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FALTER Fair Herbst 2016

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FALTER

Nr. 38a/16

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MIT

Illustration: Bianca Tschaikner

Das Magazin mit guten Gründen für ein nachhaltiges Leben

KOCHB

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Herbst 2016

Grüne Erde – gelebte Ökologie · Dr. Bronners fantastisch faire Seifen E-Mobilität: Der Stand der Dinge · Biobiere und andere Formen der Weltrettung

Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2568/2016


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FALTER

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Fairness macht nicht an nationalen Grenzen halt. Szene auf Kap Komorin, der Südspitze Indiens

Inhalt

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Grüne Erde – grüner Betrieb Sie machen schöne und gesunde Dinge. Entscheidend ist, wie sie es machen

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1000 Prozent Rendite Und das mit sauberem Geld? Wie das geht, erklärt Anlagespezialist Max Deml

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Faires Reisen Trifft auf Hindernisse, aber es gibt Leute, die einem dabei helfen. Nach Nicaragua zum Beispiel

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Dr. Bronners fantastische Seifen Die unglaubliche Geschichte der amerikanischen Kultseife – von Europa in die USA und zurück

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Wohin fahren wir? Die E-Mobilität ist nicht aufzuhalten. Hier lesen Sie, in welche Richtung die Reise geht

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Klicken gegen Klimawandel Eine nachhaltige neue App zeigt uns, wie wir ein korrekteres Leben führen können

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Ehe es zu spät ist … Wir müssen umdenken, sagt der Physiker Johannes Schmidl. Dafür braucht es Utopien

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Biobier und Cracker Österreich ist reich, auch an wohlschmeckenden Biobieren. Dazu ein Rezept für Couchknabberer

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Fair Well / Kurzes Neuigkeiten aus der fairen Welt von Technik, Lifestyle und Mode

Fairwort

Fotos: Irena Rosc, Archiv (6)

an hat mitunter noch das Gefühl, faires Leben sei etwas für M Abgehobene. Ein Projekt, das mit unserem täglichen Leben nicht wirklich zusammenhängt. Und dann unternimmt man die Reise zu einem betrieb, der als Inbegriff grünen Wirtschaftens gilt, der Grünen Erde in Oberösterreich, und trifft auf eine andere Welt. Nicht nur, weil die Farbtöne dort weiß, warm und gedämpft sind, die Natur idyllisch und die Menschen sanft. Sondern weil da ein auch ökonomisch stimmiges Ganzes entstanden ist, das seine Mitarbeiterinnen (zu 90 Prozent Frauen) fair behandelt, von seinen Kunden finanziert

wird und seine Belegschaft am Gewinn beteiligt. Und noch schöne Dinge produziert, die nicht billig sind, aber das Leben nachhaltig verbessern, Betten und Matratzen zum Beispiel. Heini Staudingers CrowdfundingModell inspirierte die Leute von der Grünen Erde. Es gibt aber auch anderswo ökologisch korrekte Firmen, an denen es sich durchaus rentiert, be-

Horaczek

Matzinger

Fasthuber

teiligt zu sein. Kundenbeteiligungsmodelle und Modelle alternativer Finanzierung boomen. Das ist gut so, denn die Krise des überhitzten Finanzmarkts ist noch nicht auf dem Höhepunkt. Aber immer mehr Leute besinnen sich darauf, die Realwirtschaft direkt zu finanzieren (oder auf dem Umweg über eine faire Bank), statt sich an Zinsspekulationen zu beteiligen oder

Wittstock

Goldenberg Tschaikner

gar der Bank Geld zu bezahlen, weil man ihr Geld geliehen hat. Die Schweizer Firma Geberit zum Beispiel, ökologisch korrekt, weil sie Mengen an Trinkwasser zu sparen hilft, hat im letzten Jahrzehnt ihren Aktionären zu Renditen von tausend Prozent verholfen. Man kann es natürlich auch so machen wie Elon Musik, der Gründer von Tesla. Er stürzt sich in Millliardenkredite und kümmert sich nicht darum, wie er sie zurückzahlen kann. Immerhin finanziert er damit seine Pionierarbeit bei E-Autos und Akkus. Mehr zu alldem in diesem Heft. A rmi n T h u r n her

Impressum Falter 38a/16 Herausgeber: Armin Thurnher Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H., Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, F: 01/536 60-912, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at Redaktion: Armin Thurnher Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H.; Layout: Raphael Moser; Lektorat: Daniel Jokesch, Patrick Sabbagh; Geschäftsführung: Siegmar Schlager Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar


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FAIR

Auf Wolke 7

Sie wirtschaften fair und machen schöne Dinge. Wie geht das? Ein Besuch bei der Firma Grüne Erde

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s gibt viele Gründe, eine Fahrt ins Almtal im Salzkammergut zu unternehmen. Der dominante Traunstein zum Beispiel, er wurde von der Lokalzeitung schon einmal zum Ballermann der Bergwelt ernannt. Er schaut auf Vorchdorf so wichtig herunter, dass er das Navi durcheinanderbringt; statt bei der Firma Grüne Erde landen wir in einer Sackgasse auf einem Feld. Die Aussicht könnte nicht schöner sein. Der Traunstein war es nicht, der uns ins Almtal zog. Grüne Erde ist ein fairer Vorzeigebetrieb, der in vieler Hinsicht originell agiert. Mit konsequent ökologischer Einstellung, mit Crowdfunding und zuletzt mit der Entscheidung, nicht mehr auf Social Media zu setzen. Das wollten wir uns schon lang einmal anschauen. Der Einheimische weiß, wohin wir wollen. Bei der Kirche rechts und dann hinunter. Da steht sie schon, die ehemalige Lagerhalle einer Papierfabrik, zur Produkti-

text: A rm i n t H u r n her Fotos: Ire n a R o s c

Renate Kaiser leitet die Produktion der Matratzen; seit 32 Jahren in der Firma, hat sie vieles mitentwickelt

onsstätte für Polstermöbel und Matratzen umgebaut. Die legendären Weißen Wolken entstehen hier, Matratzen aus Naturstoffen, die tatsächlich das Prädikat ökologisch korrekt verdienen, Decken, Kissen, Bezüge, Postermöbel, Kosmetika. Hier produziert eine respektable Firma. Sie stellt mit 55 Mitarbeiterinnen (der Großteil sind Frauen) 8500 Matratzen im Jahr her. Die Matratzen sind nur ein Teil des Sortiments; auch Polstermöbel, Düfte, Betten, Schränke und allerhand Accessoires werden an verschiedenen Standorten von derzeit 403 Menschen gefertigt, die Möbel in Kärnten. Auch im Ausland wird zugekauft, das meiste in Europa, es geht ja um den ökologischen Fußabdruck. Insgesamt macht Grüne Erde einen Umsatz von knapp 40 Millionen Euro. Der Produktionsstandort in Vorchdorf heißt

Terra Verde. Den müssen wir besichtigen, meint Reinhard Kepplinger, einer der beiden

Eigentümer der Grünen Erde. Hier sieht man am ehesten, worum es der Firma geht. Zuerst einmal um Qualität und faire Arbeitsverhältnisse. Hier steht das Kernstück, mit dem alles anfing, die Matratzenproduktion. Hier passe die Atmosphäre, hier erlebe man Naturmaterialien. „Wir wollen Vorbild sein“, sagt Kepplinger. Mit Partner Kuno Haas übernahm er 1992 die Anteile vom Gründer Karl Kammerhofer. „Bei uns soll man sehen, es geht auch anders. An der Qualität der Produkte, aber auch am Umgang mit Mitarbeitern.“ Was für ihn fair ist? „Wenn man den anderen auf einer Ebene behandelt, Partner, Mitarbeiter, Kunde, nicht von oben herab. Das betrifft auch Arbeiter und Zulieferer in nichteuropäischen Ländern. Die darf man nicht ausbeuten.“ Man schaut also genau, mit wem man kooperiert, man kennt seine Yak-Kooperative in der Mongolei und seine AlpakaZüchter in Peru. Neben ökologisch korrek-


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FALTER

ten Rohstoffen und fairen Arbeitsverhältnissen ist auch die Umweltbilanz ein Thema, deshalb hat man die Fabrik hier nicht abgerissen, nur umgebaut, eine Decke eingezogen, Fenster geöffnet, um mehr Tageslicht hereinzulassen. Beim Neubau, der Schneiderei, stellte man an die Baufirma höchste Anforderungen. Der ökologische Fußabdruck muss kleingehalten werden. In drei Jahren wird man CO2-neutral sein. Die 55 Mitarbeiterinnen in Vorchdorf haben großteils Teilzeitverträge, die genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind; die meisten Frauen sind 20 Jahre oder länger im Betrieb. Das Unternehmen kommt ihnen entgegen, wo es kann, erklärt Finanzchef Friedrich Mayr-Kern, auch er ist seit 25 Jahren dabei. Es gibt 50 verschiedene Teilzeitmodelle bei Grüne Erde; mehr als ein Viertel aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist seit zehn Jahren dabei.

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Hier sind Präzision und Kraft gefordert: Beim Zuschnitt der Schurwolleinlage (oben links), beim Einstreuen der Zirbenspäne (unten links), beim Einziehen der Matratzen (unten rechts), die immerhin 65 Kilo wiegen

Renate Kaiser, die Produktionsleiterin, führt

uns durch ihr Reich. Seit 32 Jahren werkt sie hier, und sie strahlt vor Zufriedenheit über ihr Werk. Sie hat viele der Produktionsschritte ersonnen, hat geholfen, Geräte zu entwickeln und Arbeitsabläufe zu gestalten. Sie hat Matratzen mitentwickelt, und sie kontrolliert die Qualität der Rohstoffe: Schurwolle aus regionaler Produktion, Kapok, eine pflanzliche Faser aus Thailand, Naturkautschuk, Zirbenspäne. Auch Polstersessel werden hier gefertigt, die Polsterung wird auf die in Kärnten gefertigten Formteile aufgebracht. In Handarbeit natürlich, und mit optimalen Materialien. Man kommt ohne synthetische Füllungen und ohne Federkerne aus; alle Stoffe sind ökologisch zertifiziert. Sieht sie Ökomöbel von Mitbewerbern, muss Kaiser leise schmunzeln. Eigentümer Kepplinger sagt, im Möbelbereich werde viel Missbrauch getrieben mit Prädikaten wie Bio. Ein Bett könne so heißen, auch wenn es zu 100 Prozent aus nicht nachwachsenden Rohstoffen bestehe. Hier ist das anders, man kann es mit Händen greifen. Alles duftet hier, die Farben sind cremig, Weiß dominiert. Man ertappt sich dabei, wie man immer wieder den einen oder anderen Gegenstand mit den Händen prüft.

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Wenn ich woanders schlafe, habe ich zumindest mein eigenes Kissen dabei Renate Kaiser, pr o duk t i o ns l e i t e r i n

Fortsetzung nächste Seite Renate Kaiser zeigt die verschiedenen Zonen der Matratze, die man an der unterschiedlichen Steppung erkennt (oben); das Steppgerät hat sie mitentwickelt (links). Detailtreue ist im Handwerk wichtig, egal ob beim Matratzennähen (rechts) oder beim Umgang mit Naturmaterialien in der Polsterei (unten rechts)


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Mittagspause auf der Wiese vor Näherei und Kosmetik

In fremden Betten zu schlafen, fällt Kaiser nicht mehr leicht. Wie alle Mitarbeiterinnen hat sie zu Hause natürlich eine Wolke, maßgeschneidert nach ihren Bedürfnissen. Macht sie Urlaub, hat sie zumindest immer ihr eigenes Kissen mit. Außer sie besucht eines der Partnerhotels, die teilweise Grüne-Erde-Matratzen in den Betten haben, wie Rogners Erlebniswelt.

Der Traunstein über dem Almtal, dem Sitz der Grünen Erde

Zum Test der Matratzen hat Kaiser ein Gerät

mitentwickelt, das 30.000 Umwälzungen simuliert (zehn- bis zwanzigmal wälzt sich der Durchschnittsmensch in der Nacht). Man arbeitet auch mit dem Ergonomieinstitut München zusammen, und keine Matratze, die nicht probegelegen wurde, verlässt das Haus. Das Wissen hat sie sich selbst erarbeitet, erzählt Kaiser, durch Probieren und Experimentieren hat sie die optimalen Varianten gefunden. Es gibt verschiedene Schlafschulen, im Alter sollten die Matratzen eher weich sein, da der Körper weniger elastisch ist; jüngeren Schläferinnen empfiehlt man härtere Ausgaben. Das Wichtigste ist die gute Durchlüftung der Matratze, Kaiser zeigt es vor, wenn sie mit dem Ellenbogen auf die Mat­

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Weil uns die Privatsphäre unserer Kunden wichtig ist, sind wir aus den Social Media ausgestiegen Friedrich Mayr-Kern, Finanzchef

ratze presst, entweicht seitlich Luft. Wärmestau muss im Bett vermieden werden: Becken- und Schulterzone werden mit Stützzonen gesondert „behandelt“. Feedback der Kunden wird konstant eingearbeitet. Wenn es doch nicht passt? Bis zu 30 Tage kann die Matratze umgetauscht werden, wenn es länger dauert, ist man „extrem kulant“, sagt Mayr-Kern. Wenn die verschiedenen Schichten in den Matratzenbezug eingezogen werden, ist das anspruchsvolle und anstrengende Handarbeit; zwei Frauen erledigen das und schichten Schicht um Schicht auf; Wolle, Kapok, Naturkautschuk. Dazwischen streuen sie Zirbenspäne, die verlangsamen den Herzschlag. Nermina Puškar wuchtet mit ihrer Kollegin gerade die Schichten übereinander, da ist Präzision gefragt, ebenso beim Zuschnitt, bei der Steppmaschine (Wer hat sie entwickelt? Wir ahnen es, Frau Kaiser!) und beim Nähen. Es muss ja saubere Kanten geben, nichts darf verrutschen. Auch Puškar, sie kam aus Bosnien, ist schon mehr als zehn Jahre hier. Die körperlich anstrengenden Arbeiten wechseln mit weniger anstrengenden ab, erklärt Renate Kaiser, es gibt eine Rotation. Auch sind immer Zweierteams am Werk, von der Steppmaschine bis zur Näherei.

Sonderwünsche sind bei dieser handwerklichen Ausrichtung kein Problem, den Variationen sind keine Grenzen gesetzt. Aber alles ist immer ökologisch korrekt und durchdacht; die Bettwäsche zum Beispiel wird nicht mercerisiert oder appretiert, also muss sie um zwei Prozent größer gefertigt werden, weil die Naturmaterialien beim ersten Waschgang etwas schrumpfen. Insgesamt beschäftigt Grüne Erde nur zehn Prozent Männer. Man sieht an der Art, wie die Frauen im Team arbeiten, dass sie gern hier arbeiten, dass sie einander mögen und auch das, was sie herstellen, die Decken, die Matratzen. Natürlich schlafen sie zu Hause nur noch auf diesen, was anderes kommt ihnen nicht ins Schlafzimmer. Nein, es sind nicht alle Alternative oder Grüne, gut die Hälfte der Belegschaft stammt aus der Gegend und ist nicht anders als andere. Die andere Hälfte ist politisch grün, wie der Gründer und die Eigentümer, die sich in den 1980er-Jahren in der Alternativbewegung kennenlernten. Das Kernteam erwarb schon in den Anfangs-

zeiten, als man noch in Schloss Scharnstein neben dem Reptilienterrarium untergebracht war, den Ruf von Spinnern, vor allem, als man sich mit Betten und Leintüchern ausgerüstet und mit Nachtgewändern angetan in die Flussauen der Alm aufmachte; natürlich nur fürs Fotoshooting, aber das wussten die Einheimischen nicht. Die hielten die Grüne-Erde-Leute für eine Art Sekte. „Das hat uns nicht irritiert“, lacht Mayr-Kern. „Wir haben gewusst, was wir tun. Meistens.“ Grüne-Erde-Gründer Karl Kammerhofer führte in Linz eine alternative BuchhandFortsetzung Seite 8

Fotos: Irena Rosc (2), Rudolf Posch

Fortsetzung von Seite 5


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FAIR

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Was wir machen, machen wir aus einer grundsätzlichen Haltung. Das betrifft Kunden, Mitarbeiter und Produkte G r ü n e - Erd e Chef r e inhard K e pp l ing e r

In der Näherei (oben), Polsterung von Sitzmöbeln (unten links), Kosmetikabteilung, Produktionsleiterin Katharina Herzog und Mitarbeiterin (unten rechts)

Für ihre Darlehen bekommen die Anleger jähr-

lich drei Prozent Verzinsung in bar oder, wenn sie wollen, vier Prozent in Warengutscheinen. Sie binden sich auf fünf Jahre, aber wenn einer dringend vorher sein Geld braucht, ist man kulant, versichert MayrKern. Für viele, die faire Investments suchen und den Aktienmarkt scheuen, ein gutes Angebot. Hier wissen sie, was mit ihrem Geld geschieht. Was in den 1980er-Jahren Ökologie war, ist heute das Gemeinwohl-

Als wir zum Shop fahren, sehen wir Herzog mit Kolleginnen bei der Mittagspause draußen auf der Wiese sitzen. Sie freuen sich nicht nur der Arbeit, sie freuen sich des Lebens, und man beginnt sich mit ihnen zu freuen. Auch Mayr-Kern hat diese Freude, als er uns zum Schluss nach Scharnstein bringt. Im Shop ist fast alles versammelt, was Grüne Erde produziert. Mittlerweile sind es hunderte Produkte rund um Betten und Schlafen, aber auch Kleidung und Accessoires. Er streicht er mit der Hand über das Holz von absolut metallfreien Schränken und Betten. Alles handgearbeitet, sagt der Finanzmann stolz, solche Oberflächen bringt keine Maschine zustande. Obwohl Grüne Erde auf der Mariahilfer Straße einen Schauraum hat, kommen viele Kunden hierher nach Scharnstein, um Produkte zu besichtigen und sich beraten zu lassen. In Österreich sind es fünf, in Deutschland sechs Shops, in denen Grüne Erde 55 Prozent ihres Umsatzes macht; 45 Prozent wickelt man über den Versand ab. Für das hochansehnliche Design der Produk-

Fortsetzung von Seite 6

lung. Als er einmal auf Futons besonders gut schlief, hatte er die Eingebung, sie selbst zu produzieren. Der Einfachheit halber bat er die Kunden der Buchhandlung, die Produktion vorzufinanzieren. Eine Adresskartei von 5000 Leuten hatte er ja. So kam der gesunde Schlaf zuerst zu den durch Lektüre beunruhigten Geistern. Das war 1983. Schon am Anfang, sagen Mayr-Kern und Kammerhofer, stand also eine Art Crowdfunding. Nachdem die Grüne Erde ihr Angebot auf Bekleidung ausgedehnt und die Investition mit Bankkrediten finanziert hatte, änderten die Banken nach der Finanzkrise 2008 die Spielregeln und stellten Kredite fällig. Inspiriert durch Heini Staudinger, aber gewarnt durch dessen Probleme mit der Finanzmarktaufsicht, wandte sich Grüne Erde an Kunden, aber auch an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese beteiligten sich mit 600.000 Euro, insgesamt kamen 9 Millionen zusammen.

tive Kosmetik her, also Make-up und dergleichen. Sie produziert mit ihren Kolleginnen Düfte und Cremes auf so weit wie möglich pflanzlicher Basis. Alles muss hier sauber sein, zertifiziert und nachvollziehbar sowieso. Auch Herzog hat dieses Strahlen, das aus der Freude über ihre Produkte kommt; zwar stammen viele ätherische Öle aus Pflanzen, die nicht in Europa gedeihen. Aber das Leindotteröl, die Basis vieler Düfte und Cremes, produziert ein heimischer Biobauer. Mit der Apothekerin experimentiert man an Knospendüften und überhaupt, sagt Herzog, entspricht hier alles den Natrue-Standards, den höchsten in Europa für Biokosmetik.

Firmenchef Reinhard Kepplinger, zuständig für Design und Ideologie

www.grueneerde.com

und Ethikthema, sagt Mayr-Kern. „Unser Crowdfunding ist ein tolles Projekt“, sagt Kepplinger. „Unsere Kunden und unsere Mitarbeiter haben das meiste Verständnis für und die intensivste Beziehung zu uns.“ Den Gea-Chef Heini Staudinger kennt er seit der Gründung der alternativen Liste Oberösterreich. „Es war eines der schönsten Erlebnisse in der Firmengeschichte, dass wir so schnell den Turnaround von Bankenabhängigkeit zu finanzieller Unabhängigkeit geschafft haben.“ Missionarischer Geist widerstrebe ihm zwar, aber so eine Vorgangsweise könnte vielen Unternehmen helfen, mit Rat und Unterlagen halte man nicht zurück. Apropos Gemeinwohl: Zehn Prozent vom Unternehmensgewinn (2015 war es eine knappe Million Euro) werden an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgeschüttet, fünf Prozent für wohltätige Zwecke gespendet (derzeit geht das Geld an die Flüchtlingshilfe). Von den Social Media Twitter, Facebook und Google+ hat man sich weitgehend verabschiedet. Grund dafür war, dass die Daten der Kundinnen und Kunden niemals an Dritte weitergegeben werden dürfen. Man kommuniziert mittels Website und direkt; Verluste im Verkauf waren keine zu verzeichnen. Wir sind mittlerweile in der Naturkosmetik angekommen. Katharina Herzog, gelernte Chemikerin, stellt keine dekora-

te ist Chef Kepplinger persönlich zuständig. Was macht er anders als andere Chefs? „Ich habe Betriebswirtschaft studiert, und natürlich arbeiten wir nach betriebswirtschaftlichen Prinzipien. Aber was wir machen, machen wir aus einer grundsätzlichen Haltung. Das bezieht sich auf das, was wir herstellen, auf die Produkte, die wir verarbeiten, und auf unseren Umgang mit Menschen.“ Die Unterschiede zu anderen Wirtschaftsbetrieben sind noch immer eklatant. „Es gibt mittlerweile ein paar relevante Firmen, die nach ähnlichen Grundwerten arbeiten, Sonnentor, Zotter, Heini Staudingers Gea, da hat sich was getan. Aber wenn herkömmliche Unternehmen das Wort fair in den Mund nehmen, tun sie das mehr auf Druck der Öffentlichkeit als aus eigenem Antrieb.“ Dieser Druck kann ruhig verstärkt werden, meint Kepplinger. Denn insgesamt ändert sich die Haltung der Produzenten nicht. „Im Möbelbereich sind wir allein auf weiter Flur, im Bereich Matratzen und im Heimtextilbereich gibt es ein paar kleine Betriebe, die es sehr gut machen, aber in Österreich sind das sehr wenige. Und unsere großen Konkurrenten in Deutschland gehören schon Investmentfonds.“ Der Traunstein steht noch immer über dem Salzkammergut. Die freundliche, stille, faire Welt der Grünen Erde wird noch länger unter ihm liegen, gut riechen und behutsam wachsen. F

Fotos: Irena Rosc (3), Grüne Erde

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Einseifen

Gründerenkel und Firmenchef David Bronner, auch schon als „Cannabis-Aktivist des Jahres“ ausgezeichnet


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Weltfr ieden

Sie riechen unglaublich gut, machen richtig schön sauber und helfen nebenbei noch, die Welt beim Duschen ein bisschen besser zu machen: die magischen Seifen des sympathisch-verrückten Auswanderers Dr. Bronner

F o t o : G r e gg S e g a l

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ls er im Jahr 1929 auf das Schiff nach Amerika stieg, hatte Emanuel Heilbronner einen Zettel in der Tasche und einen ambitionierten Plan im Kopf. In der Neuen Welt werde er Seifen machen, wie er es zu Hause bei seinen Eltern gelernt hatte. Und dazu auch noch allen Menschen auf der Welt Frieden bringen. Das mit dem Weltfrieden hat nicht ganz geklappt. Aber immerhin sind die Seifen so gut geworden, dass sie nun, mehr als 60 Jahre später, über einen Umweg nach Hollywood in Europa der neue Geheimtipp sind. Die Schauspielerinnen Drew Barrymore und Sandra Bullock schwören ebenso auf Dr. Bronner’s Magic Soaps wie der Rapper Eminem und die schrille Sängerin Lady Gaga. Kaum eine Seife, kaum ein Duschgel riecht auch noch mehr nach Omas Pfefferminzbonbons, wie ein blühender Zitronen-

T e st : N i na H o r a c z e k

baum oder wie ein ganzes Rosenbeet als Dr. Bronner’s. Begonnen hat die Geschichte dieser ganz besonderen Seifen 1858 im schwäbischen Laupenheim bei Ulm. Dort siedelte sich die jüdische Familie Heilbronner an, um Seifen zu erzeugen, die an öffentliche Seifenautomaten verkauft wurden. 1908 kam Sohn Emanuel zur Welt. Auch er erlernte in der bereits dritten Generation den Beruf des Seifensieders und emigrierte mit dem Meisterbrief in der Tasche und dem Familienrezept im Gepäck in die USA. Als die Nazis 1933 in Deutschland die Macht

übernahmen, strich er aus Protest das „Heil“ aus seinem Nachnamen und nannte sich stattdessen „Bronner“. Später setzte er noch einen Doktortitel davor, obwohl er nie ein Studium abgeschlossen hatte. Auch nannte er sich gerne „Rabbi“, obwohl er keine religiöse Ausbildung hatte.

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Wir führen unterschiedliche Verpackungen. In unseren Filialen wird jeweils nur eine Verpackungsart angeboten.

Aber Predigen und Übertreiben, das lag dem Dr. Bronner eben. In diesem Sinn gab er sich auch gerne als Neffe des berühmten Physikers und Nobelpreisträgers Albert Einstein aus. Als Polit-Prediger zog Bronner durch die USA und hielt Vorträge, in denen er vor Faschismus und Kommunismus warnte und für den Weltfrieden warb. Besonders begeistert waren die Zuhörer aber von der Pfefferminzseife, die Bronner bei seinen Vorträgen verteilte. Als der Seifen-Prediger eines Tages bemerkte, dass viele seiner Zuhörer nicht gekommen waren, um seine politischen Botschaften zu hören, sondern um am Ende des Vortrags ein Stück seiner guten Seifen ­abzustauben, druckte er die Botschaften eben auf das Seifenetikett. So entkam niemand seinen Predigten. Dazu gab es Anleitungen, wie man sich am besten Fortsetzung nächste Seite


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FAIR Links: US-Einbürgerungsurkunde des Emanuel Bronner (rechts im Porträt)

Fortsetzung von Seite 11

Die Stammfabrik im deutschen Heilbronn – das „Heil“ strich der jüdische Emigrant Emanuel Heilbronner aus Protest gegen die Nazis aus seinem Namen

wäscht, und Ratschläge, dass man für ein gutes Leben genug schlafen solle. Gesammelt wurden Bronners teils sehr wirre und stets religiös angehauchte Weisheiten in einem „Moral ABC“, das seine Nachkommen vergangenes Jahr neu auflegten. Bis heute sind die Magic-Soaps-Verpackungen über und über mit politischen Botschaften bedruckt. Da finden sich Zitate von Konfuzius, Mohammed, Jesus oder Einstein. Die Seifenbenutzer werden als „Brüder und Schwestern des Raumschiffs Erde“ begrüßt. Es wird für Solidarität, den gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel und die Freigabe von Cannabis plädiert. Nach dem Tod des Firmengründers im Jahr 1997 übernahmen seine Enkelkinder David, Michael und Lisa das Unternehmen, das sie auch heute noch als Familienbetrieb führen.

Die Dr. Bronner’s Magic Soaps können in Österreich an folgenden Orten gekauft werden In den Naturshops der Drogeriekette Müller: www.mueller-drogerie.at In den Filialen von Martin Reformstark: www.reformstark.at Im Reformhaus Staudigl: www.staudigl.at Bei Vegalinda: www.vegalinda.com Bei Maran Vegan: www.maranvegan.at In der St. Charles Apotheke: www.saint-charles.eu Im Modestore Arnold’s: www.arnolds.at Bei Naturkost St. Josef: 7., Zollerg. 46 In der Welt Apotheke: www.weltapotheke.at Online im Webshop des Biozustellers Adamah: www.adamah.at Beim Bioversand Ecco Verde: www.ecco-verde.at

in die Fußstapfen seines Großvaters. Der Mittvierziger mit dem Pferdeschwanz wurde zum „Cannabis-Aktivisten des Jahres“ gewählt und hat sich im Kampf für die Zulassung von Haschischanbau in den USA sogar schon vor dem Weißen Haus in einen Käfig einsperren lassen. In Interviews erzählt er auch von seinen „psychedelischen Experimenten“ in Amsterdam. Dem Geschäft schadet das nicht. Alleine 2015 erwirtschafteten die Bronner-Geschwister mit ihren duftenden Bioseifen 100 Millionen Dollar Umsatz. Der Reichtum wird aber fair geteilt. In der Firma Bronner gilt die 1:5-Regel: Der leitende Geschäftsführer darf maximal das Fünffache des am geringsten entlohnten Arbeiters verdienen. Die einfachen Arbeiter erhalten wiederum etwa ein Viertel mehr Lohn als am Markt üblich. Die Zulieferer sind allesamt Bio- und Fairtrade-Unternehmen. Das Olivenöl stammt aus einer palästinensisch-israelischen Kooperation, die Früchte werden im Westjordanland und in Nazareth geerntet. Für das biologisch angebaute Palmöl werden keine Regenwälder abgeholzt. Es wird ökologisch verträglich in Ghana produziert. Die Firma Dr. Bronner’s verzichtet auf Zwischenhändler, ein Teil des Gewinns landet in einem „Fairtrade-Topf “. Die Bauern, die die Rohstoffe für die Seifen produzieren, entscheiden selbst, ob dieses Geld für medizinische Geräte im Spital, Wasserleitungen für ihr Dorf oder für Bücher für ihre Kinder verwendet wird. „Konstruktiven Kapitalismus“ nennt das Dr.-Bronner’s-Management seine Geschäftspraktiken.

FOTOS: DR. BRONNER, WIKIPEDIA

Enkelsohn David trat auch gleich als Aktivist


FAIR

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In den 1960er-Jahren begeisterten sich die Hippies für Dr. Bronners Seifen, heute sind es Hollywoodstars. Sämtliche Zutaten kommen aus fair produzierenden Betrieben

Für den Gründer Emanuel Bronner war es der Schrecken des Holocaust, der ihn zum unermüdlichen Prediger werden ließ. Seine beiden Schwestern Luise und Lotte konnten sich zwar vor den Nazis in die USA beziehungsweise nach Palästina retten; seine Eltern wurden hingegen in den Konzentrationslagern Auschwitz und Theresienstadt ermordet. In den 1960er-Jahren waren es die Hippies, die Bronner für seine Seifen begeistern konnte. Nicht nur, weil die Langhaarigen ja auch für den Weltfrieden waren. Sondern auch, weil man die Magic Soaps als vollständig abbaubares Naturprodukt auch zum Baden und Waschen in der Natur verwenden konnte. Danach wurde es eine Zeitlang still um das Unternehmen. Magische Seifen für Toleranz und Weltfrieden passten nicht so recht in die Plastikgeld-Welt der aufstei-

genden Yuppies mit ihren schnellen Porsches und Mobiltelefonen. Man konnte sie dafür mit ihren bunten, dicht bedruckten Etiketten in den Regalen der Naturkostläden und Food-Coops, den selbstverwalteten linken Essenskooperativen in den USA, finden. Langsam, aber stetig eroberte Dr. Bronner’s von dort aus den Naturseifenmarkt und ist heute die meistverkaufte BioSeife in den USA. Über Hollywood und die sozialen Medien wird

die Seifenfirma nun auch in Europa zum Kult. Nicht nur wegen der ungewöhnlichen Firmengeschichte und der einzigartigen Verpackung. Sondern vor allem, weil Dr. Bronner’s vollständig biologisch abbaubar, tierversuchsfrei, vegan und Naturkosmetikzertifiziert ist. Selbst die Seifenverpackung besteht zu 100 Prozent aus Recyclingmaterial. Das All-in-one-Konzept von Dr.

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Bronner’s verspricht bis zu 18 verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für eine einzige Seife: Als Duschgel, Haarshampoo, Waschmittel, Putzmittel, sogar als Deo, Mundspülung, Inhalationsmittel und Zahnpasta soll die Wunderseife taugen. Auf Youtube schwärmen Magic-SoapVerliebte, wie toll sie sich selbst von Scheitel bis Sohle und dazu auch noch ihren gesamten Hausrat pflegen. Für andere Tester taugen die Seifen hingegen nur als Duschgel. Sie klagen, dass das Gemisch aus Oliven-, Kokos-, Palm- und Hanföl samt ätherischen Ölen ihre Haare verklebe. Ungewohnt ist jedenfalls, dass die Magic Soaps sehr flüssig und hochkonzentriert sind. Mehr als ein paar Tropfen sollte man nicht nehmen, sonst verschwindet man im Seifenschaum. Wer mit Dr. Bronner duscht, muss es jedenfalls intensiv mögen. Diese Seifen erinnern nicht nur vage an Rose, Lavendel, Pfefferminz, Mandel und weitere Duftrichtungen. Nur ein paar Tropfen auf der Haut, und schon fühlt man sich wie das Pfefferminzzuckerl, das die Oma früher immer mitgebracht hat, wie mitten in einem Lavendelfeld oder einer Zitronenplantage. Wer es dezent mag, sollte ein anderes Produkt nehmen. Oder die neutral-milde Babyseifenversion ausprobieren. Die schützt auch zarte Babyhaut ganz ohne Zusatzstoffe. Wasser aufdrehen, ein paar Tropfen der magischen Seife in die Hand und beim Einseifen gleich die politischen Botschaften des Seifenmachers lesen. Duschen für den Weltfrieden, das hat doch was! F

FAIRTRAUEN FAIR VERTRAUEN IST DAS HÖCHSTE GUT. Durch unsere Nutzung von natürlichen Energiequellen wie Solarenergie, Erdwärme oder Windenergie leistet Mischek einen Beitrag zum Erhalt wertvoller Ressourcen. Die Umsetzung von Wassersparkonzepten trägt dem Ziel der Ressourceneffizienz in hohem Maße Rechnung. FAIRTRAUEN Sie auf Mischek.

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ie Brau Union Österreich hat es sich zum Ziel gesetzt, die beste Bierkultur für die Zukunft zu schaffen und diese nach sozialen und ökologischen Herausforderungen zu gestalten. Als nachhaltig agierendes Unternehmen setzt die Brau Union Österreich eine Reihe von Initiativen, um ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern und auch sozial verantwortungsvoll zu agieren. „Bier ist ein Naturprodukt – es besteht aus Rohstoffen, die eine intakte Umwelt voraussetzen. Auch aus diesem Grund ist uns der Einsatz für den Umwelt- und Klimaschutz ein besonderes Anliegen. Darüber hinaus setzen wir zahlreiche Maßnahmen in der Mitarbeiter-Gesundheitsvorsorge sowie – durch die Partnerschaft mit pro mente Oberösterreich – Projekte zum verantwortungsvollen Alkoholkonsum bzw. Prävention bei Jugendlichen. Daher sind wir auch stolz, dass unser Engagement im Bereich der integrierten Nachhaltigkeit anerkannt wird“, meint Gabriela Maria Straka, Leitung Kommunikation/PR und CSR bei der Brau Union Österreich, über die mehrfache Anerkennung durch die diversen Fachexpertenjurys. Besonders oft hat in dem Zusammenhang die Grüne Brauerei Göss überzeugt.

GREEN BRANDS Austria-Siegel Die Brau Union Österreich wurde von der internationalen Brand-Marketing Organisation GREEN BRANDS mit dem GREEN BRANDS Austria 2016/2017 Siegel für eine Reihe von Initiativen im Bereich Umweltund Klimaschutz ausgezeichnet. Gabriela Maria Straka erklärt: „Die Brau Union Österreich konzentriert sich im Nachhaltigkeitsmanagement auf folgende Themen: Energieverbrauch und CO2-Reduktion, Schutz der Wasserressourcen, nachhaltige Beschaffung, verantwortungsvoller Genuss, Mitarbeitergesundheit und Arbeitssicherheit sowie langfristige Partnerschaften für die Zukunft. So wird sichergestellt, dass jedes Produkt mit einem Höchstmaß an ökologischer und sozialer Verantwortung entsteht. Im Bereich Energie und CO2-Reduktion ist die Grüne Brauerei Göss unser Leuchtturmprojekt – die erste Großbrauerei weltweit, die ihr Bier ausschließlich unter Verwendung erneuerbarer Energien und österreichischer Rohstoffe braut.“ Umweltpreis Energy Globe 2016: Brau Union Österreich ist Gesamtsieger Steiermark und Österreich Der Energy Globe ehrt Unternehmen für beste Umweltleistungen. In der Steiermark wurde die Grüne Brauerei Göss bereits im Mai 2016 mit dem Energy Globe Styria

Nachhaltige Auszeichnungen für Initiativen im Bereich „Verantwortungsvoller Alkoholkonsum“ Die Brau Union Österreich setzt auf beste Rohstoffe, höchste Umwelt- als auch im gesellschaftlichen Bereich. Dafür wurde

Stolz ist die Brauerei Göss auf die Verwendung von 100 Prozent österreichischen Rohstoffen.

Award 2016 in der Kategorie „Anwendung“ ausgezeichnet. Damit konnte sich die Brau Union Österreich sogar den Gesamtsieg für die Steiermark holen und sich unter insgesamt 80 Initiativen – 30 Prozent mehr als im Vorjahr – behaupten. Auch konnte sich die Brauerei Göss damit für den Energy Globe Österreich qualifizieren und diesen im Juni 2016 abholen: Auf der nationalen Ebene wurde die Brauerei Göss sowohl zum Sieger in der Kategorie „Feuer“ als auch zum österrei-

chischen Gesamtsieger ernannt: Der 17. Energy Globe Österreich ging somit an die Brau Union Österreich. Viktor Gillhofer, Geschäftsführer Lebensmittelhandel in der Brau Union Österreich, freut sich über diese Auszeichnung: „Dieser Sieg ist natürlich auch ein Garant für die Marke Gösser – unsere Kunden und Konsumenten legen ja auch immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit. Das Vertrauen in die Marke Gösser steigt weiter, die Marke wird weiter aufgewertet.“


Bierkultur Foto: Hermann Wakolbinger

Umwelt- und Klimaschutz sowie Qualität und nachhaltige Produktion – sowohl im sie auch bereits mehrfach ausgezeichnet.

Über die Brau Union Österreich Über 5,0 Mio. HL Bier setzt die Brau Union Österreich in einem Jahr ab – mit vierzehn führenden Biermarken, über 100 Biersorten und laufenden Innovationen. Zusätzlich vertreibt die Brau Union Österreich seit April 2015 die Cider-Marke Strongbow in Österreich. Das Unternehmen steht sowohl für internationale Premium-Brands wie Heineken, Desperados und Affligem, als auch für nationale Top-Marken wie Gösser oder Zipfer und für regionale Marken wie Puntigamer, Kaiser, Schwechater, Schladminger, Reininghaus oder Wieselburger. Die Weizenbiermarke Edelweiss, die alkoholfreie Marke

Schlossgold und die Biere der Spezialitäten-Manufaktur Hofbräu Kaltenhausen runden das Sortiment ab. 2.200 Mitarbeiter in ganz Österreich sorgen dafür, dass rund 49.000 Kunden und 5 Mio. Bierliebhaber im ganzen Land mit Bier versorgt werden. Dass die Brau Union Österreich dabei auf beste Rohstoffe, höchste Qualität und nachhaltige Produktion – sowohl im Umwelt- als auch im gesellschaftlichen Bereich – setzt, versteht sich von selbst. Dafür wurde die Brau Union Österreich mit dem Prädikat „GREEN BRAND“ ausgezeichnet. Seit 2003 ist die Brau Union Österreich Teil der internationalen Heineken-Familie.

Brau Union Österreich mit dem GREEN BRANDS Austria-Siegel ausgezeichnet v.l.n.r.: Norbert Lux, Chief Operating Officer der GREEN BRANDS Organisation; Gabriela Maria Straka, Leiterin Kommunikation / PR & CSR bei der Brau Union Österreich; Generaldirektor Brau Union Österreich Markus Liebl; Friedrich Hinterberger, Geschäftsführer des Nachhaltigkeitsinstituts SERI und Vorsitzender der Jury

Foto: Brau Union Österreich

Foto: Brau Union Österreich

Foto: Brau Union Österreich

Umweltpreis Energy Globe 2016: Brau Union Österreich ist Gesamtsieger Österreich Die glücklichen Gewinner der Brau Union Österreich: Gabriela Maria Straka, Leitung PR / Kommunikation & CSR; Generaldirektor Markus Liebl; Viktor Gillhofer, Geschäftsführer Lebensmittelhandel (v.l.n.r.)

Grüne Brauerei Göss: Das beste Bier der Österreicher wird zu 100 Prozent CO2-neutral gebraut. www.brauunion.at

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FAIR

Utopien zur Rettung der Welt Um den Klimawandel noch in den Griff zu bekommen, braucht es eine Revolution und eine Veränderung der Gesellschaft. Zeit, darüber nachzudenken Appell: B e n e d i k t Nar o d o s l aw s k y

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eginnen wir mit einer Dystopie, also einer Horrorvision der Zukunft. Die Temperatur ist angestiegen, auf der ganzen Welt haben Dürren Felder ausgetrocknet und Lebensmittel verknappt. Die Trinkwasserressourcen gehen zur Neige, in Entwicklungsländern verdursten und verhungern Millionen von Menschen. Indien hat China den Krieg erklärt, weil China den Fluss Yarlung Tsangpo in den trockenen Norden des Landes umgeleitet hat und kein Wasser mehr in den fruchtbaren Osten Indiens fließt. Damit bekämpfen sich die zwei bevölkerungsreichsten Länder, in denen insgesamt 2,6 Milliarden Menschen leben. Es ist der größte aller Konflikte, die auf der Welt im Kampf um lebenswichtige Ressourcen toben. In Europa raffen inzwischen Hitzewellen jährlich hunderttausende Kranke und Alte dahin – die Hitzeperiode von 2003 in Frankreich, die 15.000 Franzosen nicht überlebten, war nur ein leiser Vorgeschmack. Und immer mehr Klimaflüchtlinge nehmen Kurs auf die Festung Europa, weil ganze Landstriche verwüsten – alleine die Sahara breitet sich in rasantem Tempo aus. Diesmal kommen nicht Hunderttausende, sondern Millionen. Diese Horrorvision wird von Wissenschaftlern als wahrscheinliches Zukunftsszenario diskutiert, sollte die Menschheit den Klimawandel nicht in den Griff bekommen. Die Elite weiß längst, was der Erde dräut. Das Weltwirtschaftsforum, das im Schweizer Davos Intellektuelle und Entscheidungsträger aus den Bereichen Ökonomie, Politik und Medien zusammenbringt, erstellte den „Global Risk Report“ für das Jahr 2016. In einer großen Umfrage nannten 750 Entscheidungsträger aus aller Welt die drei größten Gefahren für die nächsten zehn Jahre. Erstens: Wasserkrisen. Zweitens: das Scheitern im Kampf gegen den Klimawandel. Drittens: extreme Wetterereignisse. Alle drei Gefahren sind unmittelbar mit dem Klimawandel verbunden. Wie kommen wir da wieder raus? Diese Frage

beschäftigt den Physiker und Autor Johannes Schmidl seit Jahren. Seit den 1990erJahren befasst er sich mit dem Schlüsselthema Energie. Für die österreichische Ent-

Illustr ation: Bianc a Tschaikner

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Foto: Privat

F a i r    wicklungshilfe erstellte er etwa Konzepte für den Bau energieeffizienter Öfen in Bhutan. Während seiner Väterkarenz dachte er über das Thema nach. „Die kleine Zutzlerei reicht nicht, es bräuchte einen großen Wurf “, sagt Schmidl, „so bin ich auf die großen Entwürfe gekommen. Wir brauchen mehr als eine technische Lösung, nämlich ein mentales, soziales, gesellschaftspolitisches Umdenken.“ Mittlerweile hat Schmidl zwei Bücher zum Thema Utopien verfasst, in denen der Klimawandel eine zentrale Rolle einnimmt, und greift dabei das richtungsweisende Buch „Utopia“ auf. Das Werk des englischen Staatsmanns Thomas Morus erschien vor genau 500 Jahren. Die Welt, die Morus zeichnete, ist rückblickend betrachtet eine furchteinflößende, die an die graue Zeit des Kommunismus erinnert: Der Staat regelt den Tagesablauf der Bewohner auf der Insel namens Utopia bis ins kleinste Detail. Sie tragen die gleiche Kleidung, wohnen in gleich gestalteten Häusern und müssen auf Luxus verzichten. Anfang des 16. Jahrhundert war Morus’ Vorstellung allerdings ein glückverheißender Gesellschaftsentwurf: Jeder lebt in Frieden, hat genug zu essen, ein Dach über dem Kopf und braucht nicht mehr von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu schuften, sondern nur noch den halben Tag, weil der Staat die Ressourcen gerecht verteilt, es keinen Luxus mehr gibt und auch der Adel zur Arbeit verdonnert wird. Die großen Ungerechtigkeiten der damaligen Zeit wurden auf der Insel Utopia ge-

löst. Morus’ Werk gab der Gattung der Utopien ihren Namen, in den folgenden Jahrhunderten machten sich Denker immer wieder daran, die Gesellschaft neu zu denken, und zeigten damit Alternativen auf. „Neue Utopien sind notwendig, auch wenn sie

gefährlich sind“, sagt Schmidl und erinnert an gescheiterte alternative Gesellschaftsentwürfe wie den Kommunismus. „Die heutige Notwendigkeit kommt aus den Scherereien, die wir uns selbst eingebrockt haben. An erster Stelle stehen der Klimawandel und Physiker und Autor Johannes Schmidl baut auf die Erzählung: „Wir müssen uns überlegen, welche Geschichte die Leute im Westen zu einem Wandel motiviert.“

der damit nötig werdende Umbau des Energiesystems, damit kein Kohlenstoff mehr in die Atmosphäre emittiert wird.“ CO2 ist der Hauptgrund für den Klimawandel. Helga Kromp-Kolb, die das Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Universität für Bodenkultur in Wien leitet, stellt folgende Rechnung auf: Rund 1000 Gigatonnen CO2 darf die Welt noch verbrauchen, bevor die Folgen unumkehrbar werden. Legt man das auf Österreich um, bedeutet das: Uns steht noch etwa ein Promille dessen zu. Gemessen am aktuellen Jahresverbrauch von 75 Millionen Tonnen CO2 dürfte Österreich noch 14 Jahre

Mehr

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so weitermachen wie bisher. Danach dürfte das Land keine Tonne CO2 mehr emittieren. Das ganze System müsste auf erneuerbare Energien umgestellt sein. Also alle Kohle-, Öl- und Gasheizungen, jeder Benziner und jeder Diesel müssten verschwunden sein. Fragt sich nur: Wie schafft man es, diesen gro-

ßen Wandel einzuläuten, der nötig ist, aber vielen wahlberechtigten Bürgern nicht gefallen wird? „Alle Utopien erzählen eine Geschichte“, sagt Schmidl. Morus, der Erfinder der Insel Utopia, hätte auch eine trockene alternative Staatsverfassung schreiben können. Die große Wirkung auf die Leser seines Buches hat er allerdings mit seiner Erzählung geschafft. Sie kann Menschen bewegen. Der Beweis: Heute machen sich tausende Menschen Richtung Europa auf, weil sie es sich als ihr Utopia vorstellen. Sie riskieren dafür sogar ihr Leben. „Wir müssen uns überlegen, welche Geschichte die Leute im Westen, die in einer übersättigten Gesellschaft leben, zu einem Wandel motiviert, “, sagt Schmidl. Derzeit könne sie nicht mit steigender Lebensqualität punkten, da sich diese kaum noch steigern lasse. „Die derzeitige Erzählung vom Klimawandel ist so schwierig, weil sie nur mit einer Zukunftsangst operiert, die noch dazu sehr abstrakt ist“, sagt Johannes Schmidl, „Wir müssen deshalb schauen, dass die Energiewende zur positiven Erzählung wird. Europa muss eine glückende Utopie sein, weil sie die Abkehr von Öl, Kohle und Gas geschafft hat.“ F

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Faire tausend Prozent Rendite Das ist keine Illusion, sondern Realität. Hier werden zwei Betriebe beschrieben, die sich fair rentieren

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er in Zeiten von Niedrig- und Negativzinsen die Kaufkraft seines Ersparten erhalten will, kommt mit einem einlagengesicherten Sparbuch kaum weiter, sondern sieht sich nach Unternehmensbeteiligungen um, etwa in Form von Aktien. Diese Investments haben zwar höhere Risiken, sind aber auf längere Sicht oft viel ertragreicher als alle Zinsanlagen. Und es gibt auch eine Reihe von Öko-Aktien, die neben jährlichen Dividenden in den letzten Jahren sehr hohe Kurszuwächse – bis zu 1000 Prozent! – verzeichnen konnten, wie der Schweizer Sanitärkonzern Geberit und die deutsche Umweltbank.

Max Deml Chefredakteur des 14-täglich erscheinenden Börsenbriefs Öko-Invest und Autor des Handbuchs „Grünes Geld“. Er hat u.a. die Alternative Bank Das Unternehmen Geberit AG mit inzwi- Schweiz AG und den schen weltweit über 12.000 Beschäftigten Öko-Investmentklub ist schon lange auch international bekannt, Austria mitgegründet. vor allem durch seine WC-Spülkästen, die Tritt seit 2009 – zweierlei Tasten für große und kleine Ge- zusammen mit dem schäfte bieten. Allein durch diese Innova- Wiener Liedermacher tion werden jährlich viele Millionen Liter Georg Bauernfeind – Trinkwasser eingespart. Der Aktienkurs als Hobby-Kabarettist kennt seit vielen Jahren nur eine Richtung: mit dem Programm nach oben. Denn die Umsätze und Erträge „Grünes Geld“ auf, sind – auch durch Aufkäufe kleinerer Un- demnächst in Mistelternehmen – weltweit weiter im Steigen, bach (28.10., 19.30 manchmal jährlich sogar mehr als zehn Pro- Uhr, im Pfarrsaal) und zent. Im ersten Halbjahr 2016 wuchs der Innsbruck (18.11., Umsatz des Konzerns (www.geberit.com) 20 Uhr, im Treibhaus)

um 13 Prozent auf rund 1,5 Mrd. Franken, der Reingewinn sogar um fast 24 Prozent

auf über 333 Millionen Franken. Als Dividende für 2015 wurden in Summe mehr als 309 Millionen Franken an die Aktionäre ausbezahlt. Eine Aktie kostet derzeit rund 420 Franken, man kann sie aber auch – mit weniger Gebühren – in Euro über deutsche Börsen kaufen. Seit dem Jahr 2013, seit dem die Geberit-Aktie (als Ersatz für die Jenbacher-Aktie) zu den 25 „Öko-Aktien“ des Natur-Aktien-Index „nx-25“ zählt, hat sich der Kurs rund verzehnfacht. Nachdem auch der Frankenkurs seither stark gestiegen ist, konnte man mit der Geberit-Aktie – in Euro gerechnet – weit über 1000 Prozent Kursgewinn erzielen, zusätzlich zu den jährlichen Dividenden. Ähnlich gut gelaufen ist es bei der erst seit zehn Jahren börsennotierten deutschen UmweltBank AG. Die 1997 in Nürnberg gestartete Bank (www.

umweltbank.de) ist EU-weit nach wie vor die einzige, die für alle ihre Sparprodukte eine „Umweltgarantie“ abgibt. Sie verspricht also, dass die Einlagen auf der Kreditseite – mit insgesamt rund drei Mrd. Euro Volumen – für umweltfreundliche Zwecke eingesetzt werden. Die über 15.000 Projekte beinhalten beispielsweise Solardachanlagen, Windund Wasserkraftanlagen, umweltfreundliche Bauten oder ökologische Landwirtschaft. Gründer und langjähriger Chef (bis 2015)

war Horst P. Popp. Er war vorher Vorstand bei der Frankfurter Ökobank, die später, nach Kreditausfällen, von der GLS Bank – ebenfalls einer nachhaltig orientierten Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum – übernommen worden ist. Die Umweltbank hat inzwischen über 9000 Aktionäre, über 130 Beschäftigte und einen Umweltrat, der über die Angebote und die ökologischen Aspekte des Bankbetriebs selbst wacht. Das Geld für den Aufbau der Bank wurde vor allem bei privaten Aktionären eingesammelt. Anfangs (1995/96) kostete eine Aktie 5,11 Euro, im Jahr 2006 kam sie zum Kurs von 7,50 Euro an die Börse, wo sie heute bei rund 80 Euro steht. Wie bei Geberit ist der UmweltBankAktienkurs inzwischen um mehr als 1000 Prozent gestiegen, zusätzlich zur jährlichen Dividende, die in den letzten sechs Jahren von 0,72 Euro auf 1,30 Euro pro Aktie erhöht worden ist. Im ersten Halbjahr 2016 konnte die Bank trotz der Niedrigzinsphase das Zins- und Provisionsergebnis mit gut 30 Millionen Euro stabil halten, der Reingewinn ging leicht auf rund 16 Millionen Euro bzw. 2,84 Euro pro Aktie zurück. Über die neue Tochtergesellschaft UPG UmweltProjekt Beteiligungen AG sollen künftig „ökologische und sozialverträgliche Beteiligungen im Eigenbestand deutlich“ ausgeweitet werden, teilweise über „grüne Projektanleihen“. F

Foto: Michael Rausch-Schott

Z w i s c h e nbi l anz : M a x D e m l


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Investmentklub: Investieren und über faires Investment diskutieren ::  Wer (noch) kein Wertpapierdepot hat oder das Risiko beim Kauf

einzelner Aktien scheut, kann sich einem 1990 in Wien gegründeten ökologisch orientierten Investmentklub anschließen, bei dem die Anteile der Mitglieder gemeinsam veranlagt werden. Aktuell hält der Klub Aktien von rund zwei Dutzend ÖkoUnternehmen, darunter Geberit, UmweltBank oder die dänische Windaktie Vestas, die seit dem Kauf 2013 um 1200 Prozent gestiegen ist. Diskutiert und disponiert wird nur einmal im Monat: jeden ersten Dienstag ab 18.30 Uhr in Antuns Bio Bar am Wiener Judenplatz. Der Klubabend ist öffentlich, Voranmeldung bei Wolfgang Bauer (0699/13 07 01 28) aber erwünscht. F

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Wohin fahren In zehn Jahren werden wir in Elektroautos sitzen, die sich selbst steuern und von Solarzellen am Dach gespeist werden. Weil Elon Musk es gesagt hat

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So wird der Tesla 3 aussehen – das s war der Sommer der großen Hit- vielleicht erste ze, in dem sich der US-amerikani- Massen-Elektro­ sche Milliardär Elon Musk an sei- auto der Welt

nen Rechner setzte, um einen Text zu verfassen, den er stolz „Masterplan“ nannte. Auf bis zu 46 Grad Celsius erhitzte sich die kalifornische Luft im Juli 2006. Alleine im „Golden State“ starben 163 Menschen und 25.000 Rinder an den unmäßigen Temperaturen. Selten war es in Kalifornien so heiß gewesen. Die von vielen in den Staaten verharmloste oder belächelte Erderwärmung erwischte das Land mit voller Breitseite. Da setzte er sich also hin und schrieb seine tollkühnen Pläne auf. Vor ein paar Jahren war Musk mit dem Verkauf der Bezahl-Software Paypal an Ebay so richtig steinreich geworden. Danach galt er als Weltallnarr, der mit seiner Idee, private Raketenreisen anzubieten, die Nasa ärgern wollte. Vier Monate zuvor war seine Rake-

Elon Musk verliert mit Tesla zurzeit drei Millionen Dollar pro Tag. Der Glaube ist stärker

te Falcon 1 direkt nach dem Start auf den Marshallinseln explodiert. Es war schon besser gelaufen für ihn. „Mein Hauptjob ist die Leitung eines Raumfahrtunternehmens namens SpaceX“, schrieb Musk schließlich in seinen Masterplan, „aber nebenbei bin ich auch noch Präsident von Tesla Motors.“ Mit dieser Firma habe er vor, Elektromobilität im Straßenverkehr massentauglich zu machen und mitzuhelfen, die Erde überlebensfähig zu halten. Wie er das machen wollte, fasste er am Ende des Plans knackig zusammen: 1. einen elektrischen Sportwagen bauen, 2. mit dem verdienten Geld ein leistbares Auto bauen, 3. mit dem verdienten Geld ein noch leistbareres Auto bauen, 4. die Erzeugung von Solarstrom vorantreiben. Der Hype blieb bescheiden. Der SiliconValley-Adel bestellte zwar fleißig den Sportwagen Tesla Roadster, Leute wie George Clooney auch. Der zweisitzige Sport-Stro-

mer kostete 109.000 Dollar aufwärts und ging in vier Sekunden von null auf 100. Doch die meisten hielten Musk immer noch für einen Quacksalber. Viel mehr als ein Spleen der Millionäre konnte aus seinem Tesla nicht werden. Zu unpraktisch seien die Autos für die Mehrheit, und die Öllobby bleibe ohnehin viel zu mächtig. Die Autobauerbranche war ob seiner Versprechungen verwundert, aber nicht gerade aufgewühlt. Zehn Jahre ist das jetzt her. Inzwischen hat

Elon Musk alle diese Pläne umgesetzt. Der Sportwagen Roadster wischte einige der Vorurteile über Elektroautos als fade, langsame Jute-Autos weg. Die folgenden Tesla X (SUV) und S (Mittelklasse-Limousine, „Sedan“, wie der Amerikaner sagt) folgten 2012 und gehören inzwischen wenigstens als Taxi zum Stadtbild jeder entwickelten Großstadt in Europa und den USA. Der Tesla 3, der letzte und wichtigste Teil sei-

Fotos: tesla.com, flickr/Michelle Andonian/the henry ford

R eiser o u te : L u k a s M a tzi n ger


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wir? Oben: Das Solarauto Stella Lux kommt an schönen Tagen 1000 Kilometer weit. Links: der selbstfahrende Postbus in Sitten in der Schweiz

Unten: Der E-Truck von Daimler sieht aus wie ein Stinker, fährt aber mit Strom; für den Stadtverkehr wird’s reichen

nes Masterplans, wurde heuer vorgestellt und soll mit einem Basispreis von 31.000 Euro Stromautos endgültig massenfähig machen. Nach einer Woche waren 325.000 Vorbestellungen eingelangt. Auch wenn das mit dem Ausliefern der Autos nie so gut läuft wie versprochen und ihm bei den enormen Investitionen zurzeit jeder Quartalsbericht das Genick brechen könnte: Der Mann, den im heißen Sommer 2006 kaum jemand ernst nahm, hat geschafft, dass man ihm Dinge zutraut. Weshalb die mediale Öffentlichkeit wesentlich aufmerksamer war, als Elon Musk im vergangenen Sommer wieder daranging, seine Pläne aufzuschreiben. „Masterplan, Part Deux“ hat er den unbebilderten Artikel genannt, der am 20. Juli 2016 auf dem Firmenblog erschien und mit dem er die nächsten Ziele von Tesla Motors erklärt. Bis hier war’s „gar nicht so kompliziert“, schreibt Musk in der Einleitung und schließt wieder mit der Zusammenfassung der vier nächsten Schritte: 1. Solardächer bauen, die die Akkus der Autos füttern, 2. Stromer für alle Fahrzeugvarianten anbieten, 3. einen Autopiloten entwickeln, der zehnmal sicherer fährt als Menschen, 4. das eigene Auto Geld verdienen lassen, wenn es nicht gebraucht wird.

Fotos: sol arteameindhoven.nl , postauto.ch, Daimler AG

Musk will mit einem kompakten SUV und ei-

nem Pick-up auch den stolzesten amerikanischen Verbrenner-Kapitän ansprechen und schon nächstes Jahr einen elektrischen Lastwagen und einen Stadtbus präsentieren. Am Autopiloten hält er trotz Kritik und des tödlichen Unfalls eines pilotierten Tesla auf einer Highwaykreuzung fest. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis das selbstfahrende Auto zum Standard der individuellen Fortbewegung würde, glaubt er. Und mit dem letzten Punkt seines Plans will er schließlich jeden Pkw-Besitzer zum Teilzeit-Autovermieter machen. Um jeden Wagen auszulasten. Die von Musk formulierten Ideen sind weder neu, noch ist Tesla das einzige Unternehmen, das an diesen Dingen arbeitet. Am ehesten fasst das Postulat zusammen, wohin sich die Mobilität in den nächsFortsetzung nächste Seite


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Fortsetzung von Seite 21

ten zehn Jahren mit Musks Mitarbeit verändern wird. Elektrobusse sind in vielen Großstädten, auch in Wien, keine Neuheit mehr. Carsharing, also das gemeinschaftliche Nutzen von Autos, ist von der Marotte hippiesker Teil-Klubs zu einem profitablen und schnell wachsenden Geschäft geworden. Und weiter?

Schritt 1: Solarautos Selbst das mit den Solarautos ist eine Idee von vorgestern. Schon vor einem Jahr haben Studenten der TU Eindhoven ein Familienauto mit einer riesigen Solarfläche am Dach präsentiert, das übers ganze Jahr gesehen mehr Strom erzeugen kann, als es verbraucht. An schönen Tagen kann man damit bis zu 1000 Kilometer am Stück fahren – allerdings nur unter 125 km/h. Obwohl vier Menschen darin Platz haben, fällt es schwer, das Forschungsprojekt „Stella Lux“ als vollwertiges Kraftfahrzeug zu bezeichnen. Es sieht scheiße aus und bei Unfällen verhält es sich wohl fatal, weil es fast nur aus Leichtbaumaterialien besteht. Doch die niederländische Vision eines Perpetuum mobile hat schon einige Antworten auf die Fragen gefunden, die sich Autobauer in naher Zukunft stellen werden müssen. Zum Beispiel bauten die jungen Forscher ein spezielles Energiemanagementsystem, das die aktuellen Wetterdaten sammelt und entlang der lichtesten Route navigiert – der Sonne entgegen. Und wenn der Smartphone-Kalender für die nächsten Tage eine längere Fahrt anzeigt, lädt der Wagen die Akkus vorsorglich voll.

Schritt 2: Stromer aller Klassen Der Inbegriff CO2-gewordenen Übermuts bleibt der schwere, große Lastkraftwagen, der die Autobahnen der ganzen Welt zu verstopfen vermag. Regierungen und Milliardenunternehmen versuchen seit Jahren, möglichst viele ihrer Wege von der rechten Autobahnspur auf andere Verkehrsmittel zu lenken. Daran, dass Elektrolaster dabei irgendwann eine wesentliche Rolle spielen könnten, glaubte lange keiner. Zu schwer

sei die Ladung, zu schwach die Akkus. Ganz so ist das nicht. Vor gut einem Monat stellte der Daimler-Konzern seinen ersten vollelektrischen Lkw vor. Der 26-Tonner ist zwar nichts für die Fernstrecken, mit einer Reichweite von 200 Kilometern pro Ladung reicht es für den Großteil des Verteilerverkehrs aber allemal. Die bösen Stinker müssten die Ware dann nur mehr bis an den Stadtrand bringen. Den Rest erledigt der „Urban E-Truck“, der die Supermärkte und Fabriken in der Stadt beliefert. Auch viele österreichische Forschungseinrichtungen und Zulieferer arbeiten an Teilen, die diese Automatisierung vorantreiben. „Technologisch spielen wir in manchen Bereichen ganz vorne mit“, sagt Martin Russ, der Geschäftsführer von Austria Tech, „nur in der Umsetzung könnten wir noch besser sein.“ Die Agentur, die Russ leitet, erarbeitet für das Verkehrsministerium Trends und Fragestellungen zur Zukunft der Mobilität. Die Vorraussetzungen für elektrischen Verkehr in Österreich seien gut, aber ausbaufähig, sagt er. Letztlich wird es einfach mehr Anreize zum Kauf und mehr Ladestationen und Servicestellen zum Betrieb von Stromern brauchen. Die Politik müsse sich dieser Herausforderung stellen.

Schritt 3: Der massenfähige Autopilot Jede Woche von Dienstag bis Sonntag fährt ein selbstfahrender, elektrischer Shuttlebus durch die Innenstadt von Sitten in der Schweiz. Eine eineinhalb Kilometer lange Rundstrecke umfasst der Fahrplan, 20 km/h sind laut der Sondergenehmigung erlaubt, die für den Testbetrieb erteilt wurde. Zehn Gäste haben Platz. Noch ist ein Fahrer dabei, der im Notfall die Stopptaste drückt. Gebaut wurde der kleine Postbus von der französischen Firma Navya, die die fahrerlosen Elektrobusse salonfähig machen will. Mit ihnen sollen Fußgängerzonen oder Firmengelände, die bisher vom öffentlichen Verkehr ausgeschlossen waren, bedient werden. Auch Berlin will ab 2017 einen autonomen Elektro-Kleinbus namens „Olli“

Der TEB ist ein Prototyp aus China. Er soll über Staus hinweg­ fahren können

in ihr Öffi-Netz speisen. Das US-Start-up Local Motors baut die kleinen Baukastenautos direkt vor Ort – ein Fünftel der Teile kommt aus dem 3-D-Drucker. Warum wir in der Wiener City nicht so bald mit selbstfahrenden Shuttles rechnen können, erklärt Martin Russ von Austria Tech pragmatisch: „Ich weiß nicht, wie viel man bei solchen Testläufen wirklich lernt“, sagt er. Es sei schön zu sehen, dass das auf Teststrecken funktioniert, aber „viel wichtiger ist die Frage, wie sich das in das gesamte Verkehrssystem integrieren lässt“. Und außerdem müsse man darauf achten, die Wertschöpfung in Österreich zu behalten und nicht Systeme ausländischer Unternehmen zuzukaufen, bloß um sie zu haben. Das große Versprechen und der bislang größte Mangel jedes Autopiloten sind die Sicherheit. Sie allein wird letztlich darüber entscheiden, ob sich autonomes Fahren jemals durchsetzen wird können oder nicht. Es ist nicht leicht, einer Maschine beizubringen, wie sie in einer komplexen Gefahrensituation reagieren muss. Bei dieser Entwicklung sind nicht nur Informatiker und Ingenieure, sondern auch Ethiker gefragt. Die amerikanische Eliteuniversität MIT versucht zurzeit, mit ihrer „Moral Machine“ (moralmachine.mit.edu) herauszufinden, wie sich Fahrzeuge vor unvermeidbaren Unfällen verhalten sollen. Jeder User kann dem virtuellen Auto raten, ob es zum Beispiel besser fünf Menschen überfährt, die bei Rot über die Ampel gehen, oder zwei Menschen überfährt, die bei Grün über die Ampel gehen. Diese Entscheidungen werden verarbeitet und sollen helfen, den Maschinen Ethik beizubringen.

Schritt 4: Teile dein Auto

Martin Russ soll dem Verkehrs­ ministerium mit seiner Agentur in die Zukunft helfen

Am Land mag sich das umgekehrt verhalten, doch in jeder größeren Kommune gilt: Sinkt die Zahl der Autos, steigt die Lebensqualität. Um die Auslastung der Fahrzeuge zu verbessern, wurde in den vergangenen Jahren die gemeinsame Nutzung von Autos in Österreich wieder äußerst beliebt. Man teilt, für die Dekarbonisierung der Welt. Allein in Wien sind mehr als 100.000 Menschen zur Bewältigung kurzer Stadtstrecken bei irgendeinem der vielen Carsharing-Dienste angemeldet. Neben Dutzenden privaten Initiativen und Portalen, bei denen Privatpersonen ihre unbenützten Autos zur Verfügung stellen, mischen auch die großen Konzerne mit. Car2Go von Daimler oder DriveNow von BMW bieten in Wien spontane Leihwagenflotten. Die gemieteten Fahrzeuge können im ganzen Stadtgebiet aufgelesen und abgestellt werden und sind ab dann für den nächsten Mieter einstiegsbereit. Was hingegen Tesla-Chef Elon Musk in seinem Masterplan vorschwebt, kann als radikal flexible und automatische Form des Carsharings verstanden werden. Brauche ich mein Auto nicht, kann ich es per App freigeben und es anderen Nutzern überlassen. Die zahlen mir einen Kilometer- oder Stundensatz und stellen es in der vereinbarten Zeit wieder ab. Und egal, wo der, dem ich mein Auto lieh, hinwollte: Wenn selbstfahrende Autos erst einmal ausgereift und zugelassen sind, kann mein Wagen jederzeit ganz von selbst mir zurückfahren. F

F o t o : T E B , A u s t r i a Te c h

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Biobier

is ned deppert

Slow Beer. So nennt der Salzburger Brauer Reinhold Barta sein Bier zwar nicht, aber er lässt sich beim Brauen wesentlich mehr Zeit als andere

Foto: Brauhaus Gusswerk gmbh

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m Grunde ist es einfach: Wenn Hopfen und Malz für ein Bier ausschließlich aus kontrolliert biologischem Anbau stammen, darf eine Brauerei dieses als Biobier etikettieren. Das besagt die EU-Bioverordnung, die als Basis für alle europäischen Brauer so etwas wie den kleinsten gemeinsamen Bionenner darstellt. Ausgeklammert sind Hefe und Wasser. Letzteres wird in der Regel beim Brauen aufbereitet und die Hefe muss lediglich gentechnikfrei sein. Etwas härter sind die österreichischen Richtlinien: Auch sie beschränken sich auf Malz und Hopfen, in der Landwirtschaft gelten jedoch strengere Auflagen als in der EU-Verordnung. Die höchste Stufe, die Biobier erreichen kann, ist eine Demeter-Zertifizierung. Hier wird der Bio- und Nachhaltigkeitsgedanke sehr ernst genommen. Die Bauern, die

Immer mehr Biobiere finden sich auf dem Markt. Was braucht ein Bier, damit es bio ist? Erklärung: S eb a s t i a n F a s t h u ber

das Getreide für das Bier liefern, müssen etwa am Hof Kreislaufwirtschaft praktizieren und mindestens ein paar Tiere halten. Weiters sind in der Produktion sonst übliche Schnellgärverfahren oder Filterhilfsmittel untersagt. Und bei Demeter muss auch die Hefe aus einem Biobier kommen, und jegliche Wasseraufbereitung ist verboten. Spätestens an diesem Punkt steigen die meis-

ten Bierfreaks und Hobbybrauer aus, denn sie mögen ihr Wasser möglichst weich. Das muss es aber nicht sein, sagt der in Salzburg wirkende Braumeister und Unternehmer Reinhold Barta. „Wir haben ein relativ hartes Wasser. Viele Brauer lehnen das ab und sagen, damit kann man kein ordentliches Bier brauen. Aber für dunkleres Bier ist es sogar eher besser. Deshalb bereite ich es nicht auf.“

Bartas Biobrauerei Gusswerk, beheimatet in Hof bei Salzburg, ist eine von zwei Demeter-zertifizierten Brauereien weltweit (die zweite ist die Brauerei Pinkus Müller in Münster). Die zahlreichen Auflagen, die er dafür erfüllen muss, empfindet Barta nicht als Hürden. Er erlegt sie sich sogar gern auf: „Es kommt drauf an, wie man Bier braut. Bei großen Brauereien geht es um jeden Cent im Produktionsprozess und die müssen auch entsprechend schnell produzieren. Ich lasse meinem Bier lieber Zeit.“ Ist bio besser als konventionell? Ja, aber nicht immer, meint Barta. „Wenn ich beim Diskonter eine Biosemmel kaufe, kann ich mir schon sicher sein, dass die Kennzeichnung stimmt. Nur kann ich mir auch relativ sicher sein, dass die Zutaten von einem Fortsetzung nächste Seite


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FAIR

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Unser Getreide kommt nicht aus der Ukraine, auch wenn das billiger wäre, sondern von drei Bauern aus der Nähe ZITAT REINHARD BARTA

Blick in Reinhold Bartas Reich, die hochdekorierte Salzburger Biobrauerei Gusswerk

Massenfeld aus der Ukraine stammen. Verarbeitet werden sie dann vielleicht in Polen. Danach werden sie zu uns gebracht und aufgebacken. So kann man einen unschlagbaren Preis erzielen. Dafür ist aber der CO2Fingerprint unter aller Sau.“ Wirklich zielführend ist Bio, wenn sowohl die Produktqualität als auch die Produktionsqualität hochgehalten wird. Über die Güte von Reinhold Bartas Bier muss man nicht viel sagen. Er zählt zu den höchstdekorierten heimischen Brauern und hat auch international große Erfolge gefeiert. Bei Wettbewerben wie der European Beer Challenge, den englischen International Brewing Awards oder dem Dublin Craft Beer Cup räumt er regelmäßig Medaillen und Prämierungen ab. Zuletzt gewann er beim Concours International de Lyon mit seinem Dies Irae (Barley Wine, ein außer-

gewöhnliches Starkbier) und Die Schwarze Kuh (Imperial Stout) Gold. Zur Produktionsqualität gehört für Barta

Medaillen und Prämierungen gab es für Bartas Bier von Lyon bis Dublin

zum Beispiel, dass er Strom aus Salzburger Kleinwasserkraft bezieht. 2013 hat er 50.000 Euro in Wärmerückgewinnung investiert. Als Fan von Sonnenstrom wird er nächstes Jahr auch noch eine Fotovoltaikanlage anschaffen, obwohl die sich ohne Förderungen eigentlich nicht mehr rechnet. Seine Philosophie zieht Barta bis ins letzte Detail durch. In Norddeutschland gäbe es günstige Kartonagen, er zahlt lieber etwas mehr und bezieht seine aus Linz: „Es ist schwachsinnig, wenn die Kartons tausend Kilometer unterwegs sind. Und ich unterstütze damit eine österreichische Firma.“ Womit wir beim Fair-Trade-Gedanken angelangt sind. Wer Biobier so weit denkt

wie Reinhold Barta, produziert letztlich auch faires Bier. Gusswerk arbeitet mit drei Bauern zusammen, zwei österreichischen und einem bayrischen („das ist nicht weiter weg als Wien und ich sehe da keine Ländergrenzen“). Jeder Bauer ist abwechselnd ein Jahr lang der Hauptbauer und jeder kann sich darauf verlassen, dass er im Herbst sein Geld bekommt. Die Bauern kriegen sogar mehr gezahlt als üblich, denn der sonst zwischengeschaltete Getreidehändler fällt weg. Auch beim Hopfen macht Barta keine Kompromisse. Er bezieht ihn vom einem Demeterhof unweit vom Bodensse. „Nächstes Jahr wird der Bauer sogar eine eigene Sorte für mich anpflanzen“, freut sich der Brauer. Barta produziert seit 16 Jahren Biobier und gilt als heimischer Pionier der Szene. Der erste österreichische Ökobrauer war er

FOTOS: BRAUHAUS GUSSWERK GMBH

Fortsetzung von Seite 23

Kontrolliert-biologisch, nachhaltig, langsam gebraut und fair: Biobiere Kärnten als Vorreiter: Hirter brachte sein naturbelassenes Biobier bereits 1998 auf den Markt. Ein kräft iges, untergäriges Bier

Nach einem uralten Rezept wird das Schremser Bio Roggen gebraut. Erinnert an ein dunkles Weizenbier und sättigt wie eine Jause

Das Biobier der Bierwerkstatt Weitra Bräu heißt Hadmar, riecht nach Röstmalzen, ist vollmundig im Antrunk, aber auch sehr süffig

Eine Stärke von Reinhold Barta sind dunkle Starkbiere. Gusswerks Die Schwarze Kuh ist ein süßes, leicht bitteres Imperial Stout


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indes nicht. In Winzendorf nahe der Hohen Wand macht Walter Sparber mit seinem Einmannbetrieb Emmerberg-Bräu schon seit 1988 Biobier. Allerdings produziert er so geringe Mengen, dass man schon großes Glück haben oder lang suchen muss, um sein Öko-Pils zu ergattern. Sparber hat seine gesamte Anlage selbst gebaut, das Rührwerk besteht aus einem riesigen, händisch bewegten Kochlöffel, der Gärbehälter ist aus Holz.

Ein italienisches Rezept. Passt trotzdem gut zu heimischem Biobier F oto : I rena R osc

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schen auch viele mittelständische Betriebe und große Brauereien einzelne Biobiere an. Vorgeprescht ist schon in den späten 1990ern, als vom Bioboom noch keine Rede war, die Kärntner Brauerei Hirter. 1998 brachte sie ihr Biobier auf den Markt, heute findet sich im Sortiment zusätzlich noch ein Biohanfbier. Neben den großen Brauereien Ottakringer (Gold Fassl Pur) und Stiegl (Paracelsus Zwickl) das sich mit dem Schloss Wildshut außerhalb Salzburg auch eine schöne BioSpielwiese und Vorzeige-Produktionsstätte leistet, ist inzwischen auch die im Besitz von Heineken befindliche Brau Union auf dem Biomarkt präsent und verkauft das Schladminger BioZwickl. Ob es hier wirklich um den Biogedanken geht oder man sich nur draufsetzt, weil Bio gerade in Mode ist, darf jeder Konsument für sich entscheiden. In jedem Fall glaubwürdig sind kleine und mittlere Betriebe wie die Mühlviertler Biobrauerei Neufeldner, die wie Gusswerk ebenfalls ausschließlich Biobier braut, Schremser mit seinem intensiven Bio Roggen oder Weitra Bräu mit dem bernsteinfarbenen Hadmar. Es geht voran, doch sehr groß ist der Markt für Biobier in Österreich heute noch nicht. Barta produziert mit Gusswerk rund 0,5 Promille des österreichischen Biers und schätzt, dass gegenwärtig etwa ein Prozent des hierzulande verkauften Biers Biobier ist. „Das wird sich noch steigern. Mehr Konsumenten denken darüber nach, was sie trinken, und greifen gern auch mal zu etwas anderen Bieren. Aber wahrscheinlich ist auf mittlere Sicht bei zwei bis drei Prozent schon wieder der Plafond erreicht.“ Passt auch. Wer Bio ernst nimmt, dem geht es nicht um Wachstum um jeden Preis und Profitmaximierung. Derzeit produziert Reinhold Barta rund 4000 Hektoliter im Jahr, bis zu 7000 gibt sein Standort her. „Davon kann ich leben und eine Familie ernähren. Ich will nicht reich werden, sondern etwas schaffen, das den Menschen Freude bereitet.“ Und das sie mit gutem Gewissen trinken können. F

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Foto: Irena Rosc

Fernab solcher Bierromantik bieten inzwi-

KOCH

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Mach die Cracker lieber selber Bier geht fast nicht ohne. Hier steht, wie man sie ganz leicht selbst herstellt er Bier sagt, muss auch Cracker saW gen. Faires Bier gibt es, aber faire Cracker? Ich habe einige probiert, sie schme-

cken ungefähr so knackig wie Opas Socken. Andererseits möchte man auch nicht jene chemisch induzierte Knackigkeit, die Industriecracker auszeichnet, nach der man aber leicht süchtig wird. Dazu die gehärte- Zutaten ten Fette – man will gar nicht auf die Pa- für vier Personen ckung schauen. 90 ml Wasser (40–46 °C) Faire Cracker sind also selbstgemachte Cracker.

Bei denen kann man sicher sein, dass die Zutaten in Ordnung sind. In unserem Fall sind das gar nicht viele, umso wichtiger ist ihre Qualität. Der Vorteil der Variante, die ich Ihnen heute empfehle: Diese Cracker sind so vielseitig wie kaum andere, die ich kenne. Man kann sie für Dips verwenden, mit Aufstrichen versehen, sie gehen gut mit Rohschinken oder hauchdünn geschnittenem Roastbeef oder natürlich pur. Man kann sie auch nach eigenem Geschmack würzen, indem man einfach schwarzen Pfeffer, kleingehackten Rosmarin oder, für etwas schärfere Varianten, gehackte Peperoncini nimmt und in den Teig mischt. Man braucht nur ein Backrohr und eine italienische Nudelmaschine mit Handkurbel, wie sie in keinem Haushalt fehlen sollte.

5 g (1 ¼ TL) Trockenhefe 300 g Weizenmehl (Type 405), plus etwas mehr zum Bestäuben 5 g (1 TL) Meersalz 28 g (2 EL) natives Olivenöl 1 EL Geschmackszutaten

Katie Parla, Kristina Gill: Rom. Das Kochbuch. Südwest Verlag, 256 S., € 25,60

So gehen die Cracker: Warmes Wasser in eine Schüssel geben, Hefe daraufstreuen und zehn Minuten warten, bis die Hefe aufgelöst ist. Mehl und Salz auf die Arbeitsfläche sieben. Wenn gewünscht, Geschmackszutaten untermischen. Eine Vertiefung in die Mitte des Mehlhaufens drücken, Olivenöl und fünf Esslöffel Wasser in die Vertiefung geben, dann die Hefemischung hinzufügen. Alles mit den Händen zu einer Kugel verkneten. Dann den Teig auf der leicht bemehlten Arbeitsfläche einige Minuten kneten, bis er weich und glatt ist. Zu einer Kugel formen, eine mittelgroße Schüssel darüberstülpen und 30 Minuten ruhen lassen. Das Backrohr auf 200 °C vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen. Den Teig in acht Stücke teilen, mit der Nudelmaschine nacheinander bis auf Stufe 5 ausrollen (mit der dicksten Einstellung beginnen, immer feiner stellen). Mehrmals mit einer Gabel einstechen. Die Cracker etwa zehn Minuten backen, bis sie blasig sind. Sie können auch eine höhere Temperatur wäh-

len, dann geht es schneller, aber Sie müssen ein wachsames Auge auf die Entwicklung im Rohr haben. Sofort servieren oder in einem luftdicht verschließbaren Behälter aufbewahren. Macht Ihr Bier besser und AT fairer.

Fotos: Hersteller

können einfach mehr. Diese acht schmecken uns sehr Die Mühlviertler Weisse von Neufeldner ist eines der besten heimischen Weißbiere. Riecht ungemein fruchtig, schmeckt toll

Das Hofstettner Kübel aus dem Mühlviertel ist ein Zwickl, das unfiltriert direkt aus dem Lagertank in einen Kübel gezapft wird

Nicht im Handel, sondern nur in der Gastronomie erhältlich ist das Goldfassl Pur, das helle Biobier von Ottakringer

Stiegl hat mit Schloss Wildshut ein VorzeigeBiergut. Hier entsteht das duftende, mit Urgetreide gebraute Wildshuter Sortenspiel


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Pilgerstätten des guten Gewissens Faires Reisen boomt, ebenso die Zahl der Gütesiegel. Dabei wird Nachhaltigkeit sehr unterschiedlich interpretiert. Ein kleines Salzburger Reisebüro zeigt, dass Fairness nicht notgedrungen ein Zertifikat braucht C h ec k - I n : B irgi t W i t t s t o c k

I l l u s t r a t i o n : B i a nc a Tsc h a i k ner


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s ist ein unsichtbarer Graben, der sich durch die westliche Gesellschaft zieht: Auf der einen Seite stehen die Alternativen, die Hipster, Foodies, Veganer und Aktivistinnen, die selbstverständlich fair gehandelte Bio-Nahrungsmittel verkochen, sich in fair produzierte Kleidung hüllen und über faire Telefone plaudern. Auf der anderen stehen die, für die „Hauptsache billig“ gilt. Die beim Discounter Schnäppchen jagen, bei Textilkonzernen einkaufen, die ihre Arbeiter in Sweatshops ausbeuten und den Last-Minute-Flug ins All-inclusive-Urlauberghetto nehmen. Der Graben teilt also die, die sich mehr Gerechtigkeit leisten können und wollen, von jenen, für die sie unerschwinglicher Luxus ist oder die gar nicht genauer hinschauen wollen. Seit rund fünf Jahren hat eine Branche den bewussten Lebensstil zum Konzept erhoben, die einem vielleicht nicht unbedingt als Erstes einfiele, wenn man an Nachhaltigkeit denkt – an der man aber eigentlich nicht vorbeikommt, meint man es ernst: die Tourismusbranche. Das Geschäft mit dem guten Gewissen floriert, das lässt sich an der schnell und stetig wachsenden Zahl der Gütesiegel ablesen. Und wie in den Bereichen Bio-Nahrungsmittel und Bio-Kosmetik ist es für den Kunden auch hier schwer zu durchschauen, was die Zertifikate bescheinigen, und noch schwieriger nachzuvollziehen, welche ihrer Versprechen sie auch tatsächlich einhalten.

Im Kaffeegarten einer nicaraguanischen EZAKooperative

Fotos: Elke Holzmann, Hanna Bizjak

Barbara Breidenbach, GeschäftsUnter dem Stichwort Faires Reisen ist derzeit führerin von Loro Unterschiedlichstes zu finden: von Hotel- Trips, bietet eine betrieben, die saisonale Nahrungsmittel lo- Tour über fairen kaler Biobauern verarbeiten und Wert auf Handel an

ner gemeinnützigen Gesellschaft für Zertifizierung im Tourismus, wird seit 2009 an Tourismusunternehmen verliehen, die Nachhaltigkeitsaspekte in ihren Managementstrukturen und Zulieferketten nachweisbar verankert haben und diese laufend verbessern. Vertrauenswürdiges heimisches Siegel ist das Österreichische Umweltzeichen, das bei seiner Einführung 1996 weltweit das erste staatliche Ökolabel im Tourismus war und umweltfreundliche Reiseangebote auszeichnet. Wie relevant sind diese Gütesiegel aber tatsächlich? „Bis 2015 waren wir Mitglied beim CRS-zertifizierten Deutschen Reiseportal www.andersreisen.net. Dann sind wir ausgestiegen, denn es war teuer und erzeugte kaum Resonanz. Für unsere Kunden ist ohnehin schnell ersichtlich, was wir tun, denn wir sind ein kleiner Betrieb und wollen uns auch nicht ausweiten“, sagt Barbara Breidenbach, Geschäftsführerin des Salzburger Reiseveranstalters Loro Trips. Das Unternehmen hat sich ausschließlich auf Reisen nach Nicaragua spezialisiert und bietet ab November erstmals zum bisherigen Programm – Sprach-, Volunteer-, Solidaritäts- und Rundreisen – die Tour „Auf den Spuren des Fairen Handels“ zu nicaraguanischen Produzenten von Kaffee, Kakao, Honig, Sesam und Hängematten an, die Österreichs größte Importorganisation für fair gehandelte Produkte, EZA Fairer Handel, vertreibt.

Loro Trips ist kein herkömmliches Reisebüro, es ist – wenn man so will – die heimische Mutter des fairen Reisens; ein Unternehmen mit Geschichte, das letzten Endes auf Müllvermeidung und Energieeffizienz leder 30 Jahre währenden Städtepartnerschaft gen, über jene, die eine umweltfreundlizwischen Salzburg und der westnicaraguche An- und Abreisemöglichkeit anbieanischen Stadt León beruht: Es war in der Zeit nach der sandinistischen Revolution, ten, bis zu Veranstaltern, die die einheimidie Nicaraguaner hatten Ende der 1970ersche Bevölkerung vor Ort profitieren lassen Jahre den Diktator Anastasio Somoza Demöchten. Die meisten Gütesiegel beziehen sich auf ökologische Aspekte und bewerbayle gestürzt, und nun schüttelte der Krieg ten lediglich Unterkünfte. Wenige gelten der Contras gegen die linksgerichtete Regieweltweit, die meisten nur landesweit, vierung das bettelarme Land. In Europa entle beziehen sich ausschließlich auf eurostanden zahlreiche Solidaritätsbewegungen, päische Destinationen und wieder andere die einen Beitrag zum Aufbau eines neuen sind überhaupt bloß Marketingschmähs vinicaraguanischen Staates leisten wollten. fer Unternehmer. Unter jungen Linksalternativen gehörte es Vergeben werden die Zertifikate von undamals zum guten Ton, als Erntehelfer nach terschiedlichsten Stellen: NGOs, staatlichen Fair unterwegs Nicaragua zu fliegen. In dieser Zeit, im Juni Institutionen, Tourismusverbänden, Reise1984, beschlossen Salzburg und León die veranstaltern oder Verlagen. Gültigkeitsdau- www.umweltzeichen-reisen.at Städtepartnerschaft, die traditionelle Enter, Kriterien und Richtlinien legt dabei jeder www.fairunterwegs.org wicklungsprojekte unterstützte, bald aber selbst fest. Und auch in Sachen Überprü- www.destinet.eu auch den Tourismus als Wirtschaftszweig der Zukunft erkannte. fung kann ein Gütesiegel alles und nichts www.andersreisen.net 2010 stellte man das Tourismusprojekt bedeuten: Denn die Kontrolle kann von ei- www.gstcouncil.org nem auszufüllenden Onlinefragebogen, www.lorotrips.com auf sichere Beine und gründete, mit Unüber firmeninterne Evaluierung bis zum terstützung der Österreichischen Entwickangekündigten oder unabhängigen Prüfer lungszusammenarbeit (ADA), Loro Trips vor Ort so ziemlich alles beinhalten. mit je einem Büro in Salzburg und einem in León. Ziel war eine nachhaltige FörAls sichere Wegweiser können einem derzeit derung lokaler Kleinbetriebe. Am Anfang Empfehlungen des GSTC (Global Suslag der Schwerpunkt auf der Vermittlung tainable Tourism Council) und das CRSvon Sprachaufenthalten für Studenten in Siegel (Corporate Social Responsibiliörtlichen Schulen. Aufgrund der Nachfrage weitete man das Angebot bald auf ganz ty) von TourCert dienen. Bei GSTC hanNicaragua aus, bot Kochkurse mit indigedelt es sich um einen Rat internationaler nen Frauen, Workshops bei kommunalen Experten und Interessengruppen, die seit Radiosendern, Rundreisen, Uni-Exkursio2007 unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen entsprechende internationen und Volontariate in sozialen Projeknale Standards für ökologisch, ökonomisch ten an. und sozial verantwortlichen Tourismus entMit Anfang des Jahres hat sich das dreiwickeln. Das CRS-Siegel von TourCert, eiköpfige Loro-Trips-Team von der Städte-

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partnerschaft abgekoppelt, wird seither als privates Unternehmen geführt und ist von ADA-Fördergeldern losgelöst. „Den Gründerspirit mit den Schwerpunkten Nachhaltigkeit und Lokales wollen wir weiterhin erhalten“, sagt Breidenbach. Themen, mit denen sich derzeit auch Großveranstalter gerne schmücken. Im Gegensatz zu diesen arbeiten Breidenbach und ihr Team die Touren aber persönlich und vor Ort aus. Sie kennen Sprache, Land und Leute und haben bereits selbst monatelang in Nicaragua gelebt. Die neue Tour ist in Sachen sozialer Verant-

wortung doppelt fair: Zum einen profitieren örtliche Hotelbetreiber, Geschäfte, Lokale und Transportunternehmen von den Reisenden, die Loro Trips bringt. „Wir versuchen, unsere Kunden möglichst in nicaraguanischen Familienbetrieben unterzubringen und nicht in den Lodges europäischer Aussteiger“, sagt Breidenbach. Allerdings müsse man an dieser Stelle ehrlich sagen, dass dies nicht zu hundert Prozent möglich sei. „Die von Einheimischen geführten Pensionen entsprechen eben manchmal nicht den hiesigen Komfortstandards. Etwa, weil es kein warmes Wasser gibt.“ Zum anderen sollen sich die Reisenden selbst ein Bild machen, wie fair gehandelte Produkte entstehen und welche Rolle sie im Leben der Produzenten spielen. „Welchen Einfluss haben die zwei Euro, die uns Fairtradeprodukte mehr kosten? Geht es diesen Leuten dadurch wirklich besser? Was bedeuten die Mindestpreissicherung und die garantierte Abnahme der Ernte für die Bauern? Das sind Fragen, denen wir auf dieser Reise auf den Grund gehen wollen“, erklärt Breidenbach. Weil die neugierigen Westler auf Nicaraguaner mitunter schräg wirken, und man die Arbeiter und Arbeiterinnen nicht vorführen wolle, habe man genau darauf geachtet, welche Kooperativen tatsächlich die Möglichkeiten und auch Lust haben, Gäste zu empfangen. Den ökologischen Aspekt, meist Haupt-

kriterium für Gütesiegel, erfüllt die Loro-Trips-Tour nicht vollständig: Zwar betreiben die EZA-Kooperativen biologische Landwirtschaft und die Reisenden haben auch die Möglichkeit CO2-Ausgleichszahlungen für ihren Flug zu leisten, jedoch mache das kaum einer, sagt Barbara Breidenbach. „Das sind immerhin zusätzliche 400 Euro pro Ticket.“ Auch die Umweltfreundlichkeit der nicaraguanischen Unterkünfte sei noch nicht Gütesiegel-tauglich. „Zertifizierte Öko-Lodges sind dort noch kein Thema.“ Anders im Nachbarland Costa Rica, aber da zeigt die Zertifizierung wieder ihre Schwachstellen: „Die Prüfung vor der Vergabe des Gütesiegels ist genau und aufwendig, aber die weitere Einhaltung der Qualitätsstandards ist in der Praxis schwer zu kontrollieren.“ Probleme, wie man sie aus so ziemlich allen Bereichen kennt, die sich mit dem Etikett Bio schmücken, und die sich auch bei der Zertifizierung im nachhaltigen Tourismus auftun. Als fair Reisender kann man derzeit jedenfalls nicht alles haben – irgendwo zwischen ökologischer, ökonomischer und sozialer Verantwortung muss man Abstriche machen. F


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Klicken gegen Klimawandel der Ausgaben für Frischeprodukte entfallen in Österreich laut aktueller Studie der Agrarmarkt Austria Marketing GmbH auf Erzeugnisse aus biologischer Landwirtschaft; Tendenz steigend. Wer im täglichen Leben auf mehr Nachhaltigkeit achten will, dem helfen eine Vielzahl von Apps. Eine Auswahl: ::  Immerhin acht Prozent

barcoo UG Der Barcodescanner erlaubt verschiedenste Informationen über Produkte einzuholen — neben Preisvergleichen und Rabattangeboten findet man auch Infos über Nachhaltigkeit. Erhältlich für iOS, Android und Windows Phone, kostenlos.

buycott Buycott ist eine englischsprachige Plattform, auf der zahlreiche Kampagnen organisiert werden – etwa gegen Kinderarbeit, Tierversuche oder für klimafreundliche Produktion. Scannt man ein Produkt, erfährt man, ob der Hersteller von den verschiedenen Kampagnen empfohlen oder gemieden wird. Erhältlich für iOS und Android, kostenlos.

CO2-fit

Die deutsche Innovation zeichnet die CO2Bilanz der zurückgelegten Strecken der User auf. Wird CO2 eingespart, gibt es „Recoins“ als Belohnung. Diese können dann bei nicht vermeidbaren CO2-Emissionen eingetauscht werden. Einzelne User und Städte wetteifern gegeneinander. Erhältlich für iOS und Android, kostenlos.

Codecheck Auf der App kann man nach Lebensmitteln und Haushaltsprodukten sowie deren Inhaltsstoffen suchen oder den Barcode scannen. Es werden umwelt- und gesundheitsschädliche Inhalte angezeigt. Bei Bedarf warnt die App auch vor gluten- und laktosehältigen Elementen. Erhältlich für iOS und Android, kostenlos.

EcoGator Von der österreichischen Energieagentur entwickelt, fungiert EcoGator als Kaufberater bei Elektrogeräten. Mithilfe des Scanners kann der Energieverbrauch eines Gerätes kalkuliert werden. Indem man Energiespartipps befolgt, sammelt man Punkte und nimmt an Gewinnspielen teil. Erhältlich für iOS und Android, kostenlos.

Einkaufsratgeber Fisch, WWF Fischratgeber Sowohl WWF als auch Greenpeace bieten jeweils einen Ratgeber an, der den Konsum verschiedener Fischsorten je nach Grad der Überfischung empfiehlt – oder eben nicht. Erhältlich für iOS und Android, kostenlos.

Such Dich Grün Die App zeigt Bioläden und nachhaltige Betriebe in der Umgebung an und verfügt über einen Barcodescanner sowie Informationen über verschiedene Bio-Zertifizierungen und -Marken. Erhältlich für iOS und Android, kostenlos.

Die Ökoschläfer aufwecken Die wohl umfangreichste Nachhaltigkeits-App kommt aus Wien und wurde von einem Öko-Muffel entwickelt T est : A nna G o l den b e r g

I l l ust r ation : Bianca T S c h ai k ne r


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ie Polkappen schmelzen, der Meeresspiegel steigt, das Wetter wird immer extremer. Das haben wir alles schon gehört. Dass die durch den Menschen verursachte Erderwärmung eine ernsthafte Gefahr für unsere Zukunft darstellt, ist wissenschaftlicher und spätestens seit dem Klimaabkommen von Paris im Dezember 2015 auch politischer Konsens. Doch wer unternimmt etwas dagegen? Andreas Miedaner lange Zeit sicher nicht. Miedaner, 53, Gründer der Innenstadt-Designagentur Büro X, hat ein Auto, zwei Häuser, und sagt selbst, er sei nie ein „Öko“ gewesen. Auf Nachhaltigkeit, was bedeutet, dass beim Verbrauch nicht mehr Bäume gefällt werden als nachwachsen, habe er nur geachtet, „wenn es leicht ging“. Die Umwelt sei ihm dennoch stets am Herzen gelegen. Vor einigen Jahren benutzte er deshalb einen Online-Rechner, der den ökologischen Fußabdruck darstellt, also zeigt, wie viele Erden notwendig wären, hätte die gesamte Weltbevölkerung den gleichen Ressourcenverbrauch wie man selbst. Sein persönliches Ergebnis war ernüchternd: „Selbst wenn ich auf alles verzichte, brauche ich noch immer 1,4-mal die Erde. Und ich bin dann der einzige Trottel, der das macht.“

steht, die ein Baum pro Tag aus der Luft filtern kann. Wer vegan lebt, erhält etwa 92 „Treeds“ pro Tag. Extrapunkte bekommt man, wenn man Zug statt Flugzeug benutzt (995 „Treeds“ für die Strecke Wien–Berlin) oder duscht, statt ein Vollbad zu nehmen (immerhin vier „Treeds“). Ab Mitte September lassen sich die Treeds dann in echte Gutscheine umwandeln; zu Redaktionsschluss sind bereits ein kostenloser Kaffee in einem Restaurant und ein ÖBB-Upgrade für die erste Klasse verfügbar. Andere Goodies sollen folgen. Das Herzstück von Treeday ist eine interakti-

Andreas Miedaner suchte einen motivierenden Zugang zu fairerem Umgang mit Ressourcen

Ein anderer, motivierender Zugang müsse her.

Wie kann man den positiven Effekt eines nachhaltigen Lebensstils darstellen? Fünf Jahre, 15 Mitarbeiter und zwei Millionen Euro später (Freunde, Bekannte und er selbst investierten; dazu kamen Förderungen durch die österreichische Forschungsförderungsgemeinschaft) ist sein ehrgeiziges Projekt so gut wie fertig: Treeday ist eine Onlineplattform und Anwendung für Smartphones, App genannt, auf der man für nachhaltige Tätigkeiten mit „Treeds“ belohnt wird, umweltbewusste Unternehmen in der Umgebung finden und sich mit Gleichgesinnten vernetzen kann. Miedaner und sein Team sind keineswegs die Ersten, die das Thema Nachhaltigkeit für mobile Nutzer attraktiv machen. Neu ist, dass sie mehrere erfolgreiche Aspekte kombinieren und einen eigenen Nachhaltigkeitsindex für Unternehmen entwickelt haben. Da wäre zunächst der spielerische Zugang, im Tech-Sprech „Gamification“ genannt. Die User Punkte sammeln zu lassen, die sie dann für virtuelle oder reale Belohnungen eintauschen können, ist ein alter Schmäh, der auf vielen Plattformen zieht. Auch im Bereich der Nachhaltigkeit wurde damit experimentiert: Die App EcoChallenge stellt Usern zwei Öko-Aufgaben pro Woche; mit dem Salzburger Projekt Ökogotschi sollte man ortsbasiert Punkte sammeln. EcoChallenge erfuhr seit 2012 kein Update mehr; Ökogotschi wird in einigen Schulen verwendet, die Vision einer großen App scheiterte an der Finanzierung und den technischen Herausforderungen, sagen seine Entwickler. Wer bei Treeday ein Profil anlegt, gibt an, wie nachhaltig die eigene Lebensweise bereits ist. Isst man vegetarisch oder vegan? (Rund ein Fünftel der erderwärmenden Treibhausgase wird durch Fleischkonsum erzeugt.) Fährt man ein Auto? Schaltet man das Licht aus, wenn man ein Zimmer verlässt? Dafür gibt es dann täglich Punkte, „Treeds“ genannt, die für die Menge an CO2

ve Landkarte der Umgebung, die als Nachschlagwerk für nachhaltige Betriebe fungiert und die Aktivität anderer „Treeder“ anzeigt. Das Prinzip des Einkaufsratgebers ist nichts Neues (siehe Kasten), doch hat Miedaner gemeinsam mit dem Zentrum für globalen Wandel an der Boku den „Treeday Index“ entwickelt, um Unternehmen zu bewerten. Einfach und einheitlich soll es sein und dem „Zertifizierungswahnsinn“ in Österreich ein Ende bereiten, so Miedaner. Je nach Branche gibt es verschiedene Kriterien, die Unternehmen erfüllen müssen und anhand derer sie auf einer Skala von null bis 100 eingestuft werden. Den „Treeday Report“ jedes Unternehmens kann man auf der App anklicken. Weltweit sind schon 2000 Unternehmen dabei; der Premium-Account erlaubt ihnen für 30 Euro monatlich zusätzliche Funktionen. Zeitgleich soll die App als Netzwerk funktionieren und, ähnlich wie der Unterkunftsmarktplatz Airbnb, Nutzern erlauben,

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Bewertungen zu schreiben und – inspiriert von den sozialen Medien – Freunden und Unternehmen, die selbst Updates posten, zu folgen. Man kann bereits sehen, welche der rund 1000 Benutzer wie viele „Treeds“ gesammelt haben; eine Bestenliste sowie die Bekanntgabe des eigenen Rangs sollen den Ehrgeiz der User wecken. Bis jetzt hätten Benutzer schon einen Wald in der Größe des ersten Wiener Gemeindebezirks geschaffen, erklärt Miedaner stolz. Man merkt schnell, dass hier ein ambitioniertes Projekt am Entstehen ist. Das Design ist liebevoll schnörkelfrei und größtenteils intuitiv, doch gibt es so viele Funktionen, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll. Ein nachhaltiges Fahrradgeschäft in der Nähe suchen? Anklicken, dass man heute den dritten Stock zu Fuß erklommen hat? Schauen, ob ein enthusiastischer „Treeder“ in der Nähe wohnt? Oder ein Unternehmen empfehlen? Und dabei sind noch nicht einmal alle Funktionen verfügbar, weshalb vermutlich hin und wieder Links nicht funktionieren. Im Bereich „Frequently Asked Questions“ findet man Antworten auf über 40 Fragen. Genau dieses allumfassende Konzept ist

Miedaners Ziel; den ungeheuren Aufwand – von einer eigenen Redaktion für die Texte über ein speziell für die App entwickeltes Content-Management-System bis zum eigens erstellten „Treeday Index“ – nimmt er in Kauf, um dafür Menschen, die er „Ökoschläfer“ nennt, Nachhaltigkeit schmackhaft zu machen. Er weiß, wie sie ticken. Schließlich war er selber lange einer. F

Urlaub im SalzburgerLand

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Selbst wenn ich auf alles verzichte, brauche ich noch immer 1,4-mal die Erde. Und ich bin der einzige Trottel, der es macht! A n drea s M i eda n er

Zertifizierten Bio-Urlaub natürlich genießen! Das BioParadies SalzburgerLand spiegelt mit seinen 32 Hotels, Restaurants und Bauernhöfen sowie 31 Bio-Schaubauernhöfen die Vielfalt des Lebens wider. In allen Häusern herrscht ein ganz besonderer Geist von Achtsamkeit und Respekt. Sie alle laden dazu ein, die Philosophie im BioParadies SalzburgerLand kennenzulernen und es mit allen Facetten zu genießen. Jetzt Urlaub buchen unter: bioparadies.salzburgerland.com Das bäuerliche Leben hautnah erleben unter: www.bio-austria.at Herbstangebot im Bio-Hotel Rupertus in Leogang • 4 Nächte / 5 Tage – inklusive 3/4 Bio-Verwöhn-Pension mit Frühstück - Nachmittag – Abendmenü • 3 geführte Wanderungen pro Woche • LöwenAlpinCard • Bio-Garten Wellness • Massage oder Kosmetik Gutschein im Wert von e 30,– ab e 442,– pro Person Buchbar bis 6.11.2016 unter www.rupertus.at und bioparadies.salzburgerland.com

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FAIR

Fair Well Meldungen und Termine – Kurzes und Kleines aus der bunten Welt der Nachhaltigkeit

Weltgrößtes Passivhaus in Wien In Wien steht seit neuestem das derzeit größte Gebäude nach Passivhausstandard weltweit. Die Wiener Netze nennen ihre Zentrale „Smart Campus“. Dort befinden sich Betrieb und Verwaltung: 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Büroarbeitsplätze sowie Werkstätten, das Lager und die Steuerzentralen für Strom, Gas und Fernwärme sind auf rund 96.000 Quadratmetern untergebracht. Der Energiebedarf wird mit Hilfe von Photovoltaikanlagen, Grundwassernutzung und Solarthermie zu 100 Prozent selbst erzeugt. Ulli Sima, Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke, sagt dazu: „Mit dem Smart Campus bündeln die Wiener Netze ihre Kräfte in einer neuen, innovativen und intelligenten Unternehmenszentrale. Effizienz und kurze Wege sind wesentliche Bausteine, um künftige Herausforderungen zu meistern und um die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Energieversorgungsnetze unserer wachsenden Stadt zu gewährleisten.“ Nicht nur das: „Die Lebensadern unserer Stadt liegen zu einem Gutteil in den verantwortungsvollen Händen der Wiener Netze. Täglich werden die Wienerinnern und Wiener zuverlässig mit Fernwärme, Strom und Gas versorgt, und damit das auch künftig so bleibt, gilt weiterhin: Keine Privatisierungen kommunaler Infrastruktur und Dienstleistungen.“ Der Sozialismus ist also nicht mehr nur, wie Lenin meinte, gleich Elektrizität, er ist auch gleich Energieeffizienz.

Strombojen Wasserkraft ist eine saubere Energieform. Wasserkraftwerke hingegen sind oft Ärgernisse und Gegenstand von Auseinandersetzungen mit Umweltschützern. Die logische Lösung wären Strombojen, Wasserkraftwerke für die Westentasche, die auch in kleinen Flüssen oder Bächen eingesetzt werden können. Verschiedene Erfinder arbeiten an dieser Idee. Die österreichische Firma Aqualibre steht mit ihrer Stromboje kurz vor der Marktreife. Diese Boje ist Aqualibre zufolge geeignet, die Wachau oder den Mittelrhein stromautark zu machen, aber genauso gut geeignet für den Einsatz in entlegenen Weltregionen, die noch nicht mit Strom

Sozialismus, das ist Passivhaus plus öffentliches Eigentum (Uli Sima)

Kommunismus, das ist Sowjet­ macht plus Elektrifizierung (W. I. Lenin)

www.aqualibre.at

WearFair in Linz Seit 2008 findet sie jedes Jahr in Linz statt, die WearFair, die große Messe für Mode, Ernährung, Lifestyle und Mobilität . Ausgegangen ist die Idee von der Kunstuni Linz, und sie wuchs jedes Jahr. Die Kriterien für Ausgestelltes definieren die Veranstalter so: „Herstellung, Beschaffung und Entsorgung muss geringstmöglich umweltbelastend, geringstmöglich transport- sowie geringstmöglich energieaufwändig sein. Die Produkte dürfen keine gesundheits- und umweltschädigenden Stoffe beinhalten, müssen reparierbar sein, den Arbeitern müssen existenzsichernde Löhne gezahlt werden. Kurz: Die Produktion muss menschenwürdig und zukunftssichernd erfolgen.“ 200 Aussteller und Ausstellerinnen aus ganz Europa werden dem Publikum öko-faire Produkte zum Anschauen, Probieren und Kaufen anbieten. Etwa die Hälfte des Angebotenen kommt aus dem Modebereich. Lifestyle und Mobilität spannen einen Bogen von Longboards

Das Team von Green Rocket – Crowdfunding für Ökoprodukte, leicht gemacht

Mobilität spezialisiert und sammelt Geld für Start-ups ein. Auch Kuno Haas, Geschäftsführer der Grünen Erde (s. Seite 4) ist bei Green Rocket. Zum Beispiel sammelte die Idee eines innovativen Sammeltaxis für Korneuburg 36.000 Euro über die Plattform; 25.000 hatte Gründer Alexander Stiastny angestrebt. www.greenrocket.com

Gigantomanie à la Tesla Irgendwie typisch Tesla (s. S. 20). Er eröffnet in der Wüste von Nevada offiziell seine riesige Batteriefabrik, die er gemeinsam mit Panasonic plant. Vor allem die Nachfrage nach seinen Autos hat den Bedarf an Akkus enorm gesteigert. Tesla kündigte bei der Eröffnung an, ähnliche Fabriken in Asien und in Europa errichten zu wollen. Auch seine Elektroautos sollen unter einem Dach gebaut werden. Die Produktion von Akkus ist der Schlüssel für eine Lösung vieler Energieprobleme. Die Gigafactory ist erst zu 14 Prozent fertiggestellt, bis Mitte 2017 sollen es bereits 31 Prozent sein. Die Bauarbeiten sollen noch vor 2020 abgeschlossen sein. Mit einer Grundfläche von einer Million Quadratmeter wird es eines der in puncto Fläche größten Gebäude der Welt sein. Das Dach wird vollständig mit Solarpanels bedeckt. Mehr als 10.000 Menschen sollen in der Fabrik Arbeit finden. F

Nachhaltige Modeträume in Linz

aus upgecycelten Snowboards über ökologische Waschmittel bis hin zum E-Bike und nehmen rund 35 Prozent der Fläche ein. Der Rest sind biologische und vegane Köstlichkeiten. www.wearfair.at

Crowdfunding-Plattform Ausgezeichnet mit dem E-Commerce-Gütesiegel Euro-Label ist die deutsche Crowdfunding-Plattform Green Rocket. Sie hat sich auf Energie, Umwelt, Gesundheit und

Teslas Techno-Utopie, Wüste von Nevada. Eröffnung erfolgt– Fertigstellung demnächst

F o t o s : C h r i s t i a n H o u d e k / W i e n e r N e t z e , A p a / A r t i n g e r , w i k i m e d i a , K a t j a Sc h ö n e r / B e t t i n a S t r o b l , G r e e n R o c k e t , T e s l a

Wiener-NetzeZentrale, neu eröffnet in Wien Simmering

versorgt sind, die sich bisher mit im Betrieb teuren und wenig umweltfreundlichen Dieselaggregaten helfen mussten. Derzeit arbeitet Aqualibre am ersten Serienmodell, das dieser Tage in Kienstock seine Arbeit aufnimmt wird. Wenn alles gutgeht, wird Aqualibre 2017 eine erste Startserie von bis zu 20 Strombojen 3 mit 250-cmRotor und 70 kW Nennleistung produzieren, um die Herstellungskosten und die Wirtschaftlichkeit weiter zu verbessern. Aufträge aus in Österreich, Deutschland und der Schweiz liegen längst vor.


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