gähnen bei Schildkröten aaaansteckend ist. Stipendium (auch Fördergeld genannt)
Geldquelle, die nur dann fließt, wenn ein Wissenschafter einem Förderfonds eine kreative und dennoch supersichere Idee für ein Forschungsprojekt unterbreitet hat. Eine Idee, die neu, aber bloß nicht irritierend ist, viel mit tollen Theorien zu tun hat (Grundlagenforschung), sich aber unbedingt zu Geld machen lässt (Anwendungsorientierung). Ermöglicht es, den Lebensunterhalt zu bestreiten und tröstet den Wissenschafter darüber hinweg, dass er noch immer keine fixe Anstellung hat. Unterfinanzierung, akut
Problem, das mit Milliardenspritzen aus dem Staatsbudget schnell gelöst wird, weil man Banken ja nicht pleitegehen lassen kann. Unterfinanzierung, chronisch
Problem, das man lösen will, wenn es mit der Wirtschaft wieder bergauf geht, die Arbeitslosigkeit abgeschafft und ein Nulldefizit erreicht wurden, das Pensionssystem gesichert ist, die Krankenkassen saniert sind und die Raten für die Abfangjäger abgestottert wurden. Dann können Forscher wieder um Geld für ihre Arbeit bitten. Weltmeister
Titel, den von sieben Milliarden Menschen immer nur einer pro Disziplin tragen kann. Wettbewerb
Zeitverschwendung, bei der zwei oder mehr Wissenschafterteams jahrelang an der gleichen Sache forschen, wohl wissend, dass sich schon andere dieser Fragestellung angenommen haben, um schließlich fast gleichzeitig zum selben Ergebnis zu kommen. Wissenschaft
Ihre Mutter ist die Philosophie, ihre Stiefmutter die Innovation. Wissenschaftspolitik
Kümmert sich um den wissenschaftlichen Nachwuchs, die Grundlagenforschung, die Hochschulen und darum, den Nachwuchs dem Arbeitsmarkt und die Forschungsergebnisse der heimischen Wissenschafter der Öffentlichkeit näherzubringen. Sie kümmert sich also um die Grundlagen für den Wohlstand der Bevölkerung. Wissenschaftspreis
Ehrung, die viel Geld, ein Stipendium oder eine Urkunde bringen kann und etwa von Forschungsfonds, Stiftungen und neureichen Internetmogulen gesponsert wird. Ziellosigkeit
Die Freiheit, den wirklich interessanten Dingen nachzugehen.
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EXZELLENZ IN DER FORSCHUNG
Hermann von Salza, von 1210 bis 1239 Hochmeister des Deutschen Ordens. Er war ein bedeutender Vermittler zwischen dem römisch-deutschen Kaiser Friedrich II. und dem Papsttum. Er erwirkte beim Papst die Gleichstellung mit den älteren Ritterorden der Johanniter und Templer und erhielt vom Kaiser das Land Preußen. Nach dem Tod des großen Kommunikators brach jegliche Verständigung zwischen Papst Gregor IX. und Kaiser Friedrich II. zusammen.
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Exzellenz in der forschung
Spitzenlehre
„Eine Atmosphäre für verrückte Ideen“ Der Neurologe Arno Villringer über die Relevanz von „dummen“ Fragen für Erkenntnisse
Florian Freistetter
Siobhán Geets
der Wissenschaft laufen die Dinge Ieinnmanchmal so wie im Fußball. Wenn Verein erfolgreich sein will, kann
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er entweder Spitzenspieler aus der ganzen Welt einkaufen. Oder er investiert Geld in Nachwuchsarbeit und bildet die eigenen Spieler zu Top-Fußballern aus. Auch die Universitäten eines Landes können Spitzenforscher aus aller Welt auf Professorenposten berufen und so den wissenschaftlichen Output erhöhen. Nachhaltiger wäre es allerdings, wenn die zukünftige wissenschaftliche Elite an den eigenen Universitäten ausgebildet wird. Dazu muss man aber für eine vernünftige Lehre sorgen, und daran hapert es in Österreich immer noch ein wenig. Für die persönliche Karriere eines Wissenschafters spielt Engagement in der Lehre kaum eine Rolle. Vorlesungen werden zwar evaluiert, schlechte Ergebnisse haben aber selten Folgen. Das derzeitige System zwingt die Wissenschafter zu lehren, selbst dann, wenn sie es eigentlich nicht können. Und die Universitätsmitarbeiter, die das Zeug dazu haben, können sich das Engagement in der Lehre oft nicht leisten, weil dann nicht genug Zeit für die Forschung bleibt. Solange die Karriere weiterhin fast ausschließlich am wissenschaftlichen Output beurteilt wird, ändert sich daran nichts. Dabei wäre es einfach, für bessere Lehre zu sorgen. Man muss nur damit anfangen, die Forscher entsprechend ihrer Fähigkeiten einzusetzen. Warum keine speziellen Lehrprofessuren für die Wissenschafter einrichten, die wirklich gute Vorlesungen halten können und das auch gerne tun? Sie können sich dann verstärkt auf die Lehre konzentrieren, ohne dabei befürchten zu müssen, ihrer eigenen Karriere zu schaden. Es muss sich nicht einmal um reine Lehrprofessuren ohne Forschungsarbeit handeln. Es würde schon reichen, wenn der Schwerpunkt entsprechend verschoben und Lehrprofessoren anhand ihres Engagements in der Lehre beurteilt werden. Jene Wissenschafter, die jedoch in der Lehre weniger begabt sind, können in Ruhe ihrer Forschungsarbeit nachgehen, ohne sich mit Vorlesungen quälen zu müssen, von denen weder sie noch ihre Studierenden profitieren. Nachhaltige Spitzenforschung kann nur über entsprechend hochwertige Lehre erreicht werden. Aber diese gibt es nur dann, wenn auch die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden. Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs.de/ astrodicticum-simplex
eute gelten als wesentliche Kriterien für Exzellenz in der Wissenschaft Publikationen von Forschern und wie oft sie zitiert werden. Das sind aber nur kurzfristige Parameter. Letztlich geht es um die Lebensleistung, also darum, ob Wissenschafter neue Ideen und Hypothesen aufgestellt, widerlegt oder belegt haben. Wissenschafter müssen sich dabei immer auch gesellschaftlichen Fragen stellen. Wie haben sich die Ansprüche an Forscher verändert? Arno Villringer: Früher gab es häufig einzelne Wissenschafter wie Einstein, die Überragendes leisteten. Heute ist die Wissenschaft zunehmend eine kooperative. Es gibt interdisziplinäre Teams. Führende Wissenschafter sind häufig kooperativ gesinnte Personen, die sich mit anderen austauschen.
Man denkt bei Exzellenz in der Wissenschaft sofort an Hochbegabte. Was macht sie aus? Hatte etwa Einstein mehr neuronale Verbindungen? Villringer: Natürlich war Einstein außergewöhnlich begabt, aber er dachte auch viel nach und beschäftigte sich
Higgs Boson, eine der bemerkenswertesten Leistungen der vergangenen zwei Jahre, waren mehr als 2000 Menschen beteiligt. Jener Einstein, der einst in seinem Kämmerchen saß und die Welt neu erklärte, gehört in fast allen Forschungsgebieten der Vergangenheit an. Welche Rolle spielt Kreativität bei wissenschaftlichen Genies? Villringer: Eine sehr wichtige. Es braucht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen einer guten Grundlage, einem fundierten Wissen, und der Bereitschaft, Dinge auf sich zukommen zu lassen. In meinem wissenschaftlichen Umfeld arbeiten die unterschiedlichsten Pers nlichkeiten zusammen. Da gibt es den Typus, der solide Erkenntnisse validiert, und jenen, der gar nicht im Labor auftaucht, sondern in der Bibliothek liest und sich mit vielen verschiedenen Dingen beschäftigt. Der hat dann eines Tages die Blitzidee, die in den kommenden zehn Jahren der Ausgangspunkt für Experimente ist. Oft scheint es, als gebe es in jedem Team ein paar Verrückte, und ich meine das nicht im negativen Sinn, die um die Ecke denken und so abseits der etablierten Wege auf neue „Toleranz gegenüber sehr unterschiedlichen Menschen ist letztlich das Wichtigste für erfolgreiche Forschung.“ Arno Villringer, Neurowissenschafter
wie besessen mit einem Thema. Der Versuch, sein Genie auf bestimmte Merkmale im Gehirn zu reduzieren, geht fehl. Natürlich hatte er eine gute Ausgangslage, aber da kam noch viel anderes dazu. Um überragende Leistungen zu bringen, muss man nicht notwendigerweise überragend intelligent sein. Es ist viel wichtiger, dass man stetig und oft mit großer Intensität ein Thema verfolgt und sich in vielen Facetten damit beschäftigt. Das ist für exzellente Leistungen wichtiger als die Ausgangsintelligenz. Es kommt auch darauf an, Ideen und Gedanken anderer aufzunehmen und zu kooperieren. Beim Nachweis des
Gedanken kommen. Man muss in den Teams eine Atmosphäre schaffen, in der auch vermeintlich verrückte Ideen formuliert werden dürfen. Kreativ zu sein bedeutet aber auch, sich leichter ablenken zu lassen. Sind geniale Menschen chaotischer? Villringer: Es gibt hier keine einfache Korrelation. Was aber sicher zur Kreativität gehört ist, bestimmte Gedanken und Ideen überhaupt zuzulassen. Das mag manchmal chaotisch wirken, muss es aber nicht sein. Menschen, die mit Wissenschaftern zu tun haben, sehen oft merkwürdige und schräge Typen unter ihnen. Bei den schrägen
Typen sind manche richtig zwanghaft, also das Gegenteil von chaotisch. Toleranz gegenüber sehr unterschiedlichen Menschen ist letztlich das Wichtigste für erfolgreiche Forschung. Welche Strukturen braucht es, damit sich Exzellenz durchsetzen kann? Villringer: Es muss der gemeinsame Wille da sein, etwas Großes, Neues zu schaffen. Dazu gehört die Toleranz gegenüber naiven, vielleicht sogar dummen Fragen und Anregungen. Oft sind die echten Durchbrüche die Ideen, bei denen die Mehrheit vorher sagt: Das ist doch Unsinn! Die Empfänglichkeit für Beobachtungen ist also ein wichtiger Punkt. Die Akzeptanz des Ungewöhnlichen und Schrägen ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Forschung. Welche Rolle spielen die Gene, welche das Umfeld? Villringer: Von Prozentzahlen zu sprechen, halte ich für Unsinn – also zu sagen, die Gene machen 40, 50 oder 60 Prozent aus und der Rest ist das Umfeld. Sicher ist, dass wir die Möglichkeiten, die wir haben und das Potenzial dramatisch steigern können. Man hat festgestellt, dass die Gesamtintelligenz, also der IQ, den man ja messen kann, in den vergangenen 80 Jahren immer mehr anstieg. Wenn pro Dekade alle Menschen im Schnitt um drei Punkte schlauer werden, dann kann das ja gar nichts mit Genen zu tun haben. Welche Umweltfaktoren sind hier relevant? Villringer: Es gibt massive Umgebungsfaktoren, die über die Schulbildung hinausgehen. Wie offen ist die Gesellschaft für neue Ideen? Wie gesund ist unsere Gesellschaft? Es gibt den Trend, dass die Gesellschaft immer intelligenter wird, aber es gibt auch Indizien dafür, dass dieser Trend nun gestoppt ist und sich vielleicht sogar umkehrt. Übergewicht wird zur weit verbreiteten Krankheit, auch bei Kindern. Die Konsequenzen sind frühe Beeinträchtigung der Gesundheit bis hin zu geringeren geistigen Fähigkeiten. Wir wissen, dass Übergewicht mit den geistigen Leistungen interferiert und Sport die Intelligenz fördert. Beim intelligentesten Menschen der Welt spielen die Gene sicher eine Rolle, aber auch Menschen mit durchschnittlicher Intelligenz können Überragendes in der Wissenschaft leisten. Es kommt darauf an, wie sie gefördert werden und wie intensiv sie sich mit einem Thema beschäftigen.
f o t o : M a x - P l a n c k - I n s t i t u t f ü r K o g n i t i o n s - u n d N e u r o w i s s e n s c h a f t e n L e ip z i g
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Gedicht Charles Bernstein: S O NNEN U NTER G AN G A M Q U A Q U A V ERSAL P O INT
Charles Bernstein, geboren 1950 in New York City, ist Begründer und einer der prominentesten Vertreter der US-amerikanischen l=a=n=g=u=a=g=e poetry, Theoretiker und Literaturwissenschafter. Lehrt an der University of Pennsylvania. Über 20 Buchveröffentlichungen. Lesung des Gedichtes „On Election Day“: www.youtube.com/ watch?v=errpEEUjRkg
er ich k lein
Aus: Charles Bernstein Gedichte und Übersetzen Edition Korrespondenzen, Wien 2013
So den Übergang finden im Springen über zersetzende Reime Wie Schlangen den Bauch ummanteln mit unbewusstem Wurm-Neid auf Tellern, die ihre Beeren und Bären verkuppeln, Die pinke Runde beehren. Noch eine Wunde Und die Welle die geht auf umverbend selbstabwehrendes Kinn durch Spannungsgebläse, vier für fünfFünfzig, leih mir einen Lippenhalter. Ach geh, ich Soll dich wieder holen, später, und jetzt Geh der Gedankenlosigkeit nach, noch ein Takt. Am Ende des Tages formen die stehengelassenen Kluppen einen Bogen um den Graben bis der Hahn Mit den Spottdrosseln kommt. Danach Füll den Luftballonen die lustigen Nomen ein und ich will Ihn nehmen mit meiner Linken und verlieren mit meiner Rechten. Sammle, dann binde, den Bären in den NordWind, mit Überdruss doch mutigem Impetus. Beende Schwinde – mit Schwindel & Pangasius & Prügel, mit Spore & mit Speer, dann nie mehr. Es ist über & Über & dann nicht, wenn du nicht – Nur manchmal, mit Vorsicht – wenn du sagst Nie, und ihn, und nie und innen wieder Wendest. (Übersetzung aus dem US-Amerikanischen von VERSATIORIUM und Peter Waterhouse)
Rätsel von Gaja Waagrecht: 1 Seine Bestimmung: geografisch egozentrisch 7 Evolutionärer Frühaufsteher 8 Regentenremis 9 Sorgt in Europa für sinkende Grenzwerte (Abk.) 10 Hier spielt Mainz an der tschechischen Grenze verrückt 12 Vorname von Myanmar 13 Nicht nur auf der Knödelakademie bekannt für seine Triebkraft 14 Einrichtung in StudentInnenbuden? Uni-Unit! 16 Paradoxerweise wirkt sie in der Öffentlichkeit anzüglich 18 Haushaltshilfen wissen: in diesen Töpfen kann man aus dem Vollen schöpfen 19 Nippon-Nippes, durch die Blume gesagt 21 Wer wünscht sich dabei schon eine Alleinstellung? 22 Zelle im Lebenstrakt 24 Kameliendame à la Verdi Senkrecht: 1 Exzellenz in der Wissenschaft 2 Süßer Lesestoff? 3 Job in der Bekleidungsindustrie?? 4 Fischerei-Zulieferer??? Ang’steckt is’! 5 84-jähriger Hollywoodstar 6 Zu dem erhebt Medienmache so manche Sache 11 „Lex Leo“ für politische Narrenfreiheit 15 Da ist ein Gott in seinem Element 17 NSA-Vorreiterorganisation? Aktenkundige Genossenschaft für Spitzelbeamte 19 Daseinsform in Existenzialistenkreisen 20 Potenter Suchbegriff bei der Trillionenshow? 23 Eselsohrwurm in Eigenproduktion Lösungswort: HARVARD Waagrecht: 1 STANDORT, 7 URMENSCH, 8 PATT, 9 EU, 10 ZNAIM, 12 BIRMA, 13 HEFE, 14 INSTITUT, 16 NUDISTIN, 18 ETATS, 19 IKEBANA, 21 SEX, 22 EI, 24 TRAVIATA; Senkrecht: 1 SUPERHIRN, 2 TRAUBENZUCKER, 3 AMT, 4 NETZBETRIEB, 5 OSCAR, 6 THEMA, 11 IMMUNITAET, 15 TITAN, 17 STASI, 19 IST, 20 EXA, 23 IA
Lösungswort:
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Was am Ende bleibt Brauch ma alles, net? erich klein
Josef Weinheber, 1892 in Ottakring geborener Fleischhauersohn und selbstgeadelter Dichtervisionär des Weltuntergangs, erfreute sich als Verfasser neoklassischer Gedichte nach dem Ersten Weltkrieg einiger Beliebtheit. Sein sozialkritischer Roman „Das Waisenhaus“ wurde in der sozialistischen Arbeiter-Zeitung in Fortsetzungen abgedruckt. Wirklich große Beliebtheit erlangte der „Hyperion aus Ottakring“ aber vor allem mit dem hauptsächlich aus Dialektgedichten bestehenden Band „Wien wörtlich“ (1934). Die Mixtur aus halbanarchistischem Phäakenund Raunzertum der Wiener galt gleichermaßen im Ständestaat wie in der Zweiten Republik als Apotheose der österreichischen Seele. Wer hätte sie besser auf den Punkt gebracht? „Wann i, verstehst, was zreden hätt, / i schaffert alles a.“ Weinhebers schwarzer Humor grenzte bisweilen ans Selbstmörderische: Trotz aller Hellsichtigkeit, etwa in Bezug auf den „Sieg der Provinz“ in sprachlichen Belangen, setzte er bewusst auf die schillernde Doppeldeutigkeit der Mundart. Seine geschichtsphilosophisch verbrämte Weltsicht kannte nur eine Alternative: Dialekt, den einst sogar Kaiser und Herren sprachen, gegen die „Sprache der Zeit“. Als Repräsentanten letzerer verstand er „Dienstmadeln“ und die Juden der Wiener Kaffeehäuser. „Kaiser und Herren, de gibt’s nimmermehr. / D’Juden ham d’Vornehmheit pacht. / Wienerisch ist ihner vü z’ordinär – / Sprechen nur Schrift – guade Nacht!“ Die wahre Sprache sei dagegen – „Sprach, des is Bluat, und Schrift is Papier“. Von da war es nicht mehr weit zur Nazisprache des Blutes gegen „die Juden“ und zur Hetze gegen sogenannte „Asphaltliteraten“. Dass Weinheber Joseph Goebbels, der von ihm noch deutlichere Bekenntnisse zu Hitler verlangte, als er sie nach 1938 ohnedies geliefert hatte, mit einem „In Ruah lassen!“ geantwortet haben soll, steht auf einem anderen Blatt. Die Universität Wien verlieh ihm 1942 das Ehrendoktorat. Weinheber beging 1945 Selbstmord, seine Popularität reichte weit bis in die Achtzigerjahre. Um den fröhlichen und dekonstruktiven Aktionismus, den Studenten der Universität für Bildende Kunst bei der Umgestaltung der WeinheberBüste am Schillerplatz in diesem Jahr kurzzeitig an den Tag legten, ist es wieder still geworden. Leider! Wie sagte Weinheber? „Was brauch ma denn des alles, net? / Is eh gnua da.“
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Buchtipps Buchtipps Buchtipps Publikationen des Österreichischen Wissenschaftsrates aus jüngster Zeit Grundlagenforschung in Österreich
In diesem Band macht sich der Österreichische Wissenschaftsrat dafür stark, die Grundlagenforschung in Österreich nachhaltig zu fördern und dafür die notwendigen politischen Entscheidungen zu treffen. In der Stellungnahme wird die fundamentale Bedeutung der Grundlagenforschung für den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt hervorgehoben. Außerdem werden umsetzungsorientierte Überlegungen in institutioneller und finanzieller Hinsicht angestellt. Entscheidend für den Stellenwert der Grundlagenforschung sei, dass nur in der Grundlagenforschung, also im freien Spiel der Wissenschaft, das wirklich Neue geschieht.
Exzellenzentwicklung in der österreichischen Wissenschaft
Auf Ersuchen des Bundesministers für Wissenschaft und Forschung hat der Österreichische Wissenschaftsrat in diesem Band folgende drei Fragen beantwortet: Was unter Exzellenz in der Forschung zu verstehen sei; wo in der österreichischen Forschung eine Exzellenzentwicklung bzw. Potenziale zu einer solchen erkennbar sei und wie eine derartige Entwicklung und entsprechende Potenziale gefördert werden könnten. Naturgemäß fallen die Antworten sachlich korrekt, aber politisch brisant aus, weil die entsprechende Förderung wissenschaftlicher Exzellenz den Staat eine Stange Geld kosten würde.
Medizinische Fakultät an der Johannes Kepler Universität Linz
Hier nimmt der Wissenschaftsrat Stellung zum Konzept der JKU Linz für eine Medizinfakultät. Das Konzept nenne als Grund dafür einen zusätzlichen Ausbildungsbedarf für Ärzte. In der Stellungnahme heißt es, dieser Ärztebedarf sei in Österreich nicht eindeutig nachgewiesen, außerdem fehlten in dem Konzept konkrete Maßnahmen, wie die Weiterbildung und die berufliche Tätigkeit von Ärzten an einem Klinikum attraktiver gestaltet werden sollen, um die Abwanderung in nicht kurative Medizinbereiche oder ins Ausland zu verhindern. Auch wird das Fehlen eines transparenten Finanzierungskonzepts bemängelt.
Empfehlungen zur Entwicklung der österreichischen Kunstuniversitäten
Für die heimischen Kunstunis bedeutete die Änderung ihres institutionellen Hochschulstatus, die 1998 in Kraft getreten war, neue Herausforderungen, die mit der Implementierung des UG 2002 noch einmal erheblich anstiegen. Mit seinen Analysen und Empfehlungen sucht der Wissenschaftsrat diese Herausforderungen näher zu identifizieren und Vorschläge zu machen, deren Befolgung geeignet ist, den Ruf, die Stellung und den Einfluss der österreichischen Kunstuniversitäten auch in Zukunft weltweit zur Geltung zu bringen. Unter den 21 staatlich finanzierten Universitäten Österreichs befinden sich sechs Kunstuniversitäten, unter diesen wiederum drei in Wien. Obwohl die bedeutendste davon, die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, weltweit eine der größten Institutionen ihrer Art ist, zählen alle sechs im Vergleich mit den wissenschaftlichen Universitäten zu den kleineren Institutionen. Die kleinsten, die Akademie der bildenden Künste Wien und die Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz, haben je knapp über 1000 Studierende.
Fachhochschulen im österreichischen Hochschulsystem
Von 695 Studierenden im Jahr 1994 und zehn Fachrichtungen an den ersten Fachhochschulen (FH) entwickelte sich der Sektor zu 39.276 Studierenden in 372 Studiengängen im Wintersemester 2011/12. Mehr Männer als Frauen wählen eine Fachhochschulausbildung, bevorzugt in den Technik- und den Naturwissenschaften; weibliche Fachhochschulstudierende bevorzugen Studiengänge in den Wirtschafts-, Sozial- und den seit Kurzem etablierten Gesundheitswissenschaften. Der Bachelor ist der häufigste Abschluss. Der Eintritt ins Erwerbsleben gelingt Fachhochschulabsolventen etwas leichter als Universitätsabsolventen.
Governance und Partizipation
Universität Österreich 2025
Mit dem Band „Universität Österreich 2025“ legt der Österreichische Wissenschaftsrat seine Vorstellungen über eine gedeihliche Entwicklung des österreichischen Hochschulsystems vor. Der Bericht beruht auf der Rechtslage sowie der Fakten- und Datenlage im Herbst 2009. Einzelne statistische Daten stammen aus früheren Erhebungsperioden. Empfohlen wird ein übergreifendes hochschulpolitisches Entwicklungskonzept aus der übergeordneten Perspektive des österreichischen Wissenschaftssystems. Ein derartiges Gesamtkonzept könne nur in Abstimmung zwischen dem Staat und den Akteuren des Systems, zumal in dessen autonomen Teilen, entwickelt werden.
Hier analysiert der Österreichische Wissenschaftsrat rund zehn Jahre nach der Verabschiedung des Universitätsgesetzes 2002 die innere Verfasstheit der österreichischen Universität. Er behandelt die eng miteinander verknüpften Fragen nach den Governancestrukturen der autonomen Universität, der Ausgestaltung der Personalstrukturen einschließlich der wissenschaftlichen Karrierewege und der universitären Kommunikationsund Partizipationskultur. Ausgehend von der Feststellung, dass der durch das UG 2002 eingeschlagene Weg der richtige war, werden Möglichkeiten zu ihrer Weiterentwicklung diskutiert und entsprechende Empfehlungen dargelegt. Mit dieser Empfehlung versucht der Wissenschaftsrat, das Thema der Repräsentanz der Universitätsangehörigen in den notwendigen breiteren Sachzusammenhang zu stellen. Dies geschieht, indem die Governance der Universität mit ihren Personalstrukturen in Beziehung gesetzt wird und die institutionalisierten Formen der Mitwirkung an den universitären Entscheidungsprozessen in den größeren Kontext der Kommunikationskultur gestellt werden.