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FALTER

HEUREKA Das Wissenschaftsmagazin

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uantenfilm Auf Youtube ist der Aufbau eines quantenmechanischen Musters zu sehen Spitzenforschung Ein Populationsgenetiker und ein Mikrobiologe in Goldgräberstimmung

Akademie der Wissenschaften Was kann sie? Wer braucht sie? Und was wird aus ihren Instituten?

Nr. 1/12

grün Wie

ist uns die

Wissenschaft?

Was verstehen Forscher unter dem Begriff „grüne Wissenschaft“? Ist das bloß ein Modewort, oder lässt sich damit Zukunftsträchtiges entwickeln?

MICHAEL OBERSTEINER, WISSENSCHAFTER AM IIASA

Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2347/2012

TITELBILD: K ARIN WASNER


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Inhalt

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Forscherin des Jahres Warum es eine Archäologin ist Die Biber kommen! Aber sie fressen nicht unsere kleinen Kinder Ein Film über Quantenphänomene Und sein weltweiter Erfolg u.a. auf Youtube Historikertag für Jungforscher Die Geschichtswissenschaft macht sich attraktiver

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Alles Grüne in Zahlen Der Countdown zum Thema Ökonomie der Ökologie Warum der Norden sich nachhaltig halten kann Wie grün ist uns die Wissenschaft? Die Technik allein macht uns nicht nachhaltig Nitrifikanten und Fruchtfliegen Zwei Spitzenforscher erhoffen „Unglaubliches“

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Wie grün ist ein grünes Haus? Fassadenbegrünung gegen Feinstaub? Grüne Wissenschaft: Das Glossar Von Umweltschweinen und grüner Forschung Die Akademie muss das Zusperren lernen Die Situation der Akademie der Wissenschaften Gedichte, HEUREKA-Rätsel, Kommentar Die Honigbiene

Kommentar

Editorial

Wozu Wissenschaftsjournalismus? Elisabe th J. Nöstlinger

Grafik: Tone Fink, foto: Johannes Cizek

and pasted“ – dazu verkomC opy me mitunter der Wissenschafts-

journalismus, beklagte eine Kollegin aus Madrid bei der EUSJA Generalversammlung in Leiden bei Amsterdam. Was dort europäische Wissenschaftsjournalisten diskutierten, rüttelte an den Grundfesten demokratischer Praxis. In der Schweiz etwa setzte die „Grande Dame“ des Wissenschaftsjournalismus, Rosmarie Waldner, während ihrer Zeit als verantwortliche Redakteurin des Tages-Anzeiger fünf Anstellungen durch. Mit ihren Analysen, Berichten und Kommentaren befähigen sie die Schweizer, kenntnisreich zu den Urnen zu gehen und über Gentechnik, Atomkraft etc. abzustimmen. Die Schweizer nehmen ihr Stimmrecht wahr, entscheiden mit. In Österreich sieht es anders aus. Für mehr als die Hälfte aller ÖsterreicherInnen ist Wissenschaft und Forschung bedeutungslos, und etwa die Hälfte hält Grundlagenforschung weder für notwendig noch für unterstützenswert. Die Zahlen stammen vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung 2011. Bis heute haben sie sich wohl kaum verändert. Schaffen hier aufgerüstete Wissensagenturen und zahlreiche PRStäbe der Universitäten, die Wissenschaftsjournalisten mit News versorgen, einen Wandel? Die stilistisch gut gemachten Beiträge sind Platzfüller für schwach dotierte Redaktionen und für manche Journalisten eine willkommene Vorlage für „Copy and pasted“. Sind Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsjournalismus eine wertvolle Synergie oder unheilvolle Allianz? Manche Wissenschafter meinen wohl, Wissenschaftsjournalismus sei eine Art PRService, dessen einzige Aufgabe sei, wissenschaftliche Erkenntnisse den Menschen vereinfacht zu erklären.

Andere sehen Wissenschaftsjournalisten als Verbündete. Einige erkennen den tiefgehenden Wert von Journalismus und schätzen einen ausgewogenen und skeptischen Blick geschulter Journalisten und ihre Kritik als vertrauensbildenden Nutzen für die Gesellschaft. Außerdem sind beide einander nicht völlig fremd. Immerhin stehen sie auf demselben Fundament: Sie vertrauen darauf, dass Schlussfolgerungen Beweise bedürfen und alles hinterfragt werden kann. Dafür bedarf es quali-

C h r i s t i a n Z i l l ne r

fizierter, unabhängiger Journalisten. Ein zu diskutierender contrat éthique zwischen Wissenschaftern, Wissenschaftskommunikatoren und Wissenschaftsjournalisten könnte die Spielregeln in der Wissensgesellschaft neu ordnen.

Finkenschlag Handgreifliches von Tone Fink

Elisabeth J. Nöstlinger, Wissenschaftsredakteurin Ö 1 und Vorsitzende des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten

www.tonefink.at

Ein Bekannter von mir interessiert sich sehr für wissenschaftliche Programme zum Abnehmen. „Friss die Hälfte“, habe ich ihm vorgeschlagen, doch nein, das ist ihm zu unwissenschaftlich. Wer es heute nicht mehr zusammenbringt, an einen Gott zu glauben, hält sich eben an die Wissenschaft. Ihre Prognosen – weit mehr als ihre Ergebnisse – beeinflussen unsere gesellschaftliche Entwicklung. Dass sechs Milliarden Autofahrer einen negativen Einfluss auf die Umwelt und damit unser Leben haben, soll uns die Wissenschaft erst einmal beweisen. Weil, dann – was? Hören wir auf, Auto zu fahren? Das wäre doch völlig unwissenschaftlich! Nein, dann geben wir neue Studien in Auftrag, wie das Umweltproblem zu lösen wäre. Solche Studien nennen gefinkelte Personen „grüne Wissenschaft“. Sehr schön, hält diese doch eine Menge Menschen in Lohn und Brot, dafür muss man dankbar sein. Nur davon abzuleiten, die Wissenschaft könnte uns etwas über fundamentale Verhaltensweisen zu einem gelingenden Leben vermitteln, ist nichts als faule Ausrede. Die Wissenschaft ist genauso doof wie wir selber – und genauso gerissen, wenn es darum geht, unangenehme Konsequenzen zu vermeiden. Darum haben wir immer mehr Wissenschaft – und kein bisschen mehr Vernunft.

Impressum Falter 18a/12 Herausgeber: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. Medieninhaber: Falter Zeitschriften GmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: service@falter.at, www.falter.at Redaktion: Christian Zillner Artdirektion: Dirk Merbach Layout: Reini Hackl, Raphael Moser Fotoredaktion: Karin Wasner Lektorat: Martina Paul Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86

heureka! erscheint mit ­Unterstützung des Bundesministeriums ­für Wissenschaft und Forschung


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Aus Wissenschaft und Forschung Kopf im Bild Blick in die Vergangenheit Inspiriert von den Ausgrabungen am Magdalensberg im heimatlichen Kärnten, wollte Sabine Ladstätter schon als Kind Archäologin werden. Heute leitet sie die Grabungen in Ephesos und ist Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts. Im Jänner wurde die 43-Jährige vom Klub der Bildungsund Wissenschaftsjournalisten als „Wissenschaftlerin des Jahres 2011“ ausgezeichnet. „Das bedeutet für die Geisteswissenschaften sehr viel.“ Ladstätter möchte Menschen vermitteln, welche zentralen Bereiche die Archäologie untersucht: „Das Menschsein, die Menschwerdung, die Kulturgeschichte des Menschen.“ Denn nicht selten sieht sich die Archäologin mit der Frage konfrontiert, wozu man ihr Fach denn eigentlich brauche. Obwohl sie auch ganz moderne Fragestellungen erhelle, wie etwa die Umweltarchäologie, derzeit ein Schwerpunkt in Ephesos. Was geschah, nachdem sich der antike Mensch dort durch massive Abholzung und daraus folgende Erosion selbst die Lebensgrundlage zerstört hatte, „lehrt uns die Geschichte“. Te x t: USCHI SOR Z F oto : R egi n a H ü gli

Jungforscherinnen

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ie „smarte“ Objekte und digitale Medien unsere Welt verändern, untersuchen diese jungen Forscherinnen.

Tanja Traxler, 26, Uni Wien

2011 hat Tanja Traxler ihr Physikstudium abgeschlossen. „Mich hat schon früh interessiert, dass Physiker immer wieder auf philosophische Fragen stoßen“, erklärt sie die Entscheidung, ihre Dissertation („Verschränkungen im Raum – philosophische Annäherung an Raum und Körper in der Quantenphysik“) einem fächerübergreifenden Thema zu widmen. „Der Raum ist immer als Ganzes gegeben und lässt sich nicht wie andere Gegenstände der physi-

kalischen Forschung isolieren“, so Traxler. „Das legt eine philosophische Betrachtung nahe.“ Dass sie innerhalb des Doc-TeamProjekts „Thinking Space“ noch einen weiteren interdisziplinären Spagat wagen darf, freut sie enorm: Gemeinsam mit einer Raumplanerin und einer Komparatistin erforscht sie im ÖAW-geförderten Projekt „Ambient Intelligence“, wie sich der Raum durch das Nutzen von „Smart Objects“ verändert. Julia Grillmayr, 24, Uni Wien

Auch Julia Grillmayrs Dissertation ist eingebettet in das Doc-Team-Projekt „Thinking Space“. „Die Teamarbeit ist eine unerschöpfliche Quelle der Motivation und Neuentdeckun-

gen“, sagt die 24-Jährige, die vergleichende Literaturwissenschaften und Philosophie studiert und ihre Dissertation dazu nutzen möchte, „über Fundamentales nachzudenken“. Akademisch und intellektuell eng verbunden mit den befreundeten Kolleginnen, arbeitet sie über die räumliche Dimension der aktuellen Technologieentwicklung „Ambient Intelligence“: „Es geht um eine Vision von vielen, in unsere Umwelt integrierten ,Smart Objects‘, die kommunizieren, Kontextbewusstsein besitzen und eigenständig handeln. Unsere These ist, dass unser Verständnis von Raum und unser Verhältnis zu Alltagsgegenständen dadurch grundlegend verändert wird.“

Elisabeth Augustin, 31, Uni Klagenfurt

„Facebook, Skype & Co beeinflussen Kommunikation und zwischenmenschliche Beziehungen stark“, sagt Elisabeth Augustin, Assisten­ tin am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften der Uni Klagenfurt. An ihrem Forschungsfeld fasziniert sie das enge Wechselverhältnis zwischen Tech­n ik und Kultur, Medien und Menschen. Für ihre Dissertation interviewte sie Leute, die über ihr Auslandssemester bloggen: „Ich untersuche, wie Menschen Medien zur Bewältigung von Lebensereignissen nutzen. Wenn man nicht auf sein gewohntes Umfeld zurückgreifen kann, werden Medien wichtig als Reflexions- und Wissenstool und zur Pflege von sozialen Kontakten.“

Fotos: Privat

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Aus Wissenschaft und Forschung Medizin

Mathematik

Ökologie

Weniger Schlaganfallrisiko nach „Ausschälen“ der Arterie als nach dem Setzen eines Stents

Theoretische Mathematik pur mit Turingmaschine: Was ist überhaupt berechenbar?

Bibermanagement am Donaukanal

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Sonja Burger

Der Europäische Biber erobert sich seinen ursprünglichen Lebensraum zurück – auch am Wiener Donaukanal

Fotos: Sigrid Scheikl, privat

Prozent aller Hirninfarkie effektiv sind Eigenschafer Europäische Biber (Castor fite sind durch hochgradig ver- W ten und Strukturen, die in der D ber) besiedelt heute stellenwei70 engte Halsschlagadern bedingt. Mathematik und Informatik auftau- se auch den Donaukanal. Aus ökoloWird dies rechtzeitig erkannt, kann man dem Schlaganfallrisiko schon besser gegensteuern“, sagt Andreas ­Franczak, Facharzt für Viszeral- und Gefäß­chirurgie in Wien. Heute werden zur Verbesserung der Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns bei stark verkalkten Halsschlagadern primär zwei Methoden angewendet: Die Aufdehnung der verkalkten Arterie mit Einbringung eines Stents zur Unterstützung der Durchblutung von innen. Oder die vorsichtige Ausschälung und anatomisch korrekte Wiederherstellung der Schlagadergefäße durch einen modernen, rund einstündigen Eingriff bei örtlicher Betäubung. Letzterer stellt, wie eine Großstudie an 2505 Patienten beweist, die nachhaltigste Therapie zur Verhütung eines Hirninfarkts dar. So ergab die Studie, dass das Risiko, binnen 30 Tagen einen neuerlichen Schlaganfall zu erleiden, bei der operierten Gruppe etwa halb so groß war als bei jenen Patienten, denen ein Stent eingesetzt wurde. Welcher Methode letztlich der Vorzug zu geben ist, kann aber nur individuell von Fall zu Fall entschieden werden. Speziell für Frauen ist die operative Methode im Vergleich zur StentEinbringung von Vorteil, wie Ergebnisse einer im Magazin „LancetNeurology“ veröffentlichten Studie zeigen: Die Zahl der Frauen, die während oder kurz nach dem Eingriff Ereignisse wie etwa Schlaganfälle erlitten, war um knapp 80 Prozent höher als bei jenen, bei denen die Halsschlagader ausgeschält wurde. „Dieses Resultat sollte zusammen mit den früheren Ergebnissen der SPACE-Studie die Entscheidung beeinflussen, ob im Einzelfall der Patientin eher zur Operation als zum Stenting geraten wird“, gibt auch Professor Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zu bedenken. Bereits vor über fünf Jahren hatte eine von österreichischen, deutschen und schweizerischen Neurologen durchgeführte Untersuchung ähnliche Ergebnisse erbracht.

chen? Wie schwierig ist es zu berechnen, ob eine Aussage über die Struktur richtig oder falsch ist? Es ist Theorie pur, der sich die Logikerin und Mathematikerin ­Ekaterina Fokina in ihrem kürzlich ­gestarteten Elise-Richter-Projekt „Auto­matische Strukturen unter berechenbaren Strukturen“ am Kurt Gödel Research Center der Universität Wien mit Hinga„Ein realer Computer wird niemals berechnen können, was die Turingmaschine nicht berechnen kann.“ Ekaterina Fokina

be widmet. So arbeitet die 30-jährige Russin u. a. mit der „Turingmaschine“, einem vom Mathematiker Alan Turing entwickel­ten rein theo­ retischen Computer, der über unendlich viel Speicherplatz und Rechenzeit verfügt. „Dieses hypothetische Gerät hilft zu forschen, wo die Grenzen mechanischer Berechenbarkeit liegen“, erklärt sie. „Ein realer Computer wird niemals berechnen können, was die Turingmaschine nicht berechnen kann. Denn alles, was in unserer Vorstellung berechenbar ist, kann sie berechnen – und genau das macht sie zusammen mit ihrer strukturellen Einfachkeit so schön und elegant.“ Es gebe zwar auch andere Ansätze, welche die Berechen- und Unberechenbarkeit definieren, aber diese seien alle äquivalent zur Turingmaschine. Nach ihrem Doktorat in Novosibirsk engagierte sich Sy-David Friedman, der Leiter des Kurt Gödel Research Centers, 2008 dafür, Fokina nach Wien zu holen, um ihre Spezialgebiete, Berechenbarkeits- und Modelltheorie, auch an der Universität Wien zu verankern. Die talentierte Logikerin forscht neben oben genanntem Projekt noch in einem weiteren FWF-Projekt. Wien gefällt ihr sehr. „Für meine professionelle Entwicklung habe ich hier viele Möglich­ keiten.“

gischer Sicht ist diese Entwicklung unproblematisch. Wie die Bevölkerung auf seine Anwesenheit reagiert, ist stark von deren Betroffenheit abhängig und oft geprägt von Unwissen und Emotionen. Der Nutzen des Bibers ist meist unbekannt. Die Biber-Expertin Sigrid Scheikl betont deshalb gern, dass er „neue Lebensräume schafft und die Ufer renaturiert“. Sie kommt berufsbedingt besonders nahe an die Biber heran. Im Auftrag der Stadt Wien hat sie vorigen Winter eine umfangreiche Kartierung durchgeführt und die Reviere gezählt. Mit mobilem GPS-Gerät und Kartierformular durchstreiften sie zu zweit alle potenziellen Lebensräume. „Die Arbeit ist sehr anstrengend“, erinnert sich Scheikl, „aber hochinteressant“. Sind die Ergebnisse ausgewertet, hat man nicht nur eine faktenbasierte Diskussionsgrundlage, sondern auch die Basis für ein wissenschaftlich fundiertes Bibermanagement geschaffen. Der Wiener Forstdirektor und Bibersprecher Andreas Januskovecz ist froh, nun erstmals zuverlässige

Daten zu bekommen. Denn obwohl die Biber am Donaukanal auch aus forstwissenschaftlicher Perspektive kein Problem sind, wurden sie in den letzten zwei bis drei Jahren vermehrt zum Thema. Wieso zieht es den Biber dorthin? „Weil sie keine andere Wahl mehr haben“, so Scheikl, „der Nationalpark ist voll“. Dass der Donaukanal stellenweise wieder zu einem potenziellen Lebensraum wurde, gehe laut Januskovecz auf die Ökologisierungsmaßnahmen zurück. Der Steinwurf an den Ufern war mancherorts entfernt worden, weshalb die Biber wieder ihre Röhrensysteme und Uferfurchen anlegen können. Von Seiten der Stadt Wien wird einiges getan, um die Koexistenz von Mensch und Biber zu ermög­lichen. In punkto Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit sieht der Forstdirektor aber noch viel Arbeit auf sich zukommen. Denn dass der Biber Vegetarier ist und kleine Kinder nicht auf seinem Speiseplan stehen, hat sich noch nicht überall herumgesprochen. „Dieses Unwissen ist oft die Ursache für Konflikte“, so Januskovecz, „weshalb es wichtig ist, die Bevölkerung gut zu informieren“.

Frisst nur Bäume am Donaukanal an, aber keine kleinen Kinder: der Biber


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Aus Wissenschaft und Forschung Ein Quantum Spaß: Wiener Quantenfilm auf „Nature Nanotechnology“ online abrufbar U S C H I S OR Z

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his just blows my mind“, begeistert sich ein User auf YouTube über Thomas Juffmanns „Quantum interference movie“. Denn was da zu Anton Karas’ Klängen aus dem Film „Der dritte Mann“ so wienerisch relaxt daherkommt, ist faszinierend: Die Aufnahmen mit dem Fluoreszenzmikroskop machen die Dualität von Teilchen und Welle, Zufall und Vorbestimmtheit, Lokalität und Delokalisierung visuell und intuitiv erfahrbar. „Das Neue daran ist, dass man hier den Aufbau dieses quantenmechanischen Interferenzmusters Molekül für Molekül sehen kann“, erklärt Thomas Juffmann vom Quantennanophysik-Team um Professor Markus Arndt (Universität Wien und Vienna Center for Quantum Science and Technology, VCQ), dem dieses Experiment gelungen ist. „Das hat es für so große Moleküle noch nie in einem Film gegeben.“ Zu sehen ist in Echtzeit, wie bis zu 100 Mikrometer große quantenmechanische ­Beugungsstrukturen wohlgeordnet aus zufällig eintreffenden einzelnen Phthalocyaninmolekülen entstehen, nachdem diese ein nanomechanisches ­Git­ter durchflogen haben. Um die Van-­der­-WaalsWechselwirkung ­z wischen Molekülen und Gitterstäben zu veringern, wurden extrem dünne Gitter verwendet.

Seit der Quantenfilm Ende März auf „Nature Nanotechnology“ online ging (www.quantumnano.at), ist er erfolgreich auf „Welttournee“: Viele Medien, Blogs und wissenschaftliche Webseiten haben ihn übernommen, und auf YouTube, wo er ebenfalls zu sehen ist, verzeichnete er bereits Anfang April über 10.000 Klicks. Das Forscherteam nimmt es erfreut zur Kenntnis. „Wesentlich ist für uns aber, dass das Experiment unsere Forschung und die anderer voranbringt“, so Juffmann. „Darüber hinaus hat es einen hohen pädagogischen und ästhetischen Wert für alle, die den Welle-Teilchen-Dualismus studieren.“

Soziologie

Theologie

Die Rückkehr der Kritik in die „marktaffirmative Begleitwissenschaft“ Soziologie

Die homosexuellen Theologinnen fühlen sich von der feministischen Theologie ausgegrenzt

Werner Stur mberger

Sonja Burger

ie Soziologie war nie eine per se ie feministische Theologie hat kritische Wissenschaft. Ein re- D sich in den letzten Jahrzehnten D formerisches Ethos wohnte ihr aber stark gewandelt und ist heute vielbereits in der Armutsforschung der aufkommenden Industrialisierung inne. Mit den Studierendenbewegungen der Sechzigerjahre entfaltete sich ein kritischer Impetus, der es auch vermochte, die Disziplin institutionell zu verankern.

Kritische Soziologie muss Kapitalismus analysieren, um Krisen zu begreifen

Der Filmer: Thomas Juffmann vom Quantennanophysik-Team um Professor Markus Arndt (Universität Wien und Vienna Center for Quantum Science and Technology, VCQ)

Die Kritikbereitschaft der Disziplin wurde jedoch mit Mitte der Achtzigerjahre von ihren Proponenten selbst weitgehend brach liegen gelassen. Man erwarb sich zusehends den Ruf einer marktaffirmativen Begleitwissenschaft. Nun kommt es jedoch wieder zu einer vermehrten Wiederbelebung der kritischen Forschungstradition. Das bisher deutlichste Signal kommt dabei vom Institut für Soziologie der Uni Jena. Klaus ­Dörre, ­Stephan Lessenich und Hartmut Rosa arbeiten an der „Rückkehr der Kritik in die Soziologie“. Einen ersten Entwurf liefern sie mit ihrem 2010 erschienenen Buch „Soziologie – Kapitalismus – Kritik“. Darin bringen sie ihre Überzeugung zum Ausdruck, eine kritische Soziologie müsse Kapitalismus analysieren, um gesellschaftliche Krisen zu begreifen. Auch hierzulande manifestieren sich vermehrt Anzeichen einer Rückbesinnung auf die gesellschaftskritischen Aspekte der Disziplin. So wartet die Österreichische Gesellschaft für Soziologie mit zwei SektionsNeugründungen auf: Die Sektion Soziale Ungleichheit widmet sich der Betrachtung der Verschärfung ökonomischer Ungleichheit und neuartiger Formen der Ungleichheit. Die Sektion Migrations- und Rassismusforschung dient als Plattform für die stetig wachsende Migrationsforschung und soll die „Auseinandersetzung mit Rassismus als Bestandteil einer kritischen Gesellschaftstheorie“ institutionell verankern.

schichtiger als zu Beginn. Seit den 1980ern schritt ihre Etablierung an Österreichs Hochschulen stetig voran. Die Genderforscherin mit „feministischer Option“, Irmtraud Fischer, habilitierte 1993 an der KFU Graz als erste Frau Österreichs in Katholischer Theologie. Doch wo Licht, da auch Schatten. Manche Gruppen, z.B. homosexuelle Theologinnen und Theologen, fühlten sich von der feministischen Theologie ausgegrenzt. Diese Unzufriedenheit brachte neue Strömungen wie z.B. die „Queer Theologie“ oder die „theologische Männlichkeitsforschung“ hervor.

Christine Gasser-Schuchter, feministische Theologin und GenderTheoretikerin

Für die feministische Theologin und Gender-Theoretikerin Christine Gasser-Schuchter ist diese Entwicklung bereichernd. Die Ansätze driften allerdings stark auseinander und das gemeinsame Ziel, eine geschlechtergerechte Theologie ohne Ausgrenzungstendenzen zu entwickeln, gerät zunehmend ins Abseits. Wie Geschlecht oder Geschlechtergerechtigkeit verstanden werden, sind besonders strittige Themen. Dem möchte Gasser nun etwas entgegen halten – die bildende Kunst. Im Buch „Feminist Theology & Visual Arts“ regen sie und ihre Mitherausgeberinnen den theologischen Dialog an und zeigen Kunstwerke von Künstlerinnen und feministischen Theologinnen verschiedener Strömungen aus ganz Europa.

F o t o s : A r c h i v D r . H o h e n e s t e r / J o h a n n e s S e i d e l , Ca l t e c h / P a i n t e r e t a l .

Quantenphysik


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Aus Wissenschaft und Forschung Geschichte

Historikertag 2012: Je 20 Minuten für Jungforscher Sabine Edith Br aun

Foto: Univer sität Wien

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ür Doktorandinnen und Doktoranden der Geschichtswissenschaft im fortgeschrittenen Dissertationsstadium gibt es nun eine besondere Motivation für den Endspurt. Beim Österreichischen Historikertag Ende September in Krems wird es heuer erstmals eine Sektion „Junge Forschung“ geben. Zwölf ausgewählte Jungforscher haben dort jeweils 20 Minuten Zeit, einen Aufsatz zu ihrem Dissertationsthema zu präsentieren und zu diskutieren. Gab es bisher zu wenige junge Teilnehmer? „Ja“, meint Michael Pammer vom Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Linzer Johannes Kepler Universität, einer der Organisatoren. „Die Idee einer eigenen Sektion für die wirklich Jungen noch vor Abschluss der Dissertation war auch inspiriert durch ähnliche Formate z.B. bei der Economic History Society in Großbritannien, wo es ebenfalls eine ‚New Researchers’-Session’ gibt.“

„Die Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags im Oberen Belvedere 1955.“ Gemälde von Robert Fuchs

Inhaltliche Heterogenität der Beiträge sowie Interdisziplinarität sind ausdrücklich erwünscht. Bis zu drei Preise mit einem Preisgeld von insgesamt 6.000 Euro werden dafür vergeben. Michael Pammer dazu: „Das ist ein Signal, dass die Anerkennung wirklich ernst gemeint ist und sich nicht in Händedruck und Urkunde erschöpft. Der Preis soll etwas sein, das man im Lebenslauf anführen kann.“ Pammer hofft dadurch auf viele Einsendungen, das hebe die Qualität. Dass es in der Geschichtswissenschaft eine neue Generation von Forschern gibt, glaubt er aber nicht. „Es gibt Leute, die schon länger dabei sind, und andere, die neu dazustoßen. Es gibt klarerweise auch Moden, aber eine inhaltliche Zuordnung der Generationen würde ich trotzdem nicht vornehmen. Es geht jedenfalls nicht darum, einen bestimmten ‚neuen Weg’ zu forcieren.“

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Wie grün ist uns die Wissenschaft?

Der Countdown zum Thema Uschi Sor z

2.036.900

Kilogramm Problemstoffe wurden im ­ orjahr allein in Wien gesammelt und fachV gerecht ­entsorgt oder recycelt. CD und DVD etwa können zu Kunststoffgranulat ­weiterverarbeitet werden.

200.000

„green jobs“ in Österreich weist die neueste ­Statistik des Lebensministeriums vom Februar 2011 für das Jahr 2009 aus. Umweltrelevantes Wissen wird am Arbeitsmarkt in ­Zukunft eine wichtige Rolle spielen, der Masterplan „green jobs“ forciert diese Entwicklung.

62.913

­ ustria (EAK) ein wichtiges Anliegen. Ebenso viele wissen, wo die nächst­ A gelegene Sammelstelle ist, genützt wird eine solche allerdings nur von 60 Prozent der Befragten.

84,6

Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente wurden ­ ierzulande im Jahr 2010 emittiert. Das zeigen die Ergebnish se der aktuellen Treibhausgas-Inventur des Umweltbundesamts. Gegenüber dem Jahr davor bedeutet das eine Erhöhung um 4,9 Millionen Tonnen. Unter ­Berücksichtigung der flexiblen Mechanismen sowie der Neubewaldung und Entwaldung ergibt sich damit für das dritte Jahr der Verpflichtungsperiode eine Abweichung von 6,2 Millionen Tonnen zum Kyoto-Ziel.

Altablagerungen und Altstandorte in unserem Land sind mit Jänner 2012 in der Datenbank des Umweltbundesamts registriert. Dessen Report „Verdachtsflächenkataster und Altlasten­atlas“ gibt jährlich einen Überblick über Altablagerungen, Altstand­orte, ­Verdachtsflächen und die Altlastensanierung in Österreich. Altlasten ­bedeuten eine erhebliche Gefahr für Boden oder Grundwasser und damit für die Gesundheit der Menschen.

Prozent erneuerbare Energien sollen bis 2030 an der Wiener Stromerzeugung Anteil haben. Die Stadtregierung will im Rahmen des ­K lima- und Energieprojekts die Chance ergreifen, eine führende Rolle in der Forschung und Technologieentwicklung Europas einzunehmen. Erreichen will man das unter anderem mit Solarkraftwerken. Das erste geht im Mai 2012 in Wien-Donaustadt ans Netz.

955

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Quadratmeter beträgt die Fläche einer der größten Photovoltaikanlagen Österreichs am Dach des Universitäts- und Forschungszentrums Tulln (UFT) der BOKU, an dem sich forschende Arbeitsgruppen von BOKU und AIT (Austrian Institute of Technology) mit nachwachsenden ­Rohstoffen und ressourcenorientierten Technologien befassen. Mit einer Leistung von 130 kWpeak wird die Anlage einen Jahresbeitrag zur Strom­versorgung des Zentrums in der Höhe von 104 MWh erbringen. Insgesamt wird der Energiebedarf des 2011 eröffneten UFT durch Effizienzmaßnahmen um 2.606 MWh unter dem Durchschnitt liegen. In den 25 Jahren Nutzungszeitraum durch die BOKU können dadurch mehr als 12.250 Tonnen CO2 ­eingespart werden.

50

Monate beträgt der Projektzeitraum einer Forschungsarbeit zur Transformationsdynamik in Energieregionen des Instituts für ­Systemwissenschaften, Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung (ISIS) der Karl-Franzens-Universität Graz. Das Ziel des vor einem Jahr gestarteten Projekts ist es, die Transformationsdynamik in österreichischen Energie­ regionen zu verstehen und zu simulieren. Dabei soll ein ganzheitliches ­Modell für nachhaltige Energiepolitik erarbeitet werden. Der Hintergrund: Energieregionen liefern eine mögliche Antwort auf den Klimawandel.

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kWh/t beträgt der Nettoenergiegewinn bei der Aufbereitung von Biogas zu Biomethan, hielt eine Studie des Umwelt­bundesamts zur Klimarelevanz und Energieeffizienz der Verwertung ­biogener  Abfälle 2011 fest. Zwischen den einzelnen Ausgangssubstraten gibt es  jedoch große Unterschiede (425 kWh/t Biotonne, 856 kWh/t ­Küchen- und Kantinenabfälle).

StartClim-Projekte, die 2011 abgeschlossen wurden, zeigen, dass ­w irkungsvolle Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel ­unter der Voraussetzung, dass über verschiedene Ebenen hinweg ­interdisziplinär zusammengearbeitet wird, gut geplant und umgesetzt werden können. StartClim ist ein Forschungsprogramm, in dem sich österreichische ­Forscherinnen und Forscher aus Unis, außeruniversitären Forschungs­ einrichtungen und kleine Unternehmen interdisziplinär mit dem Klima­ wandel in Österreich, seinen Auswirkungen sowie möglichen Anpassungsmaßnahmen auseinandersetzen.

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599

Prozent der Österreicher ist die richtige Elektroaltgeräte- und ­ atteriensammlung laut einer aktuellen Umfrage des Linzer B ­market-Instituts im Auftrag der Elektroaltgeräte-Koordinierungsstelle

Millionen alte Plastikflaschen will US-Autohersteller Ford 2012 im Zuge des Recyclings von Altkunststoff zu neuen Autositzen umwandeln. Im Automobilbau werden verstärkt Recyclingmaterialien verwendet.


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WIE GRÜN IST UNS DIE WISSENSCHAFT?

Michael Obersteiner, Internationales Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) Aktuell arbeitet er an Projektionen, wie sich globale Landnutzung bis 2100 verändern wird. Diese Projektionen werden unter anderem für Klimamodelle verwendet. Ein wichtiger Teil seiner Arbeit ist Politikberatung. Obersteiner errechnet beispielsweise die Auswirkungen von politischen Entscheidungen, z. B. die Höhe der Kosten für vermiedene Regenwaldrodung und entwickelt Konzepte, wie die Politik in diesen Ländern gestalten werden müsste, um gesellschaftliche Entwicklung zu ermöglichen.

„Ich wollte immer die Welt verstehen. Das ist mir noch nicht gelungen, aber alle paar Wochen habe ich bei meiner Arbeit ein Aha-Erlebnis, bei dem ich etwas entdecke, das ich noch nicht wusste und das sich bisher noch niemand überlegt hat. Das begeistert mich. Wir sind mittendrin in der grünen Forschung, sowohl auf wirtschaftlicher Seite als auch auf der Natur- und Umweltseite. Das spannende daran ist und wird sein, dass sie den gesamten Systembogen schaff t, von der physischen Realität bis hin zu ganz abstrakten Dingen. Das muss alle Bereiche des Lebens abdecken.“ FOTO: K ARIN WASNER

Zu den Fotos Die Fotografin Karin Wasner hat für diese Ausgabe engagierte, österreichische Forscher porträtiert, die durch ihre Arbeit die Zukunft von Mensch und Natur gestalten wollen.


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Wie grün ist uns die Wissenschaft?

Nachhaltig vorne in der Forschung Wer zur ökologischen Avantgarde gehören will, muss auch ökonomisch vorne bleiben können Gunnar Heinsohn

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er ökologisch zur Avantgarde gehören will, muss auch ökonomisch vorne bleiben. Das gelingt nachhaltig nur mit Innovationen, die auch andere für die Verteidigung ihrer Unternehmen brauchen und deshalb den geforderten Preis zahlen. Doch kann man diesen Vorsprung durch Forschung nur dann halten, wenn ihre Resultate nicht gleich abgekupfert werden. Zu einer stabilen Eigentumsstruktur gehört mithin ein wirksamer Patentschutz. Gleichwohl liegen nicht einmal jene 17 europäischen Länder, die bei vergleichbarer Rechtskultur auch noch den Euro gemeinsam verwenden, auf einem Erfindungsniveau. Betrachten wir dafür die europäischen Patente, die 2009 pro eine Million Einwohner vergeben werden – Miniländer (Malta, Luxemburg und Zypern) und ex-kommunistische Staaten (Estland, Slowakei, Slowenien) bleiben hier unberücksichtigt. Die Spitzengruppe aus Finnland (132 Talente pro Million), Deutschland (114), den Niederlanden (100) und Österreich (73) liegt Welten vor den überschuldeten Schlusslichtern Spanien (7), Portugal (2,3) und Griechenland (2,2).

Gunnar Heinsohn ist Soziologe und Ökonom

„Wer den Südlän­ dern selbst 2020 noch keine glo­ bale Konkurrenz­ fähigkeit zutraut, findet sich durch ihre verheerende Forschungsbilanz bestätigt.“ Gunnar Heinsohn

Wenn man jetzt in Euroland eine Abspaltung des Nordens diskutiert, dann gehören zu ihm nicht zufällig unsere vier Spitzenreiter sowie das kleine Luxemburg (168). Wer den Südländern selbst im Jahre 2020 noch keine globale Konkurrenzfähigkeit zutraut, findet sich durch ihre verheerende Forschungsbilanz bestätigt. Sicher wirken hinter dieser Diskrepanz mehrere Faktoren. Dazu aber gehört einer, der in den Analysen gerne umgangen wird, nämlich die durchschnittliche Intelligenz einer Region oder Nation. Auf Heiner Rindermanns globaler IQ-Rangliste von 2011 schneiden Finnland (Rang 7), die Niederlande (8), Österreich (15) und Deutschland (22) noch relativ passabel ab, während Spanien (35), Griechenland (39) und Portugal (47) nur Sorge bereiten.Doch liefert auch die Durchschnitts-Kompetenz keineswegs den besten Indikator für das Forschungspotenzial. Denn wir wissen seit 2008, dass Intelligenz keinen Grenznutzen hat (Park, Lubinski und Benbow in Psychological Science). Die besten fünf Prozent können also keineswegs alles. Noch die Viertelprozent-Gruppe 99,75 bis 100 Prozent hat mehr Patente, Ideen und Nobelpreise als die Gruppe 99,00 bis 99,25 Prozent.

Die Innovationskraft einer Nation hängt also vor allem von der Leistungsfähigkeit dieser fünfprozentigen smart faction ab. Eine Spitzenkraft mag „teuer“ wirken, zugleich aber mit vierzig Patenten zu Buche stehen. Ein Mittelfeld von vier Millionen Menschen dagegen kann zwar mit Megasummen ein paar PISA-Punkte nach oben kommen, aber es doch niemals in die Innovatorenliga schaffen. Schon 2009 errechnen Rindermann, Sailer und Thompson (in Talent Development & Excellence), dass Nationen sich auch beim Können ihrer besten fünf Prozent dramatisch unterscheiden, wobei Singapur (127,22 IQ-Punkte) vor Südkorea (125,25) den Weltrekord hält. In Euroland liegen wiederum Finnland (120,92), die Niederlande (119,96), Deutschland (119,72) und Österreich (119,34) am oberen Rand nahe beisammen. Das Forschungs-Schlusstrio Griechenland (115,46), Spanien (115,19) und Portugal (112,14) steht auch hier wieder ganz unten. Da in allen drei Ländern das Spitzenpersonal durch Auswanderung weiter schrumpft, braucht es schon ein Wunder für die Einhaltung ihrer Versprechen auf Tilgung der vielen hundert Milliarden aus dem Norden ab dem Jahre 2020.

Bäume zählen war gestern Der Erfinder der Nachhaltigkeit zählte und pflanzte Bäume. Doch was bedeutet sie heute – außer Marketing? m Anfang war das Holz. 1713 formulierte Oberberghauptmann Hans Carl A von Carlowitz am kursächsischen Hof in

Freiberg in Sachsen als Erster den forstwirtschaftlichen Grundsatz, nicht mehr Bäume zu fällen, als wieder nachwachsen können. Von Carlowitz wollte damit den Holzbestand für den Bau von Silberminen sichern. Ganz nebenbei machte ihn das quasi zum „Erfinder“ der Nachhaltigkeit. Hans Carl von Carlowitz‘ klare und nachvollziehbare Idee vom Erhalt des Verbrauchten hat in den letzten drei Jahrzehnten groß Karriere gemacht. Hans Carl von Nicht zuletzt das 1992 auf der UNO- Carlowitz, „Erfinder“ Umweltkonferenz in Rio de Janeiro verab- der Nachhaltigkeit schiedete Aktionsprogramm Agenda 21, das nachhaltige Entwicklung als globales Leitprinzip verankert, zeichnet dafür verantwortlich. Längst hat die Nachhaltigkeit in fast jeden Lebensbereich Einzug gehalten – scheinbar überall wird nachhaltig investiert, produziert, konsumiert. Mit dem Sprung auf die Weltbühne sieht sich das Konzept allerdings auch er-

weiterten, komplexen Anforderungen gegenüber. Wo von Carlowitz Bäume zählen und pflanzen konnte, gilt es heute, diffizile Wirkungen und Wechselwirkungen auf ökologischer, ökonomischer und sozialer Ebene unter einen Hut zu bringen.

Wo von Carlowitz ­Bäume ­zählen konnte, gilt es ­heute, Wechselwirkungen auf ­õkologischer, õkonomischer und sozialer Ebene unter einen Hut zu bringen Schon eine simple Entscheidung wie etwa über die Verpackungsgröße eines Produkts kann eine Menge relevanter Größen beeinflussen, etwa Materialeinsatz, Absatzwege, mögliche Transport- und nötige Treibstoffmengen, usw. So ist aus dem ursprünglichen Wald von

1713 langsam, aber sicher ein Dschungel geworden, in dem es immer schwieriger wird, Nachhaltigkeit in der Gesamtheit klar zu definieren und zu messen. Einzelne Dimensionen der Nachhaltigkeit sind indes sehr wohl quantifizierbar: CO2-Emissionen, Energieverbrauch, Abfallmengen, Arbeitsunfälle, Krankenstandstage, etc. Jedoch ist nicht jeder Nachhaltigkeitsaspekt für jedes Tätigkeitsfeld von Bedeutung. Deswegen wird auf unternehmerischer Ebene individuell entschieden, welche der unzähligen Aspekte für eine einzelne Firma wesentlich sind. Das heißt, ein Unternehmen legt fest, ob und was es misst – und vor allen Dingen auch, welche Daten es (nicht) veröffentlicht. Momentan fällt es schwer, zwischen Umweltberichten, Kennzahlen und Nachhaltigkeitsratings den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Es bleibt zu hoffen, dass die Nachhaltigkeit nicht nur in aller Munde, sondern auch in allen Köpfen ihren Platz finden wird.

Fotos: uni bremen

Claudia Stieglecker


heureka

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Wie grün ist uns die Wissenschaft? Haidingers Hort der Wissenschaft

Grafikkabinett Püribauers Tierversuche

Nachhaltig Grün? M art i n H a i d i nger

Martin Haidinger ist Historiker, Wissenschafts­ journalist bei Ö1 und ­Staatspreisträger für Wissenschafts­ journalismus

I l l ustrat i on : B ern d P ü r i bauer

Freihandbibliothek Buchtipps von Emily Walton Wie die Ägypter Ressourcen nutzten

In seinem Buch setzt sich der britische Universitätsprofessor Clive Ponting mit den Zusammenhängen zwischen Umwelt und Geschichte auseinander: Dabei schildert er, wie Zivilisationen die jeweiligen Ressourcen, die ihnen in ihren Epochen zur Verfügung standen, für sich nutzten. Zudem beschreibt er die Entwicklung der Landwirtschaft und der Energiegewinnung. Ponting deckt dabei eine weite Zeitspanne ab: von der Antike bis zur Neuzeit. A New Green History Of The World. Clive Ponting. 464 Seiten. Random House Verlag. Mehr als nur ein Grasbüschel

Viel zu oft wird Gras als bloßes Grünzeug angesehen. Falsch! Auch um „don‘walk the grass, smoke it!“ geht es hier nicht, sondern um den braven günen Rasen. Graham Harvey, eigentlich Scriptwriter für Fernsehsendungen, aber auch Journalist mit Schwerpunkt Landwirtschaft, widmet sich auf über 300 Seiten den grünen Wiesen Englands und der wirtschaftlichen Bedeutung des Grüns. Auch Rasenmäher und die Relevanz von Gras für den britischen Sport (Tennis und Fußball) kommen vor. The Forgiveness of Nature: The Story of Grass. Graham Harvey. 320 Seiten. Vintage Books.

Wenn es keine Umwelt mehr gibt

Der berühmte amerikanische Schriftsteller Tom Coraghessan Boyle zeigt in diesem „Ökothriller“, was mit der Erde passieren könnte, wenn sie weiterhin missbraucht wird. Boyle widmet sich in seinem Werk immer wieder dem Umgang des Menschen mit der Umwelt. In diesem Buch wird der Globus zu einem Wüstenplaneten und einer gigantischen Müllkippe. Nahrung und Strom sind in dieser Welt Mangelware. Auch braucht sie keine Umweltschützer mehr, weil es keine Umwelt mehr zu schützen gibt. (Ein Tipp: Boyles aktuellstes Buch „Wenn das Schlachten vorbei ist“ hat auch einen Umweltzugang – es handelt von Tierschützern.) Ein Freund der Erde. T.C.Boyle. 368 Seiten. DTV (Deutscher Taschenbuch Verlag). Ökologischer Sozialismus

Natürlich: Wer mit dem Fahrrad ins Büro fährt und Energiesparlampen verwendet, tut der Umwelt etwas Gutes – allerdings nur im Kleinen. Umweltaktivist Chris Williams zeigt auf, wie notwendig ein gesellschaftliches, kollektives Umdenken ist. Er setzt sich für Maßnahmen ein, die in den Bereichen Infrastruktur, Wirtschaft und Arbeitswelt wirken.

Ecology and Socialism: Solutions to Capitalist Ecological Crisis. Chris Williams. 220 Seiten. Haymarket Books.

er wie der Autor als politisch waches Büblein die frühen AchtziW gerjahre in Österreich erlebt hat, erkann-

te schon bald, dass die neuen „Grünen“ die Gesichtszüge eines verrückten Professors trugen. Zwar wehte damals noch nicht der filterlose Atem Van der Bellens über die alternativen Gewässer, doch gab sich ein „Vereinter Grüner“ abseits anderer Verhaltensorigineller wie Nenninghirsch und Reiherlötsch, Tante Freda, Cheferot Fux, Emanzokratin Komlosy und Schlaubauer Kaspanaze betont edel- akademisch: Alberne Witzeleien mit Namen mögen erbärmlich sein, aber Professor Alexander Tollmann hatte tatsächlich den tollen Blick des irrlichternden Wissenschafters, des Borderline-Geologen. Indes sprach er nicht für die Schleimschnepfe in Forst und Au, nicht für den wendigen Waldkormoran oder die Rettung von Krötenwanderwegen und Kaninchen­ umzugsrouten, sondern seine Sorge galt neben der Atomkraft mit steigendem Alter dem Meteoriteneinschlag, der Apokalypse, dem Weltuntergang. Den Weltuntergang erwartete er 1999 in seinem Waldviertler Bunker. Der wackere Mann hielt sich nicht mit Details auf, sondern kümmerte sich gleich ums Ganze, um Götter, Tod und Teufel. Sein politischer Fußabdruck mag verweht sein, Tollmann ist tot; allerdings ist den heutigen Grünen auch nicht wirklich wohl. Ob’s ihnen passt oder nicht – es stand an der Wiege ihrer Bewegung ein Künder des nahenden Weltuntergangs. Doch gerade darin urteilte er nicht nachhaltig, denn die Erde war auch nach 1999 noch da, und die Glaubwürdigkeit des Eingebunkerten dahin. Dabei hatte alles so schön geklungen … Das Lästige an Prophezeiungen ist, dass sie stets die Zukunft betreffen. Wozu dann heute noch wissenschaftlich aufgemotzte Kassandrarufe von grünen Parteien? Noch dazu, wo auch gut ­gerüstete Gegner von Öko-Katastrophenszenarien auf Kommando alle möglichen akademischen Gutachter aufbieten können, die das Gerede von Klimazielen und Treibhausgasen als Quatsch niederzuwürgen verstehen. Vielleicht kann man an einem verschwiegenen Wegstück das eine oder andere Experterl aus der Kurve fliegen lassen, und sich grünerseits dazu bekennen, dass man Ziele einfach deshalb verfolgt, weil sie dem eigenen politischen Willen entsprechen, und nicht, weil sie auftragsgemäß in irgendeinem befreundeten Gutachten stehen? Ich mein’ ja nur – wäre vielleicht nachhaltiger.


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WIE GRÜN IST UNS DIE WISSENSCHAFT?

WERNER STUR MBERGER

Wie grün ist uns

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rüne Wissenschaft? Man könnte sich vieles darunter vorstellen.“ Markus Wissen, Politikwissenschafter an der Uni Wien, legt sich nicht fest. Verena Winiwarter, Dekanin der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung an der Uni Klagenfurt, präzisiert: „,Grün‘ ist keine wissenschaftsinterne Bezeichnung. Es ist eine Außenzuschreibung.“ Diese Annahme scheint auch Martin Schlatzer zu vertreten, Ernährungsökologe am Institut für Meteorologie des Departments Wasser-Atmosphäre-Umwelt an der BOKU. „Meines Wissens gibt es keine einheitliche Definition. Am ehesten würde ich es mit Nachhaltigkeit assoziieren, obwohl Nachhaltigkeit selbst nicht so präzise gefasst wird und oft zum ,greenwashing‘ missbraucht wird.“

Grün ist es, wenn es nachhaltig wirkt Eine klarere Vorstellung von grüner Wissenschaft vertritt Elisabeth Grabenweger, Pressesprecherin des Wissenschaftsministeriums. Dort werde der Begriff „als Wissenschaft und Forschung für nachhaltige Entwicklung verstanden, also thematisch sehr viele Felder betreffend. Darunter fallen zahlreiche Bemühungen von Wissenschaftern, die im Bereich der nachhaltigen Entwicklung forschen.“ Der Physiker Serdar Sariciftci, Leiter des Instituts für Organische Solarzellen an der Uni Linz, betont einen weiteren Aspekt. Der Begriff müsse nicht nur Ziel einer Forschung für eine nachhaltige Gesellschaft beinhalten, sondern auch eine angemessne Methodik: „Die Substanzen und Verfahren der Wissenschaft und Technologie der Zukunft sollten umweltfreundlicher und nachhaltiger werden.“ Obgleich „grüne Wissenschaft“ als Begriff nicht präzise gefasst ist, lässt sich eins mit Gewissheit festhalten: Die Häufigkeit, mit welcher der Begriff „Nachhaltigkeit“ beim Versuch der Beantwortung verwendet wird, legt nahe, dass dieser eine gewisse Relevanz besitzt. In den letzten Jahren lässt sich eine Konjunktur des Begriffes erkennen. Und wie es mit Konjunkturen so ist, verringert sich ihr medialer Wert immer dann, wenn das andere K-Wort die Runde macht: nein, nicht Klima – Krise.

Die Konvergenz der Krisen Die aktuelle Situation ist qualitativ und nicht bloß quantitativ völlig neuartig. Serdar Sariciftci spricht davon, dass wir am Beginn des 21. Jahrhunderts zunehmend eine Konvergenz der Krisen erleben. Ihm folgend lassen sich vier Phänomene beschreiben: Knappheit von Ressourcen und Senken, Bevölkerungswachstum und das Ende des Neoliberalismus. Als Senken

versteht man (Öko-)Systeme, die der Umwelt Schadstoffe entziehen – im Falle von CO2 sind das vor allem Regenwälder, Weltmeere und Böden als primäre Aufnahmemedien der globalen Emissionen. Die ersten beiden Phänomene beschreiben die materiellen Austauschbeziehungen der Menschen mit der Natur. Sie haben sich beginnend mit der Industrialisierung seit Beginn des 20. Jahrhunderts massiv gesteigert. „Wir haben eine wesentlich größere Materialumsatzmenge als jemals zuvor. Das ist völlig einzigartig und gründet in der fossilen Energie“, führt Verena Winiwarter aus. Diese Energie droht uns in ihrer fossilen Form auszugehen. Auch Markus Wissen kommt zu einer ähnlichen Einschätzung: „Es sprechen alle Fakten dafür, dass wir mit einer qualitativ neuen Situation konfrontiert sind. Sowohl ressourcen- als auch senkenseitig durch den Aufstieg der Schwellenländer, aber auch durch die Tatsache, dass der Norden auf seinem industriellen Wachstumspfad voranschreitet.“ Dieser Pfad führt zunehmend nach Indien und China. Im Rahmen einer globalen Arbeitsteilung ist die Bedeutung Chinas als Industriestandort beträchtlich gewachsen. Damit steigt aber auch der globale Bedarf an Ressourcen und Senken. Zusätzlich führt der durch die Industrialisierung geförderte Wohlstand einzelner Bevölkerungsgruppen der Schwellenländer zu einer Verbreitung „fossilistischer“ Konsummuster nach dem Zuschnitt der etablierten Industriestaaten. „Fossilistisch“ sind besonders ressourcen- und emissionsintensive Formen des Konsums: automobiler Individualverkehr, Flugreisen und hoher Fleischkonsum.

Fleischkonsum als Bedrohung Wer weiß schon, dass Fleischproduktion besonders ressourcen- und emissionsintensiv ist? Fleisch ist ein sehr ineffizientes Nahrungsmittel, wenn man wie in der industriellen Massentierhaltung Tiere mit Getreide und nicht mit agrarischen Abfallprodukten füttert. Für ein Kilo Fleisch benötigt man ca. drei Kilogramm Getreide, wobei ein Kilogramm Fleisch lediglich halb so viele Kalorien enthält wie eine entsprechende Menge Getreide. Mit den Kalorien, die bei der industriellen Fleischproduktion verlorengehen, könnte man hochgerechnet 3,5 Milliarden Menschen ernähren. Martin Schlatzer führt weiter aus: „Bereits jetzt werden 40 Prozent der Weltgetreideernte verfüttert. Bei der Weltsojaernte sind es sogar 90 Prozent. Wenn die Prognosen über den steigenden Fleischkonsum eintreffen, werden wir noch mehr Getreide zur Fleischproduktion benötigen.“

Dem Begriff „grüne Wissenschaft“ stehen Wissenschafter mit Skepsis oder Unverständnis gegenüber. Also eine gute Gelegenheit, mit ihnen darüber zu reden, um mögliche Bedeutungen auszuloten

„40 Prozent der Weltgetreideernte werden verfüttert. Bei der Weltsojaernte sind es sogar 90 Prozent.“ Martin Schlatzer

„Es gibt genügend Ansatzpunkte für eine kluge postfossile Politik. Wir werden extrem innovativ sein müssen, wenn wir diese Transformation schaffen wollen.“ Verena Winiwarter, Uni Klagenfurt

Der Druck auf die Ernährungssicherung steigt mit dem wachsenden Konsum von Fleisch. Auch wenn es fraglich ist, was Ernährungssicherheit bedeutet, wenn rund eine Milliarde Menschen auf der Welt Hunger leidet. Während die Nachfrage nach Fleisch wächst, schrumpfen gleichzeitig die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen. Die Gründe dafür: Klimawandel, Verschlechterung der Fruchtbarkeit der Böden, Flächennutzung durch Suburbanisierung, Anbau von Baumwolle oder von Pflanzen für die Biosprit-Produktion.

Sind wir bald zehn Milliarden? Die Weltbevölkerung wird in Zukunft weiter wachsen. Sie hat sich im 20. Jahrhundert nahezu vervierfacht. Bis zum Jahr 2050 rechnet man mit einem Wachstum auf etwa 9,7 Milliarden Menschen. Subsahara-Afrika ist dabei eine jener Regionen, für die ein besonders hohes Bevölkerungswachstum angenommen wird. Afrika aber ist bereits jetzt von Mangelernährung betroffen. „Selbst bei einem Szenario, in dem man von einer perfekten Anpassung an den Klimawandel ausgeht, was etwa die Wahl der angebauten Sorten betriff t, werden die Ernteerträge beeinträchtigt werden“, sagt Schlatzer. Wie sich die Situation tatsächlich entwickeln wird, ist schwierig vorherzusehen, meint Anton Huber, Chemiker am Kunststoff-Labor CePoL der TU Graz: „Natur ist kein technisches, sondern ein selbstorganisierendes System, das sich durch zunehmende Kausal-Entkopplung von der Umgebung auszeichnet.“ Eine optimistische Annahme bezüglich der Steuerungsfähigkeit des Klimas durch den Menschen kann daher als unrealistisch gelten.

Leben wir im eigenen Endzeitalter? Wie sehr die Menschheit in ihre biologischen Grundlagen eingegriffen hat, zeigt die noch recht junge Debatte um den Begriff „Anthropozän“. Geht es nach dem US-amerikanischen Biologen Eugene Stoermer, der den Begriff prägte, und dem niederländischen Atmosphärenphysiker und Nobelpreisträger Paul Crutzen, der ihn popularisierte, leben wir in einem neuen Erdzeitalter. Bereits im Jahr 2008 befand die stratigraphische Kommission der Geological Society of London, dass hinreichend Beweise für einen erdzeitalterlichen Abschnitt vorliegen, der ohne bisherige Entsprechung sei. Das schrieb der italienische Geologe Antonio Stoppani bereits 1873. Er sprach, jedoch ohne Gehör zu finden, vom Anthropozän, von einer „neuen tellurischen Macht, die es an Kraft und Universalität mit den großen Gewalten der Natur“ aufnehmen könne.


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s die Wissenschaft? Diese Macht ist die Spezies Mensch selbst. Wir leben nicht nur im Anthropozän, wir haben es sogar selbst erschaffen; nicht bloß als Begriff oder Konzept, sondern als faktische Realität. „Das Anthropozän anzuerkennen bedeutet, dass wir uns selbst in dem Bild, das wir uns von der Natur machen, bewusst berücksichtigen. Nun können wir, statt anzunehmen, dass wir keinen großen Einfluss auf die Natur ausüben, entscheiden, wie wir diesen gestalten“, meint Erle Ellis, Professor am Departement of Geology & ­Environmental System der University of Maryland.

gige Konsummuster aufrecht zu ­erhalten, bis hin zu Wind- oder Solarenergie. Letztere stellen für Serdar Sariciftci das Rückgrat einer nachhaltigen Energieversorgung dar: „Die dezentrale und de­ lokalisierte Energieversorgung mit Solarenergie und/oder Windenergie, teilweise unterstützt mit delokalisierter ­Geothermie, ist die vernünftige Antwort auf diese konvergierenden Krisen.“ Dass wir diese Technologien entwickeln konnten, liegt paradoxerweise an der fossilen Energie, erklärt Verena Winiwarter: „Den Innovationsfortschritt, den uns die fossile Energie liefert, werden wir in einer postfossilen Ära dafür nutzen, eine wesentlich technischere Zivilisation haben zu können. Wir werden vielleicht nicht auf alle Annehmlichkeiten, die wir jetzt haben, verzichten müssen.“

Bruch mit der Naturbeherrschung Damit ist ein Auftrag formuliert. Und der erste Schritt könnte der Bruch mit dem Paradigma der Naturbeherrschung sein – oder wie Verena Winiwarter sagt, mit „technologischen Fantasien von Naturbeherrschung. Wir beherrschen die Natur bei Weitem nicht so gut, wie wir das gern täten. Globale und lokale Umweltprobleme sind vor allem Ausdruck dessen, dass wir sie nicht beherrschen.“ Im Angesicht der Umweltkrise greifen technische Lösungen zu kurz. Die Stellschraube der Ressourceneffizienz allein ist ein tückisches Instrument: Effizientere Technologie führt meist zu ihrer Mehrnutzung. Diesen Rebound-Effekt beschrieb der englische Ökonom William Stanley Jevons im Jahr 1865: Er stellte fest, dass die technischen Neuerungen bei Dampfmaschinen ihren Kohleverbrauch deutlich senkten. So wurde Kohle zu einer günstigen Energiequelle, worauf der Gesamtverbrauch deutlich anstieg. Die technologischen Neuerungen erlauben, mit weniger Ressourcen mehr Güter herzustellen. Doch diese relative Entkopplung von Ressourcenverbrauch und Wirtschaftswachstum wurde durch Letzteres überkompensiert. Das heißt, der Verbrauch stieg an. „Allerdings hat eine absolute Entkopplung, und das ist das einzige, was zählt, nicht stattgefunden. Alle Studien weisen darauf hin, dass mehr Effizienz allein nicht ausreicht“, erklärt Wissen.

Fällt das Paradigma vom Wachstum?

„Energieautonomie und Energieautarkie wird eine Demokratisierung der Energieversorgung bringen.“ Serdar Sariciftci, Uni Linz

„Die Kriege des 21. Jahrhunderts wurden und werden um Ressourcen wie Erdöl geführt.“ Markus Wissen, Uni Wien

F o tos: pr i vat, T U W i e n, pi lo pi c hle r

Auf Kohle folgte Erdöl, was dann? William Stanley Jevons Befürchtung, die ihn zu seiner Studie veranlasste, nämlich der Zusammenbruch der Kohleförderung, sollte sich erst hundert Jahre später bewahrheiten. Der Grund für die Verzögerung: das Erdöl. Nun nähert sich auch die Geschichte der Erdölnutzung ihrem Schlussakt. Eine fixe Zweitbesetzung für die Rolle des Erdöls in der globalen Ökonomie gibt es nicht, nur ein Ersatzensemble alternativer Energien. Das reicht von Biosprit, der Klimaprobleme verstärkt und vor allem den Ländern des reichen Nordens hilft, gän-

Nimmt man die Definition im Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung für Nachhaltigkeit ernst, heißt dies mit den Rahmenbedingungen zu brechen, in denen der Begriff verortet ist: „Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, welche die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ Wie Markus Wissen erklärt, ist der Begriff Ausdruck des Bemühens, Entwicklung verstanden als Wachstum mit Umweltschutz zu versöhnen. Festhalten am Wachstumsparadigma steht einer nachhaltigen Entwicklung und einem umfassenden gesellschaftlichem Wandel zusehends im Weg. Ohne diesen wird jedoch ein bewusster Umgang mit der Natur, eine bewusste Gestaltung von Naturverhältnissen nicht zu haben sein. „Man bräuchte eine sozialökologische Transformation. Da müssten Fragen gestellt werden, die in der aktuellen Debatte nicht vorkommen: die Suffizienzfrage – was brauchen wir zu einem guten Leben? Die Frage der Demokratie – wie gestalten wir die Aneignung von Natur demokratisch?“ Nur dort, wo Ressourcen nicht exklusiv zugunsten meist ökonomisch mächtiger Akteure verwendet werden, sei diese Aneignung auch nachhaltig.

Grün ist keine Frage der Technik „Unser Konsum muss sich wieder im Einklang mit der Natur befinden – das sollte selbst bei einer Weltbevölkerung von neun Milliarden Menschen möglich sein.“ Martin Schlatzer, BOKU Wien

Die technischen Wissenschaften haben ihre Hausaufgaben bereits gemacht, folgt man Serdar Sariciftci: „Wissenschaft und Technologie statten uns mit Instrumenten aus, aber die Anwendung dieser Ins­ trumente wird die Gesellschaft verantworten. Falls wir als Gesellschaft eine weise und kluge Wahl treffen, wie Aristoteles schreibt, dann sind die Instrumente heute schon vorhanden.“

Das lenkt den Fokus einer grünen Wissenschaft auf geistes- und sozialwissenschaftliche Disziplinen. Elisabeth Grabenweger erläutert dies so: „Fortschritte in der Entwicklung und im Einsatz innovativer Technologien können Krisen entschärfen. Doch wichtig ist auch Forschung zur Frage, wie die Transformation der Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit gelingen kann – sind doch gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen weitaus schwieriger zu bewirken als beispielsweise eine reine Effizienzsteigerung in technischen Prozessen.“

Weder Markt noch Staat Wie kann die Gesellschaft angeregt werden, eine kluge Wahl zu treffen? Reichen Markt und Staat als Taktgeber einer solchen Umstrukturierung aus? Das ist aus mehreren Gründen zweifelhaft. Der Markt ist weitgehend blind gegenüber seinen ökologischen und sozialen Grundlagen – Profitmaximierung und Ressourcenschonung schließen sich weitgehend aus. Der Wandel des Neoliberalismus hin zu einer „green economy“ könne daher nicht als gesamtgesellschaftliche Transformation, sondern eher als selektive ökologische Modernisierung gelten, so Markus Wissen. Ebenfalls skeptisch betrachtet er die Rolle des Staates: dieser sei ja nie bloß neutraler Akteur – der Staat als Terrain würde einzelnen Akteuren bessere Chancen einräumen, ihre Interessen zu formulieren, während andere und ihre Themen praktisch völlig ausgeschlossen sind – darunter etwa auch das der Suffizienz. Sein Schluss daher: „Ich denke, dass Veränderungen sehr stark von unten ausgehen müssen, dass sie erkämpft werden müssen, statt allzu sehr auf staatliche Politik zu hoffen.“ In diesem Kontext ist auch die Rolle einer emanzipatorischen, sozialökologischen Wissenschaft angesiedelt, wie sie Markus Wissen vorschwebt: „Wissenschaft hat eine wichtige Funktion, wenn es darum geht, nachhaltige Formen des Umgangs mit Natur sichtbar zu machen, Konflikte zu untersuchen, Widersprüche von vorherrschenden Formen der Naturaneignung herauszuarbeiten und dabei auch Ansatzpunkte für emanzipatorisches Handeln zu identifizieren.“ Ähnlich Verena Winiwarter, die ihre Arbeitsweise wie folgt beschreibt: „,Meine‘ Fakultät für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung steht dafür, dass man sich nicht zuerst Wissen ausdenkt und es dann transferiert, sondern dass robustes und gesellschaftlich relevantes Wissen am besten dann entsteht, wenn man diejenigen, die dieses Wissen nutzen sollen, schon an seiner Herstellung beteiligt.“


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Wie grün ist uns die Wissenschaft?

Nitrifikanten und Fruchtfliegen Verena Ahne

Christian Schlötterer widmet seine Arbeit der Fruchtfliege, Michael Wagner bestimmten Mikroorganismen, den Nitrifikanten. So sieht Spitzen­ forschung heute aus

„Unser Projekt wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen.“ Christian Schlötterer

„Wir können die Nitrifikanten nun chemisch markieren und zusehen, was sie machen.“ Michael Wagner

abgegrenzten Lebensräumen. „Es wird spannend sein zu sehen, ob sich Fruchtfliegen zum Beispiel aus sehr heißen Regionen anders anpassen als die Simulans“, berichtet Schlötterer von einer der Fragestellungen im Projekt. Dem ebenfalls aus Deutschland stammenden Biologen geht es dabei nicht um Mutationen. „Eine zentrale, aber bis heute nicht geklärte Frage der Biologie ist, warum es so viel Variation in der Natur gibt.“

„Wir möchten heraus­finden, wie sich Populationen an sich verändernde Umwelt­ bedingungen anpassen.“ Christian Schlöt terer, P o p u lat i o n s g e n et i k er

„Wir können nun isotopenmarkierte Verbindungen zu Umweltproben zugeben und den Nitrifikanten im NanoSIMS oder Raman dabei zusehen, was sie damit machen und somit ihre Funktion im System untersuchen“, erklärt Wagner. Und ihre Funktion im System untersuchen. Der Mikrobiologe vergleicht das mit einem Flug über die Serengeti, bei dem Tiere beobachtet und bei Bedarf für genauere Untersuchungen auch gefangen werden können. Für den nächsten Schritt schlägt er eine neue Technik vor: eine Art Mikro-Labor, das nur wenige Millimeter groß ist. Dafür werden die im Raman-Gerät als wichtig erkannten Bakterien mit einer optischen Pinzette ins Mikro-Labor verfrachtet, wo aus einer einzigen Zelle deren ganzes Genom vervielfacht wird, um dieses anschließen zu sequenzieren und seine genetischen Eigenschaften zu untersuchen. So hofft Wagner, die seit über hundert Jahren versuchsresistenten Mikroorganismen endlich studieren zu können.

Die Sequenzierung von Genomen machte deutlich: Erbgut­analysen von Populationen brachten riesige Unterschiede zwischen den Individuen zutage. Eine hohe Variationsbreite erhält die Art. Auch wenn Einzelindividuen an ihrer Umwelt scheitern mögen, gibt es andere, deren Anlagen eine rasche Reaktion auf die neuen Bedingungen erlauben, ohne auf eine ­Mutation warten zu müssen – denn das könnte zu lange dauern. „Damit wird klar, wie unglaublich wichtig der Erhalt der Biodiversität ist.“ Im Rahmen des Projekts werden die Genome von Fliegenpopulationen über Generationen hinweg sequenziert. „Wir schauen, wie variabel die einzelnen GenAbschnitte sind: Was ändert sich durch mehr Wärme oder Kälte auf jedem einzelnen davon? Werden alle Allele weitergegeben oder nur ein Teil? Ändern sich die Tiere äußerlich, Flügellänge, Körpergröße, Farbe? Reagieren spätere Generationen anders auf Hitze oder Kälte – und sind die Anpassungen reversibel?“ Voruntersuchungen lassen eine „unglaubliche“ Wirkung auf die Umwelt erwarten.

Herr der Fruchtfliegen

Völlig neue Forschungsmittel

Auch dem 49-jährigen Schlötterer geht es um genetische Informationen, auf Ebene des Individuums und der ganzen Art. „Wir möchten herausfinden, wie sich Populationen an sich verändernde Umweltbedingungen anpassen.“ Dafür werden wilde Fruchtfliegen gefangen und in zwei Klimazonen generationenlang vermehrt: bei 10 bis 20°C und bei 18 bis 28°C. Drosophila, dieses lästige Insektchen, das auftaucht, sobald etwas säuerlich Duftendes wie Obst, Wein oder Saft herumsteht, ist der Liebling der Genetik, weil sie sich so rasch und unkompliziert vermehrt. Es gibt weit über 1000 Arten. Manche, wie Drosophila simulans, sind wahre Kosmopolitinnen. Andere gibt es nur in kleinen,

Dank der neuen Sequenziertechniken hat sich Goldgräberstimmung breit gemacht: „Das ist ein neues Werkzeug zum Graben. Unser Projekt wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen“, sagt Schlötterer. Die wahre Herausforderung aber ist, die Terabytes von Informationen, die durch die Sequenzierungen anfallen, auch klug zu interpretieren. „Wir wollen die Daten von Phänotyp (Entwicklung des Individuums im Laufe des Lebens) und Genotyp (genetischen Anlagen) miteinander verbinden und mit Fliegen aus warmen und kalten Regionen vergleichen.“ Wie genau das gehen wird, weiß der Forscher zwar noch nicht. Doch dank ERC hat er ja jetzt die Möglichkeit, das herauszufinden.

Auf der Jagd nach Mikroorganismen

Winzige Welten kommen groß raus Wagners Projekt-Interesse gilt den Nitrifikanten: Organismen von einem tausendstel Millimeter Größe, die überall in Böden und Gewässern vorkommen. Unablässig arbeiten sie daran, Ammonium in Nitrit und Nitrit in Nitrat umzuwandeln (als Nebenprodukt fällt dabei unter anderem Lachgas an). Das ist ein wichtiger Teilprozess des weltumspannenden Stickstoffkreislaufs, jener hoch komplexen Vorgänge in Luft, Böden und Gewässern, ohne die Leben auf unserem Planeten nicht möglich wäre. „Alle reden im Zusammenhang mit dem Klimawandel über den Kohlenstoffkreislauf“, sagt Wagner. „Doch der Mensch beeinflusst auch die Nitrifikanten, mit denen die Gesundheit der Erde in so vielfältiger Weise verknüpft ist, ganz massiv – ohne die Konsequenzen zu verstehen.“ So tragen die Verbrennung von Erdöl und Kohle und der massive Einsatz von Kunstdünger in der Landwirtschaft gewaltige Mengen Stickstoff in das System ein. Zu den heute bekannten Problemen, die das verursacht, gehören übersäuerte und überdüngte Böden, nitrat­verseuchtes Grundwasser, Algenwachstum in Flüssen, Seen und Meeren oder die Freiset-

zung von Lachgas, einem Treibhausgas, hunderte Male schädlicher als CO2. Bis heute wenig verstanden ist jedoch, wie Nitrifikanten leben und arbeiten. „Eigenartigerweise kann man die meisten von ihnen im Labor nicht vermehren, um sie zu untersuchen“, erklärt Wagner. „Sie wachsen dort nicht – niemand weiß, warum.“ Im Rahmen des ERC-Projekts möchte der 46-jährige Münchner deshalb neue Wege beschreiten. „Wir verwenden zwei Techniken, die in der Materialwissenschaft etabliert sind, in der Mikrobiologie aber noch kaum.“ Die Raman-Mikrospektroskopie erzeugt einen „chemischen Fingerabdruck“ der untersuchten Zellen. Die Nano-Sekundärionenmassenspektrometrie (NanoSIMS) erlaubt dreidimensionale Bilder der chemischen Zusammensetzung einzelner Bakterienzellen mit einer Auflösung von bis zu 50 Nanometer (Milliardstel Millimeter).

Fotos: Uni Wien, privat

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ie Begeisterung ist spürbar. In jedem Satz vom anderen Ende der Leitung. Ich sitze am Telefon und doch sehe ich Augen leuchten und Hände gestikulieren, lachende Mienen, die Vorfreude auf „spannende Fragen“, „tolles Wissen“, „fantastische Projekte“. Kein Wunder, dass Feierlaune herrscht: Jedem der beiden Männer, mit denen ich spreche, wurde zu Jahreswechsel einer der prestigeträchtigen ERC Advanced Grants des Europäischen Forschungsrates zuerkannt. Je zweieinhalb Millionen Euro für die nächsten fünf Forschungsjahre. Diese Fördermittel gelten hervorragender wissenschaftlicher Arbeit – dokumentiert durch zahlreiche Publikationen in den besten Wissenschaftsjournalen und weltweit von Kollegen zitiert. Auf Exzellenz kommt es an bei einem ERC. Und auf eine zündende Idee: etwas Neues, Innovatives, das möglicherweise – aber nicht zwingend vorausgesetzt – zu wissenschaftlichen Durchbrüchen führt. Die beiden glücklichen Männer sind Michael Wagner und Christian Schlötterer. Wagner leitet das Department für Mikrobielle Ökologie an der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien. Er wird eine Bakteriengruppe unter die Lupe nehmen, die zentral am weltweiten Stickstoffkreislauf beteiligt ist. Christian Schlötterer, Leiter des Instituts für Populationsgenetik der Veterinärmedizinischen Uni Wien, untersucht anhand von Fruchtfliegen Anpassungsprozesse an den Klimawandel.


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WIE GRÜN IST UNS DIE WISSENSCHAFT?

Claudia Jonak, Gregor-Mendel-Institut für Molekulare Pflanzenbiologie

„Die Spannung und die Faszination, etwas Neues zu entdecken, begeistert mich an meiner Arbeit jeden Tag. Aber man braucht Durchhaltevermögen und muss Rückschläge einstecken können. Für die Forschung würde ich mir wünschen, dass man das Potenzial der Pflanzen erkennt und besser versteht und in Zukunft die Gentechnik als moderne Methode anerkennt, die per se weder gut noch schlecht ist.“ Claudia Jonak untersucht gemeinsam mit ihrer Arbeitsgruppe die molekularen Mechanismen, wie Pflanzen auf Stress reagieren. Das soll ermöglichen, robustere Pflanzen zu erzeugen, die mit Umwelteinflüssen besser zurechtkommen. Dabei arbeitet Jonak biochemisch, genetisch, molekularbiologisch und physiologisch und versucht so, ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten.

FOTO: K ARIN WASNER


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Wie grün ist uns die Wissenschaft?

Wie grün ist ein grünes Haus? Sonja Burger

Die Wiese an der Hauswand macht den Wiener glücklich, oder?

Die BOKU erforscht die Möglichkeiten, per Fassaden­ begrünung in Städten das städtische Klima positiv zu beeinflussen und das Feinstaub­ aufkommen zu verringern

sinkt die Temperatur in und rund um das Gebäude durch die Verdunstungsleistung der begrünten Fassade?

Hilft Fassadenbegrünung gegen Feinstaub in der Stadt? Bislang stimmen die Daten alle Beteiligten optimistisch. Man schreibt der Fassadenbegrünung ein großes Potenzial zu. Allerdings schränkt Florin Florineth von der BOKU ein: „Die Pflanzen verbessern das Mikroklima, aber manches lässt sich bei der Nachhaltigkeit noch verbessern.“ Für ihn sei es deshalb naheliegend, neue, ressourcenschonende Begrünungssysteme zu entwickeln, die den Baustoff Pflanze und den Rohstoff Holz kombinieren. Dazu hat die BOKU vor Kurzem begonnen, aktiv nach Forschungs- und Wirtschaftspartnern für das geplante Projekt „Pflanze als Baustoff“ zu suchen. Ziel ist es, sich um eine Förderung als kooperatives Forschungsprojekt (K-Projekt) im Rahmen des COMET-Programms zu bewerben. Bei der Start-Up-Veranstaltung konnte Umwelthygieniker Hanns Moshammer davon überzeugt werden, dass die Idee Potenzial besitzt: „Ich bin gespannt, ob sich die Annahme der BOKU, dass Fassadenbegrünungen auch die Feinstaubbelastung reduzieren, wissenschaftlich belegen lässt.“

Damit sind wir beim Kern des Problems. „Wer nach zusätzlichen horizontalen Grünflächen sucht, stößt irgendwann an die Grenzen des Machbaren“, sagt Florin Florineth, Leiter des Instituts für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU). „Denn gerade in Städten sind viele Bodenflächen bereits versiegelt.“ Was wäre jedoch, wenn man unabhängig von Bodenflächen begrünen könnte? Dann hätte man eine „fassadengebundene Begrünung“ wie an der Fassade der MA-48-Zentrale am Margaretengürtel. Das dort eingesetzte System „Grünwand“ wurde von den Firmen Tech Metall und Dachgrün gemeinsam mit dem Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau und dem Institut für Meteorologie der BOKU entwickelt. Auf 850 m2 Fassadenfläche wurden 2.800 Meter geschlitzte Pflanzentröge aus Aluminium kaskadenartig übereinander montiert und 17.000 Pflanzen gesetzt, die in erster Linie trockenresistent sein müssen wie beispielsweise Blaugräser, Katzenminze oder Schafgarbe. Inzwischen liegen zahlreiche Messwerte zur Fassadenbegrünung aus verschiedenen Projekten vor, etwa auch von „GrünStadtKlima“. „Wir erheben die Leistungen in punkto Wärmedurchfluss, Feuchtigkeitshaushalt, Temperatur- und Strahlungsbilanz oder thermische Gewinne sowie Kühleffekte“, erklärt die Projektmitarbeiterin Vera Enzi. Das sei wichtig, um der „grünen Branche“ konkrete Werte So sieht eine begrünte Fassade aus der Nähe aus. Sie befindet sich an der liefern zu können – etwa: Um wie viel Grad Zentrale der MA 48 am Wiener Gürtel

Kommt es zum K-Projekt, würde er mögliche positive Auswirkungen auf die Gesundheit erforschen. Außerdem gibt es laut Enzi bezüglich Feinstaub bei anderen Projekten wie ProgreenCity eine enge Zusammenarbeit mit deutschen Hochschulen, etwa der Universität Mainz.

Manchem Stadtmensch graut vor der Natur und ihren Viechern Wie Psychologen vom Institut für Umwelthygiene bereits in früheren Projekten erhoben haben, ist das Naturerleben von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Was den einen entzückt, macht den anderen verrückt. Zwar erleben viele Menschen Natur als positiv. „Es gibt aber auch jene, die Natur – ob Insekten oder Pflanzen – als schmutzig empfinden“, so Moshammer, „und auch deren Empfinden sollte man berücksichtigen“. Kommt das Projekt ins Rollen, würden Psychologen am Institut untersuchen, welche Bandbreite an Empfindungen eine Fassadenbegrünung auslöst. Das ist für die Konzeption verbesserter Systeme sehr wichtig. Denn im Unterschied zu einer herkömmlichen Fassade ist eine begrünte Fassade etwas Lebendiges, das gepflegt werden muss. Wie wichtig diese psychologischen Aspekte für das Gelingen oder Scheitern einer Fassadenbegrünung sind, weiß Vera Enzi von der Wohnhausanlage Kammelweg 8 im 21. Bezirk. Ihre Erkenntnis: „Wird die Fassade begrünt, sollten die Bewohner einbezogen werden, um späteren Frustrationserfahrungen vorzubeugen.“

Grüne Fassaden an winzigen Häusern – ein Forschungsprojekt Ursprünglich war das System „Grünwand“ für die Fassadenbegrünung von winzigen Häusern, sogenannten Mikrohäusern, geplant. Jetzt kommt man im Projekt ProgreenCity wieder darauf zurück. Darin wird untersucht, wie es sich in verschiedenen Klimazonen in einem begrünten Haus lebt. In Wien, Madrid und Tübingen werden dafür Mikrohäuser aufgebaut. Pro Standort liefern je ein begrüntes und ein unbegrüntes Haus die erforderlichen Daten. „In Wien stehen beide Häuser in der Seestadt Aspern“, erklärt Enzi. „Das begrünte Haus wird bewohnt sein. Ab Mitte Mai soll der Bewohner täglich seine positiven und negativen Erfahrungen bloggen.“ Die Mikrohäuser werden aus gutem Grund in unterschiedlichen Klimazonen aufgebaut. „Unser Ziel ist es, zu allgemeinen Aussagen über die Leistung grüner Fassaden über mehrere Klimazonen hinweg zu gelangen“, sagt Enzi. Es reicht also nicht, dass ein Haus grün aussieht – ob es auch die gewünschten Wirkungen für seine Bewohner bringt, muss erst erforscht werden.

Fotos: Sabine edith braun

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Grad Celsius. Hochsommer in Wien. Alles stöhnt unter der Hitzewelle. Die Stadt gleicht mehr und mehr einem Backofen. Wer kann, flüchtet ins Bad. In der Nacht gibt es jedoch kein Entrinnen. Von einer spürbaren Abkühlung ist nichts zu merken. Unter Experten ist dieses Phänomen als „urban heat island“ bekannt. Es bedeutet im Wesentlichen, dass Städte bei hohen Tagestemperaturen in der Nacht weniger stark abkühlen als das Umland. „In Wien ist es um rund fünf Grad wärmer als außerhalb“, sagt der Umweltmediziner Hanns Moshammer vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien. Er untersuchte im Jahr 2006 im Rahmen des Forschungsprojekts StartClim den Zusammenhang von Temperatur und Mortalität (Sterblichkeit) sowie Morbidität (Krankheitshäufigkeit). Fazit: Die Stadthitze kann gesundheitliche Folgen haben, im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen. Mehr Grün- und Wasserflächen bzw. Windkorridore könnten die Stadt kühler machen.


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WIE GRÜN IST UNS DIE WISSENSCHAFT? Marina Fischer-Kowalski, Institut für soziale Ökologie (SEC), Alpen-Adria Universität, Wien Derzeit arbeitet sie an einem großen EU-Projekt: WWW for Europe (Wealth, Welfare and Work). Dabei forschen Sozial- und Naturwissenschafter gemeinsam daran, eine machbare Zukunft und politisch einen Übergang zu einer sozialen und umweltverträglicheren Gesellschaft zu finden.

„Wissenschaft als reinen Wettbewerb finde ich langweilig. Aber Wissenschaft, die etwas will und sich dafür interessiert, wie Zukunft gestaltet wird, fasziniert mich. Das Schöne an der Sozialökologie ist, dass hier die Sozialwissenschaften die Natur und die Naturwissenschaften die Gesellschaft ernst nehmen. Wir sind als Gesellschaft im Moment in einem Business-as-usual-Track, der einfach nicht funktionieren kann. Das ist nicht nur nicht nachhaltig, sondern schlicht nicht durchführbar. Deshalb sehe ich meine wichtigsten Aufgaben darin, mich mit dem Illusionsgerede anzulegen und deutlich zu machen, dass dieser Pfad nirgends hinführt.“ FOTO: K ARIN WASNER

„Ich bin jung, ich habe Kraft, ich könnte arbeiten. Aber ich darf nicht. Wer soll die Pension für meine Mutter verdienen, wenn die Jungen nicht arbeiten dürfen?“

„Was ich all die Jahre höre: Du bist ein schwarzer Mensch, du bist ein schlechter Mensch. Ich will nur eine Chance und behandelt werden wie andere Menschen auch“

Zsuzsanna Hortobagyi, 23

Branislav Matic, 40


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Wie grün ist uns die Wissenschaft?

Grün in der Wissenschaft: Das Glossar Nachhaltigkeit ist das Stichwort, wenn man von grüner Wissenschaft spricht. Oder sind es doch die Umwelt-Schweine? Jochen Stadler

Agenda 21

Von 172 Staaten auf dem Erd­g ipfel 1992 in Rio de Janeiro beschlossenes ‚Leitpapier‘ für eine ­nachhaltige Entwicklung im 21. Jahrhundert. Die Industrieländer sollten demnach weniger Ressourcen verbrauchen, Schwellen- und Entwicklungsländer die Armut bekämpfen, Bildung, Gesundheit und die ländliche Entwicklung fördern und Trinkwasser sowie Sanitäranlagen für alle Menschen sicherstellen. Empfindliche Ökosysteme, die ­Atmosphäre, Süß- und Salzwasser sollten geschützt und die Biotechnologie umweltfreundlich genutzt werden. Zehn Jahre danach konnten die Teilnehmer des Weltgipfels für Nachhaltige Entwicklung 2002 in Johannesburg nur ‚mäßigen Erfolg‘ feststellen.

Erdgipfel/Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung

Fand im Juni 1992 in Rio de ­Janeiro statt. 172 Regierungen und 2400 Ver­treterInnen von NGO kamen überein, dass die Menschheit mit den Ressourcen auf der Erde nachhaltiger umgehen muss, und hielt dies in Dokumenten wie der Agenda 21 und der Rio-Erklärung über Umwelt und Entwicklung fest. Nachhaltige Entwicklung

Soll Wirtschaftswachstum und Umweltschutz versöhnen. Die jetzige Generation erkannte, dass Wachstum und Entwicklung begrenzt sind, und will dafür sorgen, dass auch ihre Kinder und Kindeskinder mit den begrenzten Ressourcen ihre Bedürfnisse befriedigen können. Eine nachhaltige Entwicklung wurde 1992 auf dem Erdgipfel zum Leitprinzip von Staatengemeinschaft, Weltwirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik erklärt.

Wirtschaft, Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik zusammenarbeiten könnten, um Klima und Umwelt zu bewahren. Ökologie

Oft mit Umweltschutz gleichgesetzt. Biologen verstehen ­darunter die ­Wissenschaft, welche die Beziehungen von Lebewesen untereinander und mit der unbelebten Umwelt erforscht. Ökosystem

Lebensraum mit all seinen Bewohnern und den Wechselwirkungen, die sie miteinander unterhalten. Kann vom Kuhmagen über den Wiener Stadtpark und die Donauauen bis zum brasilianischen Regenwald so ziemlich ­alles sein. Ressourcen

Materielle oder geistige Güter, aus denen man schöpfen kann und die man nicht restlos aufbrauchen sollte. Zum Beispiel Rohstoffe, Geld, Boden, Energie, Arbeitskräfte und -zeit, Bildung, Gesundheit, ­Prestige, ­Fähigkeiten, Kenntnisse, die Kapazität eines Rechners und Visionen. Sind die persönlichen Ressourcen verbraucht, leidet man an Burn-out. Sind die Umweltressourcen ver­ jubelt, hat man hoffentlich Alternativen bereit.

Die Entwickler betonen die ­verringerten PhosphatEmissionen ihrer „Enviropigs‘ und die ­niedrigen Betriebskosten durch ­billigere Futtermittel. Sie haben die ­Zulassung der Schweine als ­Lebensmittel beantragt

Nachhaltigkeit

Das Gegenteil von Verschwendung und kurzfristiger Ausbeutung von Ressourcen, um im Überschuss zu leben, während künftige Generationen selber schauen sollen, wo sie ihre Lebensgrundlagen herbekommen. Für eine nachhaltige Nutzung dürfen die Ressourcen nicht stärker ausgebeutet werden, als sie nachwachsen und sich erneuern können. Nachhaltigkeitswissenschaft

Erforscht, wie Nachhaltigkeit funktioniert und eine nachhaltige ­Entwicklung lokal bis global umgesetzt werden kann. Dafür beobachtet sie, wie Menschen und Umwelt einander beeinflussen und planen, wie

Rio +20

Im Juni 2012 treffen einander Vertreter von Regierungen, der Privatwirtschaft und NGO 20 Jahre nach dem Erdgipfel, um den Fortschritt beim Verfolgen der damaligen Ziele zu begutachten und Probleme bei der Umsetzung zu diskutieren. Schadstoffarme Schweine

Die Phosphat-Emissionen von Schweinen sind sehr hoch, denn sie können Phosphor aus pflanzlicher Nahrung schlecht verwerten. Das ausgestoßene Phosphat gelangt in Flüsse und Seen und bringt dort die Algen zum Wachsen und die Gewässer zum Kippen.

Außerdem müssen Bauern teuren mineralischen Phosphor ins Futter mischen. Forscher der kanadischen Universität Guelph haben ­Schweine mit Genen aus Darmbakterien und der Maus getunt, damit sie in den Speicheldrüsen ein Enzym produzieren, das beim Abbau hilft. Die Entwickler betonen die um 30 bis 65 Prozent verringerten Phosphat-Emissionen ihrer ‚Enviropigs‘ sowie die niedrigen Betriebskosten durch billigere Futtermittel. Sie haben die Zulassung als Lebensmittel beantragt, doch es ist nicht abzusehen, ob das Modell je ­serienreif wird. ­Umweltschützer kritisieren die gentechnisch hergestellten Tiere. Nicht die Schweine ­seien für die hohen Phosphat-Emissionen verantwortlich, sondern die Massentierhaltung. Umweltwissenschafter

Untersuchen die Wirkung und mögliche unerwünschte Nebenwirkungen der Menschheit auf die Umwelt. Umweltphysiker erforschen physikalische Vorgänge in unserer Umwelt, also der Atmosphäre, Tierund Pflanzenwelt, in Meeren, Seen und Flüssen sowie in und auf Eis und Schnee. Umweltpsychologen versuchen zu ergründen, wie die Menschen ihre Umwelt erleben und von ihr beeinflusst werden und warum die menschliche Psyche keinen großen Stress macht, wenn ihr Besitzer seine Lebensgrundlagen langsam, aber sicher zerstört. Umweltchemiker untersuchen, wie chemische Stoffe auf Lebewesen und die unbelebte Umwelt wirken, wie sie sich verbreiten, abgebaut oder in andere Stoffe umgewandelt werden. Die Stoffe können aus natürlichen Quellen stammen, etwa von Vulkanen, Pflanzen oder Tieren, oder durch menschliche Aktivitäten freigesetzt werden, wie Abgase oder Düngemittel. Umwelttoxikologen wollen herausfinden, wie gefährlich bestimmte Stoffe für Lebewesen sind. Umweltbiotechnologen verwenden Lebewesen für umweltschonende Verfahren, und um zerstörte oder geschädigte Ökosysteme wiederherzustellen. Pflanzen und Bakterien reinigen Abwässer in Kläranlagen, und Enzyme aus Holzpilzen bleichen Papier und Baumwolle, damit man weniger Chemikalien benötigt. Nicht unumstritten

sind gentechnisch veränderte Biotech-Pflanzen, etwa Pappeln, die den Boden von Schwermetallen wie Cadmium und Kupfer reinigen könnten. Umweltmediziner sind in Öster­ reich mit einem Diplom der ­Österreichischen Akademie der Ärzte ausgezeichnete MedizinerInnen, die sechs Wochenenden geopfert haben, um zu lernen, wie Elektrosmog, Radioaktivität, ­Autoabgase, Pestizide, Insektizide, Düngemittel, Schwermetalle und unsauberes Trinkwasser der Gesundheit schaden können. Umweltsoziologen beobachten die Beziehung der Gesellschaft mit der Umwelt. Sie erforschen, wie Menschen mit Umweltrisiken umgehen, welche Werte es braucht, dass sie ein Umweltbewusstsein entwickeln, und warum das nicht immer zu umweltgerechtem Handeln führt. Umweltgeologen inspizieren zum Beispiel, wie sich Deponien und Bergwerke auf Boden und Grundwasser auswirken und erkunden, wie Gemeinden mit Trinkwasser versorgt werden können. Biodiversitätsforscher katalogisieren die Vielfalt der Arten, der Ökosysteme und ihrer Beziehungen, um uns vor Augen zu führen, was wir alles kaputtmachen können. Klimaforscher beobachten etwa Sonnenstrahlung, Temperatur, Luftdruck, Winde, Niederschlag, Vegetation und den Boden, um etwas über den mittleren Zustand der Erdatmosphäre, also das Klima, herauszufinden, und ob die Menschheit das Klima auf der Erde signifikant stört. Im Umweltrecht sollen die Erkenntnisse der Umweltwissenschafter so in Gesetze gemeißelt werden, dass Menschen und die Umwelt geschützt werden, indem etwa die Emission von schädlichen Stoffen begrenzt wird, Abfälle umweltgerecht beseitigt und gefährliche Stoffe mit der nötigen Vorsicht gehandhabt werden. Umweltgeschichtsforscher erkunden, wie frühere Kulturen die Natur gesehen haben und mit ihr umgegangen sind, wie der Lebensstil der Menschen in verschiedenen Epochen die Umwelt verändert hat und wie sich diese Umweltveränderungen wieder auf die Menschen und ihre Kultur ausgewirkt haben.


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WIE GRÜN IST UNS DIE WISSENSCHAFT? Günter Blöschl, Leiter des Instituts für Wasserbau & Ingenieurhydrologie an der TU Wien Aktuell leitet er ein interdisziplinäres Doktoratskolleg für Wassersystemforschung, gefördert vom FWF, mit zwei Hauptstandorten: ein Freiluftlabor in Wieselburg und die Wiener Lobau. Dabei geht es um Wasserressourcen, d.h. wie viel Wasser in welcher Qualität vorhanden ist. Das Forschungsprojekt läuft über 12 Jahre und umfasst unter anderem die Themen Grundwasser, Wasserbauten, Fernerkundung und Mikrobiologie. „Grüne Forschung bedeutet für mich Wissenschaft mit Umweltbezug, bei der die Umwelt ernst genommen wird. Hier gibt es viel Konfliktpotenzial. Vor 30 Jahren war Wasserkraft noch nicht ökologisch, heute ist Wasserkraft die ,grüne‘ Energie. Damals war nur ein Aspekt im Blickfeld, nämlich der, dass die Au verloren geht. Deshalb ist es mir wichtig, einen möglichst breiten Blick auf das Thema zu haben, um eine Grundlage zu schaffen, damit wichtige Entscheidungen für die Zukunft richtig getroffen werden können.“ FOTO: K ARIN WASNER


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Wissenschaftspolitik

„Die ÖAW muss zusperren lernen“ F l o r i an P e t a u t s c h n i g

Die Idee einer vom Staat unabhängigen Forschung Es begann im 19. Jahrhundert. Wissenschaft passierte damals vornehmlich an den Universitäten. Diese hatten nur einen Zweck: „Sie sollten das forschen und lehren, was im Sinne des Staates war“, sagt der Präsident der ÖAW, Helmut Denk. Im Jahr 1837 kam die Idee auf, in Wien eine Institution zu gründen, die Wissenschaft und Forschung betreiben soll, und zwar unabhängig vom Staat. 1847 war es dann soweit: Die Akademie der Wissenschaften (zuerst als „Kaiserliche Akademie der Wissenschaften“) wurde als „oberste Behörde“ der Wissenschaft gegründet; als Ort, der ausschließlich dafür bestimmt war, neues Wissen unabhängig zu generieren. Zunächst als Gelehrtengesellschaft, also als Verbund von Wissenschaftern, die laut Denk „neben Forschung eine Mittlerrolle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft spielen soll“. So gesehen wäre es falsch zu behaupten, die Akademie betreibe keine Lehre. Die Gelehrtengesellschaft steht auch heute noch Gesellschaft und Politik als beratende Instanz zur Seite. Nach und nach übernahm die Akademie auch immer mehr Forschungsaufgaben und wurde damit zu einem Träger der Forschung.

„Seit 2000 hat sich das Budget der ÖAW in etwa verdoppelt.So kann es nicht weitergehen.“

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften hat eine Sonderstellung. Sie wird vom Bund finanziert, muss aber anders als Universitäten weder Studierende aufnehmen noch lehren. Nun soll sie sparen

Christoph Kratky, FWF-Präsident: „Es gibt Institute, die den Anspruch international wissenschaftlicher Exzellenz nicht erfüllen.“

b u nde s m i n i s t e r t ö c h t e r le

Karlheinz Töchterle, Wissenschaftsminister: „Man muss evaluieren, ob die Arbeit an Instituten zukunftsträchtig ist.“

Eigene Forschung und Beratung – das sind zwei Hauptaufgaben der ÖAW heute. Aber was unterscheidet die Akademie der Wissenschaften von Universitäten, an denen ebenso Wissen vermittelt und geforscht wird? „Bei den Universitäten ändern sich die Schwerpunkte bisweilen schneller. Es gibt eine höhere Fluktuation des Personals“, sagt Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. „Die ÖAW kann Forschungen längerfristig anlegen.“ Und ÖAW-Präsi-

Helmut Denk, ÖAWPräsident: „Wir müssen auch Langzeitprojekte und risikoreiche Forschung betreiben.“

dent Denk meint: „Wir müssen das tun, was an den Unis nicht leicht gemacht werden kann. Wir müssen auch Langzeitprojekte und risikoreiche Forschung betreiben, wir müssen in vielen Bereichen mehr in die Tiefe gehen.“ Außerdem seien manche Forscher weniger für die Lehre an Universitäten geeignet, aber trotzdem fachlich äußerst kompetente und erfolgreiche Wissenschafter. Solche gelte es an die Akademie zu holen, damit sie sich hier rein auf ihre Forschung konzentrieren können. Das trage Früchte, meint Wissenschaftsminister Töchterle: „Es gibt an der Akademie einige TopIns­titute, wie zum Beispiel das Institute of Molecular Biotechnology IMBA, das Institut für Demographie, das Center for Molecular Medicine CEMM oder das Institut für Quanteninformation und Quantenoptik, die sich international wirklich sehen lassen können.“

Erste Leistungsvereinbarung der ÖAW mit dem Bund „Die Akademie hat in den letzten Jahren ein enormes Wachstum erlebt“, erklärt Töchterle. „Seit dem Jahr 2000 hat sich ihr Budget in etwa verdoppelt.“ In dieser Dimension könne es nicht weitergehen. Letzten November wurde die erste Leistungsvereinbarung in der Geschichte der ÖAW mit dem Bund unterzeichnet. Also eine Art Vertrag, der festschreibt, welche Mittel die Akademie in den nächsten drei Jahren vom Bund erhält. Im Rahmen dieser Vereinbarung ist festgelegt, dass die Akademie eine sogenannte Planungssicherheit über drei Jahre erhält. Ein Globalbudget von insgesamt 224 Millionen Euro ist ihr für die nächsten drei Jahre sicher. Gleichzeitig muss die Akademie gewisse Leistungen erbringen, die ebenfalls in der Leistungsvereinbarung definiert sind – etwa bestimmte Forschungsschwerpunkte mit dem Geld, das ihr vom Bund zur Verfügung steht, gezielt forcieren. Auch muss die ÖAW ihre Aktivität in manchen Disziplinen etwas zurücknehmen oder sich gänzlich von ihnen trennen: So sollen im Laufe der nächsten Jahre mehrere Institute zusammengelegt oder an Universitäten abgegeben werden. Bei drei Instituten ist diese Übertragung schon erfolgt: Das Institut für europäische Integrationsforschung, die Kommission für Rechtsgeschichte und Teile der Kommission für Linguistik und Kommunikationsforschung sind seit dem 1. April 2012 Teil der Universität Wien. Bei den anderen Instituten gibt es bislang nur (wenn auch teilweise sehr vielversprechende) Verhandlungen und Spekulationen, aber noch nichts Konkretes. Aus Expertenkreisen hört man, dass etwa das Institut für Limnologie an die Univer-

sität Innsbruck kommen soll. Allerdings betonen Insider auch, dass sich die Namen dieser „Übertragungskandidaten“ laufend ändern können.

Kann sich die ÖAW auf internationalem Niveau halten? Das budgetäre Problem, das derzeit an der Akademie herrscht, werde nicht so schnell gelöst werden können, meint der Präsident des Wissenschaftsfonds, Christoph Kratky. „Klar hat die Akademie einige sehr starke Bereiche, aber es gibt auch einige Institute, die nicht so gut sind und nicht den Anspruch international wissenschaftlicher Exzellenz erfüllen.“

„Wenn die Akademie ihre weniger guten Institute weiter schleppen muss, bleibt nur das Notprogramm.“ Chriostoph Kr atk y, F WF

Forschung an einer Institution, die sich ausschließlich dieser widmet, müsse exzellent und international auf Top-Niveau sein, meint Kratky. „Wenn die Akademie ihre weniger guten Institute weiter schleppen muss, bleibt nichts anderes übrig als das Notprogramm.“ Das hieße, alle befristeten Verträge auslaufen zu lassen und keine Neuanstellungen. Das Problem dabei, so Kratky: „Man sichert sich dann aber die Gegenwart auf Kosten der Zukunft. Die Akademie muss das Zusperren von Instituten lernen.“ Gelingen der Akademie die entsprechenden Vorhaben, braucht sie sich in den nächsten Jahren um ihre Existenz theoretisch keine Sorgen zu machen. „Wenn alle Maßnahmen gelingen, wird in drei Jahren unterm Strich eine schwarze Null stehen“, sagt Helmut Denk. Im Idealfall wären dann zumindest im wissenschaftlichen Bereich keine Kündigungen notwendig. Doch man müsse damit rechnen, dass nach entsprechender Bedarfsanalyse befristete Verträge nicht mehr verlängert werden. Um diesen „Idealzustand“ zu erreichen, ist es Voraussetzung, dass die Übertragung einiger Institute an Universitäten klappt. Und wenn das nicht der Fall ist? „Dann muss man evaluieren, inwiefern die Arbeit, die an den betroffenen Ins­ tituten gemacht wird, zukunftsträchtig ist und sich in die Forschungslandschaft der ÖAW einfügen kann“, erklärt Wissenschaftsminister Töchterle. „Beispielsweise durch eine Bewertung durch internationale Wissenschafter.“ Bleibt dahingestellt, ob dann nicht doch die eine oder andere Schließung eines Instituts vorgeschlagen wird.

Fotos: F WF/ Wolfgang Simlinger, : Leonhard Hil zensauer, ÖAW/R . Herbst

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s gibt kaum eine Forschungseinrichtung in diesem Land, die derzeit nicht den Sparstift ansetzen muss. Bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist das nicht anders. Doch im Gegensatz zu den Universitäten, wo auch gelehrt wird, kann sie den größten Teil der ihr zur Verfügung stehenden Mittel – und das sind rund 100 Millionen Euro im Jahr – rein für die Forschung einsetzen. Genießt die Akademie also eine Sonderstellung? Und warum entsteht eine derartige Einrichtung überhaupt?


Smart Cities in Österreich Städte verbrauchen weltweit 75 Prozent der Energie und sind für 80 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Smart Cities sind die Verkehrs- und Technologiepolitik für diese Herausforderungen

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hne den Einsatz moderner Technologien würden die ­wachsenden Ballungszentren zu noch mehr Staus, mehr Luftverschmutzung und noch mehr Energie­ verbrauch führen. „Wir müssen mit ­Ressourcen sorgsamer umgehen“, erklärt Technologieministerin Doris Bures. „Das sind wir unseren Kin­ dern und unserer Umwelt schuldig. Energie muss für alle Men­ schen leistbar bleiben. Warmes Wasser und beheizte Wohnun­ gen dürfen keine Frage des Einkommens werden.“

Förderung für Energie­technologie der Zukunft

Visualisierung: Architekt Pernthaler/Graz

Für die „Stadt der Zukunft“ investiert das BMVIT seit mehr als zehn Jahren in Technologien, die den Energieeinsatz bei Gebäuden optimieren sowie umweltfreundliche Mobilität und ausreichend naturnahe Erholungsräume ermöglichen. 70 Millionen fließen jährlich in die Energieforschung – davon 43 Millionen über den Klima- und Energiefonds. Das macht sich bezahlt: Österreich nimmt weltweit eine Spitzenposition bei Passivhäusern und thermischer Solarenergie ein. Mehr als ein Drittel der gesamten Passivhaus-Wohnfläche der EU befin­ det sich in Österreich. Bei der thermischen Solarenergie liegt Österreich gemessen an der Bevölkerungszahl weltweit auf Platz vier.

Sieger des 2. Smart-City Calls

Die Smart-Projekte dieser Städte bzw. urbanen Regionen werden nun mit insgesamt 10,6 Millionen Euro gefördert. Die sechs Projekte lösen Forschungsinvestitionen von 20 Millionen Euro und Infrastrukturinvestitionen von fast 100 Millionen Euro aus. Nähere Infos zum Call und den eingereichten Projekten finden sich im Internet auch unter www.smartcities.at und www.klimafonds.gv.at Der nächste Smart City-Call wird im Herbst ausgeschrieben und ist mit 8 Millionen Euro dotiert.

Förderprogramm Smart Cities 2012 Der Klima- und Energiefonds schreibt das Förderprogramm „Smart Energy Demo – FIT for SET“ aus. 2012 ­werden dafür Fördermittel von acht Millionen Euro zur Verfügung stehen.

Modell des geplanten neuen Grazer Stadtteils rund um die Liszthalle

„Mit den Smart Cities bewei­ sen wir seit 2010 europa­ weit Pioniergeist – zugunsten österreichischer Unternehmen und Institutionen“, sagt die Geschäftsführerin des Klimaund Energiefonds Theresia Vogel. „Die heimische Spitzen­ position im Bereich klimaver­ träglicher, urbaner Technologien bauen wir mit unseren Program­ men weiter aus. Wir bieten auch 2012 Kontinuität und Innovation in diesem Themenfeld.“

Auftriebskraftwerk: Visualisierung Architekt Pernthaler/Graz

Bezahlte Anzeige

Die Ausschreibung des Smart-City Calls durch den Klimaund Energiefonds soll möglichst viele österreichische Städte und ­Regionen auf den richtigen Weg zur intelligenten Urbanität bringen. Beim 2. Smart City-Call hat eine internationale Expertenjury aus 18 einge­reichten Projekten die besten ausge­ wählt. Die Siegerprojekte kommen aus Salzburg, Villach, Graz, Weiz-Gleisdorf, Hartberg und dem Rheintal.


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Gedicht Oleg Jurjew, Lyriker, Essayist und Romancier, 1959 in Leningrad geboren, lebt seit 1991 in Deutschland. In seiner Rede anlässlich des Hilde-Domin-Preises (2010) bezeichnete er Exil als „dichterische und menschliche Grunderfahrung unserer Zeit“: Ins Exil zu gehen, im Exil zu leben, im Exil zu schreiben. In einer ständig sich verändernden, „flüssigen Welt“ sei jeder Mensch in dem einen oder anderen Sinne des Wortes ein Exilant. „Die Frage ist nur: Sind wir bereit, das anzuerkennen oder sogar unter Umständen gutzuheißen?“

Oleg Jurje w

Was am Ende bleibt

Nur in unseren Gärten im April

Die Honigbiene

Nur bei uns in den Gärten im April wachsen die Bäume auf Spiegeln. – Da hat nicht sichtbare Lücken still der Herr sich gefunden sichtlich. Und daher auch kann es gelingen, auf Wolkentreppen zu singen, und nichtsichtlich so, vorsichtig gefiederte Stufen zum Knarren bringen.

erich klein

Und wie Risse im Amalgam die Wurzeln ins Wurzelreich dringen, wo die Lüfte in luftigen Sprüngen ab in den Graben sich schwingen, und spritzige bauschige Schäume behängen die Zäune, und vom Stern die warmen, lustigen, baltischen, jüdischen, russischen, Hände gehen doppellichtig.

Er ich K lein

Aus: In zwei Spiegeln, Gedichte und Chöre (1984–2011) Jung und Jung, Salzburg und Wien 2012

Aus dem Russischen von Elke Erb

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Ökologisch gefordert, ökonomisch gefördert Lösungswort: lokalnichtglobal.net ? Tonangebende Anlage-Form Stößt als Biomassenprodukt auf brennendes Interesse 1 2 3 4 5 6 7 Versautes Jacuzzi? Abkürzung zwischen Niedersachsen und Rheinland-Pfalz Verkehrt rum groß in Mode Ackermann weiß: dessen Streuverlust minimiert die Wachstumsrate Nicht nur für Chauffeure eine Steuer-Leistung Vor der EUphorie (Abk.) Ist er Chef, wacht er über die Herde Johnnys Film-June (als Welklöffel wär’s ein Reserl) Wenn Moral gefragt ist, spielt Keith buchstäblich verrückt Sopranna

Senkrecht 1 Schock im Stock! Endzeitphänomen laut Maja-Kalender? 2 Kick-Tipp auf den Kopf gestellt 3 Besitzdenken zum Quadrat: mein 40 Meter Umfangreich? 4 Göttlicher Menüplan 5 Knowhow für Mülliarden-Branche 6 Anzüglicher Studententraum? Pardon, StudentInnentraum! 9 Hat in letzter Instanz immer UNRecht (Abk.) 11 Wenn’s um Bioworthülsen geht, hat die Politik den Dreh raus 14 Kommt nach der Jungfrau zum Kind 17 Alienairliner 19 Nach Pi vor Psi 23 Grisses Nebenmann 25 So kann man stehend gehen

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Auflösung aus Falter HEUREKA 5/2011. Waagrecht: 1 JUGEND , 5 TOLERANT, 7 AU , 8 PODEST, 9 FORELLE, 12 TEILZEIT, 14 ENTSAGEN, 15 TEG, 16 TIERHEIM, 20 VIEL, 21 BEDIENEN, 22 KRANK Senkrecht: 1 JOBOFFENSIVE, 2 GENERALSTREIK, 3 ERBSENZAEHLER, 4 DNA, 5 TOP, 6 TUBE, 10 LAIE, 11 STENT , 13 EGGE, 17 EID, 18 IDEN, 19 MONK, 21 BH

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Die Honigbiene ist ein Wunder: Das älteste Indiz, ein Bernstein­fossil aus Myanmar, ist ungefähr hundert Millionen Jahre alt; vor zwölftausend Jahren wurde auf einer spanischen Höhlenmalerei ein Honigsucher dargestellt. Der Ursprung der Hausbiene ist Zentralanatolien. Keppler wie Galilei waren von der Biotechnikerin fasziniert, die in einer hundert Gramm wiegenden Wabe bis zu vier Kilo Honig ablegt. 40.000 Ausflüge zu sechs Millionen Blüten sind notwendig, um ein Glas Honig zu produzieren. Für die Erforschung von „Schwänzeltanz“ und „Bienensprache“ erhielt der gebürtige Wiener Karl von Frisch 1973 den Nobelpreis. Bienen kommunizieren mittels abstrakter Symbole! Für die Bestäubung von Blütenpflanze und Obstbäumen verantwortlich, wird die Wirtschaftsmacht der Bienen in einer französischen Studie auf ein Volumen von 153 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Als die Bienen infolge von Umweltverschmutzung aus der chinesischen Provinz Sichuan verschwanden, begannen die Bauern bei den Bäumen selbst Hand anzulegen. Handbestäubung, wurde in den USA errechnet, würde 90 Milliarden Dollar kosten. Als Ursachen für das derzeit weltweite Bienensterben gelten Milben, Umweltverschmutzung und Elektrosmog. 9 War ihr Flug von Blüte zu Blüte in den Veden Symbol für die Seelenwanderung, wurde in den Upanishaden das ganze Weltall als gigantischer Bienenstock beschrieben. In der Mythologie der Griechen begleiteten Bienen die Fruchtbarkeitsgöttin Demeter. Hippokrates schwor auf Honig bei Fieber, Geschwüren und Impotenz. Propolis, das HonigWachs-Gemisch, war den Antiken ein Vorläufer des Kaugummis. Die Fortpflanzung der Bienen blieb bis ins 18. Jahrhundert ein Rätsel. Dem Heiligen Augustinus war klar: „Die Biene kennt keine Männer, die Blume ist ihr Bräutigam.“ Waldemar Bonsels „Biene Maja“, die heuer ihren hundertsten Geburtstag feiert, kam jüngst in Verruf, weil der Aufruf zur letzten Schlacht, den die Bienenkönigin an ihr Volk richtet, Anleihen bei Kaiser Wilhelms berüchtigter „Hunnenrede“ gegen die Chinesen nahm. Da bleibt nur zu sagen: Verteidigt die Bienen! Ralph Dutli

Das Lied vom Honig – Eine Kulturgeschichte der Biene Wallstein Verlag, Göttingen 2012


KarriErEEntwicKlung für Wissenschafterinnen

EinrEichung jEwEils im Frühjahr und hErbst FrühjahrsausschrEibung Einreichfrist: 10. april 2012 bis 01. juni 2012

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informationen fWf – Der Wissenschaftsfonds, haus der forschung sensengasse 1, 1090 Wien, +43 (0)1 505 67 40–0 www.fwf.ac.at » antragsunterlagen/information www.fwf.ac.at/firnberg www.fwf.ac.at/richter KontaKt susanne woytacek, 01/505 67 40-8505, susanne.woytacek@fwf.ac.at dr. lidia Eva wysocki, 01/505 67 40-8503, lidia.wysocki@fwf.ac.at dr. barbara Zimmermann, 01/505 67 40-8501, barbara.zimmermann@fwf.ac.at


Die Zukunft wartet nicht. Deshalb müssen wir schneller sein. Wir gehen neue Wege. Mit Antworten für nachhaltige Mobilität.

Wir wollen immer schneller, immer komfortabler und immer einfacher von A nach B gelangen. Nicht nur in den Städten, sondern auch über Länder und Grenzen hinweg. Wir sind in Bewegung. Veränderung gehört zum modernen Lebensstil. Die Konsequenzen: Energie-verbrauch und CO2-Belastung steigen. Mit entsprechenden Folgen für unser Klima.

Zum Beispiel der „railjet“ der Österreichischen Bundesbahnen. Der „railjet“ stammt – wie auch die Niederflurstraßenbahn ULF – von Siemens. Entwickelt und gefertigt im weltweiten Siemens Headquarter für Metros, Coaches und Light Rail in Wien. Und weltweit vorbildlich und führend in Qualität, Komfort, Design, Energie-Effizienz und Umweltverträglichkeit.

Die Antwort? Zukunftsweisende Konzepte für eine nachhaltige Mobilität. Dazu gehören intelligente Verkehrsinfrastrukturen und Kommunikationslösungen, die Fahrzeuge und Verkehrsteilnehmer interaktiv miteinander vernetzen. Dazu gehört vor allem aber auch die konkrete „Hardware“ wie E-Cars und energiesparende Fahrzeuge für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr.

Ob öffentlicher Verkehr oder E-Mobilität: Die Antworten für die Mobilität der Zukunft sind vorhanden. Die Zeit für neue Wege ist jetzt. Denn die Welt von morgen braucht unsere Antworten schon heute.

siemens.com/answers


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