HEUREKA #42017 Österreichische Post AG, WZ 02Z033405 W, Falter Zeitschriften GesmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien
D A S W I S S E N S C H A F T S M A G A Z I N A U S D E M F A LT E R V E R L A G
Star Trek
ILLUSTRATION: ANDREAS ROSENTHAL
Wissenschaft oder gar Religion?
Ort höherer Einsicht Das Raumschiff Enterprise und seine Crew als fiktiver Himmel in Fernsehen und Film. Seite 12
Gott ist Gaga Das Verhältnis von Fan-Gemeinden und den traditionellen religiösen Zugehörigkeiten. Seite 16
Religion als Therapie Religion als Gesellschaftskritik und Therapie gegen die „Leidenschaft für die Rechtfertigung“. Seite 18
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in tro d u k tio n : h eu r e ka 04/17 FALTER 25/17 3
Christian zillner
Fotos: Daniel Waschnig, Andreas Rosenthal (2), Ailura/Wikimedia Commons/CC BY-SA 3.0 at
A u s d e m I n h a lt
: e d i to r i a l
Bad Religion? Von nachwachsenden Salamanderbeinen Seite 8 Wie können fehlende Körperglieder aus bestehenden Resten nachwachsen?
Oben ist der Ort der höheren Einsicht Seite 12 Kopf im Bild Seite 4 Lisa-Marie Faller von der Universität Klagenfurt forscht an der Miniaturisierung von Spektrometern für Drohnen
Und dort fliegt die Enterprise seit vielen Jahren. Ein Götterbote am Himmel?
Gott ist Gaga Seite 16 In welcher Beziehung steht der zeitgenössische Fan-Kult zu traditionellen Religionsformen?
Pille, was ist los mit mir? Seite 14 Die Star-Trek-Reihe zog und zieht Wissenschafter, Techniker und Astronauten in ihren Bann
Religion als Therapie und Kritik Seite 18
Die Kirche in einer neuen Rolle? Muss sie sich historisch und sozial neu positionieren?
Glossar und Bücher zum Thema Seite 22 Mehr Aufmerksamkeit für Forschung Seite 7
Alles über Trekkies und Religion in Kürze
Jeden Dienstag läuft auf Radio NJOY 91.3 das Wissenschaftsradio für junge Menschen
Heilsversprechen in heillosen Zeiten Seite 20 Warum zieht es uns Menschen zu Religionen oder ErsatzReligionen?
Früher las ich über Göttliches in der Bibel, jetzt kommen die Offenbarungen aus Wikipedia: „Bei einer 2011 durchgeführten Volkszählung in Tschechien gaben 15.070 Bürger den Jediismus als Religion an.“ Den – was? Nein, das sind keine Jesiden mit Schreibfehler, sondern Anhänger des Jedi-Kults. Seine Ursprünge gehen auf die Star-WarsFilme zurück, in denen Jedi-Ritter mit den Lichtschwertern ihrer jugendlichen Fans herumfuchteln und manche sehr grüne Weisheit sowie einen Segen von sich geben: Möge die Kraft mit dir sein! Die haben wir immer nötig. Dennoch widmet sich unser Titelthema nicht dieser Mönchsgemeinde, sondern Star Trek und seiner Glaubensgemeinschaft, den Trekkies. Denn da lässt sich die Frage stellen: Ist Star Trek auch Vorbild für die Wissenschaft? Zumindest wird die Marke von Wissenschaftern gern zitiert, um komplizierte Zusammenhänge einfach zu erklären. Wir wiederum lassen uns von Wissenschaftern erklären, was Phänomene wie Trekkies, Musikfans und Theologen über unsere Religions vorstellungen aussagen. Korrektur: In der letzten Ausgabe von Falter Heureka wurde auf Seite 5 Professor Kurt W. Alt der Donau-Uni Krems zugeordnet statt, wie es korrekt ist, der Danube Private University in Krems.
: g a st ko m m e n ta r
Johannes Kepler Universität: Entschlossen in die Zukunft
Foto: jku
Rektor Meinhard Lukas
Die Johannes Kepler Universität feiert heuer ihren 50. Geburtstag – Zeit für Rückschau, Ausblick und Standortbestimmung. Was die JKU, bewusst als „eine Hochschule neuen Stils“ gegründet, leistet, forscht und lehrt, war und ist wegweisend: Das erste Marketing-Institut im deutschsprachigen Raum beispielsweise, erstmals in Österreich ein Informatik-Studium, das weltweit erste Mechatronik-Studium und der bundesweit erste Wireless-Campus. Einer der jüngsten Impulsgeber ist das Linz Institute of Technology als international ausgerichtetes Zentrum für technologische Forschung und Lehre. Riesenchance. Der Mut, Neues zu wagen und sich gegen Skepsis oder gar Widerstände durchzusetzen, ist ein essenzieller Bestandteil unserer DNA. Beim Aufbau der
Medizinischen Fakultät hat sich die Tugend der Beharrlichkeit erneut bezahlt gemacht. Die eindeutige Bestätigung dafür: die deutlich gestiegenen Anmeldezahlen. Das Projekt ist gewaltige Herausforderung und Riesenchance zugleich. Darauf fußend entsteht ein Medical Valley, in engem Austausch mit einer starken Wirtschaft und Industrie. Lebensraum. Der Wandel, die Veränderung, das stete Streben nach Neuem, das die JKU und ihre Angehörigen in ihrem Selbstverständnis
Meinhard Lukas, Rektor Johannes Kepler Universität
tagtäglich leben, kommt auch baulich zum Ausdruck: Rund dreißig Millionen Euro werden in die Campusattraktivierung investiert. Wir suchen den Vergleich mit TopUnis in den Vereinigten Staaten, unter anderem mit zusätzlichen Sportund Freizeitflächen. Die Bibliothek wird modernisiert und erweitert, das höchste Gebäude, der Turm der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, erhält eine Aussichtsplattform samt Think Tank. Der Lernund Arbeitsort Kepler Universität will auch Lebensraum sein. Profilschärfung. Ihr rundes Jubiläum nimmt die JKU zum Anlass, ihr Profil zu schärfen und sich bei diesem Strategieprozess mit anderen Hochschulen auszutauschen. In die Ideenfindung binden wir unsere MitarbeiterInnen aktiv ein, zahlreiche Gespräche mit den Fachberei-
chen zeigen klar: Die Vorstellungen, wie sich die Johannes Kepler Universität besser positionieren und ihren erfolgreichen Weg fortsetzen kann, sind von einem unbedingten Qualitätsanspruch gekennzeichnet. Als Oberösterreichs leitende Bildungsund Wissenschaftsinstitution ist es unsere Verpflichtung, die Innovationsfähigkeit zu erhalten, herausragende Forschung zu ermöglichen und für den Nachwuchs noch anziehender zu werden. Mut. Kreativität, Mut und Entschlossenheit haben ein halbes Jahrhundert JKU geprägt. Die Weichen für die kommenden Jahrzehnte sind gestellt, die Räume dafür geschaffen oder gerade im Entstehen. Sie gehören weiterhin mit Menschen und Ideen gefüllt, damit unsere Universität und der gesamte Standort eine gute Zukunft haben.
4 FALTER 25/17 h eur eka 04/17 : p ersönl ic h k e ite n
: ko p f i m b i l d
Kleiner und leichter Nehmen wir an, eine kilometerlange Pipeline leckt. Könnte man nicht einfach eine Drohne hinschicken, um das Loch zu finden? Und zwar eine mit einem Spektrometer, das chemische Proben analysieren kann? Nun, so einfach ist das nicht, wie Lisa-Marie Faller weiß, denn existierende Geräte sind noch viel zu schwer für solche Einsätze. Die Drohne würde bald aufgeben müssen. Die Doktorandin am Institut für Intelligente Systemtechnologien der AlpenAdria-Universität Klagenfurt arbeitet daran, solche Spektrometer für Drohnen kleiner und leichter zu machen. Dafür wurde sie mit dem Best-Poster-Award bei der IEEE-Konferenz EuroSimE in Dresden ausgezeichnet. „Eine gute Gelegenheit, um exzellente Forschung in unserer Region international sichtbar zu machen“, freut sich die 30-Jährige. Neben dem technischen bringe diese nämlich auch ökologischen und sozialen Fortschritt. „Miniaturisierung spart Ressourcen, und Technologieentwicklung fördert Investitionen und schafft so letztlich Arbeitsplätze. Das wird später auch für meine Söhne wichtig sein.“ Text: Uschi Sorz Foto: Daniel Waschnig
: j u n g fo rs c h e r i n n e n uschi sorz
Dieser Nachwuchs ist in der Arbeitsgruppe Zoran Culig an der MedUni Innsbruck der trickreichen Kommunikation von Prostatakrebs auf der Spur Julia Höfer, 35, Molekularbiologin Nach drei Jahren Medizinstudium hat sie gemerkt, dass sie sich vor allem für die Mechanismen interessiert, die zur Entstehung von Krankheiten führen. Biologie hatte sie schon in der Schule begeistert. So spezialisierte sie sich auf Molekularbiologie. Im Zuge ihrer Dissertation hat sie neue Ansatzpunkte zur Behandlung des Prostatakarzinoms erforscht. Aktuell nimmt sie im Zuge einer Hertha-Firnberg-Stelle an der Innsbrucker Uniklinik das Protein PIAS1 unter die Lupe, das in Prostata- und Brustkrebszellen vermehrt erzeugt wird und unkontrolliertes Wachstum fördert. „Wir untersuchen die Hypothese, dass PIAS1 die Wirksamkeit der Strahlentherapie beeinflusst.“ Die Anpassungsfähigkeit von Tumoren sei eine große Herausforderung. Ihr Ziel: „Ich möchte zu einer effizienteren Therapie beitragen.“
Florian Handle, 30, Molekularbiologe Er hatte sich schon bei der Biologiematura auf molekulare Zellbiologie spezialisiert. „Ich finde es spannend, mit so einem komplizierten System zu arbeiten, bei dem es laufend Neues zu entdecken gibt“, sagt der Innsbrucker. Nach Abschluss seiner Doktorarbeit an der Innsbrucker Uniklinik in der Arbeitsgruppe von Zoran Culig ist er dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Seine Forschung dreht sich um die Wechselwirkung der beiden wichtigsten Signalwege im Prostatakarzinom. „Ähnlich wie gesunde Zellen sind Krebszellen laufend über Signalwege mit den Nachbarzellen in Kontakt. Sie haben es aber geschafft, das zu ihrem Vorteil auszunützen.“ Er untersucht, welchen Einfluss diese Wechselwirkung auf die Entstehung von Therapieresistenzen bei fortgeschrittenem Prostatakrebs hat.
Birgit Luef, 31, Biochemikerin Sie forschte bis vor Kurzem in derselben Arbeitsgruppe wie Julia Höfer und Florian Handle. Ihre Leidenschaft für die humane Zellkultur und molekularbiologische Methoden hatte sie während ihrer Masterarbeit in Biochemie und Molekularer Biomedizin an der TU Graz entdeckt. „Ich wollte etwas für die Allgemeinheit tun und in meiner Forschung näher am Patienten sein“, sagt die Steirerin. So widmete sie ihr Doktoratsstudium in Innsbruck der Prostatakrebsforschung. An der Uniklinik für Urologie beschäftigte sie sich mit dem Partnerprotein des Androgenrezeptors, der im Krebsgewebe und in Tochtergeschwülsten von Prostatakrebspatienten nachgewiesen wurde. „Zellkulturexperimente zeigten, dass dieses Partnerprotein das Wachstum fördert. Diese Tatsache könnte ein neuer Ansatz für weitere Therapien sein.“
Ko m m e n ta r e : h eu r e ka 04/17 FALTER 25/17 5
emily walton
martin haidinger
Florian Freistetter
EU -Spocks
Nimm den Schleier, Uhura!
Zwei Wege
Stimmt schon, die großflächige Erweiterung der Europäischen Union, wie wir sie in den vergangenen 25 Jahren erlebt haben, wird vorerst vorbei sein. Mit den Ländern des Westbalkans wird noch verhandelt, doch viel mehr dürfte es in naher Zukunft an realistischen Erweiterungsoptionen nicht geben. Doch bis ins Jahr 2200, wenn die Enterprise mit Kapitän Kirk und Mr. Spock im Weltall unterwegs ist, wäre ja noch Zeit. Genug Zeit, um in der EU wieder zu erweiterungsfreudigerer Stimmung zu gelangen – und auch genug Zeit, um Spocks Volk, die Vulkanier, in den unendlichen Weiten des Weltalls aufzuspüren. Und wie würden Beitrittsverhandlungen mit den Vulkaniern wohl aussehen? Hierzu ein kleines Gedankenexperiment: Als grundsätzlich Gewalt ablehnendes Volk würden die Vulkanier gut zum Friedensprojekt EU passen. Auch ein zentraler ethischer Grundsatz wäre mit der komplexen Kompromissfindung in einem vielfältigen demokratischen Gebilde wie der Union wohl kompatibel: Die Vulkanier streben danach, die Bedürfnisse von möglichst vielen Menschen zu erfüllen. Auch wenn sie selbst zu diesem Zweck zurückstecken müssen. Man könnte also davon ausgehen, dass die vulkanische Delegation in hitzigen Brüsseler Gipfelnächten nur im Ausnahmefall den berühmten Spock-Griff anwenden wird, um Kontrahenten vorübergehend zum Schweigen zu bringen. Als großes Plus für die gesamte Gemeinschaft dürfte sich der vulkanische Hang zur Logik erweisen: Mancher Verhandlungsrunde würde es zweifelsohne gut tun, säße jemand wie Spock am Tisch, der sich erst dann zufrieden gibt, wenn das Ergebnis objektiv betrachtet Sinn macht – und nicht nur der kleinste gemeinsame Nenner ist, der möglichst viele Einzelwünsche gleichzeitig erfüllt. Wer den EU-Übersetzungsdienst schon einmal live erlebt hat, wird sich sicherlich auch keine Sorgen machen, dass Vulkanisch als weitere Amtssprache der Union ein Problem darstellen könnte. Ein Zugeständnis müsste man den außerirdischen Beitrittskandidaten dann aber doch abringen: Dass sie darauf verzichten, Ministertreffen und Gipfel auf ihrem Heimatplaneten abzuhalten – jedenfalls, bis die Anbindung des Vulkan an Europa mit öffentlichen Verkehrsmitteln besser ausgebaut ist. Dif-tor heh smusma! (Lebe lang und in Frieden!)
Auf irgendeinem Fernsehkanal laufen seit Monaten alle Star-TrekFolgen von Spocks Geburt bis zur x-ten Generation. Meine Lieblinge sind und bleiben dabei die Ur-Viecher vom Raumschiff Enterprise. Kirk, Scottie und Spock haben die Jugendtage behaust. Des Bordarztes Dr. McCoys (vulgo „Pille“) ärztliche Kunst setzte im Kinde Haidinger die zarten Keime des Vertrauens zu den irdischen Weißkitteln, die das Bettchen des Kleinen umstanden, wenn denn Masern, Mumps und Feuchtblattern ausgebrochen waren, oder die Mandeln entfernt werden mussten. Eine ganz besondere Schwäche hatte ich schon damals für das afrikanische Mitglied der Crew, die großartige Lieutenant Uhura. Sie beherrscht alle Sprachen, die in den unendlichen Weiten des Weltraums gesprochen, gefiepst oder telepathisch gemorst werden, und ist dabei auch noch unaufdringlich abgeklärt. Autor Gene Rodenberrys poly glotte Charaktere aus aller Herren Länder machen klar, dass Star Trek eine politische Dimension hat, und zwar eine, die sich nicht im All, sondern auf der Erde entfalten soll. Gerade deshalb fiel der Pilotfilm im Jahr 1965 in den USA durch. Dort war man damals gerade auf einem nationalen Nachkriegstrip (und mitten im Kalten Krieg). Personen
„Gott wird sich schon um den Klimawandel kümmern“, sagte kürzlich der republikanische Abgeordnete Tim Walberg. Die Demokratin Nancy Pelosi berief sich ebenfalls auf Gott, als sie Präsident Trump für dessen Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen kritisierte: „Die Bedürfnisse der Umwelt zu ignorieren, heißt den Gott zu missachten, der uns geschaffen hat.“ Steht Gott nun auf der Seite der Klimaschützer, oder hält er es eher mit denen, die den menschengemachten Klimawandel leugnen? Das mag man sehen, wie man will, auf jeden Fall ist es keine wissenschaftliche Debatte. Wissenschaft und Glaube sind zwei fundamental unterschiedliche Wege, um auf die Welt zu blicken, denn sie sind nicht vereinbar: Wissenschaft ist gerade das, was man nicht glauben muss. Glauben kann man nur an etwas, über das kein verlässliches Wissen vorhanden ist. Das bedeutet nicht, dass alle Wissenschafter Atheisten sein müssen. Es gibt genug Forscherinnen und Forscher, die kein Problem damit haben, ihren religiösen Glauben mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit in Einklang zu bringen. Eines darf man aber nicht: „Gott“ oder andere religiöse Konzepte im Rahmen einer wissenschaftlichen Argumentation zu verwenden. Dennoch begegnet man dieser Taktik oft auch in der modernen Astronomie und Physik. Was war vor dem Urknall? Was hat die Entstehung des Universums verursacht? Darauf hat die Wissenschaft noch keine Antwort (aber einige interessante Hypothesen). Trotzdem kann man nicht einfach mit „Gott!“ dazwischen grätschen. Diese Antwort ist höchstens dann eine, wenn man auch an Gott glaubt. Ansonsten ist sie komplett sinnfrei. Wollte man sie sinnvoll machen, müsste man definieren, was das Wort „Gott“ bedeutet – und das ist unmöglich. „Er ist außerhalb der Natur, außerhalb des Raums, außerhalb der Zeit“, sagte kürzlich Guy Consolmagno, der Leiter der Vatikanischen Sternwarte bei einem Besuch in Wien. Damit sagte er aber gleichzeitig auch gar nichts. Die Vermischung von Wissenschaft und Religion kann nur zu Problemen führen. Wir betreiben Wissenschaft, um objektive Erkenntnisse zu erlangen. Wir forschen, um nicht alles glauben zu müssen. Mit einem „Gott“ in der Argumentation ist das unmöglich.
: h o rt d e r w i ss e n s c h a f t
: f r e i b r i e f
mit Namen wie Sulu, Checkov oder eben auch Uhura hätte man nach Texas vermutlich nicht ohne Weiteres einreisen lassen. Ein Pfui der Dumpfheit! Wie den Kalten Kriegern und Kritikern zum Trotz ließ der bald darauf ausbrechende Kult um Star Trek dieses rührend naive Humanismusprojekt geradezu eine Religion werden. Trotzdem blieb es politisch. Politik ist die Organisation des Zusammenlebens von Menschen. Nichts weiter. Und doch so viel mehr. Genau wie einzelne Individuen den Sinn ihres Lebens suchen, richten auch die meisten Politiker den Zweck ihres Tuns auf ein höheres Ziel hin. Solche nennt man Ideologen. Die urtümlichste Form der Ideologie ist die Religion. Sie setzt den Sinn der Politik mit dem Streben hin zu Gott oder Göttern gleich, und zwar möglichst aller Mitglieder einer Gemeinschaft. Deren Bekenntnis zur gemeinsamen Religion ist die Einwilligung ins Zusammenleben. Sie wird in öffentlichen Ritualen beschworen und ständig erneuert. Welch ein Glück, dass die meisten Machthaber des 21. Jahrhunderts keine Trekkies sind. Sonst hieße es womöglich: Nimm den Schleier, Uhura! Übrigens stammt „Uhura“ aus dem Suaheli und bedeutet so viel wie „Freiheit“. Faszinierend …
: F i n k e n s c h l ag Handgreifliches von tone fink tonefink.at
Zeichnung (ausschnitt)
Fotos: Robert Schober (2), Fotostudio Stanger Innsbruck
: b r i e f au s b rü ss e l
Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs.de/ astrodicticum-simple
6 FALTER 25/17 h eur eka 04/17 : Nac h r i c h te n
Seiten 6 bis 9 Wie Wissenschaft in unsere alltäglichen Lebensumstände eingreift und sie verändert
: m e d i z i n
Nervenschmerzen, aber keine Hilfe Eine Studie deckt große Lücken bei der Schmerztherapie auf dieter hönig
Knapp eine Million Österreicher leidet an Polyneuropathie – vorwiegend Langzeit-Diabetiker und Menschen mit Nierenleiden. Auch Alkohol sowie starke Medikamente können die Nerven nachhaltig schädigen und unerträgliche Schmerzen verursachen. Polyneuropathie kann unterschiedlichste Beschwerden auslösen: Gehen wie auf Watte, Bamstigkeit, Kribbeln und Schmerzen in Händen oder Füßen bis hin zu schweren Lähmungserscheinungen. Betroffene leiden auch oft unter einer psychischen Belastung, sagt der Neurologe Udo Zifko vom Evangelischen Krankenhaus Wien. Beschwerden und Ängste könnte man aber vielen Patienten ersparen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Demnach hatte jeder dritte keine ausreichende diagnostische Abklärung seiner Beschwerden erhalten und jeder fünfte Patient keine vollständige oder gar eine falsche Diagnose bekommen. Das Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten wurde nur rund
Udo Zifko, Evangelisches Krankenhaus, Wien 70 Prozent der Betroffenen angeboten. Vier von fünf Patienten erhielten keine spezielle Physiotherapie zur Verbesserung von Motorik und Gangbild. Was Udo Zifko bedauerlich findet, weil gerade bei Polyneuropathien eine große Auswahl an individuellen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stünde.
: k l i m a s c h u t z
: M at h e m at i k
Wo der Wind noch mehr Strom erzeugen würde, wäre es gesetzlich erlaubt
Ein Gespür für Geometrie
Einst versorgte ein Windrad fünf Haushalte, heute schafft es 2.000. Trotzdem fehlt die gesetzliche Grundlage zum Weiterausbau
Für Michael Eichmair ist Mathematik Gefühlssache
sophie hanak
Uschi Sorz
Derzeit herrscht Flaute für die Windkraft in Österreich. „260 genehmigte Windräder mit einer Leistung von 850 Megawatt Strom für 650.000 Haushalte warten darauf, gebaut zu werden. Dazu müsste aber zuerst die kleine Ökostromnovelle beschlossen werden“, sagt Martin Fliegenschnee-Jaksch von der Interessensgemeinschaft Windkraft. Ein weiterer Ausbau würde Vorteile für die Verbraucher bringen, wie eine Studie der TU Wien zeigt. Es wurden verschiedene Szenarien analysiert. Die Ökostromkosten hängen vom Strommarktpreis und den Ausgleichsenergiekosten ab. Das wahrscheinlichste Szenario geht von sinkenden Ausgleichsenergiekosten und deren Angleichung an das deutsche Niveau aus. Für den Strommarktpreis wurde ein leichter Anstieg in den nächsten Jahren angenommen. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Ökostromkosten weiter sin-
ken, würden die geplanten Windräder gebaut. Technisch ist es heute kein Problem mehr, Strom allein aus erneuerbarer Energie zu produzieren. „2050 werden wir sogar weniger Windräder oder PhotovoltaikAnlagen haben als heute, da sich die
Martin FliegenschneeJaksch, www.tagdeswindes.at Technologie rasant entwickelt. Die ersten Windräder haben fünf Haushalte versorgt, heute kann ein einziges Windrad 2.000 Haushalte versorgen“, erklärt Fliegenschnee-Jaksch. Die Betreiber hoffen, dass das Warten bald ein Ende hat und dies bei der Veranstaltungsreihe „Tag des Windes“ gefeiert werden kann.
: m at h e m at i k
Warum sich eine gute Freundschaft mehr rechnet als viele Facebook- Beziehungen Beziehungen galten lange selbst für Mathematiker als unberechenbar. Martin Nowak und Kollegen ist die entscheidende Gleichung gelungen jochen stadler
Zusammenhalt in einer Gesellschaft entsteht über enge Zweierbeziehungen und nicht durch ein loses Netzwerk an Bekanntschaften, berechnete der österreichische Biomathematiker Martin Nowak mit Kollegen. Die Forscher fanden erstmals eine
Martin Nowak, Harvard Universität, Cambridge Gleichung, wie sich Kooperation durch natürliche Selektion in einer realistischen Bevölkerung entwickelt. Eigentlich ist die mathematische Beschreibung eines wirklichkeitsnahen Beziehungsnetzwerks so komplex, dass sie laut gängiger Computerwissenschaft fast unmöglich ist, erklärt Nowak, der an der Harvard
University forscht. Nur in Grenzfällen hätte man eine Chance. „Wenn die Evolution nur schwach wirkt und vieles vom Zufall abhängt, ist das so ein Grenzfall“, meint Nowak. Bei Treffen mit mathematischen Kapazundern wie dem Fields-MedaillenGewinner Shing-Tung Yau und „Jungstar“ Ben Allen sei man schließlich auf die Formel gekommen, die seit den 1990er Jahren gesucht wurde. Die Forscher testeten damit Beziehungsnetzwerke bei Menschen, anderen Primaten und Delfinen. Am wenigsten Kooperation brachte das soziale Internet-Netzwerk Facebook hervor. Am besten für die Kooperation sind stabile, paarweise Beziehungen, also Partner- und Freundschaften. „Sie bilden das Rückgrat der Zusammenarbeit in einer Gesellschaft und können durch eine große Zahl loser Bekanntschaften nie ersetzt werden“, sagt Nowak. Die Studie erschien im Fachmagazin Nature.
Was hat Thomas Bernhard mit Mathematik zu tun? Für Michael Eichmair viel. „Ich habe sein akribisches Erfassen und Zergliedern von Innerlichkeit immer als sehr mathematisch empfunden“, sagt er. Er ist mit 33 Jahren der jüngste Professor
Michael Eichmair, Universität Wien an der Fakultät für Mathematik der Universität Wien. „Für mich bedeutet meine mathematische Forschung, Gefühltes ebenso exakt zu vermessen und zu beschreiben.“ Was wohl nicht nur damit zu tun hat, dass er aus der Nähe von Ohlsdorf kommt, dem literarisch verewigten Rückzugsort des Schriftstellers. „Versenke ich mich in mathematische Fragen, entwickeln sie für mich nach einer Weile Textur, Geruch, Temperatur, Farbe, Persönlichkeit.“ Zählen langweile ihn, stattdessen sehe er Bilder. Diesen eigenwilligen Zugang hat er auch zu seinem Fachbereich „Geometrische Analysis“. „Da stehen oft ziemlich wilde Differentialgleichungen im Raum.“ Sie erlebt er wie Pop-up-Bücher. „Sie modellieren Zusammenhänge, die sich bei geübter Betrachtung geometrisch erschließen lassen.“ Eichmair hat seinen PhD an der Stanford University gemacht, war am Massachusetts Institute of Technology und an der ETH Zürich. Aktuell untersucht er im Zuge eines STARTPreis-Projekts die isoperimetrische Struktur von Raumzeiten. „Dürften Sie sich so viel Grund nehmen, wie innerhalb eines Kilometers Zaun Platz hat, sollten Sie in der Pampa ein kreisrundes Stück wählen“, veranschaulicht er die zentrale Frage der Isoperimetrie. Nämlich die, welche Figuren bei gegebenem Umfang den größten Flächeninhalt haben. „Gibt es einen Hügel, legen Sie das Grundstück besser um den herum.“ Die Wölbung vergrößere es. Bei gleichem Umfang. Sehr spannend seien isoperimetrische Fragen aufgrund der wechselseitigen Zusammenhänge in der Allgemeinen Relativitätstheorie. „Einstein hat uns ja die Gravitation wunderbar als unbeschleunigte Bewegungen in gekrümmten Räumen erklärt.“
Fotos: Astrid Knie, barbara mair, EKH-Wien/C.Richter, Sharona Jacobs Photography
nachrichten aus forschung und wissenschaft
N ac h r ic h te n : h eu r e ka 04/17 FALTER 25/17 7
: W e lt r au m t ec h n i k
TU fliegt jetzt den Mond an Das Space Team der TU Wien und die Reise zum Mond Sabine Edith Braun
Als Land, wo Raketen gebaut und gezündet werden, ist Österreich kaum bekannt. Das Space Team der TU Wien, ein 2011 gegründeter Verein, der von TU, Verkehrsministerium, FFG und Unternehmen wie Airbus unterstützt wird, tut beides.
Andreas Bauernfeind, Space Team, TU Wien
Fotos: KLAUS RANGER, Paul Feuersänger, Privat, Ailura/Wikimedai Commons/CC BY-SA 3.0 at
Manuel Schleiffelder, Lunar-LanderTeam, TU Wien Die Gruppe von 50 Studierenden mit einem harten aktiven Kern von 15 Personen baut jährlich eine Experimentalrakete für die von der französischen Raumfahrtagentur organisierte Startkampagne C’Space. Die STR-O6 WATNEY (Länge: 162 cm), die schon fünf Flüge absolviert hat, erreichte letzten September in zwei Kilometern Höhe sogar Überschallgeschwindigkeit. „Es ist ein Hobby. Andere trainieren für den Marathon oder bauen Modellflugzeuge, wir bauen Raketen“, sagt Projektleiter Andreas Bauernfeind, der die STR-O6 beim 4. Space Event im Technischen Museum Wien vorstellte. Dass der 4. Space Event nicht an der TU stattfand, hat einen Grund: Ein anderes „Baby“ des Space Teams, der 65 Kilo schwere Prototyp einer Mondlandeeinheit, wurde dem Technischen Museum als Ausstellungsstück übergeben. Konzipiert wurde der Lunar Lander für den Wettbewerb „Google Lunar XPRIZE“. Mittlerweile arbeitet das Space Team gemeinsam mit dem Start-up „Part Time Scientists“ an der dritten Generation des Lunar Landers. ALINA, so der Name, soll 2018/19 als „Payload“ auf einer Falcon 9-Trägerrakete zum Mond fliegen. „Ursprünglich war für das Landemodul ein Platz in einer ukrainischen Dnepr-Rakete vorgesehen, aber daraus wurde wegen des Konflikts mit Russland nichts“, sagt Manuel Schleiffelder vom Lunar-Lander-Team. www.spaceteam.at www.ptscientists.com
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Mehr Aufmerksamkeit für Forschung Jeden Dienstag läuft auf Radio NJOY 91.3 zwischen 10 und 11 Uhr das Wissenschaftsradio für junge Menschen Antonia Hafner
Nach und nach füllt sich der Raum der Jugend-Kirche in der Wiedner Hauptstraße mit jungen Leuten. Alle sind freiwillig hier. Messe-Organisatorin und Studentin Katharina Sperrer weiß, wie sie das junge Publikum für den Gottesdienst motiviert. Motto: Music, Drinks & More. Neben der Vermittlung von Glaubensinhalten durch einen Pfarrer besteht hier auch die Möglichkeit, gemütlich bei einem Bier zu plaudern. „Für mich ist es das Wichtigste, dass hier Menschen, die nicht beten gelernt haben, ganz natürlich in Kommunikation mit Gott treten. Selbst wenn man nur da ist und über sein Leben nachdenkt“, so Sperrer im Talk mit Radio NJOY-91.3-Redakteur Michel Mehle. Er ist für die Sendung „Wissenschaftsradio“ im Einsatz und nimmt O-Töne für einen Beitrag über das Projekt „die messe“ auf, das mehrere Studierende betreiben. „Als jemand, der nicht regelmäßig in die Kirche geht, begeistert mich das Engagement meiner Interviewpartnerin. Auf diese Weise setzen sich Menschen anders mit dem Glauben auseinander“, so
der junge Radioreporter. Danach heißt es: Zurück in die Redaktion von NJOY 91.3. Während Mehle seinen Beitrag schneidet, nimmt Sendungsmoderator Paul Buchacher für diese Ausgabe ein Interview mit der Religionsforscherin Regina Polak von der Universität Wien auf. Thematische Vielfalt wird großgeschrieben: Neben ihren Regina Polak, Religions forscherin, Universität Wien Forschungsprojekten wie dem Thema „Israel“ spricht er mit ihr auch über aktuelle Themen wie die Spannungen zwischen Religionen und Kulturen seit dem Amtsantritt von Donald Trump. „Der soziale Zusammenhalt wird noch fragiler, der Rassismus wird zunehmen“, so Polaks Prognose. „Es ist uns ein Anliegen, in Form von aktuellen Themen zu zeigen, dass Forschung nicht im Elfenbeinturm stattfindet,
Nadine Prohaska im Einsatz für das ÖFBNationalteam
sondern eben auch stets mit der Lebenswirklichkeit zu tun hat“, erklärt Buchacher und setzt sich an den Computer, um das eben aufgenommene Interview zu schneiden. Das „Wissenschaftsradio“ auf Radio NJOY 91.3 läuft jeden Dienstag zwischen 10 und 11 Uhr. Das Format gibt es seit Jänner 2016 und wird durch eine Patronanz des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft unterstützt. Gestartet wurde die Sendung mit der Intention, den Forschungsaktivitäten von Hochschulen mehr Aufmerksamkeit in der Medienberichterstattung zu geben. Die Sendung ist Teil des Programms des Ausbildungssenders NJOY 91.3. Der Sender steht Studierenden des Instituts für Journalismus und Medienmanagement an der FH Wien der WKW zur Verfügung. Diese haben hier die Möglichkeit, Sendungen selbst zu moderieren oder mit den Moderatoren Beiträge für andere Formate, etwa das Kulturmagazin „Art-Beat“, zu gestalten. Das Programm erfüllt hohe journalistische Ansprüche und behandelt alles, was Wien und junge Leute betrifft. So kam auch die Idee für das Wissenschaftsradio: mehr Aufmerksamkeit für den Wiener Wissenschaftsbetrieb schaffen und die Ergebnisse für junge Menschen gestalten. Daher auch ein Beitrag in der „Religionssendung“ zum Projekt „die messe“, das von Studierenden betreut wird. Mit den Protagonisten des Beitrags sollen junge Hörer angesprochen und für die Sendung gewonnen werden. Eine andere Ausgabe setzt sich mit der Fußball-EM der Frauen 2017 auseinander und greift damit ebenfalls ein populäres, jugendliches Thema auf (mehr dazu im folgenden Text).
Hardy Hanappi: „Fußball fördert Durchhaltevermögen“ Noch vor dem Start der FrauenfußballEM in den Niederlanden im Juli, für die sich Österreich qualifiziert hat, setzt sich eine „Wissenschaftsradio“Ausgabe mit dem Sport auseinander (nachzuhören unter wien.njoyradio.at in der Rubrik „Wissenschaftsradio“). Neben dem Wiener Sportmediziner Reinhard Feßl, der über seine Forschungen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Spitzensport der Zukunft berichtet, sind Nadine Prohaska, Spielerin im heimischen Damenfußball-Nationalteam, und Hardy Hanappi zu Gast. Hanappi stammt aus einer berühmten Sportlerfamilie: Sein Vater war die Fuß-
ball-Ikone Gerhard Hanappi. Hardy Hanappi ist Professor an der Technischen Universität Wien, wo er über die Simulation komplexer Systeme forscht. Es geht dabei um politische oder wirtschaftliche Prozesse. Genau dieselben mathematischen Methoden kann man auch verwenden, um Fußballergebnisse zu modellieren, also die wahrscheinlichsten Ergebnisse von internationalen Fußballspielen wie jenen bei einer EM zu berechnen. Den Frauenfußball, das bekennt er offen, verfolgt er nicht wirklich. Aber: „Prinzipiell finde ich es sehr gut, wenn Frauen Fußball spielen. Das Spiel fördert
Ideenreichtum, Teamgeist und das Durchhaltevermögen mehr als andere Sportarten“, so Hanappi im „Wissenschaftsradio“. Aber Fußball ist auch nicht immer ungefährlich. Eine Untersuchung hat ergeben, dass Kopfbälle eine gewisse Gefahr von Langzeitschäden darstellen. Hanappi ist jedoch skeptisch: „Relevante Schäden treten, glaube ich, nur in extremen Ausnahmefällen auf. Das ist anders als beim Boxen, weil ja der Schlag nicht von einem Gegner mit Verletzungsabsichten geführt wird. Ich bin aber prinzipiell ein Skeptiker in Bezug auf spektakuläre, singuläre Studien von sogenannten Experten.“
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: s p r ac h w i ss e n s c h a f t
Textgestaltung per Blick, Kopf und Körper Gebärdensprachen haben ihre eigene Grammatik und sind lokal unterschiedlich. Ein Forschungsprogramm befasst sich mit der österreichischen Form Sabine Edith Braun
Auch die Gebärdensprache ist wie die gesprochene Sprache ein Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Wer aber erforscht sie? „Achtzig Prozent der Forschenden in diesem Bereich kommen aus anderen Fachrichtungen, etwa der Lautsprachlinguistik und dem Behindertenbereich, oder sie kommen durch ethnografische Studien zum Thema“, erläutert Franz Dotter, pensionierter Leiter des Fakultätszentrums für Gebärdensprache und Hörbehindertenkommunikation (ZGH) der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt. Forschungen zur Grammatik der Österreichischen Gebärdensprache An der Universität Klagenfurt wird intensiv an einer Grammatik der Österreichischen Gebärdensprache, kurz ÖGS geforscht. „Wir haben im Jahr 2011 ein vom FWF gefördertes Projekt gestartet. Nun wurde gerade eben auch grünes Licht für ein Anschlussprojekt gegeben“, sagt die Linguistin Andrea Lackner. Sie beschäftigt sich mit der Segmentation von ÖGS-Texten, also ihrer Unterteilung in Sinn einheiten. Das geschieht durch visuelle Mittel wie Blickkontakt, Kopf- und auch Körperbewegungen.
Andrea Lackner, Linguistin, Universität Klagenfurt Wie gut muss man die Österreichischen Gebärdensprache denn eigentlich beherrschen, wenn man darüber forschen will? „Aufgrund der Diskriminierung Gehörloser in der Bildung haben wir meist Teams mit hörender Leitung“, sagt Franz Dotter. Er selbst hat die Gebärdensprache gelernt, so wie man jede andere Fremdsprache lernt. Andrea Lackner gewann durch Kontakte zu Gehörlosen in der Kindheit erste Einblicke in die ÖGS. „Systematisch beschäftigt habe ich mich damit erst ab 1999 an der Universität Graz“, sagt sie. Kompetenz: 14 Sinneinheiten pro gebärdeter Redeminute Bei dem von ihr koordinierten Projekt wurden ÖGS-Muttersprachler gebeten, verschiedene Arten von gebärdeten Texten (Erzählung, Lebenslauf) in Abschnitte zu unterteilen und diese
Unterteilung zu begründen. Diese Segmentation erfolgt durch manuelle und nichtmanuelle Zeichen, sogenannte Anzeiger. Dazu gab es eine Vergleichsgruppe ohne ÖGS-Kompetenz. „Im Durchschnitt wurden vierzehn Sinneinheiten pro Minute genannt, sowohl von gebärdensprachkompetenten Personen als auch von jenen ohne Kenntnisse der Österreichischen Gebärdensprache. Das ist erstaunlich“, sagt Lackner. Die manuellen Anzeiger wurden von beiden Gruppen erkannt, Pausen immerhin zu vierzig Prozent auch von Personen ohne Kenntnisse der ÖGS. Doch die nichtmanuellen Anzeiger wie etwa Blickführung, Kopfnicken oder auch Blinzeln konnten fast ausschließlich von den ÖGS-Muttersprachlern verstanden werden. Im zweiten Projektteil kamen nichtmanuelle Elemente in den Fokus. Dabei stellte sich heraus, dass bestimmte Kopf- und Körperbewegungen mehrere Funktionen und Bewegungsvarianten besitzen. „Kopfschütteln etwa dient nicht nur zur Satznegation, sondern auch zum Ausdrücken von Gegensätzen, zum Aufzeigen der negativen Einschätzung eines Sachverhalts, oder zur Intensivierung“, erklärt Andrea Lackner.
Das Kopfschütteln sei ein typisches Beispiel dafür, dass Vorsicht geboten ist, wenn man Wissen über lautsprachbegleitende Gesten auf die Gebärdensprache überträgt. Eine hohe Ikonizität erleichtert die Grundkommunikation Im aktuellen Projekt soll die Untersuchung, die bislang auf gehörlose Teilnehmer aus bestimmten Regionen, vor allem Salzburg, beschränkt war, auf ganz Österreich ausgeweitet werden. Auch in der ÖGS gibt es regionale Unterschiede. „Diese bestehen entlang der alten Gehörlosenschulen. Aber dennoch kann man miteinander kommunizieren“, sagt Franz Dotter. „Ich habe mich in den USA mit einem gehörlosen Chinesen im Restaurant eine Stunde lang unterhalten. Die hohe Ikonizität der Gebärdensprache ermöglicht eine gewisse Grundkommunikation.“ So werde alles, was mit dem Thema „Lernen“ zu tun hat, in Kopfnähe gebärdet, und alles, was mit Gefühlen zu tun hat, in Bauchnähe. „Und im Notfall hilft immer noch das Fingeralphabet.“ Linktipp: www.signnonmanuals.aau.at
: M o l e k u l a r e pat h o lo g i e
Von nachwachsenden Salamanderbeinen zu eigens ge Elly Tanaka wechselte vom DFG-Forschungszentrum für Regenerative Medizin in Dresden ans IMP nach Wien, um hier herauszufinden, wie fehlende Körpert Sandra Tietscher
Der Axolotl-Salamander bringt das zustande, wovon Regenerationsmediziner bisher nur träumen können: Nach Verletzungen kann er ganze Gliedmaßen und Organe nachwachsen lassen. Diese sind in der Regel vollständig ausgebildet und funktionstüchtig. Worauf basiert aber diese Fähigkeit der Regeneration, und warum ist sie bei anderen Wirbeltieren nicht vorhanden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Professorin Elly M. Tanaka, die mit ihrer Forschungsgruppe vor Kurzem vom deutschen DFG-Forschungszentrum für regenerative Medizin in Dresden nach Wien ans Institut für molekulare Pathologie (IMP) gewechselt ist. „Ich habe mich seit Beginn meiner Forschungstätigkeit dafür interessiert, wie ein fehlender Körperteil aus dem noch bestehenden neu gebildet werden
kann. In unserem Labor arbeiten wir nicht nur mit dem Axolotl, sondern auch mit Fröschen und Mäusen, um durch den Vergleich ihrer jeweiligen Zellen den genetischen Besonderheiten des Salamanders auf die Spur zu kommen“, erklärt Tanaka. „Die zwei grundlegenden Fragen dabei sind: Welche Art von Zellen treibt die Regeneration an? Und welche sind die speziellen Faktoren, die bei einer Verletzung im Salamander aktiviert werden?“ Bereits vor mehreren Jahren entdeckte man durch eine Studie unter Tanakas Leitung, dass Zellen am Ort der Verletzung sich nicht, wie bis dahin angenommen, zu sogenannten pluripotenten oder „Alleskönner“- Zellen zurückentwickeln müssen, wie sie auch im Embryo vorkommen. Stattdessen entwickeln sich fertige
Zellen nur um eine Stufe zurück zu Zellen, die sich zwar noch teilen, aber nur ein bestimmtes Gewebe produzieren können. So beginnen zum Beispiel während der Regeneration von Glied-
Elly M. Tanaka, Institut für Molekulare Pathologie, Wien maßen Muskelzellen, die eigentlich schon im Ruhestadium waren, sich noch einmal zu teilen. Das führt direkt zur zweiten Frage: Woran erkennen diese Muskelzellen, dass sie plötzlich wieder aktiv werden müssen? Darauf hat Tanaka in einer erst kürzlich veröffentlichten Studie
eine Antwort gefunden: Sie und ihr Team haben einen Faktor identifiziert, der im Blut zirkuliert und notwendig ist, um die Muskelzellen aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Tanaka kann auch erklären, warum der Faktor genau an der Amputationsstelle seine Wirkung ausübt. „Ein Enzym, das gehäuft an offenen Wunden vorkommt und dort normalerweise am natürlichen Prozess der Blutgerinnung beteiligt ist, schneidet den Faktor und macht ihn dadurch dreißigfach aktiver. Das führt zu einer lokalen Antwort der Muskelzellen genau an der Verletzungsstelle.“ Evolutionär verwandte Faktoren finden sich in allen Wirbeltieren, unter anderem auch im Menschen, bei dem sie allerdings bisher nur mit Zellbewegung in Verbindung gebracht wurden. Die ursprüngliche Motivation von
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: w i ss e n s c h a f t l i c h e b ü c h e r au s ö st e r r e i c h empfehlungen von erich klein
Fotos: Privat, KatarzynaBialasiewicz/iStock, Sandra Tietscher
Ein Dichter versucht sich am Gedankengeflecht eines Wissenschafters
Auch die Gebärdensprache hat lokale Eigenheiten. Manuelle Gebärden werden sogar von Menschen erkannt, die keine Gebärdensprache kennen
Am Anfang war das Wort. Und dann kam Oswald Egger, Autor mit deutlichem Bezug zu Mathematik und Metaphysik. Es geht um die 1714 veröffentlichte Monadologie des Gottfried Wilhelm Leibniz: „Zu Beginn des ersten Tages war die 1, das heißt Gott. Zu Beginn des zweiten Tages war die 2, denn Himmel und Erde wurden während des ersten geschaffen.“ Wie es um das Verhältnis von Gott und Welt, von Ich und Nichts bestellt ist, lässt sich auch denkend dichten: „Monade ist ein Loch durchs Nichts, das ist, und die Gegenwart des Jetzt istert wie ein Loch durch ein Loch in einem Loch (…).“
Eric Hobsbawm nannte Franz Marek einen „Helden des 20. Jahrhunderts“. Dessen Erinnerungsfragmente führen ins galizische Przemyśl, wo er als Ephraim Feuerlicht in einer jüdischorthodoxen Familie geboren wurde. Im „Roten Wien“ wird er Marxist, nach dem Februar 1934 Kommunist, während der Besetzung Frankreichs Mitglied der Résistance. Der Wiener Kommunist des Jahres 1945 revidiert seinen Kampf für den Sozialismus spät und wird zum Vordenker des Eurokommunismus. Als Chefredakteur der Zeitschrift Wiener Tagebuch ist Franz Marek bis heute eine Legende.
Oswald Egger: Harlekinsmäntel und andere Bewandtnisse Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2017, 183 S.
Franz Marek: Beruf und Berufung Kommunist. Hg. M. Graf, S. Knoll, Verlag Mandelbaum, Wien 2017, 348 S.
Nach Rotem und Nazi-Wien nun das Wien im Ständestaat
ezüchteten Sehzellen eile aus bestehenden Resten neu gebildet werden können
Tanaka ist die Grundlagenforschung, in diesem Fall das Verstehen des Prozesses und seiner Hintergründe. Doch mit dem Fortschreiten ihrer Forschungsarbeit beginnt sie auch, an potenzielle Anwendungsfelder zu denken. Diese sind wohl vor allem in der Medizin zu finden. „Ausgehend von der Regenerationsfähigkeit der Wirbelsäule des Salamanders versuchen wir in einem unserer aktuellen Projekte, auch aus pluripotenten Zellen von Säugetieren Teile einer funktionalen Wirbelsäule zu züchten. Dabei sind wir auf eine Methode gestoßen, wie wir aus diesen Zellen sogar retinales Gewebe neu herstellen können“, erklärt die Forscherin am IMP. Retinales Gewebe kommt normalerweise im Inneren des Auges vor und hilft bei der Umwandlung der optischen
Reize in neuronale Impulse. Zurzeit sucht das Forschungsteam nach Molekülen, welche die Funktion seiner gezüchteten Retinalzellen verbessern und dadurch bei der Bekämpfung degenerativer Krankheiten des Auges helfen könnten. Zitierte Studien: „Cells keep a memory of their tissue origin during axolotl limb regeneration.“ Martin Kragl, Dunja Knapp, Eugen Nacu, Shahryar Khattak, Malcolm Maden, Hans Henning Epperlein, Elly M. Tanaka. Nature, Vol. 460 No. 7251, July 1, 2009. „MARCKS-Like Protein is an Initiating Molecule in Axolotl Appendage Regeneration.“ Takuji Sugiura, Heng Wang, Rico Barsacchi, Andras Simon, Elly M. Tanaka. Nature, Vol. 531 No. 7593, pg. 237-240, March 19, 2016.
Eine Wiener Journalisten legende erinnert an Stationen seines Lebenswegs
Ein Zeitzeugengespräch über Leben und Werk der bedeutenden Künstlerin
Das Wien um 1900, das „rote“ Wien und das der Nazis sind hinreichlich erforscht. Nur das „schwarze“ Wien des Ständestaates zwischen 1934 und 1938 harrte noch der Erforschung wie die zentralen Verkehrsplanungsvorhaben Wiental- und Höhenstraße sowie die 1937 eröffnete Reichsbrücke. Am imposantesten geriet Clemens Holzmeisters austrofaschistischer Monumentalbau des heutigen Funkhauses in der Argentinierstraße im vierten Bezirk. Die Kirche hinter der Stadthalle wurde nach der Ermordung Engelbert Dollfuß’ zur Seipl-Dollfuß-Gedächtniskirche stilisiert.
Die Keramikerin Maria BiljanBilger (1912–1997)gehört zu den großen Künstlerinnen Österreichs. Der Versuch, auf republikanischer Seite in den Spanischen Bürgerkrieg zu ziehen, misslingt. An ihrer Gesinnung während des Nationalsozialismus lässt sie keinen Zweifel: Sie versteckt den italienischen Fremdarbeiter Wander Bertoni. Weitere Stationen: Gründungsmitglied des „ArtClub“, Biennale-Teilnahme, Zusammenarbeit mit Architekten wie Roland Rainer, Leitung des Bildhauersymposiums St. Margarethen, Professur an der Angewandten.
Andreas Suttner, Das schwarze Wien. Bautätigkeit im Ständestaat 1934-1938 Böhlau, Wien 2017, 288 S.
Kontemplation in Stein. Die Bildhauerin und Keramikerin Maria Biljan-Bilger. Müry Salzmann, Salzburg 2017, CD
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T I T E LT H E M A S TA R T R E K U N D W I R : A L LT A G U N D PROPHEZEIUNG Seiten 10 bis 22 Star Trek ist nicht nur ein pop-, sondern auch ein kulturhistorisches Phänomen, das man von zahlreichen Perspektiven beleuchten kann. Falter-Grafiker und Illustrator Andreas Rosenthal hat nun die Science-Fiction-Legende neu gedacht. Und dabei nicht nur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander fließen lassen, sondern auch die Star-Trek-Realität mit unserem Alltag. Ein Wurmloch der etwas anderen Art.
: AU S G E S U C H T E Z A H L E N Z U M T H E M A
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Der vermeintlich berühmteste Satz aus Star Trek kommt so eigentlich gar nie vor. Am häufigsten fällt der Satz „Er ist tot, Jim“ von Bordarzt Doktor Leonard „Pille“ McCoy. Mittlerweile findet sich dieses Zitat auch als Fehlermeldung bei Google Chrome wieder, wenn ein geöffneter Tab abstürzt.
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„Beam me up, Scotty!“
(2309)
stirbt Captain Kirk mit den berühmten letzten Worten: „It was fun! Oh my …“ Ob mit „Oh my …“ eine Art Gott oder Jenseits gemeint ist oder lediglich ein Ausruf der Rührung, ist selbst unter Trekkies umstritten.
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ZUSAMMENGESTELLT VON MICHAELA BILGERI
passierte in den von Rassismus geprägten USA das Unglaubliche: Captain Kirk und Uhura küssen sich. Zumindest in den USA war es eine Premiere, dass ein Fernsehsender (wenn auch widerwillig) einen „interracial kiss“ zeigte.
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ist ein von James B. Gibson 1971 entdeckter Asteroid. Benannt ist er jedoch nicht nach dem gleichnamigen Star-Trek-Charakter, sondern nach Gibsons Katze, woraufhin die Internationale Astronomische Union beschloss, dass Haustiernamen für die Namensgebung von Asteroiden nicht mehr erwünscht sind.
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Keine Zahl kommt in Star Trek öfter vor als die 47. Kein Wunder, ist sie laut der „47 Society“ des Pomona Colleges die zufällige Zahl schlechthin. Zufälligerweise studierte Star-TrekAutor Joe Menosky eben dort, und das Einbauen der Zahl 47 mit all ihren Spielarten (74, D7 …) wurde mittlerweile eine Art Running Gag unter den Autoren. Wem die neuen Folgen also zu langweilig sind, kann dann immer noch ein 47er-Trinkspiel draus machen. Und wie könnte es anders sein: exakt 47 Tage vor der ersten Mondlandung
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Im Pilotfilm war der erste Offizier noch nicht Mr. Spock, sondern „Number One“, gespielt von Majel Barrett. Für den Fernsehsender NBC war eine Frau in leitender Position aber offensichtlich unvorstellbarer als die Existenz außerirdischen Lebens, und so musste sie den Platz für Mr. Spock räumen.
wurde Star Trek wegen mangelndem Erfolg eingestellt. Weil die Rechte auf die Serie allerdings so unglaublich billig waren, wurde sie in Dauerschleife gezeigt und erlangte Kultstatus.
Manche Science-Fiction-Freunde kritisieren Star Trek wegen seiner Unwissenschaftlichkeit. Ein Erfolgsmodell wurde es trotzdem. Oder wohl gerade deshalb. Das Star-Trek-Personal im Einkaufszentrum? Dann schon lieber Phaser und Warp-Antrieb.
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Oben ist der Ort der höheren Einsicht Und dort fliegt die Enterprise seit vielen Jahren. Ein Götterbote am Himmel? aghmeH ghojmeH je lutmey“, hieß es Ende März 2017 im Vorspann der „Sendung mit der Maus“. Die Themen der kommenden Sendung werden kurz vorgestellt, zuerst auf Deutsch, danach in einer Fremdsprache. Woche für Woche raten Eltern und Kinder mit, um welche Sprache es sich diesmal handelt. „Das war klingonisch“, klärt der Sprecher am Ende des Vorspanns auf. „Trekkies“, also die Fans der „Star Trek“-Filme und -Serien haben die Lautfolgen natürlich erkannt. „HaghmeH ghojmeH je lutmey“ bedeutet „Lach- und Sachgeschichten“. Die Sprache, die Anfang der 1980er Jahre im Auftrag der Filmgesellschaft Paramount für die außerirdische Spezies der Klingonen geschaffen wurde, hat mittlerweile Kultstatus erreicht. Kaltstart der Enterprise mit großen Hindernissen Auch die fiktive Welt, der die klingonische Sprache entsprang, ist Kult: Die Erfolgsgeschichte von Star Trek umfasst mittlerweile über 700 Folgen in fünf Fernsehserien sowie dreizehn Kinofilme. Zu Beginn allerdings schien die Originalserie, die hierzulande als „Raumschiff Enterprise“ bekannt wurde, unter keinem guten Stern zu stehen. Der 1964 von Star-Trek-Erfinder Gene Roddenberry gedrehte Pilotfilm „Der Käfig“ fiel beim Fernsehsender NBC durch. Zu gewagt waren einige der darin aufgegriffenen Ideen für die damalige Zeit. Erst nach einer fast kompletten Umbesetzung der Schauspieler und der Absetzung des weiblichen Ersten Offiziers war der Sender zufrieden. Die Enterprise startete am 8. September 1966 ihre Forschungsmission in die unendlichen Weiten des Alls. Doch die Einschaltquoten blieben mäßig, daher wurde die Serie nach nur drei Staffeln eingestellt. 47 Tage später kam es zur ersten Mondlandung. Das darauf folgende Interesse an der Raumfahrt bedeutete für „Raumschiff Enterprise“ den Beginn großer Popularität. Getragen wird das Star-Trek-Universum von Gene Roddenberrys Vision einer Welt, in der Universalismus herrscht. Im 23. Jahrhundert hat die Menschheit Armut, Krieg und Hunger hinter sich gelassen, Rassismus und Ungleichheit gehören der Vergangenheit an. Alle Menschen leben gleichberechtigt auf der Erde. Eine Idee, die sich auch in der bunt zusammengemischten Crew der Enterprise widerspiegelt: der Steuermann ist Japaner, der Navigator kommt aus Russland, der Kommunikationsoffizier ist nicht nur eine Frau, sondern auch dunkelhäutig. Last, but not least, verrichtet Mister Spock, ein Halb-Außerirdischer mit einer menschlichen Mutter und einem vom Planeten Vulkan stammenden Vater, als Erster Offizier seinen Dienst auf der Brücke. Sie alle sind Bürger der „Vereinigten Föderation der Planeten“. Diese Namensähnlichkeit mit den „Vereinigten Staaten von
Text: Claudia Stieglecker
„In der Figur des Mister Spock finden optimistischhumane Visionen einen besonders treffenden Ausdruck“ klaus vieweg, Philosoph, Universität Jena
Thomas SchärtlTrendel, Theologe, Universität Regensburg
Amerika“ ist alles andere als Zufall. „Wie in der Präambel der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung festgehalten, sind alle Bürger gleich, alle mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet wie Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück“, schreibt der deutsche Philosoph Klaus Vieweg im Buch „Wozu braucht Gott ein Raumschiff ? Die Philosophie in Star Trek“, in dem er Parallelen zwischen der fiktiven Star Trekund der realen Welt zieht. Star Trek sollte eine Philosophie des Wissens verbreiten Davon gibt es viele, denn laut Vieweg war es Gene Roddenberrys Absicht, mit der Originalserie Philosophie zu verbreiten: Das Raumschiff Enterprise fliegt auf einer Entdeckungsreise ins Wissen. Als Vieweg in den 1990er Jahren gemeinsam mit seiner Tochter die Originalserie sah, sei „die philosophische Dimension deutlich sichtbar geworden“. Als „gelungene Utopie“ bezeichnet er die Sendung. Sie zeichnet eine optimistische Vision der menschlichen Zukunft und kritisiert dabei bestehende Verhältnisse. „Aus philosophischer Sicht ist die Originalserie am interessantesten“, meint Vieweg. Kernfigur ist für ihn dabei der spitzohrige Mister Spock, dessen Leitspruch „Logik ist der Anfang der Weisheit, nicht deren Ende“ lautet. Nur mithilfe der Logik können Gefühle und Meinungen von Wissen unterschieden werden. Dementsprechend hält Spock tyrannisch-totalitäre Ordnungen und deren Verherrlichung für unlogisch und verweist auf den logischen Gedanken der Gerechtigkeit. „In der Figur des Mister Spock finden die optimistisch-humanen Visionen von Gene Roddenberry einen besonders treffenden Ausdruck“, sagt Klaus Vieweg. „Visionen, in denen eine wahrhaft menschlich gestaltete Welt hervorblitzt.“ In der 1987 gestarteten Nachfolgeserie „Next Generation“ wird die Idee der positiven Zukunft fortgeführt und sogar weiter konkretisiert. Im mittlerweile 24. Jahrhundert gibt es kein Geld mehr. Sogenannte Replikatoren wandeln Energie direkt in Materie um, unter anderem zur jederzeitigen Erzeugung von Nahrung. Wie ihre Vorgänger ist auch die Crew von Captain Jean-Luc Picard in friedlicher Mission im Dienste der Wissenschaft quer durch das Weltall unterwegs. Die „Next Generation“ verhilft Star Trek zu einem regelrechten Boom. In den USA sitzen pro Folge mehr als zehn Millionen Zuschauer vor den TV-Geräten. Mit „Deep Space 9“ und „Raumschiff Voyager“ starten in den 1990er Jahren zwei weitere Serienableger. Immer mehr Fans organisieren sich in Clubs und Vereinen, treffen sich auf Conventions oder schlüpfen in Rollenspielen in die Haut ihres Lieblingscharakters. 1996 erscheint hierzulande sogar das erste offizielle Klingonisch-Deutsche Wörterbuch.
Wie ist dieser außergewöhnliche Erfolg zu erklären? „Menschen brauchen gute Geschichten“, meint Thomas Schärtl-Trendel, Professor für philosophische Grundfragen der Theologie an der Fakultät für Katholische Theologie der Universität Regensburg. „Geschichten machen Unfassbares greifbar und erleichtern den Umgang mit dem Unbekannten.“ Schärtl-Trendl hat sich im Lauf seiner Karriere mehrfach mit den philosophischen, aber auch den theologischen Aspekten von Science Fiction auseinandergesetzt, die für ihn bei „Star Trek“ durchaus vorhanden sind: Wie ein Himmelswagen reist die „Enterprise“ durch ein grandioses Universum, bringt neue Ideen und Erkenntnisse. „Oben, also dort, wo das Raumschiff fliegt, ist der Ort der höheren Einsicht, an dem sich Wahrheiten auftun, aber auch neue Gefahren lauern“, führt er aus. „Das Hauptthema von Star Trek ist die sich wiederholende interplanetare Begegnung mit dem Fremden, und genau dadurch erscheint es uns gar nicht mehr fremd.“ Geschichten helfen Menschen, mit der Realität besser zurechtzukommen. Star Trek liefert ein ganzes Wertesystem dazu. Wissen, Vernunft und Gemeinschaft stehen hier im Zentrum und stiften Sinn, vergleichbar mit einer Religion. „Essenziell ist der Glaube an etwas Ultimatives“, sagt Schärtl-Trendel. „Das kann ein Wert genauso sein wie eine Person oder die Natur.“ Ist die Ära der großen Fragen auf der Enterprise vorbei? Im Jahr 2001 geht unter dem Titel „Enterprise“ die sechste und bislang letzte Serie, deren Handlung einhundert Jahre vor dem Original angesiedelt ist, auf Sendung. Allerdings kann diese die Erwartungen nicht erfüllen und wird nach vier Staffeln abgesetzt. „Das liegt an einer neuen Generation von Zuschauern, die anders sozialisiert wurde und daher eine andere Bildermacht gewohnt ist“, sagt Schärtl-Trendel. „Next Generation und Deep Space 9 funktionieren wie Theater: Die Handlung spielt in höchstens drei bis fünf Räumen, es gibt wenige Spezialeffekte, der Fokus liegt auf dem Inhalt.“ Der Trend hin zum eher Optisch-Ästhetischen zeige sich in den neueren Star-Trek-Kinofilmen deutlich: „Die Geschichten sind simpler geworden, die großen Fragen werden nicht mehr gestellt.“ Im kommenden Herbst soll übrigens, einundfünfzig Jahre nach Ausstrahlung der ersten „Raumschiff Enterprise“-Folge, die Erforschung des Weltalls mit der neuen Serie „Star Trek Discovery“ weitergehen. Thomas Schärtl-Trendel ist skeptisch: „Der Grundgedanke, dass uns ausschließlich der technische Fortschritt klüger macht, ist in der heutigen Zeit schwer zu verkaufen.“ Mit Spannung erwartet wird die neue Serie von den nach wie vor zahlreichen Fans natürlich trotzdem. In diesem Sinne: Qapla‘!
Fotos: Privat (2)
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Wissenschafter wie der Quantenphysiker Anton Zeilinger beschäftigen sich schon länger mit der Quantenteleportation. Ob beamen jemals Realität wird? Immerhin sind die Aufzüge von heute auch schon sehr flott. Energie!
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Pille, was ist los mit mir? Die Star-Trek-Reihe zog und zieht Wissenschafter, Techniker und Astronauten in ihren Bann n den ersten Abenteuern der Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“ fliegt die Besatzung fünf Jahre lang durch das Weltall. Das riesige Raumschiff scheint perfekt zu sein. Eine eigene Stadt, in der alles vorhanden ist. Dafür sind aufwendige Technologien notwendig. Ihre Darstellung in der Serie inspirierte manche dazu, in die Forschung zu gehen. Auch soll sie die eine oder andere neue Idee angeregt haben. So führen manche die Entwicklung der ersten Klapphandys auf Captain Kirk’s Kommunikationsgerät zurück. Möglicherweise wurden auch die Macher des 3D-Druckers vom Nahrungsmittel-Replikator angespornt. Star Trek in der Genderforschung und in der Theologie Um herauszufinden, inwieweit Star Trek die Wissenschaft inspiriert, hat Joachim Allgaier von der Universität Klagenfurt wissenschaftliche Datenbanken nach Begriffen aus der bekannten Science-Fiction-Serie durchforstet. Dabei hat er eine Vielzahl an wissenschaftlichen Publikationen gefunden, in denen tatsächlich auf Star Trek Bezug genommen wird. Besonders stark in der Medizin und den Ingenieurswissenschaften. Aber auch in der Genderforschung oder der Theologie wird auf Star Trek hingewiesen und ein Zusammenhang dargestellt. „Star Trek wird in Publikationen verwendet, weil es sehr populär ist und eine Studie verständlicher darstellen kann. Es hat ein positives Image und zeigt, dass uns Technik voranbringt“, sagt Allgaier. „Möglicherweise haben sich vereinzelt Technologien aus Star Trek heraus entwickelt, dennoch ist es schwierig herauszufinden, ob es wirklich einen monokausalen Zusammenhang gibt.“ Überaus wichtig für die Produzenten von Star Trek war es, wissenschaftliche Plausibilität zu liefern. „Dies ist beim Beamen, der Technologie für die Teleportation von Personen und Objekten, offensichtlich. Aufgrund der Heisenbergschen Unschärferelation, die besagt, dass es unmöglich ist, die Position und den Impuls eines Quantenpartikels gleichzeitig zu bestimmen, wurde die Technologie auf dem Raumschiff Enterprise mit einem sogenannten Heisenberg Compensator ausgestattet. So konnte die physikalische Unmöglichkeit umgangen werden“, erklärt Allgaier. Die Technologie des Beamens, die sich wohl jeder von uns schon das eine oder andere Mal sehnlichst herbeigewünscht hat, wurde ursprünglich erfunden, um bei den Produktionskosten der Serie zu sparen. Aufwendige Starts und Landungsszenen waren so nicht nötig. Zumindest offenbart uns ein bekannter österreichischer Physiker einen kleinen Hoffnungsschimmer: „Ich würde nicht sagen, dass das Beamen grundsätzlich unmöglich ist. Aber das wird erst irgendwann einmal in ferner Zukunft sein“, meint Anton Zeilinger, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Professor am Wiener
Text: Sophie Hanak
„Möglicherweise haben sich vereinzelt Technologien aus Star Trek heraus entwickelt. Aber gibt es wirklich einen monokausalen Zusammenhang?“ joachim allgaier Soziologe, Universität Klagenfurt
Anton Zeilinger, Wiener Institut für Quantenoptik und Quanten information IQOQI
Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI). „Wir werden diese Technologie eher zur Informationsübertragung nutzen und nicht zum Reisen wie in Star Trek.“ Achtung, Anton, beamen Sie mich bitte hoch! An den Spitznamen Mr. Beam, den Anton Zeilinger aufgrund seiner Forschung, der Teleportation eines Quantenzustandes, verliehen bekam, hat er sich mittlerweile gewöhnt: „Jetzt finde ich es sogar recht witzig.“ Zeilinger und sein Team arbeiten an der weltweiten Informationsübertragung von Quanten. „Dies ist in gewisser Weise schon analog zum Beamen, aber mit dem Reisen hat es nichts zu tun.“ Zeilingers Vision ist ein Quanteninternet, das um ein Vielfaches schneller sein wird als das bisherige und mit dem eine Unmenge an Daten übertragen werden kann. Um wie das Raumschiff Enterprise schnell von einem Planeten zum anderen zu fliegen, muss die Lichtgeschwindigkeit überwunden werden – ein heute unlösbares Problem. Die Enterprise hat es gelöst. „Wenn man schneller als Licht reist, könnte man auch in die Vergangenheit reisen. Doch dann kommt das berühmte Großvater-Paradoxon zum Tragen“, sagt Zeilinger. Dieses Paradoxon handelt davon, dass jemand in die Vergangenheit reist, um seinen Großvater zu töten. Wenn das vor dem Zusammentreffen des Großvaters mit der Großmutter geschieht, ergeben sich Widersprüche: Der Zeitreisende löscht durch den Mord auch seine eigene Existenz aus – wodurch weder die Zeitreise noch der Mord geschehen kann. Dieser unüberbrückbare Widerspruch macht Zeitreisen unmöglich. „Aber wer weiß, vielleicht hat ja jemand einmal eine clevere Idee, um dieses Paradoxon zu lösen“, schmunzelt Zeilinger. Er ist der Meinung, dass Science Fiction eine gute Inspiration für die Wissenschaft sei. „Ich habe Star Trek gern angeschaut, ich fand das immer recht interessant. Es kann Menschen sicherlich zu neuen Ideen anregen.“ Das Holodeck der Softwaretechniker an der Technischen Universität Wien Eine weitere Technologie auf der Enterprise ist das Holodeck. Es wird zu Freizeit-, Übungs- oder Forschungszwecken verwendet. Am Institut für Softwaretechnik und interaktive Systeme der TU Wien arbeiten Hannes Kaufmann und sein Team am sogenannten „Immersive Deck“. Die Technologie hat Ähnlichkeit mit dem Holodeck des Raumschiffs Enterprise. „In meiner Kindheit war ich von Star Trek fasziniert. Dennoch gab das nicht den Ausschlag für meine Forschung. Sie erfolgte auf einem logischen Weg“, sagt Kaufmann. „Wir nutzen natürlich auch die Popularität von Star Trek, um zu vermitteln, was wir machen, denn das ist nicht immer einfach.
Wenn wir den Menschen erzählen, dass sie mit unserer Technologie durch große virtuelle Welten gehen können, fehlt zumeist das Verständnis – erwähnen wir aber das Holodeck, ist es viel einfacher.“ Technologisch unterscheiden sich das Holodeck von Star Trek und jenes der TU Wien sehr stark. Denn im Holodeck des Raumschiffs wird durch Energie Materie erzeugt. So ist es möglich, die Dinge, die man sieht, zu spüren. Das ist das nächste Ziel an der TU Wien. „Wir wollen versuchen, die Dinge im Holodeck angreifbar zu machen. Das soll mit der Hilfe eines Roboters möglich sein, der neben einem herfährt und einem die Dinge, die im virtuellen Raum berührt werden sollen, entgegenhält“, so Kaufmann. Die Anwendungsbereiche dieser Technologie sind äußerst vielfältig: Rettungs- oder Feuerwehreinsätze können trainiert werden, in der Industrie die Mitarbeiter schon auf neue Maschinen eingeschult werden, bevor diese tatsächlich geliefert werden, und wir können auch an längst verschwundene Orte reisen. „Virtual Reality ist sicher nicht für jeden von uns geeignet und es ist wichtig, dass es dort verwendet wird, wo es wirklich etwas bringt.“ Nichelle Nicols aka Lieutenant Uhura rekrutiert Astronauten Nicht nur die Technologien des Raumschiffs, sondern auch die Darsteller faszinieren die Menschen. So sagen einige Wissenschafter, dass sie etwa von Spocks Logik so fasziniert waren, dass sie deswegen in die Forschung gegangen seien. Er verkörpert eine hochentwickelte, intelligente Spezies, nämlich den perfekten Wissenschafter. Nichelle Nichols, die Lieutenant Uhura darstellte, hatte enorme Auswirkungen auf die Repräsentation von Minderheiten. Dessen war sich auch die NASA bewusst. Daher wurde Nichols von der NASA beauftragt, potenzielle Astronauten zu rekrutieren. Das Programm war sehr erfolgreich und Nichols maßgeblich dafür verantwortlich, dass es viel mehr Bewerbungen von Frauen und Angehörigen von Minderheiten gab. Für diese Astronauten wird es noch einige Zeit dauern, bis sie wie Captain Kirk und sein Team von Planet zu Planet reisen können, um diese womöglich zu besiedeln. Dies soll aber in der Zukunft einmal wichtig und notwendig sein, davon ist zumindest der theoretische Physiker Stephen Hawking überzeugt. Er meint, dass die Menschen langfristig nur in der Lage sein werden zu überleben, wenn es gelingt, andere Planeten zu besiedeln. Denn innerhalb der nächsten tausend oder zehntausend Jahre ist mit einer Katastrophe auf der Erde zu rechnen. So ist es besonders wichtig, mögliche Gefahren neuer Entwicklungen zu erkennen und zu kontrollieren – und dabei den Optimismus zu bewahren. So wie die Crew der Enterprise.
Fotos: Anna Jacoby, Sepp Dreissinger/ÖAW
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Der Mensch geht mit seinesgleichen nicht immer liebevoll um. Und der „beste Freund des Menschen“, der Hund, ist in Fleisch und Blut auch nicht immer leicht zu handhaben. Vielleicht erfüllen ja eines Tages mehrheitlich Roboter unsere sozialen Bedürfnisse.
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Gott ist Gaga In welcher Beziehung steht der zeitgenössische Fan-Kult zu traditionellen Religionsformen? ittle Monsters sind mehr als eine FanGemeinschaft, wir sind eine Familie. (…) Little Monsters sorgen füreinander, wir haben eine ganz besondere Bindung und wir versuchen immer mutig zu sein und stehen für uns selbst. Unsere Kreativität hat uns zu einigen erstaunlichen Fähigkeiten getrieben, und wir sind bekannt für die Outfits, die wir bei Gagas Konzerten tragen! Unsere Bindung ist mehr, als nur denselben Star zu lieben. Unser Band basiert auf der Philosophie, die wir teilen. Wir alle glauben an die Bedeutung von Liebe, Mitgefühl und Toleranz. Wir versuchen echt, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. (…), wir alle lieben Lady Gaga.“ Gaga-Religion voller kleiner Monster mit gesellschaftlichem Anspruch Diese Worte stammen von einem Fan der US-amerikanischen Popsängerin Lady Gaga anlässlich einer Umfrage des Musikmagazins Billboard, was es bedeutet, zur Lady-Gaga-Fan-Gemeinschaft – von ihr als „Little Monsters“ bezeichnet – zu gehören. Tausende „Little Monsters“ jubeln auf der ganzen Welt, wenn ihr „Mother Monster“ auf der Bühne ihre Kritik gegen Politik und institutionalisierte Religion hinausruft – gekleidet in futuristischem, durchsichtigem Plastikkostüm und mit Nonnenschleier auf dem Haupt. Liest man den Text des Gaga-Fans, drängt sich die Frage auf, ob der Fankult rund um Stefani Germanotta, so ihr bürgerlicher Name, nicht bereits selbst zur Religion geworden ist. Auch Lady Gaga bezeichnete in einem Interview mit dem Guardian ihre „Monster“-Tournee als eine „religiöse Erfahrung“. Manche Fans erleben ihren Fan-Status als religiöse Erfahrung Doch was ist Religion eigentlich, und ab wann sind Bewegungen als religiös zu bezeichnen? Auch für die Wissenschaft keine eindeutig zu beantwortende Frage. Vielfach beziehen sich die Definitionen auf das Übernatürliche, das die Religion charakterisieren soll, auf etwas, das außerhalb des eigenen Erfahrungsbereiches liegt. „Im Grunde spreche ich dann von Religion, wenn Menschen einen besonderen Bereich markieren, sei es durch spezifische Handlungen, oder ganz materiell, oder kommunikativ, ein spezifischer Bereich, der als heilig gilt, als besonders, als nicht direkt zugänglich, transzendent“, sagt Thomas Schmidt-Lux, Religionssoziologe am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig. Ein weiter Religionsbegriff. Religion ist also nicht nur die römischkatholische Kirche, der Islam oder etwa die Verehrung des Buddha. Ob nun jemand, der Lady Gaga, die Beatles oder Elvis verehrt, sein Fan-Sein bereits in religiöser Weise betreibt, hängt sehr von der jeweiligen Person ab, meint Schmidt-Lux, der sich
Text: Bernadette Strohmaier
„So wie Priester stellen Popsänger eine Beziehung her zu etwas, das aus ihnen heraus spricht, was größer ist als sie“ Reinhard Skolek, Psychoanalytiker, sigmund freud privatuniversität, wien
Rupert Till, Musikwissenschafter, University of Huddersfield
Gert Pickel, Religionssoziologe, Universität Leipzig
sozialwissenschaftlich mit dem Thema „‚Fans und Religion“ beschäftigt. Er sieht es keinesfalls so, dass kein Unterschied zwischen Fan-Sein und Religion besteht. Bei Teilen von Musik-Fans könne man jedoch sehr wohl von Religion sprechen, „wenn ein spezifischer Gegenstand oder eine Person im Grunde als heilig, als sakral in besonderer Weise verehrt und für gut befunden wird“. In einer Studie befragten die Soziologen Jochen Roose von der Freien Universität Berlin und Mike S. Schäfer von der Universität Zürich Fußball-Fans, wie intensiv sie ihre Beziehung zu ihrem Fußballclub erleben (über Musik-Fans gibt es kaum Studien): Fünf bis zehn Prozent der Befragten bezeichneten sich als hochengagiert und „potenziell“ fan-religiös. Solche Fans kleiden sich häufig wie ihr Idol, geben oft reichlich Geld für Fan-Artikel aus, verbringen große Teile ihrer Freizeit mit ihrem Star. 1956 war es den allermeisten Elvis-Fans lediglich möglich, wieder und wieder die Nadel außen auf die Langspielplatte zu setzen, um den Hit „Heartbreak Hotel“ zu hören. Nur die allerwenigsten sahen damals ihr Idol auch auf einem Fernsehbildschirm oder gar live. Heute folgen knapp 67 Millionen Fans Lady Gaga auf Twitter, sind knapp 57 Millionen Fans mit ihr auf Facebook „befreundet“ – rund um die Uhr. Sogar mit der Chance, eine persönliche Antwort von Gaga zu erhalten. Es ist, so betrachtet, heute einfach, mithilfe der Medien, sein Fan-Objekt – so der Fachbegriff – aus einer Vielzahl an Angeboten auszuwählen und zu verehren. Wenn Online-Fan-Gemeinschaften ihren Fan-Status im weltweiten Netz kollektiv kultivieren und pflegen, stärkt dies nicht nur ihr Gemeinschaftsgefühl, es verstärkt auch noch ihren Fan-Kult. Individueller Glaube und soziale Zugehörigkeit im Fan-Kult „Wenn ich von Religionen oder Religiosität spreche, habe ich immer zwei Komponenten“, sagt der Religionssoziologe Gert Pickel vom Institut für Praktische Theologie der Universität Leipzig. „Das ist individueller Glaube, aber auch soziale Zugehörigkeit. Im Fan-Kult finden wir das wieder.“ Auch der Psychotherapeut und Jungianische Psychoanalytiker Reinhard Skolek, Lektor an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien, sieht hier Parallelen zur Religion. Der Mensch fühle sich im gemeinschaftlichen Verehren aufgehoben in einem größeren Ganzen. Es sind Menschen, die das gleiche fühlen und einen in seinen Gefühlen bestätigen. Christen treffen sich sonntäglich in der Kirche, Richard-Wagner-Fans pilgern jährlich zu den Bayreuther Festspielen, Elvis-Fans zieht es gemeinschaftlich nach Graceland in Memphis, wo sie an der Candlelight Vigil, einer jährlich stattfindenden Lichterprozession zum Andenken an Elvis, teilnehmen. „So wie der Priester nicht
Gott ist, sondern zu Gott Vermittlertätigkeit ausübt, machen die Popsänger das gleiche. Sie stellen eine Beziehung her zu etwas, das aus ihnen heraus spricht, das größer ist als sie, eine große Emotion, eine große Idee. Wenn man so will, wie Gott“, sagt Jungianer Skolek. Der Psychologe und Psychoanalytiker Carl Gustav Jung beschäftigte sich zeitlebens intensiv mit der Psychologie der Religion. Für Jung waren religiöse Gefühle numinose Erfahrungen. Also Erfahrungen mit den großen Kräften wie Liebe, Wut oder Angst, die uns überkommen, von außerhalb unseres Bewusstseins stammen. Nur wer eine religiöse Seele besitzt und sie auch bewahrt, ist in den Augen Jungs auch seelisch gesund. Mit Glaubensrichtungen oder der Zugehörigkeit zu einer Kirche hat dies jedoch nichts zu tun. „Finde dich selbst“, sagt man heute. Ob Jung auch dem intensiven Erleben eines Konzertbesuchs numinose Erfahrungen zuschreiben würde? Zustände außerhalb des Alltags, hoch ritualisiert und außerweltlich Etwa wenn Lady-Gaga-Fans auf ein von völliger Dunkelheit umhülltes, pink angestrahltes Riesenschloss auf der Bühne blicken und von pulsierenden Klängen in Bann gehalten werden, um zu sehen, wie ihr Star auf einem Einhorn auf die Bühne reitet. Für Rupert Till, Musikwissenschafter am Institut für Musik und Schauspiel an der University of Huddersfield in England und Autor des populärwissenschaftlichen Buches „Pop Cult“, befinden sich Fans in solchen Situationen in einem „liminalen Raum“. Das ist ein Zustand außerhalb des normalen Alltags, in dem man etwas hoch Ritualisiertes erlebt. Lady Gaga kreiere eine außerweltliche Atmosphäre, in der sich Fans wie in einem alternativen Universum abbilden, in etwas Neues eingeführt werden. „Gaga ist keine Religion, aber sie ist durchaus ähnlich einer Religion, da sie viele Funktionen erfüllt, die wir bei Religionen sehen“, meint Till. Er ist der Ansicht, dass viele junge Menschen, die heute an der Musikszene und am Fan-Sein teilhaben, soziale Funktionen der Religion wie Gemeinschaftsgefühl oder die Verehrung einer heroischen Figur ersetzen bzw. ersetzt bekommen. Auch für den Religionssoziologen Gert Pickel haben traditionelle Religionen an sozialer Bedeutung verloren. Zum einen würden vermehrt Institutionen insgesamt abgelehnt, es nehme aber auch das traditionale Denken ab: In vielen Familien werde die Religionstradition nicht mehr weitergegeben. Fan-Kult nur als Ersatz zu sehen, sei aber zu kurz gegriffen, denn häufig ersetzt er Religion nicht, sondern geht damit einher. „Man kann gut Fan von Depeche Mode sein und dies auch wirklich ernst nehmen und trotzdem am Sonntag ganz traditionell in die Kirche gehen. Oder eben beides nicht.“
Fotos: Privat, University of Huddersfield, Universität Leipzig
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„Das Fremde“ und die Begegnung mit ihm ist ein gewichtiges Thema für Star Trek. Wie würde das Begrüßungsritual mit einem Alien in unseren Tagen der Selbstbezogenheit aussehen? Genau. Bleibt zu hoffen, der Austausch geht über ein gemeinsames Foto hinaus …
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Religion als Therapie und Kritik Die Kirche in einer neuen Rolle? Muss sie sich historisch und sozial neu positionieren? sabella Guanzini, Fundamentaltheologin an der Karl-Franzens-Universität Graz, erklärt die Rückbesinnung auf die Religion und die Aufgabe der Theologie dabei. Frau Guanzini, der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer sprach vom westlichen Christentum als einer Religion, welche die „mündig gewordene Welt“ nicht brauche. Wie aktuell sind seine Visionen eines „religionslosen Christentums“ und einer Zukunft ohne Religion? Isabella Guanzini: Die Terroranschläge des 11. September 2001 haben in einer sehr dramatischen Weise gezeigt, dass die Religion noch ein gefährliches Machtpotenzial hat und als etwas zutiefst Ambivalentes verstanden werden muss: Einerseits bietet die religiöse Erfahrung eine notwendige Sprache und ein tiefes Verständnis für verfehlte Lebensgeschichten. Andererseits enthält Religion ein beträchtliches Gefährdungspotenzial, das die Menschen zu Verblendung, Hass und Gewalt führen kann. Gleichzeitig ist der Kapitalismus, wie Walter Benjamin gezeigt hat, die neue Religion unserer Zeit. Sie hält jedoch kein Erlösungspotenzial bereit, sondern gründet auf einer unerschöpflichen Schuld. Religionen haben das Potenzial, die Radikalismen und Fundamentalismen innerhalb der vernetzten globalisierten Welt zu verschärfen. Aber sie sind auch in der Lage, zur Lösung dieser Tendenzen sowie zu friedenstiftenden Bildungsprozessen beizutragen. Welche Rollen kann der Theologie in diesem Szenario zukommen? Guanzini: In der nachmodernen Gesellschaft kann man der Theologie ebenso wie der Religion eine therapeutische oder eine kritische Funktion zuschreiben. Sie müssen entscheiden, ob Sie die Aufgabe der Religion darin sehen, den Menschen der bestehenden Ordnung besser anzupassen, oder darin, das zur Sprache bringen, was mit der Ordnung an sich nicht stimmt, und einen Raum für abweichende, kritische Stimmen auch innerhalb der Religion zu etablieren. Was verstehen Sie unter „therapeutisch“? Guanzini: Therapeutisch nicht in einem kurativen, sondern eher palliativen Sinne: Religion hilft den Menschen, ihr Schicksal zu ertragen und im System besser zu funktionieren. Sie ist, wie alle kulturindustrielle Religiosität, ein Opium. Die „Rückkehr der Religionen“ ist auch im Licht dieser tröstenden Tendenz zu verstehen: Sie hat den Charakter des Artifiziellen. Religion wird als Trostmittel angeboten, die Menschen werden fromm. Aber diese Art der Frömmigkeit scheint keine Zukunftsfähigkeit aufzuweisen. Ich denke, dass die jüdisch-christliche Tradition noch heute das Potenzial hat, kritische Instanzen gegenüber den Machtmechanismen und den entfremdenden Strukturen der zeitgenössischen globalen Welt freizusetzen. Wann ist Religion kritisch?
Interview: Werner Sturmberger
„Religiös-fundamentalistische und naturalistischszientistische Aussagen teilen den gleichen Diskurs des Positivismus“ Isabella guanzini Theologin, Universität Graz
Guanzini: Das ist sie, soweit sie sich weigert, die ihr zugedachte systemerhaltende Rolle zu spielen, und stattdessen prophetische sowie subversive Traditionen ins Gedächtnis ruft und die geltende Ordnung in Frage stellt. Nachdem die Kirche ihre tragende Funktion für die Gesellschaft fortschreitend verloren hat, wäre es wichtig, dass sie diese kritische Rolle einnimmt und sich historisch und sozial neu positioniert. Ein kritisches Verständnis basiert auf dem Versuch, die Bedeutung der biblischen Gottesrede für die geschichtlichen und gesellschaftlichen Prozesse der Zeit zu artikulieren. Es wendet sich dabei nicht zuletzt gegen die Auffassung, dass ein Ernstnehmen der Moderne und der politischen Aufklärung notwendigerweise zur strikten Privatisierung des Gottesthemas wie überhaupt der Religion führt. Es geht um eine religiöse Erfahrung, welche die Kontingenz und die Fragen der heutigen Menschen ernst nimmt und die Tiefe der Diesseitigkeit berücksichtigt. Um mit Dietrich Bonhoeffer zu sprechen: Denn erst in der „vollen Diesseitigkeit des Lebens, nämlich in der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Misserfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten“, lernt man glauben. Inwiefern bedroht die steigende Bedeutung von Wissenschaft die Religion? Guanzini: Religiös-fundamentalistische und naturalistisch-szientistische Aussagen teilen den gleichen Diskurs des Positivismus: Jede Vision, jede Vorstellung, jede Meinung, jeder Glaube oder Nicht-Glaube muss auf die gleiche Modalität eines positiven Wissens reduziert werden. Positives Wissen bedeutet hier so viel wie „Tatsachenwissen“, wie objektiv feststellbare Gewissheiten, die mit mathematisch-naturwissenschaftlichen Methoden eindeutig festzustellen sind. Dieser Diskurs bringt eine „Leidenschaft für die Rechtfertigung“ zum Ausdruck, die keine Transzendenz, keinen Mangel, keinen Rest oder Überschuss erträgt, und neigt mit seiner Totalisierung oder Verdrängung des Sinns dazu, den Zwischenraum der symbolischen Erfahrung zu überschwemmen. Also das zu verdrängen, was über positiv feststellbare Tatsachen hinausgeht. Die religiöse Erfahrung unterbricht diese Totalisierung des Sinns oder des Unsinns, führt eine Lücke ein und zeigt den Menschen ein tieferes Verständnis der Lebenswelt, das neue Horizonte freizusetzen vermag. Die Aufgabe der Theologie ist es, zu zeigen, dass etwas unserer Macht entzogen bleibt und sich aus dieser Ohnmacht des Menschen erst Liebe, Glaube, Verantwortung und Mitleid generieren. Wie kritisch kann die Theologie dabei verfahren? Lehrstühle werden im Einvernehmen mit den Kirchen besetzt … Guanzini: Man kann nicht ohne Freiheit denken. Aber man kann auch nicht ohne Kontext, ohne eine gewisse „Geworfenheit“
denken. Das Eingebundensein in die Kirche ist nicht als eine Art der Kontrolle, sondern als eine Bindung mit einer symbolischen Ordnung, mit einer sprachlichen und kulturellen Überlieferung zu verstehen. Obwohl heute die Theologie das Bewusstsein entwickelt hat, dass diese gemeinsame symbolische Ordnung in Gefahr ist. Das Christentum erlaubt nicht nur, sondern verlangt vielmehr einen selbstkritischen Diskurs, der einen echten Bestandteil der christlichen Tradition bildet. In dieser Perspektive muss die Theologie den Fragen und den Visionen auch von nichtreligiösen und nichtchristlichen Menschen Rechnung tragen. Auf diese Weise hat sie die entscheidende Aufgabe, die religiöse Erfahrung und die Theologie selbst vor ihren eigenen fundamentalistischen Tendenzen zu beschützen, indem sie sowohl ihre argumentativen Ressourcen als auch ihre kulturelle und geschichtliche Verwurzelung aufzuwerten versucht. Warum vertreten viele Theologen in Bezug auf „Wahrheit“, „Gott“ oder „Offenbarung“ so weiche Konzepte? Guanzini: Was meinen Sie mit „weich“? Ich habe gerade ein Buch über Zärtlichkeit geschrieben, um zu zeigen, dass sie nicht einfach einem vagen Gefühl der Empathie oder Nähe, sondern vielmehr einer elementaren Wahrnehmung der Endlichkeit entspricht, nämlich der Verletzlichkeit und Vergänglichkeit aller Dinge. Es geht um die Wahrnehmung der Wahrheit des Endlichen als Bewusstsein seiner Verletzlichkeit und seines immer möglichen Entschwindens. Ich glaube, dass die Zärtlichkeit eine sehr luzide und starke Kategorie der Wahrheit und des Glaubens darstellt, die einer möglichen alternativen post-säkularen Kategorie entspricht, welche die prekäre Dimension der Wirklichkeit nicht verdrängt. Die Wahrnehmung des menschlichen Elends radikalisiert jedoch nicht die Zerstreuung und die Entfremdung, sondern intensiviert im Gegenteil die Sorge und die Bewahrung. Wo liegen denn nun die großen Herausforderungen für die Theologie im 21. Jahrhundert? Guanzini: Die Theologie ist heute in besonderer Weise gefragt, über den Glauben und ihre antifundamentalistischen Ressourcen Verantwortung zu tragen und diese immer neu zu entwickeln. Die Theologie stellt wie die Kunst und die Psychoanalyse eine Art der Sublimierung dar, die der grundlegend ambivalenten Dimension des Heiligen eine sprachliche und symbolische Form anbieten kann. Dieser Versuch ist nicht ohne theologische, kulturelle und sozio-politische Bedeutung. Wenn die elementaren Affekte und Gefühle nicht verarbeitet und gestaltet werden, wiederholen sie sich triebhafter im gesellschaftlichen Kontext.
Fotos: midivertounmondo
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Mit technologischen Spielereien wird uns suggeriert, dass der Fortschritt nicht zu bremsen sei. Doch ist nicht in jedem Fortschritt stets auch ein Rückschritt versteckt? Keine zwei Treppen sind mit einem Segway zu bewältigen …
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Heilsversprechen in heillosen Zeiten Warum zieht es uns zu Religionen oder Ersatz-Religionen? m finnischen Meerbusen, zwischen Fichten und Birken, steht ein kleines hölzernes Kirchlein mit goldenem Zwiebelturm. Wir befinden uns unweit der ehemaligen Zarenstadt St. Petersburg. Das Heiligtum wird von einer greisen Frau mit Kopftuch und Goldzähnen gehütet. Die Kirche ist knapp zwanzig Quadratmeter groß und mit Ikonen vollgestellt. Ein starker Geruch nach Weihrauch und Wachs erfüllt den Raum. Orte wie diesen gibt es heute wieder in ganz Russland. Nach dem Ende des Kommunismus erwachte der orthodoxe Glaube und besetzte eine offen daliegende spirituelle Lücke. In St. Petersburg kehrte mit dem alten Stadtnamen auch der christliche Glaube zurück. Der politisch verordnete Atheismus wurde auf dem Müllhaufen der postsowjetischen Geschichte entsorgt. Beweist der Untergang des Kommunismus die Unmöglichkeit einer atheistischen Gesellschaft? Warum lässt sich die Spiritualität nicht totkriegen? Siebzig Jahre Unterdrückung und Verfolgung haben die Religion nicht zum Ersticken gebracht. Blickt man heute in die ehemaligen Sowjetstaaten, zeigt sich überall ein ähnliches Bild: Kaum irgendwo sonst auf der Welt erlebt das Christentum eine solche Blüte. Nirgendwo sonst wird der Kirche eine solche Machtfülle eingeräumt. Auch in ehemals kommunistischen Staaten Südostasiens haben Volksglaube und Ahnenverehrung überlebt. Einzig Nordkorea bleibt in seiner Isolation ein blinder Fleck auf der Karte. Doch das bizarre Staatsgebilde ist alles andere als ein Vorzeigemodell. Der Mensch: Immer einen Schritt über sich hinaus Ein Leben ohne Gott wurde also nicht erst in futuristischen Utopien wie Star Trek imaginiert, sondern tatsächlich erprobt. Doch mit wenig Erfolg. Für uns christlich geprägte Mitteleuropäer, die den Glauben an die eine Wahrheit verloren haben, ist Russland ein naheliegendes Beispiel dafür. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die Religion im Westen ausgedient hat. Vernunft hat alles Irrationale des Feldes verwiesen. Selbst die Theologie gibt sich im zahmen Gewand, argumentiert gar mit wissenschaftlichen Thesen. Hat der unaufhaltsame Fortschritt von Wissenschaft und Technik die religiösen Bedürfnisse in Luft aufgelöst? – Nein, meint der Genetiker Markus Hengstschläger: „Ob wir wollen oder nicht, viele Dinge müssen wir glauben, weil sie wichtig, aber so nicht beweisbar sind.“ Trotz des wachsenden Wissens um den Menschen und seine Einbindung in den Kosmos wird es immer Lücken geben. Nicht alles lässt sich wissenschaftlich beweisen. Erkenntnis und Hoffnung bleiben voneinander geschieden. Die Religion wird daher nicht verschwinden. Auch der Theologe Gregor Maria Hoff, Professor für Fundamentaltheologie, hält, freilich aus einer anderen Perspektive, die
Text: Joshua Köb
„Der Mensch ist in seinem Denken und seinen Praktiken förmlich exzessiv – immer einen Schritt über sich hinaus“ Gregor Maria Hoff, Theologe, Universität Salzburg
Markus Hengstschläger, Zentrum für Pathobiochemie und Genetik, MedUni Wien
spirituellen und religiösen Bedürfnisse für einen konstitutiven Zug des Menschen: „Der Mensch ist in seinem Denken und seinen Praktiken förmlich exzessiv – immer einen Schritt über sich hinaus, suchend und fragend.“ Genetische Grundlagen für das Glauben, ob religiös oder nicht, lassen sich für Hengstschläger übrigens keine ausmachen. Wenn der Mensch Schöpfer wird – sind wir dann (endlich) Gott? Alle Beschränktheit mindert nicht den wissenschaftlichen Drang, nach Antworten zu suchen und in aufklärerischer Manier die Finsternis zu erhellen. Wenn bald der Mensch Schöpfer spielen kann bzw. darf, wird kein Stein mehr auf dem anderen bleiben. Dann sind wir Gott. Doch was für ein Gott soll das sein? Ein Gott, der den eigenen Untergang herbeisehnt und Technologie zur Vernichtung seines Lebens und dessen Grundlagen entwickelt? Diesem selbstermächtigten Gott wird schon bald die Hybris drohen. Ohne Gott keine Moral – das proklamierte bereits Dostojewski (Russland!). Mit der Verderbtheit eines religionslosen, oberflächlichen Menschengeschlechts argumentieren heute wie damals die Fundamentalisten. Bei all dem Lärm wird die Realität leicht vergessen. Die Fakten zur Religiosität der österreichischen Bevölkerung zeichnen tatsächlich ein etwas anderes Bild, als mancher Prophet des wahren Glaubens uns glauben machen will: Hierzulande wird noch immer gern und stark geglaubt, nur nicht mehr im konfessionell begrenzten Rahmen. Wer bloß den eigenen Augen traut, kann sich in Italien oder Spanien ein Bild von der ungebrochenen Religiosität machen. Auch in den USA, ehemals Anführer der modernen Welt, hat die Rationalität weder über den evangelikalen Fundamentalismus noch über die zahlreichen Sekten triumphiert. Von einem Siegeszug des Atheismus kann also keine Rede sein. Verschiedene Versuchsanordnungen zur universellen Spiritualität Sogar in vernunfterprobten Kreisen bekennt man sich bevorzugt zum schlichteren, weniger dogmatischen und allenfalls korrigierbaren Agnostizismus: Man wisse nicht, ob es einen Gott gibt. Was bei all dem selten zur Debatte steht, ist jedoch die Spiritualität. Dazu brauche es schließlich keiner wie auch immer gearteten Gottheit. Stimmt das? Spiritualität wird heute oft als universelle Kategorie definiert. Jeder besitzt sie, also sind wir alle gleich. So kann man sich dem Harmonietraum überkonfessioneller Verbundenheit nähern. Diesen Trend zur Spiritualität bestätigt der Theologe Gregor Hoff, wenngleich dabei oft religiöse Traditionen „im Zeichen neuer Zuschreibungen“ kolonialisiert würden. Ähnlich modischen Trends sprießen aus dem Repertoire der Weltreligionen künstliche
Formen der Spiritualität. Dem Zeitgeist entsprechend handelt es sich paradoxerweise meist um recht körpernahe Formen, dank Yoga und Entschlackungs-Smoothie im Einklang mit der eigenen Natur. Heilsversprechen werden vom Jenseits ins Diesseits transformiert. Jeder ist seines eigenen (Seelen-)Heiles Schmied. Gregor Maria Hoff erkennt darin die Einrichtung eines neuen religiösen Lebensraums. Es handle sich „um kreative Versuchsanordnungen und Stellproben für einen spirituellen Zugang zur Wirklichkeit“. Die Suche nach alternativen Spiritualitätsquellen offenbart eine leichte Unbeholfenheit mit Transzendenzerfahrungen. Dass es nach dem Leben aus ist, glaubt in Österreich nur die Hälfte der Bevölkerung. Auf der anderen Seite entsprießt den Unsicherheiten einer postmodernen Multioptionsgesellschaft die Tendenz zur religiösen Rückbesinnung. Einfache Wahr- und Gewissheiten sind wieder gefragt. Orientierung dank klarer Regeln und ein kollektiver Sinnhorizont erklären bis zu einem gewissen Grad auch die Faszination junger Menschen für die obskuren Heilsversprechen des Dschihadismus. Das Heilsversprechen des modernen Konsumismus Heilsversprechen besitzen also noch immer Attraktivität. Besonders auf die politische Bühne treten nacheinander Erlöserfiguren in säkularer Form: Obama, Schulz, Macron und vor Kurzem Kurz. Verrät die aktualisierte Hoffnung auf baldiges Heil angesichts einer als Krisenzeit wahrgenommenen Epoche nicht eindrucksvoll die Sehnsucht nach Erlösung, einem besseren Leben, einer besseren Zukunft? Und ist es nicht doch die Wissenschaft, die mit Stammzellenforschung, Neuro-Enhancement, Gentechnik oder Kryonik ein solches Versprechen nach dem anderen gibt? Ganz so weit will man selbst dort nicht gehen. Markus Hengstschläger schiebt dem Unsterblichkeitstraum einen Riegel vor: „Der Alterungsprozess wird zwar immer besser wissenschaftlich verstanden, aufgehalten wird er dadurch aber nicht wirklich.“ Dennoch wird eifrig weiter geforscht, wie das durch Silicon-Valley-Milliarden geförderte Projekt Calico (California Life Company) beweist. Allem künftigen Heil zum Trotz: Dem Konsumismus reicht keine der gängigen Religionen und spirituellen Versuchsanordnungen das Wasser. Zwar benötigt auch er seine Mythen und Rituale, doch schadet ihm das bessere Wissen um die Leere seiner Versprechen keineswegs. Vielmehr ergibt sich heute der mittlerweile vom Glauben abgefallene Kunde dem Priester „Werbung“ mit ungebrochener Bereitwilligkeit. Von Rationalität auch hier keine Spur. Und trägt nicht auch der Fan-Kult, ob im Fußball oder bei Star Trek, religiöse Züge?
Fotos: Heinz Niederleitner, Ecowin Verlag
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Die Klingonen, ein kriegerisch-animalisches Volk, entsprechen nicht unbedingt unserem Schönheitsideal. Mit anthropozentrischer Chuzpe formuliert – die Klingonen von heute würden Smartphone-Apps verwenden. Um ihre Selfies ein wenig hübscher zu machen.
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: f r e i h a n d b i b l i ot h e k
Star Trek: Das Glossar
Buchempfehlungen zum thema von emily walton
Jochen stadler
Android Menschen-ähnlicher Roboter. Asteroid Kleiner, schweifloser Gesteinskörper, der die Sonne umkreist. Astrologie Kaffeesatzlesen in den endlosen Weiten des Universums. Astronomie Wissenschaft, die das Weltall untersucht und beschreibt. Beamen/Teleportation Der Transport von Teilchen, Gegenständen oder Personen von einem Ort zum anderen, ohne dass diese den Raum dazwischen durchqueren müssen. Funktioniert mit Quantenzuständen, der Rest ist Science Fiction. Borg Star-Trek-Volk, bei dem die Individuen recht willenlose Teile eines Kollektivs sind, das glaubt, besser als alle anderen zu werden, indem es deren Ideen stibitzt. Dunkle Materie Unsichtbare Masse, die das Weltall und damit auch das Sonnensystem zusammenhält. Enterprise Name der meisten Raumschiffe im Star-Trek-Universum, mit denen Erdlinge und ihre Kumpanen die Welt erkunden. Gagarin, Juri Sowjetischer Kosmonaut, der als erster Mensch den Weltraum bereiste, und zwar bei einer 106 Stunden dauernden Erdumrundung. Galaxie Ansammlung von Sternen, Planetensystemen und Gasnebeln, die durch Gravitation zusammengehalten werden. Handy In Star Trek vorweggenommene Erfindung, die heute bei den Erdlingen weit verbreitet ist. Klingonen Aufbrausendes Star-TrekVölkchen mit Mähnen, mehreren Mägen und Lebern. Klingonisch Eigens konstruierte Sprache, damit die Klingonen bei Star Trek nicht nur sinnloses Zeug brabbeln. Komet Kleiner Himmelskörper aus Eis und Gestein, der die Sonne umkreist und einen Schweif besitzt, der stets von der Sonne weg weist. Kosmischer Staub Kleine Partikel im Weltall, von denen 30.000 Tonnen jährlich auf der Erde landen. Kosmologie Teilgebiet der Astronomie, das sich mit der Entstehung des Universums befasst. Lichtjahr Jene Strecke, die eine elektromagnetische Welle wie Licht in einem julianischen Jahr im Vakuum zurücklegt. Das sind 9,5 Billionen Kilometer. Lokale Gruppe Jener Haufen an Galaxien, zu dem die Milchstraße gehört. Ihr Durchmesser beträgt fünf bis acht Millionen Lichtjahre. Mars Der von der Sonne aus gesehen äußere Nachbar der Erde. Menschen Sich selbst zu den intelligenten Lebensformen zählende Spezies, die den Planeten Erde bewohnt. Meteor/Sternschnuppe Ist eine Leuchterscheinung, wenn ein Himmelskörper in die Erdatmosphäre eindringt.
Meteorit Himmelskörper, der auf die Erde gestürzt ist. Milchstraße Jene Galaxie, in der sich die Erde samt ihrem Sonnensystem befindet. Alle 6.000 Sterne, die man mit freiem Auge sehen kann, sind hier gebündelt. Insgesamt umfasst die Milchstraße 100 bis 300 Millionen Sterne. Planetensystem Besteht aus einem oder mehreren Sternen und Planeten, die erstere(n) umkreisen. Raumfahrt Reisen und Transporte durch den Weltraum. Romulaner Bewohnen im Star-TrekUniversum logischerweise die Planeten Romulus und Remus und stammen von den Vulkaniern ab. Schwarzes Loch Zieht durch extrem starke Gravitation Materie und Licht so stark an, dass diese sich nicht mehr lösen können. Science Fiction Genre in Film, Buch und TV, in dem sich alles um wissenschaftlich-technische Zukunftsthemen wie Raumfahrt und fremde Zivilisationen dreht. Star Trek Science-Fiction-Serie aus 703 Fernsehepisoden und 13 Kinofilmen, bei der auf der Erde nach einem dritten Weltkrieg alles eitle Wonne ist, sich jedoch Hundertschaften von Völkern im Weltall bekämpfen. Star-Trek-Völker Samt und sonders äußerst menschenähnliche Lebensformen im Star-Trek-Universum. Auch wenn sie eigentlich keinen Körper besitzen, materialisieren sie sich als menschliche Konterfeis. Stern/Sonne Sehr heißer, massereicher, selbstleuchtender Himmelskörper aus Gas und Plasma. Die meisten haben ein Planetensystem so wie unsere Sonne. Trekkies Fans des Star-Trek-Universums. Sind mitunter so eingefleischt, dass sie einander nach klingonischem Ritus und in klingonischer Sprache heiraten. Überlichtgeschwindigkeit Im ScienceFiction-Genre sind Reisen in diesem Tempo unumgänglich, da sich sonst jede Reise von einem Himmelskörper zum anderen über Generationen hinziehen würde. Universum/Kosmos/Weltall Möglicherweise kugelrundes, ellipsoides oder trompetenförmiges Raum-Zeit-MaterieGefüge, in dem wir uns befinden. Utopie Etwas, das zumindest in der nahen Zukunft nicht geschehen wird. Vulkanier Vom gleichnamigen Planeten stammendes Star-Trek-Volk, das äußerst vernunftbetont agiert. Warp Antrieb Ermöglicht in der StarTrek-Welt die Reise mit Überlichtgeschwindigkeit, indem er die Raumzeit vor einem Raumschiff schrumpft und dahinter ausdehnt. Weltraum Beginnt laut Definition 100 Kilometer über der Erdoberfläche. Wurmloch Wie ein Tunnel im All.
Warum glauben wir? Religion als wichtiges Begleitprodukt menschlicher Evolution
Warum ist der westliche Montheismus eine Ausnahme erscheinung?
Glauben und religiöse Praktiken: Es gibt sie überall auf der Welt, unabhängig von Zeit und Ort. Der Wissenschafter Scott Atran sieht Religion als wichtiges Begleitprodukt der menschlichen Evolution an. Gerade in Zeiten der Ungewissheit (Geburt, Krankheit, Tod) werden seit jeher übernatürliche Akteure angerufen. Atran untersucht auf 388 Seiten die Ursprünge der Religion, dabei wagt er Exkurse in die Soziologie, Anthropologie wie auch in die Psychologie. Damit wird das Werk komplex und spricht vor allem ein wissenschaftliches Publikum an.
Was haben Religionen gemeinsam? Pascal Boyer beleuchtet das Thema Glauben anhand von evolutionären Theorien. Er streift von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart und schildert, wie Völker Ehrfurcht vor gottähnlichen Figuren hatten und haben und warum die Ahnenverehrung bis heute weit verbreitet ist. Auch den täglichen Aktivitäten, die eine Religion meist mit sich bringt, widmet sich der französisch-amerikanische Anthropologe. Zudem setzt er sich mit dem westlichen Monotheismus auseinander, der geradezu als Ausnahmeerscheinung erscheint.
In Gods We Trust: The Evolutionary Landscape of Religion, Scott Atran, Oxford University Press
Religion Explained: The Human Instincts that Fashion Gods, Spirits and Ancestors, Pascal Boyer, Vintage Press
Die Religion als Naturphänomen und die Erklärung dafür
Glauben, um zu überleben – und dazu dient ein „Gott-Gen“
Wie kam es eigentlich, dass Religion für so viele Menschen eine derart wichtige Rolle in ihrem Leben spielt? Der Philosoph Daniel C. Dennett zieht unter anderem Biologie, Geschichte und Psychologie zurate, um die Entwicklung von Religion von „wilder“ Folklore zum „gezähmten“ Dogma nachzuzeichnen. Dennett sieht die Religion als Naturphänomen und versucht sie als solches zu erklären. Eine wissenschaftliche Untersuchung des Glaubens, die nicht nur der Frage nachgeht, ob Religion das Ergebnis rationaler Entscheidungen oder doch eher evolutionärer Instinkte ist.
Seit tausenden von Jahren fühlen sich Menschen anderen Menschen gleichen Glaubens tendenziell näher als Andersgläubigen. Diese Art des Zusammenhalts ist für New-YorkTimes-Autor Nicholas Wade eine zentrale Funktion von Religion: Indem sie Menschen zu größeren Gruppen als Familien oder Stämmen verband, gab sie ihnen als Gemeinschaft einen Vorteil im Überlebenskampf. Wade erklärt Religion nüchtern aus evolutionärer Sicht und argumentiert dabei auch, warum es seiner Meinung nach ein „Gott-Gen“ im Menschen gibt, das viele religiös werden lässt.
Breaking the Spell: Religion as a Natural Phenomenon. Daniel C. Dennett, Penguin
The Faith Instinct: How Religion Evolved and Why It Endures. Nicholas Wade, Penguin
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erich klein
: Fotow e t t b e w e r b
: wa s a m e n d e b l e i bt
Augenscheinlich: Forschung im Bild Wir zeigen hier die Sieger des diesjährigen Fotowettbewerbs der Universität Wien zum Thema „Meine Forschung in einem Bild“. Die Preise wurden am 9. Juni 2017 bekanntgegeben
1. Platz:
Darya Belostotskaya, Doktorandin der Fakultät für Psychologie Ihre Erklärung zum Foto: „Für mein Pilotprojekt bin ich in ein indisches Dorf namens Mahabalipuram gereist, um intergenerative Interaktion zwischen den Kindern aus dem lokalen Waisenhaus und den älteren Menschen zu organisieren. Der Mann auf dem Bild heißt Rajagobal. Er erzählte mir, sein ganzes Leben sei ein Kampf mit dem Gehen. Er wolle sterben, denn er sieht nichts Nützliches mehr in seinem Leben. Dann hat er aber doch zugegeben, dass, wenn er einmal einen idealen Tag hätte, er am liebsten einfach im Schatten mit seiner Lieblingsspeise, einem Fish-Curry sitzen würde.“
2. Platz ex aequo:
Jonas Schmöle, PostDoc der Fakultät für Physik: Seine Erklärung zum Foto: „In einem rabiaten Gedankenexperiment erzeugt die Katze eine Quanten-Superposition eines Wissenschafters. Dieser befindet sich nun in einem Überlagerungszustand zwischen tot und lebendig: Der Schrödinger einer Katze.“
Francesca Nerattini, Doktorandin der Fakultät für Physik Ihre Erklärung zum Foto: „Proteine können ihre Funktion im Körper nur dann erfüllen, wenn sie die richtige dreidimensionale Form haben. Mit Hilfe von Computersimulationen untersuchen wir, was Proteine dazu bringt, sich in eine bestimmte Form zu falten, und nützen dieses Wissen, um Materialien mit speziellen Eigenschaften sowie künstliche Proteine für medizinische Anwendungen zu entwerfen.“
Benoit Pignard, Doktorand am Zentrum für Molekulare Biologie: Seine Erklärung zum Foto: „Das Thema der Arbeit ist es, die Genomorganisation vor und während der Zellteilung zu studieren. Das Bild repräsentiert im übertragenen Sinne somit auch meine Entwicklung vom Studenten zum Wissenschafter. Rot: Mikrotubuli. Grün: Chromatiden.“
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Kirche? Parsch Die Kirche „Zum kostbaren Blut“ in Salzburg-Parsch ist einer der bemerkenswertesten Sakralbauten Österreichs. Errichtet wurde sie 1956 von drei jungen Architekten: Friedrich Kurrent, Wilhelm Holzbauer und Johannes Spalt, die sich „arbeitsgruppe 4“ nannten. Mit ihrem keilartig in den Himmel schießenden Dach hat das Gebäude bis heute nichts an Effekt verloren. Manche sahen darin einen Vorboten der „Kirche unserer Zeit“. Der geduckte Innenraum samt Säulen eines umgebauten Kuhstalls öffnet sich zu einem weiten Altarbereich, über dem ein steiles Glasdach aufragt. Der offene Dachstuhl dient gleichzeitig als Träger der Kirchenglocken. Für die Architekten war dieses Projekt ein Beispiel für Innovation. Wie viel Substanz steckt in alter, anonymer Architektur, die eigentlich nur umgebaut wurde? Ein Teil des Publikums fand sie allerdings „scheußlich“. Selbstredend erhob die Lokalpresse ihre prophetische Stimme: „Weg mit den Surrealisten und Existenzialisten aus der Kirche!“ Schließlich zog sich auch der Salzburger Erzbischof, der bei der Grundsteinlegung anwesend gewesen war, zurück. Er ließ sich bei der Einweihung des modernen Gotteshauses vertreten. Der Grund lag in einem heute kaum mehr nachvollziehbaren liturgischen Grund: Die Jungarchitekten hatten den Volksaltar, bei dem der Priester dem Volk zugewandt zelebriert, ein Jahrzehnt vor dessen offizieller Einführung „erfunden“. Ein weiterer Grund war wohl die Allgegenwart von zeitgenössischer Kunst als flankierende Maßnahme des Sakralen: gelb und orange leuchtende Glasfenster des Maler Josef Mikl samt symbolischer Andeutungen von „Grablegung“ und „Auferstehung“. Fritz Wotruba, führender Bildhauer seiner Zeit und bekennender Atheist, hatte den Vorschlag der geistlichen Bauherren, über dem Kircheneingang einen Schwurfinger anzubringen, ausgeschlagen, mit einer Christusplastik aus Beton aber eine zeitgemäße Darstellung des Erlösers geschaffen. Die ins Betonportal der Parscher Kirche geschnittene Darstellung von „Sündenfall“ und „Taufe“ stammte schließlich von keinem Geringeren als von Oskar Kokoschka. Das Bauwerk verdient zu Recht den Namen der ersten modernen Kirche der jungen Zweiten Republik. Ein vergleichbares neosakrales Gesamtkunstwerk wurde später nie mehr geschaffen. Fragt sich nur: Warum?
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Peter Scheer
Lust aufs Alter
Unkonventionelle Gedanken über das Älterwerden Ein Buch von einem, der sich angeblich vor fast nichts fürchtet. Auch nicht davor, über Tod und Todesangst, Wunschträume über Erlösung und Ende, Sehnsüchte, Ängste, Hemmungen und die ganz alltäglichen Sorgen zu reden, die jeder kennt, aber irgendwie nicht gelernt hat, darüber zu reflektieren, ganz davon zu schweigen, sie mit anderen zu teilen. Lebe das Leben, solange es geht, und stirb würdig, wenn’s denn geht. 216 Seiten, € 22,90
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