FALTER
HEUREKA Das Wissenschaftsmagazin
Mathematik
Sie fließt nun auch in die Forschung über Psychoakustik und Phonetik ein Die Sonne verursacht den Klimawandel, behauptet der Ökonom Gunnar Heinsohn
Wissensgesellschaft Was soll das sein? Und was bedeutet sie für die Hochschulreform?
Nr. 4/11
Wir sind Klimawandel! 97 Prozent der befassten Wissenschafter sind sich einig, dass der Klimawandel von Menschen gemacht oder verstärkt ist. Was heißt das für die Welt und für Österreich im Speziellen?
MÄDCHEN IN EINEM SANDSTURM / PROVINZ BATMAN, TÜRKEI
FOTO: HANS HOCHSTÖGER
Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2322/2011
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Weil wir wollen, dass Österreichs Unternehmen im internationalen Wett bewerb der Zukunft bestehen, fördern wir die Forschung und Technologie entwicklung in den Betrieben. Gerade in den kleinen und mittleren Unterneh men, die das Rückgrat unserer Wirtschaft bilden. Denn Forschungsausgaben von heute schaffen die Arbeitsplätze von morgen. Innovationsministerin Doris Bures: „Wir sind auf dem besten Weg, uns als eine der führenden For schungsnationen zu etablieren. Österreichisches Know-how ist auf der gan zen Welt gefragt.“ www.bmvit.gv.at Doris Bures, Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie
Fotos: bmvit
Umfassender beraten, Beratungs-Hotline für Klein- und Mittelbetriebe: 057755-5000 oder im Internet unter www.ffg.at
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Inhalt
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Akademische Stars und junge Forscherinnen Bemerkenswerte akademische Karrieren Mathematik und Phonetik Die Arbeit des START-Preisträgers Peter Balazs Narbenfreie Darmoperationen Ein erfolgreiches medizinisches Programm Kunst für sehbehinderte Menschen Ein Verfahren ermöglicht, Kunstwerke zu fühlen
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Wir sind Klimawandel! Die Zahlen zum Thema Die Sonne macht den Wandel Gunnar Heinsohn kommentiert den Wandel 20 Millionen Klimaflüchtlinge Die globalen Auswirkungen Klimawandel in Österreich Die Folgen für Land, Forst und Wasser
Kann man sich versichern? Die Folgen für die Versicherungswirtschaft Klimawandel: Das Glossar Die Begriffe zum Thema Klimawandel Wenn dich das Wissen schafft Hochschulreformen für die Wissensgesellschaft Gedicht, HEUREKA-Rätsel, Kommentar Kältetod und Erderwärmung
Kommentar
Editorial
Zwei Bachelor zum Preis von einem! werner hasitschk a
Grafik: Tone Fink, foto: Harald Wendelin
der Bildung 2011“ haben E insich„Jahr die beiden Koalitionspartei-
en vorgenommen. Doch gemäß der jüngsten OECD-Studie hat Bildung in Österreich keine Priorität. Die durchgängige Diagnose, vom EU-Bildungskommissar bis zu ministeriellen „Weisenräten“: die Unis sind unterfinanziert und überreguliert (u. a. durch Over-reporting) und, wie ich hinzufügen darf, untervisioniert. Entsprechend werden nun endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Regierungsbeschlüsse (Erhöhung des Budgetanteils am BIP von 1,3 auf 2 Prozent, Erhöhung des AbsolventInnenanteils, offene Dialoge mit allen „Stakeholders“ etc.) werden zügig und mutig umgesetzt. Doch Halt! Zunächst werden mit bewundernswerter altphilologischer Stoik ebenso bekannte und politisch unrealisierbare Vorschläge eingebracht. Und täglich grüßt, nein, nicht das Murmeltier, sondern die Studiengebühr. Diesmal in einer raffinierteren Version: Die Rektorate dürfen nun handelsbetriebliche Preisdifferenzierung betreiben, d.h. je nach Nachfrage, Fach, Nation, Tageszeit, „Employability“ etc. Verlockend auch die mögliche Gewinnmaximierung bei Studierenden aus „Drittstaaten“. So könnte etwa die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw) mit traditionell hohem Studierendenanteil aus dem asiatischen Raum „absahnen“: Hat nicht der Vizekanzler die eminente Bedeutung der „Kultur als Botschafter Österreichs“ ausgelobt? Außenpolitische Relevanz oder studiengebührliches Greißlerdenken? Ähnlich verstörend mutet die Idee von politischen Gegengeschäften an: Universitätsmilliarde (dividiert durch 3 Jahre, minus Fachhochschulen, minus FWF, minus, minus …) gegen Hochschulplan? Bildungspolitisch verhaltensoriginell sind auch jüngste Sanierungsvorschläge in Richtung
flächendeckende Fernstudien bzw. Elearning. Sollen so die künftigen NobelpreisträgerInnen und PhilharmonikerInnen ausgebildet werden? Wie wäre es mit einer ergebnisoffenen Denkpause? Etwa: Bildungspolitische und kulturbetriebliche Visionen im echten Dialog entwickeln, vorzugsweise mit der HochschülerInnenschaft; radikalen Bürokratieabbau betreiben (durch ein Evaluierungs-, Rankings-, Akkreditierungsmoratorium); alternative Finanzierungsmodelle präsentieren wie etwa Umschich-
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tungen vom Tiefbau (Tunnels) zum Hochbau an Bildung, BIG-Gewinne an die Unis, etc. Lieber Herr Minister: „Alles Lob nämlich der Tugend besteht im Handeln, in dem es freilich oft Unterbrechungen gibt und von dem vielfach Rückkehr zu den Studien vergönnt ist“ (Cicero).
Finkenschlag Handgreifliches von Tone Fink
Werner Hasitschka ist Rektor der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw)
www.tonefink.at
„Ein Gewitter ist im Anzug. Dieses leuchtet mir nicht ein. Ein Gewitter in der Hose. Das könnt leichter möglich sein.“ Sang einst Karl Valentin. Wir haben heute den Klimawandel in der Hose. 97 Prozent der Klimaforscher halten ihn zu einem Gutteil von Menschen verursacht. Der Ökonom Gunnar Heinsohn erklärt ihn in dieser Ausgabe für durch die Sonne angetrieben. Und Erich Klein erinnert uns daran, dass wir uns vor nicht allzu langer Zeit vor dem Kältetod gefürchtet haben. Ich kenn’ mich beim Wetter nicht aus. Gefühlsmäßig ist es mir meist zu kalt oder zu warm. Aber so ist es mit der Natur. Ihr ist egal, wie ich mich fühle. Und ebenso, ob in ihr Bäume herumstehen, Tiere umherhüpfen oder Menschen sich über sie Gedanken machen. Der ganze Planet sei mittlerweile von Plastik überzogen, habe ich im Film Plastic Planet von Werner Boote gelernt. Plastik war also wirklich die Zukunft in den Sechzigern, wie Dustin Hoffman in The Graduate erfahren hatte. Heute leben wir als Plastic People und sehen zumindest in den betuchteren Gegenden auch so aus. Die Erde hat sich darüber bei mir nicht beschwert. Allerdings macht sie uns durch die Folgen des Klimawandels Probleme. Doch das sind wir ja von ihr gewohnt, seit wir hier sind. Können wir es ändern? Ich denke nein.
Impressum Falter 43a/11 Herausgeber: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. Medieninhaber: Falter Zeitschriften GmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: service@falter.at, www.falter.at Redaktion: Dr. Christian Zillner Artdirektion: Dirk Merbach Layout: Reini Hackl, Raphael Moser Fotoredaktion: Karin Wasner Lektorat: Martina Paul Druck: Goldmann Druck AG, 3430 Tulln DVR: 047 69 86
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heureka! erscheint mit U nterstützung des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung
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Aus Wissenschaft und Forschung Kopf im Bild
In Afrika am Gletscher Gletscher gibt es einige in Österreich. Aber Thomas Mölg, Klimaforscher an der Uni Innsbruck, wollte höher hinaus: Warum auf 3000 Höhenmetern bleiben, wenn die Bedingungen auf 6000 m Höhe noch kaum erforscht sind – etwa am Kilimandscharo? 2004 reichte Mölgs Forschungsgruppe einen Projektantrag beim Wissenschaftsfonds ein, 2005 wurden die ersten Stationen auf dem afrikanischen Berg aufgestellt. Heute arbeitet der Österreicher, der bereits zweimal international ausgezeichnet wurde, gemeinsam mit amerikanischen und neuseeländischen Forschern auf dem Gletscher. Bisher wichtigste Erkenntnis: „Wir haben eine Änderung im Zirkulationsmuster des Indischen Ozeans ableiten können“, sagt Mölg. Ein bedeutender, aber weitgehend vernachlässigter Mechanismus, der in manchen Regionen wichtiger ist als das El Nino-Phänomen. Was den 34-Jährigen an der Forschung fasziniert? „Dass wir mit Modellrechnungen die Natur prognostizieren können.“ Auch wenn nicht alles berechenbar wird. „Die Natur ist extrem kreativ.“ T e x t : emi l y wa l ton F oto : M i c hae l B re y er
U s c hi S orz
b es um das Innere der Sterne, O Spuren vergangener Zeiten oder das Image der Mathematik geht: Dem
Forscherdrang liegt immer eine tief empfundene Faszination zugrunde. Victoria Antoci, 32, Uni Wien
„Die unvorstellbare Größe des Weltalls hat mich schon als Kind fasziniert“, sagt Victoria Antoci. Mittlerweile hat die gebürtige Rumänin an der Uni Wien Hunderte Sterne aus dem Beobachtungsspektrum des Kepler-Teleskops auf das gleichzeitige Aufweisen von sonnenähnlichen und Delta-Scuti-Pulsationen untersucht. „Die Asteroseismologie ist ungeheuer spannend“, sagt sie über ihr Spezialgebiet, bei dem aus den Schwin-
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gungen der Sterne Rückschlüsse auf ihr Inneres gezogen werden. Im Zuge ihrer Doktorarbeit „Searching for Solar-like Oscillations in Delta Scuti Stars“ konnte die Astronomin eine bestehende Theorie belegen und aufsehenerregende Ergebnisse in Nature publizieren. Gerade arbeitet sie in Vancouver bei einem kanadischen Satelliten mit. Helga Müllneritsch, 29, Uni Graz
„Zum Gebrauche aller Kochlustigen“ lautet der Titel von Helga Müllneritschs Dissertation. Und weiter: „Das Frauenkochbuch Ms. 1963 der Universitätsbibliothek Graz als Ausgangspunkt einer kulturhistorischen und literatursoziologischen Analyse
der Textgattung Kochbuch.“ Fürs wissenschaftlich fundierte „Häferlgucken“ erhielt die Germanistin heuer den Förderungspreis des Theodor-Körner-Fonds.Akribisch untersucht sie drei 200 Jahre alte Frauenkochbücher darauf, was sie über ihr Zielpublikum und deren Zeit verraten. Um sich ihre Studienobjekte zugänglich zu machen, hat sie sich zur Spezialistin fürs Edieren entwickelt. Was sie daran besonders begeistert: „Beim Erstellen eines Glossars entdecke ich viele vergessene Begriffe.“ Martina Gröschl, 41, Uni Klagenfurt
Ihre Passion für Mathematik entstand durch einen Zufall: Als Martina Gröschl nach der Matura etwas
ratlos durch die Wiener Uni strich, verschlug es sie in eine Mathematikvorlesung. „Ich habe nichts verstanden, war aber sofort fasziniert“, lacht die hauptberufliche Wissenschaftskommunikatorin mit abgeschlossenem Mathematikstudium. „Mein Forschungsthema hat sich aus meiner Doppelausbildung ergeben“, erzählt sie. „Ich wollte tiefer hinter das schauen, was ich in meiner Arbeit an der Akademie der Wissenschaften sowieso die ganze Zeit mache.“ Seit drei Jahren untersucht sie für ihre Dissertation „Populärwissenschaftliche Mathematiksachbücher aus Perspektive der Wissenschaftsforschung und -didaktik“, wie Sachbuchautoren das Fach vermitteln. Auch das „völlig zu Unrecht!“ negative Image der Mathematik nimmt sie unter die Lupe.
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Aus Wissenschaft und Forschung Mathematik
Frames: Theorie akustischer Modellierung Uschi Sor z
Foto: ÖAW
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n die Psychoakustik und Phonetik war die Mathematik bis jetzt relativ wenig eingebunden“, sagt Peter Balazs. Der Mathematiker und seine Kollegen am Institut für Schallforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) wollen das ändern: Hier arbeiten Akustikspezialisten unterschiedlicher Disziplinen Hand in Hand. „Wir betreiben Grundlagenforschung, aber natürlich mit dem zukünftigen Anwendungspotenzial im Auge.“ Zum Beispiel für die Weiterentwicklung von Hörgeräten, der Verbesserung von Lärmschutzwänden oder in der Sprecher- und Sprachanalyse. „Manche Modelle in der Akustik sind unpräzise“, erklärt Balazs, Leiter der Abteilung Mathematik und Signalverarbeitung in der Akustik, die Rolle seines Fachs im multidisziplinären Zusammenspiel. „Mit mathematischen Methoden kann ich Daten – wie etwa Ergebnisse aus
psychoakustischen Versuchen – effizienter beschreiben und deren Messung verbessern.“ Zu Balazs’ Spezialgebieten gehört die Frame-Theorie. Dabei geht es darum, Schallsignale in einzelne Teile zu zerlegen und sie auf bestimmte Eigen-
„Meine Arbeit im Spannungsbogen zwischen reiner Mathematik und praktischer Anwendung finde ich schön.“ Pe ter Balazs m at h e m at i k er , ö a w
Der Mathematiker Peter Balazs erhielt heuer den START-Preis des FWF
schaften zu untersuchen. Etwa daraufhin, welche Signalteile Menschen hören können und welche nicht. „Man kann dann irrelevante Komponenten in Zeit-Frequenz-Darstellungen reduzieren und diese entscheidend optimieren.“
CALL FOR PhD STUDENTS
Weichenstellend für den Niederösterreicher war ein Studentenjob als Programmierer bei der ÖAW. „Die Schallforschung hat dadurch nach und nach meine Richtung in der Mathematik bestimmt“, erzählt er, sehr zufrieden mit dieser Entwicklung. „Meine Arbeit im Spannungsbogen zwischen theoretischer reiner Mathematik und praktischer Anwendung finde ich einfach schön.“ Heuer wurde Balazs mit dem START-Preis des FWF ausgezeichnet: Ein Budget von 1,2 Mllionen Euro ermöglicht es dem 40-Jährigen, seine Forschung zu Frames in der Signalverarbeitung im Rahmen seines Projekts FLAME (Frames and Linear Operators for Acoustical Modeling and Parameter Estimation) weiter voranzutreiben. Bis es im Mai 2012 damit losgeht, widmet er sich in der Väterteilzeitkarenz einer ebenfalls zukunftsträchtigen Aufgabe, nämlich der Pflege für seinen kleinen Sohn.
CAMPUS VISIT DAY
N ov e m b e r 2 6 , 2011
The Graduate School at IST Austria invites applicants from all countries to its PhD program. IST Austria is a new institution located on the outskirts of Vienna dedicated to cutting-edge basic research in the natural sciences and related disciplines. The language at the Institute and the Graduate School is English. The PhD program combines advanced coursework and research, with a focus on Biology, Computer Science, Neuroscience, and interdisciplinary areas. IST Austria offers internationally competitive PhD salaries supporting 4-5 years of study. Applicants must hold either a BS or MS degree or equivalent. The Institute offers PhD students positions with the following faculty: Nick Barton Evolutionary and Mathematical Biology Jonathan P. Bollback Evolutionary Biology Sylvia Cremer Evolutionary and Behavioral Biology Caroline Uhler Statistics Tobias Bollenbach Biophysics and Systems Biology Caˇlin C. Guet Systems and Synthetic Biology Carl-Philipp Heisenberg Cell and Developmental Biology Harald Janovjak Molecular and Cellular Biophysics Daria Siekhaus Cell and Developmental Biology Michael Sixt Cell Biology and Immunology
Jozsef Csicsvari Systems Neuroscience Peter Jonas Neuroscience Gašper Tkacˇik Theoretical Biophysics and Neuroscience Krishnendu Chatterjee Game Theory and Software Systems Theory Herbert Edelsbrunner Algorithms, Geometry, and Topology Thomas A. Henzinger Software Systems Theory Vladimir Kolmogorov Computer Vision and Graph Algorithms Christoph Lampert Computer Vision and Machine Learning Krzysztof Pietrzak Cryptography Chris Wojtan Computer Graphics
Additional faculty members will be announced on the IST website www.ist.ac.at.
For further information and access to the online application please consult www.ist.ac.at/gradschool. For inquiries, please contact gradschool@ist.ac.at. For students wishing to enter the program in the fall of 2012, the deadline for applications is January 15, 2012. IST Austria values diversity and is committed to equality. Female students are encouraged to apply.
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Aus Wissenschaft und Forschung Physikgeschichte
Was zeigt dieses Bild?
Auflösung:
Krems. Als einen „Ort der Vernetzung, wo neue Perspektiven eröffnet werden“, beschreibt Gerald Faschingender, Direktor des Paulo-Freire-Zentrums, die Entwicklungstagung. Sie ist ein jährlicher Treffpunkt der entwicklungspolitischen Szene: NGOVertreter, Regierungsmitglieder, Parlamentarier, Wissenschafter u. a. diskutierten das Thema „Gemeinwohl entwickeln. Der Staat zwischen Gemeinschaft und Weltgesellschaft”. Die Tagung wurde vom Paulo- Freire-Zentrum zusammen mit der AG Globale Verantwortung, der Donau Uni Krems, der Österreichischen Gesellschaft für politische Bildung und der Kommission für Entwicklungs fragen der OeAD-Gmbh veranstaltet. Die vier Hauptreferenten waren Marcio Pochmann, brasilianischer Ökonom, Padma Pushpakanthi, Lei-
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Darm-OP ohne sichtbare Narbe dank knopflochtechnischer Operationsverfahren
Die dritte Dimension im Bild erfühlen: Kunstwerke werden für blinde Menschen spürbar
Die ter Hönig
Claudia Stieglecker
terin eines Frauennetzwerks in Sri Lanka, Daniel Keftassa, Agrarexperte aus Äthiopien und Wolfram Schaffar, Professor am Institut für Internationale Entwicklung der Uni Wien. In Form von Workshops und in einem Open Space Forum gab es weiteren Raum für Diskussionen. „Act together, act now, act differently!” Das Plädoyer von Daniel Keftassa verdeutlicht die Notwendigkeit verschiedener Strategien und internationaler Zusammenarbeit hinsichtlich der Gestaltung weltweiten Gemeinwohls. Vielfalt ja, doch eines wurde klar: Ob im „Vorzeigeland Brasilien”, wo ein Wohlfahrtsstaat ähnlich dem europäischen Nachkriegsmodell aufgebaut wird, oder in Sri Lanka, wo soziale Bewegungen die treibenden Kräfte darstellen, Gemeinwohl hängt mit demokratischen Strukturen zusammen: entweder als Bedingung oder auch als mögliche „Folge wohlfahrtsstaatlicher Maßnahmen”, so die These von Wolfram Schaffar.
fen durchgesetzt hat, war man bei Darmoperationen lange Zeit zurückhaltend. „Jede neue Technik ist genauestens zu evaluieren und darf für den Patienten kein erhöhtes Risiko darstellen“, erklärt Andreas Shamiyeh, Chirurg am AKH Linz, Vorreiter narbenfreier OP in Oberösterreich und Gastgeber des kürzlich in Linz stattgefundenen 3. ASIS-Symposiums. In den letzten Jahren fand die laparoskopische Zugangstechnik auch bei Darmoperationen zunehmend Verbreitung, nachdem viele Studien ein vergleichbar gutes Ergebnis offener und knopflochtechnischer Operationsverfahren bewiesen hatten. Inzwischen bewährt sich die narbenfrei durchgeführte SIL-Technik – das OP-Gebiet wird durch einen einzigen, kleinen Schnitt im Bauchnabel erschlossen – laut neuesten Studien nicht nur für Eingriffe an Gallenblase, Blinddarm oder Leiste, sondern auch bei größeren Darmresektionen. „Abgesehen vom kosmetischen Vorteil und dem geringen Operationstrauma für den Patienten bringt die narbenfreie SIL-Technik in unserer 3-Jahres-Untersuchung auch bei größeren Dickdarm-OP ein gleichwertig gutes chirurgisches Ergebnis wie die klassische Schlüsselloch-Chirurgie.
Andreas Shamiyeh, Chirurg am AKH Linz, Vorreiter narbenfreier OP in Oberösterreich
„Auch ursprüngliche Bedenken hinsichtlich vermehrter Komplikationen wie etwa Nabelbrüche haben sich bis dato nicht bestätigt“, berichtet Walter Brunner, leitender Chirurg am KH Rorschach/St.Gallen, der mit über 1100 SIL-Eingriffen in Europa als Pionier dieser OP-Technik gilt. „Momentan stellt der narbenfreie Zugang durch den Darm die Operationsmethode mit der geringsten Invasivität dar“, bestätigt auch der deutsche SIL-Pionier, Chirurg Boris Vestweber aus Leverkusen.
das nicht geht? Sehbehinderte Menschen sind beim Erfassen von visueller Kunst auf Hilfsmittel angewiesen. Doch auch detaillierteste Beschreibungen oder in Papier geprägte Liniengrafiken des Kunstwerks liefern nur ein unvollständiges Bild. „Das menschliche Auge sieht in figurativen Gemälden automatisch eine Tiefe, die Andreas Reichinger vom VRVis – Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung Forschungs-GmbH
eigentlich nicht vorhanden ist“, erklärt Andreas Reichinger vom VRVis – Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung Forschungs-GmbH. Reichinger beschäftigt sich mit der computerunterstützten Schaffung von „taktilen Gemälden“: ertastbare 3D-Versionen von zweidimensionalen Bildern. „Handgemachte, erfühlbare Plastiken erfordern das künstlerische Verständnis und das Fachwissen von Bildhauern“, meint Reichinger. „Unser Ziel dagegen ist ein weitgehend automatischer Adaptierungsprozess, der kein Spezialwissen erfordert.“ Mithilfe des entwickelten Prototypen werden in einem dreistufigen Prozess Kunstwerke in taktile Gemälde verwandelt. Vier Reliefs sind so entstanden, die das Kunsthistorische Museum Wien seit Ende 2010 erfolgreich präsentiert. Aktuell entstehen in Zusammenarbeit mit ArteConTacto für das Technische Museum Wien Objekte zum Angreifen, denn: „Viele Ausstellungsstücke können oder dürfen nicht berührt werden.“ Zu sehen – und natürlich fühlen – ab 21. Oktober in der Austellung „IN ARBEIT“ im Technischen Museum.
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¦ w ww.youtube.com/watch?v=SkbIqTrYSUk ¦ w ww.khm.at/kunstvermittlung/ ¦ http://tmw.at/default. asp?id=2308&cid=18&al=Deutsch
¦ w ww.artecontacto.org
E u r o p ä i s c h e s Z e n t r u m f ü r P h y s i k g e s c h i c h t e E CHOPHYSICS , w w w . s t e p h a n m a n t l e r . c o m
„DAVYSche Sicherheitslampe“ (Grubenlampe) Die Verbrennung der mit Benzin gespeisten Flamme pflanzt sich durch das Drahtnetz nicht nach außen fort. Wenn die Lampe in eine mit Kohlenwasserstoffen (schlagendes Wetter) beladene Atmosphäre kommt, dringt das brennbare und explosive Gas in den Lampenzylinder ein und bildet dort einen weiteren Flammenkegel. Dadurch wird der Bergmann auf die Gefahr aufmerksam. Sie wird heute noch zur Anzeige von gefährlichen Gasgemischen benutzt.
Gemeinwohl basiert auf Demokratie it dem Gemeinwohl beschäftigM te sich die 5. Österreichische Entwicklungstagung im Oktober in
Virtual Reality
ährend sich die Knopflochchias Lächeln der Mona Lisa kann W rurgie seit gut 20 Jahren bei D man nicht erklären – man muß den meisten chirurgischen Eingrif- es gesehen haben. Doch was, wenn
Entwicklungspolitik
K atharina Fritsch
Medizin
24.10.2011 11:32:52 Uhr
Die Welt von morgen braucht unsere Antworten schon heute. Daran arbeiten wir. Für unsere Kunden in Österreich und Zentral- und Osteuropa.
„Für kurzfristigen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht”: Diese visionäre Philosophie von Werner von Siemens aus dem Jahre 1884 leben wir heute noch. Auch in Österreich und im zentral- und osteuropäischen Raum. Deshalb entwickeln wir nachhaltige Technologien, die möglichst wenig Ressourcen verbrauchen. Deshalb unterstützen wir unsere Kunden dabei, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Und deshalb suchen wir stets nach den neuesten Antworten für die Zukunft mit einem weltweit einzigartigen Portfolio an grünen Technologien. Das Ergebnis: Siemens ist in seinem Geschäftssegment das beste Unternehmen im weltweiten Dow Jones-Nachhaltigkeitsindex. Und auch im Carbon Disclosure-Projekt, der welt-
größten unabhängigen Datenbank für die Klimakompetenz von Unternehmen, nimmt Siemens einen Spitzenplatz ein. In Österreich ist Siemens eines der führenden Technologieunternehmen und steht seit mehr als 130 Jahren für technische Leistungsfähigkeit, Innovation, Qualität und Zuverlässigkeit. Für unsere Kunden entwickeln wir nachhaltige Lösungen in den Bereichen Industrie, Energie und Healthcare. Und die Siemens City Vienna, das neue Siemens Headquarters für den CEE-Raum, ist als mehrfach ausgezeichnete „Green City” ein Musterbeispiel für eine gelebte Nachhaltigkeitsstrategie. Wir arbeiten heute an den Antworten für das Österreich von morgen.
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Titel 8
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Wir sind Klimawandel!
Der Countdown zum Thema Carolin Gier mindl
531.000000
Euro wird Österreich bis 2012 für CO2Zertifikate ausgegeben haben. Die Republik muss jährlich Verschmutzungsrechte für Millionen Tonnen zu viel produzierter Treibhausgas-Emissionen einkaufen.
480
200.000 000
Menschen könnten bis 2050 wegen des Klimawandels ihre Existenzgrundlage verlieren und zu Flüchtlingen werden.
168
Wissenschafter aus aller Welt, darunter auch Nobelpreisträger Kenneth Arrow, warnen die EU davor, Biosprit als klimaneutral einzustufen. Österreich plant die Einführung von E10 für 2012.
68.800 000
140
13.000 000
100
Tonnen Treibhausgas- Emissionen jährlich dürfen laut Kyoto-Protokoll nicht überschritten werden. Mit 80,1 Millionen Tonnen verfehlte Österreich 2010 das angestrebte Ziel. Hektar Wald verschwinden jährlich weltweit von der Landkarte. Entwaldung ist für 20 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.
140.000
Jahre alt oder älter ist das Grönlandeis, der größte Süßwasserspeicher der Erde. Ab einer Erwärmung von 1, 9 Grad Celsius ist ein Totalverlust des Eises nicht mehr zu verhindern.
120.000
bis 150.000 Quadratkilometer tropischer Regenwald werden jährlich abgeholzt. Der Wald im Amazonasgebiet ist der größte Treibhausgasfilter der Welt.
2050
wird sich der Fleischkonsum laut WHO weltweit verdoppelt haben. Die weltweiten Emissionen von Methan, einem hoch klimaschädigendem Gas, stammen zu 20 Prozent aus der Viehhaltung.
2011
wird das teuerste Naturkatastrophenjahr der Geschichte, gemessen am volkswirtschaftlichen Schaden. Allein das Erdbeben in Japan und die Folgen kosten rund 200 Milliarden US-Dollar.
2000
Meter – bis in diese Meerestiefe lässt sich eine Erwärmung der Ozeane feststellen. Der ph-Wert des Meerwassers veränderte sich im Verlauf des 21. Jahrhunderts schneller als je zuvor.
1992
fand in Rio de Janeiro die erste von insgesamt 16 Welt-Klimakonferenzen statt. Das Kyoto-Protokoll, 2005 ratifiziert, ist das bislang einzig verbindliche, völkerrechtliche Instrument dieser Klimapolitik.
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kleine Inseln, die Republik Malediven, wird es in 100 Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr geben. Ihr Präsident Mohamed Nasheed appellierte 2009 unter Wasser an die Weltöffentlichkeit.
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Millionen Afrikaner, so schätzt das UN Klimasekretariat (UNFCCC), werden 2025 in Gebieten leben, in denen Wasser knapp ist. Die Häufigkeit von Dürren hat sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt.
Gramm CO2 pro Kilometer – dieser Wert gilt als Minimum! – stößt ein Pkw derzeit aus. 245.396 neu zugelassene Kraftfahrzeuge gab es heuer in der ersten Jahreshälfte allein in Österreich.
Jahre noch, dann sind die Korallenreiche im Indischen Ozean verschwunden, warnt der World Wildlife Fund WWF. Schon jetzt seien 20 Prozent der Riffe nicht mehr zu retten.
97
Prozent der Klimaforscher stimmen in einer Umfrage der Aussage zu: „Menschliche Aktivität ist ein signifikant beitragender Faktor bei der Veränderung der mittleren globalen Temperatur.“
20
Tonnen CO2 pro Jahr, das ist der höchste Pro-Kopf-Verbrauch der Welt, fallen auf einen US-Amerikaner. Das Land hat als einzige Industrie-Nation das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert.
11 3,1
der letzten zwölf Jahre zählen zu den wärmsten jemals gemessenen Jahren seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen 1850.
Millimeter pro Jahr steigt der Meeresspiegel. Bis 2100 soll er laut zurückhaltenden Schätzungen um 90 Zentimeter ansteigen. Das hat für Küsten gravierende Auswirkungen. Ein Zehntel der Weltbevölkerung lebt in Küstennähe.
2
Grad Limit. Die globale Erwärmung soll zwei Grad Celsius nicht übersteigen, gemessen am Niveau der vorindustriellen Zeit. Das ist Ziel des Kyoto-Protokolls. Indigene Völker fordern ein 1, 5 Grad-Limit.
0,74
Grad Celsius. Um diesen Wert hat sich die durchschnittliche Lufttemperatur in den letzten hundert Jahren erhöht. Selbst bei einem sofortigen CO2-Stopp auf der ganzen Welt würde die Temperatur weiter ansteigen.
Minus 18
Grad Celsius. Das wäre die durchschnittliche Temperatur ohne den natürlichen Treibhauseffekt in der Atmosphäre. Es gibt auf der Erde kein Leben ohne Treibhauseffekt.
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WIR SIND KLIMAWANDEL!
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Durch den Bau des Atatürk-Staudammes vertrockneten die Brunnen und Flüsse, aus denen die Menschen früher ihr Wasser holten. In Yuvacali (Provinz Sanliurfa) helfen die Kinder des Dorfes bei den Bauarbeiten für eine neue Wasserleitung, um die Wasserversorgung der Dorfgemeinschaft weiterhin zu sichern. FOTO: HANS HOCHSTÖGER
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Zu den Fotos
Water / No Water Im Südosten der Türkei zeigt der Klimawandel seine Auswirkungen auf subtile Weise. Langsam dringt die Syrische Wüste immer weiter nach Norden vor. Gleichzeitig will der türkische Staat seine rebellischen Kurdenprovinzen mit Entwicklungsprojekten wie etwa Dammbauten stärker an sich binden. Die Landschaft und die Lebensweise der Menschen verändern sich deshalb rasch. Immer öfter werden der traditionelle, trockene Landbau und das Nomadentum von industrieller Landwirtschaft mit künstlicher Bewässerung verdrängt, weil die immer längeren Trockenperioden diese Art der Bewirtschaftung unmöglich machen. Der steigende Wasserverbrauch verlangt nach neuen Dammbauten, was diese Entwicklung noch beschleunigt. Der Fotograf Hans Hochstöger arbeitet seit 2009 an dem Projekt Water / No Water und dokumentiert die Auswirkungen des Klimawandels und der Politik des türkischen Staates auf die Menschen in den Kurdengebieten. Mehr über seine Arbeit auf: www.hanshochstoeger.com
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24.10.2011 11:34:36 Uhr
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Wir sind Klimawandel!
Abklingen des Klima-Alarms Ist die Sonne für die Erwärmung des Weltklimas in der gegenwärtigen Phase verantwortlich? Gunnar Heinsohn
A
ls der Autor 1996 „Anfang und Ende des Klimawahns“ publiziert, reicht seine Fantasie weder für das Ausmaß der Verstiegenheiten noch für ihre teuren Folgen. Da sollen die Eisbären aufgrund globaler Erwärmung verhungern, obwohl sie zwischen 1950 und 2005 von 5000 auf 25.000 Tiere zulegen. Südseeinseln sollen im Meer versinken, erfreuen aber ungebrochen die Touristen. Der Kilimandscharo soll 2015 ohne Kappe sein, was Al Gore in seinem 2006 erschienenen Film „An Inconvenient Truth“ verkündet. Inzwischen wird das Eis auf Afrikas höchstem Berg mindestens bis 2070 entzücken. Douglas R. Hardy als ein Gewährsmann des Friedensnobelpreisträgers gesteht im März 2011 sogar: „Keiner von uns hatte jemals über die Geschichte des Berges geforscht und wir verstanden nur einen Bruchteil der komplizierten Vorgänge auf dem Gipfel.“ Aus einer anderen Ecke wird mit dem Verschwinden des Himalaya-Eises bis 2035 gedroht. Nun hält es bis 2350 durch. Die Alpen erleben in 10.000 Jahren achtmal Gletscherschrumpfungen. Auch momentan ist das so, aber weniger ausgeprägt, da sich die Eisfelder oben am Mont Blanc seit 100 Jahren kaum bewegen und mee-
Gunnar Heinsohn ist Soziologe und Ökonom
Wenn unser Zentralgestirn sehr aktiv ist, putzt es die wolkenbildende Höhenstrahlung weg und macht die Erde wärmer
resnahe Gletscher von Norwegen bis Neuseeland sogar zulegen. Weitere Experten lassen die Antarktis schwinden, die davon ganz unbeeindruckt stabil bleibt. Selbst in Grönland wird zwischen 1993 und 2003 allenfalls ein Fünfzigtausendstel des Eises zu Wasser. Damit entfällt auch das angedrohte Versiegen des Golfstroms. Den kann nur stoppen, „wer auch Erde und Winde anzuhalten vermag“ (Carl Wunsch). Dann tönen die Posaunen von immer größeren Wüsten. Doch südlich der Sahara wachsen die fruchtbaren Flächen. Und statt verstorbene Forste zu betrauern, prunkt der Globus mit schwellenden Waldgürteln. Unbelegt bleiben auch die Albträume einer immer böseren Mutter Erde. Seit Beginn des 20.Jahrhunderts geht die Zahl der Opfer von Naturkatastrophen kräftig zurück. So muss auch die Warnung vor Malaria und Denguefieber an der Ostsee als Drohung so leer bleiben wie die Verheißung, dort alsbald ein neues Sizilien zu finden. Nicht einmal die lautesten Alarmisten verkaufen ihre Küstenvillen in Miami oder am Mittelmeer, um endlich im Norden die Wärme zu genießen. Lebt da im Geheimen eine wissenschaftliche Ehrlichkeit weiter, die bei öf-
fentlicher Verlautbarung Milliardeneinbußen für Institute und Betriebe nach sich zöge? Schließlich werden Temperaturen erst seit 1860 gemessen. Bis 1910 ändern sie sich nicht. Dann gibt es eine leichte Erwärmung bis 1940. Bis 1970 aber wird es nicht mehr wärmer, obwohl in diesen dreißig Jahren die Menschenzahl von 2,4 auf 3,7 Milliarden springt. Dann kommt bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wieder ein Anstieg wie von 1910 bis 1940. Schon im 21. Jahrhundert aber hält die Temperatur wieder ein. Während es bei ihr vorwärts und rückwärts geht, kennt die Weltbevölkerung zwischen 1910 und 2010 nur eine Richtung – von 1,7 auf 6,8 Milliarden. Wenn die Erwärmung nicht der Vermehrung folgt und sogar in die Gegenrichtung drehen kann, muss eine nichtmenschliche Kraft wirken. Schon lange kandidiert dafür die Sonne. Im August 2011 bekommt sie Recht, als CERN in Genf die Ergebnisse des CLOUDExperiments veröffentlicht: Wenn unser Zentralgestirn sehr aktiv ist, putzt es die wolkenbildende Höhenstrahlung weg und macht die Erde wärmer. Lässt die Aktivität nach, verläuft es umgekehrt.
Klima-Killer: Nachwachsende Rohstoffe Ein Rechenfehler hat nachwachsenden Rohstoffen fälschlich Klimaneutralität bescheinigt, sagt die Umweltagentur der EU er wissenschaftliche Beirat der EuD ropäischen Umweltagentur (EEA) warnte im September vor den „immen-
sen“ Folgen eines Umstiegs von fossilen auf nachwachsende Rohstoffe (NR) und fordert ein Umdenken in der europäischen Bioenergiepolitik. Sie setzt darauf, den Anteil von Biokraftstoffen bis 2020 von derzeit 5,75 auf 10 Prozent zu erhöhen. Doch Bioenergie, etwa aus Mais, könnte zu einer stärkeren globalen Erwärmung führen. Denn laut dem Beirat der EEA basieren die Berechnungen zur Einsparung von Treibhausgasen durch Energie aus nachwachsenden Rohstoffen einem fatalen Fehler: Sie gehen davon aus, dass NR klimaneutral sind, weil CO2, das bei der Verbrennung der Pflanzen freigesetzt wird, bereits während des Wachstums in derselben Pflanze gebunden würde. Unter dieser Annahme, so der Beirat der EEA, werden Treibhauseffekt reduzierende Vorgänge doppelt erfasst. Denn würden man auf dem vorgesehenen Land kei-
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„Die indirekten Landnutzungseffekte haben besonders in den armen Ländern katastrophale Auswirkungen auf die Nahrungsversorgung.“ Helmut Haberl, Institute of Social Ecology Vienna
ne Pflanzen für Bioenergie produzieren, wüchsen dort andere Pflanzen, die ohnedies Treibhausgase binden. So sind die CO2Emissionen per Energieeinheit von NR sogar höher als bei Mineralöl, weil Biomasse mit geringerer Effizienz verbrannt wird. Zusätzlich kritisieren die Wissenschafter die unzureichend einberechneten Folgen von Landnutzungsänderungen. „Eine gleich große Fläche Wald kann viel mehr Klimagase aufnehmen, als etwa eine Plantage für Biomasse“, sagt Johannes Wahlmüller, Klimaexperte bei Global 2000. Besonders kritisch sei die Situation, wenn es sich um die Rodung von Regenwäldern handelt: „Abgesehen vom Verlust an Biodiversität und Lebensraum der indigenen Bevölkerung werden durch die Umwidmung im Boden gebundene Klimagase freigesetzt.“ Als Beispiel nennt der Klimaexperte Indonesien, mittlerweile der drittgrößte CO2-Emittent weltweit. Grund dafür sind Palmölplantagen, die im großen Stil auf den Torfböden des ursprünglichen Urwaldgebiets angelegt wurden.
Bernhard Obermayer von Greenpeace bestätigt dies und zitiert eine GreenpeaceStudie, aus der hervorgeht, dass eine Tonne auf Torfboden produziertem Palmöl fast 20 Mal so hohe Emissionen erzeugt, wie die Verbrennung einer Tonne Rohöl. Der enorme Landverbrauch durch NR macht Regenwäldern ebenso Konkurrenz wie den Anbauflächen für Nahrungsmittel. „Die indirekten Landnutzungseffekte haben besonders in den armen Ländern katastrophale Auswirkungen auf die Nahrungsversorgung“, sagt Helmut Haberl vom Institute of Social Ecology Vienna. „Nur wenn Bioenergie von Biomasse stammt, die ohnehin CO2 an die Atmosphäre abgegeben hätte, wie tierische Fäkalien, dann ist die Gewinnung sinnvoll.“ Dass die Berechnungsfehler erst jetzt Aufmerksamkeit erregen, könnte auch politisch motiviert sein, sind sich alle Interviewpartner einig. Denn, erklärt Haberl am Beispiel der Biokraftstoffe: „Es ist nun einmal einfacher, den Kraftstoff zu tauschen, als das Mobilitätssystem grundlegend zu verändern.“
Fotos: Johannes Kepler Uni Linz, Foto: Wilke
martina weinbacher
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heureka
Wir sind Klimawandel!
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Kommentar zu lija Trojanow
Grafikkabinett Püribauers Tierversuche
Öko-Wutbürger nicole albiez
Ilija Trojanow. „EisTau“. Roman. Hanser Verlag. München 2011. 172 Seiten.
Illust r at ion: Be r n d P ü r i b a u e r
Freihandbibliothek Buchtipps von Emily Walton Wir könnten, wenn wir wollten
Sind die Forderungen des Kyoto-Protokolls nicht zu schaffen? Doch, das sind sie, glaubt zumindest der Umweltexperte George Monbiot. Der Autor ist davon überzeugt, dass mit globaler Zusammenarbeit noch höher gesteckte Ziele erreicht werden könnten. Wenn wir nicht Früchte halb um die Erde schicken, nicht sinnlos durch die Welt fliegen und unsere Energie nicht verschleudern würden. Ein Buch mit Lösungsansätzen, die allerdings nicht leicht umzusetzen sind. Hitze: Wie wir verhindern, dass sich die Erde weiter aufheizt und unbewohnbar wird. George Monbiot. Riemann Verlag. 416 Seiten.
Turbulenzen in der Finanzwelt, Wetterextreme und Rohstoffknappheit – in den letzten Jahren häufen sich die großen Krisen. Die Autoren Leggewie und Welzer stellen die Bedrohungen der Welt dar und zeigen den Handlungsdruck, dem Bürger, Politik und Wirtschaft eigentlich ausgesetzt sind. Eine komprimierte Zusammenfassung der aktuellen Situation – inklusive Fakten und Folgen für die Zukunft. Sachlich und klar. Das Ende der Welt, wie wir sie kannten: Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie. Claus Leggewie, Harald Welzer, Fischer Verlag. 283 Seiten. Gier bringt den Globus um
Die Erderwärmung ist kein modernes Phänomen. Sie hat schon mit dem Ende der letzten Eiszeit eingesetzt. In seinem Buch erzählt der Autor Brian Fagan auf verständliche und lebendige Weise, was seither auf der Welt passiert ist: Sein besonderes Augenmerk gilt dabei der Epoche des Mittelalters. Er zeigt, wie damals die wärmeren Temperaturen die Landwirtschaft in Europa förderten, während andere Regionen wie etwa Kalifornien von Dürre geplagt waren.
Wir stecken mitten im Zerfallsprozess – so sieht Paul Gilding, vormals Direktor bei Greenpeace Australien, die Lage auf unserem Planeten. Die Öl- und Lebensmittelpreise steigen ständig immer höher, während gleichzeitig unsere Erde förmlich dahin schmilzt. Zu bremsen ist die verheerende Lage nur durch ein Umdenken auf ganzer Ebene: Wir müssen unseren Lebensstil und unser Konsumverhalten ändern, anstatt auf Pump der Natur zu leben. Nicht Geld, sondern Lebensqualität macht glücklich. Ein optimistischer und lesenswerter Ansatz.
The Great Warming: Climate Change and the Rise and Fall of Civilizations. Brian M. Fagan. Bloomsbury Verlag. 304 Seiten.
The Great Disruption: Why the Climate Crisis Will Bring on the End of Shopping and the Birth of a New World. Paul Gilding. Bloomsbury. 304 Seiten.
Klimawandel im Mittelalter Fotos: Johannes Kepler Uni Linz, Foto: Wilke
Keine Garantie für eine heile Welt
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ie Welt ist groß und Rettung lauert D überall“, lautete der Titel des ersten Romans (1996) von Ilija Trojanow.
Rettung scheint in seinem neuen Buch „EisTau“ für die Welt, die die unsere und keine erdachte ist, kaum denkbar. „Sein“ Gletscher stirbt, und Glaziologe Zeno (auf den Spuren von Zeno Cosini) zieht sich aus dem akademischen Betrieb zurück. Sein neues Aufgabengebiet: Touristen auf einem Kreuzfahrtschiff die Wunder der Antarktis näherbringen. Das heißt, Urlauber zu betreuen, die keinerlei Respekt vor der Natur zeigen, die beim ersten Blick auf einen Eisberg und Pinguin noch euphorisch jauchzen, doch später nicht einmal mehr den Kopf heben. Sehr zu Zenos Ärger. „Du bist nur Gerede“, wirft ihm gleich zu Beginn ein Bekannter vor. „Deine Empörung ist ein Furz. Du lässt Luft ab, du stänkerst herum, ansonsten bist du wie alle anderen, nein, schlimmer noch, du weißt Bescheid, und du lässt dir dein Wissen versilbern.“ Dieser Vorwurf gilt freilich nicht lange: Auf seiner vierten Reise wird Zeno handeln, angestachelt von der in Wut umgeschlagenen Trauer über die ausgebeutete Natur und die Ignoranz der Menschen. Der Haupttext – in Form von Zenos Logbucheinträgen, die auch Biografisches verhandeln – wird durch Zwischenkapitel unterbrochen. Allerdings sind diese lose aneinander gereihten (Funkspruch-)Fetzen im Schnatterton, eine Kakofonie, die sich aus dem Lärm der Welt speist, dem Lesefluss des Romans nicht zuträglich. Für seine jüngste Arbeit ist der Autor Ilija Trojanow zweimal in die Antarktis gereist. Der Klimawandel beschäftigt ihn offenbar, daher erhebt er in seinem neuen Buch die Stimme. Diese Stimme zeigt sich dem Politischen und dem Gesellschaftlichen verpflichtet – und doch fehlt es ihr an Kraft. Das Rufzeichen, zu dem sich sein träg gewordener, tragischer Held hinreißen lässt, ist umweltaktivistisch – und so auch der Imperativ des Romans. Dennoch wählt Trojanow dafür einen poetischen, ja sogar pathetischen Tonfall. Dabei verliert er sich in Spielereien, die oft auch bemüht wirken. Seine Hauptfigur ist kein Kämpfer, sondern ein in Melancholie versunkener alternder Mann, der sich an seinen Sehnsuchtsort, das ewige Eis, zurückgezogen hat. Ein Wissender, der daran verzweifelt, dass die Forschung rein der Chronik zu dienen scheint, für eine bestens informierte Öffentlichkeit, die über die bloße Analyse nicht hinauskommt und offenen Auges ins Verderben rennt. Mitten in die Hölle, die laut „EisTau“ die Summe unserer Versäumnisse ist: Die Welt wird kleiner und an ihrer Rettung wäre zu arbeiten.
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HEUREKA
WIR SIND KLIMAWANDEL!
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eder kennt die Geschichte vom Frosch im Kochtopf: Wirft man ihn in kochendes Wasser, springt er wieder heraus. Setzt man den Frosch jedoch in lauwarmes Wasser und schaltet die Herdplatte ein, bleibt der Frosch und badet genüsslich. Das Wasser wird heißer und heißer – und irgendwann ist es zu spät, um aus dem kochenden Wasser zu fliehen. Der Bevölkerung in der westlichen Welt geht es wie dem Frosch: Wir sehen, spüren und wissen, dass es um uns immer heißer wird, dass das Klima immer unbeständiger wird und ignorieren dennoch alle Warnungen. Bis es zu spät sein wird. Oder ist es schon zu spät?
Das gilt als der Status quo des Klimawandels Wir sind mittendrin. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat es einen globalen Temperaturanstieg von ungefähr 0,7 Grad gegeben. In Österreich liegt dieser Wert bei rund 1,5 Grad. Dass bei uns die Temperaturen stärker steigen als anderswo, hat mehrere Gründe: Unter anderem liegt es daran, dass sich Tropen langsamer erwärmen als mittlere und hohe Breiten, und Ozeane langsamer als Landmassen. Dazu kommt, dass in Europa durch Filter und Katalysatoren der Ausstoß von Schwefeldioxid (SO2) fast vollständig zurückgegangen ist, was gut ist im Kampf gegen sauren Regen. SO2 reduziert jedoch auch die Sonneneinstrahlung, dieser Effekt wurde unter „global dimming“ bekannt – weniger SO2 heißt also auch schnellere Erwärmung. 1,5 Grad also. Das bemerken nicht einmal die Wetterfühligsten. „Es ist eine zu langfristige Entwicklung, als dass der Bürger die Erwärmung merken würde“, sagt Herbert Formayer von der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien. Zudem ist unser Wettergedächtnis sehr kurzfristig angelegt. „Wissen Sie etwa, wie das Wetter im Juli vor zwei Jahren war?“ Nur wenn man die Statistiken ansieht, wird klar, dass es in unserer Klimaküche zu köcheln beginnt – und bald richtig brodeln wird. Zwischen 1961 und 1990 gab es rund zehn Hitzetage (über 30 Grad) im Jahr. „Inzwischen sind wir bei 20 Tagen mit über 30 Grad“, sagt Formayer. Eine Hitzewoche wie jene heuer im August mit täglich über 30 Grad – früher hätt’s das nicht gegeben. Es klingt wie ein Spruch der Großmutter. Nur diesmal hätte Großmutter Recht. Für Menschen, die berufsbedingt der Hitze ausgesetzt sind, etwa Bauarbeiter, Kellner, aber auch Pendler, sind 30 Grad und mehr (im Schatten) nicht angenehm. Die anderen haben weniger Grund zu klagen, könnte man meinen: Sind doch Büros und Autos längst gekühlt. Auch im Altbau
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bleibt es angenehm. Und viele haben schon zu Hause eine Klimaanlage. Wo liegt also das Problem?
Bekommen wir rumänisches Klima in Österreich? Das Wetter in Österreich wird niemals wie am Mittelmeer sein. Das Land, in dem die Zitronen blühen, werden wir nicht werden. „Wir haben trotz der Erwärmung weiterhin ein Kontinentalklima. Das bedeutet, die großen Landmassen kühlen auch in Zukunft im Winter ab“, sagt Herbert Formayer. Unser Klima wird eher rumänisch oder bulgarisch. Das heißt, im Sommer wird es im Allgemeinen wärmer, dafür gibt es weniger Niederschläge. Dennoch kann ein Juni, Juli oder August auch kühl und regenreich ausfallen. Mehr Niederschläge gibt es im Winter – leider nicht als Schnee. Es regnet öfter, weil die Winter milder werden. Die meisten zumindest. Alle paar Jahre kann es in Österreich dennoch ein sibirisches Hoch geben. Mit Schnee und Wintertemperaturen kälter als minus 20 Grad. Das jedenfalls prognostiziert Herbert Formayer, dem sich im Großen und Ganzen auch andere heimische Klimaforscher anschließen. „Wir kommen in einen Bereich, den die Biosphäre nicht mehr gewöhnt ist“, sagt Formayer. Statt natürlicher Schwankungen gibt es zunehmend Extreme. Die Situation gerät außer Kontrolle.
Vorsicht mit medialen „Jahrhundertereignissen“ Wissenschafter halten sich bei reißerischen Schlagzeilen, die Ausnahmeereignisse betonen, eher zurück. Anders als Medien, die schnell und gern von einem Jahrhunderthochwasser oder Rekordwinter berichten. „Damit wird die Wahrnehmung verzerrt“, sagt Formayer. Vergessen werde außerdem, dass sich in einem Jahrhundert viel ändern kann. Stichwort Hochwasser: An der Donau wurde über lange Zeit hinweg gebaut, es wurden landwirtschaftliche Flächen erschlossen, das Abflussverhalten wurde völlig geändert. „So gesehen ist die Bewertung von Jährlichkeiten extrem diffus und mit Vorsicht zu betrachten“, sagt Formayer. Im Fall des Hochs „Michaela“ 2003 handelte es sich aber um ein „echtes“ Rekordereignis. „2003 war in vielen Teilen Europas der heißeste Sommer seit 1860, dem Beginn der Temperaturmessungen“, sagt Thomas Mölg, Klimaforscher an der Uni Innsbruck. Besonders deutlich zeigte sich dies etwa in der Schweiz. Während über die Jahre 1961 bis 1990 die Sommermitteltemperatur bei 17 Grad lag, wurde 2003 ein Wert von 22,5 Grad gemessen. „Natürlich gibt es immer wieder negative und positi-
Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits zu spüren. So gibt es 20 Millionen Klimaflüchtlinge. 2050 könnten es 200 Millionen sein
ve Ausreißer“, sagt Mölg. „Aber 22,5 Grad liegt außerhalb des üblichen Streuungsbereichs zwischen 15 und etwa 20 Grad.“ Die Folgen der Hitze waren im Rekordsommer 2003 deutlich sichtbar: Mehr als 30.000 Menschen sind in Europa an den Folgen der hohen Temperaturen gestorben. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infekte haben zugenommen. Das Hoch „Michaela“ brachte einen volkswirtschaftlichen Schaden in zweistelliger Milliardenhöhe und war die zweitschwerste Naturkatastrophe in Europa seit dem Erdbeben in Messina 1908. So betrachtet, bekommt der Begriff „Rekordsommer“ eine neue – negative – Bedeutung.
Das Klima wird in der nächsten Zeit unbeständiger
„Wir leben auf Pump der Natur. Und auf Pump der Menschen in der Dritten Welt.“ Helga Kromp-Kolb
Seit 2003 hat es bisher keine weitere extreme Hitzewelle gegeben. Die heißen Sommer werden aber immer öfter kommen. Das Klima ist nicht mehr stationär, sondern dabei, in einen neuen, unbeständigeren Zustand überzugehen. Alle Prognosen – egal welche Modelle man heranzieht – sagen das bevor. „Wir können zwar nicht sagen, dass es exakt 2017 oder 2019 besonders heiß sein wird. Aber wir wissen, dass solche Hitzesommer deutlich häufiger auftreten werden“, sagt Mölg. Wenn es soweit ist, wird es wieder Hitzetote geben. Eine weitere Gefahr sind auch hierzulande Waldbrände. „In Österreich gibt es viele Fichten, auch in Gegenden, wo sie nicht hingehören“, sagt Herbert Formayer, der sich auch an einer Initiative zum Thema Waldbrand beteiligt. Fichten lassen sich gut verkaufen, sind aber extrem trockenanfällig. Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was in Zukunft kommen mag, zeigte der Waldbrand in St. Jakob am Defereggen im August 2011: Eineinhalb Tage waren 100 Feuerwehrmänner und einige Hubschrauber im Einsatz, um den Brand zu löschen. Der Einsatz dürfte einige Zehntausend Euro gekostet haben.
Wasser wird knapper, die Gletscher schmelzen Einer der wichtigsten Faktoren ist die Auswirkung des Klimawandels auf unsere Wasserspeicher: Immer häufiger trocknen Flüsse aus. Nicht das Trinkwasser ist davon bedroht, aber es gibt stellenweise bereits zu wenig Wasser für die Industrie und die Stromerzeugung. Als der italienische Po austrocknete, konnten Kraftwerke nicht mehr gekühlt werden. „Auch in Salzburg hat es im Sommer 2003 so wenig geregnet, dass in der Salzach fast nur Wasser vom Gletscher war“, sagt Jan-Christoph Otto, Geomorphologe an der Uni Salzburg. Wir kratzen also unseren
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Wir sind Kli m
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Wir sind Klimawandel!
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i mawandel! Reservespeicher an; die Gletscher schmelzen rapide. „Am Kitzsteinhorn ist der Gletscher zwar noch bis zu 90 Meter dick, er verliert aber in warmen Jahren rund ein bis zwei Meter an Eis. Bis zu zwei Kilometer Länge hat er seit Ende des 19. Jahrhunderts verloren, also über 50 Prozent“, sagt Otto. „Uns erwarten auch Muren, Überschwemmungen und Felsstürze“, sagt die Leiterin des Instituts für Meteorologie an der Boku Wien, Helga Kromp-Kolb. In den vergangenen zehn Jahren haben die Geologen eine Häufung von Felsstürzen bemerkt, ein Zeichen, dass der Permafrostboden im Hochgebirge schmilzt. Das bedeutet, dass im Sommer immer tiefere Bereiche der gefrorenen Felsen und Gipfel in großen Höhen auftauen. Wenn sich die Temperaturverhältnisse im Inneren, also in Felsspalten ändern, ändern sich auch die Stabilitätsverhältnisse. Mit der zunehmenden Temperatur ändert sich auch die Landwirtschaft. Wenn es zu wenig regnet, zu wenig Wasser zur Bewässerung da ist oder es heftige Gewitter gibt, werden wir mit Ernteausfällen rechnen müssen. Und später sogar auf andere Getreidesorten umstellen müssen. „Es wird andere Nützlinge und Schädlinge geben“, sagt Kromp-Kolb. „Auch Krankheiten, an die wir in unseren Breiten nicht denken, werden auftreten.“ Sie müssen nicht gleich zur Plage werden, bilden jedoch eine Herausforderung für das medizinische System. Der Klimawandel bringt (noch) keine apokalyptischen Horrorszenarien. Doch die Veränderungen sind so drastisch, dass wir endlich handeln sollten. „Die Natur liefert die Prozesse, ja. Aber der Mensch löst sie oft erst aus“, sagt Geomorphologe Otto. Ein gutes Beispiel: die Hochwasserproblematik. „Sie ist mitunter darauf zurückzuführen, dass wir Flächen versiegeln und in Flussauen bauen. Früher, etwa am Nil, war Hochwasser Teil eines positiven Stoffkreislaufs. Der Schlamm hat Nährstoffe angeschwemmt, die gut für den Boden waren.“ Heute ist an einem Hochwasser nichts Gutes zu finden.
Fotos: privat(2), wilke
Die Menschen passen sich dem Klimawandel an Wir passen uns dem Wandel an. Mit einer Kultur des Reagierens. Bei der Flächenwidmung und Raumplanung treten Gedanken an ein Extremereignis meist in den Hintergrund – bis es zu spät ist. „Auch der Einzelne handelt erst, wenn er betroffen ist. Die Eigenverantwortung ist in Österreich gering“, sagt Herbert Formayer. Oft sind es simple Vorkehrungen, die getroffen werden können, um den Schaden eines Wetterextrems gering zu halten. Man könnte zum Beispiel die Möglichkeit schaffen, die
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„Es wird andere Nützlinge und Schädlinge geben. Auch Krankheiten, an die wir in unseren Breiten nicht denken.“ Helga Kromp-Kolb, Meteorologin
„Die Natur liefert die Prozesse, ja. Aber der Mensch löst sie oft erst aus .“ Jan-Christoph Otto, Geomorphologe
„Man ist nur zu Maßnahmen bereit, die nicht in die ökonomischen Systeme eingreifen.“ Herbert Formayer, Klimatologe
Kellertür abzudichten, wenn man in einem Hochwassergebiet wohnt. Oder den Öltank befestigen. Immer wieder kommt es vor, dass Tanks durch das Hochwasser hochgeschwemmt und beschädigt werden. Wir dämmen unsere Häuser besser und bauen Klimaanlagen ein, um uns zu schützen. Wenn weniger Schnee fällt, werden Schneekanonen gekauft. Oder Löschfahrzeuge, um den Waldbrand zu hemmen. „Momentan können wir uns diese Anpassungsmaßnahmen leisten“, sagt Formayer. Doch wird dabei häufig außer Acht gelassen, dass manche Maßnahmen den Klimawandel verschärfen. Auch ändern all diese Maßnahmen nichts an der Tatsache, dass es rund um uns heißer wird und Menschen in Afrika während einer Dürre sterben. „Viele Regierungen sind der Meinung, dass es leichter ist, Geld in die Anpassung zu stecken, als in die Vermeidung der Erderwärmung im Allgemeinen“, sagt Formayer.
Lässt sich der Klimawandel überhaupt noch aufhalten? Sind wir schon an einem Punkt, an dem die Situation nicht mehr einzubremsen ist? „Die Meinungen gehen hier auseinander. Manche sagen, wir sind schon dort“, sagt Kromp-Kolb. „Ich habe beschlossen, mir diese Frage nicht mehr zu stellen. Man muss tun, was man tun kann. Einfach handeln.“ Um das sogenannte 2-Grad-Ziel zu erreichen (die globale Erwärmung soll auf weniger als zwei Grad gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung begrenzt werden), müssten die Emissionen um 80 Prozent gesenkt werden – das klingt wie ein Ding der Unmöglichkeit. Zumindest verzögern ließe sich der Klimawandel, um Zeit zu gewinnen und um ein Umdenken in allen Bereichen, auch der Wirtschaft zu erzielen. Doch die nationale, europaweite und auch globale Klimapolitik ist auf einem Tiefpunkt. Vor der Kopenhagener Klimakonferenz 2009 hofften viele, der eben erst gewählte Präsident Obama könnte ein Umdenken der USA bewirken. Mittlerweile hat sich diese Hoffnung zerschlagen. Und selbst wenn es eine politische Bereitschaft gäbe, lässt diese sich nicht mit der derzeitigen Wirtschaft vereinbaren. „Man ist nur zu Maßnahmen bereit, die nicht in die ökonomischen Systeme eingreifen“, sagt Formayer. Eine globale CO2Steuer? Undenkbar, zu groß scheint die Auswirkung auf die Industrie. „Dabei sollte die Politik Richtungssignale setzen“, sagt Kromp-Kolb. Im Moment geht es in die falsche Richtung. Beispiel: die Finanzkrise 2008. „Um die Industrie zu beflügeln, hat man bei uns die Abwrackprä-
mie eingeführt und Menschen motiviert, sich ein neues Auto zu kaufen. Die Initiative wurde unter einem Klimaschutz-etikett verkauft“, sagt Kromp-Kolb. An Nachhaltigkeit wurde nicht gedacht. „In anderen Regionen war es anders: In Südkorea etwa hat man 80 Prozent in nachhaltige Maßnahmen investiert, etwa in den öffentlichen Verkehr.“
Weltweit gibt es 20 Millionen Klimaflüchtlinge Geschieht ein Extremereignis – etwa Hurrikane Katrina in New Orleans oder das Erdbeben samt Tsunami und Atomkatastrophe in Japan – kommt Angst auf. Die Medien schreiben die Apokalypse herbei, kurz flammt ein Klimabewusstsein auf – und verebbt dann schnell wieder. Die Tatsache, dass es weltweit 20 Millionen Klimaflüchtlinge gibt (bis 2050 sollen es 200 Millionen sein), hindert uns nicht daran, am nächsten Tag ins Auto zu steigen. Und wenn Inseln – die Malediven oder weniger bekannte Regionen – unterzugehen drohen, fliegen wir einfach woanders hin, statt auf einen Langstreckenflug zu verzichten. In gewisser Weise sei es vergleichbar mit den Aufschriften auf Zigarettenpackungen, sagt Kromp-Kolb. Smoking Kills schreckt den Raucher nicht ab. Horrorszenarien können nicht schocken. Erst wenn man die Katastrophe zu einer persönlichen macht, wird es den Menschen nahe gehen. „Man müsste klar machen: Eure Enkel werden im Krieg leben, weil der Kampf um Ressourcen so ausgeprägt sein wird“, sagt Kromp-Kolb. Das Schwinden mancher Ressourcen wie Öl, Gas und teilweise auch Wasser hängt nicht kausal mit dem Klimawandel zusammen. Es ist aber die direkte Auswirkung des nicht von nachhaltigem Wirtschaften geprägtem Schneller-weiterhöher-immer-mehr-Prinzips, das uns kurzfristigen Genuss bringt – allerdings mit langfristigen Folgen. Die Gesellschaft, sagt Kromp-Kolb, müsse sich Fragen stellen: Braucht jeder ein Auto? Zwei Fernseher? Zwei Computer? Braucht jeder ein Haus? So viele Quadratmeter Wohnraum? Der Gedanke an ein Mehrgenerationenhaus, wie es früher üblich war, klingt für viele schauderhaft. „Wir müssen uns mental von diesem Luxus lösen“, sagt Kromp-Kolb. „Denn derzeit leben wir auf Pump der Natur. Und auf Pump der Menschen in der Dritten Welt.“ Die Frage ist nicht, ob das gut gehen kann – sondern nur: wie lange noch? Für neun Milliarden Erdbewohner – so viele werden wir Mitte des Jahrhunderts sein – wird sich dieser verschwenderische Stil nicht ausgehen.
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heureka
Wir sind Klimawandel!
Klimawandel in Österreich Elisabe th Fürntr ath
Wie wirkt sich der Klimawandel momentan auf unsere Forst-, Land- und Wasserwirtschaft aus? Eine Be standsaufnahme
Gutes Jahr für die Forstwirtschaft, weniger gut für die Landw irtschaft In Österreich ist die Temperatur in den letzten drei Jahrzehnten um rund 1,5 Grad gestiegen. In der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts wird für Europa im Mittel ein weiterer Anstieg von 1 bis 3 Grad erwartet. Neben der Temperatur ist vor allem der Niederschlag wichtig. „Für die Forstwirtschaft war heuer ein gutes, feuchtes Jahr. Niederschlag und Bodenfeuchtigkeit sind ganz wesentlich für die Widerstandsfähigkeit der Bäume“, sagt Matthias Grün, Leiter des Forst- und Naturmanagements bei Esterházy im Burgenland. Für die Landwirtschaft war es allerdings zu feucht. Sie liegt im Einzugsgebiet des Neusiedlersees, und der hat zurzeit den Höchststand erreicht. „Letzten Herbst waren die Flächen so feucht, dass sie gar nicht mehr bewirtschaftet werden konnten. Bei uns gibt es entweder zu wenig oder zu viel Niederschlag“, erklärt Grün. An sich neigt
„Für die Forstwirtschaft war heuer ein gutes, feuchtes Jahr.“
„Schädlinge treten häufiger auf, auch in Regionen, wo sie bis jetzt noch nicht waren.“ m a r ku s h o y o s f o r s t m a n a g er
auch durch eine Erweiterung der Anbaugebiete profitieren könnte. „Der Rotweinanbau könnte begünstigt werden, der Weißweinanbau eher nicht“, sagt Josef Pusch, Önologe bei Esterházy.
Es herrscht eine große Unsicherheit bei den Voraussagen „Das Thema Unsicherheiten ist eines der intensivsten Forschungsthemen“ Andreas Gobiet, Klimafoscher, Graz
Mat thias Grün F o r s t m a n a g er
das Burgenland zu Trockenheit – in der Landwirtschaft sind Bewässerungssysteme im Einsatz; nun denkt man auch an Grabensysteme und Drainagen.
Die Fichte zieht sich zurück, doch der Wein wächst Die Forstwirtschaft ist durch einen Mischbestand auf den Klimawandel vorbereitet. „Wir haben über 30 Baumarten. Dadurch sind die Bestände insgesamt stabiler und können auch auf Auswirkungen des Klimawandels flexibler reagieren“, sagt Grün. Da jede Baumart an einen Klimabereich gebunden ist, verändern sich mit der Erwärmung die jeweiligen Verbreitungsgebiete. „Die Fichte wird sich weiter zurückziehen. Wo sie jetzt noch wächst, wird sie nicht mehr wachsen. Aber auch die Buche,
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die Eiche und andere heimische Bäume sind betroffen. Das ganze Ökosystem wird sich verschieben“, sagt Markus Hoyos von der Forstverwaltung Hoyos in Niederösterreich. Mit dem Klima verändert sich der Schädlingsbefall. „Schädlinge treten häufiger auf, auch in Regionen, wo sie bis jetzt noch nicht waren.“ Hoyos betont, dass gerade im Waldbau an Nachhaltigkeit zu denken sei. „Wir pflanzen jetzt, was unsere Ur- oder Ururenkel nutzen werden.“ Höhere Temperaturen können sich aber auch positiv auswirken. Durch verlängerte Vegetationszeiten sind höhere Erträge möglich – zum Beispiel im Weinbau, der
„Unsicherheiten muss man zugeben, und Trendwenden gibt es immer wieder“ Reinhard Böhm, Klimaforscher, Wien
„Bei uns gibt es entweder zu wenig oder zu viel Niederschlag“ Matthias Grün, Forstmanager, Burgenland
Auch im Weinbau ist der Niederschlag von Bedeutung. Zu viel davon kann zu Pilzerkrankungen führen, zu wenig zu Stressreaktionen der Reben. „In den letzten Jahren gibt es enorme Schwankungen in Temperatur und Niederschlag. Nach einem mediterran heißen Jahr folgt oft ein kühles, nasses“, berichtet Pusch. Weinbauern seien zunehmend von „Wetterkapriolen“ wie Starkregen, Sturm und Hagel verunsichert. Höhere Temperaturen, einmal zu feucht, einmal zu trocken, dazwischen Extremereignisse – das sind die Szenarien der Auswirkungen des Klimawandels. Das kann zu Qualitätseinbußen, Ernteausfällen, einer Verringerung der Artenvielfalt, Bodenerosion, Trockenstress in Wäldern bis hin zum Waldbrand und verstärkten Wasserengpässen führen. In Österreich gibt es unterschiedliche Klimaräume mit unterschiedlichen Temperatur- und Niederschlagsverhältnissen. Also wirkt sich auch der Klimawandel regional und lokal unterschiedlich aus. Die Temperaturen steigen, das ist sicher, aber gerade bei kleinräumigen Auswirkungen, Extremereignissen und Niederschlag gibt es Unsicherheiten. „Das Thema Unsicherheiten ist eines der intensivsten Forschungsthemen“, sagt Andreas Gobiet, Klimaforscher am Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel in Graz. Allgemein wird zum Beispiel eine Zunahme
der Niederschläge im Winter und eine Abnahme im Sommer erwartet. Diese Prognose beruht aber nach wie vor auf unsicheren Informationen. Österreich befindet sich im kontinentalen Übergangsbereich zwischen Niederschlagszunahme im Norden und -abnahme im Süden, was eindeutige Aussagen schwierig macht. Möglich ist auch eine Zunahme der Niederschlagsvariabilität, wodurch es wiederum zu mehr Starkniederschlägen kommen kann. „Unsicherheiten muss man zugeben, und Trendwenden gibt es immer wieder“, sagt Reinhard Böhm, Klimaforscher bei ZAMG, der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien. Falls überhaupt Trends erkannt werden können. Für Extremereignisse wie Starkniederschläge ist das besonders schwierig. Wichtig ist, zwischen langfristigen Trends und kurzfristigen Schwankungen zu unterscheiden. „Kurven zeigen oft die Variabilität von Jahr zu Jahr. Das ist aber nicht aussagekräftig. Der Hintergrundtrend wird erst später sichtbar. Er wird von kurzfristigen Ereignissen überlagert“, sagt Böhm.
Vergleichsweise harmlose Auswirkungen in Österreich Trotz aller Unsicherheiten, ein Trend ist zu erkennen mit Folgen für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Wasserbau – es geht in Richtung Trockenheit. „Ausschlaggebend ist die Bodenfeuchte. Niederschlag steuert kurzfristig. Aufgrund des Temperaturanstiegs kommt es langfristig zu einer stärkeren Verdunstung, was zu Trockenheit
„Der Temperaturanstieg bringt langfristig eine stärkere Verdunstung, was zu Trockenheit führt.“ reinhard böhm k l i m af o r s c h er
führt“, erklärt Böhm. Durch Fortschritte in der regionalen Klimamodellierung (Klimamodelle sind Computerprogramme, die die Entwicklung des Klimas berechnen) sollten in fünf bis zehn Jahren dann auch aussagekräftigere Ergebnisse zu den Extremereignissen vorliegen. Die Frage ist, ob sich die Liste der Szenarien dann verlängert oder verkürzt. Schlussendlich sind noch zwei Dinge wichtig: Nicht jedes Wettergeschehen geht auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurück. „Sowohl als auch“, sagt Böhm – es gibt einen anthropogenen und einen natürlichen Anteil. An „sowohl als auch“ solle man sich auch bei Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen halten, sagt Gobiet. Und noch etwas: Im Vergleich zu anderen Ländern sind die Auswirkungen des Klimawandels in Österreich harmlos.
Fotos: Privat
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lima und Wetter beeinflussen das Artenspektrum und das Ertragspotenzial in der Landwirtschaft. In der Forstwirtschaft wirkt sich das Klima auf die langen Lebenszyklen von Wäldern aus. Auch der Wasserbau unterliegt klimatischen Faktoren. Die Auswirkungen, die der Klimawandel auf Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Wasserbau haben wird, sind allerdings nicht eindeutig. Denn: In welche Richtung entwickelt sich das Klima in Österreich überhaupt? Doch zunächst ein Blick in die gegenwärtige Praxis zweier heimischer Großgrundbetriebe.
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HEUREKA
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Ein Bauer der türkischen Provinz Sanliurfa auf seinen Feldern. Er kontrolliert die Bewässerungsanlagen. Der Klimawandel und das Vordringen der Syrischen Wüste zwingen viele Bauern dazu, ihre Felder künstlich zu bewässern. Ein Teufelskreis, denn dadurch steigt der Wasserverbrauch weiter an, was wieder neue Dammbauten notwendig macht. FOTO: HANS HOCHSTÖGER
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Wir sind Klimawandel!
Kann man sich versichern? Sabine Edith Br aun
Der Gesamtschaden ist nicht gleich dem versicherten Schaden
Der Klimawandel kann Natur katastrophen auslösen. Die wiederum setzen Versicherungen und Rück versicherungen unter Druck
„In den USA sind die gefährdetsten Gegenden die schönsten – Florida und Kalifornien.“ Alexander Mürmann, Ökonom, WU Wien
Versuche, den Klimawandel in Zahlen zu fassen: 1. Stern-Bericht 2006 veröffentlichte der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, im Auftrag der britischen Regierung den „Review on the Economics of Climate Change“. Die Reaktionen vor allem der Wissenschaft waren geteilt. http://webarchive. nationalarchives.gov. uk/+/http://www. hm-treasury.gov.uk/ stern_review_report. htm
Anhand der Schäden von Fukushima wird dies deutlich. Das Erdbeben sowie der infolge des Erdbebens ausgelöste Tsunami am 11. März 2011 haben laut Swiss Re einen Gesamtschaden von 210 Milliarden US-Dollar verursacht. Der versicherte Schaden beträgt jedoch „nur“ 31 Milliarden US-Dollar, also ein Siebentel. Welche Arten von Versicherung gibt es überhaupt? Wann ist welche Versicherung sinnvoll? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Bereich Risk Management, der zur Betriebswirtschaftslehre zählt, eine Schnittstelle zwischen Mathematik und 2. Risk modeling Ökonomie.
Versichern heißt, Risiken auf die Gemeinschaft aufzuteilen Alexander Mürmann, Versicherungsökonom an der Wirtschaftsuniversität Wien, erklärt die Prinzipien des Risk Management: „Jeder von uns ist gewissen Risiken ausgesetzt: Gesundheitsrisiko, Einkommensrisiko, und wenn ich ein Haus baue, Sturmschaden-Risiko. Die Frage ist: Trägt jeder das Risiko selber, oder teilen wir das Risiko in einer Gemeinschaft? Der klare Vorteil des Teilens in der Gemeinschaft ist, dass der Einzelne an allen Risiken der anderen partizipiert und umgekehrt. Das Risiko wird vorhersehbarer, weil es über die Gemeinschaft gestreut ist.“ Nichts ande-
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companies Als nach dem Hurrikan Andrew 1992 sechzig Versicherer pleite gingen, entwickelte sich die neue Industrie der Risk Modeling Companies. Sie simulieren Hurrikans und andere Katastrophen am Computer. Die Datenbanken dieser Firmen werden von den Versicherern genutzt. http://www.eqecat.com http://www.rms.com http://www.airworldwide.com
res mache der Aktienmarkt. „Dort werden Geschäftsrisiken auf eine Investoren-Gemeinschaft transferiert.“ Bei Naturkatastrophen wie Erdbeben und Hurrikans treten Risiken gebündelt auf, die Korrelation ist extrem. „Da hat man auf einmal einen Riesenschaden. Das bedeutet eine zusätzliche Schwierigkeit für die Versicherung. Gegensteuern kann man hier, indem die Versicherung die Risiken weiter streut, also diversifiziert.“ – Dies geschieht entweder in geografischer Hinsicht, oder auch über die Zeit. Vor allem Rückversicherer bieten diese globale Risikostreuung an. An den Geldern, die Rückversicherer nach Hurrikanschäden zahlen, sind über Portfolios auch (österreichische) Erstversicherer beteiligt.
Dasselbe gilt für Österreich. Wer in der Wachau lebt, hat ein größeres Überschwemmungsrisiko als jemand, der im Weinviertel wohnt. Wenn alle die gleiche Durchschnitts-Versicherungsprämie zahlen, kommt der Kremser sehr billig zu seiner Versicherung, während sie für den Hollabrunner günstig ausfällt. Im privaten Versicherungsmarkt wird der Kremser dann sehr viel Versicherung kaufen, währenddessen der Hollabrunner sich eher entscheidet, keine Versicherung zu kaufen. Somit rechnet sich die Durchschnitts-Versicherungsprämie für das Versicherungsunternehmen nicht mehr – und die Prämien werden steigen.
Die Grenzen der Versicherbarkeit: adverse selection
Die Frage sei, wie mit solchen Verzerrungen umgegangen werde. „Wenn ich Risikoteilung effizient gestalten will, muss ich risikogestaltete Prämien anbieten“, sagt Mürmann. „Sonst schlägt Risikoteilung in Quersubventionierung um.“ Dies geschehe dann, wenn der Staat – der durch sein riesiges Budget Risiken am besten abfedern kann – formal als Versicherer auftritt und praktisch nicht versicherbare Risiken übernimmt. In den USA geschieht dies etwa seit 1968 durch das National Flood Insurance Program (NFIP). Mit Stichtag April 2010 waren durch das NFIP rund 5,5 Millionen Häuser versichert; die Mehrzahl davon in Florida und Texas. „Das hat gewisse ökonomische Vorteile, denn die Regierung kann über das Steuersystem die Risiken über Generationen hinweg aufteilen“, sagt dazu Experte Mürmann. Dennoch gebe es Nachteile, wenn der Staat als Versicherer agiert: „Es schafft die falschen Anreize. Im Prinzip handelt es sich um eine Subventionierung – zum Beispiel von Häuselbauern am Mississippi – oder in Florida. Dadurch werde die gegebene Situation perpetuiert; die Bevölkerung in diesen gefährdeten Regionen wächst.“ Die Menschen, die nicht in Florida oder am Mississippi wohnen, subventionierten dann jene, die sich dort ansiedeln. „So gesehen ist das eine Einkommensumverteilung“, sagt Mürmann. – Ein Begriff, den man in den USA nicht so gerne hört.
Ein Problem, so der Versicherungsökonom Alexander Mürmann, gebe es erst, wenn Risiken beeinflusst werden können oder die Risiken unterschiedlich sind, und das Versicherungsunternehmen dies nicht verifizieren kann. Durch diese Informationsasymmetrien stoßen wir an die Grenzen der Risikoteilung, der Versicherbarkeit: „Das ist dann der Fall, wenn ich als Mensch mein Risiko selber beeinflussen kann, wie etwa durch ungesunde Ernährung oder Rauchen, und das Versicherungsunternehmen dies nicht nachweisen und somit nicht in der Prämie entsprechend berücksichtigen kann.“ Auch, wenn man durch die familiäre Vorgeschichte mehr über das Gesundheitsrisiko weiß als das Versicherungsunternehmen, herrsche eine Informations-Asymmetrie. Das nennt man „adverse Selektion“.
Wer in gefährdeten Gebieten lebt, müsste höhere Prämien zahlen Das trifft auch auf die Wahl des Wohnorts zu: Es gibt Regionen, die gefährdeter sind als andere. Mürmann, der sechs Jahre lang am Departement of Insurance and Risk Management der Wharton School an der Universität von Pennsylvania gelehrt hat, nennt ein amerikanisches Beispiel: „In den USA sind die gefährdetsten Gegenden die schönsten – Florida und Kalifornien. Während Kalifornien extrem erdbebengefährdet ist, herrscht in Florida eine überproportionale Hurrikangefahr. Trotz dieser Risiken ziehen viele Menschen in diese Regionen, weil sie sonnig sind.“ Da die Bewohner von Kalifornien und Florida nun einem höheren Katastrophenrisiko ausgesetzt sind als die US-Durchschnittsbevölkerung, müssten sie – risikobasiert – höhere Prämien für Erdbeben-, Sturm- und Überflutungsversicherungen bezahlen als jene Mehrheit, die außerhalb solcher Gefahrenzonen lebt. „Versicherungsökonomisch wäre das sinnvoll, um den Markt effizient zu gestalten.“
Risikoteilung oder Quersubventionierung?
Weitere Infos, Links- und Lesetipps: Limits to Growth: Update
¦ Die 1972 erschienene, legendäre Club-of-Rome¦
Studie von Dennis Meadows wurde zum 30-jährigen Erscheinungsjubiläum einem Update unterzogen: Limits to Growth – The 30 Year Update. www.clubofrome.at/archive/limits.html
China im 30-Jahre-Überblick ¦ Die Munich Re hat eine Studie über Überflutungen in China von 1980 bis 2010 erstellt. ¦ w ww.munichre.com/de/group/focus/climate_ change/current/flooding_in_china/default.aspx
Foto: Privat
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ür die Munich Re ist er „Fokusthema“, für die Swiss Re „Featured Topic“: Als Verursacher von Naturkatastrophen kommt am Klimawandel keine Versicherung vorbei. So war der Hurrikan Katrina im Jahr 2005 mit einem verursachten Gesamtschaden von über 100 Milliarden US-Dollar der größte Fall von Versicherungsverlusten in der bisherigen Geschichte. Auch das Jahr 2011 weist einige traurige Negativrekorde aus. Dem aktuellen Sigma-Report der weltweit zweitgrößten Rückversicherung Swiss Re zufolge haben Naturkatastrophen die Versicherungsindustrie im ersten Halbjahr 2011 bereits 70 Milliarden US-Dollar gekostet. Auf Basis der ersten Jahreshälfte lässt sich schon jetzt sagen, dass 2011 das Jahr mit den höchsten versicherten Erdbebenschäden der Geschichte sein wird. Das Jahr 2011 rangiert damit an zweiter Stelle bei der Höhe der durch Naturkatastrophen ausgelösten Versicherungsschäden – also den versicherten Schäden. Wenn von Schadenfällen nach (Natur-) Katastrophen die Rede ist, muss zwischen versicherten und nicht versicherten Schäden unterschieden werden. Die Höhe der versicherten Schäden sagt also nicht notwendig etwas über die tatsächlichen Schäden (beziehungsweise deren Folgeschäden in der Zukunft) aus.
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WIR SIND KLIMAWANDEL!
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Die Syrische Wüste dringt immer weiter nach Norden in die Steppen der Türkei vor. Aufgrund des Wassermangels in vielen Regionen sind Hirten oder Nomaden oft gezwungen, ihre Lebensweise aufzugeben und in Städte zu ziehen und dort Arbeit zu suchen. Die einfachen Tränken für die Tiere einer Nomadenfamilie in der Provinz Hilvan werden täglich mit Wasser gefüllt, das händisch aus Wasserstellen geschöpft werden muss.
FOTO: PRIVAT
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Klimawandel: Das Glossar Wenn von Klimawandel die Rede ist, fallen eine Menge merkwürdiger Begriffe. Hier werden sie erklärt Jochen Stadler
Abwärme
Von Maschinen und Computern ab gegeben, trägt sie weltweit ein Hun dertstel zur globalen Erwärmung bei. Atmosphärische Gegenstrahlung Von Treibhausgasen zur Erde zurück
gestrahlte Wärme.
CO2 – Kohlendioxid Ein Treibhausgas, das ca. 120 Jahre in
der Atmosphäre bleibt. Trägt 60 Pro zent zur globalen Erwärmung bei und entsteht immer dann, wenn wir fossile Brennstoffe verbrennen. CO2-Äquivalent – Treibhauspotenzial
Gibt an, wie viel eine bestimmte Menge (meist 1 kg) eines Gases in ei nem Zeitraum (meist 100 Jahre), ver glichen mit CO2, zum Treibhauseffekt beiträgt. Dauerfrostboden
Stets gefrorener Boden in den Polar gebieten und im Gebirge. Taut er auf, wird CO2 frei und Sümpfe entstehen, die Methan bilden. Eis-Albedo-Rückkoppelung
Eis und Schnee (albus, lat.: weiß) re flektieren Sonnenlicht etwa viermal so gut wie Wasser, Fels oder Grün land. Schmelzen Gletscher und Meer eis wegen der globalen Erwärmung, nimmt die Erde mehr Wärme auf, Schnee und Eis schmelzen. Eishockeyschlägerkurve
Eine 1999 veröffentlichte Grafik, die den weltweiten Temperaturverlauf der vergangenen 1000 Jahre zeigt. Weil sie über 900 Jahre ziemlich gera de verläuft und dann steil nach oben knickt, sieht sie einem Eishockey schläger nicht unähnlich. Emissionsrechtehandel
das Verbrennen fossiler Brennstoffe, die Abholzung der Wälder und die Landwirtschaft angeheizt, steigen die Durchschnittstemperaturen der Atmosphäre und der Meere. Je nach dem, ob wir weitermachen wie bis her oder gegensteuern, prognosti zieren WissenschafterInnen bis zum Jahr 2100 eine Erwärmung von 1,1 bis 6,4°C.
ne Treibhausgase mehr produziert, wird es die nächsten 100 Jahre lang wärmer.
Joint Implementation
Wenn Staaten im Ausland Emissio nen reduzieren helfen, dürfen sie, laut Kyoto-Protokoll, daheim mehr produzieren.
Klimawandel
Natürliche oder menschengemach te Änderung des Klimas. Wird häufig gleichbedeutend mit globaler Erwärmung verwendet.
Hatte bis vor Kurzem den größten Einfluss auf das Erdklima, wurde aber in den vergangenen Jahrzehnten von menschlichen Aktivitäten in den Schatten gestellt.
Kleine Eiszeit
Kopenhagener Konferenz
Stern-Report
Kyoto-Protokoll
Treibhauseffekt Treibhausgase in
Kühle Periode vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. Klima
Salopp gesagt: das durchschnittliche Wetter. Klimadebatte
Diskussion zwischen Klimaforschern und Klimaskeptikern, ob es wärmer wird und ob die Menschheit wirklich daran schuld ist. Klimaflüchtling
Eine Person, die sich wegen eines Wetterereignisses auf der Flucht befindet. Klimagewinner
Manche Regionen profitieren wahr scheinlich von der globalen Erwärmung: Die Landwirtschaft in unseren Breiten könnte effektiver werden, Wein weiter im Norden wachsen und Tourismusbüros im Alpenraum mit mehr Sonnentagen werben. Klimarahmenkonvention-UNFCCC
Abkommen zwischen 194 Staaten, um die globale Erwärmung zu ver langsamen und die Folgen zu min dern. Wurde 1992 in New York City verabschiedet.
Politik und Diplomatie verteilen Zer tifikate, mit denen man eine gewisse Menge Treibhausgase ausstoßen darf. Wer weniger Schadstoffe produziert, kann sie an jene verkaufen, die die Grenze nicht einhalten können oder wollen. Den Preis regeln Angebot und Nachfrage. Das Kyoto-Protokoll erlaubt Staaten, damit zu handeln, die EU seit 2005 auch Unternehmen.
Wie viel die weltweite Durchschnitts temperatur steigt, wenn sich die Men ge der Treibhausgase in der Atmo sphäre verdoppelt. Laut IPCC-Schät zungen 2 bis 4,5°C.
Fossile Brennstoffe
Klimaskeptiker
Kohle, Erdöl und Erdgas. Geoengineering
TechnikerInnen denken laut darüber nach, wie sie Sonnenstrahlen abblo cken könnten, bevor sie die Erdatmos phäre erhitzen. Zum Beispiel, indem sie Schwefeldioxid oder Nanopartikel in die Stratosphäre befördern. Über die tatsächliche Wirkung und mögli che unerwünschte Nebenwirkungen ist nicht viel bekannt. Globale Erwärmung
Von der Menschheit vor allem durch
Klimasensitivität
Kann man in Ursachen- und Folgen skeptiker unterteilen. Die einen be zweifeln, dass Menschen das Klima beeinflussen, die anderen meinen, der Klimawandel hätte keine ernstzu nehmenden Folgen. Klimaträgheit Das Klima ändert sich erst einige Zeit
nach Umweltveränderungen. Schuld daran sind Rückkoppelungseffek te und Wärmespeicher wie gefrore ne und flüssige Wassermassen. Selbst wenn die Menschheit ab sofort kei
Klimaverlierer
Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern werden vom Klimawandel am meisten betroffen sein. Wintersportorte unter 2500 Metern müssen um ihre Schneesicherheit bangen.
10500 Delegierte erklärten bei der UN-Klimakonferenz 2009 unter an derem, dass die globale Erwärmung höchstens 2°C erreichen soll. Aller dings unverbindlich, das Abschluss papier, der Copenhagen Accord, ver pflichtet zu nichts und wurde von den TeilnehmerInnen bloß „zur Kenntnis genommen“. Am Weltklimagipfel 1997 in Kyoto legten 2300 Delegierte aus 170 Staa ten erstmals Grenzwerte fest, wie vie le Treibhausgase die Industrieländer in die Umwelt lassen dürfen. 2005 in Kraft getreten, läuft der Vertrag 2012 aus, Nachfolger ist keiner in Sicht. Die weltweiten Emissionen sollten 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 sinken, steigen aber weiterhin. Das Kyoto-Protokoll wurde von den USA als einzigem Industrieland nie ratifiziert. Lachgas
Ein Gas mit dem 298-fachen Treibhauspotenzial von CO2 , das im Schnitt 114 Jahre in der Atmosphäre bleibt. Trägt 5 bis 6 Prozent zur globalen Er wärmung bei und entsteht vor allem in der Landwirtschaft. Meeresspiegel
Steigt und fällt mit der weltweiten Durchschnittstemperatur. Methan
Ein Gas mit dem 25-fachen Treibhauspotenzial von CO2 , bleibt 9 bis 15 Jahre lang in der Luft. Stammt aus Landwirtschaft und Industrie und trägt 20 Prozent zur globalen Erwär mung bei. Mittelalterliche Warmzeit
Warme Periode vom 9. bis zum 14. Jahrhundert. Die Wikinger besiedel ten Island und Grönland. Negative Rückkopplung
Sich selbst verstärkende Effekte, die den Klimawandel verlangsamen. Zum Beispiel eine üppige Vegetation.
Positive Rückkopplung
Sich selbst verstärkende Effekte, die den Klimawandel beschleunigen. Zum Beispiel der Eis-Albedo-Effekt. ppm
Englisch: parts per million. Also Teil chen je Million. Zum Beispiel CO2 : vorindustriell: 280 ppm, aktuell: 390, Tendenz: steigend. Sonnenaktivität
Der ehemalige Weltbank-Cheföko nom Nicholas Stern berechnete 2006 für die britische Regierung die wirt schaftlichen Folgen der globalen Er wärmung. Ungebremst kostet sie laut Stern 5 bis 20 Prozent des weltweiten Pro-Kopf-Einkommens, sie auf 2–3°C einzuschränken, käme auf 1 Prozent. der Atmosphä re lassen Sonnenlicht größtenteils durch; Wärmestrahlen, die von der Erde kommen, nehmen sie aber auf. Sie verteilen die Wärme in alle Rich tungen, als sogenannte atmosphärische Gegenstrahlung auch zurück zur Erde. Treibhausgase
Gase in der Atmosphäre, die von der Erde abgegebene Wärmestrahlen nicht ungehindert in das Weltall las sen. Ohne sie hätten wir auf der Erde durchschnittlich -18°C. Vulkanismus
Große Vulkanausbrüche können das Klima für mehrere Jahre kühler gestalten. Weltgrößter Treibhausgasverursacher
Sind die USA vor der EU und China. Weltklimarat (IPCC)
Von den Vereinten Nationen und der Weltorganisation für Meteorologie gegründet, soll er die Risiken der glo balen Erwärmung beurteilen und er örtern, wie man sie vermeiden oder sich anpassen kann. Die unregelmä ßig erscheinenden Sachstandsberich te stellen den Stand der Forschung für EntscheidungsträgerInnen und die Öffentlichkeit dar. 2007 wurde der Weltklimarat zusammen mit dem ExUS-Vizepräsidenten Al Gore mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
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Zwei-Grad-Ziel
2°C Erwärmung gegenüber dem vor industriellen Niveau sind für viele ExpertInnen die Grenze zwischen akzeptabel und gefährlich.
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Ein Junge hütet die Schafe des Dorfes Yuvacali in der Provinz Sanliurfa. In vielen Gebieten der Türkei, viel mehr noch in Syrien, beschleunigt die Schafwirtschaft das Fortschreiten der Wüste. Durch den steigenden Fleischkonsum werden immer mehr Tieren gehalten. Die Landschaft leidet an der Überweidung durch die Tiere. FOTO: HANS HOCHSTÖGER
Wir forschen für die Umwelt Wir brauchen neue Ideen für Klimaschutz und die Energieversorgung von morgen. Die Technische Universität Wien hat „Energie und Umwelt“ zu einem ihrer Forschungsschwerpunkte erklärt. In unzähligen interdisziplinären Projekten forschen wir an neuen Konzepten, arbeiten wir an neuen Technologien und Analysemethoden, finden wir neue Lösungen. Große Probleme löst man nicht über Nacht – aber durch beharrliche Forschung und viele zündende Ideen.
Eine grünere Zukunft ist möglich. Wissenschaft und Technologie sind unser Weg dorthin. Technische Universität Wien Technik für Menschen
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Wissenschaftspolitik
Wenn dich das Wissen schafft K atharina Fritsch W e r n e r S t u r m be r g e r
Wissen als die neue Produktivkraft Laut dem deutschen Vordenker des Wissensgesellschaftsbegriffs Nico Stehr sind Wissensgesellschaften keine moderne Entwicklung. So fungierten schon „das religiös-gesetzliche Thorawissen“ in der alt israelitischen Gesellschaft und „das religiös-astronomische“ und agrarische Wissen in der altägyptischen Gesellschaft als Organisationsprinzipien. Der entscheidende Unterschied unserer derzeitigen Wissensgesellschaft liege „am unbestreitbaren Vordringen der modernen Wissenschaft und Technik in alle gesellschaftlichen Lebensbereiche und Institutionen“. Dieses Vordringen ist eng mit einer zentralen Wende kapitalistischer Strukturen verbunden: mit der Verschiebung von materieller zu immaterieller Arbeit. Seit den 1980ern seien nicht mehr Industrie-, sondern WissensarbeiterInnen die für den Markt relevanten Arbeitskräfte. Marketing und Werbung werden zu zentralen Wissensindustrien, Wissen zum zentralen Machtfaktor, indem für bestimmte Produkte „angebrachte“ Sehnsüchte, Gefühle und Wertvorstellungen produziert werden. Institutionen wie Staat, Kirche oder Militär verlören an Einfluss, meint Stehr. Wissensgesellschaften hätten handlungsermächtigende und demokratisierende Auswirkungen. Anders der britische Sozialwissenschafter Bob Jessop: Es gehe um die Verankerung neoliberaler Normen und Prinzipien der Wettbewerbsfähigkeit in Regierung, Management, Massenmedien und akademischer Welt; der Fachbegriff dafür lautet Benchmarking, worunter der Vergleich verschiedener Institutionen an der jeweils besten verstanden wird. Wissen wird, laut dem französischen Sozialphilosophen André Gorz, immer mehr mit Sach- und Fachkenntnis verwechselt, die Unternehmen produzieren und verkaufen. Aus dem natürlichen Gemeingut Wissen entsteht eine verwertbare Ware. Wissensgesellschaften bringen enorme Umstrukturierungen bestehender Verhältnisse mit sich. Teamarbeit, flache Hierarchien, flexible Arbeitszeiten und mehr Eigenverantwortung prägen diese Veränderungsprozesse. Man ist jemand, wenn man das „richtige“ Wissen hat und dieses „richtig“ einsetzen kann. Die Frage, was dieses „richtige, verwertbare“ Wissen ist, spiegelt
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Die anstehenden Hochschul reformen in Österreich im Kontext der Wissensgesellschaft
Sieht in der Wissens gesellschaft die Chance zu mehr Demokratie. Nico Stehr
Ein Plakat zum 15-jährigen Bestehen der IG LektorInnen und Wissensarbeiter Innen
sich in den derzeitigen Diskussionen um anstehende Hochschulreformen wider. Hochschulen sind als Orte der Produktion von Wissen Fokalpunkt dieser Debatte. In einem Bericht des BMWF finden sich viele Versatzstücke der Wissensgesellschaft wieder; er lässt auch ahnen, in welche Richtung die Hochschulreform zielt.
Die Universität als Unternehmen Zentral ist die Neudefinierung der Autonomie der Unis: „Autonomie und Wettbewerb sind (...) dann am größten, wenn die Hochschulen ihre Studierenden aussuchen, ihre Mitarbeitenden frei wählen, ihre Studienangebote selbst bestimmen können und ein Wettbewerb um Finanzierungsquellen herrscht.“ Zugleich wird darauf hingewiesen, dass „wissenschaftliche Redundanzen“ von einer zentralen Planungsstelle vermieden werden sollen. Als oberstes Gremium dient ein aus Mitgliedern der Bundes- und Länderregierungen zusammengesetztes Gremium. VertreterInnen der Hochschulen sind in einem untergeordneten Gremium nur mehr mit einer koordinierenden Funktion betraut. Die von Karlheinz Töchterle progagierte Autonomie der Unis stellt demnach nicht mehr als eine Scheinautonomie dar. Sie umfasst Studiengebühren, Studieneingangsphasen bzw. Zugangsbeschränkungen und Drittmittel. Autonom impliziert die Möglichkeit, marktorientiert im Wettbewerb mitspielen zu können, nicht aber ökonomisch, inhaltlich oder organsiatorisch unabhängig zu sein. Die von Finanzministerin Maria Fekter angekündigte Hochschulmilliarde weist in dieselbe Richtung: Sie ist an die unternehmerische Umstrukturierung der Unis, sprich an die oben genannten Maßnahmen, gekoppelt. So heißt es auf der Homepage BMWF: „Diese Hochschulmilliarde wird ganz klar leistungsorientiert und nach den Kriterien von Effizienz und Wirkung vergeben werden.” Das betrifft auch die angedachte Studienplatzfinanzierung: Für die Ausbildungskosten von Studierenden wird ein Durchschnittswert berechnet, der abhängig von der Studienrichtung verschieden multipliziert wird. Der Fokus liegt dabei auf den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die Sozial- und Geisteswissenschaften bleiben unterfinanziert. In der Logik des Modells würde ihnen aufgrund der schlechten Betreuungslage mehr Finanzierung zustehen. Es ist jedoch absehbar, dass den Mängeln wohl mit Zugangsbeschränkungen begegnet werden wird. Im Bericht des BMWF wird empfohlen, den Zugang zur Universität „differenziert“ zu gestalten, und zwar bevor Studierende die Studieneingangsphase absolvieren, denn: „Insbesondere in den geistes- und so-
zialwissenschaftlichen Massenfächern erweist sich das Fehlen von Zulassungsregeln als ein schlechtes Geschäft für das Individuum und die Gesellschaft.“ Zulassungsregeln würden zu kürzeren Studienzeiten führen, die Studierenden könnten so früher „ordentlichen Erwerbarbeitsverhältnissen“ nachgehen. Die Empfehlungen des Berichts gehen dabei an der Lebensrealität der AbsolventInnen und Studierenden vorbei. Sie konterkarieren die Forderungen der uni.brennt-Bewegung nach freier, emanzipatorischer Bildung und demokratischer Mitbestimmung.
Ein Blick in den Uni-Alltag Die Bachelor-Master-Umstellung brachte eine erhebliche Verschulung des Studienalltags mit sich. Studierende sind einem verstärktem Leistungs- und Zeitdruck unterworfen. Die Studierenden-Sozialerhebung 2009 im Auftrag des BMWF ergab, dass 61 Prozent der Studierenden nebenerwerbstätig sind. Hinzu kommen oft weitere Tätigkeiten wie un- oder unterbezahlte Praktika. Die Uni wird immer mehr zur Schule fürs Erwerbsarbeitsleben: für zeitlich befristete, projektbezogene Arbeitsverhältnisse. Vor allem unter Sozial- und GeisteswissenschafterInnen sind prekäre Arbeitsverhältnisse verbreitet. Am Institut für Politikwissenschaft der Uni Wien bestreiten externe Lehrende 70 Prozent der Lehre. Sie werden dafür knapp über der Geringfügigkeitsgrenze entlohnt und erhalten meistens keine fixen Arbeitsverträge. „Tatsächlich ist das Unterrichten an der Uni ein Hobby, das es zu finanzieren gilt“, sagt Mario Becksteiner, Vorstandsmitglied der IG-Lehrenden. „Man muss anderweitig Geld verdienen, um sich das Lehren leisten zu können. Viele talentierte Lehrende scheiden daher aus dem Unibetrieb aus.“ Becksteiner selbst unterrichtet aus diesen Gründen dieses Semester nicht an der Uni. Diese Verhältnisse wurden bereits während der Uni-Proteste 1996 thematisiert. Damals formierte sich die nunmehrige IG LektorInnen und WissensarbeiterInnen. Sie vertritt die Interessen wissenschaftlich Tätiger, deren Arbeitsverhältnisse als prekarisiert zu bezeichnen sind. In der zum 15-jährigen Bestehen veröffentlichten Broschüre „Wissensarbeit: Prekär: Organisiert“ wird nun der Begriff Wissensarbeit im Spannungsfeld zwischen dem Idealbild von Wissenschaft und der Selbstausbeutung in realen, prekären Arbeitsverhältnissen diskutiert. Offen bleibt, auf welche Widerstände die angestrebte Hochschulreform treffen wird. Weltweit gibt es Protestbewegungen gegen die Ökonomisierung der Bildung. Im Zentrum der Proteste steht die Frage, was Wissen beinhaltet, wem es zugute kommen und inwiefern es verwertbar sein soll.
Fotos: Pohlmann, privat(2)
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niversitäten müssten sich nach den „kontinuierlich steigenden Anforderungen in unserer Wissensgesellschaft“ orientieren, sagt Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Zugleich ist von Studiengebühren, Zugangsbeschränkungen, lebenslangem Lernen, Steigerung des Humankapitals und der Autonomie der Universitäten die Rede. Im Zentrum steht der Begriff der Wissensgesellschaft.
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Gedicht
Was am Ende bleibt
friedrich achleitner
Friedrich Achleitner, geb. 1930 in Schalchen, OÖ, Schriftsteller und Architekturhistoriker, gehört mit seinen frühen Dialektdichtungen in „hosn rosn baa“(1959), den experimentellen „konstellationen“ und „montagen“ aus den 1970er-Jahren, dem „quadratroman“ (1973) sowie der Kurzprosa der letzten Jahre zu den Klassikern der zeitgenössischen österreichischen Literatur. Die in „iwahaubbd“ versammelten, aus sechs Jahrzehnten stammenden Texte haben mit Mundartdichtung, dem armen Verwandten der Hochkultur, nichts gemein. Er ich K lein
um middanochd
+
auf da friedhofsmaua buddlnoggad
kuschl dö
erich klein
waons koed is
aina
und schnaibd
und
und da wind ged
ziag dai ruadalaiwö
Auch Überlegungen zum Klimawandel unterliegen der politischen Konjunktur. Wurde zwischen den Siebziger- und den Neunzigerjahren vor dem „Kältetod“ gewarnt, folgte in den letzten Jahrzehnten die „Erderwärmung“. Mit den Kriegen und Revolutionen im Nahen Osten, vor allem aber mit der Wirtschaftskrise traten die Apokalyptiker des Umweltschutzes jüngst wieder in den Hintergrund. An Aktualität hat das Thema nicht verloren, auch wenn dessen emotionale Aufgeladenheit sachliche Diskussion eher verhindert als befördert. Alle bleiben bei ihren Paradigmen: Umweltbewusste Europäer trauen sich wieder, Begriffe wie „staatliche Intervention“ zugunsten der Natur in die Diskussion einzubringen; Briten und Amerikaner setzen weiter unverdrossen auf den selbstregulierenden Markt. China wird abwechselnd gelobt und kritisiert, Brasilien und Indien pochen zunehmend lauter auf ihre Rechte auf gesteigerten Energieverbrauch, und in Russland brennt jedes Jahr noch mehr Wald nieder. Soll man also bei den wahren Werten Trost suchen, dem interesselosen Wohlgefallen in Kunst und Kultur? Der Markt an Cultural Studies legt das nahe: Findige Manager, von der Unterhaltungs- bis zur Genussmittelindustrie, ziehen nach: Kein Bergdorf, das seinen Besuchern nicht die „Erfindung der Alpen“ samt Auswirkungen des Klimawandels erklärt. Red Bull inszeniert Hannibals Überquerung der Alpen als kleinen Nervenkitzel. Mehr lohnt ein Gang ins Museum zu den traditionellen Freuden romantischen Eskapismus. Es müssen nicht gleich die Anfänge der Malerei in der Höhlenmalereien von Lascaux sein, die zu Beginn der Eiszeit entstanden; auch ein Blick auf die Landschaftsmalerei der frühen Neuzeit genügt. Etwa auf Pieter Brueghels „Düsterer Tag“ im Kunsthistorischen Museum. Da sind Wetterveränderungen und darauffolgende Überschwemmungen zu sehen. Oder auf die strenge Winterlandschaft „Die Heimkehr der Jäger“. Die „kleine Eiszeit“ ließ europäische Flüsse wie Rhein oder Rhone zufrieren. Der Maler erfasste bis ins kleinste Detail, was ein Kunsthistoriker so beschrieb: „Jede Form nimmt an der Wesenheit des Winters teil.“ Das klingt zwar mystisch, ist aber seit einem halben Jahrtausend unabdingbare Voraussetzung einer anderen Sichtweise auf Welt und Natur, was einzig eine veränderte Handlungsweise im Umgang mit diesen zur Folge haben könnte. Und ebenso lange hält sich niemand daran …
aus bfui daifö woass das ee + oa moe oa moe richtig oa moe richtig schaissn auf an boisdatn auf an boisdatn broedl
Aus: friedrich achleitner, iwahaubbd, Paul Zsolnay Verlag , 2011
Rätsel von Gaja Waagrecht: 1 Was Kühe in die Atmosphäre furzen 7 Vorspiel und Viren, adjektiv auf einen gemeinsamen Nenner gebracht 8 Ganz verkehrte Ansprache – es sei denn, des Kobolds Meister ist der Ansprechpartner 9 Sorgt in moderner Medienwelt für Millionen Überflutungsopfer 10 Organisiert, aber nicht-gerade-offiziell 12 Epischer Mundgeruch 13 Sprichwörtlicher Spottfreund 15 Szene-Spritz-Sprit 16 Und aus Mathematikermund 17 Zu dem Berg musste der Prophet schon selber kommen 19 Steht dem Niño noch bevor 21 Soll oder Haben, das ist hier die differente Frage 23 Macht Wermutstropfen zum Martini 25 Elementarteilchen, auch ohne Houellebecq negativ drauf 26 Sorgt für Höhenflüge beim Niki-Index 27 Damit haben auch Chemie-Anfänger ein heißes Eisen im Feuer (Abk.) Senkrecht 1 Ob Nixen sich davor schminken, weiß man nicht; dass er steigt, steht im IPCC-Bericht 2 Wer nicht gerade abgehoben ist, steht drauf 3 Immobilie im globalen Dorf? Effektiv eine Bedrohung 4 Muskulöser Schlagerstar, geht in der Liebe verloren 5 Uralter Homo; zwischen denen herrschte Eiszeit 6 Tönt aus Phrasendreschers Wendungshals 11 Ethnowort für Massenmord 12 Als Gedicht immer noch in Mode 14 Kommandobrücke des Kirchenschiffs? 18 Geschütteltes Fanta, in Amerika handelsüblich 20 Wenn Rosa blau macht 22 Hat mit mit nichts gemein; mit nicht ist es aber gar nicht so übel 24 Nicht alt, trotzdem nicht jung
Lösungswort:
B_22_43_11 22
Kältetod und Erderwärmung
Auflösung aus Falter HEUREKA 3/2011. Waagrecht: 1 APANAGE, 6 BRAILLE, 7 AIR , 8 PUBS, 10 REAL, 12 LOEWEN, 14 IDYLL , 15 FADO, 16 REPORTER, 17 NE , 18 FACKEL, 22 RUSHDIE, 24 AEROB, 25 IRAN, 26 AST , Senkrecht: 1 ARIE , 2 PARALYMPICS , 3 NLP, 4 ALU, 5 GEBAERDEN, 6 BARRIEREFREI, 9 SENIOREN, 11 LOL , 13 ELFRIEDE , 19 AUER , 20 KHAN, 21 LIRA, 23 EOS , Lösungswort: HANDICAP
24.10.2011 11:44:31 Uhr
n i Erw r e g n i d ö r h c S m u di n e ip t dss n a Ausl ngen Anforderu nes Doktorat Publikationen » abgeschlosse senschaftliche is w ungsstätte le na io at » intern dischen Forsch än sl au r de en chreib » Einladungss ehrphase: ng einer Rückk gu ra nt ea gsstätte B ei b » chen Forschun is nd lä in r de Bestätigung grenze » keine Alters rphase) e (inkl. Rückkeh hr Ja 3 . ax m um: abhängig Dauer bis landsstipendi us A e h ö h 00 pro Jahr Förderungs nittlich € 34.0 ch hs rc du t, or ts trag mit vom Aufenthal se: Dienstver ha rp eh kk üc R die steuerfrei; für .000 p.a. -Gehalt + € 10 oc tD reichfristen Senior-Pos end, keine Ein uf la g n u ll e Antragst
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Österreich s u a s c o tD s o für junge P an führenden zur Mitarbeit d ten im Auslan tu ti s n i s g n u h Forsc
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Sparkling Science > Wissenschaft ruft Schule Schule ruft Wissenschaft „Das Nachwuchsförderprogramm ‚Sparkling Science‘ bringt junge Menschen zur Wissenschaft – und umgekehrt. So arbeiten Forscherinnen und Forscher Seite an Seite mit Schülerinnen und Schülern. Diese europaweit einzigartige Initiative ist eine lohnende Investition in die Zukunft des Wissenschaftsstandortes Österreich.“
o. Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Töchterle Bundesminister für Wissenschaft und Forschung
Mehr Infos unter > www.sparklingscience.at Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
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