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Durst 2/10

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Seminararbeit fertig? Für die Angewandte beworben? Förderantrag abgeschickt? Visitenkarten nachgedruckt? Konto gedeckt? Kreativ gewesen?

ERFINDE DIR DEINEN JOB, ODER DU HAST KEINEN


Total entspannt: mit den neuen Online-Tarifen für Strom und Erdgas.

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Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG, ein Unternehmen der EnergieAllianz Austria.

Stromkennzeichnung des Lieferanten: Gemäß § 45 Abs. 2 ElWOG hat die Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG im Zeitraum 1.10.2008 – 30.9.2009 auf Basis folgender Primärenergieträger Strom an Endverbraucher verkauft: 45,18 % Wasserkraft, 3,71 % Wind- und Sonnenenergie, 3,66 % feste oder flüssige Biomasse, 1,07 % sonstige Ökoenergie und 46,38 % Erdgas. Gemäß § 45 Abs. 3 ElWOG fielen durch diesen Versorgermix im selben Zeitraum 204,09 g/kWh CO2-Emissionen an. Unsere Lieferungen sind frei von Atomstrom, wodurch keine radioaktiven Abfälle entstanden.


Schnappschuss von der Modenschau der Universität für Angewandte Kunst 2010

NIE WIEDER FEIGE ! Eine kleine Anleitung gegen die grassierende Spießigkeit

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FOTO: GEORG ECKELSBERGER

erkauf die überteuerten AC/ DC-Tickets, die seit vergangenem Herbst in deiner Schublade liegen, auf eBay oder privat an einen deiner Spießerfreunde. Niemand muss erfahren, dass du von Musik keine Ahnung hast und so langweilig bist, dass du die gleichen Songs gut findest wie deine Eltern. Um das Geld kannst du dir locker zehn Konzerte im Club ums Eck ansehen, die sind meistens besser. Und wenn nicht, sind wenigstens die Getränke billiger. Sei stolz darauf, dass du jung bist – das ist etwas Besonderes und jeder beneidet dich darum. Dein Chef / deine Chefin will dir einreden, dass du keine Erfahrung hast, unfähig bist und er / sie dich deshalb herumkommandieren kann: In Wahrheit würde er / sie alles dafür geben so zu sein wie du oder mit dir zu schlafen. Also versuch nicht zu sein wie er / sie, das ist wirklich erbärmlich.

ZIEH DICH BESSER AN! Falls du gerade einen Bausparvertrag oder eine private Pensionsvorsorge laufen hast, bist du nicht nur spießig, sondern auch naiv. Steig so schnell wie möglich aus, bevor die Banken das nächste Mal krachen gehen und kauf dir um das Geld lässige Dinge, die Spaß machen. Das ist sogar gut für die Wirtschaft. Wenn du die zusätzlichen Euros gar nicht nötig hast und ohnehin ständig Geld übrig hast, bist du entweder langweilig oder hast einfach Glück. Freunde dich mit dem Kassierer / der Kassiererin in deinem StammSupermarkt an. Jeder Idiot kennt den DJ und den Barkeeper und versucht damit seine Freunde zu beeindrucken. Den Namen des Typen im Supermarkt kennt niemand, dabei hat er oder sie gute Geschichten zu erzählen und macht ein neue Kassa auf, wenn du ganz hinten in der Schlange stehst. Du darfst deinen Fernseher behalten. Versuch dir weniger Mist anzusehen und wenn du trotzdem bei Sozialpornografie wie „Saturday Night Fever“ hängen bleibst, erfinde keine blöden Ausreden, mit denen du dich vor deinen Freunden rechtfertigst. Du interessierst dich nicht aus soziologischer oder medienwissenschaftlicher Perspektive für die Sendung. Du findest es eben geil, 15-jährigen besoffenen Komparsen dabei zuzusehen, wie sie sich ihre Zukunft kaputt machen, also steh dazu. Es gibt Schlimmeres. 5 DURST 2/10

EDITORIAL Annsere „Kleine die n ge ge leitung urde Spießigkeit“ w diezum Ur-Text von e ab sg ser Au llen DURST. Wir wo ns U n. he ac m Mut ein Heft ist T RS U D . ch und eu en für Studievon Studierend den unter der rende. Entstan der „Falter““ ht sic „Oberauf kan Vierich As Leute Thomas d Christian (Redaktion) un ktion).Wir re di rt Bretter (A h nichts mehr wollten einfac n. Auch wenn re hö von Krise längst noch ss wir wissen, da die Welt ist er Ab . ist Krise llgestellt, wie doch nicht so vo st glaubten. fa wir schon selber zum feigen, t ch ni s Man mus erlutscher au D angepassten bensziel Le als mit Pension unanch au ht ge werden. Es Ideen, r lle vo , gepasst, krumm d mit der un t ei hh ec Mut, Fr tützung von Ex nötigen Unters er W . rn be ge perten und Geld begonnen er aufgibt, bevor huld. Die Welt hat, ist selbst sc hmt sie euch! ne , ch eu gehört

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INHALT 6 CREATIVE INDUSTRIES 1000 Euro für Kreative unter 24 – New Vienna Now – DJ-Dissing

8 KULTURNEWS Wien Modern – Vienna Art Week – Don Draper – Business-Filme

9 GASTKOLUMNE Falter-Kunst-Redakteur Dusini über den verblühenden Hype der Creative Industries

42 INDIVIDUAL STUDIES 10 NEWS

34 ORTE FÜR IDEEN

Ein Jahr Unistreik, kommt da noch was nach? – Studiengebühren – Uniranking

Nicht nur der Schreibtisch eignet sich zum Ausbrüten guter Gedanken

Ein Projekt aus Zeiten, als man noch reformwillig war, und was daraus geworden ist

50 UNSINN NETWORKING Wer keine Freunde hat, pflegt strategische Freundschaften für den Job. Eine Polemik

43 INTERNATIONALE ENTWICKLUNG 36 ERFINDUNGEN Gewusst wie: Rad, Handy, Reißverschluss, Internet, Bier und andere gute Ideen

Wie aus einem Orchideenfach ein Massenfach wurde

12-17 WIR ÜBER UNS Die Redaktion diskutiert über Job, Kohle, Vorbilder und das Leben

52 FÖRDERGELDER Es gibt erstaunlich viel Kohle – man muss nur wissen, wo und wie man sie sich holt

44 MEHR ALS EIN PRAKTIKUM 37 SCHREIB MAL WIEDER Was Creative Writing wirklich kann und wo es angeboten wird

In Uniprojekten den künftigen Arbeitgeber kennen lernen

18-28 JUNGUNTERNEHMER Leute mit Ideen, von denen man leben kann – zumindest eine Zeitlang

54 EUROPA FÜR ALLE Tipps vom Experten, wie man an Fördergelder aus Brüssel kommt

38 WEGE ZUR KREATIVITÄT Helfen Drogen? Was ist Synästhesie? Wie machen es die Genies?

29 KÜNSTLERPORTRÄT

46 RICHTIG BEWERBEN

Performerin Jakob Lena Knebl zeigt, dass man auch verquer Erfolg haben kann

Ein Gespräch mit dem deutschen „Bewerbungspapst“ Jürgen Hesse

56 GRÜNDERSTRATEGIEN Experten helfen bei der Gründung des eigenen Unternehmens – manchmal sogar kostenlos

60 UNSERE SIEGE DURST-Redakteure erzählen von ihren kleinen und großen Erfolgen

BRETTSPIEL

40 COOLE ANGEWANDTE

49 TROST FÜR LOSER

62 NACHRUFE

Unser Spiel für Karrieristen: Manchmal geht es schnell nach oben – und dann folgt der Absturz

Was ist dran am Hype um die Universität für angewandte Kunst in Wien?

Konstantin Wecker und andere machen es vor: Manche Niederlagen sind die schönsten Siege

Von Dichand bis zur Loveparade: Wer oder was 2010 von uns gegangen ist

IMPRESSUM Medieninhaber Falter Zeitschriften G.m.b.H., Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, T: 01 536 60-0, E-mail: durst@falter.at, www.falter.at Redaktion Thomas Askan Vierich (Ltg), Martina Powell, Mara Simperler, Georg Eckelsberger, Raffael Fritz, Manuel Köllner, Valentin Ladstätter Art-Director Christian Bretter Illustration Kurt Rudolf Foto Christian Bretter, Georg Eckelsberger, Mara Simperler Produktion Reinhard Hackl Anzeigenverkauf Sigrid Johler (Leitung) Geschäftsführung Siegmar Schlager Druck Leykam, DVR-Nr. 047 69 86

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CREATIVE INDUSTRIES

BERLIN, GEH HEIM!

Wien fördert Kunst- und Kulturprojekte von Menschen zwischen 13 bis 23 mit bis zu 1000 Euro.

Das Buch NEW VIENNA NOW gibt einen Überblick über die Wiener Kreativszene.

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rotlose Künstler, aufgepasst! Statt euer letztes Geld in Acrylfarben und Leinwände zu stecken, investiert doch mal in Vollkornpasta. Das ist gesünder. Das Künstlerequipment bezahlt eh die Stadt Wien! Cash For Culture – eine Initiative der Basis.Kultur.Wien – fördert Kunst- und Kulturprojekte junger Wiener und Wienerinnen von 13-23 Jahren. Ob Theaterstück, Fotoausstellung oder Sprayworkshop – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Heuer war der Andrang schon so groß, dass das jährliche Budget von 60.000 Euro um ein Drittel erhöht wurde – über 80 Projekte konnten so gefördert werden. Vorbild für Cash For Culture ist ein ähnliches Modell aus Stockholm – „Fast Money“. Auch in Wien soll der Weg zur Förderung möglichst einfach gestaltet werden. Antragssteller bekommen Coaches zur Seite gestellt, die das Projekt von der Planung bis zur Präsentation begleiten. Eine gelenkte Gießkanne, also. Finden wir gut: Es werden eben nicht nur die Eliten gefördert.

In diesem Buch haben die kreativen Industrien Wiens ihre Visitenkarte abgegeben.

Stardesigner Stefan Sagmeister aus NYC / Vorarlberg hat die Gestaltung übernommen.

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m 21. Jahrhundert ist Wien die interessanteste unter allen deutschsprachigen Städten geworden.“ Dieses Lob kommt diesmal nicht von internationalen Top-Managern, die sich gerne an die weichen Matratzen in den Ringstraßen-Hotels erinnern und die Stadt deshalb besonders lebenswert finden, sondern aus New York. Stefan Sagmeister, international erfolgreicher Grafiker und Wahl-New-Yorker aus Vorarlberg, der Plattencover für Lou Reed und die Rolling Stones gestaltet hat, schätzt die „gelungene Mischung aus Tradition und zeitgenössischen Strategien“, die er in Wien vorfindet. Der so eben erschienene Sammelband NEW VIENNA NOW / CONTEMPORARY VIENNA, herausgegeben von departure, der Kreativagentur der Stadt Wien, gibt einen Überblick über die aktuelle Wiener Kreativszene – Sagmeister übernahm die Gestaltung. In 17 Beiträgen zu unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern wie Architektur, Design, Mode, bildende und darstellende Kunst, Literatur, Musik und Film beschreiben Experten, Kuratoren, Journalisten, Künstler, was sich Spannendes in Wien tut. New Vienna Now / Contemporary Vienna. Hrsg. von departure, Schlebrügge.Editor, 384 S., 38 Euro.

LAST NIGHT A DJ ... ... ruined my weekend! Kunst kommt von Können, nicht von Coolness.

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u willst ein toller Künstler sein, aber mit dem Gitarrespielen hat’s nie so geklappt? Warum nicht einfach DJ werden – wie der Rest der Welt! Das Niveau der hiesigen Schallplattenunterhalter sinkt und sinkt. Holprige Übergänge mit den immer gleichen zehn Songs zwingen uns förmlich, uns mit Alkohol, Drogen und schnellem Sex abzulenken. Dabei kommen wir immer nur wegen der Musik! Jeder, der ein Klinkenkabel an einen Laptop stecken kann, braucht heute einen DJ-Namen. Und dank digitaler Technologie ist das Versprechen unendlicher Coolness für so wenig Geld wie nie zu haben. Unser Rat: üben, üben, üben. Am besten Gitarre.

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BRITPOP-WAHNSINN

Luke Haines war fast ein BitpopStar. In „Bad Vibes“ rechnet er mit dem Popgeschäft ab. Wenn sich deine Band auflöst, ist das bitter. Wenn die Band noch dazu halbwegs erfolgreich war, verlierst du auch noch deinen Job. Luke Haines ist das mit The Auteurs Ende der 1990er passiert. Davor stand er als Teil der Britpop-Bewegung immer wieder knapp vor dem Durchbruch – der große Erfolg blieb aber den Kollegen von Blur, Oasis, Suede oder den Manic Street Preachers vorbehalten. In seinen Memoiren rechnet Haines ab: Böse Plattenfirmen, Drogenexzesse, künstlerische Erfolge und Abstürze – „Bad Vibes“ deckt so ziemlich alle Klischees ab, die man mit dem Wahnsinn als Musiker verbindet und wirkt dabei zumindest in der deutschen Übersetzung nicht immer authentisch. Als Chronologie des Brit-Pop funktioniert das Buch aber sehr gut. Luke Haines: Bad Vibes. Britpop und der ganze Scheiß. Heyne, 319 S., 12,40 Euro.

EXISTENZGRÜNDUNG

Das Nachschlagewerk für Jungunternehmer bietet knochentrockene, aber wichtige Infos. Der Titel des Buches lädt nicht gerade zum gemütlichen Schmökern ein. Egal. Denn es soll jedem, der ein Unternehmen gründen will, als Lotse durch haarsträubende Themen wie „Steuern“, „Buchhaltung“, „Business Plan“ oder

„Geschäftsidee“ dienen. Tatsächlich erweist sich das übersichtlich gestaltete „Standardwerk“ schon auf den ersten Blick als brauchbare Hilfe: Nach einem vorbereitenden Kapitel, in dem unter anderem 30 wichtige Fragen für Existenzgründer („Was ist ein Kleinunternehmen?“) beantwortet werden, fühlt sich der Neueinsteiger gar nicht mehr so verloren. Neben Anleitungen für einen Mini-Businessplan werden Beispiele gegeben, wie andere Unternehmer Probleme und Aufgaben gelöst haben. Leider zielt das Buch auf Unternehmer in Deutschland ab. Deshalb wird nur selten auf österreichische Gesetze Bezug genommen, was für Leser hierzulande teilweise irritierend, machmal störend sein kann. Svenja Hofert: Praxisbuch Existenzgründung. Eichborn, 420 S., 26,90 Euro.

SCHREIBANSTÖSSE

Creative Writing für junge Leute: Nicht nur Schüler verlieren mit diesen Büchern ihre Scheu vorm Text. Ein Interview mit Schneewittchen, ein Treffen mit Bruno Kreisky, Einkaufen mit Charlie Chaplin im Supermarkt. Solche Anregungen zum kreativen Umgang mit Schreiben und Schreibtechniken gibt’s in der dreiteiligen Reihe „schreibmal“ – Lehrbücher für Unter- und Oberstufenklassen (10-18 Jahre). Ein Blick in die witzigen Lehrbücher, vor allem Band 3, zahlt sich auch für ältere Schreibinteressierte aus, die mit Freunden oder Familie zu Hause ihren Stil und ihre Kreativität spielerisch verbessern wollen. Wolfgang Mühlbacher: schreibmalDrei: Anleitungen, Tipps und Übungen zum kreativen Schreiben für 14-18-Jährige, Braumüller Verlag, 19,80 Euro.

Bis zu 1000 Euro werden niederschwellig von der Stadt Wien für Kunst- und Kulturprojekte vergeben. DURST 2/10

FOTO: CASH FOR CULTURE / CHRISTOPH BÖHLER, RAFFAEL FRITZ, HEYNE, EICHBORN, JOHN MADERE, SAGMEISTER INC., BRAUMÜLLER VERLAG

GRASSROOT-FÖRDERUNG


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KULTURNEWS

GANZ NEUE TÖNE

DER BÜROHENGST

VIENNA ART WEEK

BUSINESS-FILME

Beim Festival Wien Modern gibt es Musik der Gegenwart. Ausschließlich. Und das ist gut so.

Warum fasziniert uns emanzipierte Frauen dieses Arschloch aus der Kultserie „Mad Men“?

Eine Woche voller Symposien, Diskussionen und Ausstellungen bei 70 Einzelveranstaltungen.

Wir präsentieren fünf Filme über Wirtschaft & Finanzen, die man gesehen haben sollte.

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Wall Street (USA, 1992), Oliver Stone Der Titel sagt alles: Hier gehts knallhart ums Geld. Und Bud Fox (gespielt von Charlie Sheen) tut alles dafür: Insiderhandel, Lügen, Betrug - selten wurde in einem Film die kapitalistische Mentalität derart fesselnd angeprangert.

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ch kenne einen Typen, der ist echt erfolgreich. Und ich frage mich, warum: Er brüllt seine Angestellten an, kommt besoffen ins Büro, deklariert Teamarbeit als sein eigenes Werk, verarscht seine Freunde und Kollegen, lügt, dass sich die Balken biegen – und behandelt Frauen wie Dreck. Den Ellbogentyp im Maßanzug kennt jeder, der die US-Serie „Mad Men“ guckt. Werbetexter Don Draper verkörpert den Mann der 1960er: maskulin, seinen Werten und vor allem sich selbst treu bleibend, skrupellos, konservativ, karrieregeil. In seine Werbewelt wurde das geschaffen, was wir heute kennen – und sie sieht auch so aus: oberflächlich, versext, konsumgeil, emotionslos. 2009 wurde Draper von einem US-Onlinemagazin zum „einflussreichsten Mann“ gewählt. Überhaupt ist ein regelrechter Hype um die genial inszenierte Officeserie entstanden. Auch ich klebe regelmäßig vorm Bildschirm und frage mich, warum: Ist es Dons perfekt sitzender Anzug? Der 60er-JahreFlair? Oder doch der Büromief, der uns im 21. Jahrhundert Lebende freudig erschaudern lässt?

Johannes Maria Staud: Mit seinem „On Comparative Meteorology“ eröffnet das Festival.

rossing Limits ist das Motto der diesjährigen Vienna Art Week vom 15. bis 21. November. Es soll gezeigt werden, wie unsere Lebenswirklichkeit von Kunst durchdrungen wird „und in wirtschaftlichen und sozialen Umbrüchen einen Faktor der Stabilität bildet“. Die Vienna Art Week ist die größte jährliche Kunstveranstaltung des Landes. Hinter der Kunstwoche steht das Dorotheum, konzipiert wurden die Veranstaltungen dieses Jahr vom Art Cluster Vienna, einer Initiative von Kunst-Unis, Museen und Kreativ-Institutionen.Das Besondere jeder Art Week sind die Studiovisits bei zeitgenösssichen Künstlern und Achitekten. Heuer öffnen zum ersten Mal auch Wiener Traditionsunternehmen und die Bundesstudios des BMUKK ihre Pforten. www.viennaartweek.at

Die Fälscher (A/D, 2007), Stefan Ruzowitzky Was passiert, wenn ein genialer Einfall in falsche Hände gerät? Er wird zum größten Geldfälschungsprojekt während des Zweiten Weltkrieges. Salomon Sorowitschs (gespielt von Karl Markovics) steigt vom Lagerhäftling zum Nazigehilfen auf. Designperformance von Breaded Escalope im Rahmen der Ausstellung „2000–2010. Design in Wien“ Do, 18.11.2010, 16 Uhr, Wien Museum

WIR MITTELMÄSSIGEN Zwei junge Autoren widersprechen in ihrer etwas oberflächlichen Polemik dem Zwang zur Einmaligkeit.

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ür den Individualfetischismus im 21. Jahrhundert bietet die Technik neue, herausragende Möglichkeiten, eigene Einmaligkeit grenzübergreifend und detailreich darzustellen.“ (S. 20) „In unser aller Leben gibt es eigentlich nichts mehr, was die Welt permanent aus den Angeln hebt, etwas, was unauslöschbare Spuren hinterlässt: Das Auto wurde bereits erfunden und Goethe ist tot.“ (S. 142) „Wenn der Druck wegfällt, einmalig zu sein, ist das Leben eine perfekte Welle, auf der wir geschmeidig reiten können.“ (S. 147) Oliver Errichiello / Arnd Zschiesche: Wir Einmaligen. Eichborn, 176 S., 17,50 Euro

Comédie / Play / Spiel: „Anti-Oper“ nach dem Stück von Becket von Roman Haubenstock-Ramati

Thomas Wallys Stücke für Klavier sind u.a. am 8.11. im Arnold Schönberg Center zu hören.

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Let‘s Make Money (A 2008), Erwin Wagenhofer Öster reichis cher Dokumentarfilm mit englischem Namen. Vielleicht, weil sich das international besser verkauft? Regisseur Erwin Wagenhofer muss es wissen: Schließlich geht es in seiner kritischen Doku um die Entwicklung des weltweiten Finanzsystems.

Performance von Andreas Haslauer Fr, 19.11.2010, 20 Uhr, BAWAG Contemporary

Tin Men (USA, 1987), Barry Levinson Ja, mit viel Dreistigkeit und etwas Kreativität kann man auch mit Aluminium-Fassaden Geld machen. Zumindest versuchen das die „Tin Men“ Richard Dreyfuss und Danny DeVito. Nach einem Autounfall beginnt der bizarre Kleinkrieg zwischen den beiden Vertretern. The Insider (USA, 1999) Michael Mann Russell Crowe und Al Pacino (Foto) im Kampf gegen die Tabakindustrie: Die beiden prangern Missstände in der Zigarettenherstellung an, u.a. die Verarbeitung von süchtigmachenden Zusatzstoffen. Der Film beruht auf wahren Begebenheiten. Money rules the world! DURST 2/10

FOTOS: ASTRID KARGER, MARKO LIPUS, WALLY, BREADED ESCALOPE, ANDREAS HASLAUER, ARCHIV, FILMVERLEIHFIRMEN, MARTINA POWELL

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b 29. Oktober regieren in Wien die schrägen Töne. Das Festival Wien Modern zeigt an 14 Spielorten – vom Konzerthaus bis zum Semperdepot – wie zeitgenössische Musik heute klingt. Sperrig? Definitiv. Eingängig? Wohl kaum. Doch wer mal etwas Neues, nie Gehörtes auf die Ohren will, kommt hier voll auf seine Kosten. Dieses Jahr steht das Festival im Zeichen von Komponisten wie Mark Andre, Morton Feldman, Roman Haubenstock-Ramati oder den Österreichern Johannes Maria Staud, Thomas Wally und Joanna Wozny. Wien Modern. Festival für Musik der Gegenwart. 29. Oktober – 20. November, www.wienmodern.at


GASTKOLUMNEI

GARANTIERT

KREATIV

erfolgreich. Jede Metropole wirbt mit Bildern junger, vor einem MacBook sitzender Menschen. Je mehr Kreative eine Stadt vorweisen kann, umso attraktiver ist sie für Investoren. Kommunale Statistiker wissen nicht, ob sie die Friseure dazu zählen sollen oder nicht. Ein bisschen Bohème in der Nachbarschaft steigert die Lebensqualität. Wann profiliert sich endlich eine Kommune durch das Prädikat „garantiert unkreativ“? Tony Blair wäre übrigens ein gutes Beispiel dafür, dass das Rentenalter der richtige Zeitpunkt sein könnte, um in die Creative Industries zu wechseln. Durch das Verfassen seiner Memoiren mutierte er vom Berufspolitiker zum Schriftsteller. 5

Kreativ sein ist sexy. Kreative sollen die Lebensqualität einer Stadt steigern. Aber können sie sich das ökonomisch überhaupt leisten? von MATTHIAS DUSINI, Kunstredakteur beim „Falter“

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er ehemalige britische Premierminister Tony Blair veröffentlichte unlängst seine Memoiren unter dem Titel „A Journey“, in denen er seine Entscheidung zu begründen sucht, warum er sein Land in den Irakkrieg führte. Weniger Platz räumt er jenem Begriff ein, mit denen Blair und seine New Labour-Bewegung ebenfalls in die Geschichte eingegangen sind: die Creative Industries. Im Cool Britannia der späten Neunziger Jahre feierte Blair mit dem Rockmusiker Noel Gallagher Wahlsiege in der Downing Street. Das in einem alten Kraftwerk untergebrachte Museum Tate Modern symbolisiert den von New Labour propagierten Strukturwandel. Das Bruttosozialprodukt soll nicht mehr mit Schwerindustrie und Landwirtschaft gesteigert werden, sondern durch die Dienstleistungen der Kreativwirtschaft: Werbeagenturen, Museen, Architekturbüros und Computerspielfirmen. Die ganze Welt wollte so cool sein wie Blairs Britannien. Industriestädte konnten ihre Industriehallen in Büros umfunktionieren, altmodische Politiker sich in der Nähe von Künstlern und Designern eine jugendliche Ausstrahlung holen. Nicht zuletzt profitierte auch die Kunst selbst von der Umarmung von Kreativität und Geschäftswelt. In den Musikclubs trafen Künstler und Galeristen die Millionäre der New Economy; der Kunstmarktboom der Nullerjahre hat hier seine Wurzeln.

KANN MAN DAVON LEBEN? Der Hype um die Kreativwirtschaft ist vorüber. Viele von jenen, die damals die Nächte in ihrem Büro verbrachten, um eine Website zu programmieren oder das Modell für einen Architekturwettbewerb zu bauen, haben inzwischen Kinder bekommen. Dadurch wurde ihnen bewusst, auf welch wackeligen ökonomischen Beinen ihr Wille zur Selbstverwirklichung stand und steht. Und wie viele Kreative gibt es, die die Überidentifikation mit ihren Projekten mit Hörsturz und Bandscheibenvorfällen bezahlten. Einigen wenigen erfolgreichen Ich-AGs steht ein Heer von Praktikanten gegenüber, die hart arbeiten, ohne je ihren Namen unter einem fertigen Projekt zu lesen. Der Erfolg der Fashionindustrie und der Stararchitekten beruht auf dem Input jener, die sich mit der Aussicht auf eine eventuelle Anstellung oder dem Hinweis auf das zu gewinnende Renommee abspeisen lassen. Am Monatsende DURST 2/10

holen sie keinen Gehaltsscheck ab, sondern ein „Danke“. Die kollektivvertraglich gesicherte Welt der Angestellten war ihr Feindbild, die neue Freiheit erwies sich als trügerisch. Statt Ideen auszubrüten, mussten die neuen Selbstständigen Businesspläne schreiben; die Bankbeamten ließen sich bei Kreditansuchen nicht von

coolen Klamotten täuschen. Meist waren es ohnehin Kinder aus begütertem Elternhaus, die sich den Traum vom eigenen Büro oder dem eigenen Shop leisten konnten.

SIND FRISEURE AUCH KREATIV? Als Argument in der Stadtplanung sind die Creative Industries weiterhin

Fragen: Martina Powell

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NEWS

RÄTSELGEBÜHREN

EXZELLENZ IM ABSTIEG

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Die Audimax-Besetzung jährt sich – und es ist höchst zweifelhaft, ob sie eine Neuauflage erfährt.

ie Debatte um die Wiedereinführung der ohnehin nie wirklich abgeschafften Studiengebühren ist wieder voll entbrannt und verwirrender denn je. Wer ist dafür, wer ist dagegen? Wer hat was gesagt? Teste dich! 1) „Studiengebühren sind nichts anderes als Steuern auf Bildung mit dem Nebeneffekt, eine Art Zugangsbeschränkung für unsere Jugend zu sein.“ 2) „Die Rektoren, die Studenten, der Mittelbau, alle sind sauer: Trotz ‚Autonomie‘ hüpfen sie alle in einer Gummizelle, denn der wirkliche Uni-Chef ist immer der Finanzminister.“ 3) „Auf jeden Fall.“ 4) „Auf keinen Fall.“ 5) „Mein Ziel sind nicht Beiträge wie in den USA von mehreren Tausend Dollar pro Semester. Aber 100 Euro pro Monat, also etwa 1. 000 Euro pro Jahr, wären schon zumutbar.“ 6) „Keine neuen Studiengebühren mit uns.“ 7) „Mehr Geld oder Unis schließen.“ 8) „Die Abschaffung der Studiengebühren war ein Fehler, weil sie sozial sehr gerecht waren. Ich verstehe nicht, warum die SPÖ hier einen Kurs fährt, um die Kinder von Generaldirektoren zu unterstützen.“ 1) Herr Baldur Platzer in einem Leserbrief an die „Kronen Zeitung“ 2) Gerfried Sperl, Kolumnist „Der Standard“ 3) 49 Prozent der ÖsterreicherInnen auf die Frage „Sind Sie eher dafür, dass Studiengebühren gezahlt werden müssen?“ in einer Umfrage von market. 400 Personen wurden befragt. 4) 16 Prozent der ÖsterreicherInnen auf die Frage „Sind Sie eher dafür, dass Studiengebühren gezahlt werden müssen?“ in einer Umfrage von market. 400 Personen wurden befragt. 5) Hans Sünkel, Präsident der Österreichischen Universitätenkonferenz 6) Werner Faymann, Bundeskanzler in „Heute“ 7) Beatrix Karl, Wissenschaftsministerin in „Die Presse“ 8) Fritz Kaltenegger, Generalsekretär der ÖVP in den „Oberösterreichischen Nachrichten“

s war einmal … ein Haufen Studierende, denen die Studienbedingungen gewaltig gegen den Strich gingen. Deshalb setzten sie sich in den größten Hörsaal der Uni Wien und machten ihrem Unmut Luft. Von der Protestbewegung rund um die Audimax-Besetzung, die sich am 22. Oktober das erste Mal jährt, sind heute nur mehr die Erzählungen wirklich präsent. Es hat ein Buch darüber gegeben und bald einen Doku-Film. Doch der Großteil der Studierenden hat sich nach der Räumung des Audimax – oder eher schon lange davor – wieder in den Studienalltag eingegliedert. Um ein bisschen aus dem wieder eingerissenen Alltagstrott herauszureißen, fand am 1. Oktober in Wien eine Demonstration zum Thema „Bildung in Nöten – Her mit den Kröten“ statt. Mit mäßiger studentischer Beteiligung. Immerhin: Diesmal sind die Rektoren mit von der Partie, weil es – man hätte es kaum für möglich gehalten – den Unis finanziell noch schlechter geht als im letzten Jahr. Am 19. Oktober haben sie Vollversammlungen von Lehrenden und Studierenden angekündigt. Wir sind gespannt und malen schon mal Transpis. Eine Prognose: Aber 90 Prozent der Studierenden werden weiterhin auf ihrem Hintern im Seminar sitzen bleiben. Es sei denn – Karl bewahre – die Studiengebühren werden wieder eingeführt. Dann werden auch die protestfaulsten Studierenden die Flaggen schwenken. Rund 400 Euro pro Semester tun immer weh genug, um vielleicht wieder einmal das Audimax zu okkupieren. Dann hätten wenigstens die Obdachlosen was davon.

Dafür? Dagegen? Dazwischen? Im Studiengebührendschungel sind die Fronten verschwommen.

Am 22. 10. 2009 wurde das Audimax besetzt – einen Tag davor erschien die DURST-Ausgabe „Revolution“.

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Die Uni Wien sinkt und sinkt im internationalen Ranking. Neuer Tiefpunkt: Platz 195 von 200.

ündteure Elite-Unis gegen staatliche Massenstudien – und zum Drüberstreuen ein bisschen Bias zugunsten der englischsprachigen Unis. Keine Frage: Beim Times Higher Education Ranking werden Äpfel mit Birnen verglichen. Doch dass die österreichische Oberbirne, die Uni Wien, jedes Jahr noch weiter absteigt, macht uns langsam Sorgen. Im Jahr 2007 war sie noch auf Rang 87, dann auf 115, im letzten Jahr auf 132 und jetzt ist sie auf Platz 195 gelandet – von 200. Bewertet wurden Lehrtätigkeit, Forschung, die Zahl der Zitierungen in Publikationen, internationale Zusammensetzung und Innovation. Die gute Nachricht: Die Uni Innsbruck ist wieder neu auf Platz 187 eingestiegen. 1.Harvard University, United States 2.California Institute of Technology, United States 3.Massachusetts Institute of Technology, United States 4.Stanford University, United States 5.Princeton University, United States 6.University of Cambridge, United Kingdom 6.University of Oxford, United Kingdom 8.University of California Berkeley, United States 9.Imperial College London, United Kingdom 10.Yale University, United States 11.University of California Los Angeles, United States 12.University of Chicago, United States 13.Johns Hopkins University, United States 14.Cornell University, United States 15.Swiss Federal Institute of Technology Zurich, Switzerland 15.University of Michigan, United States 17.University of Toronto, Canada 18.Columbia University, United States 19.University of Pennsylvania, United States 20.Carnegie Mellon University, United States 21.University of Hong Kong, Hong Kong 22.University College London, United Kingdom 23.University of Washington, United States 24.Duke University, United States 25.Northwestern University, United States 26.University of Tokyo, Japan 27.Georgia Institute of Technology, United States 28.Pohang University of Science and Technology, Republic of Korea 29.University of California Santa Barbara,United States 30.University of British Columbia, Canada 30.University of North Carolina, United States 32.University of California San Diego, United States 33.University of Illinois - Urbana, United States 34.National University of Singapore, Singapore 35.McGill University, Canada 36.University of Melbourne, Australia 37.Peking University, China 38.Washington University Saint Louis, United States 39.Ecole Polytechnic, France 40.University of Edinburgh, United Kingdom 41.Hong Kong University of Science and Technology, Hong Kong 42.Ecole Normale Superieure Paris, France 43.Australian National University, Australia 43.University of Göttingen, Germany 43.Karolinska Institute, Sweden 43.University of Wisconsin, United States 47.Rice University, United States 48.École Polytechnique Federale of Lausanne, Switzerland 49.University of Science and Technology of China, China 49.University of California Irvine, United States 51.Vanderbilt University, United States 52.University of Minnesota, United States 53.Tufts University, United States 54.University of California Davis, United States 55.Brown University, United States 56.University of Massachusetts, United States 57.Kyoto University, Japan 58.Tsinghua University, China 59.Boston University, United States 60.New York University, United States 61.University of Munich, Germany 61.Emory University, United States 63.University of Notre Dame, United States 64.University of Pittsburgh, United States 65.Case Western Reserve University, United States 66.Ohio State University, United States 67.University of Colorado, United States 68.University of Bristol, United Kingdom 68.University of California Santa Cruz, United States 68.Yeshiva University, United States 71.University of Sydney, Australia 72.University of Virginia, United States 73.University of Adelaide, Australia 73.University of Southern California, United States 75.William & Mary, United States

187. University of Innsbruck, Austria 187.Karlsruhe Institute of Technology, Germany 189.Eberhard Karls University Tübingen, Germany 190.Yonsei University, Republic of Korea 190.Drexel University, United States 190.University of Cincinnati, United States 193.Dalhousie University, Canada 193.Royal Institute of Technology, Sweden

FOTO: MARA SIMPERLER

PROTESTLEGENDEN

76.Trinity College Dublin, Ireland 77.King‘s College London, United Kingdom 78.Stony Brook University, United States 79.Korea Advanced Institute of Science and Technology, Republic of Korea 79.University of Sussex, United Kingdom 81.University of Queensland Australia, Australia 81.University of York, United Kingdom 83.Ruprecht Karl University of Heidelberg, Germany 83.University of Utah, United States 85.Durham University, United Kingdom 86.London School of Economics and Political Science, United Kingdom 87.University of Manchester, United Kingdom 88.Royal Holloway, University of London, United Kingdom 89.Lund University, Sweden 90.University of Zurich, Switzerland 90.University of Southampton, United Kingdom 90.Wake Forest University, United States 93.McMaster University, Canada 94.University College Dublin, Ireland 95.University of Basel, Switzerland 95.George Washington University, United States 95.University of Arizona, United States 98.University of Maryland College Park, United States 99.Dartmouth College, United States 100.ENS De Lyon, France 101.Technical University of Munich, Germany 102.University of Helsinki, Finland 103.University of St. Andrews, United Kingdom 104Rensselaer Polytechnic Institute, United States 105.Rutgers the State University of New Jersey, United States 106.Purdue University, United States 107.University of Cape Town, South Africa 107.National Tsing Hua University, Taiwan 109.Seoul National University, Republic of Korea 109.Pennsylvania State University, United States 111.Hong Kong Baptist University, Hong Kong 112.Tokyo Institute of Technology, Japan 112.Bilkent University, Turkey 114.Eindhoven University of Technology, Netherlands 115.National Taiwan University, Taiwan 115.University of Hawaii, United States 117.University of California Riverside, United States 118.University of Geneva, Switzerland 119.Catholic University of Leuven, Belgium 120.Nanjing University, China 120.Queen Mary, University of London, United Kingdom 122.Technical University of Denmark, Denmark 122.Michigan State University, United States 124.Ghent University, Belgium 124.Leiden University, Netherlands 124.Lancaster University, United Kingdom 127.University of Alberta, Canada 128.University of Glasgow, United Kingdom 129.Stockholm University, Sweden 130.University of Victoria, Canada 130.Osaka University, Japan 132.University of Freiburg, Germany 132.Tohoku University, Japan 132.University of Iowa, United States 135.University of Bergen, Norway 136.University of Lausanne, Switzerland 137.University of Sheffield, United Kingdom 138.University of Montreal, Canada 139.VU University Amsterdam, Netherlands 140.Pierre and Marie Curie University, France 140.University of Dundee, United Kingdom 142.University of Barcelona, Spain 143.Utrecht University, Netherlands 144.Wageningen University and Research Center, Netherlands 145.University of Auckland, New Zealand 145.University of Birmingham, United Kingdom 147.Alexandria University, Egypt 147.Uppsala University, Sweden 149.Hong Kong Polytechnic University, Hong Kong 149.University of Aberdeen, United Kingdom 151.Delft University of Technology, Netherlands 152.University of New South Wales, Australia 152.Birkbeck, University of London, United Kingdom 152.Newcastle University, United Kingdom 155.Pompeu Fabra University, Spain 156.Indiana University, United States 156.Iowa State University, United States 158.Medical College of Georgia, United States 159.Erasmus University Rotterdam, Netherlands 159.University of Delaware, United States 161.Arizona State University, United States 161.Boston College, United States 163.National Sun Yat-Sen University, Taiwan 164.Georgetown University, United States 165.University of Amsterdam, Netherlands 165.University of Liverpool, United Kingdom 167.Aarhus University, Denmark 168.University of Würzburg, Germany 168.University of Leeds, United Kingdom 170.University of Groningen, Netherlands 171.Sun Yat-sen University, China 172.Johann Wolfgang Goethe University Frankfurt am Main, Germany 173.Bielefeld University, Germany 174.Nanyang Technological University, Singapore 174.University of East Anglia, United Kingdom 174.University of Nottingham, United Kingdom 177.University of Copenhagen, Denmark 178.Monash University, Australia 178.Humboldt University of Berlin, Germany 178.University of Bonn, Germany 181.National Chiao Tung University, Taiwan 182.RWTH Aachen University, Germany 183.Middle East Technical University, Turkey 184.University of Exeter, United Kingdom 185.University of Twente, Netherlands 186.University of Konstanz, Germany

195. University of Vienna, Austria DURST 2/10


bluetango

Eine Stad

t macht Programm

Immer mittendrin! W24 bringt die neuesten Wien-Infos ins Fernsehen und Internet: Event-Tipps, Nachrichten, BeitrŠge, Wetter und den aktuellen Verkehr via Life-Kameras. W24 auf Kabel TV oder www.w24.at Î und du bist immer mit dabei.

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GELD, LEBE UND DER JOB Worum geht’s im Leben? Und auf der Arbeit? Hängt das zusammen? Kriegt man das zusammen? Eine Bestandsaufnahme der DURST-Redakteure als runder Tisch. Und kein Wort über Studiengebühren.

FOTO: CHRISTIAN BRETTER; ILLUSTRATION: KURT RUDOLF

Skipper: Thomas Askan Vierich

Alles ist Ufer. Und ewig ruft das Meer. (Gottfried Benn)

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enn man euch vor die Wahl stellen würde: Mit täglich bohrenden Existenzängsten und schlechter Ernährung als in überschaubaren Kreisen anerkannter Künstler in BerlinNeukölln / South-Chicago / East-London zu leben oder als gut verdienender IT-Manager mit wöchentlich geliefertem Biokisterl, eher faden Job und geräumigen Haus mit Garten in Klosterneuburg / Baden / Kitzbühel – was würdet ihr nehmen? Was Drittes gibt es nicht ...

VALENTIN: Hat Nummer 2 eine Familie? Dann würde ich 2 nehmen, da ist mehr Perspektive dahinter, da lässt sich was draus machen. Jenseits des Jobs. Der frisst einen nicht auf. RAFFAEL: Ich nehme 1. Weil ich lieber Zeit als Geld habe. Hat man denn Zeit, wenn man so wie Nummer 1 lebt?

RAFFAEL: Man kann darüber mehr selbst bestimmen. So lange ich nur für mich selbst verantwortlich bin. MARA: Hat nicht 2 mehr Freizeit? Ich glaube, man kann auch als IT-Managerin in der Freizeit eine punkige Künstlerin sein. MANUEL: Mehr Kohle heißt in unserer Gesellschaft auch mehr Freiheit. Also 2. Obwohl ich mir wünschen würde, 1 nehmen zu können. MARTINA: Wenn ich ohne Rücksicht auf die Konsequenzen wählen könnte, würde ich 1 nehmen. Weil es spannender klingt. Wenn man so weit unten ist, kann einem nichts mehr passieren. DURST 2/10


MARA SIMPERLER: 22, Eltern angestellt, eine Schwester, aufgewachsen in Mistelbach, seit 4 Jahren in Wien, FH Journalismus fertig, wartet auf Geistesblitz für ihre Diplomarbeit in Internationale Entwicklung.

RAFFAEL FRITZ: 24, Mutter angestellt, Vater in Pension, in Feldkirch geboren, kl. Bruder, 2 größere Schwestern, seit 5 Jahren in Wien, FH Journalismus, wird gerade fertig, arbeitet nebenher als Journalist.

VALENTIN LADSTÄTTER: 21, Mutter Freiberuflerin, Vater Beamter, geboren in Lustenau, 2 ältere Brüder, seit 2 Jahren in Wien, Reise nach Südamerika, studiert seit einem Jahr Journalismus an der FH Wien.

MANUEL KÖLLNER: 22, Eltern angestellt, Mutter in Pension, 1 jüngere Schwester, aufgewachsen am Dorf, seit 1 Jahr in Wien, 2 Jahre bei den NÖN, seit 1 Jahr Studium Journalismus an der FH Wien.

MARTINA POWELL: 21, Mutter Beamtin, Vater Freiberufler, 3 ältere Geschwister, Oberndorf bei Salzburg, seit 3 Jahren in Wien, BA Journalismus an FH Wien, studiert MA Zeitgeschichte & Journalismus und BA Int. Entwicklung an der Uni Wien. GEORG ECKELSBERGER: 25, Vater Beamter, Mutter Freiberuflerin, geboren und aufgewachsen in Wiener Neustadt, eine ältere Schwester, hat an der FH Journalismus studiert, studiert jetzt an der Uni Wien Literaturwissenschaft, wohnt in einer WG.

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Und man hat Freunde, die einen anerkennen, was etwas ganz Tolles ist. Mir sind prekäre Verhältnisse lieber als ein lauwarmes Leben in einer guten Gegend. Aber langfristig kannst du 1 nicht durchhalten. GEORG: Meine jetzigen Lebensumstände tendieren eher zu 1. ALLE: Unsere auch! GEORG: Dann denke ich aber weiter und sage: Meine Entscheidungen, die dazu geführt haben, warum ich jetzt stehe, wo ich stehe, waren ja nicht ganz zufällig. Also wähle ich 1.

DURST: Also gehen Valentin, Mara und Manuel mit ihrem Studium (Journalismus, Internationale Entwicklung) den falschen Weg, wenn sie zu 2 tendieren? VALENTIN: Auf jeden Fall. MARTINA: Dann haben wir das Falsche studiert. RAFFAEL: Es werden ja händeringend 2er-Typen gesucht. Von den 1ern gibt es eh viel zu viele. VALENTIN: Ich glaube wir tendieren alle zum 1er-Typ, aber mit genug Geld. Damit man nicht am Existenzminimum leben muss. Was bedeutet euch Geld?

MARA: Mittel zum Zweck. MARTINA: Schön, wenn man einen kleinen Puffer hat. Wenn ihr abends in die Kneipe geht, überlegt ihr, ob ihr euch das nächste Bier noch leisten könnt?

ALLE: Jedesmal! Was bedeutet euch Sicherheit?

RAFFAEL: Geld. Ich konnte bis jetzt noch nie an Vorsorge denken. Höchstens an Aktienspekulation. Ich würde gerne mit Aktien spekulieren. MARA: Ich sorge zumindest immer für die nächste Reise vor. VALENTIN: Das sage ich mir auch immer. MARA: Das Alter ist so weit weg. Sehr abstrakt. Hat jemand von euch einen Bausparvertrag?

ALLE, BIS AUF MARA: Ja! Drei. MARTINA: Ich zahle jeden Monat 40 Euro auf ein Sparkonto ein. Wann ist man erfolgreich?

MARA: Wenn man ein Ziel erreicht. Oder wenn man sich nicht umwerfen lässt, wenn man es nicht erreicht. RAFFAEL: Wer definiert das? Ist man nur erfolgreich, wenn man das in den Augen anderer ist?

MARTINA: Für mich ist der Begriff „Erfolg“ genauso negativ besetzt wie „Stolz“. Wie wichtig ist euch Selbstverwirklichung?

RAFFAEL: Großes Wort... Leeres Wort?

VALENTIN: Ja. Ich bin immer ich. Selbstverwirklichung ist ein blödes Schlagwort. Mit jeder Entscheidung, die ich fälle, eliminiere ich hundert andere. Selbstverwirklichung: Dann müsste ich mich verhundertfachen. MARTINA: Ich finde schon, dass ich mich momentan in meinem Studium selbstverwirkliche. Ich genieße es, ein bisschen Spielraum zu haben. Wie wichtig ist es zu arbeiten?

ALLE: Sehr wichtig! MARA: Wir reden jetzt aber von Geldarbeit, nicht von Beschäftigungsarbeit, oder? Das ist die Frage.

MARA: Beschäftigungsarbeit ist wichtig, Geldarbeit ist schön, aber nicht immer machbar. RAFFAEL: Es gibt ja viele, die wollen nur einen Erwerbsplatz. Einen Ort, wo sie hingehen und Geld dafür bekommen, dass sie hingehen. Das ist bei uns, glaube ich, anders. Wir streben mehr nach einem Arbeitsplatz. Deswegen arbeiten wir auch für DURST, obwohl wir dafür eher weniger Geld bekommen. Das ist wohl auch im Journalismus üblicher. MANUEL: Es ist auch schön, mal nicht zu arbeiten. MARTINA: Aber du kannst es nur schön finden, weil du arbeitest. Als Ausgleich. Ich wäre unglücklich, wenn ich nur Freizeit hätte. RAFFAEL: Nichtstun macht nur Spaß, wenn man vorher etwas erreicht hat. MARA: Erreicht hat ...? RAFFAEL: Wenn man was gemacht hat. Wie würdet ihr denn Arbeit definieren?

MANUEL: Dass es für mich sinnvoll ist. Für dich. Für andere nicht?

MANUEL: Auch. Das ergibt sich dann automatisch. MARA: Eine Leistung erbringen, irgendetwas schaffen. Das hat mit Materiellem nichts zu tun. RAFFAEL: Für mich hat Arbeit auch immer etwas mit Zwang zu tun. Dass man die Existenz damit bestreitet. Wenn ich Musik DURST 2/10

FOTOS: GEORG ECKELSBERGER

DIE CREW


Keine Arbeit, weil es zu viel SpaĂ&#x; macht?

RAFFAEL: Weil ich es nicht als Arbeit empfinde. Obwohl ich damit auch ein bisschen Geld verdiene. Arbeit muss also weh tun?

VALENTIN: Arbeit darf nicht leicht sein. GEORG: Ich glaube, es gibt unterschiedliche Kriterien, wie Arbeit bewertet wird. Und Geld ist gesellschaftlich ein ganz wichtiges Kriterium. Man kann sich selbst eigene Kriterien schaffen. Aber die gesellschaftlichen kann man nicht ausblenden. Bei mir sind das schon zwei getrennte Sphären. Da gibt es das Arbeiten, um Geld zu verdienen. Und die unbezahlte Arbeit, die aber am meisten befriedigt. RAFFAEL: Im Journalismus bekommt man fĂźr die Arbeit, die am meisten weh tut, das meiste Geld. PR zum Beispiel. Oder wenn man von der BĂśrse berichtet. MARTINA: Bei mir hat es insofern weh getan, dass ich vĂśllig erschĂśpft nach Hause gekommen bin. Das war letztendlich auch schĂśn. Aber als ich bei Billa Regale eingeräumt habe, das war ein anderer Schmerz. Vor allem Zeitverschwendung. RAFFAEL: Leider muss man als funktionierendes Mitglied der Gesellschaft Geld verdienen. MARA: Was mir weh getan hat, war zu arbeiten, SpaĂ&#x; zu haben, gut zu sein â&#x20AC;&#x201C; und nicht dafĂźr bezahlt zu werden. {Allgemeines zustimmendes Murmeln.} Das kann einen richtig zornig machen. Weil man da so viel investiert hat?

RAFFAEL: FĂźr Herzblut bekommst du nichts. Eher fĂźr moralisch fragwĂźrdige bis komische Sachen. MARTINA: Es muss gar nicht moralisch fragwĂźrdig sein. Mein Job bei Billa war das Ăźberhaupt nicht. Aber er hat mich todunglĂźcklich gemacht.

MANUEL: Vor allem im Journalismus. GEORG: Es geht vor allem um Sicherheiten. Um die Frage, wie tief kannst du fallen, wenn du mal gerade nicht funktionierst. Also geht es um Sozialversicherung. Um halbwegs frei arbeiten zu kĂśnnen, brauche ich einen gewissen Zeithorizont an Sicherheit, sagen wir zwei Monate, in denen mir nichts passieren kann, wo mein Einkommen gesichert ist. Wenn ich Ăźberlegen muss, ob morgen mein Konto noch gedeckt ist, dann kann ich nicht entspannt und kreativ arbeiten. RAFFAEL: Das ist bei mir aber seit Ăźber einem Jahr so! So schlimm ist das gar nicht.

Das ist sogar spannend. Man ist nicht richtig versichert, man hat keine Vorsorge. ALLE: Yeah! RAFFAEL: Da kann eine Anstellung schon eine Art Hängematte sein. Ein Privileg. MARTINA: Ich pendle auch zwischen Sicherheit und selbst was schaffen kĂśnnen. MARA: Was heiĂ&#x;t Sicherheit? Wichtiger wäre mir, ob mein Arbeitgeber hinter mir steht, wennâ&#x20AC;&#x2122;s mal Ă&#x201E;rger gibt. GEORG: Frei ist immer nur der Arbeitgeber. RAFFAEL: Und man darf die zusätzlichen Monatsgehälter nicht vergessen.

Raten euch eure Eltern, mehr auf Sicherheit zu achten? Irgendwo unterzukommen?

RAFFAEL: Ich habe meinen Eltern gesagt, ich versuche so lange, wie es geht, nichts Gescheites zu machen. Mich vor diesem komischen Erwachsenwerden zu drßcken. VALENTIN: Glßckwunsch! RAFFAEL: Aber mit 27 ist das vorbei. MANUEL: Bei mir ist es so ähnlich. Noch geben mir meine Eltern Zeit. MARTINA: Vor dem Master ist es eh sinnlos, Druck zu machen. Waren eure Eltern einverstanden mit der Wahl eures Studienfaches?

Fragen: Martina Powell Rosebud, Inc.

mache, sage ich dazu nicht Arbeit. Aber ich schaffe genauso etwas.

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www.departure.at

Wollt ihr mal angestellt sein oder freiberuflich arbeiten? Oder gar ein Unternehmen grĂźnden?

MARA: Die Frage stellt sich nicht. Ich mĂśchte einfach von meiner Arbeit leben kĂśnnen. GEORG: Doch, die Frage stellt sich ganz deutlich. VALENTIN: Das ist ein ganz groĂ&#x;er Unterschied. Allerdings gibt es da flieĂ&#x;ende Ă&#x153;bergänge. Man kann freiberuflich tätig sein und trotzdem unter groĂ&#x;en Zwängen arbeiten. Und umgekehrt. DURST 2/10

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Darüber definiert ihr euch nicht? {lautes Geschrei}

MARTINA: Überhaupt nicht! Das ist etwas von vorgestern. GEORG: Das Anliegen der 68er, die Aufarbeitung der ganzen Heuchelei, halte ich schon für sehr wichtig. RAFFAEL: Wenn wir uns die alten 68er anschauen, dann haben die doch alle in den Achtzigern ein Werbebüro gegründet und sind von LSD auf Koks umgestiegen. Wie viel Punk steckt in euren Eltern oder in euch?

Stimmung im FalterKonferenzzimmer: Vierich fragte, sechs DURSTRedakteurinnen und Redakteure antworteten. Es ging durchaus lebhaft zu.

Gab es für euch die Alternative nicht zu studieren?

ALLE: Nein, über was anderes hat man gar nicht nachgedacht. Die Frage hat sich einfach nicht gestellt. Das Studentenleben galt als etwas sehr Cooles.

und jetzt ist das Verhältnis zu meinen Eltern besser denn je. GEORG: Seine Freiheiten muss man sich schon erkämpfen. Aber das war keine Rebellion, denn ich hatte kein Grundproblem mit meinen Eltern. MARTINA: Man kann sich ja auch einfach ausklinken ... RAFFAEL: So ungefähr war das bei mir.

Habt ihr gegen eure Eltern rebelliert?

RAFFAEL/MARA/MARTINA: Ja. MANUEL: Nein. Friedliche Koexistenz. VALENTIN: Ich habe nie das Bedürfnis gehabt. Wenn ich rebelliert hätte ... MARA: ... dann hätten sie das akzeptiert. MANUEL: Es gab einfach keine Reibeflächen. RAFFAEL: Mir ist eine Zeitlang schon auf den Geist gegangen, was meine Eltern gesagt haben. Aber ich habe nie so etwas wie Hausarrest bekommen ... MARA: Ich habe natürlich rebelliert, gegen das Danke-Klopapier und das Süßigkeitenverbot. MARTINA: Meine Trotzphase fing sehr spät an und dauerte dafür sehr lang. Und das war gut so. Ich bin dann ausgezogen

Wollt ihr es euren Eltern recht machen?

RAFFAEL: Was meine Eltern über mein Leben denken, ist mir eigentlich egal. VALENTIN: Auf gewisse Weise schon. Wenn es denen total gegen den Strich ginge, würde ich darüber nachdenken. MARA: Es ist mir schon wichtig, dass sie mit dem einverstanden sind, was ich mache. Aber wären sie es nicht, würde ich es trotzdem machen. MANUEL: Wenn meine Eltern ein grundsätzliches Problem hätten, hätte ich auch eins. MARTINA: Meine Eltern sind wichtige Ratgeber für mich. GEORG: Meine Eltern sind definitiv ein Maßstab für mich. Wenn da Kritik kommt, denke ich darüber nach.

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Verstehen eure Eltern, was ihr macht, wie ihr lebt?

VALENTIN: Auf jeden Fall nicht komplett, aber was tut das schon? RAFFAEL: Ich glaube nicht, habe nie gefragt. GEORG: Nein. Die stellen sich das alles etwas geordneter vor. MARTINA: Meine Mutter versucht es, kann aber manchmal meine Erzählungen über Journalismus, Studium etc. nicht nachvollziehen. MANUEL: Meine Eltern leben zwar am Land, haben aber auch in der Stadt gelebt, die wissen also, wie’s in Wien zugeht.

Hausbesetzer? Spielen die eine Rolle für euch?

MARTINA: Da habe ich einige in meinem Freundeskreis. RAFFAEL: Aber Hausbesetzungen ziehen heute auch nicht mehr. VALENTIN: Mitte August haben sie ein Haus in der Burggasse besetzt. RAFFAEL: Aber das ist eine Marginalienveranstaltung. MARTINA: Das sind die HardcoreLinken und das meine ich völlig wertfrei. Aber Hausbesetzungen? Das interessiert die breite Öffentlichkeit doch nicht mehr.

Wie viel 68 steckt in euren Eltern?

GEORG: Du weißt schon, dass das in Östereich nie passiert ist? MARTINA: Was bedeutet 68? Ein bisschen irre sein? Laissez-faire? VALENTIN: Antiautoritäre Erziehung? MARTINA: Ich glaube, mein Vater war früher rebellisch - hat das richtig ausgelebt. MARA: Mein Vater ist erst 1966 geboren. MANUEL: Meine Eltern und ich sind in Niederösterreich aufgewachsen, da gab es definitiv kein 68. Also in euch steckt das auch nicht?

Was bedeutet euch Fleiß? {Langes Schweigen.} Würdet ihr euch als fleißig bezeichnen?

MARTINA UND MARA: Auf jeden Fall. MANUEL: Ich bin faul. Weil ich nur unter Zwang fleißig sein kann. GEORG: Sagt man heute nicht engagiert? VALENTIN: Sind nicht nur Bienen fleißig? RAFFAEL: Fleiß wird mit mechanischer Tätigkeit verbunden. MARTINA: Ich sehe das anders. Ich bin fleißig. Ich mache meistens mehr, als von mir erwartet wird. DURST 2/10

FOTOS: GEORG ECKELSBERGER & MARA SIMPERLER

ALLE: Ja. Beziehungsweise sie hatten nichts mitzureden.

MANUEL: Da kann ich nur wiederholen: niederösterreichisches Land ... GEORG: Es heißt, da wäre der Punk in Österreich groß geworden! MARTINA: Genauso wenig wie 68! Null! VALENTIN: Bisschen vielleicht. Aber nicht im herkömmlichen Sinn. RAFFAEL: Ich habe das als eine verkaufte Ideologie kennen gelernt. MARTINA: Ich auch. RAFFAEL: Man hat seine eigene Unfähigkeit musikalisch und ironisch verkauft. Diese Subversivität, wenn du dein Instrument nicht anständig spielen kannst, ist heute völlig weg. GEORG: Ich habe Punks als sehr tolerante Leute kennen gelernt: antirassistisch, antifaschistisch, antisexistisch. Das war für mich nicht irrelevant.


GEORG: Ist Fleiß nicht eine hierarchische Definition von oben nach unten? Disziplin?

zusammen mache. Wenn jemand anderes davon betroffen ist. RAFFAEL: Wenn du nicht angestellt bist, ist Disziplin enorm wichtig. MARTINA: Sich selber organisieren, als Ich-AG.

RAFFAEL: Selbstdisziplin? In Arbeitszusammenhängen. Zum Beispiel eine Deadline einhalten.

Habt ihr das Gefühl, gut ausgebildet zu sein?

RAFFAEL: Wofür denn? MARA: Das schaffe ich schon. Aber der Prozess bis dahin ...

Für einen Job, der euch ernährt und ausfüllt.

Wie schwer fällt euch das Anfangen?

RAFFAEL: Das ist das Schwierigste. MANUEL: Für mich das Fortsetzen. Anfangen ist leicht. Das beenden auch. Aber dazwischen ... VALENTIN: Bei mir ist das jedesmal anders. Manchmal ziehe ich es durch, ein andermal lasse ich es monatelang liegen. RAFFAEL: Was heißt Disziplin? Seine Termine einhalten? Dann bin ich diszipliniert. Auch die Termine, die du dir selber setzt?

RAFFAEL: Ja. VALENTIN: Das klappt bei mir nicht. MARTINA: Wenn ich mir vornehme, am nächsten Morgen um sechs zu joggen, dann mache ich das auch. VALENTIN: Echt? Ich schaffe das nur, wenn ich das mit jemandem

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Was würdet ihr mit einer Million Euro machen?

VALENTIN: Reisen. MARTINA: Reisen. RAFFAEL: Eine Wohnung kaufen. VALENTIN: Ja, genau. MARA: Ich würde es erstmal auf ein Sparbuch legen, weil so viel Geld würde mir Angst machen. GEORG: Ich würde Gold kaufen. RAFFAEL: Ist teuer im Moment. GEORG: Das wird noch teurer. Was macht ihr in zehn Jahren?

MARTINA: Mit dem Bachelor nicht. RAFFAEL: Dann hätte ich was Technisches studieren sollen. Diese Mint-Fächer. MARA: Für den Journalismus könnte ich institutionell nicht besser ausgebildet sein. Auch mit dem Bachelor. Aber ich glaube, ich kann über die Praxis noch sehr viel lernen. RAFFAEL: Ich bin mir nicht sicher, ob man in den Geistes- und Sozialwissenschaften überhaupt etwas lernen kann, was man später in der Arbeit braucht. Da lernt man etwas anderes. GEORG: Das ist eben der Unterschied zwischen Ausbildung und Bildung. RAFFAEL: Die Personalchefs sagen immer: Fachwissen ist nicht wichtig, die Einstellung zählt. {längere Diskussion, ob FH langweiliger ist als Uni ...}

GEORG: Gold verkaufen. VALENTIN: Von der Weltreise zurückkommen. MARTINA: Irgendwo im Ausland arbeiten. Moskau, Kiew, London. MARA: Das kann ich wirklich nicht beantworten. Wenn ich träumen darf, dann wäre ich gerne zufrieden mit dem, was ich mache. MARTINA: Aber du willst arbeiten? MARA: Auf jeden Fall, ich will keine Hausfrau sein.

VALENTIN: Helge Timmerberg, der Reisejournalist. Der hat mir gesagt: Früher habe er geschrieben, um seine Reisen zu finanzieren. Jetzt reiste er, um schreiben zu können. Der hat die ganze Welt gesehen und sich nie verkauft. Was bedeutet euch Familie?

MARTINA: Die, die ich habe sehr viel. Eine eigene ...? Dafür ist es noch zu früh. RAFFAEL: Es gibt nicht viele genuine Erfahrungen im Leben. Kinderkriegen gehört vielleicht dazu. Wollt ihr mal Kinder haben?

ALLE, BIS AUF EINE AUSNAHME: Ja. Aber noch nicht jetzt. Nach dreißig. Nicht, wenn sie zur Belastung werden. Das wollen wir keinem Kind zumuten. Und uns selbst auch nicht. Kinder bedeuten Zwang, man muss viel von sich hergeben, dafür ist es jetzt noch viel zu früh. Was würdet ihr euren Kindern mit auf den Weg geben wollen?

Habt ihr Vorbilder? {allgemeine Ratlosigkeit}

RAFFAEL: Bob Ross, der Fernsehmaler. Der hat immer nur gemacht, was er wollte. Und konnte davon leben. Gut leben.

ALLE: Toleranz. MARTINA: Eine gute Ausbildung. Bildung. Mehr kann man ihnen nicht mitgeben, oder? 5 RAFFAELS BAND: SOUNDCLOUD.COM/STRUBOSKOP

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KLUGE KÖPFE, DIE IHREN WEG MIT UNGEWÖHNLICHEN IDEEN GEHEN Auch wenn die Euphorie in der Kreativwirtschaft vorbei ist: Es gibt sie natürlich immer noch. Start-ups. Leute mit Ideen, die daraus einen Geschäftserfolg machen. Das müssen nicht immer Künstler sein. Manchmal sind es auch Lebenskünstler wie „Sofasurfer“ Lefteris aus Athen. Außerdem stellen wir Industriedesigner, Modedesigner, Modeentwickler, eine Strickerin, einen Computerfachmann, der Papierschnipsel wieder zusammensetzt, einen Nudelgastronomen und einen Selbsthilfebuchautor vor. Sie sind alle erfolgreich. Oder haben das Zeug dazu, es bald zu sein. Auf alle Fälle haben sie es versucht. Macht uns die Flechte! Überlebt unter widrigsten Umständen in höchsten Höhen. Das ist das wahre freie Unternehmertum.


MACHEN MÜSSEN Nur die Wildesten kommen durch. Fidel Peugeot und Karl Emilio Pirchner waren und sind wild. Und konnten sich mit ihrem Designstudio Walking Chair durchsetzen.

Den Traum vom Durchbruch als HandyDesigner machte die Wirtschaftskrise zunichte – mittlerweile versuchen sich Walking Chair erfolgreich als Allrounderfinder.

von Manuel Köllner

m Anfang war die wilde Bude. Die unrenovierte DreiZimmer-Altbauwohnung in der Ungargasse in Wien Landstraße. Die Badewanne stand in der Küche. Auf der einen Seite lagen Werkzeuge, Skizzen, Bücher, Kataloge und Kram aus Chinaläden – also „Müll, den die Gesellschaft produziert“, wie es Fidel Peugeot formuliert. Und auf der anderen Seite standen zu Modellen gewordene Ideen. Am Tisch gleich neben der Badewanne saßen sich der Schweizer Peugeot und der Südtiroler Karl Emilio Pirchner gegenüber. Sie redeten, notierten, skizzierten. Einen Tag bevor sie sich im Jahr 2000 an diesen Tisch setzten, hatte Matthias Fiegl, Weltpräsident der Lomographischen Gesellschaft (Lomo) – eine Fotographiebewegung –, die beiden einander vorgestellt. Sie sollten gemeinsam mit 13 anderen für Lomo ein Handy entwerfen. Industriedesigner Pirchner sollte das „Shape“, also die Form entwickeln, Grafiker Peugeot das Display. Aber der wirtschaftliche Crash, der auf den 11. September 2001 folgte, beendete auch dieses Handyprojekt. Doch die beiden beschlossen, weiter miteinander zu arbeiten. So entstand „Walking Chair“, eine mittlerweile über die Landesgrenzen bekannte Wiener Designschmiede . Das Leben der beiden, die sich eigentlich als Erfinder verstehen, verlief vor 2000 vielfältig. Immer unter dem Leitsatz: „Du musst machen!“ Peugeot machte Musik, tourte mit Bands. Mit einem Grafikdiplom verdiente er sein Geld als Schriftdesigner bei verschiedenen Agenturen. Der Schweizer jobbte aber auch als Antiquitätenhändler am Flohmarkt, war Presslufthammerchef am Bau, machte Botendienste, trug Nusssäcke, flexte Öltanks und war bei einem Sicherheitsdienst. Dann sollte er das Handy für Lomo machen.

FOTOS: CHRISTIAN BRETTER, WALKING CHAIR; ILLUSTRATION: KURT RUDOLF

A

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„ES SCHAFFEN NUR DIE, DIE WILDER DRAUF SIND, DIE COOLER DRAUF SIND, DIE AUF ALLES SCHEISSEN, DIE DIE EIER DAZU HABEN.“ Karl Emilio Pirchner (links im Bild) von Walking Chair weiß, was nötig ist.

Pirchner machte auch. Meisterprüfung in Maschinenbau. Polizist. Lehrer. Modernes Tanztheater. Assistent von Emilio Vedova, einem italienischen Maler der Informel-Gruppe. Dann kam ein Karriere-Bruch: Pirchner ging nach Wien und studierte acht Jahre an der Angewandten. Dann sollte er ein Handy für Lomo machen.

DIE ERFAHRUNGEN WAREN DIE QUELLE FÜR DIE IDEEN Wilde Bude + Machen = Walking Chair. 2003 gründeten sie ihr Designstudio mit diesem Namen. Das Studio in der Rasumofskygasse im dritten Bezirk ist wieder eine wilde Bude, allerdings im geordneten Sinn. Den Tisch, an dem Peugeot und Pirchner hier sitzen, haben sie selbst entworfen. Es ist ein

kreisrunder Pingpong-Tisch, auf dem sich eine Drehscheibe in der Tischmitte montieren lässt. Er ist einer der Erstlingswerke. Ab dann sind sie cool und wild, denn „es schaffen nur die, die wilder drauf sind, die cooler drauf sind, die auf alles scheißen, die die Eier dazu haben und ihren eigenen Weg gehen. Und dann brauchst du Ausdauer und Zähigkeit, um zum Erfolg zu kommen“, sagt Pirchner mit Südtiroler Zunge. Zuerst kommen die Ideen, dann der Erfolg. Heute sind sie Allround-Erfinder. Möbel. Ausstellungsgestaltung. Schriften. Und viel mehr. Gemacht wird auch für übersichtliche Einrichtungen: Das Logo der Albertina ist von Walking Chair. Das Museum ist keine wilde Bude. 5 WWW.WALKING-CHAIR.COM

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„ICH WILL NEUE LEUTE

DER SOFASURFER

TREFFEN UND MIT

Der Athener Lefteris Valentas ist ein Lebenskünstler. Die meiste Zeit reist er. Mit wenig Geld und Gepäck. Und ohne Hotel. Er schläft auf der Couch von fremden Leuten.

MÄDCHEN UNTERSCHIEDLICHER NATIONALITÄT LIEBE MACHEN.“

von Manuel Köllner

L

efteris Valentas liebt sein Leben. Lefteris studiert Elektronik an der Universität von Athen. Nein, das gibt er nur vor. Er lebt lieber. Aber es bedeutet einiges an Aufwand zu leben, wie Lefteris gerne lebt. Zweimal im Jahr fährt Lefteris von seiner Wohnung in Athens Vorort Halandri zur Universität. Antrag ausfüllen, Stempel auf den Studentenausweis bekommen. So ist der 23-Jährige ein weiters Jahr offiziell Student der Elektronik.

LEBEN HEISST REISEN Dann setzt sich der kleine, schmale Athener mit wildem, schwarzem Vollbart vor seinen Computer und überprüft seine E-Mails. Lefteris hat eine Flugbestätigung nach irgendwo erhalten. Den Flug hat er irgendwann im Internet gebucht. Jetzt bleiben zwei Monate Zeit, um Geld aufzutreiben. Mit Gelegenheitsjobs in einem Warenhaus, Callcenter oder einer Bar füllt er sein Reisekonto mit 600 bis 1.000 Euro auf. In Griechenland muss er dafür einen Monat lang zehn bis vierzehn Stunden täglich arbeiten. ER MUSS WEG „Mir ist scheiß langweilig in Athen. Ich brauche eine andere Landschaft rund um mich. Ich will neue Leute treffen und mit Mädchen unterschiedlicher Nationalität Liebe machen“, sagt Lefteris. Deswegen verbringt er nur die Hälfte des Jahres in Athen. Mit 17 Jahren musste er das erste Mal weg. Er verbrachte zwei Wochen in Portsmouth. Seitdem dauern seine Reisen länger, meist mehrere Monate. Letzten Februar stand Lefteris in Wien. Es hätte auch in Serbien, Kroatien, Ungarn, Tschechien, Slowenien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Niederlande, England, Finnland, Spanien oder Portugal gewesen

sein können. Diese Länder hat er bereist. An diesem Februartag steht er aber in Wien, trägt eine Wolljacke, und der ohnehin schon große Tramperrucksack wirkt an seinen schmalen Schultern überdimensional. Ich treffe Lefteris zum ersten Mal und beherberge ihn für die nächsten Tage. Zeitgemäß: Er surft meine Couch. Auf couchsurfing.org stelle ich meine Couch jedem zur Verfügung, der selbst bereit ist, mich für ein paar Tage bei sich wohnen zu lassen. Ich zeige dem Surfer meine Stadt, meine Umgebung, oder er schläft einfach nur auf meiner Couch und reist weiter. Eine Profilseite und gegenseitige Bewertungen schaffen Vertrauen in der CouchsurfingGemeinde. Schlafen kostet nichts. Wer

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Essen und Trinken bezahlt, ergibt sich meist von selbst. Im Jänner hatte ich eine Nachricht von Lefteris in meinem Postfach gefunden. Ein paar Mails und ein paar SMS später, und wir finden uns an einer UBahn-Station in Wien. Wir gehen in eine Bar. Wir trinken Bier. Seit ich ihn an der Station abgeholt habe, reden wir unablässig aufeinander ein. Ausgetauschte Höflichkeitsfloskeln entwickeln sich zu einem Gespräch. Lefteris: „Es ist wirklich schlimm in Griechenland.“ Ich: „Ist es nicht besser mit dem neuen Ministerpräsidenten? Wie heißt er doch gleich?“ Lefteris: „Papandreou. Nein, es ist nicht besser.“ Ich: „Wie war dann der Vorgänger?“ Lefteris: „Es ist egal, wir haben nur diese zwei Dynastien, zwei Familien. Karamanlis und Papandreou. Einer rechts, einer links. Die wechseln sich ab. Weißt du, wir haben die Demokratie erfunden und jetzt ficken wir die Demokratie.“

Lefteris redet gerne. Er lacht viel, hat einen stechenden, neugierigen Blick. Sein Blick wird trüb, wenn er von den politischen Verhältnissen in seiner Heimat spricht. Auch deshalb muss er weg. „Und wenn ich dann ankomme, sehe ich eine Herausforderung. Ich hoffe, ich kann so weiter leben“, sagt Lefteris. Herausforderung heißt: Nicht zu wissen, wie er zurück nach Athen kommt, nicht zu wissen, woher das Geld für die nächsten Tage kommt. In Amsterdam passt er tagsüber auf ein Hostel auf, um gratis dort übernachten zu können. Lefteris sagt, er liebe sein Leben. Ich glaube es ihm nicht. Jemand, der sein Leben liebt, besteht nicht darauf, jeden Abend Alkohol zu trinken. Ich lasse ihn noch zwei Tage länger in meiner Wohnung übernachten, ohne selbst da zu sein. Ich biete ihm an, sich frei an den vier Weinflaschen zu bedienen, die in meinem Kühlschrank stehen. Nach zwei Tagen sind sie leer. Lefteris ist weiter nach Budapest getrampt. 5 COUCHSURFING.ORG DURST 2/10

FOTOS: PRIVAT

Lefteris steht weniger auf Sightseeing als auf Zwischenmenschliches.


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DER PROBLEMLÖSER

PINKELPROBLEME SIND HEILBAR

Michael Schwanzer hatte schon in der Schule die Idee für ein soziales Netzwerk, um gemeinsam Probleme zu lösen. Vier Jahre später ist daraus ein Unternehmen geworden.

Man kann mit Selbsthilfebüchern im Eigenverlag Geld verdienen. Auch wenn man selbst nicht wirklich an Selbsthilfebücher glaubt.

Von Mara Simperler

Von Valentin Ladstätter

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GIBT ES NOCH EIN LEBEN NEBEN DEM PROJEKT? „ICH HABE ES VERSUCHT.“ Michael Schwanzer bastelt seit vier Jahren an seiner Idee aus der U-Bahn.

sollten nicht unbedingt die besten Freunde sein – obwohl das manchmal auch gut geht. Und es sollte eine gewisse Diversität da sein. Wenn alle der gleichen Meinung sind, ist es zwar einfacher, dafür schränkt man sich aber selbst ein.“ Auch Mut muss man haben – wenn das Projekt funktioniert, könnte man schnell vor der Entscheidung stehen, sein Studium hinzuschmeißen – oder eben nicht. Sicherheit steht nicht an erster Stelle. Auch mit allen guten Tricks kann jedoch niemand garantieren, dass es nicht auch einmal bergab geht. Wer Rückschläge als Erfahrungen sehen kann und daraus lernt, hat einen entscheidenden Vorteil. Michael jedenfalls hat trotz Stolpersteinen nie an dem Weg gezweifelt, den er mit seiner Idee gegangen ist: „Je öfter man aufsteht und je mehr Rückschläge man eingesteckt hat, desto sicherer wird man sich, dass es funktioniert.“ 5 WWW.OPENIDEAS.EU

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er mit 21 schon drei Bücher geschrieben und eines davon auf Englisch übersetzt hat, hat entweder einiges zu sagen – oder ist eine stinklangweilige Person, die nichts Besseres zu tun hat und darin Trost sucht, seine Gedanken, die keinen interessieren, der Menschheit in Buchform aufzuzwingen. Alexander Heinz ist weder das eine noch das andere. Er schreibt Selbsthilfebücher. Erfolgreiche Selbsthilfebücher. Eines darüber, wie man die Angst davor verliert, auf öffentlichen Toiletten sein Geschäft zu verrichten, eines übers Flirten und eines über Selbstsicherheit. Das Erste hat er, laut eigener Aussage, lediglich geschrieben, um Geld zu machen: „Ich hab in einem dieser dubiosen Foren im Internet einen Typen aus Deutschland kennen gelernt und mit ihm die Möglichkeiten diskutiert, schnelles Geld zu verdienen. Wir kamen auf Selbsthilfebücher zu sprechen und waren der Meinung, dass man es versuchen sollte. Ich schrieb dann das erste Buch und er kümmerte sich um die Website. Das war vor vier Jahren. Wir sind ein Team, obwohl wir uns nie persönlich getroffen haben.“ Zur Zeit verkauft Heinz drei bis vier Bücher pro Tag auf den Websites. Das ist ein guter Nebenverdienst, wenn man pro Buch zehn Euro verdient. Aber das Geld ist Heinz nicht so wichtig. „Ich verdiene genug mit Nachhilfeunterricht.“ Dass er viel positives Feedback auf seine Bücher bekommt, freut Heinz mehr, als er zugeben möchte. „Einer hat mir geschrieben, dass er, bevor er das Buch über Selbstsicherheit gelesen hat, kurz davor war, Schluss zu machen. Das Buch hat ihm tatsächlich Kraft gegeben, um weiterleben zu wollen. Sowas zu hören, ist schon schön,“ sagt er und grinst breit.

WENN DU ETWAS NICHT MACHEN WILLST, DANN KANNST DU DICH EINFACH ENTSCHEIDEN, ES SEIN ZU LASSEN. Unser Erfolgsautor von Selbsthilfebüchern hat genug Zeit, um im Sommer baden zu gehen.

Das Komische an den Büchern, die Heinz schreibt, ist, dass er selbst nicht wirklich daran glaubt, dass man aus Büchern leben lernen kann. „Ich bin eigentlich kein Freund von Selbsthilfebüchern. Ich schreibe auch immer, dass die Kraft, etwas zu ändern, in jedem selbst steckt und nichts mit dem Buch an sich zu tun hat. Es ist höchstens eine Erinnerung an eigenes Potenzial. Jeder ist für sich verantwortlich, denn jeder kann sich ständig entscheiden zu tun, was er oder sie will. Das ist nicht nur so ein dämlicher Spruch, das ist ein Faktum. Wenn du etwas nicht machen willst, dann kannst du dich entscheiden, es sein zu lassen. Das ist eigentlich ganz einfach, aber die meisten denken nicht an diese Möglichkeit, sondern baden in Selbstmitleid darüber, dass sie so arm dran sind und keine Wahl haben.“ 5 WWW.TOILETTENTRAININGSLAGER.DE WWW.CHARISMACAMP.COM DURST 2/10

FOTO: JANE COLLISON, VALENTIN LADSTÄTTER

ie besten Ideen können einen ganz unerwartet treffen. Zum Beispiel in der U-Bahn. Kurz vor seiner HTL-Matura hatte Michael Schwanzer dort die Idee einer Webplattform, auf der sich Leute treffen können, um gemeinsam „Probleme zu lösen“. Vier Jahre später hat Michael nicht nur einen Master in Wirtschaftsinformatik, sondern auch aus der Idee ein Unternehmen gemacht. In jahrelanger Arbeit hat er mit seinen mittlerweile fünf Kollegen das Programm „Open Ideas“ so gebaut, dass Unternehmen es nutzen können, um Ideen der eigenen Mitarbeiter effizienter managen zu können. Die ersten Interessenten klopfen schon an, doch bis dahin war es ein harter Weg. „Ausdauer muss man schon haben“, sagt Michael. Das Geld für Open Ideas kommt noch immer hauptsächlich von Nebenjobs. Es ist nicht einfach, von seinem Traum leben zu können. Aber wer von sich behauptet, sein Hobby sei es, Probleme zu lösen, der bleibt an so einer Sache dran. Zumal nicht nur Michael an Open Ideas glaubt. 2008 hat das Projekt den Cisco Award 2.0 gewonnen und nun im Rahmen des Departure Programms 15.000 Euro Förderung erhalten. Die Förderungsanträge haben jedoch auch Nachteile: „Mittlerweile würde ich sagen, dass die Zeit manchmal verloren war. Wir hätten die Energie lieber in das Projekt stecken sollen.“ Wobei man den Leuten von Open Ideas nicht vorwerfen kann, sie hätten nicht genug ins Projekt investiert. Auf die Frage, ob Michael noch ein Leben habe, sagt er lachend: „Ich habe es versucht.“ Neben harter Arbeit gibt es noch ein, zwei Tricks, die entscheiden, ob so ein Projekt Erfolg hat. Die richtigen Partner machen viel aus: „Sie


Pants: Mantel: NĂźmph

ERFOLGSREZEPT NUDEL Stefan SchartlmĂźller (27) fĂźhrt seit 2009 das Lokal â&#x20AC;&#x17E;Spiraliâ&#x20AC;&#x153; in Linz. DURST verriet er das Rezept fĂźr den Erfolg des etwas anderen Pastalokals.

FOTO: SPIRALI

aufgezeichnet von Mara Simperler

SPIRALI LINZ GĂ S 1FSTPOFO QSP 5BH VORBEREITUNG: "VGXBDITFO JN 8JSUThaus mit anschlieĂ&#x;ender TourismusTDIVMF +PCT JN (BTUHFXFSCF "MQFOWFSFJOTIĂ UUF 8JSUTIĂ&#x160;VTFS #BST &SLFOOUOJT v;V OFVO[JH 1SP[FOU sieht man, wie man es nicht machen TPMM i #FTDIMVTT MJFCFS [V TUVEJFSFO Nach kurzer Zeit als Student doch ein heruntergekommenes ehemaliges Nudellokal sehen, das einem gefällt. TIPP VOM CHEF: v&T TQSJDIU nichts dagegen, Misslungenes CFTTFS [V NBDIFO i ZUTATEN: t 1BSUOFS OPUXFOEJHF &JHFOTDIBÄ&#x2122; TUSFTTSFTJTUFOU t GBMMT WPSIBOEFO 1FUFS -FJUOFS MBOHKĂ&#x160;ISJHFS 'SFVOE VOE $PNQBESF t .JUBSCFJUFS NJU EFOFO man gut arbeiten kann. t MFFS TUFIFOEFT /VEFMMPLBM t [Ă OEFOEF *EFF [ # EJF WPSIBOEFOF ,Ă DIF OVU[FO VN TFMCTU hochwertige Pasta zu machen. t &JOF 1SJTF v[VS SJDIUJHFO ;FJU BN SJDIUJHFO 0SUi t &JO 4DIVTT 3JTJLPCFSFJUTDIBÄ&#x2122; t 4UBSULBQJUBM OBDI 7PSIBOEFOTFJO TIPP VOM CHEF: v*O -JO[ JTU EJF H BTUSPOPNJTDIF -BOETDIBÄ&#x2122; SFMBUJW EĂ TUFS EB XBS T FIFS FBTZ i ZUBEREITUNG: t 3JTJLPCFSFJUTDIBÄ&#x2122; VOE EFS SJDIUJHF 0SU XFSEFO WPSTJDIUJH unter das Startkapital gehoben. Danach das leer stehende Nudellokal mieten, säubern, ausmalen und mit dem eigenen Stil verfeinern. t %BT HBTUSPOPNJTDIF ,OPX IPX des Partners mit dem eigenen 0SHBOJTBUJPOT UBMFOU WFSNJTDIFO VOE JO EFS ,Ă DIF MBOHTBN LĂ&#x161;DIFMO MBTTFO t ;VN 4DIMVTT EJF .JUBSCFJUFS OBDI #FMJFCFO JN -PLBM WFSUFJMFO KOCHDAUER: t .POBUF WPO EFS *EFF [VS 6NTFU[VOH t #FJ MFJDIUFS )JU[F "OGBOH " VHVTU EBT -PLBM FOUEFDLFO DURST 2/10

â&#x20AC;&#x17E;AUF PASTA STEHT DER ZEHNJĂ&#x201E;HRIGE SCHĂ&#x153;LER GENAUSO WIE DIE ACHTZIGJĂ&#x201E;HRIGE OMA.â&#x20AC;&#x153; Stefan SchartlmĂźller (links) erklärt, wieso sein Nudellokal so gut funktioniert.

Die nächsten zwei, drei Monate Partner finden, Konzept basteln, Personal suchen, BehĂśrden- und Bankwege erledigen, Kalkulationen aufstellen, Rezepte basteln. t &OEF 0LUPCFS EBT GFSUJHF -PLBM erĂśffnen und seinen Bruder mitsamt Freunden einladen. TIPP VOM CHEF: â&#x20AC;&#x17E;Das funktioniert in dem Tempo nur, wenn das -PLBM TDIPO GBTU GFSUJH JTU i SERVIERVORSCHLAG: %BT -PLBM NJU einer bunten Mischung aus -FVUFO GĂ MMFO (Ă OTUJHF )PNF made Pasta aus regionalen Zutaten auf die Tische stellen und mit einer entspannten Atmosphäre NJTDIFO %BT (BO[F NJU [XFJ ESFJ XFDITFMOEFO 5BHFTHFSJDIUFO XĂ S[FO und ungezwungen servieren. TIPP VOM CHEF: â&#x20AC;&#x17E;Auf Pasta steht EFS [FIOKĂ&#x160;ISJHF 4DIĂ MFS HFOBVTP XJF EJF BDIU[JHKĂ&#x160;ISJHF 0NB i BEILAGEN: t 8JSU BN (SBCFO TFJU +VOJ JO -JO[ HFNĂ U MJDIFT 8JSUTIBVT NJU MBVTDIJHFN (BTUHBSUFO BVT &JHFOQSPEVLUJPO t 4QJSBMJ 8JFO TFJU .Ă&#x160;S[ JO EFS ,JSDIFOHBTTF QSPEV[JFSU WPN Bruder und Freunden. 5 WWW.SPIRALI.AT

Pants: Jacket: SDL

1010 Wien, Rotenturmstrasse 19; 1010 Wien, Walfischgasse 3; 1070 Wien, Mariahilfer Strasse 22â&#x20AC;&#x201C;24; 1070 Wien, Mariahilfer Strasse 68; 1110 Wien, Simmeringer Hauptstrasse 96a; 1120 Wien, Meidlinger Hauptstrasse 20; 1170 Wien, Elterleinplatz 12; 1170 Wien, Hernalser Hauptstrasse 42â&#x20AC;&#x201C;48; 1190 Wien, Billrothstrasse 41; 1210 Wien, Turek Center, Schlosshoferstrasse 11â&#x20AC;&#x201C;15; 1220 Wien, Donauzentrum, Donaustadtstrasse 1; 2320 Schwechat, Wiener Strasse 12â&#x20AC;&#x201C;16

www.turek.at


DIE PERFEKTE MASCHE Eine junge US-Amerikanerin macht mit Selbstgestricktem Karriere. Und verdient so gut wie eine Anwältin. Von Mara Simperler

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„AUSDRUCKSLOS AUF DIE INNENSEITE MEINES KÜHLSCHRANKS ZU STARREN, SETZT ÜBLICHERWEISE EIN PAAR IDEEN FREI.“ Ihre verrückten Designs stellt Yokoo Gibran gerne in Selbstportraits vor.

Ob Schals, Hauben, Ketten, oder Gürtel, bei Yokoo Gibran ist der rote Faden immer selbstgestrickt. Mit ihren Designs verdient sie (angeblich) im Jahr so viel wie eine Anwältin.

werden – eine Idee, mit der nicht nur Yokoo mittlerweile mehr verdient als mit einem regulären Job. In gewisser Weise macht sie also doch Karriere mit neuen Ideen und moderner Technologie – auch wenn ihr Hauptwerkzeug Wolle und Stricknadeln sind. 5 WWW.ETSY.COM/SHOP/YOKOO

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FOTOS: YOKOO GIBRAN

er hat gesagt, man kann nur mit neuen Ideen und moderner Technologie Karriere machen? Stattdessen könnten wir uns doch auch darauf zurückbesinnen, was unsere Großmütter einst gemacht haben. Eine Reihe glatt, eine verkehrt. Mit ein bisschen Glück geht es uns dann wie Yokoo Gibran. Yokoo strickt Schals. Und Hauben. Und Ketten. Und macht damit über den Internet-Shop Etsy jährlich in etwa so viel Geld wie eine Anwältin. Grund genug für die Amerikanerin, vor zwei Jahren ihren langweiligen Job in einem Copyshop zu kündigen und ihr Highschoolhobby zum Beruf zu machen. Yokoos raketenhafter Aufstieg begann 2006 mit einer eigenen Website, von der die Amerikanerin dachte, es sei der erste Streetstyle Blog der Welt. Ein paar Klicks später wurde sie eines Besseren belehrt und stellte von da an ihre Kreationen auf der Fotosharingsite Flickr online. Die charakteristischen Selbstportraits, auf denen Yokoo ihre Schals und Accessoires vorstellt, wurden schnell zu ihrem Markenzeichen. Auch die Blogosphäre wurde rasch auf die Frau mit den tausend Schalideen aufmerksam. Seit Beginn ihrer Karriere als Maschenzählerin wird Yokoo dort für ihre ausgefallenen Kreationen in den höchsten Tönen gelobt. Auch in Interviews darf man auf die Frage, woher ihre Ideen stammen, mit keiner gewöhnlichen Antwort rechnen. „Ausdruckslos auf die Innenseite meines Kühlschranks zu starren, setzt üblicherweise ein paar Ideen frei, die sich sanft an der Vorderseite meines Kopfes reiben“, war die Antwort auf diese Frage in einem Interview mit Etsy. Statt im Kühlschrank finden sich ihre Kreationen jedoch auf der Internetplattform Etsy. Nur Selbstgemachtes und Vintage darf hier verkauft


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TESTET MICH! Andreas Klinger hat eine Plattform für Modedesigner mitgegründet, auf der die ihre Ideen und Kollektionen ausprobieren und später vielleicht verkaufen können. von Valentin Ladstätter

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SO WIRD‘S GEMACHT Garmz ist eine Website für kreative, zukünftige Modemacher. Sie erhalten eine Plattform, wo sie Designskizzen vorstellen können, wo sie Votings und Feedback bekommen und wo sie sich nicht um die vielen nervigen „Kleinigkeiten“ wie Produktion, Werbung und dergleichen kümmern müssen. Es geht um ihre Kreativität und nicht um ihre Marktschläue. Die Idee von Garmz ist also, es einem jungen Designer zu

„EINE WOCHE, NACHDEM WIR DEN UPLOAD-BUTTON ONLINE HATTEN, WAREN DESIGNS AUS DER GANZEN WELT DA.“ Andi Klinger sieht zwar verschlafen aus, kann aber reden wie ein Wasserfall.

ermöglichen, ohne Risiko sein Produkt verkaufen zu können. Tolle neue Ideen werden gefiltert und mit einer professionellen Industrie in Top-Qualität an den Endkunden gebracht. So zumindest auf dem Papier. Ob Garmz funktionieren wird, steht auf einem anderen Blatt. Ende Oktober sollen die ersten Produkte im Webshop stehen. Erst dann wird sich zeigen, ob das System Erfolg bringt. Klinger ist allerdings zuversichtlich: „Wir arbeiten nun seit mehr als anderthalb Jahren an diesem Projekt und haben bereits Investoren aus Österreich, der Schweiz und Russland an Bord. Eine Woche, nachdem wir den Upload-Button online hatten, waren bei uns Designs aus Hongkong, Kanada, Indien, Brasilien und den USA eingelangt. Die Rezeption ist also groß, und so etwas, das wir hier machen, gibt es sonst nicht in dieser Form.“ 5 WWW.GARMZ.COM

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FOTO: VALENTIN LADSTÄTTER, IRINA GAVRICH, PHILIPP FORSTNER

enn es stimmt, dass Kleider Leute machen, dann sollte sich Andreas Klinger einen neuen Look zulegen. Am Morgen des Interviews steht er mit offenen Schuhen, zerschlissener Jeanshose und einem immerhin frisch aussehenden weißen T-Shirt in der Küche der Büroräume der Internetfirma Garmz, die er mit aufgebaut hat. Alles an ihm lechzt nach Koffein. Aber schließlich ist es früh am Morgen. Nach ein bisschen Kaffee fängt Klinger an zu reden. Garmz ist eine Plattform, auf der junge Designer Ideen und Skizzen hochladen können. Eine kritische Masse an Usern, die Klinger und der Rest des Teams innerhalb der letzten anderthalb Jahre „rekrutiert“ haben, kann für die Skizzen voten. Wird eine Skizze oft genug gevotet, wird ein Einzelstück produziert, das wiederum online exponiert wird. Nun geht es in die zweite Phase: Von den Usern können verbindliche oder unverbindliche Reservierungen für den Prototyp eingeschickt werden. Wenn genug Reservierungen eingelangt sind, geht das Design in die Serienproduktion und wird über den Webshop direkt auf der Seite verkauft. „Dieses zwei Phasen-Modell ist wichtig“, sagt Klinger, „denn eine Skizze und ein Prototyp sind zwei sehr verschiedene Dinge.“

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WIENER MODE Es ist schön, wenn man selber etwas geschaffen hat auch wenn es einen manchmal in den Wahnsinn treibt. Sagt Anna Aichinger, bekannte Modedesignerin aus Wien. von Georg Eckelsberger

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Anna Aichingers aktuelle Herbst-/Winterkollektion wurde in Paris vorgestellt. Bald will es die Wiener Designerin bis nach New York schaffen.

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as ist nicht meiner“, entschuldigt sich Anna Aichinger für den kleinen Hund, der Besucher ihres Ateliers gelegentlich etwas zu freudig begrüßt. Sie lächelt. „Der gehört meinen Eltern.“ Auch das Haus – zwei Gehminuten vom Stephansdom im ersten Bezirk gelegen – gehört ihren Eltern. Die Modedesignerin ist hier aufgewachsen, hat sich später hier ihr Atelier eingerichtet und betriebt jetzt von hier aus ihr Modelabel „Anna Aichinger“. „Ich wohne schon mein ganzes Leben in diesem Haus“, sagt Aichinger etwas verlegen. Aber auch stolz. „Ich bin eben eine ganze Wienerin.“ Mit ihrer Arbeit hat sie es jedoch weit über die Grenzen der Stadt hinaus geschafft – ihre Mode funktioniert international. Zweimal jährlich präsentiert Aichinger ihre Kollektionen in Paris, kommendes Jahr soll es erstmals nach New York gehen. Für einen österreichischen Designer ist das ein großer Schritt. „Es geht was weiter“, sagt Aichinger und lächelt wieder. Wenn die Designerin von ihren beruflichen Erfahrungen erzählt, merkt man schnell, dass es nicht leicht ist, sich als Selbstständiger im Kreativbereich durchzusetzen. Und dass Erfolgreichsein eben stark davon abhängt, wie man Erfolg definiert. Denn selbst wenn Aichinger in den internationalen Modemetropolen präsentiert, Mitarbeiter und Praktikanten beschäftigt, sich einen Namen erarbeitet hat – bislang kann sie von ihrem Beruf allein nicht leben. „Das sollte aber bald funktionieren“, sagt sie zuversichtlich. „Es hat auch Vorteile, wenn sich die Dinge gemächlich entwickeln – das gibt einem selbst die Zeit zu wachsen.“ Sie habe sich schon früh für Mode interessiert, als Kind in der Buchhandlung ihrer Mutter in Modebüchern

“WIEN WIRD NIE EINE MODEMETROPOLE SEIN, ABER DAS BEWUSSTSEIN IST GEWECKT. FRÜHER KANNTE NIEMAND ÖSTERREICHISCHE DESIGNER.“ Anna Aichinger freut sich über das steigende Modebewusstsein der Wienerinnen und Wiener.

geblättert und sich schließlich für ein Studium an der Wiener Angewandten entschieden, erzählt Aichinger von ihrer Vergangenheit. Der Schritt in die Selbstständigkeit sei ihr „in die Wiege gelegt worden“. Beide Eltern sind selbstständig, Aichingers Bruder ebenfalls. Er hat Wirtschaft studiert, unterstützt seine Schwester beim Geschäftlichen. „So gesehen sind wir fast eine Art Familienbetrieb.“ Vielleicht hat die Designerin auch deshalb Wien nie für längere Zeit verlassen. „Heute ist es eher unerheblich, wo man wohnt, solange man an den Hotspots präsent ist“, meint sie. In Wien finde man jedoch erheblich einfacher Platz zu arbeiten als zum

Beispiel in Paris. Außerdem habe sich hier in den vergangenen Jahren auch viel verändert, die Stadt sei heute offener für Mode als noch vor zehn Jahren. „Wien wird nie eine Modemetropole sein, aber das öffentliche Bewusstsein ist geweckt. Früher kannte niemand österreichische Designer.“ Obwohl Aichinger heute Praktikanten beschäftigt, hat sie selbst nie ein Praktikum bei einem Modedesigner absolviert. Kann ein Praktikum den Berufseinstieg erleichtern? „Es ist schön, den jungen Menschen einen Einblick in die Realität des Jobs geben zu können“, holt Aichinger etwas aus. Sie selbst habe nach einem Ferialjob in einer Werbeagentur immerhin gemerkt, dass das nichts für sie gewesen wäre. „Immerhin.“ Überhöhte Erwartungen seien für angehende Designer eher hinderlich. „Es ist kein Glamourjob, in dem man ein paar Zeichnungen macht und der Rest geht von alleine. Wer das sucht, sollte vielleicht doch eher schauen, ob er irgendwo eine Anstellung bekommt.“ Überhaupt hätte Selbstständigkeit viel mit Verzicht zu tun. „Man arbeitet eben 70, 80 Stunden pro Woche und manchmal ist es wichtiger eine Stoffrechnung zu bezahlen, als irgendeine persönliche Anschaffung zu machen.“ Spontan zwei Wochen Urlaub machen – wenn zufällig gerade Zeit ist. „Das sind Dinge, zu denen man bereit sein muss.“ Aber selbst wenn sie davon erzählt, von den schwierigen Seiten ihres Berufs, von durchgearbeiteten Nächten und Selbstzweifeln, vom langsamen Wachsen, lächelt Aichinger. „Irgendwann geht man schlafen und weiß, man hat selbst etwas geschafft“, sagt sie zum Abschied. „Auch wenn es dich manchmal in den Wahnsinn treibt.“ 5 WWW.ANNAAICHINGER.COM

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DER STASI-PUZZLEMEISTER

von Martina Powell

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enn alles nach Plan gegangen wäre, dann würde Markus Diem heute in seinem Atelier den Pinsel schwingen, Acrylfarbe mischen oder seine Bleistifte über Zeichenpapier tanzen lassen. Denn eigentlich wollte der 27-Jährige nach seiner Matura an der AHS Dornbirn „irgendwas mit bildender Kunst machen“. Weil es aber mit der Aufnahmeprüfung an der Universität für Angewandte Kunst nicht geklappt hat, sitzt der Student nun in einem Wiener Café, genießt seinen Espresso und spricht begeistert über Prototypen, „Stasi-Schnipsel“ und sein Studium am Institut für Computergrafik und digitale Bildverarbeitung – so, als ob all seine Künstlerträume vergessen wären. Um die Begeisterung des Vorarlbergers für seine Forschungsarbeit an der TU-Wien zu verstehen, muss man ins Jahr 1989 zurückgehen, wenige Monate vor Ende der Deutschen Demokratischen Republik: Damals erstürmten DDR Bürger Stasi-Dienststellen und besetzten Gebäude. Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) – eben die Stasi, ein Unterdrückungs- und Überwachungsinstrument der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED) – vernichteten deshalb heimlich Dokumente, die die innere Repression belegen, die Zusammenarbeit mit der SED zeigen und Informanten der Stasi enttarnen könnten. Aber sie machten einen Fehler: In der Eile zerrissen die Beamten Akten mit ihren bloßen Händen, um dann die Fetzen in Garagen und Lagerhallen mit Wasser einzuweichen und zu einem Papierbrei zu verstampfen. Aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse konnten aber die meisten Papierfetzen nicht komplett vernichtet werden. Wenig später wurden tausende Säcke – vollgestopft mit zerrissenem Papier

„IN SACHEN TEAMARBEIT UND STRESSBEWÄLTIGUNG HABE ICH VIEL DAZUGELERNT.“ Markus Diem arbeitet in einem wissenschaftlichen Forschungsteam an der Technischen Universität Wien.

und Karteikarten, Knäueln von abgewickelten Tonbändern und Filmen, zerkleinerte Fotos und Bildnegativen – von DDR-Bürgerrechtlern gefunden und der Bundesrepublik Deutschland übergeben. 1995 begann die „manuelle Rekonstruktion“: In Zirndorf bei Nürnberg versuchen Staatsbeamte rund sechs Millionen Fetzen aus den 15.000 Säcken Stück für Stück zusammenzufügen. So konnte zum Beispiel anhand rekonstruierter Schriftstücke das gezielte Doping an Minderjährigen im DDRLeistungssport durch verdeckte „Offiziere im besonderen Einsatz“ (OibE) der Stasi nachgewiesen werden. Trotzdem war die Bilanz nach den ersten Jahren mühsamer Arbeit ernüchternd: Schriftgut aus erst 400 Säcken konnte bis 2008 zusammengesetzt werden. Das renommierte Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik in Berlin versucht deshalb, die Sache zu beschleunigen – mittels Computertechnik und der so genannten Risskantenerkennung. Dabei soll

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eine Software die zusammenpassenden Schnipsel automatisch erkennen und zusammefügen. Die Sache hat aber einen Haken: Um Zeit zu sparen, legten die Stasi-Mitarbeiter mehrere Papierstücke zusammen und rissen sie auf einmal durch – so gibt es meist zwei unterschiedliche Dokumente mit identischer Risskante. Die FraunhoferMethode muss also verfeinert werden – mit Hilfe aus Wien: Deshalb entwickeln Markus Diem und seine Kollegen von der TU Wien eine Software zur Analyse des Inhalts von Schnipseln. Das Programm soll erkennen, ob es sich um eine Maschinen- oder Handschrift handelt, ob das Papier kariert oder liniert ist und welche Farbe beziehungsweise Qualität es hat. Dadurch kann der Scanner des Fraunhofer-Instituts eine Vorauswahl der Puzzleteile treffen und schneller arbeiten. Zu dem „deutschen Projekt“ ist Diem über sein erstes Bachelor-Praktikum gekommen: „Entschlüsselung der Sinaitischen glagolitischen Sakramentar Fragmente“ lautet der Titel der Forschungsarbeit, das 2007 vom Institut der Slawistik mit Kooperation des Institut für Rechnergestützte Automation (PRIP) der Technischen Universität Wien gestartet wurde und dieses Jahr abgeschlossen wurde. Diem beschäftigte sich auch in seiner Masterarbeit mit dem Thema: Dabei ging es um die Buchstabenerkennung auf den Pergamentpapieren, die 1975 im ägyptischen Kathalinenkloster am Fuße des Gebel Musa, auch Mosesberg genannt, gefunden wurden. Die rund 800 Jahre alten Psalmen in glagolitischer Schrift waren stark beschädigt und vor der digitalen Bearbeitung kaum zu entziffern gewesen. Ob die Wiener den Deutschen das letzte Puzzelteil für ihr Projekt liefern werden – das wird sich erst zeigen: Die TU Wien wird noch bis Ende 2010 ihr Forscherteam an der „Stasi-Schnipselmaschine“ werkeln lassen. Im August konnte der erste Prototyp den Deutschen präsentiert werden. Bis Ende des Jahres wird dann noch an der Stabilität der Software gearbeitet. Für Diem steht aber jetzt schon fest: Die Zeit im Uni-Projektteam war nicht nur intellektuell für ihn eine wichtige Erfahrung. Sondern auch in Sachen Teamwork und Stressmanagement habe er viel dazugelernt. Deshalb soll es auch – zumindest für die nächsten zwei Jahre – so weitergehen: Parallel zum PhD will der 27-Jährige weiter als Forschungsassistent arbeiten. Und dann? „Mal schauen“, sagt Diem immer wieder, lächelt – und wirkt dabei alles andere als planlos. Denn Umwege im Studium haben ihn dorthin gebracht, wo er heute ist. Warum soll es nicht so weitergehen? 5

Mittels computergestützter „Risskantenerkennung“ kann man zerrissene Akten wieder zusammensetzen.

FOTOS: PRIVAT, ARCHIV FRAUNHOFER IPK

6 Millionen Papierschnipsel sollen wieder zu Stasi-Dokumenten zusammengefügt werden. Ein Vorarlberger entwickelt ein Computerprogramm, das genau das schaffen wird.

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AUSTRIAN PSYCH Jakob Lena Knebl versucht durch humorvolles Hinterfragen von traditionellen Rollenvorstellungen sich selbst näher zu kommen und anderen den Horizont zu öffnen. von Christian Bretter

FOTO: GEORG PETERMICHL; ILLUSTRATION: KURT RUDOLF

Aus der Serie „Austrian Psycho“: Einblicke in das Seelenleben der braven Österreicherinnen und Österreicher. Ex-Ministerin Elisabeth Gehrer könnte hier als Vorbild gedient haben.

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Rechts: „Titta von Tesa“. Ganz rechts: „‚I‘ do not exist“ heißt diese Arbeit. Sie thematisiert die Deformierung durch die Außenwelt und die Arbeitswelt.

QUEER ODER WAS Die Arbeiten von Jakob Lena Knebls Kunst können der Queer-Theorie zugerechnet werden. Das ist eine Kulturtheorie, die Anfang der Neunzigerjahre in den USA entwickelt wurde und den

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Jakob Lena Knebl wurde 1970 als Martina Egger geboren und wuchs in Baden bei Wien auf. Sie brach die Schule ab und pflegte 9 Jahre lang alte Menschen. Danach studierte er an der Universität für angewandte Kunst bei Prof. Raf Simons Modedesign und studiert nun bei Prof. Heimo Zobernig Textuelle Bildhauerei. Er war Assistent bei Prof. Hans Scheirl an der Akademie der bildenden Künste in Wien und wechselt jetzt zu Prof. Elke Gaugele ins Lehramt.

Zusammenhang von biologischem Geschlecht, sozialen Geschlechterrollen und sexuellem Begehren kritisch untersucht. Die Queer-Theorie geht davon aus, dass geschlechtliche und sexuelle Identitäten nicht naturgegeben sind, sondern erst in sozialen und kulturellen Prozessen konstruiert werden. Bevor Knebl bei Heimo Zobernig an der Akademie der bildenen Künste Textuelle Bildhauerei zu studieren begann, studierte sie bei Raf Simons an der Universität für angewandte Kunst Modedesign. Knebl betrieb einige Jahre mit Karin Krapfenbauer, Markus Hausleitner und Martin Sulzbacher das Modelabel mit dem langen Namen „house of the very island’s royal club division middlesex klassenkampf, but the question is: where are u, now?“

Die Lust am Durchbrechen der Konvention ist für Jakob Lena Knebl ein zentrales Motiv der vielschichtigen Arbeit. So auch in der von ihr 2009 gestalteten Werbekampagne für das Tanzquartier in Wien. Knebl persifliert dabei das schlanke Schönheitsideal und zeigt sich übergewichtig in Tüllröckchen und monströsem Schuhwerk mit speziellen Applikationen. Ebenfalls 2009 erhielt Knebl den „H13 Niederösterreich Preis für Performance“. Er konnte die hochkarätig besetzte Jury durch sein „komplexes selbst-, kontext- und medienreflexives sowie unbequemes PerformanceKonzept“ überzeugen. Festzuhalten bleibt wohl vor allem: „unbequem“. Man kann also gerade durch Unangepasstheit „Karriere“ machen. Quod erat demonstrandum. 5 DURST 2/10

FOTOS: GEORG PETERMICHL

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ie entsteht Identität? Diese Frage bildet einen zentralen Aspekt im Werk von Jakob Lena Knebl. Knebls Anliegen ist es, auf die Veränderbarkeit von Wahrnehmung aufmerksam zu machen – und auf Identität als „Möglichkeit“, um gesellschaftliche Anforderungen in Richtung normativer Anpassung an eine Person zu entkräften. Mittels Humor versucht Knebl Grenzen zwischen sozialen Konstrukten zu verschieben und damit alternative Sichtweisen aufzuzeigen. Sie (oder er) selbst lässt sich weder auf ein bestimmtes künstlerisches Medium noch auf ein Geschlecht festlegen und versteht seine/ihre Identität als soziales Konstrukt, die sich in permanentem Wandel befindet. Schon der Name Jakob Lena Knebl macht dieses flirrende Changieren deutlich. Er ist entlehnt von den Vornamen ihrer Großeltern. Damit hat sie ihren Taufnamen im Sinne ihres Spiels mit Identität und Geschlecht ersetzt. „Vor einigen Jahren habe ich maskuline Frauen noch schrecklich gefunden“, sagt der Mensch, der damals noch Martina hieß und sich heute Jakob nennt und zu eben einer solchen maskulinen Frau geworden ist. „Es ist ja oft so, dass man sich dem annähert, was einen vorerst abstößt.“ Knebl vertritt die Meinung, dass es „authentisch“ im Sinne eines klaren und abgeschlossenen Ichs nicht gibt, dass sich ein Ich aus vielen Ichs zusammensetzt. Die Frage nach dem Ich stellt sich nicht nur in Hinblick auf Geschlechterrollen, denn unser Ich wird aus vielen verschiedenen Perspektiven angesprochen und durchdrungen. Unter anderem von der Werbung, die uns als mündige Konsumentinnen und Konsumenten hofiert. Oder als Erwachsene, die sich im Versuch, sesshaft und dauerhaft zu werden, oft in eine Sklavenschaft begeben, die von den Banken als Freiheit verkauft wird – und so weiter. Jedesmal wird uns vorgegaukelt, es sei unser ganz eigenes „Ich“ angesprochen.


bedenklich. Im Gegensatz dazu bietet die Epigenetik sehr interessante Ansätze. (Anm. der Redaktion: Die Epigenetik sagt, dass unser Erbgut nicht nur in der DNA unveränderbar angelegt ist, sondern das Gene auf vielfältige Art und Weise von der Umwelt beeinflussbar sind, z.B. über Erlebnisse oder das Essen) All das ermöglicht mir, eine Nähe / Distanz zu Jakob Lena Knebl zu haben, quasi eine offene Autorenschaft in Bezug auf Identiät.

Kannst du von deiner Kunst leben? Oder ist das eher ein Sammelsurium aus Kunst, Akademie, freie Aufträge – woraus dann ein Gesamtlebenskunstwerk wird? Zweiteres trifft zu. Was für mich allerdings kein Problem ist. Ich sehe meine Arbeit auf der Akademie nicht als Notlösung. Alle Bereiche sind für mich gleichwertig. Natürlich verfüge ich durch meine Arbeit in der Institution – im Gegensatz zu vielen meiner Kolleginnen und Kollegen in der bildenden Kunst, die sich mit freien Aufträgen herumschlagen müssen – über ein gewisses Maß an Sicherheit. Ich hoffe, dass sich ein Gesellschaftsmodell durchsetzen wird, in dem es ein tatsächlich bedingungsloses Grundeinkommen für alle gibt und eine Neudefinition des Arbeitsbegriffs. Das hoffe ich auch! Würdest du dich als erfolgreich bezeichnen? Erfolg ist für mich eine Kombination aus sehr unterschiedlichen Dingen wie Selbstermächtigung, die Fähigkeit aus Krisen zu lernen, sich Ziele zu setzen und zu realisieren, auch Risiken einzugehen ... Ich bin ziemlich zufrieden mit mir, was diese Punkte in meinem Leben angeht. Ich ziehe es vor, meinen Erfolg nicht an Preisen oder Ausstellungstätigkeiten zu messen.

„ES IST SEHR BEFREIEND!“ DURST fragte nach bei Jakob Lena Knebl: Kann man mit que(e)ren Ansätzen Erfolg haben? Fragen von Thomas Askan Vierich

Was hat dich bewogen, deine Tätigkeit als Altenpflegerin an den Nagel zu hängen? Unerträgliche Umstände wie Unterbezahlung, psychische und physische Belastung. Durch das Selbsterhalterstipendium hatte ich die Möglichkeit zu studieren. Wie hat dein Umfeld darauf reagiert, als du eine Karriere als Queer-TransgenderRollenspiel-Künstler/in eingeschlagen hast? DURST 2/10

Ich definiere mich nicht ausschließlich als Queer-Transgender-RollenspielKünstler/in! Allerdings arbeite ich momentan auch mit diesen Themenfeldern. Die Vorstellung, ewig bei einer Sache oder einem Medium zu bleiben, empfinde ich als Einengung, als Selbstbeschneidung. Meine Eltern leben leider nicht mehr. Meine Freunde unterstützen mich.

Ist es nicht sehr anstrengend, sein eigenes Leben, seine eigene Existenz, zumindest seinen eigenen Körper so radikal zu einem Kunstprojekt zu machen? Oder ist es im Gegenteil ganz angenehm, sein ganz persönliches Ich hinter der Kunstfigur Jakob Lena Knebl zu verbergen? Ist Jakob Lena Knebl überhaupt eine Kunstfigur? Es gibt keine Kunstfigur Jakob Lena

Knebl. Ich schließe mich der kulturwissenschaftlichen Theorie an, dass wir intersubjektive Wesen sind, die durch Kleidung, soziales Umfeld, Objekte, Klassfikation und so weiter in der Wiederholung erst ein Gefühl von Identität bekommen. Die Idee, dass Identitäten sozial konstruiert sind, empfinde ich als einen sehr befreienden Gedanken, da sie im Gegensatz zu Gen-Theorien die Möglichkeit zur Veränderung bietet. Allerdings nicht im Sinn von neoliberalen Ansätzen – eine immer wieder geäußerte Kritik in Bezug auf Queer/Gender Studies. Wenn ich von Freiheit spreche, so meine ich eine relative, denn ein Außen gibt es nicht. Mich interessiert mit diesen Paradoxien zu arbeiten. Den biologistischen Backlash halte ich – gelinde ausgedrückt – für ziemlich

Hast du einen Rat für junge Menschen, die nicht wissen, was und wie sie es werden sollen? Allgemeine Ratschläge abzugeben ist schwierig und kann zum Teil als Hohn rüberkommen. Die Möglichkeiten und Gelingenheitsbedingungen sind doch sehr von ökonomischen Umständen und dem sozialem Umfeld abhängig. Barbara Sher hat zu diesem Thema ein sehr kluges Buch geschrieben: „Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will“ (dtv). Im Gegensatz zu früher sind unsere Biografien brüchig geworden. Kaum jemand übt ein Leben lang den gleichen Beruf aus. Was zum einen eine belastende Tatsache ist, birgt auch einen Vorteil: Ich muss mich nicht für „das große Ding“ entscheiden, sondern habe die Möglichkeit, mich mit Dingen zu befassen, die nicht ein Leben lang Gültigkeit haben müssen. 5

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DURST

KARRIERESPIEL 15

Studentenfreundliches Würfelspiel

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Von Mara Simperler und Martina Powell

Anleitung: 1. Du brauchst: Spielsteine und einen Würfel. 2. Zwei, drei oder vier Personen können „Das Karrierespiel“ spielen. 3. Derjenige mit dem höchsten Würfelwurf beginnt. 4. Jeder Spieler, der seinen Zug auf einem grünen Feld beendet, hat Glück, er darf seine Spielfigur auf das angegebene Feld weiter vorne schieben. 5. Ähnliches passiert auf den roten Feldern, nur dort geht es zurück. 6. Der Spieler, der zuerst exakt auf dem 100. Feld seinen Zug beendet, hat gewonnen. Wenn der Würfelwurf zu hoch war, musst du bis zum 100. Feld ziehen und dann wieder zurück und einen neuen Anlauf starten.

13 Das Online-Anmeldesystem deiner Uni bricht zusammen. All deine Anmeldungen werden gelöscht und es sind nur mehr Plätze in „Finanzund Versicherungsmathematik“ frei. Ein frustrierendes Semester beginnt auf der 5.

12 Notendurchschnitt 1,3! Du hast zwar keine Freunde mehr, dafür ein nettes Plus auf dem Konto: Mit einem Leistungsstipendium in der Tasche geht’s weiter auf der 30.

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67 9 8 Ein amerikanischer Headhunter entdeckt deinen Tokio-Hotel-Fanblog und findet deine Einträge über Bill, Tom und innerfamiliäre Liebesbeziehungen total „krass“. Du bekommst einen Job als deren Webmanager und wirst in die Rock-Familie aufgenommen. Dein neues Leben als „Kaunitz“ beginnt auf der 45.

68 Dein Chef war besoffen, nackt und hielt die falsche Frau im Arm. Du hast die Fotos. Weil du sie nicht weitergibst, belohnt er dich mit einem Aufstieg auf die 94. 69 70

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Start

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4 Die Bibliothek ist dein neues Wohnzimmer, die Mitarbeiter grüßen dich beim Vornamen und drücken ein Auge zu, wenn du TUC-Cracker im Archiv nascht. Gestärkt und ungestört schreibst du deine Seminararbeit fertig. Pack die Bücher ein und lies weiter auf der 38, du Bücherwurm!

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100 Was passiert auf dem roten Feld … ? oje, also zurück auf Feld…. Was passiert auf dem grünen Feld…? Juhu, du darfst auf Feld…

99 Super gemacht: Ein Glas Rotwein über den Laptop geschüttet und beim Versuch, ihn mit dem Haarföhn zu trocknen, ist die Tastatur geschmolzen. Vielleicht kann der Computerfachmann auf der 43 noch was retten.

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91 Deine Wohnung ist eine Partyhölle. Deine Mitbewohner zeigen Asthmasymptome aufgrund des Rauchs und statt deinen Uni-Credits erhöht sich nur die Zahl deiner Facebook-Foto-Tags. Auf der 34 kannst du versuchen, das Semester noch zu retten.

96 95 Weil du lieber alle fünf Staffeln von „How I Met Your Mother“ geschaut hast, anstatt die Gruppenarbeit zu schreiben, fliegst nicht nur du durch, sondern auch deine Kollegen. Zurück auf die 9, Kameradenschwein!

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21 Dein Professor hat die Prüfungsunterlagen im Kopierer vergessen. Deine Kollegen feiern dich und du kannst dir deinen Einser auf der 86 abholen.

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22 Du vergisst, beim Bewerbungsgespräch dein Piercing rauszutun. Dein potenzieller Chef steht leider nicht so auf durchbohrte Nasen. Zurück auf 15.

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17 Du lässt dich dabei erwischen, wie du deinem Vorgesetzten ins Kantinengulasch spuckst. Er zwingt dich, es selbst zu essen und schickt dich zurück auf die 2.

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32 „Mein Chef ist ein Volltrottel“. Bei diesem Facebook-Status hast du leider vergessen, dass du deinen Chef als Freund geadded hast. Denk auf der 10 darüber nach.

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61 Auch mit einem Magister in Internationale Entwicklung müsstest du bei der UNO gratis arbeiten. Beim Anblick deines leeren Kontos wirfst du deine guten Vorsätze über Bord und stehst schlussendlich doch auf der 40 bei H&M hinter der Kassa.

77 Obwohl dein Professor nur von den Folien abliest, herrscht Anwesenheitspflicht. Du langweilst dich auch auf der 67 weiter zu Tode.

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84 Dank Onkel Ottos Lottogewinn und seinem Testament zu deinen Gunsten brauchst dir über Studienfortschritt und Karriere auf der 98 keine Gedanken mehr machen.

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88 Stellung #37 aus dem Kamasutra hat dir zwar den Ruf als außergewöhnlicher Liebhaber eingebracht, aber leider auch eine Zerrung im Genick. Nicht einmal mit einer Überdosis Parkemed könntest du morgen Prüfung schreiben. Kurier dich auf der 51 aus.

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41 44 Stockbesoffen und nach Rauch stinkend stolperst du in die morgendliche Vorlesung. Deine Professorin schickt dich auf die 25, um deinen Kater auszukurieren.

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33 Im Studium ein Faulpelz, im Praktikum bei der Europäischen Kommission zeigst du aber, was für ein Europäer in dir steckt. Deine Karriere geht mit einem Jobangebot in Brüssel auf der 63 weiter.

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65 Du fischt ein Lokalschundblatt aus der Mülltonne und hast Glück: Denn der Anzeigenteil ist die einzige Seite, die nicht mit McDonalds Essensresten verschmiert ist. Und nur hier findest du eine Anzeige mit deinem Traumjob. Vor Glück springst du auf die 74.

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26 Dein ErasmusSemester hast du zwar in Alkohol ertränkt, aber im Lebenslauf sieht dein Auslandsaufenthalt in Dublin trotzdem gut aus. Trink auf der 37 weiter! Cheers.

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42 Gratulation, deine Seminararbeit über die „Filamentverschiebung beim molekularen Ruderschlag“ wurde auf hausaufgaben.de schon 250 Mal heruntergeladen. Betrachte deinen Erfolg unter dem Mikroskop auf der 81.

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55 50 54 Das einzige Buch, das dir noch für den Abschluss deiner Diplomarbeit fehlt, ist in der Bibliothek bis April vergriffen. Du musst auf der 31 weiterwarten.

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52 Zwölf starke Espressi und deine Nacht wird zum Tag. Deine Seminararbeit strotzt zwar vor Rechtschreibfehlern, für den letzten Abgabetermin und die 71 reicht es trotzdem.


BLITZABLEITER FÜR DAS HIRN Die Kreativforschung hat festgestellt: Es gibt sie: beste Orte für beste Ideen. Von Manuel Köllner, Christoph Muhr und Georg Eckelsberger

WO?

WARUM WIRKT’S?

ABLENKUNGSGEFAHR

NEBENPRODUKT

GLÜHBIRNENSKALA

Auf der Toilette entleeren sich nicht nur Darm und Blase. Erleichterung. Das Gehirn ist frei und hat Zeit für Geniales.

Betextetes Klopapier oder Sinnsprüche an Türen öffentlicher Toiletten. Der Lokus des kreativen Geistes hat weiße Wände und einfärbiges Klopapier.

Ihr wisst schon.

ttttt

Steter Tropfen höhlt den Stein. In diesem Fall tropft einem zwar nur das Wasser auf den Kopf. Der wird aber dennoch für Ideen freigespült.

Gasbetriebene Wasserboiler. Ein entspannender, 36-Grad-warmer Wasserschauer und plötzlich fällt der Mitbewohnerin ein, sie will sich einen Tee machen.

Angenehmer Körpergeruch schont die Umwelt.

ttttt

Vivaldis Frühling im Sinn, Vogelgezwitscher und abgasfreie Luft sind ideale Voraussetzungen für eine neue Relativitätstheorie.

Die Scheiße des besten Freundes des Menschen.

Rote Backen ohne Rouge.

tttt

Wir behaupten, dass Experten behaupten, dass beim Joggen das Rad neu erfunden werden kann.

Seitenstechen und lauter als die Gedanken tönendes Keuchen.

Blut, Schweiß und Tränen. Geiler Body.

Schnarchende Sitznachbarn, fragwürdiges Essen und unverständliche Meldungen des Piloten. Da kann das Hirn nur geistesblitzen.

Hübsche Stewardessen und knackige Stewards regen wenigsten die Flirtfantasie an.

Bonusmeilen.

Bei einem Blick in griesgrämige Gesichter begibt man sich lieber in seine eigene Gedankenwelt. Das Rauschen der Gleise stimuliert jede einzelne Synapse.

Schwarzfahren. Belästigung durch Infoscreens. Die detailliert via Handy geschilderte Beziehungskrise der Sitznachbarin.

Eine Gratiszeitung.

Alkohol macht Birne hohl. Und zwar für viele gute Ideen.

Oft ist es schon schwierig, sich auf Partys Namen oder gar Handynummern zu merken.

Kater.

PARTY

Kochen ist abgesehen vom spießigen Rezepte-Nachkochen ein kreativer Prozess. Darauf lässt sich aufbauen.

Brandblasen, blutende Wunden und leichte Rauchgasvergiftungen tragen nicht gerade zu guten Ideen bei.

Wampe. Schnittwunden.

KÜCHE

Endlich Ruhe zum Nachdenken. Wenn man nicht die meiste Zeit verpennen würde, wäre man noch genialer.

Einschlafen. Sex. Schlaflosigkeit.

Träume. Kinder.

BETT

Der endlose blaue Himmel, ein paar Wölkchen, die sich zu Figuren, bald Ideen verdichten.

Insekten. Juckreiz. Hunger und Durst. Schläfrigkeit.

Gedichte. Mückenstiche. Ameisenbisse.

WIESE

Dort wo es passieren soll, passiert es (manchmal) auch. Notizblock, Laptop, Zigaretten, Kaffee, Musik – Produktivität!

Facebook.

Trockene Augen. Schlechte Haut. Krummer Rücken. Wenig Tageslicht.

KLO

DUSCHE

SPAZIERGANG

JOGGINGSTRECKE

LANGSTRECKENFLUG

U-BAHN UND BIM

SCHREIBTISCH

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tt t tt tt ttt ttttt t DURST 2/10


FOTO: CHRISTIAN BRETTER

Ein guter Ort für Ideen: Der Schreibtisch von Eva Jantschitsch, in ihrem WG-Zimmer, Jahre bevor sie als Gustav ihre erste CD veröffentlichte.

DURST 2/10

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GUT ERFUNDEN Geschäftsideen, aus denen wirklich was wurde. von Manuel Köllner

ERFINDUNG

RAD

GLÜHBIRNE

HANDY

REISSVERSCHLUSS

INTERNET

SCHOKOLADE

BIER

POST IT

WER HAT‘S ERFUNDEN?

WIE UND WARUM?

WAS ERSPART MAN SICH?

WAS NICHT?

Man weiß es nicht. Erste Funde stammen aus der Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr. Anders als für viele andere Werkzeuge wie den Faustkeil, den Hebel oder die Rolle gibt es für die Idee, eine kreisrunde Scheibe auf eine Achse zu stecken, kein Vorbild in der Natur.

Schürfwunden, Muskelkater, kaputter Rücken – wer will schon auf dem Pferd oder Ochsen reiten? Außerdem: Vom Wagen mit Rädern fliegt man nicht so leicht runter.

Lastenträger, Schlitten und Maultiere werden nur mehr am Himalaya oder zu Weihnachten gesichtet.

Wer einmal eine Busfahrt über kurvige Bergstraßen kotzend verbracht hat, tauscht das Rad sofort wieder gegen gute Wanderschuhe.

Thomas Edison war nicht der Erste, der Fäden mit elektrischem Strom zum Glühen brachte. Heinrich Goebel und Warren de la Rue waren ihm voraus. Dank seines Marketinggeschicks heimste der US-Amerikaner die Erfinderlorbeeren ein.

Eigentlich ein Nebenprodukt der Elektrizitäts-Forschung: Funken von bläulicher Farbe inspirierten Forscher wie Humphrey Davy. Ihm gelang es 1813 erstmals, mit seiner Bogenlampe künstliches Licht herzustellen.

Kerzen, Öl-, Gaslampen sind unverzichtbares Zubehör eines jeden Romantikers und/oder Pyromanen. Im Alltag überzeugt die Glühbirne in punkto Sicherheit und Komfort.

Big Foot hätte Platz im ökologischen Fußabdruck der Glühbirne: Denn nur etwa fünf Prozent der eingesetzten Energie wandelt die Glühbirne in Licht um. Bis die Energiesparlampe kam und die Welt rettete.

Der Amerikaner Martin Cooper gilt als Erfinder des Mobiltelefons. Es war in den 70ern ein Flop. Wer braucht schon ein 800 Gramm schweres, 3500 Dollar teures Ungetüm? Versuche mit Radio-Telefonie gab es schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Ob Cooper mit fixen Bindungen ein Problem hatte, ist nicht überliefert. Sein Ziel war, dass irgendwann jeder ohne Kabel-Anschluss telefonieren kann. Da war ihm zunächst auch egal, dass die Handy-Batterie seines Modells nur 20 Minuten hielt.

Telefonzellen. Die benutzt heutzutage nur noch Harry Potter als Lift.

Lebensgeschichten, Beziehungsprobleme, Bürogeheimnisse – längst kennen wir den plappernden Sitznachbar in der Straßenbahn besser als unsere Freunde.

„Klemmöffner und -schließer für Schuhe“ – so der etwas sperrige Name von Whitcomb L. Judsons Erfindung 1893. Elias Howe kam zwar 40 Jahre früher auf eine ähnliche Idee. Er verwirklichte sie aber nicht.

Der US-Amerikaner Judson war dick. Beim Binden seiner Schuhbänder kam er außer Atem. Deshalb tüftelte er an Alternativen zum Schnürsenkel.

Stundenlanges Warten, bis der Mann des Herzens endlich die zehntausend Knöpfe seines Hemdes aufgemacht hat. Ritsch, Reissverschluss auf und ab die Post.

Eile. Schnell noch auf die Toilette. Reißverschluss zu. Haut zwischen Metall. Schmerz. Vorgemacht hat uns das eindrucksvoll Ben Stiller im Film „Verrückt nach Mary“.

Das US-Militär wollte in den 1960ern seine Computer miteinander vernetzen, damit im Falle eines Atomkriegs keine Daten verloren gehen. Der Brite Tim Berners-Lee machte in den 1990ern durch die Einführung von Links das Netz massentauglich.

In einer Zeit, in der Globalisierung noch als wünschenswert galt, beschlossen ein paar Nerds, die Welt ein Stück kleiner zu machen. Wie winzig sie dank Facebook, Skype und Google werden sollte, ahnte damals noch keiner.

Gedruckte Tageszeitungen haben es schwerer seit das Internet in Haushalte und mittlerweile Hosentaschen eingekehrt ist. Und wer kauft sich eigentlich noch einen Weltatlas?

Facebook weiß, was ich letzten Sommer getan habe (sofern ich meine Fotos hochgeladen habe). Und es scheint, als würde Google das schaffen, woran Pinky und Brain hoffnungslos scheiterten – die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Die Olmeken in Mittelamerika kultivierten vor 3.000 Jahren als erstes Volk die Kakaopflanzen. Die Azteken nannten ihr daraus erzeugtes Heißgetränk „Xocolatl“, die Spanier brachten die rötlich braunen Bohnen schließlich nach Europa.

Reinigen, rösten, brechen, schälen, mischen, kneten, walzen, verfeinern, formen: Fertig ist eine Tafel Schokolade. Schweizer und Belgier entwickelten im 19. Jahrhundert die heute bekannte Schokolade.

Schokolade kann nichts ersetzen und Schokolade ersetzt auch nichts.

Damit eine Tafel Schokolade weniger als einen Euro kostet, müssen Kakaobauern unter prekären Bedingungen arbeiten. Lieber ein bisschen mehr zahlen und mit gutem Gewissen schlemmen.

Wahrscheinlich haben die Mesopotamier vor 5.000 Jahren das Bier erfunden. Brauereien gibt es seit dem Mittelalter.

In frühzeitlichen Bäckereien vergor halbfertig gebackenes Brot im Wasser zum „Ur-Bier“. Besser schmeckt es aber, seit Brot durch Malz ersetzt wurde.

Wenn man einschlägigen Sprüchen Glauben schenken will, ersetzt Bier so manchem Mann die Frau. Andernfalls ersetzt ein Bier aufgrund seines Kalorienwerts schon mal eine Mahlzeit.

Kater. Bierbauch.

Arthur L. Fry erinnerte sich in den 1970er Jahren an die Erfindung seines Kollegen Spencer Silver, der eigentlich einen Superkleber entwickeln wollte und scheiterte. Er klebte nicht stark genug.

Die Kirche ist indirekt für das Post-It verantwortlich. Chorsänger Fry fielen während der Messe die Lesezeichen aus dem Notenbuch.

Ausreden oder dein Kurzzeitgedächtnis zum Beispiel. Notizen und Erinnerungen auf dem Post-It kannst du nicht mehr übersehen.

Wer bringt Ordnung in die 12.000 Post-Its auf der Wand vor dem Schreibtisch?

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DURST 2/10


WIE WIRD MAN EIN DICHTER? In den USA längst der Renner, in Österreich noch kaum etabliert: In Werkstätten wird kreatives Schreiben gelehrt. Wie geht das eigentlich? Und wird man so wirklich ein erfolgreicher Autor? von Martina Powell

Plan. So diskutieren seit einem Jahr 16 handverlesene Bachelorstudenten ihre Texte in der Gruppe, besprechen Lösungen zu Schreibblockaden oder üben sich im Perspektivenwechsel. In den späteren Semestern erzählen dann Vertreter von Verlagen den Studierenden, wie man sein Manuskript an den potenziellen Arbeitgeber bringt. Robert Schindel, Institutsleiter und selbst Schriftsteller, vergleicht Schreiben mit der Komposition und der Malerei und sagt: „Talent und Kreativität müssen die Studenten schon selbst mitbringen. Schreibwerkstätten können nur jene Kreativität herauskitzeln, die schon drinnen steckt. Wir können mit unseren Kursen nur die Zeit verkürzen, die man mit formalen Fehlern und dem Erlernen der Technik zubringt.“

D

KREATIVE SCHREIBIMPULSE IN SALZBURG Am Musischen Gymnasium in Salzburg ließ Wolfgang Mühlbacher seine Schüler argumentieren, warum man nicht mit eckigen Fußbällen spielen soll, oder auf welche Art und Weise man nass werden kann. Der Anstoß für kreatives Tun bestehe darin, seine Sehgewohnheiten zu verändern, die Perspektive zu erweitern oder sich von Normen zu befreien, sagt der Pädagoge, der vor über zehn Jahren den Lehrplan für das Schwerpunktfach „Literatur“ entwickelte. Nun in der Erwachsenenbildung tätig, verfasste der studierte Jurist aufgrund seiner Erfahrungen an DURST 2/10

Statt an Bettlern vorbeizugehen, hat der Grazer Künstler Bernhard Wolf ihnen ihre Schilder abgekauft und sie im Grazer Kunstverein < rotor > ausgestellt. Darunter befanden sich auch diese Pappkartons eines obdachlosen Straßenkünstlers in den USA, der aus dem Stegreif gereimt hat. Wir hoffen allerdings, den Absolventen und Absolventinnen der Creative Writing-Klassen steht eine rosigere Zukunft bevor. Mehr zu Bernhard Wolf unter www.bwolf.at

der AHS drei Schulbücher zum Thema „Creative Writing“ (siehe auch Seite 8). Sein Zugang: „Du darfst beim kreativen Schreiben erst einmal alles, auch wenn es noch so verrückt klingt.“ Handbücher zum kreativen Schreiben wird man an der Universität für Angewandte Kunst in Wien vergeblich suchen. Am ersten österreichischen Hochschullehrgang für kreatives Schreiben namens „Sprachkunst“ setzt man auf die praktische Erfahrung von Schriftstellern und den Austausch mit Kennern der Branche. Während es am Gymnasium noch eher spielerisch zugeht, stehen bei „Sprachkunst“ Vorlesungen wie „Ästhetik“, oder „Sprachprojekte“ zu den Themen Essay, Lyrik und Kurzprosa auf dem

SCHREIBWERKSTÄTTEN IN ÖSTERREICH Das Angebot der „Schule für Dichtung“ reicht von Schreibworkshops bis zu Seminaren über „akustische Poesie“. Infos unter: http://sfd.at An der Universität für Angewandte Kunst bietet das Institut für Sprachkunst eine dreijährige Schriftsteller-Ausbildung an. Mit Aufnahmeprüfung. www.dieangewandte.at Eine der ersten professionellen Schreibwerkstätten an Schulen gab es am Musischen Gymnasium in Salzburg. www.musgym.salzburg.at 180 bis 200 Euro kostet die Teilnahme in der Werkstatt für Kinderbuch und Jugendliteratur namens „Der Texthobel“ in Wien. Anmeldung unter: www.texthobel.at

EINFACH MACHEN LASSEN Das glaubt auch Jörg Piringer: Der „sound poet“ unterrichtete ein Jahr lang die erste Klasse für „akustische Poesie“ an der Schule für Dichtung in Wien, an der er einst selbst Schüler war. Der freie Künstler will dabei seinen Schülern keine Richtung vorgeben. Seine Methode: „Den Schülern Werkzeuge in die Hand drücken, ihnen zeigen, wie sie funktionieren oder Werke anderer Künstler vorstellen, die als Inspiration dienen können. Und dann einfach machen lassen.“ Denn Kunst lehren, das sei nicht möglich, meint Piringer. „Was man an Kunstschulen lernt, das kann man sich eigentlich auch selbst beibringen.“ Den Vorteil von Werkstätten sieht der Künstler jedoch darin, dass man ein Netzwerk aufbauen kann, Gleichgesinnte trifft und lernt, Kunst zu verkaufen. In einem sind sich die Pädagogen einig: Das gelöste „Zeilenpuzzle“ und der erfolgreich ausgefochtene „lyrischen Dreikampf “ machen aus einem bemühten Schreiber noch keinen Schriftsteller. Ohne Begabung sind Studiengänge des kreativen Schreibens genau das, was sie nüchtern betrachtet schon immer waren: eine Anleitung zur produktiven Selbstreflexion. Und leider keine Erfolgsgarantie. 5

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FOTO CHRISTIAN BRETTER; ILLUSTRATION: KURT RUDOLF

reimal täglich „Zeilenpuzzles“, morgens der „lyrische Dreikampf “ und zwischendurch die „Assoziationslenkung“. Was klingt wie eine Genesungskur aus einer alternativen Homöopathenzeitschrift, sind tatsächlich ernst gemeinte Übungen zum „Creative Writing“ – jenem methodische Ansatz, der lautet: Schreiben ist lehrbar. Im deutschsprachigen Raum erzeugen Buchtitel wie „Garantiert Schreiben lernen“ oder „Wie man einen Thriller schreibt“ meist ablehnende Reaktionen: Das seien von kommerziellen Interessen geleitete Versuche, wenig begabten Hobbyliteraten Zeitvertreib zu verschaffen. In den USA geht man hingegen pragmatisch damit um: Dort gibt es seit den 1920er-Jahren an Hochschulen Schreibkurse. 418 US-Universitäten erforschen mittlerweile Creative Writing und etwa 7000 Studenten belegen Creative Writing derzeit als Fach. Die Namen mancher Absolventen findet man heute im eigenen Bücherregal und auf den Bestsellerlisten: John Irving lernte von Kurt Vonnegut an der Universtity von Iowa und unterrichtete später T.C. Boyle. Auch der Brite Ian McEwan hat mal Schreibkurse belegt. In Österreich ist das Angebot an solchen Schulen noch immer überschaubar. Trotzdem stellt sich auch bei uns langsam nicht mehr die Frage, ob Schreiben lehrbar ist. Sondern wie.


JETZT SEI MAL KREATI ! Kann man Kreativität lernen? Ist jeder kreativ? Zumindest theoretisch? Helfen Drogen? Fragen über Fragen. DURST hat die Antworten.

Es lässt sich alles mit allem verknüpfen: Ausschnitt einer Skulptur von Christian Ganzer.

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FOTOS: CHRISTIAN BRETTER; ILLUSTRATION: KURT RUDOLF

von Valentin Ladstätter


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enn man den Online-Katalog Amazon nach dem Begriff „Kreativität“ suchen lässt, spuckt er knapp 24.000 Artikel aus, die alle irgendetwas mit Kreativität zu tun haben. Der multimediale Markt mit diesem Wunderwuzzi boomt. Aber was genau ist diese Kreativität eigentlich? Können wir an einem teuer bezahlten Wochenende wirklich kreativ werden? Es zumindest lernen? Aber ist das nicht ein Widerspruch in sich? Ein Kochrezept für spontane Einfälle? Ein Programm in zwölf Schritten für revolutionäre Ideen? Gibt‘s das? Zugegeben: Die Wege zur Kreativität sind durchaus unterschiedlich. So wartet Stararchitekt Frank Gehry bevorzugt darauf, dass ihm die Ideen „auf den Kopf schlagen“. Quentin Tarantino mopst sich die Ideen anderer, kombiniert sie, verändert sie ein bisschen und voilà. Einige Bücher und Coaches geben den Rat, sich in der Gruppe einem Problem zu nähern. Die Methoden sind weitgehend bekannt: Brainstorming, Mindmapping, Brainwriting, so lange es englisch klingt und etwas mit dem Gehirn zu tun hat, kann man damit auf neue Ideen kommen. Einen anderen Weg geht die Schriftstellerin Amy Tan. Sie ist der Meinung, dass starke persönliche Erfahrungen, wie zum Beispiel Kindheitstraumata oder der nahe Tod, die wichtigsten Rollen spielen. In solchen Situationen sei die Konzentration erhöht und die Ablenkung wesentlich geringer als im Alltag. Generell wird von vielen kreativen Geistern die Meinung vertreten, dass Schmerz zur Kreativität führt. Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe trennte sich angeblich gleich mehrmals von Frauen, die er immer noch liebte, um diesen Zustand des Schmerzes bewusst herbeizuführen.

DIE GÖTTLICHE EINGEBEUNG Schließlich gibt es noch die Gruppe der Künstler und Kreativen, die an ein göttliches Prinzip hinter der Ideenfindung glauben. Der sogenannte Geniekult, der es im 18. und 19. Jahrhundert (Sturm und Drang, Romantik) zu besonderer Popularität brachte. Schon im antiken Griechenland war man der Ansicht, dass neue Ideen von göttlicher Hand zu den Menschen gebracht werden. Die Griechen waren davon überzeugt, dass Kreativität nicht von Menschen, sondern zu den Menschen kam. Selbst so große Denker wie Sokrates glaubten, DURST 2/10

dass ihnen ihre Kreativität geschenkt wurde. Die Römer übernahmen diese Idee und gaben den Kräften einen neuen Namen: Genius. Damit war eben ein Geist gemeint, ein göttlicher Funke, vielleicht ein Schutzengel, der den Menschen zumindest zum Teil ihre Einfälle lieferte. Im Weltbild der Römer hatte jeder Mensch seinen ganz persönlichen Genius. Wenn also ein Denker oder Künstler Großes vollbrachte, dann wurde ihm nicht die gesamte Anerkennung zu Teil. Andererseits, wenn man versagte, war es nicht komplett die eigene Schuld. Doch dann kam die Renaissance. Alles änderte sich schlagartig. Man stellte den Menschen ins Zentrum des Universums. Seit dieser Zeit hat man keinen Genius mehr, sondern man ist bestenfalls einer. Heute steht also der Mensch selbst im Vordergrund. Die humanistische Bewegung hält nach wie vor an. Zwar gibt es immer noch viele Künstler, die angeben, ihre Inspiration von einer höheren Kraft zu bekommen – wie den Sänger Tom Waits, die Poetin Ruth Stone oder die Schriftstellerin Elizabeth Gilbert. Aber die Quellen für Kreativität sind heute breiter gefächert als früher. Kooperationen, Einflüsse anderer Künstler, oder – wie zum Beispiel für den Reisejournalisten und Autor Helge Timmerberg das Gefühl der Angst –, werden nun als Inspiration gepriesen. Auf was aber definitiv seit Generationen geschworen wird, sind Alkohol und Drogen. Sigmund Freud schätzte Kokain, Edgar Allan Poe liebte Opium, Aldous Huxley bevorzugte Meskalin und Jimi Hendrix wird nachgesagt, dass er sogar unter seinem Stirnband LSD versteckte, um es direkt mit den Poren seiner Stirn aufzunehmen. Auch Jim Morrison, die Rolling Stones und die Beatles nahmen Bewusstseinserweiterndes: „We all live in a yellow submarine.“ Schon immer nahmen Künstler Drogen in der Hoffnung auf kreative Ideen. Vor allem psychedelische, bewusstseinserweiternde Substanzen sind nach wie vor beliebt, weil sie die Möglichkeit bieten, dem Rahmen der Wirklichkeit zu entkommen und neue Assoziationen und Bilder entstehen zu lassen. Umgekehrt gibt es auch Fälle, in denen kreative Menschen von Ängsten oder Selbstzweifeln geplagt sind und zu Beruhigungsmitteln oder Alkohol greifen, um diese zu überwinden. Allerdings zeigte eine der wenigen Studien zum Thema, dass Alkohol die Kreativität eher bremst, vor allem, wenn er während der Arbeit eingenommen wird.

UNTERSCHIED GEHIRN Der Grund, warum trotzdem viele kreative Menschen zu Flasche, Spritze oder Ähnlichem greifen, um ihrer Probleme Herr oder Dame zu werden, liegt in ihren Gehirnen begraben. Laut einer Untersuchung von Hirnforscherin Katrin Amunts unterscheiden sich

Hinten im Eck sieht man die ganze Skulptur im Atelier von Christian Ganzer.

die Gehirne von Hochbegabten und „Genies“ in ihrer Feinstrukturierung von denen Normalsterblicher. Gleichzeitig aber ähneln sie denen von Menschen mit schizophrenen Persönlichkeitsmerkmalen. Der Mythos der Nähe von Genie und Wahnsinn scheint laut moderner Hirnforschung so mystisch nicht zu sein. Dafür, dass Kreativität mit unserem Gehirn zu tun hat, gibt es ein weiteres Indiz: die sogenannte Synästhesie. Dieses Phänomen bezeichnet die Überlagerung zweier Sinneswahrnehmungen. Es kommt zum Sehen von Tönen, zum Hören von bewegten Bildern und – am seltensten – sogar zum Schmecken von Formen. Das funktioniert so: In unserem Gehirn gibt es bestimmte Areale, die für unsere fünf Sinne zuständig sind. Vom Embryonalstadium bis zur Geburt hängen diese Sinneszentren zusammen. Danach trennen sie sich voneinander, sodass ein Areal für die Interpretation von Schallwellen, ein anderes für die Auslegung von Licht und so weiter verantwortlich ist. Die Trennung der Sinneszentren findet aber nicht bei allen Menschen statt, sodass sich manche eben bei einem Rockkonzert über die vielen bunten Farben freuen können. Einer amerikanischen Studie zufolge ist Synästhesie unter Künstlern achtmal häufiger als unter weniger kreativen Menschen. Prominente Beispiele sind Paul Klee, Frank Zappa oder Wassily Kandinsky. Mit der Synästhesie schließt sich auch wieder der Kreis zu den Drogen. Einer ganzen Palette von Halluzinogenen wie LSD oder Magic Mushrooms werden synästhetische Effekte nachgesagt. Doch nur durch Kreativität kommt kein Erfolg. Was viele nicht unbedingt wahr haben wollen ist, dass zwischen

einer ersten Idee und dem fertigen Bild, dem vollendeten Roman oder dem aufgenommenen Album unendlich viel Arbeit steckt. Der berühmte Geistesblitz gehört zwar durchaus dazu, aber von der Arbeit blieb bisher keiner der großen Kreativen verschont. Wie die Expertiseforschung ergibt, sind im musikalischen Bereich zehn Jahre intensive Übung und Beschäftigung mit der Materie – das heißt fünf bis sechs Stunden pro Tag – das Minimum, um Außerordentliches zu vollbringen. Das soll nicht heißen, dass nur solche „Besessenen“ ihres Fachs kreativ sein können, schließlich beginnt Kreativität nicht beim Nobelpreis. Aber es ist ein Irrglaube, dass Anstrengung nicht zur Kreativität gehört.

DIE INNERE STIMME IGNORIEREN Was sagt uns das in Hinsicht auf die Erlernbarkeit der Kreativität an einem Wochenende oder beim Lesen eines einzigen Buches? Ratgeber und Coaches sind gut für ein paar kleine Tipps, aber im 12-Step-Programm wird man kein Meister. Worin sich aber nahezu alle Experten einig sind, ist, dass jeder die Anlage zur Kreativität in sich trägt. Das Problem der Meisten ist nur, dass sie sich zu sehr durch gelernte und gesellschaftlich akzeptierte Wege und Normen von ihren Ideen abbringen lassen. Da ist die innere Stimme, die Dinge sagt wie „Das klappt doch eh nicht!“ oder „Wenn dich jetzt jemand sehen könnte …“ Oder anderen Blödsinn, mit dem unsere Kreativität zugunsten von Bequemlichkeit und Faulheit vor die Hunde geht. Um den kreativen Prozess anzukurbeln, muss man zumindest eine Zeit lang diese innere Stimme ignorieren. Und einfach machen. 5

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LEBENSDURST

DAS GROSSE KUNSTDING Vernissagen, Partys und Systemkritik: Was steckt hinter dem Mythos um die Kunstuni? Was macht die Angewandte zur sexiesten Uni des Landes?

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in warmer Juninachmittag. Vor der Schönbrunner Orangerie stehen Menschen und rauchen, telefonieren, warten auf jemanden. Die Kleidung ist extravagant, so etwas fällt auf in Wien. Man hat sich schön gemacht, sich mal etwas getraut. Die jährliche Show der Modeklasse der Angewandten ist schließlich mehr als ein Fixpunkt im Kalender für Modeinteressierte. Sie ist

die vielleicht wichtigste Show in der recht überschaubaren Wiener Modeszene. Heute soll es zwei identische Durchläufe geben. Die Halle wird bei beiden Shows voll sein. Dazwischen wird geräumt. Der einzige Unterschied: Abends wird mehr Prominenz erwartet. Das Interesse der Medien ist aber nicht nur deshalb groß. Weil vergangenes Jahr der in Antwerpen geschulte deutsche

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Modedesigner Bernhard Willhelm die Modeklasse übernommen hat, sind die Erwartungen in diesem Jahr besonders hoch. Man hofft auf spektakuläre Designs und Inszenierungen. Außerdem steht schließlich „Angewandte“ auf dem Plakat. Die Show beginnt. Die Wiener Universität für Angewandte Kunst ist neben der Akademie der Bildenden Künste die

renommierteste Kunstuni des Landes. In dem Gebäude am Oskar-KokoschkaPlatz, gleich neben dem Museum für Angewandte Kunst, werden Architekten, Designer, Restaurateure, Mediengestalter – und was der Kunstbetrieb sonst noch so hergibt – ausgebildet. Das nationale und internationale Renommee ist beachtlich – die Bildungsstätte kann auf eine lange Tradition zurückblicken. DURST 2/10

FOTOS: GEORG ECKELSBERGER, ILLUSTRATION: KURT RUDOLF

von Georg Eckelsberger


Die Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, aus der später die Universität für Angewandte Kunst entstand, wurde 1867 gegründet. Der wohl berühmteste Schüler aus dieser Zeit: Gustav Klimt. Die Moderne brachte eine Reform der Kunstgewerbeschule, Persönlichkeiten wie Oskar Kokoschka, Kolo Moser und Franz Cizek wurden als Lehrer geholt. Seit 1941 hat die Kunstschule de facto Universitätsrang, im Gesetz wurde dieser erst später festgeschrieben. Heute studieren etwa 1600 Hörerinnen und Hörer an der Angewandten. Sie werden von 340 Lehrenden unterrichtet, jedes Jahr schließen etwa 150 Studierende mit Magister/Magistra oder Doktor/in ab. Daraus ergibt sich ein Lehrenden/Studierenden-Verhältnis, von dem man an anderen Unis nur träumen kann. Aber macht das alleine die Anziehungskraft der Angewandten aus? Und wer studiert überhaupt an der Angewandten?

SONDERBARE LEUTE Stell dir die Jungs und Mädls aus deiner alten Schule vor, die in der großen Pause im gegenüberliegenden Eck des Hofs sitzen und rauchen. Über sie kursieren seltsame Geschichten, weil sie den anderen etwas unheimlich sind. Das liegt daran, dass jeder spürt, dass hinter ihren Posen tatsächlich mehr steckt. Als wüssten sie schon etwas, das die meisten anderen nie verstehen werden. Diese Jungs und Mädls sitzen heute immer noch in der Ecke gegenüber. In der Angewandten. Manche rauchen, andere machen Installationen. KRASSE PARTYS UND KARRIERE Auch nach dem zweiten Durchlauf der Modenschau ist an diesem Juniabend nicht Schluss. Die offizielle Aftershowparty findet in der Pratersauna, der momentan hippsten Location Wiens, statt. Auf Facebook haben sich schon DURST 2/10

Tage vorher hunderte Gäste angekündigt. Mittlerweile ist es Mitternacht. Die Outfits werden schriller, viele Models haben sich nach der Show gar nicht erst umgezogen. Die Modenschau geht als Party weiter. Während man drinnen zu elektronischer Musik tanzt, drängen sich draußen Männer in goldenen Käferkostümen an der Bar. Irgendwo dazwischen steht Max Salesse und freut sich darüber, wie gut die Party läuft – er hat sie schließlich veranstaltet. Max Salesse ist 26 jahre alt, lebt seit acht Jahren in Wien und studiert seit zwei Jahren Industriedesign an der Angewandten. Er wurde in London geboren, hat eine englische Mutter und einen französischen Vater. Vor seinem Studium lernte er Grafikdesign an der Wiener Kunstschule, arbeitete selbstständig und war Veranstalter am Wiener Badeschiff. „Ein bisschen aus Gewohnheit“ veranstaltet er nun Partys im Namen der Industriedesign-Klasse der Angewandten. Warum Partys und die Angewandte untrennbar verbunden sind, weiß auch er nicht genau. „Ich studiere vielleicht noch nicht lange genug hier, um das zu sagen, aber ich gehe schon zu Angewandten-Partys, seit ich in Wien bin.“ Dass der Name Angewandte auf dem Flyer viele Gäste anzieht, ist ihm klar. „Für Leute von draußen ist es prinzipiell egal, welche Klasse die Party macht. Hauptsache es steht Angewandte drauf “, so Salesse. Warum das so ist? „Angewandte-Partys haben den Ruf ausgeflippter zu sein. Die Stimmung ist eben anders, als wenn du zu einer Party auf der Technischen Universität gehst. Es liegt vielleicht auch daran, dass an der Angewandten viele ein bisschen einen Knall haben.“ Am Ende bleibt es eine Studentenparty. „Nur weil es eine Party der Angewandten ist, gibt es nicht unbedingt ein größeres Angebot an Kunst“, so Salesse. Die unterschiedlichen Klassen der Angewandten nutzen die Feste seit Jahren, um ihre Klassenkassen aufzubessern. Als Location diente bis vor etwa einem Jahr die Universität selbst. Da keine Miete fällig war, konnten die Eintrittspreise niedrig gehalten werden – bis die Universitätsleitung nach unbestätigten Zwischenfällen einen Schlussstrich zog. Jemand sei in das Büro des Rektors eingebrochen, Fax-Geräte seien aus den Fenstern geflogen, ein Pärchen hätte Sex auf einem Ausstellungsobjekt gehabt – um den Grund für das Ende der Partys im Uni-Gebäude ranken sich viele Gerüchte. Fest steht: „Es wird nicht so schnell wieder Partys an der Angewandten in diesem großen öffentlichen Rahmen geben“, so Salesse. Mit der Pratersauna oder dem Club-U wurden aber schnell andere geeignete Locations gefunden. Die Partys und deren vermeintlich kreatives Klientel sind bei den Clubbesitzern begehrt. Anstatt wie früher drei Euro kostet der Eintritt aber nun schon mal um die zehn Euro. Die Gäste kommen trotzdem.

„Man hat Zugang zu den verschiedenen Werkstätten, es gibt einen guten Austausch zwischen den Studierenden in der Klasse, aber auch mit Leuten aus anderen Studienrichtungen.“ Einige Erwartungen an die Angewandte hat auch Lukas, der sich diesen Herbst für die Modeklasse bewirbt. Sein Name wurde von der Redaktion geändert, das Aufnahmeverfahren ist zu Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen. „Ich erwarte mir gute Karrierechancen, die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen“, sagt Lukas, der vor seiner Bewerbung bereits ein Kolleg an einer Wiener Modeschule abgeschlossen hat. An der Angewandten hofft er nun freier arbeiten zu können als bisher. Der direkte Weg in den Beruf ist für ihn noch keine Alternative. „Ich will die Möglichkeit haben, verrückte Sachen zu machen. Wenn man bei einem Label angestellt ist, ist das sehr schwierig.“ Ob er aufgenommen wird, entscheidet sich zu Beginn des Semesters. Geschätzte 200 Bewerbungen für die begehrten Plätze in der Modeklasse der Angewandten soll es geben. Nur etwa zehn von ihnen werden am Ende einen Studienplatz bekommen. Im Auswahlverfahren wird den Bewerbern deshalb einiges abverlangt. Eine umfangreiche Bewerbungsmappe muss selbstständig angefertigt und bis Mitte September abgeliefert werden. Lediglich ein Feedback-Termin wird angeboten, um den Bewerbern die Möglichkeit zu geben, herauszufinden, wo sie stehen. Lukas hat dort sechs Stunden auf die Beurteilung seiner Arbeiten gewartet, aber es hat sich gelohnt, sagt er heute. Er will versuchen sich von der Masse abzuheben. Damit ist er wohl nicht der Einzige. Und die Angewandte ist ein guter Ort dafür.

Die Modenschauen der Angewandten sind so ausgeflippt wie ihre Partys.

Aber nicht nur in Zusammenhang mit ihren berühmten Festen ist die Angewandte in Wien längst eine Marke. Auch die Namen der Studierenden sollen im Laufe das Studiums zu einem Label werden. Samt grafischem Konzept, Logo und Website, versteht sich. Einer von ihnen ist Bernhard Fuchs. Er studiert seit drei Jahren Grafikdesign an der Angewandten. In der Galerie LOVE_ im neunten Wiener Gemeindebezirk stellte er Anfang September seine Arbeiten in berlinesquefamiliärer Atmosphäre aus. Anlass ist die Geburtstagsfeier des Wiener Indie-Labels Fettkakao. Die Musiker und Künstler kennen sich, teilen sich die Geburtstagstorte. Warum er sich für eine Studium an der Angewandten entschieden hat? „Meine Eltern sind der Meinung, dass Grafikdesigner ein Job mit Zukunftsperspektive ist“, antwortet er. Gut, jetzt mal im Ernst? „Ich schätze die Angewandte wegen der vielen Möglichkeiten, die sie bietet“, sagt Fuchs.

STUDIEREN MIT STREITKULTUR Wenn die Vizerektorin der Angewandten Barbara Putz-Plecko über ihre Uni spricht, erzählt sie von durchlässigen Strukturen, der Umgestaltung von Systemen, von der Förderung von Kommunikation. Immer wieder sagt sie, dass die Studierenden die Möglichkeit bekommen sollen „über den eigenen Tellerrand zu blicken“ – man wolle nicht „engstirnig für ein bestimmtes berufliches Feld“ ausbilden. Um das zu ermöglichen, brauche es „ein ernsthaftes aufeinander Einlassen“, so Putz-Plecko. „Keine verhätschelnden Fördermaßnahmen, sondern Verhandlungsräume und eine gewisse Streitkultur.“ So könnten neue Dinge entstehen, neue Wege gefunden werden. Die Ausbildung, die Partys, die Modenschauen – das alles verbinde die Art, wie immer wieder die Grenzen neu gezogen würden. „Das macht die Anziehungskraft der Angewandten aus“, so Putz-Plecko. „Ich bin aber dagegen zu generalisieren. Nicht alles ist gut, nicht alles ist schlecht. Wir sind keine Insel der Seligen.“ 5 WWW.DIEANGEWANDTE.AT

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AS BAUKASTEN RINZIP Individuelle Studien werden von A-Z von den Studierenden selbst erstellt. Dazu muss man ziemlich genau wissen, was man will – und man braucht viel Zeit zum Planen. Die Universität Wien bietet solche Studiengänge an. von Mara Simperler

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Aus dem bestehenden Lehrangebot der Uni Wien bastelt der Anwerber dann sein eigenes Studium zusammen. Das heißt auch, sich ein Qualifikationsprofil, eine Prüfungsordnung und die Studienziele genau zu überlegen. Nur, wenn sich im regulären Studienkatalog kein vergleichbares Angebot finden lässt, und das individuelle Studium von der Qualität her mit einem regulären Studium vergleichbar ist, kann der Antrag genehmigt werden. „Das ist normalerweise ein Prozess, an dem an der Universität Wien für Regelstudien viele Fachvertreterinnen und Fachvertreter monatelang arbeiten, weil es eine sehr diffizile Arbeit ist, die Studieninhalte so zusammenzubringen“, sagt auch Roland Steinacher, zuständig für den Bereich Studium/ Lehre im Rektorat der Uni Wien. Trotzdem machen sich jedes Studienjahr 30 bis 40 Studierende die Mühe, ein Individuelles Studium zu beantragen. Etwa 15 bis 20 Anträge werden dann tatsächlich genehmigt. Von Fischereibiologie und Gewässerökologie bis zu Judaistik aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Sicht – die Themenpalette der Anträge ist breit gefächert. „Orchideenfach“ wäre als Bezeichnung dafür noch stark untertrieben. Das Individuelle Studium ist eigentlich ein Relikt aus den Jahren, in

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denen die Unis nicht nur altehrwürdig waren, sondern auch relativ steif und unflexibel. Bis in die 1990er-Jahre gab es nur eine bestimmte Liste an Studien, die an allen Unis in Österreich gleich war. „Seit der Autonomie der Universitäten gibt es da viel mehr Flexibilität im Studienangebot und dadurch mehr Auswahl für die Studierenden“, erklärt Blum. Mittlerweile bietet alleine die Universität Wien 179 Studiengänge mit insgesamt rund 10.000 Lehrveranstaltungen pro Studienjahr an. Das Individuelle Studium ist trotzdem nicht ausgestorben, die Antragszahlen seit Jahren konstant. Bei einer Anfängerzahl von bis zu 14.000 Studierenden pro Jahr machen sie aber einen vergleichsweise geringen Anteil aus.

WAS HAB ICH DENN DAVON? Ganz anders verhält es sich mit einigen Studien, die zwar auch unter dem Namen „Individuelles Studium“ laufen, aber eigentlich etwas anderes sind. Das individuelle Diplomstudium Internationale Entwicklung etwa hat einen regelrechten Boom erlebt. Über 2000 Studierende gab es im vierten Jahr des Bestehens (siehe Artikel rechts). Der Unterschied zu einem „individuellen“ Individuellen Studium liegt jedoch im Entstehungsprozess. Denn während bei Ersterem die Initiative wirklich von

FOTO: MARA SIMPERLER

berfüllte Hörsäle in SoziologieVorlesungen, genervte Professorinnen und Professoren in Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, elendig lange Wartelisten in POWI-Seminaren ... Warum sich das antun, wenn man auch ganz gemütlich als Einzige „Fischereibiologie und Gewässerökologie“ als Individuelles Studium belegen könnte? Als reguläres Studium wird so etwas Spezialisiertes an der Universität Wien zwar nicht angeboten – aber man kann es sich selbst zusammenstellen. Das ist allerdings nicht so einfach. Individuelle Studien werden angefangen vom Studienplan bis hin zur Prüfungsordnung vom Studierenden selbst zusammengestellt – und nicht wie sonst von einem Gremium aus lauter erfahrenen Fachleuten. „Es ist eine enorme Infoarbeit“, sagt Cornelia Blum, Pressesprecherin der Universität Wien. Denn um eine Genehmigung für ein Individuelles Studium zu erhalten, muss man sich als Bewerber vor allem einmal durch die Studienpläne der existierenden Studiengänge durchkämpfen: „Da wird es nicht reichen, sich die Liste anzuschauen mit den Titeln der jeweiligen Studien, sondern man muss sich reintigern in die einzelnen Curricula und schauen, wo was genau drinnen ist.“

einer Einzelperson ausgeht, steckt im Studienplan der Internationalen Entwicklung die Arbeit von Fachvertretern aus verschiedensten Bereichen. Blum bezeichnet solche Individuellen Studien als „Studienversuche“ und stellt klar: „Das sind zwei Paar Schuhe, die im Moment unter dem gleichen Label laufen.“ Der Beliebtheit des Studiums Internationale Entwicklung ist es übrigens auch zu verdanken, dass es – genauso wie etwa Religionswissenschaft – mittlerweile als reguläres Studium im Universitätsangebot aufscheint. Einen Vorteil bringt ein richtiges Individuelles Studium aber auf jeden Fall: Wer sich so intensiv mit den Inhalten eines Studiums auseinandersetzt, weiß genau, was er oder sie mit einem Abschluss darin machen kann. Auch die aufwändige Organisation kann eine wichtige Erfahrung für das spätere (Berufs-)Leben sein. Blum hält es letzten Endes zwar für sekundär, über welchen Weg man in den Arbeitsmarkt kommt. Wichtiger sei es, zu wissen, wo die eigenen Kompetenzen liegen. Aber: „Wer sich überlegt, ein individuelles Studium zu machen, macht sich diesen Prozess noch stärker bewusst.“ Bevor sich jetzt aber hunderte enthusiastische Studierende daran machen, ein Individuelles Studium zu entwerfen, um den Lebenslauf aufzupolieren, sollten sie lieber auf einen Rat von Roland Steinacher hören: „Es ist relativ schwierig, ein Curriculum zu entwerfen, das so outstanding new ist, dass es nicht unter Umständen auch in einem Regelprogramm schon gut abgedeckt werden kann.“ Und trösten kann man sich auch damit: In der überfüllten SoziologieVorlesung muss sich der Individuelle Student genauso auf die Treppen setzen wie alle anderen auch. 5 INFOS: STUDIENBERATUNG DER UNI WIEN STUDENTPOINT.UNIVIE.AC.AT TEL. 01 / 4277 10600 DURST 2/10


VO DER ORCHIDEE ZUM GÄNSEBLÜMCHEN Ein autonomes Projekt fügt sich dem System: Professoren am Institut Internationale Entwicklung der Uni Wien ziehen eine kritische Bilanz über ihr erstes Bachelor-Jahr von Martina Powell

inst war es das sprichwörtliche Dorf der Gallier. Ein Ort kritischer Köpfe, die der zentralen Unibürokratie Widerstand leisteten. Ja, von ihnen seien gar zentrale Kampagnen gegen die Bologna-Reform ausgegangen, behaupten manche. Die Rede ist von Studierenden und Lehrenden der „Internationale Entwicklung“ (IE) an der Universtät Wien. Wenn heute Professorinnen und Professoren über das vergangene Studienjahr sprechen, ist plötzlich von unkritischen, naiven Studierenden die Rede, von Qualitätsverlust der Arbeiten, Diskussionsverweigerern und einer Vermassung.

FOTO: PRIVAT

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PIONIER DER SELBSTBESTIMMUNG „Internationale Entwicklung“ wurde vergangenes Jahr an das BolognaSystem angepasst. Längst wird die Kapazität für 700 Studienanfänger pro Jahr gesprengt. Er ist aber einer der jüngsten und unkonventionellsten Studiengänge an der Uni Wien, der von einem Nischen- zu einem Massenfach wurde – und genau darunter leidet. Um die Kritik der IE-Professoren zu verstehen, muss man die unorthodoxe Entwicklung des IE-Studiums kennen. Alles begann vor mehr als dreißig Jahren mit einem – damals noch – gewagten Gedanken: Wie es wohl wäre, über den Tellerrand hinauszublicken? Sich interdisziplinär zu vernetzen, globale Perspektiven in die Lehre von Politikwissenschaft, Ökonomie, Geschichte und Soziologie einzubeziehen? In den 1970er-Jahren als Produkt dieser „Entwicklungskampagne“ von Studierenden, Hochschülerschaft und Lehrenden entstanden, fristeten Lehrveranstaltungen wie „Entwicklungspolitik“ oder „Außereuropäische Geschichte“ zunächst ein Nischendasein. In den 1980er- und 1990er-Jahren waren die Ringvorlesungen an der Technischen Universität und der Hauptuni die ersten IE-Projekte besonders engagierter Lehrender. Bald kämpften sie für die Einrichtung eines DURST 2/10

überfakultären Instituts für Entwicklungsforschung. Dreimal lehnte der Senat den Antrag der Proponentengruppe ab. 1999 konnte zwar noch immer kein Institut der IE eingerichtet werden, aber auf Druck von Lehrenden und Studierenden wurde wenigstens das Wahlfach „Internationale Entwicklung“ eingerichtet. Gerald Faschingeder erinnert sich gut an diese Zeit: Damals saßen nur zehn Studierende in seiner Arbeitsgemeinschaft (AG), die das IE-Curriculum als Wahlfach belegten oder sich den Studienplan als Individuelles Studium selbst zusammenstoppelten. Die wohl engagiertesten und kritischsten Studierenden seien das gewesen, meint der Uni-Beauftragte. „Denn die waren noch ihr eigener Pädagoge.“ Heute hält Faschingeder AGs mit über 70 Studierenden und staunt manchmal über deren Einstellung: „Da beschweren sich manche, dass an der IE marxistisches Brainwashing betrieben werde. Ohne dass zuvor darüber reflektieren würde, welches neoliberale MainstreamDenken die eigene Einstellung eigentlich prägt.“

OPFER VON BOLOGNA Der Bruch passierte, als das Projekt 2002 die Struktur eines ganz normalen Magisterstudiums bekam – und ein Massenfach wurde: Im vierten Jahr des IE-Diplomstudiums belegten bereits 2000 Studierende IE. Mit der Bachelor-Umstellung vergangenes Jahr verschärfte sich die Situation: In Vorlesungen platzt der C1, der zweitgrößte Hörsaal der Uni Wien, aus allen Nähten. Unflexible Studieneinführungsphasen, Ökonomisierung der Bildung, Uni-„Verschulung“ – alles Stichworte der bekannten Bachelorsystem-Kritik, die man freilich nicht nur an der IE zu hören bekommt. „Aber vielleicht schmerzt uns die Umstellung wegen unserer unorthodoxen Entstehungsgeschichte und des IE-Personals, das grundsätzlich aus einem kritischen,

NUR DURCH DIE ANERKENNUNG VON INTERNATIONALER ENTWICKLUNG ALS REGULÄREM STUDIENGANG BEKOMMT DAS FACH DIE NÖTIGEN RESSOURCEN. Walter Schicho ist Leiter des Studiengangs Internationale Entwicklung an der Uni Wien.

autonom denkenden Eck kommt, besonders“, meint Faschingeder. Dank Bachelor entdeckten Studierende nur mehr gegen sehr viel Widerstand, dass das Universitätsleben auch etwas mit Freiheit und selbstständigem Denken zu tun hat, bedauert der Uni-Beauftragte. „Durch die Vermassung hat der Anteil naiver Studenten zu- und der Anteil derjenigen abgenommen, die Debatten offen gegenüberstehen und Dinge kritisch hinterfragen wollen.“ Walter Schicho, noch bis zum Herbst 2010 Leiter des IE-Studienganges, zieht eine ähnlich düstere Bilanz: Das einst progressive, interdisziplinäre Studium mit offenem Zugang verkomme zu einem kontrollierten, konservativen Fach. Dass Experimente wie das IE-Projekt unter heutigen Bedingungen Erfolg hätten, bezweifelt der 65-Jährige. Denn dass die Pionierphase so hervorragend verlaufen sei und viele im Job erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen hervorgebracht hat, habe nur einen Grund: „Die Studierenden haben gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen.“ Trotzdem: Der Schritt vom „Sturm und Drang zur Konsolidierung“ sei geschehen, zum alten System zurückkehren könne man nicht mehr, sagt Schicho. Und eigentlich wolle man das auch nicht, behauptet Faschingeder: „Paradox am Studiengang Internationale Entwicklung ist, dass er einerseits sehr darunter leidet, ein Massenstudium zu sein. Andererseits braucht das Institut Ressourcen und die Anerkennung als regulärer Studiengang.“ Denn nur als reguläres Studium bekommt IE jene finanzielle Unterstützung, für die es dreißig Jahre lang gekämpft hat: Seit Herbst hat der Studiengang zum Beispiel zum ersten Mal seit seinem Bestehen ein eigenes Institutsbüro in der Sensengasse. Niegelnagelneu. 5 INSTITUT FÜR INTERNATIONALE ENTWICKLUNG SENSENGASSE 3, STIEGE 2, TOP 2, 1090 WIEN TEL. 01-4277-239 01 WWW.UNIVIE.AC.AT/INT-ENTWICKLUNG/

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STUDIERST DU NOCH ODER MACHST DU SCHON WAS? Immer mehr Studierende docken schon während ihres Studiums bei Unternehmen an, die mit den Hochschulen kooperieren. Davon profitieren beide Seiten. von Tanja Grabner

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tudieren und „etwas machen“ – ein gebräuchliches Gegensatzpaar. Wir Studierende werden gerne als weltfremd und praxisfern abgestempelt. Abgesehen davon, dass es keineswegs nichts ist, ein Studium zu absolvieren, egal welches, erwirbt man sich in dieser Zeit doch das theoretische Rüstzeug für das spätere Arbeitsleben, vulgo: Schlüsselqualifikationen. Mittlerweile gehen die Hochschulen, auch die Universitäten, noch einen Schritt weiter: Ihren Absolventen soll die Berufsanforderung „Praxiserfahrung“ nicht zum Stolperstein werden. Neben Berufspraktika werden Kooperationen und Praxisprojekte landauf, landab initiiert. Und siehe da: So entstehen fast schon lehrbuchhafte Win-win-Situationen. Die Studierenden bekommen Einblick in

Arbeitsprozesse, Kontakte und beeindruckende Zeilen für ihren Lebenslauf. Für so manchen wird sogar eine Fixanstellung daraus, sodass danach berufsbegleitend weiterstudiert wird. Die kooperierenden Unternehmen und Organisationen wiederum erarbeiten sich kreative Lösungsansätze, wertvolle Ergebnisse und rekrutieren quasi nebenbei potenzielle Arbeitnehmer für die Zukunft. Wer bracht da noch Headhunter? „Für Unternehmen ist es wichtig, dass Mitarbeiter nicht nur Fachwissen mitbringen, sondern Dinge auch ‚auf Schiene bringen‘ können“, weiß Eduard Konzett, Projektpartner der FH Vorarlberg. Um diese Fähigkeit zu fördern, werden Projekte mit Studierenden gerne unterstützt. Gut fürs Image ist es natürlich auch, sich um den Nachwuchs zu kümmern.

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EIN PAAR BEISPIELE FÜR ERFOLGREICHE KOOPERATIONEN GEFÄLLIG? Machen wir den Anfang bei den Geisteswissenschaften – ausgerechnet: Einen nicht zu leugnenden praktischen Nutzen hat Translationswissenschaft. An der Universität Innsbruck haben Studierende Übersetzungen für das Kunsthistorische Museum Wien angefertigt. Sie haben die Beschreibungen von 477 Exponaten ins Französische übersetzt und damit das Sprachangebot der Audioguides erweitert. „Dieser reale Übersetzungsauftrag ist ein größerer Ansporn, sich intensiver mit der Lösung von Übersetzungsproblemen auseinanderzusetzen als bei herkömmlichen Übungen“, lautet das einhellige Feedback der Studierenden. Sie vertiefen neben den fachlichen auch ihre sozialen Kompetenzen: Meetings,

Prozessabläufe, Projektorganisation – fast wie im richtigen Leben. Allerdings ohne pekunäre Vorteile: „Die Übersetzungsdienste sind in diesem Fall kostenlos, da ein zahlender Kunde den Studierenden kaum zwei oder drei Semester Zeit lassen würde, um das Projekt fertig zu stellen“, erläutert Projektleiterin Muryel Derlon. In der Technik sind Studierende der verschiedenen Hochschul-Lehrgänge nicht erst nach dem Abschluss gefragt. Ihre Ideen fließen schon vorher in zukunftsweisende Projekte. An „E3Car“, einem 44 Millionen Euro Projekt von internationalen Großunternehmen, beteiligen sich neben Infineon, Audi und Philips auch Studierende der FH Joanneum. „Der Vorteil für die Projektpartner ist, dass sie die Forschung an der FH für ihre eigenen Zwecke DURST 2/10

ZILLER, SCIONIC® I.D.E.A.L., FRITTAJON, SCIONIC® I.D.E.A.L. , MURYEL DERLON, THINK, FH JOANNEUM

Wer macht sich über die Ästhetik von Hochspannungsmasten Gedanken? Studierende der Kunstuni Linz. Und haben diese Prototypen für den Stromkonzern Verbund entwickelt.


nutzbar machen kĂśnnen. Eine FH oder Uni kann viel weiter in die Zukunft forschen, als es den meisten Unternehmen finanziell mĂśglich istâ&#x20AC;&#x153;, erklärt Manuela Midl, Projektleiterin der FH Joanneum. Die dortigen Elektronikertechnikerinnen und Elektrotechniker arbeiten an der effizienten Nutzung von Photovoltaik-Zellen fĂźr die Bordelektronik von Elektroautos. Dabei verdienen die jungen Forscherinnnen und Forscher auch Geld, da sie im AusmaĂ&#x; von 10 bis 30 Wochenstunden als wissenschaftliche Mitarbeiter bei ihrer FH angestellt sind. Den Sprung vom Papier in die Wirklichkeit schaffen auch die Pläne der Plattform â&#x20AC;&#x17E;design-buildâ&#x20AC;&#x153; der TU Wien. In der Abteilung fĂźr Wohnbau und Entwerfen realisieren die Studierenden ihre Konzepte aus den Workshops 1:1 und begleiten die kleinen Bauprojekte bis zu den Bauarbeiten. Die Projekte werden von Sponsoren finanziert. Bisher wurden unter anderem mobile Kioske, NotunterkĂźnfte fĂźr Asylwerber und gemeinnĂźtzige Einrichtungen fĂźr Townships in SĂźdafrika verwirklicht.

AUCH FĂ&#x153;R KLEINE UNTERNEHMEN LOHNEND Viele Klein- und Mittelunternehmen (KMU) mit begrenztem â&#x20AC;&#x201C; wenn Ăźberhaupt vorhandenem â&#x20AC;&#x201C; Marketingbudget wĂźrden kaum Agenturen mit Kampagnen beauftragen. Die Zusammenarbeit mit Studierenden bietet sich in diesen Fällen an und wird gerne genutzt. Am Institut fĂźr Wirtschaftswissenschaften der Uni Wien hat man sich auf die BedĂźrfnisse der regionalen KMU konzentriert. Im Fachbereich eBusiness wurden gemeinsam mit lokalen Unternehmen Online-Marketing-Kampagnen ausgearbeitet, drei Wochen durchgefĂźhrt und bewertet. Mit den Resultaten und Empfehlungen konnten die Partnerunternehmen weitere Online-Strategien festlegen. Ob an der Uni Wien, an Fachhochschulen

ZUKUNFTSFORSCHER

Studierende der FH Joanneum entwickeln die Bordelektronik fĂźr Elektroautos.

UMWELTSCHONER

E3Car: 44-Millionen-Euro-Projekt von Infineon, Audi und Philips. An der Entwicklung sind auch Studierende beteiligt.

SPRACHJONGLEURE

Muryel Derlon (Mitte) und ihre Studierenden Ăźberreichen den Audioguide an KHMGeneraldirektorin Sabine Haag (rechts) und Schloss-Ambras-Direktor Alfred Auer (2.v.r.).

in Vorarlberg, Wien oder St. PĂślten â&#x20AC;&#x201C; Marketingstrategien fĂźr Unternehmen und Organisationen werden engagiert und ideenreich ausgearbeitet. Wenn sie allzu progressiv ausfallen, mag mancher Firma am Ende zwar der Mut zur Umsetzung fehlen, aber auch dafĂźr wird die Zeit noch kommen. Was Medizin und Gesundheit angeht, gibt es laufend neue Erkenntnisse, die bessere Versorgung und Behandlung ermĂśglichen. Auch Studierende leisten ihren Beitrag dazu. Studentinnen des Studiengangs Prozessmanagement und Gesundheit der FH OberĂśsterreich Campus Steyr haben die Transportwege von Laborproben verfolgt und untersucht. Während längerer Transportzeiten kĂśnnen sich Blutbestandteile verändern und die Ergebnisse verfälschen. Nach der Analyse der gesammelten Daten konnten die Studentinnen dem LKH Steyr Verbesserungsvorschläge zur VerkĂźrzung der BefĂśrderungszeit machen, die bereits umgesetzt werden. â&#x20AC;&#x17E;Die Studentinnen haben sehr engagiert ihre AuĂ&#x;ensicht eingebracht und uns wichtige fachliche Inputs zur Prozessoptimierung geliefertâ&#x20AC;&#x153;, zeigt sich Univ.-Prof. Prim. Dr. Gabriele Halwachs-Baumann, Leiterin des zentralen Labors, hochzufrieden.

KUNST NUTZT! Klischeehafterweise traut man Kunststudentinnen und -studenten kaum praktische â&#x20AC;&#x17E;NĂźtzlichkeitâ&#x20AC;&#x153; zu. Dass aber auch hinter Alltagsgegenständen gestalterische Ă&#x153;berlegungen stecken, wird dabei vergessen. Wer macht sich zum Beispiel Gedanken Ăźber die Ă&#x201E;sthetik von Hochspannungsmasten? Studierende der Abteilung scionicÂŽ I.D.E.A.L. (Industrial Design Education Austria Linz) der Kunstuniversität Linz tun genau das. Sie haben ihrem Kooperationspartner Verbund Austrian Power Grid AG EntwĂźrfe fĂźr neue Designs der Masten

vorgelegt. Die Siegerprojekte wurden auf ihre Umsetzbarkeit ĂźberprĂźft, jetzt sind nur noch statische Detailberechnungen und die Feinjustierung erforderlich. â&#x20AC;&#x17E;Wir haben das Projekt mit der Kunstuni Linz gemacht, weil sie erfolgreich auf dem Gebiet von industriellem Design tätig istâ&#x20AC;&#x153;, sagt Herbert Lugschitz vom Verbund. â&#x20AC;&#x17E;Wie sich gezeigt hat, haben die Studierenden auch die auĂ&#x;ergewĂśhnlichsten EntwĂźrfe immer auf Grundlage der Machbarkeit untersucht. Im Vordergrund stand nicht die Entwicklung von eye-catchern, sondern von Masten, die dauerhaft und so herzustellen sind, dass sie ihre Funktion ohne Einschränkung des Leitungsbetriebes und der Instandhaltung erfĂźllen.â&#x20AC;&#x153; Es werden also Kunststudierende sein, die eine Landschaft entscheidend mitprägen. KĂźnstler! KĂźnstlerinnen! Raus aus dem Museum, rein ins wirkliche Leben! 5

ADRESSEN Universität Innsbruck: project.service. bßro, Dr. Kurt Habitzel, kurt.habitzel@ uibk.ac.at, www.uibk.ac.at/projektservice FH Joanneum: Jeder Fachbereich hat eigene Ansprechpartner fßr Transferzentren, Tel. 0316 5453-0, www.fh-joanneum.at TU Wien, Forschungs- und Transfersupport: Mag. Peter Karg, peter.karg@tuwien. ac.at, www.tuwien.ac.at/dle/transfer Universität Wien, Forschungsservice: Dr. Lucas Zinner, lucas.zinner@univie. ac.at, http://forschung.univie.ac.at FH OberÜsterreich, Forschung & Entwicklung: research@fh-ooe.at, www.fh-ooe.at/fe/forschung Kunst Universität Linz, Forschungsservicecenter: Dr. Manfred Lechner, kunst.forschung@ ufg.ac.at, www.ufg.ac.at/Service


TRAUMJOBS UND TAXISCHEINE Ein Gespräch mit dem „Bewerbungspapst“ Jürgen Hesse über die berufliche Situation heutiger Absolventen und wie man sich als Studierender darauf einstellen kann. Fragen von Raffael Fritz

FOTOS: CHRISTIAN BRETTER

Der glamouröse Anblick täuscht. Unter dem goldenen Ross auf einem Seine-Brückenpfeiler in Paris schlafen Menschen in Pappkartons. Als dieses Foto gemacht wurde, herrschten 15 Grad Celsius unter dem Gefrierpunkt.

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ABB: EICHBORN, FOTO: KATHARINA BEHLING, CHRISTIAN BRETTER

Vom Traumberuf leben können – diesen Wunsch haben nicht nur Zirkusartisten wie hier in München.

Junge Akademiker hatten es schon einmal leichter: Immer mehr von ihnen sind nach dem Studium immer länger arbeitslos. Spüren Sie etwas von dieser Unsicherheit? Eindeutig. Ich bin gestern mit der Bahn gefahren, mir gegenüber saß ein junger Mann, mit dem ich mich unterhalten habe, ein junger MaschinenbauDiplomingenieur Ende zwanzig. Er war gerade dabei, sich zu bewerben. An sich sind Maschinenbau-Ingenieure ja sehr gefragt. Aber er hat gesagt, die Firmen suchen zwar, aber die geben uns Anfängern keine Chance. Da gibt es eine gewisse Diskrepanz. Auf der einen Seite sagen die Wirtschaftsminister, sie wollen Fachkräfte ins Land holen. Auf der anderen Seite treffe ich Leute, die suchen händeringend einen Job und finden keinen. Darum verstehe ich, dass die Situation viele verunsichert. Man ist entweder überqualifiziert oder hat nicht genug Erfahrung. Jedenfalls wird einem das Gefühl vermittelt, dass man nicht unbedingt auf dem Arbeitsmarkt gesucht wird. In gewisser Weise dürfte Ihnen diese Situation recht sein. Leute, die keinen Job finden, sind schließlich Ihr Job. Wir können uns über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Die Auswahlverfahren werden immer komplexer, denn Unternehmen haben immer mehr Angst, neuen Leuten eine Chance zu geben. Die wollen alles perfekt haben. Da bleibt nur eins: sich gut vorbereiten. DURST 2/10

Jürgen Hesse ist der „Bewerbungspapst“. Zusammen mit seinem Ko-Autor Hans Christian Schrader hat er über 150 Sachbücher über Bewerbung und Karriere verfasst. Bekannt wurde das Autorenteam mit seiner Kritik an gängigen Intelligenztests. Außerdem war Hesse über 25 Jahre lang Leiter der Telefonseelsorge Berlin. www.berufsstratgie.de

Das große Hesse/Schrader Bewerbungshandbuch: Alles, was Sie für ein erfolgreiches Berufsleben wissen müssen. Eichborn Verlag, 20, 50 Euro: Das Standardwerk für den Bewerbungserfolg neu überarbeitet, erweitert und mit CD-ROM.

Wann sollte man damit anfangen? So früh wie möglich. Wer das Abitur macht – also die Matura, wie man bei Ihnen sagt –, der muss sich auch fragen: Was kommt danach? Was man machen will und welche Chancen man damit auf dem Arbeitsmarkt hat. Wenn Sie was studieren, können Sie es leider nicht nur tun, weil es Sie interessiert: Soziologie, Politologie und so weiter. Man sollte sich verdeutlichen – okay, das ist alles sehr interessant und ich will das lernen, aber kann ich später damit auch mein Brot verdienen? Sollen sich Studienanfänger also nach den Chancen auf dem Arbeitsmarkt richten? Ich würde das nicht so absolut formulieren. Im Augenblick werden Lehrer gebraucht, vor kurzem hieß es noch, damit sei man garantiert arbeitslos. Da muss man schon skeptisch bleiben. Wenn ich aber Freie Kunst studiere, muss ich mich damit auseinandersetzen, dass es möglicherweise schwer ist, damit mein Brot zu verdienen. Das heißt jetzt nicht, dass man nebenbei gleich den Taxischein machen soll. Aber ich muss ein Stück weit den Blick für die Berufswelt entwickeln. Wir leben nun einmal in einer Welt, wo Angebot und Nachfrage das Spiel bestimmen. Und wenn nicht so viele Leute gebraucht werden, wie es Absolventen gibt, muss ich überlegen: Was sind meine Spezialitäten, die ich anbiete? Das muss auch jede Pizzeria tun, um Kunden anzulocken.

Das kommt bald einem Wettrüsten gleich: Viele haben gute Noten, machen Auslandsaufenthalte und zig Praktika, knüpfen Netzwerke. Was soll man denn noch tun? Da muss ich Ihnen ein wenig widersprechen, das hat noch lange nicht jeder. Und all das, was Sie als Kompetenz anzubieten haben, ist nur ein Faktor. Für jeden Job gibt es drei Entscheidungskriterien. Erstens: Können Sie was? Zweitens: Sind Sie bereit, sich wirklich in die Materie hineinzuknien? Und das Dritte und vielleicht Wichtigste ist: Ich muss dem potenziellen Arbeitgeber auch noch das Gefühl vermitteln, dass man mich mögen und man mir vertrauen kann. Das ist bei jedem Koch und jeder Putzfrau so. Die meisten wissen nicht, worauf es ankommt und kennen die Spielregeln nicht. Die sind im Bewerbungsverfahren oft ziemlich hilflos. Ich habe das selbst nach meinem Studium vor dreißig Jahren so intensiv erfahren, dass ich es zu meinem Beruf gemacht habe. Die Bewerbungsunterlagen sind oft viel schlechter als das, was die Leute tatsächlich können. Momentan sind in Österreich 11.000 Akademiker arbeitslos gemeldet. Das ist ein Rekordwert. Ist denen mit Bewerbungstipps zu helfen? Klar könnte ich das gut mit der Botschaft verbinden: Kaufen Sie sofort unsere Bücher! Aber so schwarz-weiß ist es nicht. Die Arbeitsmarktlage ist angespannt. Das Unternehmen ist

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DURSTLÖSCHER

Der Weg zum Erfolg ist manchmal ganz schön beängstigend. So wie dieser Gang in einem großen deutschen Verlag.

Viele Absolventen hangeln sich auch von einem unbezahlten Praktikum zum nächsten, in der Hoffnung, einmal angestellt zu werden. Wie lange ist das sinnvoll? Unbezahlt kann ich höchstens vier Wochen empfehlen. Mehr ist einfach nicht gerecht. Schlecht bezahlt sieht ein bisschen anders aus. Es kann aber nicht sein, dass man ein halbes Jahr oder länger für einen Pappenstiel beschäftigt wird und Verantwortung übernimmt. Es ist klar, dass Volontariate nicht gut bezahlt sind, aber es kann nicht darum gehen, dass man jemanden für 200 Euro voll beschäftigt. Wenn man sich so sehr unter Wert verkauft, leidet auch das Selbstbewusstsein und das fehlt einem dann bei anderen Bewerbungen. Wenn man sich weigert, ein schlecht bezahltes Praktikum zu machen, nimmt der Arbeitgeber eben den nächsten, der damit kein Problem hat ... Wenn ein Arbeitsplatzanbieter diese Mentalität zeigt, dann ist er ein Ausbeuter. Und dann muss ich mich fragen, ob ich mich ausbeuten lasse. Wichtig ist, sich ein gewisses Selbstwertgefühl zu bewahren. Es ist gut, sich vorher zu informieren, welche Summe man erwarten kann. Und da sollte man sich nicht an den schwarzen Schafen orientieren. Und wenn mir so einer über den Weg läuft, muss ich auch sagen können: Okay, dann passen wir nicht zusammen. 5

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BIST DU BEREIT? Auf diese Standardfragen im Bewerbungsgespräch sollte man die richtige Antwort parat haben. Die guten Antworten haben wir (meistens) der einschlägigen Fachliteratur entnommen, die schlechten ... Erzählen Sie uns etwas über sich. Gut: Zwei einstudierte Minuten über die berufliche Laufbahn. Schlecht: Es war einmal ... Warum bewerben Sie sich für diese Position? Gut: Ich fühle mich von den Aufgaben und Zielen angesprochen, weil ... Schlecht: Weil ich vermutlich bald gekündigt werde. Warum sind Sie der richtige Kandidat für uns? Gut: Weil ich genau in Ihr Anforderungsprofil passe und sogar noch ein gewisses Extra mitbringe. Schlecht: Sehen sie mich nur an! Wer könnte da widerstehen? Was sind Ihre Stärken und Schwächen? Gut: Dass ich auch bei schlechtester Bezahlung immer noch hochmotiviert arbeiten kann. Schlecht: Meine größte Schwäche ist es, meine Stärken zu unterschätzen.

Worauf sind Sie stolz? Gut: Mich auf diese Stelle beworben zu haben. Auf den Mut, mit wenig Geld acht Wochen durch Indien gereist zu sein. Schlecht: Auf meine Fertilität. Apropos: Wie sieht‘s bei Ihnen mit der Karenz aus? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? Gut: In einer verantwortungsvollen Position in Ihrem Unternehmen. Schlecht: Im Spiegel. Warum haben Sie diesen Beruf gewählt? Gut: Weil hier meine Produktivität am besten zur Geltung kommt. Schlecht: Weil man hier mit wenig Aufwand viel verdienen kann. Wo liegen Ihre Arbeitsschwerpunkte? Gut: Also da könnte ich Ihnen drei nennen: 1., 2., 3. ... Schlecht: Arbeit gehört nicht zu meinen Schwerpunkten. Wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Gut: Ich halte mich körperlich und geistig fit für den Job. Schlecht: Darüber bin ich nicht befugt zu sprechen. Welche Fragen haben Sie an uns? Gut: Welche Karrierechancen gibt es in Ihrem Unternehmen? Schlecht: Wo ist die Toilette? 5 DURST 2/10

FOTOS: CHRISTIAN BRETTER

ein Kunde, der die Arbeitskraft einkauft, und dieser Kunde ist heute sehr mäkelig und schwer zu befriedigen. Aber die Kandidaten stellen sich manchmal zu demütig und ungeschickt an. Fakt ist, dass es schwierig ist, durch dieses Nadelöhr zu kommen — und die meisten Kandidaten sind darauf zu wenig vorbereitet. Auch bei guten Bewerbungen hagelt es oft Absagen. Wie bereitet man sich darauf vor? Jede Bewerbung, die nur mit guten Wünschen für die berufliche Zukunft zurückkommt, ist ein Kratzer am Selbstwertgefühl. Da muss man sich immunisieren. Dazu gehört auch, dass man sich bei Absagen bewusst macht: Es liegt nicht alleine an mir, ich bin nicht selber schuld. Für Jungakademiker ist es heute nun einmal schwieriger, in die Arbeitswelt einzusteigen. Es ist auch nicht die Katastrophe, wenn man nach einem Jahr noch keinen Job hat. Die ist es erst, wenn man aufgibt. Man muss Durchhaltevermögen zeigen und einen Plan B haben. Wenn man also mit dem abgeschlossenen Studium keine Arbeit findet, sollte man sich doch mit dem Taxifahren abfinden? „Abfinden“ ist das falsche Wort. Schön, wenn man wenigstens den Taxischein hat! Man muss da auch eine gewisse Flexibilität an den Tag legen. Wenn Sie das Gefühl haben, das wird nichts, haben Sie immer noch die Möglichkeit, etwas anderes zu studieren.


Knapp am Erfolg vorbeigeschrammt? Macht nichts, Narben beweisen Lebenserfahrung – und auf die kommt es am Ende an.

DIE KUNST DES SCHEITERNS Sind Misserfolge die schöneren Siege? Kann man aus Niederlagen lernen? von Valentin Ladstätter

ILLUSTRATION: KURT RUDOLF

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onstantin Wecker lebt noch. Jetzt hat er sogar zwei Söhne und eine Frau. Außerdem ist er clean. 1977 begann er Kokain zu nehmen, irgendwann buk er das Kokain eigenhändig zu Crack. Jahrelang ließ er so jeden Tag einen ganzen Haufen Geld in Rauch aufgehen ließ. 1995 stürmten 12 Kriminalbeamte seine Villa im Münchner Vorort Grünwald und stellten 40 Gramm Kokain und einen völlig bedröhnten Konstantin Wecker sicher. Danach verbrachte er zwei Jahre im Knast. Heute ist er wieder auf den Füßen und hat ein Buch über seine Misserfolge geschrieben. Es heißt: Die Kunst des Scheiterns. Und es wurde von einem echten Kenner geschrieben. Nicht alleine das Kokain kostete Wecker sein gesamtes Vermögen, viele Freunde und beinahe sein

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Leben. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis folgte die nächste Pleite: Er ging mit einem Chor aus Kamerun auf Tournee und fuhr damit einen Schuldenberg von epischen Ausmaßen ein. Doch es gibt ihn noch. In „Die Kunst des Scheiterns“ erklärt Wecker, dass ihn seine Misserfolge meist weiter gebracht haben als seine Erfolge. Auch haben seine Misserfolge mehr Zeit seines Lebens ausgemacht, als die Erfolge, die ihn häufig dazu brachten, sich in Luxus zu ersäufen. Doch was ihn wirklich dazu brachte, das Leben unmittelbar zu erfahren, waren immer seine Fehlschläge. Darum hat er gelernt, seine Niederlagen zu lieben. Und er ist damit nicht allein. Goethe sagte, im Alter von achtzig Jahren auf sein Leben zurückblickend, dass seine wahren Erfolge

zusammengezählt gerade einmal sieben Tage dieser achtzig Jahre ausmachten und dass die schöpferischsten Zeiten Hand in Hand mit Schmerz und Misserfolg gegangen seien. Picasso bezeichnete die schrecklichste Zeit seines Lebens gleichzeitig als die phantasievollste Zeit seines Schaffens, wovon auch der traurige Kurt Cobain ein Liedchen singen konnte. Geht es wirklich um die Erfolge, die man im Leben feiert? Sophie und Hans Scholl wurden während des Nazi-Regimes enttarnt und hingerichtet. Sie sind gescheitert, konnten den rassistischen Terror dieser Zeit nicht aufhalten. Aber hätten sie es gar nicht erst versuchen und die lieber Augen verschließen sollen? Wäre die Geschichte reicher ohne die Geschwister Scholl und ihre Mitstreiter der Weißen Rose?

Warum gibt es überhaupt Demonstrationen? Wer, der bei einer Demo für den Weltfrieden mitmarschiert, glaubt ernsthaft daran, dass dadurch die Welt gerettet wird? Oder geht es um etwas ganz anderes? Vielleicht darum, nicht faul auf dem Hintern zu sitzen, sondern etwas zu tun. Vielleicht aber auch darum, dass die Hoffnung zuletzt stirbt. Die meisten Kunstwerke und Bücher, die meisten Musikstücke und Fotos bleiben unverkauft oder haben nur mäßigen Erfolg. Nur durch das Scheitern erweitert sich der Horizont, nur durch Probieren und Scheitern ist so etwas wie Evolution möglich. Fehler werden nicht von vorn herein ausgeschlossen. Sie werden gemacht. Scheitern ist ein Teil des Lebens und zeigt uns, mehr als unsere Erfolge, wer wir sind. 5

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DER ARBEITERSTRICH DER JUNGAKADEMIKER Networking boomt. Wir finden es trotzdem grauslich. Eine Polemik. von Mara Simperler

in Österreich bekanntes, bejammertes, aber eigentlich akzeptiertes System. Denn: Dass man einen Job nur aufgrund seiner Qualifikation bekommt – haha, guter Witz. Und gesudert wird in Österreich ja prinzipiell eh gerne. Irgendwann hat Österreich dann erkannt, dass ein bisschen mehr Professionalisierung in der Profession hier und da nicht schlecht täte. Statt jedoch ein von Freunderlwirtschaft durchzogenes System von Grund auf zu reformieren, wurde einfach die Freunderlwirtschaft professionalisiert. Siehe da – plötzlich muss man kein Kind aus reichem Haus mehr sein, um einen Top-Posten zugeschachert zu bekommen – man muss nur von den Kindern aus reichen Häusern zum Spielen eingeladen werden. Mit der Professionalisierung der Freunderlwirtschaft und ihrer Umbenennung in „Networking“ wurde sie gesellschaftlich so akzeptabel, dass man sich vor Einladungen zu einschlägigen Veranstaltungen gar nicht mehr retten kann. „Lernen Sie jetzt schon kennen, wem Sie später einmal in den Arsch kriechen werden.“ Networking-Events sind der Arbeiterstrich der Jungakademiker. Angebot trifft auf Nachfrage. Junge, willige Arbeitssuchende, die ihren Lebenslauf auswendig

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FREUNDERLN UND DIE WIRTSCHAFT Networking ist eigentlich nur ein neues Wort für ein altes Phänomen. Freunderlwirtschaft ist nämlich ein

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können, schütteln die Hände von junggebliebenen Arbeitgebern, die mit einem strahlenden Lächeln in bester Smalltalk-Manier ebendiesen Lebenslauf abfragen. Der Mensch wird in Networking-Clubs zur Ware, die eigene Persönlichkeit zum Aushängeschild. Was daran nicht präsentabel ist, wird kaschiert, ausgespart oder verändert. Es werden keine Kontakte deshalb geknüpft, weil man am Gegenüber als Person interessiert ist, sondern weil man an der Position des Gegenüber interessiert ist. Die Relevanz einer Beziehung wird an den Vorteilen gemessen, die sie einem bringt.

GESPIELTES GLÜCK Natürlich kann man nicht jedem Netzwerk von vornherein unterstellen, ein Werkzeug des Teufels zu sein. Wenn sich im Berufsleben marginalisierte Gruppen zusammenschließen, um gemeinsam gegen ungerechte Arbeitssituationen vorzugehen, hat das durchaus Sinn. Doch wenn die Pflege strategischer Freundschaften mehr Zeit in Anspruch nimmt, als man sich für die echten Freunde zugesteht, dann läuft etwas grundlegend falsch. Denn Networking ist nicht nur die Professionalisierung der Freunderlwirtschaft – es ist auch die Professionalisierung der Freundschaft.

Eine „Networkingfreundschaft“ entsteht nur dann, wenn zumindest einer der Beteiligten aus der Verbindung Vorteile ziehen kann. Entsteht aus dem Networking doch einmal eine Freundschaft – Glück gehabt. Und kommst du über einen echten Freund einmal zu einem Job – doppelt Glück.

LEBEN ODER JOB? Die Vermischung aller Sphären schreitet munter voran: Glücklich darf sich auch preisen – und wird gern als wenig engagiert abgestempelt –, wer noch Privatleben und Job strikt trennt, trennen kann. Jeder soll immer und überall erreichbar und verfügbar sein – und ist es auch. Aus Angst etwas zu verpassen, aus Angst um die Karriere oder den nächsten Auftrag. Wer das Familienleben der Karriere vorzieht, ist ein Weichei. Und wer keine Lust hat, abends und am Wochenende im Sinne seiner Firma oder seiner Ich-Aktie mit halbfremden Menschen in Lokalen herumzusitzen und so zu tun, als würde man sich köstlich amüsieren und als würden die halbprivaten Geschichten des Gegenübers wirklich interessieren, bekommt das Gefühl vermittelt, nicht wirklich dazu zu gehören. Nicht wirklich dazugehören zu wollen. Und das kann sich nicht jeder leisten. 5

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FOTO: CHRISTIAN BRETTER, ILLUSTRATION: KURT RUDOLF

n der Antike saßen mächtige Männer schweißüberströmt in Dampfbädern, besprachen Thronstürze und bestimmten das Schicksal der weniger gut Situierten. Ein Zeitalter später, im Mittelalter wurde beim feuchtfröhlichen Festbankett über ein paar Humpen Bier das eine oder andere Grafentum verschachert. Und sämtliche Elite-Geheimbünde von Harvard bis Heidelberg feiern in alten Hallen bei edlen Zigarren ebenfalls das Motto: „Gemeinsam sind wir stark“. Waren solche Netzwerke traditionell einigen wenigen Auserwählten (männlich, weiß, reich) vorbehalten, so kann heute jede und jeder auf eigens aufgezogenen NetworkingEvents Kontakte knüpfen, bis die Visitenkarten ausgehen. Wo früher ein Adelstitel, ein Batzen Geld oder eine Mutprobe den Weg in elitäre Kreise geebnet haben, kann man heute um Null Euro dem Karrierenetzwerk XING beitreten, um 12 Euro pro Monat dem Medien Club und ab 660 Euro pro Jahr darf man im Alumniverband der Uni Wien den Titel Mäzen tragen. Wo wir dann wieder beim Mittelalter wären.


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WER ZAHLT MIR MEINEN TRAUM? Damit aus einer Idee mehr wird, braucht es meist vor allem eines: Geld. Und das gibt es. Reichlich. Man muss nur den richtigen Antrag mit der richtigen Idee bei der richtigen Förderstelle abgeben. Ein geldwerter Überblick. von Martina Powell

ALLGEMEINE FÖRDERTÖPFE DEPARTURE FÜR KREATIVE WIENERINNEN eparture, ein Tochterunternehmen der Wirtschaftsagentur Wien, ist eine Servicestelle für Unternehmen aus dem Bereich Creative Industries. Gefördert werden „kreative Ideen mit wirtschaftlicher Ausrichtung“, die ihren Sitz in Wien haben. So vergab departure im Rahmen des departure_focus Programms im August

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Fördergeld an „WaDi“, entwickelt von Martin Wesian in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich im Rahmen seiner Diplomarbeit. Bei dem Projekt zum Thema Trinkwasserdesinfektion geht es um ein kostengünstiges (ca. 7 Euro pro Stück) und effizientes Gerät, das erkennt, wenn verunreinigtes Wasser durch UV-Bestrahlung entkeimt und somit trinkbar ist. Vor allem in Entwicklungsländern soll Wadi zum Einsatz kommen. departure förderte dabei die zielgruppengerechte Designentwicklung des Produktes und dessen Einstieg in den Markt. Die „Kreativagentur“ bietet vier Förderprogramme an, die je nach Thema,

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Bereich und ökonomischer Ausrichtung des Projekts unterschiedlich aussehen. So gibt es zwei Projektförderungen (departure_classic und departure_focus), die sich an etablierte Unternehmen sowie an Unternehmensgründer richten. departure_experts ist für Unternehmen konzipiert, die ein fundiertes ExpertenKnow-how benötigen, um ein konkretes Vorhaben zu realisieren. departure_ pioneer richtet sich an Jungunternehmer und Unternehmensgründer. Anfang 2011 treten neue Förderrichtlinien in Kraft: So gibt es zum Beispiel nun in allen Programmen den so genannten „Frauenbonus“: Mit zusätzlichen drei Prozent werden Projekte

gefördert, bei denen eine gewisse Anzahl von Frauen in qualifizierten Tätigkeiten beschäftigt werden. Bei departure kommt man an das Geld nur, wenn die geförderten Unternehmen auch selbst Geld einbringen. Fördersumme: Je nach Programm zwischen 15.000 und 200.000 Euro (auf drei Jahre verteilt). Ab 2011 wird die maximale Förderhöhe der Programme pioneer und experts auf 25.000 bzw. 20.000 Euro erhöht. Einreichfristen: Der nächste Call für departure_focus wird voraussichtlich im Frühjahr zum Thema Musik stattfinden. Die Einreichung zu den anderen Programmen ist laufend möglich. Infos unter: www.departure.at DURST 2/10

ABBILDUNGEN: CHRISTINA BERGER; ILLUSTRATION : KURT RUDOLF

Für ShowroomPräsentationen wie diese wurde Designerin Christina Berger von Unit F, Büro für Mode, gefördert.


EVOLVE UND IMPULSE FÜR JUNGUNTERNEHMER ie „creativ wirtschaft austria“ (cwa) nimmt als Plattform die Interessen der österreichischen Kreativwirtschaft wahr – national, auf europäischer Ebene und international. Das Förderinstitut ist eingebettet in die Wirtschaftskammer Österreich. Zur cwa gehört das Förderprogramm „evolve“ für Jungunternehmer. Teil von evolve ist auch „impulse“ der Austria Wirtschaftsservice GmbH mit drei Förderprogrammen. Zur Angebotspalette gehören finanzielle Förderung (impulse support), Ausbildungsangebote (impulse training) und AwarenessMaßnahmen, die in der Öffentlichkeit mehr Bewusstsein für den Wert und das Potenzial kreativer Leistungen schaffen sollen. Mit impulse wurde zum Beispiel „Pitiri“ gefördert, ein 2D-Computerspiel des jungen Gamedesigner-Trios Jürgen Brunner, Dominik Gröstlinger und David Philipp. Die drei Studenten der MultiMedia Art und des Sounddesigns sind die Schöpfer der Jump’n Run Welt, die im Jahr 1977 aus den Fugen geraten ist und nur von Eli, einem kleinen, unscheinbaren Jungen wieder ins Lot gebracht werden kann. Fördersumme: zwischen 45.000 und 300.000 Euro. Je nach Programm wird maximal 50 bis 80 Prozent der Projektkosten finanziert. Einreichfristen: Termine für das Jahr 2011 werden auf www.evolve.or.at online gestellt. Infos unter: www.creativwirtschaft.at; www.evolve.or.at; www.impulse-awsg.at Zum Game: www.pitirigame.tk

GEFÖRDERT DURCH UNIT-F

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ABBILDUNGEN: JÜRGEN BRUNNER, CHRISTINA BERGER, CLARA LUZIA, MARTIN WESIAN

FÖRDERUNGEN FÜR SPEZIALGEBIETE GO-INTERNATIONAL FÜR GELUNGENE AUSLANDSAUFTRITTE it der Initiative der Wirtschaftskammer Österreich und des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend soll die internationale Vernetzung und der Auf- und Ausbau des Auslandsgeschäftes unterstützt werden. So werden zum Beispiel Veranstaltungen im Ausland, die von österreichischen Unternehmen aus dem Bereich der Kreativwirtschaft als Marketingbühne genutzt werden, unterstützt. Außerdem organisiert die AWO (Außenwirtschaft Österreich der Wirtschaftskammer) spezielle Reisen – wie „Study Missions“ nach Frankfurt am Main zu Informationsveranstaltungen oder in ausländische Kreativ- und Designzentren. Infos unter: www.go-international.at.

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„Wonder Woman“ sei das Role-Model hinter ihren Designs, sagt Modedesignerin Christina Berger. Gefördert wurde ihre Show „Supergau(di) SS 2010“

GEFÖRDERT DURCH DEPARTURE

„WaDi“ heißt das kleine, solarbetriebene Gerät am Wasserhals. Es ermittelt, wie stark das Wasser verschmutzt ist. Ein Smiley am Display zeigt an, wenn das Wasser tatsächlich entkeimt ist.

GEFÖRDERT DURCH MUSIKFONDS

ÖSTERREICHISCHES FILMINSTITUT s unterstützt österreichische Filmproduktionen, die geeignet sind, „sowohl entsprechende Publikumsakzeptanz als auch internationale Anerkennung zu erreichen“. So wurde zum Beispiel Götz Spielmanns oscarprämierter Film „Revanche“ 2007 vom Institut mit etwa 500.000 Euro unterstützt. Förderungswerber müssen allerdings die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen und einen Wohnsitz im Inland haben. Fördersumme: Insgesamt stehen dem Institut Fördersummen zwischen einer und fünf Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung, die es an Projekte verteilen kann. Einreichfristen: 3. November 2010. Allerdings sind Einreichungen für Stoffentwicklung beim Filminstitut jederzeit möglich. Infos unter: www.filminstitut.at

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Filmförderungen gibt es auch für einzelne Bundesländer: www.cinestyria.steiermark.at; www.filmfonds-wien.at; www.cinetirol.com; In Salzburg, Vorarlberg, Kärnten, Oberösterreich, Burgenland und Niederösterreich bieten die jeweiligen Landesregierungen bzw. Magistratsabteilungen der Landeshauptstädte Förderprogramme an. Anleitungen zur Antragstellung und erste Infos finden sich auf den Homepages der Landesregierungen (z.B.: wien.gv.at)

Clara Humpel alias Clara Luzia ist nicht nur Sängerin-Songschreiberin der gleichnamigen Band. Sie hat auch ihr eigenes Label: Asinella Records. 2007 wurde ihre Tour gefördert.

GEFÖRDERT DURCH IMPULSE

Vor diesem Monster muss man sich nicht fürchten: Im PC-Game „Pitiri“ sterben Besiegte nicht, sondern verkriechen sich im Erdboden und lassen Energiesterne zurück.

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KOHLE FÜR WEB 2.0-UNTERNEHMER .000 bis 50.000 Euro gibt es von Netidee – Internet Foundation Austria für jeden potenziellen, kreativen Internet-Projektbetreiber mit gültiger E-Mail- und Zustelladresse in Österreich. Zum Fünf-Jahres-Jubiläum rief das Förderinstitut bis Mitte August die Initiative zur „e-Inclusion“ & „eLiteracy“ aus. Gesucht waren Projekte, die den „Digital Divide“ schließen helfen. Auf der Homepage findet sich auch ein sympathischer Guide, der zeigt, wie Anträge zu stellen sind und welche Anforderungen erfüllt werden müssen. Wer dieses Jahr zu spät dran war, kann sich auf der Homepage schon fürs kommende Jahr umsehen. Infos unter: www.netidee.at

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FERNSEHFILME, SERIEN UND DOKUMENTATIONEN er Fernsehfonds kann „Kulturgüter mit österreichischer Prägung“ mit der maximalen Förderungshöhe von 20 Prozent der Gesamtherstellungskosten unterstützen. Pro Jahr sind immerhin 13,5 Millionen Euro im Fördertopf. Verwaltet wird das Fördergeld von der RTR (Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde). Die haben keine Angst vor Mainstream – denn auch der bietet ja eine hohe „Umwegereantabilität“ für die eingesetzten Gelder und wäre ohne solche Förderungen in Österreich kaum realisierbar: 2009 wurden zum Beispiel der zweiteilige Fernsehfilm „Sisi“ mit 1,4 Millionen Euro und die fünfte Staffel der SOKO Donau mit 1,2 Millionen Euro unterstützt. Fördersumme: Die Höchstfördergrenzen liegen für Fernsehserien bei 120.000 Euro pro Folge, für Fernsehfilme bei 700.000 Euro und für TV-Dokumentationen bei 200.000 Euro. Die Förderungen werden in Form nicht rückzahlbarer Zuschüsse gewährt. Einreichfristen: Werden für 2011 noch auf der Homepage bekannt gegeben. Infos unter: www.rtr.at/de/ffat/Fernsehfonds

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GELD FÜR MUSIKER er Geld für seine Musikproduktion, Albumkosten und LiveTourneen braucht, ist hier richtig: Der Österreichische Musikfonds ist eine Initiative zur Förderung professioneller österreichischer Musikproduktionen. Er steht allen musikschaffenden UrheberInnen, InterpretInnen, MusikproduzentInnen, Musikverlagen und Labels offen. Unterstützt wurden zum Beispiel die Frühjahrstourneen der österreichischen Bands Bauchklang und Clara Luzia. Fördersumme: Gefördert werden maximal 50 Prozent der Produktionskosten. Der Musikfonds vergibt maximal 1.000 Euro pro Konzert und insgesamt maximal 10.000 Euro pro Tournee. Einreichfristen: Nächster Einreichtermin ist zwischen dem 25. Oktober und 18. November 2010. Für dieses Jahr gibt es keine Termine mehr für den Toursupport. Infos unter: www.musikfonds. at ; www.toursupport.at; Infos zu den Bands: www.claraluzia.com; bk.designbuero.com

GELD FÜR DEN LAUFSTEG nit F, das „Büro für Mode“, unterstützt zweimal jährlich mit jeweils 35.000 Euro die heimische Designerszene. Wie zum Beispiel das Projekt „Supergau(di) SS 2010“, eine Fashion- und Showroompräsentation der Designerin Christina Berger auf der Fashion Week in New York, Berlin und London. Die Gelder müssen zweckgebunden eingesetzt werden und dienen als finanzielle Unterstützung zum Beispiel für Fashion Shows, Ausstellungsprojekte oder Werbeauftritte. Maximal 7.500 Euro gibt es für ein Projekt. Infos unter: www.unit-f.at; www.christinaberger.com

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GELD VON DER EU AUDIOVISUELLE IDEEN as MEDIA Programm ist das Förderprogramm der EU zur Unterstützung der audiovisuellen Industrie in Europa. Es werden Förderungen in den Bereichen Verleih und Vertrieb, Märkte und Festivals und beruflicher Weiterbildung vergeben. Außerdem sieht das Programm eine Unterstützung für Produktionsfirmen vor. Allerdings können Einzelpersonen keinen Antrag stellen, sondern nur Firmen oder Initiativen. Sitz des Unternehmens muss außerdem in einem MEDIA-Mitgliedsstaat sein. Österreich ist bereits seit 1992, also vor dem EUBeitritt, dabei. 2009 wurde zum Beispiel der Verleih des Kinofilms „Das weiße Band“ (er wurde nach MEDIA Punkteschema als „österreichischer Film“ klassifiziert) in 21 Ländern mit über 800.000 Euro gefördert. Das Geld bekommen Verleihfirmen – wie der „Filmladen“, der das Wiener Votivkino beliefert –, die wiederum Kinobetreiber mit Filmen versorgen. Fördersumme: In der Regel übernimmt MEDIA maximal 50 Prozent der Kosten einer Maßnahme, die restlichen 50 Prozent der Finanzierung muss der Antragsteller garantieren. Einreichtermine: Ende September wird der neue Call für Projektentwicklung veröffentlicht, mit Einreichterminen Ende November 2010 sowie April 2011. Im Herbst werden außerdem die neuen Calls im Bereich TV-Spitzenfinanzierung, i2i sowie Märkte und Festivals veröffentlicht. Infos unter: www.mediadesk.at

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EUROPÄISCHE KULTURPROJEKTE bgesehen von MEDIA fördert die Exekutivagentur „Bildung, Audiovisuelles und Kultur“ der Europäischen Kommission Kulturprojekte der Mitgliedsstaaten und assoziierte Staaten wie Serbien. Hauptziel des mehrjährigen Programms (2008-2013) ist, die „kulturelle Zusammenarbeit in Europa zu erleichtern und zu unterstützen, um dadurch das gemeinsame europäische Kulturerbe in den Vordergrund zu bringen“. Wer eine Projektidee hat, muss sich die vielen Antragsformulare genau ansehen, die auf der Homepage zur Verfügung stehen – denn die Anträge werden nur angenommen, wenn sie auch zur jeweiligen Programmförderung passen und richtig eingereicht werden. Zu den Aktionsbereichen zählen zum Beispiel „Kooperationsprojekte“, „Literarische Übersetzungsprojekte“ oder „Unterstützung europäischer Kulturfestivals“. Die Antragsfristen sind je nach Programm unterschiedlich. Ein genauer Blick auf die EU Homepage lohnt sich. 5

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WWW.EACEA.EC.EUROPA.EU

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„NICHT IN DETAILS VERZETTELN“ Wie bekomme ich Fördergeld von der EU? Was sind die Unterschiede zwischen nationalen und EU-Anträgen? Wie viel Schweiß und Nerven muss ich für so einen Antrag einplanen? David Röthler vom Beratungsunternehmen PROJEKTkompetenz.eu kennt die Antworten.

ABBILDUNGEN: JÜRGEN BRUNNER, CHRISTIAN BRETTER

Fragen von Martina Powell

Was war Ihre Motivation, sich als Berater in der europäischen Förderlandschaft selbstständig zu machen? Der Anstoß gab eigentlich ein potenzieller Arbeitgeber, der mich vor die Wahl stellte: Anstellung oder Werkvertrag. Ich entschied mich für selbstständige Arbeit und freie Zeiteinteilung. Denn so hatte ich die Möglichkeit, eigene Kunden zu gewinnen und zu beraten. Damals habe ich mich hauptsächlich mit wissenschaftlichen Programmen im IKT-Bereich (Informations- und Kommunikationstechnologie, Anm.) beschäftigt und Projektförderanträge gestellt. Auch für Freie Radios in Österreich habe ich zum Beispiel erfolgreich Förderanträge in verschiedenen EUProgrammen gestellt. Mein Schwerpunkt liegt bis heute im Bereich EU Kultur-, Bildungs- und Zivilgesellschaftsprogramme. Kommt Ihnen bei Ihrer Beratungstätigkeit zugute, dass Sie Jurist sind? Mein Jus-Abschluss ist zwar nicht Voraussetzung für meine Beratertätigkeit, aber er hilft. In vielen Anträgen kommen nämlich juristische Begriffe vor, beziehungsweise sind die Programme sehr formalistisch. Da hilft mir mein Studium beim Interpretieren. In welchen Sparten ist es am einfachsten, Förderungen zu bekommen. In welchen am schwierigsten? Das kommt nicht auf den Bereich, sondern auf die spezifische Programmlinie an. Es gibt zum Beispiel im Bildungsprogramm Aktionen, in denen achtzig Prozent der Förderanträge genehmigt werden. Im Bildungsprogramm gibt es aber auch Sparten, bei denen nur fünf bis zehn Prozent der Anträge mit der Einreichung Erfolg haben. Was sind die Unterschiede zwischen Förderanträgen an die EU und jenen, die ich ans Land oder den Bund stelle? DURST 2/10

MAN SOLLTE EINE GUTE PROJEKTIDEE HABEN, DIE ZUR ORGANISATION PASST UND SICH NICHT NUR BEWERBEN UM PROJEKTGELDER ABZUSTAUBEN. David Röthler, geboren 1967 in Berlin, ist Jurist und Unternehmensberater. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften in Salzburg und verschiedenen Tätigkeiten im Kulturmanagement und in der Politikberatung ist er seit 2001 selbständiger Entwickler und Manager von EU-finanzierten Kultur- und Bildungsprojekten. Das Unternehmen PROJEKTkompetenz.eu GmbH mit Sitz in Salzburg und einer Außenstelle in Düsseldorf berät private Unternehmen ebenso wie NGOs und öffentliche Einrichtungen. Röthler und seine Kollegen helfen bei der Antragstellung und Konzeptentwicklung und geben Orientierung in der regionalen, nationalen, internationalen und insbesondere europäischen Förderlandschaft. www.projektkompetenz.eu

Zunächst einmal kann ich bei der EU Fördergelder nur beantragen, wenn es zu meinem Vorhaben auch ein Programm gibt. Ohne Ausschreibung – Call genannt – läuft also nichts. Bei nationalen Fördermöglichkeiten muss das nicht immer der Fall sein: Oft schickt man einfach nur einen Antrag zum Beispiel zu einem Ministerium, ohne Call. Wo liegen inhaltlich die Unterschiede zwischen nationalen und EU-Förderprogrammen? Bei der EU muss man anders argumentieren als bei nationalen Programmen: Ein Projekt, das mit EUGeldern finanziert werden soll, sollte zum Beispiel auf Themen wie Gender und Interkulturalität Bezug nehmen. Bei nationalen Förderschienen werden diese Kriterien nicht immer in dieser Intensitiät gewichtet. Der EU ist auch Partizipation ein wichtiger Aspekt. Generell sollte bei einem EU-Antrag immer der Nutzen für Europa hervorgehoben werden, was bei nationalen Förderungen nicht der Fall ist. Bei den EU-Programmen ist außerdem mehr Geld im Spiel. Dadurch sind die Anträge aber auch komplizierter gestaltet und die Abwicklung – also das Schreiben von Berichten oder die Abrechnung der Kosten – ein größerer Aufwand. Meistens muss man auch internationale, europäische Projektpartner suchen und finden, was für viele eine Herausforderung darstellt. Die EU fördert in den seltensten Fällen Projekte zu hundert Prozent. Das heißt, der Antragsteller muss selbst auch bereit sein, einen Teil mitzufinanzieren oder andere zusätzliche Geldquellen zu finden. Welche Stationen durchläuft so ein Förderantrag an die EU? Zunächst wird der fertige Antrag nach Brüssel geschickt. Dort wird dann geprüft, ob alle Dokumente ordnungsgerecht eingesandt wurden. Danach

begutachten unabhängige Experten den Antrag und bewerten ihn nach Punkten. Abschließend werden die besten Projekte ausgewählt und gefördert. Wie viel Zeit und Schweiß nimmt so ein Förderantrag in Anspruch? Zwei Monate, in denen man sich etwa zehn bis vierzehn Arbeitstage mit einem Förderantrag beschäftigt, sollte man schon einplanen. Nachdem man den Antrag abgeschickt hat, muss man mit einem halben Jahr Wartezeit rechnen, bis die Ergebnisse kommen. Anschließend dauert es noch ein Jahr ab Zeitpunkt der Einreichung, bis die Gelder überwiesen werden und man mit einem Projekt starten kann. Was passiert, wenn Fördertöpfe nicht geleert werden? Grundsätzlich gibt es immer genug Förderanträge und Projekte, die für gut genug befunden werden, um gefördert zu werden. Wenn allerdings gar keine Anträge eingereicht werden, dann bleibt das Geld im Topf, bis der nächste Call ausgeschrieben wird. Das kommt aber eher selten vor. Und wenn man selbst Fördergelder nicht für das Projekt aufbraucht? Dann muss man das an die EU zurückzahlen. Was sind die größten Fehler, die Förderantragsteller machen? Die meisten unterschätzen den Aufwand, geraten in Zeitnot oder verzetteln sich in Details. Genauigkeit ist gut, aber man muss nicht zum hundertsten Mal prüfen, ob man alle Dokumente beisammen hat. Was raten Sie ihren Kunden, bevor sie sich an die Arbeit machen? Man sollte eine gute Projektidee haben, die zur Organisation passt und diese auch weiterbringt. Wer sich nur bewirbt, um Projektgelder abzustauben, wird wenig Erfolg und Freude mit der ganzen Sache haben. 5

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HELFT IR! ICH HAB‘ EINE IDEE Wenn die Not am größten, ist professionelle Hilfe am nächsten. Wie aus einer hingeskribbelten Idee und vielen Ängsten ein Geschäftserfolg werden kann. Das Grazer innolab oder die (Wiener) Wirtschaftskammer stehen zur Seite - kostenlos. ILLUSTRATION: KURT RUDOLF

von Manuel Köllner

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icente Del Bosque lacht. So ein seltsames Spielgerät hat der Trainer der spanischen Fußballweltmeister noch nicht gesehen. Der Bauch des 59-jährigen Fußballlehrers wippt unter der dunkelblauen Trainingsjacke, als er einen kürbisförmigen Ball über den Rasen vor sich herkickt. Der weiß-grüne Kürbis aus Leder, dessen überraschenden Bewegungen die Lippen unter dem dichten, ergrauten Schnauzbart des Spaniers zu einem Lächeln formen, heißt „Corpus I“. Der Salzburger Mario Sinnhofer brachte den unrunden Fußball vergangenen Juli nach Vorarlberg zum Trainingslager der spanischen Nationalmannschaft. Eine Marketing-Aktion. „Wann haben wir sonst alle Stars bei uns“, sagt Sinnhofer. Nicht nur der Trainer, auch die Spieler waren begeistert: Cesc Fabregas behielt gleich einen Corpus. Der Fußballkürbis „Corpus I“ hat einen Bruder in Form eines Tetraeder namens „Corpus II“. Die unrunden Fußbälle sind als Kunstprojekt entstanden. Mario Sinnhofer studierte in Salzburg Publizistik und bildende Kunst an der Uni Linz. 2002 näht er einen Ball, der nicht rund ist. Fußbälle werden zum größten Teil in Pakistan unter menschenunwürdigen Bedingungen und von Kinderhand hergestellt. Darauf will der Salzburger aufmerksam machen. Aber nicht nur. Die Bälle sehen zwar künstlerisch aus, dienen aber ganz praktisch dem Trainingszweck für Fußballer. Ein Gutachten der Wiener FH Technikum belegt: Wer mit dem Corpus gut spielt, spielt mit dem runden Ball besser.

RASENREICH, ARCHIV, FOTOFISCHER GRAZ

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AUS EINEM KUNSTPROJEKT WIRD EIN GESCHÄFT Aus dem Kunstprojekt ist ein Unternehmen geworden. Sinnhofer gründete 2009 mit Franz Mayer (Sportwissenschaftler) und Bernd Wagner (Marketing, Werbung) die Firma Rasenreich. Wie er sein Unternehmen nun betreibt, hat Andreas Rehklau maßgeblich beeinflusst. Der Deutsche leitet das innolab in Graz. Die Einrichtung wird vom Institut für Innovationsmanagement an der FH Campus 02 betrieben. Die steirische Wirtschaftskammer (WK) iniitierte das Projekt im Jahr 2006. Rehklau und sein Team helfen beim Erfinden. „Wir wollen Leuten mit Ideen über die ersten Hürden hinweghelfen“, sagt der innolab-Leiter. Zu diesem Labor gehört die Studienrichtung, an der Innovationsmanager ausgebildet werden. Profiteure sind Erfinder und Studenten. Ideenträger, Unternehmensgründer oder DURST 2/10

Der Ball ist nicht rund: Die ungewöhnlich geformten Fußbälle amüsierten die Weltmeister aus Spanien – weil sie ungewöhnlich rollen. Entstanden sind sie im Rahmen eines Linzer Kunstprojekts – um auf die menschenunwürdigen Produktionsbedingungen in Pakistan aufmerksam zu machen.

Artikel aus „Österreich“ vom 7. Juli 2010 mit Vicente del Bosque, der den unrunden Ball kickt.

Andreas Rehklau ist Leiter von innolab, einer kostenlosen Unternehmensberatung für Existenzgründer, die vom Institut für Innovationsmanagement an der FH Campus 02 in Graz betrieben wird. Hier kann sich jeder und jede mit seiner oder ihrer Idee melden.

Klein- und Mittelbetriebe können sich mit ihren Konzepten an den Campus 02 wenden, und die Studierenden (und Rehklau selbst) kümmern sich um den Innovationsprozess. Die Innovationsmanager stellen in erster Linie Fragen: Was kostet so etwas in der Entwicklung und Herstellung? Wie wird der Verkaufspreis aussehen? Gibt es so etwas schon? Lässt sich das patentieren? Kommt die Idee beim Kunden an? Das innolab bringt sich auf den Stand eines Experten, überprüft, recherchiert, knüpft Kontakte und testet. „Wenn der Unternehmer ernsthaft sein erstes Stück verkauft, dann sind wir draußen“, sagt Rehklau. Danach kommt es auf das Verkaufsgeschick des Einzelnen an. Im innolab fühlen sich Sinnhofer und seine Kollegen zuhause. Im Frühling 2009 wird er beim Assembly Designerfestival in Graz auf das innolab aufmerksam. Nach dem Wochenende sitzt Sinnhofer in Rehklaus Büro. „Dort muss man nicht erklären, dass der Ball nicht rund ist. Das ist für die völlig normal“, erinnert sich der Salzburger. Partner und Produkt hat Rasenreich zu diesem Zeitpunkt schon. Rehklau und sein Team weisen dem Unternehmen neue Wege in Sachen Firmenauftritt, Umgang mit Medien, Vermarktung oder Zielgruppen. „Es gibt keinen Bereich unseres Unternehmens, den das innolab nicht beeinflusst hat“, sagt der 36-jährige Ballerfinder. Rehklau beschreibt dieses Konzept so: „Wir zeigen, wie man dort hindenkt, wo niemand hindenkt.“ Ohne das innolab hätte Sinnhofer zum Beispiel nicht so bald an den wachsenden Markt Frauenfußball gedacht. So ausgereift wie bei Rasenreich muss eine Idee aber nicht unbedingt für das innolab sein. „Sie können auch nur mit einem aufgeschriebenen Satz zu uns kommen“, sagt Rehklau. „Wir hören lange zu.“ Konkurrenz gibt es auf dieser Ebene kaum. Private Innovations- und Gründungsberater finden sich viele. Auch die Universitäten haben ihre internen Forschungszentren. Zum innolab kann jeder kommen. Es hat auch den Anspruch für Laien, die neben dem Alltagsgeschäft etwas Neues ausprobieren wollen. Die Innovationsmanager kümmern sich um den Handwerker genauso wie um den Energetiker oder den Doktor der Thermodynamik. Kostenlos. Rehklaus Team hat sich auf keinen Bereich fokussiert. „Das können wir uns leider oder zum Glück nicht erlauben.“ Egal welches Thema, Rehklaus Innovationsstrategien und sein Expertennetzwerk werden’s schon richten.

Die dichte Universitätenlandschaft in der Steiermark ist dabei ein Vorteil. Alles geht aber dann doch nicht. Wenn jemand mit einem Heilmittel für Malaria zu ihm käme, würde Rehklau ihn wieder wegschicken. Dafür ist der Rahmen zu klein. Da müsste eine medizinische Universität ran. „Der Gründer unterschätzt oft, wie investitionsbereit sein Umfeld ist.“

DIE WIRTSCHAFTSKAMMER BERÄT Das innolab arbeitet – nicht nur aufgrund der räumlichen Nähe, der Campus liegt gegenüber des steirischen Wirtschaftskammergebäudes, – eng mit der WK zusammen. Manchmal gibt es Schwierigkeiten. Nicht alle Innovationen sind gewerberechtlich umsetzbar. Denn „so innovativ wie wir kann die Kammer nicht sein, das muss sie auch nicht“, sagt Rehklau. Der Zettel mit Notizen drauf reicht der Wiener Wirtschaftskammer nicht. „Wenn jemand kommt und sagt, er hat eine Idee und das war‘s, dann war‘s das auch von unserer Seite. Die Idee alleine ist zu wenig“, sagt Christian Wodon, Leiter der Gründerservicestelle der Wiener Wirtschaftskammer. Er sieht seine Einrichtung als Wegweiser, stellt Fragen. Welche Informationen sind nötig? Woher bekomme ich diese Informationen? Welche ökonomische und zeitliche Ressourcen stehen zur Verfügung? Welcher Schritt kommt zuerst? In der Regel haben die Gründer aber schon mehr als die Notiz auf dem Zettel. Dann erklärt die WK, wer weiterhelfen kann. Wer will und kann ein neues Produkt herstellen? Wer steckt Geld in ein Start-Up? Wer patentiert ein Produkt? Wer regelt rechtliche Angelegenheiten? Wie schaut‘s mit Steuern und Sozialversicherung aus? Wichtig ist es für Wodon mit Gerüchten aufzuräumen. „Jeder hat irgendwas irgendwo gehört. Viele glauben, man bekommt als erstes Bargeld in die Hand gedrückt. Das stimmt nicht“, sagt der Gründerservice-Leiter. Wirtschaftskammer, innolab, wohin man sich auch wendet: Man wird in Österreich nicht allein gelassen als „kreativer Industrieller“. Auch wenn man immer noch selbst die Idee haben muss und sich selbst um alle weiteren Schritte kümmern muss. Und eine Garantie für den Erfolg liefert auch die beste Beratung nicht. Aber sie kann wenigstens Mut machen und ein paar Hürden aus dem Weg räumen. 5 WWW.INNOLAB.AT PORTAL.WKO.AT WWW.DEPARTURE.AT WWW.RASENREICH.COM

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DIE IDEE Was ist die Grundlage des Projekts? Welches Bedürfnis soll befriedigt, welches Problem soll gelöst werden? Was ist meine Idee und was ist der USP (Unique Selling Point), was ist der Mehrwert? Fragen die man stellt, müssen beantwortet werden: Hier ist das Problem, ich habe die Lösung. Hier gibt es eine Herausforderung, ich habe die Lösung. Es geht um die Beschreibung des Produkts – das ist eigentlich nicht schwer, denn es kommt ja von einem selbst. Hier muss ich Begeisterung schaffen!

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Tipp für den Gastronomiebusinessplan. Aufgenommen in einer Rosenberger Autobahnraststation.

DER MARKT Wie sieht der Markt aus, wer ist meine Zielgruppe, wer ist meine Konkurrenz? Jemand der zuhört, muss denken: Gut, es gibt wirklich einen Markt für diese Idee. Das passt für diese Zielgruppe und die Konkurrenz ist überschaubar.

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von Georg Eckelsberger

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u hast eine Geschäftsidee, die dich reich und berühmt machen wird? Gratuliere. Doch das reicht noch nicht. Sehr schnell wirst du damit konfrontiert sein, das Ganze auch in Papierform zu bringen. Der Businessplan gilt weithin als zentraler Schritt bei der Gründung eines Unternehmens – und bei Anträgen auf Fördergelder. Martin Sirlinger hat bei einem Beratungs- und Beteiligungsunternehmen täglich mit neuen Geschäftsideen zu tun. Seine Aufgabe ist es herauszufinden, welche Ideen Potenzial haben und wo die Probleme liegen (könnten). Man muss sich frühzeitig die richtigen Fragen stellen, damit man auch andere von seiner Geschäftsidee überzeugen kann.Sirlinger sagt: „Die Menschen scheitern meistens nicht an der Formulierung eines Businessplans. Sie scheitern, weil sie diese Fragen für sich nicht detailliert genug beantwortet haben.“

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DAS GESCHÄFTSMODELL Wie finanziere ich das Ganze? Was ist das Geschäftsmodell? Die Finanzierung ist das Thema, wo oft keine klaren Antworten gegeben werden. Investoren oder Banken setzen das aber voraus. Man braucht einen Zeithorizont, wann sich die Geschäftsidee rechnet. Zumindest rechnen soll.

FOTO: CHRISTIAN BRETTER

SCHRITT FÜR SCHRITT ZUM BUSINESSPLAN. TIPPS VOM EXPERTEN

VERMARKTUNG UND VERTRIEB Hier wird es schwieriger. Die Idee ist immer riesengroß, beim Markt wird das Eis schon dünner und bei Vermarktung und Vertrieb droht man einzubrechen. Diese Fragen muss ich ganz klar in einer Tiefe beantworten, die vermittelt: Ich habe das schon einmal gemacht. Zumindest habe ich wirklich Ahnung davon und verfüge über das nötige Know-How und die Ressourcen.

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DAS TEAM Wer ist mein Team? Diese Frage wird massiv unterschätzt! Inwieweit habe ich ein Team hinter mir, das Lösungen finden kann. Wer auf gute Leute zurückgreifen kann, hat eine Chance, egal was passiert.

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DER MASTERPLAN Wie sieht die Roadmap bis zum Launch bzw. für die nächsten eineinhalb Jahre aus? Was sind deine nächsten Schritte. Am Ende müssen die Leute sagen: Ich habe alles verstanden, ich habe Vertrauen in dich. 5

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UNSERE KLEINEN SIEGE: DURST-REDAKTEURE ÜBER ERFOLGE, DIE BLEIBEN

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RADSCHLAGEN nna konnte es. Und natürlich Tina, Marie – Mona sowieso: Ein Rad schlagen. Nur mir legte die Turnlehrerin nahe, beim (verpflichtenden!) UnterstufenGymnastikwettbewerb als Kür einfach ein paar Purzelbäume zu machen. Ja, so erbärmlich waren meine Bodenturn-Versuche. Aber ich wollte den anderen nicht hinterherpurzeln. Also üben: Im Keller (aua, Beule), im Garten (wäh, Vogelscheiße), im Kinderzimmer (aua, zweite Beule). Ohrensausen, roter Kopf. Egal. Beim Wettbewerb bekam ich dann zwar die niedrigste Punktezahl für meine Kür. Mein Rad habe ich aber geschlagen. Und zwar perfekt. Martina Powell

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Wir tragen messbar zu Ihrem Studienerfolg bei! Mit über 6,8 Millionen Bänden und der beachtlichen Zahl von 37.800 E-Journals sowie 1000 Datenbanken sind wir die größte wissenschaftliche Bibliothek Österreichs. Neben den 86.000 Studierenden und den 8.900 MitarbeiterInnen der Universität Wien bieten wir zahlreichen BenützerInnen aus ganz Österreich aktuellste Information und umfangreichste Medienbestände.

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REIS UND NUDELN ch kann nicht kochen. Ich will nicht chauvinistisch klingen oder übertrieben dämlich, aber es stimmt. Alles was über das Aufwärmen von Mikrowellengerichten hinausgeht, läuft schief. Das ist nun mal leider so. Aber ich mache Fortschritte: Seit über einem Jahr kann ich Nudeln kochen. Vielleicht nicht al dente, aber essbar. Nun trainiere ich schon seit ein paar Wochen mit Reis. Quellwassermethode hin oder her: Anfangs sah das Ergebnis noch eher aus wie Kartoffelpüree. Doch es wird besser. Neulich konnte man die gekochten Reiskörner sogar mit bloßem Auge auseinanderhalten. Georg Eckelsberger

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FH-AUFNAHME iner meiner netten kleinen Erfolge ist bestimmt die Aufnahme an der FH für Journalismus und Medienmanagement. Da werden in einem dreiteiligen Auswahlverfahren nur etwa zehn Prozent der Anwärter aufgenommen – und ich war letztes Jahr unter den Glücklichen. Ich hab mich eher gewundert, dass ich da aufgenommen wurde, weil ein sehr schlauer Bekannter von mir es da rein geschafft hatte und ich nicht gedacht hätte, dass mir das auch gelingt. Aber als dann die Mail mit dem Bescheid kam, war das schon ein ziemlich großartiges Gefühl. Valentin Ladstätter

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Lernen Sie Ihre Universitätsbibliothek kennen und nutzen Sie unsere Services! Wir veranstalten Kurse und Schulungen zu ausgewählten Themen und unterstützen Sie bei Spezialrecherchen für wissenschaftliche Aufgabenstellungen. Kommen Sie zu uns und schulen Sie Ihre persönliche Informationskompetenz! Universitätsbibliothek Wien Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien T +43-1-4277-151 02 http://bibliothek.univie.ac.at

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FOTOS: CHRISTIAN BRETTER

DIPLOMARBEIT ch gehöre zu den letzten meiner Art, ein lebendes Fossil. Während links und rechts die Bakkalaureusse aus dem Boden schießen, kann ich mich noch freuen, vom Briefträger freundlicher behandelt zu werden, wenn ich meinen Namen am Türschild erst mit „Mag.“ ergänzt habe. Glückliches, titelgeiles Österreich! Der Preis: Zweieinhalb Monate schlaflose Nächte und hoffnungslose Tage, an denen der einzige soziale Kontakt das „Pssst!“ der Bibliothekarin war. Umso besser das Gefühl, die gebundene Diplomarbeit in Händen zu halten. Und das hab’ alles ich geschrieben? Wahnsinn! Raffael Fritz


WERDEN.

MEINE WEISSE WAND ir haben lange miteinander gekämpft. Sie hat die Wahl der Waffen mir Ăźberlassen, ich griff nicht zum Degen, sondern zur Dispersion. Und obwohl ich wusste, dass ich als Siegerin hervorgehen wĂźrde, hat sie es mir nicht leichtgemacht. Nicht nur ihr war der Kampf anzusehen. Auch ich habe Kriegswunden davongetragen. Nach drei Schlachten war es dann aber so weit: Die grĂźne Wand in meiner Wohnung ist endlich weiĂ&#x;. Mara Simperler

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HĂ&#x2013;LLENTRIP DURCH INDONESIEN Ăźnfzig Kilometer, gefĂźhlte fĂźnf Millionen Kurven, sechs Stunden HĂślle. Die Fahrt in einem ĂźberfĂźllten Kleinbus von Moni nach Maumere auf indonesischen BergstraĂ&#x;en ist nichts fĂźr Menschen, denen leicht schlecht wird. Abrutschende Berghänge zur Linken und steile Klippen zur Rechten helfen auch nicht viel, um die Nerven zu beruhigen. Obwohl ich eigentlich geeicht bin, hat mir das kotzende Kleinkind am Nebenplatz den Rest gegeben. Umso stolzer bin ich, dass ich am Ende der Fahrt trotzdem eine Portion Nasi Goreng verdrĂźckt habe. Mara Simperler

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SKIFAHREN, DIE ZWEITE ch habe mit vier Jahren Skifahren gelernt. Das war natĂźrlich nicht meine Entscheidung, sondern die meiner Eltern. Später erkannte ich, dass Snowboarden auch SpaĂ&#x; macht und zusätzlich noch ziemlich lässig aussieht. Und dann ist es passiert: Ausgehen, Musik, Freunde, alles andere wird wichtiger, Berge sind anstrengend. Sieben Jahre weg von der Piste. They never come back, heiĂ&#x;t es. Aber ich habâ&#x20AC;&#x2DC;s geschafft und vergangenen Winter war es soweit. Die ersten paar Meter noch unsicher, aber dann ... vielleicht hat es nicht sofort lässig ausgesehen, aber das wird noch. Georg Eckelsberger

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ERSTER FLICK-FLACK in Riesen-Erfolgserlebnis war fĂźr mich, meinen ersten Flick-Flack ohne fremde Hilfe zu schaffen. Das ist ein Ă&#x153;berschlag rĂźckwärts. Dabei habe ich mir als Achtjähriger mal das SchlĂźsselbein gebrochen. Aber weil ich so fasziniert war von diesem Trick, hab ich später weitergemacht und es doch tatsächlich geschafft. Den Flick-Flack kann ich heute noch und bin echt ein bisschen stolz darauf. Er ist schlieĂ&#x;lich auch das Einzige, was mir von meiner Kunstturnkarriere Ăźbrig geblieben ist. Valentin Ladstätter

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Hyper Real Die Passion des Realen in Malerei und Fotografie

22.10.2010 â&#x20AC;&#x201C; 13.2.2011

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NACHRUFE 2010

STUDIVZ a war doch einmal was, bevor wir alle Facebook hatten, wie hieß das noch mal? Ach, keine Ahnung, ist doch egal, schau mal, auf was für einem Foto mich der Thomas getagged hat.

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DIE ANONYMITÄT as Google-Street-View Auto ist mittlerweile ähnlich beliebt wie die GIS-Kontrolleure. Nur wer das WLAN aussteckte, entging in den letzten vier Jahren der Gefahr, dass seine Daten und Passwörter als Nebenprodukt von Google mitabgesaugt werden.

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DAS IMAGE VON BP mweltverschmutzung und Unfähigkeit: Das Öl, das monatelang aus einem leckgeschlagenen Bohrloch in den Golf von Mexiko strömte, hinterließ nicht nur am Meer tiefschwarze Flecken. UCB Comedy konnte der Katastrophe mit dem genialen Video „BP spills coffee“ zumindest eine halbkomische Seite abgewinnen.

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¦ DIE HEILE WELT rst wurde im Januar Haiti vom stärksten Erdbeben des Jahrhunderts heimgesucht, dank des aschespuckenden isländischen Vulkans Eyjafjallajökull konnte man ab April nicht mal mehr hinfliegen. Und jetzt sind 20 Millionen Pakistani obdachlos. Wer noch immer an die heile Welt glaubt, liest nur die „Vogue“ oder ist Supermario.

DER AUSSTIEG ie Schweden haben es getan. Und die Deutschen jetzt auch. Sich vom Ausstieg aus der Atomkraft verabschiedet und die Laufzeiten ihrer Kraftwerke verlängert. Die Schweden bauen sogar neue. Angeblich, um die Energieversorgung zu sichern und den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Die Betreiber freut‘s. Österreich hält tapfer dagegen. Wie lange noch?

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DRÜBERSTEHEN rei Jahre lang war Österreich standhaft: Der Eurovision Songcontest wurde boykottiert. Mythen vom osteuropäischen 12-Punkte-Kartell wurden erzählt. Dank Lenas Überraschungssieg für Deutschland ist das jetzt Geschichte. Österreich fährt wieder zum Songcontest. Doch wer soll fahren? Rapperin Christine Marek? Franz Brei, der „singende Pfarrer“?

DIE LETZTE U-BAHN umindest in den Wochenendnächten gibt es eine Ausrede weniger, um in Wien (be)rauschenden Partynächten zu entgehen. Ob besoffene Nachtschwärmer in den U-Bahnen schöner anzuschauen sind als in den Nightline-Bussen, könnte man ja die Begleit-Polizisten fragen.

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DIE LOVE PARADE m Juli starben bei einer Massenpanik in Duisburg 21 Menschen. Selbst wenn die Loveparade noch einmal wo anders stattfinden würde – unbekümmert feiern könnte dabei niemand mehr.

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8 DER KÖNIG DER KÖNIGE ein, nicht Haile Selassie von Äthiopien, sondern Hans Dichand von Österreich. Autoritär regiert haben beide. Während Selassies Monarchie jedoch von revoltierenden Offizieren gestürzt wurde, besteht das Krone-Imperium unter Thronfolger Christoph Dichand weiter.

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; DER SPANDEX-KULT or nicht allzu langer Zeit stand American Apparel für Goldleggins und V-Necks, sweatshop-frei in Los Angeles produziert. Nun hat AA-CEO Dov Charney eine handvoll Klagen wegen sexueller Belästigung am Hals, unattraktive Mitarbeiter wurden gekündigt und der Umsatz des Unternehmens rattert in den Keller. Müssen die Hipster nun zurück zu H&M?

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APPLE ALS ALTERNATIVE er iPod wird immer kleiner, Apple dafür größenwahnsinnig. Mit dem iPad führte Steve Jobs ein materielles Synonym für das Wort „unnötig“ ein und wer das iPhone 4 falsch hält, hat keine Verbindung mehr. Wird Windows bald die coole Alternative zu Apple?

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TEXTE: MARA SIMPERLER

DAS BARGELD chweden überlegt, das Bargeld abzuschaffen. Wie das wohl bei uns wäre? Einerseits müssten wir uns an der Kassa beim Satz „1,20 Euro? Bitte mit Bankomat“ nicht mehr blöd vorkommen. Dem Straßenmusikanten würden wir trotzdem nicht die VisaKarte in die Mütze werfen.

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