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Inhalt

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Wie Finanzmärkte funktionieren untersucht START-Preisträger Michael Kirchler Polygame Pfeilfrösche Polygamie als Überlebensstrategie Kommt die Sprache vom Lippenschmatzen? Neue Erkenntnisse der Kognitionsbiologie Provenienzforschung Die Besitzgeschichte der Mauerbach-Theatralia

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Die Energiewende in Zahlen Der Countdown zum Thema Jubel über das Schiefergas Gunnar Heinsohn feiert eine riesige Energiequelle Energiewende – oder was? Eine Frage des gesellschaftlichen Willens Zwölftausend Weltraumtouristen pro Jahr Zahlen und Ziele der Energiewende

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Die Energiewende sind wir alle, oder nicht? Amerikanischer Traum versus heimische Weltsicht Energiewende: Das Glossar Ein Überblick über wichtige Begriffe zum Thema Ein katastrophales Angebot sei das Budget für die TU Wien 2013 bis 2015 Gedicht, HEUREKA-Rätsel, Kommentar Der Baumgartner Höhe entsprungen

Kommentar

Editorial

Universitas Semper Reformanda Erhard Busek

G ra f i k : T o n e F i n k , f o t o : M a n c a J u v a n / S ta b i l i t y P a c t

ieser Satz wurde immer für die Kirche verwendet, gilt aber geD nauso für die Hohen Schulen. Der

Vorteil früherer Zeiten war, dass die Rasanz der Entwicklung nicht in dem Ausmaß gegeben war, wie das heute der Fall ist. Die Zeitdistanzen zwischen der Thun-Hohensteinschen Refom im 19. Jahrhundert, dem, was Hertha Firnberg hinterlassen hat, von mir und dann erst recht von Elisabeth Gehrer korrigiert wurde, zeigt die immer kürzer werdenden Zyklen. Es wäre daher überlegenswert, ob man nicht von dem System der relativ genauen Legislative und Definierung der Hochschule dazu übergehen sollte, in einer Rahmengesetzgebung bestimmte Fragen zu regeln (Qualitätsbestimmung, Zertifikationen, etc.), aber die eigentlichen Inhaltsfragen dem Wissen und Gewissen der Universitäten selbst zu überlassen, also echte Autonomie. Das zusätzliche Problem ist die heute notwendige Europäisierung, ja Globalisierung, vor allem der Wirtschaftslandschaft. Der Begriff der Internationalisierung scheint mir heute zu flach zu sein, weil damit meistens nur Austauschprogramme, Forschungskooperationen und Stipendien verstanden werden. Ziel der Hochschulreform heute müsste es sein, wieder die „Europäische Universität“ zu schaffen, die sie ja vom Ausgang her war. Ein weiterer Aspekt ist natürlich jener der Spezialisierung, weil es nicht nur darum geht, Grenzüberschreitung zu üben, sondern die in sich notwendigen Verbindungen der einzelnen Wissensbereiche stärker herauszuarbeiten und Studentinnen und Studenten auch dazu in die Lage zu versetzen, dem gerecht zu werden. Die heutige Diskussion der Hochschulreform ist leider immer nur eine Organisationsdiskussion, wie das ja auch im Bereich der Schulen der

Fall ist. Umgekehrt könnte man ja die Frage stellen: wird heute das gelehrt und geforscht, was wir wirklich brauchen? Darin besteht die eigentliche Problematik der mangelnden Qualität, wie es schmerzvoll immer wieder im Ranking auf internationaler Ebene zum Ausdruck kommt. Es ist zu billig, immer nur nach den Nobelpreisträgern zu fragen, die heute nicht mehr bei uns entstehen, sondern ganz selbstverständlich nach einer breiteren Qualität.

C h r i s t i a n Z i ll n e r

Dazu aber fehlt eines: die entsprechende Auseinandersetzung. Einfacher gefragt: Ist Hochschulreform heute ein Thema? Natürlich nicht, mit Ausnahme des Falter.

Finkenschlag Handgreifliches von Tone Fink

Erhard Busek ist Vorstand des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa, Präsident des Europäischen Forums Alpbach und war u.a. Wissenschaftsminister

www.tonefink.at

Sie fühlen sich als Obamas ­„geschlagene Ehefrauen“ – jene US-Milliardäre, die ihn 2008 gewählt oder womöglich mit Geld unterstützt hatten. Jetzt rede er so ­garstig über sie, dass sie sich als neue Unterklasse oder bedrohte Minderheit fühlen müssten. ­Obama, das sei ihnen mittlerweile klar, sei einfach ein Kommunist. Wer das für eine Witz hält, hat die Amerikaner nicht verstanden. „Macht euch die Erde untertan“, dieses alttestamentarische ­Bibelwort, nehmen sie wörtlich – und wehe, es kommt ihnen einer in die Quere. Dabei geht es nicht um Fakten, denn unter Obama ­haben die Milliardäre verdient wie noch nie. Es geht um die Anerkennung, dass sie und nicht die 50 Prozent „on the dole“, also Sozialhilfeempfänger, den wahren amerikanischen Traum verkörpern. In diesem Falter Heureka trifft der amerikanische Traum, ausgesprochen von US-Forschern, auf eine europäische Weltsicht, ­genauer ­gesagt auf eine österreichische. ­Während die Amerikaner unter Energiewende ein gigantisches Projekt zur Erschließung neuer ­Energieressourcen und zur Errichtung neuer Kraftwerke meinen, argumentieren Österreicher, es gäbe mehr als genug Energieressourcen, nur könne die Atmosphäre weiter steigende Emissionen nicht aufnehmen, ohne das Klima zu kippen. Sind Sie ein Amerikaner?

Impressum Falter 43a/12 Herausgeber: Armin Thurnher Medieninhaber: Falter Zeitschriften GmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: service@falter.at, www.falter.at Redaktion: Christian Zillner Produktion, Grafik, Korrektur: Falter Verlagsges.m.b.H. Grafik: Cornelia Gleichweit, Raphael Moser Lektorat: Martina Paul FOTOREDAKTION: Karin Wasner Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.

HEUREKA ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit


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Aus Wissenschaft und Forschung Kopf im Bild START-Preis für Tiroler Ökonomen Fragen zu Marktineffizienzen und Finanzmarktregulierung – Michael Kirchler vom Institut für Banken und Finanzen der Universität Innsbruck untersucht sie systematisch und wurde dafür im Juni mit dem START-Preis, der höchsten Auszeichnung für Nachwuchswissenschafter in Österreich, ausgezeichnet. „Wir erforschen, unter welchen Bedingungen Finanzmärkte gut und unter welchen sie nicht gut funktionieren“, erklärt der Leiter des Forschungszentrums „Financial Markets and Risk“: „Anhand von Labormärkten, in denen Händler mit realem Geld handeln, lässt sich das untersuchen.“ Dabei geht es zum einen um Aspekte wie Überoptimismus, Euphorie oder Risikofreude, zum anderen um institutionelle Faktoren wie bonusabhängige Händlerentlohnungen, unerfahrene Akteure am Markt oder laxe Rahmenbedingungen zur Kreditvergabe. „Preisblasen aus Verhaltensgründen wird es wohl immer geben“, so der 35-Jährige. „Aber wenn institutionelle Rahmenbedingungen der Auslöser sind, könnte man sie durch kluges Marktdesign und Regulation mildern.“ Wie das aussehen könnte, ist ein weiterer Teil seiner Forschung. T e x t : U s c hi S o r z F o t o : M artin V and o r y

U s c hi S o r z

ür ihre Arbeiten erhielten diese jungen Forscherinnen ein DoktoF ratsstipendium der Uni Innsbruck. Richard Hastik, 29, Institut f. Geografie

Die interdisziplinäre Bearbeitung raumrelevanter Fragen fasziniert den Geografen Richard Hastik. „In der Innsbrucker Geografie ist die holistische Auseinandersetzung mit Mensch-Umwelt-Beziehungen durch ihre Verknüpfung sozialund naturwissenschaftlicher Ansätze besonders spannend“, so der Niederösterreicher. Er befasst sich in seiner Dissertation „Bodendaten in den Alpen: Kompilation, Regionalisierung, Ansätze für räumliche Modellierung und funktionsbezogene Bewertung“ mit Hochgebirgs-

räumen. „Die flächenhafte Modellierung dieser Böden fand bisher wenig Beachtung.“ Dabei seien gerade deren Speicher-, Filter- und Pufferfunktionen besonders relevant. Die Rolle von Böden bei Naturgefahren oder der Kohlenstoffbindung im Kontext des Klimawandels ist ein wichtiger Teil seiner Arbeit. Özlem Aslaner, 26, Institut f. Psychologie

Bei ihrer Diplomarbeit zur Stressverarbeitung türkischer Migrantinnen fiel ­Özlem Aslaner auf, dass diese viel weniger Emotionen ausdrückten, als es die Wörglerin angesichts der ihr geschilderten Situationen erwartet hätte. „Traurigkeit etwa äußerten sie statt mit Emotionswörtern eher durch körperbetonte Rede-

wendungen.“ Dem wollte Aslaner, selbst Tochter türkischer Migranten, auf den Grund gehen. Für ihre Dissertation „Der Ausdruck und die Regulierung von Traurigkeit in Face-to-Face-Interaktionen am Beispiel türkischer Migrantinnen und ihrer Töchter“ verwendet sie ein Analyseverfahren, das Gesichtsmuskeln in Nummern kodiert und Rückschlüsse über in Gesprächen gefilmten Emotionen zulässt. „Solche kulturelle Unterschiede können zu Missverständnissen und falschen psychiatrischen Diagnosen führen.“ Peter Kandolf, 27, Institut f. Mathematik

Am Beginn stand ein Kombinationsstudium Mathematik/Informatik. „Die Mathematik fand ich aller-

dings bald interessanter und erfüllender“, sagt Peter Kandolf. An seinem heutigen Spezialgebiet, der numerischen Mathematik, schätzt er freilich die gelegentlichen Ausflüge in die Welt der Informatik. „Ich mag den Anwendungsbezug und den Wechsel zwischen der Theorie am Papier und deren Umsetzung am Computer“, erzählt er. „Umgekehrt ist es spannend, bei einem selbstentwickelten Programm dessen mathematischen Hintergrund zu zeigen.“ Mit seiner Dissertation „Computationally efficient exponential integrators“ möchte er dazu beitragen, exponentielle Integratoren effizienter zu gestalten. „Dabei geht es um die Verbesserung der bestehenden Implementierungen wie auch der verschiedenen Verfahren“, so der begeisterte Bergsteiger.

Fotos: PRivat (3)

Jungforscherinnen


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Aus Wissenschaft und Forschung Biologie

Mathematik

Evolutionsbiologie

Rationales Denken macht unser Handeln egoistischer. Das Bauchgefühl aber ist solidarisch

Mit Mathematik lassen sich komplexe Sachverhalte in verschiedenen Systemen beschreiben

Polygamie sichert Pfeil­ giftfröschen das Überleben Die komplexe Fortpflanz­ungs­biologie der Pfeilgiftfroschart Allobates femoralis: Viele Männchen für ein Weibchen

Jochen Stadler

U S CH I S OR Z

Uschi Sorz

eamwork unterscheidet Menbstraktes Denken hat mir imschen von Affen, meint der ös- Amer schon gefallen“, sagt Ingrid T terreichische Harvard-Biologe Martin Blumthaler. „Mathematik hat mich Nowak. „Stecken Sie einmal vierhundert Schimpansen für einen siebenStunden-Flug in die Economy-Klasse. Die würden wahrscheinlich blutend, mit zerbissenen Ohren und zerrupftem Fell aus dem Flieger taumeln“, schreibt er im Buch „Supercooperators“. Millionen Menschen erdulden diese Tortur Tag für Tag friedlich. Doch Zusammenarbeit bedeutet oft mehr

als passive Leidensfähigkeit, nämlich dass man dafür Zeit und Geld investieren muss. Nowak und seine Kollegen wollten wissen, ob Menschen eher aus dem Bauch heraus kooperieren, oder ob sie herzlich egoistisch sind und erst durch eine Denkpause auf die Vorteile von Teamwork kom-

Fotos: Harvar d Univ er sit y, M a x R ingler (2), Michael S t iegler

„Unser erster Impuls ist zu kooperieren, doch er wird durch kalte Logik untergraben.“ Martin Nowak

men. Dazu rekrutierte er Versuchspersonen über eine Internet-Plattform. Die Teilnehmer bekamen 40 Cent ausbezahlt und sollten davon so viel sie wollen in einen Fonds einzahlen. Der Spielleiter würde den Betrag verdoppeln und gleichmäßig zurückzahlen. Handelten die Teilnehmer intuitiv, machten sie mehr Geld locker, als wenn sie über die Investition nachdachten, fanden die Forscher heraus. „Unser erster Impuls ist es zu kooperieren“, sagt Nowak, „doch er wird durch kalte Logik untergraben“. Dabei würde die Logik lehren, dass jeder am meisten gewinnt, wenn er sein ganzes Vermögen in den Topf wirft. Auch wenn man die Teilnehmer vor dem Versuch darauf einschwor, eher intuitiv zu handeln, waren sie großzügiger, als wenn man sie auf logisches Denken trimmte. Bei Entscheidungsträgern wäre es also fatal, verlangte man von ihnen, möglichst rational zu handeln, meint Nowak: Sie würden dadurch egoistischer.

vor allem fasziniert.“ Die 28-jährige Seefelderin hat an der Fakultät für Mathematik der Uni Innsbruck studiert. Heute arbeitet sie in einem anwendungsorientierten Gebiet, der mathematischen Systemtheorie. Auch Ingenieure brauchen sie, etwa in der Mess-, Verfahrens- oder Elektrotechnik, um komplexe Probleme verstehen und beeinflussen zu können. Wie beim Tempomat, der ein Auto unabhängig von äußeren Störungen auf einer konstanten Geschwindigkeit halten soll. „Reizvoll an der Systemtheorie ist, dass hier verschiedenste Gebiete der Mathematik zusammenkommen und dass sich ständig neue und weiterführende Fragen ergeben.“ Nachdem sie „Reizvoll an der Systemtheorie ist, dass hier verschiedenste Mathematikgebiete zusammenkommen.“ Ingrid Blumthaler

im März sub auspiciis promoviert hat, arbeitet sie nun am FWF-Projekt „Observer and compensator design via quotient signal modules“ an der Universität Innsbruck mit.

V

om Ei bis zur Metamorphose lauern zahlreiche Gefahren auf die Larven der Pfeilgiftfroschart Allobates femoralis: Eine Reihe von Fressfeinden delektiert sich nur zu gerne an ihnen, und die Wasserstellen, in denen sie sich entwickeln, können leicht austrocknen. Für das Problem der Art­erhaltung haben die nur zwei Zentimeter großen Tierchen allerdings ihre eigene Lösung gefunden:

onsbiologin an der Universität Wien. Schließlich legen die Weibchen ihre Eier an Land ab und die jeweiligen Männchen tragen sie ins Wasser, wo sie bis zur Metamorphose bleiben.

Im Urwald von Französisch-Guyana

Widmet ihre Forschung dem Pfeilgiftfrosch: Eva Ringler, Uni Wien

„Die Weibchen wählen viele Männchen als Partner aus, da sie dadurch den Fortpflanzungserfolg sowie die genetische Vielfalt der Nachkommen erhöhen und verschiedenste Risikofaktoren in Bezug auf das Überleben ausschalten“, sagt Eva Ringler, Evoluti-

Nachdem sie schon ihre Dissertation den Allobates femoralis gewidmet hatte, setzte Ringler ihre Forschung im Frühjahr dieses Jahres mit Unterstützung des L’Oréal-Stipendiums „For Women in Science“ fort. „Auf einer Flussinsel in Französisch-Guyana haben wir eine Population von Allobates femoralis etabliert, um jene Faktoren zu untersuchen, die das Überleben der Tiere maßgeblich beeinflussen“, berichtet sie. Genetische Marker aus Gewebeproben von Kaulquappen ermöglichten es ihrem Team, die gesamte Pfeilgiftfroschpopulation langfristig zu verfolgen und auch Stammbäume zwischen aufeinanderfolgenden Generationen zu rekonstruieren.

„Ein System ist die Lösungsmenge eines

Systems von impliziten Differenzialgleichungen in mehreren Unbekannten. Die Elemente des Systems sind also Vektoren von Signalen.“ Typische Fragen der Systemtheorie, die auch im FWF-Projekt behandelt werden, sind Beobachter-, Stabilisierungs- und Regelungsprobleme. Ein „Beobachter“ ist ein weiteres System, das die gemessenen Signale beinhaltet und eine Schätzung der unbekannten Signale erlaubt. „Wir konstruieren zum Beispiel die Menge aller möglichen Beobachter für ein sehr allgemein gestelltes Beobachterproblem. Zu diesen Fragen haben wir einen sehr mathematischen, insbesondere algebraischen Zugang.“ Nach dem Ende des FWF-Projekts im Februar 2013 möchte die Tirolerin zwei Jahre als Postdoc an der Universität Padua arbeiten.

Die Weibchen der Pfeilgiftfroschart Allobates femoralis halten sich mehrere Lover


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Aus Wissenschaft und Forschung Kognitionsbiologie

Medizin

Brief aus Brüssel

Neue Einblicke in die Evolution der Sprache

Emily Walton

Liegt der Ursprung der menschlichen Sprache im Lippenschmatzen der Affen?

Die „Schaufensterkrank­heit“ tötet binnen fünf Jahren jeden Dritten, der an ihr leidet

Uschi Sorz

Dieter Hönig

Wissenschafter der Uni Wien und der Princeton University Lippenschmatzen bei Makaken anhand von Röntgenfilmen untersucht. Auf den ersten Blick scheint es sich aus dem schnellen Öffnen und Schließen der Lippen

Nicht nur die Laute der Primaten, auch ihr Lippenschmatzen könnte der Ursprung unserer Sprache sein zu ergeben. Die Röntgenfilme belegen aber einen komplexen Ablauf aus schnellen, koordinierten Bewegungen von Lippen, Kiefer, Zunge und Zungenbein, und zwar in einer ähnlichen Geschwindigkeit wie die menschliche Sprache. Sie unterscheiden sich auch von Kaubewegungen, die nur halb so schnell sind. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass der Ursprung der menschlichen Sprache in einer Kombination aus „traditioneller“ Phonation, also durch die Stimmbänder erzeugten Lauten, und schnellen, erlernten Bewegungen des Vokaltrakts liegt.

ie häufig unterschätzte „Schaufensterkrankheit“ PAVK (PeD riphere Arterielle Verschlusskrank-

heit) ist eine aggressive Form der Arteriosklerose. „Betroffene haben eine deutlich reduzierte Lebenserwartung und Lebensqualität“, sagt Andreas ­Franczak, Facharzt für Viszeral- und Gefäßchirurgie in Wien.

Innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnosestellung stirbt etwa jeder Dritte an einer Gefäßerkrankung wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Dabei wäre ausreichend Zeit, um im Rah-

Manchmal weiß man erst, was man hat-

Gefäßchirurg Andreas Franczak

men von Vorsorgeuntersuchungen als Risikokandidat erkannt zu werden. Die Beindurchblutung kann mit einer schmerzlosen Gefäßuntersuchung (Ultraschall-Doppler) gemessen werden. Dabei lässt sich die Wahrscheinlichkeit eines erhöhten Risikos gut bestimmen. Liegt eine „Schaufensterkrankheit“ vor, sollten unbedingt auch Herzarterien sowie Halsschlagadern (Carotiden) untersucht werden. Arteriosklerose ist zwar unheilbar, jedoch

W. Tecumseh Fitch mit seinen schmatzenden Makaken in Wien

te eines in Türkis gestrichenen Altbaus. Einziger Farbklecks: Der leuchtend rote Deckel der Altpapiertonne. Ein trostloser Ort, der gegen Ende der Woche hin umso trostloser wurde, als die Mülltonnen überquollen und die Fliegen diesen Ort für sich einnahmen. (Eigentlich ging nur die Restmülltonne über. Die Biotonne blieb meist leer, außer ein Anrainer hatte gerade einen Christbaum oder seinen Ficus benjamini zerstückelt.) Eine einzelne Mülltonne für acht Parteien war eindeutig zu wenig. Aber mehr Betriebskosten zu zahlen, um eine zweite zu finanzieren, das war den meisten Bewohnern zu viel. Also lieber schimpfen (ein Nachbar hängte einen Brief an die „vertrottelten“ Mitbewohner auf ), oder Müll-Sittenpolizei spielen, so wie die Alte aus dem Erdgeschoss, die jedes Mal grantelte, wenn einer es wagte, Plastikflaschen in den Restmüll zu schummeln.

lassen sich gefährliche Gefäßverengungen bei rechtzeitiger Diagnose zumindest hinauszögern. Neben medikamentösen Therapien werden heute gute Ergebnisse mit Gefäßdehnungen durch die Einbringung eines speziell beschichteten Stents erzielt. ­Franczak: „Auch in fortgeschrittenen Fällen kann durch das Legen eines Arterienbypasses oder durch Ausschälung eines verstopften Gefäßes eine Amputation abgewehrt werden. Dank der Fortschritte in der Mikrochirurgie können auch Gefäßumleitungen auf die Fußarterien gelegt werden.“ Wesentlich ist dabei die Mitarbeit des Patienten durch gezieltes Gehtraining und durch den Verzicht aufs Rauchen.

te, wenn man es nicht mehr hat. Inzwischen streiten sich in Wien andere um diese Mülltonne. In Brüssel sitze ich allein auf meinem Mist. Denn: Wer hier Restmüll-, Bio- oder Altpapiertonne sucht, sucht vergeblich. Wohin also mit den Zwiebelschalen, dem Joghurtbecher, der Käseverpackung? Auf die Straße! Ein Streifzug durch Brüsseler Wohngegenden macht deutlich: Müll am Straßenrand gehört zum Stadtbild. Weiße, blaue, gelbe Säcke zieren die Gehsteige der oft sehr grauen Stadt. (Die Mistsackerl sind übrigens vorgeschriebene, die man im Supermarkt kauft. Ich gewöhne mich noch daran, dass der gelbe Sack für Papier und nicht für Plastik gedacht ist.) Zweimal die Woche sammelt die Müllabfuhr, die in jeder „Commune“ an einem anderen Tag kommt, den Mist ein. (In meinem Bezirk „Etterbeek“ nahe den EU-Institutionen ist es mittwochs und samstags). Am Vorabend – und erst am Vorabend! – soll ich meine Beutel vor die Tür stellen. Zweimal habe ich dies bereits vergessen und mit dem stinkenden Müll ausgeharrt. (Ein Glück, dass viele Brüsseler Wohnungen Balkone haben.) Meine Nachbarn sind mutiger als ich. Sie stellen den Sack einfach raus, sobald er voll ist. Ich hingegen ernähre mich neuerdings möglichst geruchsneutral – verzichte auf Fisch, der zu schnell stinkt – und frage mich, ob meine ehemaligen Nachbarn in Wien wissen, was sie an ihrem Innenhof haben.

Fotos: Univer sität Wien, Fr ancz ak

W

ie ist die menschliche Sprache entstanden? Welche Erkenntnisse darüber lassen sich aus dem Vergleich der Fähigkeiten von Menschen und Tieren ableiten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Gruppe um W. Tecumseh Fitch vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien. Ihre neuen Forschungsergebnisse unterstützen die These, dass sich die menschliche Sprache nicht aus der Lautbildung, sondern aus der kommunikativen Mimik entwickelt hat. Das hat W. Tecumseh Fitch, Leiter des Wiener Departments für Kognitionsbiologie und ERC-Grant-Preisträger, gemeinsam mit Kollegen der Princeton University im Juli im renommierten Fachmagazin „Current Biology“ publiziert. Das lebhafte Mienenspiel, mit dem sich Affen verständigen, fasziniert Wissenschafter schon seit Längerem. Auch Peter McNeilage von der University of Texas ortete darin bereits die Wurzeln der menschlichen Sprache und nicht, wie traditionell angenommen, in den Lauten der Primaten. Die Bewegungen des Lippenschmatzens sind dem Wechsel von Vokalen und Konsonanten auffallend ähnlich.Nun haben die

or sechs Monaten trug ich meiV nen Mist in einen Wiener Innenhof. Ein grauer Hof auf der Hintersei-


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Aus Wissenschaft und Forschung

Das macht die Provenienzforschung Sie erforscht etwa die Besitzgeschichte der Mauerbach-Theatralia aus dem „Komplex Mauerbach“ Sabine Edith Braun

D

ie 1996 vom Gründer des Don Juan Archivs Wien (DJA) bei der Mauerbach-Aktion erworbene, „Komplex Mauerbach“ genannte Theatralia-Sammlung umfasst 2972 Bände mit rund 4500 Theatertexten und Libretti aus den Jahren 1750 bis 1930. Die Theaterwissenschafterin Brigitte Dalinger wurde mit der Erforschung ihrer Geschichte beauftragt. „Niemand wusste, woher sie ursprünglich stammt. Bislang ist noch nicht erforscht, was im Zweiten Weltkrieg mit den Theaterarchiven geschah“, sagt Dalinger. Was ist das Besondere an der Sammlung? „Sie gehörte jemandem mit einem nahen Bezug zum Theater. Es sind Arbeitsexemplare dabei, Strichfassungen von Schauspielern und Zensurexemplare, mit den unterschiedlichsten Besitzvermerken.“ Ein Buch der Provenienzforscher Christi-

na Köstner und Murray G. Hall brachte Dalinger auf eine Spur in Zusam-

menhang mit Hitlers geplantem Linzer Kunstmuseum. Der damalige Direktor der Nationalbibliothek, Paul Heigl, wollte aus einer anderen, für Linz bestimmten Sammlung, sieben spezielle Handschriften für „seine“ Nationalbibliothek. Hitlers Linz-Beauftragter Hans Posse sorgte dafür, dass Heigl sie erhielt und diese Handschriften nicht via „Führervorbehalt“ nach Linz kamen. Als Gegengeschäft bot Heigl Hans Posse die besagte Theatralia-Sammlung an. Doch woher hatte Heigl sie? Brigitte Dalinger: „Von einem Antiquar namens Engel aus Kirchberg am Wechsel.“ Dies legt den Schluss nahe, dass die

Sammlung dem 1856 in Mannheim geborenen Schauspieler Otto Rub gehörte, der ab 1900 am Wiener Burgtheater engagiert war. Seine letzte Wiener Adresse in den Dreißigerjahren war im 18. Bezirk. „Rub war kein Jude. Warum er sich 1939 nach Grimmenstein in Nieder-

CAMPUS VISIT DAY

N ov e m b e r 2 4 , 2012

österreich abmeldete, ist unbekannt.“ Grimmenstein liegt in der Nähe von Kirchberg. Schon 1940 bot der Antiquar aus Kirchberg der Nationalbibliothek eine Briefsammlung von Rub an, die angekauft wurde und sich bis heute im Besitz der ÖNB befindet. Otto Rub, der nicht nur Schauspieler,

sondern auch Theaterhistoriker war, dürfte der Sammler der „Theatralia“ gewesen sein. Unklar ist, warum er sich in Niederösterreich niederließ. „Ich bin erst kürzlich auf den Hinweis gestoßen, dass Rubs Frau Paula, geborene Gross, vielleicht jüdische Wurzeln hatte, es sich also tatsächlich um einen Verkauf unter Druck gehandelt haben könnte“, sagt Dalinger. Der Erwerb der Sammlung geschah dennoch auf rechtlich legalem Wege. „Es hat eine gewisse Ironie“, meint Brigitte Dalinger, „dass die Versteigerung der Sammlung des ,Komplex Mauerbach’ letztlich den Opfern des Holocaust zugute kam“.

Der „Mauerbach-Bestand“ Einige tausend Kunstobjekte, die im Zweiten Weltkrieg im Salzbergwerk Altaussee eingelagert und später als „herrenlos“ eingestuft wurden, kamen erst an wechselnde Orte und wurden 1969 vom Bundesdenkmalamt in der Kartause Mauerbach gelagert. Auf Druck von Simon Wiesenthal und der Medien wurden Inventarlisten in der Wiener Zeitung veröffentlicht und in den Botschaften aufgelegt. Einiges wurde restituiert, doch lag die Beweispflicht bei den Beanspruchern. 1995 wurden die Exponate an die Israelitische Kultusgemeinde übergeben, die sie 1996 zugunsten von Holocaust-Opfern versteigern ließ.

Provenienzforschung Bücher Sie versucht die Herkunft bestimmter Objekte zu klären. Der materielle Wert von Büchern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ist nicht sehr hoch. „In Restitutionsfragen wurden Bücher oft als Hausrat eingestuft“, sagt Brigitte Dalinger. Die Erforschung und Zuordnung der Bücher hänge stark vom Zufall ab.

CALL FOR PhD STUDENTS

The Graduate School at IST Austria invites applicants from all countries to its PhD program. IST Austria is a new institution located on the outskirts of Vienna dedicated to cutting-edge basic research in the natural sciences and related disciplines. The language at the Institute and the Graduate School is English. The PhD program combines advanced coursework and research, with a focus on Biology, Computer Science, Mathematics, Physics, Neuroscience, and interdisciplinary areas. IST Austria offers internationally competitive PhD salaries supporting 4–5 years of study. Applicants must hold either a BS or MS degree or equivalent.

The Institute offers PhD students positions in the following fields: Biology | Computer Science | Mathematics | Physics | Neuroscience

For a list of faculty members please visit www.ist.ac.at. For further information and access to the online application please consult www.ist.ac.at/gradschool. For inquiries, please contact gradschool@ist.ac.at. For students wishing to enter the program in the fall of 2013, the deadline for applications is January 15, 2013. IST Austria is committed to Equality and Diversity.


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Energiewende – oder was?

Der Countdown zum Thema sonja burger

420 000 000

Euro Umsatz erwirtschaftete die ­­ heimische Solarthermie-Branche im Jahr 2010 laut dem Bericht „Innovative Energietechnologien in Österreich – Marktentwicklung 2010“ des BMVIT.

1 172 905

österreichische Haushalte nutzten 2009/2010 den Energieträger Holz. Solarwärme ­w urde von 360 671 Haushalten verwendet. Laut Statistik Austria lag ­Solarwärme damit jedoch noch vor anderen Erneuerbaren wie ­Wärmepumpe, Hack­ schnitzel oder Pellets.

287 149

Terajoule Energie verbrauchten die heimischen ­privaten Haushalte im Jahr 2010. Der Energieverbrauch stieg gegenüber dem Vorjahr um 8, 8 Prozent stark an und ­erreichte laut Energiebilanz den bislang höchsten Wert.

180 000

Kilowattstunden Strom produziert die Photovoltaik-Anlage am ehemaligen Atomkraftwerk Zwentendorf. Mehr als 30 Jahre nach der Volksabstimmung wird die Anlage heute doch noch zur Erzeugung von Strom genutzt.

7480

Megawatt Strom sollen die heimischen Pumpspeicherkraftwerke ab 2020 liefern. Derzeit liegt die Leistung der ­bestehenden Anlagen bei rund 2700 Megawatt. Der massive Ausbau soll eine kontinuierliche Einspeisung von Strom auch über nationale Grenzen hinweg gewährleisten.

500 bis 10.000

Euro betrugen die Summen, mit denen sich 46 Personen an der Bürgersolaranlage „Bregenz Bauhof“ beteiligten. Sie erbringt eine ­Leistung von 39 Kilowatt peak. Immer mehr Bürgersolaranlagen wurden in den ­letzten Jahren in Österreich errichtet. Mit einer Leistung von 500 Kilowatt peak zählt die Anlage „Wien Donaustadt“ zu den größten.

380

Kilovolt elektrische Spannung fließen durch eine der ­w ichtigsten Hochspannungsleitungen Österreichs. Der „380-kV-Ring“ verbindet mehrere Bundesländer miteinander, ist aber nicht durchgängig geschlossen. Ein koordinierter Ausbau der nationalen und eine bessere Vernetzung der europäischen Stromnetze ist laut Experten für die künftige Energiesicherheit Europas notwendig.

300

Waschgänge pro Jahr à 0,7 bis 1,5 Kilowattstunden Strom – soviel verbrauchen moderne Waschmaschinen mit einer ­hohen Energieklasse. Auf über 3,5 Kilowattstunden kommen Geräte der Klassen E bis G. Mit einer ökonomischen Waschmaschine spart ein Haushalt ca. 600 bis 800 Kilowattstunden jährlich. Energiesparmaßnahmen sind ein wichtiges Standbein der Energiewende.

92

Stromtankstellen gibt es im Großraum Linz. Innerhalb von drei Jahren wurde die Kapazität von anfangs zwölf mehr als ­versiebenfacht. Auch im Wohnungsneubau wie dem Projekt „Grüne Mitte Linz“ ­setzen die Stadt und der Energieversorger auf E-Mobilität. Schon bei der Planung werden Stromtankstellen in Tiefgaragen mitgedacht.

30

1400

Meter Seehöhe: So hoch liegt die Windturbine Plöckenpass in Kärnten. Die höchstgelegene Anlage Europas befindet sich im Schweizer Kanton Wallis auf einer Seehöhe von 2465 Metern.

Minuten ohne Strom pro Abnehmer und Jahr. Damit liegt ­Österreich im Europavergleich am dritten Platz. Durch den ­steigenden Stromverbrauch und die Energiewende warnen Experten, dass die Stromnetze in Spitzenzeiten an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen und es öfter zu „Blackouts“ kommen könnte.

1200

1,3

Quadratmeter Sonnenkollektoren werden am Dach des Wiener Hauptbahnhofs installiert. Die gewonnene ­Energie entspricht dem Strombedarf von 30 Einfamilienhäusern und soll zur ­Beleuchtung des Bahnhofs verwendet werden.

Prozent des heimischen Wirtschaftsdüngeranfalls werden derzeit in Ökostromanlagen genutzt. Das Potenzial ist allerdings weit höher. Die Produktion von erneuerbarer Energie aus (landwirtschaftlichen) Reststoffen reduziert u.a. die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft.


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ENERGIEWENDE – ODER WAS?

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Zu den Fotos Mit einem Augenzwinkern zeigt das Foto-GrafikDuo TWINSET „kinderleichte“ Möglichkeiten der Gewinnung von Strom, Mobilität und Wärme sowie der Steigerung der Energieeffizienz. TWINSET sind Eva Jauss und Michael Breyer. Das Illustrations/Fotografie-Duo lebt und arbeitet in Berlin. Eva hat in Hamburg und Stockholm studiert und während der Zeit in Schweden ihre Liebe für das Dreidimensionale entdeckt. Michael kommt aus Wien und hat Fotografie an der Graphischen studiert, ist allerdings schon vor langer Zeit nach Berlin ausgewandert. Kennengelernt haben sich die beiden bei einem Projekt. Seither arbeiten sie gemeinsam an Sets, dreidimensionalen Illustrationen und Still-Life-Strecken, unter anderem für das ZEITmagazin, die ZeitCampus oder den Steffl Department Store. www.twinset-studio.de FOTO/ILLUSTR ATION: MICHAEL BRE YER & E VA JAUSS

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energiewende – oder was?

Wind und Sonne verlieren gegen Schiefer CO2-Reduktion durch Schiefergas? Den USA ist damit die größte je gemessene CO2-Reduktion gelungen Gunnar Heinsohn

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m Juni 2009 erklärte Barack Obama der Kohle den Krieg. Wenn er tatenlos bleibe, werde man 2013 volle 40 CO2-Molküle auf je 100.000 Luftmolekülen zählen und der Apokalypse wieder ein Stück näher sein. Doch schon seit Jahren ist ein anderer Kohlewürger am Markt, der auch Erdöl und Atomstrom stranguliert: eine Trillion Kubikmeter Schiefergas – das sind 10.000 Jahre deutscher Verbrauch. Grund für Jubel: das Material ist 30 Prozent CO2-ärmer als Erdöl und 60 Prozent reiner als Kohle sowie billiger als beide. Die größte CO2-Reduktion schafft mit 430 Millionen Tonnen zwischen 2006 und 2011 Amerika. Unermüdlich arbeitet das Schiefergas an der Rettung des Planeten. In jenen fünf Jahren wächst Amerikas Gas-Strom um ein Viertel, Kohle-Strom geht um zehn Prozent zurück. Von zwei Milliarden Kubikmetern Schiefergas 1995 springen die USA auf 150 Milliarden Kubikmeter 2010 (neben 500 Milliarden Kubikmetern Erdgas). Deutschland förderte 2010 nur 12,7 Milliarden Kubikmeter Gas und verbraucht 96 Milliarden.

Gunnar Heinsohn ist Soziologe und Ökonom

„Verflüssigt, revolutioniert Schiefergas in den USA gerade die Lkw-Motoren.“ Gunnar Heinsohn

Verflüssigt, revolutioniert Schiefergas in den

USA gerade die Lkw-Motoren. Das Elektroauto verfällt bereits bei Ankündigung des

neuen Gegners in Siechtum. Statt 100.000 Stück jährlich, die allein Berlin zwischen 2010 und 2020 fordert, schafft Deutschland gerade 3000. Wenige, extrem teure Fahrzeuge subventioniert der kleine Mann, damit eine Oberschicht grüner Bonzen ihr stolzes Gewissen vor den Augen der Abgezockten paradieren lassen kann. Folgenreicher ist die Botschaft an die Unternehmen. Kümmert euch nicht mehr ums Geldverdienen, sondern rechnet für alle Zukunft auf geschenktes Geld. Die Firmen zögern durchaus, aber wenn eine zugreift, müssen es alle nehmen. Das gewinnt aktuell in England bizarre Züge. Die Insel, mit fünf Billionen Kubikmetern Schiefergas an Land und weiteren 28 Billionen unter der Nordsee, ergreift zuerst den ökonomischen Hammer aus Amerika. Der Energieminister will arme Gegenden in Cheshire und Lancashire über ihren Schiefer wieder reich machen und seiner Industrie bezahlbaren Strom verschaffen. Daraufhin drohen im Oktober fünfzig grüne NGO und sieben Großfirmen wie Siemens oder Alstom mit Investitionsstopp, wenn London ihnen nicht auf Jahrzehnte hinaus üppige Überweisungen sowie das Austilgen der Schieferkonkurrenten garantiere. Warum soll es nicht überall so schön sein wie

in Deutschland? Dort herrschen Ideologen. Doch die übrige Welt folgt ihnen nicht beim Ausschalten der Märkte. Auch funktioniert das Verbieten und Befehlen nicht einmal daheim. Da Wind und Sonne immer volle Last oder gar nichts bringen, müssen die Anlagen mit weiteren Lasten für die Menschen wieder herbeigelockt werden, die im Orkus der Geschichte landen sollten. Nicht einmal der Durban-Preis 2011 an das „Führer-Land“ beim CO2-Reduzieren (Country Leadership Award) verleiht Berlin echten Biss. Peking wendet sich von der deutschen Planwirtschaft ab. Die Aktien chinesischer Solarfirmen stürzen zum Oktober 2012 auf zwei bis 15 Prozent ihres Preises von 2007. Ihnen geht es ebenso schlecht wie Europas Windmühlengiganten Nordex und Vestas, die aus Angst vor Billigenergie 90 Prozent Wertverlust erleiden. Doch China hat mindestens 50 Billionen Kubikmeter Schiefergas und weicht drauf aus. Während Siemens England bei Ausbleiben finanzieller Dauergaben boykottieren will, bezahlt man in Szechuan Leute aus London für das Erbohren der neuen Schätze. Deutschland und Österreichs Industrielle zahlen derweil für russisches Gas viermal so viel wie ihre US-Konkurrenten für den Schieferstoff.

Jobwunder oder Ökoschmäh? Was sind Green Jobs überhaupt – und halten sie, was manche sich von ihnen versprechen? an denkt spontan an Techniker, die M an neuen Solaranlagen oder Windrädern arbeiten. Nach offizieller Diktion sind

Green Jobs aber alle Arbeitsplätze, die Umwelt und natürliche Ressourcen schonen und schützen sollen. Dazu gehören auch Beschäftigte in der biologischen Landwirtschaft, der Abfallwirtschaft, Wassertechnik oder im ökologischen Tourismus. Die Umweltwirtschaft ist, laut Umweltminister Nikolaus Berlakovich, eine der wichtigsten Zukunftsbranchen: „Ich habe meine Initiative ,Mehr Jobs durch Green Jobs’ 2010 gestartet. Damals waren 185.000 Menschen in Green Jobs tätig, heute sind es bereits 210.000.“ Das Lebensministerium stellt jährlich über 700 Millionen Euro für Maßnahmen zur Verfügung, die in weiterer Folge Green Jobs bringen sollen: Die thermische Sanierung, die Umweltförderung oder die Unterstützung energieautarker Regionen. Berlakovich: „Die Umweltwirtschaft ist mit einem Plus von 7,9 Prozent an Green Jobs das Zugpferd für Beschäftigungsentwick-

„Green Jobs sind oft nicht besonders gut bezahlt und teilweise sogar gesundheitsgefährdend.“ Sven Hergovich, Umweltexperte der AK

lung und erweist sich gegenüber der Gesamtwirtschaft, die nur auf plus 0,6 Prozent Beschäftigte kommt, als Musterschüler.“ Anders sieht man dies bei der Arbeiterkammer und spricht von „Ökoschmäh“. Sven Hergovich, Umweltexperte der AK: „Bei genauerem Blick lässt sich erkennen, dass Green Jobs oft nicht besonders gut bezahlt sind und teilweise sogar gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen aufweisen, wie etwa Lärmbelästigungen oder hohe Unfallgefahr.“ Aspekte der Qualität einer Arbeit blieben also vollkommen unberücksichtigt. Ziel vernünftiger Umweltpolitik sollte es jedoch sein, mit ökologischen Investitionen nicht nur sinnvolle Umweltschutzmaßnahmen durchzuführen, sondern auch Arbeitsplätze, von denen man leben kann, zu schaffen. Ein Vorwurf, der für Berlakovich ins Leere zielt: „Green Jobs gibt es in verschiedensten Bereichen und daher mit unterschiedlichsten Anforderungsprofilen und auf verschiedensten Ausbildungsniveaus, von der Lehre bis zum Hochschulabschluss.“

Mit deren Forcierung steigen laut Berlakovich auch die Angebote zur Aus- und Weiterbildung im Umweltbereich. „Spezielle Tätigkeiten benötigen klarerweise auch spezielle Ausbildungen und höhere Qualifikationen“, sagt der Minister. Für Stephan Schwarzer von der WKÖ sind Green Jobs zwar kein Wundermittel der Beschäftigungspolitik, aber ein Element, um im globalen Standortwettbewerb durch Technologieführerschaften zu bestehen. „Generell brauchen wir hoch qualifizierte und innovative Mitarbeiter, die sich mehr als ihre Wettbewerber auf die Kundenbedürfnisse einstellen und den Kunden ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis über die Lebensdauer der gelieferten Anlagen garantieren.“ Green Jobs seien jedoch nicht die Alternative zu bisherigen Jobs. Vielmehr stünden sie in symbiotischer Beziehung zum Rest der Volkswirtschaft, die ja stark verflochten ist: „Geht es dem einen Bereich der Wirtschaft gut, profitiert auch der andere davon.“

Fotos: Uni Bremen, erwin schuh

Dieter Hönig


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energiewende – oder was?

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Haidingers Hort der Wissenschaft

Grafikkabinett Püribauers Tierversuche

WENDE MACHT „HÄ?“ M a r ti n H ai d i n ge r

orsicht, es folgt das, was Autoren dann tun, wenn sie etwas aufzuarbeiten haV ben, keine Therapiestunden bezahlen wolMartin Haidinger ist Historiker, Wissenschafts­ journalist bei Ö1 und ­Staatspreisträger für Wissenschafts­ journalismus

I l l u st r ati o n : B e r n d P ü r iba u e r

Freihandbibliothek Buchtipps von Werner Sturmberger & Jochen Stadler Therapie für Weltuntergangsjünger

ABC gegen Alternativlosigkeit

Krawumm! – Ein Plädoyer für den Weltuntergang. Florian Freistetter. Ecowin Verlag. 218 Seiten.

ABC der Alternativen 2.0. Ulrich Brand, Bettina Lösch, Benjamin Opratko und Stefan Thimmel (Hrsg.). VSA-Verlag. 352 Seiten.

Anlässlich des bevorstehenden Weltuntergangs lässt der Astronom, Wissenschaftsblogger und Gegner esoterischer Endzeitszenarien, Florian Freistetter, von Atomkernen bis zu Universen so ziemlich alles zusammenstoßen, um anhand von Kollisionen den Kosmos zu erklären. Der Erzählstil ist leger, zahlreiche Episoden lockern die Themen auf. Der Leser lernt die dunkle Seite der Materie kennen, und bei der nächsten Party kann er mit der These beeindrucken, dass der Urknall durch die Kollision zweier Universen entstanden ist.

Nicht erst seit der Finanzkrise sollen Sparmaßnahmen und die Beschränkung von Bürgerrechten mit dem Hinweis auf ihre Alternativlosigkeit umgesetzt werden. Das „ABC der Alternativen“ versteht sich als Glossar von Konzepten, die diese Unausweichlichkeit in Zweifel ziehen. Auf jeweils zwei Seiten beschreiben 170 Autorinnen und Autoren, wie die Welt anders funktionieren könnte. Dabei werden angestammte (Soziale Rechte, Globalisierungskritik) als auch neuere Themen (Occupy, Care Revolution) sozialer Bewegungen behandelt.

Ich koche, also bin ich

Hätten unsere Vorfahren ihre Steaks und Wurzeln nicht über dem Feuer geröstet, würde uns von Menschenaffen außer dem aufrechten Gang wenig unterscheiden, davon ist der Harvard-Biologe Richard Wrangham überzeugt. Er kaut sorgfältig durch, was Kochen mit einem großen Gehirn zu tun hat und warum man von Rohkost kaum leben könnte. Garniert mit der Erkenntnis, dass die Kochkunst der halben Menschheit mehr Freiheiten brachte – und die bessere Hälfte für lange Zeit an den Herd fesselte.

Physik im Schafspelz

Feuer fangen – wie uns das Kochen zum Menschen machte. Richard Wrangham. Deutsche Verlags-Anstalt. 304 Seiten.

Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln. Martin Puntigam, Heinz Oberhummer, Werner Gruber. Hanser Verlag. 296 Seiten.

Die Science Buster haben ihre Begeisterung für Physik gemeinsam in ein zweites Buch geschrieben. Da wird unter dem Deckmantel der Tierliebe den Naturwissenschaften gefrönt. Unterbrochen wird der charmant flapsig vorgetragene Fluss an kuriosen Kleinoden immer wieder von gut aufbereiteten Erklärungen: Wie funktioniert das Gehirn – und warum Lichtnahrung nicht? Das Ganze kann man sich auch von Harry Rowohlt als Hörbuch vorlesen lassen.

len und stattdessen die Leserschaft mit ihren seelischen Entblätterungen in Geiselhaft nehmen: eine Personality-Saga! Folgend in aller Kürze die wichtigsten Energiewenden meines Lebens: 1969: Uncle Sam’s Mondfahrt. Durch den Bauchnabel der Mutter beobachtet der minus 17 Tage alte Martin H. die erste Mondlandung. Die Frage nach Energie stellt man auf der Erde kaum. Letztere säuft erst vier Jahre später in der Ölkrise ab. 1978: Nieder mit Atömchen! Die Energiewende im Hause H. setzt ein, als dem sonst so vornehmen Vater ein Fluch von den Lippen gleitet. Denn die Volksabstimmung ist gegen das fertige Kraftwerk Zwentendorf ausgegangen, und Vater H. hat im kaufmännischen Büro des Staatskonzerns ELIN ein ganzes Jahr lang auf Rechenschieberbasis an der Abrechnung für den Strahlkasten gearbeitet, der nun doch nicht in Betrieb gehen soll. Das gleicht einer persönlichen Beleidigung! Wenn Erwachsene fluchen, beeindruckt das Kinder, und so ist dem neun Jahre alten Martin H. sofort klar, dass die Gegner des Kraftwerks die Guten sein müssen! 1984: Auhirschbalz. Der 14-jährige ­Martin H. will mit Ruck- und Schlafsack in die Hainburger Au ziehen. Die Eltern untersagen es: zu jung, zu grün (hinter den Ohren). Kompromiss: Martin geht im Fasching als Aubesetzer verkleidet. 1990er Jahre: Fossiles. Martin H. erfährt als kleiner Wissenschaftsjournalist erstmals aussagekräftige Details über zur Neige gehende fossile Rohstoffe und fragt sich, warum er seinerzeit gegen das Wasserkraftwerk demonstrieren wollte. 2012: Hä?! Martin H. entfacht maximal ein Lämpchen pro Raum und Tag, löst mülltrennend jedes Papiernöppchen von Kunststoffgebinden, tankt nur jedes vierte statt jedes zweite Mal, atmet schon seit Jahren tabakinhaltsstoffbefreites CO2 aus, schmutzt nicht auf öffentlichen Plätzen, weicht als Fußgänger brav jedem Drahtesel aus, der seinen Körper zu durchqueren droht, und verfällt in mildes Pflichtschmunzeln, wenn er Geschichten vom Dienstauto der Vizebürgermeisterin hört, das angeblich vor ­Presseterminen gegen das Fahrradl ausgewechselt wird. Martin H. macht also alles richtig. Auch die Wendepolitik ist ursuper! Das Parkpickerl und die zeitweiligen Rasenflächen am Ring machen besonders den nicht in BoBo-Jobs tätigen Hacklern eine Riesenfreude, und die reduzierten Sitzplätze in der Straßenbahn werden die Energien von ­Senioren und Fußmaroden so richtig wenden. Bleibt nur eine Frage: Warum begreift Martin H. jetzt weniger als je zuvor …?


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ENERGIEWENDE – ODER WAS?

WERNER STURMBERGER

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Energiewende

laubt man dem Mythos, ist es Prometheus, der den Umgang der Menschen mit Energie maßgeblich verändert hat. Er erstreitet für sie das Feuer, lehrt sie aber auch Ackerbau und Viehzucht – und sorgt damit für die beiden ersten großen Zäsuren in der Geschichte der menschlichen Energienutzung. Während die Menschen als Jäger und Sammler nur passiv die Energieflüsse ihrer Umwelt nutzen können, gehen sie in der Agrargesellschaft dazu über, diese aktiv zu gestalten. Man spricht von einem „kontrollierten Solarenergiesystem“, in dem die Menschen die Reproduktion der Nahrung, vor allem die Photosynthese der Pflanzen und anderer Ressourcen gezielt zu steuern versuchen. Es wird möglich, auf einer begrenzten Fläche einen größeren Teil der Produktivität für die eigene Ernährung zu verwenden. Der Energiedurchsatz pro Kopf der Agrargesellschaften macht bereits ein Vielfaches von jenem der Jäger-und-SammlerKulturen aus. Sie schöpfen gezielt für sich und ihre Nutztiere Energie aus agrarischen und nicht mehr natürlichen Ökosystemen – sie ernten. Dabei müssen sie zwangsweise nachhaltig sein, also ein Gleichgewicht zwischen der Größe der Bevölkerung, der zu deren Ernährung benötigten Agrarflächen und der zur Bewirtschaftung nötigen Arbeitskraft finden.

Energie nutzen, ist ihr Energiedurchsatz pro Kopf gut dreimal so hoch wie der von Agrargesellschaften. Global betrachtet, hielten sich die Energieflüsse von Biomasse und fossiler Energie zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die Waage – der weltweite gesellschaftliche Stoffwechsel hat heute ein viermal so hohes jährliches Volumen erreicht und wird von fossiler Energie dominiert.

Energiewende in Afrika

Wenn sich die Befeuerung der sozialen Konflikte und der Kohlekessel gegenseitig verstärkten, war es den etablierten Kräften der Aristokratie kaum möglich, diesen Konflikt zu ersticken. Der Siegeszug des Bürgertums ging Hand in Hand mit jenem fossiler Energie. „Der Aristokratie mit ihrem Grundbesitz entstand eine bedrohliche Konkurrenz durch die bürgerlichen Kapitalbesitzer. Plötzlich gab es einen gesellschaftlichen Reichtum, der nicht mehr auf der aristokratischen Abschöpfung der Bauernarbeit beruhte“, erklärt Fischer-Kowalski. Den Grundlagen dieses neuen gesellschaftlichen Reichtums sind aber von jeher Grenzen gesetzt. Auf der Inputseite erschöpfen sich die fossilen Energievorkommen, auf der Outputseite die Fähigkeit der Umwelt, Abfälle und Emissionen aufzunehmen. An exakt dieser Stelle befinden wir uns am Beginn des 21. Jahrhunderts.

Mit der Nutzung fossiler Energieträger geht die Notwendigkeit und die Möglichkeit einer solchen Balance und mit ihr die des nachhaltigen Wirtschaftens schrittweise verloren. „Die Energiewende hin zu fossilen Energieträgern beginnt im England des 17. Jahrhunderts und findet in weiten Teilen Afrikas erst jetzt statt. Die Verwendung fossiler Energien in nennenswerten Größen ist dort in vielen Staaten noch am Anfang“, erklärt Marina Fischer-Kowalski, Sozialökologin an der Universität Klagenfurt. Die Auswirkungen dieser Wende illustriert sie am Beispiel Englands: „Mithilfe der Kohle konnte etwa England sein Energievolumen binnen weniger Jahrzehnte vervielfachen, obwohl es noch keine Dampfmaschinen oder eine große Industrie gab.“ Dieses neue, fossile Energiesystem ist aber kein Ersatz für das bestehende, auf Biomasse basierende – es setzt darauf auf. Die Steigerung des fossilen Energieeinsatzes geht mit einer stärkeren Nutzung von Biomasse einher. Durch den Einsatz fossiler Energieträger kann die Produktivität von Agrarökosystemen massiv gesteigert werden. Industriegesellschaften, die viel weniger Brennholz als Agrargesellschaften verbrauchen, weisen im Bereich der Biomasse einen ähnlich hohen Energiedurchsatz auf. Da sie zusätzlich noch fossile

Fossile Energie und Revolution

Die Industrialisierung greift in den gesamten gesellschaftlichen Stoffwechsel ein. „Ich konnte anhand von 15 Ländern zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten zeigen, dass die meisten bürgerlichen Revolutionen immer dann stattfanden, wenn der Anteil fossiler Energie am Primärenergiebedarf einen Anteil von fünf bis sieben Prozent erreicht hatte“, sagt Fischer-Kowalski. Sie illustriert dies so: „In England war das etwa 1640, in China und Indien erst 1949 der Fall. Bei der Französischen Revolution lag man bei vier und 1848 in Österreich bei sechs Prozent.“ In Ländern, in denen Revolutionen stattfanden, hat sich die Anwendung fossiler Energie rasant verbreitet. Dort, wo es keine Revolution gab, wie in Italien oder den Niederlanden, war der Übergang zum fossilenergetischen Regime langsamer.

Der Begriff stammt aus einem 1980 veröffentlichten Bericht des Instituts für angewandte Ökologie in Freiburg. Was aber ist nun mit der Energiewende?

Sieg des Bürgertums über den Adel

Es wird nicht mehr Energie geben

„Der Unterschied zur fossilen Energiewende ist, dass die aktuelle Energiewende keine Vermehrung der gesellschaftlich verfügbaren Energie verspricht“, erklärt Fischer-Kowalski. „Die reichen Industrieländer haben seit der ersten Ölkrise in den frühen Siebzigerjahren ein ziemlich stagnierendes Energieverbrauchsniveau. Man kann mit der ersten Ölkrise eine massive Abflachung der Energieverbrauchskurve feststellen. Wir haben aber eine Umschichtung in Richtung Elektrizität und erneuerbare Energien. Die großen Weltmodelle, die den künftigen Weltverbrauch simulieren, wie zum Beispiel das Global Energy Assessment, gehen von einer Abnahme des Primärenergiebedarfs in den Industrieländern aus.“

Mehr Gaskraftwerke in Europa

Alina Brad,

Übergang zu neuer Energienutzung Politikwissenschaf„Meinem Eindruck nach sind wir an einem Takeoff-Punkt, wo der Umstieg auf erneuerbare Energieträger eine vielleicht sogar unerwartet starke Beschleunigung erfahren wird. Die Preise fossiler Energieträger und aller anderen Naturressourcen haben sich in den letzten zehn Jahren vervielfacht – das schafft neue Rahmenbedingungen“, sagt

Fischer-Kowalski. Auch Reinhard Haas, Energieökonom an der TU Wien und Leiter des Studiengangs „Erneuerbare Energie in Mittel- und Osteuropa“, hält fest: „Wir befinden uns in dieser Transformation. Das ist eine kontinuierliche Entwicklung, vor allem in Europa. Der Anteil der erneuerbaren Energieträger ohne Wasserkraft ist EUweit zwischen 1997 und 2010 von einem auf neun Prozent gestiegen.“ Gleichzeitig weist er auf eine gegenläufige Tendenz in Österreich hin: „Es hatte bereits sehr früh hohe Anteile an Wasserkraft – auch eine erneuerbare Energiequelle. 1990 lag ihr Anteil an der Stromerzeugung bei siebzig Prozent. Im Moment haben wir einen relativ konstanten Anteil von 65 Prozent.“

terin und ÖAW DOCteam- Stipendiatin: „Es ist doch skandalös, wo es doch weltweit hungernde Menschen gibt, Nahrungsmittel zu Treibstoffen zu verarbeiten. “

Bei der Verbrennung von Kohle und Gas zur Stromerzeugung fällt Abwärme an. Nicht so bei den Energiequellen Wind, Wasser und Sonne. Damit kann die verfügbare Nutzenergie stabil bleiben, während der Aufwand an Primärenergie sinkt. „Anders als fossile Energie müssen Wind, Wasser und Sonnenlicht nicht erst abgebaut werden, was sich positiv in den Betriebskosten niederschlägt. Photovoltaik-Anlagen liefern während ihrer Lebensdauer in etwa das 25-fache der Energie, die ihre Herstellung verursacht. Bei Windenergie liegt dieser Wert sogar zwischen einem Faktor von fünfzig bis hundert, was einer Amortisierungsdauer von knapp einem Monat entspricht“, erklärt Reinhard Haas. Die künftige Entwicklung schildert er so: „Im Strombereich wird es keine dramatischen Veränderungen geben – der Stromverbrauch wird weiterhin steigen. Wir werden mehr Strom aus erneuerbarer Energie haben, aber das ist limitiert, da ich nicht zu jeder Zeit rund um die Uhr Photovoltaik und Windstrom habe. Im europäischen Raum wird daher längerfristig die Notwendigkeit bestehen, Gaskraftwerke zu betreiben, um


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– oder was? Ausfälle bei erneuerbaren Energien kurzfristig zu ersetzen.“

„Wir hatten letztes Jahr ungefähr 350.000 Fahrzeugneuzulassungen, in etwa 600 davon waren Elektroautos. Bis 2020 werden wir vielleicht ein Prozent der Neuzulassungen erreichen“, sagt Reinhard Haas.

Raus aus der Stadt – und die Folgen

Größere Veränderungen erwartet sich Haas im Bereich der Mobilität. Durch Größe und Gewicht der Autos wurde wesentlich mehr an zusätzlicher Energie verbraucht, als man durch Effizienzsteigerungen einsparen konnte. „Menschen, die aus der Stadt in die Vororte gezogen sind, geraten durch die steigenden Energiepreise in eine unangenehme Position“, erklärt Hermann Knoflacher, Verkehrsplaner an der TU Wien. Die Zerschlagung kleinräumlicher Strukturen habe zu einem Anwachsen der Wegstrecken und zu einer Mehrnutzung von Autos geführt. Erschwerend kommt hinzu, dass beim Auto erneuerbare Energieträger so gut wie keine Rolle spielen. Eine zehnprozentige Beimischung von Agrartreibstoffen wäre nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. „Und so illusorisch wie wenig nachhaltig“, erklärt die Politikwissenschafterin Alina Brad: „Um das Beimischungsziel von zehn Prozent zu realisieren, würde man auf dem gegenwärtigen Level des Verbrauchs fossiler Energieträger ein Drittel der landwirtschaftlichen Flächen Europas benötigen.“

Fotos: Privat (3), pilo pichler

Treibstoff aus Pflanzen – Unsinn

Verlagert man die Agrartreibstoffproduktion in die Länder des Südens, verdrängt sie entweder den Nahrungsmittelanbau oder führt zur Rodung von Wäldern oder Trockenlegung von Mooren, was eine enorme Kohlendioxidfreisetzung bewirkt. Beim Anbau kommen Dünge- und Pflanzenschutzmittel zum Einsatz, die wie die Weiterverarbeitung der Pflanzen fossile Energieträger benötigen. Die Länder des Südens tragen mit der Ausbeutung ihrer Ökosysteme noch stärker zur Aufrechterhaltung oder Schaffung eines fossilen Lebensstils in den Industrieländern bei und geraten vermehrt in deren Abhängigkeit. „Pflanzen, die als Nahrung dienen, für die Produktion von Treibstoff zu benutzen, kann nicht nachhaltig sein. Ich denke, in fünf bis zehn Jahren werden die Agrartreibstoffe, die wir heute kennen, in Europa nicht mehr subventioniert und daher keine Relevanz mehr haben. Der Trend der Biomasseverflüssigung geht in Richtung Algen, Stroh und Abfallstoffe, die sogenannten Biotreibstoffe der zweiten Generation“, sagt Alina Brad. Nicht viel besser ist es um unsere Chancen bestellt, das gegenwärtige Niveau individueller Mobilität mit Elektrizität zu bestreiten. Elektroautos leiden nicht nur unter ihren finanziellen und ressourcenintensiven Herstellungskosten, sondern vor allem an ihrer zahlenmäßigen Bedeutungslosigkeit:

Marina FischerKowalski, Sozialökologin, IFF Wien: „Ich glaube, eine Energiewende hat die Chance, zu mehr Dezentralität, sozialer Gerechtigkeit und Demokratie ­beizutragen, aber ob diese Chance realisiert wird, hängt von einer Menge Umstände ab.“

Reinhard Haas, Energieökonom, TU Wien: „Energetisch leben wir im Moment einfach über unseren Verhältnissen. Vor allem auch deshalb, weil Energie billig ist.“

Anna Heringer, Architektin, TU Wien: „Der Trend geht nach wie vor dazu, Prozesse zu automatisieren und menschliche Arbeitskraft zu marginalisieren, statt ihr einen höheren Stellenwert zu geben.“

Strukturwandel beim Verkehr

Als gangbaren Weg, den Energieverbrauch im Bereich Mobilität zu reduzieren, beschreiben Reinhard Haas und Hermann Knoflacher die innerstädtische Verringerung von Parkplätzen und den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel. Zentrales Moment dabei sind aber die Spritpreise. Dass diese stetig steigen werden, gilt den beiden als unausweichlich. Dass hohe Treibstoffpreise ein wirksames Mittel sind, um den Individualverkehr einzudämmen, haben die beiden Ölpreiskrisen bewiesen. Reinhard Haas hält dabei folgendes Szenario für sehr wahrscheinlich: „Im Verkehrsbereich wird es in dem Moment einen Strukturwandel geben, da Diesel und Benzin so teuer sind, dass es weh tut. Das heißt nicht einmal, dass sich die Effekte der Globalisierung so besonders stark abschwächen werden, sondern einfach nur, dass nicht notwendiger Transport vermieden wird.“ Die Frage ist, ob man diese Preissteigerung aktiv und politisch herbeiführt oder passiv vom Markt diktieren lässt.

Energiesparen im Wohnbereich

Im Bereich des Wohnens und Heizens stagniert der Energiebedarf trotz steigender Wohnflächen pro Kopf. Es gibt aber auch hier noch viel brachliegendes Einsparungspotenzial, etwa durch Wärmedämmung und energieeffiziente Baumaterialien. Anna Heringer ist Architektin an der TU Wien und beschäftigt sich mit Lehm. Ungebrannt weist er eine hervorragende Energiebilanz auf und ist praktisch endlos recyclingfähig – zum Vergleich: Stahlbeton ist nur mit hohem Qualitätsverlust recyclingfähig und in seiner Herstellung äußert energieintensiv. Bei ihrer Arbeit hält sie sich an folgende Formel: „Lokale Ressourcen, also Wissen, Materialen und Handwerker so gut wie möglich in Verbindung mit modernen technischen Errungenschaften nutzen. Ich versuche immer, auf eine gute Balance von Low- und High-Tech zu achten. Das Ganze muss natürlich durch einen guten Entwurf veredelt werden, um so für Akzeptanz bei den Menschen zu sorgen.“

Lehmhäuser mit Solaranlagen

Dieses Konzept verfolgt sie dabei nicht nur hierzulande: In Bangladesch hat sie Lehmhäuser mit Solaranlagen ausgestattet. Das ist günstiger, als ein Stromnetz anzulegen. Auch Marina Fischer-Kowalski berichtet davon, dass erneuerbare Energien in ärmeren Gebieten, wie in indischen Berg-

dörfern nahe Nepal, auf hohe Akzeptanz stoßen. Dort bieten sie nicht nur eine vergleichsweise stabile, dezentrale Energieversorgung, sondern auch Berufsmöglichkeiten: „Hätten die Kinder eine Ausbildung mit Zukunft, würden viele indische Frauen mit Freude weniger Kinder bekommen. Die Familien könnten es sich ja nur dann leisten, Kinder in die Schule zu schicken, wenn sie weniger Kinder bekommen. Diese Verlangsamung des demografischen Wachstums ist natürlich für die Nachhaltigkeitsfrage essenziell.“

Wir sind komplett Banana

Hierzulande scheitern Projekte nicht nur an finanziellen oder politischen Barrieren, sondern auch am Widerstand der Anrainer, wie Reinhard Haas ausführt: „Build Absolutely Nothing Anywhere Near Anybody – BANANA. Es gibt massiven Widerstand gegen Trassen für Leitungen, um die Netze fit für erneuerbare Energien zu machen, aber auch der Widerstand gegen Windkraftanlagen nimmt zu.“ Kein gutes Zeichen, denn die Energiewende im gegenwärtigen Tempo wird nicht ausreichen, um den Klimawandel zu bremsen. „Diese Prozesse geschehen, aber nicht in einem Tempo, das es erlauben würde, unser Klima zu stabilisieren. Das bedeutet, dass wir, abgesehen von erheblichen Knappheitsproblemen, auch vermehrt mit Katastrophen konfrontiert sein werden“, fasst Marina Fischer-Kowalski die gegenwärtige Entwicklung zusammen.

Wir müssen unser Leben ändern

Die Begrenzung der Klimaerwärmung auf unter zwei Grad, was laut dem internationalen Klimabeirat IPCC notwendig ist, um Katastrophen zu vermeiden, kann nur gelingen, wenn der Verbrauch der Industrieländer sinkt. Jener der sogenannten Emerging Economies steigt jedoch noch drastisch an. Dort beginnen sich jene Konsummuster auszubreiten, die hier allmählich abklingen: motorisierter Individualverkehr, massive Bautätigkeit und hoher Fleischkonsum. Steigender Verbrauch bedeutet aber auch steigende Nachfrage nach fossilen Energieträgern und vermehrte Konkurrenz im Zugang zu diesen. Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass dies bewaffnete Konflikte nicht ausschließt. Für Alina Brad hat die Diskussion um die Energiewende daher ein großes Defizit: „Man geht immer davon aus, dass wir mehr Energie brauchen und daher mehr Energie heranschaffen müssen. Die Veränderung des Lebensstils, um weniger Energie zu verbrauchen, wird dagegen kaum debattiert.“ Eine Debatte, die ohne Diskussion des Wachstumsimperativs nicht zu haben sein wird. Ob sich Politik oder Wirtschaft daran wagen?


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energiewende – oder was?

Zwölftausend Weltraumtouristen pro Jahr Patricia Ziegler

hätten mit dem Energieverbrauch von 2010 per Spaceshuttle in den Weltraum geschossen werden können. Ein paar sehr große Zahlen zur Energiewende

Der Atomausstieg Japans und wie das Atom ersetzt werden soll

Auch noch im Sommer 2012 hielt man in Japan den Energiesparkurs aufrecht und blieb nicht ohne Grund der Atomenergie gegenüber kritisch. Wurde 2010 noch pro-

„Vor allem das Wachstum, insbesondere bei Windund Solarenergie sowie bei Elektroautos hilft.“

Deutschland und Australien, erhalten“, sagt der Stanford-Universitätsprofessor Mark ­Jacobson. „Wir hoffen, dass sich diese in positive Änderungen der Energieinfrastruktur in den nächsten zwei Jahren übersetzen, obwohl wir doch erkennen, dass es nicht so einfach sein könnte. Vor allem das Wachs-

Öl und Kohle sind nach wie vor Trumpf – doch wie lange noch?

„Bei der Photovoltaik ­wartet man seit 60 Jahren auf den Durchbruch, aber der kommt nicht.“

Die Statistik zeigt schon auf den ersten Blick, dass die Hauptquelle des Energiemarkts nach wie vor Öl und Kohle sind. Zusammen lieferten sie im Jahr 2010 51 Prozent der Energieversorgung, gefolgt von natürlichem Gas mit 15,2 Prozent, Biosprit und Müll mit 12,7 Prozent sowie Nuklearenergie und Hydroenergie mit 17,7 Prozent. Schlusslicht bilden die Wind-, Solar- und geothermalen Energiequellen mit 3,4 Prozent. Die drohende Knappheit an fossilen Brennstoffen wird uns in näherer Zukunft dazu drängen, diese Zahlen gehörig zu verändern. Nur, in welche Richtung?

Zahlenspiele für die Energieerzeugung der Zukunft

Mark Jacobson, Sta n f o r d u n i v er s i t y

phezeit, dass die Kernenergie im Jahr 2030 45 Prozent des Strombedarfs in Japan decken wird, sah man dies nach der Katastrophe anders. Schließlich gab Japan im September 2012 seinen Atomausstieg bekannt. Bis 2030 möchte man die grellen Lichter der japanischen Megametropolen mit einem Mix aus erneuerbarer Energie, Thermal-Kraftwerken und Energiespeicherkomponenten leuchten lassen.

Saubere Energie und weltweiter Energieverbrauch

Mark Jacobson, Stanford University, Die Idee einer vollkommen von „sauberer“ USA: Energie betriebenen Welt erscheint man- „Wir hoffen, dass sich diechen Menschen so unmöglich wie das Per- se in positive Änderungen petuum mobile. Energieerzeugungsarten der Energieinfrastruktur ohne umweltschädigende Emissionen wer- in den nächsten zwei den zwar ernst genommen, schafften es je- Jahren übersetzen.“

doch bis heute nie, über einen relativ kleinen Anteil am weltweiten Energieeinkommen hinauszukommen. Ist die viel besprochene Energiewende möglich? Blickt man auf den weltweiten Energieverbrauch, stehen einem schier unfassbar große Zahlen vor Augen. Die International Energy Agency veröffentlichte in ihrer „Key World Energy Statistics 2012“ für den Energieverbrauch der Menschenwelt einen Wert von 8677 Megatonnen für das Jahr 2010. Diese Megatonnen Öleinheiten bedeuten einen Wert von 363,3 Exajoule

­ eziehungsweise 11,5 Terawatt, was eib ner Explosionsstärke von rund 87 Milliarden Tonnen TNT entspricht und genügend Energie bietet, um 960 Space Shuttles in den Weltraum zu katapultieren. Das wären grob gerechnet zwölftausend Weltraumtouristen pro Jahr auf der neuerdings sogenannten „Baumgartner Höhe“.

2030 soll nicht nur Japan auf neue Energie umsteigen. Die Wissenschafter Mark Delucchi von der University of California und Mark Jacobson von der Stanford University sind sogar der Meinung, eine Möglichkeit der globalen Umsetzung der Energiewende gefunden zu haben. In ihrer zweiteiligen wissenschaftlichen Veröffentlichung “Providing all global energy with wind, water, and solar power” wollen die amerikanischen Forscher uns vorrechnen, wie es gehen könnte. In Zahlen ausgedrückt, soll die Erde im Jahr 2030 mit folgenden Energieerzeugern versorgt werden: Mit 3.800.000 5-Megawatt-Windturbinen, mit 49.000 300-MW-Sonnenwärmekraftwerken, mit 40.000 300-MW-Photovoltaik-Solar-Kraftwerken, mit 1,7 Milliarden 3-KW-Photovoltaiksystemen am Dach, mit 5.350 100-MW-GeothermalKraftwerken, mit 270 neuen hydroelektronischen Kraftwerken zu je 1300 MW, mit 720.000 0.75-MW-Wellenkraftwerken und mit 490.000 1-MW-Gezeitenkraftwerken.

Die Veränderung der Energieinfrastruktur

Franz Wirl, Universität Wien: „Die Vorstellung, es gehe für immer so weiter und dann auch noch mit billiger, sauberer Energie, ist mehr als fahrlässig.“

Berücksichtigt wurden dabei nur Technologien und Methoden, die aktuell bekannt sind. Die Forscher achteten bei der Auswahl der Energiequellen auf die geringstmögliche Freisetzung von Schadstoffen und ­Treibhausgasen – sowohl bei Betrieb als auch bei Herstellung und Stilllegung von Kraftwerken. „Wir haben für die Konzepte, die wir in diesen Papieren beschreiben, eine Welle der Unterstützung von vielen Seiten, darunter

Fr anz Wirl , u n i v er s i t ä t W i e n

tum, insbesondere bei Wind- und Solarenergie sowie bei E-Autos hilft. Die Wahrnehmung der Menschen zu diesen Technologien wurde dadurch schon ­erheblich verändert.“

Wind und Sonne sollen die nötige Energie liefern

Die Wissenschafter aus Stanford sehen in Wind- und Sonnenkraft die wichtigsten Quellen. So wäre die Energiegewinnung von 40 bis 85 Terawatt durch Windkraftanlagen und von 580 TW durch Solaranlagen möglich – auch unter Berücksichtigung von Naturschutzgebieten, ungünstigen Standorten, Meeren und hoch gelegenen Gebieten wie Bergen. Wellen- und Wasserkraftwerke sind zwar in heutiger Zeit die großen Energiebringer, ihre möglichen Standorte sind jedoch wie die der Geothermalwerke beschränkt. Sie bieten weniger Ausbaumöglichkeiten als andere nachhaltige Systeme. Die Haken dabei? Beschaffungskosten und Politik. Stattliche 100 Billionen(!) Dollar würde das gesamte Projekt kosten. Sie sollen durch den Stromverkauf amortisiert werden. Außerdem gibt es bei der Beschaffung von manchen Rohstoffen wie Seltenen Erden, etwa Neodym für Windräder, Probleme. Ein großangelegter Recyclingplan wäre nötig. Franz Wirl, Professor für Industrie, Energie und Umwelt an der Universität Wien, steht dem Konzept mehr als skeptisch gegenüber. „Momentan lebt die erneuerbare Energie nur durch Förderungen. Doch sobald sich herausstellt, dass ein Produkt nicht mehr als Nischenprodukt gilt, ist es einfach nicht mehr finanzierbar. Sehen Sie sich die Photovoltaik an. Man wartet noch immer auf den großen Durchbruch, aber der kommt nicht. Da hat sich seit 60 Jahren nichts Neues getan.“ Wirl findet das versprochene Heile-WeltSzenario aus erneuerbarer Energie „hanebüchen“: „Diese Vorstellung, es gehe für immer so weiter und dann auch noch mit billiger, sauberer Energie, ist mehr als fahrlässig. Tatsächlich müssen wir einfach anfangen, kürzer zu treten.“

Foto: w w w.or ang e- foto. at 20 09, pr i vat

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ls Japan durch das schreckliche Tōhoku-Erdbeben vom März 2011 die Kernkraftwerke in Fukushima abschalten und weitere Kraftwerke im Land kurzzeitig stilllegen musste, wurden 45 Millionen Menschen neben den katas-trophalen Ereignissen mit einem weiteren Problem konfrontiert: einer akuten Energieknappheit. Den Japanern wurde schmerzlich bewusst, dass ihr hochtechnologisiertes Land eine Unmenge an Strom verschlingt. Und plötzlich war dieser scheinbar so selbstverständliche Strom nicht mehr ausreichend vorhanden.


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Die Energiewende sind wir alle, oder nicht? Jochen Stadler

Der Schwund an Ressourcen wird keine Energiewende bringen, meinen Experten. Nur politische und gesellschaftliche Entscheidungen können sie herbeiführen

Genügende fossile Ressourcen für einen enormen Klimawandel

CO2 in der Atmosphäre? Das ist doch praktisch egal!

Der US-Forscher zeigt sich im Interview weniger besorgt über CO2-Ausstoß und Klimawandel als die Verknappung fossiler Brennstoffe: „Ich sorge mich auch um die Umwelt. Aber ich denke, dass die Energiekrise uns früher erreichen wird als die Klimakrise.“ Für Laughlin geht es in der Klima-Energie-Diskussion daher weniger darum, die Erde zu retten, als darum, seine Urenkel vor einem Krieg zu bewahren. Den CO2-Ausstoß zu bremsen, rette die Erde ohnehin nicht, so seine Prognose. Selbst eine weltweite CO2-Reduktion würde die Probleme bloß verzögern: „Wenn wir den CO2-Ausstoß um 20 Prozent vermindern, wird es einfach 20 Prozent länger dauern, bis alles Erdöl verbrannt und die gleiche Menge CO2 in die Atmosphäre ausgestoßen ist“, erklärt er. In der Zeitrechnung der Erde bedeute das gar nichts. Gelegentlich mache es ihm auch Freude, darauf hinzuweisen, „dass CO2 eigentlich das einzige Abfallprodukt der Menschheit ist, das nicht giftig ist“.

CO2 in der Atmosphäre? Gar nicht egal, sondern giftig!

Dies kann Arnulf Grübler vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien ganz und gar nicht nachvollziehen: „Ich bin über CO2 in der Atmosphäre extrem besorgt.“ CO2 sei keinesfalls ungiftig – und zu hohe Konzentrationen könnten töten, „wie jeder Weinbauer weiß“. Das Ausmaß und der Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre seien derart hoch und erfolgen so rasch, dass es in der Erdgeschichte dazu keine Parallelen gibt. Die Idee, dass die Knappheit fossiler Ressourcen dem CO2-Anstieg in Zukunft eine natürliche Grenze setzt, findet er absurd. „Das Problem an den fossilen Ressourcen ist ja, dass sie in überreichem Ausmaß vorhanden sind, gemessen an der Fähigkeit der Atmosphäre, Schadstoffe wie CO2 aufzu-

nehmen.“ Die Atmosphäre enthält gegenwärtig rund 800 Milliarden Tonnen Kohlenstoff als CO2, was bereits eine globale Erwärmung verursacht, erklärt Grübler. Wolle man diese unter zwei Grad Celsius halten, dürfen nicht mehr als 1000 Milliarden Tonnen über die nächsten 100 Jahre in die Atmosphäre gelangen. „Die jederzeit verfügbaren fossilen Energiereserven entsprechen derzeit jedoch rund 2000 Milliarden Tonnen. Das gesamte geologische Reservoir fossiler Energie beträgt bis zu 30.000 Millarden Tonnen“, so Grübler. Auch wenn davon nur ein Bruchteil jemals gewinnbar sein wird, wären die Mengen an CO2, die potenziell freigesetzt werden könnten, derart enorm, „dass wir uns mögliche Klimaauswirkungen gar nicht vorstellen können“.

Arnulf Grübler, Internationales Institut für angewandte Systemanalyse IIASA, Laxenburg: „Ich bin über CO2 in der Atmosphäre extrem besorgt.“

Helmut Haberl, Wiener Institut für Soziale Ökologie der Alpen-AdriaUniversität „Welche Lebens- und Wohlstandsmodelle kann es jenseits der ­quantitativen Vermehrung von Produkten aller Art geben?“

Helmut Haberl vom Wiener Institut für Soziale Ökologie der Alpen-Adria-Uni ist überzeugt, dass in der Erdkruste genug fossiles Material lagert, um einen ungemütlichen Klimawandel auszulösen. Seiner Einschätzung nach „ist die Aufnahmekapazität der Atmosphäre für die Verbrennungsprodukte eine viel drastischere Grenze als die Verfügbarkeit von Brennmaterial“. Konventionelle Quellen, also leicht förderbares Erdöl und Erdgas, würden zwar knapp, aber neben Kohle seien unkonventionelles Öl und Gas reichlich vorhanden, etwa Teersande, Ölschiefer und riesige Lagerstätten von Methanhydrat (Methan, das in erstarrtem Wasser gebunden ist), welches am Ozeanboden unter hohem Druck und niedrigen Temperaturen zu finden ist. „Diese Quellen sind aber nicht nur wegen der Klimaerwärmung problematisch“, erklärt Haberl. „Es ist auch nicht besonders energieeffizient, sie zu gewinnen.“ Auch wären mögliche Auswirkungen auf die Umwelt zu bedenken.

Der Selbstvermehrungszwang des materiellen Besitzes

Statt jede mögliche Energiequelle auszubeuten, solle man vielleicht besser überlegen, ob man das derzeitige Wachstum überhaupt aufrechterhalten kann: „Aus meiner Sicht ist es sehr wichtig darüber nachzudenken, welche Lebens- und Wohlstandsmodelle es jenseits der quantitativen Vermehrung von Produkten aller Art geben kann.“ Es würde oft unterschätzt, welchen Selbstvermehrungszwang die Anhäufung von materiellem Besitz erzeugt.

Infrastrukturentscheidungen beeinflussen Millionen

„Wenn man etwa Infrastrukturen baut, auf denen man Auto fahren kann, dann werden die Leute auch mehr Auto fahren. Das bringt einen Zwang, mehr Infrastrukturen dafür zu bauen“, erklärte Haberl. Er glaubt nicht, dass ein Appell an das schlechte

­ ewissen und „du musst, du sollst“-StrateG gien die Probleme lösen können. Die öffentliche Hand könne die Richtung etwa durch ihre Ausgaben und die Infrastrukturpolitik vorgeben. „Ob man Flughäfen und Autobahnen baut oder Bahnlinien und den öf„Wenn wir den CO2-Ausstoß

um 20 Prozent vermindern, wird es einfach 20 Prozent länger dauern, bis alles Erdöl verbrannt ist.“

R o b e r t B . L a ug h l i n p h y s i k N o b el p re i s tr ä g er , U S A

fentlichen Nahverkehr fördert und wie man die Tarife gestaltet, sind zentrale Fragen“, meint Haberl. Denn von diesen Infrastrukturentscheidungen hingen die Entscheidungen von Millionen von Konsumenten ab. „Es macht einen riesigen Unterschied, ob man so wohnt, dass man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den Öffis einkaufen und zur Arbeit fahren kann, oder ob man nur mehr mit einem Auto existieren kann.“

Können Regierungen die Wirtschaft kontrollieren?

Haberl sieht jedoch schon Veränderungen: „Ich habe den Eindruck, dass die Einführung eines anderen Tarifsystems in Wien in Verbindung mit den hohen Spritpreisen einiges bewirkt hat. Schon allein, dass man in den Medien liest, dass aus einigen Straßenbahnen die Sitze herausgeschraubt werden, nur damit die Leute überhaupt hineinpassen, ist für mich eine gewisse Evidenz, dass sich da durchaus etwas tut“, sagt er. Laughlin sieht in Europa aber eher leere Züge und Staus auf der Autobahn: „Als ich ein Kind war, prahlten die Leute in Europa, dass sie diese dreckigen Autos nicht bräuchten, denn sie hätten ein zivilisierteres, besser funktionierendes Eisenbahnnetz. Das Eisenbahnnetz war auch nicht schlecht. Aber die Leute wollten trotzdem alle ein Auto haben. Vor Kurzem war ich am Bodensee. Die Autobahnen, die ich dort sah, waren voll und die Züge fast leer.“ Daraus habe er gelernt, dass es wirtschaftliche Kräfte gebe, die selbst die besten Regierungen nicht ganz kontrollieren könnten, meint Laughlin. Grübler nimmt Gesellschaft und Politik in die Pflicht: „Eine Energiewende in Richtung effizienterer Energienutzung und weniger Abhängigkeit von fossiler Energie ist eine politische und soziale Entscheidung und muss, wenn sie erfolgreich sein soll, freiwillig erfolgen“, erklärt er. Der notwendige Zeitpunkt sei jetzt. „Wenn Klimaveränderungen so große Auswirkungen haben, dass sie einen Energieumstieg quasi erzwingen, ist es ohnehin schon zu spät, eine Energiewende einzuleiten.“

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erden die fossilen Brennstoffe knapp, beginnen die Menschen darum zu kämpfen“, ist der amerikanische Physik-Nobelpreisträger R ­ obert B. Laughlin überzeugt. Daher hält er die Energiekrise für gefährlicher als die Klimakrise. Nebenbei habe er eine „verrückte Freude“ daran, auf die Unbedenklichkeit von CO2 hinzuweisen. Eine Einschätzung, die österreichische Experten nicht teilen. Laughlin wurde 1998 für seine Forschung in der Quantenphysik mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Nun hat sich der US-Forscher wirtschaftlichen und politischen Fragen gewidmet. Seine umfangreiche und mit vielen Daten gefütterte Analyse und mögliche Zukunftsszenarien beschreibt er in seinem Buch „Der Letzte macht das Licht aus: Die Zukunft der Energie“.


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Energiewende: Das Glossar Energie kann man physikalisch weder verbrauchen noch erneuern, aber praktisch sehr schnell verpulvern Jochen Stadler

Bioenergie

stammt aus nicht-fossiler Biomasse. Wird vermutlich keinen wesentlichen Beitrag zur Energiewende leisten, weil sie im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energiequellen oft mit höheren Treibhausgasemissionen und Umweltbeeinträchtigungen verbunden ist. Ihr Scherflein kann sie aber gut und gern beitragen, etwa, wenn man Mist und Gülle aus der Tierhaltung, Lebensmittelabfällen und Pflanzenresten zur Energiegewinnung verwendet.

e­ ffizient. Schlägt nicht Jevons’ Paradoxon zu, kann man so Energie sparen. Dies erreicht man aber auch durch Mäßigung – etwa, in dem man die Heizung bewusster reguliert oder weniger mit dem Auto fährt.

Biogas

Erdwärme/Geothermie

kann aus Fäkalien der Nutztiere gewonnen werden; dabei entsteht nebenbei hochwertiger Dünger und die Emissionsvermeidung des Treibhaus­ gases Methan. Allerdings wird dazu häufig extra Biomasse angebaut und die Energie daraus mit Verlusten in Strom umgewandelt. Biokraftstoff

Biodiesel und Bioethanol, die nicht aus ökologischer Landwirtschaft stammen, sondern bloß aus Biomasse hergestellt werden. Zunächst als Treibstoffe der Zukunft gepriesen, werden sie heute wegen der Konkurrenz zu Lebensmitteln und ihrer nicht ganz so tollen Klimabilanz stark kritisiert. E5/E10

Kraftstoffe für Benzinmotoren, die fünf oder zehn Prozent Bioethanol enthalten. E5 ist in Österreich gängig, und auch E10 kann von den meisten Benzinautos problemlos verwendet werden. Er sollte helfen, eine EURichtlinie umzusetzen, nach der im Jahr 2020 mindestens zehn Prozent der Energie im Verkehr aus erneuerbaren Quellen stammen sollen. Weil jedoch Bioethanol mit Nahrungsmitteln konkurriert, geriet E10 unter Beschuss und wurde nicht, wie zunächst angekündigt, am 1. Oktober 2012 in Österreich eingeführt. Energie

kann man physikalisch weder verbrauchen noch erneuern, aber praktisch sehr schnell verpulvern. Davon weiß jeder ein Lied zu singen, dem schon einmal auf der Bundesstraße das Benzin ausgegangen ist, oder der beim Radfahren fast seinen kompletten Blut­zucker verbraucht hat. Energieeffizienz

bringt etwa eine Gefriertruhe ihren Inhalt mit minimalem Energieaufwand zum Gefrieren, dann ist sie sehr

Energiewende

Abkehr von fossilen Energieträgern und nuklearen Brennstoffen zu erneuerbaren Energieträgern und einer nachhaltigen Energieversorgung. Rund 99 Prozent unseres Planeten sind heißer als 1000 Grad Celsius; gerade einmal auf der Oberfläche herrschen für uns Menschen annehmbare Temperaturen. Die Hitze stammt teilweise aus der Erdentstehung, teilweise aus radioaktivem Zerfall in ihrem Inneren und den Gezeitenkräften des Mondes, welche die Erde verformen. Durch Wärmeleitung sowie Gas- und Flüssigkeitsströme steigt die Hitze beständig aus tieferen Schichten zur Oberfläche und kann zum Heizen, Kühlen und zur Stromerzeugung genutzt werden. Mit oberflächennaher Erdwärme kann man etwa einzelne Gebäude klimatisieren; tiefere Quellen zapft man für Kraftwerke an. In Österreich sind derzeit drei Erdwärmekraftwerke in Betrieb und zwei weitere in Bau. Erneuerbare Energie

Energieträger, die der Menschheit mehr oder weniger uneingeschränkt zur Verfügung stehen oder zumindest so schnell nachwachsen, wie sie verbraucht werden. Ihre Quellen sind Sonne, Erdwärme und Mond. Man kann sie als Windenergie, Biomasse, Wasserkraft, direkte Sonnenenergie, Erdwärme und Meeresenergie gewinnen, aber auch durch Müllverbrennung. Fossile Energie

de, bei Ebbe das ausfließende Wasser die Turbinen an. Sie wandeln so die Anziehungskraft des Mondes und der Sonne in Strom um. Man schätzt, dass jedoch nicht mehr als 100 Buchten weltweit dafür infrage kommen. Außerdem stören sie die lokale Fischwelt. Globales Ölfördermaximum / Oil Peak

Der Punkt, an dem weltweit das meiste Öl gefördert wird. Danach geht es bergab, sowohl mit der Ölgewinnung als auch vermutlich mit der Wirtschaft, die derzeit auf Wachstum angewiesen ist. Nach Ansicht vieler Experten ziemlich zeitnah, vielleicht sogar schon passiert.

Sonnenenergie

Die Sonne sendet mehr als fünftausend Mal so viel Energie zur Erdoberfläche, als die Menschheit braucht. Direkt kann sie genützt werden durch Sonnenkollektoren, die Wärme gewinnen, und Solarzellen, die Strom erzeugen. Oder indirekt über Biomasse, Windund Wasserkraft. Tortilla-Krise

Die Energiemenge, die von der Erzeugung bis zur Entsorgung für ein Produkt benötigt wird. Für eine Tafel Schokolade etwa 2,5 Kilowattstunden (kWh), für ein Falter Heureka 7 kWh, einen PC 3000 kWh und ein Auto um die 20.000 kWh (umgerechnet 80 Falter-Jahresabos).

Durch steigende Mais- und damit Tortillapreise ausgelöste Massendemonstrationen in Mexiko 2007, gleichzeitig mit Hungeraufständen in anderen Ländern. Für den damaligen sprunghaften Anstieg der Grundnahrungsmittelpreise wurde auch die gesteigerte Verwendung von Mais zur Treibstoffherstellung für verantwortlich gehalten. Missernten und Dürren sowie Spekulationsgeschäfte an den Warenbörsen waren daran wohl auch nicht unbeteiligt.

Jevons’ Paradoxon / Rebound Effekt

Unkonventionelles Öl

Graue Energie

Je effizienter man einen Rohstoff nutzen kann, umso mehr wird er verwendet, da sich neue Möglichkeiten eröffnen, fand der Engländer William Stanley Jevons vor etwa 150 Jahren heraus. Er hatte beobachtet, dass neue Dampfmaschinen zwar weniger Kohle brauchten, der Gesamtverbrauch aber weiter stieg. Heute werden etwa spritsparendere Autos durch mehr Verkehr überkompensiert. Konventionelles Öl

Billiges, rasch verfügbares Erdöl aus Bohrlöchern, das aber bald seinen Höhepunkt in Form des globalen Ölfördermaximums überschritten haben wird. Macht derzeit etwa 95 Prozent aus.

In Form von Kohle, Torf, Erdöl und Erdgas gespeicherte Sonnenenergie aus Urzeiten, die damals von Pflanzen in Biomasse umgewandelt wurde und manchmal den Umweg über Tiere nahm. Wird in der Regel durch Verbrennung genutzt und deckt zurzeit mehr als drei Viertel des weltweiten Energiebedarfs.

Kurve

Gezeitenkraftwerke

Der wirtschaftliche Wert eines Produkts geteilt durch seine Auswir­kungen auf die Umwelt. Muss man etwa für die Herstellung eines Gebrauchsgegenstands weniger Material oder Energie

werden in Meeresbuchten errichtet und fangen die Gezeitenströmungen des Meeres mit einem Staudamm auf. Bei Flut treibt das einströmen-

verwenden, ­entstehen dabei weniger Schadstoffe; ist er leichter recycelbar, so steigt seine Ökoeffizienz.

Richtungsänderung des Weges. Um auf der Straße oder bei der Energieversorgung nicht aus der Kurve zu fallen, muss man rechtzeitig bremsen und einlenken. Zumindest im Straßenverkehr hat es meist schmerzhafte Folgen, wenn man darüber hinausschießt. Ökoeffizienz

Seine Förderung aus Ölschiefer, Teersand und die Umwandlung aus Kohle sind im Gegensatz zum konventionellen Erdöl teuer, zeit- und energieaufwendig und umweltschädlich. Lohnt sich jedoch langfristig finanziell durch die steigenden Ölpreise. Wasserstoffantrieb

Wasserstoff kann in Verbrennungsmotoren und -turbinen verwendet werden und hinterlässt dabei sauberere Abgase als Benzin oder Diesel. Noch umweltfreundlicher sind Brennstoffzellen, in denen sich Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser verbinden und dabei elektrischer Strom erzeugt wird. Allerdings gibt es auf der Erde keine natürlichen Wasserstoffvorräte, er wird derzeit größtenteils mit fossiler Energie hergestellt. Allerdings forscht man daran, ihn durch natürliche Fotosynthese oder künstliche Katalysatoren mit Lichtenergie zu gewinnen. Wende

Ob beim Schwimmen oder Segeln, nach einer Wende fährt man immer in die entgegengesetzte Richtung. Bei einer Energiewende würde man demnach, anstatt das Klima mit fossilen Brennstoffen anzuheizen, hauptsächlich erneuerbare, klimaneutrale Energiequellen nützen.


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Wissenschaftspolitik

Ein katastrophales Angebot Stephan Wabl

Der Frust des Anfängers

Lukas Pfeifhofer ist für Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle ein Grund zur Freude. Seit drei Wochen studiert der 19-Jährige Informatik an der TU Wien, eines jener Fächer, für die Töchterle im Rahmen seiner MINT-Initiative (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) wirbt. Die Freude bleibt aber einseitig, denn Pfeifhofer würde am liebsten das Handtuch werfen. „Ich muss mich auf alles gleichzeitig konzentrieren. Das wird langsam zu viel“, schimpft der Kärntner, legt sein Smartphone auf den Kantinentisch und fügt hinzu: „Eigentlich hab’ ich keine Lust mehr.“ Der Grund: Seit diesem Wintersemester gibt es nach vier Wochen Prüfungen in sechs Lehrveranstaltungen des ersten Semesters, und nur die besten 375 kommen weiter. Der Rest der rund 900 Neulinge kommt auf eine Warteliste oder muss es im Sommersemester noch einmal versuchen – vorausgesetzt, es gibt genügende Kapazitäten.

So nennt Wilfried Eichelseder, Präsident von TU Austria, das erste Budgetangebot des Ministeriums an die TU Wien für die Jahre 2013 bis 2015

Studierende fallen in die Lücke

Die Angst des Dekans

„Wir sind an den Grenzen unserer Möglichkeiten“, rechtfertigt der Dekan der Fakultät für Informatik, Gerald Steinhardt, diesen Schritt. „Wir haben Ressourcen für 420 neue Plätze. Liegen wir darüber, können wir keine qualitative Ausbildung mehr anbieten“, beschreibt er die Situation. An sieben heimischen Universitäten wird Informatik angeboten, doch das Studium an der TU Wien ist österreichweit das einzige, das zugleich MINT-Fach und Massenstudium ist. Im Wintersemester 2011/2012 waren 52 Professoren für 7000 Studierende zuständig, das ist mehr als die Hälfte aller inskribierten Informatiker an Österreichs Hochschulen. An der Universität Klagenfurt kümmerten sich im gleichen Zeitraum zehn Professoren um 500 Informatik-Studierende.

Gerald Steinhardt, Dekan der Fakultät für Informatik an der TU Wien: „Wir sind an den Grenzen unserer Möglichkeiten. Wir brauchen eine ­Aufstockung des ­Lehrpersonals um mindestens 50 Prozent.“

SOS von der TU Wien-Informatik

Das paradoxe Problem: Die Fakultät an der TU Wien hat einen zu guten Ruf. Im nationalen Vergleich liegt sie an der Spitze, im deutschsprachigen Raum unter den sechs Besten. Der Unterschied: Top-Institute wie die ETH Zürich und die TU München haben nur rund 1000 beziehungsweise 2000 Nachwuchs-Informatiker – und zwei- bis dreimal mehr Geld. Dekan Steinhardt fordert daher von Töchterle eine SOS-Initiative für seine Fakultät: „Wir brauchen eine Aufstockung des Lehrpersonals um mindestens 50 Prozent.

Sonst werden die Ausbildung, die Spitzenforschung und der Wirtschaftsstandort Österreich leiden.“ Das Wissenschaftsministerium verweist auf zusätzliche drei Millionen Euro, die letztes Jahr an die Fakultät geflossen sind. Damit seien, so Steinhardt, neben der Renovierung eines Hörsaales und Laborerneuerungen zwölf Assistentenstellen eingerichtet worden, befristet auf ein Jahr: „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Derzeit wird zwischen Ministerium und TU Wien das Budget für die Jahre 2013 bis 2015 verhandelt. Ob Steinhardt sein SOS-Signal am Ende der Gespräche einstellen kann, ist unwahrscheinlich. ­Wilfried ­Eichelseder, Präsident der TU Austria (TU Wien, TU Graz, Montanuniversität Leoben), bezeichnete das erste Angebot des Ministeriums als katastrophal. Zu groß scheint die Lücke zwischen fehlenden Kapazitäten und neuen Mitteln zu sein.

Helmut Veith, Institut für Informationssysteme der TU Wien: „Langfristig schließe ich Aufnahmeprüfungen für ein Informatikstudium, wie es sie schon in der Medizin gibt, nicht aus.“

Beim Sprung über diese Lücke dürften in erster Linie die Studierenden stürzen. „Die Lösung mit den Prüfungen bedeutet großen Druck gleich zu Beginn und wird sicher einige Erstsemestrige zurückwerfen. Der Schritt zum Studienabbruch ist dann nicht mehr weit“, kritisiert Kristina Weinberger von der Fachschaft Informatik. Auch Gernot Salzer, Professor für theoretische Informatik, schließt das nicht aus: „Manche brauchen länger, um sich an die Universität zu gewöhnen. Die nun beschlossenen Prüfungen garantieren sicher nicht, dass tatsächlich nur die Besten weiterkommen.“ Unter den aktuellen Bedingungen sei dieses Modell jedoch das fairste. Am liebsten wäre es Salzer, der auch Mitglied der Studienkommission ist, wenn alle Studierenden die Möglichkeit hätten, die auf ein Semester angelegte Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP) ohne Anfangshürde zu absolvieren. Am Ende dieser Eingewöhnungszeit hätte die Fakultät eine bessere Einschätzung darüber, wer für das Studium qualifiziert sei. „Aber diese Zeit können wir uns im Moment nicht leisten“, erklärt Salzer. Für Fachschaftsvertreterin Weinberger gäbe es Alternativen, um allen Studierenden die Teilnahme an den von Eingangsprüfungen betroffenen Kursen zu ermöglichen. Zum Beispiel das E-Learning-System Coursera. Ein Vorschlag, der für Professor Helmut Veith in die falsche Richtung geht. „Der persönliche Austausch mit den Lehrenden und Kommilitonen ist ein Grundpfeiler eines qualitätsvollen Studiums. Gerade wegen dieser Qualität wollen so viele Studierende zu uns“, sagt Veith, der am Institut für Informationssysteme lehrt.

Die Lösung des Informatik-Stars

Veith, Leiter des Vienna Center for Logic and Algorithms, stellt sich ohnedies vorrangig die Frage, wie sich der Studieren-

denstrom langfristig steuern lässt – und schließt Aufnahmeprüfungen wie in der Medizin nicht aus. Sollten die Zustände nicht besser werden, könne er sich ein System aus schriftlichem Test und Interview vorstellen. „Das beste Drittel nehmen wir, das schlechteste nicht. Und mit dem Drittel in der Mitte führen wir ein Gespräch“, skizziert Veith seine Vorstellung. Eine Möglichkeit, zu der sich Dekan Steinhardt nicht äußern will: „Über ungelegte Eier rede ich nicht.“ Zunächst gehe es darum, von der Politik Vorgaben zu bekommen, wie viele Informatiker ausgebildet werden sollen. Als zweiten Schritt bräuchte die Fakultät die nötigen Mittel dafür. „Erst wenn sich diese beiden Vorgaben nicht decken sollten, können wir darüber reden, wie wir die vorhandenen Kapazitäten verteilen.“ Ein Szenario, das für Studierendenvertreterin Weinberger in eine Sackgasse führt: „Niemand kann sagen, wie viele Informatiker in zehn Jahren gebraucht werden.“

Statt TU Wien ab nach Klagenfurt?

Gewiss scheint hingegen, dass es ab dem Wintersemester 2013/14 Zugangsregeln für das Fach Informatik in Österreich geben wird. Die beiden Regierungspartner SPÖ und ÖVP verhandeln derzeit die Details. Kolportiert werden neben einer Aufstockung des Lehrpersonals punktuelle Aufnahmeverfahren sowie eine regionale Verteilung der Studierenden. Bekommt man demnach an der TU Wien keinen Studienplatz mehr, könnte man nach Klagenfurt, Innsbruck oder Linz ausweichen. Für Lukas Pfeifhofer ist das momentan kein Thema. Der junge Kärntner will auch noch nach den Eingangsprüfungen an der TU Wien Informatik studieren. „Es wird stressig, und ich bin nicht sicher, ob ich alle Prüfungen schaffe. Aber ich bleibe auf alle Fälle dabei“, sagt Pfeifhofer und huscht in die Bibliothek. Dort ist ihm zumindest ein Platz sicher. Eine Studienkollegin hat für ihn reserviert.

Plätze in der STEOP, Wintersemester 2012/2013 Die STEOP dient wie an allen anderen Universitäten ohne offizielle Zugangsbeschränkung auch an der TU Wien als Orientierungsphase und soll innerhalb eines Semester absolviert werden können. Für das Informatik-Studium an der TU Wien sind in dieser Phase Kurse im Ausmaß von 30 ECTS-Punkten zu belegen, erst dann dürfen Lehrveranstaltungen aus höheren Semestern besucht werden. Die Plätze in der STEOP sind seit dem Wintersemester 2012/2013 allerdings auf maximal 375 begrenzt. Von den Eingangsprüfungen betroffen sind: Grundlagen der Programmkonstruktion; Programmierpraxis; Technische Grundlagen der Informatik; Formale Modellierung; Datenmodellierung, Grundlagen digitaler Systeme.

Fotos: TU Wien, k arin wasner

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nformatik gilt als klassisches Zukunftsfach: gute Studienbedingungen und Jobchancen. An der TU Wien kann die Zukunft jedoch nach vier Wochen bereits vorbei sein. Heuer eingeführte Eingangsprüfungen entscheiden darüber, wer Kurse besuchen darf – und wer nicht. Der nächste Schritt sind österreichweite Zugangsregeln.


Die Zukunft der Mobilität Sicher, umweltfreundlich und bequem unterwegs mit intelligenten Verkehrssystemen

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it Intelligenz zu mehr Sicherheit und Effizienz, das ist die Mobilität der Zukunft. Und intelligent sind auch die Verkehrssysteme der Zukunft, die zum Teil bereits heute unsere Fortbewegung vereinfachen. Was steckt aber hinter dem Begriff intelligente Verkehrssysteme?

Intelligente Verkehrssysteme, kurz IVS, tragen schon heute dazu bei, den tägli­ chen Verkehr sicherer, umweltfreundlicher und bequemer zu gestalten. Dazu gehören das ABS oder der Tempomat genauso wie die automatische Einparkhilfe, der Brems­ assistent und das Navi. Ebenso zählen die Anzeigetafeln dazu, die Fahrgäste darüber aufklären, wann die nächste Bim oder U­Bahn kommt. In Zukunft werden die IVS aber noch viel mehr können.

Foto: Knie / BMVIT

Intelligent: ABS, Navi und Bremsassistent

Intelligente Verkehrssysteme wie das Navigationsgerät sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ihre Anwendungsmöglichkeiten werden ständig erweitert.

Das Schlagwort der Stunde heißt „Multimodalität“ – sowohl beim Personenverkehr als auch beim Güterverkehr. Österreich setzt schon lange auf multimodale Mobilitätskonzepte, die die Vernetzung aller Verkehrsträger in den Mittelpunkt stellen. Durch sie sollen in Zukunft alle VerkehrsteilnehmerInnen mit exakten Informationen und Entscheidungsgrundlagen in Echtzeit versorgt werden. In der Praxis kann das so aussehen: Ich überprüfe bereits beim Frühstück via Smartphone, ob und wann ich etwa staubedingt schneller mit dem Auto oder den Öffis zur Arbeit komme. Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) hat in den vergangen 10 Jahren etwa 100 Millionen Euro in die Ent­ wicklung und Umsetzung vorausschauender Verkehrstechnologien

investiert. Auf diesen Grundlagen wird nun konstant mit weiteren Projekten aufgebaut.

ITS-Weltkongress in Wien Der ITS­Weltkongress, die weltweit wichtigste Veranstaltung zu intelligenten Verkehrssystemen, findet nicht zufällig von 22. bis 26. Oktober in Wien statt. Auf 20.000 Quadratmetern präsentierten hier über 300 Aussteller die neuesten Verkehrs­ technologien und suchen in 1000 Vorträgen und Podiums­ diskussionen den wissenschaftlichen Austausch. 10.000 BesucherInnen werden erwartet. Der Kongress richtet sich aber nicht nur an Fachleute. Am 25. Oktober hat jede und jeder die Möglichkeit, sich selbst vor Ort ein Bild zu machen – Blick in die Zukunft garantiert.

Erleben Sie die Mobilität von morgen – schon heute!

Hingehen zum ITSPublikumstag am 25. Oktober!

25. Oktober 2012, Messe Wien, Eintritt frei

Probieren Sie diese neuesten Entwicklungen einfach aus: beim Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme. Wir laden Sie ein. Am 25. Oktober von 9 bis 18 Uhr. Messe Wien. Eintritt frei. Programm und nähere Informationen: www.bmvit.gv.at www.itsworldcongress.at www.facebook.com/itsvienna2012

entgeltliche Einschaltung

CO2 Bezahlte Anzeige

Autos, die andere vor brenzligen Verkehrssituationen warnen und selbst einparken. Navis, die beim Energiesparen helfen. Apps, die uns punktgenau zum schnellsten und umweltfreundlichsten Verkehrsmittel lotsen. Das Verkehrsministerium fördert die Entwicklung der Verkehrssysteme der Zukunft.


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Gedicht Alexander Nitzberg (geb. 1969 in Moskau), deutsch-russischer Autor, lebt in Wien. Vier Gedichtbände – zuletzt erschien „Farbenklavier“ bei Suhrkamp; Übersetzungen russischer Klassiker des 20. Jahrhunderts, u. a. Wladimir Majakowskij, Anna Achmatowa, Daniil Charms und Michail Bulgakows „Der Meister und Margarita“. Er ich K lein

Alexander Nitzberg

Was am Ende bleibt

Einer Pianistin

Jumping from Austria für Maria Lettberg

Scarlattis Katze. Andauernd auf Fugen-Jagd. Immer so lautlos lauernd am Klavichord-Gehäuse. Schnappt sich im Takt mal schwarze, mal weiße Mäuse. Reißt sie mit Sammetpfoten entzwei – entdrei – in Zweiunddreißigstel-Noten. Und wenn sie elend verenden, zuckt ihr Schrei noch lange Zeit in den Wänden.

Rätsel von Gaja Waagrecht: 1 Luftschloss-Anlage? Energieladender Drehort 8 Herrscht, wo keiner herrscht 9 Fehlt dem Part zum Gemeinschaftswesen 10 Wenn kostbarer Rohstoff auf dem Reisbrett landet 12 Spiritueller Bauchladen? 14 Kann sich zentrisch zur Manie ausweiten 15 Stehen sie vor Sitzungen, liegen die Nerven blank 16 Kommt im Englischen vor dem Fall 17 Oben-ohne-Model-Traum? 18 Theoretisch betrachtet relativ berühmt (Init.) 19 Verbindlich bei der Hundehaltung 22 Verrücktes Reservat? Gerüstzeug für Querdenker? Auslegungssache! 24 … Mann oder Frau, macht sich im Verein wichtig 25 Vor dem Traualtar ausgesprochen rar 26 Treppenwitzetappen Senkrecht: 1 Stromstrom 2 Hat dem Handwerk das Handwerk gelegt 3 Darauf fährt die Öko-Bewegung tierisch ab 4 Spiel- & Arbeitsplatz (Abk.) 5 Zählt in der Genealogie zum Stammpersonal 6 Rechnerisch passende Größenbezeichnung fürs Adam-Kostüm? 7 Berufliche Anforderung an führende Atomkräfte? 11 Womit wie warum wird 13 Auszahlen muss sich die Haltung von …, sonst geht Lappen was durch die Lappen 20 Wirkt landläufig horizonterweiternd 21 Bei dem Thema stellen sich alle buchstäblich taub 23 Cholerikerkolorit?

Lösungswort:

Auflösung aus Falter HEUREKA 3/2012. Lösungswort: KNOTENPUNKT Waagrecht: 1 EINSTEIN,7 LN, 8 TALON, 9 INDIGEN, 10 TOPP, 11 MED, 13 EBENE,15 AHNEN,16 AT, 17 DATEI, 19 DIGITAL, 20 DOKU, 21 RIP, 24 XL, 26 AKIA, 27 INTERNET, 29 VIRUS Senkrecht: 1 ELITE, 2 INNOVATION, 3 STIPENDIUM, 4 TAG, 5 ELEMENTAR, 6 IONEN,12 DEZI, 14 BEAT, 16 ADDITIV,18 ELIXIER, 22 PLATT, 23 MARS, 25 STR, 28 NI

erich klein

in Paradigmenwechsel beherrscht E die Welt seit den Sechzigerjahren, als der Club Of Rome die Begrenzt-

heit unserer Ressourcen deklarierte und zur Wende aufrief. Die Futurologen wurden nicht beachtet oder verhöhnt. Die Raumfahrt, Inbegriff von technizistischem Fortschrittsglauben und Produkt des Kalten Krieges mit aberwitzigen Szenarien für den Weltuntergang, wurde auf paradoxe Weise zum Urerlebnis. Mit dem Blick aus dem All auf den „blauen Planeten“ wurde die Fragilität der Erde weltweit bewusst – die Ökologen verweisen auf unmittelbarer Evidenz. Neil Armstrongs Wort „Ein kleiner Schritt für einen Mann, ein großer Schritt für die ganze Menschheit“ wird noch immer zitiert, auch wenn alle wissen, dass sich mit der Verwirklichung eines Menschheitstraumes in der Welt nichts verändert hat. Der misanthropische Zivilisationskritiker Ernst Jünger wandte sich in jenen Jahren den kleinen Dingen zu und wetterte gegen eine verschwenderische Konsumgesellschaft, deren Spuren – Coca-Cola-Dosen und Zigarettenstummel – mittlerweile auch im Urwald und in der Sahara zu finden seien. Dass dies auch auf dem Mond bald der Fall wäre, stand nicht zu befürchten. Seit dem Sprung von Felix Baumgartner aus neununddreißig Kilometern Höhe ist das nicht mehr so sicher. Nahm der alte Traum vom Fliegen den Kalten Krieg ganzer Welten und Systeme in Kauf, wurde mit „Stratos“ der Sprung in den Kosmos als freier Fall zur Erde mit Überschallgeschwindigkeit erfolgreich zur Werbemaßnahme privatisiert. Der Coup, der Hightech-Aufwand, „wissenschaftliche“ Erkenntnis, Volksaufklärung und Belustigung verknüpfte, nötigt Respekt ab. Das persönliche Risiko des Base-Jumpers sowieso. Gut postmodern war alles da: Ein bedeutungsschwangeres „I am ­coming home now“ vor dem Absprung, militärisches Salutieren von Astronauten und Kosmonauten samt dem Kommentar von Niki Lauda, der austri­ akischen Volksstimme par excellence: „Wie sich der Felix do owe haut – faszinierend!“ Nur Spielverderber sprechen in solchen Momenten von Energiewende, der Rest der Welt hält den Atem an und greift zum Energy-Drink. Stärker war hier nur der Witz, der auf dem Fuß folgte: „Die Stratosphäre wird in Baumgartner Höhe umbenannt.“ Bekanntlich handelt es sich dabei um eine psychiatrische Klinik. Auch dort glauben manche, fliegen zu können.


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KarriErEEntwicKlung für Wissenschafterinnen

EinrEichung jEwEils im Frühjahr und hErbst hErbst-ausschrEibung Einreichfrist: 22. Oktober 2012 bis 14. dezember 2012

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infOrMatiOnen fWf – Der Wissenschaftsfonds, haus der forschung sensengasse 1, 1090 Wien, +43 (0)1 505 67 40–0 www.fwf.ac.at » antragsunterlagen/information www.fwf.ac.at/firnberg www.fwf.ac.at/richter KOntaKt susanne woytacek, 01/505 67 40-8505, susanne.woytacek@fwf.ac.at dr. lidia Eva wysocki, 01/505 67 40-8503, lidia.wysocki@fwf.ac.at dr. barbara Zimmermann, 01/505 67 40-8501, barbara.zimmermann@fwf.ac.at


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