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HEUREKA Das Wissenschaftsmagazin
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low in der Musik Was beim Musizieren geschieht, wenn der Flow eintritt
Big Data in der Medizin Was ELGA und ein elektronischer Dr. Watson Ärzten ermöglichen Schönrederei TU-Rektorin Sabine Seidler und Hannes Androsch über unsere Forschungszukunft
Nr. 2/14
Big Data,
bitte beschütze uns!
Big Data kann unser Leben bis in die letzte Zahnlücke bestimmen. Die Vorteile und Probleme von Big Data ab Seite 8 I L LU S T R AT I O N: B E TO N – G RU PPE F Ü R G E S TA LT U N G , W W W.T Y PI S C H B E TO N .CO M
Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2451/2014
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Inhalt
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Sparsam mit Atomen Chemiker Nuno Malide Flow in der Musik Was das gute Gefühl verursacht Die Musik der Fische Wie Amazonasfische kommunizieren Die nächste industrielle Revolution? Was man sich vom 3D-Druck erhofft
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Titelgeschichte: Big Data Große Zahlen zum Thema Big Data für die Hosentasche Apps, die unsere Leben bestimmen Was Big Data alles kann Überwachen, analysieren, helfen Eine kurze Geschichte des Internets Erzählt vom Philosophen Herbert Hrachovec
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Big Data in der Medizin ELGA und ein elektronischer Dr. Watson für Ärzte Kein Grund für Schönfärberei TU-Rektorin und Hannes Androsch im Gespräch Aus dem Parlament auf die Duellwiese Als Österreichs Parlament noch wild war Gedicht, HEUREKA-Rätsel, Kommentar Der Tod eines Naturdenkmals
Gastkommentar
Editorial
Das sollte doch möglich sein! heinz w. engl
Grafik: Tone Fink, foto: Franz PflÜgl
wei Prozent des BIP für tertiäre Z Bildung, weitere Investitionen in Forschung: Ziele, die sich die Bun-
desregierung selbst gesetzt hat, wohl im Wissen, dass ihr zügiges Erreichen entscheidend ist für die technologische und soziale Innovationsfähigkeit Österreichs. Auch „Innovation Leader“ sollen wir werden. Entscheidend dafür ist nicht „nur“ das Umsetzen von Forschungsergebnissen, sondern international konkurrenzfähige Grundlagenforschung. Daraus stammen letztlich Innovationen. Man braucht dafür einen langen Atem und Kontinuität in der Politik und bei der Finanzierung. Bis Ende 2014 ist das Budget für den Unisektor für 2016 bis 2018 festzulegen, anschließend werden die Leistungen und Budgets der einzelnen Unibudgets vereinbart. Dieser Mechanismus bringt Planbarkeit und Verlässlichkeit, was wichtig ist, um SpitzenwissenschafterInnen in Österreich zu halten oder hierher zu berufen. Vieles ist der Universität Wien in den letzten Jahren gelungen, wir haben in zahlreichen Forschungsbereichen zur Weltklasse weiter aufgeschlossen. Schon das Halten dieses Niveaus erfordert weitere Investitionen, insbesondere in Geräteinfrastruktur und Gebäude. Hier kommt wieder das 2-Prozent-Ziel ins Spiel, von dem wir derzeit weit entfernt sind. Dies wirkt sich nicht nur auf unsere Attraktivität für WissenschafterInnen aus, sondern immer stärker auch auf die Betreuungskapazitäten für unsere Studierenden. An der Universität Wien gibt es auch schon Engpässe in den laborintensiven Naturwissenschaften aufgrund des Erfolgs, mehr Studierende für diese Fächer zu gewinnen. Auch die angestrebte Qualitätsverbesserung in der LehrerInnenausbildung wird Geld kosten: bessere Betreuung erfordert mehr Personal, mehr Räume, mehr Laborplätze.
Ich begrüße den offenen Hochschulzugang, aber man muss ihn auch finanzieren; die „Studienplatzfinanzierung“ wurde eben auf 2019 verschoben! Zu den früheren Vergleichen mit den Unis in München und Zürich ein neues Beispiel: Die traditionsreichste schwedische Universität (Uppsala) verfügt über ein um 20 Prozent höheres Budget als die Uni Wien – bei weniger als der Hälfte an Studierenden. In Kooperation mit dem Karolinska Institut und der KTH kann auch in
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ein Life-Science-Zentrum für biowissenschaftliche und medizinische Forschung investiert werden, das internationale SpitzenforscherInnen und Firmen anzieht. Das sollte auch in Österreich möglich sein.
Finkenschlag Handgreifliches von Tone Fink
Heinz W. Engl Rektor der Universität Wien
www.tonefink.at
Erwähnt man in Österreich das Thema „Big Data“, schlägt einem der Ruf nach Datenschutz gleich kräftig ins Gesicht. Bei einem Science Talk des Wissenschaftsministeriums in der Aula der Wissenschaften antwortete Johann Maier, „Vater“ der elektronischen Gesundheitsakte ELGA, auf die Frage, was wäre, wenn die Bundesregierung jeden Datenschutz abschaffte, das sei wegen der Europäischen Meschenrechtskonvention gar nicht möglich. Schön. In dieser Ausgabe versuchen wir aber herauszubringen, was Big Data außer an Problemen mit dem Datenschutz an Vorteilen bringt. Da sieht ein Primar in ELGA vorrangig ein Verfolgungsinstrument für Ärzte, gesteht aber zu, dass sie Vorteile für ältere Menschen hat (Seite 16). Eine Gruppe von Rechtsspezialisten an der Uni Wien analysiert im EU-Projekt SMART technische, rechtliche und soziologische Aspekte von Überwachungssystemen. Und die Modul University Vienna stellt eine Plattform mit Daten zum Klimawandel zur Verfügung, die von der US-Klimabehörde genutzt wird (Seite 12–13). Big Data beeinflusst unser alltägliches Leben, etwa durch Apps, und ist ein Megatrend in der Biologie, der doch das Leben nicht erklären wird können (Seite 10). Bevor Sie sich also vor der totalen Überwachung fürchten, lassen Sie sich hier informieren.
Impressum Falter 22a/14 Herausgeber: Armin Thurnher Medieninhaber: Falter Zeitschriften GmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: service@falter.at, www.falter.at Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. Redaktion: Christian Zillner Fotoredaktion: Karin Wasner Produktion/Grafik: Reini Hackl Lektorat: Martina Paul Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.
HEUREKA ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit
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Aus Wissenschaft und Forschung Kopf im Bild Neue chemische Synthese ohne „Atomver schwendung“ Mit seinen 34 Jahren hat Nuno Maulide bereits eine beachtliche Karriere hingelegt: Bevor der Chemiker im Herbst als Professor für Organische Synthese an die Uni Wien berufen wurde, war er Gruppenleiter am Max-PlanckInstitut für Kohlenforschung in Mühlheim (D) und erhielt hochrangige Auszeichnungen wie einen ERC Starting Grant oder den HeinzMaier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Unlängst ließ seine Arbeitsgruppe an der Wiener Uni mit einer Technik aufhorchen, mit der sich arylierte Carbonylverbindungen effizient und umweltfreundlich herstellen lassen. Aufgrund ihrer biologischen und pharmakologischen Eigenschaften werden diese u. a. für entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Maulides Gruppe gelang es, bei der Herstellung alle Atome der Ausgangsmaterialien zu verwenden. „Diese ,Atomökonomie‘ hat zur Folge, dass keine Abfallprodukte im herkömmlichen Sinn entstehen können“, so der aus Lissabon stammende Maulide. Das macht das Verfahren umweltschonend. T e x t : U schi sor z F oto : K arin W asner
U schi S or z
ür herausragende Forschungsleistungen im Rahmen ihrer DisserF tation mit dem Doc.Award 2013 von Stadt und Uni Wien ausgezeichnet:
Johanna Alexopoulos, 33, MedUni Wien
Johanna Alexopoulos untersucht psychoanalytische Konzepte mithilfe neurowissenschaftlicher Methoden. „Menschliches Erleben und Verhalten sowie die Faktoren, die unsere Entscheidungen beeinflussen, haben mich schon immer interessiert“, erzählt sie. Die Oberösterreicherin hat Psychologie und Kognitionswissenschaften studiert und sich in ihrem Dissertationsprojekt mit maßgeblichen Kriterien für unser Gerechtigkeitsempfinden beschäftigt. Beim Spiel um Geld
stellte sich der Einfluss auf dessen Verteilung und die soziale Nähe zwischen den Spielern als entscheidend heraus. Wer die Verteilung des Betrags mitbestimmen konnte, handelte eher prosozial und fühlte sich belohnt, wenn er oder einer der anderen einen angemessenen Teil erhielt. Teilnehmer ohne Einfluss neigten zu egoistischem Verhalten. Nina Senitschnig, 29, Uni Wien
„Im Statistikstudium fand ich einen Weg, die Mathematik für die theoretische Statistik zu nutzen“, sagt Nina Senitschnig, Post-Doc am Institut für Statistik. Schon in der Schulzeit hatte sich ihr Hang zur Mathematik bemerkbar gemacht. „Datensätze mit vielen Variablen und vergleichsweise wenigen Beobachtungen sind in
der Datenanalyse eine große Herausforderung“, erklärt die Jungforscherin den Hintergrund ihrer Dissertation. Für eine Out-of-SamplePrognose – diese zieht Werte heran, die nicht im untersuchten Datensatz enthalten sind – verglich sie zwei Schätzfunktionen. Dabei stellte sie fest, dass moderne Schätzmethoden („Shrinkage-Schätzer“) durchaus Potenzial haben und mitunter auch mit Standardmethoden mithalten können. „Außerdem habe ich gezeigt, wie man aus vielen Shrinkage-Schätzern den asymptotisch besten ermitteln kann.“ Samuel Matthias Meier, 29, Uni Wien
„Die Chemie macht selten das, was man von ihr erwartet“, sagt Samuel
Meier. Und gerade das Überraschende mag er an seinem Beruf. Mit der anorganisch-medizinischen Chemie kam der Post-Doc am Institut für analytische Chemie erstmals als Erasmus-Student in Edinburgh in Berührung. „Es erfüllt mich, zur Entwicklung künftiger Wirkstoffe für die Krebstherapie beizutragen.“ Etwa zu oral verabreichbaren Chemotherapeutika mit effizienterer Wirkung und weniger Nebenwirkungen. In seinem Doktoratsprojekt forschte Meier an organometallischen Wirkstoffen auf Basis von Ruthenium oder Osmium. Dabei konnte der Schweizer u. a. Wirkstoffe mit ausgezeichneten tumorhemmenden Eigenschaften entwickeln. Ihre Verträglichkeit und Wirksamkeit nach oraler Einnahme werden derzeit untersucht.
Fotos: Privat
JungforscherInnen
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Aus Wissenschaft und Forschung Mathematik
Medizin
Musikpsychologie
Fast-periodische Funktionen: Die Grundlagenforschung hinter der digitalen Datenverarbeitung
Ein neues Gerät macht höchste Präzision bei Gelenksspiegelungen und eine raschere Genesung möglich
Der Flow – und was er beim Musizieren verursacht Was passiert, wenn die Finger beim Klavierspielen wie von selbst über die Tasten gleiten und Zeit und Raum verschwinden?
Uschi Sorz
Dieter Hönig
Uschi Sorz
as wohl einfachste Beispiel für ein enn du es nicht gut siehst, D Signal ist unsere Stimme. Möch- W kannst du es nicht behandeln. te man sie digital aufnehmen, muss Darin sind sich Orthopäden einig. Die man zuerst die Rohdaten dieses Signals in eine Form umwandeln, die auf einer CD gespeichert werden kann. In der Mathematik heißt dieser Vorgang diskretisieren. „Digitale Datenverarbeitung verwendet eine diskretisierte Version des Originalsignals“, erklärt Ewa Matusiak von der Uni Wien. Signale kann man mathematisch mithilfe von Basisfunktionen, sogenannten Frames, gut beschreiben. Kompliziert wird es, wenn man ein Signal anhand seiner Messwerte wieder rekonstruieren will. Zwar gibt es Anwendungen, die gleichmäßige Abtastwerte aufweisen, viel häufiger aber erhält man diese Daten in ungleichmäßigen Abständen. Das führt in Wissenschaft und Technik zu vielfältigen Problemen, etwa wenn – wie bei Kratzern auf einer CD – die Daten eines regulär abgetasteten Signals verlorengehen.
F o to s: a rc h i v, p r i vat
„Ich will neue Werkzeuge zur Untersuchung nichtregulärer Systeme von verschobenen Basisfunktionen finden“ Ewa Matusiak, Uni Wien
„Daher braucht man Methoden, um solche Fälle gut zu verarbeiten“, sagt Matusiak. „In meinem aktuellen Elise-Richter-Projekt des FWF versuche ich das durch die Theorie der fast-periodischen Funktionen.“ Diese setzt die Grundlagenforscherin in Beziehung mit der Signalanalyse. „Mein Ziel ist es, neue Werkzeuge zur Untersuchung nichtregulärer Systeme von verschobenen Basisfunktionen zu finden“, so die 35-Jährige. Nach dem Studium von Mathematik und Electrical Engineering in den USA hatte die gebürtige Polin 2007 an der Uni Wien promoviert. Es folgten Karenz und ein Post-Doc-Aufenthalt in Israel, bevor sie an die Wiener Fakultät für Mathematik zurückkehrte und hier bis 2013 an einem WWTFProjekt mitarbeitete. „Das neue Projekt gibt mir die Freiheit, eigenen Ideen zu verfolgen“, freut sich die Mutter einer siebenjährigen Tochter.
Spiegelung (Arthroskopie) gilt als besonders schonende Behandlungsmethode, um Strukturen im Knie-, Schulter- oder Sprunggelenk zu untersuchen und Verletzungen zu sanieren. Im Gegensatz zur offenen OP wird durch einen kleinen Hautschnitt ein Arthroskop (ähnlich einer Minikamera) in einen Gelenkraum eingeführt, um das Ausmaß der Schädigung zu zeigen. Die Qualität des Kamerabildes ist letztlich für die Treffsicherheit von Diagnose und Behandlung entscheidend. „Vergleichbar mit dem Wechsel vom Schwarz-Weiß-TV zum HD-Gerät“ Thomas Müllner, Orthopäde
Ein neues, in den USA entwickeltes High-Tech-Instrumentarium stellt jetzt einen Meilenstein für die Präzision dieser Behandlungsmethode dar. Der Arthroskopie-Manager, genannt „Synergy System“, verfügt über eine echte 1080p HD-Auflösung, eine LEDLichtquelle und eine sanfte High-TechPumpe, die zusammen das OP-Gebiet besser sichtbar machen. „Vergleichbar mit dem Wechsel vom SchwarzWeiß-Fernseher zum HD-Gerät“, wie Thomas Müllner, Orthopädievorstand am Evangelischen Krankenhaus Wien, erklärt. Höchste Bildauflösung und besser steuerbare Pumpe ermöglichen es, das Legen von Bohrkanälen oder Verankerungen noch genauer zu setzen. „Das macht Operations- und Narkosezeiten kürzer und beugt auch Komplikationen vor.“ Auch bei Verdrehungen und Luxationen oder bei Rissen der Schulter-Rotatorenmanschette lasse sich erstmals eine exakte Wiederherstellung der Gelenksstrukturen sowie eine bessere Fixierung erzielen. „Das neue System ermöglicht bei schwereren Verletzungen eine genaue innere Schiene, die Einschienung von außen ersetzt. Patienten können so früher wieder mit Alltagstätigkeiten und mit Sport beginnen“, erklärt Müllner.
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low. So nennt man das, was Menschen erleben, wenn sie selbstvergessen in einer Tätigkeit aufgehen. Höchste Konzentration, Können und Intuition vereinen sich scheinbar mühelos zu einem Höhenflug. Verkürzt gesagt. Wissenschaftlich ist das schon schwieriger zu beschreiben. Allein neun Dimensionen an mentalen, psychischen und physischen Vorgängen unterscheiden Forscher, und jede für sich kann Untersuchungsgegenstand sein. Unbestritten ist, dass Flow glücklich macht. Und dass man ihn bei allen möglichen Beschäftigungen erleben, aber nicht willentlich herbeiführen kann. Ein bisschen was kann man aber schon dafür tun, im Fall von Musik etwa ein Stück einüben. „Das individuelle Niveau ist nicht so wichtig, aber es braucht eine gute Balance zwischen den Fähigkeiten und der Herausforderung“, bestätigt Manuela Marin von der Universität Wien. „Es darf nicht zu schwierig, aber auch nicht zu leicht sein.“ Als eine der wenigen Musikpsychologinnen Österreichs hat sie sich auf das Erforschen von ästhetischem Erleben und Verhalten spezialisiert und kürzlich in einer Studie das FlowErleben von Klavierstudenten untersucht. Während der Vater der FlowForschung, Mihály Csíkszentmihályi, dieses Phänomen bei bildenden
Künstlern und Sportlern seit den Sechzigerjahren ausführlich beschrieben hat, ist in der Musik noch wenig darüber bekannt. Unter anderem interessiert sich Marin für die Beziehung zwischen Flow, Emotion und der Persönlichkeit von Musikern. Führt emotionale Intelligenz zu mehr Flow, und wie wichtig ist sie für eine Musikerpersönlichkeit? „Sie könnte eine Rolle spielen, weil es ja auch darum geht, „Es gibt Hinweise, dass eine musikalische Ausbildung mit emotionaler Intelligenz zusammenhängt“ Manuela Marin, Uni Wien
Emotionen in der Musik zu erspüren und auszudrücken“, so die Grundlagenforscherin. „Und es gibt Hinweise, dass eine längere musikalische Ausbildung mit höherer emotionaler Intelligenz zusammenhängt.“ Weil das Glückserlebnis zum Üben motiviert, wächst naturgemäß auch das Können. Dennoch ging ein Zusammenhang mit äußerem Erfolg aus Marins Studie nicht hervor. Diesem Aspekt wird sie daher nun neben weiteren Persönlichkeitsfaktoren in einer Folgestudie mit heimischen Top-Orchestern genauer nachgehen.
Für den Flow ist eine ausgewogene Balance zwischen den eigenen Fähigkeiten und den Herausforderungen durch ein Musikstück notwendig
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Aus Wissenschaft und Forschung Kognitionsbiologie
Anthropologie
Brief aus Brüssel
Vom Brummen und Quieken der Fische
Emily Walton
Ein österreichischer Biologe erforscht die Laute und das Hörvermögen von Amazonasfischen
Je älter der Vater bei der Zeugung ist, desto unansehnlicher können seine Kinder werden
Sabine Edith Braun
Jochen Stadler
auch Balzverhalten oder eine Schreckreaktion“, sagt Lechner. Aufgenommen werden die Fischlaute mit einem wasserdichten Kristallmikrofon. Schwierig ist die Feststellung des Hörvermögens. Fische aus der Gruppe der Otophysi – mehr als die Hälfte der Süßwasserfische – haben die Schwimmblase über eine Kette von Knöchelchen mit dem Innenohr gekoppelt. Das steigert die Hörfähigkeit. „Man nennt dieses System Weberschen Apparat“, sagt Walter Lechner. Gemessen wird das Hörvermögen, indem Hirnströme abgeleitet werden. Das geschieht in Wien. Die Fische werden von professionellen Fischexporteuren über Amsterdam nach Wien transportiert. „Viele Arten sind in Brasilien für den Export verboten, daher brauchen wir Sondergenehmigungen“, so Lechner. Der Verwaltungsaufwand sei enorm. Auf drei Jahre ist das FWF-Projekt angelegt. Geplant sind weiters anatomische Studien der Lautbildungs- und Hörstrukturen sowie die Erforschung einer Welsart, die sowohl im Wasser als auch an Land lebt. Spätestens im Herbst, bei Niedrigwasser, muss Walter Lechner wieder in Brasilien sein: „Zur Hochwasserzeit ist der Fang vieler Arten schwierig bis unmöglich, da erwischt man die Kleinen nicht.“
Der Kognitionsbiologe Walter Lechner bei Forschungen im Amazonasgebiet
s klingt wie ein Vorurteil älteren E Männern gegenüber, doch Wiener Forscher fanden heraus, dass das Ant-
litz von Jugendlichen desto weniger attraktiv erscheint, je älter ihre Väter bei der Zeugung waren. Daran seien vermutlich Mutationen schuld, die sich mit den Jahren in den Spermien ansammeln, berichteten sie im Fachblatt Evolution and Human Behavior. Das Alter der Mütter sei egal. Seit etwa zwei Jahren kristallisiere sich heraus, dass Kinder von ältlichen Vätern eher an Epilepsie und Schizophrenie leiden, vermehrt zu Fettleibigkeit neigen und im Schnitt weniger intelligent sind, erklärten Susanne Huber und Martin Fieder von der Universität Wien. Auch um ihre Schönheit sei es nicht gut bestellt. Sie untersuchten, ob die Attraktivität von Jugendlichen eines US-amerikanischen College-Abschlussjahrgangs und das Alter ihrer Eltern zusammenhängen. Dazu verwendeten sie die Daten der „Wisconsin Longitudinal Study“, für die zwölf Juroren die „Sind Väter jeweils zwanzig Jahre älter, sind ihre Kinder um bis zu zehn Prozent weniger attraktiv“ Martin Fieder, Uni Wien
Gesichter von über zehntausend Burschen und Mädchen bewertet hatten. Sie fanden heraus, dass sich fortschreitendes Alter der Väter schlecht auf das Aussehen ihrer Söhne und Töchter auswirkt. „Wenn sie jeweils zwanzig Jahre älter sind, sind ihre Kinder um fünf bis zehn Prozent weniger attraktiv“, sagt Fieder. Diese Zahlen würden sehr gut mit den beobachteten Mutationsraten in Spermien korrelieren. Mutationen häufen sich in Spermien, weil sich diese ein ganzes Männerleben lang vermehren, wobei stets Fehler passieren können. „Etwa 15 Prozent der Attraktivität eines Jugendlichen sind wahrscheinlich von dieser Mutationsrate bedingt“, meint Fieder. Bei den Frauen seien sämtliche Eizellen schon bei der Geburt angelegt. Deshalb haben alte Mütter genauso hübsche Kinder wie junge.
dere mit den zahlreichen Daten der EU-Bürger umgehen. Neue, einheitliche Datenschutzvorschriften sollen her, damit der Einzelne Rechte gegenüber den Datenkraken hat. Fein. Wunderbar. Sehr lobenswert. Und wenn sich die EU-Einrichtungen schon intensiv mit der Datensammelwut von Google, Facebook & Co. befassen – dann sollten sie auch gleich daran arbeiten, wie sie „Big Data“ selbst vernünftig nutzen können. Zum Beispiel in der Kommission: Der gelbe Journalisten-Ausweis, der Korrespondenten Zutritt zu den EU-Institutionen verschafft, muss jedes Jahr verlängert werden. Verständlich, schließlich will man keine Karteileichen. Trotzdem: Jedes Jahr bestätigen, dass man noch immer denselben Geburtstag und Geburtsort hat wie im Vorjahr? Vom Reisepass, der noch sechs Jahre gültig ist, wieder eine Kopie vorlegen? Was soll‘s, man beugt sich, bringt die geforderten Unterlagen rechtzeitig, vollständig und ordentlich sortiert vorbei – mit dem Ergebnis, dass man sie Wochen später noch einmal bringen muss: Auf wundersame Weise ist der ganze Packen vom Schreibtisch der Akkreditierungsfrau, wo man ihn eigenhändig abgelegt hat, verlorengegangen. Als die zuständige Dame meinen englischen Pass sieht, kann sie sich ein „Komisch, bei allen Deutschen hat es problemlos geklappt ...“ nicht verkneifen. Also noch einmal ausfüllen, kopieren und vorbeibringen. Hat noch nie einer an ein Online-Formular gedacht, bei dem man bestätigen kann, was gleichgeblieben ist und nachreicht, was sich geändert hat? Bei der rotierenden EU-Ratspräsidentschaft sind sie schon einen Schritt weiter: Sie haben Online-Formulare. Und sind von diesen elektronischen Akkredidierungsmitteln offenbar so begeistert, dass man alle sechs Monate für jede Präsidentschaft dieselben Daten (genau jene, welche die Kommission schon hat) neu eintragen, dieselbe Passkopie und dasselbe Passfoto hochladen muss. Auf die Spitze treiben es die gerade präsidierenden Griechen: Ein Ministertreffen Dienstag/Mittwoch und eines Freitag/Samstag – das heißt? Richtig: Zweimal akkreditieren. Zweimal angeben, in welchem Hotel man wohnt. Vier Bestätigungsmails bekommen. Völlig verwirrt sein. Noch Fragen, wieso es Big Data heißt?
Fotos: Uni Wien, privat
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as mit dem Sprichwort – „Stumm wie ein Fisch“ – stimme so nicht, denn schon Aristoteles habe festgestellt, dass Fische Laute produzieren, weiß Walter L echner. Der Kognitionsbiologe befindet sich zurzeit in Manaus, wo er am Zusammenfluss von Amazonas und Rio Negro das Hör- und Lautbildungsvermögen von Welsen erforscht. „Nimmt man manche Fische in die Hand, hört man sie brummen oder quieken“, sagt Lechner. Alle Fischer wüssten das. Wenngleich ihr Repertoire an Lauten beschränkt ist, verfügen Fische über eine enorme Vielfalt an Mechanismen zur Lautbildung. Der bekannteste ist der Schwimmblasenmechanismus: Muskeln bewegen die Schwimmblase – das Ergebnis sind vielerlei Formen des Trommelns. „Es gibt auch Fische, die Laute mit Knochenplättchen auf der Schwimmblase erzeugen, mit Muskeln in der Schwimmblase, durch Knochenreiben, Kiefernreiben oder einen Sehnenzupfmechanismus in der Brustflosse. Bei einigen Arten weiß man noch gar nicht, wie sie die Laute produzieren.“ Die Gründe für die Lauterzeugung sind manchmal nicht verständlich. „Vieles ist Revierverteidigung oder
b Kommission, Rat oder ParlaO ment: In den EU-Institutionen wird oft darüber gesprochen, wie An-
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Aus Wissenschaft und Forschung Robotik
Druck doch einfach deine Welt aus! Der ehemalige Internetpropagandist Chris Anderson sieht eine neue industrielle Revolution voraus – per 3D-Druck S o n j a B u r g e r u n d M ar g ar e t C h i l ds
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er hat schon in 3D gedruckt?“ fragt Roland Stelzer, Geschäftsführer des Happylabs in die Runde. Ein halbes Dutzend Hände schnellt in die Höhe. 3D-Drucken ist für einige in der Gruppe aus Fondsmanagern, Grafikern und Hobbybastlern nichts Neues. Doch egal, ob Neuling oder Fortgeschrittener: Außergewöhnliche Ideen wie ein dreieckiger Puck für Airhockey, ein Handschuhfeuerzeug oder Spielefiguren für ein selbst entworfenes Brettspiel werden Wirklichkeit. Den dafür nötigen Raum, die Geräte und das Know-how stellt das Happylab, Österreichs erstes Fab Lab, zur Verfügung. Der Begriff „Fab Lab“ leitet sich von „Fabrication Laboratory“ ab und bedeutet Fertigungslabor.
Fotos: Georg Zot ti (2), Christoph Welkovits (2)
Der erste 3D-Drucker made in Austria Zunächst ein kurzes 3D-Druck- Tutorial: Man generiert mit einer speziellen Software ein 3D-Bild des gewünschten Objekts. Das kann selbst entworfen oder eine 3D-Druckvorlage sein, wie man sie von Online-Plattformen herunterladen kann. Der 3DDrucker baut das Objekt Schicht für Schicht auf, indem bei jeder Bewegung des motorisierten Kopfes eine dünne Schicht Material aufgetragen wird. Vier bis acht Schichten pro Millimeter sind derzeit Standard. Bis ein HandyCover fertig ist, dauert es rund zwei Stunden. Je größer das Objekt, desto länger der Druck. Die Bandbreite an Materialien reicht mittlerweile von verschiedenen Kunststoffen über Holzund Metall-Filamente bis zu synthetischem Knochenersatzmaterial. Einer, den 3D-Druck fasziniert, ist Peter Purgathofer, Professor am Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung der TU Wien. Ein Schlüsselanhänger, der Schlüssel wie bei einem Schweizer Taschenmesser zusammenklappen lässt, ist sein Lieblingsdesign. „So gehen meine Hosentaschen nicht kaputt“, erklärte er und betont, dass er in dieser individualisierten Nutzung das Potenzial der Technologie sieht. Erschwingliche 3D-Drucker und immer mehr 3D-Dienstleister tragen dazu bei, dass dieses Verfahren weltweit von Tausenden Menschen privat genutzt wird. Den ersten 3D-Drucker „made in Austria“ für Industriekunden entwickelte das steirische Unternehmen HAGE. Der Markt sei laut Szilard
Das Happylab in Wien hat wie alle Fab Labs das Ziel, Privatpersonen industrielle Produktionsverfahren für Einzelstücke zur Verfügung zu stellen
Molnar, Inhaber von Prirevo, die den HAGE 3D-Drucker vertreiben, „schwer umkämpft“. Warum? Weil man mit einem 3D-Drucker eine Art Mini-Fabrik in den eigenen vier Wänden stehen habe und Ideen kostengünstig realisieren könne. „Vielleicht kommen Zeiten, wo statt des Ersatzteils gleich die 3D-Druckvorlage verschickt wird und man sich lange Lieferzeiten erspart.“
Was darf man legal am 3D-Drucker ausdrucken? Das hieße, bei einem defekten Kühlschrank etwa druckt man sich das benötigte Ersatzteil kurzerhand aus. Ist das legal, wenn es sich dabei um einen patentierten Gegenstand handelt? Der Rechtsanwalt Dominik Göbel, spezialisiert auf Immaterialgüterrecht, erklärt, dass „die Grenze zwischen Privatkopie und einer Patentrechtsverletzung sehr eng ist“. Steht besagter Kühlschrank in einem Lokal, sei das bereits eine gewerbsmäßige Handlung und keine private Nutzung mehr. Kreative greifen gern auf 3DDruckvorlagen zurück. Die weltweit größte Online-Plattform ist laut eigenen Angaben „Thingiverse“ des amerikanischen Unternehmens „MakerBot“. Den rund 130.000 Mitgliedern stehen mehr als 100.000 Vorlagen zur Verfügung – Tendenz steigend. Wer dabei auf Nummer sicher gehen und keine Rechte verletzen will, sollte laut Göbel auch bei einer Gratislizenz genau darauf achten, welche Nutzung
erlaubt ist. Denn beim IP-Recht kann man sich weder auf jemand anderen noch auf Nichtwissen hinausreden. Und mit Logos ist schon gar nicht zu spaßen. Besser man nimmt eine Vorlage ohne Logo wie das „Lego Männchen“ des bulgarischen Startup-Unternehmens „Threeding“. Seit Kurzem kooperiert das Unternehmen mit bulgarischen Museen wie dem Regionalhistorischen Museum in Pernik und dem Regionalhistorischen in Varna. Diese bieten nun auch 3D-Druckvorlagen ihrer Ausstellungsstücke an, etwa für eine Statue des griechischen Gottes Dionysos. Die Museen erhalten dafür neben Lizenzgebühren auch 3D-Modelle der Ausstellungsstücke für Lehr- und Forschungszwecke.
Per 3D-Druck die eigene Fingerprothese ausdrucken „Der 3D-Drucker ist das Replikationsgerät des Informatikzeitalters“, betont der Informatiker Georg Zotti vom Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (LBI ArchPro). Dort hat man erste Erfahrungen mit dem 3D-Druck gesammelt. Mittels Laserscanning werden archäologische Funde oder komplette Landschaften erfasst. Über die 3D-Darstellung auf dem Bildschirm hinaus kann auch ein druckbarer Datensatz erstellt werden. Bisher wurde im Auftrag des LBI ArchPro ein Landschaftsmodell des schwedischen UNESCO Weltkulturerbes Birka-Hovgården mit seinem
ausgedehnten Grabhügelfeld ausgedruckt. Günstige Materialien, die Repliken von Keramik-, Stein- oder Holzgegenständen ermöglichen, machen das Verfahren für die Archäologie zunehmend interessant. „Im Moment ist 3D-Drucken einfach überall“, sagt Peter Purgathofer. Seine These untermauert er mit dem „Hype Cycle“, einer Grafik der IT-Firma Gartner (siehe dazu auch Glossar Seite 18). Sie zeigt die Stadien neuer Technologien – von der Geburtsstunde über die Hype-Phase bis zur Etablierung am Markt. „Der 3D-Druck hat jetzt den ,Gipfel der überhöhten Erwartungen‘ erreicht“, erklärt der Experte. In den nächsten Jahren sollte er sich auf dem ,Plateau der Produktivität‘ eingependelt haben. Wann genau der Hype um den 3D-Druck anfing und wie lange er andauern wird, ist umstritten. Was in den Achtzigerjahren mit Prototypen begann, hat heute einen Punkt erreicht, an dem sich Forscher selbst an das Ausdrucken menschlicher Organe wie Haut oder Nieren heranwagen. Mittels 3D-Druck ist es möglich, bei Hand- oder Fingerprothesen günstige und individuell gefertigte Modelle zu produzieren. Experten haben sich im Blog „E-NABLE“ zusammengeschlossen, um Prothesendesigns zu verbessern. Die Betroffenen können aus mehreren 3D-Druckvorlagen wählen, oder sich eine individuelle Lösung maßschneidern lassen und diese kostenlos herunterladen.
Die nächste industrielle Revolution in 3D? Egal, was man herunterlädt, ob eine Prothese, Schuheinlagen, Sexspielzeuge oder Ersatzteile: Könnten nicht auch andere an diesen Daten Interesse haben? Denn diese sind letztlich genauso vermarktbar wie der Text einer Google-Suche – ganz zu schweigen von der theoretischen Möglichkeit der Industriespionage. In seinem Buch „Makers“ nennt der CEO von 3DRobotics, Chris Anderson, den Trend zur Eigenproduktion „die nächste industrielle Revolution“. Der 3D-Druck bietet die Möglichkeit, die Massenproduktion zu umgehen und maßgeschneiderte Produkte sowie individuelle Lösungen kostengünstig und schnell herzustellen. Bis jetzt wird von dieser Technologie oft nicht mehr erwartet, als das, was bisher möglich war, in 3D zu imitieren. Das muss aber nicht so bleiben.
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Zahlen zum Thema Big Data
Der Countdown zum Thema Sabine Edith Br aun
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Gigabyte. Das ist die Zahl der für das Jahr 2020 geschätzten gespeicherten Datenmengen weltweit
Kilometer hoch wäre ein Turm aus Tablets mit je 128 Gigabyte Speicherplatz, die laut Schätzungen sämtliche im Jahr 2013 gespeicherten Informationen enthalten
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eigenen Namen. Diese Zahl entspricht einem „Exabyte“
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Gigabyte. Dafür gibt es einen
beträgt die Zahl der Personen, die gegen die nunmehr aufgehobene Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung in Österreich vor dem Europäischen Gerichtshof geklagt haben
vernetzte Geräte werden, so schätzt man heute, bis zum Jahr 2020 im „Internet der Dinge“ („Internet of Things“) hängen
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Tweets werden täglich versendet
so viele autonom vernetzte Geräte befinden sich derzeit im „Internet der Dinge“ und kommunizieren miteinander
einer Menge von 32 Bit
Dies ist die Anzahl aller darstellbaren Zustände aus
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So oft wurde bisher eine e-card in ein Kartenlesegerät in den österreichischen Arztpraxen gesteckt (Stand: April 2014)
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und Tablets im ersten Quartal 2014
US-Dollar beträgt Intels Verlust bei Prozessoren für Smartphones
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Pfund (54 Millionen Euro) wolle er zur Förderung der Erforschung des Internets der Dinge investieren, kündigte der britische Premier David Cameron an
20 000 000 8 000 000 3 200 000
Geschätzte Zahl der in Österreich in Umlauf befindlichen Kundenkarten
Euro – geschätzte jährliche Gesamtkosten der Vorratsdatenspeicherung in Österreich
Euro beträgt der geschätzte Kostenersatz der österreichischen Steuerzahler an die nbieter im Zusammenhang mit Vorratsdaten A
350 000 24 000
Anzahl der durchschnittlichen Aktivierungen von e-cards pro Tag
geschätzte Zahl von Anfragen der US-Regierung an Facebook über Verbrechen / nationale Sicherheit 2013
Anfragen stellte die deutsche Regierung an Facebook im Zusammenhang mit Kriminalfällen im Jahr 2013
war das Jahr, in dem die Bezeichnung Bit (aus: „binary digit“) erstmals in einer wissenschaftlichen Arbeit auftauchte, und zwar bei Claude Shannon
war das Jahr der Inbetriebnahme der ersten Fernsehüberwachungsanlage, und zwar durch Siemens in Peenemünde zur Überwachung des Starts der A4(V2)-Raketen Exabyte beträgt die geschätzte Gesamtmenge gespeicherter Daten im Jahr 2013 Anfragen stellte die brasilianische Regierung an Facebook im Zusammenhang mit Kriminalfällen im Jahr 2013 ist die höchste Zahl an Rechnern, die für jede Einzelsuche auf Google aktiv sein können
Stunden nach einer Aufnahme beginnt die Löschpflicht bei der privaten Videoüberwachung in Österreich Anfragen stellte die österreichische Regierung an Facebook im Zusammenhang mit Kriminalfällen im Jahr 2013
Stunden nach einer Aufnahme beginnt die Löschpflicht bei der öffentlichen Videoüberwachung durch Sicherheitsbehörden in Österreich
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Prozent beträgt derAnteil der analogen Daten an der Gesamtheit aller gespeicherten Daten im Jahr 2007 Prozent von allen zur Verfügung stehenden Daten beträgt der Anteil jener, die tatsächlich ausgewerteten wurden
ist die Anzahl der darstellbaren Zustände aus einem Bit Sekunden ist der angestrebte Richtwert für die Antwortzeit bei einer Suche mittels Google
Illus tr at ion: Be ton – Gruppe für Ges taltung
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BIG DATA, BITTE BESCHÜTZE UNS!
Zu den Illustrationen Intelligente Geräte und Anwendungen ziehen immer mehr in unseren Alltag ein. Wir sammeln unsere persönlichen Daten für den Zweck der Selbstoptimierung, geben diese freiwillig an internationale Konzerne weiter, lassen uns Wege vorschlagen, lassen uns vorschlagen, was uns gefällt. Dabei verlieren wir immer mehr den Bezug zur eigentlichen Handlung und zur eigenen Haltung. Die Illustrationen zeigen, was passieren kann, wenn man sich zu sehr der schönen neuen Datenwelt hingibt und sich von dieser leiten lässt.
Beton ist ein Studio für Gestaltung in den Bereichen Editorial- und Kommunikationsdesign, ansässig in Wien und Leipzig. Neben konzeptioneller Layoutentwicklung und klassischer Satzarbeit verstehen sie Illustration als bunten Gegenpart und Spielwiese sowie als Mittel, komplexe Themen vereinfacht darzustellen und zu kommunizieren. www.typischbeton.com
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Big data, bitte beschütze uns!
Big Data für die Hosentasche Apps für das ganze, komplizierte Leben – oder warum man beim Zähneputzen Big Data braucht Elisabeth Schepe
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hristoph Schaffer, Leiter des Mobile Computing Studiengangs an der FH Hagenberg, über mobile Technologien und Innovationen für Smartphone & Co. Was bedeutet für Sie Big Data und wie nutzen mobile A pplikationen große Datenmengen? Christoph Schaffer: Einerseits ist der Begriff beängstigend, andererseits stimmt er einen euphorisch. Mit Big Data können wir völlig neue Services generieren und personalisierte Unterstützung anbieten. Fast jede App braucht gewisse Informationen, um sie interessant zu machen. Einen guten Service zeichnet ja auch im normalen Leben aus, Wünsche von den Lippen ablesen zu können. Das mobile Endgerät wird zum Butler. Wir müssen aber auch wieder mehr Kontrolle darüber bekommen, was mit unseren Daten passiert. Einige Apps untersuchen mit verschiedenen Sensoren Routinen des Nutzers und stellen sein Verhalten in Statistiken dar. Was motiviert Menschen
„Heute bin ich sofort weltweit sichtbar – optimal für viele Startups“ Christoph Schaffer, FH Hagenberg
dazu, sich so vermessen zu lassen?
Schaffer: Gerade bei den Sport- und
Gesundheitsanwendungen sehe ich so, wie ich mich verbessert habe. Ich habe jemanden, der mir Feedback gibt. Die Kategorien, nach denen zwischen besser oder schlechter differenziert wird, kommen aber von der App. Schaffer: Das ist die Gefahr bei solchen Metriken: Wer definiert Verbesserung? Andererseits ist es so: Je mehr Daten ich habe, umso mehr Verknüpfungen kann ich herstellen und umso mehr kann ich das Produkt wieder auf Interessen und Gegebenheiten adaptieren. In welchem mobilen Bereich sind Technologien mit großen Datenmengen am erfolgreichsten?
Schaffer: Bei allem, was mit Bewegung
zu tun hat, weil wir dort gut mit Sensorik wie GPS, oder Bewegungssensoren, Waagen oder Blutdruckmessern ausgerüstet sind. Das geht bis zur Zahnbürste, die protokolliert, ob ich die Zähne richtig putze. Eigentlich sollte das ja jeder selbst wissen. Fakt ist aber, dass wir da und dort das Bewusstsein dafür verlieren, was gesund ist – und uns viel zu wenig bewegen. Wie im Verkehr: Jeden Morgen stehen viele Menschen im Stau. Eine Technologie, die die Bewegungsdaten der einzelnen Autofahrer zur Verfügung hätte, könnte sagen: „Es hat keinen Sinn dass du 130 fährst, denn du wirst später sowieso im Stau stehen.“ Das spart Energie und Nerven, und der Verkehr bleibt flüssig. Wo ist hier die Grenze zwischen Serviceleistung und Missbrauch? Schaffer: Missbräuchlich ist das Datensammeln immer dann, wenn die Daten nicht im Sinne und ohne das Wissen des Anwenders verwendet werden. Ich möchte die volle Kontrolle über meine Daten haben,
die ich generiere, und im weiteren Sinne vielleicht auch Geld dafür bekommen. Daten sind sehr viel wert. Warum sollte also der Einzelne da nicht mitverdienen können? Was ist die Aufgabe der Wissenschaft bei diesem Thema? Schaffer: Sie muss das Potenzial und die Risiken aufzeigen, also auch qualifiziert warnen. In der Ausbildung auf der FH sensibilisieren wir die Studierenden dahingehend, damit sie lernen, zu reflektieren. Kann Österreich zur Entwicklung von mobilen Diensten einen nennenswerten Beitrag leisten? Schaffer: Durchaus. Das Schöne ist, dass heutzutage gerade der mobile Sektor keine Ländergrenzen mehr kennt. Heute bin ich sofort weltweit sichtbar – optimal für die vielen Startups, die momentan überall aus dem Boden schießen. Davon werden zwar nicht alle überleben, es gibt aber immer wieder spannende Innovationen. Wir stehen erst ganz am Anfang, die Post wird noch richtig abgehen.
Big Data, ein Megatrend in der Biologie Manche versprechen sich dadurch Einblick in das Buch des Lebens. Doch hauptsächlich kommen zu viele Daten zusammen
Gerd Müller, Leiter des Departments für Theoretische Biologie der Universität Wien
„Es ist ein Megatrend, in der Biologie große Konsortien und Netzwerke zu bilden, die umfangreiche biologische Datenmengen generieren, analysieren und verwalten. Damit kann man zelluläre oder physiologische Vorgänge bis ins Detail aufklären. Im Zuge der Sequenzierung gesamter Genome sprach man auch gern davon, dass nun das „Buch des Lebens“ offengelegt wäre, also eine Art Blaupause der Bauanleitung organischer Strukturen vorläge. Man müsse diese nur noch richtig lesen können, um genau zu verstehen, wie Lebewesen konstruiert und evolutionär entstanden sind. Dies ist aber eindeutig nicht der Fall. Denn aus einer Reihe
von einzelnen Buchstaben kann man nicht herauslesen, wie die Dynamik ihrer Wechselbeziehungen und die Ablesung funktioniert. Deswegen gibt es jetzt eine gewisse Ernüchterung, die aber viele voraussagten, die sich mit der Komplexität von Lebewesen beschäftigen. Hier wurde eindeutig zu viel versprochen. Weil es mühsam ist, für solche Fragestellungen passende Versuche zu entwickeln und umzusetzen, glauben manche, man könne dieses Problem einfach überspringen, wenn man nur genügend Daten gewinnt. Andere meinen sogar, dass umfassende Datenerfassungen an die Stelle von Theorien treten könnten, was die Naturwissenschaften grundlegend verändern würde. Es geht mir weniger darum, Big Data zu kritisieren, sondern in der Öffentlichkeit realistische Vorstellungen davon zu vermitteln, was dieser Ansatz zu leisten vermag und welche weitreichenden Veränderungen damit einhergehen.“
Wolfram Weckwerth, Leiter des Departments für Ökogenomik und Systembiologie der Universität Wien
„Die Funktion des ganzen Genoms eines Organismus vollständig aufzuklären, ist der Heilige Gral der Biologie. Dazu braucht man Big Data, aber ebenso Konzepte und mathematische Modelle, um die Daten zu interpretieren. Big Data sind riesige ‚Hypothesengenerationsmaschinen‘, die mit aussagekräftigen Modellen verknüpft werden müssen. Nur fehlt uns die Zeit für solche Konzepte. In den Datenbanken kommen jeden Tag Hunderte von Genomen dazu, doch bei der funktionalen Aufklärung dieser Genome stehen wir erst ganz am Anfang. Die Dynamik eines Lebewesens ist auch nicht nur auf dem Erbgut
abgebildet, sondern entsteht erst durch die Wechselwirkungen des Genoms mit dem Rest der Zelle, mit der Umwelt und durch Entwicklungsprozesse. Wenn zum Beispiel Pflanzen über Generationen durch Kälte gestresst werden, können sie diese Information möglicherweise epigenetisch, also über reine genetische Codierung hinaus, an ihre Nachkommen weitergeben. Diese Vorgänge können zu einer besseren Umweltanpassung führen, werden derzeit aber kaum verstanden. Wir können oft beobachten, dass bestimmte Erbgut-Eigenschaften zu bestimmten Ausprägungen führen, aber warum das jeweils passiert, ist meist unklar. Zwischen dem Genotyp und dem Phenotyp ist für die Biologen eine große ‚Blackbox‘. Nur in einzelnen Fällen können Kausalitäten hergestellt werden. Diese kann man nicht einfach mit Big Data füllen, dazu braucht man Konzepte, mathematische Modelle und klassische Biochemie.“
Fotos: privat
Jochen Stadler
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Big data, bitte beschütze uns!
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Haidingers Hort der Wissenschaft
Grafikkabinett Püribauers Tierversuche
Winnetou – und dann – Robo! M arti n haidi n g er
Martin Haidinger ist Historiker, Wissenschafts journalist bei Ö1 und Staatspreisträger für Wissenschafts journalismus
I ll u strati o n : B er n d P ü riba u er
Freihandbibliothek Buchtipps von Emily Walton Was geschieht mit meiner E-Mailadresse?
Safer Surfing
Privacy and Big Data: The Players, Regulators and Stakeholders. Terence Craig, Mary E. Ludloff. O‘Rielly Media, 108 S.
Hacking the Future: Privacy, Identity and Anonymity on the Web. Cole Stryker. Overlook, 304 S.
Wem „gehören“ die Daten, die im Internet verbreitet werden? Und was machen diejenigen damit, die sie speichern und auswerten? Terence Craig und Mary Ludloff zeigen, dass es in Sachen Datenschutz um weit mehr geht, als die Verbreitung des Geburtsdatums oder der E-Mailadresse. Sie beleuchten zudem die gesetzlichen Regelungen rund um den Globus und untersuchen die Motive der User, die ihre Daten verfügbar machen. Was macht uns bereit, unsere persönlichen Daten gegen GratisContent aus dem Netz zu tauschen?
Warum braucht der Mensch Anonymität? Ist Privatsphäre ein Grundrecht? Und kann sie überhaupt existieren in einer Welt, in der wir mit jedem Mausklick einen Fingerabdruck hinterlassen? Autor Cole Stryker lässt Fakten und Zahlen beiseite und baut seine Überlegungen philosophisch auf. Eine Stärke seines Buchs ist die Praxistauglichkeit: Es beschreibt konkret, wie Internetnutzer sich schützen können. Damit ist es ein Buch, das sich daher nicht an ein wissenschaftliches Publikum, sondern vor allem an Laien wendet.
Big Data, Big Was? Die Zukunft vorhersagen
Ob mit dem Navi, dem Handy, der Kreditkarte – ständig hinterlassen wir Spuren, aus denen sich unsere nächsten Handlungen ableiten lassen. Diesen Vorhersagen widmet sich Eric Siegel. Er richtet sich dabei sowohl an Unternehmer als auch an Privatpersonen, die verstehen wollen, wie unsere Daten genützt werden, um Präferenzen und Kaufentscheidungen zu bestimmen. Weite Strecken widmen sich der Datenanalyse, somit kommt das Buch nicht ohne Fachtermini aus. Diese werden durch Comics aufgelockert.
Predictive Analytics: The Power to Predict Who Will Click, Buy, Lie, or Die. Eric Siegel. John Wiley & Sons, 320 S.
Festplatten haben mehr Kapazitäten, das Speichern von Daten wird günstiger. Wie verändern diese Entwicklungen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft? Welche Potenziale ergeben sich daraus? Der österreichische Professor Mayer-Schönberger und der englische Journalist Cukier führen in das Thema Big Data ein – anhand von anschaulichen Beispielen. Sie erklären dem Leser, wie Big Data etwa unterstützen kann, Kreditkartenbetrug schneller zu entlarven oder Paketzustelldienste rascher ans Ziel zu bringen. Eine solide Einführung.
Big Data: Die Revolution, die unser Leben verändern wird. Viktor Mayer-Schönberger, Kenneth Cukier. Redline, 300 S.
ls Büblein in den Siebzigerjahren hatte ich einen kühnen Traum, dessen ErfülA lung so utopisch schien wie die im Raum-
schiff Enterprise vorgeführte mobile Handykommunikation zwischen Käpt’n Kirk und Mister Spock. Das höchste der Gefühle, so malte ich mir aus, wäre doch ein intelligentes Gerät, das auf Verlangen jederzeit meine Lieblings-„Winnetou“-Filme abspielen könnte. Damit wäre das lästige Warten auf die Ausstrahlungstermine im Fernsehen mit einem Schlag beendet! Mit der kleinen Heimversion der damals gebräuchlichen Super-8-Filmprojektoren war das nicht zu machen. Damit sahen wir – zwar begeistert, aber zum x-ten Mal – die immergleichen 3-Minuten- Mickymausfilme. So blieb es bis in die frühen Achtzigerjahre. Und dann kamen endlich die Videorecorder jederlei Systems (Beta, 2000, VHS) und dann die DVD und dann folgten Youtube und diverse Filmportale, und dann … Unlängst wurde ich in einem öffentlichen Lokal eines Mannes reiferen Alters gewahr, der sein Smartphone anbrüllte. „Winnetou!!!“ schrie der sympathische, dickliche Mittvierziger und – o Wunder – auf dem kleinen Display erschienen Pierre Brice und Lex Barker und trieben ihre Faxen in Horst Wendlandts Silbersee-Streifen. In voller Filmlänge! „Geschafft“, feixte ich. Der Wunsch des kleinen Buben ist also erfüllt worden! In einer immer schneller galoppierenden „und dann“-Fortschrittsgesellschaft ist nach Kirks Handy nun auch der mobile Winnetou Realität! Ich trank aus, zahlte, ging nach Hause und freute mich darauf, „Robo“ wiederzusehen. Mein neuer Hausgenosse sieht aus wie ein UFO, fährt schnurrend durch die Wohnung und saugt Staub. Ein strombetriebener Saugroboter also, blitzgescheit, mit Sensoren ausgestattet, die jeden Raum scannen und vermessen, Hindernisse erkennen und sich merken, wo sie zuletzt gesaugt haben. Ehe ich das Haus verlassen hatte, war „Robo“ in Betrieb gesetzt worden. Das war vor etwa drei Stunden gewesen. Ich öffnete die Tür. Kein Geräusch zu hören. Aber auch kein „Robo“ in seinem Nest, der „Ladestation“. Wo war er geblieben? Und dann: ein sentimentales „Fieps“ tönte unter dem Schreibtisch hervor. Ich bückte mich: „Robo“ in zarten Banden eines fremden Stromkabels gefangen – er hatte sich in die Ladestation meines Handys „verliebt“ und war gestrauchelt. Gegen die Liebe ist also auch elektronischerseits kein Kräutl gewachsen. Auch nicht intelligenter als ich. „Uff “, sagte Winnetou erleichtert.
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BIG DATA, BITTE BESCHÜTZE UNS!
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ar anderes zu erwarten in einer Zeit, da wir uns vor Big Data fürchten? Der Europäische Gerichtshof hat die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung für grundrechtswidrig erklärt. Doch der Wunsch nach dem Datenschutz lässt vergessen, dass Big Data neue Möglichkeiten bringt. Wer zur Analyse eines Problems eine Gesamtmenge und nicht nur Stichproben zur Verfügung hat, kann dank Big Data neue Erkenntnisse gewinnen: Beim Vorliegen aller Daten zeigen sich plötzlich Zusammenhänge, die man so nie erwartet hätte. Relativiert dies Statistik? Und kommt in der Wissenschaft nun Korrelation vor Kausalität?
Big Data verändert die Wissenschaft
„Big Data hat die Wissenschaft verändert“, sagt Arno Scharl vom Institut für Neue Medientechnologie der Modul University Vienna. „Es hat Disziplinen verändert und neue geschaffen wie das Natural Language Processing NLP – ein Sammelbegriff für Verfahren, die versuchen, aus der menschlichen Sprache Wissen zu extrahieren –, oder Web Science mit den Neuen Medien als Forschungsobjekt. Aber Statistik wird nicht obsolet, im Gegenteil. Korrelationen zu erkennen ist wichtig. Man sollte aber nicht blind nach Mustern suchen, um eine beobachtete Abweichung zu erklären. Natürlich soll man Theorien als Grundlage verwenden und mit Hypothesen an eine Studie herangehen. Man kann nicht alles vorab modellhaft abbilden, denn die Verfahren sind komplexer geworden. Das Erkennen von Kausalität ist nach wie vor das Ziel.“ Was aber ist „Big Data“ eigentlich? Eine Definition gibt es nicht. Wikipedia erklärt pragmatisch: „Datenmengen, die zu groß sind, um sie mit händischen und klassischen Methoden der Datenverarbeitung auszuwerten“. Ein weiteres Merkmal: für die Erfassung, Verteilung, Speicherung, Durchsuchung, Analyse und Visualisierung braucht es neue Technologien.
Grippetrends – täglich aktualisiert
Big Data verändert die Art der Analyse und das Tempo, mit dem man auf Phänomene reagieren kann. „Google flu trends“, die Vorhersage von Grippeepidemien durch die Auswertung von grippebezogenen Suchanfragen via Google, ist dafür ein Beispiel. Auf rund 50 Millionen Suchanfragen basiert „Google flu trends“. Die IP-Adressen der Anfragen zeigen die Ausbreitung der Krankheit an. Außerdem aktualisiert Google flu trends die bereits diagnostizierten Fälle täglich – nationale Behörden hingegen „nur“ wöchentlich. Beide Ergebnisse werden abgeglichen. Für Europa liefert das „European Influenza Surveillance Network“ die Daten an Google.
Kann alles datafiziert werden?
Der aktuellen „Digital-Universe“-Studie des US-Computerherstellers EMC zufolge wird sich die digitale Datenmenge von 4,4 Billionen Gigabyte (GB) im Jahr 2013 auf 44 Billionen GB im Jahr 2020 verzehnfachen. Würde man die Daten auf einem Tablet mit 128-GB-Speicherplatz speichern, wäre ein Tablet-Turm letztes Jahr 13.000 Kilometer hoch gewesen – 2020 wäre er 63.000 Kilometer hoch. Hauptgrund für die Datenexplosion ist das Anwachsen der Sensordaten. Sie entstehen etwa, wenn Hobbyläufer ihre Geschwindigkeit messen lassen, oder aus der Verkehrsüberwachung. Diese Verschiebung der Erfassung vom Computer zu „intelligenten“ Geräten heißt „Internet der Dinge“, „Internet of Things“, oder kurz: IoT. Im IoT wird immer mehr wertfreie Information zu Daten. Viktor Mayer-Schönberger vom Oxford Internet Institute nennt diese Entwicklung „Datafizierung“. In seinem Buch „Big Data“ setzt er sich mit den zu erwartenden Veränderungen auseinander. Kann alles zu Daten werden? „Nein, nicht alles kann heute datafiziert werden. Aber in den letzten Jahrzehnten ist es uns gelungen, wesentliche neue Bereiche der Wirklichkeit dank besserer Sensorik kostengünstig in Daten abzubilden. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen.“ Gibt es einen Punkt der totalen Datensättigung? „Physikalisch natürlich“, meint Mayer-Schönberger und verweist auf die Literatur: „Der theoretische Endpunkt ist in einer Geschichte von Borges schön verpackt: Jemand deckt die ganze Welt mit Leinwand ab, um darauf das zu malen, was darunterliegt. Nun stellt sich die Frage: Wenn die Leinwand auf der ganzen Welt liegt, ist sie und nicht das, was darunterliegt, dann die Welt? Ist die Information nicht die Sache selbst, die sie eigentlich abbilden will? Informationelle Ansätze in der modernen Physik fragen in diese Richtung.“
Den Klimawandel analysieren
Ursache und Wirkung der permanenten Datafizierung ist die Globalisierung. Da scheint ein Phänomen wie der Klimawandel, das die ganze Welt betrifft, prädestiniert für die Bearbeitung mittels Big Data. Tatsächlich geschieht dies bei „Media Watch on Climate Change“, einem seit 2005 bestehenden Webportal der Modul University Vienna. Aus vier Arten von (Internet-) Quellen wird der Diskurs über den Klimawandel extrahiert: aus Nachrichtenmedien, Sozialen Medien sowie den Websites von Umweltorganisationen und Unternehmen. Wöchentlich zwei bis drei Millionen Dokumente werden erfasst und automatisiert verarbeitet. „Sobald ein Dokument klimawandelrelevant ist, beginnt die Maschinerie zu arbeiten“, erklärt Arno Scharl.
Big Data verändert unsere Welt: Beruf und Freizeit, Wissenschaft und Rechtsprechung
Ziel ist, „zu verstehen, wie die Kommunikation auf den Plattformen das Thema beeinflusst, was die verschiedenen Stakeholdergruppen damit assoziieren, und zu erkennen, welche Ziele diese Gruppen verfolgen. Die US-Klimabehörde NOAA hat als erste Organisation unsere Technologie eingesetzt.“ Das alles ist frei verfügbar im Netz. Wenn Firmen dieselbe Technologie für Marken und Produkte verwenden möchten, können sie auf das „Brand Reputation Radar“ des kommerziellen Spin-offs „webLyzard“ zurückgreifen. Zur Weiterentwicklung der „Media Watch on Climate Change“ läuft seit Oktober das EU-Projekt DecarboNet. Daran sind neben anderen Instituten die Open University, die WU Wien und die Universität Sheffield beteiligt. Sie entwickeln die Media Watch zur Kooperationsplattform weiter: „Die Technologie aus dem DecarboNet-Projekt soll helfen, Strategien zu entwickeln, um den Carbon Footprint zu verkleinern und nachhaltige Verhaltensänderungen anzuregen“, sagt Arno Scharl.
Facebook – Recht auf Datenschutz?
Linktipps: www.ecoresearch.net/ climate www.decarbonet.eu www.smartsurveillance.eu respectproject.eu www.oeaw.ac.at/ita/ projekte www.google.org/flutrends
Viktor MayerSchönberger, Uni Oxford: „Es ist uns gelungen, wesentliche neue Bereiche der Wirklichkeit kostengünstig in Daten abzubilden“
Nicht alle, die sich die Vorteile von Big Data zunutze machen, haben hehre Motive. In der Mehrzahl der Fälle dient Big Data der Umsatzsteigerung – und geht auf Kosten der Anonymität des Einzelnen. Was für Unternehmen zielgerichtete Kommunikation mit wenig Streuverlust bedeutet, ist für Konsumenten in erster Linie lästig. Sie nehmen für Rabatte und Bonuspunkte unverlangte Werbeprospekte, Werbemails und Empfehlungen auf Amazon in Kauf. Man hinterlässt mit Kundenkarten aber auch Daten, die Aufschlüsse über politische Einstellung, Sexualität, Religion und Gesundheit geben können – Bereiche, die im Datenschutzgesetz als „besonders schutzwürdig“ gelten. Denn wer garantiert, dass die Werbepost beim Besitzer der Kundenkarte selbst ankommt? Viktor Mayer-Schönberger beschreibt in seinem Buch, wie ein US-Diskonter durch Änderungen im Kaufverhalten Schwangerschaften von Kundinnen eruiert – um dann die Gutscheinzusendungen anzupassen. So erfuhr ein Vater von der Schwangerschaft seiner minderjährigen Tochter. Was aber, wenn solche Daten zum Arbeitgeber, Bankbetreuer oder Versicherungsmakler kommen? Hat jemand, der jeden Einkauf von der Kundenkarte registrieren lässt oder jede Stunde auf Facebook postet, wo er ist und was er gerade macht, überhaupt noch ein Recht auf Datenschutz? Johann Čas vom Institut für Technikfolgenabschätzung (ITA) meint, „dass sojemand trotzdem noch ein Recht auf dieses Grundrecht hat. Wir sind in einer ÜberFortsetzung Seite 14
FOTO: W W W.ROBJUDG E S.COM
SABINE EDITH BRAUN
Big Data Tata
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Überwachung: USA und Europa
Ist das Recht auf Datenschutz eine Pflicht? Kann man darauf verzichten und wie bei der elektronischen Gesundheitsakte ELGA ein Opt-out wählen? „In den Artikeln 8 und 9 des Datenschutzgesetzes gibt es Ausnahmen für selbst veröffentlichte Daten. Das sagt zwar nicht, dass der Datenschutz nicht mehr anwendbar ist, sondern nur, dass es kein Geheimhaltungsinteresse mehr gibt“, erklärt Rechtsinformatiker Walter Hötzendorfer. Allerdings gebe es einen Restschutz, und der betreffe Speicherdauer wie Nutzung: „Man darf nicht alles hervorzerren, was jemand vor zehn Jahren gespeichert hat.“ Das heißt, selbst wenn jemand im Freundeskreis auf Facebook etwas veröffentlicht, kann er erwarten, dass es nicht alle Welt erfährt, sondern nur seine „Freunde“. Es kommt da wohl in erster Linie darauf an, wie gut man seine Freunde kennt. Andererseits gibt es kaum Transparenz darüber, was der Betreiber mit den Daten macht. „Wenn man bei Google, Facebook oder sonst wo seine Daten hergibt, benutzt sie das Unternehmen. Dafür bekommt man ein kostenloses, gutes Service“, sagt der Jurist Erich Schweighofer. „In den USA wird das als gut angesehen, in Europa als schlecht. Wir hatten zu viel Überwachung – Metternich, die Gestapo, die Stasi.“ In den USA unterliegt der öffentliche Raum einer starken Überwachung, doch die Privatsphäre ist geschützt. „Dafür ist es bei freiwillig preisgegebenen, personenbezogenen Daten schlimmer. Kreditschutzverbände und Arbeitgeber sammeln alles. Es gibt keinen Rechtsschutz, weil man darauf verzichten muss.“ Auch an US-Universitäten, sagt Walter Hötzendorfer: „Bei der Inskription in den USA verzichte ich auf meinen Rechtsschutz und muss der Universität das Recht einräumen, Daten, die über mich anfallen, weiterzugeben.“
„Mit Big Data Strategien entwickeln, um den Carbon Footprint zu verkleinern“
Walter Hötzendorfer, Uni Wien: „Bei der Inskription in den USA muss ich der Uni das Recht einräumen, Daten, die über mich anfallen, weiterzugeben“
Janos Böszörmenyi, Uni Wien: „Banken überwachen Geldtransaktionen und müssen Auffälligkeiten dem Staat melden“
Johann Čas, ITA, Uni Wien: „Es werden intime Daten von pflegebedürftigen Mneschen erfasst“
Skivergnügen total überwacht
Schweighofer, Hötzendorfer und Janos Böszörmenyi beschäftigen sich im Rahmen der Arbeitsgruppe Rechtsinformatik an der Uni Wien mit Big Data, etwa beim EU-Projekt SMART, das technische, rechtliche und soziologische Aspekte von Überwachungssystemen analysiert. Smarte Überwachung hat drei Merkmale, sagt Hötzendorfer: „Die automatisierte Erfassung durch einen Sensor, eine automatische Entscheidung, basierend
Erich Schweighofer, Uni Wien: „Kein Skifahrer am Lift ist mehr anonym“
auf diesen Daten und drittens einen Akteur zur Umsetzung.“ Eine Kamera nimmt digitale Bilder auf, die aufgenommene Person wird analysiert und per Bilddatenbank mit gesuchten Personen verglichen. Bevor Polizisten losgeschickt werden, ist also jede Menge Technik im Spiel. Smarte Überwachung existiere vor allem dort, wo man es nicht vermutet. Etwa in einem Skigebiet: Beim Lift wird ein Foto gemacht, damit man die Tageskarte nicht teilen kann. Außerdem speichert die Karte alle Daten, etwa welche Lifte und Abfahrten wie oft benutzt wurden. „Die Betreiber animieren die Gäste, mit der Karte zu zahlen – so ist kein Skifahrer mehr anonym“, sagt Erich Schweighofer. Problematisch sei die polizeiliche Befugnis zur Standortfeststellung via Handyortung ohne richterliche Genehmigung. „Wir schlagen hier eine nachträgliche Informationspflicht über eine Ortung vor, damit diese Befugnis tatsächlich nur bei Gefahren wie etwa bei einem Lawinenabgang eingesetzt wird“, ergänzt Hötzendorfer. „Unter der Lawine ist der Datenschutz sekundär. Das wird gelegentlich missbraucht“, meint Schweighofer. Das auf SMART aufbauende EU-Projekt RESPECT untersucht, ob beim Einsatz von Überwachungstechnologien eine Balance zwischen dem Schutz der Privatsphäre, der Effektivität und den Kosten besteht. Die Wiener Rechtsinformatiker beschäftigen sich vor allem mit der Überwachung von grenzüberschreitenden Finanztransaktionen. Denn große Mengen an Daten werden gesammelt, um Geldwäscher, Terroristen oder Kreditkartenbetrüger zu entlarven.
Per Big Data auf die Schwarze Liste
„Es gibt voreingestellte Regeln. Der Algorithmus überwacht, ob eine Transaktion einem bestimmten Muster entspricht“, sagt Janos Böszörmenyi. Bei Auffälligkeiten hinsichtlich Summe, Ort, Partner oder Häufigkeit ist die Bank verpflichtet, nachzuprüfen und bei konkretem Verdacht dem Staat zu melden. Das Problem dabei: Überweist ein Unbescholtener 10.000 Euro nach Nicaragua, kann das System anschlagen. Ebenso beim ersten Abheben größerer Summen in einem fernen Land. Um Kunden zu erkennen, von denen ein besonderes Risiko ausgeht, können Banken auf „Schwarze Listen“ zurückgreifen, wie sie etwa das Unternehmen Thomson Reuters erstellt. Terroristen, Geldwäscher, Politiker und ihre Anwälte sowie Freunde und Berater stehen darauf. Einmal auf eine Liste geraten, ist die Tilgung schwierig. Yassin Abdullah Kadi, ein saudi-arabischer Scheich, der von den USA auf die UN-Terrorfinanzliste gesetzt wurde, hat es geschafft, die Löschung von den Listen der EU und UN durchzusetzen. Der Europäische Gerichtshof bewertete
Kadis Menschenrechte wichtiger als die Vorgaben des UN-Sicherheitsrates, durch die er auf die Liste gekommen war. Ob sein Name jemals von den Listen der privaten Anbieter gelöscht wird, ist unklar. „Es kann jeden treffen“, meint Walter Hötzendorfer. „Das ist eines der großen Probleme mit Big Data. Automatische Entscheidungen sind nicht immer richtig, da kann auch der Unbescholtene Probleme bekommen.“
Hilfe für Pflegebedürftige
Johann Čas erforscht am ITA ethische Fragen der Anwendung von Informationstechnologien für pflegebedürftige Menschen. „Hier werden sehr intime Daten über die Lebenszusammenhänge erfasst: Wann die Medikamente eingenommen werden, ob gekocht wird, etc. Es geht darum, älteren Personen ein längeres Leben zu Hause zu ermöglichen. Dazu braucht es auch Kontrolle, etwa wenn jemand stürzt, sollen Sensoren dies gleich melden. Eine Abwägung ist schwierig: Was ist notwendig und wie weit wird in die Rechte von älteren Menschen eingegriffen, ohne dass sie einverstanden sind? Ab einem bestimmten Stadium der Pflegebedürftigkeit gehen Autonomie und Intimität verloren. Das soll möglichst im Einverständnis mit den Betroffenen geschehen.“ Derzeit arbeitet Čas am EU-Projekt SurPRISE zum Thema Überwachung und Sicherheitstechnologien. Hier ist die Meinung der Bevölkerung wichtig. „Wir fragen nach Alternativen zu Datenanalyse und technischer Überwachung – etwa, ob mehr Polizisten oder mehr Kameras auf der Straße sein sollen. Und worüber Menschen sich Sorgen machen.“ Im April wurden die empirischen Arbeiten mit „Citizen Summits“ in neun Ländern Europas abgeschlossen. Bei einem Vorgängerprojekt kam heraus, dass Terrorismus keine große Rolle spielt.
Aussichten für den Datenschutz
Im April erklärte der EuGH die Vorratsdatenspeicherung für grundrechtswidrig. Zuvor hatten sich mehr als 100.000 Österreicher dagegen ausgesprochen und mehr als 11.000 namentlich der Klage angeschlossen. Die Telefonbetreiber in Österreich waren seit 1. April 2012 verpflichtet, die Verbindungsdaten ihrer Kunden sechs Monate lang „auf Vorrat“ zu speichern – laut EuGH ein massiver Eingriff in die Grundrechte: „Kriminalität wird immer weiter ins Vorfeld der eigentlichen Tat gerückt“, sagt Walter Hötzendorfer. Die formale Auf‚hebung der Vorratsdatenspeicherung durch den VfGH wird für Herbst erwartet. „Im Datenschutz verlagert sich der Fokus von der Sammlung auf die Verwendung von Daten“, sagt Viktor Mayer-Schönberger. „Richtig gemacht, bedeutet das sogar einen besseren Schutz als heute.“
Fotos: uni wien, Modul Uni, sabine edith braun
gangsphase, was das Verständnis von Privatsphäre anlangt. Das ist auch ein Problem fehlenden Wissens. Wenn den Menschen bewusst wird, wie lange diese Daten abrufbar bleiben, werden sich die meisten mehr Gedanken darüber machen – etwa darüber, dass auch Personalchefs in Sozialen Netzwerken nachschauen.“ Walter Arno Scharl:
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Daten im Kleinen. Eine Reminiszenz Herbert Hrachovec
Von Metadaten für Musik …
Der Autor, ein Pionier des Internets im akademischen Bereich und Gründer eines Lehrstuhls für Internet und Philosophie an der Uni Wien, über Aspekte der Internetgeschichte
Diese Vorrichtungen erlauben es, die eigene Musiksammlung zur Gänze auf einen digitalen Massenspeicher zu übertragen und jedes Stück augenblicklich verfügbar zu halten. Die Metadaten spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie regeln den Zugriff auf die umfangreichen akustischen Bestände, die wir in der Tasche herumtragen, aber sie müssen von den CDs eigens auf die Festplatte übertragen werden. Die faszinierende Idee bestand nun darin, dass jemand, der die Metadaten per Hand eingegeben hatte, sie über ein Skript an eine Sammelstelle im Internet weiterreichte. Von dort können sie in der Folge von jeder Person, die einen solchen Transfer durchführt, Herbert Hrachovec, automatisch abgerufen werden.
Philosoph: „Es musste nicht so Das zweite Beispiel kommt aus dem Um- kommen, aber im kreis der experimentierfreudigen Spiel- und Nachhinein dämmert es Unterhaltungsszene der Anfangsjahre. doch: Es ist kein Wunder, „Virtuelle Gemeinschaften“ konnten im dass es so gekommen Rahmen eigener Nachrichtendienste („Use- ist. Die Effektivität der net“) oder Mailinglisten aufgebaut werden. Warenwirtschaft ist Sie agglomerierten asynchron Textmittei- schwer zu überschätzen“
… und Multi-User-Dungeons …
lungen unter einer gegebenen Adresse. Und dann gab es synchron angebotene Textwelten („Chats“). Sie konnten erweitert werden, indem die Eingaben der Beteiligten mit einer Szenerie versehen wurden, einer Infrastruktur von Beschreibungen, die aus „Kanälen“ Räume machte. In sogenannten „MUDs“ konnten Avatare der MitspielerInnen sich durch Landschaften bewegen, die eine Datenbank erzeugte. Ein bis dato unbekanntes Verhältnis zwischen der Echtzeit körperlich geografisch verteilter Personen und der Echtzeit ihrer in einem technisch generierten Raum interagierender Spielfiguren war geschaffen.
… zum Service des Großkonzerns Das eine Beispiel betrifft die Verteilung von Produkten, das andere den Aufbau sozialer Konstellationen im Internet. Beides war einmal deutlich getrennt. Wenn man
sich ansieht, was aus diesen Ansätzen geworden ist, bietet sich ein anderes Bild. Es gibt bequem zu handhabende Programme zur Archivierung der eigenen Bücheroder DVD-Sammlung. Sie greifen auf Repositorien für die benötigten Metadaten zurück. Dabei sind Amazon und die Internet Movie Database prominente, oft unübertreffliche Anbieter. Die Daten kommen nicht mehr durch die Beiträge einer aktiv gestaltenden Benutzergruppe zusammen, sondern werden über die Schnittstelle eines Großkonzerns bereitgestellt. Die Messlatte ist, was dieser verkauft.
Maschinenzeit und Echtzeit Virtuelle Gemeinschaften haben eine vergleichbare Entwicklung genommen. Im Wechsel von der ressourcenschonenden Textversion zu grafisch gut ausgestatteten „Welten“ waren neue Finanzierungsquellen nötig. „Second Life“ führte das Doppelspiel – „real life“ versus „virtual life“ – auf einer kommerziellen Basis weiter. Doch diese Art des Versteckspiels in der Rollenvielfalt war auf Dauer weniger attraktiv, als die Transparenz der Personenzuordnung in den „social sites“ MySpace und Facebook. Viel wurde über die postmoderne Raffinesse und die verzwickten ethischen Herausforderungen geschrieben, die innerhalb des „zweiten Lebens“ angeboten wurden. Herausgekommen ist ein Angebot im Web, das die maschinengesteuerte an die herkömmliche Echtzeit assimiliert. Nicht bloß eine E-Mail von minimaler Größe, sondern auch die Inhalte einer für Millionen permanent verfügbaren Kommunikationsplattform werden mühelos verbreitet. Das ist nicht umsonst.
Nutzer – Konsument – Objekt Die Finanzierung dieses – mittlerweile – Normalzustandes ist dadurch möglich geworden, dass sich die Bereiche, aus denen die beiden anfangs gewählten Beispiele genommen sind, vermischten. Die gründliche, systematische Erfassung der Daten über Waren und die ebenso weitreichende Einbindung großer Teile der Bevölkerung in soziale Netzwerke haben eine neue Perspektive eröffnet. Nutzerinnen des Internet sind nun prospektive KonsumentInnen. Ihr Verhalten in diversen interaktiven Zusammenhängen (skriptgesteuert oder kommunikativ) lässt sich im Hinblick auf Verkaufsstrategien erfassen und auswerten. Hier setzt die Expertise im Umgang mit großen Datenmengen ein. Je anziehender die Online-Umgebungen sind, in denen sich SurferInnen aufhalten, desto größer die Teilnahmezahl, und desto mehr ist auch der Zugang zu den dabei anfallenden Daten wert. Es handelt sich nicht einfach um eine Vermischung der Sphären. Die Informationen über das Kundenverhalten werden selbst zum Verkaufsobjekt. So wie die Sendungen der kommerziellen
TV-Sender so kalkuliert sind, dass sie das nötige Werbegeld einspielen, dienen die Annehmlichkeiten der großen Provider der sozialen Netze der Anwerbung der entsprechenden Handelsware.
Facebook für Akademiker Der problematische Umgang mit Nutzerdaten durch Facebook hat sich herumgesprochen. Das Geschäftsmodell ist jedoch allgemein verbreitet. Academia.edu zum Beispiel bietet einen Präsentationsteller für WissenschafterInnen. Sie können ihre Publikationen mit Bild und CV komfortabel vorstellen. Als Bonus erhalten sie Zugang zu den Zugriffsstatistiken ihrer Eintragungen. Seinen Geschäftspartnern erklärt der Gründer der Plattform, warum sie in sie investieren sollen: Metadaten. An ihnen ließe sich ablesen, wer die gegenwärtigen (und künftigen) Stars in den einzelnen Disziplinen sind und auf welche Entwicklungen man setzen sollte. Nicht ohne Grund gibt er als Ziel seiner Plattform an, den wissenschaftlichen Output der Welt insgesamt in PDF zu erfassen. Nur dadurch wird das kommerzielle Verwertungsziel plausibel. Big Data würde in diesem Fall kein Bild der Zustände abgeben, sondern die komplette Bestandsaufnahme wissenschaftlicher Ergebnisse und ihrer Rezeption würde den Zustand selbst handfest machen. Die Vorstellung, man könne die ganze Wissenschaft (oder gar das gesamte Sozialverhalten einer Bevölkerung) in ein Depot fassen, ist illusorisch. Aber es ist aufschlussreich zu sehen, dass diese Fantasie sich aus vielversprechenden Praktiken im digitalen Netzverkehr entwickelt hat. Für die Internetprotokolle sind fixe Adressen der TeilnehmerInnen nötig, zwischen denen ein Austausch nach vorweg festgelegten Regeln stattfindet. Damit liegen Anhaltspunkte vor, die ausgewertet werden können – Metadaten. Die Spuren, die in solchen kommunikativen Abläufen erzeugt werden, bleiben jedoch nicht unverfänglich. Das Protokoll zum Mailverkehr (SMTP) enthält keine Authentifizierung – die Folge sind Spamattacken. Das Protokoll des WWW baut keine kontinuierliche Verbindung zwischen den Servern und den Browsern auf. Eine Anfrage wird erledigt, damit ist die Prozedur zu Ende. Für komfortables Surfen, für Formularabfragen, für Bestellvorgänge und für Streaming ist es nötig, dass die beiden Enden der Leitung in Verbindung bleiben – die Folge sind Cookies und alles, was im Anschluss daran auf der Empfängerseite platziert wird, um die Identität der Benutzer zu bestimmen und ihr Verhalten zu durchforschen.. Es musste nicht so kommen, aber im Nachhinein dämmert es doch: Es ist kein Wunder, dass es so gekommen ist. Die Effektivität der Warenwirtschaft ist schwer zu überschätzen.
Foto: k arin wasner
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ind 20 Jahre eine lange Zeit? In diesem Zeitraum haben wir uns an die globale digitale Vernetzung und ihre weltgeschichtlich einzigartigen Ergebnisse gewöhnt. Und doch ist es noch nicht so lange her, dass die neu erschlossenen Möglichkeiten fantastisch schienen. Zwei relativ bescheidene Beispiele aus der frühen Zeit des Internets können als Beleg dienen. Das eine ist CDDB, ein Archiv zur Erfassung der Metadaten von Audio-CDs, also von Musikernamen, Produktions- und Songtitel, Dauer, Genre etc. Solange man einzelne Platten oder auch CDs in Geräte einlegte, waren diese Informationen eng mit den Handgriffen zum Abspielen der Musik verbunden. Mit dem Aufkommen mobiler mp3-Spieler haben sich die Verhältnisse geändert.
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Bringt Big Data die Medizin voran? Dieter Hönig
Fehldiagnosen trotz enormen Wissens Laut Experten sind heute nur zwanzig Prozent des Wissens, das Ärzte für Diagnosen und Entscheidungen zur Behandlung von Patienten verwenden, evidenzbasiert. Eine von fünf Diagnosen ist falsch oder unvollständig. Allein in den USA gibt es fast 1,5 Millionen Medikationsfehler pro Jahr. Laut Schätzungen des deutschen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sind Wechsel- und Nebenwirkungen von Medikamenten für bis zu 300.000 Krankenhausaufnahmen im Jahr und Tausende von Todesfällen verantwortlich. Dass die Zahl so hoch ist, liegt laut Patientenanwalt Gerald Bachinger daran, dass für häufig verabreichte Präparate ein hohes Risiko zu Wechselwirkungen besteht. Wie kann man im Gesundheitswesen angesichts der wachsenden Komplexität von medizinischen Entscheidungen diese Probleme lösen? Informationen, die Ärzte für bessere Entscheidungen benötigen, sind vielfach bereits verfügbar. Medizinische Fachzeitschriften veröffentlichen jeden Tag neue Behandlungsmethoden und Forschungsergebnisse. Auch die Krankengeschichte von Patienten liefert Hinweise. Große Mengen von elektronischen Krankenakten bieten eine Fülle von Wissen. Man könnte also glauben, dass sich in diesen Informationen alle Erkenntnisse finden lassen, die notwendig sind, um Fehldiagnosen oder Behandlungsfehler zu vermeiden. „Stimmt nicht“, sagt der Onkologe am SMZ Ost Wien, Robert Hawliczek: „Medizin ist keine exakte Wissenschaft und der Mensch keine exakte Maschine.“ Allerdings räumt Hawliczek ein, dass etwa in der personalisierten Medizin zur Auswertung von genetischen Profilen oder für Datenanalysen ein Computer durchaus hilfreich ist.
ELGA, die elektronische Gesundheits akte, kann Ärzte unterstützen; der elektronische Dr. Watson Fehl behandlungen vermeiden helfen
Dr. Watson hat Jahrzehnte an Krebsbehandlung erfasst Thomas Braunsteiner, IBM: „Watson soll Ärzte nicht ersetzen, sondern sie im Zeitalter von Big Data mit Assistenzleistungen unterstützen“
Robert Hawliczek, Onkologe, SMZ Ost: „Ist das Ziel von ELGA, Ärzte zu verfolgen?“
Ein elektronischer Dr. Watson der Krebsforschung Mittlerweile ist es den Wissenschaftern gelungen, eine Maschine zu entwickeln, die lernfähig ist und sinnvoll mit natürlicher Sprache umgeht. Sie kann logisch schlussfolgern, also Hypothesen generieren und diese evaluieren und wird mit jeder Interaktion „intelligenter“.
Drei Jahre nach seinem Sieg über den menschlichen Grips hat Watson, ein ursprünglich für Spiele entwickelter Computer, eine neue Aufgabe gefunden: Er unterstützt Wissenschafter in der Krebsforschung. „Eine solche Technologie ist sinnvoll, weil die Krebsbehandlung immer komplexer wird und Krebs immer noch eine der häufigsten Todesursachen in westlichen Ländern ist. 85 Prozent der Krebspatienten werden nicht in spezialisierten Kliniken behandelt, und es kann Jahre dauern, bis die neuesten Erkenntnisse überall umgesetzt werden“, erklärt Thomas Braunsteiner, Healthcare Leiter bei IBM Österreich. Computer, die wie Watson die menschliche Art zu schreiben verstehen, sollen Ärzte bei Diagnose und Behandlung von Patienten unterstützen, indem sie etwa das weltweit verfügbare medizinische Wissen mit den Befunden des Patienten in Kontext setzen und darauf basierende Hypothesen erstellen. Ziel ist, sie einen entscheidenden Beitrag zur besseren medizinischen Versorgung in einem hochkomplexen Bereich wie der Onkologie leisten zu lassen. Watson nutzt also die Möglichkeiten der natürlichen Sprache, die Erzeugung von Hypothesen und das evidenzbasierte Lernen, um Ärzten bei ihren Entscheidungen zu helfen.
Gerald Bachinger, Patientenanwalt: „Viele Behandlungsfehler landen auf meinem Tisch, weil wesentliche Gesundheitsinformationen nicht sofort zugänglich sind“
Howard l. West, Arzt am Swedish Medical Center in Seattle, sieht bei Watsons Einsatz Probleme: „Jeder Krebsfall ist anders, und klinische Entscheidungen sind Ermessensfragen. Computer werden den Arzt nie ersetzen.“ Beim Watson-Entwickler IBM sieht man keinen Widerspruch: „Watson soll Ärzte auch keinesfalls ersetzen, sondern, im Zeitalter von Big Data, mit Assistenzleistungen beim Auffinden der wirklich relevanten Informationen und Evidenzen bestmöglich unterstützen. Dabei werden auch die individuelle Patientensituation und Behandlungswünsche berücksichtigt, z. B. welche Chemotherapie mit welchen Nebenwirkungen dem Patienten in der jeweiligen Situation zumutbar ist“, erklärt Thomas Braunsteiner. Watson soll in absehbarer Zeit auch in Österreich zur Diagnoseerstellung eingesetzt werden. Er ist gerade im Begriff, Deutsch zu lernen. Watson hat inzwischen mehr als 600.000 Studienergebnisse sowie zwei Millionen Textseiten aus 42 medizinischen Zeitschriften und klinische Studien im Bereich der Onkologie-Forschung in sich „hineingefressen“ und darüber hinaus 1,5 Millionen Patientenakten gesichtet, die vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center MSKCC zur Verfügung gestellt wurden. Das sind Jahrzehnte an Krebsbehandlung. So soll die Qualität und Geschwindigkeit der Versorgung von Patienten durch eine
individualisierte, evidenzbasierte Medizin gesteigert werden. Wie jeder Arzt ist aber auch Watson von der Qualität der gesammelten Daten abhängig: „Garbage in, garbage out – Müll hinein, Müll heraus.“ Renommierte Krebsspezialisten des Memorial Sloan-Kettering Cancer Centers sollen bei der Weiterentwicklung von Watson helfen. Ziel ist es, Onkologen weltweit Informationen zu detaillierten Diagnoseund Behandlungsoptionen zu geben. „Das passt zu unserer Mission, Krebstherapien besser zu identifizieren und für jeden einzelnen Patienten zu personalisieren, egal, wo der Patient behandelt wird“, sagt MSKCCPräsident und CEO Craig Thompson.
Ältere Menschen und wohl auch Kinder werden von ELGA profitieren Während das Gesundheitswesen in den USA, Großbritannien und Skandinavien zunehmend auf Big Data setzt, ist man hierzulande noch skeptisch – besonders bei ELGA, der elektronischen Gesundheitsakte. Ein häufig von ELGA-Gegnern ins Treffen geführtes Argument ist der „gläserne Patient“. Für Patientenanwalt Gerald Bachinger ist es jedoch vielmehr der „gläserne Arzt“, den manche zu befürchten scheinen. Tatsächlich sehen Ärzte durch ELGA amerikanische Zustände herannahen. Der ELGA-kritische Onkologe Robert Hawliczek fragt: „Ist das Ziel von ELGA, Ärzte zu verfolgen?“ Bachinger sieht es anders: „ELGA ist und wird kein Verfolgungstool gegen Ärzte sein, weil der gesetzliche Zweck auf die Behandlungsoptimierung ausgerichtet ist. Dazu kommt, dass wir eine ausgeprägte Kultur der außergerichtlichen Streitbeilegung über die Patientenanwaltschaften haben. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.“ Bestimmte Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen könnten durch ELGA verhindert werden. Etwa, wenn aus Informationsmangel falsche Entscheidungen getroffen werden, also ein bestimmtes Schmerzmedikament gegeben wird, weil nicht bekannt ist, dass der Patient unter einer Allergie oder Unverträglichkeit leidet. „Sehr viele Behandlungsfehler landen auf meinem Tisch“, sagt Bachinger. „Nicht weil Ärzte ungenügend fortgebildet sind, sondern wesentliche und relevante Gesundheitsinformationen nicht sofort bekannt und zugänglich sind.“ Onkologe Hawliczek, der die größten Gewinner in der IT-Industrie sieht, ist sich in einem Punkt mit Bachinger einig: Ältere Menschen werden in jedem Fall von ELGA profitieren. Durch die Auswertung realer Behandlungsdaten wird es möglich sein, die Wirkung von Medikamenten auf über Siebzigjährige zu bestimmen, die aus derzeit existierenden klinischen Studien im Normalfall ausgenommen sind. Und das gilt auch für Kinder.
Fotos: IBM, privat
A
lle fünf Jahre verdoppelt sich die Menge an medizinischen Daten. Ein Großteil liegt häufig in unstrukturierter, also natürlicher Sprache vor. Ärzte haben einfach nicht die Zeit, jede Fachzeitschrift zu lesen, die sie über die jeweils neuesten Fortschritte informiert. Etwa achtzig Prozent der Mediziner verbringen laut eigenen Angaben nur maximal fünf Stunden pro Monat mit dem Lesen von Fachzeitschriften. 160 Stunden pro Woche müsste man aber aufwenden, um am neuesten Stand der medizinischen Forschung zu sein.
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Big Data: Das Glossar Jochen Stadler
Aadhaar
Zentrale Datenbank in Indien, mit der jeder Bürger und Migrant bis 2015 auf eine zwölfstellige Nummer reduziert wird. Dazu werden Foto, Fingerabdrücke und Iris-Bild nebst Adresse, Telefonnummer und persönlichen Daten gespeichert, damit er jederzeit und überall in Echtzeit identifizierbar ist. Derzeit ist halb Indien registriert, also 750 Millionen Menschen. Ambient Intelligence
Outsourcing von Denkarbeit an Maschinen. Damit sollen Häuser energiesparender, der Stadtverkehr flüssiger und der Alltag bequemer werden. Hacker bekommen so die Möglichkeit, in fremden Häusern Lichtspiele zu veranstalten. Behörden sowie Konzerne wissen bald mehr über den Tagesablauf der Bürger als diese selbst. Big Data
Spiel, bei dem man in einem möglichst großen Heuhaufen von Daten Gesetzmäßigkeiten erkennen soll, etwa wie die einzelnen Halme zueinander angeordnet sind, welche einst zum selben Stängel gehörten, und welche vorhaben, den ganzen Haufen zum Einsturz zu bringen.
ihre Nüsse für den späteren Gebrauch im Winter vergraben. Datenflut
Von 2000 bis 2002 hat die Menschheit mehr Daten erzeugt als in den 160.000 Jahren davor. In den folgenden drei Jahren vervierfachte sich diese Menge, und von 2006 bis 2012 wurde sie noch einmal verzehnfacht. 2020 sollen weltweit 100 Zettabytes an verschiedensten Daten existieren. Datenmüllmanagement
Der Versuch, mit unstrukturierten, doppelt und dreifach vorhandenen, nicht zueinanderpassenden, veralteten und nutzlosen Daten umzugehen, die man sich nicht zu löschen wagt. Datenschutz
Sollte laut Gesetz dafür sorgen, dass jeder selbst entscheiden kann, wer welche Informationen über ihn aufzeichnet oder erhält. Datenvielfalt
Ausdruck für kaum vergleichbare, unstrukturierte Daten aus dubiosen Quellen. Echtzeit
Bill Gates
Unter anderem für seine Prophezeiung von 1981 berüchtigt: „640 Kilobytes sollten genug für jeden sein.“ Was er heute übrigens abstreitet.
Titel, den Systeme bekommen, die ständig bereit sind, ihre Aufträge zu erledigen, egal ob dies rasch wie bei der Feuerwehr oder allmählich wie an einem Postschalter geschieht.
Cloud
ELGA
Ort irgendwo im Internet, an dem die Daten von Benutzern gespeichert und Rechenprozesse für sie am Köcheln sind. Man kann von überall zugreifen. Die Arbeit wird dort erledigt, wo Kapazitäten zur Verfügung stehen. Crowdsourcing
Arbeit wird an unbezahlte Freiwillige abgegeben, die genauso gut arbeiten wie bezahlte Mitarbeiter – und vielleicht auch so kreativ sind, nebenher ihre Familien zu ernähren und Geld für die Miete aufzutreiben. Data mining
Extrahieren von wertvollen Informationen aus einem Datenberg. Damit kann man etwa Terroristen oder Krebsgene finden und Online-Konsumenten „ähnliche Produkte“ andienen. Datenbank
System, mit dem Daten systematisch so verwahrt werden, wie Eichhörnchen
Die „Elektronische Gesundheitsakte“ ist eine derzeit leere Datenbank, die sämtliche Gesundheitsdaten der Österreicher vernetzen wird, damit Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken in allen Befunden surfen können. Fraud Detection
Mittels Big Data sollen bei Onlineüberweisungen und Kreditkartenzahlungen Muster erkannt werden, die beweisen, dass Diebe den Code oder die Karte gekapert haben und das Konto schröpfen wollen. Google
Suchmaschine, die Daten ihrer Benutzer nur zu deren Nutzen sammelt und fallweise an eine Organisation namens NSA weiterleitete. Hype-Zyklus
Heiß-Kaltbad, durch das Herdentrieb und Unbelehrbarkeit der Menschheit jede neue Technologie schicken.
Zunächst wird sie von Freaks und Spekulanten „gehypt“ und erklimmt den „Gipfel der überzogenen Erwartungen“, dann folgt der Absturz ins „Tal der Enttäuschungen“, bevor sie am „Pfad der Erleuchtung“ von Realisten vorangetrieben wird und das „Plateau der Produktivität“, das Alltagsleben, erreicht. Internet
Nadelöhr, durch das Big Data gequetscht werden, wenn Zeit keine Rolle spielt.
einem System hat, geschweige denn sie steuern könnte. Smart grid
Stromnetz, bei dem die Energie aus vielen kleinen, lokalen und nachhaltigen Quellen strömt und auch dann noch zum Aufladen der Elektroautos und für das Internetsurfen reicht, wenn der Himmel wolkenverhangen ist und sich kein Blättchen bewegt. Snapchat
Statt Benutzer an ihren PCs, Laptops, Tablets und Smartphones werden immer mehr „intelligente“ Eiskästen, Autos und Kleidungsstücke durch eingebettete Computer mit dem Internet verbunden. Das soll die Menschen unterstützen, ohne dass sie es merken.
App, mit der gerne per Tablet oder Smartphone zum Beispiel nicht ganz jugendfreie Selbstbildnisse verschickt werden, die sich nach wenigen Sekunden selbst zerstören. Freilich hat das Ganze einen Haken. Man kann sie recht einfach wiederherstellen, außerdem hatten Hacker Ende Dezember die Daten von über 4,6 Millionen Snapchat-Nutzern im Internet veröffentlicht.
Metadaten
Social Media
Internet der Dinge
Daten, die Daten über Daten, aber nicht die Daten selbst enthalten. NSA
Mutmaßlich größter Kunde von Festplatten weltweit. Sorgt dafür, dass die historisch wohl ungemein bedeutenden Telefonate der deutschen Kanzlerin der Nachwelt ebenso erhalten bleiben wie unser letztes Gespräch mit der Mizzi-Tant’, ihre Krampfadern betreffend. omik
Anhängsel, das Big Data Ansätzen in der Biologie anhaftet. Die Genomik beschäftigt sich mit allen Genen gleichzeitig, die Proteomik mit sämtlichen Eiweißstoffen (Proteinen), die Systeomik mit den Wirkungsgefügen, und die Interaktomik untersucht Wechselwirkungen. Produktionsfaktoren
Rohstoffe, Arbeitskraft und Kapital sind die traditionellen Quellen, mit denen die Wirtschaft Gewinn machen will. Daten sollen in der Informationsgesellschaft der vierte Produktionsfaktor sein. Schwarmintelligenz
Ermöglicht, dass eine Stadt voller Menschen oder ein Ameisenhaufen voller Ameisen nicht im Chaos versinkt, obwohl kein einziger der Bewohner oder Ameisen den Überblick über die gesamten Vorgänge in solch
Mittels Big Data ausgeweidete Allmende, die Behörden und Firmen unter anderem verrät, wie das Volk so tickt und was es alles kaufen würde. Text mining
Was in Österreich angeblich eine Million Jugendliche und Erwachsene nicht können, sollen nun Computerprogramme übernehmen: sinnerfassendes Lesen. Verschlüsselung
Der Versuch, durch Computer- und Quantentechnik oder durch die Verwendung Vorarlberger Dialekts Gespräche, SMS- und E-Mail-Verkehr abhörsicher zu machen. Wearable Computing
GPS-Armbanduhren, die den Puls messen und ihn samt Standort des Trägers an die Facebook-Community melden; Brillen, welche die Umgebung permanent filmen sowie Schuhe für Pensionisten, die sie mit einem „Moonwalking-artigen Ausfallschritt durch ein Mini-Fließband an der Sohle“ wieder ins Gleichgewicht bringen sollen, wenn sie unterwegs straucheln. Zettabyte
Größenordnung der aktuellen weltweiten Datenmenge. Sie besteht aus rund 1.000.000.000.000.000.000.000 Bytes, die jeweils zum Beispiel einem einzelnen Textzeichen entsprechen.
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Wissenschaftspolitik
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„Für Schönrederei gibt es keinen Grund“ Verena ahne
Fotos: k arin wasner, r aimund appel
Die drohende Unterdotierung des Sabine Seidler, FWF ist abgewendet. Reicht das? Rektorin der Sabine Seidler: Österreich ist ein rohstoffarmes Land. Seine Chance ist seine Innova- TU Wien, und tionskraft. Nachhaltige Wissenschaftspoli- der Bildungs tik entsteht aus dem Bewusstsein, dass die Zukunft unseres Landes in diesem Bereich volksbegehrenliegt – und damit in Bildung, Wissenschaft Initiator Hannes und Forschung. Das ist auch erklärtes Ziel Androsch im der Bundesregierung: Um Österreich zum Innovation Leader zu entwickeln, wollte sie Gespräch über die F&E-Ausgaben auf zwei Prozent des Österreichs BIP heben. Mit jedem Jahr, in dem es nicht Forschungs gelingt, auf diesen Pfad zu kommen, rückt diese Ziel weiter in die Ferne. Deshalb ist zukunft. die chronische Unterfinanzierung des Bildungs- und Forschungsbereichs für mich nicht nachvollziehbar, auch wenn wir natürlich erleichtert sind, dass die Finanzierung des FWF und der ÖAW jetzt einmal gesichert wurde. Hannes Androsch: Tatsache ist, dass wir an Boden verlieren. Uns fehlt die notwendige Dynamik, die mit der beschlossenen Strategie der Bundesregierung einhergehen müsste. Wir haben Wettbewerbsfähigkeit verloren, die Innovationsdynamik ist zurückgegangen, unser Bildungssystem ist nicht im Mittelfeld, sondern eher an das Tabellenende abgerutscht. Noch sind wir nicht abgesandelt. Aber es gibt auch keinen Grund, den Stand der Dinge schön zu reden. Wenn wir uns mit Griechenland oder Portugal vergleichen, dann sind wir besser. Um uns aber mit den Besten messen zu können, müssen wir aufholen! Nicht nur bei der Forschung liegen wir deutlich hinter Ländern wie der Schweiz oder Schweden. Die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der Wirtschaft ist immer enger mit Wissenschaft und Forschung verknüpft. Seidler: Dass wir, trotz der schwierigen Rahmenbedingungen, am Output gemessen noch nicht so schlecht dastehen, führe ich nur auf das besondere Engagement der WissenschafterInnen zurück. Aber hier werden Kapazitätsgrenzen erreicht – deshalb Sabine Seidler, Die in Deutschland besteht dringender Handlungsbedarf. Was sollte anders werden? Androsch: Es geht nicht ohne Reformen – im gesamten Bildungssystem. Diese müssen bereits bei der frühkindlichen Betreuung einsetzen, ausreichende Deutschkenntnisse vor dem Schuleintritt vermitteln und auf ein flächendeckendes Anbot an verschränkten Ganztagsschulen bei zugleich mehr Schulautonomie abzielen. Unis und Forschungseinrichtungen brauchen mehr Mittel, sonst fallen wir in den Uni-Rankings noch weiter zurück. Wir haben doppelt so viele Universitäten wie die Schweiz, aber nur halb so viel Geld. Zudem ist bei uns das Zugangsmanagement und das Betreuungsverhältnis höchst unbefriedigend. Man muss nur das Betreuungsverhältnis und die Aufwendungen der TU Wien mit denen der ETH Zürich oder auch München vergleichen!
geborene Werkstofftechnikerin (52) ist seit 2011 Rektorin der Technischen Universitåt Wien
Hannes Androsch, Der Elder Statesman und Industrielle (76) setzt sich nachdrücklich für eine Reform des õsterreichischen Bildungswesens ein
Aber woher soll das Geld kommen angesichts der Budgetnöte? Androsch: In Österreich läuft einiges falsch. Warum kommen wir als eines der reichsten Länder der Erde mit einer der höchsten Steuerquoten nicht mit den eingenommenen Mitteln aus? Bei uns werden Milliarden für wirkungslose Umschulungen und Frühpensionen ausgegeben, zugleich wird bei Investitionen in die Zukunft gespart. Unser Bildungssystem ist weltweit eines der teuersten, aber das Geld kommt nicht in den Klassenzimmern an. Viel zu viel versickert in hypertrophen Verwaltungsstrukturen. Das alles gehört geändert. Wir müssten nicht einmal etwas neu erfinden, es gibt genügend Vorschläge und internationale Vorbilder. Es mangelt an der Umsetzung, weil viel zu viel blockiert wird.
„Es geht nicht ohne Reformen. Und zwar im gesamten Bildungssystem, schon bei der frühkindlichen Betreuung“ Hannes Androsch
Zurück zur Forschung. Sollte ein Kleinstaat wie Österreich bewusst Forschungsschwerpunkte setzen? Seidler: Wir könnten sicher mehr Augenmerk auf das Streben nach Themenführerschaft richten, die wir nur in einzelnen Bereichen haben, etwa der Quantenphysik. Um diese zu erreichen, braucht es kritische Massen: an Köpfen, und im naturwissenschaftlich-technischen Bereich oft auch an Infrastruktur. Man muss sich also zusammenschließen. Was oft an der Kleinkariertheit in Österreich scheitert. Zu viel ist hier auf regionale Interessen abgestellt, das ist sehr hinderlich. Um beispielsweise beim EU-Programm Horizon 2020 zu reüssieren, reichen einzelne Stärken nicht, dafür müsste sich Österreich thematisch breit aufstellen, mit gemeinsamen Initiativen, in die Unternehmen von Beginn an integriert sind. Androsch: Ich glaube auch, dass ein kleines Land nicht alles machen kann. Aber was es macht, dort soll es klotzen, nicht kleckern. Der FWF muss viele gute Anträge aus Geldmangel ablehnen. Man könnte auch in der angewandten Forschung viel mehr tun, zum Beispiel mehr COMET-Zentren einrichten.* Damit könnte mehr Geld in Brüssel abgeholt werden, statt es dort liegen zu lassen. *) Das Programm COMET (Competence Centers for Excellent Technologies) fördert den Aufbau von Kompetenzzentren auf hohem Niveau nach einem von Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam definierten Forschungsprogramm
Sie sprechen beide hauptsächlich von anwendungsorientierten Fächern … Seidler: Nein, jenseits von Schwerpunkten muss unbedingt Raum für Neues bleiben! Wirklich Neues entsteht nur aus der Grundlagenforschung. Das ist nicht planbar. Hier braucht es Mut zum Risiko – sozusagen Risikokapital für Investitionen in die Zukunft – und Geduld. In vielen Bereichen, in denen wir heute forschen, ist noch keine praktische Anwendbarkeit vorstellbar. Auch deshalb stehen Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung aus meiner Sicht nicht in Konkurrenz, sondern bedingen einander. Sie liegen zeitlich auf unterschiedlichen Punkten des Innovationsprozesses. Androsch: Innovation ist ein langer Weg, es dauert, bis ein Produkt oder eine Leistung auf den Markt kommt. Eine Idee und vielleicht ein Prototyp allein genügen nicht. Wir müssen in unserem Land viel mehr den Unternehmergeist fördern. Es gibt zu wenig Risikokapital und zu wenige Start-ups. Im Silicon Valley konnten damit große Firmen wie etwa Microsoft, Apple, Twitter entstehen – das fehlt uns. Geraten die Geisteswissenschaften bei alledem nicht völlig ins Abseits? Seidler: Bildung trägt zur Entwicklung einer Gesellschaft bei, die jeweilige Disziplin ist dabei nicht relevant. Gerade im Bereich Technik und Naturwissenschaften sind wir zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den Folgen unseres Tuns aufgerufen. Unsere Forschung beeinflusst die Gesellschaft unmittelbarer und direkter als viele andere Disziplinen. Unter anderem für die Reflexion unserer Verantwortung braucht es Geisteswissenschaften. Androsch: Faktum ist, dass sie leichter zu finanzieren sind, da sie kaum aufwendige Infrastruktur brauchen. Naturwissenschaftlich-technische und medizinische Entwicklungen brauchen mehr Geld und längere Ausreifungszeiten, dem muss man Rechnung tragen. Seidler: Nur wird auf den unterschiedlichen Ressourcenaufwand in den einzelnen Disziplinen bei den Budgetvergaben bisher leider keine Rücksicht genommen. Ein anderes Problem ist doch auch der sogenannte Braindrain, die Abwanderung von Begabten aus Österreich? Seidler: Da bin ich etwas gespalten. Für gute Leute in der Wissenschaft gehört es heute dazu, sich global zu bewegen. Aber das sollte keine Einbahnstraße sein: Wenn gute Köpfe gehen, müssen andere gute kommen. Das muss ein Kreislauf sein, ist es aber nicht. Als Hauptproblem sehe ich die Rot-Weiß-Rot-Card und den ganzen riesigen Wust an administrativen Dingen, die bei uns vor einem Forschungsaufenthalt zu erledigen sind. Hier müsste Österreich so einiges tun, um attraktiver zu werden.
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Wissenschaftspolitik
Müll verwerten Florian Freistetter
stronomen entdecken zweite A Erde!“ oder „Astronomen entdecken keinen neuen Planeten!“ – wel-
che Schlagzeile wird man wohl eher in der Zeitung lesen können? Natürlich die erste, denn negative Resultate sind uninteressant. Auch für die wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Es kommt weitaus häufiger vor, dass Astronomen einen Stern beobachten und dort keinen Planeten finden, als dass sie eine Entdeckung machen. Aber die Nicht-Entdeckung ist nur in den seltensten Fällen eine Nachricht wert. Das kann durchaus problematisch sein. Denn auch negative Resultate sind Resultate. Ihnen gehen die gleiche Arbeit voraus, die gleichen Anstrengungen und die gleiche kreative wissenschaftliche Leistung. Aber in der Realität des Forschungsalltags funktioniert nicht jede Idee. Nicht jedes Experiment ist erfolgreich. Wissenschaft besteht aus Versuch und Irrtum, und den Irrtum darf man nicht ignorieren. Zu wissen, wie etwas nicht funktioniert, ist genau so wichtig wie das Wissen über ein erfolgreiches Experiment. Aber nur, wenn dieser Irrtum auch publiziert wird, kann man vermeiden, dass andere Forscher denselben Fehler machen. Im besten Fall verliert man durch die ungewollte Reproduktion erfolgloser Forschung Zeit und Geld. Im schlimmsten Fall kann es aber um Leben und Tod gehen, zum Beispiel, wenn Erkenntnisse aus der pharmazeutischen Forschung nicht publiziert werden und Medikamente mit schweren Nebenwirkung unnötigerweise mehrfach getestet werden. Selbst wenn sich Wissenschafter dazu durchringen, ihr Scheitern zu veröffentlichen, finden sie dafür selten Fachzeitschriften. In den meisten angesehenen Journalen konzentriert man sich auf die Erfolge – je beeindruckender, um so besser. Scheitern hat da keinen Platz. Die wenigen Publikationen, die sich wie das Journal of Unsolved Questions (JUnQ) offiziell mit negativen Resultaten beschäftigen, fristen ein Nischendasein. Erfolglose Experimente, Nullresultate und Nicht-Entdeckungen mögen nicht so spektakulär sein wie Forschungsschlagzeilen. Aber aus wissenschaftlicher Sicht sind auch diese Ergebnisse relevant und alles andere als Forschungsmüll. Wir müssen uns nur endlich dazu durchringen, das Scheitern entsprechend zu würdigen und ernst zu nehmen! Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs.de /astrodicticum-simplex
Vom Rednerpult auf die Duellwiese Das bleibt unseren Parlamentariern heute erspart. Trotzdem wirken sie, verglichen mit früheren Parlamentseliten, schwach Sabine Edith Braun
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as würde sich ein Abgeordneter des Reichsrats denken, könnte er einer Nationalratssitzung des Jahres 2014 beiwohnen? „Es wäre ihm wohl fürchterlich fad, denn er wäre ein lebhafteres Parlament gewohnt“, sagt Franz Adlgasser vom Institut für Neuzeitund Zeitgeschichtsforschung der Akademie der Wissenschaften. „Er wäre außerdem von der Kleinheit des Hauses überrascht, von der ethnischen Einheitlichkeit, von der Einsprachigkeit des Parlaments und von der Kürze und Aussagelosigkeit der Reden.“ Eine Redezeitbeschränkung wie heute gab es zu Kaisers Zeiten nicht. Die längste Rede im Plenum dauerte 13 Stunden, in den Ausschüssen redeten Abgeordnete sogar 20 Stunden, wie der Historiker erzählt.
„Reden“ war dabei nicht immer wörtlich gemeint: Oft mussten die Politiker schreien, um den Lärm des Hauses – Mikrofone gab es nicht – zu übertönen. Zum Thema Historischer Parlamentarismus sprach Adlgasser im April bei der von der holländischen Akademie der Wissenschaften veranstalteten „European Social Science History Conference“ (ESSHC) in Wien. Gemeinsam mit Kollegen aus Ungarn und Rumänien referierte Adlgasser dort über parlamentarische Eliten in Zentral- und Südosteuropa vor dem Ersten Weltkrieg im Wandel.
Früher mehr Eigeninitiative Was bringt es uns Heutigen überhaupt, den Parlamentarismus der Monarchie zu studieren? Können wir
daraus lernen? „Ich bin dagegen, zu sagen, man soll aus der Geschichte lernen“, sagt Adlgasser. „Aber wenn wir über Reformen im Hinblick auf die Personalisierung des Wahlrechts reden, dann haben wir hier eine lange Tradition eines Parlaments, das mittels echtem Persönlichkeitswahlrecht gewählt wurde. Wir können uns die Vor- und Nachteile anschauen, und wie es funktionierte.“ Im Unterschied zu heute besaß das altösterreichische Parlament eine starke Eigeninitiative. „Die haben nicht gewartet, bis die Regierung gekommen ist. Die Abgeordneten hatten die fachliche Kompetenz, komplexe Materien zu beurteilen und zu bearbeiten“, sagt der Experte. Abgeordnete waren zunächst echte Individualisten. Aber eine Zivilgesellschaft wie damals sei im heutigen Parlament nicht mehr vertreten. Dies hänge mit der Fortentwicklung des Wahlrechts zusammen: Parallel zum Allgemeinen Wahlrecht seien auch die Massenparteien entstanden. „Mit den Massenparteien kam eine sozial andere Schicht von Politikern ins Parlament, die weitgehend das waren, was man heute als die klassischen Interessenvertreter bezeichnet“, weiß Franz Adlgasser: „Parteiangestellte, Parteijournalisten, Funktionäre von Gewerkschaften und Genossenschaften“ – und dies auf Kosten der Honoratiorenpolitiker, die bis in die 1890er-Jahre die Mehrheit bildeten und vor allem im später sogenannten Dritten Lager der Nationalliberalen überlebten.
Auf der Bluadwies’n
„Mit den Massenparteien kam eine sozial andere Schicht von Politikern ins Parlament – die klassischen Interessenvertreter.“ Historiker Franz Adlgasser
Was Aktionismus betrifft, so erscheinen heutige Abgeordnete nachgerade mustergültig. Neben der Obstruktion, dem Blockieren der parlamentarischen Arbeit in jeglicher Form, kam es zu Raufereien, und es flogen die Tintenfässer. „Als absoluter Tiefpunkt“, so der Historiker, „wird das Pistolenduell zwischen dem Deutschnationalen Karl Hermann Wolf und Kasimir Felix Badeni 1897 gesehen. Angeblich hat Wolf von einer ‚polnischen Schufterei‘ gesprochen – viel wahrscheinlicher aber hat er Badeni ‚du polnisches Schwein‘ genannt.“ Badeni forderte Wolf daraufhin zum Duell. Das Ergebnis: Badeni bekam eine Kugel in den Arm, und Wolf kehrte unverletzt und triumphierend ins Parlament zurück. Im Juni erscheint in Kooperation mit dem österreichischen Parlament Franz Adlgassers zweibändiges biografisches Lexikon zu den Abgeordneten beider Häuser von 1848 bis 1918. Neben biografischen Grunddaten gibt es Auskunft über Herkunft, Ausbildung, den beruflichen und politischen Werdegang sowie sonstige gesellschaftliche Tätigkeiten der einzelnen Parlamentarier.
F o to: M a r k u1988
Freistetters Freibrief
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Gedicht
Was am Ende bleibt
Franz Josef Czernin: mit geziefern
Der österreichische Lyriker Franz Josef Czernin (Jg. 1954) stellt die Frage nach Vision und orphischer Dichtung mit den Mitteln „experimentellen“ Schreibens neu. Das Ergebnis heißt „zungenenglisch“, ein vielstimmiges, glossolalisches Sprechen, dessen Botschaft nicht übersetzt wird. Poesie drängt sich nicht auf, sie setzt sich aus.
Holzfällen im Waldviertel
vogelort. im finnstern erstehen, uns rau schneckenackt.
erich klein
auch bäumkrönung, was fleischeszähne. da mir abgöttisch erzern. dies am ohrenschmaus. der rostapfel. so schrie brosamen, schimmelsangst sehr missbillig. Rasch am verkleistern, irrführst. dass reizungen, spöttisch
er ich k lein
heisschleimen. am eisen blosstelle. dir flügelkot, rauf himmelhoch,
Aus: Franz Josef Czernin: zungenenglisch. Visionen, varianten
ja, uns viel schimpfleckerei.
Carl Hanser Verlag, 2014
fallobst am ende. thronstuhl.
Rätsel von Gaja 2
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Waagrecht: 1 Lösungswort: Einst Aufbewahrungsort, heute Aufbewahrungsplatz 7 Gibt für den japanischen Falter genaue Blattlinien vor 8 Informationsträgerpakete (engl.) 10 Wird in jeder Beziehung immer flacher (Abk.) 11 Subversive oder 1 2 Werke von 3 Undichtern 4 5 doch 6nur Lücken 7 im System? 8 13 Kurz fürs Protokoll: Die smarte App für mobiles Internet 14 Elektrisierende Kunst, nicht nur fürs Linzer Auge 15 Schlachtruf der Hacker!? 17 So getreten wird jedes Thema langweilig 19 Da machte der Hexameter heldenhafte Kilometer 21 Allererste Adresse für Wohnungssuchende (Mz.) 24 Ausgeschriebener Suchbegriff 25 Haben die dort keine Manieren? Im Gegenteil, das ganze Land besteht buchstäblich daraus! 27 Wiederholen Sie oft ohne Wortwiederholung!
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Senkrecht 1 Programmatischer Kern harter Schalen 2 Eindringliche Warnung! In dieser Zone wird der Große Bruder zum
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Intimfeind Kriegt den Vor-Zug, wenn auch Bummel- am Plan steht Stachelte Meister Lampe zum Wettrennen an Im Fall des Falles sind derart sensitive Passwörter sicher sicherer Konzentrisches Umgeben Königsmörder in einem abgekarteten Spiel Backe backe britisch Spamferkel! Meist steckt ein falscher hinterm Trojaner Was Winkeladvokaten wörtlich aus Stangen herauskitzeln? Nicht so lala, sondern erstaunlich (!) oft vor La La Sichtbare Auflösungserscheinung (Abk.) Was fehlt der Lady Di Lammamoor? Macht Hooligans zu Schaum-Schlägern? Maßvolle Angeberei aus dem Tafelbesteck (Abk.)
Lösungswort: DATENBRILLE Waagrecht: 1 SPEICHER, 7 ORIGAMI, 8 FILES, 10 TV, 11 LECKS, 13 WAP , 14 ARS, 15 ATTACKE, 17 BREIT , 19 EPOS, 21 HOEHLEN , 24 FAHNDUNG, 25 ARMENIEN , 27 MEHRMALS Senkrecht: 1 SOFTWARE, 2 PRIVATSPHAERE, 3 EIL , 4 IGEL, 5 CASE, 6 EINKREISEN, 9 ASS, 12 CAKE, 16 ABSENDER, 18 TANGENS, 20 OOH, 22 HD, 23 LUCIA, 24 FOAM , 26 EL
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In Österreich können Naturgebilde, besondere Einzelbäume oder Baumgruppen, Felsen, Höhlen und Wasserfälle wegen ihrer Eigenart, Schönheit, Seltenheit oder ihres besonderen Gepräges, ihrer wissenschaftlichen oder kulturellen Bedeutung zu Naturdenkmälern erklärt werden. So lautet das Gesetz. Ein Dorf im Waldviertel hat nichts von all dem, genauer – nicht mehr. Der Bürgermeister von A. ließ kürzlich einen mehr als einhundert Jahre alten Kastanienbaum aus nicht ersichtlichen Gründen fällen. Der Koloss von gut zwanzig Metern Höhe und entsprechendem Kronendurchmesser überlebte den Ersten und Zweiten Weltkrieg. Als die gepflasterte Dorfstraße in den Sechzigerjahren asphaltiert wurde, rückten nicht einmal die wenig zimperlichen Straßenarbeiter dem Riesen zu Leibe. Eigentlich wäre er im Weg gestanden, aber auch im Wirtschaftswunder blieb der Baum unumstößlich. Man brauchte nicht einmal Landschaftsarchitekten oder Gartengestalter, um das Wahrzeichen des Ortes, dessen Eigenart und Schönheit erklärt zu bekommen. Ein Grund, die Kastanie, an der Generationen von Kindern spielerisch den Umgang mit Umwelt und Geschichte lernten, zum „Naturdenkmal“ zu erklären, lag nicht vor. Wer denkt bei einer Rosskastanie, die zweihundert Jahre alt werden kann, über deren Zukunft nach? Noch 10 im 11 dazu Waldviertel. Dass der derzeitige Ortsvorsteher vor lauter Wald den Baum nicht sah, mag mit seinem Beruf als Landesbeamter in Sachen Forstwirtschaft zu tun haben. Solche Personen reden gern von „Nachhaltigkeit“ und können mit „kulturelle Bedeutung“ wenig anfangen – wo bleibt da der Nutzen für die Allgemeinheit? Hier drängt sich die Frage auf, wessen Aufgabe es ist, darüber nachzudenken, was zu einem Naturdenkmal werden soll. Wie wird über „Eigenart“ oder „besonderes Gepräge“ entschieden? Der Bürgermeister, unbeeindruckt von anonymen Briefen, die ihn als „Baummörder“ beschimpften, stellte das Dorf vor vollendete Tatsachen. Als sich das Expertengutachten bei Besichtigung des gefällten Stammes als falsch erwies, trat die „Vorsorge“ auf den Plan: „Und wer übernimmt die Verantwortung, wenn etwas passiert?“ Von der Geschmacklosigkeit abgesehen, stellt die Frage nichts als die Perversion von Vorsorge dar! Voltaire hatte Recht: „Wir müssen unseren eigenen Garten bestellen.“ Kümmert euch rechtzeitig um eure Naturdenkmäler!
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