FALTER heureka! Das Wissenschaftsmagazin
Nr. 51a/09
Wie krank machen Drogen? Wissenschaftler 端ber Neuro-Enhancer und andere Stimulanzien
Forscher: Welche Drogen sie einwerfen Tiere: Wie sie sich ganz nat端rlich berauschen Frauen: Warum sie anders s端chteln als M辰nner
Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2229/2009
COVERILLUSTR ATION: ALEX ANDER GL ANDIEN
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14.12.2009 12:25:03 Uhr
Alkohol am Steuer: Könnten Sie damit leben ?
Eine Initiative des Verkehrsministeriums
Mit Unterstützung von
Alkohol am Steuer tötet.
Dramatische Bilanz: Letztes Jahr starben 53 Menschen durch Alkolenker, 3.653 Personen wurden verletzt. Die neuen Gesetze. Hart aber notwendig. 0,5 – 0,79 Promille: V erwaltungsstrafe: 300 Euro bis 3.700 Euro Vormerkdelikt 0,8 – 1,19 Promille: V erwaltungsstrafe: 800 Euro bis 3.700 Euro zusätzlich (neu): Verkehrscoaching
Verkehrsministerin Doris Bures: „Alkohol am Steuer ist kein Kavaliersdelikt, weil man dadurch nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben anderer gefährdet.“
1,2 – 1,59 Promille: Verwaltungsstrafe: 1.200 Euro bis 4.400 Euro Führerscheinentzug: mind. 4 Monate Nachschulung: 15 Stunden 1,6 Promille und darüber: Verwaltungsstrafe: 1.600 Euro bis 5.900 Euro Führerscheinentzug: mind. 6 Monate Nachschulung: 18 Stunden plus Amtsarzt und eine verkehrspsychologische Untersuchung
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Durchschnittlich alle zweieinhalb Stunden kommt in Österreich ein Mensch durch einen Alkolenker zu Schaden. Insgesamt starben im vergangenen Jahr 53 Personen durch Alkohol am Steuer, 3.653 Personen wurden verletzt. Eine neue Kampagne des Verkehrsministeriums soll nun auf dieses Problem aufmerksam machen und den Menschen vor Augen führen, welch fatale Folgen das Lenken eines Fahrzeuges unter Alkoholeinfluss haben kann. Nähere Informationen unter www.bmvit.gv.at
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Editorial ein, wir kamen nicht in die VerN suchung, Ritalin, Amphetamine oder sonstige Mittelchen einzuwer-
fen, die die Konzentration steigern und die Müdigkeit vertreiben. Und dies trotz der beträchtlichen Mehrarbeit, die uns diese Ausgabe abverlangt hat. Denn wie Sie sehen, ist heureka! größer geworden. Um das Thema Drogen und Sucht zu bewältigen, haben wir uns an die bewährten journalistischen Helferchen gehalten, als da wären schwarzer Kaffee, grüner Tee und dunkle Schokolade. Jeder fünfte Wissenschaftler indes „verstärkt“ seine mentale Leistungsfähigkeit mit Pillen aller Art, wenn man einer Umfra-
ge des Wissenschaftsmagazins Nature glauben darf. Ob dieses Neuro-Enhancing legitim und vor allem auch gesund ist, haben wir für Sie auf den Seiten 8 und 9 recherchiert. Davor fi nden Sie die neue Eingangsstrecke: mit Bild (S. 4), allerlei Zahlen (S. 5) sowie Kurzmeldungen, Buchtipps und Kolumnen (S. 6–7) . Und zur Abrundung gibt es auf der letzten Seite (S. 22) ein Quiz und Auskunft darüber, was die Wissenschaft noch nicht weiß.
Dazwischen beleuchten wir wie gehabt das Thema von verschiedensten Seiten: So zeigt ein Blick in die Geschichte, dass die Einnahme von Drogen im Labor eine lange Tradition hat. Nicht zuletzt, weil die Pülverchen und Pillen ja erst mal entdeckt und dann eben auch ausprobiert werden müssen. Genauer: mussten, denn der Selbstversuch ist – wir begrüßen das – aus der Mode gekommen. Die Forschung indes boomt. Nicht zu-
letzt wegen der traurigen Tatsache, dass stoffliche und nichtstoffliche Abhängigkeiten Millionen Menschen das Leben zur Qual machen. Wir fragen, warum Frauen anders süchteln als Männer, was die Ersatztherapie Abhängigen bringt und ob der kontrollierte Einsatz von Drogen in der Psychotherapie sinnvoll ist. Was Stimmungsaufheller für die nächsten Tage und Wochen angeht, empfiehlt die Redaktion übrigens glühenden Wein, leuchtende Kerzen und feines Weihnachtsgebäck. Frohes Festen! K L AUS TASCHWER OLIVER HOCHADEL
Inhalt
Bild der Wissenschaft Wenn Spinnen Drogen nehmen Zahlen bitte! Numerisches zu Süchten und Substanzen Kleinzeugs Nachrichten, Kolumnen, Büchertipps Doktoren auf Dope Forscher greifen zu Neuro-Enhancern
10 12 14 16
Tierisch zugedröhnt Mit welchen Drogen sich Viecher berauschen Magic Mushrooms Halluzinogene Pilze faszinieren die Forscher Labortrips Wenn Forscher zum Selbstversuch schreiten Das ABC der Suchtforschung Von Abhängigkeit bis Vulnerabilität
Marihuana
Opium
LSD Psilos
Morphium
Kokain Heroin
Ecstasy Haschisch
FOTO: K ARIN WASNER, CAROLINE BREW
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Spinnen
Dope Speed Speed
Palmbier Prozac Serotonin Entzug Rausch Frauen Sigmund Freud Alkoholsucht Sucht Abhängigkeit Kalter Entzug Glücksgefühle Dopamin Tabakrauch Substitution Timothy Leary Kaufsucht Drogentherapie Cold Turkey Glücksgefühle Jeremy Narby Neuroenhancer Lachgas Rauschgift Nikotinabhängigkeit Methadon
18 20 21 22
Später anfangen, früher leiden Warum Frauen anders süchteln als Männer High auf Krankenschein Taugt LSD für die Psychotherapie? Mit Drogen gegen Drogen Chancen und Grenzen der Ersatztherapie Forschungsfragen Was die Wissenschaft noch nicht weiß
Impressum Falter 51/09 Herausgeber: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. Medieninhaber: Falter Zeitschrift en GmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: service@falter.at, www.falter.at Redaktion: Klaus Taschwer, Oliver Hochadel Layout: Reini Hackl Korrektur: Helmut Gutbrunner, Patrick Sabbagh, Anna Szyma Druck: Goldmann Druck AG, 3430 Tulln DVR: 047 69 86.
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heureka! erscheint mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung
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Bilder
der Wissenschaft
Spinnen auf Speed Weil ein deutscher Forscher nicht um vier
Ihren Tagesrhythmus änderten die Spinnen zwar nicht, doch
Uhr früh aufstehen wollte, um Spinnen beim Netzbau zu fil-
woben sie nun Netze, wie die Welt sie noch nie gesehen hat-
men, wollte er die Tiere mit Rauschmitteln auf eine humane-
te. Koffein stürzte die Achtbeiner in größte Verwirrung, auf
re Tagesplanung einstimmen. Mit etwas Zucker vermischt
Speed arbeiteten die Spinnen wie wild drauflos, doch klaff-
erhielten Gliederfüßern alles, was an Drogen gerade greifbar
ten große Löcher im Gewebe. Und unter Marihuana-Einfluss
war: Strychnin, Morphium, Speed bis hin zu LSD.
verloren die Tierchen bald die Lust am Weben.
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UF
Hans M. Peters und Peter N. Witt: Die Wirkung von Substanzen auf den Netzbau der Spinnen. Experientia 5 (4) (1949), S. 161–162 Spiders on Speed Get Weaving. New Scientist 1975, 29. April 1995, S. 5
Foto: APA/DPA/wolfgang kumm; illustr ationen: Reini hackl
Netzformationen unter Einfluss von Drogen: 1: Benzedrin 2: Chloralhydrat 3: Koffein 4: Marihuana
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Zahlen bitte!
Null
Personen starben bisher unmittelbar an einer Überdosis Cannabis. In Tierversuchen mit Rhesusaffen wirkten 128 Milligramm pro Kilo Körpergewicht letal. Umgerechnet auf einen 80 Kilo schweren Mann wären das 10 Gramm reiner Wirkstoff, also etwa 200 Gramm Marihuana.
0,00000000085
Gramm Kokain (das sind 850 Pikogramm) pro Kubikmeter Luft fanden sich 2009 als Höchstwert bei entsprechenden „Rauschgiftmessungen“ an ausgesuchten Orten in Madrid und Barcelona. Die eingeatmete Menge ist viel zu gering, um sich als einfacher Passant zu berauschen.
0,00002
Gramm (also 0,02 Milligramm) ist die Dosis, ab der LSD zu wirken beginnt. Aber auch 20 Milligramm wurden schon überlebt – von einem Dealer, der es bei einer Polizeikontrolle verschluckte.
1,5 Zwei
Prozent der Weltbevölkerung nahmen 1906 Opiate. Heute sind es nur mehr 0,25 Prozent.
Menschen kamen im September in Berlin bei einer Gruppentherapie ums Leben. Sie hatten vom behandelnden Psychiater Drogen erhalten (siehe S. 20).
14 30
kolumbianische Nationalparks (von insgesamt 54) wurden 2008 auch als Coca-Anbaufläche genutzt.
Prozent der Mädchen im Alter von 15 Jahren rauchen in Österreich. Im OECD-Schnitt sind es 17 Prozent. Bei den Buben sind es 24 Prozent (in Österreich) bzw. 16 Prozent (OECD). Damit liegt Österreich OECD-weit unangefochten auf Platz eins.
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Prozent der Raucher werden nikotinabhängig, dagegen nur 23 Prozent der Heroinkonsumenten und etwa neun Prozent der Cannabis-Nutzer. Cannabis ist aber oft der „Einstieg“ zum Konsum härterer Drogen.
Foto: APA/DPA/wolfgang kumm; illustr ationen: Reini hackl
Achtzig 300
Euro beträgt der „Marktpreis“ für ein Gramm Heroin in Österreich.
Milligramm LSD spritzte im Jahre 1962 Warren Thomas, der Direktor eines Zoos in Oklahoma, einem Elefanten. Der Versuch endete tödlich für Tusko (siehe S. 10–11).
4000
der rund 50.000 (also etwa 8 Prozent) auf dem Markt befindlichen Medikamente können abhängig machen (siehe S. 18–19).
350.000
Alkoholiker gibt es schätzungsweise in Österreich. Das sind fünf Prozent aller über 15-Jährigen.
74.000.000
Millionen Europäer haben schon einmal Cannabis geraucht. Weltweit hat jeder 25. zwischen 15 und 64 Jahren diese Droge bereits ein- oder mehrmals zu sich genommen.
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Wahnwitz und Wissenschaft
Merkwürdige Meldungen
Am Karfreitag 1962 erlebten 8 Theologiestudenten die Erleuchtung ihres Lebens
Neuigkeiten aus der Welt der Drogenforschung
Te x t: Klaus Taschwer
Tabakrauch macht Ratten abhängig
ging es an der Harvard Uni1962 versity noch ziemlich lustig zu: Timothy Leary zum Beispiel hatte dort einen Lehrauftrag in Psychologie. Der junge Theologe und Arzt Walter Pahnke wiederum schlug dem damals bereits einschlägig bekannten Drogenexperten ein Experiment vor, mit dem er promovieren wollte: 20 Testpersonen sollten an einem Karfreitags-Gottesdienst teilnehmen, und zwar die eine Hälfte auf Drogen und die andere nicht. Auf diese Weise wollte er erforschen, ob Halluzinogene zu mystischen Erfahrungen führen könnten. Der Versuch sollte doppelverblindet sein: also weder die Probanden noch die zehn Begleiter wussten, wer von den Versuchspersonen das Halluzinogen Psilocybin und wer lediglich Nikotinsäure erhielt (das immerhin zu Hitzewallungen führt). Bald nach Beginn des Experiments war freilich offensichtlich, wer was genommen hatte: zehn Studenten saßen brav in den Kirchenbänken, die anderen wanderten während des Gottesdiensts in der Kapelle herum, einer legte sich auf den Boden, einer spielte an der Orgel bizarre Akkorde. Auch fünf der Begleiter verhielten sich seltsam: Auf Anweisung Learys und gegen den Willen Pahnkes hatten auch sie Psilocybin genommen. Die 20 Versuchteilnehmer wurden unmittelbar nach dem Experiment, ein paar Tage später und dann noch einmal nach einem halben Monat interviewt. Tatsächlich berichteten acht der Psilo-Probanden von mindestens sieben typischen mystischen
„Wenn Gott LSD nimmt, sieht er dann Menschen?“ Ste ven Wright, US-Komiker
Cannabis hilft bei Krankheiten
Es ist mittlerweile schon wieder ein alter Hut: Extrakte aus der Hanfpflanze können auch heilsam wirken. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Studien, die unter anderem zeigen, dass Cannabis gegen Übelkeit bei Krebspatienten, Appetitlosigkeit bei Aidskranken oder chronischen Schmerzen hilft. Kalifornische Wissenschaftler von der Global Neuroscience Initiative Foundation in Los Angeles haben sich nun der Wirkung von Cannabis in Bezug auf Multiple Sklerose (MS) erneut angenommen und bestätigen nach der Metaanalyse von sechs einschlägigen Studien aus den Jahren 2002 bis 2007: Cannabis kann bei MS-Patienten Spastiken lindern und so ihre Bewegungsfähigkeit verbessern, wie sie kürzlich in der Online-Fachzeitschrift BMC-Neurology berichten. In den USA wurden deshalb erst vor kurzem entsprechende Gesetze geändert und Cannabis als Medizin anerkannt. Hierzulande ist man noch nicht so weit.
Der Drogenpapst als Dissertationsbetreuer: Timothy Leary
Bewusstseinszuständen, die sonst nach Selbstgeißelungen oder Meditationen erlebt werden, von der Kontrollgruppe kein Einziger. Pahnkes Dissertation ging gerade noch durch, Leary wurde wenig später gefeuert. Mehr als 25 Jahre danach machte sich ein Psychologe auf die Suche der Probanden, um sie abermals zu befragen. Für die psychedelisch Erleuchteten war der Gottesdienst 1962 nach wie vor ein spiritueller Höhepunkt ihres Lebens. Und auch von der Kontrollgruppe gab einer an, dass ihn das Experiment inspiriert habe: Weil er sich nämlich dazu entschied, bei der nächsten Gelegenheit selbst psychedelische Drogen F einzuwerfen.
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Ratten, die bloß „mitrauchen“, werden nikotinabhängig. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie von Forschern der University of Florida, die dieser Tage im Fachblatt Psychopharmacology erschien. Frei umherlaufende Ratten wurden für insgesamt vier Experimente über längere Zeit hinweg einige Stunden am Tag Tabakrauch ausgesetzt. Im ersten Versuch wurden die emotionalen Aspekte des Entzugs gemessen. Im zweiten Experiment ging es darum, ob die „mitrauchenden“ Ratten selbst versuchten, mehr Nikotin abzubekommen. Das dritte Experiment untersuchte, inwieweit der Tabakrauch bei den Ratten die Fresslust senkt, und im vierten ging es um die Frage, wie sich der Rauch auf den Hippocampus auswirkt. Tatsächlich zeigten die Tiere affektive und physische Entzugserscheinungen wie auch Veränderungen im Hippocampus. Sprich: Ratten macht der passive Kontakt mit Tabakrauch nikotinabhängig.
Koffein macht nicht nüchtern
Ein großer Schwarzer nach drei Bierchen – und geht schon wieder. Leider ist die durch Koffein hergestellte Wachheit bei Betrunkenen nur eine Illusion, wie US-Forscher im Fachblatt Behavioral Neuroscience (Bd. 123, Nr. 6) berichten. Sie haben Mäuse unterschiedliche Mengen von Alkohol, Kaffee oder beides konsumieren lassen und ihr Verhalten in einem Labyrinth getestet, das unliebsame Überraschungen bereithielt. Die alkoholisierten Tiere waren furchtlos und lernten schlechter, während die Nager auf Kaffee vor allem mehr Angst hatten. Mit beidem im Blut war die Furcht durch den Alkohol reduziert, während die kognitiven Fähigkeiten herabgesetzt blieben – eine verhängnisvolle Mischung. Die Forscher warnten in ihren Schlussfolgerungen deshalb insbesondere vor den beliebten Alkohol-Energy-Drink-Mixturen, die das trügerische Gefühl entstehen lassen, eh nüchtern zu sein und Gefahren richtig einzuschätzen.
Fruchtfliegen fliegen auf Alkohol
Wenn die kleinen Fruchtfliegen die Möglichkeit kriegen, sich an Alkohol zu berauschen, dann verhalten sie sich ziemlich genau so wie wir großen Menschen. Von diesem doch etwas überraschenden Ergebnis berichteten Ulrike Heberlein und Kollegen von der kalifornischen Universität San Francisco vor wenigen Tagen im Fachblatt Current Biology (Bd. 19, S. 1). Sie konnten zum einen zeigen, dass die Tiere selbst dann doch bis zur Vergiftung saufen, wenn der Alkohol unangenehm schmeckt. Zum anderen zeigte sich, dass Tiere, die sich an den Alkohol gewöhnt hatten und auf Entzug waren, danach besonders viel von der Droge schluckten. Bereits im Mai hatte Heberlein an Fruchtfliegen ein „Happy Hour“Gen entdeckt, das für die Alkoholtoleranz mitverantwortlich ist. Beeinflusste man es mit dem Krebsmedikament Tarceva, wurden die Tiere schneller betrunken – und nahmen ergo weniger Alkohol zu sich.
Statistik Einstufung der unterschiedlichen Risiken verschiedener Drogen 3,0
Soziale Risiken
2,8
Sucht und Abhängigkeit körperliche Schäden
2,5
2,4 2,2
2,2
2,2
2,3
1,9
Quelle: David Nutt et al.: Development of a rational scale to assess the harm of drugs of potential misuse. The Lancet, Bd. 369, Nr. 9566 (2007), S. 104
1,5 1,1 1,1 1,1
Exxtas xtasyy
1,4
1,4 1,2
1,0 1,0
Can nnab nna bis
Alkohol koh
TTabak abak
Ko okaiin oka
Heeroin eroi
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h e u r e k a ! Dr. Püribauers Tierversuche
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Inflation der Süchte
Auch von Schwangerschaft und Kartenlegen kann man abhängig werden oliver hochadel
ifersucht ist eine Leidenschaft, die mit E Eifer sucht, was Leiden schafft. So wit zelten wir damals auf dem Schulhof und
Bernd Pür ibauer
Bücher Ein Sammelsurium, ein Lexikon und ein Krimi Häppchenweise Drogeninformation
G r a f i k : R e i n i H A c k l , F o t o s : e p a / M i k e NELSON
Mit Ben Schotts Sammelsurium hat es 2002 begonnen. Mittlerweile gibt es ein paar Dutzend Bücher, die mehr oder weni ger intelligent nützliche und weniger nütz liche Informationen zu einem Thema in Häppchenform kompilieren. Zu den gelun genen Exemplaren dieses Genres zählt der Miszellen-Band „Breites Wissen“, in dem Ingo Niermann und Adriano Sack bunt zusammengewürfelt so ziemlich alles an mehr oder weniger brauchbarer Informati on zum Thema Drogen und Sucht zusam mengetragen haben: wie man einen Joint baut, welche Berühmtheit was nahm, wer daran starb, in welchen Filmen es die groß artigsten Drogenszenen gibt, welche Dro gen man im freien Handel kaufen kann und welche in der Natur wachsen. Stellenwei se wirkt „Breites Wissen“ etwas affirmativ, aber immerhin mit guten Argumenten. Ingo Niermann und Adriano Sack: Breites Wissen. Die seltsame Welt der Drogen und ihrer Nutzer. Eichborn 2007, 187 S., € 15,40
Halluzinogenes Lexikon
Wer mehr über all jene Rauschmittel wis sen will, die in der Natur so wachsen, ist mit dem Handbuch „Bewusstseinsverän dernde Pflanzen von A–Z“ gut bedient. Die promovierte Apothekerin Angelika Prent ner beschreibt darin die weltweit wich tigsten Rauschpflanzen und -pilze inklu sive ihrer Verbreitung, ihrer Zubereitung und (rituellen) Anwendungsformen. Die meisten der von Prentner behandelten be
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wusstseinsverändernden Pflanzen wach sen zwar in fernen Ländern. Mit der En gelstrompete, dem Krokus, dem Stech apfel oder der Tollkirsche ist aber auch einiges dabei, was sich in unserer Gegend finden und – mit aller dringend gebotenen Vorsicht – zu Arzneien oder Halluzinoge nen verarbeiten lässt. Eine Neuauflage des 2004 erstmals erschienenen Handbuchs erscheint im Jänner. Angelika Prentner: Bewusstseinsverändernde Pflanzen von A–Z. Springer Wien 2010. 297 S., € 39,95
Das Drogensammelsurium
Krimineller Psilo-Konsum
Dass mit psychoaktiven Pflanzen und Pil zen aus der heimischen Natur nicht zu spa ßen ist, lässt sich im Krimi „Die dunkle Sei te des Mondes“ (jaja, Pink Floyd lässt grü ßen) von Martin Suter höchst spannend nachlesen. Der Schweizer Bestsellerautor schickt in einem seiner besten Romane ei nen erfolgreichen Wirtschaftsanwalt auf Das einen bösen Psilo-Trip, aus dem es schein Drogenlexikon bar keinen Ausweg mehr gibt. Immerhin findet der Drogen-Novize nach einigen Um wegen heraus, warum die magischen Pilze bei ihm solche verheerenden Wirkungen anrichteten. Doch damit ist sein Alptraum noch lange nicht überwunden. Der Krimi aus dem Jahr 2000 ist längst ein Klassiker der Drogenliteratur – und bestens als Feier tagslektüre geeignet. Martin Suter: Die dunkle Seite des Mondes. Diogenes 2009. 315 S., € 10,20
Der Drogenkrimi
fanden das sehr geistreich. Was wir frei lich nicht wussten: Der Begriff „Sucht“ hat etymologisch überhaupt nichts mit Su chen zu tun, sondern kommt von siechen, sprich: leiden. So erklärt sich der Name vie ler Krankheiten wie Schwindsucht (Tuber kulose), Gelbsucht, Fallsucht (Epilepsie) oder Tobsucht. Mit der Medikalisierung etwa von Trunksucht (Alkoholismus) und Opiumsucht wurde der Begriff Sucht Ende des 19. Jahrhunderts enger definiert und zu einem eigenen Forschungsfeld – eben der Suchtforschung. Im Laufe des 20. Jahrhunderts bekamen die Mediziner dann zunehmend Probleme mit der Bezeichnung. Sie sei doch zu nahe an der Umgangssprache, auch hafte ihr eine moralische Wertung an, obwohl es sich doch um eine Krankheit handle. Die Welt gesundheitsorganisation WHO verzichtet deshalb bereits seit 1964 auf diesen Begriff. Im Deutschen etwa spricht man daher mitt lerweile korrekter von Abhängigkeit. Aber wen kümmert das? Denn fast scheint es eine Sucht nach neuen Süchten zu geben, mit deren Hilfe sich die Gesell schaft immer wieder selbst diagnostizie ren kann. Woher kommen die vielen Di cken? Es muss die Esssucht sein! Ohne Hollywood und die amourösen Eskapaden von Michael Douglas und Co wäre der Begriff der „Sexsucht“ wohl nicht in aller Munde. Der medizinisch korrekte Ausdruck Hypersexualität ist dann doch deutlich weniger, äh, sexy, und auch das Adjektiv hypersexuell eignet sich nicht so ideal für knackige Schlagzeilen à la „Sexsüchtig!“. In den USA wird gerade diskutiert, ob es so etwas wie eine Sucht nach Schwan gerschaft gebe. Anlass ist der Fall von Nad ya Suleman, die bereits sechsfache Mutter war, sich acht Embryonen einsetzen ließ und im Februar Achtlinge zur Welt brach te. Und jetzt rede die Frau schon von der nächsten Schwangerschaft, erregen sich die Medien. Diese Reproduktionsmedizin! Neue Technologien bringen eben neue Süchte mit sich. Wer ständig seine E-Mails checkt, hat sich wohl auch schon mal ge fragt, ob er zur wachsenden Gruppe der In ternetabhängigen zählt. Eher esoterisch mutet dagegen die „Okkultismussucht“ an. Aber auch für die Abhängigkeit von Horos kopen und Kartenlegen gibt es in München eine erste Beratungsstelle. Die Betroffenen lassen viel Geld bei Astronomen und win digen Lebensberatern liegen. Entwarnung kann hingegen für besorg te Leckermäulchen gegeben werden: Die in Schokolade enthaltenen Stoffe aktivie ren zwar im Gehirn jene Regionen, in de nen etwa auch Kokain wirkt. Eine Schoko ladensucht gibt es nach medizinischen Kri F terien aber nicht.
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Doktoren
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Te x t: R o b e rt C z e p e l
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onathan Eisen bekam als Erster Wind vom harten Durchgreifen der National Institutes of Health (NIH). In seinem Weblog veröffentlichte der kalifornische Evolutionsbiologe eine Mitteilung von Amerikas größter und wichtigster Behörde für Biomedizin. Titel: „Die NIH ergreifen Maßnahmen im Kampf gegen den Missbrauch von Hirndopingsubstanzen durch Wissenschaftler.“ Die NIH gründen mit der EU eine international agierende Anti-Hirndoping-Agentur, war da zu lesen. Diese werde ab nun – analog zum Spitzensport – regelmäßig Dopingkontrollen an den Damen und Herren Forschern vornehmen. Wer dennoch unerlaubte Mittel zur geistigen Leistungssteigerung konsumiere, habe mit drakonischen Strafen zu rechnen. Datum des Eintrags: 1.4.2008. Dass viele diesem Aprilscherz auf den Leim gegangen sind, liegt nicht nur daran, dass sich Eisen die Mühe gemacht hatte, eine Fake-Website der „World Anti-Brain Doping Authority“ ins Netz zu stellen. Es liegt auch daran, dass das Thema „Hirndoping“ – akademisch: „neurokognitives En-
„Neuroenhancer – das ist viel Lärm um nichts. Langfristig sind alle Wirkstoffe mit mehr oder weniger schweren Nebenwirkungen verbunden“ M i c h a e l F r e i ssm u t h P h ar m a k o l o g e
hancement“ – gegenwärtig einen medialen Hype erlebt und in Fachmagazinen wie im Boulevard gleichermaßen für Schlagzeilen sorgt. Nur: Es gibt viele Gerüchte und wenig harte Fakten. „Neurogossip“ nennen das manche.
Ritalin treibt die Forschung an Eine der wenigen Untersuchungen zu diesem Thema wurde letztes Jahr in Nature veröffentlicht: 1400 vorwiegend US-amerikanische Wissenschaftler beteiligten sich an der Online-Umfrage, jeder Fünfte von ihnen gab an, Medikamente zur Steigerung der mentalen Leistungsfähigkeit zu konsumieren. Beliebtestes Dopingmit-
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heureka!
tel ist demnach die Substanz Methylphenidat, besser bekannt unter dem Markennamen Ritalin. Sie wird häufig hyperaktiven Kindern verschrieben – nach Auffassung von Kritikern viel häufiger, als es eigentlich notwendig wäre. Jedenfalls erhoffen sich gestresste Eltern von dem Präparat, dass es ihre Kinder ruhiger und konzentrierter macht. Ähnliche Motive bewegen auch dopende Forscher, wie die Umfrage zeigt. Ob sie berechtigt sind, ist völlig unklar. Überzeugende Belege für die Wirksamkeit an gesunden Erwachsenen hat bislang noch niemand vorgelegt. Dass Ritalin-Pillen dennoch munter geschluckt werden, ist wohl auch ein Beleg für den gnadenlosen Konkurrenzdruck im Wissenschaftsbetrieb, in dem nicht länger Ideenreichtum und Inspiration als wichtigste Tugenden gelten, sondern unbedingter Leistungswille und Produktivität. Für Ulrich Körtner von der Universität Wien ist das Umfrageergebnis ein „Alarmsignal“. „Die Wissenschaft hat mit ihrer zunehmenden Ökonomisierung und dem Prinzip ‚publish or perish‘ menschenfeindliche Arbeitsbedingungen geschaffen“, kritisiert der evangelische Theologe und Medizinethiker. Platz zwei in der Liste der beliebtesten Neuro-Enhancer belegt laut Nature Modafinil. Die amphetaminartige Substanz gleicht akuten Schlafentzug aus und wird von Forschern unter anderem dazu benutzt, Jetlags schneller zu überwinden. Das mag hilfreich sein für den Besuch einer Tagung ein paar Zeitzonen entfernt. Doch abgesehen von dieser dokumentierten Wirkung steht auch hier ein großes Fragezeichen in der Fachliteratur. Ob Modafinil ausgeschlafene Menschen geistig reger macht, ist unbekannt. Falls überhaupt, dann sind die Effekte ziemlich gering. Michael Freissmuth, Pharmakologe an der MedUni Wien, überrascht das keineswegs. Denn Psychopharmaka wirkten notorisch unscharf, erklärt er: „Im Prinzip kann man mit einem Pharmakon nur Schalter umlegen, die bereits vorhanden sind. Aber man kann weder einzelne Zellen ansteuern noch die Wirkung zeitlich präzise staffeln, wie das etwa bei der natürlichen Gedächtnisbildung passiert. Dadurch entstehen widersprüchliche Signale. Das ist der Grund, warum die Effekte so gering sind.“
Student’s little helper
Immer mehr Forscher und Studenten dopen ihr Gehirn – obwohl keineswegs klar ist, was die Neuro-Enhancer genau bringen – und welche Folgen sie haben.
Memorandum „Das optimierte Gehirn“ www.gehirn-und-geist. de/memorandum Umfrage in Nature: Poll results: look who’s doping www.nature.com/ news/2008/080409/ full/452674a.html
Umfragen zufolge greift auch der akademische Nachwuchs gerne zur Pillendose, wenn größere Prüfungen anstehen. Fünf bis 15 Prozent der Studierenden an US-Unis helfen ihren grauen Zellen regelmäßig mithilfe der Chemie auf die Sprünge, Tendenz steigend. Ein aktuelles Forschungsprojekt an der Universität Mainz zeigt, dass die „Enhancement-Epidemie“ noch nicht in vollem Ausmaß in Mitteleuropa angekommen ist. In Deutschland (und vermutlich auch in Österreich) liegt die Zahl der Konsumenten unter Schülern und Studierenden deutlich niedriger, nämlich bei rund drei Prozent. Dennoch sieht man auch hier erhöhten Diskussionsbedarf. Die österreichische Bioethikkommission habe das Thema auf ihrer Agenda, berichtet deren Vorsitzende Christiane Druml gegenüber Falter Wissenschaft. Konkrete Empfehlungen gebe es – noch – keine. In Deutschland läuft zurzeit ein vom Bildungsministerium finanziertes Projekt, das Risiken und Potenziale der Neuro-Enhancer abschätzen soll. Sieben daran beteiligte Wissenschaftler haben kürzlich ein Memorandum veröffentlicht, in dem sie behaupten, „dass es keine überzeugenden grundsätzlichen Einwände gegen eine pharmazeutische Verbesserung des Gehirns oder der Psyche gibt“. Sukkus des Memorandums: Allfällige ethische Probleme müsse man ernst nehmen. Aber wenn man den menschlichen Geist tatsächlich gefahrlos optimieren könnte, dann sollte man sich den Segnungen der Wissenschaften nicht verschließen. Michael Freissmuth ist sehr skeptisch: „Ich glaube, das ist viel Lärm um nichts. Langfristig sind alle Wirkstoffe mit mehr oder weniger schweren Nebenwirkungen verbunden. Solange mir niemand eine Substanz zeigt, mit der das geht, glaube ich es nicht. Das ist nur ein Hype, der sich legen wird.“
Das Espresso-Argument Ein Argument, das in der Diskussion über das Hirndoping öfter verwendet wird, ist der Verweis auf kulturell akzeptierte Wirksubstanzen, wie etwa das Koffein. Müsste man nicht auch den morgendlichen Espresso bereits als Hirndoping bezeichnen? Schließlich macht er wach und regt die Konzentrationsfähigkeit an.
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h e u r e k a ! Das Espresso-Argument hat einen wahren Kern, denn eine klare Grenze zwischen dem natürlichen Leib hier und der künstlichen Intervention dort lässt sich in der Tat nicht finden – weil es sie nicht gibt. „Dass der Mensch seinen Körper durch Technik erweitert, ist ein Grundphänomen unserer Kultur“, sagt Ulrich Körtner. Von einem
„Dann nehme ich wieder eine Pille und gehe zurück in die Bibliothek. Ja, ich bin ein Zombie, aber ein Zombie, der lernt wie eine Maschine“ E i n S t u d e n t a u f R i tal i n
Naturzustand des Menschen, was auch immer darunter zu verstehen sei, lasse sich jedenfalls kein ethisches Ideal ableiten. Andererseits greift das Espresso-Argument auch zu kurz. Denn Koffein wirkt nicht auf den Kern der Persönlichkeit. Ritalin indes dürfte dort tiefe Spuren hinterlas-
sen. Ein deutscher Philosophiestudent hat im März dieses Jahres einen Selbsterfahrungsbericht mit der „Studierpille“ Ritalin auf der Website der Wochenzeitung Die Zeit veröffentlicht. Der Einblick in seine Innenperspektive klang nicht danach, als sei das Mittel mit einer Tasse Kaffee zu vergleichen: Es entfernt aus dem Ich jegliche Neugierde, jegliche Emotion. Und lässt ein mechanisches Gerüst zurück, das sich ohne Widerrede einfügt in die Erfordernisse der Pflicht. „Mittags stehe ich in der Mensa und überlege, auf welches Menü ich Lust habe – und ich weiß es nicht. Dann nehme ich wieder eine Pille und gehe zurück in die Bibliothek. Ja, ich bin ein Zombie, aber ein Zombie, der lernt wie eine Maschine.“
Gefahr für die Chancengleichheit In akademischen Kreisen ist der Begriff „Hirndoping“ nicht sehr beliebt, er erinnere zu sehr an die betrügerische Praxis im Spitzensport, heißt es. Stimmt schon, da schwingen ein wenig Ben Johnson und Bernhard Kohl mit. Aber Betrug gibt es nicht nur im Sport, sondern auch in der Wissenschaft und in beiden Fällen ist er Ausdruck eines exzessiven Leistungsprinzips.
Buchtipp: Einen aktuellen Überblick zum Diskussionsstand in Philosophie, Medizin und Recht gibt der Sammelband Bettina SchöneSeifert u.a. (Hg.): Neuro-Enhancement. Ethik vor neuen Herausforderungen. Paderborn 2009 (Mentis), 367 S., € 41,–
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Bei den pharmakologischen Eingriffen in den Sportlerkörper und den Forschergeist gibt es eine interessante Parallele. Beide Fälle werfen nämlich Fragen der Chancengleichheit und Gerechtigkeit auf. Ein Radfahrer, der sich mithilfe eines Epo-Derivats einen Vorteil gegenüber seinen Kollegen verschafft, muss mit einer langjährigen Sperre rechnen. Konsequenterweise müsste es auch für die pharmakologische Aufrüstung an den Unis Regeln geben – gesetzt den Fall, es existierten einmal dauerhaft wirksame Präparate. „Mich erinnert die gegenwärtige Debatte an die Steinzeit der Taschenrechner“, sagt Ulrich Körtner. „Zu Beginn waren sie so teuer, dass sie an Schulen verboten wurden. Als sie dann billiger wurden, musste jeder den gleichen Taschenrechner verwenden, um Chancengleichheit herzustellen.“ Beim Neuro-Enhancement wäre das nicht ganz so einfach. Denn um gleiche Chancen herzustellen, müssten entweder alle das gleiche Präparat einnehmen – oder gar keines. „Nur, wie soll man das kontrollieren?“, fragt Körtner. Und hat als Antwort auch nur einen potenziellen Aprilscherz parat. „Oder wollen wir Dopingkontrollen A und B vor und nach dem F Klausurtermin einführen?“
„Die Gesellschaft muss wissen, was sie will“ :: Der angesehene deutsche Neurologe Gereon Fink plädiert für eine offene Diskussion über Neuro-Doping, das die meisten von uns ohnehin schon betreiben.
heureka!: Vor zwei Monaten erschien ein Memorandum deutscher Psychologen, Rechts- und Ethikexperten, das für einen liberalen Umgang mit Neuro-Doping plädiert. Freut Sie dieser Vorstoß? Gereon Fink: Die Autoren des Memoran-
dums gehen auf eine aktuelle Entwicklung ein. Nicht nur psychisch kranke oder demenzgefährdete Menschen nehmen Medikamente ein, die auf das Gehirn wirken, sondern zunehmend auch Gesunde, um ihre geistige Leistungsfähigkeit zu steigern. Dem Begriff Neuro-Doping hängt durch den Sport ein negatives Stigma an. Das möchte ich so nicht stehenlassen. Gedächtnisfördernde Mittel oder Neuro-Enhancer sind nicht per se zu verdammen. Oder möchten Sie auf Ihren Kaffee am Morgen verzichten? Ich jedenfalls nicht – und damit fängt das Verbessern von Hirnfunktionen ja schon an.
Die Argumentation ähnelt jener über starke Schmerzmittel. Fink: Richtig. Über Jahrzehnte wurden Pa-
tienten mit schlimmsten Schmerzen nicht ausreichend therapiert, weil man eine mögliche Abhängigkeit mehr fürchtete als das Leiden. Heute weiß man, dass nur wenige Patienten abhängig werden, und setzt schmerzlindernde Medikamente in ausreichender Dosierung und schnell ein. Wozu Qualen bereiten, die eigentlich unnötig sind? In dem Memorandum heißt es: Wichtig sei, warum und mit welcher Regelmäßigkeit Neuro-Enhancer eingenommen werden. Hat jemand, der sich für die Prüfung dopt, eher ein Recht darauf als jemand, der für die fünfte Partynacht fit sein will? Fink: Meines Erachtens ist das nur indivi-
Aber sind Kaffee und Brain-Booster wirklich vergleichbar? Fink: Also, erstens wirkt Kaffee auch ge-
duell zu entscheiden: Ist derjenige des Substanzmissbrauchs schuldig, der ein beruhigendes Medikament einnimmt, weil er unter extremer Prüfungsangst leidet, aber doch sein Studium abschließen möchte? Die Grenzen sind fließend. Missbrauch besteht dort, wo eine unkontrollierte und nicht ärztlich überwachte Einnahme dazu führt, dass Substanzen nicht ordnungsgemäß bezogen und eingesetzt werden. So entstehen Abhängigkeiten, die durch den Verzicht auf die Substanz oder aber eine adäquate Behandlung vermieden werden könnten.
Auch mit Pillen? Fink: Dazu möchte ich Ihnen etwas aus mei-
Also bedarf es nur Zeit und ein wenig Anpassung, bis Neuro-Enhancer gesellschafts fähig werden? Fink: Die Gesellschaft muss sich überlegen,
zielt im Gehirn, indem sich das Koffein an die dort geeigneten Rezeptoren bindet und eine Reaktion auslöst, die Sie aufmerksamer und munterer macht. Trotzdem stellt Kaffee die Gesellschaft nicht vor ethische Probleme. Deswegen muss man erst einmal festhalten: Leistung zu optimieren ist in unserer Gesellschaft ein alltäglicher Prozess, mit Einschränkungen würde ich sogar sagen: Er ist durchaus verständlich und gewünscht. Foto: privat
diese Frage mehrheitlich mit Nein. Mit zunehmenden Alter, Krankheit oder nur Vergesslichkeit nimmt diese ablehnende Haltung aber ab. Das Fazit lautet also: Je mehr man von dem Nutzen solcher Medikamente profitieren könnte, desto weniger spielen moralische Aspekte eine Rolle.
ner Praxis erzählen. Tatsächlich beantworten junge und vor allem gesunde Menschen
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was sie will. Es ist unumstritten, Demenzkranken mit Acetylcholinesterase-Hemmern zu helfen. Sie verhindern, dass ein „Die Grenzen bestimmter Botenstoff zu schnell abgebaut sind fließend“ wird, der eine wichtige Rolle für das Gedächtnis spielt. Ich sehe aber zunehmend ältere Menschen, die nur an einer altersbedingten Vergesslichkeit leiden und die ihr Gehirn ein wenig auffrischen wollen – bevorzugt Leute aus einer gehobenen intellektuellen Schicht. Für diese Menschen sind die Mittel aber gar nicht vorgesehen gewesen. Damit sprechen Sie genau das Problem an, dass Skeptiker der Gedächtnispillen befürchten: Wer kann sich einen munteren Geist leisten und wer nicht? Fink: Ich kann nur wiederholen: Die Gesell-
schaft muss wissen, woran sie sich langfristig orientiert. Im Moment orientiert sie sich tatsächlich an der Leistung eines Einzelnen – egal aus welcher sozialen Schicht. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die gleichzeitig immer älter wird. Das ist allen bekannt, auch den Krankenversicherungen. Wir müssen wissen, wie viel wir für unsere „Leistung“ ausgeben wollen. Angenommen, man würde sich gesellschaftlich für das Neuro-Enhancement Zur Person aussprechen: Würde dann nicht der Leistungsdruck auf den Einzelnen noch weiter Gereon Fink, 45, steigen? ist deutscher Neurowis- Fink: Ja, das ist gut möglich, ebenso wie sich senschaftler mit über andere Branchen Herausforderungen, etwa 200 internationalen der Globalisierung, stellen müssen. Die uniFachpublikationen. Er verselle Verfügbarkeit von Substanzen, die leitet die Klinik und Leistungen fördern, wird zu ihrem EinPolyklinik für Neurologie satz führen. Das heißt nicht, dass wir nun der Uni Köln und ist alle anfangen sollten, Substanzen zur LeisDirektor am Institut für tungsverbesserung zu schlucken. Wir steiNeurowissenschaften gen ja auch nicht alle auf eine mediterrane und Medizin des Diät um und bewegen uns regelmäßig, obForschungszentrums wohl dies die Demenz hinauszögern würde. I n t e r v ie w : E dd a G r a b a r Jülich
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Tierisch zugedröhnt
Sie zechen, paffen, kiffen, koksen – und rückfällig werden sie auch: Tiere im Drogenrausch. Ulrike Fell
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ie Lust am Rausch ist kein Privileg des Menschen. Tiere in der freien Wildbahn suchen gezielt nach psychoaktiven Substanzen. Mit ein wenig Alkohol oder Opium intus fühlt man sich gleich besser, auch auf vier oder sechs Beinen. In Gefangenschaft lebende Tiere müssen so manches Drogenexperiment über sich ergehen lassen, kommen dabei aber sehr schnell auf den Geschmack, gleich ob LSD oder Kokain.
Trinkfeste Spitzhörnchen Spitzhörnchen in Malaysia gönnen sich gerne einmal einen guten Tropfen und verlieren dennoch nie die Contenance. In rauen Mengen trinken die Tierchen mit dem charakteristischen Federschwanz den angegorenen Nektar der Bertam-Palme, der immerhin bis zu 3,8 Prozent Alkohol enthält – und bleiben trotzdem nüchtern. Wie Forscher um den Bayreuther Tierphysiologen Frank Wiens vermuten, verkraften die nachtaktiven Hörnchen Alkohol viel besser als der Mensch. Offenbar verbringen die lustigen Kletterer jede Nacht bis zu zwei Stunden mit Palmbier-Saufen, ohne auch nur einen Schwips zu bekommen. Die Trinkfestigkeit verdanken die Federschwanz-Spitzhörnchen vermutlich einem besonders effizienten Stoffwechsel. Dass die Tiere überhaupt zum Zechen neigen, liegt wohl an den „positiven psychologischen Effekten“, die der Nektar auf die kleinen Genießer ausüben soll.
Benebelte Wallabies Auf der australischen Insel Tasmanien sorgen bedröhnte Wallabies für Aufregung: Die kleinen Kängurus wurden unlängst beschuldigt, in die staatlich kontrollierten Opiumfelder einzudringen und an den Mohnsamen zu naschen. Berauscht von den darin enthaltenen Alkaloiden springen laut Medienberichten die agilen Hüpfer munter im Kreis und hinterlassen in den Feldern jene mysteriösen Zirkel, die Ufo-Gläubige bereits als Zeichen von Außerirdischen deuteten. Generalstaatsanwältin Lara Giddings brachte das Problem vor wenigen Monaten im Parlament in Hobart zur Sprache, denn für die Insel geht es um Bares: Die legale Opiumproduktion ist hier ein wichtiger Wirtschaftszweig. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wird in Tasmanien die Hälfte des weltweiten Bedarfs an Schlafmohn für den medizinischen Gebrauch gewonnen. Giddings’ Verdacht ob der tierischen Täter ist nicht von der Hand zu weisen: In der Region wurden auch Schafe schon dabei beobachtet, wie sie sich an Mohnsamen labten und anschließend „high“ umherblökten.
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Süchtige Ratten Wenn es um Drogen geht, sind Ratten unfreiwillige Experten: ob Alkohol, Nikotin, Kokain, Heroin, Ecstasy oder Marihuana, ob Beruhigungs- oder Aufputschmittel – es gibt wohl keine Droge, die Laborratten nicht schon vorgesetzt wurde. Im Suchtverhalten sind die kleinen Nager dem Menschen ähnlich, weswegen sie Drogenforschern gerne als Modell nutzen. Beispiel Kokain: Haben Ratten dazu freien Zugang, gewöhnen sie sich nach einer „Einstiegsphase“ schon bald an den regelmäßigen, wenn auch meist maßvollen Konsum. Ein Teil der Tiere rutscht indes in die unkontrollierte Sucht ab. Dabei sind einsame Tiere anfälliger als in Gruppen lebende; dominante, aggressive Individuen brauchen weniger Stoff als untergeordnete. Abhän-
„Es gibt wohl keine Droge, die Ratten im Labor nicht schon vorgesetzt wurde“ gige Ratten zeigen die für Menschen typischen Verhaltensmuster: Um an Koks zu kommen, handeln süchtige Nager entgegen aller Rattenvernunft und lassen sich nicht einmal von Elektroschocks abhalten. Bei erzwungener Abstinenz leiden sie unter Entzugserscheinungen, und auch nach längerer Einnahmepause neigen sie zum Rückfall.
Glückliche Hunde Wer zuhause einen schwermütigen Vierbeiner sitzen hat, dem offeriert die Pharmaindustrie nun Abhilfe. Im Angebot sind nicht nur simple Beruhigungsmittel, auch ein handfestes Antidepressivum ist seit jüngster Zeit auf dem Markt: So wurde in Europa letztes Jahr das Mittel „Reconcile“ zugelassen, das, wie auch der Kassenschlager Prozac, den Wirkstoff Fluoxetin enthält. Der Seelentröster schmeckt – wonach sonst – nach Fleischwurst und hilft dem tristen Tier über Trennungsängste und Stimmungstiefs hinweg. Auch bei anderen Haustieren soll Prozac gute Erfolge zeigen. Während die Glückspille vor allem von besorgten Herrchen und Frauchen verfüttert wird, verabreichen andere Tierbesitzer ihren Schützlingen aus weniger redlichen Beweggründen psychoaktive Substanzen. So wurden etwa Windhunde bei Dopingtests in Irland positiv auf Kokain und Speed getestet.
Paffende Affen Eine kettenrauchende Schimpansin in einem Zoo in China machte vor wenigen Jahren Schlagzeilen, als sie nach langer Abhängigkeit auf Nikotinentzug ging. Dem blauen Dunst war Ai Ai verfallen, nach-
Links und Literatur (Auswahl): Spitzhörnchen Frank Wiens et al.: Chronic Intake of Fermented Floral Nectar by Wild Treeshrews. PNAS 105, 29. Juli 2008, S. 10426–10431 Ratten Kelly L. Conrad et al.: Formation of Accumbens GluR2-lacking AMPA Receptors Mediates Incubation of Cocaine Craving. Nature 454, 3. Juli 2008, S. 118–121 Hunde John Bonner: Problem Pets Can Now Pop Prozac. New Scientist 2602, 2007, S. 18 Affen Christina S. Barr et al.: Functional CRH Variation Increases Stress-induced Alcohol Consumption in Primates. PNAS 106 (34), 2009, S. 14593–14598 Elefanten Steve Morris, David Humphreys und Dan Reynolds: Myth, Marula, and Elephant: An Assessment of Voluntary Ethanol Intoxication of the African Elephant. Physiological and Biochemical Zoology 79(2), 2006, S. 363–369 Ziegen Werner P. Koella, Roger F. Beaulieu und John R. Bergen: Stereotyped Behavior and Cyclic Changes in Response Produced by LSD in Goats. International Journal of Neuropharmacology, Nr. 3, 1964, S. 397–403
dem sie Menschen beim Rauchen beobachtet und dann imitiert hatte. Für Nachschub hatten leichtfertige Zoobesucher gesorgt, die dem Tier zur eigenen Belustigung Glimmstengel zugeworfen hatten. In einem südafrikanischen Zoo ging der Chimp Charlie sogar so weit, seine Zigaretten vor den Tierpflegern zu verstecken. Aber auch er soll sein Laster inzwischen besiegt haben. Freilich sind Affen auch für andere Drogen empfänglich. Von betrunkenen Pavianen berichtete im späten 19. Jahrhundert schon Alfred Brehm in seinem „Thierleben“.
Vergiftete Elefanten Torkelnde Elefanten in der afrikanischen Savanne standen lange unter dem Verdacht der Trunksucht: Weil die Dickhäuter gerne die vergorenen Früchte des Marula-Baumes fressen, entstand der Mythos, die Tiere seien dem Alkohol verfallen. Indes ist es nicht der im Obst enthaltene Spiritus, der die Elefanten ins Stolpern bringt, wie britische Biologen feststellten. Um sich zu beschwipsen, müssten die Kolosse Unmengen von Früchten fressen. Schuld am Kontrollverlust dürfte vielmehr die Rinde der Bäume sein, welche die Tiere ebenfalls verspeisen. Die darin lebenden Käferpuppen enthalten ein Gift, das die Elefanten ins Wanken bringt. Ganz von der Hand zu weisen ist der Hang der grauen Giganten zum guten Tröpfchen aber nicht: In Indien sorgen randalierende Elefanten, die sich mit frischgebrautem Reisbier die Kante geben, regelmäßig für Tumult. Ein Drogenexzess ganz anderer Art endete für einen Elefanten in einem US-amerikanischen Zoo letal: In einem Anflug unkontrollierten Wissensdrangs spritzte der dortige Zoodirektor dem Dickhäuter Tusko fast 300 Milligramm LSD – das reicht bei Menschen für 3000 Trips – in den Allerwertesten. Wie von der Tarantel gestochen trompete Tusko los, um bald darauf tot umzufallen.
Aufgedrehte Ziegen Mit einer Herde wild herumhüpfender Ziegen begann einer schönen Legende zufolge die Kulturgeschichte des Kaffees: Die äthiopische Überlieferung handelt vom Hirten Kaldi, der seine Ziegen täglich auf die Weide führte. Eines Tages verlor er seine Herde aus den Augen – und fand seine Tiere schließlich, wie sie munter an einem Strauch mit roten Kirschen knabberten und daraufhin übermütig herumtollten. Auch Kaldi kostete von den Früchten und fand sie angenehm belebend. Ein Mönch soll von den wunderlichen Kaffeekirschen erfahren und sie mit in sein Kloster genommen haben, wo er sie röstete und aufbrühte. Damit begann der Sage nach der Siegeszug des schwarzen Suds. Doch auch die Wissenschaft kennt angeheiterte Ziegen. In einem bizarren Experiment untersuchten Forscher in den
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Wissenschaft und Lyrik Tierischer Drogenmissbrauch Von Volker Kriegel Vom Schnüffeln ist das Moschusrind Inzwischen schon so gut wie blind. Erfreut das Herrl und auch ihn: der Stimmungsmacher Fluoxetin
Dem alternden Chamäleon verhilft der Mohn zur Erektion. Das Rauschgift macht den Albatros vorübergehend hemmungslos. Das Wildschwein drückt zuerst aus Frust, am Ende aus Zerstörungslust. Schon wieder hat der Ochs gelogen (angeblich nimmt er keine Drogen…). So mancher Specht aus altem Adel hängt schon seit Jahren an der Nadel. Nur Keniagras verschafft dem Rhino im Kopf das geile Actionkino. Vom Koks bekommt der Pelikan den absoluten Größenwahn. Beliebt ist unter Wasserbüffeln seit Jahr und Tag das Uhu-Schnüffeln. Dem Fahnder schwört das Hermelin, es sei schon seit zwei Jahren clean. Pro Abend braucht der Pinguin zumindest ein Gramm Kokain. „Man braucht“, seufzt resigniert die Dohle, „zum Koksen leider sehr viel Kohle.“ Schon nach der ersten Überdosis weiß keiner mehr, was wirklich los is. Es ist ein Jammer wie die Mücken sich fertig machen mit dem Drücken. Klammheimlich hat der Zitterrochen das ganze Mescalin erbrochen. Begeistert gluckst das zu’ne Lama „Törnt echt gut an, das Maiuama“ So stoned wie Pilzfreund Castañeda ist von den Molchen praktisch jeder.
60er-Jahren, wie die Meckermäuler auf Halluzinogene reagieren: Unter LSD, so das Resultat, schreiten die Geißen geometrische Formen wie Quadrate oder Achterschleifen ab. Ob es wirklich die Ziegen waren, die sich hier im Zustand psychedelischer Entrückung befanden, oder aber die Forscher selbst, sei einmal dahingestellt.
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Koksende Bienen Honigbienen vollführen im Kokainrausch enthusiastische Schwänzeltänze. Wie beim Menschen wirkt das weiße Pulver auch bei Bienen auf das Belohnungszentrum. Australische Forscher fanden das heraus, indem sie die Insekten erst mit einer Zuckerlösung anlockten und ihnen dann eine kokainhaltige Lösung auf den pelzigen Körper tropften. Unter dem Einfluss der Droge verhielten sich die Honigbienen
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noch selbstloser als gewöhnlich: Mit ekstatischen Bewegungen machten die kleinen Brummer ihre Mitbewohner aus dem Bienenstock auf die neue Nahrungsquelle aufmerksam. Die Bienen wurden bald süchtig: Sobald kein Kokain mehr verfügbar war, stellten sich erste Entzugserscheinungen ein. Auch Alkohol verfehlt bei Bienen seine Wirkung nicht. Das fanden Forscher der Ohio State University in Columbus heraus, nachdem sie den Tierchen Ethanol verabreichten. Die schwer angeheiterten Insekten verloren die Orientierung, konnten bald nicht mehr gerade stehen, bis sie sich irgendwann nur noch auf dem Rücken liegend ausnüchterten. Auch in der freien Natur kommt es vor, dass Bienen sich mit angegorenem Nektar betrinken und so ihre F Flugfähigkeit einbüßen.
Bienen Andrew B. Barron, Ryszard Maleszka, Paul G. Helliwell und Gene E. Robinson: Effects of Cocaine on Honey Bee Dance Behaviour. Journal of Experimental Biology 212, 2009, S. 163–168 Ian S. Maze, Geraldine A. Wright und Julie A. Mustard: Acute Ethanol Ingestion Produces Dose-dependent Effects on Motor Behavior in the Honey Bee. Journal of Insect Physiology 52 (11–12), 2006, S. 1243–1253
Es hat so manche fette Sau sich krumm verdient am Mohnanbau. Als Abschluss setzt der Oktopus sich aus Versehn den goldnen Schuss. Zur Person: Volker Kriegel (1943–2003) war einer der wichtigsten deutschen Jazzrock-Gitarristen, dazu Cartoonist und Schriftsteller. Das erstmals 1987 veröffentlichte Gedicht gibt es im kürzlich aus Kriegel-Gedichten kompilierten Büchlein „Tierische Reime“. Zürich 2008 (Kein & Aber), 80 S., € 10,20. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Kein & Aber.
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Halluzinogene Pilze faszinieren Forscher. Sind sie auch
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nauffälliger geht’s kaum: ein mickrig-dünner Stiel, darauf ein zugespitzter Hut, meist nicht größer als die Kuppe eines kleinen Fingers, und das ganze blass graugelblich gefärbt. Nein, wie ein Götterbote sieht Psilocybe semilanceata wahrlich nicht aus. Und doch ist der Mini-Pilz, dessen deutscher Name Spitzkegeliger Kahlkopf lautet, der prominenteste einheimische Vertreter einer weltberühmten Familie – der Magic Mushrooms. Dank ihrer halluzinogenen Wirkung wurden und werden sie verteufelt und verboten, begehrt und verehrt. Den indigenen Völkern Mittelamerikas ist die „magische“ Potenz von Psilocybe & Co schon seit Jahrtausenden bekannt. Nach der Unterwerfung der Maya und deren Nachbarn durch die Spanier berichteten Missionare mehrfach über den indianischen Brauch, berauschende Pilze zu rituellen Zwecken zu verzehren. Eine verdammenswerte Sitte, denn schließlich glaubten die Ureinwohner so mit ihren heidnischen Göttern in Kontakt treten zu können. Das war natürlich Teufelswerk und gehörte verfolgt. Die katholische Kirche leistete ganze Arbeit, der Kult um „Teonanacátl“, das „Göttliche Fleisch“, verschwand im Untergrund. Und vielleicht wäre er dort in Vergessenheit geraten, wenn nicht in den 1930er-Jahren zwei Ethnobotaniker dem nur noch vage bekannten Mythos um die magischen Pilze nachgegangen wären. Blas Pablo Reko und Richard Evans Schultes besuchten die im südmexikanischen Hochland lebenden Mazateken und erfuhren, dass diese die Teonanacátl-Tradition weiter fortführten und sie sogar in den christlichen Glauben integriert hatten. Spätere Forschungen zeigten, dass mindestens 14 verschiedene Pilze in Mexiko zu rituellen Zwecken verzehrt werden. Dabei handelt es sich um Vertreter der Gattungen Psilocybe, Stropharia und Conocybe, allesamt aus der Familie der Strophariaceae.
Eckhard Beubler von der Universität Graz, doch dessen Verzehr sei früher wohl nur versehentlich geschehen. Als Rauschgift kamen die Kleinpilze erst vor gut 40 Jahren in Mode. Verkauf und Anbau sind in Österreich verboten. Ihre weltweite Bekanntheit verdanken die Magic Mushrooms vor allem der Arbeit von Valentina und Gordon Wasson. Das Ehepaar nahm 1955 an einer mazatekischen Velada-Zeremonie teil. Gordon Wasson beschrieb seinen Geisteszustand nach Einnahme der Pilze als eine Form der absoluten Ekstase. Man habe ein Gefühl, als würde man durch eine Tür in die „göttliche Anwesenheit“ hineinschweben. Nach ihrer Rückkehr in die USA berichteten die Wassons in mehreren Zeitschriften über ihre Erlebnisse. Es war der Beginn eines neuen, eines westlichen und weitaus profaneren Pilzkults, der seinen Höhepunkt mit der Flower-Power der 68er erreichte.
Woher kommen die Visionen? Dem Schweizer Chemiker Albert Hofmann, Entdecker des LSD, gelang 1958 die Isolierung des Hauptwirkstoffs Psilocy-
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bin sowie das nur in geringen Mengen vorhandene Psilocin. Aber damit waren Teonanacátls Geheimnisse noch lange nicht gelüftet. Woher kommen etwa die entrückten Visionen und Gefühle, über die PsilocybinErfahrene immer wieder erzählen? Ihre Ursache liegt höchstwahrscheinlich in der Molekularstruktur des Wirkstoffs begründet. Sie ist der von Serotonin, einem wich-
Gordon Wasson beschrieb seinen Geisteszustand nach Einnahme der Pilze als absolute Ekstase tigen Neurohormon, sehr ähnlich. Inzwischen weiß man, dass Psilocybin an den Serotoninrezeptoren von Hirnzellen agiert. Anschließend werden vermutlich durch komplexe Wechselwirkungen Wahrnehmungsschwellen herabgesetzt und Filter deaktiviert (Trends in Pharmacological Sci-
Psychedelischer Schlüssel Der kanadische Anthropologe Jeremy Narby versucht den T e x t : O l i v e r H o c had e l
er einzige Weg, es herauszufinden, ist, D es auszuprobieren!“ Richard Evans Schultes (1915–2001) fand die halluzinoge-
Magic Mushrooms wachsen überall „Psilos“ gibt es indes nicht nur in Mittelamerika. Weitere psilocybinhaltige Spezies sind in Ostasien, Australien und auch in Europa weit verbreitet. In Nordamerika hat sich die Westküste als eine wahre Fundgrube für Magic Mushrooms erwiesen. In unseren Breiten gedeiht der bereits erwähnte Spitzkegelige Kahlkopf sowie Panaeolus cinctulus. Man findet beide Arten auf natürlich gedüngtem Grasland, Erstere besonders auf Schafsweiden. P. cinctulus dagegen wächst bevorzugt auf Pferdemist. Interessanterweise wurden die eurasischen Zauberpilze anscheinend nie zu rituellen Zwecken benutzt. Stattdessen kamen in mehreren Kulturen Fliegenpilze (Amanita muscaria) zum Einsatz. Sie werden heute noch von sibirischen Völkern als Droge verwendet. Psilocybe ist im österreichischen Volksmund zwar als „narrisches Schwammerl“ bekannt, erklärt der Pharmakologe
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Ein „Psilo“, der in unseren Breiten wächst, ist der Spitzkegelige Kahlkopf
nen Mittel der Amazonas-Indianer viel zu verlockend, als dass er sie nicht selbst eingenommen hätte. Der US-amerikanische Forscher von der Harvard University gilt als Vater der Ethnobotanik, also jener Disziplin, die sich mit dem botanischen und pharmakologischen Wissen indigener Kulturen beschäftigt. Bis in die 1940er-Jahre hatten die Ethnologen die Rituale und mitunter erstaunlichen Heilkräfte der Schamanen zwar interessiert beobachtet. Aber ein bitter schmeckendes Gebräu eines „Urwalddoktors“ zu sich zu nehmen stand im krassen Gegensatz zu ihrem Selbstverständnis als Wissenschaftler, als die sie selbstredend Distanz zu ihrem Untersuchungsgegenstand zu wahren hatten. Rausch und Halluzinationen sind ja wohl das genaue Gegenteil einer objektiven Untersuchung. Genau vor diesem Problem stand auch der kanadische Anthropologe Jeremy Narby. Er verbrachte in den 1980er-Jahren zwei Jahre bei den Ashaninca im peruanischen Regenwald. In seiner Doktorarbeit zeigte er, wie sorgfältig die Indianer mit ihrer Umwelt und deren Ressourcen um-
gehen. Seine Erfahrung mit dem Halluzinogen Ayahuasca (siehe ganz rechts) verschwieg er wohlweislich in der Arbeit. Er zieht in die Schweiz und arbeitet dort für die Entwicklungshilfeorganisation Nouvelle Planète. Erst in seinem Buch „Die kosmische Schlange“ (1995) berichtet er davon, wie Schamanen in Ayahuasca-Trance mit zwei farbenprächtigen, ineinander verschlungenen Schlangen in Kontakt träten, dem Quell aller Erkenntnis. So erkläre sich, wie die Eingeborenen ihr erstaunliches pharmakologisches Wissen erwarben, das immer wieder die Begehrlichkeiten der westlichen Pharmaindustrie weckt. Narby glaubt in der Doppelschlange sogar die Doppelhelix der DNA zu erkennen und stellte weitreichende Parallelen zwischen dem Wissen der Schamanen und moderner Molekularbiologie auf. „Die kosmische Schlange“ entwickelte sich zu einem kleinen Bestseller. Das Buch wurde in zwölf Sprachen übersetzt und hat sich über 100.000-mal verkauft. Wissenschaftler schütteln freilich den Kopf. Manche ärgern sich gar, dass so ein „Unsinn“ derart viele Leser findet. Dabei versteht sich Narby als Brückenbauer zwischen zwei Formen des Erkennens. Er stört sich an dem Anspruch der westlichen Wissenschaft als einzigem Weg zu Wissen. Vielleicht lassen sich durch ein von Halluzino-
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e des Teonanacátls der Schlüssel zur menschlichen Religiosität? ences, Bd. 29, S. 445). Das Gehirn sehe sich plötzlich einer überwältigenden Informationsflut ausgesetzt. Der Mensch könne dadurch seine Gedanken nicht mehr kontrollieren, der „Trip“ nimmt seinen Lauf. Die mystische Wirkung des Teonanacátl wurde erstmals 1962 wissenschaftlich untersucht (siehe Kolumne „Wahnwitzige Wissenschaft“, S. 6). Eine weiterführende Untersuchung wurde 2005 von einem Forschungsteam unter Leitung des Neurologen Roland Griffiths Fliegenpilze werden von der Johns Hopkins von sibirischen University in Baltimore Völkern bis heute als durchgeführt. Es wurden Droge verwendet 36 Menschen ausgewählt, die noch keine Erfahrung mit halluzinogenen Drogen hatten, aber regelmäßig an spirituellen Aktivitäten teilnahmen. Die Freiwilligen bekamen relativ hohe Dosen Psilocybin verabreicht und wurden anschließend acht Stunden lang von je zwei Helfern betreut.
So wie in der Untersuchung im Jahr 1962 machten die Testpersonen intensive mystische Erfahrungen. Viele hatten das Gefühl, als würde sich ihr Selbst auflösen und waren zeitweise verängstigt: „Die Erfahrung des Todes, was anfangs sehr unangenehm war, gefolgt von absolutem Frieden und Nähe zu Gott. Es war so überwältigend, bei Gott zu sein, dass diese Erfahrung nicht in Worte zu fassen ist“, gab ein Teilnehmer zu Protokoll. Der durchweg als positiv empfundene psychedelische Rausch beeindruckte nachhaltig. Bei einer Befragung 14 Monate später wertete die Mehrheit den Versuch noch immer als eines der wichtigsten Ereignisse in ihrem Leben und gab an, das Experiment habe ihr Lebensgefühl verbessert ( Journal of Psychopharmacology, Bd. 22, S. 621).
Basis für Religiosität?
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Brückenschlag zwischen Schamanismus und westlicher Wissenschaft.
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genen erweitertes Bewusstsein ja sogar ungelöste Forschungsfragen angehen? 1999 begleitete er drei Biologen in den peruanischen Regenwald. Zwei der Forscher hatten in der Tat nach der Einnahme von Ayahuasca das Gefühl, mit einer unabhängigen Intelligenz zu kommunizieren. Der dritte räumte zumindest ein, dass sich durch diese Erfahrung Dinge für ihn geklärt hätten, schränkte aber ein: „Ayahuasca ist keine Abkürzung zum Nobelpreis.“ Nach der Rückkehr verschwiegen die Biologen aber ihre Erfahrung, aus Angst, sich lächerlich zu machen. Weniger Skrupel hatte Scott Franzblau, ein führender Tuberkuloseforscher von der University of Illinois in Chicago. Er sei schon Professor, ihm gehe es nur darum, ein wirksames Mittel gegen jene Krankheit zu finden, die jährlich zwei Millionen Menschen tötet, sagte er Narby. Gemeinsam besuchten sie 2007 den Schamanen Guillermo Arévalo Valera. Er behauptet, bereits mehrere Tuberkulosekranke geheilt zu haben, und zwar mit der Pflanze „boa huasca“, dem „Wein der Boa“. Auch Franzblau nahm Ayahuasca ein. Es sei einfach gewesen, sich über private Dinge klar zu werden, sagte er nachher. Aber sich während der Trance auf wissenschaftliche Fragen zu konzentrieren, sei doch eine arge Herausforderung gewesen.
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Franzblau nahm die der westlichen Botanik unbekannte Pflanze „boa huasca“ zurück zur Analyse mit in sein Labor. Ergebnisse hat er allerdings noch nicht publiziert. Die Inkompatibilität von subjektiver, rauschhafter Erfahrung und harter wissenschaftlicher Methode sei nicht aufzulösen, sagt Narby. Aber ein Blick in die Geschichte der Wissenschaften zeige, dass viele entscheidende Durchbrüche und neue Einsichten in „defokalisierten“ Bewusstseinszuständen gelangen. Die gesamte kalifornische Computerindustrie sei ja von langhaarigen Freaks aufgebaut worden, die beim Tüfteln und Programmieren auch gerne bewusstseinserweiternde Drogen aller Art nutzten. Und auch in der Molekularbiologie gebe es Beispiele, etwa den bekennenden LSDler Kary Mullis, den Erfinder der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), die ihm 1993 den Chemienobelpreis einbrachte. Auch Nobelpreiskollege Francis Crick wurde immer wieder nachgesagt, er sei unter LSD-Einfluss auf die Doppelhelixgestalt der DNA gekommen. Möglichkeiten, das Bewusstsein zu erweitern, gebe es viele, sagt Narby, da müsse jeder für sich das Richtige finden. Gleich ob Magic Mushrooms, Ayahuasca, LSD, Klarträume (also „bewusstes“ Träumen) – oder einfach nur ein Heureka-Moment beim F Aufwachen um sechs Uhr morgens.
Ayahuasca (wörtlich: Ranke der Seelen in der Quechua-Sprache) wird durch das Verkocken der Dschungelliane Banisteriopisis caapi mit den Blättern der Psychotria viridis in einem mehrtägigen, von Ritualen begleiteten Prozess gewonnen. Die Psychotria-Blätter enthalten Dimethyltryptamin (DMT) und verursachen die Halluzinationen, die Liane enthält die nötigen MAO-Hemmer.
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Für Roland Griffiths ist Psilocybin ein Werkzeug, um zu erforschen, wie spontane religiöse Visionen und Erweckungserlebnisse entstehen. „Solche Erfahrungen könnten die Basis der Weltreligionen zu sein“, mutmaßt der Experte im Gespräch mit heureka! Tiere sprechen auf Psilocybin offenbar ganz anders an als der Homo sapiens. Es wäre daher denkbar, dass ein bestimmter einzigartiger Hirnmechanismus unserer Spezies religiöse Gefühle auslöst, was für eine sozial lebende Tierart durchaus ein Selektionsvorteil sein könnte, so Griffiths. Von privaten psychedelischen Versuchen rät der Neurologe dringend ab. Unkontrollierte Einnahme von Psilocybin „kann sehr gefährlich und sehr zerstörerisch sein“. Vor allem für psychisch labile Personen. Panik und bedrohliche Reaktionen können auftreten, und diese Risiken dürfe man nicht unterschätzen. Ekhard Beubler berichtet von einem oststeirischen Jugendlichen, der nach Psilo-Konsum über die Straße torkelte und daraufhin in ein Spital eingeliefert wurde. Der junge Mann stieg aus dem Fenster und stürzte sieben Stockwerke hinunter in den Tod. Gruselgeschichten über die Wirkung von Psilocybin erteilen beiden Experten gleichwohl eine Absage. „Es sind die Umstände, die bei den Halluzinogenen gefährlich sind“, sagt Beubler. Eine PsilocybinSucht gebe es nicht, die Pilze machen weder körperlich noch psychisch abhängig. Roland Griffiths beklagt die zahlreichen Hemmnisse bei der Erforschung der Magic Mushrooms. Ihre Wirkstoffe „bieten Einblick in viele Aspekte des menschlichen Erlebens“. Man sollte sie deshalb nicht dämoF nisieren.
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heureka!
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Oliver Hochadel
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er junge Sigmund Freud (1856– 1939) wusste, was gegen Niedergeschlagenheit hilft: „In meiner letzten Verstimmung hab ich wieder Coca genommen und mich mit einer Kleinigkeit wunderbar in die Höhe gehoben.“ Coca nennt man heute Kokain. In den 1880erJahren befand sich der studierte Mediziner Freud noch in seiner „harten“, naturwissenschaftlich-experimentellen Phase. So war er unter den Ersten, die die Wirkung von Kokain erforschten, und wohl der Erste, der dessen lokal betäubende Wirkung zeigen konnte. Auch hegte man damals die Hoffnung, mithilfe von Kokain Morphiumsüchtige zu heilen. Freud gelang dies mit seinem Freund, dem Mediziner und Physiologen Ernst Fleischl von Marxow (1846–1891), nicht, dieser wurde stattdessen kokainabhängig. Freud verschwieg dies freilich in seinem Aufsatz „Über Coca“ (1884). Dies geht nur aus seiner privaten Korrespondenz hervor, aus der sich auch sein beträchtlicher und jahrelanger Kokainkonsum rekonstruieren lässt. Schließlich half „Coca“ laut Freud auch gegen Magenverstimmungen, Völlegefühl, körperliche und geistige Erschöpfung, ja selbst gegen Hypochondrie. Ebenfalls auf der Suche nach einem Narkotikum war der englische Chemiker Humphry Davy (1778–1829). Er probierte erfolgreich – wie wir heute sagen – Distickstoffmonoxid (N20), besser bekannt unter dem Namen Lachgas. Wer es inhaliert, beginnt unkontrolliert zu lachen, Halluzinationen und Rauschzustände können sich einstellen, wie Davy im Selbstexperiment feststellte, wobei er sich beinahe vergiftete. Lachgas wurde im 19. Jahrhundert schnell zu einer Art Partydroge der Oberschicht und einer populären Jahrmarktsattraktion. Immer wieder wird auch kolportiert, dass junge Naturwissenschaftler sich abends heimlich im Labor bedient haben. Das narkotische Potenzial von Lachgas, auf das Davy aufmerksam machen wollte, wurde erst im späteren 19. Jahrhundert wiedererkannt, bevor es dann im 20. Jahrhundert zum Standard wurde.
Sigmund Freud forschte über Kokain – und konsumierte es auch jahrelang
Lachgas wurde im 19. Jahrhundert zu einer Art Partydroge der Oberschicht
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fen. Daraufhin taufte ihr Herrchen den Stoff Morphium nach Morpheus, dem griechischen Gott des Schlafes. Auf den Haustierversuch folgte unweigerlich das Selbstexperiment. Neben sich selbst konnte Sertürner auch noch drei Freunde zur Einnahme bewegen. Sie schluckten fast 100 Milligramm des neuen Stoffes – und fanden sich schnell in Morpheus’ Armen. Sertürner selbst berichtete, dass er in einem „traumartigen Zustand“ dahindämmerte. Morphium, oder wie wir heute sagen Morphin, wurde zu dem Schmerzmittel schlechthin. Mit den Namen der Wissenschaftler, die im 19. Jahrhundert meist aus medizinischen Gründen Morphin oder auch Opium nahmen, ließen sich viele Seiten füllen. Viele wurden in der Folge auch abhängig, wie etwa der bereits erwähnte Ernst Fleischl, der mit Morphin chronische Schmerzen in Folge einer Daumenamputation zu bekämpfen suchte. Selbstversuche mit Betäubungs- und Schmerzmitteln waren in der Medizin lange Zeit üblich. In der Pharmakologie reichte diese Tradition gar bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, bevor sie dann zumindest vom Mainstream der Forschung als unwissenschaftlich verdammt wurde. Ein Wissenschaftler dürfe keinesfalls die Kontrolle über sich verlieren, seine Ergebnisse müssten auch für andere nachvollziehbar sein, was bei rauschhaften Erlebnissen gerade nicht möglich sei.
LSD im Selbstversuch
In Morphiums Armen Davy machte seine erste große Entdeckung bereits mit 21 Jahren, als er einem Apotheker und Arzt in Bristol zur Hand ging und nebenbei experimentierte. Friedrich Sertürner (1783–1841) war ebenfalls zunächst Apothekerlehrling in Paderborn und quasi gleich alt wie Davy, als es ihm 1803/04 gelang, aus dem Grundstoff Opium mithilfe von Säuren und Laugen eine kristalline Substanz zu isolieren. Ein Alkaloid, wie die Chemiker sagen. Sertürner verfütterte sie seinen Hunden, worauf die Tiere einschlie-
Wer Drogen erforscht, probiert diese häufig selbst aus.
„Die Nachbarsfrau war nicht mehr Frau R., sondern eine bösartige, heimtückische Hexe mit einer farbigen Fratze.“ Albert Hofmann auf LSD
Die zentrale Figur für diese Entwicklung ist der Schweizer Biochemiker Albert Hofmann (1906–2008), der 1938 zum ersten Mal LSD synthetisierte. Einige Jahre später, am 19. April 1943, entschloss er sich zum Selbstversuch, da die Tierversuche nichts Verwertbares erbracht hatten. Im Protokoll hielt er fest: „16:20 Einnahme der Substanz. 17:00 Beginnender Schwindel, Angstgefühl. Sehstörungen. Lähmungen, Lachreiz. Ergänzungen am 21. IV.: Mit Velo nach Hause. Von 18 – ca. 20 Uhr schwerste Krise. (...) Die letzten Worte konnte ich nur noch mit großer Mühe niederschreiben. (...) Ich konnte nur noch mit größter Anstrengung verständlich sprechen und bat meine Laborantin, die über den Selbstversuch orientiert war, mich nach Hause zu begleiten. Schon auf dem Heimweg mit dem Fahrrad (…) nahm mein Zustand bedrohliche Formen an. Alles in meinem Gesichtsfeld schwankte und war verzerrt wie in einem gekrümmten Spiegel. Auch hatte ich das Gefühl, mit dem Fahrrad nicht vom Fleck zu kommen. Indessen sagte mir später meine Assistentin, wir seien sehr schnell gefahren. Schließlich doch
noch heil zuhause angelangt, war ich gerade noch fähig, meine Begleiterin zu bitten, unseren Hausarzt anzurufen (...) Die Nachbarsfrau (…) war nicht mehr Frau R., sondern eine bösartige, heimtückische Hexe mit einer farbigen Fratze etc., etc.“ Hofmann forschte in der Folge auch zu Wirkstoffen aus der Kräuterküche indigener Völker (etwa zu Psylocibin) und arbeitete etwa eng mit dem Ethnobotaniker Richard Evans Schultes (1915–2001) zusammen. Schultes und viele seiner Kollegen wollten es sich jedenfalls nicht verkneifen, Ayahuasca und andere halluzinogene Mittel südamerikanischer Schamanen selbst auszuprobieren (siehe S. 13). Der Einfluss von LSD auf die westliche Gesellschaft war freilich ungleich größer. Gerade in den 1960ern wurde damit in den verschiedensten Kontexten experimentiert, sei es von Theologen in Harvard (siehe S. 6), sei es im Militär oder beim CIA. Als größter „LSD-Apostel“ gilt Timothy Leary (1920–1996), ursprünglich ein US-amerika-
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Aber auch andere Wissenschaftler haben sich gern berauscht. Kiffende Philosophen
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nischer Psychologe, der sich ab Ende der 1950er ganz der „Erforschung“psychedelischer Substanzen widmete, vornehmlich im Selbstversuch. Richtig eingesetzt könne LSD zu positiven Verhaltensänderungen führen und etwa die Rückfallrate von Kriminellen drastisch reduzieren, suchte Leary in Studien zu zeigen. 1963 wurde er von der Harvard University gefeuert und in der Folge mehrfach wegen Drogenbesitzes belangt und jahrelang inhaftiert. US-Präsident Nixon nannte Leary einmal den gefährlichsten Mann in Amerika. Der kalifornische Biochemiker Kary Mullis (geb. 1944) entwickelte 1983 die Technik der Polymerasekettenreaktion (PCR), mit der DNA-Sequenzen vervielfältigt werden können. Damit revolutionierte er die Molekularbiologie. In einem Interview im Jahr 1997 antwortete Mullis auf die Frage, ob er auch ohne LSD die PCR erfunden hätte: „Ich weiß nicht. Ich bezweifle es. Ich bezweifle es ernsthaft.“ Dieses „Eingeständnis“ machte er freilich erst, nachdem er 1993 den Nobelpreis für Chemie erhalten hatte.
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Zu weichen Drogen riet Friedrich Nietzsche (1844–1900). „Wenn man von einem unerträglichen Druck loskommen will, so hat man Haschisch nötig“, so der deutsche Philosoph in „Ecce Homo“. Einen durchaus wissenschaftlichen Umgang mit dem Kraut pflegte der deutsche Literaturwissenschaftler und Kulturkritiker Walter Benjamin (1892–1940), das er zwischen 1927 und 1934 recht häufig in Form von „kontrollierten Experimenten“ im Beisein von befreundeten Ärzten rauchte. Die gebrauchte Menge wurde exakt notiert, auch seine Halluzinationen suchte Benjamin möglichst genau zu protokollieren, so etwa am 18. Dezember 1927: „Ofenröhre wird Katze. Beim Wort Ingwer ist anstelle des Schreibtisches plötzlich eine Fruchtbude da, in der [ich] sofort den Schreibtisch wiedererkenne.“ Oder: „Gefühl, [den Schriftsteller Edgar Allen] Poe jetzt besser zu verstehen. Die Eingangstore zu einer Welt des Grotesken schienen aufzugehen. Ich wollte nur nicht hereintreten.“ An anderer Stelle notierte Benjamin mit feiner Ironie, dass man mit Haschisch keineswegs zum Kern der Dinge vorstoße, sondern vielmehr tief in die Oberfläche selbst. Er sprach von einer „profanen Erleuchtung“. Benjamin sammelte Materialien zu einem Buch über Haschisch und plante auch ein Buch. In der ersten Gesamtausgabe seiner Texte ließen die Herausgeber seine Haschischschriften pikiert außen vor, ob der offensichtlichen Verwirrung der Geistesgröße. Zu Benjamins Haschischfreunden gehörte mit Ernst Joël (1893–1929), der wohl wichtigste Drogenforscher der Weimarer Republik. Joël verfasste grundlegende Arbeiten zur Behandlung von Alkoholismus wie auch Kokain- und Morphinabhängigkeit – Abhängigkeiten, die er zum Teil aus eigener Erfahrung kannte. Und er fragte bereits 1926 in einem Aufsatz: „Ist der Anbau indischen Hanfs in Deutschland notwendig?“
High = kreativ und produktiv? Für den französischen Philosophen und Schriftsteller Jean-Paul Sartre (1905– 1980) waren Drogen hingegen schlicht der Versuch, die hohe Produktivität seiner früheren Schaffensjahre beizubehalten. Vor allem Ende der 50er- und Anfang der 60er-Jahre nahm er häufig Orthedrin (ein Amphetamin), mischte sich aus Aspirin und Amphetaminen das später verbotene Corydran und kombinierte gar noch Schlaftabletten mit bis zu einem Liter Wein pro Tag, vom Nikotin ganz zu schweigen.
„Wenn man von einem unerträglichen Druck loskommen will, so hat man Haschisch nötig.“ Friedrich Nietzsche
Selbstversuche mit Betäubungs- und Schmerzmitteln waren in der Medizin lange Zeit üblich
Nach Meinung von Kritikern beförderte dieser Konsum nur die Quantität – Sartre schrieb am Tag bis zu 20 Seiten –, nicht die Qualität seiner Texte. Dafür stellten sich bald gesundheitliche Probleme ein, seit 1958 hatte er Bluthochdruck und litt mitunter an Delirien, Ohrensausen und Schwindelanfällen. Einer der produktivsten Mathematiker aller Zeiten war der Ungar Paul Erdös (1913–1996). 1475 wissenschaftliche Artikel wurden gezählt. Erdös schlief täglich nur vier bis fünf Stunden und putschte sich mit Kaffee und dem Amphetamin Benzedrin auf. 1979 wettete sein Freund Ronald Graham um 500 US-Dollar mit ihm, dass er es nicht schaffen werde, 30 Tage ohne Aufputschmittel durchzuhalten. Erdös hielt durch, meinte aber, die Wette habe die Mathematik um einen Monat zurückgeworfen. Sein Kollege Alfréd Rényi sagte mit Blick auf Erdös’ Koffeinkonsum: „Ein Mathematiker ist eine Maschine, die Kaffee in Theoreme umwandelt.“ Einige seiner besten Ideen seien ihm beim Kiffen gekommen, behauptete auch Carl Sagan (1934–1996). Dass er langjähriger Marihuanakonsument gewesen war, wurde aber erst nach dem Tod des berühmten US-Astronomen und Wissenschaftspopularisierers bekannt.
Es geht auch ohne Der US-amerikanische Physiker und Nobelpreisträger Richard Feynman (1918– 1988) hätte wohl gerne einmal Drogen ausprobiert, ließ aber die Finger davon – aus Angst, sein „Denkapparat“ könnte leiden. Ein Zusammentreffen mit dem US-amerikanischen Neurophysiologen und Psychoanalytiker John Lilly (1915–2001) bescherte ihm die Chance, sein Bewusstsein ohne Drogen zu erweitern. Anders übrigens als „Psychonaut“ Lilly selbst, der die Wirkungen von LSD und Ketamin vornehmlich im Selbstversuch erforschte. Dazu hatte er – übrigens gemeinsam mit Timothy Leary – sogenannte Isolationstanks („sense deprivation tank“) entwickelt, völlig abgeschottete Behälter mit Wasser auf Körpertemperatur. In dieser großen Badewanne mit Dach verbrachte auch Feynman mehrmals zweieinhalb Stunden. Es schien ihm, als ob er den Ort seines Ichs verschieben könne, vom Gehirn in den Brustkorb und schließlich ganz außer sich. So konnte er den Rücken seines Kopfs sehen und sich sogar außerhalb des abgeschlossenen Tanks bewegen. Einmal glaubte Feynman, dass er das Problem, wie das Gehirn Erinnerungen speicherte, gelöst habe – bis es ihm dämmerte, dass er ja nur halluziniert hatte. F
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Nüchterne Fakten über die wichtigsten Suchtmittel, wie sie in unserem Gehirn wirken und warum man so schwer von ihnen loskommt
Kleines ABC der Suchtforschung Abhängigkeit Viele Wissenschaftler halten den Begriff Sucht durch den Alltagsgebrauch für verwässert und stigmatisierend und sprechen lieber von Abhängigkeit, Abhängigkeitssyndrom oder chemischer Abhängigkeit. Damit wird auch unterstrichen, dass es sich um eine Krankheit handelt. Laut "NIDA hat Abhängigkeit „biologische, Verhaltens- und soziale Komponenten und ist eine chronische, mit "Rückfällen verbundene Hirnkrankheit, die durch triebhaftes, oft unkontrollierbares " Craving und Gebrauch von Substanzen selbst im Angesicht negativer gesundheitlicher und sozialer Folgen gekennzeichnet ist“. Umstritten ist an dieser Definition die Ausklammerung von Erscheinungen des "Entzugs, die viele Suchtexperten als Grundmerkmal von Abhängigkeit sehen.
Abhängigkeitspotenzial Die Wahrscheinlichkeit, dass der Gebrauch eines Suchtmittels zu "Abhängigkeit führt, unterscheidet sich stark. Am höchsten liegt sie bei Heroin und Nikotin. Dann folgen Kokain, Alkohol und Amphetamine. Etwas niedriger ist das Abhängigkeitspotenzial bei Schlafmitteln, Codein und "Buprenorphin . Ecstasy und Cannabis sind vergleichsweise ungefährlich. Der Hinweis darauf hat den Neuropharmakologen David Nutt kürzlich seine Funktion als wichtigsten Berater des britischen Innenministeriums in Drogenfragen gekostet.
Acetylcholin
Otto Loewi, Entdecker des ersten " Neurotransmitters
Dieser älteste bekannte "Neurotransmitter wurde 1921 vom damals in Graz tätigen deutschen Pharmakologen Otto Loewi entdeckt, der dafür 1936 den Medizinnobelpreis erhielt. Acetylcholin erfüllt vielfältige Funktionen: von Konzentration über Gedächtnis bis zur Steuerung von Muskeln. Nikotinmoleküle sind äußerst effizient darin, die zugehörigen "Rezeptoren zu besetzen. Das erklärt, warum viele, die das Rauchen aufgeben, über Konzentrations- und Erinnerungsschwäche klagen. Einige bei der Entwöhnung von Nikotin und Alkohol eingesetzte Wirkstoffe binden selbst an die Acetylcholinrezeptoren, um die stimulierende Wirkung einer Zigarette oder eines Drinks zu unterbinden.
Agonist Wirkstoffe, die "Rezeptoren einer spezifischen Art aktivieren, heißen Agonisten. Typische Opioidagonisten sind "Buprenorphin und Codein.
Amygdala
Dieser in beiden Gehirnhälften vorhandene Teil der "mesolimbischen Bahn ist das Zentrum des emotionalen Gedächtnisses. Man geht heute davon aus, dass " Craving von der Amygdala gesteuert wird. Als maßgeblicher "Neurotransmitter wirkt dabei "Dopamin .
Antagonist Die " Amygdala ist eine für Süchte zentrale Hirnregionen
Das Gegenstück zu "Agonisten sind Wirkstoffe, die die Aktivierung eines spezifischen Rezeptors blockieren und damit eine Wirkung verhindern oder sogar umkehren. Ein typischer Opioidantagonist ist "Naloxon .
Baclofen Dieser hauptsächlich als Krampflöser bei Multipler Sklerose angewandte Wirkstoff wird derzeit in der Behandlung Alkoholkranker und Kokainsüchtiger erprobt. Viel versprechend scheint Baclofen vor allem bei Menschen, die Alkohol zur "Selbstmedikation bei Angststörungen einsetzen. Einen medialen Hype um Baclofen hat der französische Arzt Olivier Ameisen mit seinem Bestseller Titel „Das Ende meiner Sucht“ ausgelöst.
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Beikonsum Die Einnahme von Suchtmitteln während einer "Substitutionstherapie ist ein häufiges und aufgrund von Wechselwirkungen mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbundenes Problem.
Buprenorphin Dieses seit 30 Jahren in der Schmerzbehandlung verwendete " Opioid wird seit Mitte der 90er-Jahre in der "Substitutionstherapie genutzt und gelegentlich auch im Heroinentzug zur Entgiftung. Buprenorphin hat als "Agonist eine beschränkte euphorisierende Wirkung. Die Sedierung fällt deutlich geringer aus als bei Heroin, Methadon oder Morphinen. Die Wirkung lässt sich durch eine höhere Dosierung nicht steigern. Dieser Deckeneffekt reduziert die Gefahr einer Überdosierung. Doch es bleibt das Risiko von "Beikonsum oder dass Buprenorphin gespritzt wird. Um dem intravenösen Missbrauch zu begegnen, wird es zunehmend mit dem "Antagonisten "Naloxon kombiniert.
Cannabinoide
Streng genommen sind das nur in der Cannabispflanze vorkommende Wirkstoffe. An die Cannabinoidrezeptoren binden aber auch synthetische Substanzen und die vom Körper produzierten Endocannabinoide.
Craving Das triebhafte Verlangen nach einer Substanz oder einer Handlung ist ein Grundmerkmal von "Abhängigkeit . Die wissenschaftliche Aussagekraft von Craving ist begrenzt, weil es nur anhand der Selbsteinschätzung der Suchtkranken gemessen werden kann.
Dopamin Kein anderer "Neurotransmitter ist so gründlich erforscht. Dopamin hat viele Funktionen, aber es ist seine Rolle bei der Entstehung von Sucht, die "NIDA dazu gebracht hat, einen Milliardenbetrag in seine Erforschung zu stecken. Egal, welche Substanz ein Suchtkranker bevorzugt, im Gehirn macht es nahezu keinen Unterschied. Selbst bei Spiel- und Esssüchtigen lässt sich beobachten, wie auf der "mesolimbischen Bahn Dopamin in den "Nucleus accumbens zur Ausschüttung gelangt. Das gilt als Folge der Konditionierung durch das Suchtmittel. Kokain und Amphetamine hemmen auch direkt die Wiederaufnahme von Dopamin und sorgen damit für dessen längeren Verbleib im Gehirn.
Entzug Siehe Seite 21
Erhaltungstherapie Immer mehr Opiatsüchtige in "Substitutionstherapie werden dauerhaft und unbefristet behandelt. International am verbreitetsten in der Erhaltungstherapie ist das älteste und preiswerteste Substitutionsmittel Methadon. Einen Sonderweg beschreitet Österreich, wo Substitutionspatienten seit einem Jahrzehnt überwiegend retardiertes, also verzögert wirkendes Morphin erhalten.
GABA Gamma-Amino-Buttersäure ist ein "Neurotransmitter, dessen Produktion durch den Konsum von Alkohol, Heroin oder Benzodiazepin angeregt wird. Ein erhöhter GABA-Spiegel wirkt angstlösend.
Glutamat Der häufigste "Neurotransmitter im zentralen Nervensystem reguliert den Erregungszustand, aber auch
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h e u r e k a ! das Lernen und das Gedächtnis. Ein hoher Glutamatspiegel kann "Rückfälle auslösen.
MAO Monoaminoxidasen sind Enzyme, die "Neurotransmitter inaktivieren. Besonders in den Weg kommen sie "Dopamin und "Serotonin . Eine ganze Reihe von Antidepressiva beruht auf Wirkstoffen, die MAO hemmen und damit die Aktivität von "Dopamin ankurbeln. Der gestörte Dopaminhaushalt vieler Suchtkranker lässt sich auf eine hohe MAO-Aktivität zurückführen.
Mesolimbische Bahn
Die Verbindung vom "Dopamin produzierenden ventralen Tegmentum zu den Dopaminrezeptoren in erster Linie im "Nucleus accumbens, aber auch in der "Amygdala und im Hippocampus wird mitunter auch als Dopaminpfad, zentrales Belohnungssystem oder Lustpfad bezeichnet.
Naloxon Dieser Wirkstoff ist ein "Antagonist . Bei einer Heroinüberdosis wird Naloxon zur unverzüglichen Entgiftung verwendet. Oral eingenommen bleibt Naloxon wirkungslos, doch in der Blutbahn verhindert es, dass " Opioide euphorisierend oder sedierend wirken. Darum wird der Wirkstoff einer Reihe von Schmerzmitteln beigefügt, um zu verhindern, dass sie missbräuchlich gespritzt werden. In der "Substitutionstherapie kommt Naloxon als Kombinationspräparat zusammen mit "Buprenorphin zum Einsatz.
Neurotransmitter Biochemische Stoffe wie "Acetylcholin, "Dopamin, " GABA, " Glutamat oder "Serotonin, die Informationen zwischen Zellen übertragen, indem sie an Rezeptoren binden.
NIDA Das National Institute on Drug Abuse in Bethesda, Maryland, ist die mit Abstand größte und tonangebende Institution in der Suchtforschung. 1974 gegründet, wurde NIDA 1992 Teil der National Institutes of Health und verfügt über ein Jahresbudget von mehr als einer Milliarde US-Dollar, aus dem auch internationale Projekte finanziert werden.
Nucleus accumbens Wenn ein lustvolles Ereignis bevorsteht, wird an diesem in beiden Gehirnhälften vorhandenen Kernteil der "mesolimbischen Bahn "Dopamin ausgeschüttet. Bei Süchtigen, die einen Schuss Heroin, eine Linie Kokain oder ein aufregendes Glücksspiel erwarten, ist der Nucleus accumbens besonders aktiv.
Opiat
Unter diesen Sammelbegriff fallen strenggenommen nur die in Opium enthaltenen Substanzen mit schmerzstillender Wirkung. Das wichtigste ist Morphin, das von seinem Entdecker Friedrich Sertürner 1804 zunächst Morphium genannt wurde.
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Opioid
Alle Substanzen, die an den " Opioidrezeptoren im zentralen Nervensystem binden, werden Opioide genannt. Ihre Wirkung ist in erster Linie schmerzstillend. In geringem Umfang stellt sie der Körper selbst her. Natürlich kommen sie als " Opiate vor. Opioide sind auch die in der "Substitutionstherapie in Österreich verwendeten Substanzen retardiertes Morphin, Methadon und "Buprenorphin .
Opioidrezeptor Seine Entdeckung 1972 war ein bedeutender Schritt für die Sucht- und die Schmerzforschung. Inzwischen gibt es eine feinere Unterscheidung, wobei die My1-, My2-, Kappa- und Delta-Opioidrezeptoren als die wichtigsten gelten. Die Opioidrezeptoren regulieren über das
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Schmerzempfinden auch den Atem. Schmerzunterdrückung führt zu Atemdepression bis zur Atemlähmung, die bei einer Überdosierung die eigentliche Todesursache ist.
Polytoxikomaner Konsum Bei Opiatsüchtigen ist die abwechselnde Einnahme verschiedener Suchtmittel heutzutage die Regel, ausschließlicher Heroinkonsum die Ausnahme.
Rückfall Wenigen Suchtkranken gelingt es beim ersten Versuch, der Substanz oder Handlung, von der sie abhängig sind, dauerhaft zu entsagen. Wirkstoffe, die Rückfälle vermeiden helfen, unterdrücken die Wirkung des Suchtmittels oder verkehren sie in ihr Gegenteil. Zugleich ist darauf zu achten, dass sie nicht die Ausschüttung des " Craving auslösenden " Glutamats ankurbeln.
Schadensminimierung Was in der Fachliteratur als „Harm Reduction“ bezeichnet wird, ist mittlerweile in Europa der dominierende Ansatz in der Drogenpolitik. Es geht darum, die aus Abhängigkeit folgenden Schäden für Suchtkranke und Gesellschaft zu minimieren. Das reicht von Kampagnen zur Entstigmatisierung über Qualitätskontrollen bei illegalen Drogen bis zur Abgabe steriler Spritzen.
Selbstmedikation
Strukturformel von " Naloxon
"Abhängigkeit entwickelt sich in vielen Fällen, weil die Suchtkranken mit dem Suchtmittel eine psychische Erkrankung behandeln, etwa Depression, oder eine Angststörung. Eine Therapie gilt dann nur als erfolgversprechend, wenn neben der sekundären Abhängigkeit auch die Primärerkrankung behandelt wird.
Serotonin Der älteste bekannte "Neurotransmitter sorgt dafür, dass wir genug essen, schlafen und ausgeglichen sind. Störungen im Serotoninhaushalt werden mit vielen psychischen Erkrankungen in Zusammenhang gebracht. Bei Serotoninmangel werden mehr Suchtmittel konsumiert. Ein niedriger Serotoninspiegel trägt zum Entstehen von "Abhängigkeit bei.
Substitutionstherapie In der Behandlung von Opiatsüchtigen gilt es als aussichtsreicher und humaner, ihnen zunächst eine Ersatzsubstanz zu geben (siehe Seite 21). Pionier dieser Behandlung ist Vincent Dole, der in den USA ab 1964 Methadon einsetzte. Ziel einer Substitutionstherapie ist die Stabilisierung des Suchtpatienten, was die Erfolgschancen einer späteren Entzugstherapie erhöht. In der Praxis geht die Behandlung aber immer öfter in eine unbefristete "Erhaltungstherapie über. Neuerdings werden auch Alkoholkranke experimentell substituiert, etwa mit Codein oder "Baclofen .
Toleranz
Die Gewöhnung an einen Wirkstoff kann dazu führen, dass zur Erzielung der gleichen Wirkung die Dosis erhöht werden muss. Rezeptoren stumpfen ab, der Abbau im Blut und in den Organen beschleunigt sich. Im Fall von " Cannabinoiden und " Opioiden trägt auch die geringere körpereigene Produktion bei. Bei Opioiden kann die Toleranz bis zum 20-Fachen wachsen. Wachsende Toleranz gilt als Vorbote einer "Abhängigkeit .
Vulnerabilität "Abhängigkeit tritt signifikant häufiger innerhalb von „vorbelasteten“ Familien auf, wobei das Suchtmittel von Generation zu Generation meist nicht das gleiche ist. Die Genetik spielt auch bei der Toleranz eine Rolle. Beim Vergleich zwischen Ureinwohnern und Nachkommen europäischer Einwanderer in Nordamerika und Australien fiel auf, dass Alkohol unterschiedlich vertragen wird. Auch vielen Asiaten fehlen die Enzyme zur Aufspaltung von Alkohol.
Roh-Opium zur Herstellung von " Opiaten
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Anders abhängig Te x t: Verena Ahne
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ädchen scheren sich nichts mehr. Im Länderdurchschnitt rauchen sie gleich viel, in Österreich deutlich mehr als die Burschen, und ihren Angaben zufolge haben sie auch gleich viel Erfahrung mit Alkohol (etwas weniger beim rauschhaften Trinken). Dies zeigt die jüngste ESPAD-Studie, die seit 1997 regelmäßig durchgeführte, europaweite Umfrage unter 15- bis 16-jährigen Schülern und Schülerinnen zum Thema Alkohol und andere Drogen. Läutet diese Entwicklung eine Trend umkehr in einem bisher von Männern dominierten Feld ein? Denn, egal ob bei illegalen Drogen, Alkohol, Aufputschmitteln oder Cannabis – in den meisten Bereichen sind bis heute mehr Männer suchtgefährdet oder suchtkrank als Frauen, zum Teil um ein Vielfaches.
Sie fangen später an, zeigen aber früher Symptome. Frauen süchteln anders als Männer.
Große Geschlechterunterschiede Kommt es hier nun zu einer unerfreulichen Form der Gleichberechtigung? Irmgard Vogt sieht davon noch nichts. „Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei Suchtkrankheiten sind noch immer erstaunlich groß“, so die Suchtexpertin von
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der Fachhochschule Frankfurt am Main, „auch wenn man bei den ganz Jungen Annäherungen sieht. 15 Jahre: Das ist die Zeit der Experimentierlust und des Aufbegehrens! Aber ein paar Jahre später geht die Schere schon wieder weit auseinander.“ Gesellschaftliche Vorstellungen über „männliche“ und „weibliche“ Eigenschaften prägen laut Vogt junge Menschen stärker, als oft angenommen wird – und differenzieren ihr Verhalten. Zum Beispiel würden die Burschen mit Alkohol ihre Männlichkeit inszenieren. „Sie sind immer im Wettstreit, wer der beste Trinker ist.“ Mädchen können das nicht: denn die Muster von Weiblichkeit werden durch die Wirkung von Alkohol ja gerade untergraben. Umkippen ist eindeutig männlich konnotiert. Das wissen die jungen Frauen und schützen sich davor. Etwa indem sie sich nur unter Freunden betrinken, die auf sie aufpassen. Oder indem sie insgesamt weniger und auch leichtere Getränke zu sich nehmen. Noch größer sind die Unterschiede in der Bereitschaft, sich auf illegale Substanzen einzulassen. „Heroin und Kokain sind nicht wirklich Frauensache“, meint Vogt. Wobei noch nicht geklärt sei, ob das an den Drogen selbst liegt oder beispielsweise an den damit verbundenen Strafen. Ge-
nerell ist zu beobachten, dass Frauen später mit dem Missbrauch von Substanzen beginnen.
Sucht bei Frauen früher sichtbar Gleichzeitig schreitet eine Suchterkrankung bei Frauen schneller voran: Sie haben früher körperliche Symptome als Männer, vor allem bei Alkoholmissbrauch. Das liegt am weiblichen Körperbau: Zum einen haben Frauen im Durchschnitt kleinere Organe und ein geringeres Gewicht, sodass die gleiche Menge eines Suchtmittels stärkere Wirkung zeigt als bei Männern. Dazu kommt ein höherer Anteil an Fettgewebe, was sich deshalb auswirkt, weil in Fett schädliche Substanzen länger gespeichert werden. Und schließlich bewirken noch andere hormonelle Einflüsse, dass die Substanzen anders wirken und abgebaut werden als bei Männern. Alles zusammen führt frühzeitiger zu Schäden, vor allem an den Organen. Wieso gibt es dann nicht mehr suchtkranke und an den Folgen ihrer Sucht leidende Frauen als Männer? „Wir verstehen noch sehr wenig davon, warum jemand süchtig wird – und so unendlich viele Menschen nicht“, erklärt Vogt. Aber süchteln wirklich deutlich mehr Männer als Frauen? Gabriele Fischer, Leite-
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h e u r e k a ! rin der Drogenambulanz, Suchtforschung und Suchttherapie an der MedUni Wien, betont die hohe Dunkelziffer: „Die Frequenz der Zuweisungen abhängiger Frauen an spezialisierte Einrichtungen ist sehr niedrig.“ Sonst seien es die Frauen, die sich mehr und früher um ihre Gesundheit kümmern. Nicht so bei Suchtkranken: „Sie sind die einzige Frauengruppe in der Medizin, die eine schlechtere Prognose hat als Männer mit der gleichen Krankheit: Sie kommen seltener und später in Behandlung und brechen öfter wieder ab“, so Fischer. Allerdings gehen die Ansichten hierzu in der Forschung auseinander: Andere Quellen berichten nämlich von einem früheren Behandlungseintritt und vergleichbaren Erfolgsraten. So zitiert die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht eine Untersuchung mit Zahlen aus London, Amsterdam und Rom, die zeigt, dass opioidabhängige Frauen durchschnittlich eineinhalb bis zwei Jahre früher zur Therapie kommen als Männer. Die Gründe hierfür seien unklar: Möglicherweise entwickelten Frauen früher schwere Krankheitssymptome, hätten mehr Druck aus ihrer Umgebung oder es würden andere Mechanismen wirksam, so der Bericht „Gender differences in development of drug-related problems“ etwas schwammig.
Warum Frauen abhängig werden Unbestreitbar ist freilich, dass weibliche Sucht gesellschaftlich stärker stigmatisiert wird. Das ist selbst in der Therapie oft unterschwellig spürbar, weiß die Wiener Suchtexpertin Fischer. Es stellt für Frauen eine besonders große Hürde dar, sich in Behandlung zu begeben. Hinzu kommt die Angst von Müttern, die Erziehungsberechtigung für ihre Kinder zu verlieren. Kinder spielen eine vielfältige Rolle im Suchtgeschehen: Für manche Frauen ist eine Schwangerschaft eine starke Motivation, einen Weg aus der Sucht zu suchen. „Mit ihnen kann man gut arbeiten“, weiß Fischer. Voraussetzung ist freilich, dass früh genug Kontakt hergestellt wird – was aber oft genug nicht der Fall ist. „Viele schwer suchtkranke Frauen haben keine Zeit, in ein Rehab-Zentrum zu gehen, weil sie Kinder oder andere Verwandte zu betreuen haben.“ Nach wie vor hängt der Großteil solcher Verantwortung an Frauen – und wird damit nicht selten erst zum Auslöser einer Sucht erkrankung. Der Mehrfachbelastung JobHaushalt-Familie halten viele nicht stand: Sie zerbrechen am Ideal der „Powerfrau“, die in allen Bereichen stets souverän und erfolgreich agieren soll. „Frauenspezifische Suchtursachen sind hauptsächlich strukturell bedingt“, ist denn auch die auf Gender-Studies spezialisierte Sozialpsychologin Sabine Scheffler von der Fachhochschule Köln überzeugt. Die Diskriminierung als Frau, die Nichtanerkennung oder Herabwürdigung der geleisteten Arbeit, der gefühlte Druck, einem Ideal entsprechen zu müssen, und ein niedriges Selbstwertgefühl – all dies begünstigt die Entwicklung einer Sucht. In gemischten Therapiegruppen, in denen Männer fast immer in der Überzahl sind, wiederholen sich für Frauen oft genau diese Erfahrungen – was die Chancen auf
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einen erfolgreichen Ausstieg beeinträchtige, so Scheffler. „Zwischen 50 und 70 Prozent aller von illegalen Drogen abhängigen Frauen“, so Irmgard Vogt, „wurden in ihrer Jugend missbraucht. Beim Alkohol sind es bis zu 20 Prozent.“ Gabriele Fischer hält diese Zahlen hingegen für zu hoch: „Es gibt hier keine systematischen Studien – in die müssten ja auch normale Haushalte aufgenommen werden, um allgemein gültige Ergebnisse zu erhalten.“
„Verarbeitung“ von Missbrauch
Links und Literatur: ESPAD-Studie: www.espad.org Studie: Gender differences in development of drug-related problems http://issues06. emcdda.europa.eu/en/ page015-en.html
Der Zusammenhang ist aber in jedem Fall gegeben: Sexuelle Übergriffe in Kindheit und Jugend, nicht selten auch in der Gegenwart sowie andere traumatische Erfahrungen sind die stärksten Risikofaktoren für die Entwicklung einer Suchtkrankheit. Nur ein Beispiel: In einer Fragebogenstudie unter 470 suchtkranken Frauen an einer deutschen Fachklinik (Haus K raichtalblick) – der Großteil von ihnen alkoholkrank – gab ein Viertel an, in der Kindheit missbraucht worden zu sein, im Vergleich zu zehn Prozent in der nicht suchtkranken Kontrollgruppe mit 181 Frauen. Traumatische Ereignisse mit Drogen auslöschen oder erträglich machen zu wollen, ergibt laut Vogt von den körperlichen Abläufen her dann gewissermaßen „Sinn“: „Misshandlungserfahrungen manifestieren sich im Gehirn, das mit einem dauerhaft stark erhöhten Stresslevel reagiert. Und Drogen wie Heroin wirken dämpfend – sie betäuben das Leid.“ Um sich aus der Opferrolle befreien zu können, brauchen diese Frauen sensible Angebote in einem geschützten Rahmen. Etwa indem „Frauen – die oftmals männliche Gewalt und sexuellen Missbrauch erfahren haben – ein ‚männerfreier Raum‘ angeboten werden kann“, schreiben Sabine Haas und Uta Enders-Dragässer in ihrem Bericht über das EU-Daphne-Projekt „Sucht als Überlebenschance für Frauen mit Gewalterfahrung?“. Ziele seien Em- „Weibliche Sucht powerment und die – häufig abhandenge- wird gesellschaftlich kommene – Solidarität unter Frauen wie- stärker stigmatisiert “ der zu fördern, so die Autorinnen. Für weibliche Drogenabhängige gibt es mittlerweile eine ganze Reihe derartiger Angebote, auch wenn, wie Irmgard Vogt beklagt, vergleichende Studien über die Wirksamkeit der Methoden ausstehen. In anderen problematischen Bereichen wie der Alkoholkrankheit fehlen spezielle Programme fast völlig. Besonders wenig Aufmerksamkeit gibt es für das FrauensuchtThema schlechthin: die Abhängigkeit von Medikamenten.
Mutters kleine Helfer Als in den 1960er-Jahren Valium auf den Markt kam, fand es nicht nur unter Kranken schnell reißenden Absatz. Die Rolling Stones widmeten dem BenzodiazepinTranquilizer ihren Song „Mother’s Little Helper“: den kleinen gelben Pillen, die jeder Mutter, obwohl nicht wirklich krank, durch anstrengende Tage und unruhige Nächte helfen. An der Brisanz des Textes hat sich bis heute wenig geändert. Eine Studie der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) vermeldete 2006 bis zu 1,9 Millionen Betroffene (ähnlich viele Menschen
Zur Person Verena Ahne ist Ethnologin und lebt und arbeitet als freie Wissenschafts- und Medizinjournalistin in Wien.
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gelten als alkoholabhängig) – Tendenz stetig steigend, Dunkelziffer hoch. Medikamentenabhängige Menschen fallen kaum negativ auf und können ihr Problem über Jahre vertuschen – sofern sie überhaupt davon wissen. Der Einstieg in die Sucht kann früh erfolgen. Kritische Stimmen warnen bereits vor den Folgen allzu leicht zugänglicher, allzu freizügig beworbener Medikamente für jede Lebenslage: häufig Schmerzmittel gegen Regelbeschwerden und Kopfweh bereits im Schulalter, Ritalin für unruhige Kinder (das dann vom Rest der Familie zur Leistungssteigerung genommen wird), ein Beruhigungsmittel vor der Prüfung, ein Aufputschmittel für einen langen Tag, Schlafmittel gegen durchwachte Nächte. Bis zu acht Prozent der rund 50.000 auf dem Markt befindlichen Arzneien können stark abhängig zu machen. Obwohl der Griff in die Pillendose inzwischen in allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen verbreitet ist, betrifft der problematische Medikamentenkonsum vor allem ältere Frauen, die rund zwei
„Der problematische Medikamentenkonsum betrifft vor allem ältere Frauen“ Drittel der Medikamentenabhängigen ausmachen. Hier wird die weibliche Neigung, öfter ärztliche Hilfe zu suchen, zum Bumerang: Für Beschwerden wie chronische Schmerzzustände, Nervosität, Angststörungen oder Schlafprobleme – meist infolge einer psychischen Belastung wie der Loslösung der Kinder, einem Todesfall (Eltern, Lebenspartner) oder der Pensionierung – verschreiben ihnen willfährige oder gedankenlose Ärzte nur allzu gern ein beruhigendes Pillchen.
Süchtig nach Tranquilizern Allen voran: Benzodiazepine. 80 Prozent der Medikamentenabhängigen im deutschsprachigen Raum sind süchtig nach Tranquilizern. „Die Menschen kriegen das oft gar nicht mit“, ereifert sich Vogt. Nach etwa einem halben Jahr haben ein Viertel der „Benzo“-Schluckenden eine Abhängigkeit entwickelt – mit Entzugserscheinungen, die so stark sind, dass sie alleine kaum bewältigt werden können. Ein Problem, das sich in vielerlei Hinsicht verschärfen wird: Immer mehr Menschen werden immer älter. An alte Menschen, vor allem in Pflegeeinrichtungen, werden besonders großzügig Tranquilizer verteilt. Für alternative Therapien etwa bei Schmerzen oder psychischen Problemen gibt es immer weniger Geld. Und: Männer schließen auf! „Im Landesdurchschnitt führen noch die Frauen beim Medikamentenmissbrauch“, so Fischer, „doch in den Städten liegen Männer bereits gleichauf.“ Wahrscheinlich müssen sie erst gleichziehen, bevor auch diese Sucht stärker ins Blickfeld rückt. Das Thema Sucht bedarf einer gendergerechten Sicht- und Herangehensweise. Und noch F viel mehr Forschung.
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Mit Drogen heilen? Nicht nur als Partydroge im Gebrauch, sondern auch als umstrittenes Psychotherapeutikum: Ecstasy
LENA STALLMACH
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sychotherapien gelten nicht als lebensgefährlich. Ende September jedoch sind in Berlin während einer Gruppentherapie zwei Menschen gestorben. Ein dritter musste ins Krankenhaus eingeliefert werden und lag mehrere Tage im Koma. Der behandelnde Psychiater hatte nämlich zu Therapiezwecken Drogen verabreicht. Bei solchen psycholytischen, substanzunterstützten Therapien werden bewusstseinsverändernde Mittel wie LSD oder MDMA – besser bekannt als Ecstasy – eingesetzt. Diese Form der Anwendung war jahrelang verboten. Seit einiger Zeit wird sie aber wieder erforscht – unter anderem in der Schweiz, wo LSD auch erfunden wurde. Einer, der sich ganz besonders darum bemüht, ist der Psychiater Peter Gasser. Der Präsident der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Psycholytische Therapie sieht die Todesfälle in Berlin als tragischen Unfall. Wie es dazu kommen konnte, sei noch nicht geklärt. „Es geht aber das Gerücht um, dass der Psychiater einen Berechnungsfehler gemacht hat und den Leuten die zehnfache Dosis MDMA gegeben hat. Das kann tödlich sein“, sagt Gasser, der gerade selbst eine Studie mit LSD leitet.
In Österreich kein Thema Hierzulande seien Drogen in der Psychotherapie überhaupt kein Thema, sagt Eva Mückstein, die Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie. Die meisten Kollegen hätten nach dem Fall in Berlin sehr verwundert und entsetzt reagiert und erst einmal recherchiert, was psycholytische Therapie überhaupt sei. „Mir kommt das Ganze eher abwegig vor. Die psychotherapeutische Behandlung geht davon aus, dass Menschen sich ihren Problemen bewusst annähern und nicht unter dem Einfluss von Drogen. Gegen eine fundierte wissenschaftliche Erforschung ist grundsätzlich nichts einzuwenden, allerdings stellt sich die Frage der Forschungsmethodik und ob die Forschungsfragen schon auf das gewünschte Ergebnis hin abzielen“, so Mückstein. Obwohl LSD und MDMA ursprünglich zur Verwendung in der Psychotherapie entwickelt wurden, ist dies seit dem weltweiten Verbot von LSD 1976 und von MDMA 1985 untersagt – anders als etwa bei Mor-
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LSD und Ecstasy waren phium, dessen medizinische Verwendung ursprünglich erlaubt ist. In den 50er- und 60er-Jahren des letz- für die ten Jahrhunderts wurden zahlreiche Stu- Psychotherapie dien über LSD und das ähnlich wirkende Psilocybin, den Wirkstoff in den sogenann- bestimmt – bald ten Zauberpilzen, durchgeführt. Damals aber verboten. war LSD noch ein Medikament und wurde etwa unter dem Namen Delysid von der Nun wird wieder Firma Sandoz verkauft – zur Anwendung untersucht, ob „in der analytischen Psychotherapie zur Förderung seelischer Entspannung durch die Substanzen Freisetzung verdrängten Materials“, wie bei psychischen im Beipackzettel stand. Erkrankungen Behandeln mit Sondergenehmigung Psychiater wollten damit Einsichten in die helfen können. Welt der Ideen und Wahrnehmungen von Psychiatriepatienten gewinnen. Die meisten frühen Studien wiesen jedoch methodische Mängel auf und entsprachen nicht den heutigen wissenschaftlichen Anforderungen. Sie geben aber Hinweise darauf, bei welchen Indikationen sich eine wissenschaftliche Erforschung lohnen könnte – dazu gehören im Fall von LSD Zwangsstörungen, Alkoholabhängigkeit oder Angst bei körperlich schwerkranken Patienten. Im Fall von Ecstasy deuten Untersuchungen daraufhin, dass es bei posttraumatischen Belastungs- und Angststörungen helfen könnte. In der Schweiz machte man bei diesen Indikationen von 1988 bis 1993 gute Erfahrungen, wie der Psychiater Peter Oehen in seinem Buch „Therapie mit psychoaktiven Substanzen“ schreibt. Oehen leitet zurzeit eine Studie mit MDMA an zwölf Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS), bei denen andere Therapieversuche erfolglos blieben. MDMA soll helfen, unterdrückte Gefühle zugänglich zu machen. Nach jeder MDMA-Sitzung – insgesamt sind es zwei bis drei – wird das Erlebte in den regulären Therapiesitzungen verarbeitet. Mit Fragebögen zur subjektiven Bewertung und zur Erhebung der PTBS-Symptome wird die Wirksamkeit der Behandlung im Vergleich zu einer Gruppe, die eine kaum spürbare Dosis MDMA erhält, überprüft. Da die Studie noch läuft, sind erst wenige Daten ausgewertet. Die Ergebnisse seien vielversprechend, sagt Oehen, aber nicht so gut wie jene von Michael Mithoefer, einem US-Psychiater in South Carolina.
Risiken und Nebenwirkungen Das gesundheitliche Risiko von LSD und MDMA wird im klinischen Rahmen als äußerst gering eingeschätzt, ebenso eine körperliche oder psychische Abhängigkeit. Psychische Nebenwirkungen können Angstgefühle oder rasche Stimmungswechsel sein, was eine kompetente Begleitung erfordert. Bei psychotischen Menschen kann es den Zustand jedoch verschlimmern. Sie sind deshalb von den Studien ausgeschlossen. MDMA wird zwar eine schädigende Wirkung auf das Gehirn nachgesagt, was aber nicht eindeutig bewiesen ist.
Mithoefer hat seine Studie mit 21 Probanden bereits abgeschlossen und präsentierte die Ergebnisse im Juni dieses Jahres bei einem Vortrag am Royal College of Psychiatrists in Liverpool. Die 13 mit MDMA behandelten Patienten zeigten zwei Monate nach Abschluss der Therapie im Vergleich zur Placebogruppe eine deutliche Verbesserung der Symptome. Die Anzahl der Probanden ist aber zu gering für einen fundierten Nachweis der Wirksamkeit. Weitere Pilotstudien laufen jedoch in Israel, Kanada und Jordanien an.
Heilen mit Halluzinationen? Auch LSD und Psilocybin werden zurzeit in solchen Pilotstudien untersucht – zur Behandlung von Angst bei körperlich schwerkranken Patienten. Eine neue Studie zur Behandlung von schwerkranken Patienten mit Psilocybin in den USA ist bereits abgeschlossen, zwei weitere laufen gerade an. In der Studie von Peter Gasser haben bisher erst zwei Personen LSD erhalten. Sie hätten es beide als hilfreich empfunden, so der Schweizer Psychiater. Das habe wissenschaftlich natürlich noch keine Bedeutung. Wichtig sei aber, dass es zu keinen Zwischenfällen gekommen sei. „Ein Bedenken der Ethikkommission war, dass jemand einen Horrortrip haben könnte. Dieses Risiko ist im therapeutischen Rahmen äußerst gering. Denn dort kann der Therapeut in Gesprächen negative Emotionen auffangen“, glaubt Gasser. Seine Vision ist, dass LSD eine verschreibungspflichtige Substanz im therapeutischen Rahmen wird, angewendet von speziell ausgebildeten Therapeuten. Diese müssten regelmäßig überprüft werden. Theodor Itten, Präsident des Schweizer Psychotherapeuten-Verbands, begrüßt die Erforschung dieser Therapieform und sagt, dass ein Großteil der Berufskollegen in der Schweiz seine Meinung teilt. Ob LSD oder MDMA aber jemals von der Gesellschaft als therapeutische Mittel akzeptiert werden, selbst wenn ihre Sicherheit und Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen ist, vermag auch Peter Gasser nicht zu sagen. „Der Fall in Berlin hat gezeigt, dass die öffentliche Meinung kritisch ablehnend ist. Und es braucht enorm viel Energie, die Forschung auch nur in einem ganz kleinen Rahmen F weiterzuführen.“
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Ersatz für den kalten Truthahn Drogenersatztherapie soll Menschen aus der Abhängigkeit befreien. In Österreich mit gemischtem Erfolg. TE X T: MAR K HAMMER
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ohn Lennon wusste, wovon er sang: „Ich wollte, ich wär ein Baby, ich wollte, ich wär tot.“ Das Lied, mit dem er 1969 die Folgen des kalten Entzugs besang, hieß „Cold Turkey“ – die englische Bezeichnung dieser abrupten Form des Drogenentzugs. Ihr Effekt bleibt oft kurzfristig. Abhängige quälen sich durch den Entzug, aber es kommt zu Rückfällen, und der Kreislauf der Sucht beginnt von vorne. Seit 1991 werden Drogenkranke in Österreich auch mit der Substitutionstherapie behandelt. Bei ihr erhalten Süchtige kontrolliert Opiate beim Arzt, in der Apotheke oder in einer Drogentherapieeinrichtung. Die Dosis wird dann über einen langen Zeitraum – empfohlen sind mindestens zwei Jahre – laufend reduziert, bis schließlich auch die Ersatzsubstanz nicht mehr nötig ist. Das bekannteste Substitut ist Methadon. In den letzten Jahren kamen jedoch alternative Substanzen dazu.
Ersatzstoffe am Schwarzmarkt? Welche Funktion erfüllen Methadon und Co? Opiate wie Heroin docken im Gehirn an Morphinrezeptoren an und erzeugen Euphorie. An diese Rezeptoren bindet auch ein vom Körper selbst produziertes Opioid: die Endorphine. Wird die Droge jedoch über längere Zeit genommen, stellt der Körper die Endorphinproduktion ein – der künstliche Kreislauf ersetzt den körpereigenen. Wird die Droge abgesetzt, beginnt der Körper nicht sofort wieder mit der Produktion der Endorphine. Das macht den Ent-
„Das drogenpolitische Ziel ist die Abstinenz. Praktisch weiß man jedoch, dass viele Menschen lange nicht wegkommen werden.“ ALFRED SPRINGER
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zug so hart und ist einer der Gründe, warum die Substitution Vorteile bietet: Sie ist für jeden geeignet, der nicht akut abstinent werden will. Um den Schwarzhandel mit den Ersatzstoffen zu verhindern, müssen Patienten die Substanzen – so zumindest die gesetzliche Vorgabe – vor den Augen des Arztes oder Apothekers nehmen. Die Mitnahme einer Ration nachhause ist nur in Ausnahmefällen möglich (etwa für Sonn- und Feiertage). Wann die Dosis reduziert wird, wissen die Patienten nicht. Es kann auch vorkommen, dass sie am Ende nur mehr rei-
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nes Wasser trinken. Erfahren das die Patienten, kann es sein, dass sie wieder den Ersatzstoff verlangen. Dies zeigt, dass die Krankheit auch nach Abschluss der Substitutionstherapie noch nicht vorbei ist. Denn der Grund für den Griff zur Droge sind oft psychische Probleme. Diese behandeln die Patienten gewissermaßen in Eigenregie. Fällt die Droge weg, taucht das eigentliche Problem wieder auf. Daher geht die Drogensubstitution immer mit einer psychischen Therapie einher, die auch in der Abstinenz noch fortgesetzt werden soll.
Probleme mit Problemlösern Etwa 60 Prozent der Substitutionsverschreibungen in Österreich lauten auf retardiertes Morphin. Dieser Ersatzstoff ist sonst nur in Bulgarien und Slowenien für Suchtkranke zugelassen. Das Problem: Retardiertes Morphin eignet sich im Vergleich zu anderen Substitutionsmitteln am besten zum Injizieren. Damit besteht aber die Gefahr einer Überdosierung, der Verwendung nicht steriler Spritzen sowie von Gewebe- und Blutgefäßschädigungen. Deshalb sind die Bedingungen für die Ausfolgung des Stoffs zur Einnahme außerhalb der Arztpraxis auch besonders streng. Nur müssten die Ärzte zu viel Kontrolle über die Patienten ausüben, was diese aber nicht wollten, so Alfred Springer, der Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Suchtforschung am Anton-Proksch-Institut in Wien. Methadon hingegen würde in Orangensaft verabreicht, um das Spritzen zu verhindern. Ein grundsätzliches Problem bei der Ersatztherapie ist, dass die Patienten oft andere Drogen weiter einnehmen. „Die Leute verwenden zu viele Benzodiazepine“, sagt Gabriele Fischer, die Leiterin der Abteilung für Suchtforschung und Suchttherapie an der MedUni Wien. Zu den Benzodiazepinen gehören Valium und Rohypnol. Fischer zufolge würden diese Beruhigungsmittel zu oft von den behandelnden praktischen Ärzten verschrieben. Der Missbrauch dieser Medikamente in der Ersatztherapie hat sich laut Fischer in den letzten Jahren fast verdoppelt. Sie wünscht sich daher von der Ärztekammer, dass eine Qualitäts- und Sicherheitskontrolle für die Ersatztherapie eingeführt wird. Fischer zufolge werden in manchen Ordinationen bis zu 600 Opiatabhängige pro Monat behandelt, was ein erkleckliches Zubrot ausmachen kann.
Therapietheorie und -praxis Fischer beurteilt es positiv, dass in Österreich viele Medikamente für die Substitution zur Verfügung stehen. Die Ersatztherapie erfolgt freiwillig, die Patienten müssen aber bestimmte Regeln einhalten, wie zum Beispiel Urintests, damit überprüft werden kann, ob andere Drogen, wie etwa Kokain, genommen werden. Laut Fischer neh-
Substanzen der Ersatztherapie Methadon: Wird als Zuckertrinklösung in der Apotheke verabreicht. Es ist das Substitutionsmittel mit den stärksten Nebenwirkungen (Übelkeit, Erbrechen, Gewichtszunahme, Schwitzen, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Depressionen, Verstopfung). Retardiertes Morphin: Als Kapsel oder Tablette verabreicht; wird besser vertragen. Bei Missbrauch gerne gespritzt. Buprenorphin: In Tablettenform genommen; bei Missbrauch gerne geschnupft. LAAM (Levoacethylmethadolhydrochlorid): Ist in den USA und Europa derzeit nicht zugelassen, weil Patienten an Nebenwirkungen gestorben sind. Codein: Gilt als gut verträglich, wird in Österreich aber kaum eingesetzt. Heroin: In den Niederlanden, Großbritannien und der Schweiz kann Heroin vom Arzt kontrolliert für Patienten verschrieben werden, bei denen andere Therapien versagt haben. In Österreich ist dieser Ansatz nicht zugelassen.
men deshalb vergleichsweise wenige – sie schätzt etwa ein Viertel – der Betroffenen an den Programmen teil. Im Jahr 2008 unterzogen sich laut dem aktuellen Bericht von Gesundheit Österreich zur Drogensituation in Österreich gut 11.000 Menschen einer Substitutionstherapie. „Das drogenpolitische Ziel ist die Abstinenz. Praktisch weiß man jedoch, dass viele Menschen lange nicht wegkommen werden“, sagt Springer. Und ja, sicherlich gebe es auch Süchtige, die sich in Therapie begeben, um so an Stoff zu kommen. Aber viele wollten auch wirklich „clean“ werden. Und man dürfe eben nicht vergessen, dass es sich bei der Abhängigkeit um eine chronische Krankheit handle. Ob die Substitution besser sei als der Entzug, hänge immer davon ab, was die Patienten wollen. Wird die Dosis des Substituts richtig eingestellt, sollten Springer zufolge keine Nebenwirkungen auftreten. Einen medizinischen Grund, Patienten von der Ersatztherapie auszuschließen, gebe es somit nicht.
Erhöhtes Schmerzempfinden Eine weitere mögliche Ursache dafür, warum der kalte Entzug so schwierig ist, publizierten Forscher um Jürgen Sandkühler vom Zentrum für Gehirnforschung der MedUni Wien diesen Sommer in der Wissenschaftszeitschrift Science (Bd. 325, S. 207): Der Entzug könnte die Schmerzempfi ndlichkeit im Rückenmark erhöhen. Werden Zellen des Rückenmarks eine Zeitlang mit Opiaten behandelt und diese dann entzogen, strömen Kalziumionen in die Zellen ein. Dies aktiviert Enzyme, die wiederum dafür sorgen, dass Schmerzen von einer Zelle auf die nächste stärker übertragen werden. Dieses gesteigerte Empfi nden von Schmerzen tritt auch auf natürliche Weise auf; die Mechanismen ähneln sich und die Enzyme sind zum Teil die gleichen wie beim Entzug. „Das macht den Entzug schwierig. Es ist bei weitem nicht der einzige Grund, aber Menschen, die einen abrupten Entzug durchmachen, können am ganzen Körper Schmerzen empfi nden“, sagt Sandkühler. Da auch Patienten so reagieren, die nach einer Operation Opiate als Schmerzmittel eingenommen haben, verschreiben Ärzte oft ein anderes Schmerzmittel, wenn die Opiate abgesetzt worden sind. Für die heuer publizierte Studie hat Sandkühler untersucht, wie sich die Schmerzempfi ndlichkeit nach einer kurzen Phase der Opiateinnahme verändert. Ob dies auch nach langer Sucht der Fall ist, ist nicht klar; diesen Effekt erforschen die Neurowissenschaftler der MedUni Wien derzeit. Einen Hinweis darauf könnte jedoch John Lennons Lied über den kalten Entzug liefern: „36 Stunden rollen im Schmerz, jemanden anflehend, mich wieF der zu befreien.“
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Nach der Lektüre dieses Hefts wissen Sie,... ... dass Spitzhörnchen in Malaysia saufen ohne betrunken zu werden, Prozac auch Hunde über Trennungsängste und Stimmungstiefs hinweg hilft, Wallabies auf Tasmanien staatlich angebautes Opium naschen, Ratten als Versuchstiere nicht nur alle verbotenen Drogen ausprobieren mussten, sondern auch zum Craving und zu Rückfällen nach Entzug neigen, Honigbienen auf Koks wilde Schwänzeltänze aufführen und Spinnen unter Koffein ihre Netze chaotisch weben (siehe S. 4 und S. 10–11). ... dass magische Pilze auch bei uns wachsen,
die Biodiversität des Regenwaldes aber auch die Anzahl natürlich vorkommender halluzinogener Stoffe vervielfacht. Und dass indigene Völker über ei n erstaunliches botanisches Wissen verfügen, etwa welche zwei von Tausenden von Urwaldpflanzen man wie lange kochen muss, um Ayahuasca zu brauen, dessen Einnahme praktischerweise die Kommunikation mit dem Geist der Pflanzen ermöglicht (siehe S. 12–13).
.... dass Sigmund Freud auf Koks war, Jean-Paul Sartre hingegen auf Speed, Walter Benjamin kiffte, Timothy Leary LSD predigte, während es Richard Feynman gelang in schalldichten Wassertanks auch ohne Drogen sein Bewusstsein zu erweitern (siehe S. 14–15). ... dass Frauen ein anderes Suchtverhalten an
den Tag legen als Männer. Sie beginnen im Durchschnitt später, zeigen aber früher körperliche Symptome. Weibliche Abhän-
Offene Fragen
gigkeit wird gesellschaftlich stärker stigmatisiert, Medikamentenabhängigkeit ist die Frauensucht schlechthin und stellt den wichtigsten strukturellen Grund für die Suchtkrankheit die Mehrfachbelastung JobHaushalt-Familie dar. Viele Fragen sind aber auch umstritten oder wissenschaftlich noch zu wenig erforscht: etwa ob Frauen sich früher oder später als Männer in Therapie begeben (siehe S. 18-19). ... dass in der Schweiz seit zwei Jahren LSD
wieder versuchshalber zum Zwecke der Psychotherapie eingesetzt wird, dies hierzulande aber kein Thema ist. Studien in den USA legen nahe, dass kontrolliert eingesetztes LSD durchaus therapeutisches Potenzial hat. Weitere Ergebnisse sind aber abzuwarten, starke Vorbehalte der Gesellschaft gegenüber einer derartigen Verwendung bleiben bestehen (siehe S. 20).
... dass sich in Österreich im Vorjahr 11.119 Menschen in einer Drogensubstitutionstherapie befanden, viele Patienten auch auf längere Zeit als vorgesehen den Ersatzstoff verlangen, in manchen Arztpraxen bis zu 600 Opiatabhängige pro Monat behandelt werden, was den Ärzten ein erkleckliches Zubrot einbringt. Und dass hierzulande vor allem retardiertes Morphin als Ersatzstoff verabreicht wird, Ärzte die Einnahme aber nur ungern scharf kontrollieren und die Patienten den Stoff daher möglicherweise spritzen, was gegenüber der oralen Einnahme beträchtliche Gesundheitsrisiken mit sich bringt (siehe S. 21).
Sechs Fragen für Alleswisser Das kleine Quiz der Halluzinogene
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In der Südsee berauscht man sich an einer Wurzel, die zuerst vorgekaut, dann in ein Gefäß gespuckt, mit Wasser gestreckt und schließlich getrunken wird. Wie heißt sie? a) Kava-Kava b) Kath c) Iboga d) Peyote
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Randvoll mit Palmbier aber nie betrunken: das Malayische Spitzhörnchen
Was die Wissenschaft (noch) nicht weiss
In unseren Breiten macht man sich eher mit Bier zu. In welchem Land wurde 2004 pro Kopf und Nase am meisten Hopfenhaltiges getschechert? a) Irland b) Österreich c) Deutschland d) Tschechien
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Es gibt eine Süßigkeit, deren Inhaltsstoff Isoliquiritigenin Kokainabhängigkeit zumindest bei Ratten lindert, wie südkoreanische Forscher Anfang des Jahres herausfanden. Um was handelt es sich? a) Schokolade b) Türkischer Honig c) Lakritze d) Pudding
Was passiert eigentlich bei Halluzinationen? 4
ILLUSTR ATION: ALEX ANDER GL ANDIEN, FOTOS: ARCHIV
satz. Wie sie unsere grauen Zellen manipulieren, weiß die Wissenschaft aber immer noch nicht ganz genau. Einigermaßen klar ist immerhin, dass die Rauschmittel an Rezeptoren für Neurotransmitter andocken. Mit diesen Botenstoffen im Gehirn wird der Spalt zwischen den Ausläufern zweier Nervenzellen überbrückt. An ihrer statt drängeln sich die psychedelischen Wirkstoffe rein und sorgen für Verwirrung. Viele halluzinogene Substanzen ähneln in ihrer Struktur offenbar Serotonin, einem der wichtigsten Nervenbotenstoffe. Halluzinationen dürften vor allem durch Aktivierung des sogenannten Serotonin-2A-Rezeptors entstehen. Rätselhaft ist, warum LSD diesen Rezeptor ziemlich unbehelligt lässt, aber dennoch für die wildesten Veränderungen der Wahrnehmung sorgt. Neueren Untersuchungen zufolge wirken Drogen nicht zuletzt auch auf das Stirnhirn und den Thalamus, das „Tor zur Wahrnehmung“. Die beiden Hirnregionen spielen eine zentrale Rolle für die Bewusstseinsbildung und die Konstruktion der Realität. Eine neuere Halluzinationstheorie besagt,
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dass LSD und Co verhindern, dass die Sinneseindrücke am „Tor der Wahrnehmung“ vorsortiert werden. Warum aber sind die Bilder, die Berauschte im Kopf sehen, oft geometrisch abstrakt, spiralig oder schachbrettartig? Forscher aus dem Fachbereich Mathematik (ausgerechnet?) der Universität Utah meinten vor einigen Jahren, dass das von einer Hirnregion herrühren könnte, die unberauscht für die Verarbeitung von Umrissen und Kanten zuständig ist.
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Welche berühmten Künstler starben mit 27 an einer Überdosis Heroin? a) Janis Joplin b) Jim Morrison c) Jean Michael Basquiat d) Alan Wilson
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Welches alkoholische Getränk macht am schnellsten fett? a) Rotwein b) Sekt süß c) Caipirinha d) Beck’s alkoholfrei
Warum sich der Ruf von LSD Mitte der 1960er-
Jahre so schlagartig verschlechterte, ist auch eine offene Frage, diesmal eine für Historiker und Soziologen. Gut, es war ungefähr zehnmal so viel LSD im Umlauf wie heute, und US-Präsident Nixon hielt LSDPapst Timothy Leary für den gefährlichsten Mann Amerikas. Das erklärt aber nicht, warum in den zwei Jahrzehnten nach der Entdeckung von LSD im Jahre 1943 tausende Untersuchungen über die Anwendung des Halluzinogens durchgeführt wurden und ab Mitte der 1960er-Jahre nur mehr ganz wenige. Und schließlich darf man sich auch noch fragen, warum die LSD-Forschung ausgerechnet in den letzten Jahren wieder neue Impulse erhielt. Und was sie uns noch alles bescheren wird.
Wie LSD genau wirkt, ist immer noch wirklich geklärt
Richtige Antwort 1: a Kava-Kava oder Rauschpfeffer. Kath wird in Nordostafrika gekaut, die Iboga-Wurzel im Kongo und der Peyote-Kaktus in Mexiko. Richtige Antwort 2: d) Tschechien (160 Liter pro Jahr). Es folgen die Deutschen mit 115,8, die Österreicher mit 108,6 und die Iren mit 108. Richtige Antwort 3: c) Isoliquiritigenin ist ausschließlich in Lakritze enthalten. Richtige Antwort 4: a) Hofmann verfügte über kein Auto und fuhr daher nach der Einnahme mit dem Fahrrad vom Labor nachhause. Die Beschreibung seiner psychedelischen Erfahrung auf dem Drahtesel sind legendär (siehe S. 14–15). Richtige Antwort 5: a), b), c), d) Außerdem starben mit 27, wohl auch unter Drogeneinfluss, Brian Jones und Kurt Cobain. Richtige Antwort 6: d) Beck’s alkoholfrei enthält 0,36 Volumsprozent Alkohol und 60 Kilokalorien pro Gramm. Bei Rotwein sind es rund 8,5 Kilokalorien, bei Sekt süß 12,1 und bei Caipirinha 20,5.
sychedelika, also „die Seele offenbaP rende Substanzen“, sind seit Jahrtausenden im menschlichen Gehirn im Ein-
Am 19. April 1943 unternahm Albert Hofmann zum ersten Mal einen Selbstversuch mit LSD. Unter welchen Namen ist dieser Trip in die Geschichte der Drogenforschung eingegangen? a) Fahrradtag b) Autotag c) Bootstag d) Flugtag
1) Im Osten geht die 14.12.2009 Sonne auf12:56:20 Uhr
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Vielleicht auch eine Laura oder Julia oder Karin. Je früher Mädchen an Naturwissenschaften oder Technik herangeführt werden, umso höher ist die Chance, dass sie sich später für ein Studienfach in diesen Bereichen begeistern. Damit die weiblichen Talente für den heimischen Forschungsstandort nicht verloren gehen, müssen Begabungen entdeckt und gefördert werden. Das macht das Wissenschaftsministerium mit Programmen wie „Sparkling Science“, den „Kinderunis“ oder „fforte“. Mehr dazu auf www.bmwf.gv.at.
Wissen schafft > Chancengleichheit. BM Johannes Hahn
Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung