FALTER
HEUREKA Das Wissenschaftsmagazin
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hysik Was heimische Wissenschafter in der Quantenforschung und für die Medizin leisten Fehlt es an Arbeit oder an Könnern? Gunnar Heinsohn richtet den Blick auf die Arbeit im Land Universitäre Autonomie Was heißt das und wie sieht sie im Zuge der Hochschulreform aus?
Nr. 5/11
Wie steht es mit der
Arbeit?
Österreich hat gegenwärtig die geringste Arbeitslosenrate in der EU. Wie aber bewerten Wissenschafter die Arbeitssituation in der Euro-Krise?
PETRA SCHIMERL, FRIEDHOFSGÄRTNERIN
TITELBILD: ARNOLD PÖSCHL
Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2326/2011
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21.11.2011 15:52:16 Uhr
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Inhalt
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Akademische Stars und junge Forscherinnen Bemerkenswerte akademische Karrieren Begleitesel für Pferdefohlen Hilfe beim „Absetzen“ von der Pferdemutter Wertestudie ohne Wert? Die Europäische Wertestudie 1990–2010 C-14-Verfahren gegen Übergewicht Neue Forschung zum Fettstoffwechsel
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Wie steht es mit der Arbeit? Die Zahlen zum Thema Eine wissenschaftliche Un-Konferenz Das neue Konferenzmodell erstmals in Wien Wie steht es mit der Arbeit? Aussichten am gegenwärtigen Arbeitsmarkt Sind Sie attraktiv genug für einen Job? Aussehen entscheidet auch über die Karriere
Momentan haben wir noch genug Arbeit Die Situation am heimischen Arbeitsmarkt Arbeit: Das Glossar Die Begriffe zum Thema Arbeit Autonomie? Ja, aber welche? Was bedeutet Autonomie für die Hochschulen? Gedichte, HEUREKA-Rätsel, Kommentar Unser Weg in die Arbeit
Kommentar
Editorial
Forschung – eine Marginalie? Christoph Kr atk y
Gr afik: Tone Fink, foto: kr atk y
berufen sich gerU niversitäten ne auf das Humboldtsche Ideal
von der „Einheit von Lehre und Forschung“, d. h. sie haben etwas mit Forschung zu tun. Im hochschulpolitischen Diskurs der letzten Zeit gerät die Forschung als Teil des universitären Ganzen allerdings zunehmend in den Hintergrund. Und weil das Thema „Lehre“ sich anschickt, die Lufthoheit über sämtlichen hochschulpolitischen Stammtischen an sich zu reißen, wird die Luft für die, die an Universitäten tatsächlich forschen wollen, merklich dünner. Jetzt lässt sich natürlich argumentieren, dass es an Österreichs Hohen Schulen Vordringlicheres zu lösen gäbe, konkret die immer wieder beschworenen Probleme in der Lehre; und überhaupt: wo Einheit von Lehre und Forschung praktiziert würde, sei das Aufrechnen, was Lehre und was Forschung sei, eine Krämertätigkeit, die virtuelle Gräben zieht, wo keine Gräben sein dürfen. Wenden wir uns also jenen Institutionen zu, die eindeutig der Forschung beziehungsweise deren Förderung zurechenbar sind, konkret der Österreichischen Akademie der Wissenschaft als größte Trägerin außeruniversitärer, akademischer Forschung, und dem Wissenschaftsfonds FWF als zentrale Institution der Förderung von Grundlagenforschung in Österreich. Erstere hat vor wenigen Tagen eine Leistungsvereinbarung mit dem BMWF abgeschlossen, die ihr mittelfristige Planungssicherheit, allerdings auf einem niederen und stagnierenden Niveau, garantiert. Dies stellt für die ÖAW eine immense Herausforderung dar und zwingt sie zu schmerzhaften Schritten, die bis zum Schließen einiger ihrer Einrichtungen gehen. Um den Ausfall im Grundbudget ein wenig abzumildern, hat sich die ÖAW in den Leistungsvereinbarungen verpflichtet, ihre Bemühun-
gen zur Einwerbung von Drittmitteln zu intensivieren. Ähnliche Aussagen finden sich in den Leistungsvereinbarungen der meisten Universitäten mit dem Wissenschaftsministerium. In der Tat spricht auch die FTI-Strategie der Bundesregierung von einem „Ausbau der Drittmittelforschung der Hochschulforschung über Projekte des Wissenschaftsfonds“. Wenn alle diese Forschungsträgereinrichtungen mit dem Wissenschaftsministerium vereinbart haben, sich um mehr Geld vom FWF zu
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bemühen, ist der Hinweis nicht unerheblich, dass das Budget des FWF seit mehreren Jahren stagniert (d.h. seit 2009 nicht einmal der Inflat ion angepasst wurde). Man darf niemandem Zynismus unterstellen, aber ich orte hier Inkonsistenz.
Finkenschlag Handgreifliches von Tone Fink
Christoph Kratky ist Präsident des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung FWF
www.tonefink.at
„80 Prozent der Österreicher flüchten in die Frühpension“, lautet eine Schlagzeile in einem Druckwerk, das heute als Tageszeitung durchgeht. Man sieht sie förmlich vor sich: Massen von Menschen, die panikartig aus Bürohäusern und Werkshallen strömen, um in Charter-Flugzeugen das Land Richtung Mallorca oder Kanarische Inseln zu verlassen. Was den Japaner Godzilla, scheint den Österreichern die Arbeit zu sein. Wenn das stimmt, was in dem Blatt steht, dann war die Angst vor der Arbeit Anfang der Siebzigerjahre noch weniger weit verbreitet. Damals arbeiteten die Österreicher im Schnitt um vier Jahre länger als heute. Wahrscheinlich, weil es weniger Billigflüge nach Mallorca gab. Dem Godzilla der Österreicher, der Arbeit, ist diese Ausgabe gewidmet. Vielleicht können uns Wissenschafter sagen, warum wir Österreicher uns so sehr davor fürchten. Ein Grund, der von einigen genannt wird, könnte der wachsende Druck zur Selbstverwirklichung in der Arbeit sein. Wir arbeiten nicht mehr gemeinsam, sondern als Konkurrenten um die Karriere. Diese Karriere entpuppt sich dann für die meisten Menschen als Sackgasse. Was nach dieser späten Einsicht von der Arbeit noch bleibt, ist der Wunsch, sie so schnell wie möglich beenden zu dürfen.
Impressum Falter 47a/11 Herausgeber: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. Medieninhaber: Falter Zeitschriften GmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: service@falter.at, www.falter.at Redaktion: Dr. Christian Zillner Artdirektion: Dirk Merbach Layout: Reini Hackl, Raphael Moser Fotoredaktion: Karin Wasner Lektorat: Martina Paul Druck: Goldmann Druck AG, 3430 Tulln DVR: 047 69 86
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heureka! erscheint mit U nterstützung des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung
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Aus Wissenschaft und Forschung Kopf im Bild Macht Computer umweltfreundlicher Ivona Brandic vom Institut für Informationssysteme der TU Wien macht Hochleistungscomputer umweltfreundlicher. Großunternehmen mit tausenden Rechnern verbrauchen eine gewaltige Menge an Energie und verursachen eine schlechte CO2-Bilanz. Zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes gehen auf das Konto der Computertechnologie – dieser Wert ist vergleichbar mit dem gesamten weltweiten Flugverkehr. Diesen enormen Energiebedarf versucht die Wissenschafterin mit ihrem Team und mithilfe intelligenter Programmiertechnik, sogenannten Scheduling-Systemen, zu senken. Ziel ist, Teile von Großrechnern, wenn sie noch nicht voll ausgelastet sind, herunterzufahren. „Damit solche Maßnahmen getroffen werden können, muss das Computersystem in der Lage sein, den eigenen Stromverbrauch zu eruieren und ihn vorherzusehen. Es muss sich selbst automatisch überwachen und managen, ähnlich wie das unser Körper macht“, sagt die 33-jährige Informatikerin. Für ihre Arbeit bekam sie heuer den hochdotierten Wissenschaftspreis der TU Wien verliehen. T e x t : N athalie G ro S S sch ä dl F oto : R egina H ü gli
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ie Neigung, den Dingen auf den D Grund zu gehen, treibt diese jungen Forscher an. Peter Kallinger, 28, Physik
„Schon als Kind wollte ich Naturwissenschafter werden“, sagt Peter Kallinger. „Und an der Physik gefällt mir, dass sie sich mit den Grundlagen beschäftigt.“ Für seine Dissertation befasst sich Kallinger an der Wiener Fakultät für Physik mit der Identifizierung und Charakterisierung von Nanoaerosolen. Dabei arbeitet er an der Weiterentwicklung des Parallel Differential Mobility Analyzers mit, mit dem man anorganische und bioorganische Nanopartikel unter atmosphärischem Druck untersuchen kann.
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Erste Größenmessungen von humanen Rhinoviren in der Luft hat der junge Physiker bereits erfolgreich durchgeführt. Die Arbeit im Labor liegt Kallinger: „Es erfüllt mich mit großem Respekt zu sehen, wie mühsam wissenschaftliche Erkenntnisse der Natur abgerungen werden müssen.“ Christina Plank, 29, Politikwissenschaften
Christina Plank hat zunächst in Passau ein Sprachen-, Wirtschafts- und Kulturraumstudium mit Fokus auf Ost- und Mitteleuropa absolviert. „Dabei wurde mein Interesse für diese Region geweckt“, erzählt sie. „Auslandsaufenthalte dort haben das noch verstärkt.“ Mittlerweile schreibt sie ihre Dissertation in Politik-
wissenschaften an der Uni Wien zum Thema „Die Entstehung des Agrartreibstoffsektors in der Ukraine. Eine Analyse aus staatstheoretischer Perspektive.“ In dieser Arbeit behandelt sie eine stark kontrovers diskutierte Form der erneuerbaren Energien: „Ich wollte mich intensiver mit energie- und umweltpolitischen Fragen befassen“, erklärt Plank. Ihre Arbeit ist Teil eines Doc-Team-Projekts, die ÖAW fördert damit Untersuchungen von DoktorandInnen, die nur fächerübergreifend zu lösen sind. Katharina Waldbauer, 24, Pharmazie
Für ihre Diplomarbeit hat Katharina Waldbauer die Meisterwurzund Safran- Monografien im Öster-
reichischen Arzneibuch überarbeitet. Dabei hat sie ein Verfahren zur Qualitätsüberprüfung von Safran entwickelt, das heuer mit dem Madaus-Preis zur Förderung der Phytopharmakaforschung ausgezeichnet wurde. „Weil Safran so teuer ist, wird er gerne verfälscht“, verdeutlicht die junge Pharmazeutin. Aber solchen Machenschaften kann man aufgrund ihrer Erweiterung der alten Monografie durch eine Gehaltsbestimmung nun auf die Spur kommen. Mittlerweile arbeitet die Doktorandin am Initiativkolleg „BioProMoTION“ der Uni Wien an der Isolation und Testung von Substanzen aus Rosaceae-Früchten. „Phytotherapeutika von standardisierter Qualität haben einen berechtigten Stellenwert in der Humantherapie.“
Fotos: Phil Samhaber, uni Wien
Jungforscherinnen
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Aus Wissenschaft und Forschung Orthopädie
Mathematik
Veterinärmedizin
Rechtzeitig zur Wintersaison: „faszinierende Aussichten“ nach Knochenbrüchen
Kombinatorik: Was ist effizientes Abzählen? Und wozu dient es in der Wissenschaft?
Pferdefohlen brauchen erwachsene Begleitesel
Die ter Hönig
Us c h i S o r z
Sonja Burger
Um sensiblen Pferdefohlen ein gedeihliches „Absetzen“ zu ermöglichen, sind ältere Tiere als Beistand von Vorteil
ferdefohlen sind sensibel. Eine steoporose und Knochenbrüche edes Kind kann zählen, aber was O sowie deren Folgen zählen im- J effizientes Abzählen in der Wissen- P abrupte Trennung von der Mutmer noch zu den Hauptgründen für schaft ist, ist nicht so leicht zu erklä- ter bekommt ihnen ganz und gar Pflegebedürftigkeit im Alter. Lange Frakturheilung und die damit verbundene Einschränkung der Mobilität kann schwerwiegende Folgekrankheiten auslösen. Nun fand eine österreichische Arbeitsgruppe unter der Leitung von Gerold Holzer, Uni-Klinik für Orthopädie am AKH Wien, Peter Peichl und Lukas Holzer, Evangelisches Krankenhaus Wien sowie Richard Maier, Thermenklinikum Baden, in einer international beachteten Studie heraus, dass die Verabreichung eines speziellen Osteoporose-Präparates auch die Heilungsdauer nach Knochenbrüchen erheblich verkürzt. Analysiert wurde eine Gruppe von 65 Frauen mit krankhafter Osteoporose, die Beckenbrüche erlitten hatten, aber keinen Fall für einen chirurgischen Eingriff darstellten. Fazit: Dank der täglichen Verabreichung eines speziellen Parathormon-Präparates verkürzte sich die Heilungsdauer auf sieben bis acht Wochen anstelle der üblichen 13 Wochen.
F o t o s : P e t r a Sp i o l a , C h r i s t i n e A u r i c h , G r a f L e h n d o r ff - i n s t i t u t
Peter Peichl, Orthopäde, Evangelisches Krankenhaus Wien
Nachgewiesen wurde der beschleunigte Heilerfolg mittels Computertomografie sowie persönlicher Angaben wie geringerer Schmerzen und rascherer Mobilität. „Wir setzen dieses spezielle Parathormon schon seit Jahren mit Erfolg ein, um Knochendichte und Knochenvolumen von Osteoporose-Patienten zu stimulieren. Dass es sich auch im Fall schmerzhafter Knochenbrüche bewährt, eröffnet uns neue Behandlungsperspektiven“, berichtet Peter Peichl. Dies bestätigt auch der bekannte Frakturforscher Thomas Einhorn: „Die Entdeckung eröffnet ,faszinierende Aussichten‘ für die Behandlung nach einem Bruch – auch für jüngere Menschen.“
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ren“, sagt Ilse Fischer von der Arbeitsgruppe Kombinatorik an der Fakultät für Mathematik der Uni Wien. Dabei begegnet man Abzählfragen im Leben öfter, als einem bewusst ist. „Wenn Sie am Wiener Stadtplan schauen, auf wie viele Arten Sie mit Öffis vom Wilhelminenberg zum Gartenbaukino kommen, lösen Sie ein Abzählproblem“, verdeutlicht Ilse Fischer. Vom Eins-zwei-drei-Abzählen ist die Forschungsarbeit der Spezialistin für Abzählkombinatorik allerdings weit entfernt. „In der Naturwissenschaft erhält man eine Aussage über Energiezustände oder Eigenschaften von Stoffen, wenn man verschiedenste Kombinationen abzählt“, erklärt sie, „etwa wie viele Anordnungsmöglichkeiten der einzelnen Moleküle es darin gibt“. Solche Berechnungen sind schon bei einer Materie mit wenigen Bestandteilen kompliziert. Nur selten gelingt eine Formel – und wenn, ist das aufgrund der hochkomplexen Zusammenhänge sehr aufwendig. Ilse Fischer widmet sich diesem Thema derzeit im Rahmen ihres START-Projekts „Kompakte Abzählformeln für verallgemeinerte Partitionen“. Dabei untersucht die 36-jährige Kärntnerin, die Mathematik als kreative Spielwiese und Kunstform sieht, sowohl die Kombinationsmöglichkeiten von Molekülen als auch von algebraischen Rhombenobjekten. „Manchmal ergeben sich verblüffende Übereinstimmungen von ganz unterschiedlichen Problemen. So bin ich etwa bei einer naturwissenschaftlichen und einer algebraischen Aufgabe zur selben Lösung gekommen.“ Ein weiteres Ziel von Fischers Arbeit ist es vorherzusagen, wann man eine Formel berechnen kann und wann nicht. „Das ist für Mathematiker immer noch schwierig. Ich möchte dazu beitragen, das Verständnis in dieser Hinsicht zu verbessern.“ Abzählkombinatorik ist nicht nur in der Algebra relevant, sondern auch eine bedeutende Anwendung in den Naturwissenschaften.
nicht. Dieses „Absetzen“ ist belastender, als bisher angenommen wurde: Am Graf-Lehndorff-Institut für Pferdewissenschaften erbrachte man dafür den wissenschaftlichen Nachweis und zeigte eine Alternative auf. „Es kann ruhig ein Esel sein. Hauptsache, das Tier ist ein bisschen älter und besitzt Lebenserfahrung.“ Christine Aurich
In der Pferdezucht findet das Absetzen früher als in freier Wildbahn statt. In der ersten Zeit sind die Fohlen extrem unruhig, rennen viel herum und verletzen sich dabei im schlimmsten Fall, wiehern häufiger und fressen weniger. Dieses traumatische Erlebnis auf hohem Stressniveau zieht langfristig oft psychische Verhaltensstörungen wie koppen, weben oder die Entwicklung zum „Kleber“ nach sich.
Wie hoch die Belastung beim Absetzen tatsächlich ist, konnten Forscher am Graf-Lehndorff-Institut nun in einer Studie empirisch belegen. „Der Stress, den Fohlen empfinden, ist deutlich größer als beim Anreiten und steht dem beim Transport um nichts nach“, gibt die Tierärztin Christine Aurich zu bedenken. Nicht nur das Verhalten, sondern auch die Konzentration von Stresshormonen im Speichel und die Herzschlagrate zogen die Experten für die Studie heran. Zwar war das Stress niveau gleich nach der Trennung bei allen Versuchstieren gleich hoch. Allerdings verkrafteten es diejenigen am besten, die von anderen Stuten vor und nach dem Absetzen begleitet wurden. „Direkte Verwandtschaft ist aber kein Kriterium“, so Tierärztin Aurich, „es kann auch ruhig ein Wallach, Pony oder Esel sein. Hauptsache, das Tier ist ein bisschen älter und besitzt Lebenserfahrung.“ Damit könne jeder Züchter mit wenig Aufwand den Fohlen und schließlich auch sich selbst einen großen Gefallen tun.
Das Absetzen von der Mutter kann für Fohlen negative Folgen nach sich ziehen
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Aus Wissenschaft und Forschung
Kriminalsoziologie
Forschung mit Schönheitsfehlern Sonja Burger
it der neuen Forschungsstelle M ALES (Austrian Center for Law Enforcement Studies) scheint es, als
ob der Mangel an Polizei- und Justizforschung in Österreich ausgeglichen werden soll. Dass sie nicht unbedingt mit Interdisziplinarität brilliert, ist nur einer der Kritikpunkte des Kriminalsoziologen Arno Pilgram. Er rät zu gezielten Kooperationen und interdisziplinärer Öffnung. „Dass ein Bedarf an Polizei- und Justizforschung besteht, kann ich bejahen“, sagt Arno Pilgram, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) Wien. Er hält jedoch den Anspruch, dass mit der neuen Forschungsstelle alle Defizite behoben wären, „für verwegen“. Angesiedelt an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Wien, versteht sich ALES als Schnittstelle zwischen Polizei, Justiz und Wissenschaft. Neben Forschung und Evaluierung sind Aus-
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und Weiterbildung vor allem für Angehörige von Polizei und Justiz sowie Veranstaltungen geplant. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter sind mehrheitlich Strafrechtsexperten, aber auch Kriminologen. Unter Interdisziplinarität versteht man dort die Kombination von Rechtsdogmatik, Kriminologie und Kriminalistik, angereichert um verschiedene Querschnittsmaterien. Für Pilgram ist dies weder innovativ noch interdisziplinär, sondern „alter Wein in neuen Schläuchen“. Besonders kritisiert er den Mangel an sozialwissenschaftlichen Ansätzen. Das könne seiner Meinung nach durch Kooperation und interdisziplinäre Öffnung ausgeglichen werden. Selbst wenn Auftragsforschung, wie dies bei ALES der Fall ist, direkt an einer Universität durchgeführt werde, sei allein deshalb die Gefahr der Gefälligkeit und Kritiklosigkeit für ihn nicht geringer als andernorts.
Soziologie
Laserlicht kühlt nanomechanische Objekte in den „Quantengrundzustand“
Die 4. Europäische Wertestudie wurde vorgestellt. Ist sie eine Studie ohne soziologischen Wert?
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Sonja Burger
orschern vom California Institute b die 4. Europäische Wertestudie F of Technology (Caltech) und vom O aussagekräftig ist und welchen Vienna Center for Quantum Science Nutzen man aus ihr ziehen kann, daand Technology (VCQ) an der Universität Wien ist es erstmals gelungen, ein winziges mechanisches Objekt mithilfe von Laserlicht in den kleinstmöglichen Energiezustand zu kühlen. „Wir haben es in einen Zustand versetzt, in dem es sich nach den Regeln der Quantenphysik verhält. Bisher ist das nur mit einzelnen Atomen oder Ionen gelungen“, sagt Oskar Painter, Professor für angewandte Physik am Caltech und Leiter des Projekts. Markus Aspelmeyer, Professor für Quantum Information on the Nanoscale an der Uni Wien, beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit diesem Kühlverfahren. Bereits 2006 hat es seine Gruppe an mikroskopischen Sprungbrettern gezeigt, die damals erreichten Temperaturen waren aber noch weit vom Quantenregime entfernt. Ein am Caltech entwickeltes Design von mechanischen Siliziumbrücken ermöglichte es den Wissenschaftern nun, diese Laserkühltechniken zu verwenden. Zwar ist das internationale Team nicht das erste, das nanomechanische Objekte in den Grundzustand gekühlt hat, diese Arbeit ist jedoch die erste, die dazu Laserlicht eingesetzt hat. „Die derzeitigen Entwicklungen auf dem Gebiet der Quantenphysik Elektromikroskopische Aufnahme der von den Forschern verwendeten mechanischen Brücke aus Silizium
mit massiven mechanischen Objekten sind atemberaubend“, so Aspelmeyer. „Und diese Kooperation von Uni Wien und Caltech generiert einen einzigartigen Mix an Know-how.“ Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Sie eröffnen neue Möglichkeiten für Anwendungen wie etwa im Bereich extrem empfindlicher Sensoren als auch für grundlegende Fragestellungen im Grenzbereich zwischen Quantenphänomenen und unserer Alltagswelt.
rüber scheiden sich die Geister. Der Stadtsoziologe Jens S. Dangschat ist ein überzeugter Kritiker. Er sorgte mit seinen Aussagen bei der Präsentation von „Zukunft.Werte.Europa. Die Europäische Wertestudie 1990– 2010: Österreich im Vergleich“ an der TU Wien für heftige Diskussionen. „Die Studie ist eigentlich rausgeschmissenes Geld“, bedauert der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie ÖGS das Ergebnis der Europäischen Wertestudie. Für die Publikation von Regina Polak, die den Wertewandel in Österreich im europäischen Vergleich zwischen 1990 und 2010 näher beleuchtet, verfasste er einen Beitrag über die Rolle von (Groß-)Städten in der Wertelandschaft. Dabei stieß er auf fundamentale Defizite, auf die er bei der Buchpräsentation im Oktober auch beherzt aufmerksam machte. Beispielsweise eigne sich die Studie nur sehr eingeschränkt für Aussagen über Wertvorstellungen auf Bundesland-, Stadt- oder Gemeindeebene. Denn die Stichprobe sei zwar groß, aber unterhalb der nationalstaatlichen Ebene nicht repräsentativ. Um eine Aussage über die Wertekonstellation innerhalb einer Gruppe treffen zu können, müsse gewährleistet sein, dass sie in der Stichprobe auch ausreichend vertreten ist. Seine kritische Haltung steht sinnbildlich für den Streit innerhalb der scientific community zwischen jenen, die europaweite Befragungen zu Wertvorstellungen für sinnvoll halten und denen, für die die empirische Werteforschung auf nationalstaatlicher Ebene und darunter gehaltvoller ist. Werte und Einstellungen wandeln sich im Laufe der Zeit und ihre Heterogenität nimmt zu. Gleichzeitig verlieren althergebrachte Indikatoren immer mehr an Aussagekraft. Dieses Dilemma war 1981, als holländische Forscher der European Value Systems Study Group die erste Europäische Wertestudie durchführten, noch kein Thema. Für Dangschat ist eine solche Studie in Zukunft nur dann ihr Geld wert, „wenn die Konzeption komplett überarbeitet wird“.
Foto: Univer sität Wien
Auflösung: „Fühlhebelpyrometer“ Die thermische Längenänderung eines mittels Messingträger auf Holzbrett montierten Kupferstabes wird über ein Hebelsystem auf einer Skala demonstriert.
Was zeigt dieses Bild?
Quantenphysik
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Physikgeschichte
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Aus Wissenschaft und Forschung Physik/Medizin
C-14-Verfahren gegen Übergewicht Uschi Sor z
Foto: Univer sität Wien
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us medizinischer Sicht ist ein besseres Verständnis des Fettstoffwechsels die Basis für die Vorbeugung und Behandlung von Übergewicht. Obwohl sich die Körperfettmasse aus der Bilanz von Aufnahme und Abbau ergibt, ist die Dynamik dieser Prozesse noch kaum bekannt. „Es war bisher nicht klar, wie lange menschliche Fettsäuren gespeichert werden, oder ob es hier mehrere Reservoirs mit unterschiedlich langer Speicherdauer gibt“, sagt Peter Steier vom Institut für Isotopenforschung der Fakultät für Physik an der Uni Wien. Im Rahmen einer Kooperation unter der Leitung des Karolinska-Universitätsspitals und des Karolinska-Instituts in Stockholm haben Wiener Physiker der Gruppe Isotopenforschung dazu beigetragen, die Wissenschaft auf diesem Gebiet einen entscheidenden Schritt voranzubringen. Als Spezialisten für C-14Messungen haben sie mithilfe dieses
Jakob Liebl (vorne) und Peter Steier (re. hinten) mit KollegInnen am VERA
Verfahrens menschliches Fettgewebe analysiert. Die neuen Erkenntnisse wurden kürzlich in Nature publiziert. „Wir haben festgestellt, dass Übergewicht sowohl durch eine erhöhte Fettaufnahme als auch eine längere Speicherdauer zustande kommt“, fasst Steier zusammen. Es zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen Normal- und Übergewichtigen: Letz-
tere speichern mehr Fett über längere Zeit. „Die Schlussfolgerung, dass man an beiden Punkten ansetzen kann, wird künftig bei Überlegungen zu Gegenmaßnahmen bedeutsam sein.“ Die Konzentration von Kohlenstoff-14 (C-14), einem radioaktiven Spurenisotop, das auch in der Natur vorkommt, gibt Aufschluss über das Alter von organischen Stoffen. Seit sich der C-14-Gehalt in der Atmosphäre aufgrund der oberirdischen Kernwaffentests Mitte des 20. Jahrhunderts verdoppelt hat und erst nach 1963 durch den weitgehenden Verzicht darauf wieder kontinuierlich gesunken ist, kann man jedem Jahr einen C-14-Wert zuordnen. „Wenn ich einen bestimmten Wert in einer Probe finde, weiß ich, aus welchem Jahr sie stammt“, sagt Steier. C-14 reichert sich in der Nahrungskette an und spiegelt sich daher auch im Fettgewebe wider. „An der Fakultät für Physik haben wir einen Beschleunigermassenspektrometer,
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CALL FOR PhD STUDENTS
mit dem wir den C-14-Gehalt im Triglycerid bestimmt können. Im Zuge seiner Dissertation hat Jakob Liebl die Messungen ausgeführt.“ Die Großforschungsanlage trägt den Namen Vienna Environmental Research Accelerator (VERA) und gilt international als Referenzinstrument. „Hier haben wir in den letzten 15 Jahren Pionierarbeit geleistet“, so Steier. „Daher können wir international eine Menge Erfahrung einbringen.“ Das Wiener Institut für Isotopenforschung wird weiterhin mit den schwedischen Kollegen zusammenarbeiten – auch auf anderen medizinischen Gebieten: „Wir erwarten, noch mehr interessante Ergebnisse zu finden“, ist Steier optimistisch. Die Initialzündung zu dieser erfolgreichen Forschungskooperation mit den Schweden hatte vor Jahren Walter Kutschera, mittlerweile emeritierter Professor und Initiator von VERA, gegeben.
CAMPUS VISIT DAY
N ov e m b e r 2 6 , 2011
The Graduate School at IST Austria invites applicants from all countries to its PhD program. IST Austria is a new institution located on the outskirts of Vienna dedicated to cutting-edge basic research in the natural sciences and related disciplines. The language at the Institute and the Graduate School is English. The PhD program combines advanced coursework and research, with a focus on Biology, Computer Science, Neuroscience, and interdisciplinary areas. IST Austria offers internationally competitive PhD salaries supporting 4-5 years of study. Applicants must hold either a BS or MS degree or equivalent. The Institute offers PhD students positions with the following faculty: Nick Barton Evolutionary and Mathematical Biology Jonathan P. Bollback Evolutionary Biology Sylvia Cremer Evolutionary and Behavioral Biology Caroline Uhler Statistics Tobias Bollenbach Biophysics and Systems Biology Caˇlin C. Guet Systems and Synthetic Biology Carl-Philipp Heisenberg Cell and Developmental Biology Harald Janovjak Molecular and Cellular Biophysics Daria Siekhaus Cell and Developmental Biology Michael Sixt Cell Biology and Immunology
Jozsef Csicsvari Systems Neuroscience Peter Jonas Neuroscience Gašper Tkacˇik Theoretical Biophysics and Neuroscience Krishnendu Chatterjee Game Theory and Software Systems Theory Herbert Edelsbrunner Algorithms, Geometry, and Topology Thomas A. Henzinger Software Systems Theory Vladimir Kolmogorov Computer Vision and Graph Algorithms Christoph Lampert Computer Vision and Machine Learning Krzysztof Pietrzak Cryptography Chris Wojtan Computer Graphics
Additional faculty members will be announced on the IST website www.ist.ac.at.
For further information and access to the online application please consult www.ist.ac.at/gradschool. For inquiries, please contact gradschool@ist.ac.at. For students wishing to enter the program in the fall of 2012, the deadline for applications is January 15, 2012. IST Austria values diversity and is committed to equality. Female students are encouraged to apply.
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21.11.2011 15:58:39 Uhr
Titel 8
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Wie steht es mit der Arbeit?
Der Countdown zum Thema Carolin Gier mindl
4 284 600
Menschen in Österreich sind erwerbstätig. 2, 3 Millionen Männer und 1, 9 Millionen Frauen gehen einer bezahlten Arbeit nach.
2 400 000
Krankenstandstage in Österreich hatten laut jüngster Erhebung seelische Beschwerden als Ursache. Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit.
500 000
Frauen und Mädchen werden laut Vereinten Nationen in Europa jährlich zur Prostitution gezwungen. 75 Prozent der Wiener Prostituierten sind laut Schätzungen Zwangsarbeiterinnen.
235 006
Menschen in Österreich waren im Oktober ohne Job. Vorarlberg ist derzeit das einzige Bundesland mit rück-
läufiger Arbeitslosigkeit.
89 61
Prozent aller Positionen in den Führungsetagen der Top 50 börsen notierten Unternehmen in Europa werden von Männern besetzt.
Prozent aller Studierenden in Österreich sind laut Sozialerhebung während des Semesters erwerbstätig. StudentInnen in Linz haben mit einer Quote von 66 Prozent die höchste Erwerbsbeteiligung.
59,1
Jahre alt sind Männer derzeit bei Eintritt in die Pension, Frauen gehen statistisch gesehen mit 57,1 Jahren. Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter in EU-Ländern beträgt 63,6 Jahre.
48 44, 4 40
Prozent der Jugendlichen in Spanien sind arbeitslos. In Griechenland sind 43, 5 Prozent Jugendliche ohne Job, in der Slowakei 31, 6 Prozent. Prozent aller erwerbstätigen Frauen in Österreich sind teilzeitbeschäftigt.
Menschen hierzulande werden laut Experten an ihrem Arbeitsplatz gemobbt. In 90 Prozent der Fälle sind Vorgesetzte involviert.
150 000
Euro Taschengeld im Monat erhalten Asylwerber neben der Grundversorgung. Sie haben de facto keinen freien Zugang zum Arbeitsmarkt. Die Bearbeitung ihrer Anträge dauert zwischen ein und sieben Jahren.
91 900
40
Prozent aller Arbeitnehmer halten laut jüngster Online-Umfrage ein gutes Betriebsklima für das Wichtigste im Job. Dahinter folgen Sinnhaftigkeit der Arbeit und Höhe des Gehalts.
70 000
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Yuan (128 Euro) beträgt der monatliche Mindestarbeitslohn in Schanghai, in manchen Regionen Chinas ist er 720 Yuan( 82 Euro) hoch. Die wöchentliche Höchstarbeitszeit ist mit 60 Stunden geregelt. Menschenrechtsorganisationen beklagen regelmäßig Gesetzeswidrigkeiten.
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Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren müssen laut Unicef arbeiten, als Soldaten, Prostituierte, in Minen und Steinbrüchen, oft zehn Stunden am Tag.
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Menschen sind dauerhaft erwerbsunfähig.
Menschen in Österreich sind Leiharbeiter. Neben schlechter Entlohnung sind sie im Ranking – noch vor Bau- und Forstarbeitern – am Arbeitsplatz gesundheitlich am meisten gefährdet.
ist das Jahr der freiwilligen Tätigkeit. 14, 7 Millionen Stunden wöchentlich arbeiten Freiwillige in Österreichs Vereinen und Organisationen. Das ist ein Volumen von rund 425 000 Vollzeiterwerbstätigen.
Minuten, gut zwei Stunden, bringen Österreichs Frauen im Vergleich zu Männern täglich länger mit unbezahlter Arbeit in Haushalt und Familie zu. Männer haben jedes Jahr viereinhalb Wochen mehr Freizeit als Frauen. Prozent der Hausarbeiten – Wäschewaschen, Bügeln und Putzen – werden in Österreich von Frauen erledigt.
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Prozent geschlechtsspezifischer Verdienstunterschied in Österreich: Eine Frau muss umgerechnet bis Ende März des darauffolgenden Jahres arbeiten, um den Jahreslohn des männlichen Kollegen zu erwirtschaften. Prozent der Hochschulabsolventen arbeiten fünf Jahre nach Studien abschluss in befristeten Arbeitsverhältnissen. 11 Prozent gehen einer Beschäftigung nach, die keinen Bezug zu ihrem Studium hat. Prozent der Jugendlichen in Österreich haben keine Arbeit. Österreich ist das EU-Land mit den wenigsten jungen Arbeitslosen. Im Durchschnitt sind es 21, 4 Prozent.
Prozent aller Eltern, die eine berufliche Auszeit nehmen und ihr Kleinkind betreuen, sind männlich. Vorarlberg ist mit zwei Prozent Vätern in Karenz Schlusslicht in Österreich. Milliarden Euro entgehen dem Staat jährlich durch Schwarzarbeit. Über 100 000 Menschen hierzulande „pfuschen“. Europaweit nimmt Schwarzarbeit zu.
Prozent Arbeitslosenquote: Damit belegt Österreich Platz 1 in der EU und gilt als Vorzeigeland. Die europäische Quote liegt im Schnitt bei 9,7 Prozent.
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WIE STEHT ES MIT DER ARBEIT?
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Kurt Freimüller, Sattler
„Arbeit bedeutet für mich die tägliche Auseinandersetzung mit Mensch, Tier und Material. Es macht mir Freude, Nützliches, Schönes und Beständiges aus natürlichen Rohstoffen herzustellen und so auch eine Lebesweise zu definieren. Von der eigenen Hände Arbeit leben zu könnnen – dadurch entsteht für mich ein Gefühl der Zufriedenheit und Freiheit.“ www.sattlerei-freimüller.at FOTO: ARNOLD PÖSCHL
Zu den Fotos Arnold Pöschl fotografierte für diese Ausgabe von Falter HEUREKA Menschen, die noch mit ihren Händen arbeiten. Für ihn selbst ist die Leidenschaft für einen Beruf entscheidend. Eigentlich ein Luxus. Wir haben zu entscheiden, was wir machen wollen. Das ist mit etwas Mut ganz einfach. Arbeit ist für ihn identitätsstiftend und ein Ausdruck der Persönlichkeit eines Menschen. Arnold Pöschl arbeitet als Porträtfotograf hauptsächlich in Wien und Klagenfurt. Er liebt, was er macht. www.arnoldpoeschl.com www.hafen11.at
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Wie steht es mit der Arbeit?
Fehlt Arbeit oder mangelt es an Könnern? Verhindern Rassismus oder doch der ,Intelligenzismus‘ eine gerechte Verteilung der Arbeit? gunnar heinsohn
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ie jedes Vermögen hat auch der Arbeiter eine Besitzseite und eine Eigentumsseite. Da die se in seiner Freiheit besteht, kann man sie nicht für Verpfändung, Verkauf oder Voll streckung aktivieren. Dafür erlaubt sie die Vermietung der Besitzseite aus Hand und Hirn und damit ohne Zins und Sicherheiten das Erlangen von Geld. Das allerdings muss – mit Risiko des Pfandverlustes – ein Unter nehmer leihen. Deshalb sucht er Leute, die seine Schulden durch Ausdenken und Um setzen von Neuerungen bedienbar halten. Infrage kommen dafür nur Arbeiter, die sich ebenfalls stetig modernisieren. Wie ein Fabrikant Heiterkeit hervorrie fe, wenn er Staatsbeamte für die Umrüs tung seines Betriebs anforderte, so müssen auch Arbeiter erstaunen, die von der Obrig keit die Umrüstung ihres Kopfes erwarten. In Deutschland oder Österreich aber sind 20 bis 30 Prozent des Nachwuchses gar nicht fähig, sich auf Stand zu bringen. Wie eine Firma nur durch Übertreffen der Konkurrenz Verkäufe für die Schulden tilgung sichern kann, so lässt sich auch Er werbslosigkeit nur begrenzen, wenn jeder sich eigenverantwortlich modernisiert. Deshalb will man die fehlende Ausbil dungsreife eines Viertels der Jugend pä
„Afrikanern versperrt man die Türen zu unseren Arbeitsmärkten, obwohl sie von nur 20 Prozent der europäischen Bevölkerung 1900 auf 300 Prozent bis 2050 zulegen und unseren Geburtenausfall spielend ausgleichen könnten“ Gunnar Heinsohn
dagogisch überwinden. Aber können Be amte Kindern allgemein Lern- und Leis tungskompetenz vermitteln? Niemand hat länger optimale Bildungsmilieus genossen als Amerikas Weiße. Dennoch kann man sie in Mathematik nicht auf das Niveau von Ostasiaten bringen, die bei Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe besonders rar sind. Dabei müssen sie in einer fremden Sprache und einem neuen Alphabet den Kampf aufneh men. Dennoch bauen sie in Mathematik (SAT) zwischen 2000 und 2010 ihren Vor sprung gegenüber Weißen von 31 auf 55 Punkte aus. Die Verdreifachung der US-Er ziehungsausgaben seit 1970 hilft vor allem ihnen und belegt einmal mehr, dass Förde rung den Gescheiten am meisten bringt. Hingegen erreichen siebzehnjährige Hispanics und Afro-Americans – 50 Pro zent der Neugeborenen 2011 – auch wei terhin nur das Schulniveau dreizehnjähri ger Weißer (National Assessment of Educa tional Progress). Sie stehen aber vor mehr Konkurrenz als 1970, weil 50 Millionen Südkoreaner und 1,34 Milliarden Chine sen neu in die Eigentumsökonomie eintre ten und aus dem Stand vom Acker- in den Computerbau wechseln können. Weil Intelligenz keinen Grenznutzen hat, gibt es auch für Musterschüler niemals
Entspannung. Noch die Gruppe aus 99,75 bis 100 Prozent zeigt mehr Spitzenleistun gen als die Konkurrenz von 99,00 bis 99,25 Prozent (Psychological Science, 2008). Man kann mit Hypermilliarden das Niveau einer Million Kindern durchaus ein paar Punkte angeben, ohne von ihnen auch nur ein einziges Patent zu bekommen, wäh rend ein Einziger ohne Förderung gleich zwanzig vorlegt. Weil Pädagogik kaum etwas ausrichtet, kannibalisieren sich die 60 Nationen mit weniger als 1,8 Kindern pro Frau gegensei tig. So verlangsamen Singapur oder Kanada durch Talente aus China ihre Vergreisung und werden auch noch gescheiter. In die Schweiz flüchten sich deutsche Fachleute. Afrikanern aber versperrt man die Türen, obwohl sie von nur 20 Prozent der europä ischen Bevölkerung 1900 auf 300 Prozent bis 2050 zulegen und unseren Geburten ausfall spielend ausgleichen könnten. Selbst Deutschland, dessen Wunder krippe schon die Kleinsten in Matheasse verwandeln werde, reißt seine Tore nicht auf. Ist das Rassismus oder nur der ewige ,Intelligenzismus‘, der ungeachtet aller Verschleierungsmanöver auch innerhalb der Ethnien und selbst unter Multikultis ei sern zum Zuge kommt?
Erste wissenschaftliche Un-Konferenz in Wien Ende Oktober fand in Wien zum ersten Mal ein SciBarCamp statt. Wir sprachen mit der Co-Organisatorin Brigitta Dampier Intervie w: Sabine Edith Br aun
bei der das Programm durch die Teilneh mer gestaltet wird. Die Un-Konferenz bie tet Freiräume, wo sich die Teilnehmer ent falten können. Spontaneität und Kreativi tät sind erlaubt. Es gibt kein vorgegebenes Programm, keine Hierarchien. Jeder kann kommen und sprechen. Es gibt keinen Se lektionsprozess im Vorfeld. Auf gewöhnli chen Konferenzen trifft sich stets dieselbe Community. Das verengt den Blickwinkel. Wir haben Leute aus den verschiedensten Ecken zusammengebracht. Wie kam es nach Wien? Dampier: Das BarCamp kommt aus der IT-
Branche und wurde dann von der Social Media-Branche aufgegriffen. Mein Kolle ge, der Biomediziner Michael Horak, und ich wollten es auf die Wissenschaft übertra gen. Wissenschaftliche BarCamps gab es in Cambridge, Palo Alto und Toronto. Wir ha ben uns das SciBarCamp in Cambridge an geschaut und es hat uns gefallen. Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?
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wir ausgebucht! Obwohl es nicht so leicht war, die Leute dazu zu bringen, wo zu re den, wo sie nicht genau wissen, was sie er wartet! Aber das Feedback war sehr gut.
„Wir haben uns das SciBarCamp in Cambridge angeschaut und es hat uns gefallen.“ Brigitta Dampier, Biochemikerin
Das SciBarCamp – eine Art Jobbörse für Jungwissenschafter? Dampier: Es ist ein Begegnungsort, wo Fir
men auf Absolventen treffen und Start-ups zeigen können, wie es gehen kann. Die Vernetzung klappt, weil der Rahmen klein ist. Das war einer der Schwerpunkte: Raum für informellen Austausch schaffen. Klassi sche Jobbörse sind wir keine!
Das Logo tendiert in Richtung Naturwissenschaft … Dampier: Michael Horak und ich sind Na
turwissenschafter. Und obwohl wir selbst das BarCamp in diesem Fokus sahen, ha ben wir es bewusst allgemein Science ge nannt. Es wäre spannend zu fragen: Was ist eigentlich Wissenschaft, und warum ist der Begriff so auf die Naturwissenschaft fixiert?
Wie prekär sind die Naturwissenschaften?
Dampier: Vom Standpunkt der Biochemike
rin gesprochen, gibt es zwei Möglichkei ten: Erstens die akademische Laufbahn. Doch die Forschungsförderung ist nicht sehr gut. Viele hanteln sich von Projekt zu Projekt. Von den Unis kommt wenig Unter stützung. Auch Dissertationen dauern zu lange – verglichen mit zum Beispiel Groß britannien. Die zweite Möglichkeit ist die industrielle Forschung. Doch die meisten großen Firmen – Boehringer Ingelheim und Baxter sind Ausnahmen – haben die Forschung aus Österreich abgezogen. Die findet in Großbritannien oder den USA statt. Als Naturwissenschafterin landet man dann eher im Marketingbereich. Bei technischen Studien schaut es besser aus.
Was machen Sie selbst? Dampier: Derzeit bin ich selbstständig tätig
als Consultant und Trainer für die Pharma industrie. Mein Spezialgebiet sind klini sche Studien.
Wird es 2012 wieder ein SciBarCamp geben? Dampier: Der Erfolg hat gezeigt, dass der
Bedarf da ist!
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Dampier: Sehr! Mit 50 Teilnehmern waren
Heureka: SciBarCamp – was ist denn das? Brigitta Dampier: Eine „Un-Konferenz“,
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heureka
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Wie steht es mit der Arbeit?
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Kommentar Grundeinkommen
Grafikkabinett Püribauers Tierversuche
Ist es möglich? W erner S t u rmberger
„Mit bedingungslosem Grundeinkommen wird das Leben sowieso viel schwieriger.“ Daniel Häni, Vorkämpfer für ein Grundeinkommen
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Freihandbibliothek Buchtipps von Emily Walton Die Arbeit im Wandel
Schneller, besser und globaler: Die Arbeitswelt verlangt von jenen, die im System „mitspielen“, immer mehr und mehr: permanente Erreichbarkeit, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, die Fähigkeit, rund um die Uhr aufmerksam zu sein. Lynda Gratton, Professorin an der London Business School, zeigt, wie sich die Arbeitswelt der Zukunft immer noch schneller drehen wird – und gibt Lösungen vor, wie der moderne Arbeitnehmer diese Herausforderungen bewältigen kann. The Shift: How the Future of Work is Already Here. Lynda Gratton. HarperCollins. 374 Seiten.
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Praktische Praktikanten
Die Jungen – und auch immer mehr Ältere – arbeiten nicht für Geld, sondern zunächst einmal in erster Linie für ihren Lebenslauf: In ihren eigenen Augen wird nur jenen Jobsuchenden Erfolg zugetraut, die beim Vorstellungsgespräch gleich eine ganze Handvoll an Praktika vorweisen können. Autor Ross Perlin zeigt in seinem Werk, wie Arbeitgeber den talentierten, unverbrauchten Nachwuchs einsetzen (und missbrauchen), um Kosten zu sparen. Um das berühmte „Kaffeekochen“ geht es längst nicht mehr. Intern Nation: How to Earn Nothing and Learn Little in the Brave New Economy. Ross Perlin. Verso Verlag. 258 Seiten.
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Der Traum von Vollbeschäftigung
„The Scheme“ ist ein fiktives Projekt, das zusätzliche Arbeitsplätze schaffen soll. Menschen fahren in Kleinbussen herum, um Ersatzteile für eben jene Kleinbusse abzuholen. Das klingt in Ihren Ohren absurd? Nun, das soll es auch, denn immerhin ist Magnus Mills‘ Buch eine Satire auf die Bürokratie und die Selbstausbeutung im Arbeitsleben. Im Zentrum steht mitunter die Frage: Was zählt mehr im Job? Leistung oder abgesessene Zeit am Arbeitsplatz? Leider hat dieses satirisch gemeinte Buch mehr mit der Realität gemein, als einem lieb ist. The Scheme for Full Employment. Magnus Mills. Bloomsbury Publishing. 256 Seiten. Der Mist der Gesellschaft
Florence Aubenas könnte man mit dem bekannten deutschen Aufdecker Günter Wallraff vergleichen. Denn die französische Journalistin schleuste sich bei einer Jobvermittlungsagentur ein und gab sich dabei als unqualifizierte Frau aus – ausgerechnet mitten in der Finanzkrise. Als Putzfrau kam sie auf einer Fähre zwischen England und Frankreich unter. In ihrem Buch schildert sie, wie sie unter horrenden Arbeitsbedingungen den Mist der Gesellschaft zu beseitigen hat. Putze. Mein Leben im Dreck. Florence Aubenas. Pendo Verlag. 256 Seiten.
as würden wir mit unserem Leben W machen wollen, wenn für unsere grundlegenden Bedürfnisse gesorgt wäre?
Wenn wir nicht mehr vorrangig für die Reproduktion unserer Arbeitskraft arbeiten würden? Die Antwort ist nur scheinbar einfach – wir hätten andere Sorgen und die wären dann wirklich herausfordernd. Wir müssten darüber nachdenken, was wir aus unserem Leben machen wollen. Das Grundeinkommen könnte diese Situation schaffen. Gemeint ist damit ein rechtlich verbrieftes, bedingungsloses Einkommen, das jeder und jedem eine volle soziale Teilhabe ermöglicht. In welcher Höhe oder in welcher Form es ausbezahlt werden könnte, hängt dabei von vielen Faktoren ab, etwa von inkludierten Sozialleistungen (Krankenversicherung, Bildung) und vor allem vom Willen, uns gegenseitig so viel Freiheit zuzumuten. Die im Jahr 2010 eingeführte bedarfsorientierte Mindestsicherung hat damit also rein gar nichts zu tun. Die Konsequenzen, die sich aus der Einführung des Grundeinkommens ergeben, sind dabei nicht im Detail vorhersehbar. Reproduktionsarbeit wäre aber plötzlich auch bezahlte Arbeit. Erwerbsarbeit würde ihre Funktion als Schibboleth der sozialen Teilhabe verlieren und somit auch als Werkzeug der Disziplinierung unnütz werden. Für jene 220.000 Menschen in Österreich, die im Moment von ihr ausgeschlossen sind, würde sie ihren Stachel verlieren. Armut wäre schlagartig ein historisches Phänomen: rund eine Million Menschen sind armutsgefährdet, knapp die Hälfte davon manifest arm. Bereits jetzt stammen mehr als ein Drittel des Einkommens der privaten Haushalte aus der öffentlichen Hand; die Finanzierung eines Grundeinkommens ist daher kein Ding der Unmöglichkeit, sondern eine Frage des Willens. Aber gerade der hat unter der neoliberalen Propaganda massiv gelitten – auf der kulturellen Ebene hat man uns erklärt, dass wir uns nur auf uns selbst verlassen können, auf der politischen gleich den Beweis dazu geliefert. Der Preis dieser Entsolidarisierung ist nicht absehbar, die Folgen aber spürbar. Daniel Häni, Schweizer Vorkämpfer für das Grundeinkommen, hat gefragt, ob Menschen nach dessen Einführung weiterarbeiten würden, was neun von zehn Befragten bejahten. Acht von zehn Befragten derselben Gruppe glauben aber auch, dass die anderen Menschen dann aufhören würden zu arbeiten. Vielleicht ist das auch gut so, denn, wie Daniel Häni augenzwinkernd meint: „Mit bedingungslosem Grundeinkommen wird das Leben sowieso viel schwieriger.“
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WIE STEHT ES MIT DER ARBEIT?
WERNER STUR MBERGER
Wie steht es mit d
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it 65 wieder arbeiten und das bei McDonald’s? Aber es macht mir so viel Spaß!” Die derzeitige McDonald’s-Werbung verspricht Karriere-, Ausbildungs- und Weiterbildungschancen für alle, egal ob Lehrling, Studentin oder Pensionistin. Arbeit soll Spaß machen, Frau und Mann sollen sich mit ihr identifi zieren. Anders als bei den Fließbandarbeiterinnen der Sechzigerjahre wird Arbeit heute immer mehr mit Selbstverwirklichung gleichgesetzt.
Arbeit aus gesellschaftlicher und persönlicher Perspektive Arbeit ist ein ambivalenter Begriff. Als solcher deckt er viele Bereiche ab, reicht von Erwerbs- bis hin zu Beziehungs-, Bildungsoder Trauerarbeit, hat ethische, philosophische, wirtschaftliche und soziologische Dimensionen und ist gespalten zwischen körperlichem Überleben und Sinnstiftung. Generell bezeichnet Arbeit eine körperliche, geistige und nicht zuletzt soziale Tätigkeit. Der Arbeitspsychologe Theo Wehner von der ETH Zürich sagt: „Das Tätigsein, das Tun ist das Entscheidende in der Arbeit, und das verlieren so viele, da sie immer mehr zum Interaktionspartner zwischen Mensch und Computer werden und immer reduzierter in der Aktion zwischen Menschen.“ Arbeit bildet das funktionale Gerüst der Gesellschaft und zunehmend auch die alleinige Grundlage des Selbstwertgefühls. Sie bedeutet in einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive nichts anderes als die Reproduktion von Gesellschaft. Aus individueller Sicht betrachtet, ist sie die Veränderung von Lebenschancen durch deren beständige Realisierung.
Erwerbsarbeit und Reproduktionsarbeit Erwerbsarbeit und Reproduktionsarbeit sind dabei die beiden zentralen Instanzen, die das gesellschaftliche Überleben sichern. Während letztgenannte Variante noch immer vor allem von Frauen und weitgehend unbezahlt geleistet wird, ist Erwerbsarbeit jene Form, die unseren Alltag strukturiert. Sie tut dies unabhängig davon, ob wir selbst Erwerbsarbeit verrichten oder nicht: Denn sie defi niert Arbeitsund Erholungsphasen, nach denen es alle anderen Lebensbereiche auszurichten gilt. Nicht bloß Tagesabläufe, auch die einzelnen Lebensabschnitte sind an ihr orientiert – beginnend mit der schulischen Primärbildung bis zum Ausscheiden aus der Erwerbsarbeit mit der Pensionierung. „Sie ist die erste Grundbedingung alles menschlichen Lebens, und zwar in einem solchen Grade, daß wir in gewissem Sinn sagen müssen: Sie hat den Menschen selbst geschaffen“, schrieb Friedrich Engels. Mit der bürgerlichen Gesellschaft wurde
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die individuelle Leistung immer mehr zur tragenden Säule des Sozialstatus und minderte die Bedeutung von Familie und Herkunft. Auch auf persönlicher Ebene entscheidet Erwerbsarbeit über Chancen der sozialen Teilhabe und Selbstwertgefühl. Dies umso umfassender, je mehr vor allem Erwerbsarbeit mit Selbstverwirklichung in Verbindung gebracht und damit positiv bewertet wird. Dies war sie jedoch lange Zeit nicht, sondern das, was den Menschen nach der Vertreibung aus dem Paradies erwartete: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“ (Moses, 3.19) – Arbeit als ein beständiger Kampf ums Überleben, als Mühsal und Qual. Diese Bedeutung haftete ihr über die Antike bis hin zum Mittelalter an. Im Zeitalter der Reformation erfuhr sie in der protestantischen Ethik eine positive Umdeutung als allgemein verbindliches Arbeitsethos. Dies ging so weit, dass Hegel und Marx zur Zeit der aufkeimenden Industrialisierung in diesem bereits die Bestimmung des Menschen zu erkennen meinten. Während Arbeit für Hegel der Weg zur Freiheit des Menschen war, schrieb Marx, dass die Arbeit immer gesellschaftlichen Zwängen unterworfen bleibt. Sie führe eben nicht notwendigerweise zu Freiheit, sondern zur Entfremdung des Menschen von seiner Arbeit. Das Produkt der Arbeit gehöre nicht den Arbeitenden und die Beziehungen der Menschen würden kommerzialisiert. Die Arbeitsteilung würde die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Arbeit verdecken und führe vor allem in der Hochphase der Industrialisierung zu einer enormen Effi zienzsteigerung, aber eben auch zu atomisierten Einzeltätigkeiten, die eine ganzheitliche Sinnerfahrung völlig konterkarieren. Gerade dieser Aspekt der Entfremdung wurde im Fordismus stark kritisiert.
Der Weg durch die Arbeit zum modernen Wohlfahrtsstaat „Postfordimus“, „new economy“, „wissensbasierte Gesellschaft“ – alles Begriffe, die die Veränderungen des Wirtschaftssystems seit den Siebzigerjahren im Westen zu erfassen versuchen. Die Referenz dazu stellt das fordistische System dar, welches sich mit den USA als Ausgangsort seit den Zwanzigerjahren und insbesondere nach dem New Deal herausbildete. Alain Liepitz, französischer Ökonom, führt drei zentrale Merkmale des fordistischen Systems an: Tayloristische Arbeitsorganisation – auf der Basis wissenschaftlicher Studien sollten Arbeitsprozesse durch klare Arbeitsteilung und strikte Organisierung optimiert werden; institutionelle Kompromisse zur Aufteilung von Produktivitätszuwächsen zwischen Arbeit und
Die Arbeit hat sich verändert, verschwunden ist sie auf keinen Fall. Trotz verstärkten technologischen Fortschritts arbeiten wir mehr denn je
Kapital – in Österreich als Sozialpartnerschaft bekannt –, und wohlfahrtsstaatliche Absicherung, die die Teilnahme aller am Markt ermöglicht. „Gute Arbeit, soziale Absicherung und Teilhabe an der Konsumgesellschaft – für die meisten Menschen in Westeuropa war dies die Errungenschaft der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts”, beschreibt Andreas Novy, Wirtschafts- und Sozialwissenschafter an der WU Wien, diese wirtschaftliche und politische Epoche. Massenkonsum und Massenproduktion wurden aneinander gekoppelt, das wirtschaftliche Wohl einer Gesellschaft war vom produktiven Wachstum und der Beschäftigung abhängig. So entstand der keynesianische, westlich geprägte Wohlfahrtsstaat.
Von der Krise zur Hoffnung auf Selbstverwirklichung und ins Casino
„Laßt uns faul in allen Sachen, Nur nicht faul zu Lieb‘ und Wein, Nur nicht faul zur Faulheit sein.“ G. E. Lessing
Doch in den Siebzigerjahren geriet das fordistische System in eine Krise. Ein Grund dafür war die verschärfte Konkurrenz der USA mit Westeuropa, das in den Sechzigerjahren die fordistische Umstrukturierung des Arbeitsprozesses und der Konsumformen inkorporierte. Dies veranlasste die USA zu einer erneuten Umstrukturierung ihrer Industrie, die Bob Jessop, britischer Ökonom, Soziologe und Politologe als „wissenbasierte Ökonomie“ beschreibt. Informationstechnologien wurden zum zentralen wirtschaftlichen Motor, Wissen zum primären Produktionsfaktor. Manuel Castells, spanischer Soziologie, hält für diesen Prozess Folgendes fest: „In einem circulus virtuosus interagieren die Wissensgrundlagen der Technologie und die Anwendung der Technologie miteinander zur Verbesserung der Wissensproduktion und Informationsverarbeitung.“ Diese ist auch als Reaktion auf fehlende technische Abstimmung der Produktionsprozesse, die zu sinkenden Produktivitätsgewinnen und starker Verschuldung der Unternehmen führte, zu betrachten. Das Schichtarbeitsmodell war an seine Grenzen gestoßen, und tayloristische Prinzipien wie die Fließbandarbeit führten zu Widerständen innerhalb der Belegschaften. Arbeit sollte mehr mit Selbstverwirklichung verbunden werden, war eine wichtige Forderung der 68er-Bewegung, welche im postfordistischen System jedoch zugunsten des Kapitals aufgenommen wurde. Elektronisierung und Automatisierung industrieller Produktionsprozesse schufen die Möglichkeit einer flexibilisierten Produktion, die eine Entkoppelung der Produktion vom Massenkonsum mit sich brachte. Dies führte zu gewaltigen ökonomischen Umwälzungen. Vor allem die USA verzeichneten eine Phase starker Überak-
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K ATHARINA FRITSCH,
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Wie steht es mit der Arbeit?
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t der Arbeit? kumulation, die Kapazitäten der Produktion überstiegen jene der Nachfrage. Dies resultierte in den USA und in Großbritannien in einer deutlichen De-Industrialisierung und einer Stärkung der Finanzmärkte. Überschüssiges Kapital wurde auf die Weltfinanzmärkte verlagert, das Weltwährungssystem liberalisiert. Der „Casino-Ka- „Gute Arbeit, soziale Absicherung und pitalismus” war geboren.
F o t o s : p r i v a t , M a r k u s P r a n t l / IV , J u l i a S v o b o d a , u n i w i e n
De-Industialisierung? Nicht in Deutschland und Österreich Die De-Industrialisierung nahm in Japan, Deutschland und Österreich dagegen den Charakter einer Umstrukturierung an. Alle drei Länder verfügen nach wie vor über starke exportorientierte Industrien. Ein Viertel der österreichischen Erwerbstätigen arbeitet weiterhin in diesem Sektor. Seit dem EU-Beitritt ist lediglich der Anteil der Erwerbstätigen im primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft, Bergbau) zugunsten von Industrie und Dienstleistungen leicht gesunken. Die Anteile der drei Sektoren am BIP sind dagegen weitgehend stabil geblieben. Was sich jedoch verändert hat, ist die Anzahl der Erwerbstätigen: Waren 1985 in Österreich knapp 3,2 Millionen Menschen erwerbstätig, sind dies nunmehr etwa mehr als 4,1 Millionen. Industrielle Arbeit sei nicht einfach verschwunden, sondern verlagert worden, erklärt Karin Steiner, Geschäftsführerin des Vereins abif (analyse beratung und interdisziplinäre forschung). Irgendwo müsste ja unsere Zahnbürste produziert werden. Laut Goldman Sachs tragen die BRICSLänder, Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, mit steigender Tendenz mittlerweile zu einem Viertel des weltweiten BIP bei. Die Auslagerung bringe eine Veränderung des klassischen ZentrumPeripherie-Modells mit sich, meint Novy. Vormals charakteristische Merkmale der Peripherie wie flexibilisierte, informalisierte Arbeit hätten Einzug in die Metropolen gehalten.
Arbeit heute: zwischen Burn-Out und Bore-Out Durch den Einsatz von Technologie bei der Gewinnung von Rohstoffen und in der Verarbeitung konnte eine deutliche Effizienzsteigerung erzielt werden. Dadurch ist der menschliche Arbeitsaufwand, der notwendig ist, um unser materielles Überleben zu sichern, deutlich gesunken. Doch entgegen diesen Tendenzen ist unsere Arbeitsbelastung gestiegen. „Es gab kein Jahrzehnt, das so viel Stress am Arbeitsplatz kennt wie das letzte Jahrzehnt. Wir haben viel Technologie in der Arbeitswelt integriert, aber es ist nicht belastungsärmer geworden“, erklärt Arbeitspsychologe Theo Wehner dazu. Er meint,
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Teilhabe an der Konsumgesellschaft – für die meisten Menschen in Westeuropa waren dies die Errungenschaften der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts “ Andreas Novy, WU Wien
„Erwerbskarrieren werden so sein, dass man immer wieder Phasen der Arbeitslosigkeit hat, die man mit Weiterbildung füllt.“ Karin Steiner, abif Wien
unsere Arbeitsverhältnisse würden sich vermehrt zwischen den beiden Polen BurnOut und Bore-Out aufgrund stupider Tätigkeiten bewegen. Jede zehnte Krankschreibung am Arbeitsplatz weise das Merkmal der Depression auf. Dies stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. „Die Bereitschaft zur Flexibilität und das Gespür für zukünftige Veränderungen müssen sich zwangsläufig auch in den Arbeitsbedingungen widerspiegeln“, erklärt Helwig Aubauer, Leiter der Abteilung Arbeit und Soziales der Industriellenvereinigung. Entwicklungen wie Corporate Social Responsability (CSR) stellen einen Ausdruck solcher Optimierungstrends des Arbeitsumfeldes zum Zwecke der Produktivitätssteigerung dar. „Je mehr CSR als integrierte Managementstrategie im Unternehmen verfolgt wird, desto besser erfolgt die Implementierung neuer Arbeitszeitmodelle, wird mehr auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie Rücksicht genommen, werden Programme für ältere Arbeitnehmer entwickelt und Gesundheitsprogramme für Mitarbeiter angeboten“, sagt Aubauer. Hingegen warnt Peter Kampits, Alt-Dekan der Fakultät für Philosophie der Universität Wien, davor, dass gerade CSR zu einem bloßen Etikett verkommen könne. Das Repertoire der Maßnahmen folgt schlussendlich auch dem Diktat der Effizienzsteigerung. Verstärkte Teamarbeit, flache und teils verschleierte Hierarchien, Netzwerkorganisationen sollen auch die Kreativität und Leistung der Mitarbeitenden steigern, meint der Soziologe Castells.
McMoments des Wissens und der Selbstverwirklichung Die Bereitschaft zur Flexibilität und das Gespür für zukünftige Veränderungen müssen sich zwangsläufig auch in den Arbeitsbedingungen widerspiegeln“ Helwig Aubauer, Industriellenvereinigung
Im Postfordismus der Gegenwart entstehen neue Formen und Bereiche der Arbeit. Bildung und Wissen rücken vermehrt in den Mittelpunkt. Immaterielle Arbeit, Humankapital oder Wissensarbeiter sind die Stichworte dieser wissensbasierten Wirtschaft, lebenslanges Lernen und eine lernende Gesellschaft das Resultat einer sinkenden Halbwertszeit von Wissen. Dieses verändere sich ständig, erklärt Karin Steiner: „Wenn Sie ein Studium in vier Jahren abschließen, ist das, was sie im ersten Semester gelernt haben, mitunter nicht mehr aktuell.“ Dies gelte nicht nur für hoch qualifizierte Bereiche wie jene der Computerbranche oder Medizin, sondern auch für sogenannte niedrigqualifizierte wie Handel, Tourismus und Gastgewerbe. Wissen ist einer der zentralen Eckpfeiler postfordistischer Wirtschaft, Selbstverwirklichung ein anderer. Diese findet sich nun auch im Sortiment von McDonald’s. In der Werbung erleben die Mitarbeitenden Augenblicke bestätigender Selbstverwirklichung als „McMoments“: Ob zufrie-
dene Kindergesichter oder Schichtleitung, Selbstverwirklichung scheint kein Privileg hochqualifizierter Arbeit mehr zu sein. Das neoliberale Glücksversprechen ruht nun nicht nur auf der Säule scheinbar individualisierten Konsums, sondern baut auch auf Arbeit als Form der Selbstverwirklichung auf. Beispielsweise bieten McDonald’s und andere Unternehmen in Korporation mit einem zur Universität Wien gehörenden Karriereportal Studierenden die Chance, sich unentgeltlich an der Entwicklung einer Social-Media-Strategie zu beteiligen. Im Gegenzug erhalten Teilnehmende Management-Trainings und einen Eintrag mehr im Lebenslauf.
Arbeitslosigkeit, Präkarität und Sinnstiftung ohne Arbeit So vermischen sich die vormals hervorstechenden Eigenschaften von niedrig- und hochqualifizierter Arbeit immer mehr. Während sich Menschen in niedrigqualifizierten Tätigkeiten nun auch dazu gedrängt sehen, sich in ihrem Beruf verwirklichen zu müssen, ist eine steigende Zahl von Hochqualifizierten mit prekären Arbeitsverhältnissen konfrontiert. Diese drückt sich vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie in der Kunstund Kulturindustrie in Form unbezahlter Praktika, Projektarbeiten, Werksverträgen und befristeten Dienstverhältnissen aus. Hochqualifizierte Arbeit in diesen Bereichen hat oftmals ihren Preis: schlecht oder unbezahlt. Vormals „Lebensphasen abhängige Prekarität“, d. h. in Übergangsphasen zwischen Ausbildung und Beruf, würde in manchen Bereichen zur Normalität, meint Steiner. Während prekäre Arbeitsverhältnisse im akademischen Milieu steigen, haben Akademiker dennoch immer noch mehr Chancen am Arbeitsmarkt. So liegt die Arbeitslosenrate für Pflichtschulabsolventen laut Statistik Austria im zweiten Quartal 2011 bei 8,9 Prozent, bei Akademikern nur bei 2,2 Prozent. „Erwerbskarrieren werden so sein, dass man immer wieder Phasen der Arbeitslosigkeit hat, die man mit Weiterbildung füllt. Wir werden länger arbeiten und möglicherweise auch neben der eigenen Pension geringfügig erwerbstätig sein müssen”, wirft Karin Steiner einen Blick in die nahe Zukunft. „Ich glaube, es ist ein ethisches Pro blem, hier eine Grenze zu finden, die den Antrieb, den man zur Selbstverwirklichung hat, unterscheidet von dem, wo man sich wirklich selbst ausbeutet“, sagt der Philosoph Kampits. Daher sei es eine ethische Verpflichtung, Prinzipien einzuführen, die ein bestimmtes Maß wiederherstellen würden. Eine Reflexion des Stellenwerts der Arbeit sei notwendig.
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Sind Sie attraktiv genug für einen Job? Emily Walton
Attraktivität entscheidet auch darüber, ob man einen guten Arbeitsplatz und ein besseres Gehalt bekommt
Was macht attraktiv – und wie wichtig ist das für den Job? „Attraktivität beeinflusst den Erfolg, das wissen wir aus Studien“, sagt Andreas Hergovich vom Institut für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation an der Universität Wien. Er beschreibt eine simple Versuchsanordnung: „Legt man einem Bewerbungsschreiben einmal ein attraktives Foto bei und einmal ein weniger attraktives, so werden die Bewerbungen unterschiedlich bewertet. Attraktivität macht sich, bis auf ganz seltene Ausnahmen, immer bezahlt.“ Was aber macht Attraktivität aus? Und wie kann jemand, der von der Natur weniger gesegnet wurde als andere, dieses Defizit ausgleichen? Zunächst gibt es das, was die Sozialpsychologie als „universale Schönheitskriterien“ bezeichnet: „Ein symmetrisches Gesicht etwa gilt zeit- und kulturunabhängig als schön“, sagt Kornelia Hahn, Leiterin der Abteilung für Soziologie an der Universität „Schlankheit steht Salzburg.
„Woran liegt es etwa, dass Personen, die größer sind, im Durchschnitt mehr verdienen?“ andreas hergovich
symbolisch für Zielorientiertheit, Selbstdisziplin und Rationalität. Das wird auf die beruflichen Kompetenzen übertragen.“ Kornelia Hahn, Leiterin der Abteilung für Soziologie, Uni Salzburg
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„Prinzipiell“, sagt Hergovich, „sind es in erster Linie Dinge, die genetisch bestimmt sind und auch eine biologische Signal wirkung haben, wie Jugendlichkeit oder bestimmte Merkmale, die bei Frauen als Zeichen von Fruchtbarkeit gesehen werden, wie ein optimales Taillen-Hüftenver hältnis“. Andere Kriterien unterliegen „kulturspezifischen Schwankungen“. Im 17. und 18. Jahrhundert hat man sich etwa noch mit toxischen Stoffen gepudert, um schön auszusehen. Was gilt 2011 als attraktiv? „Bei uns setzen heute ganz schlanke Menschen die Standards“, sagt Hahn. „Wir
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„Attraktivität macht sich, bis auf ganz seltene Ausnahmen, immer bezahlt.“ Andreas Hergovich, Institut für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation, Uni Wien
erleben eine Disziplinierung des Alltags bis in die Körperbewegungen hinein.“ Das hat vor allem auch die Ansprüche an Männer in die Höhe geschraubt, sagt Forscherin Hahn. Der alte Spruch der Tante Jolesch, ,Was ein Mann schöner is wie ein Aff, is ein Luxus’, stimmt heute so nicht mehr. Konnte man(n) vor einigen Jahren noch mit einem teuren Anzug punkten, so muss heute auch der Körper darunter passen. Die Statur kommuniziert für sich: „Sie muss ästhetisch ansprechen“, sagt Hahn, „Schlankheit steht symbolisch für Ziel orientiertheit, Selbstdisziplin und Rationalität. Das wird auf die beruflichen Kompetenzen übertragen.“ Vereinfacht gesagt: Wer seinen Körper im Griff hat, dem schreibt man auch im Job Disziplin zu; wer hingegen aussieht, als würde er Heißhungerattacken nicht standhalten, dem wird nicht zugetraut, unter Stress zu brillieren.
Ein neues Kapital am Markt: erotisches Kapital „Schönheit färbt auf andere Eigenschaften ab. Das lässt sich kaum vermeiden. Schöne Menschen werden als intelligenter und sympathischer bewertet. Das beginnt bei den Kindern: Schöne Kinder bekommen mehr Aufmerksamkeit von Lehrern und Eltern. Das ist ungerecht, aber es ist so. Bei zwei fachlich gleich fähigen Personen wird die attraktivere mehr Erfolg haben“, sagt Psychologe Hergovich. Er fasst dies unter dem „Heiligenschein-Effekt“ zusammen. Die Krux dabei: Die Effekte des Aussehens lassen sich nie ausblenden. „Unser Aussehen fließt in jede Interaktion ein“, sagt Soziologin Hahn, „die visuelle Wahrnehmung einer Person ermöglicht uns, sie zu identifizieren: Wir sehen Frau Müller – und erkennen sie über ihr Aussehen als Frau Müller.“ Ob wir Frau Müller nun besonders attraktiv finden oder nicht, wird dabei gleich mittransportiert. Bevor wir uns nun kritisch im Spiegel betrachten, eine kleine Einschränkung: Attraktivität ist ein Faktor für beruflichen Erfolg, nicht der Faktor. Man kann die Potenziale von Individuen, wie das der französische Soziologe Pierre Bourdieu getan hat, in verschiedene Typen von Kapital einteilen: Vereinfacht gesagt, gibt es ökonomisches Kapital (was man besitzt), soziales Kapital (wen man kennt) und humanes Kapital (was man weiß). Geht es nach der britischen Soziologin Catherine Hakim von der London School of Economics, so soll bald ein vierter Typus als ebenbürtig anerkannt werden: das erotische Kapital. In ihrem gleichnamigen Buch (Campus Verlag, 2011) beschreibt sie dieses als „lange verschmähtes menschliches Gut, das bestimmt, wie wir leben, arbeiten und miteinander umgehen. Nicht nur Intelligenz bringt uns weiter – wir müssen
neu lernen, Sex-Appeal und Schönheit für uns zu nutzen.“ „Sich hochzuschlafen ist nichts Böses“, provoziert Hakim. Oft würde aber schon ein geringerer Einsatz reichen: ein passenderer Haarschnitt etwa, oder ein besserer Anzug. Jeder hat die Möglichkeit, mehr aus sich zu machen, sagt Hakim.
Eine Schönheits-OP für eine ordentliche Gehaltserhöhung? Wie groß ist der Anteil an Attraktivität, den wir selbst beeinflussen können? Hakim schätzt das Verhältnis von Startkapital und erarbeitetem Kapital bei der Schönheit 50 zu 50. Ein wesentlicher Teil des „erotischen Kapitals“ sei es nämlich, sich gut zu präsentieren. Und das, so Hakim, „hat nichts zu tun mit tiefem Ausschnitt oder kurzem Rock“ – jedenfalls nicht zwangsläufig.
„Sich hochzuschlafen ist nichts Böses.“ Catherine Hakim Soziologin, London School of Economics
Wie viel monetärer Gewinn lässt sich nun aus dem erotischen Kapital schlagen? Hakim zitiert in ihrem Buch Studien, darunter eine britische, die zum Ergebnis kommt, dass attraktive Männer um bis zu 20 Prozent, attraktive Frauen um bis zu 13 Prozent mehr verdienen. Plausibel? Oder absurd? „Derartige Zahlen können durchaus stimmen“, sagt der Wiener Attraktivitätsforscher Hergovich. Die Studien seien aber mit Vorsicht zu genießen. „Die Zahlen sind kaum auf einzelne Personen übertragbar und gelten nur im statistischen Durchschnitt.“ Es gibt auch Erhebungen, die folgende Resultate bringen: „10 Zentimeter Körpergröße bringen bei gleicher Qualifikation 2000 Euro mehr Gehalt.“ „Das kann schon der Fall sein“, meint Hergovich. „Man muss aber immer aufpassen, was dahinter steckt: Woran liegt es etwa, dass Personen, die größer sind, im Durchschnitt mehr verdienen? Sind sie besser ernährt worden und in der Kindheit mehr umsorgt? Hat sie das vielleicht ehrgeiziger und intelligenter gemacht? Dann wäre das der eigentlich ausschlaggebende Faktor für den Erfolg.“ Auch Soziologin Kornelia Hahn meint: „Größere Personen könnten schon auch mehr verdienen, weil sie präsenter im Raum sind.“ Sie will den „Schönheits-Faktor“ aber nicht in Geld oder prozentuellem Gehaltsplus ausdrücken: „Einen quantifizierbaren Automatismus kann man hier nicht so leicht herleiten.“ An der Grundaussage gibt es aber nicht viel zu rütteln, ob es nun ausgesprochen wird oder nicht, es gilt:
Fotos: privat
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chönheit ist kein Kriterium, nach dem Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter ausgesucht werden. Genauer gesagt: Es ist kein explizit ausgesprochenes Kriterium. Niemand bekommt am Ende eines Vorstellungsgesprächs zu hören: „So fesch wie Sie sind, müssen wir Sie natürlich einstellen“ – oder, schlimmer: „Tut uns leid, Sie sind zwar fachlich gut qualifiziert, aber leider zu hässlich!“ Wegen einer solchen Begründung einen Job (nicht) zu bekommen, wäre zwar seltsam, mitunter aber wohl ehrlicher. Denn die Attraktivität als ein Faktor für beruflichen Erfolg ist wissenschaftlich belegt.
Attraktive BewerberInnen bevorzugt.
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WIE STEHT ES MIT DER ARBEIT?
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Petra Schimerl, Friedhofsgärtnerin
„Ich mache diese Arbeit gerne, weil ich den ganzen Tag draußen verbringen und mich körperlich bewegen möchte. Es ist wie den ganzen Tag Fitnesstraining! Und es macht mir Spass zu gestalten und dann zu pflegen, sodass es gut wächst. Es macht Freude zu sehen, wenn sich die Hinterbliebenen freuen, dass ihr Grab schön gepflegt ist.“ FOTO: ARNOLD PÖSCHL
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Wie steht es mit der Arbeit?
Momentan haben wir noch genug Arbeit Martina Weinbacher
Wirkt sich die Euro-Krise auf die Arbeitsplätze der Österreicher innen und Österreicher aus?
Noch herrscht in Österreich Rekordbeschäftigung „Es herrscht Rekordbeschäftigung“, sagt Helmut Hofer, Arbeitsmarktökonom des Inst ituts für Höhere Studien IHS. Doch an gesichts der hoch überschuldeten Staats haushalte in den USA und Europa, allen vo ran Griechenland, zieht schon die nächste große Gewitterwolke am Konjunkturhim mel heran. „Die vorliegenden Indikato ren deuten darauf hin, dass sich das Wirt schaftswachstum in der Eurozone und da mit auch in Österreich im nächsten Jahr deutlich verlangsamen wird“, so Hofer. Gegenwärtig wird für 2012 ein Wachs tum von rund einem Prozent erwartet. Was das für das Beschäftigungsniveau be deutet, erklärt Rudolf Winter-Ebmer, Öko nom an der Universität Linz und Koordina tor des Austrian Center for Labor Econo mics and the Analysis oft the Welfare State: „Die Arbeitslosenrate ist sehr stark mit dem Wachstum des BIP verknüpft. Wenn die Wachstumsrate unter zwei oder zwei einhalb Prozent fällt, ist eine Reduzierung der Arbeitslosenrate typischerweise nicht möglich.“
Hilft Kurzarbeit, in Krisen Arbeitsplätze zu halten?
„Das Wirtschaftswachstum wird sich in der Eurozone im nächsten Jahr deutlich verlangsamen.“ Helmut Hofer, Institut für Höhere Studien IHS, Wien
Jüngere Arbeitskräfte sind stärker von Jobverlust bedroht Die derzeitigen Rekordbeschäftigungs werte in Zukunft aufrecht zu erhalten, wird also ein schwieriges Unterfangen. Sollte es erneut zu einem Konjunkturein bruch kommen, trifft es zuerst Beschäftig te in exportorientierten Industrien bzw. im Sachgüterbereich. Das zeigte schon die letzte Krise. Regio nen mit starker Industrie und Exporttätig keit wie Oberösterreich waren laut Win ter-Ebmer stärker von Personalkürzungen in Mitleidenschaft gezogen als etwa Wien, wo vorherrschend Administrations- und Dienstleistungsfirmen ansässig sind. Auch die Baubranche, der Großhandel und der Tourismus sind rasch von Krisenentwick lungen betroffen. Dauert eine Krise länger und greift auf die Inlandsnachfrage über, sinkt zusätzlich die Zahl der Arbeitsplätze im Handel und im Dienstleistungssektor. Generell sind gering qualifizierte Arbeitnehmer sowie Randbelegschaften und jüngere Arbeits kräfte stärker durch Jobverlust gefährdet.
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Zum einen sind diese schlechter in die Unternehmen integriert, es gilt das Prin zip „last in first out“. Zum anderen versu chen Unternehmen auch in Krisenzeiten, Fachkräfte zu behalten, weil deren Schlüs selkompetenzen nur schwierig zu ersetzen sind. Auch bei älteren Arbeitskräften kann es im Falle größerer Kündigungswellen zum Verlust des Arbeitsplatzes kommen. In teressant ist, dass Männer früher von ei ner Krise betroffen sind als Frauen. Tho mas Horvath vom Institut für Wirtschafts forschung WIFO erklärt das so: „Aufgrund der geschlechtsspezifischen Segregation am Arbeitsmarkt sind Männer häufig in der exportorientierten Sachgütererzeugung und in der Leiharbeit tätig, während Frau en eher im Dienstleistungssektor beschäf tigt sind.“
„Bei einem Konjunktureinbruch trifft es zuerst Beschäftigte in exportorientierten Industrien.“ Rudolf Winter-Ebmer, Ökonom, Uni Linz
„Wichtig ist, in einer beginnenden Wirtschaftskrise Arbeitsplatzverluste möglichst gering zu halten.“ Thomas Horvath, Institut für Wirtschaftsforschung WIFO, Wien
Damit ein wirtschaftlicher Abwärtstrend nicht an Schwung gewinnt, seien staatliche Lenkungsmechanismen und vor allem eine aktive Arbeitsmarktpolitik wünschens wert, meint Horvath: „Wichtig ist, in ei ner beginnenden Wirtschaftskrise Arbeits platzverluste möglichst gering zu halten.“ Auf diese Weise könne ein vitaler Gesamt kreislauf erhalten bleiben, weil Haushalte und Unternehmen weiterhin konsumieren und investieren. Genau das geschah 2009. Damals wur de die Krise in Österreich mit expansiver Wirtschaftspolitik bekämpft. „Die Kon junkturpakete, das Vorziehen der Steuer reform und die Wirkung automatischer Stabilisatoren, etwa der Arbeitslosenun terstützung, haben die österreichische Volkswirtschaft stabilisiert“, sagt Hofer. Zusätzlich hätten die Ausweitung der Qua lifizierungsmaßnahmen und die Einfüh rung von Kurzarbeit und Zeitarbeitskonten dazu beigetragen, dass die Folgen der Kri se am Arbeitsmarkt begrenzt blieben, sind sich alle drei Experten einig. Kurzfristig können Kurzarbeit und an dere Formen der Arbeitszeitanpassung auf Betriebsebene Kündigungen vermeiden und betriebliches Humankapital erhalten.
Weniger Unsicherheit durch staatliche Eingriffe Trotz zunehmender Exportverflechtung und eingeschränkter Lenkungsmöglich keiten kommt dem Sozialstaat besonders in Krisenzeiten eine wichtige Rolle zu. Denn während er negative Auswirkungen durch wirtschaftspolitische Maßnahmen limi tieren kann, hat er zusätzlich eine erwar tungsstabilisierende Wirkung, erklärt Hor vath: „Der Sozialstaat sichert Menschen gegen unerwartete Risiken wie Arbeitslo sigkeit und Krankheit ab. Dadurch leben die Menschen in einem Umfeld geringerer Unsicherheit.“
Dies gälte auch für Unternehmen, er gänzt Winter-Ebmer: „Wenn Unterneh men überzeugt werden können, dass die Wirtschaftspolitik wirkungsvolle Maß nahmen gegen die Rezession ergreift, wer den auch sie konjunkturstützende Schrit te tätigen und versuchen, Arbeitskräfte im Betrieb zu behalten.“
Dank Euro-Krise kein großer Spielraum mehr für den Staat Während die einzelnen Staaten bei der letz ten Krise abfedernd eingreifen konnten, sind die Mittel der Wirtschaftspolitik heu te beschränkt: „Der Unterschied zur Krise von 2008/09 ist, dass zur Krise der Finanz märkte nun auch noch größere budgetäre Probleme der einzelnen Staaten kommen“, erklärt Horvath. Diese beschränken sich nicht nur auf Griechenland. Daher würde die Bekämpfung einer nächsten Rezession erschwert. Aber noch befinden wir uns in keiner Krise, auch da stimmen alle drei Ökonomen überein. Denn trotz Unsicherheiten zeigen die Wirtschaftsbarometer bis dato noch in die „richtige“ Richtung. „Falls die Wirt schaft nicht deutlich stärker als erwartet einbricht, ist im nächsten Jahr mit keinem Beschäftigungsrückgang in Österreich zu rechnen“, meint Hofer. Er sieht auch noch keine Euro-, sondern eine Vertrauenskrise bezüglich der Solvenz von einigen Staaten im Euroraum, etwa Griechenland oder Por tugal. Dies sei mit starken Rückgängen an den Börsen verbunden und verschlechtere die Stimmung der Unternehmer und Kon sumenten. Deshalb sei es in dem derzeiti gen Umfeld gestiegener Unsicherheiten be sonders wichtig, dass die einzelnen Staaten das Vertrauen aller Marktteilnehmer wie der gewinnen.
Weitere Anstrengungen in der Bildungspolitik unumgänglich Damit die Erwartungshaltungen von Haus halten und Unternehmen steigen, ist eine stabilisierende Finanzpolitik unumgäng lich. Neben einer Budgetkonsolidierung sind in Österreich insbesondere weitere Anstrengungen im Bereich der Bildungsund Innovationspolitik notwendig, sind die Ökonomen überzeugt. Denn die „Humanressourcen“ bestim men auch in Zeiten der Krise die Wettbe werbsfähigkeit eines Landes. Daher sind Investitionen in den Bereich Forschung und Entwicklung ebenso wichtig wie in Aus- und Fortbildung. Nicht zuletzt wer den der Erfolg einer Bildungsreform die künftige Beschäftigungsrate und die Chan cen Österreichs am internationalen Markt maßgeblich beeinflussen. Tipp Alle Forschungsberichte des Austrian Center for Labor Economics and the Analysis oft the Welfare State sind online abrufbar auf www.labornrn.at
Fotos: privat
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m Zuge des weltweiten Konjunktur einbruchs sind hierzulande im Jahr 2009 rund 50.000 Arbeitsplätze verlo ren gegangen. Allerdings hat sich die hei mische Wirtschaft rasch erholt. Bereits 2010 legte die österreichische Wirtschafts leistung wieder um 2,3 Prozent zu. 2011 wird das Wachstum voraussichtlich drei Prozent betragen. Gleichzeitig ist die An zahl der Arbeitslosen deutlich gesunken. Mit 3,9 Prozent war Österreich im Septem ber 2011 das EU-Land mit der geringsten Arbeitslosigkeit.
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WIE STEHT ES MIT DER ARBEIT?
Michael Blank, Klingenschmied
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„Ich habe die romantische Idee, Dingen so etwas wie Seele und Persönlichkeit mitzugeben“, meint Michael Blank, der in seiner Klingenschmiede in der Wiener Leopoldstadt feine Koch- und Outdoormesser fertigt. „Und wenn es gelungen ist, kann man ein Messer sagen hören: Komm, jetzt koch’ ma was, oder: Jetzt gemma in den Wald.“
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„Ich bin jung, ich habe Kraft, ich könnte arbeiten. Aber ich darf nicht. Wer soll die Pension für meine Mutter verdienen, wenn die Jungen nicht arbeiten dürfen?“
„Was ich all die Jahre höre: Du bist ein schwarzer Mensch, du bist ein schlechter Mensch. Ich will nur eine Chance und behandelt werden wie andere Menschen auch“
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Branislav Matic, 40
Die Liebe zu scharfen Klingen ist auch teilbar: Bei einem zweitägigen Workshop können Interessierte selbst ein eigenes Messer in Blanks Werkstatt schmieden. www.michaelblank.at FOTO: ARNOLD PÖSCHL
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Wie steht es mit der Arbeit?
Arbeit: Das Glossar Arbeit ist gleich Kraft mal Weg, lehrt uns die Physik. Und was es sonst zu Arbeit gibt, findet sich hier Jochen Stadler
Arbeit
• B etriebswirtschaftslehre
Alle geistigen und körperlichen Tätigkeiten, die Güter oder Dienstleistungen produzieren. • P hilosophie Der Mensch arbeitet, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, sich sozial abzusichern, den Status in der Gesellschaft zu halten oder zu verbessern und an Innovation, Kunst und Kultur teilzuhaben. • P hysik Arbeit ist gleich Kraft mal Weg. • S ozialwissenschaft Ob bezahlt oder brotlos, Arbeit ist alles, was Menschen bewusst tun, um zu überleben. Wenn Vögel aus Instinkt Nester bauen oder Pferde den Pflug ziehen, bezeichnen dies manche Sozialwissenschafter und Sozialwissenschafterinnen schon als Arbeit, manche aber auch nicht. • Volkswirtschaftslehre Ein Produktionsfaktor, so wie Boden und Kapital. Arbeit ist menschliche Beschäftigung, die Bedürfnisse anderer Personen befriedigt und mit einem Einkommen belohnt wird. Das kostenfreie Schuften von Hausfrauen oder -männern und ehrenamtliche Tätigkeiten gehören nicht dazu. Arbeiter/Arbeitnehmerin
Stellt seine/ihre geistige und/oder körperliche Arbeitskraft gegen Bezahlung zur Verfügung und verpflichtet sich, Anweisungen des Arbeitgebers umzusetzen. Arbeitgeberin/Arbeitgeber
Kauft Arbeitskraft und bietet einen Arbeitsplatz. Arbeitsmarkt
Meist fiktiver Ort, an dem Arbeits suchende ihre Dienste anbieten und ArbeitgeberInnen diese annehmen. Arbeitsteilung
Nahmen früher Handwerker ein Stück Holz in die Hand, schufen daraus einen Schrank und verkauften ihn an KundInnen, so sind diese Arbeiten heute meist auf viele Akteure und Akteurinnen aufgeteilt. Die Arbeit wird effektiver, doch es ist aufwendiger, die einzelnen Schritte zu koordinieren. Assessment-Center
Stresstest für Bewerber und Bewerberinnen. Einen oder mehrere Tage lang werden sie auf fachliche und soziale Kompetenzen, Stressresistenz und Persönlichkeit getestet und schließlich einem Unternehmen empfohlen oder nicht. Wurde 1920 von der deutschen Reichswehr erstmals bei Offiziersanwärtern eingesetzt.
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Bedingungsloses Grundeinkommen Durch die digitale Revolution gehen
Arbeitsplätze verloren, viele Tätigkeiten wie die Kinder- und Altenbetreuung und das Führen eines Haushalts werden ohnehin finanziell meist ignoriert. Ein bedingungsloses Grundeinkommen, das jeder Mann und jede Frau bekommt, ob bedürftig oder nicht, ob arbeitswillig oder nicht, sei gerechter und würde jedem Menschen erlauben, ein passables Leben zu führen, sagen Befürworter wie der dm-Gründer Götz Werner. Alle anderen Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und Kindergeld könnte man sich damit sparen sowie auch das aufwendige Prüfen nach der Bedürftigkeit der Empfänger und Empfängerinnen. Wer macht dann die unangenehmen Arbeiten für wenig Geld, kritisieren die Gegnerinnen und Gegner. Die müssten dann attraktiver, besser bezahlt oder automatisiert sein, so die Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens. Boreout-Syndrom
Engl.: bore = langweilen. Auch Langeweile in der Arbeit kann krank machen. Werden Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen unterfordert, weil sie zu wenig oder nur anspruchslose Aufgaben haben, füllen sie ihre Dienstzeit oft mit Tätigkeiten wie Plaudern und Internetsurfen. Dabei bemühen sie sich, beschäftigt und gestresst zu wirken, um nicht noch mehr öde Arbeit aufgehalst zu bekommen und den Job nicht zu verlieren. Bald entwickeln sie dieselben Symptome wie gestresste BurnoutPatientInnen. Burnout-Syndrom
Engl.: burn out = Ausgebranntsein. Körperliche, emotionale und geistige „totale Erschöpfung“ durch chronischen Stress am Arbeitsplatz, verbunden mit mangelnder Belohnung. Burnout ist für die Betroffenen eine existenzielle Krise, die eigene Arbeit empfinden sie als sinnlos. Personen, die sich hohe Ziele stecken und keine Kompromisse bei ihrer Leistung eingehen wollen, sind besonders gefährdet. Digitale Revolution
In der industriellen Revolution ersetzten Maschinen die menschliche Muskelkraft, jetzt nehmen sie uns auch das Denken ab. Das machen schnelle Mikrochips möglich sowie automatisierte Produktionsmethoden und weltweite Kommunikationsnetzwerke wie das Internet.
Ende der Arbeit
1995 warnte der US-amerikanische Soziologe und Ökonom Jeremy Rifkin in seinem Buch „Das Ende der Arbeit“, dass die digitale Revolution zig Millionen Arbeitsplätze vernichten würde. Damit die Menschen trotz dieser Entwicklung ihren Lebensunterhalt bestreiten können, schlägt er ein bedingungsloses Grundeinkommen vor. Entfremdete Arbeit Wenn Arbeiterinnen und Arbeiter
ganz stereotyp nur mehr einzelne Arbeitsschritte für ein Produkt machen, das sie am Ende gar nicht sehen, dann entfremdet sie das ihrer Arbeit, so Karl Marx. Freie Dienstnehmer
Personen in Österreich, die sich verpflichten, bestimmte Leistungen zu liefern, um dafür honoriert zu werden. Zum Beispiel eine Journalistin, die allwöchentlich für den KarriereTeil einer Zeitung schreibt. Im Gegensatz zu einem angestellten Kollegen kann sie frei entscheiden, wann und wo sie arbeitet. Freizeit
Jene Zeit, in der man keinen Verpflichtungen nachgehen muss. Jedenfalls nicht solchen, die bezahlt sind. Sie gibt es erst seit der Industrialisierung. Damals wurde sie bei 16-Stunden-Arbeitstagen und 7-Tage-Arbeitswochen sehr wertvoll. Seither nimmt bei uns die Freizeit zu und die Arbeitszeit ab. Ich-AG
Wurde in Deutschland zum Unwort des Jahres 2002 gekürt und bezeichnet dort ein Ein-Personen-Unternehmen, das von einer oder einem Arbeitslosen gegründet wurde, was 2003 bis 2006 vom Staat gefördert wurde. In Österreich wird der Begriff oft synonym mit Neuen Selbstständigen verwendet. Internationale Arbeitsorganisation
Die International Labour Organization ILO ist eine Einrichtung der UNO mit Sitz in Genf. Sie wurde nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1919 als Teil des Friedensvertrags von Versailles gegründet, um international gültige Arbeitsstandards zu schaffen. Die internationale Staatengemeinschaft war sich damals bewusst, dass es ohne soziale Gerechtigkeit, zu der auch verträgliche Arbeitsstandards gehören, keinen anhaltenden Frieden geben kann. Ihre Arbeit wurde 1969 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Kunst Mit Arbeit spinnefeind. Künstlerinnen und Künstler leisten keine Arbeit,
sie produzieren Werke: Kunstwerke. Neue Selbstständige
Arbeiten typischerweise zu Hause oder im eigenen Büro, verfügen frei über ihre Arbeitszeiten und -abläufe und haben kein geregeltes Einkommen. Praktikum
In Österreich laut Gesetz ein normales Dienstverhältnis. Prekariat
Personen mit misslicher Einkommenssituation, zum Beispiel einkommensschwache Selbstständige, Arbeiterinnen und Arbeiter auf Zeit, PraktikantInnen, Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose und erfolglose WissenschafterInnen werden dieser neuen Klasse zugeordnet. Produktivität
Arbeitsproduktivität ist gleich Ertrag je eingesetzter Arbeit und Material. Zum Beispiel Autos pro Stunde und Kilogramm Blech. Recht auf Arbeit
Laut Artikel 23 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte haben jede und jeder das Recht, arbeiten zu können. Dabei soll sie oder er den Beruf frei wählen dürfen und angemessen entlohnt werden. Scheinselbstständigkeit
Als Selbstständige deklarierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Sparen den Unternehmen Steuern und Sozialversicherungsabgaben auf Kosten der Allgemeinheit. Werkvertrag Schuldet man einem Auftraggeber ein Werk, das man nicht unbedingt selbst erschaffen muss, und es egal ist, wann und wo man arbeitet, solange man rechtzeitig fertig ist, hat man einen Werkvertrag abgeschlossen. Work-Life-Balance Modebegriff für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und einem ausgewogenen Verhältnis von Arbeit und Freizeit. Workaholic Engl.: Arbeitssüchtiger. Die Betroffenen arbeiten mit überdurchschnittlichem Einsatz und streben nach besonderen Leistungen. Da, wie bei jeder Sucht, die Dosis ständig erhöht werden muss, können sie ihre hohen Ziele nicht lange erreichen. Bald leidet ihr kostbarstes Gut: die eigene Leistung. In Japan gibt es ein eigenes Wort für den Tod an Überarbeitung: Karoshi. ˉ
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WIE STEHT ES MIT DER ARBEIT?
Thomas Gerbeth, Bogenmachermeister „In meiner Werkstatt kann ich meine Liebe zum Detail und zur Perfektion mit musikalischem Verständnis und Gehör verbinden. Für mich ist mein Beruf eine Berufung.“ Thomas Gerbeth verbrachte seine Lehr- und Gesellenjahre in Deutschland und Frankreich und ist seit 15 Jahren in Wien selbstständig. Seine Arbeiten sind weltweit gefragt, auch berühmte Musiker warten gerne auf seine Bögen. www.gerbeth.at FOTO: ARNOLD PÖSCHL
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Fotos: Nana Seidel, privat
Wissenschaftspolitik
Autonomie? Ja, aber welche? Sabine Edith Br aun
Das UOG von 1993 und die Folgen des UG 2002 Mit dem Universitätsorganisationsgesetz (UOG) 1993 erhalten die Universitäten die Teilrechtsfähigkeit. Sie bleiben Einrichtungen des Bundes, sind diesem aber in bestimmten Bereichen nicht verpflichtet. So darf etwa eine Universität „durch unentgeltliche Rechtsgeschäfte Vermögen und Rechte“ erwerben und dann darüber verfügen. Sie kann auch Mitglied in Vereinen oder zwischenstaatlichen Organisationen werden, sofern diese Hochschulzwecken dienen. Mit dem Universitätsgesetz (UG) 2002 ändert sich viel. Die zuvor unselbstständigen, aber teilrechtsfähigen Universitäten werden autonom und vollrechtsfähig. Nach wie vor sind sie Einrichtungen des Bundes, unterliegen dessen Aufsicht und sind von ihm zu finanzieren, was in dreijährigen Leistungsvereinbarungen geregelt ist. „Mit dem UG 2002 wurden die wesentlichen Grundlagen für die Entmündigung der Lehrenden und WissenschafterInnen
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Ein neuer Hochschulplan steht zur Debatte. Wir werfen einen Blick auf die wissenschafts politische Entwicklung der letzten Jahre und Monate
in politischer Hinsicht geschaffen“, sagt Daniel Winkler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Romanistik der Universität Innsbruck. Und zwar „durch die Einführung autokratischer Entscheidungsstrukturen, die den Institutsvorständen als Delegierten der Dekane die Personalpolitik und anderes in die Hände gelegt hat“, so Winkler. Autonomie hieße also in dem Fall, dass der Freiraum von Dekanen, Rektoren und zum Teil der Institutsvorstände größer geworden sei. Gleichzeitig stieg der Verwaltungsaufwand. Roland Verwiebe, Vorstand des Inst ituts für Soziologie an der Universität Wien, sagt dazu: „Es gibt eine massive Tendenz zur Bürokratisierung von Forschung und Lehre. Alle Reformbemühungen der letzten Jahre (BA/MA-Einführung, Bologna-Prozess, Drittmitteloffensive, Generationenwechsel in der Professorenschaft) haben einen historisch wahrscheinlich einmaligen Bürokratisierungsschub mit sich gebracht. Der Anteil Organisation, Management, Verwaltung, Dokumentation ist gegenüber der eigentlichen Forschung massiv gewachsen. Auch zulasten der Familien, der Freizeit und der Gesundheit des wissenschaftlichen Personals.“ Und Verwiebe ergänzt: „Die Reformen im österreichischen Wissenschaftsbetrieb werden sehr stark vom wissenschaftlichen Nachwuchs getragen. Ohne diesen und seine hohe Leistungsbereitschaft wären die starke Intensivierung des Wissenschaftsbetriebes und andere Prozesse nicht denkbar.“
Entwertung von Autonomie & Arbeit: Gratis hackeln für McDonald’s Was bringt den Hochschulen die Autonomie in finanzieller Hinsicht? Vor allem, wenn jene, die von Rechts wegen für die Geldmittel zuständig sind, den Hahn weiter zudrehen? Die Universität darf sich um Drittmittel umsehen – in der Wirtschaft. Nur so sind Auswüchse wie die Talents Community erklärbar, zu der die Studis kürzlich per Mail geladen wurden: „Engagierte Studierende aller Studienrichtungen sind eingeladen, Ihre Ideen für eines der sechs Partnerunternehmen einzubringen.“ Sie sollten Unternehmen von McDonald’s bis zu einer Wiener Rechtsanwaltskanzlei „beim Aufbau einer Social Media Strategie“ beraten. Köder ist u. a. das Versprechen des „persönlichen Kontakts zu Personalverantwortlichen von sechs Top-Unternehmen“ – die sich durch die Ausbeutung der Studenten viel Geld ersparen und dazu großzügige Werbeflächen erhalten. Diese Entwertung des Arbeitsbegriffs scheint unmittelbare Folge einer vorhergegangenen Entwertung des Autonomiebegriffs zu sein. Aber von welchem Autonomiebegriff reden wir hier? Wie akademisch ist es, wenn sich Autonomie einer Hochschule auf die Festlegung der Studiengebührenhöhe beschränkt, oder die Auswahl jener Unternehmen, mit denen man in Sachen Karriereservice kooperiert? „Vom Prinzip her ist es natürlich paradox, von Autonomie zu reden und gleichzeitig den Unis qua Leistungsvereinba-
Illustr ation: Jochen Schievink
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utonomie: 1. Selbstständigkeit [in nationaler Hinsicht], Unabhängigkeit. 2. (Philosoph.) Willensfreiheit.“ – So steht es im Fremdwörterbuch des Duden. Das Beispiel der österreichischen Universitäten zeigt außerdem: Autonomie ist nichts notwendig Absolutes, sondern nur so weit möglich, wie es das Referenzsystem zulässt.
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Wissenschaftspolitik rung Vorschriften zu machen“, sagt Daniel Winkler. „Das Grundproblem scheint mir, dass die Institute tendenziell unter dem Vorwand von Autonomie und privatwirtschaftlichen Prinzipien ausgedünnt werden, also im Alltag finanziell immer eingeschränkter sind“, so Winkler. Frei nach Adorno ließe sich auch sagen: Es gibt keine richtige Autonomie in der falschen!
Fotos: Nana Seidel, privat
Der neue Hochschulplan und zusätzliche 40 Millionen Euro Das UG 2002 wurde laufend verändert; zuletzt 2011 mit der Neuregelung der Studieeneingangs- und Orientierungsphase. Derzeit wird nun ein Hochschulplan erarbeitet – unter Beteiligung von Experten aus dem Ausland. Diskutiert werde u. a. „eine neue Leistungsvereinbarungskultur mit einer höheren Steuerungsleistung“, erklärt Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle in einer Aussendung. „Ich bin skeptisch, ob die Einrichtung einer Hochschulkommission in der Regierung und der Wirtschaft ausreichend Geld lockermachen wird. Zudem ist mit dem Plan auch ein privatwirtschaftlicher Geist verbunden, der latent die Fachhochschulen gegen die Unis ausspielt“, sagt dazu Daniel Winkler. Er befürchtet, dass als Folge „die Arbeitsbedingungen an den großen Universitäten und Instituten immer unattraktiver werden“. Nachdem Finanzministerin Maria Fekter die ursprünglich angekündigte Hoch-
schulmilliarde für die Jahre 2013 bis 2015 zu einer mit Bedingungen verknüpften „Schillingmilliarde“ eindampfte, versprach der Wissenschaftsminister Anfang November doch noch 40 Millionen Euro „Offensivmittel“ für 78 Projekte an 18 Universitäten 2011 und 2012. „Das sind immerhin 40 Millionen“, sagt Daniel Winkler. Er findet es problematisch, dass die Institute nicht in den Entscheidungsprozess über die Verwendung dieser Gelder einbezogen werden: „Die Institute sind die Basis der Unis – dort weiß man am besten, wo es brennt.“ Dazu sagt Institutsvorstand Roland Verwiebe: „Die Uni Wien und auch das Institut für Soziologie bräuchte für die in den letzten zehn Jahren massiv gewachsenen Aufgaben schlichtweg mehr Personal. Sonst droht Stillstand durch Überforderung.“ Die 40 Millionen des Wissenschaftsministers sind für Verwiebe nur ein Tropfen auf den heißen Stein: „Die Unis bräuchten über eine ausreichende Finanzierung hinaus auch einen realen und transparenten Diskurs über den Stellenwert von Bildung.“
Studiengebühren und die schlei chende Tendenz zur Mutlosigkeit Zusätzliche Dynamiken zur Hochschul plandiskussion ergeben sich daraus, dass der VfGH die Gebührenregelung aufgehoben hat und die Universitäten, sollte sich die Regierung bis Ende des Wintersemesters 2011 auf keine neue Regelung einigen,
„Alle Reformbemühungen der letzten Jahre haben einen historisch wahrscheinlich einmaligen Bürokratisierungsschub mit sich gebracht.“ Roland Verwiebe, Vorstand des Instituts für Soziologie, Uni Wien
„Ich bin skeptisch, ob die Einrichtung einer Hochschulkommission in der Regierung und der Wirtschaft ausreichend Geld lockermachen wird.“ Daniel Winkler, Romanist, Uni Innsbruck
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selbst Studienbeiträge einheben können. Das besagt ein Gutachten – zu dem es allerdings zwei Gegengutachten gibt. Laut ÖH wurde der Hochschulplan „im stillen Kämmerlein“ und „ohne Einbeziehung von Studierenden und Lehrenden“ erdacht. Die ÖH stellt dem Hochschulplan das Forum Hochschule entgegen, das Gegenpositionen zum Hochschulplan des Wissenschaftsministeriums ausarbeiten wird. Ob der Widerstand so laut werden wird wie bei „uni brennt“, wird sich zeigen. Warum aber hört man von den jungen Lehrenden so wenig? Daniel Winkler: „Es gibt gerade an der Uni Wien durchaus solidarische Gruppen wie die Plattform für universitäre Mitbestimmung (PLUM), die immer wieder mit Erfolg protestiert und auch mit den Funktionsträgern verhandelt. Aber insgesamt hat das politische Engagement in den letzten zehn Jahren gerade unter den ganz Jungen quantitativ stark abgenommen. Jene, die auf festen Stellen sitzen – das sind nicht wenige –, sind zum Teil mit den ständigen und oft sinnlosen Erneuerungen von Studienplänen und anderem eingedeckt. Sie sind aber auch Teil des Systems: Jemand, der auf einer Zweijahresstelle sitzt, die um zwei Jahre verlängert werden kann, überlegt sich gut, ob er sich mit dem Institutsvorstand anlegt, der personalpolitisch keiner demokratischen Kontrolle mehr unterliegt, sondern herrschaftlich agieren kann. Eine gewisse Tendenz zur Mutlosigkeit kann man sicher feststellen.“
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Illustr ation: Jochen Schievink
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Gedicht
Was am Ende bleibt
Endre Ady
Unser Weg in die Arbeit
Endre Ady (1877–1919)
Habichtshochzeit im Herbstlaub
Gilt als der größte Lyriker der ungarischen Moderne, Vertreter von Symbolismus und Dekadenz; als politischer Publizist radikal demokratisch und scharfer Kritiker des ungarischen Nationalismus. Der Philosoph Georg Lukacs bemerkte über ihn: „Bislang sehe ich nur, dass Ady Flügel verleiht, auch solchen Menschen, die ohne ihn vielleicht im Staube liegen blieben.“
erich klein
Los jetzt. Dem Herbst entgegenfliegen, Kreischend und weinend uns bekriegen, Zwei Habichte mit wunden Flügeln. Gefangen in des Sommers Ketten, Flügelschlagend die Liebe retten, So wüten unsere Kussgefechte. Jagen uns aus dem Sommer heraus,
Er ich K lein
Im Herbst irgendwo ruhn wir uns aus,
Aus: Endre Ady, Gib mir deine Augen. Gedichte Aus dem Ungarischen übertragen von Wilhelm Droste Arco Verlag, Wien 2011
Verliebt und mit zerzausten Federn. Das muss unsre letzte Hochzeit sein, Ins Fleisch bohren sich die Schnäbel ein, Dann stürzen wir ab ins feuchte Laub.
Rätsel von Gaja 1
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1 Ihre Arbeitslosigkeit sollte uns eine Lehre sein Lösungswort: 5 Auch als duldsam akzeptiert 7 Weh-Klage 8 Sport-Platz für den flottesten Dreier 1 2 3 4 5 6 9 Wenn die blau macht, übernimmt der Küchenchef den Job 12 Partielle Job-Description 14 Asketisches Sprechwort 15 Triethylenglykol oder Tetraethylenglykol? Lt. Abk. undef. 16 Unterkunft für Underdogs 20 Zum Fraß vorgeworfen 21 Was Ober-Lehrer lehren 22 Sein oder feiern – das ist hier die arbeitsmoralische Frage
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Politische Beschäftigungstherapie Befehls-Verweigerung? Schweres Geschütz im Arbeitskampf Lieblingsjob: Buchhalter, Lieblingsgericht: Risibisi Wesentliche Bauanleitung (Abk.) Managers Traum-Vorstellung For You eyes only? Druckmittel für Senfdazugeber Der Amateur hat’s schwör Das fehlt dem Chirurgen-Assi beim Einführungsunterricht Landwirtschaftlich betrachtet ein palindromer Nachzügler Rütlischwur In denen wurde Julius ausgemärzt Telegener US-Mönch: Der Name der Neurose? Der gehört dort seit 1998 zum Rüstzeug (2 x Abk.)
Auflösung aus Falter HEUREKA 4/2011. Waagrecht: 1 METHAN, 7 ERREGEND, 8 EDER, 9 REIZ , 10 NGO , 12 ODEM , 13 SCHADEN , 15 APEROL , 16 PLUS , 17 SINAI , 19 EL, 21 SALDO, 23 GIN , 25 ELEKTRON , 26 LAUDA , 27 FE; Senkrecht: 1 MEERESSPIEGEL , 2 ERDE, 3 TREIBHAUS, 4 HERZ, 5 NE ANDERTALER , 6 IDIOM, 11 GENOZID, 12 ODE, 14 APSIS, 18 NAFTA, 20 LILA, 22 OHNE , 24 NEU; Lösungswort : SINTFLUT
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Arbeit macht frei. Die Aufschrift an den Konzentrationslagern war nicht allein eine Erfindung der Nazis. Die mörderische Parodie auf den bibli schen Spruch, wonach der Mensch im Schweiße seines Angesichts sein Brot verdienen solle, stellt in Verbindung mit dem energischen Gebot „Macht euch die Erde untertan!“ einen zen tralen Ursprungsmythos Europas dar. Der Kapitalismus entstand aus dem Geiste neuzeitlicher, protestanti scher Arbeitsethik – darüber herrscht Einigkeit; kein Zweifel besteht an der Richtigkeit dessen, was Marx und En gels im „Kapital“ schrieben: „Die Ar beit ist zunächst ein Prozeß zwischen Mensch und Natur, ein Prozeß, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigene Tat ver mittelt, regelt und kontrolliert.“ Mit der biologisch-physiologischen Metapher des „Stoffwechsels“ hat ten die Analytiker des Kapitals einen grundlegenden Paradigmenwech sel des 19. Jahrhunderts erfasst, der jenseits von Arbeitsteilung, Privat eigentum und Entfremdung bis heu te Gültigkeit besitzt. Wissenschaft, Technik und Industrie überwölben jegliches Verständnis von Arbeit. Die Fabrik löste vor gut hundertfünfzig Jahren Kirche und Tempel als zentra len Ort von Welt- und Lebensverhält nissen ab. Inbegriff dieser neuen Form der Ent fremdung wurde Chaplins Tramp, der 8 vom Fließband der „Modern Times“ erfasst und von ihrem Räderwerk ver schlungen wird. Zur selben Zeit wie Chaplins filmische Parodie des Taylo rismus, der wissenschaftlichen Steu erung von Arbeitsprozessen, griffen Nazis und Kommunisten zu Bildern aus der Vergangenheit: Militarisier te Athleten bauen die Reichsauto bahn; die Kommunistin steuert einen Mähdrescher. Was bei aller totalen Vergesellschaf tung dem Einzelnen geschieht, be schreibt Wenedikt Jerofejew in seiner Parabel „Reise nach Petuschki“ mit Blick auf die monumentalen, erstmals auf der Pariser Weltausstelllung 1937 gezeigten Figuren eines stählernen Arbeiters mit erhobenem Hammer und einer sichelschwingenden Kol chosbäuerin: „Mit dem Hammer haut er mir den Schädel ein, mit der Sichel schneidet sie mir die Eier ab.“ Wer aber wagte nach Wiederaufbau und Wirtschaftswunder der Nach kriegszeit heute noch daran zu er innern, dass einst auch ein „Lob der Faulheit“ gesungen wurde, oder eine Utopie vom befreiten Leben lautete: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen“?
21.11.2011 16:20:23 Uhr
heureka
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Endre Ady
Gib mir deine Augen
Seelen am Strick
Komm Liebste, gib mir deine Augen,
Sie banden meine Seele fest,
In mein Gesicht will ich sie graben,
Denn sie trat um sich wie ein Fohlen,
Mich selbst strahlend vor Augen haben.
Da half kein Peitschen, kein Prügeln, Kein Jagen und kein strenges Drohen.
Komm Liebste, gib mir deine Augen, Deinen blauen Blick, der immer baut,
Seht ihr auf ungarischem Feld
Verschönt, verzeiht, weil er sich traut.
Blutig geifernde Pferde am Strick, Schneidet sie los und macht sie frei,
Komm Liebste, gib mir deine Augen,
Das sind Seelen, sie suchen das Glück.
Die morden, brennen und sich sehnen, Die in mir lauter Schönheit wähnen. Komm Liebste, gib mir deine Augen, Liebe ich dich, liebe ich mich selbst, Beneide den Blick, der so gefällt.
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Endre Ady (1877–1919)
21.11.2011 16:20:27 Uhr
Sparkling Science > Wissenschaft ruft Schule Schule ruft Wissenschaft „Das Nachwuchsförderprogramm ‚Sparkling Science‘ bringt junge Menschen zur Wissenschaft – und umgekehrt. So arbeiten Forscherinnen und Forscher Seite an Seite mit Schülerinnen und Schülern. Diese europaweit einzigartige Initiative ist eine lohnende Investition in die Zukunft des Wissenschaftsstandortes Österreich.“
o. Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Töchterle Bundesminister für Wissenschaft und Forschung
Mehr Infos unter > www.sparklingscience.at Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
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