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FALTER

HEUREKA Das Wissenschaftsmagazin

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ilpferdkastration Auch nicht fein, aber nötig, denn in Zoos vermehren sie sich rasch

Großes Geschäft mit kleinem Ei Warum die Eizellspende mit Spenden gar nichts zu tun hat Unser Riesenproblem Fachhochschulrektor Hannes Raffaseder über Forschung an der FH

Nr.1/14

Schluss

Sex? mit

Gentechnik und Pränataldiagnostik ändern unsere Vorstellung von Zeugung/Empfängnis. Ist Sex zur Reproduktion bald hinfällig und nur noch Volkssport für arme Menschen?

V I C K Y (A U S S C H N I T T ) , R I O D E J A N E I R O, 2 0 0 3 ©M A R I A N N E G R E B E R / B I L D R E C H T/ 2 014

Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2443/2014


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Inhalt

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Wissenschafterin des Jahres 2013 Umwelthistorikerin Verena Winiwarter Steckt in Ihrer Sommerhose Kinderarbeit? Der Versuch, solche Fakten erfassbar zu machen Wir haben den Sex abgeschafft! Asexuelle Menschen und ihre Beziehungen Schluss mit Sex? Der Countdown zum Thema

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Damenbart? Bitte ernst nehmen! Er kann Unfruchtbarkeit signalisieren Schluss mit Sex? Kommen Kinder künftig aus der Retorte? Der Wunsch nach dem perfekten Kind Präimplantationsdiagnostik & In-vitro-Fertilisation Das große Geschäft mit dem kleinen Ei Die Folgen sogenannter „Eispenden“

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Schluss mit Sex? Das Glossar Menschliche Reproduktion von A bis S Uni und FH – gemeinsam forschen? Der Rektor der FH St. Pölten meint: klar doch! Wissens°Raum in Wien Eine Initiative zur Verbreitung von Bildung Gedicht, HEUREKA-Rätsel, Kommentar Kennen Sie Kriegsgegner des Ersten Weltkriegs?

Kommentar

Editorial

Verspielen wir den Ruf in der Wissenschaft? Helga nowotny

G r a f i k : T o n e F i n k , f o t o : H e i m o Ag a

sterreich liegt bei Wissenschaft Ö und Forschung gut im europäischen Mittelfeld, so lautet die Dia-

gnose. An sie schließt sich die Frage an: Können wir nicht mehr oder wollen wir nicht mehr? Sieht denn weder die Öffentlichkeit noch die Politik, wie riskant es gerade bei den anstehenden Budgetverhandlungen ist, die Versicherungspolizze für Österreichs Zukunft, nämlich die Investitionen in Forschung und Bildung, nicht einmal zu diskutieren, geschweige denn zu finanzieren? Dabei lässt sich das bisher Erreichte durchaus sehen: Spitzenleistungen in der Physik in Wien und Innsbruck; die internationale Attraktivität, die der Life-Sciences-Cluster in Wien inzwischen erreicht hat; das IST Austria, das seine Stellung als eine in Österreich einmalige Spitzeninstitution international gefestigt hat; und noch einiges mehr an heimischen Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen. Nicht zu vergessen ist auch das Aufholen in der Vernetzung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft durch die vielen thematischen Programme, die es den Unternehmen und Universitäten oder Fachhochschulen ermöglicht, gemeinsam an neuen Produkten und Dienstleistungen zu arbeiten. Doch auch hier scheint Österreich in der Innovationstabelle, dem Innovation Union Scoreboard, als innovation follower und nicht als leader auf. Für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist es nach Jahrzehnten gelungen, junge ForscherInnen für den internationalen Wettbewerb, der nun einmal in der Wissenschaft ausschlaggebend ist, gut auszubilden und, vorwiegend dank der Förderung durch den FWF, entsprechend vorzubereiten. Daher ist der jetzige Zeitpunkt kritisch: Wird der FWF – und damit die Grundlagenforschung in Österreich – im kommenden Budget nicht

entsprechend dotiert, wird unweigerlich eine Abwanderungswelle der besten NachwuchsforscherInnen einsetzen. Österreich kann seinen Ruf als attraktiver Ort in der europäischen Forschungslandschaft schnell wieder loswerden. Dabei ist das enorme Potenzial noch gar nicht berücksichtigt, das durch eine innovative Vernetzung zwischen Ergebnissen der Grundlagenforschung und wirtschaftlicher Umsetzung auch hierzulande vorhanden ist. Kurzum, die Zeit drängt. Im Mittelfeld zu sein mag beruhigen, solange man

von der Spitze nicht abgehängt wird. Dafür gibt es keine Garantie. Daher ist eine klare Antwort dringend fällig: Wollen wir wirklich absteigen oder können wir doch anders?

Finkenschlag Handgreifliches von Tone Fink

Helga Nowotny ist Vorsitzende des ERA Council Forum Austria und frühere Präsidentin des Europäischen Forschungsrates

www.tonefink.at

C hris t i a n Z i l l n e r

Ein Paradox, das uns die Wissen­ schaft mit ihren u ­ nterschiedlichen Disziplinen einbrockt, ­lautet so: Einerseits postuliert die Evolutions­theorie ständige Veränderung – und die gilt ja wohl auch für uns Menschen. Andererseits ermahnen uns Ökologie, Ethik und was weiß ich noch alles, doch darauf zu schauen, dass alles beim Alten bleibt. Nehme ich den ersten Fall ernst, kann ich davon ausgehen, dass Menschen künftig anders aussehen, denken und leben werden als jetzt. Vielleicht schauen wir wie Ratten aus, die schweben können, und befassen uns mit Sprachanalyse als Volkssport. Halte ich mich an die Aufforderungen des zweiten Falles, habe ich die ­dauerbrütende Metapher vom Menschsein zwischen Engeln und Tieren. Oiso, des find i fad. Womöglich ist man als Grautier mit vier Buchstaben (genau: „Egel“!) zu sehr am Unbekannten interessiert und möchte den Menschen selbst nur als evolutionären Schritt zu einer weiteren ­Spezies sehen. Allerdings scheinen diesen Wunsch viele zu teilen, was die Anstrengungen in Gentechnik und Biotechnologie zumindest plausibel macht. Sonst könnten sie ja alle den Tag lang beten. Den Menschen als die Krone der Schöpfung zu sehen, halte ich für falsch. Für mich ist er bestenfalls ihr Kronenkorken.

Impressum Falter 14a/14 Herausgeber: Armin Thurnher Medieninhaber: Falter Zeitschriften GmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: service@falter.at, www.falter.at Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. Redaktion: Christian Zillner Fotoredaktion: Karin Wasner Produktion/Grafik: Reini Hackl Korrektur: Martina Paul Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.

HEUREKA ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit


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Aus Wissenschaft und Forschung Kopf im Bild Für eine nachhaltige Gesellschaft Umweltgeschichte beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen Natur und Gesellschaft. Dabei schärft das Offenlegen der „Nebenwirkungen“ menschlicher Eingriffe das Bewusstsein für Nachhaltigkeit. „Wenn wir etwa die Stadtentwicklung am Fluss in der Vergangenheit als sozio-naturalen Prozess auffassen, können wir daraus lernen“, sagt die Umwelthistorikerin Verena Winiwarter von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Im Jänner wurde Österreichs erste Professorin für diese relativ neue Disziplin als „Wissenschafterin des Jahres 2013“ ausgezeichnet. In verschiedenen FWF-Projekten macht sich die deklarierte Teamspielerin unter anderem auf die Suche nach den verschwundenen Wienerwaldbächen im Untergrund Wiens oder untersucht die Auswirkungen des Skitourismus in Vorarlberg. Sorge bereiten ihr die Altlasten der Industriegesellschaft, verursacht etwa durch Atomanlagen oder große Staudämme. Allerdings: „Wenn man sich ansieht, wie lange die Wikinger auf Grönland mit sehr ausgefeilter Bewirtschaftung leben konnten, entsteht ein sehr positives Bild von der Beziehung Mensch–Natur.“ T e x t : us c h i so r z F oto : h e r ibe r t c o r n

Uschi Sorz

ie sind drei von 17 internationalen DoktorandInnen, die die Aufnah­ S me in das spezialisierte Doktorats­ kolleg „Chromosomendynamik“ der Uni Wien geschafft haben: Katja Schneider, 28

Katja Schneider hat in Stuttgart Technische Biologie studiert. Seit fast zwei Jahren lebt sie nun in Wien und freut sich über die tollen Möglichkei­ ten, die das Doktoratskol­ leg ihr bietet. „Wir lernen international renommierte Wis­ senschafter unseres Fachgebiets kennen und können unsere Arbeit auf Kongressen präsentieren. Ich bin sicher, dass mit diesem Programm der Grundstein für eine erfolgreiche wis­ senschaftliche Karriere gelegt wird.“

In ihrem Projekt studiert sie die Meiose in der Mo­ dellpflanze Arabidopsis thaliana. „Während der Meiose kommt es zum Austausch müt­ terlichen und väterlichen Erbmateri­ als zwischen homologen Chromoso­ men“, erklärt sie. „Dazu müssen beide Stränge der DNA-Doppelhelix aufge­ brochen werden.“ In ihrer Dok­ torarbeit möchte sie unter an­ derem herausfinden, wo im Genom der Pflanze diese Doppelstrangbrüche gemacht werden. Jasmin Bassler, 25

„Epigenetik waren schon immer all die seltsamen und wundervollen Dinge, die sich durch die Genetik nicht erklären lassen“, zitiert Jasmin Bassler Molekularbiologin Denise Barlow, um ihre Motivation für ihr Forschungs­

thema zu beschreiben. In ih­ rer Dissertation untersucht die Wienerin die Auswir­ kungen von Hitzestress auf die Nukleosomendynamik und damit auf die Chromatinorganisati­ on in der Modellpflanze Arabidopsis thaliana. „Je nach Grad der Ver­ packung der DNA können da­ rin enthaltene Gene abgele­ sen und aktiv werden“, er­ klärt sie. „So kann eine Pflanze sich an sich verän­ dernde Umweltbedingungen anpassen.“ Im Vorjahr erhielt die FH-Campus-Wien-Absolventin, die es in die Grundlagenforschung zieht, gleich drei Preise beim 9th In­ ternational Epigenetics Course des re­ nommierten Instituts Curie in Paris. Gabriela Cabral, 28

„Von der Komplexität der Biologie war

ich schon immer fasziniert“, sagt die Brasilianerin Gabriela Cabral. „Es ist erstaunlich zu beobachten, wie win­ zigkleine Moleküle interagieren, um hochkomplexe dynamische Systeme wie zum Beispiel den Menschen zu formen.“ Am Modellorganismus des Fadenwurms Caenorhabditis elegans untersucht sie nun an den Max F. Perutz Laboratories der Uni Wien die Bildung von Centrosomen und deren Kon­ trolle im Laufe des Lebens ei­ ner Zelle. Innerhalb des Zell­ gerüsts spielen diese winzigen Zellorganellen eine wichtige Rol­ le; Centrosomen-Anomalien lassen sich in vielen Krebszellen beobachten. „Bisher konnte man einige Proteine, die das Centrosom zusammensetzen, identifizieren, aber ihr Zusammenspiel konnte noch nicht vollständig enträt­ selt werden“, so die Doktorandin.

Fotos: privat

Jungforscherinnen


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Aus Wissenschaft und Forschung Mathematik

Chirurgie

Zoologie

Biomathematikerin berechnet, wie vom Aussterben bedrohte Arten überleben können

Krampfadern: Eine neue LaserBehandlung ist für Risikopatienten wie Zuckerkranke sicherer

Wozu bitte müssen Nilpferde kastriert werden?

Uschi Sorz

dieter Hönig

Uschi Sorz

ie anpassungsfähig ist eine Poerade Zuckerkranke sollten aufW pulation? Wie wahrscheinlich G grund ihres erhöhten Risikos für ist es, dass sie bei veränderten Um- Unterschenkelgeschwüre („offenes weltbedingungen überlebt? Und welche genetischen und ökologischen Faktoren sind dafür ausschlaggebend? Solche Fragen untersucht die Biomathematikerin Hildegard Uecker anhand mathematischer Modelle. Für ihr Projekt „Evolutionary rescue“ hat sie im Vorjahr das Stipendium „For Women in Science“ erhalten.

F o t o s : C h r i s W a l z e r / F I W I / V e t m e d u n i V i e n n a , T h o m a s Sc h u e t z , p r i v a t , V e r o n i k a A r n o s t / B e r n h a r d N o l l / T a g e s k l i n i k W i e n

„Ein gutes theoretisches Modell erfasst die wesentlichen Komponenten des biologischen Systems.“ Hildegard Uecker, IST Austria, Klosterneuburg

„Genetische Anpassung beruht darauf, dass sich vorteilhafte Genvarianten ausbreiten“, erklärt die gebürtige Würzburgerin. Sie hat an der Uni Wien promoviert und ist nun als PostDoc in der Gruppe von Nick Barton am IST Austria. Diese Varianten sind jedoch selten. Als Folge können äußere Veränderungen, etwa des Klimas, eine Art unmittelbar bedrohen. In ­Ueckers Untersuchung spielen konkrete Spezies allerdings keine Rolle. Ihr geht es darum, allgemein die entscheidenden Faktoren zu bestimmen und Mechanismen und Wechselwirkungen aufzudecken. Unter Umständen kann eine drastische Veränderung im Lebensraum höhere Überlebenschancen bergen als eine milde. „Solche Zusammenhänge zu verstehen ist wichtig für den Erhalt der Artenvielfalt“, betont die 31-Jährige. Aber auch im gegenteiligen Fall, dem der erwünschten Ausrottung unliebsamer Populationen wie etwa Krankheitserregern oder Insekten, sind die Ergebnisse nützlich. Biomathematik vereint Mathematik und naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinn. „Ein gutes theoretisches Modell erfasst die für die Fragestellung wesentlichen Komponenten des biologischen Systems“, legt ­Uecker dar. Und durch die Klarheit der mathematischen Formulierung und Analyse könne man dann wesentliche Zusammenhänge und Mechanismen erkennen.

Bein“) ihr Krampfadern-Leiden rechtzeitig behandeln lassen. Für sie sind moderne, minimal-invasive Methoden wie die Laseranwendung ideal. „Die Laser neuester Generation (1470nm Dioden-Laser) haben sich in zahlreichen, mehrjährigen Studien längst als mindestens ebenso wirksam wie die OP, aber wesentlich risikoärmer und verträglicher erwiesen“, berichtet der Chirurg Alexander Flor vom Venenzentrum der Vienna International Medical Clinic (VIMC). Bei der klassischen Venen-OP „Stripping“ müssen mehrere Hautschnitte erfolgen, um die gesamte Vene herauszuziehen. Mit dem Venenlaser hingegen ist es möglich, gezielt nur jene Venenabschnitte schrumpfen zu lassen, die betroffen sind. So können etwa wichtige Abschnitte der großen und kleinen Rosenvene erhalten bleiben. Alexander Flor: „Auf Schnitte an Leiste und Kniekehle können wir meistens verzichten.“ Das bestätigt auch Wolfgang Hofmann, Vorstand der Gefäßchirurgie am Landesklinikum Feldkirch: „Der Trend geht heute eindeutig in Richtung Erhaltung gesunder Venenabschnitte. Das ist durch die klassische Operation und durch neuere Verfahren wie etwa die Ver„Die Behandlung mit einem modernen Laser ist risikoärmer und verträglicher als eine Operation.“ Alexander Flor, VIMC, Wien

klebung nur eingeschränkt möglich.“ Der Erhalt gesunder Venenabschnitte ist wichtig, denn sie können sich später, wenn ein Gefäßersatz (etwa ein Herzbypass) benötigt wird, als äußerst hilfreich erweisen. Auch in puncto Sicherheit wurde ein neuer Meilenstein gesetzt: Venenexperte Alexander Flor: „Der neue Leonardo-Laser mit der innovativen „Elves® Radial-2ring-Faser“ teilt die Dichte der Laserenergie, sprich die Hitze, besser auf. Dadurch ist die Anwendung jetzt noch sicherer und eignet sich für mehr Menschen als bisher.“

Wie bei ihren entfernten Verwandten, den Walen, sind die Hoden bei männlichen Flusspferden schwer zu finden

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orzugsweise hält sich ein Flusspferd (Hippopotamus amphibius) im Wasser auf. Dafür ist es mit seiner dicken Haut auch perfekt ausgestattet. Andere Anpassungen seines Körpers an den nassen Lebensraum besorgen Tiermedizinern allerdings Kopfzerbrechen, denn sie erschweren die Kastration der männlichen Tiere – in Zoos das Mittel der Wahl bei der Geburtenkontrolle der Schwergewichte. Gerade in Gefangenschaft vermehren sich die in der freien Natur vom Aussterben bedrohten Hippos nämlich bestens. Und welcher Tiergarten könnte schon die bis zu 25 Jungtiere aufnehmen, die so ein Flusspferdweibchen im Laufe seines etwa 40-jährigen Lebens auf die Welt bringen kann? Was man als Laie kaum vermuten würde: Flusspferde sind entfernt mit Walen verwandt. Das ist auch an ihrer Anatomie und Physiologie erkennbar. Während sich die Hoden bei Walen im Inneren des Bauchraums befinden, „verstecken“ Flusspferde die ihren im Leistenkanal. Man kann sie kaum sehen oder ertasten. Eine andere Schwierigkeit für Veterinäre ist ihr Atemsystem. Bei Tauchaktionen können sie zwar problemlos mit Sauerstoffmangel umgehen, Narkosemittel vertragen sie aber schlecht. Bereits im Jahr 2012 hat ein Team um Chris Walzer von der Vetmeduni

Wien ein Narkoseprotokoll für diese Tierart veröffentlicht, das die Injektion von genügend Narkosemittel durch ihre dicke Haut zulässt. Nun haben die Wissenschafter vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie auch eine neue Kastrationsmethode entwickelt und im Fachjournal Theriogenology publiziert: Beim Eingriff an zehn tierischen Probepatienten haben sie zur Lokalisierung der Hoden Ultraschall eingesetzt. „Das war „Die Hoden können während einer OP immer wieder ihre Position ändern.“ Chris Walzer, Vetmeduni Wien

essenziell“, sagt Chris Walzer. „Denn die Hoden sind nicht nur schwer auffindbar, sondern können während der Operation auch immer wieder ihre Position verändern.“ Erwartungsgemäß haben sich die robusten Hippos rasch erholt und konnten sich bald wieder in ihrem Schwimmbecken vergnügen. „Wir haben eine effektive und sichere Methode entwickelt, um die Vermehrung dieser beliebten und ungewöhnlichen Tierart im Zoo im Zaum zu halten“, resümiert Walzer. Nützlicher Nebeneffekt: Der Eingriff bremst auch die Aggression der Männchen untereinander.

Sie vermehren sich im Zoo zu rasch, daher werden Nilpferde kastriert


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Aus Wissenschaft und Forschung Systemwissenschaft

Biologie

Steckt in Ihren neuen Sommerhosen verbotene Kinderarbeit?

Curry zur Krebsbekämpfung? Wiener Forscher haben eine Methode dazu entwickelt

Eine neue Datenplattform will Produktionsbedingungen und Nachhaltigkeitskriterien nachvollziehbar darstellen

Jochen Stadler

tatt zum Kochen von fernöstlichen S Gerichten verwenden Wiener Forscher Curry, um Krebs zu bekämpfen.

hen zum auffüllen Hier könnte ein Zitat stehen zum auffüllen Name Name X xxxx xxxxx

Gazipur, Bangladesh. In den Textilfabriken arbeiten auch Kinder – aber wer sieht das einem Kleidungsstück schon an? sonja Burger

W

ar bei der Herstellung eines Handys Kinderarbeit im Spiel? Oder schuften Arbeiter in einem Zulieferbetrieb für die Automobilindustrie unter schlechten Arbeitsbedingungen? Wer von Unternehmerseite auf solche oder ähnliche Fragen sozialer Nachhaltigkeit nach klaren Antworten sucht, steht derzeit auf verlorenem Posten. Denn die Probleme rund um mehr Transparenz bei sozialen und auch ökologischen Nachhaltigkeitskriterien sind vielschichtig. Neuerdings gibt es jedoch erste Lösungsansätze. „Oft findet nur mehr ein relativ geringer prozentueller Anteil der Produktion direkt beim Hersteller statt.“ Rupert Baumgartner, Uni Graz

Die Wertschöpfungsketten in der Elektronik- und Automobilbranche sind stark ausdifferenziert und erstrecken sich über den ganzen Erdball. „In beiden Branchen findet nur mehr ein relativ geringer prozentueller Anteil der Produktion direkt beim Hersteller statt“, erklärt Rupert Baumgartner, Leiter des Instituts für Systemwissenschaften, Innovations- und

Nachhaltigkeitsforschung an der Universität Graz. Umso wichtiger ist der Informationsaustausch zwischen Hersteller und Zulieferer. Handelt es sich um technische oder logistische Daten, ist der Datenaustausch teils bereits etabliert. Ein Beispiel dafür sei laut Stefan Petrus Salhofer vom Institut für Abfallwirtschaft an der BOKU das Internationale MaterialDatenSystem der Automobilbranche. „Damit erfährt der Hersteller, ob ein Bauteil etwa Blei enthält“, fasst der Experte zusammen. Doch woher soll eine Firma wissen, ob etwa bei der Produktion eines Bauteils ökologische und soziale Kriterien erfüllt werden? Um diese Lücke zu schließen, wird im Rahmen des europäischen Kooperationsprojekts „SustainHub“ eine Datenplattform für den Austausch ökologischer und sozialer Daten zwischen Unternehmen entwickelt. Einer der fünfzehn Partner ist die Universität Graz. Rupert Baumgartner leitet dort das Institut für Systemwissenschaften, Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung. Sein Team befasst sich mit der Frage, welche Nachhaltigkeitsthemen in welcher Weise in Datenbanken integriert und gemessen werden können. Aus der umfassenden Recherche, die auch die unternehmerische und

zivilgesellschaftliche Perspektive einbezog, kristallisierten sich 70 Nachhaltigkeitskriterien heraus. Davon beziehen sich 40 Prozent auf ökologische und je 30 Prozent auf soziale Kriterien beziehungsweise die Einhaltung von Rechtsvorschriften. Wie würde das am Beispiel Kinderarbeit konkret aussehen? „Wir fragen Compliance- und Performance-Indikatoren ab: Gibt es eine Firmenpolitik, die Kinderarbeit ver„Bei technischen Daten ist der Datenaustausch etwa in der Automobilbranche bereits etabliert.““ Stefan Petrus Salhofer, BOKU Wien

bietet und gab es je Strafen?“, erklärt Baumgartner. Würden Widersprüche auftauchen, sollte es das System aufzeigen. Weiters wird ein „Eco-Scout“ entwickelt. Damit lasse sich das Internet etwa nach Dokumenten zu Kinderarbeit bei Mobiltelefonen in Südostasien selbstständig durchsuchen. Vom Informationsaustausch via Datenbank sollten dem Experten zufolge bei gelungener Implementierung sowohl die Hersteller als auch die Zulieferer profitieren und die Transparenz globaler Wertschöpfungsketten verbessert werden.

„Wir konnten die Löslichkeit von Curcumin um das Zehntausendfache erhöhen.“ Mehmet Ücisik, BOKU Wien

Curcumin kann nämlich bestimmte Signalwege in den Zellen blockieren und die bösartigen Zellen sogar zur Selbstaufgabe treiben. Auf gesunde Zellen habe es jedoch keinen schädlichen Einfluss. Allerdings ist reines Curcumin normalerweise im Körper kaum wirksam. „Der Stoff ist nämlich nicht gut bioverfügbar, weil er sich extrem schlecht in Wasser löst“, sagt Ücisik. Deshalb waren die medizinischen Anwendungen des gelben Wirkstoffs bis jetzt stark eingeschränkt. „Wir konnten die Löslichkeit aber um das Zehntausendfache erhöhen, indem wir Curcumin in winzige Fettpartikelchen mit einer Membran rundherum verpackten.“ Die Forscher zeigen in dem Fachartikel, dass ihre „CurcuEmulsomen“ zum Beispiel rasch von Leberkrebszellen aufgenommen werden. Noch dazu wird der Wirkstoff über längere Zeit aus den Nanopartikeln abgegeben, weil sich deren Fettkerne nur schrittweise auflösen. Daher müsste man solch eine Nanotech-Medizin nicht täglich zu sich nehmen.

F o tos: UN Pho to/K i ba e Pa r k , pr i vat, F o to W i lk e Leo b en | M e di e n di e n s t.com

Hier könnte ein Zitat ste-

Sie verpacken einen seiner Wirkstoffe, nämlich Curcumin, in winzige Fettteilchen, die von einer Membran umschlossen sind. So gelangt er besser in Krebszellen und kann diese unschädlich machen, berichteten sie vor Kurzem in der Fachzeitschrift Journal of Nanobiotechnology. Curcumin wird aus einer Pflanze namens Gelbwurz gewonnen – unter Köchen als „Kurkuma“ wohlbekannt. Doch nun schätzen auch Mediziner den Stoff, weil er Krebszellen hindert, ungehemmt zu wachsen, sich im Körper auszubreiten und Tochtergeschwulste (Metastasen) zu bilden, erklären Uwe Sleytr und Mehmet ­Ücisik vom Department für Nanobiotechnologie der Universität für Bodenkultur in Wien.


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AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG Sexualmedizin

Brief aus Brüssel

Wir haben den Sex abgeschafft!

EMILY WALTON

Die sexuell revolutionierte Gesellschaft verpflichtet uns geradezu dazu, Geschlechtsverkehr zu haben. Es gibt aber immer mehr Menschen, die darauf keinen Wert legen

BARBARA DURAS

FOTOS: HERBERT RICHTER, HELMRICH

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ortpflanzung ist kein Kriterium für Sexualität. Wir wissen aus Studien, dass nur vier Prozent der Paare Sex haben, um sich fortzupflanzen“, erklärt der Sexualmediziner Georg Pfau. Sex kann man aus den verschiedensten Gründen haben. Der Mensch ist ein sexuelles Wesen und kann sich dem nicht entziehen. Dennoch gibt es seit einigen Jahren eine schnell wachsende Gemeinschaft von Menschen, die sich als asexuell verstehen. Eine Anlaufstelle für Menschen, die kein Verlangen nach sexueller Interaktion haben, ist die Online-Plattform AVEN (Asexual Visibility and Education Network). Dort wird ein Asexueller wie folgt definiert: „Man ist asexuell, wenn man sich selbst so sieht.“ Für den Experten Pfau wird Sexualität im weitesten Sinn als „intimes Zusammensein“ definiert. „Wir reduzieren also nicht auf den reinen Geschlechtsverkehr. Menschen, die sich als asexuell bezeichnen, haben häufig trotzdem den Wunsch nach intimen Beziehungen, wo auch Zärtlichkeiten und Berührungen ausgetauscht werden. Sexuelle Zufriedenheit muss jedes Paar für sich selbst definieren“, meint er. Für die Sexualtherapeutin Claudia Wille ist jegliches Nichtvorhandensein von Lust auf jemand anderen ein sekundäres, im Lauf des Lebens entstandenes Symptom. „Schlechte Erfahrungen, Enttäuschungen und Verletzungen, die in „Menschen, die sich als asexuell bezeichnen, haben häufig trotzdem den Wunsch nach intimen Beziehungen.“ Georg Pfau, Sexualmediziner

wichtigen Beziehungen passiert sind, können bewusst oder unbewusst dazu führen, dass unangenehme Gefühle abgewehrt werden. Sexualität kann das Maximum an Intimität darstellen – und da sehe ich Asexualität als wunderbaren Abwehrmechanismus. Noch

besser ist es jedoch, man setzt sich mit den Gründen auseinander.“ Asexuelle Menschen müssen sich häufig dafür rechtfertigen, etwas, nämlich Sex, nicht zu wollen. „Ein großer Wunsch dieser Menschen ist, dass ihre Form des Lifestyles anerkannt wird“, sagt Georg Pfau. Und Wille ergänzt: „Asexuelle Menschen tun sich zusammen. Sie wollen nicht ins Eck gestellt werden und schon gar nicht hören, dass sie krank sind, nur weil sie keinen Sex wollen. Aber trotzdem bedeutet das etwas und manchmal dauert es länger, bis man draufkommt, wo eine Blockade sitzt und ich mir selbst nicht erlaube, Lust zu haben.“ Das Ziel jeder Sexualtherapie ist die individuelle sexuelle Zufrieden-

heit. „Dabei spielt die richtige Partnerwahl eine große Rolle. Über das Internet können Menschen mit außergewöhnlichen (legalen) Vorstellungen zusammenfinden“, sagt der Sexualmediziner Pfau. „Wenn ein asexuell gestaltetes Beziehungsleben für beide passt und sich zwei Menschen darauf einigen, kann das sehr befriedigend sein. Wir müssen uns nicht von der Gesellschaft in etwas hinein stoßen lassen“, ergänzt Claudia Wille. Bemerkenswerterweise hegen sogar Paare, die sich selbst als asexuell verstehen und auch so leben, häufig einen Kinderwunsch, weiß Pfau. „Die durchschnittliche Frau weiß, wie sie ein Kind machen kann, ohne penetriert zu werden. Für Paare, die keinen penetrierenden Geschlechtsverkehr haben wollen, sind die Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung jedenfalls eine Option.“ Auch Claudia Wille hat Erfahrung damit. „In der Therapie helfe ich dabei, individuelle Lösungen zu finden, die bei dem Wunsch nach Familiengründung in diesen Fällen auch eine künstliche Befruchtung sein kann.“ Links zum Thema Asexualität: www.sexualmedizin-linz.at www.sexmanagement.at www.aven-forum.de www.asexuality.org

„Wenn ein asexuelles Beziehungsleben für beide passt, kann das sehr befriedigend sein.“ Claudia Wille, Sexualtherapeutin

chluss mit Sex. Schaffen wir ihn S ab. Dieser Gedanke ist freilich nur theoretisch, aber: Was würde gesche-

hen, wenn ein Beamter in der EUKommission diese Idee aufgreift und beschließt, den Sex zu regulieren? Wollte man Sex-Richtlinien schaffen, so wäre dies gewiss ein Fall für die EU. Warum? Erstens gibt es bei genauerer Betrachtung überhaupt nur noch zwei nennenswerte Bereiche, die noch nicht von Eurokraten reguliert werden: Das Märchenreich der EU-Mythen, das selbst für hartgesottene EU-Beamte unregulierbar erscheint – und eben das Schlafzimmer. Zweitens könnte die oft so fern wirkende Europäische Union mit einem Schlag die Aufmerksamkeit der Menschen gewinnen. Denn welches Thema könnte den Anspruch an die oft geforderte und doch selten erreichte Bürgernähe besser erfüllen? Endlich eine Richtlinie, welche die Mehrheit der Menschen wirklich bewegt! Endlich die Chance auf Verkehrspolitik, die sich nicht nur um Transit-Laster und Grenzkontrollen dreht! Und heißt es nicht immer, die EU solle sich endlich um die wirklich wichtigen Themen kümmern, statt das Leben bis in den letzten unwichtigen Winkel zu regulieren? Wobei: Vielleicht wäre das sogar die nicht mehr für möglich gehaltene Chance für eine Neufassung der bislang so geschmähten Gurkenkrümmungsverordnung – wer weiß. Der bürokratische Prozess in Brüssel, sonst oft Anlass für Kritik, wäre hier zur Abwechslung einmal genau richtig gestaltet: Ausnahmsweise ein Thema, bei dem es adäquat scheint, dass die wichtigen Fragen in Nachtsitzungen geklärt werden. Und ausnahmsweise müssten sich Politiker auch nicht dafür rechtfertigen, wenn die „intensiven Verhandlungen“ vertraulich und hinter verschlossenen Türen stattfinden. Widerstand wäre vermutlich in Brüssel selbst zu erwarten: Man kann davon ausgehen, dass die EUBeamten angesichts der bevorstehenden Sex-Regulierung um bestimmte Zulagen fürchten würden, die sie ja, wie man aus der Boulevard-Presse weiß, bekanntlich für so ziemlich alles kassieren. Sie könnten themenadäquat gerade jenen Satz zu ihrem Slogan machen, den die undiplomatische US-Diplomatin Victoria Nuland kürzlich in Zusammenhang mit den politischen Entwicklungen in der Ukraine geäußert hatte und für den sie sich entschuldigen musste: „Fuck the EU.“


Titel 8

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heureka

Schluss mit sex?

Der Countdown zum Thema Sabine Edith Br aun

Bit beträgt die max. Information des menschlichen Genoms Basenpaare weist das mensch-­ liche Genom auf

US-Dollar – um so viel Geld erwarb das Beijing Genom Institute (BGI) die in Kalifornien ansässige Firma Complete Genomics im März 2013 Euro beträgt die Höhe der Förderung von Arbeiten zu embryonalen humanen Stammzellen im 7. Rahmenprogramm der EU (2007–2012) US-Dollar Wagniskapital investierte ­Google im Jahr 2007 in das 2006 gegründete ­ S-amerikanische Biotechnologieunternehmen „23andMe“ U

-Genom-Projekt: Vom BGI im November 2011 gestartetes Meta-Projekt, bestehend aus dem 1-Million-Pflanzen-und-Tier-Genom-Projekt, dem 1-Million-Humangenom-Projekt und dem 1-Million-Micro-Ecosystem-Genom-Projekt

2 990 000 450 000 78 103 20 000 10 000 3200 3000 2236

US-Dollar an staatlichen und privaten ­Fördermitteln soll der südkoreanische Klonforscher Hwang Woo-suk veruntreut haben Kunden ließen bis Oktober 2013 ihre Gene bei „23andMe“ analysieren

Kinder wurden 2013 in Österreich geboren, das ist ein Anstieg um 0,5 Prozent gegenüber dem Jahr 2012 genetisch bedingte Erkrankungen sind heute bekannt

Mal wurde die seit den Neunzigerjahren verfügbare Präimplantationsdiagnostik weltweit angewandt

beträgt mitterweile die Anzahl der entschlüsselten Erbkrankheiten Euro betragen die Kosten für einen IVF-Durchgang, an den eine Präimplantationsdiagnostik gekoppelt ist

Eizellen von 122 Frauen – viel mehr, als ursprünglich ­angegeben –, soll Hwang Woo-suk bei seiner 2005 ­erschienenen Studie zu den elf angeblich maßgeschneiderten ­Stammzelllinien benutzt haben

2003 1909

Das Jahr, seit dem jedes einzelne Gen des Menschen bekannt ist

In diesem Jahr wird erstmals das Wort Gen verwendet, und zwar von dem dänischen Botaniker Wilhelm Johannsen

1600 1223 1092

Erbkrankheiten waren weltweit im Jahr 1970 bekannt Zwillingspaare wurden im Jahr 2012 in Österreich geboren

Von so vielen Menschen aus 14 Bevölkerungsgruppen wurden die Daten im Rahmen des 2008 gestarteten 1000-Genom-Projekts in eine öffentlich zugängliche Projektdatenbank eingespeist [www.spiegel.de]. An jedem 500. bis 1000. Basenpaar ­unterscheiden sich die Genome zweier Menschen

99 95 90 70 50 43 37 29

US-Dollar (exkl. Versand) – statt wie ursprünglich 999 – kostet ein Gentest für Privatpersonen beim US-Biotech-Unternehmen „23andMe“ derzeit nur noch Prozent aller erzeugten Klon-Embryonen sind bei Tieren nicht entwicklungsfähig Prozent beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis einer Präimplantationsdiagnostik korrekt ist Prozent aller Eizellen bei 40-jährigen Frauen sind genetisch defekt

Euro Aufwandsentschädigung erhielt ein Samenspender in Deutschland im Jahr 2006

Tage dauerte die Verhandlung gegen Hwang Woo-suk, der wegen Verstöße gegen das südkoreanische Bioethik-Gesetz und der Veruntreuung von Fördergeldern angeklagt war Platzierung des BGI in der Liste der 50 innovativsten Unternehmen weltweit (gelistet von Fast Company, 2014)

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Institute führen in Österreich In-vitro-Fertilisationen durch Prozent beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass natürlich gezeugte Geschwister immunkompatibel sind Prozent (pro Zyklus) beträgt die Erfolgsquote bei einer Frau über 38 Jahren bei der künstlichen Befruchtung durch Spermien

Prozent aller Präimplantationsdiagnostik in den USA dienen allein zur Selektion des Geschlechts und haben keinerlei Krankheitsbezug („social sexing“) bis 4 Prozent beträgt die Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsbzw. Drillingsschwangerschaft bei der In-vitro-Fertilisation IVF

Prozent aller Präimplantationsdiagnostik in Europa werden zur Selektion des Geschlechts ohne Krankheitsbezug angewendet Prozent der Befragten bezeichnete sich in einer britischen Studie als asexuell

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Zu den Fotos Die Foto- und Filmkünstlerin Marianne Greber hat sich in ihrer Arbeit unter anderem dem Thema Identität gewidmet und dabei TransvestitInnen in den Mittelpunkt ihres Projekts „Soul Glamour“ gestellt. Sie schreibt dazu: „TransvestitInnen erörtern, was wir Geschlecht nennen, und perfektionieren die geschlechtsspezifischen Botschaften einer Gesellschaft. Nur Mann oder Frau zu sein, ist zu wenig für sie. Der Illusion ergeben, dass die Mehrheit der Menschen glaubt, gerade das zu tun, was natürlich kommt, bringen sie viel vom stillschweigenden Verständnis, das die Bildung und Beibehaltung von Geschlechtsunterschieden im aktuellen sozialen Leben zeigt, an die Oberfläche.“ Fotoband „Sou Glamour“, Bucher Verlag, 2008 Vom Leben dazwischen – Das dritte Geschlecht von Rio, ein Film von Marianne Greber in Koproduktion mit dem ORF, 2008, www.mariannegreber.at

Margarett #2, Salvador da Bahia, 2006 Sie spürt eine feinsinnige Weiblichkeit im Inneren, die sich nach außen ausdrücken will. Der brasilianische Dichter Affonso Romano de Sant´Anna bemerkte in Bezug auf die Transvestitinnen: “Biologisch sind Transvestiten Männer, psychologisch sind sie Frauen.”


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Damenbart? Bitte ernst nehmen! Unerwünschter Haarwuchs oder Haarausfall bei Frauen können Alarmsignale für Unfruchtbarkeit sein Dieter hönig

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ede siebte bis zehnte Frau im gebärfähigen Alter ist von unerwünschtem Haarwuchs betroffen. Abgesehen vom optisch-kosmetischen Problem verbirgt sich hinter Hirsutismus (männliche Körperbehaarung bei Frauen) nicht selten eine tiefgreifende gesundheitliche Störung: Haarwuchs an den falschen Stellen, Menstruationsstörungen, unerfüllter Kinderwunsch, oft kombiniert mit Übergewicht und unreiner Haut können auf eine gemeinsame Ursache zurückzuführen sein.

Was sich hinter einem Bart verbirgt „Bevor man eine In-vitro-Fertilisation andenkt, sollte immer zuerst auf das sogenannte polyzistische Ovarsyndrom, kurz PCOS untersucht werden“, erklärt Wilfried Feichtinger. Der Leiter des Wunschbaby-Zentrums war vor knapp 33 Jahren der erste Österreicher, mit dessen Hilfe ein Retortenbaby geboren wurde. Heute ist Österreichs erstes Retortenbaby mittlerweile 32 Jahre alt. PCOS ist eine komplexe hormonelle Störung, die zu vielen kleinen Eierstockzysten, zu einem unregelmäßigen Monatszyklus und zu Unfruchtbarkeit führt. „Neben unerwünschtem Haarwuchs kann auch ,männlicher‘ Haarausfall am Kopf sowie Akne

„Neben unerwünschtem Haarwuchs kann auch ,männlicher‘ Haaraus­fall am Kopf sowie Akne äußeres Anzeichen dafür sein, dass der Hormonhaushalt gestört ist.“ Martin Ulm, Gynäkologe an der MedUni Wien

äußeres Anzeichen dafür sein, dass der Hormonhaushalt gestört ist“, erklärt der Wiener Gynäkologe Martin Ulm, Professor an der MedUni Wien. Erste Abklärung bringt eine einfache Ultraschalluntersuchung. Tatsächlich finden sich dabei bei rund zwei Drittel aller Betroffenen kleine Eierstockzysten, womit die Diagnose PCOS naheliegt. Parallel dazu muss auch der Hormonhaushalt inklusive Schilddrüsenhormone genau überprüft werden. Denn zu 90 Prozent liegen die Ursachen für übermäßige Behaarung in der erblichen Veranlagung: Der weibliche Körper reagiert dann entweder überempfindlich auf die ganz normal produzierte Menge an männlichen Hormonen (vor allem auf Testosteron), oder es liegt eine Störung in den für die Hormonproduktion zuständigen Regelkreisen im Gehirn vor.

Wie man das Problem behandelt PCOS ist heute gut behandelbar. Die Therapie zielt auf eine Wiederherstellung eines normalen Hormonstoffwechsels ab. „Das gelingt, indem man die Behandlung darauf ausrichtet, die blockierende Wirkung der männlichen Hormone aufzuheben“, erklärt Gynäkologe Martin Ulm.

Dadurch pendelt sich der Monatszyklus ein, die Empfängnisfähigkeit verbessert sich. Nach und nach verflüchtigt sich auch der unerwünschte Haarwuchs im Gesicht und an anderen Körperstellen.

Übergewicht erhöht die Gefahr „Bei Frauen ohne Kinderwunsch können auch die Verordnung einer antiandrogen wirksamen Pille sowie Gewichtsreduktion helfen“, so Martin Ulm. Denn wie man mittlerweile weiß, tritt PCOS bei übergewichtigen Frauen signifikant häufiger auf als bei Normalgewichtigen. Da Übergewicht sehr oft mit Insulinresistenz, der Vorstufe von Diabetes II, einhergeht, sollte unbedingt auch die Blutzuckertoleranz untersucht werden, um die Behandlung bei Bedarf auch auf ein Vermeiden des Ausbruchs der Zuckerkrankheit auszurichten. Bei vielen übergewichtigen Patientinnen bekäme man PCOS laut Ulm bereits mit einer Gewichtsreduktion um fünf bis zehn Prozent sowie durch die Gabe von Antidiabetika gut in den Griff. Bei anderen Patientinnen müsse die Behandlung vielschichtiger angelegt werden, um auch die äußeren Anzeichen wie männlichen Haarwuchs sowie Haarausfall am Kopf zum Verschwinden zu bringen.

Reagenzglas vor Mutterbauch? Ethisches Dilemma in Österreich: Ein Embryo ist im Reagenzglas rechtlich besser geschützt als in der Gebärmutter isa starb mit elf Monaten. Ihr Körper L war zuletzt von Blasen bedeckt, auch ihre Schleimhäute waren wund. Das Mäd-

chen litt unter einer schweren Form einer Erbkrankheit, bei der die Hautschichten wegen eines Gendefekts kaum miteinander verbunden sind – sie war ein „Schmetterlingskind“. Die Eltern konnten ihre Tochter nicht an sich drücken und durch Streicheln trösten, die Mutter konnte sie nicht einmal stillen, dann jede Berührung verschlimmerte ihre Schmerzen. Schließlich versagten Lisas Nieren, und die Eltern mussten sich von dem Mädchen vor dessen ersten Geburtstag für immer verabschieden. Wenn Lisas Eltern noch ein Kind wollen, kann sich das Leid wiederholen, und zwar mit einem Risiko von 1:4. Sie könnten ein Ungeborenes freilich noch im Mutterleib untersuchen lassen und bei einer solchen Erbkrankheit abtreiben lassen. Nicht möglich wäre in Österreich aber eine künstliche Befruchtung mit Untersuchung des Embryos nach Erbkrankheiten, bevor er in die Gebärmutter verpflanzt wird,

„Die Gesellschaft ist leider nicht so solidarisch, dass sie Eltern ausreichend Unterstützung anbietet, um mit einem behinderten Kind zu leben. “ Barbara Maier, Frauenärztin und Geburtshelferin, Hanusch-Krankenhaus, Wien

denn die sogenannte Präimplantationsdiagnostik (PID) ist hierzulande verboten. Es sei ethisch sehr bedenklich, dass eine Untersuchung des Embryos während der Schwangerschaft mit einem möglichen Spätabbruch in Österreich erlaubt ist, Untersuchungen vor der Einpflanzung aber untersagt sind, meint Peter Kampits, Medizinethiker an der Universität Wien und der Donau-Uni Krems. „Man kann den Eindruck bekommen, dass der Embryo im Reagenzglas durch die derzeitige Gesetzeslage besser geschützt ist als der im Körper der Frau heranwachsende“, sagte er. Aus medizinethischer Sicht wird der Embryo und später der Fötus immer schützenswerter, je länger die Schwangerschaft besteht, so Barbara Maier, Frauenärztin und Geburtshelferin am Wiener Hanusch-Krankenhaus. Bei PID gäbe es noch gar keine „intrauterine Schwangerschaft“. „Hier wird normalerweise eine Zelle eines frühen Embryos im Reagenzglas untersucht, während bei der Pränataldiagnostik im Mutterleib zumeist schon ein

Embryo mit Herzaktion sichtbar ist“, erklärt sie. Egal, ob man vor oder während einer Schwangerschaft untersucht, die Konsequenz, eine Schwangerschaft nach genetischer Abklärung nicht fortzusetzen, sei auch eine Reflexion auf Menschen mit durch solche Erbanlagen verursachten Behinderungen, so Maier. „Gerade für Frauenärztinnen ist es unglaublich schwierig zu klären, in welchen Fällen dies möglich sein soll.“ Als Ärztin sei sie dem einzelnen Paar verpflichtet und habe ernst zu nehmen, ob dieses sich zutraut, ein Kind mit Behinderung zu versorgen. Doch gesellschaftlich bekäme eine solche Entscheidung eine ganz andere Dimension. „Ich bin ganz eindeutig für die autonome Entscheidung der einzelnen Paare, weil die Gesellschaft leider nicht so solidarisch ist, dass sie ihnen ausreichend Unterstützung anbietet, um mit einem behinderten Kind zu leben.“ Wer nicht die nötigen Hilfestellungen übernimmt, solle den einzelnen Paaren ihre individuellen Entscheidungen nicht verbieten dürfen.

F o tos: pr i vat, H a nu s c h K r a n k e n h au s

Jochen Stadler


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Haidingers Hort der Wissenschaft

Grafikkabinett Püribauers Tierversuche

Sex in der Hedonei M ar t i n H aidi n ger

Martin Haidinger ist Historiker, Wissenschafts­ journalist bei Ö1 und ­Staatspreisträger für Wissenschafts­ journalismus

I l l u s t ra t i o n : B er n d P ü riba u er

Freihandbibliothek Buchtipps von Emily Walton Freizügigkeit für alle

Wozu Kinder zeugen?

Promiscuity: An Evolutionary History of Sperm Competition Tim Birkhead. Harvard University Press. 272 S.

What are Children For? Matthew Taylor, Laurie ­Taylor, Short Books, 144 S.

Wenn es um die Wahl des Sexualpartners geht, gelten – zumindest in der Tierwelt – Männchen als sexuell freizügig, Weibchen hingegen als wählerisch. Autor Tim Birkhead zeigt auf, dass dieser Ansatz zu überdenken ist. Beide Geschlechter sind promiskuitiv und haben gefinkelte Strategien, wenn es darum geht, den besten Vater/die beste Mutter für den Nachwuchs zu ­suchen. Ein gelungener Einblick in das Sexualverhalten der Tierwelt und zugleich ein Streifzug durch die Geschichte der Fortpflanzung.

Sind Menschen ohne Kinder schlechter? Diese provokante Frage lenkt das Buch des Autorenduos Taylor. Auf knapp 150 Seiten setzen sich Vater und Sohn mit der gesellschaftlichen Haltung zu Kindern auseinander und zeigen auf, wie die Politik versucht, die Familienplanung zu steuern. Zudem werden Dialoge über die biologische Uhr der Frau und Kinderziehung geführt. Als Beispiele werden primär Paare der Mittelschicht aus dem eigenen Bekanntenkreis herangezogen, somit ist das Buch nicht wissenschaftlich fundiert, aber durchaus aufschlussreich.

Was lenkt den Sex?

Die Geschichte der Impotenz

Sex and Reason. Richard Posner. Harvard Universi­ ty Press. 468 S.

Impotence. Angus McLaren. University of Chicago Press. 332 S.

Sexualtriebe sind biologische Prozesse. Aber bedeutet dies, dass sie nicht bewusst zu steuern sind? Richter Richard Posner untersucht das Paarungsverhalten aus unterschiedlichen Perspektiven und zieht Erkenntnisse aus den Bereichen Biologie, Recht, Wirtschaft, Religion und Geschichte heran. Er stellt die Motive der Individuen dem gesellschaftlichen Verhalten gegenüber und sucht nach Erklärungen für Masturbation, Sexorgien und auch Vergewaltigungen. Dabei behandelt er eine beeindruckende Zeitspanne von der Antike bis ins 21. Jahrhundert.

Spätestens seit es das Mittel Viagra gibt, ist Impotenz für Männer kein Tabuthema mehr. Dabei prägt das Problem der männlichen (Im-)Potenz schon seit Jahrhunderten die Gesellschaft. Autor Angus McLaren widmet sich der historischen Relevanz der Manneskraft und beschreibt, wie Potenzprobleme sich auf die Psyche, Beziehungen und das Umfeld auswirk(t)en. Das Buch ist gespickt mit interessanten Anekdoten, wie Männer in der Vergangenheit versuchten, ihre Potenz zu steigern – etwa, indem sie Wurzeln kauten oder Zaubersprüche rezitierten.

enn Österreichs bunte Blätter anno haidermals ihre Auflage kurzfristig W heben wollten, mussten sie nur den unaus-

sprechlichen, aber dafür umso ansehnlicheren blau-orangen Jörgl auf die Titelseite heben, oder – als immer aktuelle Alternative – irgendeine Schlagzeile wählen, die das Wort „Sex“ enthielt. Überschneidungen beider Motive garantierten überhaupt maximalen Erfolg beim Käufer. Wer nun gedacht hat, dass der Jörg post mortem aus der Kolportage verschwinden würde, hat sich schwer geirrt – da seien die drei Korruptionsnornen „Hypo“, „Alpe“ und „Adria“ vor! Dagegen wird ziemlich sicher der für zeitlos gehaltene „Sex“ den konventionellen Medien als Quotenbringer abhanden kommen. So lautet zumindest meine Privatprophezeiung, die auf einer Offenbarung Arthur Schopenhauers basiert, der im Eindruck seiner eingetretenen Impotenz feststellte, er sei froh, endlich von einer schlimmen Plage erlöst zu sein. Damit ist dieser Philosoph des 19. Jahrhunderts weit aktueller als der Sexologe Ernest Bornemann, der 1995 nach der Eigenwahrnehmung des gleichen Phänomens frustriert Selbstmord beging. Denn die Sache mit der Aufregung rund um den Sex ist in der westlichen Welt, die man auch die „Hedonei“ nennen könnte, entmythologisiert, entmystifiziert und damit gegessen. Durch den Boom der einschlägigen Wissenschaft wird er zum schieren Vermehren obsolet, und auch zur Lustbefriedigung taugt er angesichts digitaler Surrogate in seiner analogen Form nur mehr bedingt. Zum ersten Mal in der langen Karriere der Pornografie auf diesem Planeten ist die Projektion von Sex für Menschen jeden Alters und jederlei Geschlechts rund um die Uhr praktisch gratis online zugänglich. Und Cyber-Erotik aller Abstufungen bringt das Prickeln ganz ohne realen Partner ins Single-Stübchen. Konventioneller Sex hat nichts mehr Verschwitztes mehr. Richtig oder falsch? Gut oder schlecht? Nichts von alledem. Nur anders als früher halt. Die sexuelle Befreiung des späten 20. und die sexuelle Banalisierung des 21. Jahrhunderts haben außerdem Übergriffe, Missbräuche und Verbrechen auf diesem Gebiet nicht häufiger, sondern nur öffentlich sichtbarer gemacht. Parallel dazu werden die altmodischen „Sex“-G’schichterln überflüssig und irgendwann aus den Illustrierten verschwunden sein. Wenn auch vielleicht nicht unbedingt vor den Jörgl-Stories …


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WERNER STURMBERGER

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chlechte Nachrichten für Fans von Reality-Shows à la „Teenager werden Mütter“: Sexualität und Fortpflanzung gehen getrennte Wege. Die Befruchtung findet nur mehr in der Retorte statt. „In zwanzig bis vierzig Jahren, zumindest in der entwickelten Welt, werden die meisten Babys mittels In-vitro-Fertilisation (IVF) gezeugt werden, damit ihre Eltern zwischen unterschiedlichen Embryonen wählen können“, erklärte zu Beginn des Jahres Hank Greely, Professor an der Stanford Law School. Eltern könnten so sicherstellen, dass ihr Nachwuchs eine gewünschte Genkombination mit auf den Lebensweg bekommt. Krankheiten, vor allem jene, die durch ein einziges Gen ausgelöst werden, können ausgeschlossen werden.

Gen-Abgleich für Spender von Ei und Samen Die Zukunft soll noch mehr bringen: Greely glaubt, dass die Entschlüsselung des Genoms so weit kommt, dass sich damit auch Wahrscheinlichkeitsaussagen über bestimmte Begabungen treffen lassen. Passend dazu hat der US-amerikanische Genanalysedienst „23andMe“ im Oktober 2013 in den USA ein Patent für eine auf Gendiagnostik basierende Auswahl von Samenspender oder Eizellenspenderinnen erhalten. Dass Samenbanken Aufschluss über die Charakteristika ihrer Spender geben, ist nicht neu. Das von „23andMe“ patentierte Service geht aber darüber hinaus: Die DNA von Männern und Frauen wird in Beziehung gesetzt, um Prognosen über potenzielle gesundheitliche Risiken, aber auch Charaktermerkmale zu erstellen. Das Unternehmen räumt freilich ein, dass die Prognose schwammig ist, da sich diese Anlagen erst in einem komplexen Zusammenspiel mit der Umwelt entwickeln. Viele ExpertInnen glauben, dass das auch so bleiben wird.

Lauter Albert Einsteins und Stephen Hawkings? Aber es gibt auch andere. BGI, das Beijing Genomics Institute, versucht mit seinem Cognitive Genomics Projekt der genetischen Basis menschlicher Intelligenz auf die Spur zu kommen. Stephen Hsu, Mitarbeiter des Projekts und Vizepräsident für Forschung an der Michigan State University, kann sich sogar vorstellen, dass es nicht nur beim Entschlüsseln dessen bleibt, was den Unterschied zwischen „Albert Einstein und Es-nicht-aufs-College-schaffen“ oder zwischen „Stephen Hawking und einem durchschnittlichen Menschen“ ausmacht. „Wäre es nicht erstaunlich, wenn man mit gewissen Optimierungen in utero die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns verbessern könnte?“, fragt Hsu im New Yorker über die Möglichkeit, menschliche Intelligenz durch geringe Manipulationen zu verbessern.

Dass Hsu gerade den Physiker Stephen Hawking in seinem Beispiel verwendet, wirkt paradox. Hawking leidet an Amyotropher Lateralsklerose, einer degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems. Sie wird mit Mutationen in verschiedenen Genen in Zusammenhang gebracht. Ob ein Embryo mit diesen Mutationen in einem Szenario, wie es Hsu beschreibt, überhaupt transplantiert werden würde, ist fraglich. Wahrscheinlich hätte Hsu gar keinen Vergleich mit Hawking anstellen können, weil der nicht geboren worden wäre.

Zu arm, um sich optimalen Nachwuchs zu kaufen Dass die menschliche Fortpflanzung zukünftig nur mehr mittels IVF und Präimplantationsdiagnostik (PID) praktiziert werden wird, hält Uta Wagenmann, Expertin für Gentechnik und Medizin des Genethischen Netzwerks, einer Nichtregierungsorganisation, die sich seit fast dreißig Jahren kritisch mit Biopolitik und Gentechnik beschäftigt, für eine „alberne Fantasie“. „Das ist eine zutiefst bürgerliche Vorstellung, die vielleicht einen Teil der besser gestellten Mittelschicht betrifft“, sagt Uta Wagenmann. „Wenn so etwas an die Wand gemalt wird, ist das jenseits von dem, wie die Gesellschaft funktioniert. Die Menschen kaufen sich in der Regel keinen Nachwuchs. Abgesehen davon sind viel zu viele dafür einfach zu arm.“ So werden allein in den USA mehr als vierzig Prozent aller Babys von ledigen Frauen geboren – und diese gehören mehrheitlich zur Unterschicht. Auch die Zahl ungewollter Schwangerschaften legt nahe, dass Fortpflanzung häufig nicht planvoll verläuft. Trotzdem haben Szenarien, die den Einsatz von Genmanipulation vorsehen, Bedeutung. Die Abgrenzung von extremen Szenarien erlaubt es WissenschafterInnen, sich selbst als verantwortungsvoll und die eigenen Wünsche und Ideen als vernünftig zu präsentieren. Uta Wagenmann hält die Beschäftigung mit diesen Szenarien nicht für vorrangig, da sie nur von der gegenwärtigen Realität der Gendiagnostik ablenke.

Kein Konsens darüber, was menschliches Leben ist Letztlich regelt die jeweils gültige Gesetzgebung die Praxis der Gendiagnostik. Sie ist immer auch Ausdruck gängiger kultureller und religiöser Überzeugungen. „Alle Weltreligionen unterscheiden sich ganz grundsätzlich, wenn es um die Frage geht, wann schützenswertes, menschliches Leben beginnt. Dies hat enorme Auswirkungen auf die internationale Diskussion rund um PID oder embryonale Stammzellenforschung“, sagt Markus Hengstschläger, stellvertretender Vorsitzender der Bioethikkommission

Schluss In Österreich gilt eine der strengsten Regulierungen bezüglich Gentechnik und Reproduktionsmedizin. Lässt sie sich halten?

und Professor für medizinische Genetik an der MedUni Wien. „Die meisten Weltreligionen haben damit kein Problem. Andere, wie etwa auch die katholische Kirche, schon.“ In der Debatte um die Regulierung von Forschung und Anwendung verweisen ForscherInnen immer wieder auf China und den asiatischen Raum. Hier herrschen sehr liberale Gesetze. „Im Buddhismus und Hinduismus wird die Frage nach dem Individuum, nach dem Personsein und der Einmaligkeit des Menschen so gar nicht gestellt“, erklärt Matthias Beck, Professor für Theologische Ethik an der Universität Wien. Doch auch die monotheistischen Religionen weisen erhebliche Unterschiede auf. Eine Frage, die vor allem die Stammzellenforschung berührt, ist jene nach dem Zeitpunkt der Menschwerdung des Embryos. Beck erklärt, dass Judentum und Islam weitgehend der aristotelischen Beseelungslehre folgen und daher sehr liberale Positionen einnehmen. Der Theorie der Sukzessivbeseelung folgend, würde sich der Mensch in Stadien entwickeln: Der Embryo habe zuerst eine Pflanzen-, dann eine empfindungsfähige Tier- und schlussendlich eine vernunftbegabte Menschenseele. Männliche Embryonen würden die Menschenseele 40, weibliche 90 Tage nach der Empfängnis erhalten. „Das ist eine alte Philosophie, die auch Thomas von Aquin im Mittelalter übernahm. Die Christen haben das mittlerweile korrigiert. Sie sagen, von Anfang an entwickelt sich der Mensch als Mensch und nicht erst ,zum‘ Menschen“, erklärt Beck.

Der Vergleich zwischen den USA und Deutschland Die Soziologen Jürgen Gerhards von der Freien Universität Berlin und Mike S. Schäfer von der Universität Zürich erstellten eine Studie zur öffentlichen Debatte über die Humangenomforschung in Deutschland und den USA. In der deutschen Debatte fällt die Befürwortung dieses Forschungszweigs schwächer aus als in den USA, und sie wird kritischer gesehen. In beiden Ländern dominieren wissenschaftliche und medizinische Betrachtungsweisen die Debatte. Unterschiede gibt es in der Gewichtung der Blickwinkel: In den USA werden neben wissenschaftlichen Aspekten auch ökonomische stärker betont. In Deutschland sind dagegen politische, ethische und moralische Deutungen präsenter. In den angelsächsischen Ländern gelten trotz christlicher Traditionen lockere Regelungen. Neben philosophischen oder religiösen Überzeugungen sind auch historische Erfahrungen von Bedeutung. „Während in den USA eine sehr liberale Vorstellung vorherrscht, gibt es in Deutschland einen kritischen Diskurs rund um die Medizin,


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mit Sex? der sehr stark von der nationalsozialistischen Vergangenheit und den Erfahrungen mit Eugenik und Euthanasie bestimmt ist“, sagt Uta Wagenmann. „Diese Kritik wurde öffentlich und auch innerhalb der Medizin erst wirklich wahr- und ernstgenommen, als sich das Aufkommen gendiagnostischer und reproduktionsmedizinischer Technologien abzeichnete. Deren Beschränkung war deshalb damals absolut gesellschaftskonform, was sich seit etwa drei Jahren aber deutlich ändert.“

Befruchtung erhöht werden. Für die Patientinnen bedeutet dies eine Minimierung von Fehlschlägen und weniger Stress. Außerdem möchte man der Nachfrage von Patientinnen entsprechen. Der Bedarf an reproduktionsmedizinischen Leistungen wird künftig aufgrund der mit zunehmendem Alter sinkenden Fruchtbarkeit wohl weiter wachsen. Das Durchschnittsalter der Erstgebärenden stieg zwischen 1991 und 2012 um fast vier Jahre an und liegt nun bei knapp 29 Jahren. „Im Moment, wo gewisse Techniken in den Nachbarländern, nicht aber in Österreich möglich sind, ist eine Ungleichbehandlung gegeben, da nur Besserverdienende ins Ausland reisen können, um diese zu nützen“, sagt Christiane Druml, Vorsitzende der Bioethikkommission des Bundeskanzlers und Vizerektorin der MedUni Wien. „Dies entspricht nicht dem Prinzip der Gerechtigkeit.“

In Österreich ist alles etwas rückständiger

Fotos: Felicitas Matern , Theologische Ethik, privat

Zu dieser Zeit machte man auch in Deutschland einen Schritt in Richtung Liberalisierung: Ein Gerichtsurteil in Folge der Selbstanzeige eines Arztes führte zur Aufweichung des Verbots von PID. Diese ist nun in Ausnahmefällen gestattet. Uta Wagenmann ist skeptisch, ob es tatsächlich bei Ausnahmefällen, die ohnehin breit definiert seien, bleiben wird. PID ist grundsätzlich verboten. Es gibt aber gendiagnostische Untersuchungen, die bereits jetzt durchgeführt werden dürfen. Im „Neugeborenenscreening“ werden Kinder auf die monogenetische Erkrankung Phenylketonurie untersucht. Mit einer entsprechenden Diät können Betroffene einer späteren Erkrankung entgegenwirken. Bei den vorgeburtlichen Tests gibt es dagegen keine Therapiemöglichkeiten. Dazu zählen die Polkörperanalyse, also die genetische Diagnose der Eizelle im Rahmen einer In-vitro-Fertilisation. Beeinträchtigte Eizellen werden von der IVF ausgeschlossen. Auch die DNA des Embryos wird getestet. Diese kann bereits binnen der ersten drei Schwangerschaftsmonate aus dem Blut der Mutter extrahiert werden, um im Anschluss auf Trisomie 21, auch bekannt als Down-Syndrom, aber auch andere chromosomale Veränderungen untersucht zu werden. Das führt oft dazu, dass Kinder mit Beeinträchtigungen gar nicht erst zur Welt kommen.

Christiane Druml, Vizerektorin der MedUni Wien: „Im Moment, wo gewisse Techniken in den Nachbarländern, nicht aber in Österreich möglich sind, ist eine Ungleichbehandlung gegeben.“

Matthias Beck, Theologe, Uni Wien: „Wenn ein Embryo einen Gendefekt hat, wird er weggeworfen, wenn er diesen nicht hat, wird er eingepflanzt.“

Forderung nach dem Schutz ungeborenen Lebens Der Theologe Matthias Beck sieht durch die Gentechnik den, wie er sagt, „Dreiklang der Medizin: Diagnose-Therapie-Prophylaxe“ durchbrochen: „Die Trisomie-21-Kinder werden durch eine einzige Blutabnahme herausgefischt, wenn man so sagen will, und dann in 95 Prozent aller Fälle einer Abtreibung zugeführt. Wir stellen eine Diagnose, haben aber kaum eine Therapie. Auf viele Diagnosen folgt einfach eine Abtreibung.“ Die Zulassung von PID für genetisch gefährdete Paare würde diese Situation noch verschärfen. Dabei sei eine genetische Disposition alles andere als eine Garantie für eine spätere Krankheit. Mittels IVF würden nun Embryonen hergestellt und mittels PID auf genetische Schäden untersucht. „Wenn ein Embryo einen Gendefekt hat, wird er weggeworfen, wenn er diesen nicht hat, wird er eingepflanzt“, so Beck. Mit dem Schutz ungeborenen Lebens – und dieses beginnt für ihn bereits bei der Zeugung, auch bei jener im Glas – ist das nicht vereinbar.

Österreich braucht dringend Reformen

Es gibt kein Recht auf ein gesundes Kind

„Aus meiner Sicht entspricht die österreichische Situation nicht mehr dem aktuellen Stand der Wissenschaft“, sagt der Genetiker Markus Hengstschläger. „Das hiesige Fortpflanzungsmedizingesetz gehört unbedingt und dringend reformiert. Wir haben auch vonseiten der Bioethikkommission dazu bereits eine entsprechende Empfehlung erarbeitet.“ Die gängigsten Argumente für die Legalisierung von PID sind die medizinischen Vorteile: Durch den Ausschluss von Embryonen mit Gendefekten könnten Schwangerschaftsabbrüche in genetisch vorbelasteten Familien vermieden werden und die Erfolgsrate der künstlichen

Auch Uta Wagenmann kritisiert den selektiven Charakter von PID, folgt aber einer anderen Argumentation: „Es gibt ein Recht auf Abtreibung. Es gibt auch ein Recht auf Kinder, aber es gibt kein Recht auf ein gesundes Kind.“ Im Rahmen der Schwangerenvorsorge werden immer mehr Untersuchungen durchgeführt. Sobald einer dieser Tests eine Abweichung markiert, geraten Eltern und vor allem Frauen unter Entscheidungsdruck. „Es wird nach bestimmten Eigenschaften des Embryos und des werdenden Kindes gefahndet. Im Zusammenspiel von Technik, Verunsicherung der Eltern und

Markus Hengstschläger, Genetiker, MedUni Wien: „Alle Weltreligionen unterscheiden sich ganz grundsätzlich, wenn es um die Frage geht, wann schützenswertes, menschliches Leben beginnt.“

der allgemeinen Aversion gegen alles, was nicht voll leistungsfähig und voll passend ist, findet letztlich eine Selektion statt“, sagt sie. Die Angst vor Behinderung, die unserer Gesellschaft ohnedies innewohne, würde in Krisenzeiten noch weiter steigen – ebenso wie die Tendenz, Nachwuchs als Humankapital zu betrachten.

Gibt es „verantwortungsvollen“ Gentechnikeinsatz? Ein verantwortungsvoller Umgang mit diesen Reproduktionstechnologien ist für Wagenmann in einem gesellschaftlichen Kontext, der auf Wachstum, Konkurrenz und Markt ausgerichtet ist, unwahrscheinlich. „Weil es immer Partikularinteressen und ökonomische Interessen gibt und es darum geht, Dinge zu entwickeln, sie zu verkaufen und in Umlauf zu bringen, halte ich ,Verantwortung‘ für einen Nebenschauplatz“, meint sie. Technik entstehe in solchem Kontext und bleibe einem Wachstumsdiktat unterworfen. Hinter der Befürwortung von PID stünden eben auch ökonomische Interessen. Gerade reproduktionsmedizinische Kliniken zielen auf hohe Erfolgsraten. Für einen verantwortungsvollen Umgang „müssten sich sehr viele Punkte ändern, die nur mittelbar mit Gentechnologie zu tun haben: das Bild von Behinderung, die Vorstellung von einem gelungenen Leben, die Fokussierung der Gesellschaft auf Leistungsfähigkeit und Effektivität“, sagt Wagenmann.

Keine Aussicht auf eine intensive öffentliche Debatte Alle GesprächspartnerInnen wünschen sich eine intensivere öffentliche Debatte. Gegenwärtig scheint sie nicht möglich: So wurde anhand des Nachrichtenmagazins Der Spiegel analysiert, dass Medizin schon jetzt die Wissenschaftsberichterstattung dominiert. Mehr Gentechnikberichterstattung ist nicht möglich, ohne die Menge des Wissenschaftsjournalismus auszuweiten – und das ist mehr als unwahrscheinlich. Außerdem belegen Studien, dass WissenschaftsjournalistInnen dazu übergehen, nicht mehr umfassend zu informieren, sondern den individuellen Nutzen medizinischer Anwendungen in den Fokus zu rücken. Obgleich ethische und moralische Betrachtungen in der Berichterstattung zunehmen, handelt es sich vorwiegend um eine Nutzendiskussion. Eine Diversifikation der Debatte würde daher voraussetzen, die gesellschaftliche Situation in einem größeren Zusammenhang zu betrachten. Wahrscheinlicher ist es, dass sich Gentechnik und Reproduktionsmedizin durch das ständig steigende Einkommensgefälle von selbst regelt. Kurz: Wer Geld hat, kauft das perfekte Kind aus der Retorte. Die übrigen dürfen weiter Sex und ungewollte Schwangerschaften haben.


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Der Wunsch nach dem perfekten Kind Siobhán Geets

Test an Embryos bei uns verboten Der österreichische Genetiker Markus Hengstschläger bezeichnet dieses Szenario als „reine Fiktion“, als „absolut unmöglich“. „Aussehen oder IQ sind so komplex gesteuert, das kann ich nicht über die Gene voraussehen.“ Andere Dinge sind aber durchaus testbar. Hengstschläger leitet das Institut für Medizinische Genetik an der Med Uni Wien. Dort werden genetisch belastete Familien beraten und genetische Diagnosen auf Erbkrankheiten durchgeführt, auch etwa an Eizellen im Zuge der künstlichen Befruchtung. Voraussetzung: die Familie hat ein hohes Auftretungsrisiko, die Aussagekraft des Tests ist sicher, die Erkrankung ist nicht ausreichend therapierbar und hat einen hohen Schweregrad. Untersuchen darf man in Österreich jedoch nur die Eizellen – Tests am Embryo sind verboten. Diese sogenannte Präimplantationsdiagnostik am Embryo verbietet Österreich, erlaubt jedoch die Pränataldiagnostik während der Schwangerschaft: „Bei der Pränataldiagnostik kann man mehrere Wege gehen“, erklärt Hengstschläger. Bei der Fruchtwasserpunktion bestehe nach wie vor ein geringes Risiko, dass die Frau das Kind verliert. Auch die Chorionzottenbiopsie ist eine invasive Methode. Seit Kurzem gibt es eine nicht-invasive Alternative: „Die Analyse fetaler DNA aus dem Blut der Schwangeren“, so Hengstschläger, „die Methode gibt aber bisher nur Auskunft über bestimmte Fragestellungen“. Außerdem ändere sie nichts an den Optionen der Eltern: „Wenn es keine kausale Therapie gibt, dann kann sich die Frau nur überlegen, ob sie das Kind trotzdem austragen will oder eben nicht.“ Hengstschläger spricht von einer „Schwangerschaft auf Probe“ und wünscht sich eine alternative Lösung: „Die Frau soll erst schwanger werden, wenn man weiß, dass das Kind die genetische Erkrankung nicht tragen wird.“ Also genetische Untersuchungen am Embryo, bevor dieser in die Gebärmutter eingepflanzt wird. Im Gegensatz zur Polkörper-Analyse, die Auskunft

Präimplantations­ über die Eizelle gibt, sind im Embryo auch die Erbinformationen des Mannes enthaldiagnostik und ten. In den meisten EU-Ländern ist die Methode erlaubt, nicht in Österreich. „In künstliche zwanzig Jahren werden es viel mehr MenBefruchtung schen so machen“, prophezeit Hengstschläger. Der Trend werde allgemein ansteigen. schaffen in Für Familien mit Risiko bedeute das zwar manchen Fällen nicht das Ende des Sex, „aber er wird nicht mehr zur Fortpflanzung dienen“. Gewissheit über Zum Gentest nach England das Risiko des Kritiker der PID sprechen von einer „RasEmbryos für eine terfahndung nach Behinderungen“ und befürchten, dass die Methode zu einem „QuaErkrankung, die litätstest“ für menschliches Leben wird. In auf natürlichem Österreich wird das Thema gar nicht oder nur äußerst emotional diskutiert. Wege nicht Doch Hengstschläger ist nicht der einbesteht zige Befürworter der PID. „Es macht Sinn,

Christine Mann­ halter, MolekularDiagnostikerin: „Sind wir je wirklich so weit, alle Daten auswerten zu können, dann werden wir mit dem Problem konfrontiert sein, dass nichts und niemand ideal ist.“

Wilfried Feichtinger, Wunsch-BabyInstitut: „Ich sage, die Wissenschaft und die Forschung sind frei, ich bin für gar keine Grenzen.“

die PID für bestimmte Erkrankungen durchzuführen“, sagt Christine Mannhalter, Professorin für Molekulare Diagnostik in der klinischen Chemie. Gemeinsam mit Hengstschläger sitzt sie in der Bioethikkommission des Bundeskanzlers. Diese brachte schon vor Jahren eine Stellungnahme heraus, die PID befürwortete. Mannhalter: „Vorausgesetzt, das Verfahren wird in Zentren durchgeführt, die qualitätskontrolliert sind und die nötigen Voraussetzungen mitbringen.“ Die Politik hat die Stellungnahme zur Kenntnis genommen, geändert hat sich nichts. Paare, die es sich leisten können, gehen ins nahe Ausland, wo die PID erlaubt ist. Mannhalter erzählt vom einem Kollegen, der verzweifelte Paare in ein Labor nach Bratislava schickte. Auch Labors in England bieten genetische Tests an. Theoretisch kann man aus den Genen auch die Wahrscheinlichkeit für Brustkrebs, Alzheimer oder einer Neigung zum Alkoholismus lesen. „Das darf nicht erlaubt sein, auch, wenn es technisch möglich ist“, sagt Mannhalter und weist darauf hin, dass bei solchen Erkrankungen das Umfeld eine weit größere Rolle spiele als mögliche genetische Prädispositionen. Dennoch: Zahlreiche über ganz Europa verstreute Institute listen auf ihren Homepages reihenweise Erbkrankheiten auf, die man testen könnte. Mannhalter: „Außerdem hofft man, die Baby-Take-Home-Rate zu verbessern, indem man früh sieht, ob etwa Chromosomenveränderungen vorliegen.“ Die Baby-Take-Home-Rate erhöhen will auch Wilfried Feichtiger. Sein Institut „Wunschbaby“ verhilft Frauen durch In-vitro-Fertilisation zur Schwangerschaft. Im Eingangsbereich der Hietzinger Villa, in der sich das Institut befindet, ist viel los. Am Empfang hat sich eine Warteschlange gebildet. Im Nebenraum sitzen hoffnungsvolle Patientinnen, die meisten sind für ihre Hormontherapie oder einen Ultraschall hier. Feichtingers Baby-Take-HomeRate ist hoch. Drei von vier Frauen werden schwanger, verspricht die Homepage. Dazu

werden den Frauen Eizellen entnommen. In der genetischen Abteilung, geleitet von Markus Hengstschläger, werden die Eizellen auf Erbkrankheiten getestet. Gesunde Eizellen werden befruchtet und implantiert, kranke, die gar keine Schwangerschaft auslösen können, werden „verworfen“. Auch Feichtinger ist unzufrieden mit der österreichischen Gesetzgebung und findet, dass PID erlaubt werden sollte. „Designer-Babys zu erschaffen ist reine Fiktion“, meint er. „Die Menschen wollen einfach ein gesundes Kind haben. Eigenschaften wie Intelligenz, Talente und Ähnliches sind unmöglich vorherzusagen.“ Was man jedoch durchaus vorhersagen kann, ist das Geschlecht eines Kindes. Mannhalter warnt davor, weil die Bestimmung des Geschlechts in Ländern wie Indien und China zur massenweisen Abtreibung weiblicher Föten führt. Feichtinger ist, zumindest was Österreich betrifft, dafür. Aber wo liegt dann die Grenze, was soll man alles an Ungeborenen testen dürfen? Wieviel sollen potenzielle Eltern wissen? „Das dürfen Sie mich nicht fragen“, meint dazu Feichtinger, „ich sage, die Wissenschaft und die Forschung sind frei, ich bin für gar keine Grenzen“. Genetisch feststellbar sind alle vererblichen Krankheiten, darunter familiär bedingte Schizophrenie. Spielen wir da nicht Gott? „Der Mensch spielt sowieso Gott, in jedem Bereich der Medizin“, sagt Feichtinger. Er spricht von einer Verbesserung des Lebens und davon, bestimmte Krankheiten auszuschließen.

Die Suche nach dem Idealkind Die meisten Behinderungen kann man auch durch PID nicht ausschließen. „Die meisten ,Behinderungen‘ haben nichts mit Genetik zu tun, und außerdem sind viele genetische Veränderungen nicht vererbt, sie entstehen durch spontane Mutationen ohne familiäre Vorgeschichte“, sagt Hengstschläger. Eine Welt, wie sie der Film „Gattaca“ beschreibt, kann sich auch Mannhalter nicht vorstellen. Man könne das menschliche Genom heute zwar entschlüsseln, bei Bedeutung und Auswirkungen der meisten Gene tappe man aber im Dunkeln. Außerdem könnten sich bestimmte Gene gegenseitig verstärken oder ausschalten. „Selbst, wenn man in den kommenden Jahren mehr über die Bedeutung der Gene herausfindet, die externen Faktoren kann man nicht vorhersagen. Wirklich ganz in Ordnung ist keine unserer Zellen. Sind wir je wirklich so weit, alle Daten auswerten zu können, dann werden wir mit dem Problem konfrontiert sein, dass nichts und niemand ideal ist.“ Aus mehreren Eizellen wählen zu können ist eines. Was dann in vierzig Jahren daraus geworden ist, wird man nie vorhersagen können. Auch im Film sitzt der genetisch perfekte Mann im Rollstuhl. Und der vermeintlich „minderwertige“ Vincent fliegt am Ende ins All.

Fotos: Medizinische Univer sität Wien/Matern, privat

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incent Freeman hat ein Problem. Der junge Mann ist ein „Gotteskind“: Im Gegensatz zu den meisten seiner Zeitgenossen wurde er auf natürlichem Wege gezeugt. Seine Gene sind nicht perfekt, Vincent trägt eine Brille und hat einen Herzfehler – laut Ärzten die Ursache für seine niedrige Lebenserwartung. In Vincents Welt wird in menschlichem Erbgut gelesen wie in einem Buch. Krankheiten und Lebenserwartung, Intelligenz und Talente – all das trägt schon der Embryo in sich. Kinder werden im Reagenzglas gezeugt und nur die „besten Embryos“ implantiert. Im Science-Fiction-Film „Gattaca“ von 1997, in dem Vincent lebt, spielen Hautfarbe, Geschlecht und soziale Herkunft keine Rolle mehr. Die „genetische Diskriminierung“ bestimmt das Leben.


SCHLUSS MIT SEX?

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Taya Brinka, Lugano, 2005

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Sie sieht sich als Transvestitin, als künstlerische Erfindung, als emanzipatorischen Akt. Ihr Körper ist ihre Besessenheit. Alles, was sie erschaff t, ist eng mit ihrem Körper, ihrer Stimme und ihren Gesten verbunden. Ihre Aura strahlt Musik, Tanz, sexuelle Begierde und Transzendenz aus.


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schluss mit sex?

Großes Geschäft mit kleinem Ei Ulrike Kadi, Katharina Leithner-Dziubas, Karin Tordy

Die jahrelange Hoffnung auf eigene Kinder – vergeblich

Man nennt es Eizellspende, obwohl es mit Spenden nichts zu tun hat

Viele Jahre hatten sie und ihr Mann vergeblich auf ein Kind gehofft. Am Ende einer langen Reihe medizinischer Untersuchungen wurde entdeckt, dass Frau R.s Eizellen einen genetischen Defekt aufweisen, der eine Schwangerschaft unmöglich macht. Frau R. erinnert sich nur ungern an die Zeit, die auf diesen Befund folgte. „Es war, als wäre die ganze Welt zusammengebrochen“, sagt sie. Denn sie und ihr Mann hatten sich vor allem auf die Gründung einer Familie eingestellt. „Wirklich geholfen hat mir damals nur eine Freundin, die von Fertilitätskliniken im Ausland gesprochen hat.“

Eine russische Fertilitätsklinik verspricht Kinder Über das Internet fand Frau R. Zugang zu einer russischen Klinik. Dort können die zukünftigen Eltern die Spenderin aus einer Datenbank mit Angaben zu Blutgruppe, Haut-, Augen- und Haarfarbe, Größe und Gewicht entweder selbst auswählen oder die Auswahl der Klinik überlassen. Frau R. musste sich allein für eines der beiden Verfahren entscheiden. Denn Herr R. war misstrauisch. Wie solle denn rechtzeitig festgestellt werden, ob die implantierten Eizellen überhaupt über jene Qualitäten verfügten, mit denen sie angepriesen wurden? Die angeblich regelmäßig untersuchten und als groß, attraktiv und nordeuropäisch beschriebenen Spenderinnen würden ja für immer unbekannt bleiben. Denn schon auf der Internetseite der Klinik wurde die Anonymität der Spenderinnen hervorgehoben. Frau R. spricht nicht über die Erfahrungen, die sie bei der weiteren Anbahnung ihrer Schwangerschaft gemacht hat. Ihren Eltern hat sie von einer touristischen Russlandreise erzählt, um die Behandlung zu verschleiern. Sie möchte nicht, dass ihre Kinder eines Tages erfahren, dass eine dritte Person an ihrer Zeugung beteiligt war. Und sie hat Angst, dass die österreichischen Versicherungsträger die Kosten für Schwangerschaftsuntersuchungen und die Geburt nicht übernehmen, wenn sie erfahren, dass Frau R. sich im Ausland einer in Österreich verbotenen Fertilitätsbehandlung unterzogen hat.

Und dann: Statt einem Kind gleich drei Die Mitteilung ihres Gynäkologen, dass sie Drillinge erwarte, hat sie nicht ganz unvorbereitet getroffen. Sie wusste, dass sie mehrere Föten implantiert bekommen hatte. Für

Katharina Leithner-Dziubas ist Psychoanalytikerin und Fachärztin für Psychiatrie an der Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie, Psychosomatische Frauenambulanz, MedUni Wien

einen Fetozid, die Tötung eines Fötus zur Reduktion einer möglichen Mehrlingsschwangerschaft, mochte sie sich nicht entscheiden. Doch wie soll sich das alles ausgehen? Berufstätig hatte sie trotz Kinderwunsch immer bleiben wollen. Die Wohnung, die das Paar gekauft und eingerichtet hatte, war auf höchstens zwei Kinder angelegt. Was ist, wenn die Kinder nicht gesund sind? Drei Kinder auf einmal erschienen ihrem Mann nun plötzlich zu viel. Er zog sein Angebot, einen Teil der Karenzzeit zu Hause zu bleiben, zurück. Nicht wenige der mit heterologen Eizellen angebahnten Schwangerschaften sind mit hohem psychischen Stress für die Schwangeren verbunden. Der Gedanke, ein oder gar mehrere gänzlich fremde Kinder im eigenen Leib zu haben, lässt manche überhaupt nicht mehr los. Wer könnte die Frau sein, deren Eizellen im Spiel sind? Streng genommen sind es ja die Kinder meines Mannes mit einer anderen Frau, denkt Frau R., wenn es ihr weniger gut geht. Eine psychologische Beratung ist für sie nicht in Sicht. Das liegt nicht nur an ihrem Wunsch nach Geheimhaltung der Herkunft ihrer Kinder. Auch österreichische Fertilitätsinstitute, die für eine Eizellspende mit Kliniken im Ausland kooperieren, brauchen von Gesetz wegen keine psychologische Begleitung der Frauen vorzusehen.

Was ist eigentlich eine „Eizellspende“?

Karin Tordy ist Klinische Psychologin und Psychotherapeutin an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Abt. für Geburtshilfe und feto-maternale Medizin, MedUni Wien

Ulrike Kadi ist Psychoanalytikerin, Fachärztin für Psychiatrie und Philosophin an der Uniklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie, Psychosomatische Frauenambulanz, MedUni Wien

Am Anfang steht eine sprachliche Unschärfe: Die „Eizellspende“ ist keine Spende. Sie ist keine Gabe von einer Frau an die andere. Es werden Eizellen von in der Regel unbekannten Frauen, die sich einer hormoninduzierenden Behandlung unterziehen, an andere Frauen unter medizinischer Assistenz verkauft. Warum aber wird dann von „Eizellspende“ und nicht von „Eizellhandel“ gesprochen? Weshalb wird das Geschäft nicht unter seinem richtigen Namen gemacht? Spenden sind freiwillige Gaben, Formen der sozialen Bezugnahme, des sozialen Ausgleichs, Geschenke, die sich einem strategischen Kalkül widersetzen. Wenn kostenpflichtige Eizellübertragungen als Spenden angesehen werden, werden mithilfe eines semantischen Kunstgriffs viele ungelöste, vielleicht sogar unlösbare Probleme eines Eizelltransfers verwischt. Zu diesen Problemen zählt aufseiten der Empfängerinnen wie auf der ihrer Partner die Tatsache, dass der Eizelltransfer unter den gegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen in Österreich in einen Graubereich gedrängt wird. Es gibt keine verpflichtende Beratung vor, während oder nach einer solchermaßen induzierten Schwangerschaft, nicht zuletzt deshalb, weil der Eizelltransfer

in Österreich verboten ist. Den Preis zahlen die Betroffenen: Die außergewöhnliche Form dieser Schwangerschaft kann nicht reflektiert werden. Vorausliegende Enttäuschungen wie die eigene Unfruchtbarkeit werden nicht betrauert. Ohne rechtzeitige Aufklärung werden die Frauen mit Gefühlen von Schuld, Scham und Angst allein gelassen in einer extremen Erfahrung, die sie nicht selten zum Wunsch und bisweilen zum Entschluss führt, die Schwangerschaft wieder abzubrechen. .

Ökonomische Verhältnisse drängen zur „Eizellspende“

Auch die Seite der Frauen, die ihre Eizellen verkaufen, wird verzerrt dargestellt, solange von einer Spende die Rede ist. Die ökonomischen Verhältnisse, in denen der Handel stattfindet, sind oftmals nicht durch Überfluss gekennzeichnet, wie es eine Spendenrhetorik nahelegt, sondern durch finanziellen Druck. So wird beispielsweise von Studierenden heute vielerorts erwartet, dass sie ihr Studium in einer möglichst kurzen Zeit mit möglichst besten Ergebnissen absolvieren. Unter den Bedingungen einer neoliberalen Konkurrenzgesellschaft bleibt für Erwerbstätigkeit neben dem Studium immer weniger Zeit. Der eigene Körper wird zu einer letzten, wichtigen Ressource. Solange von Spenden die Rede ist, braucht kein öffentlicher Diskurs darüber geführt zu werden, dass diesen jungen Frauen (und nicht nur ihnen) ein fragwürdiges neoliberales Ideal buchstäblich auf den Leib geschrieben wird: jede ist für sich allein verantwortlich. Für die Kinder sind die psychischen Folgen eines anonymisierten Eizelltransfers gleichfalls nicht zu unterschätzen, denn die Auseinandersetzung mit der persönlichen Herkunft bildet einen wichtigen Bestandteil für die Entwicklung der eigenen Identität. Völkerrechtlich gilt das Recht auf Kenntnis der Abstammung als ein Menschenrecht. Im Übrigen entsteht durch den ano­ nymen Handel ein für unser genetisches Zeitalter grotesker Widerspruch: den auf diesem Weg gezeugten Kindern ist es unmöglich, ihre eigene genetische Vorgeschichte zu rekonstruieren.

Dringender Diskussionsbedarf über den Eizellhandel Herr und Frau R. werden mit ihren Kindern eine besondere Familie sein. Wie die Mitglieder der Familie mit diesem Familiengeheimnis umgehen werden, ist gerade in unvermeidlich konfliktreicheren Zeiten offen. Damit institutionelle Angebote entstehen können, um Paare, die keine eigenen Kinder zeugen oder empfangen können, dabei zu unterstützen, bedarf es einer breiten öffentlichen Diskussion über den Eizelltransfer. In Österreich fehlt sie bis jetzt.

Fotos: Rene Chavanne, privat

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enn Frau R. gefragt wird, sagt sie, dass sie sich auf ihre Kinder freut. Sie ist im fünften Monat schwanger – mit Drillingen. Sie ist 34 Jahre alt, seit elf Jahren verheiratet, Bankangestellte. Optimistin „trotz allem“, sagt sie.


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SCHLUSS MIT SEX?

Cadú esperando #1, Rio de Janeiro, 2003 Die Frau ist ihre Inspiration in ihren Wünschen, Träumen, Gefühlen. Der Respekt vor ihr selbst, ihre Haltung vor der Gesellschaft ist weiblich geprägt und sie liebt ihr männliches Geschlecht. Das Akzeptieren ist ein Zeichen der Liebe, und der Liebesakt ist eine Eroberung, genauso wie das Vertrauen.

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Schluss mit Sex?

Schluss mit Sex? Das Glossar Kommen doch Designerbabys mit dem Aussehen eines überwuzelten Genies und dem Intellekt einer Abrissbirne? j o c h e n s t ad l e r

Adam und Eva

Asexuell aus Humus beziehungsweise durch Klonen erschaffene Urahnen der Menschheit. Asexuell

Partnerloses Fortpflanzen bei Gewächsen oder Abwesenheit von Fortpflanzungstrieben bei Menschen. Ballastexistenz

Abgrundtief grausliche Bezeichnung der Nationalsozialisten für Menschen mit Behinderung, die Nazi-Ärzte und -Pfleger zu Zigtausenden sterilisierten und ermordeten. Beginn des Lebens

Je nachdem, ob man katholisch, islamisch, jüdisch, evangelisch oder Udo Jürgens ist, fängt man mit der Verschmelzung von Samen- und Eizelle ein bis vier Monate danach, dem 40. Tag in der Gebärmutter, allmählich oder mit 66 Jahren zu leben an.

Schwangeren Fruchtwasser aus der Fruchtblase, weil hier Zellen des Kindes herumschwimmen. So kann sein Erbgut noch vor der Geburt untersucht werden. Gendrift

Würfelergebnis, das zusätzlich zur natürlichen Selektion den Zufall in die Evolution der Lebewesen bringt. Gentest

Erbgutuntersuchung, die hilft, den leiblichen Vater zu bestimmen, Erbkrankheiten und die Anlagen dafür zu erkennen, Leichen oder die Besitzer von Haaren, Blut und Speichel an einem Tatort zu identifizieren sowie zu testen, ob das Bio-Kalbsschnitzel im Supermarkt nicht von einer Sau stammt. Geschlechtsbestimmung

Nachteil im Leben, an dem auch die Gene schuld sein können.

Funktioniert bei den Menschen durch Geschlechtschromosomen, bei Krokodilen und Schildkröten über die Bruttemperatur ihrer Eier und bei manchen Insekten durch die Ansteckung mit Bakterien.

Besamung/Insemination

Geschlechtschromosom

Behinderung

Versuch, eine Eizelle an ihrem angestammten Platz in der Gebärmutter künstlich zu befruchten. Chorionzottenbiopsie

Sogenannte Chorionzottenzellen aus dem Mutterkuchen werden entnommen und nach genetischen Veränderungen untersucht, weil ihr Erbgut ident mit dem des Ungeborenen ist. Designerbaby

Mischung aus Kind mit dem Aussehen von Miley Cyrus und dem Hirn Einsteins, das von Wissenschaftern im Reagenzglas gezeugt wurde. Geistert trotz technischer Unmöglichkeit und allgemeiner Ablehnung durch die Medien – vermutlich weil Angst besteht, dass durch Verwechslungen ein Ebenbild Einsteins mit dem Intellekt einer Abrissbirne das Licht der Welt erblickt. Embryo

Mensch zwischen der Befruchtung und der neunten Woche im mütterlichen Bauch. Fruchtwasseruntersuchung/ Amniozentese

Mit einer dünnen Nadel nehmen Mediziner dabei durch den Bauch einer

Bei Menschen wegen ihrer Form X und Y getauft. Sie werden zufällig auf die Spermien verteilt. Je nachdem, welches davon zuerst die Gunst der Eizelle gewinnt (die stets ein XChromosom trägt), ist man Mann (XY) oder Frau (XX). Geschlechtsverkehr

Meist ungezwungenes Zusammenkommen von Geschlechtsträgern zum Zweck der Lust und/oder Produktion von gemeinsamen Nachkommen. In-vivo-Fertilisation

Beischlaf unter Lateinern, Biologen oder Medizinern (Anm: zwecks leichterer Lesbarkeit wurden hier die männlichen Formen verwendet und die weiblichen nicht ausdrücklich angeführt). In-vitro-Fertilisation/künstliche Be­f ruchtung

Von Medizinern im Reagenzglas arrangiertes Date zwischen Spermien und Eizelle. Dazu werden der Frau nach einer Hormontherapie Eizellen entnommen. Der Mann steuert seine Spermien entweder per Masturbation bei, oder die Ärzte gewinnen sie mit einem chirurgischen Eingriff aus den Hoden.

Jungfernzeugung

Fortpflanzung im Alleingang, die manche Truthennen, Haidamen und Blattläusinnen beherrschen. Sie können ihren Eizellen durch Hormone eine Schwangerschaft vorspielen, damit diese ohne Befruchtung zu Nachkommen reifen. Klon

Ableger mit kopiertem Erbgut. Bei Pflanzen, Bakterien und Polypen entstehen sie auf natürliche Art, bei Säugetieren helfen Menschen nach – etwa 1996 beim Hausschaf Dolly. Mittlerweile ist fast kein Hund, Rennpferd und Kamel davor sicher, geklont zu werden. Manche, wie der Österreicher Karl Illmensee, wollen damit auch vor Menschen nicht haltmachen. Leihmutter

Frau, die in ihrer Gebärmutter neun Monate lang einen Mieter beherbergt und so einer anderen Frau Nachwuchs beschert. In Österreich ist dies erstens verboten, zweitens gilt laut Gesetz jede gebärende Frau als leibliche Mutter, egal, ob das Kind von ihr stammt oder nicht. Mutationen

Veränderungen im Erbgut, die meist unbemerkt bleiben, aber manchmal Krankheiten auslösen oder aus einer braven Körperzelle einen Tumorherd machen, aber auch zur Entstehung von Menschen aus affigen Vorfahren führten. Nabelschnurpunktation

Durch die Bauchdecke entnommene Nabelschnurblutprobe. Damit kann man feststellen, ob ein Kind im Mutterleib an Blutarmut oder an einer Infektion leidet und sein Erbgut untersuchen. Nackentransparenz

Auf Ultraschallbildern wird dabei eine Flüssigkeitsansammlung beäugt, die Ungeborene zwischen der 11. und der 14. Schwangerschaftswoche im Genick haben. Es kann ein Hinweis auf Fehlbildungen sein, wenn sie auffällig vergrößert ist. Organscreening

Inspektion von Ungeborenen auf Herz und Nieren, Bauch und Po mit hochauflösenden Ultraschallgeräten. Damit können die Mediziner sogar erkennen, ob das Kind eine Gaumenspalte hat oder an Verstopfung leidet.

Präimplantationsdiagnostik/PID

Gentest an künstlich gezeugten Embryos, bevor sie in die Gebärmutter dürfen. Wird weltweit bei Paaren durchgeführt, wenn beide Partner (Über-) Träger einer schweren Erbkrankheit sind. In Österreich nicht ausdrücklich verboten, aber auch nicht wirklich erlaubt. Pränataldiagnostik/PND

Medizinische Kontrolle und Suche nach Auffälligkeiten an Kindern im Mutterleib anhand von Ultraschallbildern oder Gewebsproben aus dem Fruchtwasser, von Chorionzotten und der Nabelschnur. Polkörperdiagnostik

Methode, um eine Eizelle vor der künstlichen Befruchtung zu untersuchen. Das ist freilich nur die halbe Wahrheit, weil krankmachende Erbfaktoren vom Vater unerkannt bleiben. Bei uns trotzdem verbreitet, weil hier die aussagekräftigere Präimplantationsdiagnostik verboten ist. Reproduktive Reise

Klassische Flitterwochen oder Reise eines Paares ins Ausland, um eine in Österreich verbotene Präimplantationsdiagnostik samt einer künstlichen Befruchtung durchführen zu lassen. Retortenbaby

Im Reagenzglas gezeugtes Kind. Das weltweit erste heißt Louise Joy Brown und kam 1978 in England zur Welt, das erste Österreichs namens Zlatan Jovanovic vier Jahre später. Heute haben die beiden weltweit mehr In-vitroGeschwister als Wien, Nieder-, Oberösterreich und das Burgenland Einwohner haben. Rettungsgeschwister

Kind, das künstlich gezeugt und anschließend danach ausgewählt wurde, dass es einem oft sterbenskranken Geschwisterchen Blut- oder Knochenmarksstammzellen spenden kann. Samenspende

Masturbation nicht zwecks Selbstbefriedigung, sondern für den Erhalt der Menschheit. Social Sexing

Auswahl von Buben oder Mädchen durch Präimplantationsdiagnostik, um eine Bilderbuchfamilie zusammenzustellen. In den USA angeblich Grund für jede zehnte solche Prozedur.


SCHLUSS MIT SEX? Hilda com a minha máquina fotográfica (Hilda mit meiner Kamera), Salvador da Bahia, 2006

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Das Leben in einer Interzone, das sich über das “Nicht-MannSein” und das “Nicht-Frau-Sein” definiert, verlangt eine kraft volle Transgression von Grenzen zwischen Tiefendimension und Oberflächlichkeit, Extrem und Standard, Unbekanntem und Bekanntem, das sich durch Haltung und Transparenz formt und zeigt.

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Wissenschaft spolitik

Die Überwindung der Berührungsängste Barbara duras

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ie Fachhochschule St.Pölten ist eine junge Institution. Sie bietet eine Vielfalt an Ausbildungen mit den Schwerpunkten Medien, Informatik, Verkehr, Gesundheit und Soziales. Hier habe praxisnahe Forschung einen hohen Stellenwert, wie Rektor Hannes Raffaseder sagt: „Wir wollen dynamisch sein, schnell auf Veränderungen reagieren und flexibel bleiben.“ Ende 2012 hat der Medienexperte das Rektorat der FH St. Pölten übernommen. Stolz ist der 44-Jährige auf die immer besser funktionierende, disziplinübergreifende Vernetzung. „Das ist uns bei einer Reihe von Forschungsprojekten sehr gut gelungen und es gelingt sukzessive auch immer besser in der Lehre.“ Transdisziplinäre Teams sollen im Rahmen von Projekten Ideen generieren und gemeinsam umsetzen. „Wissenschaft und Forschung sollten den Menschen dienen. Um Probleme zu lösen, müssen die Ergebnisse aus Forschungsprojekten auch Eingang in die Gesellschaft finden. Ein Schritt in die richtige Richtung können Kooperationen zwischen Bildungseinrichtungen und Wirtschaft sein.“

Können Universitäten und Fachhochschulen in der Forschung kooperieren? Klar, meint FH-Rektor Hannes Raffaseder

Inwieweit kann eine Fachhochschule eine Forschungseinrichtung sein? Raffaseder: Das bedarf einer sehr großen Anstrengung. Unser Riesenproblem ist, dass es für Fachhochschulen keine Forschungsbasisfinanzierung gibt. Wir haben eigentlich keine Mittel für die Forschung und doch sind wir verpflichtet, qualitätsvolle Lehre zu bieten. Wie das ohne Forschung gehen soll, ist mir schleierhaft. Größere Aktivitäten müssen daher durch eigens akquirierte Drittmittel finanziert werden. Sei es über Forschungsförderungen auf nationaler Ebene bei FFG oder FWF oder zunehmend auf europäischer Ebene. Dabei stehen wir im direkten Wettbewerb mit Unis sowie außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Dann gibt es noch Auftragsforschung von namhaften Firmen wie der Daimler AG oder dem Festspielhaus Baden-Baden.

Fachhochschulen gelten als Universitäten der Wirtschaft. Inwiefern ist da wissenschaftliches Forschen relevant? Hannes Raffaseder: Angewandte Forschung und Entwicklung ist ein wesentlicher Faktor für die Qualitätssicherung unserer Bildungsangebote. Nur damit kann es gelingen, das Lehr- und Forschungspersonal am aktuellen Stand der Wissenschaft zu halten. Wir benötigen auch in der Forschung den Praxisbezug. Daher kooperieren wir bei fast allen Forschungsprojekten direkt mit Partnern aus der Wirtschaft. Das stellt auch den wechselseitigen Wissenstransfer sicher. Warum brauchen FH-Studenten wissenschaftliche Grundlagen? Raffaseder: Ein forschender Geist kann in jeder Lebenssituation helfen, die richtigen Fragen zu stellen und sich nicht damit zu begnügen, an der Oberfläche zu schwimmen. Es ist auch eine Form der wissenschaftlichen Arbeit, über ein Thema genauer zu reflektieren, Fragen mit den richtigen Methoden zu beantworten und zu hinterfragen, wie (statistische) Ergebnisse zustande kommen. Davon kann man in vielen Berufs- und auch persönlichen Handlungsfeldern profitieren. Welchen Stellenwert hat die praxisnahe Forschung an der FH St. Pölten? Raffaseder: Unsere Studiengänge beginnen in allen Phasen zunächst mit praxisorientierten Projekten. Dabei werden die Studierenden angeleitet, ihre Ideen nicht nur umzusetzen, sondern auch entsprechend zu dokumentieren: was gut funktioniert hat und was nicht. Das ist schon ein erster Schritt in Richtung Forschung und Entwicklung,

der sich dann rund um die Abschlussarbeiten fortsetzt. Zusätzlich forcieren wir Forschungsprojekte, bei denen unser Lehr- und Forschungspersonal stark integriert ist. Als zusätzliches Angebot zum Studium versuchen wir, möglichst vielen Studierenden die Möglichkeit zu geben, an diesen Projekten mitzuwirken. Das machen sie klarerweise nicht gratis, daher bieten wir verschiedene Beschäftigungsformen bis hin zur Anstellung. Im Rahmen von Masterstudien können Researche-Assistants zehn bis 20 Stunden bei uns angestellt sein. So wird auch ein relativ großer Teil der Studiengebühren an jene zurückgegeben, die sich hier als studentische Mitarbeiter einbringen. Sie machen auch einschlägige Praxis- und Forschungserfahrungen.

Forschungsprojekte an der FH St. Pölten www.solardecathlon.at www.pitoti.org www.fhstp.ac.at

Gibt es eine gewisse Rivalität zwischen Universitäten und Fachhochschulen? Raffaseder: Wir empfinden das sehr entspannt. Junge Menschen haben kaum Berührungsängste und das gilt auch für uns. Häufig wird rund um Wissenschaft und Forschung alles in einen Topf geworfen. Ich halte das nicht für klug. Denn irgendwo passiert die Grundlagenforschung und irgendwann geht’s dann um die Anwendung. Es muss möglich sein, relevante Grundlagen zu erforschen, ohne gleich einen Zweck oder eine Anwendung damit zu verbinden. Innovation und Entwicklung wiederum sind Bereiche, bei denen sofort Fragen über Wirtschaftlichkeit und Zielgruppe ins Spiel kommen. Hier zu differenzieren und die unterschiedlichen Aufgaben zu erkennen, wäre für das gesamte österreichische Hochschulwesen sehr gesund und die Voraussetzung für gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung. Man könnte Möglichkeiten der Ergänzung und Zusammenarbeit öfter nutzen – sollte aber nicht den Fehler begehen, sich immer mehr anzugleichen. Diese Tendenzen gibt es aufgrund der Fördersituationen, der Ausstattung oder der Selbstbilder.

Welche wissenschaftlichen Forschungsprojekte gibt es aktuell an der Fachhochschule St. Pölten? Raffaseder: Kurz vor dem Abschluss steht das anwendungsorientierte Projekt „Diabetescoach“ des Instituts für Gesundheitswissenschaften mit dem Institut für IT Security und dem Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung. Dabei wurde ein elektronischer Lebensmittel-Einkaufsberater entwickelt, der Diabetikern direkt im Geschäft bei Einkaufsentscheidungen unterstützt. Ein laufendes, FFG-gefördertes Projekt nennt sich CARMA (Center for Applied Research in Media Assisted Healthcare for Motion and Activity) und beschäftigt sich mit verschiedenen Assistenzsystemen für Prävention, Therapie und Rehabilitation, die durch den Einsatz digitaler Technologien deutlich optimiert werden können. Eine Sache, die uns stark beschäftigt und immer mehr nachgefragt wird, ist der „Lernraum der Zukunft“. Uns interessiert dabei, wie Lernräume künftig gestaltet sein können, welche Technologien eine Rolle spielen und wie man das möglichst sinnvoll verknüpfen kann. Welche Formen der Kooperation bestehen mit anderen Bildungseinrichtungen? Raffaseder: Ein Paradeprojekt für eine perfekte Zusammenarbeit zwischen Unis und FH in Österreich war das ,Team Austria‘. Es hat im Herbst 2013 den ,Solar Decathlon‘ gewonnen. Zu diesem universitären Wettbewerb des US Department of Energy wurden aus 150 internationalen Bewerbungen zwanzig Teams eingeladen, um nachhaltige Solarhäuser zu bauen. ,Team Austria‘ war eine Kooperation von TU Wien, FH Salzburg, FH St. Pölten und dem AIT, dem Austrian Institute of Technology. Es hat in Kalifornien gezeigt, was möglich ist, wenn man offen und entspannt miteinander kommuniziert. Zudem laufen bei uns viele geförderte Forschungsprojekte auf EU-Ebene. ­PITOTI etwa ist ein Projekt, bei dem prähistorische Felskunst durch Nutzung neuester Technologien digitalisiert und somit dauerhaft zugänglich gemacht wird. Dabei kooperieren wir mit der University of Cambridge, der Bauhaus-Universität Weimar und der TU Graz. Erfahrungsgemäß gelingt die Zusammenarbeit mit ausländischen Unis wesentlich besser, sie haben weniger Berührungsängste. Ich wünsche mir, dass wir in Zukunft auch mit heimischen Unis noch intensiver kooperieren. Dazu ist es nötig, die jeweiligen Stärken gegenseitig anzuerkennen und bestmöglich zu nutzen. Wir haben unterschiedliche Systeme im tertiären Bildungssystem und sollten aus der ­Erkenntnis der jeweiligen Stärken positive Synergien aufbauen. Auch weil es viele Best-Practice-Beispiele gibt und es sich immer mehr herumspricht, dass man zusammenarbeiten kann, bin ich da durchaus zuversichtlich.


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Wissenschaftspolitik

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Freistetters Freibrief

Sehr peinlich Florian Freistetter

Foto: FH S t. Pölt en, Foto K r aus

Prozent der ÖsterreicherInnen 52 geben laut „Spezial Eurobarometer 401“ an, weder an Entwicklun-

gen in Wissenschaft und Technologie interessiert noch darüber informiert zu sein. Nur die Menschen in Bulgarien, Tschechien, Ungarn und Rumänien sind noch weniger an Wissenschaft interessiert als jene in Österreich. Man kann das als Fortschritt betrachten, denn bei der letzten Umfrage 2010 war Österreich mit 57 Prozent noch EU-Spitze in Sachen Wissenschaftsignoranz. Aber auch dies ändert nichts daran, dass sich die Mehrheit der Menschen in diesem Land nicht für Wissenschaft interessiert und auch kein Interesse daran hat, informiert zu sein. Das ist peinlich für Österreich. Aber auch nicht überraschend. Die Wissenschaft hat hierzulande schon lange kein gutes Image mehr. Wissenschaftsminister haben in der Vergangenheit Esoteriker mit Orden ausgezeichnet und wollten aus internationalen Organisationen wie dem Kernforschungszentrum CERN austreten. Die finanzielle Förderung der Grundlagenforschung wurde immer wieder gekürzt, der ORF legte die Redaktionen von Religion und Wissenschaft zusammen und die neue Regierung die Ministerien für Wirtschaft und Wissenschaft. Im Technischen Museum Wien wird der „Tag der Astrologie“ gefeiert. Von den Wissenschaftern selbst einmal abgesehen, scheint kaum jemand in diesem Land Wissenschaft ernst zu nehmen. Dabei sind Forschung und Wissenschaft wichtig wie nie zuvor. Wir müssen uns Gedanken über Stammzellenforschung, Gentechnik, erneuerbare Energien, Nanotechnologie und andere Dinge machen, die unsere Gesellschaft verändern. Wie aber sollen die Menschen eine informierte Entscheidung über ihre Zukunft treffen, wenn die Mehrheit kein Interesse an der Wissenschaft hat? Man muss ihnen die Faszination daran zurückgeben. Das geht nur, wenn Forschung Teil der Gesellschaft wird. Die wissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit muss massiv verstärkt werden. Veranstaltungen wie die „Lange Nacht der Forschung“ am 4. April sind wichtig, aber in ihrer Isolation kaum geeignet, das Desinteresse der Bevölkerung dauerhaft abzubauen. Statt einzelner Events braucht es permanentes Engagement. Sowohl von Wissenschaftern als auch von Politikern.

„Erfahrungsgemäß gelingt die Zusammenarbeit mit ausländischen Universitäten wesentlich besser, sie haben einfach weniger ­Berührungsängste.“ Hannes Raffaseder, Rektor Fachhochschule St. Pölten

Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs.de /astrodicticum-simplex


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WissenschaftsPolitik

Forschen als Freizeitvergnügen In Ottakring, am Volkert- und beim Schwendermarkt lockte ein Wissens°Raum zur Bildung Sonja Burger

Wissens°Raum in Ottakring „Wissen wird meist eindimensional vermittelt. Der Wissende, meist ein Erwachsener, erklärt dem Kind oder Jugendlichen die Welt“, sagt ­Barbara Streicher, Geschäftsführerin des Vereins „ScienceCenter-Netzwerk“. Der Verein, der im Jahr 2005 gegründet wurde, macht Wissenschaft und Technik für Laien begreifbar. Besonderes Augenmerk legt man darauf, junge Menschen, die keinen Zugang zu Wissenschaft haben, dafür zu interessieren. Dabei hat sich eine spezielle Vermittlungsform namens „Wissens°Raum“ in ihrer Pilotphase bereits bewährt. Im Vorjahr wurde an drei öffentlich zugänglichen Standorten in Wien für

je vier Wochen in einem leerstehenden Geschäftslokal ein Wissens°Raum eingerichtet: Der erste auf der Ottakringer Straße, der zweite am Volkertmarkt und der dritte im Volkshochschulhaus in der Schwendergasse. Die Idee: Junge Menschen sollen die Möglichkeit erhalten, Themen aus Wissenschaft und Technik in ihrem Grätzel zu „begegnen“. Was ist nun das Besondere am Wissens°Raum? Wer in der Schwendergasse 30, dem dritten „Wissens°Raum“, die Türschwelle übertrat, fühlte sich wie in einer Werkstatt. In allen Ecken warteten Versuche darauf, ausprobiert zu werden. Kinder, Jugendliche und Erwachsene experimentierten oder stellten Fragen. Alter oder Vorwissen spielten hier keine Rolle. Jeder war willkommen, durfte neugierig sein – und niemand musste sich dafür schämen, etwas nicht zu wissen. Fertige Antworten wurden nicht geliefert. Das heißt: Man stand vor einer Versuchsanordnung und verstand zunächst vielleicht einfach nur Bahnhof. Wichtig war nicht die eine, vermeintlich richtige Lösung, sondern der Weg zu einer der vielen möglichen Lösungen. Da konnte es recht laut und lustig zugehen. Von Angst oder Scham war bei den Kindern und Jugendlichen im Wissens°Raum jedenfalls nichts zu bemerken. Ganz auf sich allein gestellt war man freilich auch dort nicht. Es gab nämlich „Explainer“. Das waren

meist Studierende aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Oder Menschen wie die 24-jährige Agnes Distelbauer, die sowohl künstlerisch als auch sozial aktiv ist. „Wir geben den Kindern und Jugendlichen Zeit und Raum, um sich mit dem, was sie interessiert, intensiv zu beschäftigen. Dazu stellen wir Fragen und begleiten sie auf ihrem eigenen Erkenntnisweg“, erzählt sie von ihrer Tätigkeit. Für sie steht fest: Die eine, richtige Lösung gibt es „Manche Besucher nutzten die Möglichkeit, öfter zu kommen und wurden zu Stammpublikum.“ Heidrun Schulze, Wissens°Raum

nicht. Wichtiger sei der Prozess, mit dem man sich Wissen aneignet und die Fragen, die dabei entstehen. Manchmal dauern solche Forschungsprozesse auch etwas länger. „Bildung ist ein Sickerprozess. Manche Besucher nutzten die Möglichkeit, öfter zu kommen und wurden zu Stammpublikum“, sagt die Projektleiterin Heidrun Schulze. Speziell beim zweiten Wissens°Raum am Volkertplatz machten Jugendliche mit Problemen, sich auf Versuche zu konzentrieren, eine positive Entwicklung durch. In diesem Umfeld hatten sie einfach genügend Zeit und auch Lust darauf. Das Publikum bestand vorwiegend aus Migrantenkindern, wofür schon

die Standortwahl sorgte. Ganz bewusst begab man sich möglichst nahe zum Alltagsgeschehen von sogenannten bildungsfernen Menschen. Erwachsene taten sich allerdings mit dem Wissens°Raum etwas schwer, wie die Erfahrungen zeigten. „Viele unterstützten zu stark und wollten die Welt erklären. Gleichzeitig hielten sie es kaum aus, etwas nicht zu wissen“, zieht Schulze Bilanz.

Die Zukunft des Wissens°Raums Die Einbeziehung von Wissenschaftern aus dem jeweiligen Bezirk war eine Idee, die aus Sicht der Projektverantwortlichen nicht aufging. Die Kinder und Jugendlichen sollten Wissenschafter hautnah erleben und realisieren, dass sie Menschen sind und vielleicht sogar ums Eck wohnen. „Alles lief sehr unverbindlich ab, weshalb es schwierig war, mit den Forschern etwas zu planen. Niemand konnte sagen, wie viele Besucher tatsächlich kommen würden“, erklärt Schulze. Neue Ideen für den Wissens°Raum sind schon ausgearbeitet. Etwa die, das Stammpublikum in Zukunft stärker einzubeziehen und zu fragen, wofür sie sich konkret interessieren – eine Art „Wissenschaft on demand“. Diese Offenheit und Flexibilität heben den Wissens°Raum von anderen Angeboten der Wissenschaftsvermittlung ab. Er ermutigt selbst jene, denen sonst kein Zugang zu Wissenschaft offen steht.

Im Wissens°Raum gab es „professionelle“ Erklärer, sogenannte „Explainer“. Doch manche Kinder kamen so häufig, dass sie selbst zu „Explainern“ für andere wurden

fotos: SCN/Petr a B. Preinfalk, Esther Fischer, Christian Fürthner

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er kennt diese Situation nicht? Man gibt die falsche Antwort. Man weiß nichts oder zu wenig. Angst und Scham begleiten viele vom ersten Schultag bis zur Pensionierung. Richtige Antworten und abrufbares Wissen stehen oft im Vordergrund. Doch verläuft der Weg zur Lösung nicht gerade in der Forschung alles andere als linear und ist gepflastert mit Irrtümern und Fehlern? In Zeiten, in denen Wissenschaft und Technik immer öfter in den Alltag wirken, sollte nicht darauf vergessen werden. In der Realität und trotz aller Vermittlungseuphorie sieht sich jedoch nach wie vor der Unwissende oft einem Wissenden gegenüber.


Gedicht Boris Chersonskij: Notizen zum „russischen

Frühling“

15./18.März 2014

Neuer Sinnspruch: wo Revolution, da auch Okkupation.

er ich k lein

Auf unseren und euren Sieg über unsere und eure Freiheit. Auf unsere und eure Freiheit von unserem und eurem Sieg. Revolution und Umverteilung durch die Oligarchen verlaufen in der ­Ukraine als parallele Prozesse. Bislang ohne Überschneidung. Man wartet auf Lobatschewski. Mit einigen Menschen kann man einiger Meinung sein. Mit anderen kann man streiten. Mit dritten kann man verhandeln. Mit wiederum anderen schweigend ein Glas trinken. Dem Rest weicht man besser aus – die Welt ist weit.

Rätsel von Gaja 1

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Was am Ende bleibt

erich klein

Jemand muss W. Putin zu Beginn der Achtzigerjahre die Devise des Club of Rome beigebracht haben: „Think globally, act locally“. Im Krim-Konflikt ­versucht er offenkundig globale Ziele zu erreichen. Unser Pech ist es, der Ort zu sein, an dem er im Namen von Phantomzielen agiert.

Die deutsche Übersetzung seines mehrfach ausgezeichneten Gedichtbandes „Familienarchiv“ erschien 2010.

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Wer kennt die Kriegsgegner?

- Nationality? - Russian - Occupation? - No, just visiting

Boris Chersonskij (Jg. 1950), russischer Dichter und Essayist, im Zivilberuf Psychiater und Klinischer Psychologe, lebt in Odessa/Ukraine.

Waagrecht: 1 Vor Sprung im Neues-Leben-Lauf 8 Lösungswort: Urmama im Adamskostüm 9 Ibsenzähler nennen diese puppentheatralische Figur 10 Stimmung für epochalen Sex? Bleibt beim Babymachen 2.0 irgendwie auf der Strecke 1 2Mit Gürtel, 3 Gummi,4Mantel, 5Beutel anzutreffen 6 7 8 9 12 Unmensch? 13 Persönlicher Card-Vorteil (Abk.) 14 Meerheitsfähig in heimischen Reisebüros 16 Genießt großes Medieninteresse: Kurzform für längerfristiges Zuschicksal 17 Und: so steht die Verbindung im Internet, vorausgesetzt man ist mit seinem Latein am Ende 18 Eine ganze Zahl spricht dafür: wer so ist, ist lauter 20 Hodenhorden, aus der Hüfte geschossen 21 Hat ihre ups and downs 25 Brühheiße Eigenkomposition aus dem Köchelverzeichnis 27 Bringt höchste Gefühle auf den Punkt 29 Gefragt ist nach dem instrumentalen Inhalt des Plauderkästchens, das davor schützt, den Faden zu verlieren Senkrecht: 1 Beim Liebesspiel bedeutet’s: Treffer! Versenkt! 2 19 senkrecht förmlich ausgedrückt 3 President Duck? 4 Donaustromlieferant 5 Bei jedem Ausscheidungsverfahren von immanenter Bedeutung 6 Mann-schafft’s-Leistung im Stellungsspiel, steht für aufrichtiges Verhalten 7 Saure Variable in der Milchmädchenrechnung? 11 Hippologischer Box-Champion aus dem Scheichreich 15 Hardcore-Paradigma 16 Körperlich systemrelevante Luftlinien 19 Starterwohnung? 22 Bei ihm saßen alle im selben Boot 23 Im übertragenen Sinn macht sie kleine Blutsauger zur großen Gefahr (Abk.) 24 Kurz vorm Kapitänskajütenschlüssel 26 Klingt irgendwie affig, das Kürzel für Unununium – nunmehr Roentgenium 28 Von ägyptischen Sonnenanbetern verherrlicht Lösungswort: SAMENBANK Waagrecht: 1 FOLLIKEL , 8 EVA, 9 NORA, 10 ROMANTIK , 12 TIER , 13 ID, 14 ADRIA, 16 ABO, 17 ET , 18 INTEGER, 20 SPERMIEN, 21 TOWN , 25 SUD, 27 ORGASMUS, 29 NAEHZEUG Senkrecht: 1 FERTILISATION, 2 OVOID , 3 LAME , 4 INN , 5 KOT, 6 ERIGIEREN, 7 LAKTAT, 11 ARABER , 15 DOGMA, 16 ATEMWEGE , 19 EI , 22 NOAH, 23 FSME, 24 DDSG, 26 UUU, 28 RA

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h e u heureka   r e k a !    FF AA LL TT EE RR   5114//01 94

Die Welt war globalisiert und die Beschleunigung aller Lebensbereiche, von der mechanisierten Arbeit bis zu den Massenmedien, im Gang. Bis heute transportieren die Bilder von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs ihren Schrecken. Wie aber verhält es sich jenseits aller historischen Essayistik über die Jahre 1914 bis 1918 mit dem Schauplatz selbst, der sich über zwei Weltkriege hinweg in ein vereinigtes Europa verwandelt hat? Es lohnt sich, an eine der erstaunlichsten Erfahrungen jener Zeit zu erinnern: das Zerreißen aller übernationalen Verbindungen durch den Krieg. Arbeiterparteien, die eben noch internationale Solidarität propagiert hatten und Großteile des europäisch integrierten Kultur- und Geistes­lebens regredierten zum Patriotismus. Der berühmteste Philosoph seiner Zeit, Henry Bergson, feuerte aus Frankreichs akademischem Schützengraben: „Der begonnene Kampf gegen Deutschland ist der eigentliche Kampf der Zivilisation gegen die Barbarei.“ Jenseits des Rheins traten honorige Professoren zur „geistigen Mobilmachung“ gegen das britische „War Propaganda Bureau“ unter der Leitung des späteren Krimiautors Edgar Wallace an. Für die 200 Journalisten und Schriftsteller sowie 350 Kriegsmaler, die im Wiener Kriegspressequartier unterschlüpften, hatte Karl Kraus nur Spott übrig: „Es ist ein Glück, dass noch keiner dieser stillen Helden des Wortes, die bis zur letzten Romanfortsetzung auf ihrem Posten ausharren, in den Papierkorb gefallen ist.“ Wie, fragt man sich, wäre die Lage im vereinten Europa in einer vergleichbaren Situation? Wer würde sich Pazifisten wie dem britischen Philosophen Bertrand Russel oder dem französischen sozialistischen Romancier Henry Barbusse anschließen? Chauvinismus à la Gerhart Hauptman oder Leon Daudet mögen heute ausgedient haben – warum aber empfinden europäische Intellektuelle bei Ernst Jüngers national verbrämter Verherrlichung des „Kampfes als innerem Erlebnis“ noch immer Nervenkitzel? Wegen der jahrzehntelangen Tabuisierung? Warum erregt der Geschwindigkeitsrausch des italienischen Futuristen Marinetti noch immer Ästheten? „Der Krieg ist schön, weil er das Gewehrfeuer, die Kanonaden, die Feuerpausen, die Parfums und Verwesungsgerüche zu einer Symphonie vereinigt.“ Preisfrage für alle Bewunderer Kakaniens: Wer kann mehr als einen Kriegsgegner von 1914 nennen?


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