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Weil man alles von zwei Seiten sehen kann: Der glückliche Teil
Valentin Ladstätter: Der Voralberger hat sich nach eigener Aussage eine „glückliche Grundstimmung“ erarbeitet. Er ist unser Berufsoptimist. Manon Steiner: Auch so ein Sonnenschein: Für ihr Glück braucht sie ein Picknick im Grünen mit gutem Wein, leckerem Käse und gaaaanz viel Sonne.
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EDITORIAL
ei glücklich! Alle wo liebsten ein Lebe llen glücklich sein, am n lang. Warum da s nicht geht, erklärt unse re Warum ein kurzer Titelgeschichte (S.12). Dr glücklich machen ogenkick sehr wohl ka nn, leider ab auf Dauer, weiß un ser Drogenexpert er nicht e (S.16). Wir haben mit Mensc hen gesprochen, die nach Österreich gekommen sin (S.18) und wir st d, um ihr Glück zu machen ellen die besten körpereigenen Glückshormone vo r sogar Staatsziel, w (S.22). In Bhutan ist Glück ir haben Gurus und waren dort (S.24). Und wir andere spirituelle Wien besucht un d sie gefragt, wo‘s Menschen in zu geht. Unser Autor bleibt skeptisch (S m Glück .28).
Lena Hammerstingl: Unser Neuzugang in der Redaktion pflegt (manchmal) einen ungesunden Lebensstil. Weil der sie glücklich macht.
WIR SIND GLÜCKLICH
COVER: CHRISTIAN BRETTER, FOTO DIESE SEITE: ?SHUTTERSTOCK / MICRODON
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enn Kollege Raffael am Besprechungstisch vom Untergang der Sumerer schwärmt, Kollegin Mara aus Südamerika Sonnenuntergänge telegrafiert und Christian Bretter enthusiastisch seine Sammlung alter Zeitungsausschnitte hervorkramt, dann ist sie wieder voll angelaufen: Die Kreativzaubermaschine DURST. Dann rattert es dahin, es wird diskutiert, geflucht, gelacht, vor allem gelacht, erfunden und verworfen – und gemacht. Am Ende gibt es wieder ein paar bunte Seiten Papier mehr auf der Welt. Manche würden das Irrsinn nennen ... wir nennen es Leidenschaft. Und dafür muss man dann auch mal Danke sagen. Danke an den Falter, der uns (meistens)einfach machen lässt. Danke an den Einsatz aller Redakteure, die auch noch in letzter Minute eine Geschichte recherchieren, weil eine Anzeige ausgefallen ist. Und danke an alle unser Leser: Ohne euch gäbe es dieses Heft gar nicht. Ihr macht uns glücklich.
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Sandra Schieder: Unsere Grazer Redakteurin macht der Gedanke glücklich, eines Tages in ein Land auszuwandern, in dem 365 Tage im Jahr die Sonne scheint.
Martina Powell: Ein glückähnlicher Zustand herrscht bei ihr, wenn „Freunde lachen, die Familie beisammensitzt oder die Seminararbeit fertig ist.“
Georg Eckelsberger: Manchmal braucht‘s zum Glück wirklich nicht viel: „Musik, Fortfahren, Stadt-Land-Fluss-Spielen.“
Thomas Vierich: „Die Peitsche“ braucht zum Glücklichsein zwei Dinge: „Verlieben. Gute Musik.“ Am liebsten beides gleichzeitig.
Manuel Köllner: Er braucht zum Glück angeblich nur: Gott. Was etwas in Widerspruch zu seinem Artikel über Religion und Spiritualität steht ...
Christian Bretter: Unser Artdirektor fühlt sich am wohlsten, wenn er mit Freunden schlemmt, lacht oder alleine in „große“ Kunst eintaucht. Es kann auch seine eigene sein.
Sandra Eigner: „Von wegen Morgenstund hat Gold im Mund: Wirklich glücklich macht mich lange aussschlafen und zu Sonnenschein aufwachen.“
Mara Simperler: „Das Glueck faengt da an, wo die Umlaute aufhoeren: „In Internetcafés am anderen Ende der Welt, wo es kein ‚ue‘ gibt, sind meist auch die Probleme von daheim ganz weit weg.“ Raffael Fritz: Unser Charmeur steht auf „nette Gespräche mit alten Damen in der Straßenbahn.“ Es sei ein Mythos, dass alle Menschen in Wien grantig sind. „Nur die meisten.“
HALBVOLL 3
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INHALT / IMPRESSUM
WARUM ICH DEN FRÜHLING HASSE E
s war so schön, als draußen alles grau und grauslig war. Man brauchte nicht raus und konnte lang schlafen, weil man eh nix verpasste. Jetzt weckt mich morgens die blöde Sonne, ständig ruft einer oder eine an und will mit mir in den Biergarten, blöd herumliegen im Prater, radfahren auf der Donauinsel, spazierengehen im Wienerwald, joggen in den Steinhofgründen oder gar wandern auf die Berge, die sie euphemistisch „Zauberberge“ nennen. Auf mich üben die überhaupt keinen Zauber aus. Ich hasse Aktivitäten, für die ich aufstehen muss. Deshalb hasse ich den Frühling. Er macht mir ständig ein schlechtes Gewissen: Steh auf, mach was, sei glücklich! Scheiß auf glücklich. Ich will gar nicht glücklich sein. Ich will ungestört in meinem Selbstmitleid versinken. Denn das kann ich am besten. Am schlimmsten sind die blöden Hormone: Ein kurzer Mädchenrock, ein Muscle-Shirt, flatternde Zöpfe, ein Dreitages-Bart – und peng: Schon ist sie dahin meine Seelenruhe, meine splendid isolation. Jeder unvermeidliche Gang zum Supermarkt wird zum Spießrutenlauf: Überall lachende Menschen voller Energie. Manche lachen sogar mich an. Soll ich zurücklächeln? Wie geht das? Oh Mann, wie mich der Frühling nervt.
IMPRESSUM MEDIENINHABER Falter Zeitschriften Gesellschaft mbH. Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien T: 01 536 60-0 E: durst@falter.at www.falter.at/durst REDAKTION Thomas Askan Vierich (Ltg), Martina Powell, Mara Simperler, Georg Eckelsberger, Raffael Fritz, Sandra Eigner, Sandra Schieder, Manuel Köllner, Valentin Ladstätter, Manon Steiner, Lena Hammerstingl AUTOREN Marie Gamillscheg, Fabian Gräf ART DIRECTION & ILLUSTRATION Christian Bretter FOTOS Die Redaktion und wie angegeben PRODUKTION Cornelia Gleichweit
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ANZEIGENVERKAUF Sigrid Johler (Leitung) GESCHÄFTSFÜHRUNG Siegmar Schlager DRUCK Leykam Druck GmbH DVR: 047 69 86 Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten.
Glückliche Menschen und ein pessimistischer Affe.
WISSENSDURST
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Die Suche nach dem Glück: Unsere Autorin auf der Spur des besten Gefühls der Welt . . . . . . . . . . . . . . . . . . Michael Musalek: Der Suchtforscher über das chemische Glück . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . The Austrian Dream: Sie sind nach Österreich gekommen, um hier ihr Glück zu finden – sechs Studierende erzählen DURST ihre Geschichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mach mich glücklich: Hormone, die dir den Kick geben - ganz natürlich (und mit ein bisschen Nachhilfe) . .
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Das Königreich des Glücks: Das kleine Land Bhutan hat den weltweit höchsten Glücksindex, warum? Frag den Guru: DURST holt sich Tipps von spirituellen Glücksprofis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Warum ich Optimist bin: Ja, oft ist das Leben scheiße. Das Prinzip „Trotzdem“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Schreibt uns was ihr wollt, wo‘s zwickt und was euch ankotzt. Wir haben für alles Platz.
facebook.com/ durstmagazin durst@falter.at
FOTOS: PRIVAT, MANON STEINER, MARA SIMPERLER, PRIVAT
Die Redaktion stellt sich vor: Das Leben ist schön und das Glas halbvoll . . . . . . . . . . Best of Students: Nachbarschaftsliebe, Gedenken an den Holocaust und Blutspenden Umfrage: Was tust du, um dich glücklich zu machen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Glückskalender: Veranstaltungen, die gute Laune machen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Das nächste DURST erscheint zu Beginn des Wintersemesters 2013.
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BEST OF STUDENTS
Blutspenden ist gar nicht so schlimm. Und es bringt sogar was ein – auch für den Spender.
BLUT WIRD FLIESSEN Es wird zu wenig Blut gespendet. Eine Gruppe Studierender von der Angewandten will das ändern
WAS MICH DER HOLOCAUST ANGEHT Eine Schule in Wien-Brigittenau probt einen neuen Umgang mit der Nazi-Vergangenheit – mit besonderem Bezug auf Migranten. Vorlage: eine preisgekrönte Diss von der Akademie der bildenden Künste
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ber den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust zu lernen, ist notwendig, wie das in den Schulen passiert aber oft altbacken. Was geschehen ist, ist schrecklich, so viel ist wohl jedem klar. Aber auch unvorstellbar: Der Holocaust als historisches Ereignis ist schon sehr weit von unserer Lebenswelt entfernt. Da stellt sich mancher die Frage: „Was hat das mit mir zu tun?“ Genau dieses Problem hat Nora Sternfeld von der Akademie der bildenden Künste in ihrer Dissertation (Philosophie) verarbeitet. Dafür wurde sie mit dem „Award of Excellence“ des Wissenschaftsministeriums ausgezeichnet. Hinter dem sperrigen Titel „Kontaktzonen der Geschichtsvermittlung. Transnationales Lernen über den Holocaust in der postnazistischen Migrationsgesellschaft“ versteckt sich der Plan, wie man Schülerinnen und Schülern den Holocaust in der heutigen Zeit vermitteln kann. Das Stichwort lautet neudeutsch „Contact Zone“: In Gedenkstätten sollen Handlungsräume entstehen, in denen sich junge Menschen mit dem auseinandersetzen können, was passiert ist, auch hinsichtlich ihrer eigenen Familiengeschichte (außerhalb Österreichs) und was das für die Gegenwart, ihr Leben bedeutet. Die Diss ist aus einem Projekt des Forschungsbüros trafo.K entstanden, Forschungsobjekt war das Brigittenauer Gymnasium in Wien, dort befand sich 1938 ein GestapoGefängnis. Gemeinsam mit den SchülerInnen wurde überlegt, wie man die Gedenkstätte im Keller der Schule besser gestalten kann. / Sandra Eigner
http://www.trafo-k.at
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ie Angewandte befindet sich bald im Blutrausch. Das ist der Name der Blutspendenaktion, die an der Wiener Universität für angewandte Kunst am 13. und 14. Juni von 10 – 17 Uhr stattfinden wird. Denn Blut ist rar in Österreich. Doch zu wenigen ist diese Knappheit bewusst und nach wie vor mangelt es an Freiwilligen, die sich ihr Blut abzapfen lassen. Deshalb ruft die Gruppe Herzblut am 14. Juni - seit 2004 der Weltblutspendetag - zu mehr sozialem Engagement auf. In Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz wollen Studierende der Angewandten Kollegen, Lehrende, Universitätsmitarbeiter, Anhänger der Wiener Kunst und Kreativszene und am besten ganz Wien dazu bringen Blut zu lassen. Das Projekt entstand im Rahmen der Babylon Design School, ein fortlaufendes Lehr- und Lernexperiment der Klasse für Grafik Design unter Leitung von Elisabeth Kopf, in dessen Rahmen immer wieder kreative Projekte entwickelt werden. Am Ende will die Gruppe 125 Liter Blut an das Rote Kreuz übergeben. Um ihr Ziel zu erreichen, müssen sich die Projektmitarbeiter natürlich genügend Gehör verschaffen. Dafür ist eine umfangreiche Kampagne geplant. Sogar ein eigenes Magazin mit dem Titel „Blut 3000“, in dem Sponsoren in insgesamt drei Ausgaben ihre Werbung platzieren können, soll entstehen. Hinzu kommt die Mobilmachung durch eine eigene Website, Soziale Medien und direkte Ansprache mithilfe von Teaseraktionen und Pressekonferenzen. Auch für sozialen Austausch im Rahmen eines Chill & Grill-Tages und eines Abschlussfestes ist gesorgt. Losgehen soll das Ganze im April dieses Jahres. Die Aktion selber findet in einem Bus vom Roten Kreuz vor dem Hauptgebäude am Oskar-Kokoschka-Platz statt. Durch die unkonventionelle Herangehensweise wollen die Studierenden anderen jungen Menschen zeigen, dass soziale Bereitschaft auch Spaß machen kann. Durch die längere Kampagne soll das Gefühl eines gemeinsamen Ziels erweckt werden. In diesem Sinn hoffen wir auf zwei blutige Junitage. / Manon Steiner
FOTOS: ROTES KREUZ, TRAKO.K, AAT
Wie macht man das Unvorstellbare für eine junge Generation nachvollziehbar, verstehbar, erlebbar?
www.blutrausch.org www.babylon-design-school.com DURST 1/13
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FOTOS: ROTES KREUZ, TRAKO.K, AAT
WENN SENIOREN VIDEOTELEFONIEREN Studierende der TU Wien helfen Senioren, besser mit Kommunikationsmitteln umzugehen, insbesondere mit der Videotelefonie
Auf Knopfdruck plaudern mit dem Enkel.
UNTERSCHÄTZE NIEMALS DEINE NACHBARN Ein Trupp junger Leute will ein Grätzl beleben – und stößt dabei auf wenig Grant und viel Hilfe von nebenan
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alère Schramm steht auf Pressspanplatten in einem Kellergewölbe und putzt sich Holzspäne von den Schuhen. Alles hat vor zwei Jahren begonnen, als ein Zaun im Hof wegrissen wurde. „Da war plötzlich ein Platz entstanden, an dem sich die Nachbarn spontan getroffen haben”, sagt der 24-jährige Theologiestudent. Mit Marc-Cornelius, einem 21-jährigen Publizistikstudenten, fasste er einen Plan: Das Kellergewölbe, früher ein Requisitenlager, soll renoviert werden, damit sich die Nachbarschaft treffen kann, zu Lesungen, Konzerten, was auch immer. Das Projekt heißt „Die Requisite“ und hat sechs Mitglieder, die sich hier in der Krummgasse kennengelernt haben. Ein kaputter, feuchter Boden, eingeschlagene Fenster – der Keller bot zu Beginn keinen vielversprechenden Anblick. Für Marc-Cornelius, Valère und die anderen war er aber vor allem eines: eine Spielwiese. Bis zum Sommer soll der Raum fertig sein. Der Eigentümer stellt ihn gegen Mindestmiete zur Verfügung, der Umbau wird über eine EU-Jugendförderung und durch Einnahmen eines Straßenfests, eines Flohmarkts und anderer Aktionen finanziert. „Es war großartig zu erleben, welches Potenzial hier in der Nachbarschaft steckt”, sag Marc-Cornelius. Die anfängliche Skepsis war schnell verflogen. Jetzt wollen alle mithelfen: Unterschätze niemals die Krummgasse! / Georg Eckelsberger
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ür die junge Generation kann das neueste technische Gadget gar nicht schnell genug auf den Markt kommen. Während ältere Menschen oft noch mit Internet und Social Media zu kämpfen haben. Dem Problem stellt sich das Zentrum für Angewandte Assistierende Technologien (AAT) der Fakultät für Informatik an der TU Wien. Dort hat man ein Gerät entwickelt, das vor allem das Videotelefonieren vereinfachen soll. Es handelt sich um einen vereinfachten Computer in iPad-Größe mit Touchscreen, bei dem man nur auf den Kopf der gewünschten Person drücken muss und schon wird man mit dieser verbunden. Das Design soll sich an den Wohnraum anpassen und nicht wie ein herkömmlicher Computer aussehen. Man kann sogar zwischen unterschiedlichen Holzrahmen wählen und die Kamera kann ganz einfach durch eine Schiebeklappe verdeckt werden. Aber nicht nur telefonieren kann man mit dem Kleincomputer, er bietet auch Internetzugang. So lässt sich beispielsweise ein Nachrichtensystem aktivieren, bei dem man in regelmäßigen Abständen die wichtigsten Neuigkeiten übersichtlich und vergrößert nachlesen kann, um sich so die oft zu klein geschriebenen Tageszeitungen zu ersparen. In andauernden Forschungsprojekten soll das Gerät weiterentwickelt werden und beispielsweise physisches und kognitives Training fördern, oder Menschen mit chronischen Krankheiten als eine Art Roboter im Alltag helfen. /Manon Steiner
WAS MACHST DU?
Du hast einen Plan, um den Weltfrieden zu erreichen? Um unsere Energieprobleme zu lösen? Oder einfach nur ein verdammt cooles Fotoprojekt? Was es auch ist – wir hätten bei „Best of Students“ eventuell Platz, es vorzustellen. Schickt eure Vorschläge an durst@ falter.at. Die besten Einsendungen findet ihr in der nächsten Ausgabe.
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DURST-UMFRAGE: GLÜCK
Von Fabian Gräf
A) „Was tust du, um dich glücklich zu machen?“ B) „Kennst du einen besonders blöden „Kopf hoch“-Spruch?“
Jean-Marie, 31 studiert Theologie
Julia, 27 Hostelbesitzerin, Wien
Attila, 43 Augustinverkäufer
A) „Um mich glücklich zu machen, treibe ich Sport oder lese ein Buch. Oder ich schaue einen Film.“
A) „Regelmäßig Urlaub nehmen! Gerne auch mal im Kopf.“
A) „Ich brauch kein Geld, gar nix. Alles, was ich mir gönnen wollte, hab ich mir schon gegönnt. Das Wichtigste ist mir meine innere Ruhe.“
B) „Wer weiß, wofür‘s gut ist!“
B) „Die Welt geht nicht unter.“
B) „Meine Mutter hat mir immer gesagt: Respekt mit Respekt behandeln. Und die Depperten mit viel Geduld.“
Christiane, Krankenschwester und Werner, Anästhesist Wien
Rosa, 21 Wien, studiert Textiles Gestalten und Technisches Werken
A) „Glücklich macht es uns, mal nicht arbeiten gehen zu müssen. Und Kaffeetrinken!“
A) „Meistens nehme ich mir Zeit für mich und nähe irgendwas oder mach was Kreatives.“
B) „Stell dich einfach in die Sonne und lade Energie.“
FOTOS: FABIAN GRÄF
B) „Bis zur Hochzeit wird‘s wieder gut.“
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27.02.2013 12:49:06 Uhr
KULTURTIPPS
Von Manon Steiner & Sandra Eigner
THEATER
DIE GESETZLICHE VERORDNUNG ZUR VEREDELUNG DES DIESSEITS von Petra Maria Kraxler Regie: Caroline Welzl am 18. und 22.3. im Vestibül Willkommen Österreich in der Burg! Na ja, fast. Das Stück der jungen Tirolerin Petra Maria Kraxler erzählt von einer Begegnung zweier junger Menschen voller Zukunftsängste: Arbeitslosigkeit droht oder die Unwahrscheinlichkeit, eine wärmesanierte Wohnung zu besitzen. Am Ende steht die Möglichkeit ihrer Zweisamkeit. Und dann hat auch noch ein (Glücks?)Engel seine Finger im Spiel ...
Das Theaterstück basiert auf der Sams-Kindergeschichte und ist auch von der Spielzeit her (einige Vorstellungen beginnen am Vormittag um 10:30!) eher für Kinder gedacht. Trotzdem. Manchmal muss man das innere Kind draußen spielen lassen. Gerade dieses Stück eignet sich unser festgefahrenes Verhalten in Frage zu stellen.
FILM
PARADIES: HOFFNUNG Regie: Ulrich Seidl ab 15. 3. im Kino Zur Paradies-Trilogie des österreichischen Filmmeisters Ulrich Seidl ist eh schon alles geschrieben worden. Oder? Teil drei widmet sich jedenfalls explizit der Jugend und ihren schwerwiegenden Problemen. Zum Wiederfinden! (großes Foto unten)
FILM
IDENTITIES QUEER FILM FESTIVAL 6.-14. Juni, Filmcasino Wien Auch heuer zeigt das mittlerweile zweitgrößte Filmfestival Wiens wieder Filme rund um das Thema queer. Auch zahlreiche Events mit reichlich Tanzmöglichkeiten sind geplant. Ein horizonterweiternder Höhepunkt im Juni!
erst mit einer schwarzen Perücke, seinem Talisman, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Denkste, denn erst ohne seinen vermeintlichen Glücksbringer findet Titus das große Glück. Im Biedermeier genauso aktuell wie heute!
MUSIK
SPRINGFESTIVAL Electronic Art and Music 29.5. - 2.6. in verschiedensten Eventlocations in Graz Wer noch nicht dabei war, ist selbst schuld: Die zwölfte Auflage des Springfestivals ist immer noch der beste Start in den Festivalsommer. Elektro in all seinen Spielformen, österreichisch, international, aber mit Sicherheit immer laut, bunt und fetzig.
THEATER
EINE WOCHE VOLLER SAMSTAGE von Paul Maar Regie: Bettina Hering noch bis 25.4. im Landestheater NÖ (St. Pölten)
FOTOS: VERANSTALTER
THEATER
DER TALISMAN von Johann Nestroy Regie: David Bösch seit 2.3. im Akademietheater South Park hat uns gelehrt, dass rothaarige Menschen keine Seele haben. Das wusste auch schon der Possenschreiber Nestroy. Sein Protagonist Titus Feuerfuchs, ein rothaariger Barbiergeselle, kann DURST 1/13
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VERMISCHTES
Von Manon Steiner, Sandra Eigner und Thomas Askan Vierich
WILDE AROMA-KÜCHE Liebe geht durch den Magen. Bring ein bisschen Exotik und (noch mehr) Erotik in dein Leben: Der Mehraufwand lohnt sich! Und beeindruckt Gäste.
Bobby McFerrin
MUSIK
JAZZ FEST WIEN 17.6. - 10.7. Rathaus, Stadthalle und Staatsoper Wien Jedes Jahr fährt das Jazz Fest mit großen Namen der Jazz- und verwandten Musikwelt auf. Schön, dass auch noch Platz für Schräges bleibt. Heuer etwa mit Mister „Katzeklo“ Helge Schneider (27.6. Stadthalle).
SPORT
VELO-CITY KONFERENZ/ WIENER RADWOCHE 11.-16. Juni Wer umweltbewusst im Fahrradfahren mehr als eine Freizeitbeschäftigung sieht, kommt hier auf seine Kosten. Wien wird im Juni zum Ziel für Radfans und Experten aus aller Welt. Zahlreiche öffentliche Veranstaltungen, zum Teil mit freiem Eintritt: www.velo-city2013.com
MUSIK
TOMORROW FESTIVAL 30.5. - 2.6. Gelände des AKW Zwentendorf Zu Rockmusik und elektronischen Sounds wird zum zweiten Mal für eine gerechtere und bessere Welt getanzt. Das Gelände des nie in Betrieb genommen Atomkraftwerks Zwentendorf steht dabei für eine umweltbewusste Zukunft.
SPORT
LAUFEVENTS in Österreich, ganzjährig Mit dem Frühling beginnt auch die Laufsaison und es gibt genug Gründe, sich den schwitzenden Hobbysportlern in den lustigen, hautengen Laufhosen anzuschließen (siehe Seite 22). Alle Lauftermine: www. runme.at. Highlights: Vienna City Marathon am 14. April oder Frauenlauf am 26. Mai.
1 El Bockshornkleesamen 200 g reifen Camembert Bockshornklee bekommt man im Gewürzhandel, am Naschmarkt oder im indischen Delikatessenhandel. Die harten Samen muss man mit kochendem Wasser überbrühen und abkühlen lassen, damit sie weich werden und einen Teil ihrer Bitternoten verlieren. Camembert zerdrücken, abgetupften Samen daruntermischen und ziehen lassen (je länger desto besser).
BALSAMICO-KRÄUTER-PRALINEN
100 ml Aceto Balsamico (je älter desto besser) 200 g beste dunkle Schokolade Thymianöl oder frischer Thymian Balsamico mit einem Tropfen Thymianöl (oder 1 Tl frisch gehacktem Thymian, zur Not geht auch getrockneter) vermischen und in die Vertiefungen einer Eiswürfelschale füllen (am besten runde Form).
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Einfrieren. Schokolade schmelzen lassen und wieder abkühlen lassen, bis sie fast wieder fest wird. Die gefroreren Balsamico-ThymianWürfel oder -kugeln rasch ein paar Mal durch die Schokolade ziehen, kaltstellen. So bekommt man ungewöhnliche Schokopralinen, mit denen man seine(n) Geliebte(n) verführen kann. (Symbolfoto!)
FRUCHTSALAT MIT LANGEM PFEFFER 1-2 frische Langpfefferfrüchte ½ cm frischer Ingwer 250 g Früchte der Saison 1 Tl Zitronensaft
½ Kardamom (gemahlen) 1 El Grand Manier oder ein anderer Likör oder Rum oder Whiskey Langen Pfeffer bekommt man im Gewürzhandel oder auf dem Naschmarkt. Dort (und in gut sortieren Supermärkten) gibt’s auch Kardamom. Langer Pfeffer schmeckt deutlich anders als schwarzer Pfeffer: etwas süßlich-säuerlich. Deshalb passt er gut zu Früchten. Man mörsert ihn oder hackt ihn klein. Ingwer sehr fein schneiden/ hacken. Früchte in mundgerechte Stücke schneiden, mit Zitronensaft beträufeln. Ingwer, Kardamom und Langen Pfeffer unter die Früchte heben und gut mischen. Mit Grand Manier benetzen (kann man auch weglassen).
Entnommen dem Buch: Vierich/Vilgis: „Aroma. Die Kunst des Würzens“, Stiftung Warentest.
FOTOS: STIFTUNG WARENTEST, PRIVAT, VERANSTALTER
OBATZDA MIT BOCKSHORNKLEE
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27.02.2013 12:53:55 Uhr
So wirst du glücklich. Tipps der Redaktion
Zähl das Glück! Für die Statistiker, Psychologiestudentinnen und Tagebuchliteraten unter euch: Schreibt jeden Abend drei Dinge auf, die euch an diesem Tag glücklich gemacht haben. „Gibt’s nicht“, gibt’s nicht – das ist der Clou. Nach drei Monaten verbessert sich das Glücksgefühl nachweisbar. Wer´s überprüfen will, rankt sein Glück außerdem täglich auf einer Skala von 1-10.
Vergleiche dich nicht mit anderen! Du hast eine zwei auf eine Prüfung und freust dich tierisch. Bis du erfährst, dass der Großteil deiner Kollegen mit einer eins abgeschnitten hat. Nur das Erreichen selbstgesteckter Ziele macht glücklich. Scheiß drauf, was die anderen machen. Siehe Sugar Man! (Rodriguez)
Entschleunige dich! Stimmt schon: Es geht meistens wirklich darum besser, schneller und weiter zu sein als die anderen. Die Konkurrenz schläft nie! Doch je schnelllebiger die Welt, desto kurzweiliger das Glück. Stelle deinen Körper zumindest an einem Tag der Woche auf Energiesparmodus, um langfristig Kraft für Neues zu tanken. Bleib daheim, hör Musik, koch dir und/ oder ausgewählten Gästen was Schönes, lies was Sinnloses, schau dir Pornos an und/oder setz sie in die Tat um. Egal. Hauptsache absolut zweckfrei.
Sei spontan! Einfach mal ein paar Tage ohne Smartphone in die Berge oder ans Meer fahren. Oder in einen billigen Gasthof am Land. Egal wohin: Hauptsache weg! Man muss nicht immer erreichbar sein – ist die Nachricht wichtig, erreicht sie einen sowieso. Und manches Unaufschiebbare lässt sich prima ein paar Tage aufschieben. Das zeugt nicht von moralischer Verkommenheit, sondern von Selbstermächtigung.
FOTOS: SCHLEICH
Der Weg ist das Glück Glück als Endziel zu sehen ist in etwa so, als ob du eine Reise antreten würdest und dich auf ihr Ende freust. Arbeite nicht verbissen auf ein Ziel hin, sondern genieße auch den Prozess. Nicht das Ziel, sondern der Weg dorthin ist das Glück. Das hat schon Buddha gesagt, oder Laotse? Oder ...egal. Es stimmt trotzdem.
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Großes Foto: Auf solche Glücksgefühle können wir uns wohl alle einigen. Einfach mal ein Hindernis elegant überwinden. Kleines Foto: Bernadette (23) weiß, wo und wie sie ihr Glück findet.
D Das Streben nach dem Glück beschäftigt seit jeher die Menschheit. Die Glücksforschung meint, die Ursachen des Glücks
as Leben tropft durch einen durchsichtigen Plastikschlauch zurück in Marina Wagners* Arm. Langsam geht es wieder bergauf: Jede Stunde in dem weißen Krankenbett bringt Marina ein Stück weiter Richtung Tür, zurück in ihr Leben. Völlig gesund wird sie nicht werden. Vor kurzem hat Marina erfahren, dass sie Diabetes hat. Es war einer ihrer intensivsten Glücksmomente, sagt sie. Wie konnte Marina eine Nachricht, die ihr Leben völlig umgekrempelt, Glücksgefühle bereiten? „Endlich hatte ich eine Diagnose“, sagt sie. In den Monaten vor der Diagnose war
sie immer schwächer geworden, hatte stetig abgenommen, obwohl sie mehr gegessen hatte als je zuvor, konnte irgendwann kaum mehr sprechen. Sie hatte versucht, die Symptome zu ignorieren, ihr Arzt konnte ihr nicht helfen. Als sie schließlich den Arzt wechselt, misst der neue erstmals ihren Blutzuckerspiegel – Marina muss sofort ins Krankenhaus. „Einen Tag lang habe ich mir gedacht, das ist jetzt ziemlich scheiße“, sagt Marina. „Aber ich habe mich nie gefragt: warum ich? Diabetes ist kein Weltuntergang.“ Wie kommt es, dass eine solche Diagnose für manche Menschen den
gefunden zu haben. Aber was ist eigentlich Glück? Eine Geschichte mit mehr Fragen als Antworten
FOTOS: PRIVAT
Von Mara Simperler
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Sogar in einem Erdloch ist Michael (32) glücklich. Das liegt aber nicht (nur) an der Gelassenheit des Buddhisten, sondern vor allem daran, dass es da drin schön warm ist.
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„Führen Sie ein Glückstagebuch!“ „Treiben Sie Sport!“ Für die ausgebrannten Glückssucher empfiehlt sich: „Fuck Happiness!“
DAS DEFINITIONS-DILEMMA „Das ist eine schwierige Frage“, sagen alle, denen ich diese Frage stelle und irgendwie ist das auch der Punkt, an dem Philosophie, Forschung und Psychologie immer wieder ankommen. Glück ist etwas zutiefst Subjektives, gleichzeitig gibt es Faktoren, die für das Glück fast aller Menschen gleich wichtig sind. Glück kann ein kurzfristiges Hochgefühl sein oder eine lang
anhaltende Zufriedenheit. Dazu noch die Sprachverwirrung: Im Deutschen ist das Glück manchmal gar kein Gefühl, sondern einfach nur Zufall. Trotz all dieser Widrigkeiten im Umgang mit dem phantastischsten Gefühl der Welt streben wir danach, freuen uns darüber und versuchen neuerdings ihm mit wissenschaftlichen Kriterien zu Leibe zu rücken. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy beauftragte 2008 die Ökonomen Joseph Stiglitz, Amartya Sen und Jean-Paul Fitoussi mit der Aufgabe herauszufinden, welche Zahlen abseits vom Bruttoinlandsprodukt zur Berechnung von Wohlstand genutzt werden könnten. 2001 verkündete die chinesische Führung, von nun an das Wohlbefinden der Bevölkerung messen zu wollen. In Deutschland erschien ein Glücksatlas. Auch in Österreich wurde das Glück gemessen: Eine 2008 veröffentlichte Studie untersuchte, wie sich das Glückslevel von 26 Ländern mit den Jahren verändert hatte. Das Ergebnis: In fast allen Ländern war das Glück gestiegen, bloß in Österreich, Belgien, Großbritannien und Westdeutschland waren die Menschen über die Jahre immer unglücklicher geworden. Die Frage, warum manche Menschen glücklicher sind als andere, ist einer der Punkte, warum die Forschung versucht, den Ursachen von Glück auf den Grund zu gehen. In ein paar Dingen sind sich die Glücksforscher
Matura geschafft, Bungeesprung überlebt. Intensive Glücksmomente sind schön, doch Laura (26) sagt: „Ich bin sowieso fast immer glücklich.“
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Die Hochzeit ihrer Schwester im vergangenen Sommer war für Marina (26) ein großartiger Moment: „Das gemeinsame Glück an diesem Tag war viel größer als die Summe der einzelnen Glücksgefühle.“ einig: Mehr Geld macht ab einem gewissen Wohlstandslevel nicht mehr glücklich. Eine Familie zu haben trägt hingegen enorm zu einem hohen Glückslevel bei. Religiöse Menschen sind glücklicher als Atheisten und alte Menschen glücklicher als junge. Einige dieser Erkenntnisse klingen so logisch, dass man sich fragt, wozu sie überhaupt erforscht werden mussten. „Ich kann dir nur Standardantworten geben“, sagt die 23-jährige Studentin Bernadette Moser, als ich sie frage, was Glück für sie bedeutet. Obwohl wir davon ausgehen, dass jedes Glück anders ist, kommen wir immer wieder auf die selben Themen zurück. Bedeutet Glück am Ende für uns alle doch das Gleiche? Keine zufriedenstellende Antwort. Aber wie kann etwas für viele Menschen so ähnlich zu erreichen und trotzdem so komplex sein? „Es ist schwer zu fassen, was Glück ist, außerdem haben das schon andere Leute vor mir so klug formuliert“, sagt Bernadette. Wir sitzen in einem alten Wiener Beisl, das mit Kunstschnee und Faschingsgirlanden dekoriert ist und in dem aus den Lautsprechern ein Schlager tönt: „Mein Glück, das bist nur du!“ Das klingt logisch! Können wir uns darauf einigen, dass
Glück also Liebe ist? „Nein“, sagt Bernadette, „es gibt viele Sachen, die zum Glück beitragen. Familie, Liebe, kleine Glücksmomente. Man kann nicht sagen, dass eines dieser Dinge das wichtigste ist.“ Auch die 26-jährige Laura Riefenthaler steht dem Glück der Liebe skeptisch gegenüber. „Liebe ist ein verschleiertes Glücksgefühl.“ Man könne sich Hals über Kopf in jemanden verlieben, den man gar nicht kennt – man sei zwar glücklich, aber ohne handfesten Grund. Reicht die große Verliebtheit schon zum großen Glück?
DER WERT DES GLÜCKS Man könnte also auch sagen: Nicht jedes Glück ist gleich viel wert. Diese These vertrat der Philosoph John Stuart Mill (1806-1873), der dem Glück eine moralische Komponente zur Seite stellte. Das Glück, ein Gedicht zu schreiben, sei mehr wert als das Glück, Geld beim Kartenspiel zu gewinnen, erklärte Mill. In anderen Worten: Eine fertige Seminararbeit hat höhere „Glücksberechtigung“ als ein gemütlicher TV-Serienmarathon. Wenn Laura von Glück spricht, dann meint sie damit vor allem: etwas tun. Mit siebzehn packt sie
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Weltuntergang bedeuten würde und sie in diesem Moment glücklich war? Wieso sind manche Menschen zufrieden, obwohl sie nichts haben und andere unglücklich, obwohl sie alles haben? Kann man lernen, glücklich zu sein? Und was ist das überhaupt, das Glück? Das Glück ist vor allem: in aller Munde. 1974 entdeckte der amerikanische Ökonom Richard Easterlin ein seltsames Phänomen. Obwohl der durchschnittliche Reichtum in den Vereinigten Staaten stetig gestiegen war, war das Glücksempfinden dem Anstieg des Wohlstands nicht gefolgt. Das so genannte „EasterlinParadoxon“ brach mit der damals herrschenden Ansicht darüber, wie eine Gesellschaft sich am Besten zu entwickeln habe – nämlich wirtschaftlich – und warf eine grundlegende Frage wieder auf, die Philosophen schon seit der Antike beschäftigt: Wie wird der Mensch glücklich?
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3o=? /,> 27p.674.3>049 84? /08 ,->;,99 ,@1* p er geht. „Es geht auch darum, Glück zu erfahren, ohne zu wissen, weshalb man genau glücklich ist“, sagt er. Der Buddhismus baut auf die Kräfte des Individuums – und will gleichzeitig dieses auflösen. Die Überwindung des Selbst, der eigenen Wünsche und des dadurch erzeugten Leidens sei notwendig, um den Prozess der Wiedergeburt zu überwinden und ins Nirvana einzugehen. Inneres Glück durch Meditation, durch Erkenntnis, steht im Mittelpunkt. Ganz im Sinne des Sprichworts: Jeder ist seines Glückes Schmied.
DIE GLÜCKS-SCHMIEDE Dass der Mensch sein Glück selbst suchen und finden kann, ist die grundlegende Annahme, auf der die heutige Glücksforschung basiert. In der Glückswissenschaft geht man davon aus, dass Glück einer Verbindung zwischen einem genetischen Glückslevel, innerer Einstellung und äußeren Faktoren entspringt. An dem genetisch bedingten Glückspotenzial ist nicht zu rütteln, obwohl ihm manche mit Psychopharmaka auf die Sprünge helfen wollen. Innere Einstellungen und äußere Faktoren sind veränderbar, doch nicht alle davon kann der Einzelne kontrollieren. Wer ist also für mein Glück verantwortlich?
einen kleinen Rucksack und macht sich alleine auf den Jakobsweg. Zwei Wochen ist sie schon unterwegs, sie spürt jeden Muskel, die Sonne brennt, es gibt keine Bäume, die Schatten spenden könnten. „Es war eine furchtbare körperliche Qual“, sagt Laura rückblickend. „Mir ist es wirklich schlecht gegangen.“ Der Weg wird steiler, Laura geht einen Berg hinauf, irgendwann ist sie oben. „Ich habe zurückgeschaut, auf den Weg, den ich schon gegangen bin und plötzlich war ich so glücklich, dass ich weinen musste“, erzählt sie. „Ich habe den Weg hinter mir symbolisch für mein Leben gesehen, alles, was ich schon geschafft habe. Der Weg vor mir war nicht ersichtlich, das war irgendwie die Zukunft. Ich war alleine, ich habe dieses Glück mit niemandem geteilt. Trotzdem war das einer der glücklichsten Momente meines Lebens.“ Der Buddhist Michael Langerwisch sieht das mit dem Glück etwas anders. „Viele meinen zum Beispiel: Wenn die Diplomarbeit fertig ist, dann bin ich glücklich“, sagt Michael. Sich Ziele zu stecken, mit deren Hilfe man das Glück zu erreichen glaubt, sei aber der falsche Weg. Michael ist seit elf Jahren praktizierender Buddhist, „Diamantweg“ heißt der Pfad, den DURST 1/13
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ANNAHME EINS: DAS SCHICKSAL IN FORM VON GOTT, GANESHA ODER SONST WEM. Dazu bleibt nichts zu sagen – es
ist ohnehin schon alles festgeschrieben. Wer daran glaubt, dass sein Leben von einer kosmischen Kraft vorherbestimmt wird bzw. wurde, hat möglicherweise weniger Stress, für sein Glück selbst zu sorgen, aber so jemand hat auch weniger Antrieb, etwas zu verändern. ANNAHME ZWEI: DER STAAT/DIE ANDEREN. In einer hochkomplexen
Gesellschaft wie der unseren geben wir immer mehr Zuständigkeitsbereiche an das „System“ ab. Vielleicht ist es daher auch logisch, dass wir die Verantwortung fürs Glück nicht alleine übernehmen wollen. Viele Rahmenbedingungen, die für das Glück notwendig sind, werden vom Staat bereitgestellt: Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser, ein funktionierendes Rechtssystem. Der englische Philosoph Jeremy Bentham sah das Ziel
„Liebe ist ein verschleiertes Glücksgefühl. Man kann sich Hals über Kopf in jemanden verlieben, den man gar nicht kennt.“ Laura, 26
eines Staates darin, das größtmögliche Glück einer maximalen Anzahl an Menschen zu ermöglichen. Die aktuellen Glücksdebatten der Politik schließen an diese Idee an, der Staat Bhutan hat Glück sogar zur offiziellen Staatsmaxime erkoren (siehe S.24ff.). „Ich glaube nicht, dass Bhutan das Land mit dem höchsten Glückskoeffizienten ist. Das ist Nordkorea. Behaupten die zumindest selbst“, sagte Rudolf Taschner 2011 beim „Philosophicum“ in Lech am Arlberg. Taschner kennt sich mit Zahlen aus, er ist Mathematiker und mit diesem Satz trifft er einen wunden Punkt: Können statistische Zahlen wirklich aussagen, wie glücklich ein Mensch, wie glücklich ein Land ist? Was ist mit all den Faktoren, die in so eine Datenerhebung einfließen? Die meisten Glückserhebungen fragen nach dem subjektiven Empfinden – das ist allerdings für Verzerrungen anfällig. Auch Menschen, die sich in einer Notsituation befinden, können sich als glücklich einstufen. Was ist mit dem Wunsch, dem Forscher möglichst gute Antworten zu liefern? Oder dem Wunsch, den Staat mit den eigenen Antworten zu kritisieren? Wie sich die Antworten verzerren, je nachdem ob ich mich heute verliebt habe oder verlassen wurde? Darauf hat die Politik des Staats keinen Einfluss. Das bringt uns zurück zum Einzelnen und zu ANNAHME DREI: ICH SELBST
BIN FÜR MEIN GLÜCK VERANTWORTLICH.
Die Sache mit den Genen kann man nicht ändern, das haben wir schon geklärt, aber das „innere Glückslevel“ kann man durchaus bewusst ändern. Michael sieht beispielsweise im Buddhismus eine gute Schule, um die Verantwortung für das eigene Glück nicht an äußere Umstände zu knüpfen: „Glück kann man eigentlich nur im Geist erfahren.“ Muss man sich das jetzt so vorstellen, dass das
„Ich hatte eine rosarote Brille auf, ich habe wirklich nicht mehr klar gesehen. Die Liebe hat wichtige Beziehungen für mich zerstört.“ Laura, 26
buddhistische Glück darin besteht, isoliert von äußeren Faktoren in einer Höhle zu sitzen, bis man erleuchtet ist? Keineswegs, sagt Michael, für den verwirklichten Buddhismus sei es wichtig, trotz äußerer Umstände das innere Glück zu finden: „Am Schnellsten entwickelst du dich in der Mitte der Gesellschaft. Man muss sich den Herausforderungen stellen.“ Wem das zu spirituell ist, der kann sich Anleitungen in einem der vielen Ratgeber in Buchform holen: „Führen Sie ein Glückstagebuch!“ kann man da lesen, „Treiben Sie Sport!“ und für diejenigen, die von der Jagd aufs Glück schon ganz ausgebrannt sind, empfiehlt sich dann wohl „Fuck Happiness“ (siehe S.26 „Pech“). DER GROSSE IRRTUM Wir könnten das Glück also scheinbar ganz einfach trainieren (S.16 „Pech“). Das Problem ist nur: Wissen wir überhaupt, was uns glücklich macht? Immanuel Kant vertrat die These, dass der Mensch selbst nicht weiß, was er sich wünscht und was er will. Die Glücksforschung zeigt immer wieder, dass Menschen völlig falsch einschätzen, was ihnen Glück verschafft. Ein gängiger Irrtum zum Beispiel: Kinder machen glücklich. Stimmt nicht. Es gibt unzählige Singles oder Paare ohne Kinder, die auch glücklich sind. Trotzdem wollen die meisten Menschen irgendwann Kinder – und Eltern würden ihre Kinder wohl auch in den seltensten Fällen als Unglück einstufen. (Anm. Red: Obwohl man mit den Blagen schon sein Kreuz haben kann ...) Ein anderes Beispiel ist die Vorstellung vom gelobten Land. Nein, nicht das im Nahen Osten, sondern das um die Stadt herum. In der Fantasie werden Gärten bepflanzt, Katzen gefüttert und Spaziergänge durch die Natur gemacht. In Wirklichkeit sitzt man hauptsächlich im Zug oder im Auto, um in die Arbeit zu pendeln und kommt erst nach Hause, wenn es längst dunkel ist. Die meisten Menschen schätzen den Vorteil, den sie durch einen Umzug aufs Land bekommen, trotzdem größer ein als die Nachteile durchs Pendeln. Was ist außerdem, wenn der eigene Körper einem Glücksgefühle schickt, wenn eigentlich keine da sein
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EINE FRAGE DER ZEIT Hollywoodromanzen enden nach einem theatralischen Auf und Ab fast immer mit dem obligatorischen Kuss (oder gar der Heirat). Im Augenblick des größten Glücks beginnt der Abspann. Das wahre Leben geht aber auch nach den Credits weiter. Diesen Glücksmoment einzufrieren und das
Gefühl daraus mitzunehmen, das geht einfach nicht. Wenn man sich frisch verliebt oder eine Gehaltserhöhung bekommt, steigt das Glücksempfinden signifikant an. Irgendwann jedoch gleicht sich das Glückslevel wieder dem Wert an, der auch vor der neuen Liebe und dem tollen Job schon da war. Langfristiges Glück kann also offensichtlich nicht durch solche Erlebnisse erreicht werden. Ich habe Marina, Laura, Michael und Bernadette gebeten, mir für diesen Artikel ein Foto von sich zu schicken, auf dem sie glücklich sind. Auf all diesen Bildern sind Momentaufnahmen zu sehen. Langfristiges Glück aber lässt sich nicht auf ein Foto bannen. Wahrscheinlich ist langfristiges Glück in Form einer Verlängerung solcher Glücksmomente gar nicht möglich. Viktor Frankl meinte, Glück könne nur ein Nebenprodukt der Suche nach dem Lebenssinn sein – ein Ziel hingegen dürfe es nie werden. Sind Lebensglück und Lebenssinn also zwei unterschiedliche Dinge? Man kann durchaus sinnlos glücklich sein, aber kann umgekehrt der Sinn des Lebens etwas sein, das einen nicht glücklich macht? Die Frage nach dem Sinn stellen wir uns vor allem in Momenten, in denen wir Krisen gegenüberstehen. Der Tod eines nahen Menschen, eine unerwartete Kündigung oder Schlussmachen zwingen uns eher zur Reflexion als unbeschwerte Nachmittage im Park. Immanuel Kant sagte, dass es uns kein Vergnügen bereiten sollte, das Richtige zu tun. Die Glücksforschung widerspricht ihm da ein wenig. Altruismus, das Sorgen um andere, gilt als eine wesentliche Quelle von Glück. Eigentlich müsste Laura das bestätigen können, sie studierte an der PH Baden Sonderpädagogik und macht nun an der Uni Wien einen Master in Bildungswissenschaft. Seit Jahren arbeitet sie mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen, hilft ihnen, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Doch Laura ist skeptisch, ob gute Taten wirklich glücklich machen. „Gute Taten sind oft auf Egoismus zurückzuführen“, sagt sie. „Wenn ich jemandem ein Geschenk mache, freue ich mich, wenn der andere sich freut. Das heißt aber, ich freue mich in Wirklichkeit über etwas, das ich selbst gemacht habe, das halte ich für egoistisch.“ Ist Glück weniger wert,
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wenn man es aus „falschen“ Gründen erlebt? Und gilt das Glück, das ich anderen bereite, weniger, wenn ich es aus egoistischen Motiven tue? Was ist außerdem, wenn mein Glück das Unglück anderer bedingt? Der Buddhismus geht davon aus, dass schlechte Dinge nicht aus Böswilligkeit passieren, sondern aus Unwissenheit, sagt Michael. In dieser Denkweise hätten auch Stalin oder Pol Pot nach dem Glück gestrebt – doch der Buddhismus sagt auch, dass der Weg zum Glück sicher nicht dadurch zu erreichen ist, dass man hunderttausende Menschen umbringt. „Jedes Wesen strebt nach Glück, viele greifen aber in die Brennnesseln, statt in die Blumen“, sagt Michael. Kann man einen Genozid mit Brennnesseln vergleichen? Natürlich nicht, aber im Buddhismus ist es wichtig, selbst für die grausamsten Menschen der Geschichte Empathie zu entwickeln. Ob das Glück Stalins in irgendeiner philosophischen Gedankenwelt gerechtfertigt sein kann, ist eine Frage. Eine andere, ob mein Glück nicht da aufhören muss, wo das Leid anderer anfängt. Glück ist nicht gleich Glück, so viel steht fest. Das antike Glück Platons ist nicht das utilitaristische Glück von John Stuart Mill. Lauras Glück ist nicht das von Michael und Bernadette und schon gar nicht das von Marina. Jede Definition des Wortes ist nur der Versuch, ein Gefühl in Worte zu fassen. All diese Definitionen stellen nur eine mögliche Ausprägung von dem dar, was Glück einmal war, was es gerade irgendwo auf der Welt ist, was es einmal sein könnte. Was Menschen glücklich macht, ändert sich – in Form von Werten, aber auch im Zusammenhang mit anderen Faktoren wie dem Einkommen. Bewohner reicher Länder bewerten individuelle Freiheit beispielsweise als sehr wichtig für ihr Glück, in armen Ländern ist die Beziehung zwischen Freiheit und Glück eher eine negative. Am Ende hat niemand einen Bauplan für das Glück. Was einen Hedonisten glücklich macht, bereitet einem Asketen Leid. Man kann sich an den Ergebnissen der Glücksforschung orientieren, aber man muss selbst herausfinden, welche Bausteine das eigene Glückspuzzle zusammensetzen. *Name geändert
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN
INTERNET: Alles von Bruno Frey ist im deutschsprachigen Raum ein guter Anfang: Seine Homepage: www.bsfrey.ch PHILOSOPHICUM: www.philosophicum. com/buchausgabe-2011-diejagd-nach-dem-glueck.html FILM: „What Happiness Is“ von Harald Friedl über Bhutan. Nicht überragend gut, aber ganz informativ. BUCH: Michael J. Sandel: Gerechtigkeit. Wie wir das Richtige tun. Aus dem Amerikanischen von Helmut Reuter. Ullstein, Berlin 2013, 414 Seiten, 22,70 Euro. Gute. kritische Einführung in den Utilitarismus und andere politischphilosophische Modelle, die das „Glück“ in unserer (besser: der US-amerikanischen) Gesellschaft zum Ziel haben. BUCH: Wilhelm Schmid: Glück. Alles, was Sie darüber wissen müssen, und warum es nicht das Wichtigste im Leben ist. Taschenbuch, Inselverlag, 7 Euro. Knappe populär-philosophische Einführung.
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dürften? Marina hatte schon vor ihrer Diabetes mit einer schweren Krankheit zu kämpfen und auch die hängt irgendwie mit Glück zusammen. Die heutige WU-Studentin litt während ihrer Schulzeit an Bulimie. Wenn sie kotzte, war sie glücklich. „Wenn man später die Schmerzen spürt, denkt man kurz – das war das letzte Mal. Aber man vergisst das und denkt nur mehr an das Glücksgefühl“, erzählt sie. Um zu erkennen, dass dieses Glücksgefühl kein echtes Glück ist, ist Marina seit Jahren in Therapie. „Ich kann mir das jetzt auch nicht mehr vorstellen“, sagt sie. „Jetzt graust mir nur mehr. Ich spüre nur mehr die Nachteile, die Schmerzen, wenn ich daran denke. Das war eigentlich das komplette Gegenteil von Glück.“ Lauras Erlebnisse sind anders und doch hat auch hier ein Glück das andere zerstört. Sie verliebte sich extrem intensiv, die „totale Liebe“ nennt sie das. Sie war glücklich mit ihrem Freund, aber sie brach im Lauf der Beziehung den Kontakt zu ihrem Bruder ab. „Ich hatte eine rosarote Brille auf, ich habe wirklich nicht mehr klar gesehen. Die Liebe hat wichtige Beziehungen für mich zerstört“, sagt sie. Erst als die Beziehung zu ihrem Freund zerbrach, sah sie die negativen Auswirkungen. „Ich versuche seitdem, der Vernunft mehr Platz einzuräumen“, sagt Laura. Wenn das Glück so ein trügerisches Gebilde ist, kann es dann das Höchste der Gefühle sein? Oder anders gefragt: Sollte man überhaupt nach Glück streben? Arthur Schopenhauer etwa hielt die Suche nach Glück für einen grundlegenden Irrtum des Menschen. Er war der Ansicht, die Summe allen möglichen Unglücks sei größer als die Summe allen möglichen Glücks. Man muss nicht Schopenhauers Meinung sein, aber ein Problem mit dem Glück ist, dass man sich schlicht und einfach daran gewöhnt. Irgendwann wird auch das Glück langweilig.
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Michael Musalek ist Institutsvorstand und ärztlicher Leiter des Anton Proksch Instituts Wien, dem größten Rehabilitationszentrum für Suchtkranke Europas. Wenn es um Süchte geht, kennt der Mann sich also aus. Wir finden, unsere verzweifelte Suche nach dem verdammten Glück weist durchaus Suchtcharakter auf. Das sieht der Fachmann zwar anders, aber auch für ihn haben Glück und Sucht viel miteinander zu tun. Fragen: Lena Hammerstingl
toll und alles ist in Ordnung. Sie sind glücklich. Das Problem ist nur, dass dieses Glücksgefühl nicht lange anhält. Sobald die Substanz aufhört zu wirken, fühlen Sie sich genauso schlecht oder noch schlechter als vorher. Kann man Glück chemisch erklären?
Michael Musalek ist Experte für Suchterkrankungen. Dass Heroin für kurze Zeit tatsächlich glücklich macht, macht seine Arbeit nicht leichter. DURST: Herr Professor, gibt es eine Glückssucht?
MUSALEK: Nein. Sucht ist eine schwere Erkrankung und deshalb sollte der Begriff Sucht wirklich nur im Zusammenhang mit echten, höchst komplexen Suchtkrankheiten verwendet werden. Aber die Suche nach dem Glück und vor allem die frustrane Suche nach dem Glück spielt natürlich bei der Suchtentwicklung eine große Rolle.
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Frustrane Glückssuche?
Frustrane Suche meint, wenn man sucht, aber nichts findet. Wenn Sie zu Ostern Eier suchen, es aber keine gibt (lacht). Das
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würde man niemandem antun, schon gar nicht einem Kind. Aber wir selbst tun uns das gar nicht so selten an, dass wir etwas suchen, das wir letztlich gar nicht finden können. Hinzu kommt, dass wir in einer sehr schnelllebigen Zeit leben, wo wir alles gerne möglichst sofort haben wollen. Nun ist ein glückliches Leben nichts, was auf die Schnelle erreichbar ist. Was man aber erreichen kann, ist ein kurzfristiges Glücksgefühl und das wird durch die meisten Substanzen, die letztendlich zur Sucht führen können, vermittelt. Also Sie spritzen sich beispielsweise Heroin und wenige Sekunden später fühlen Sie sich
Man muss unterscheiden zwischen dem lang andauerndem Glückszustand – was wir ein freudvolles Leben nennen – und dem kurzfristigen Gefühl des Glücklichseins. Dieses Gefühl kann man heute ganz gut neurochemisch erklären, allerdings ist es nicht so leicht herstellbar. Wir wissen, dass Dopamin hier eine große Rolle spielt. Nur: Auch wenn Sie Dopamin zu sich nehmen würden, führen Sie noch lange kein glückliches Leben. Glücklichsein ist ein sehr komplexes Geschehen, das nicht durch einen Faktor allein erreichbar ist. Dieses glückliche Leben setzt sich aus verschiedensten Parametern zusammen. Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, in denen Glücklichsein möglich ist. Dieses Glücklichsein ist immer auch ein Beschenktwerden. Allerdings bringen viele gar nicht mehr die Geduld auf sich beschenken zu lassen. Viele haben ein Problem mit dem Dankesagen. Für manche gleicht das fast einer Selbstaufgabe. Aber ohne sich einer Situation hingeben zu können, kann man einfach nicht wirklich glücklich sein. Man muss das Glück auch zulassen können.
Ist unsere oft krampfhafte Suche nach Glück ein Phänomen der modernen Gesellschaft?
haben. Manche sprechen vom „wunschlosen Glücklichsein“. Das ist leider ein völlig falscher Ansatz, denn es gibt nur ein wunschloses Unglücklichsein. Wenn wir keine Wünsche mehr haben, dann können wir uns auch nichts erfüllen, dann fehlt uns das positive Erlebnis der Wunscherfüllung – welches aber ganz wesentlich zu einem freudvollen Leben beiträgt. Das heißt, das Wieder-wünschen-können ist etwas sehr Wesentliches, was viele Menschen mittlerweile verlernt haben. In so einer Haltung kann man nicht freudvoll leben. Ist Glück als Dauerzustand erstrebenswert oder überhaupt möglich?
Man kann und sollte das Glücklichsein als Existenzweise anstreben, als lang andauernden Daseinszustand. Aber es ist nicht möglich, permanent den Gefühlszustand des Glücklichseins zu erreichen, weil das ganz automatisch zu einer Abschwächung des Gefühls führt. Das ist ungefähr so wie bei einer guten Speise: Wenn Sie die andauernd essen, wird sie Ihnen einfach nicht mehr so gut schmecken. Wenn Sie sie nur von Zeit zu Zeit zu sich nehmen, werden Sie sich schon vorher darauf freuen und nachher werden Sie sich nachfreuen. Damit kommen Sie in einen langfristigen Freudeszustand – anstatt Übersättigung. Es geht um diesen Wechsel: Dass ich etwas genieße, aber mir dann auch Zeit nehme, um mich auf einen anderen Genuss vorzubereiten.
WEITERFÜHRENDE LITERATUR:
Nein, der Mensch hat immer nach Glück gesucht. Was sich heute gewandelt hat, ist die Beschleunigung. Es gibt einen sehr engen Zusammenhang zwischen dem Glücklichsein und den Wünschen, die wir
„Auf der Suche nach dem Glück: Antworten aus der Wissenschaft“ Emmanuel Bauer/Ulrike Tanzer, Verlag Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 2011
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THE AUSTRIAN DREAM
Ani Antonova Hristova (26) aus Bulgarien
FOTOS: NINA DEMUTH, MANON STEINER, MARIE GAMILLSCHEG, LENA HAMMERSTINGL, MARTINA POWELL
Sie kamen aus Albanien, Mali, Israel, Benin, Bulgarien und Korea – um in Österreich zu studieren und ein neues Leben anzufangen. Wie geht es ihnen hier? Haben sie gefunden, was sie gesucht haben? DURST hat mit ihnen gesprochen
Christophe Magoudagba Adjasso (42) aus Benin
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„Zurück kann ich nicht“
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ch bin ursprünglich der Liebe wegen nach Österreich gekommen, aber diese Geschichte ist zu lang, um sie hier auszubreiten. Der Start in Wien war für mich nicht einfach, weil ich kein Wort Deutsch konnte – das führte zu leichten Kommunikationsschwierigkeiten. Etwa am Magistrat, wo wir nicht eruieren konnten, wie wir meinen Namen richtig eintragen sollen, weil es in Österreich nichts gibt, was dem Vaternamen – bei mir Antonova – in Bulgarien entspricht. Viele meiner Freunde glaubten, mein Vorname sei Ani Antonova. Blöd für meine finanzielle Situation war natürlich, dass ich lange keine Arbeitserlaubnis bekam. Ich habe dann viel Zeit auf der Uni verbracht, einerseits wegen des verpflichtenden
Deutschkurses, aber hauptsächlich, weil ich von hier aus mein Bachelorstudium in Bulgarien fertig machen wollte. Was ich übrigens geschafft habe! Ich hatte Glück, weil ich gleich in einem guten Freundeskreis gelandet bin, da habe ich richtig Deutsch – die wirklich wichtigen Wörter wie ‚Oida‘ – gelernt. 2010 habe ich dann ein Kolleg angefangen, 2011 durfte ich auch endlich arbeiten und mittlerweile habe ich hier viele Dinge gefunden, von denen ich nicht gewusst hatte, dass ich sie überhaupt gesucht habe. Ich habe jetzt zwei Jobs, Freunde, eine Wohnung, Hobbies, ich habe mein ganzes Leben nach Wien verlagert und bin glücklich hier. An eines musste ich mich aber erst gewöhnen: Dass hier alle mit Taschenkalender
herumlaufen und sogar Termine mit Freunden Wochen im Voraus planen und eintragen. Würde ich das in Bulgarien machen, würden mich alle auslachen. Zurück kann ich nicht, denn da müsste ich mich wieder mühevoll zurückintegrieren. Aufgezeichnet von Sandra Eigner
STECKBRIEF: Ani Antonova Hristova Geboren 1986 in Bulgarien Studierte portugiesische Philologie in Sofia Seit 2008 in Wien Studierte hier Multimedia Arbeitet als Medientechnikerin und Schnittassistentin
„Ich bin ein verdammt optimistischer Mensch“
FOTOS: NINA DEMUTH, MANON STEINER, MARIE GAMILLSCHEG, LENA HAMMERSTINGL, MARTINA POWELL
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eboren an einem Sonntag des Jahres 1971 ist Christophe Magoudagba Adjasso vielleicht schon mit einer extra Portion Glück in die Welt gekommen. Als er von einem Stipendium des Afro-Asiatischen Instituts (AAI) in Wien erfuhr, war er begeistert. Denn Jobs sind rar in seiner Heimat Benin, auch wenn man wie er eine abgeschlossene Universitätsausbildung vorweisen kann. Mit viel Eigeninitiative und ein wenig Hilfe gelang es ihm, an einem Seminar für afrikanische Deutschlehrer in Wien teilzunehmen und während seines zweiwöchigen Aufenthalts einen Betreuer für seine Doktorarbeit zu finden, was eine Voraussetzung für das Stipendium war. „Mir fiel ein Stein vom Herzen, ich habe getan, was menschlich möglich war. Es war nicht alles einfach, aber im AAI habe ich ein Zuhause gefunden. Nichts ist geschenkt, man muss sich auf neue Herausforderungen einstellen und wissen was man will. Ich habe viele Grenzen überschritten und ich lasse mich nicht von Schwierigkeiten entmutigen. Ich relativiere alles, was mir passiert, und fokussiere mich nicht auf böse Menschen. Ich bin ein verdammt optimistischer Mensch und eine geschlossenen Tür ist für mich immer eine Gelegenheit die offene daneben wahrzunehmen. Dass ich guten Menschen begegnet bin, die bereit waren mir zu helfen, mir Wege zu zeigen, das bezeichne ich als Glück. Aber das Glück muss man selbst produzieren. Ich habe es noch nicht ganz geschafft, mein Ziel zu DURST 1/13
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erreichen, weil sich das Leben inzwischen für mich anders entwickelt hat. Ich bin verheiratet und habe einen Sohn. Ich bin glücklich mit ihnen, aber Familie, Arbeit und Studium zu kombinieren ist nicht einfach. Aber ich weiß, dass ich es irgendwann hinkriege. Es liegt nur an mir. Es ist überhaupt ein Glück, dass ich in Wien bin. Ich fühle mich wohl und möchte hier mein Leben weiterführen.” Aufgezeichnet von Manon Steiner
STECKBRIEF: Christophe Magoudagba Adjasso Geboren 1971 in der Republik Benin Studierte Germanistik in Benin und schloss 2003 seinen Magister ab In Benin: Deutsch-, Religions- und Französischlehrer, nebenbei Journalist und PR Manager Seit 2006 in Wien Schreibt hier seine Dissertation: „Moderne Aufklärung: Die sozialkritische Funktion des Schwarzen in der deutschsprachigen Literatur nach 1945“ Arbeitet Teilzeit am AAI
Jon Svinghammar (31) aus Korea/Schweden
„Ich fühle mich überall zu Hause“
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as erste, was Jon vor fünf Jahren von Österreich gesehen hat, war das Landeskrankenhaus Graz. Gleich an seinem zweiten Tag in der neuen Stadt wurde bei ihm Thrombose diagnostiziert und er wurde ins LKH eingeliefert. „Alles, was ich auf Deutsch sagen konnte, war ‚Achtung‘,“
erzählt Jon. Er erinnert sich nicht gern an diese zwei Wochen, in denen Ärzte und Schwestern um sein Bett standen und sich in einer fremdklingenden Sprache über ihn unterhielten. Als er sich langsam von seiner Krankheit erholte, schrieb er sich sofort in einen Sprachkurs ein. „Es ist schrecklich,
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sich nicht verständigen zu können, das wollte ich sofort ändern.“ Mittlerweile hat Jon begonnen, in Graz Orchester-und Chordirigieren zu studieren. Ihm gefällt es in Graz, doch er sagt: „Ich fühle mich überall zu Hause.“ Denn Jon ist ein Weltenbummler. Als koreanisches Kleinkind von einem schwedischen Ehepaar adoptiert, wuchs er auf einem Bauernhof in der Nähe von Uppsala auf. Nach sechs Jahren in Tschechien, wo er Schlagwerk und Komposition studierte, beschloss er, das Land und auch das Studium noch einmal zu wechseln. Eine Freundin hatte ihm Graz empfohlen: gute Uni, gute Professoren, schöne Stadt, nette Leute. Nett sind sie, das weiß Jon nach fünf Jahren. Doch: Sie können auch anders, das weiß Jon mittlerweile ebenfalls. An rassistische Verbalangriffe und abfällige Bemerkungen hat er sich in den letzten Jahren notgedrungen gewöhnen müssen. Er lächelt, wenn er von der Gruppe Jugendlicher im Herbst erzählt, die ihn auf offener Straße lautstark beschimpft und angegriffen hat. „Mittlerweile ist es mir egal“, sagt Jon.
Er lächelt wieder und trinkt seinen doppelten Espresso aus. Vielleicht doch nicht ganz so egal. Von Marie Gamillscheg
STECKBRIEF: Jon Svinghammar Geboren 1982 in Korea Ging zur Schule in Uppsala, danach Studium von Komposition und Schlagwerk in Prag und Ostrau Seit 2006 in Graz Stuidert hier Orchester- und Chordirigieren Studentenjob im Schausspielhaus als Lichttechniker STECKBRIEF: Omri Livne Geboren am 11.01.1988 in Jerusalem Studierte Photography and Theory of Art (Bachelor) in Jerusalem Im September 2011 für ein Erasmus-Semester in Wien Seit August 2012 lebt er mit seiner Freundin dauerhaft in Wien, studiert Photography and Theory of Art (Master) an der Akademie der Bildenden Künste
Omri Livne (25) aus Israel
„Das Einzige, das ich vermisse, ist die Sonne“
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ür mich war das Studieren eine Challenge. Ich wollte beweisen, dass meine Eltern auf mich stolz sein können. In Mali ist es sehr schwer, einen Job zu finden, das Leben ist teuer und es gibt viel Korruption. Die Leute dort sehen Europa als Paradies. Ich habe mich entschlossen zu studieren und die Konsequenzen zu akzeptieren, deshalb bin ich ins Ausland gegangen, weil man bei uns als Frau bis 25 heiraten muss. Es war nicht einfach, weil ich erst einen zweijährigen Vorstudiengang machen musste und nebenbei als Putzfrau, Babysitterin und Nachhilfelehrerin gearbeitet habe. Am Anfang habe ich gar nichts verstanden und habe auch Diskriminierung erfahren. Es war schwer, weil ich anders bin und ich hab das so im Kopf gehabt. Alles war neu für mich, ich hatte große Angst davor enttäuscht zu werden und bis 2011 keine Freunde. Für mich war das ein Prozess. Jetzt möchte ich nur mein Studium fertig machen und dann schau ich weiter. Ich vermisse Mali, aber als ich meine Eltern besucht habe, habe ich mich nicht mehr als Teil der Familie gefühlt. Ich bin glücklich, weil ich Leuten begegnet bin, von denen ich dachte, dass sie alle schlimm sind und die ich
Safiatou Sakiliba (28) aus Mali
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jetzt gut kenne und mag. Ich habe viel gelernt, was man nicht mit Geld kaufen kann. Aber ich habe auch Dinge gesehen und erlebt, die ich niemals erleben wollte und ich habe gelernt, dass es auch in Europa arme Leute gibt. Europa ist nicht das Paradies, es ist nicht El Dorado. Aber wenn ich nicht hierher gekommen wäre, hätte ich immer gesagt: „Ich möchte nach Europa”. Europa macht die Leute stark. Ich habe ein Motto: Ich bin schwarz, also bin ich eine Kämpferin. Ich glaube schwarze Studierende in Österreich müssen etwas beweisen und sollten nicht alles akzeptieren oder gar aufgeben. Ich muss weitermachen, nicht nur um es den anderen zu beweisen, sondern damit ich stolz auf mich sein kann. Aufgezeichnet von Manon Steiner
STECKBRIEF: Safiatou Sakiliba Geboren 1985 in Mali Studierte deutsche Philologie in Mali Seit 2008 in Wien Studiert hier Französisch und Englisch auf Lehramt Arbeitet am Afro-Asiatischen Institut in Wien als Referentin und als Behindertenpflegerin
FOTO:S MANON STEINER, MARTINA POWELL, LENA HAMMERSTINGL
„Europa macht dich stark“
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egzulaufen von Israel war der Hauptgrund für mich, um herzukommen. Ich kannte Wien schon von meinem Erasmus Semester 2011. Ich wollte mit meiner Freundin einfach an einem freundlicheren Ort als Jerusalem leben. Ich besitze eine doppelte Staatsbürgerschaft – halb Franzose, halb Israeli –, so hatte ich keine Probleme mit Visa oder Arbeitserlaubnissen. Jerusalem ist ein problematischer Ort. Ich lebte dort schon mein ganzes Leben und ich hatte Angst, dass ein Krieg mit dem Iran mich dort noch länger festhalten würde. In Jerusalem lebte ich irgendwie außerhalb der Gesellschaft. Ich bin nicht zur Armee gegangen, was jedoch ein wichtiger Schritt in Israel ist, es ist Teil der Identität der Menschen dort. Du musst beweisen, dass du Mann genug bist, um dein Land zu verteidigen und dich gegen die Araber zu stellen – was in meinen Augen kompletter Bullshit ist. Aber diese Identitätssache über die Armee ist sehr stark. Die Leute konnten sehen, dass ich nicht gedient hatte, ich sehe nicht aus wie der typische Armeekerl, ich habe nicht viele Muskeln, trage keinen Bart … Also hatte ich viele Auseinandersetzungen mit Leuten, die bei der Armee waren. Und die Leute in Jerusalem reden immer über dich. Hier in Wien ist es anders, du kannst tun und lassen, was auch immer du willst und niemand kümmert sich darum. Aber Wien hat auch seine Grenzen: Wenn du etwas Neues beginnen möchtest, musst du Wände durchbrechen – in diesem Sinne ist Wien Jerusalem ziemlich ähnlich. Ich hatte etwas Angst vor der noch größeren Freiheit, die man vielleicht in anderen Städten wie Berlin haben würde. Aber auch wenn Wien alt und feststeckend wirkt, unter der Oberfläche bewegen sich die Dinge, besonders in der Kunstszene. Und weil die Szene nicht so groß ist, ist es auch einfacher seinen Weg in sie hinein zu finden. Also war Wien überraschenderweise der Platz, wo ich meine Zukunft sehen konnte. Das Einzige, was ich vermisse, ist die Sonne. Aufgezeichnet von Lena Hammerstingl
Idrit Idrizi (27) aus Albanien
„Eigentlich wollte ich nach Italien“
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chon während der Schulzeit war für mich klar, dass ich ins Ausland will, um zu studieren. Die albanischen Universitäten sind in keinem guten Zustand, die Bibliotheken schlecht ausgerüstet und die Abschlüsse weniger angesehen als ausländische. Nach dem Schulabschluss gehen deshalb viele ins Ausland, die meisten nach Italien. Das ist eigentlich auch mein Plan gewesen. Deutsch klingt einfach ein bisschen fremd und sehr viele Albaner sprechen Italienisch – auch weil wir italienische Fernsehsender empfangen können. Meine Schwester ist für ein Auslandssemester nach Wien gegangen und gleich dort geblieben. Sie hat mir erzählt, dass es ihr in Österreich sehr gut gefällt. Also habe ich mir gedacht: Wenn meine Schwester schon da ist... Ich habe da noch gar nicht gewusst, was ich studieren soll. Geschichte und Wirtschaft vielleicht? Geschichte war mein Lieblingsfach in der Schule, aber bei Wirtschaft sind die Jobchancen einfach viel besser. Ich habe mir gedacht, ich inskribiere mich mal für
Geschichte – das hilft mir auch beim Deutschlernen – und dann schaue ich einfach weiter. Als ich mit 18 nach Wien zog, konnte ich gerade Mal „Guten Tag“ und ein paar einfache Sätze sagen. Ich habe einen Intensiv-Sprachkurs belegt, den ganzen Tag gelernt und mir Fernsehserien auf Deutsch angesehen. Normalerweise dauert es drei Semester, bis man für die Sprachprüfung bereit ist. Ich habe den Kurs nach einem Semester bestanden. Am Anfang war es sehr schwer für mich, sprachlich und finanziell. Aber ich bin sofort von Wien und der Uni begeistert gewesen. Ich fand es toll, in einer Großstadt zu wohnen, die so interkulturell ist – das ist immer mein Traum gewesen. In Albanien gibt es ein paar chinesische Geschäfte in der Hauptstadt und Touristen im Sommer, das war‘s. Du kommst dort nicht so einfach mit anderen Kulturen in Kontakt wie in Wien. Im dritten Semester habe ich das Institut für osteuropäische Geschichte für mich entdeckt – ich war
überrascht, dass es an der Universität Wien so ein reichhaltiges Angebot über Osteuropa, den Balkan und sogar Albanien gibt. Aus dem Lieblingsfach Geschichte ist eine Leidenschaft für südosteuropäische Geschichte geworden. Nach dem Diplom hat mich mein Betreuer ermutigt, mit dem PhD weiterzumachen – und ich habe zu meiner Überraschung sogar ein Stipendium dafür bekommen. Ich möchte nach dem PhD an eine Universität gehen, die Spitzenforschung betreibt. Irgendwann werde ich wieder nach Albanien zurückkehren und dort meinen Beitrag leisten. Aufgezeichnet von Martina Powell
STECKBRIEF: Idrit Idrizi Geboren 1986 in Albanien Studierte Geschichte, macht jetzt seinen PhD am Institut für Osteuropäische Geschichte über Alltagskultur im spätsozialistischen Albanien und ist Stipendiat der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (DOC) Seit 2004 in Wien
Fachhochschule Wiener Neustadt
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FOTO:S MANON STEINER, MARTINA POWELL, LENA HAMMERSTINGL
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MACH MICH GLÜCKLICH!
Von Sandra Eigner & Martina Powell
MACHT WARUM GLÜCKLICH?
KRIEG ICH WO ODER WIE?
WAS SAGT DER ARZT?
ENDORPHIN
Seit mehr als 6.000 Jahren wird aus der Mohnpflanze Opium hergestellt. Aber erst vor ein paar Jahrzehnten entdeckten Mediziner, dass jeder Mensch selbst in der Lage ist, morphiumähnliche Substanzen herzustellen. Rezeptoren für körpereigene Endorphine (= endogene Morphine) befinden sich im Rückenmark, im Gehirn und auch in den Gelenken. Sie wirken schmerzhemmend, beruhigend und können einen sogar in rauschartige Ekstase versetzen.
Endorphine zünden bei gewissen Reizen im Körper ein regelrechtes Feuerwerk, erzeugen also einen Rausch. Tun sie übrigens auch, wenn wir uns künstlich berauschen (Alkohol, Heroin etc.). Sie regulieren das Motivations- und Belohnungssystem. Angeblich sorgen Endorphine auch dafür, dass Placebo-Pillen wirken.
Durch Sex! Bewegung (Yoga, Tanzen, Steilwandklettern) ist generell nicht schlecht („Runner’s High“). Auch Schokolade, scharfe Gewürze oder ein Spaziergang in der Sonne sorgen dafür, dass unser Körper Endorphine ausschüttet. Außerdem: Fernsehen, Musikhören und andere spaßige Aktivitäten, aber auch nicht so spaßige wie Prüfungsstress, Unfälle oder Gebären.
Achtung! Hohe Suchtgefahr (stoffungebundene Sucht): Sex-, Sport-, Zock-/Spiel-, Kaufsucht, Kleptomanie, …, aber auch Essstörungen können offenbar durch zu häufige Endorphinausschüttung verursacht werden. Endorphinmangel wiederum kann zu Depressionen führen.
DOPAMIN
Dopamin ist auf den ersten Blick betrachtet echt langweilig. Es ist ein recht kleines Molekül, das im Zentral- und im vegetativen Nervensystem vorkommt. Dopamin durchblutet wichtige Organe, beeinflusst unsere Bewegungen, unseren Gesichtsausdruck und hängt auch noch irgendwie mit Psychosen zusammen. Tatsächlich gilt das Mauerblümchen als körpereigene „Zauberdroge“, denn Dopamin ist der wichtigste Neurotransmitter im menschlichen Gehirn.
Ohne Dopamin wäre das Leben eine Qual. Es sorgt für erhöhten seelisch-körperlichen Antrieb, fördert die Konzentrationsfähigkeit (ohne „überdreht“ zu sein), die Kreativität und die Fantasie, steigert sexuelle Lust und „veredelt“ unsere Feinmotorik, also Mimik, Gestik und Fingerspitzengefühl.
Dopamin wird durch bestimmtes Essen, Sport, Verliebtsein, Sex und generell dann ausgeschüttet, wenn man etwas Neues, Angenehmes oder Unerwartetes tut, aber auch durch Koffein, Nikotin, Alkohol, Kokain und Amphetamine.
Die Forschung liebt Dopamin und sieht überall Zusammenhänge: mit Wahnvorstellungen (zu viel Dopamin), Parkinson, ADHS, Depression, Burnout (alle zu wenig), „Roboter-Syndrom“ (viel zu wenig!). Und: Psychopathen sollen einen gestörten Belohnungsmechanismus und dadurch eine gesteigerte Dopaminausschüttung haben.
SEROTONIN
Serotonin ist gruselig. Der Neurotransmitter kommt im Körper hauptsächlich im Margen-Darm-Trakt vor, aber auch im Großhirn und im Blut. Es werkt fast überall im Körper und beeinflusst zum Beispiel unsere Stimmungslage und unseren Appetit. Die Serotoninproduktion haben wir übrigens mit Amöben und dem Fadenwurm gemeinsam und auch Pflanzen, zum Beispiel Nüsse und Obst, enthalten Serotonin.
Psssst – alles ist gut! Serotonin sorgt für Ausgeglichenheit, Ruhe und melancholische Stimmung. Funktioniert unser Serotoninsystem, teilt es seinen Rezeptoren mit, dass wir ausgeglichen, satt und zufrieden sind und dämpft dadurch unangenehme Gefühle.
Serotoninhaltige Lebensmittel zu essen bringt leider nicht viel, Lebensmittel, die das Eiweiß Tryptophan enthalten, schon. Daraus wird Serotonin nämlich aufgebaut. Also ran an: Fleisch und Fisch, Bananen, Erdäpfel, Käse, Nüsse, getrocknete Datteln und Feigen, Schokolade. Tryptophan am besten mit Kohlenhydraten aufnehmen und entspannen.
Zu viel Serotonin ist nicht gerade ideal – Forscher meinen, nicht (nur) zu viel Dopamin, sondern zu viel Serotonin sei die Ursache für Schizophrenie –, zu wenig aber schon gar nicht: Serotoninmangel soll schuld sein an Kopfschmerzen, Schlaf- und Appetitstörungen, Aggressivität, Essstörungen, Angst und Depressionen.
Noradrenalin ist der weniger bekannte Bruder von Adrenalin. Unter dem Motto „Fight or Flight“ bereiten die Leistungsdrogen den Körper auf Angriff oder Flucht vor. Sie werden als Hormone in den Nebennieren produziert und sorgen bei Aktivierung für maximale körperlich-geistige Leistungsfähigkeit. Adrenalin und Noradrenalin erweitern die Bronchien, verstärken die Muskelaktivität, erhöhen die Sauerstoffaufnahme, lassen den Blutdruck in die Höhe schnellen und die Herzfrequenz steigen.
Faster, better, harder! Wohin fliehen? Wie angreifen? Welche Schwächen hat der Gegner? Adrenalin und Noradrenalin sorgen für maximale Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit, der Körper fährt auf Höchstleistung – egal ob es um einen Kampf mit einem Bären oder um die alles entscheidende Prüfungsfrage geht.
Durch Schlafentzug – nach einer durchwachten Nacht ist der Adrenalin- bzw. Noradrenalin-Spiegel nämlich erhöht (übrigens eine Behandlungsmethode für depressive Menschen). Noradrenalin wird aus der Aminosäure Tyrosin gebildet und das findet man in rauen Mengen in Fleisch, Käse, Erdnüssen, Sojabohnen und Erbsen.
Einen erhöhten Adrenalin- bzw. Noradrenalinwert kann der Körper auf Dauer nicht halten, daher fällt der Spiegel bei anhaltendem Stress drastisch – und voilà: Burnout! Die Leistungsdrogen steigern auch kurzfristig die Entzündungsneigung. Ein Mangel an Adrenalin und Noradrenalin scheint bei Depressionen eine Rolle zu spielen.
Phenetylamin (PEA) kommt in vielen Pflanzen vor und wurde auch im menschlichen Gehirn nachgewiesen. Es bildet das Grundgerüst vieler Halluzinogene und steigert den Blutdruck.
PEA ist verwandt mit Dopamin und kann dessen Ausschüttung anregen. Bei Verliebten und nach körperlicher Betätigung ist die PEA-Konzentration im Blut höher.
Verlieben heißt die Devise, wenn man PEA ausschütten will. Abhelfen können kurzfristig aber auch ein guter Liebesroman oder erotische Tagträume. PEA findet man in geringen Mengen in fast allen Lebensmitteln wie auch Schokolade, aber leider, leider reicht die Dosis nicht für’s Glücklichwerden.
Der Gewöhnungseffekt ist ein Hund: Die Wirkung von Phenetylamin lässt nach zwei bis vier Jahren nach. Das war es dann mit dem Verliebtsein.
Oxytocin ist ein Hormon, das vor allem mit der Geburt in Verbindung gebracht wird. Es beeinflusst aber nicht nur das Verhalten zwischen Mutter und Kind, sondern auch zwischen sich Liebenden und alle anderen sozialen Beziehungen. Liebevoll wird Oxytocin auch das „Kuschelhormon“ genannt – alles klar?
Oxytocin regelt die Ejektion von Muttermilch – die Mutter braucht nur ans Stillen zu denken und schon wird das Hormon (und bald auch die Milch) ausgeschüttet. Außerdem steigert ein hoher Oxytocinspiegel das Vertrauen und die Treue (zumindest bei Präriewühlmäusen).
Umarmen, Streicheln, Massieren, Orgasmen haben und dann Kinderkriegen und stillen, als ob es kein Morgen gäbe. Und äh, angeblich wird Oxytocin auch beim Singen ausgeschüttet … Wer nicht genug bekommt: Oxytocin gibt es auch als Nasenspray zu kaufen.
Zu viel Oxytocin vernebelt die Sinne. Im Fall einer Geburt ist das gar nicht mal so schlecht, denn sonst würde eine Mutter sich das wohl kein zweites Mal antun. Bei Männern dürften große Dosen Oxytocin nicht wie oft angenommen erregend als vielmehr ermüdend wirken. Das erklärt auch die plötzliche Müdigkeit nach dem Sex.
OXYTOCIN
PHENETYLAMIN
WAS IST DAS FÜR EIN ZEUG?
ADRENALIN & NORADRENALIN
HORMON/ BOTENSTOFF
Vergiss Koks und Konsorten, du hast körpereigene Drogen! „Glückshormone“ heißen sie in Gesundheitsblogs und Frauenmagazinen, genau genommen sind es Botenmoleküle (Neurotransmitter), die uns beruhigen, sexuell anregen oder schläfrig machen. Mit ein paar Tricks lässt sich ihre Produktion angeblich anregen. DURST hat sich ein paar dieser Botenstoffe genauer angesehen. Doch Vorsicht: Bei Risiken und Nebenwirkungen frage deinen Arzt oder Apotheker …
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So wirst du glücklich: Tipps der Redaktion
Smile! Wir könnten jetzt ins Detail gehen und dir erklären, welche Wirkung der Musculus orbicularis oculi auf das Glücksempfinden hat. Oder du glaubst uns einfach, dass Lächeln auch dann glücklich macht, wenn es gar nicht ernst gemeint ist. Saufen bis kurz vor der Zirrhose Hemingway, Bukowski, Baudelaire, Keith Richards, Häupl, Beethoven, Drew Barrymore, Anita Pallenberg, Marianne Faithful – alle mach(t)en es vor: Man kann sich regelmäßig ordentlich was einschenken und trotzdem erfolgreich sein. Solange man nicht seinen Ehepartner verprügelt und halbwegs regelmäßig zum Dienst erscheint. Manchen dient es auch als Inspirationsquelle. Glücklich macht es wohl auch – zumindest am Abend vor dem Morgen. All you need is love Das klingt jetzt aufgelegt? Ist es auch! Liebe macht glücklich – wenn sie erwidert wird. Schare deshalb deine Herzbuben und -mädchen um dich, besuch sonntags deine Oma und schreib wieder öfter „HDL“ ans Ende von SMS!
FOTOS: SCHLEICH
Fernseher > Fenster Du kuckst Dauerwerbesendungen und bist unglücklich, weil du dir weder das 27-teilige Messerset, noch den aus der Asche deiner Hauskatze Mimi gefertigten Diamant leisten kannst? Hau die Glotze aus dem Fenster!
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Sex Sexsexsexsexsexsexsexsexsex. Müssen wir mehr sagen? Am Besten öfter mit dem gleichen Menschen (siehe „All you need is love“).
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Im Punakha Kloster schlägt ein in orange Roben gehüllter Mönch auf den Gong. Der Buddhismus ist eine der wichtigsten Inspirationsquellen für Gross National Happiness.
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FOTOS: MARA SIMPERLER
DER GLÜCKS STAAT
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Was wohl glücklicher macht? Vor dem Kloster Chimi Lhakhang spielen junge Mönche Fußball, nachdem sie heilige Texte studiert haben.
In Bhutan gilt die Steigerung des „Bruttonationalglücks“ als wichtigste Staatsaufgabe. Deshalb beschränkt Bhutan das Rauchen und befragte tausende Einwohner stundenlang über ihr Glücksempfinden. Eine Reportage aus einem Land, in dem es vor fünfzig Jahren noch keine Straßen gab und das heute weltweit als politischer Vorreiter gefeiert wird von Mara Simperler
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n einem kleinen Klassenzimmer in einem kleinen Land im Himalaya blickt Mark Zuckerberg von der Wand. „Wer weiß, wer dieser Mann ist?“, fragt das Mädchen, das vor der Klasse steht. Zwölf Paar Augen blicken sie an. Keine Hand hebt sich. Das Mädchen erklärt, wer der Mann mit den lockigen Haaren ist, ein paar Schüler fangen an zu tuscheln. Sie sitzen immer zu zweit an einem Tisch, Mädchen neben Mädchen, Junge neben Jungen. Ach, Mark Zuckerberg hat Facebook erfunden, das kennen sie schon. Auch wenn nur wenige von ihnen auf der Plattform angemeldet sind. Als die Präsentation vorbei ist, erscheint als Bildschirmhintergrund ein junger Mann mit zurückgegelten schwarzen Haaren. Ein bisschen wie ein asiatischer Elvis wirkt er. Niemand weiß, wie der Erfinder von Facebook aussieht, doch den Gegelten kennt jedes Kind: K5, Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, der König von Bhutan. DURST 1/13
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Sein Vater, K4, hat Bhutan berühmt gemacht. Er dankte 2006 ab und führte in Bhutan, das jahrhundertelang eine absolute Monarchie war, die Demokratie ein. Größtenteils gegen den Willen seines Volkes. In den siebziger Jahren fragte ihn ein indischer Journalist: „Wie hoch ist das Bruttonationalprodukt Bhutans?“ Der König kannte die Antwort, es waren 50 USDollar, damals der weltweit niedrigste Wert. Er antwortete jedoch: „Ich bin nicht so sehr am Bruttonationalprodukt interessiert. Das Bruttonationalglück ist viel wichtiger.“ „Seine Majestät, der vierte König, war vorausschauend. Als er Gross National Happiness verkündete, war es eine Warnung und ein Rat an unser Land, nicht blind dem westlichen Modell von Erfolg zu folgen“, sagt Karma Ura. Man könnte sagen, Karma Ura hat das Glück erfunden. Er leitet in der Hauptstadt Thimphu das Zentrum für Bhutanstudien, das die Philosophie
In Bhutan besteht das Glück aus neun Komponenten:
Psychisches Wohlbefinden Zeitbudget Gemeinschaftsvitalität Kultur Gesundheit Bildung ökologische Diversität Lebensstandard Governance
des Bruttonationalglücks, das hier Gross National Happiness (GNH) genannt wird, in einen wissenschaftlich messbaren Index übersetzt hat. In seinem Büro stapeln sich Bücher über das Glück, über die Geschichte Bhutans und über die fünf Könige. Einige davon hat er selbst geschrieben. „In den letzten fünfzig Jahren ist die Welt immer reicher geworden“, sagt Ura, „Aber wir haben ein post-materielles Zeitalter erreicht. Die Menschen wollen mehr. Sie fühlen, dass das Leben einen tieferen Sinn beinhalten muss.“
40,9 PROZENT SIND GLÜCKLICH In Bhutan besteht das Glück aus neun Komponenten: Psychisches Wohlbefinden, Zeitbudget, Gemeinschaftsvitalität, Kultur, Gesundheit, Bildung, ökologische Diversität, Lebensstandard und Governance. Karma Ura und das Zentrum für Bhutanstudien haben sie in 33 Indikatoren aufgesplittet und führten umfangreiche
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Umfragen in ganz Bhutan durch, um das Glück der Bevölkerung zu messen. Als der Glücks-Fragebogen zum ersten Mal getestet wurde, dauerte jede Befragung einen ganzen Tag. Mittlerweile sind es nur mehr wenige Stunden. 40,9 Prozent der Bevölkerung sind schon glücklich, ergab die Umfrage. Was heißt das überhaupt, glücklich sein? Ist Bhutan die wahre Insel der Seeligen, bewohnt von Menschen, denen nichts fehlt und die den ganzen Tag lächeln? Natürlich nicht, sagt Karma Ura: „Es gibt das intensive Glück, das Vergnügen, doch dieses Gefühl hält nicht lange an. Langfristiges Glück basiert auf enormer Harmonie.“ Das Glück in Bhutan ist das Glück der Gemeinschaft. Man kann als sensibler Mensch nicht glücklich sein, wenn andere um einen herum depressiv sind, ängstlich oder unsicher, lautet die Philosophie. „Ich sage nicht, dass Bhutan all das erreicht hat“, sagt Karma Ura, „aber die Welt zeigt großes Interesse an uns. Wir glauben also, dass GNH der richtige Weg ist.“ „Glück ist für mich, dass ich die Dinge tun kann, die ich mag“, sagt Sonam Choden Retty. Die 24-Jährige sitzt mit einer Freundin in einem betont westlich eingerichteten Cafe in Thimphu und schenkt sich eine Tasse Tee ein. „Ich habe ein wunderschönes Zuhause, Eltern, Brüder und Schwestern. Ich bin eine sehr zufriedene Person.“ Sonam trägt eine Kira,
die traditionelle bhutanische Tracht, sie ist perfekt geschminkt und hat ihre langen schwarzen Haare auf dem Kopf zu einem Dutt getürmt. 2010 wurde sie zur Miss Bhutan gewählt, sie ist eine der Ersten, die diesen Titel tragen. Lange waren Schönheitswettbewerbe in Bhutan verpönt, nicht das Äußere, sondern die inneren Werte sollten über die Schönheit eines Menschen bestimmen.
DER GENERATIONENSPAGAT Sonam und ihre Freundin Dechen tragen eine große Verantwortung, auch wenn es ihnen nicht bewusst sein mag. Sie gehören zu jener Generation, die darüber entscheiden wird, wie sich Bhutan in Zukunft entwickelt. Sie versuchen den Spagat zwischen Tradition und Moderne und es wird sich erst zeigen, wie diese Konzepte zueinander stehen. Bhutans Jugend surft auf Facebook, geht zum Studieren nach Indien und Australien, kopiert den Haarschnitt der Stars aus koreanischen Filmen. Doch sie trägt auch die bhutanesische Nationaltracht, verehrt den König und respektiert ihre Eltern. Sonam trägt eine Kira. Als sie den Saum des langen Rocks hebt, kommen darunter 15 Zentimeter hohe Highheels zum Vorschein. Wie kann man sich das vorstellen, als Jugendliche in einem Land zu leben, in dem in den 60er Jahren die Menschen in Thimphu noch vor
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den ersten Autos davonliefen, weil sie sie für Donnerdrachen hielten? Ein Land, in dem Rauchen praktisch verboten ist, das viele Regeln aufstellt, um damit vielleicht die Menschen glücklich zu machen? „Manche Regeln sind dafür da, um gebrochen zu werden“, sagt Sonam. Sie tritt aus dem Cafe auf die Straße und zeigt auf den Platz vor ihr. Ein Uhrturm steht in der Mitte des Platzes und abends treffen sich die Jugendlichen hier, um heimlich Alkohol zu trinken. „Ich trinke eigentlich nicht, aber ich glaube, etwa 90 Prozent der Jugendlichen wollen gerne trinken, also muss ich sie unterstützen.“ Miss Bhutan kreuzt die Straße abseits des Zebrastreifens: „Wir brechen die Regeln eben in kleinen Stücken.“ In der Glücksumfrage der Regierung war Thimphu der unglücklichste Ort Bhutans. Der glücklichste Bezirk ist Haa im Südwesten des Landes. Auf dem Gelände einer Sägemühle sitzt auf einem Stapel Bretter Lakshmi mit ihrem Sohn. „Ich bin glücklich, wenn ich arbeite“, sagt Lakshmi. „Hier in der Sägemühle, oder im Haus.“ Das Leben von Lakshmi in Haa hat mit dem Leben von Sonam und Dechen in Thimphu nicht viel gemeinsam. Lakshmi trägt den verwaschenen Rock einer karierten Kira, eine schwarze Sportweste und ausgetragene Sandalen. Ihre Arbeit ist es, kleine Holzstücke zu Kisten zusammenzunageln. Sie ist erst 18. Und sie ist Nepali.
So bunt kann Glauben sein.
DAS UNGLÜCK DER NEPALIS Die Geschichte der Nepalis in Bhutan ist das dunkle Kapitel in der Geschichte des Glückslandes. Das, von dem keiner gerne spricht. „Es gibt keine Probleme mehr“, sagen die Menschen, wenn man sie danach fragt. In den 1990er Jahren kam es vor allem im Süden Bhutans zu Anschlägen, die im Zusammenhang mit den separatistischen Bewegungen im nahen indischen Bezirk Darjeeling und den Demokratie-Forderungen in Nepal standen. Auch in Bhutan fühlten sich viele Lhotshampa, wie die vor allem Nepali-sprechende Bevölkerung im Süden genannt wird, diskriminiert und ihrer eigenen Traditionen beraubt. Die immer stärker auf Einheit ausgerichtete Politik Bhutans schrieb beispielsweise das Tragen der sehr warmen bhutanischen Nationaltracht auch in den subtropischen Gebieten des Landes verpflichtend vor. Während der Unruhen verließen viele Lhotshampa Bhutan und suchten Zuflucht in den umliegenden Ländern. Wie viele es sind, und vor allem, was sie sind, darüber herrscht bis heute zwischen der bhutanischen Regierung und den Bewohnern der Flüchtlingscamps Uneinigkeit. Fakt ist, dass heute noch etwa 60,000 Menschen in Flüchtlingslagern in Nepal leben, die sich selbst als vertriebene Bhutaner sehen. Die bhutanische Regierung sieht das anders, spricht von „illegalen Migranten“, die freiwillig
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Lakshmi (18) musste die Schule abbrechen und arbeitet in einer Sägemühle. Ihre Kira ist aus grobem Stoff...
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... die Kira von Sonam (24) ist aus Seide. Die ehemalige Miss Bhutan hat in Indien studiert.
gegangen seien und daher kein Recht auf Rßckkehr in das kleine Land hätten. Die meisten waren einst als billige Arbeitskräfte gekommen und geblieben, manche seit mehreren Generationen. Viele hatten keinen Pass, dementsprechend auch keinen Beweis fßr ihre Forderungen.
SCHWERER ZUGANG Heute kommt den Arbeitsmigranten aus dem sĂźdlichen Nachbarland
Indien diese Rolle zu. Sie bauen Häuser und asphaltieren StraĂ&#x;en, bleiben oft viele Jahre mit kurzfristigen Arbeitsverträgen in Bhutan. Aufenthaltserlaubnis bekommen sie keine. Der Zugang zum GlĂźck ist elitär, wenn man nicht in Bhutan geboren ist. Touristen zahlen eine Pauschale von 250 US-Dollar pro Tag, um in dem kleinen Land Urlaub machen zu dĂźrfen. „GlĂźck ist keine klare Sacheâ€?, hat Karma Ura in Thimphu gesagt. „Jede
Gesellschaft will es anders erreichen. Manche orientieren sich an maximalem Wohlstand, andere an grĂśĂ&#x;tmĂśglicher Gleichheit. Niemand hat eine Blaupause fĂźr dein individuelles Leben. GNH orientiert die Gesellschaft in Richtung tiefer Zufriedenheit.“ Vielleicht stimmt das in Bhutan sogar. Lakshmi musste die Schule abbrechen, als ihr Vater seinen Job bei der Armee verlor. Statt wie andere junge Bhutanerinnen ihres Alters nach Indien studieren zu gehen, zimmert sie
Holzboxen. Das soll ihr letztes Jahr in dieser SägemĂźhle sein. Sie mĂśchte zurĂźck nach Samtse gehen, wo ihr Vater lebt. „Ich mĂśchte eine Maschine kaufen, die das Wasser aus dem Fluss auf die Felder leitet. Wenn ich das Geld dafĂźr habe, gehe ich zurĂźck in mein Dorf um Farmerin zu werden“, sagt Lakshmi. Was es mit dem BruttonationalglĂźck auf sich hat, weiĂ&#x; sie nicht genau. Aber irgendwie hat Lakshmi es trotzdem gefunden. „Ja, ich bin glĂźcklich“, sagt sie.
FOTOS: MARA SIMPERLER
museum moderner kunst stiftung ludwig wien
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Brauchst du Rat/Hilfe, frag Jesus, Mohammed, Jahve, Buddha, Lakshmi oder uns. Sie haben alle die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen – obwohl das Gläubige glauben. Was sie manchmal so unangenehm macht.
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DIE GRETCHENFRAG
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AGE, GANZ AKTUELL Unser Autor sucht das Glück in der Spiritualität – mit schlechten Voraussetzungen. Hier legt er Zeugnis ab von Manuel Köllner
Nun sag, wie hast du‘s mit der Religion?* Hast du dir schon mal die Gretchenfrage gestellt? Ernsthaft jetzt. Glaubst du an einen Gott, eine Göttin, ein höheres Wesen, eine höhere Energie? Ich meine nicht, ob du in die Kirche, die Moschee oder den Tempel gehst. Aber glaubst du, dass da etwas ist? Ich nämlich nicht. Ich hab‘s gar nicht mit der Religion oder mit Begriffen wie Spiritualität, Wiedergeburt, Himmel, Hölle, Nirvana oder sonst einer geistigen Verbindung zu etwas Unbenennbarem. Ich wollte mich nie auf etwas verlassen, das ich nicht kenne oder gar auf etwas, das niemand kennt. Das ist nicht meine Vorstellung von Sicherheit im Leben, sofern Religion überhaupt Halt geben soll oder kann. Spiritualität hat für mich nie mit Glauben zu tun, sondern maximal mit einer Tradition, bei der ich mehr oder weniger mitgemacht habe, um anderen Menschen eine Freude zu machen – oder weil ich gezwungen wurde. Geht es nach der Jugendwertestudie von 2011 finden mehr als drei Viertel der befragten 16- bis 24Jährigen Religiosität wenig bis überhaupt nicht wichtig. Allerdings gaben nur 20 Prozent an, dass es keinen Gott oder irgendein höheres Wesen gibt.
Lass das, mein Kind.* Ich will versuchen, diese anderen 80 Prozent zu verstehen – oder zumindest nachvollziehen, warum sie denken, was sie denken. Nur, wo fange ich an, wo höre ich auf? Unzählige Lehren. Ein Guru? Die Beatles hatten einen Guru. Das reicht mir als Grund. Eine erstaunliche Welt steht mir bevor. Ich treffe Christina Kundu. Sie ist Generalsekretärin der Hinduistischen Religionsgemeinschaft in Österreich und erklärt den Hinduismus allen, die es wissen wollen. Häufig lärmen Schulklassen durch den Gang des Afro-Asiatischen Instituts nahe der Wiener Votivkirche, bestaunen die Götterstatuen im kleinen Gebetsraum, in dem es nach Räucherstäbchen riecht. Frau Kundu zieht ihre Schlapfen aus DURST 1/13
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und betritt den blauen Teppichboden. Sie erklärt, wofür welcher Gott steht und welche Glaubensgemeinschaft der Hindufamilie welchen Gott anbetet. Lakshmi ist mir sympathisch. Sie ist die Glücksgöttin und steht auf einer Lotusblüte. Einen Guru treffe ich nicht. Ich erfahre, dass der Begriff Guru einfach Lehrer heißt und der nicht einmal spirituelle Lehren weitergeben muss. Das habe ich mir anders vorgestellt. Eine Erkenntnis ergibt sich aber doch: Es ist extrem schwierig über Religion zu sprechen. Dazu kommt, dass ich den Aussagen von Frau Kundu nicht folgen kann. Es ergibt für mich keinen Sinn das Gehörte verstehen zu wollen. Aber ich respektiere Frau Kundus Wissen über Hinduismus. Ich lerne. Sie sagt: „Im Zentrum steht, dass man glücklich ist.“ Im Hinduismus gilt es, Lebensziele zu erreichen: Begehren, Wohlstand, Pflichterfüllung und Erlösung. Diese Dinge könnten Glück bringen. „Wir wollen alle ein Glück, das nie endet,“ sagt Kundu und erklärt: „Auf Glück folgt Leid.“ Sie tut das in Bildern: „Ein Ozean hat Wellen und Wellentäler. Je höher die Welle, so tiefer das Tal. Ziel ist, dass es keine Wellen gibt.“ Mir fällt ein Wiener Sprichwort ein: Nur kane Wöön – nur keine Wellen. Das hat allerdings eher mit Ignoranz oder Feigheit, denn mit Erleuchtung zu tun. Eine Frage drängt sich auf: Kann ich nicht einfach respektvoll und ehrlich mit anderen umgehen? Brauche ich dazu jemanden, der mir alles Mögliche vorbetet und mir sagt, was ich zu tun habe? Und wenn ich es nicht brauche, warum wollen 80 Prozent der Menschen meines Alters an etwas glauben?
Will niemand sein Gefühl und seine Kirche rauben.* Hinduismus erinnert mich an meine Kindheit. Mit Vielgottglaube bin ich aufgewachsen. Oder was soll denn die Dreifaltigkeit Gottes sonst bedeuten? Dann noch Maria, ein Lamm, ein Täufer und falls ich mal den Schlüssel nicht finden konnte, gab
es da noch den Heiligen Antonius – kreuzguter Mann, hilf mir suchen, was ich nicht finden kann! So hat es zumindest meine Oma rezitiert. Ich, der ich als Katholik im niederösterreichischen Weinviertel aufgewachsen bin, zähle auch noch Dionysos als eingebürgerten Schutzgott zur verehrten Schar dazu. Ok, und Erwin Pröll. Er sitzet zur Rechten... Ihm muss man aber zugute halten: Als Kontrast zum Polytheismus gibt’s eine Einheitspartei. Ich kenne mich aus, ich war Ministrant. Ich war in einem Erzbischöflichen Gymnasium, in dem lange vor meiner Schulzeit der spätere Kardinal Hans Hermann Groër seine Verbrechen an Jugendlichen beging. Zu meiner Schulzeit stand kritisches Denken am Stundenplan, sich vom Religionsunterricht abzumelden war aber nicht möglich. Das war aber ohnehin nicht schlimm. Nicht so wie der Firmunterricht. Ich erinnere mich an eine Stunde, in der der Pfarrer kurz vor einem Schwächeanfall stand, als er uns vorspielte, wie Samson einen Löwen mit bloßen Händen tötete. Großes Kino, aber im Glauben gefestigt wurde ich nicht wirklich. Um zu verstehen, wie Gott auf den Menschen wirkt, sollten wir uns an Michelangelos Erschaffung Adams in der Sixtinischen Kapelle erinnern. „Stellt euch vor, wie Gottes Finger den von Adam berührt“, sagte der Priester. Da wussten bereits wir oberg‘scheiten Firmlinge, dass diese Geschichte hakt. Noch dazu berührt der Rauschebartmann das Nackerpatzl gar nicht. Goethe hat sich im Faust an den neunten Artikel der Europäischen Menschenrechtskonvention gehalten. Nicht nur deshalb mache ich das auch. Ich lasse mein Gespräch mit Frau Kundu nochmal revue passieren. Am meisten hat mich der Begriff „Feinstofflichkeit“ verwirrt. Es gebe stoffliche Elemente, also das, woraus wir gemacht sind. Diese zerfallen. Es gibt aber auch noch das Feinstoffliche. „Denken ist eine Substanz. Wir denken immer, es hat mit der Seele zu tun, aber das hat es nicht. Die Denksubstanz ist verbunden mit dem feinstofflichen Körper. Das wird erst nach vielen Wiedergeburten aufgelöst. Weil Glück und Wünsche noch
bestehen, wird man wiedergeboren“, hat Frau Kundu gesagt. Ich kann ihr nicht folgen.
Das ist nicht Recht, man muss dran glauben.* Meine Verwirrung ändert sich nicht. Ich setzte meine Spiritualitätstour durch Wien fort und überquere die Donau. Ich besuche Ursula Mann. Sie ist Energiearbeiterin und versucht seit Jahren Menschen bei ihren Problemen zu helfen. Sie und ihr Mann nennen sich auf ihrer Website Schamanen. Ursula, die mir sofort das Du-Wort anbietet, möchte sich aber nicht auf diesen Begriff festlegen lassen. Sie zeigt mir ihren Beratungsraum. Warme Farben und gedämpftes Licht. Eine Matratze, mehrere Polster. Die Rassel, die neben einem Sitzkissen liegt, habe keine besondere Bedeutung, bekomme ich erklärt. Das Rasseln diene nur dazu, dass sich die Klienten an einem Geräusch festhalten können. Wir setzen uns auf die Couch. Ich bekomme ein Glas Wasser und frage, was Ursula genau macht. „Wenn jemand zu mir kommt, kann ich unterscheiden: Ist jemand in seiner Helligkeit oder in seiner Schwere.“ Was ist Helligkeit und Schwere? „Helligkeit ist die Energie, die dich ausmacht. Du kommst mit einer perfekten Energie zur Welt. Da ist das ganze Wissen über deinen Körper drinnen. Wer sagt deinem Herz, dass es schlagen soll? Mit der Zeit füllt sich Schwere an. Psychologen sagen, das geht ins Unterbewusstsein. Bei manchen Menschen wird die Schwere zu viel.“ Und wie erkennst du das? „Wenn jemand zu mir kommt und mit mir spricht, dann aktiviert er diesen schweren Anteil. Ich hab die Fähigkeit, das wahrzunehmen, die Ursache zu sehen und kann helfen, ein bisschen mehr Leichtigkeit zu geben.“ Wie? „Du erzählst mir von deinem Problem, die Schwere aktiviert sich.
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Ich glaub an Gott? Magst Priester oder Weise fragen, und ihre Antwort scheint nur Spott über den Frager zu sein.* Ob Spott oder nicht, ich bleibe doch lieber der Frager. Und gerne lasse ich mich auch in meinem NichtGlauben bestätigen. Der Christ geht eben in die Kirche und nicht in den Tempel. Ich gehe in meine Kirche, in das Kaffeehaus ums Eck und treffe Krista Federspiel, um mich in meiner Skepsis zu festigen. Federspiel ist Medizinjournalistin und engagiert sich in der österreichischen Regionalgruppe der GWUP (Gesellschaft für die wissenschaftliche Untersuchung von Parawissenschaften). Sie selbst wuchs ohne Religiosität auf. Für ein Kind der 1940er Jahre eine Seltenheit. Die Schuldigen am Aberglauben haben wir schnell ausgemacht. Unsere Kollegen. Der Journalismus habe dazu beigetragen, dass sich Aberglaube so verbreitet. „Die Menschen lösen sich vom Zwang der Religionen. Das Bedürfnis nach einer Bindung nach oben führt dann aber dazu, dass man nach etwas anderem sucht. In der esoterischen Szene scheint mit magischen Techniken ein Zugriff nach oben möglich zu sein, so dass man das Schicksal irgendwie bannen kann“, sagt Federspiel. Als ich ihr von meiner Begegnung mit dem Schamanismus erzähle, zuckt sie zusammen und meint: „Ich kriege Gänsehaut. Da wird ein Baustein aus einer fremden Kultur importiert, irgendeine oberflächliche Technik angewendet. Der Schamane
hat die Deutungshoheit über das, was er ‚sieht‘, der Kunde wird es glauben. So ein Event kann gut sein, aber es kann auch völlig danebengehen.“ Federspiel meint, dass der Vorteil von Religion gegenüber Esoterik darin liege, dass sich Religion um das Miteinander kümmert. „Esoterisches Gedankengut ist sehr egozentrisch. Da geht es bloß um das eigene Wohlbefinden“, sagt sie. Ein bisschen Egoismus kann nicht schaden, denke ich mir. Und persönliches Wohlbefinden auch nicht. Tage später besuche ich eine buddhistische Meditation in Wien. Ein deutscher buddhistischer Mönch sitzt auf einem Hochsessel aus Holz und leitet die Meditation. Seine Anweisungen gehen bald in der Stille des Raumes unter. Ich entspanne mich, genieße die Ruhe und überlege, wie ich Buddhismus in diesem Text unterbringen kann. In einer Pause fragt ein Teilnehmer ernsthaft: „Die Weltbevölkerung steigt ja dauernd, wie geht sich das aus? Waren die zuvor alle andere Wesen und jetzt werden einfach mehr als Menschen wiedergeboren?“ Ich werde nicht mehr dorthin gehen. Und was hat‘s gebracht? Ich sehe etwas klarer: Es geht eigentlich immer um absichtlichen Selbstbetrug. Aber das muss ja nicht negativ sein. Wenn er hilft, Sicherheit gibt. Schlimm wird’s erst beim Fremdbetrug, vor allem wenn es um Geld geht. Bleibt die einzige Frage, die du dir stellen kannst: Willst du deinen Verstand austricksen oder nicht? Ich will es nicht. *Die kursiven Zeilen sind aus dem Faust. Wer hätt‘s gedacht?
„Du liegst da mit deiner Angst, deiner Trauer, deiner Wut. Ich schaue in die Energie und das, was ich sehe, löst sich auf.“
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN:
ARTIKEL 9 DER EUROPÄISCHEN MENSCHENRECHTSKONVENTION – GEDANKEN-, GEWISSENS- UND RELIGIONSFREIHEIT (1) Jedermann hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfaßt die Freiheit des Einzelnen zum Wechsel der Religion oder der Weltanschauung sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen öffentlich oder privat, durch Gottesdienst, Unterricht, Andachten und Beachtung religiöser Gebräuche auszuüben.
QUELLEN: - Faust. Der Tragödie erster Teil. Johann Wolfgang von Goethe - Bibel. Buch der Richter 14,6 - Jugendwerte-Studie 2011 http://wien.arbeiterkammer.at/ bilder/d174/Jugendwertestudie.pdf
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Ursula Mann möchte mit ihrer Energiearbeit Menschen helfen.
Die Journalistin Krista Federspiel hält Esoterik für egoistisch.
„Die Menschen lösen sich vom Zwang der Religionen. Das Bedürfnis nach einer Bindung nach oben führt aber dazu, dass man nach etwas anderem sucht.“
FOTOS: MANUEL KÖLLNER
Ich sage: Leg dich hin. Du musst regungslos liegen. Das ist die einzige Bedingung. Du liegst da in deiner Angst, deiner Trauer, deiner Wut. Ich schaue in die Energie und das, was ich sehe, löst sich auf. Ich kann das medizinisch oder physikalisch nicht erklären. Wenn ich etwas Schweres sehe, löst es sich auf. Manchmal sind es Symbolbilder, manchmal Bilder aus deiner Vergangenheit.“ Ursula und ich führen ein interessantes, angenehmes und persönliches Gespräch. Sie spricht gefühlvoll über das, was sie und ihr Mann tun, aber sobald es um die Energiearbeit geht, steige ich aus. Es fühlt sich an, als würde sie mir von einem Traum erzählen. Irreal. Für meine Tour zeigt es mir nur, wie weit ich von einem Glauben entfernt bin.
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27.02.2013 13:42:05 Uhr
ALWAYS ON THE BRIGHT SIDE!
Ein Plädoyer dafür, das Leben optimistisch zu sehen.
Sonst hätten wir nie die Bäume verlassen Von Valentin Ladstätter
K
rieg, Krankheit, Hunger, Not, Leid, Diktatoren, Folter, böse Länder, böse Konzerne, Klimawandel, Erderwärmung, schmelzende Polkappen und Killerspiele, die die Jugend verblöden. Eigentlich ein Wunder, dass es die Menschheit überhaupt noch gibt. Schade, dass die guten alten Zeiten vorbei sind, in denen alles besser war... Einen Scheiß war es früher besser! Wann soll diese gute alte Zeit gewesen sein? Als Frauen (in Österreich) noch zuhause an den Herd gehörten, ohne Zugang zu Bildung und ohne (berufliche) Perspektive? Mit einer Kindersterblichkeitsrate, die einem das Herz bricht? Waren das bessere Zeiten, als man von Wien nach Innsbruck noch drei Tage mit der Kutsche brauchte, vorausgesetzt man konnte sich das überhaupt leisten? Die Zeit der Weltkriege? Oder noch früher, als die Inquisition mit Feuer und Schwert gegen den Unglauben durch die katholischen Lande zog? War es die Zeit, als wir dachten, die Erde sei eine Scheibe? Die Geschichte der Menschheit ist von Katastrophen durchzogen, soviel ist klar. Wie gesagt: Krieg, Krankheit, Hunger,... auch Vulkanausbrüche und Fluten und Erdbeben. Und doch sind wir inzwischen 7,1 Milliarden. Wenn alles vor die Hunde geht, warum gibt es dann mehr Menschen als je zuvor? Jetzt werden einige von euch bestimmt denken: „Na, weil wir die Erde und ihre natürlichen Ressourcen ausbeuten. Das kann ja nicht mehr lange gut gehen.“ - Stattgegeben. Die Erde wird ausgebeutet. Und wir steuern auf den Punkt zu, an dem das Licht ausgeht, weil wir keine Rohstoffe mehr haben, die wir verbrennen können. Das habe ich auch als Optimist kapiert. Also warum sind wir noch hier? Warum haben wir uns nicht schon längst vor einen Bus geschmissen, wenn doch eh alles bald hinüber ist?
ABBILDUNG: ARCHIV
Ich sag euch warum: Im Grunde sind wir allesamt Optimisten, getrieben von der winzig kleinen Hoffnung, dass schließlich doch noch alles gut wird. Und wisst ihr was? Wir haben recht. Ich würde
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sogar so weit gehen zu sagen, dass die Welt nur noch nicht untergegangen ist, weil es Menschen wie uns überhaupt gibt. Würde die Welt seit Anbeginn der Zeit von Pessimisten regiert, hätten wir die Bäume nie verlassen. Oder wir hätten die Bäume gar nicht erst für uns entdeckt und wären im Ozean geblieben. Sind wir aber nicht. Wir sind raus aus dem Wasser und über die Bäume und einige andere Zwischenstopps zum aufrechten Gang gekommen. Und was sich seither getan hat, ist bestimmt nicht der Verdienst der Pessimisten. (Zum Mond fliegen? Klappt doch eh nicht!) Natürlich wirft man Optimisten alles Mögliche vor. Blauäugig seien sie. Naiv und weltfremd. Mit einem Liedchen auf den Lippen durch die Welt scharwänzelnd, blind für Not und Leid! Was für ein dämliches Optimisten-Bild. Peter Ustinov wusste es besser: „Ein Optimist ist jemand, der genau weiß, wie traurig die Welt sein kann, während ein Pessimist täglich neu zu dieser Erkenntnis gelangt.“ Als Optimist weiß man um den Müll in der Welt. Aber man versucht wenigstens, etwas daran zu ändern, anstatt in Selbstmitleid aufzugehen. Optimisten fischen Plastik aus dem Meer. Pessimisten jammern über das Plastik von zuhause aus. Ich bin augenscheinlich ein militanter Optimist. Aber nicht ohne Grund. Schon ewig kann ich mir von allen möglichen Seiten denselben Mist anhören. Dass dies beschissen ist und jenes problematisch und alles andere noch viel mieser. In dieser Hinsicht ist mein geliebtes Wien die schlimmste Ecke Österreichs und der Journalismus einer der schlimmsten Berufe. Aber was hat die Welt davon, wenn es mir auch noch mies dabei geht? Wir sterben alle irgendwann. Und keiner weiß, ob oder wie es nachher weitergeht. Alles nur Mutmaßungen. Soll ich mein Leben im Stupor von Angst und Pessimismus verbringen? Sicher nicht! Wir schaffen das schon. Und wenn nicht, dann haben wir es wenigstens versucht.
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FOTO: ARCHIV
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Die schönsten Dinge im Leben sind umsonst, so wie GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKUNI Die beste Zeit des „Heute“, „Österreich“ und „DURST“. Lebens! Party! Vögeln! Nix GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKtun! Spät aufstehen! Alles GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKESSEN: Sashimi, Kaviar, Cupcakes: Schön kein Problem. Papi zahlt! anzusehen und alles auf meinem Tisch. GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKWelthunger? Nicht in meiner Welt! GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKLIEBE: Sixpack gegen Silikonbusen pressen, schneller, tiefer, oh! Liebe kann auch auf GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKOberflächlichkeit aufbauen. Und funktionieren! GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKUFO: I want to believe! Sie sind da draußen GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKund werden mich irgendwann holen. Und GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKwer mich für verrückt erklärt, hat keine Fantasie. Macht‘s gut, ihr Idioten! GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKBERG Von wegen der Weg ist das Ziel. GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKDer Berg beweist: Es ist der Gipfel. GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKTRINKEN Ich bin so schön, ich bin so toll! Ich Erster! Erster! Ihr Wappler! kann die ganze Nacht, jede Nacht Party machen GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKund ich hab sicher kein Alkoholproblem. GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKWG: Mitbewohner sind toll. Man kann mit GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKihnen alles teilen: Kosten, Putzen, Essen, GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKSexualpartnerInnen, Geschlechtskrankheiten, ... GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKDURST 1/13 32 GLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKGLÜCKDURST_P_32_13 32
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Weil alles zwei Seiten hat: Hier beginnt unsere Pechsträhne
Valentin Ladstätter: „Immer glücklich geht nicht, weil einem das Leben eins aufs Maul haut. Aber man wird härter im Nehmen.“ Manon Steiner: Unglücklich macht sie, wenn draußen die Sonne scheint und sie noch drei Arbeiten auf den letzten Drücker fertig machen muss. Lena Hammerstingl: Unglücklich macht sie momentan der Wasserschaden des Nachbarns, der bei ihr zu Hause Flecken an der Decke produziert.
UNSERE FERNE REDAKTION
COVER: CHRISTIAN BRETTER, FOTO DIESE SEITE: SHUTTERSTOCK / MICRODON
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rundsätzlich ist es ja zu begrüßen, dass unsere Redaktionsmitglieder alle Karriere machen. Nur muss das unbedingt außerhalb der DURST-Redaktion sein? Der Chef schreibt Bücher, die sich manchmal sogar verkaufen, der Artdirektor hängt in Brüssel rum, man kann mit ihm meist nur über den FTP-Server kommunizieren. Raffael und Sandra Eigner machen Karriere beim ORF-Radio, Valentin pendelt ständig zwischen Vorarlberg und Wien auf Recherchereisen, Mara reist sowieso durch die ganze Welt, Manuel hat sich fürs ZDF nach New York abgesetzt und Sandra Schieder hängt gerade beruflich in der Schweiz rum. Langsam wird das hier eine virtuelle Redaktion. Vielleicht sollten wir grundsätzlich alles auslagern. Macht man ja jetzt so. Willkommen in der Cloud! Aber wer denkt an die Mittagspause am Würstlstand? Den kollektiven Wutanfall in der Teeküche? Das Bier nach Feierabend? Da reicht kein pixeliger Skypeanruf! Wenn ihr mal ein bisschen Zeit habt, kommt doch auf einen Sprung herunter von eurer Cloud und schaut bei uns am Schwedenplatz vorbei. Dafür gibt‘s dann auch eine Runde Schulterklopfen für die tolle Arbeit – ganz echt und unvirtuell!
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EDITORIAL
ier beginnt der Pe ch Doppelheftes. Wir teil unseres starten mit dem Schweinezyklus (S .10), also den we ise Voraussagungen, welcher Beruf wan n n en vogue ist – un d dann kommt doch alles ganz an de ist eh eine schwie rs. Das mit dem Beruf rige Sache: Festan stel Träum weiter! Will kommen im Prek lung? ar der erzwungenen iat und ew Das mit dem ver igen Adoleszenz (S.12). spro hat auch nicht w chenen Glückstraining irklich geklappt (S .16). Immerhin bringt un etwas Trost – vo sere Foto-Love-Story r al Artikulationsprob lem für Vorarlberger mit lemen (S.18). Schw anger und studieren, geht da s? Schuldenmachen Angeblich schon (S.22), eher nicht (S.24) . Al die Lösung vielle icht: Fuck Happin so heißt ess! (S.26)
Sandra Schieder: Unsere Außenstelle in Graz. Sie mag keine Abschiede und die Tatsachen, dass Ian Somerhalder vergeben ist und ihre To-DoListe bis zum Mond reicht.
Martina Powell: Pech ist für sie, wenn Räume klein und eng sind, ihr Rad kaputt ist oder wenn sie im Schneeregen zwischen den grauen Häusern Wiens versinkt.
Georg Eckelsberger: Verliebte Exfreundinnen, langweilige Freitagabende und dumpfe Gesellschaft – klassische Unglücksbringer.
Thomas Vierich: Seit Anbeginn der Chefredakteur, intern „Die Peitsche“ genannt. Ihn machen Streits ohne Lösungsansätze morose.
Manuel Köllner: Unsere neue Außenstelle in New York hat nur eine Sorge: „Ein Glas Milch zu einem Hamburger“
Christian Bretter: Unser Artdirektor in Brüssel. Ihn ärgern Streit und Neid am meisten.
Sandra Eigner: „Kitschig, aber wahr“: Sie macht es „total unglücklich“, wenn sie miterlebt, wie anderen Unrecht getan wird.
Mara Simperler: Unsere reisefreudigste Redakteurin kennt nur ein Unglück: Dass sie irgendwann wieder zurück muss. Raffael Fritz: Ihn machen die meisten Filme aus Österreich unglücklich, besonders die von Haneke.
HALBLEER 3
27.02.2013 15:06:43 Uhr
INHALT / PRO & CONTRA
MACHT DEPRI SEXY? Wozu immer diese aufgesetzt gute Laune? Todestraurigkeit ist die beste Aufrissmasche – oder etwa nicht?
PRO
CONTRA
Dein Helfersyndrom ist meine Abendgestaltung.
Stimmt schon, jeder darf mal weinen. Aber musst du dazu unbedingt ins Flex gehen?
Gut gelaunt feiern kann jeder. Ich bin scheiße drauf und bleibe trotzdem, bis der Club zusperrt. Das nenne ich konsequent. Wer keine Probleme hat, hat nichts zu erzählen. Stimmt nicht? Ja, bitte, erzähl mir mehr über dein neuestes Curryrezept! (Gähn.) Grinsen ist für Weicheier. Ich muss mich nicht anbiedern. Zwischen Trübsalblasen und Schlafzimmerblick liegen zwei Drinks. Oder drei. Du zahlst. Mein Motto: Retten und retten lassen. „Magst du drüber reden?” Kurt Cobain vs. Andreas Gabalier. Noch Fragen?
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In der Ecke sitzen und flennen hat vielleicht noch in der Schule funktioniert. Sorry, heute kommt kein Lehrer mehr, um dich mal richtig in den Arm zu nehmen. Super, du hast also kein Geld, keine Wohnung und kein Interesse an gar nix? Erzähl mir mehr! Wenn ich schlechte Gedichte hören will, geh ich zum Poetry Slam. Die heulen auch nicht gleich, wenn ich mal lachen muss. Es zeugt von geistiger Reife, dass du viel über den Tod nachdenkst. Aber muss sich das unbedingt negativ auf deine Libido auswirken? Klar, depri macht sexy – deswegen hat deine dauergrinsende Studienkollegin schon wieder einen Typen aus ihrem Lachyogakurs abgeschleppt, während du die halbe Nacht wach liegst und Bright Eyes hörst.
Die Redaktion stellt sich vor: Die Welt ist schlecht und das Glas halbleer . . . . . . . . . . Umfrage: „Kopf hoch!“ und andere tröstende Sprüche, die ihr nicht mehr hören könnt Unglückskalender: Sehenswert-traurige Filme und Theaterstücke . . . . . . . . . . . . . . . . . Kochen: Tröstende Snacks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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DURSTSTRECKE
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Ewige Kindheit: Warum wir nicht erwachsen werden (wollen) . . . . . . . Der Schweinezyklus: Was Jobprognosen wirklich wert sind . . . . . . . . . . . Glücklich in sieben Tagen: Lässt sich Glück wie ein Muskel trainieren? .
LEBENSDURST
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Foto-Lovestory: Zwischen Dinosaurier und Flaschengeist – ein Vorarlberger auf Glückssuche . . . . . . . . . . . . . . Studentin und schwanger: Junge Mütter erzählen, wie sie Studium und Kind unter einen Hut bringen . . . . . . . Keine Kohle: Studierende in der Schuldenfalle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fuck Happiness: Warum Autorin Sonja Laszlo will, dass wir aufhören nach dem Glück zu suchen . . . . . . . . . . . . Glück auf: Die glücklichsten Studierenden Österreichs soll es in Leoben geben – ernsthaft?! DURST hat in dem verschlafenen Städtchen nachgefragt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Warum ich Pessimistin bin: Schwarzmalen tut gut und macht sogar ein bisschen glücklich . . . . . . . . . . . . . . . .
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FOTOS: RAFFAEL FRITZ, PRIVAT, MARA SIMPERLER
Lukas (oben) unterrichtet schon während des Studiums Volksschulkinder, Sarah Sophie studiert und ist Mutter, Thomas aus unserer Foto-Lovestory reitet in den Sonnenuntergang.
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27.02.2013 14:38:05 Uhr
DURST-UMFRAGE: PECH
Von Fabian Gräf
David, 26 studiert Mikrobiologie, Uni Wien
Brigitte, 53 Wien
Marie Ann, 30, Magister Geschichte
A) „Ich setze mich abends hin und spiele Gitarre für mich.“ B) „Das kommt immer auf die Situation an. Schlecht ist immer, wenn es sich wie von einer Vorlage anhört.“
A) „Ich kümmere mich um meine Enkelkinder.“
A) „Ich bin gerade Magister geworden, das reicht erstmal! Wenn mich etwas stört, versuch ich es gleich loszuwerden.“ B) „Es gibt schon viele depperte Sprüche. Aber jetzt geht’s mir ja gut, deswegen brauch ich grad keinen.“
B) „Du schaffst das schon. Eigentlich heißt das mit anderen Worten: Lass mich in Ruhe mit deinem Blödsinn.“
Renate und Sonja von den Rabtaldirndln, Steiermark
Stefan, 23 Zahnmedizinstudent, Deutschland
A) „Wir gehen in den Wald schießen üben. Wir haben hinterm Hof ne Zielscheibe. Und wenns ganz schlimm wird, schießen wir uns einen Mann, der vorbeikommt.“ B) „Tschinölln, die Männer san alles Focken!“ „Weggschmissen wird nix!“ Oder: „Wenn du nicht mehr weiter weißt, dann hol dir jemanden.“
A) „Am liebsten treffe ich mich mit Freunden, am Abend, wenn der Tag vorbei ist, auf ein Bier. Das nimmt ein bisschen die Routine aus dem Tag. Am Wochenende versuch‘ ich meine Freundin zu sehen, die wohnt im Ausland.“ B) „Das ist immer situationsabhängig, würde ich sagen. „Das wird schon werden“ ist wohl mein Klassiker.“
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FOTOS: FABIAN GRÄF
A) „Was tust du, um dich glücklich zu machen?“ B) „Kennst du einen besonders blöden „Kopf hoch“-Spruch?“
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VERMISCHTES
Von Sandra Eigner und Marion Steiner
PECH IM GLÜCK Ist dein Romanmanuskript wieder abgelehnt worden? Bekommst du auf deine YouTube Videos nur 20 Klicks? Keine Sorge, eigentlich bist du ein verkanntes Genie – so wie diese Wissenschaftler, denen Ruhm und Anerkennung zu Lebzeiten versagt blieben: Armin Strohmeyer stellt 22 davon in seinem Buch „Verkannte Pioniere“ (Edition Styria) vor. Von Manon Steiner
FILM
NERVEN BRUCH ZUSAMMEN Regie: Arash T. Riahi seit 1.3. im Kino Regisseur Arash T. Riahi zeigt in seinem Dokumentarfilm die Schicksale obdachloser Frauen in Österreich und porträtiert ihr Leben im Übergangswohnheim Haus Miriam. All ihre Schicksalsschläge halten die Frauen nicht davon ab, mit Hoffnung in die Zukunft zu blicken.
KABARETT
„DER STUMPFSINN DES LEBENS: DAS TRAURIGSTE KABARETT ALLER ZEITEN“ von und mit 2gewinnt. Kulturwerkstatt Graz (5.4.) und Theater am Alsergrund Wien (18.4.) In gegenseitiger Verachtung stellen sich zwei gescheiterte Existenzen einer schlecht bezahlten Auftragsarbeit für den Staatsfunk. Ohne künstlerischen Anspruch und voller existentieller Ängste. Die Vorzeichen für ein grandioses Scheitern stehen gut. Klingt wie im echten Leben.
FILM
ANLEITUNG ZUM UNGLÜCKLICHSEIN Regie: Sherry Hormann seit 1.2. im Kino So philosophisch wie die Buchvorlage mit dem gleichnamigen Titel von Paul Watzlawick ist der Film bei weitem nicht. Dafür bietet er leichte Kost für einen netten Filmabend. Auch wenn‘s seicht ist, der Titel verpflichtet!
ROSALIND FRANKLIN: Obwohl die Britin die Mitentdeckerin der Doppelhelixstruktur der DNA ist, ging der Nobelpreis an James D. Watson, Francis Crick und Maurice Wilkins. In den frühen 1950er Jahren verschafften sich die Kollegen unerlaubt Zugriff auf Franklins Forschungsunterlagen. Als weibliche Wissenschaftlerin gemobbt, wurde sie bei der Dankesrede nicht einmal erwähnt.
KARL DRAIS: 1817 präsentierte er das Vormodell für das Fahrrad, die Laufmaschine. Doch Anerkennung und Verdienst erhielt er dafür kaum. Noch Jahrzehnte nach seinem Tod wurde er als als Verrückter abgestempelt, da er als Gegner der restaurierten Monarchie in Deutschland viele mächtige Feinde hatte.
CROSSING EUROPE 23.-28. April in verschiedenen Kinos in Linz Die verzweifelte Sehnsucht nach Liebe und Familienglück ist das Leitmotiv eines der vier Eröffnungsfilme des diesjährigen Crossing Europe „Winterdieb“. Sonst ist zum Programm noch nicht viel bekannt, aber es wird sicher wie immer ein Genuss für Filmliebhaber.
THEATER
MUSIK
„ABGESOFFEN“: CARLOS EUGENIO LÓPEZ Regie: Sebastian Schug 15. und 22.3. im Schauspielhaus Graz Zwei naive Outsider erklären sich die Welt auf ihrem Trip durch die Nacht, mal derb, mal nachdenklich, aber voll schwarzem Humor, und suchen die Antwort auf die entscheidende Frage: „Ist Profikiller eigentlich ein normaler Beruf?”
VIENNA BLUES SPRING 20.3. - 30.4. im Reigen, Theater Akzent, Haus der Musik, Mozarthaus Wien Sie haben alle den Blues: Als Zuschauer und Zuhörer kann man internationale BluesMusiker in Wien genießen. Und mitleiden oder aber auch mitleben. Jeder, wie er‘s gern hat.
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NIKOLA TESLA: Er hatte die Idee, rotierende Magnetfelder zur Erzeugung hoher Wechselstromspannungen zu nutzen. 1887 gründete der Serbe seine eigene Firma. Er galt zwar als Edisons Gegenspieler, war aber weniger erfolgreich, da der Einzelgänger nicht wirtschaftlich dachte.
GUSTAVE WEISSKOPF (SPÄTER WHITEHEAD): Der gebürtige Bayer baute in den USA 1901 den Flieger Nr. 21, mit dem er den ersten Motorflug der Welt absolvierte. Dichnzur Weiterentwicklung fehlten ihm Investoren und er musste sich tief verschulden. Nach seinem Tod 1927 stellte Orville Wright sich und seinen Bruder als Pioniere des Motorflugs dar und Weißkopf wurde vergessen.
FOTOS: VERANSTALTER
FILMFESTIVAL
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REZEPTE
Von Thomas Askan Vierich
Einfach gut! Deppeneinfach! Und viiiiel besser als gekauft!
Einfache Snacks können über trübe Tage hinwegtrösten.
Spanische Tortilla mit frischer Paprika
ECHTE BELGISCHE POMMES
Portionen frittieren, bis die Pommes helbgelb sind. Auf Küchenpapier abtropfen lassen. Optimal ist 1 Liter Fett auf 100 g Frittiergut. In einem 2. Durchgang die Pommes in etwas heißerem Fett (170°C, Fett muss sprudeln) goldgelb backen. Selbstgemachte Mayonnaise: Eigelb mit etwas Salz und Pfeffer in einer Schüssel mit dem Schneebesen so lange schlagen, bis es heller wird. Öl unter ständigem Schlagen in einem dünnen Strahl dazugeben. Zuletzt mit Zitronensaft abschmecken. Wird die Mayo zu dick, mit etwas Wasser verdünnen.
1,5 kg festkochende Kartoffeln 2 Eigelb Salz, Pfeffer 300 ml Öl 1-2 Tl Zitronensaft Pflanzenöl/Fett zum Frittieren Kartoffeln schälen und in Stifte schneiden. Gründlich abspülen, um die Stärke zu entfernen. Gut abtrocknen. Frittieröl (wenn es ganz original sein soll Rindertalg nehmen!) in einem Topf (am besten natürlich in einer Fritteuse) auf 160° C erhitzen und in mehreren
1 kg festkochende Kartoffeln 150 ml Olivenöl Salz 2 Zwiebeln 6 Eier 1 EL gehackte Petersilie Pfeffer Evtl: Weißen Thunfisch (Bonito) aus der Dose / frische Paprika Kartoffeln schälen und in dünne Scheiben schneiden. 2/3 des Öls in einer Pfanne erhitzen, Kartoffelscheiben hineingeben, salzen und wenden. Bei mittlerer bis kleiner Hitze 10 Minuten braten, ab und zu wenden. Inzwischen Zwiebeln schälen und
zu möglichst kleinen Würfeln schneiden. Zu den Kartoffeln geben, weitere 10 Minuten braten. Dann überschüssiges Öl abgießen. Eier mit 1 TL Salz in großer Schüssel schaumig schlagen, Petersilie (+ Thunfisch / Paprikawürfel) und die Kartoffel-Zwiebel-Mischung unter das Ei heben, pfeffern und ruhen lassen. Restliches Öl in Pfanne erhitzen und Kartoffel-Ei-Masse hineingeben, glattstreichen und bei kleiner Hitze 4-5 Minuten stocken lassen. Deckel auf die Pfanne geben und vorsichtig umdrehen. Tortilla vom Deckel in die Pfanne zurückgleiten lassen und 4-5 Minuten bräunen lassen. Schmeckt warm oder kalt.
FOTOS: OMOR
TORTILLA
The Vienna Review Voices of the New Europe
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The Vienna Review is Austria’s only English language paper, an independent journal of news and opinion covering the life and times of Vienna and the Central and Eastern European Region, ten times a year.
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So wirst du garantiert unglücklich: Tipps der Redaktion
Die Crux des Details Konzentriere dich so lange auf ein winziges Detail, bis es dich um den Verstand bringt. Popcornkauende Menschen im Kino, das leise Surren des Beamers bei der Seminar-Präsentation, der Speichel in den Mundecken deines Freundes – probier, wie weit du gehen kannst!
Sei immer misstrauisch! Ja, alle da draußen wollen dir Böses! Vertraue niemandem, der dir anbietet, in der Vorlesung mitzuschreiben – er wird dir bewusst eine falsche Mitschrift liefern. Wenn du dein Fahrrad nicht fünfmal ankettest, wird es sicher gestohlen! Und wenn dir jemand einen Sitzplatz in der U-Bahn anbietet, weil du einen Gipsfuß hast, schrei ihn zur Sicherheit mal richtig an, bevor du davonhumpelst!
Sei auf alle Fälle unzufrieden! Vergleiche dich in jeder Lebenslage mit Menschen, die besser aussehen als du, mehr Geld haben und erfolgreicher sind! Wenn du doch einmal ein Hochgefühl verspürst, schau dir auf Wikipedia die Lebensläufe von Stars an, die im selben Jahr geboren wurden wie du!
FOTO: SCHLEICH
Reise in die Vergangenheit! Ein neues Semester, Prüfungen, Arbeit und Haushalt warten darauf bewältigt zu werden. Früher, ja früher, im Hotel Mama, war alles besser. Mit etwas Geschick gelingt es jedem, seine Vergangenheit durch einen Filter zu sehen, der nur das Gute und Schöne durchlässt und die Gegenwart unerträglich wirken lässt.
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Selbsterfüllende Prophezeiungen Semester für Semester schaffst du die Prüfung bei einem bestimmten Professor immer erst beim zweiten Anlauf. Wofür lernen, wenn es sowieso unmöglich ist, die Prüfung beim ersten Versuch zu bestehen? Du lernst nichts und gehst zur Prüfung. Durchgefallen. Aber das wusstest du im Vorhinein. Auf diese Weise kommst du genau dort an, wo du nicht ankommen möchtest.
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EWIG AUF REISE Ein Trend setzt sich fort und könnte zum Problem werden: Immer mehr Menschen wollen nicht erwachsen werden. Vielleicht können sie es auch gar nicht mehr Von Thomas Askan Vierich
Noch ein unbezahltes Praktikum? Und wer zahlt meine Miete? Papa wurde gerade gekündigt, Oma ist im Altersheim.
Zorniger Autor bei der Arbeit an seinem zweiten Roman „Blutgasse“. Auf der Terrasse einer gemieteten Hütte auf La Palma – mit Kakerlaken.
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FOTOS: KARIN WASNER, ANDREA CEJKA; MONTAGE: CORNELIA GLEICHWEIT
D
as Problem der Jugend Europas sind die Alten. Auch in Österreich. Die unselige Volksbefragung zu Wehrpflicht und Zivildienst hat es einmal mehr bewiesen: Hätten nur Unter-30-Jährige abgestimmt, hätte sich eine 63-prozentige Mehrheit für ein Berufsheer ergeben. Die Über-65Jährigen stimmten mit 72 Prozent für die Wehrpflicht – nach dem Motto: „Was uns net g’schadet hat, kann euch nur gut tun!“ Ich gehöre selbst schon zu den Alten. Okay, ich bewege mich noch nicht wirklich Richtung Pension (wenn ich jemals eine bekommen sollte), aber die Fünfzig sind nicht mehr weit. Und ich gebe hier den Chefredakteur eines Studentenmagazins. Bin ich auch ein „Berufsjugendlicher“? Verhalte ich mich altersgerecht? Sollte ich nicht längst Chefredakteur vom „Profil“ sein? Stimmt: Ich bin ein Spätzünder. Und ich arbeite gerne mit Jüngeren zusammen, das hält frisch ... Meinen Magister (so hieß das früher, liebe Kinder) beendete ich nach zehn Jahren mehr oder weniger intensiver Studien mit Dreißig. Da haben andere längst Karriere gemacht. Meine fing gerade an. Eine „Karriere“ als Rockmusiker hatte ich schon hinter mir. All die dreißigjährigen Bankmanager hörten Phil Collins oder immer noch die paar Platten, die sie sich mit 16 mal gekauft hatten. Dann rutschte ich langsam Schritt für Schritt in den Journalismus rein. Meine erste Festanstellung hatte ich mit Mitte dreißig. Einhalb Jahre lang. Dann habe ich es nicht mehr ausgehalten. Heute träumen viele 25-Jährige von einer Festanstellung. Fast schon egal, welche. Hauptsache: Sicherheit, bezahlter Urlaub, bezahlter Krankenstand, eine Perspektive, eine Basis, auf der man eine Familie gründen, ein Haus bauen kann. Ich konnte es mir noch aussuchen, ich war mir sicher, wenn ich später mal festangestellt werden möchte, geht das schon. Damals war mir meine Freiheit wichtiger, scheiß auf Sicherheiten, die haben Zeit. In Spanien, Italien oder Griechenland und vielen anderen Ländern stellt sich für 25-Jährige diese Frage „Freiheit oder Sicherheit?“ gar
nicht mehr. Und in Österreich auch nicht mehr richtig. In Spanien und Griechenland liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei über fünfzig Prozent. Junge Italiener und Engländer müssen im Hotel Mama wohnen, weil sie sich eine eigene Wohnung nicht leisten können. 41,8 % der jungen Menschen in Deutschland zwischen 18 und 34 Jahren wohnen noch bei ihren Eltern, in Spanien sind es 52,8, in Polen 58,4 und in Kroatien 77,8 Prozent. Für Österreich sind mir leider keine Zahlen bekannt, aber sie dürften auf dem deutschen Niveau liegen. Auch in Wien ist der Immobilienmarkt „in Bewegung“ gekommen. In Salzburg und Innsbruck ist er das seit Jahren. Davon profitieren nur die Besitzer, die Alten. Die Jungen müssen zahlen – und können das oft nicht mehr. In den krisengeschüttelten Ländern des europäischen Südens spricht man bereits von einer „verlorenen Generation“. So etwas hat es früher schon mal gegeben, aber da war auch Krieg. Haben wir heute Krieg? In Europa? Vielleicht kommt es noch dazu: Ein Bürgerkrieg zwischen Reich und Arm, Alt und Jung. Manche klugen Pessimisten raten dazu sich zu bewaffnen und Schießunterricht zu nehmen. Die Systemfrage wird und muss irgendwann gestellt werden. Und die Systemgewinner werden freiwillig nichts hergeben.
DIE OLIGARCHEN Die ETH Zürich hat herausgefunden: „Ein Netzwerk von nur 147 Konzernen übt eine rund 40-prozentige Kontrolle über alle 43.060 international tätigen Unternehmen aus, die 2007 in der Wirtschaftsdatenbank Orbis erfasst waren. Diese Kerngruppe der globalen Wirtschaft kontrolliert sich zudem über ein gegenseitiges Beteiligungsnetzwerk praktisch vollständig selber.“1 Too big to fail ... Diese globalen Oligarchen beschäftigen Tausende von Lobbyisten, die dafür sorgen, dass die Politik in ihrem Sinne entscheidet. „Superkapitalismus“ nennt das Robert Reich, ehemaliger Arbeitsminister der Clinton-Regierung: „Eine agile Finanzindustrie, hochentwickelte Konzerne, aber auch Institutionen wie der Internationale Währungsfond,
die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Weltbank treten im Namen der Freiheit auf, verfolgen aber tatsächlich eine Strategie, die konsequent darauf ausgerichtet ist, Märkte für die eigenen Industrien zu erobern.“2 Politik findet nur noch statt, um die Massen zu beruhigen und die wählende Klientel zu befriedigen. Oder im Dienste dieser internationalen Machtstrukturen – siehe Angela Merkel, Mariano Rajoy oder David Cameron. Der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch spricht angesichts dieser Machtverhältnisse bereits von einer „Postdemokratie“ und vom „Befremdlichen Überleben des Neoliberalismus“, der in Diensten dieser Großkonzerne steht. Der ehemalige Chef-Ökonom des IWF Simon Johnson hat gesagt, die Finanzindustrie kontrolliere die US-Regierung mittlerweile, wie man das nur aus Entwicklungsländern kenne.3 Da könnt ihr „99 Prozent“ von Occupy noch so lange die Wallstreet besetzen, ihr „Empörten“ in Spanien noch so laut eure Wut hinausschreien oder ihr rebellierenden britischen Jugendlichen bei den „riots“ ein paar T-Shirts plündern und dafür drei Monate in den Knast wandern. Ihr könnt eure Regierung in Bulgarien wegen zu hoher Strompreise stürzen, Stéphane Hessel darf laut „Empört euch!“, rufen (leider ist er Ende Februar verstorben) oder ihr Piraten könnt eure flüssige Demokratie einüben: Es wird sich nichts ändern. So jedenfalls nicht. Die Gewinner werden immer reicher, die Verlierer immer ärmer. Der griechische Komödiendichter Aristophanes hat sinngemäß gesagt, die Welt sei ein Theater, in dem die schlechtesten Leute die besten Plätze besetzen.
ABSTIEGSÄNGSTE Und die in den mittleren Reihen fürchten sich. Das sind wir, das seid ihr. Der zu verteilende Kuchen wird immer kleiner, die Lage zunehmend ungemütlicher, nicht nur für die ganz unten. Früher, in den goldenen Zeiten des Wirtschaftswunder, als der „Sozialstaat“ noch kein teurer „Luxus“ war, auch noch in den Siebzigerjahren fuhr der Fahrstuhl immer nach
oben: Der nachfolgenden Generation ging es immer noch besser. Das hat sich seit den Achtzigerjahren geändert. Jetzt haben viele das Gefühl, sie müssen sich mehr anstrengen, um weniger zu bekommen als ihre Eltern. Wer in einem „privatisierten“ Renten- und Gesundheitssystem immer mehr selbst bezahlen muss – „Eigeninitiative“, „Dritte Säule“ oder „Riester-Rente“ wird das euphemistisch genannt –, hat immer weniger übrig, um es zum Beispiel in den Kredit für ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu stecken. Wer von den Jungen heute in so was wohnt, bekommt das von den Eltern (ko-) finanziert. Viele leben auf Pump, werden noch bis jenseits der dreißig von ihren Eltern unterstützt, weil sie von ihrer Arbeit in prekären, immer temporären, immer unsicheren Verhältnissen nicht leben können. Aber immer weniger Eltern können sich diese Unterstützung noch leisten. Immer mehr Menschen leben über ihre Verhältnisse, in vielfältigen Abhängigkeiten, auf immer unsicherem Terrain: Generation Dispokredit. Das gilt für meine Generation der Babyboomer – und noch verschärft für die in den Achtzigern Geborenen. Das Grundkapital, von dem alle zehren, schmilzt. „Da bleibst du ein Leben lang Kind“, zitiert Kathrin Fischer in ihrer hochinteressanten Gesellschaftsanalyse „Generation Lamminat“ einen ihrer Bekannten, der um die vierzig sein dürfte. „Wir sind in ein Zeitalter der Unsicherheiten eingetreten – wirtschaftliche Unsicherheit, physische Unsicherheit, politische Unsicherheit“, analysiert der britische Historiker Tony Judt. „Unsicherheit erzeugt Angst. Und Angst – Angst vor Veränderung, Angst vor dem dem sozialen Abstieg, Angst vor Fremden und einer fremden Welt – zerfrisst das wechselseitige Vertrauen, auf dem die Bürgergesellschaft beruht.“4 Wen wundert es da, wenn immer mehr junge Menschen sagen: Zu dieser Welt will ich nicht dazugehören. Ich flüchte mich in meine private Idylle oder in die Kunst, die Selbstverwirklichung. Ich weigere mich einfach erwachsen zu werden. Leider tun das junge Menschen von heute – anders als noch zu
Die Welt ist ein Theater, in dem die schlechtesten Leute die besten Plätze besetzen. Der griechische Komödiendichter Aristophanes DURST 1/13
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meiner Zeit in den Achtzigern und Neunzigern – mit einem Gefühl des permanenten Versagens. „Sie sind der Autor Ihres Lebens. Wenn Ihnen das Drehbuch Ihres Lebens nicht gefällt, dann schreiben Sie es um!“, rät ein selbsternannter Glückspsychologe auf seiner Homepage psychotipps.com/Ungluecklichsein. html. Wer in dieser gnadenlosen Leistungsgesellschaft keinen Erfolg hat, ist selber schuld! Denn Erfolg ist selbstgemacht, jeder ist seines Glückes Schmied, bla bla bla. Dieser Druck macht krank, weil man sich permanent selbst überfordert. Jeder ist seine eigene Ich-AG, jeder muss kreativ, flexibel und leistungsbereit bis zur Selbstaufgabe sein: „Supertaff “ nennt das Kathrin Fischer. Die „Ökonomisierung des Privaten“ schreitet munter voran. Man ist permanent unter Strom und hat nie das Gefühl, irgendwo anzukommen. „Keine Atempause, Geschichte wird gemacht“, sangen schon Fehlfarben Anfang der Achtzigerjahre. Seitdem ist es noch schlimmer geworden.
NICHTS WIE WEG! Kein Wunder, dass viele Studierende am Ende ihres Studiums vor allem eines wollen: Reisen! Weg! Einen Job mit attraktiver oder zumindest angemessener Bezahlung ist sowieso nicht in Aussicht. Dieses „Reisen“ steht für eine Art Idealzustand: Nie etwas tun müssen, immer nur unterwegs sein, neue Leute treffen, neue Erfahrungen machen, wenn es langweilig wird, steigt man in den nächsten Billigflieger. Keine Veranwortung, immer nur spielen. „Unsere Marktgesellschaft lässt es für eine große Zahl der Jungen nicht mehr erstrebenswert erscheinen, erwachsen zu werden“, schreibt Bernhard Heinzlmaier vom Institut für Jugendkulturforschung in seiner Studie „Vom Schwinden der Lust am Erwachsenwerden“. „Dies führt dazu, dass vor allem die Jugendlichen aus den Mittelschichten den Eintritt in die vollständige Erwachsenenrolle
möglichst lange aufzuschieben trachten.“ In anderen Ländern nimmt das „Reisen“ dagegen existenzielle Züge an: In der Februarausgabe von „GEO“ gibt es eine alarmierende Grafik: 94 (!) Prozent der griechischen Ingenieurstudenten haben Angst um ihre berufliche Zukunft, 54 Prozent „wollen“ ins Ausland gehen – sie werden wohl müssen. Emigration als Lebenskunst: 42 Prozent der spanischen Jungingenieure planen das Gleiche, in Österreich immerhin noch jeder Vierte. Von den Kulturwissenschaftlern oder Sinologen gar nicht zu reden. Das Einstiegsjahresgehalt eines Ingenieurs liegt in Griechenland bei 16.317 Euro, im „boomenden“ Polen sind es lächerliche 9.849, in Spanien 24.015, in Frankreich 38.602, in Deutschland und Österreich rund 45.000 – und in der Schweiz 67.566 Euro. Aber in der Schweiz kostet die Kinokarte auch mindestens 15 Euro. „Jugendliche wollen vielfach nicht mehr erwachsen werden, weil sie die (post)moderne Erwachsenenrolle überfordert“, schreibt Bernhard Heinzlmaier. Vielleicht ist das aber gar nicht so schlecht. Man kann es ja auch mal positiv sehen. So sieht es zumindest der Evolutionspsychologe Bruce Charlton. Viele erfolgreiche Menschen haben oder hatten ein sehr jugendliches Auftreten: Richard Branson (Virgin), Bill Gates, Steve Jobs, Mick Jagger. Nick Hayek, der Chef von Swatch, einem sehr erfolgreichen Unternehmen in einer notorisch krisengeschüttelten Branche (Uhren) sagte kürzlich der „Süddeutschen Zeitung“: „Meine Schwester {Verwaltungsratsvorsitzende bei Swatch} und ich haben von unserem Vater und unserer Mutter gelernt, den Mut zu haben, unsere kindliche Fantasie zu behalten. Jedes Kind ist ein Unternehmer. Es probiert alles aus. Es wartet doch nicht, dass ihm jemand zeigt, wie man eine Sandburg baut. (...) Wenn du etwas nicht weißt, dann fragst du, und wenn alle sagen, du bist dumm, dann ist das piepegal. Vor
„Die meisten Menschen würden nicht im Traum daran denken, sieben Jahre auf ein einzelnes Problem zu verwenden. Aber wenn es niemanden mehr gibt, der diese Ausdauer besitzt, dann werden eben auch keine Probleme mehr gelöst.“ Bruce Charlton, Professor auf Lebenszeit
allem, weil 90 Prozent der anderen es auch nicht wissen, aber sie trauen sich nicht zu fragen.“ Bruce Charlton glaubt, dass Menschen, die sich die psychologischen Charakteristiken der Jugend erhalten, flexibler bleiben. Damit entsprechen sie den Anforderungen der modernen Gesellschaft. Aber er sieht auch langfristige Gefahren: „Unbeständigkeit, Wechselhaftigkeit, Oberflächlichkeit, der Unwille Verantwortung zu übernehmen, die Unfähigkeit kurzfristige Widerstände zu überwinden, um langfristige Ziele zu ereichen“, listet er in einem Interview mit „Neon“ auf, dem Kampfblatt der ewigen Jugendlichen. Er sagt auch, dass er diesen Trend der nicht endenwollenden Jugendlichkeit besonders bei Frauen sieht, was zusätzliche Probleme aufwerfe: Es werden immer weniger Kinder geboren. „In Großbritannien bekommen vierzig Prozent der Frauen mit Universitätabschluss keine Kinder.“
WAS HEISST SCHON ERFOLG? Um wirklich Großes zu vollbringen, braucht es Hartnäckigkeit, Ausdauer, Selbstdisziplin und Zeit. Charlton bringt das Beispiel des Mathematikers Andrew Wiles, der die Fermatische Vermutung bewiesen hat, eines der größten mathematischen Probleme. Er brauchte dazu sieben Jahre. „Die meisten Menschen würden nicht im Traum daran denken, sieben Jahre auf ein einzelnes Problem zu verwenden“, klagt er. „Aber wenn es niemanden mehr gibt, der diese Ausdauer besitzt, dann werden eben auch keine Probleme mehr
gelöst.“ Der Professor auf Lebenszeit Charlton (vermute ich mal) vergisst allerdings: Wer kann es sich denn noch leisten, sieben Jahre auf einem Problem herumzukauen, sei es die Fermatische Vermutung, ein Roman oder ein neues Geschäftsmodell? Wer heute, vor allem als Berufseinsteiger, drei oder gar sechs Monate auf den täglichen Kampf um die Miete für ein „höheres“ Ziel verzichtet, hat sich finanziell ruiniert. Für uns heißt es: Weiter, weiter, immer weiter, keine Atempause. Hat man den einen Job, das eine Projekt an Land gezogen, muss man schon nach dem nächsten Ausschau halten. Da geh ich doch lieber auf Reisen, in den meisten Ländern sind die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Östereich lachhaft niedrig. Und das Wetter ist auch besser. Kinder oder eine feste Beziehung habe ich eh keine, will ich auch nicht, belastet nur. Oder ich bleibe hier und lass mich durchfüttern: Von Papi und Mami, vom Staat oder vom Lebenspartner. Für immer Kind.
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN
1 Zit. bei: Kathrin Fischer Generation Lamminat, S. 118 2 Theresia Volk: Unternehmen Wahnsinn, S. 98 3 vgl. Colin Crouch: Das befremdliche Überleben des Neoliberaliusmus, S.103 4 Tony Judt: Dem Land geht es schlecht, S. 16
„Meine Schwester und ich haben von unseren Eltern gelernt, den Mut zu haben, unsere kindliche Fantasie zu behalten. Jedes Kind ist ein Unternehmer. Es probiert alles aus. Es wartet doch nicht, dass ihm jemand zeigt, wie man eine Sandburg baut. (...) Wenn du etwas nicht weißt, dann fragst du, und wenn alle sagen, du bist dumm, dann ist das piepegal. Vor allem, weil 90 Prozent der anderen es auch nicht wissen, aber sie trauen sich nicht zu fragen.“ Nick Hayek, Chef von Swatch 12 DURST_P_12_13 12
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SCHWEIN Was soll man studieren? Ein Massenfach ohne Aussicht auf Job? Einfach nach Gefühl? Oder sollte man sich danach richten, was der „Markt“ gerade braucht? Wehe, wenn der „Schweinezyklus“ zuschlägt! Von Raffael Fritz
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ieser Brief flatterte uns einst ins Haus: „Liebe Maturantin! Lieber Maturant! In wenigen Wochen werden Sie die Reifeprüfung ablegen und damit einen wichtigen Abschluss ihres bisherigen Bildungsweges erreichen. Da in unserem Leben jeder Abschluss aber auch eine neue Herausforderung mit sich bringt, ist es für Sie nun wichtig, eine Entscheidung über Ihren weiteren Bildungsweg zu treffen ...“ Wer vor zehn Jahren Matura gemacht hat, wird sich vielleicht noch an diese Sätze erinnern. Sie stammen aus dem „Brief an die Maturantinnen und Maturanten“, einer kleinen Entscheidungshilfe für angehende Studenten, unterzeichnet von der damaligen Bildungsministerin Elisabeth Gehrer. „Fachleute aus dem gesamten technisch-naturwissenschaftlichen Bereich sind weiterhin sehr gefragt“, hieß es da etwa. Keine besonders gewagte Prognose – aber immerhin eine richtige. Doch da kam noch was: „Im Bundeslehrerbereich stehen hingegen immer noch zahlreiche Lehramtsabsolventen auf den Wartelisten“, und: „Auch im Pflichtschulbereich muss mit Wartezeiten gerechnet werden.“
Zurück in die Gegenwart: Montag, sechs Uhr morgens – Zeit zum Aufstehen für Lukas, Student an der PH Wien und derzeit im sechsten Semester. Doch nicht, weil er auf ein Seminar muss. Der 26-Jährige fährt in eine Volksschule im neunten Bezirk, um fünf- bis elfjährigen Kindern aus aller Herren Länder Deutsch beizubringen. Für 762 Euro netto macht Lukas wöchenlich elf Stunden Sprachförderung, neben dem Studium keine leichte Aufgabe: „Meinen Stundenplan habe ich nur mit viel Anstrengung und Hilfe von den Professoren zusammenbauen können.“ Schon im vierten Semester habe er gehört, dass der Stadtschulrat händeringend nach Lehrern suche. Sein erstes Ansuchen um eine Stelle sei noch unbeantwortet geblieben, doch nachdem er sich noch einmal erkundigt hat, „habe ich zwei Wochen später einen Anruf bekommen. Es hat geheißen, ich solle gleich nächste Woche anfangen.“ In Wien sind derzeit rund 400 Lehrer-Planstellen von Studenten wie Lukas besetzt, quer durch alle Schultypen. Von Wartezeiten keine Spur.
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Lukas (26) hat den Schweinezyklus an der richtigen Stelle erwischt. Der Pädagogik-Student hat gute Aussichten, nach seinem Abschluss sofot eine Lehrstelle zu bekommen – entgegen der Prognosen des „Zukunftsministeriums“.
In der Bundeshauptstadt ist der Lehrermangel schon so ausgeprägt, dass Lehramts- und PH-Studenten direkt an der Uni abgeworben werden. Und noch bis zum Jahr 2020 wird etwa die Hälfte aller Lehrerinnen und Lehrer in Pension gehen. Es wirkt, als würde der zehn Jahre alte „Brief an die Maturantinnen und Maturanten“ aus einer anderen Welt stammen. Wie konnten die damaligen Verantwortlichen die Zukunft nur so falsch einschätzen
– und das noch dazu in einer Institution, die sich damals großspurig „Zukunftsministerium“ nannte? Dem kundigen Beobachter fällt dazu nur eines ein: Schweine! Und das ist nicht einmal als Beleidigung gemeint. Im Jahr 1927 legte der Diplomlandwirt Arthur Hanau seine Dissertation an der agrarwissenschaftlichen Hochschule in Berlin vor. Titel: „Die Prognose der Schweinepreise“. Hanau hatte bemerkt, dass auf dem Markt für Mastschweine Angebot und Nachfrage einfach nicht zusammen finden wollten: Im einen Jahr stiegen die Preise himmelwärts und die Bauern kamen mit der Aufzucht kaum nach. Mit der Aussicht auf fette Gewinne investierten sie – nur um im nächsten Jahr die Preise fallen zu sehen und auf ihren Schweinehälften sitzen zu bleiben. In einem Takt von 18 Monaten wiederholte sich dieser Wechsel von Mangel zu Überschuss und zurück, den Hanau „Schweinepreiszyklus“ nannte. Für ihn war klar, was daran schuld war: die kurzsichtigen Investitionen der Schweinebauern. Ein Bauer müsse stets darauf achten, „dass er bereits wieder an einen Aufbau seiner
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GEHABT ODER?
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„Wenn früher jemand viele Studienrichtungen ausprobiert hat, haben die Firmen gemeint: Wow, der weiß was. Heute gilt so jemand als gebrochene Persönlichkeit.“ Bestände herangeht, wenn die Preisgestaltung noch unbefriedigend ist, aber die Aussicht auf Besserung (...) bereits wieder gegeben ist“, mahnt Hanau. Der Schweinezyklus, wie er heute kürzer heißt, ist in allen möglichen Bereichen entdeckt worden: auf Immobilienmärkten, bei der Produktion von Mikrochips, auf dem Arbeitsmarkt für Jusprofessoren – und unsere Generation von Studierenden erlebt ihn gerade live in den Pädagogischen Hochschulen und Lehramts-Studiengängen.
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FOLGT JETZT DIE LEHRERWELLE? „Das ist wie bei einem Stau: Erst ergibt er sich, dann löst er sich wieder auf, und keiner weiß so genau, warum“, sagt Kurt Nekula, Sektionschef im Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur. Nekula ist seit 2007 im Ministerium tätig, als es von der schwarzen zur roten Reichshälfte gewandert ist. Entsprechend wenig hält er von Briefen mit Empfehlungen: „Das ist in der Vergangenheit passiert“, sagt er, „damals hat im gesamten Bildungssystem die Meinung geherrscht, dass wir kaum zusätzliche Lehrer brauchen.“ Mit den ersten Pensionierungswellen habe sich das schnell geändert. Um für den Lehrerberuf zu werben, setze man heute aber nur auf Öffentlichkeitsarbeit – auf Berufsmessen und in den Medien: „Mittlerweile haben sich die Studierendenzahlen an den Pädagogischen Hochschulen verdoppelt, auch weil die jungen Leute sehen, dass da ein krisensicherer Job auf sie wartet.“ Aber besteht dann nicht die Gefahr, dass der Schweinezyklus wieder in Richtung Lehrerschwemme umschlägt? Nekula bezweifelt das: „Die Pensionierungswelle hält noch an, und durch Maßnahmen wie Sprachförderung, Tagesbetreuung und Kleingruppenunterricht sind noch einmal fast 10.000 Lehrerposten zusätzlich nötig.“ Doch woher nehmen? Heribert Schopf züchtet keine Schweine, sondern bildet junge Menschen zu Volksschulpädagogen aus. Der Humanwissenschaftler lehrt seit 2007 an der Pädagogischen Hochschule Wien, seither hat sich die Zahl der Studierenden auch hier mehr als verdoppelt: „Wir haben zwar kein Audimax, das pausenlos randvoll ist, weil unser Studiensystem weniger Vorlesungen vorsieht“, sagt Schopf. „Aber auch bei uns gibt es Seminare mit mehr als 40 Personen. Langsam sind wir im Modus DURST 1/13
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Heribert Schopf, Lehrender an der PH Wien
der Massen-Uni drinnen.“ Unter den Wogen des Schweinezyklus leide auch die Qualität der Ausbildung: „Ich kann nur für meine Fächer sprechen, aber die Fähigkeiten sind sehr durchwachsen“, sagt Schopf, „Wenn wir die Aufgabe haben, jedes Jahr 400 Leute zum Abschluss zu bringen, dann können das nicht immer die besten sein.“ Dass das Pendel bald umschlägt und eine Lehrerschwemme kommt, glaubt auch er noch nicht – doch ein bisschen hofft er darauf: „In dem Moment, wo wir die vielen Lehrer nicht mehr brauchen, gibt es vielleicht ein ordentliches Eignungsverfahren“, sagt Schopf, „weil sonst kriegt man die Masse der Kandidatinnen und Kandidaten nicht weg.“ Wenn man sich in der Hoffnung, nach ein paar Jahren Studium auch einen Arbeitsplatz zu bekommen, noch nicht einmal an die Empfehlungen des zuständigen Ministeriums halten kann – woran soll man sich orientieren? „Sind die jungen Leute wirklich schon so kalt berechnend?“, stellt Schopf die Gegenfrage: „Wenn früher jemand viele Studienrichtungen ausprobiert hat, haben die Firmen gemeint: Wow, der weiß was. Heute gilt so jemand als gebrochene Persönlichkeit.“
PROGNOSEN MISSTRAUEN Eine gebrochene Persönlichkeit ist Lukas keineswegs – doch auch er hat länger gebraucht, um zum Lehrerberuf zu finden: „Damals hat es ja geheißen, dass man als Lehrer ewig auf den Wartelisten steht“, sagt Lukas. „Ich wollte was Exotisches machen und habe darum Sinologie studiert. China war die Zukunft. Aber so ein großer China-Nerd war ich dann doch nicht, und ein zusätzliches Wirtschaftsstudium hat mich nicht interessiert.“ Also ist er mit 24 Jahren zur Pädagogischen Hochschule gewechselt – und hat den Schweinezyklus offenbar an der richtigen Stelle erwischt: „Schon beim Studienbeginn hat man uns gesagt, dass wir sicher alle einen Job bekommen“, sagt er, „und so wie es momentan aussieht, stimmt das auch.“ Auch an der Schule, an der er derzeit unterrichtet, würden bald einige Lehrer in Pension gehen – die Chancen stehen gut, dass er mit dem Ende seines Studiums auch gleich eine volle Lehrverpflichtung angeboten bekommt. Übrigens: Der „Brief an die Maturantinnen und Maturanten“ ging noch weiter. Nach der Anti-Werbung für
den Lehrerberuf riet die Ministerin im nächsten Punkt auch von einem Medizinstudium ab, weil „für einen Turnusplatz eine Wartezeit von bis zu drei Jahren in Kauf genommen werden muss.“ Und so titelt der „Kurier“ genau zehn Jahre später: „Bald droht großer Ärztemangel“. Vielleicht sollte man einfach immer das studieren, wovon gerade abgeraten wird – ganz im Sinn von Arthur Hanau und seinen Schweinebauern!
Vor über zehn Jahren bekamen Maturanten Post von der damaligen Bildungsministerin Elisabeth Gehrer. Ihre Empfehlung: Das Medizinstudium bleiben lassen und sich die Zukunft als Lehrer aus dem Kopf schlagen, denn die Jobchancen seien mies. Heute, im Jahr 2013, herrscht ein Mangel an Ärzten und Lehrern.
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Alles lässt sich trainieren: Bauch, Beine, Po, Autofahren, Programmieren, sogar Mut und Intelligenz. Warum also nicht auch Glück? Zumindest verspricht das Dr. Eckhart von Hirschhausen. Der Arzt, Kabarettist, Autor und Dauergast im deutschen Fernsehen bietet auf seiner Homepage www.glueck-kommt-selten-allein.de ein sieben Wochen dauerndes Glückstraining an. DURST hat es ausprobiert Von Valentin Ladstätter
DER KLEEBLATTMUSKEL sein Publikum nicht mitmacht, bringen die Ratschläge nichts. So gesehen ist Glückstraining nichts anderes als Bankdrücken im Fitnesscenter: Wenn man konstant übt, wird man besser. Wenn nicht, dann halt nicht. Irgendwann muss man einen Anfang machen. Warum also nicht mit einem Online-Glückstraining? Art und Anlass des Kick-Offs spielen im Grunde keine Rolle. Hauptsache es geht los, irgendwann. Warum nicht heute?
LASS DICH DRAUF EIN!
Bei Hirschhausen hat jede Woche des Glückstrainings ihr eigenes Thema und ihre eigenen Übungen. Woche vier etwa behandelt das „Glück des Moments“. Hier geht es darum, die Sinne zu schärfen und alltägliche Dinge wie zum Beispiel Mahlzeiten zu genießen. In Woche fünf stehen die persönlichen Stärken im Vordergrund, die erst identifiziert und dann trainiert werden müssen. Einige Übungseinheiten würzt Hirschhausen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der sogenannten Positiven Psychologie, die sich nicht
Das Glückstraining ist simpel aufgebaut: Pro Woche gibt es zwei Videos, in denen Hirschhausen erklärt, was zu tun ist. Das Allerwichtigste verrät er gleich im ersten Video: Ob das Training funktioniert, hänge davon ab, wie sehr man sich darauf einlässt und wie sehr man mitmacht. Das ist für jede Art von Training eine der grundlegendsten Weisheiten: Die Wirkung hängt vom Einsatz ab. Hirschhausen kann so viele Tipps geben wie er will. Wenn
VERTEILE FREUDE!
auf psychische Störungen, sondern auf psychisches Wohlbefinden konzentriert. In der Woche des „Glücks der Gemeinschaft“ verweist Hirschhausen etwa auf die stressreduzierende Oxytocinausschüttung bei Körperkontakt (siehe S.22 „Glück“). Zusätzlich bringt der Herr Doktor durchaus auch einige neue Ideen in sein Programm ein. So rät er in Woche drei („Das Glück des Zufalls“) zu „random acts of kindness“ – willkürlichen Freundlichkeitstaten: Den Kaffee des (unbekannten) Sitznachbarn bezahlen oder eine Münze auf den Gehsteig legen, damit sie später jemand findet. Jeden Tag ein bisschen Freude verteilen, denn wenn wir andere glücklich machen, werden wir selbst glücklich.
ÜBE DAS GLÜCK! Banal, nicht wahr? Aber eben auch stimmig und unbegrenzt gültig. Es ist der eher unbeliebte Zusatz der allseits bekannten Motivationsformel: „Du kannst alles schaffen, was du willst.“ Ja, kannst du vielleicht. Aber bis du es schaffst, ist es ein weiter Weg. Über Nacht klappt es nicht.
Während der Videos und beim Lesen der Texte denkt man sich einfach nicht: „Genial, das mach ich“, sondern eher: „Was für ein lauwarmes Gesülze.“ Obwohl die Ratschläge gut sind. Eine schlechte Form kann einiges zunichte machen. 16 DURST_P_16_13 16
Das Glückstraining hat ein großes Manko. Die ganzen Tipps und die Aufmachung der Website sind extrem ... uncool. Während der Videos und beim Lesen der Texte denkt man sich einfach nicht: „Genial, das mach ich!“, sondern eher: „Was für ein lauwarmes Gesülze.“ Obwohl die Ratschläge gut sind. Eine schlechte Form kann einiges zunichte machen. Wer sich trotzdem auf das Thema einlässt, dem zeigen die sieben Wochen Glückstraining bei Hirschhausen, dass Glück tatsächlich etwas ist, was sich verbessern und üben lässt. Und warum sollte man seine eigene Lebenssituation nicht verbessern wollen? Wenn man anfängt, das Glück wie einen Muskel zu sehen, dann hat man den ersten Schritt schon gemacht.
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN:
WER ES SELBER AUSPROBIEREN WILL ... http://www.glueck-kommt-selten-allein.de/ Eckhart von Hirschhausen bietet auf seiner Website ein Gratis-Onlinetraining an. Immer montags startet eine neue Runde. COACHING ... im Zusammenhang mit dem Studium bietet etwa auch die Psychologische Studierendenberatung an. (6 Stellen in Österreich, z.B.: 1080 Wien, Lederergasse 35/4)
FOTO: VALENTIN LADSTÄTTER
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ieben Wochen? Das ist verdammt wenig Zeit, um glücklich zu werden. Trotzdem will ich es versuchen. Kost‘ ja nix. Auch wenn „In sieben Wochen zum Glück“ ähnlich unwahrscheinlich klingt wie in sieben Wochen zur Traumfigur zu gelangen. Aber diesen Anspruch stellt Hirschhausen auch gar nicht. Die sieben Wochen sind zum „Kennenlernen und Ausprobieren“ gedacht. Das ist wiederum untertrieben. Denn die Tipps des Gute-Laune-Doktors sind teilweise alt und wohlbekannt, aber eben auch zeitlos zutreffend.
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So wirst du garantiert unglücklich: Tipps der Redaktion
FOTOS: SCHLEICH
Vermeide, was Spaß macht! Du sitzt am Wochenende vor dem Fernseher und überlegst dir, was du machen könntest. Weggehen? Lieber nicht, zu anstrengend, zu teuer. Einen Spaziergang machen? Zu anstrengend, zu kalt. Eine(n) guten Freund/Freundin anrufen? Och nö, der/die stellt womöglich die falschen Fragen. Lieber weiter TV glotzen und übers schlechte Programm schimpfen.
Nie vergessen! Deine große Liebe aus der Volksschule spukt dir immer noch im Kopf rum? Gut so! Denke schon beim Frühstück an ihn/sie/es und frage dich, warum der verlorene Flummi damals ein Trennungsgrund war! Sei dir sicher: Ihr seid füreinander bestimmt! Niemand wird je an Tommi/Lisa/ Schnuffibär heranreichen! DURST 1/13
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Andere haben Schuld! „Wenn sie eine echte Freundin wäre, würde sie mir diesen Gefallen tun.“ „Wenn mein Professor mich einmal fair benoten würde, stünde meinem Leistungsstipendium nichts mehr im Weg“. Richtig so. Du kannst sicher nix dafür.
Fordere das Unmögliche! Realistische Forderungen haben noch niemanden weit gebracht! Zwinge deinen Partner dazu, mit dir Fallschirmspringen zu gehen, obwohl er Höhenangst hat, und mach ihn zur Schnecke, wenn er absagt! Sag dreimal am Tag: „Wenn du mich wirklich liebtest, würdest du ...!“
Sei unerträglich! „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ soll ein gut gemeinter Rat sein? Kein Tag ohne Selbstzweifel vergeht. Kein Tag, an dem du nicht kritisch und unzufrieden mit dir selbst bist. Und so wie dich selbst, behandle du auch deinen Nächsten. Dann steht unglücklichen zwischenmenschlichen Beziehungen nichts mehr im Wege.
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IM RAUSCH DER HORMONE
Von Raffael Fritz und Mara Simperler
Ach, die Liebe – was haben wir dazu nicht schon an tiefsinnigen Gedichten, Romanen, Theaterstücken und Filmen gesehen. Doch es gibt nur eine tradierte Kunstform, um die Liebe in all ihren Facetten realistisch darzustellen: Die Foto-Lovestory! EDITH, 21, studiert Biologie und ist die Beste ihres Jahrgangs. Sie lernt jeden Tag hart auf der Bibliothek, weil sie mit ihrem Professor auf einer Forschungsreise das Paarungsverhalten der Schwanzlurche in Französisch-Guyana erforschen will. THOMAS, 22, studiert Biologie und möchte Paläontologe werden. Er ist seit dem ersten Semester unsterblich in Edith verliebt, versuchte schon öfter, sie anzusprechen, doch bisher ohne Erfolg. KORBINIAN, 24, ist Numerus-Klausus-Flüchling aus Berlin und legt regelmäßig in der Tollen Scholle, dem angesagtesten Club der Stadt, auf. STEPHANIE, 21, ist die obligatorische Fotoroman-Freundin und Mitbewohnerin von Edith.
Heile, I han mi gfrogt, magsch du mol mit mir was trinka gohn?
VOR DER BIBLIOTHEK Rieß di zemm! Jetzt sprichsch se a.
???
Hiiiii!
Edith und Stefanie sitzen auf der Treppe der Hauptbibliothek – die Chance für Thomas!
Hey Mädels! Alles klar?
Sein Dialekt hat Thomas wieder mal einen Strich durch die Rechnung gemacht – und dann taucht auch noch ein Nebenbuhler mit perfekter Aussprache auf! Thomas verzieht sich aufs Klo ...
Der deppate Dütsche!
*
! z t i l b z t *Po
AUF DEM KLO
Thomas weiß nicht mehr weiter, doch plötzlich ...
Er ist eigentlich ganz süß. Aber ich versteh kein Wort.
Sei gegrüßt, Efendi! Ich bin der Seifenspendergeist und du hast nun drei Wünsche frei.
*wusch
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Cool! I würd so gern Hochdütsch künna. So sei es.
* p p i n h *sc HEK
Gott zum Gruße, holde Maid! Würdest du mir die Ehre erweisen, am Abend ein alkoholisches Mischgetränk mit mir zu konsumieren?
BIBLIOT
Ihr wollt heute Party machen? Ich leg heute in der Tollen Scholle auf, dem angesagtesten Club der Stadt. Ihr kommt natürlich auf die Gästeliste.
Mit ein paar geschliffenen Worten wird Thomas endlich das Eis brechen! Aber es wäre keine FotoLovestory, wenn alles so einfach ginge ... Verflixt, in die Höhle des Löwen. Ein wahrlich fabelhafter Vorschlag! Bis heute Abend.
Hey
ABENDS IM CLUB
Hey
Sie sieht so süß aus. Mein Herz schlägt wie verrückt!
Endlich hat Thomas einen ungestörten Moment mit Edith ...
Ey
Nicht schon wieder ... Ach, die Tracks dauern doch alle mindestens 8 Minuten!
FOTOS: MARA SIMPERLER, RAFFAEL FRITZ
Musst du nicht die Musik ineinandermischen?
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19 27.02.2013 14:52:43 Uhr
Mensch Edith, du siehst heute Abend mal wieder top aus!
Und schon brät Korbinian rein, was das Zeug hält. Thomas verzieht sich – die Blase drückt wieder mal.
Ihr seht so traurig aus, Efendi. Ist es vielleicht Zeit für Euren zweiten Wunsch?
Was könnte ich bloß tun, damit Korbinian keine Gefahr mehr für mich ist?
Kann der Seifenspendergeist ihm diesmal helfen?
So sei es.
Ich hab‘s! Ich wünsche mir, dass Korbinian fortan nur noch Männer begehrt. Endlich scheint er Korbinian vom Hals zu haben ...
... oder doch nicht?
Möchtest du was trinken? – Eine Runde Wodka!
Mensch Thomas, du siehst heute Abend mal wieder top aus!
Was ist da jetzt los?
So habe ich mir das nicht vorgestellt.
Es wird langsam spät.
15 Wodka später...
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Mensch, bin ich besoffen.
Irgendwann sitzt Thomas in einem Taxi. Andere Personen scheinen auch noch anwesend zu sein. Und ist das nicht die Wohnung von Edith und Stephanie?
Afterhour bei mir? DURST 1/13
27.02.2013 14:53:16 Uhr
Hab ich einen Kater! Was ist gestern eigentlich passiert? Ich muss hier weg!
Guten Morgen, Süßer.
Geil! Guten Mooooorgen! Thomas nimmt Korbinian die Decke weg und flüchtet in Richtung Badezimmer ...
Möchtet Ihr vielleicht euren letzten Wunsch einlösen, Efendi??
Jeder meiner Wünsche hat mir Unglück gebracht. Beim letzten muss alles passen!
Ich hab‘s! Ich wünsche mir einen Dinosaurier. Mit dem reite ich ganz weit weg! Und habe endlich meine Ruhe.
Da erscheint wieder der hilfreiche Geist ...
ENDE
Und was ist mit mir?
Rrrrrroaaaaaaaaarrrrrrrr!
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann reiten sie noch heute durch Amerika und klären Verbrechen auf ... DURST 1/13
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BESTEN DANK AN UNSERE DARSTELLER EDITH, RAPHAEL, PAUL UND LINDA SOWIE AN DIE PUFF-BAR IN WIEN
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>?@/40=09 84? 649/ 203? /,>* Wer braucht schon Babygeschrei während des Studiums? Zwei junge Studentinnen und eine Absolventin erzählen DURST ihre Geschichte: Von ungeplanten Schwangerschaften, vom Unialltag mit Kind, Trennungen, Heiratsplänen und der Suche nach dem Familienglück
JUNG
Von Sandra Schieder
SCHWANGER s gibt Dinge im Leben, deren Eintreffen ist so wahrscheinlich wie das Buch zu bekommen, das man dringend für die Seminararbeit braucht. Zum Beispiel sich erfolgreich für einen Studiengang zu bewerben, den nur jeder zehnte Bewerber bekommt. Oder eine Schwangerschaft trotz Verhütung. Christina Jauk (20) hielt 2011 wenige Wochen nach ihrer Studienplatzzusage für ein Journalismusstudium ihren positiven Schwangerschaftsbefund in Händen. Entdeckt hatte den heute elf Monate alte Johannes Matthias ihre Frauenärztin bei einer Routinekontrolle. Geplant war alles natürlich ganz anders, und eine Schwangerschaft schon gar nicht. Dennoch war für Christina sofort klar, dass sie das Kind bekommen würde. „Am Anfang hatte ich Zweifel und keine Perspektive. Ich wusste nicht, wie sich ein Vollzeitstudium an der FH mit einem Kind vereinbaren lassen sollte.“ Nach einem Semester pausierte sie ein Jahr und setzt in diesem Sommersemester ihr Studium fort. Ihre Beziehung zu ihrem Freund
Christoph (23), der heute im achten Semester BWL und Anglistik studiert, war und ist noch heute sehr stabil. Dass Christoph immer hinter ihr stehen würde, war von Anfang an klar. Rückhalt bekamen die werdenden Eltern nicht nur von Freunden, sondern auch von den Eltern und Großeltern. „Ohne ihre Unterstützung hätten wir das nie geschafft. Die emotionale, immaterielle und finanzielle Hilfe ist das größte Glück.“ Einen der schönsten Momente erlebt Christina an ihrem Geburtstag Ende November. „Da hat mir Christoph das erste Mal gesagt, dass er sich auf das Baby freut.“ Sechs Wochen vor dem geplanten Geburtstermin klagt Christina über hohen Blutdruck und starke Bauchschmerzen. Sie muss ins Krankenhaus. Eine bei ihr genetisch bedingte Blutgerinnungsstörung hatte zum HELLP-Syndrom geführt, eine schwere Erkrankung während der Schwangerschaft. Obwohl die Ärzte von der Blutgerinnungsstörung gewusst hatten, ließen sie die Möglichkeit, dass diese das HELLPSyndrom auslösen könnte, außer
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Acht. Jetzt müssen sie die Geburt von Johannes Matthias einleiten, die dann für Mutter und Kind Gott sei Dank problemlos verläuft.
NEUE PERSPEKTIVEN Christinas Leben hat sich in den letzten elf Monaten sehr verändert – auch jenseits von Geburt und Muttersein. Hatte sie während der Schwangerschaft Zweifel, ob ein Baby ihr Leben ausfüllen könnte, überlegt sie heute, ob der Journalismus wirklich das Richtige für sie ist. „Werte und Perspektiven verändern sich mit einem Kind. Meine Mama-Rolle ist heute mein Hauptberuf, aber ich möchte auf jeden Fall mein Studium weitermachen.“ Auch ihre Beziehung zu Christoph hat sich verändert. „Zwischendurch leidet die Beziehung ganz extrem. Vor allem die ersten vier Monate der Schwangerschaft waren sehr schwierig und wir haben viel gestritten. Mittlerweile haben wir ein viel besseres Gespür füreinander entwickelt. Spätestens jetzt sind wir in den neuen Rollen angekommen.“ Seitdem Christina wieder studiert,
schönste Zeit im Leben.“ Vanessa Koch, 23
jagt eine Angst die nächste. Einerseits kann sie sich nicht vorstellen, Johannes Matthias täglich abzugeben, andererseits steht sie vor der Herausforderung, sich nach einem Jahr in ihrer MamaRolle wieder in den Studienalltag einer Journalismus-Studentin einzufinden. „Eingliederungsängste habe ich vor allem deswegen, weil sich meine Prinzipien geändert haben. Ich kann im letzten Jahr abzählen, wie oft ich die „ZiB“ geschaut habe und ich komme vielleicht an drei Tagen in der Woche dazu die Zeitung zu lesen.“ Ihr Bücherregal quillt mittlerweile über von Babyratgebern und Büchern zur Entwicklungspsychologie. Dank Eltern und Großeltern ist sie nicht darauf angewiesen, Johannes Matthias in Fremdbetreuung zu geben. „Es fällt mir aber trotzdem sehr schwer ihn abzugeben, obwohl ich weiß, dass er in guten Händen ist.“ Warum sie ihr Studium dennoch fortsetzt? „Obwohl aus jetziger Sicht mein Traumberuf noch unklar ist, liegt mir meine Ausbildung am Herzen und ich bin zuversichtlich, dass sich Studium und Kind mittelfristig vereinbaren lassen.“
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in Jahr nach Abschluss ihres Studiums erhielt Vanessa Koch (23) ihre erste Jobzusage. Und am selben Tag ihren Mutter-Kind-Pass. Als angehende Hebamme war ein fixer Job im Kreißsaal nach dem Studium ihr Plan. Aufgrund der zahlreichen Krankenhaus-Schließungen herrschte aber ein Hebammenüberschuss und auf ihre Bewerbungen bekam sie eine Absage nach der anderen. Da der Stellenmangel auch in den nächsten Jahren noch anhalten sollte, entschloss sich die junge Absolventin in die freie Praxis zu gehen. Anders als Sarah-Sophie (siehe Kasten rechts) und Christina wünschte sie sich gemeinsam mit ihrem Freund Martin (26) bereits seit längerem ein Kind. Mit dem Gedanken in den nächsten Jahren ohnehin keinen fixen Job zu bekommen setzte sie die Pille ab. Wenige Wochen später war sie nicht nur schwanger, sondern bekam auch noch die Zusage für ihre Wunschstelle in einem Krankenhaus. Schlechtes Timing. „Ich hätte gerne fünfzig Prozent in meiner freien Praxis gearbeitet und fünfzig Prozent im Kreißsaal, damit ich das komplette Tätigkeitsfeld einer Hebamme abdecke.“ Doch das ging nun nicht mehr.
GLÜCKSMOMENTE
„Ein Alltag mit Baby ist Chaos und Bereicherung pur.“ Christina Jauk, 20
„Hin- und hergerissen zwischen Freude und Panik.“ Die Geschichte von Sarah-Sophie Gruber
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ch bin 23 Jahre alt und ich bin Mutter. Und Studentin. Unter diesen beiden Tatsachen dürften sich andere Menschen unterschiedlich schöne oder dramatische Dinge vorstellen. Mein Sohn Joshua wurde im Mai 2010, einen Tag nach meinem 21. Geburtstag, geboren. Meinen 21. Geburtstag hatte ich mir anders ausgemalt als 24 Stunden lang in den Wehen zu liegen. Ich hatte zwei Wochen vor meiner Aufnahmeprüfung an der Universität für Angewandte Kunst erfahren, dass ich schwanger bin. Großartig. Was nun? Ich wollte die Aufnahmeprüfung seit drei Jahren machen. Und so eine Nachricht erfährt man am Häusl?, dachte ich. Freude und Panik wechselten sich ab. Der Gedanke, welche Konsequenzen ein Stricherl auf so einem BilligsdorferSchwangerschaftstest mit sich bringt, und die Frage, ob diese Konsequenzen verschwinden, wenn man dieses Stricherl einfach wegradiert, hatten nur für eine Millisekunde Bestand. Ich muss wohl nicht betonen, dass Joshua kein geplantes Kind war. Freunde in diesem Alter haben andere Sorgen – Aufbruch, Wissensansammlung und Selbstentdeckung. Auch ich durfte mich plötzlich selbst entdecken – mit einem kugelrunden Bauch während der Schwangerschaft und einem kleinen Baby. Dann schwirrten da
noch Fragen rund um Toleranzsemester, wie das mit dem Stillen funktioniert und was ich mache, wenn mein Kind auf dem Weg zur Uni die Straßenbahn vollbrüllt, durch meinen Kopf. Nun, ich habe die Aufnahmeprüfung geschafft, ein Semester studiert, das Sommersemester 2010 pausiert und mich um Joshua gekümmert. In den Studienalltag bin ich wieder eingetreten als Joshua eineinhalb Jahre alt war. Seitdem ist er täglich für ein paar Stunden in der Kinderkrippe der Universität Wien untergebracht. Das ermöglicht mir ansatzweise meinen universitären Interessen und Pflichten nachzukommen. Meine Familie lebt in Salzburg und kann mir im Alltag nicht kontinuierlich zur Seite stehen. Leider bin ich von Joshuas Vater seit über einem halben Jahr getrennt. Ob in weiterer Folge auf ihn zu zählen ist, bleibt offen. Im Moment sind Joshua und ich auf uns gestellt. Dennoch möchte ich keinen Teil meines Lebens missen und ich habe gelernt, was für Kräfte und Ausdauer in mir stecken. Ich möchte jeden Tag genießen und das Beste daraus machen.“
FOTOS: PRIVAT
Abgesehen von den Gefühlsschwankungen, die sie hin und wieder übermannen, ist die Schwangerschaft die schönste
Zeit ihres Lebens. „Es gibt keinen Tag, an dem ich aufwache und mich nicht hundertprozentig glücklich fühle“, erzählt die im neunten Monat Schwangere und mittlerweile verlobte Vanessa. Eine Schwangerschaft mitten im Studium hätte sie sich aber nicht vorstellen können. „Die ersten zwölf Wochen ist es mir sehr schlecht gegangen und ich musste 18 Stunden am Tag schlafen.“ Abgebrochen hätte sie das Studium aber auch nicht. Vor allem, weil sie bei Kolleginnen gesehen hatte, dass es durchaus möglich ist, Studium und Kind unter einem Hut zu bekommen. Den Grund für ihren frühen Kinderwunsch erklärt sie sich durch ihre Ausbildung: „Ich habe so oft den Glücksmoment des Kinderkriegens bei anderen Frauen miterleben dürfen.“ Und Karrierepläne? „Das eine schließt das andere nicht aus und ich glaube, dass sich mein Beruf mit einem Kind sehr gut vereinbaren lässt.“
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„[…] Ich muss mich z.B. jedes Monat verschulden, weil ich nicht genug arbeiten kann, da ich sonst meinen Studienerfolg nicht vorweisen kann (was auch wieder an das Stipendium geknüpft ist). Beim Abschluss meines Studiums werde ich hoch verschuldet sein. Während andere StudentInnen ihre Freizeit gemeinsam genießen, muss ich arbeiten gehen – das zehrt an der Psyche und an der Motivation […]“
SELBST SCHULD Immer mehr Studierende geraten in die Schuldenfalle. Und wie kommen sie da wieder raus? Für Österreich schwer zu sagen, denn hier wird das Thema verdrängt Von Sandra Eigner
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„[…] Es hat Spaß gemacht zu studieren, bis ich wirklich große Geldsorgen hatte. Ich habe mittlerweile an die 9.000 Euro Schulden. […] Ich kann mich kaum mehr konzentrieren, weil auch die Arbeit, die ich endlich gefunden habe, sehr fordernd und auslaugend ist. […] Ab nächstem Semester muss ich wieder Studiengebühren bezahlen und ich weiß jetzt noch nicht, wie ich mir das leisten kann!“
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ie müssen wieder zu ihren Eltern ziehen, so viel arbeiten, dass neben dem Studium keine Freizeit mehr bleibt und geraten unter psychischen Druck: Studierende, die in Finanzprobleme geschlittert sind und sich vielleicht sogar verschulden mussten, um ihr Studium abschließen und sich das Leben leisten zu können. Zwischen 27 und 29 Jahre alt*, Arbeitereltern, abhängig von der Studienbeihilfe und noch dazu vielleicht Migrationshintergrund, eine gesundheitliche Beeinträchtigung oder ein Kind – perfekte Voraussetzungen dafür, während des Studiums in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Mehr als die Hälfte der österreichischen Studierenden ist laut der Studierenden-Sozialerhebung 2011 davon betroffen, fast ein Drittel stark bis sehr stark. Die häufigsten Gründe: Die Eltern können oder wollen nicht länger Geld beisteuern, die Familienbeihilfe läuft aus, ungeplante Ausgaben für die Uni oder für den Alltag fallen an, man verliert den Job oder findet erst gar keinen.
FOTO: CORINNA EIGNER
NUR JUX UND TOLLEREI? Wer jetzt abwinkt und denkt, stimmt gar nicht, Studierende stürzen sich wegen des neuesten iPhones oder Partys an jedem Wochenende in die Miesen, der irrt gewaltig. Laut der Studierenden-Sozialerhebung von 2009, die sich intensiv mit dem Thema Finanzen befasste, geben Studierende ein Drittel ihres Geldes fürs Wohnen aus. Rechnet man die Ausgaben für Essen und Trinken (notwendiges, nicht aus Jux und Tollerei) dazu, ist man schon bei der Hälfte des monatlich zur Verfügung stehenden Geldes angelangt. Für die Freizeit bleiben den Studierenden zehn Prozent ihres Budgets übrig: durchschnittlich 89 Euro pro Monat, exklusive Ausgaben für Kleidung, Handy, Rauchen und Ähnliches. Ist man einmal in finanziellen Turbulenzen, kommt man schwer wieder raus. Für Studierende ergeben sich laut Sozialerhebung vier Strategien: - Studium abbrechen (4 Prozent), - Studium einschränken und einen Job aufnehmen (24 Prozent)
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- intensiv weiter studieren und die Ausgaben einschränken (44 Prozent) - oder aber intensiv weiter studieren und sich verschulden (immerhin 16 Prozent).
TABUTHEMA Das ist überraschend, denn Studentenkredite sind in Österreich kein großes Thema, wenn man es genau nimmt, eigentlich gar kein Thema. Anders als in den USA, wo laut „New York Times“ mehr als zwei Drittel der Bachelorabsolventen die Uni mit Schulden verlassen, und Deutschland, wo nach Erhebungen des Studentenwerks immerhin fünf Prozent aller Studierender einen Kredit laufen haben, gibt es in Österreich keine offiziellen Zahlen zur Schuldensituation der Studierenden. Einer der wenigen Anhaltspunkte: Bei der Studierenden-Sozialerhebung 2011 gaben neun Prozent der teilnehmenden Studierenden an, Kredite zurückzuzahlen (monatliche Belastung im Schnitt 23 Euro). Dass fast jeder zehnte Studierende verschuldet sein soll, erscheint gerade im Vergleich mit Deutschland hoch, allerdings ist die Überziehung des Kontorahmens auch nichts anderes als ein Kredit von der Bank. Mehrere österreichische Banken bieten Studentenkredite an, die aber laut der jeweiligen Pressestelle ganz gewöhnliche Kleinkredite sind. Sowohl bei der Bank Austria als auch bei der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien werden diese extrem wenig nachgefragt. Bei der Bank Austria verschulden sich Studierende mit durchschnittlich 5.000 Euro, über spezielle Bedingungen gibt die Pressestelle nichts bekannt. Bei der Raiffeisen heißt es, die Rückzahlungsmodalitäten könnten im Einzelfall individuell vereinbart werden, zum Beispiel dass studentische Kreditnehmer während der Studienzeit nur Zinsen zahlen und die Kreditsumme erst ab Beginn des Erwerbslebens zurückzahlen.
DAS ZEHRT AN DER PSYCHE In Österreich ist es – anders als etwa in Deutschland, wo offener mit dem Thema umgegangen wird
und es staatliche, wenn auch nicht ganz unumstrittene, „Bildungskredite“ gibt, – schwierig, Studierende zu finden, die einen Kredit aufgenommen haben beziehungsweise dazu stehen. Denn Schulden sind hierzulande bei Studierenden – wie in allen Bevölkerungsgruppen – ein Tabu, sagt Hans Grohs, Geschäftsführer der Dachorganisation der Schuldnerberatungen in Österreich. Grohs verteufelt Studentenkredite nicht generell, rät Studierenden aber im Fall einer Kreditaufnahme Anbieter zu vergleichen und genau auf die Konditionen zu achten. Zum Beispiel ab wann und wie lange die Kreditsumme zurückbezahlt werden muss und ob der Kredit fix oder variabel verzinst ist. Tatsächlich, meint der Schuldnerberater, könne ein kurz- oder mittelfristiger Kredit bis maximal 5.000 Euro besser für die Geldbörse sein, als wenn man jedes Monat sein Konto überzieht. Dafür würden auf das Jahr gerechnet mitunter mehr Zinsen anfallen als für einen Kredit. Klingt in der Theorie gut. Wie belastend Schulden werden können, zeigen aber anonyme Wortmeldungen aus der Sozialerhebung 2009: siehe Zitate oben! Zugegeben, das sind Einzelstimmen. Verschuldung bei Studierenden und besonders bei Akademikern könnte in den kommenden Jahren aber zunehmen, sagt Hans Grohs von der Schuldnerberatung. Ihm zufolge ist Arbeitslosigkeit die Hauptursache für Schulden. Und in der derzeitigen Wirtschaftssituation ist es naturgemäß schwieriger, einen Job zu finden. Er rät daher, sich vor Studienbeginn – jetzt mehr denn je – zu überlegen, wie die Jobchancen im gewählten Studienfeld sind. Denn seine Daten und auch andere Studien zeigen: Schulden werden bis zum Alter von 30 Jahren zu oft angenehmen Bedingungen angehäuft, dann wird die Rückzahlung endgültig fällig. Wehe, wer jetzt keinen Job hat oder findet. Grohs empfiehlt daher jedem, auch wenn es im Augenblick nicht notwendig erscheint, eine Budgetplanung zu machen, jeweils für das nächste Jahr, aber auch schon mit einer Perspektive für die nächsten drei Jahre.
KAUM FINANZIELLE BILDUNG Niemand sei allein an seinen Schulden schuld, sagt der Schuldnerberater, manchmal sei es einfach Pech, zum Beispiel wenn man bei einem laufenden Kredit seinen Job verliert, sich von Partner oder Partnerin trennt oder eine schlechte Kaufentscheidung trifft. Die psychologischen Tricks der Werbung täten ihr Übriges dazu. Grohs sieht Verantwortung aber auch bei der Politik. Sie solle den explodierenden Wohnungskosten Einhalt gebieten, fordert er, und sie müsse für eine finanzielle Allgemeinbildung sorgen, denn wie wenig sogar manche Maturanten über Wirtschaft und Finanzprodukte wüssten, sei „erschreckend“. Wer gegensteuern möchte, bevor nicht nur der Wissensstand, sondern auch der Kontostand erschreckend niedrig ist, dem stehen im Internet Informationsmaterialien und Tools zur Verfügung. Ein guter Ausgangspunkt ist die Seite www. budgetberatung.at, die unter anderem einen Online-Budgetrechner und eine Excel-Vorlage für ein Haushaltsbuch speziell für junge Leute zum Download anbietet.
* Anm.: Bis Juli 2011 bekamen Studierende bis zum vollendeten 27. Lebensjahr Familienbeihilfe, seitdem nur bis zum vollendeten 24., hier dürfte es künftig eine Verschiebung geben. www.budgetberatung.at
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Sonia Laszlos Buch „Fuck Happiness“ gilt als AntiGlücksbuch und als Speerspitze einer neuen Bewegung, die der fanatischen Suche nach dem Glück endlich ein Ende bereiten wird. Ein Hype? Wir haben bei der Autorin nachgehakt Fragen: Sandra Eigner
FOTO: KINGVICTORIA, VERLAG
FUCK HAPPINESS!
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27.02.2013 14:58:26 Uhr
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onia Laszlo beschreibt unterschiedlichste Ansätze zum Glück, psychologische, chemische, religiöse, und rät sich nicht so viel Druck zu machen. Die Journalistin arbeitet auch als Gastdozentin an der Universität Wien.
DURST: Unsere Generation hat alle Möglichkeiten, kann eigentlich tun, wonach ihr ist und trotzdem sind wir kollektiv betrachtet nicht glücklich. Wie kann das sein?
LASZLO: Alles Einbildungssache. Menschen, die in einer westlichen Demokratie geboren sind – außer sie sind wirklich psychisch krank – und an irgendwelchen Syndromen leiden, die haben sich entweder total übernommen oder komplett ihre Grenzen überschritten. Wenn ich ständig über die Strenge schlage und denke „Glück, Glück, Glück“, dann brennt das irgendwann aus. Klar, jeder ist mal ein bisschen unglücklich, aber wenn man sich die Weltbevölkerung anschaut und dann, über welche Dinge wir uns aufregen, wie „Ich hab die Prüfung nicht geschafft, eine Welt bricht für mich zusammen“ … Bitte, wirklich? Man darf die Perspektive nicht verlieren und muss akzeptieren, dass das nicht so Lustige auch dazugehört.
Wir sind im Wohlstand aufgewachsen, mit dem Glück als eine der obersten Maximen. Finden Sie nicht, dass man sich dann mit dem Titel „Fuck Happiness“ ein bisschen vor den Kopf gestoßen fühlt?
Ich hatte alle möglichen Titel, die viel komplizierter waren. Ich habe dann irgendwann ‚Fuck Happiness‘ aufgeschrieben, weil ich dachte, vielleicht kann man es als Kapitelüberschrift verwenden. Da hat der Verlagsleiter gemeint: „Das ist der Titel!“ So hat sich das ergeben. Ich persönlich hätte keinen Kraftausdruck verwendet.
FOTO: KINGVICTORIA, VERLAG
Wer ist für mein Glück verantwortlich – ich selbst? Oder kann ich die Verantwortung dafür anderen zuschanzen?
Verantwortlich für sich ist man immer nur selbst. Aber: Diese Suche nach dem Glück ist gepaart damit, dass wir uns selbst einen gewaltigen Druck machen, gerade als Frauen – du musst Karriere machen, du musst Kinder haben, die Kinder müssen super sein, du musst super ausschauen. Und wir vergleichen uns immer mit anderen. Aber wir müssen akzeptieren, dass andere Menschen unser Glück beeinflussen. Sind meine Eltern schuld, wenn ich heute als junge Erwachsene unglücklich bin? DURST 1/13
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„Schuld“ sollte man gleich streichen, auf welchem Niveau ist denn das? Man kann nach Ursachen suchen: Natürlich beeinflussen einen Erlebnisse in der Kindheit und es gibt Menschen, die in ihrer Kindheit wirklich grauenvolle Sachen erlebt haben. Aber Schuld zuzuweisen oder zu sagen „Ich bin so, weil du…“, dieses Verhalten sollte man im Kindergarten ablegen. Kann ich glücklich werden, wenn ich es mir selbst nur lange genug einrede?
Nein. Einstellungssache ist immer eine wichtige Sache. Ob die jetzt immer positiv sein muss oder ob nicht manchmal eine realistische oder pragmatische Sichtweise glücklicher macht, das ist der Knackpunkt. Glück ist nicht gleich Optimismus. Sie schreiben, dass wir negativen Dingen mehr Aufmerksamkeit schenken als positiven. Rauben wir uns mit unserer ständigen Zukunftsangst die Chance auf Glück?
Wenn man Bedenken hat, wie es im Leben weitergeht, wie die Rahmenbedingungen sind, auf die man oft keinen Einfluss hat, wenn man denkt, das könnte mich in Zukunft unglücklich machen, dann ist das prinzipiell okay. Vorplanung ist eine ganz wichtige Sache, aber man steckt sich oft die Ziele zu hoch und baut sich einen irrsinnigen Druck auf. Du kannst und sollst dir Gedanken machen, aber man lebt in diesem Moment und muss diese Sorgen auch wegschieben können. Mir persönlich hilft, solche Dinge in Etappen anzugehen, realistisch zu sagen: „Das und das möchte ich.“ Du kannst eh nur schauen, was für Bälle dir zugeworfen werden und musst sie so gut wie möglich auffangen und ausgewählte zurückwerfen. Unsere Generation baut sich einen gigantischen Druck auf. Nehmen wir uns damit nicht die Fähigkeit, Glück zu akzeptieren?
Genau das war der Grund für mich, dieses Buch zu schreiben! Ich bin ja auch Teil dieser Generation. Glauben Sie, ich hab‘ das nicht? Aber manche Dinge kann man halt nicht ändern und irgendwann muss man einfach sagen: „Fuck it!“ Als ich das Buch abgab, hätte ich mir eigentlich erwartet, dass ich nur glücklich bin, aber ich bin in eine unglaubliche Entlastungsdepression gefallen. Das ist auch etwas, das ich durch das Schreiben dieses Buches gelernt habe: Man muss wissen, wie man funktioniert und auch den Körper einfach mal lassen. Zulassen, das ist vielleicht das richtige Wort. Man muss das Glück zulassen, das kommt nicht auf Druck.
Glücksforschung (IFEG) involviert, das von Ihrem Vater, dem Glücksforscher Dr. Herbert Laszlo gegründet wurde? Das bietet ja unter anderem Coachings und Schulungen an – widerspricht das nicht Ihrer Botschaft?
Unserer Generation wird oft vorgeworfen, unkritisch zu sein, zum Beispiel in Uniseminaren die Mainstream-Positionen einfach zu akzeptieren anstatt sie zu hinterfragen. Macht uns nach Freiheitskämpfen und Emanzipation jetzt wieder Herdenverhalten glücklich?
Der Mensch ist ein Gruppentier, weil die Gruppe Sicherheit bringt. Und Sicherheit bringt Glück. Wenn man Fragen stellt und gegen die Strömung schwimmt, hat man vielleicht mehr Möglichkeiten Glück zu finden, macht sich aber auch mehr Druck und nimmt mehr Risiko unglücklich zu sein in Kauf. Das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Genau, daher ist es auch nicht mein Institut. Ich bin aber ein Mensch, der alles zulässt. Und am Institut passiert viel Gedankenaustausch. Ich habe etwa beim Symposium des Instituts gesprochen. Man könnte wahnsinnig viel machen auf dem Feld, aber ich habe derzeit einfach nicht die Kapazitäten. Ich finde, ich hab das jetzt für mich erforscht und ich hab’s ja eh mit dem Glück nicht so. (lacht) Sie bezeichnen sich selbst als Glückskind, sprechen ganz offen darüber, wie Sie Ihre Eltern gefördert haben und so weiter. Von diesem Niveau gehen Sie das Thema Glück an. Ist das nicht zynisch Leuten gegenüber, die nicht unter diesen Bedingungen ins Leben starten konnten?
Es gibt Studien, die besagen religiöse und verheiratete Menschen seien glücklicher. Machen wir Jungen heutzutage alles falsch – sollten wir lieber viel beten und so schnell wie möglich unter die Haube?
Wenn du so manchen amerikanischen Glücksbüchern glaubst, ja. Wir in unserem Kulturkreis haben uns aber anders entwickelt, daher eindeutig: Nein! Ja.
Sind wir süchtig nach Glück?
Was können wir dagegen tun?
(Lacht und tippt auf den Titel ihres Buches.) Sie sagen, Ihr Buch soll kein Ratgeber sein. Dann schreiben Sie allerdings, man soll Angebote zum Thema Glück hinterfragen und auch einmal „Genug“ sagen, wenn der Glückswahnsinn überhand nimmt.
Das sind keine Ratschläge in dem Sinne, was man tun soll, um glücklich zu werden, sondern die Feststellung, dass man im Leben allgemein hinterfragen muss. Viel in dem Buch ist eine Reaktion darauf, dass wir alle so indoktriniert sind, alles im Leben nach dem Glücksziel zu entscheiden. Sie werfen der Wirtschaft in Ihrem Buch vor, Profit aus der Suche nach dem Glück zu schlagen. Jetzt sind Sie ja auch auf diesen Zug aufgesprungen – gibt das nicht eine etwas schiefe Optik?
Ich wollte eigentlich gar keinen so persönlichen Ansatz wählen, nur das mit meinem Vater konnte ich nicht ganz verheimlichen. Vielleicht bin ich als Glückskind die Richtige dafür, so ein Buch zu schreiben, vielleicht auch die Falsche, ich weiß es nicht. Dass das jetzt für jemanden, der ein katastrophales Leben hatte, ein bisschen „mhm“ klingt, okay. Derjenige könnte aber auch sagen: „Ah, die hat diese Erfahrungen gemacht. Kann ich das vielleicht für meine Situation nutzbar machen?“ Bei mir ist ja auch nicht alles perfekt gelaufen, den Vater wie ich als Twen zu verlieren, ist nicht gerade lustig. Ist Glück das höchste Ziel im Leben?
Nein, nein, weil das ein sehr selbstsüchtiges Ziel ist. Was dann?
Das muss jeder für sich selbst definieren. Vielleicht ist es Erfüllung, wobei das auch irgendwie selbstsüchtig ist. Nein, wissen Sie, was es ist? Das Bestmögliche aus dem zu machen, was du hast und bist!
Die Frage habe ich mir selbst auch schon gestellt. Aber die Sache ist, wie transportierst du Information zu Menschen, ohne etwas zu schreiben? Dass man durch Bücherschreiben reich wird, das war einmal. Das ist mehr eine Prestigesache. Wenn es irgendjemandem hilft, freu ich mich, aber für Geld macht man andere Sachen. Inwiefern sind Sie eigentlich am Institut für Europäische
Sonia Laszlo: Fuck Happiness. Die Tyrannei des Glücks. Goldegg, 22 Euro
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Die schönsten Dinge am Studentenleben? Die Großstadt, das Gefühl der unbegrenzten (Fortgeh-)Möglichkeiten und das andere Geschlecht. Das alles hat die Studentenstadt Leoben nicht zu bieten. Dennoch studieren an der Montanuniversität Leoben laut einer Studie die glücklichsten Studenten Von Sandra Schieder
GLÜCKLICH IN LEOBEN? Michael Wallner (22): „Der große Vorteil ist, dass die Uni in der ganzen Stadt präsent ist. Die Stadt ist sozusagen unser Campus. In Leoben fehlt es an nichts, wir haben alles da, nur nicht in der Masse und der Auswahl wie in Wien oder Graz. Wir haben ein Pub und nicht zehn, ein Kino und nicht vier. Studierende gehen hier nicht wie in den Großstädten in der Gruppe fort, sondern treffen aneinander beim Fortgehen. Technische Universitäten haben grundsätzlich einen geringen Frauenanteil. Mit rund einem Viertel Frauenanteil hat die Montanuniversität im Vergleich zu anderen technischen Universitäten sogar die Nase vorne. Da wir aber die einzige Universität in der Stadt sind, gibt es in Leoben natürlich weniger Frauen.“
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enn du da bist, treffen wir uns am Bahnhof. Ich hol dich ab. „Bis später!“, stand in der SMS meines Freundes Besmir, der an der Montanuni Leoben Metallurgie studiert. Wie jetzt, am Bahnhof? Wo denn genau?, fragte ich mich. Bis ich mir in Erinnerung rufe, dass ich nicht auf dem Weg nach Wien, Graz oder Zürich bin, sondern nach Leoben. In der zweitgrößten Stadt der Steiermark mit rund 25.000 Einwohnern sollen die glücklichsten
Studenten Österreichs anzutreffen sein. Genauer gesagt an der Montanuniversität Leoben, einer seit 172 Jahren bestehenden, naja, nennen wir sie: Eliteuni. Sie ist zwar eine der kleinsten Universitäten in Österreich, dafür aber auch die beliebteste. Das sagt zumindest eine aktuelle Studie (siehe Infokasten). Und klein ist nicht nur die Uni. Der Warteraum des Bahnhofes ist etwa so groß wie ein Vorlesungssaal. Hier kann man unmöglich jemanden übersehen.
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Barbara (22): „Natürlich haben Städte wie Wien oder Graz kulturell mehr zu bieten als das verschlafene Leoben, dafür kenn‘ ich die meisten Lehrenden und Studierenden. An Leoben schätze ich am meisten die familiäre Atmosphäre. Probleme werden persönlich besprochen und gelöst.“
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Lukas (22): „Im Großen und Ganzen eine kleine Uni, fernab von Massenstudien, die neben dem persönlichen Kontakt zu den Professoren auch eine enge Zusammenarbeit mit führenden Industrieunternehmen und die Möglichkeit der studentischen Mitarbeit zu bieten hat.“
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Keine fünf Gehminuten später stehen wir auch schon vor dem neobarocken Gebäude der Montanuni. Über dem Eingangstor steht in Großbuchstaben „GLÜCK AUF“. Hier ist das Glück tatsächlich zu Hause, denke ich mir. Glück auf ist der traditionelle Bergmannsgruß. An der Montanuni wird sowohl bei offiziellen Anlässen als auch zu Unterrichtsbeginn so gegrüßt. Sofort nach Betreten des Gebäudes werde ich angestarrt. „Du bist ein Mädchen“, erklärt Besmir. „Das ist hier etwas Besonderes.“ Laut Statistik sind von insgesamt 3344 Studierenden (Stand: Februar 2013) nur 23,5 Prozent, exakt 786, weiblich. Das scheint die männlichen Studenten aber nicht weiter zu stören. Auf einer Skala von 1 (sehr unzufrieden) bis 5 (sehr zufrieden) hat die Montanuni in der genannten Umfrage die Traumnote 4,4 bekommen. Besonders zufrieden sind die Studenten hier mit dem guten Ruf ihrer Uni, dem Betreuungsverhältnis zwischen Dozenten und Studierenden und den guten Kontakten zur Wirtschaft. Während andere ländliche Hochschulen sich immer schwerer tun, ihre Studierendenzahlen aufrecht zu erhalten, steigt die Anzahl der Erstsemestrigen in Leoben kontinuierlich. Gespräche mit Studierenden vor Ort bestätigen die Ergebnisse der Studie: „Bei uns herrscht eine hilfsbereite Atmosphäre. Professoren helfen bei Schwierigkeiten mit dem Lernstoff und bei der Suche nach einem Praktikum oder Job“, erklärt zum Beispiel der ÖH-Vorsitzende Michael Wallner.
MAN BLEIBT VERBUNDEN Die Uni Leoben macht also glücklich. Und die Stadt selbst? Eine gute Stunde genügt, um sich einen Überblick über die wichtigsten Hotspots Leobens zu verschaffen ... Studentenwohnheime DURST 1/13
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und Universitätsinstitute verteilen sich über die gesamte Stadt. Google Maps wurde wohl nicht für Leoben erfunden – geht man zweimal um die Ecke, landet man immer wieder im Stadtzentrum. Der Bergmannsgruß „Glück Auf!“ ist omnipräsent. Auch im Leben der zahlreichen studentischen Verbindungen hat der Gruß eine wichtige Bedeutung. Die Montanuni steht nicht nur für eine gute Ausbildung, sondern auch für eine eng verschworene – und männlich dominierte – Gemeinschaft. Studentenverbindungen sind ein wichtiger Teil im Universitätsleben. Auf dem Weg durch die Stadt kommen wir auch an einer „Studentenbude“, also dem Vereinslokal einer der zwölf Studentenverbindungen vorbei. Schnell merke ich, dass das Nachtleben in Leoben im Vergleich zu anderen Universitätsstädten ein überschaubares ist. Zu den wichtigsten Treffpunkten unter den Studierenden zählt das Lokal „Pub o’cino“ direkt am Hauptplatz. Tanz- und partymotivierte Leute haben die Qual der Wahl zwischen dem Club Passion und dem MCM Leoben. Tja, Leoben bietet also nicht viele Gelegenheiten sich von seinem Studium ablenken zu lassen. Man bleibt in jeder Beziehung unter sich. Das kann ja auch seine Vorteile haben.
LEOBEN UND KREMS – DIE WAHREN STUDENTENPARADIESE? Zwischen November 2011 und März 2012 hat das Beratungsunternehmen Universum Communications 5.344 Studenten an 25 österreichischen Universitäten und Fachhochschulen befragt, wie zufrieden sie mit ihrer Hochschule sind. Die wichtigsten Faktoren: Qualität der Lehre, Kursauswahl und Betreuungsverhältnis. Bei den Universitäten klar in Führung: die Montan-Uni Leoben, auf den Plätzen folgen die BOKU in Wien und die TU Graz. Bei den Fachhochschulen haben die IMC FH Krems, das Management Center Innsbruck und die FH Oberösterreich die Stockerlplätze erreicht.
Besmir (22): „Ich kann hier alles zu Fuß oder mit dem Rad erreichen. Die Stadt ist ein bisschen limitiert, aber man gewöhnt sich daran. Ich würde nicht lieber in Wien oder Graz studieren, denn der Standort macht die Uni aus. So wird man schnell mit dem Studium fertig und ist nicht dauernd abgelenkt.“
Andreas (24): „Die Studienbedingungen sind in Leoben hervorragend. Den Studenten steht eine exzellente Ausstattung zur Verfügung und führende Industrieunternehmen befinden sich in der Nähe. Das Leben ist ein bisschen langweilig, weil es in Leoben weit weniger Fortgeh- und Freizeitmöglichkeiten als in Wien gibt. Der geringe Frauenanteil an der Montanuni ist auch nicht gerade ein Vorteil.“
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... und wir werden alle sterben. Na und? Eine Pessimistin verachtet Positive Thinking und die Sehnsucht nach dem Happy End
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uf der Anzeige der Wiener Linien springen die kleinen gelben Punkte hin und her (Zug fährt ab) und die nächste U-Bahn kommt erst in 10 Minuten. Ich fange an zu rennen, haste die Rolltreppe runter und natürlich fährt die Bahn mir genau vor der Nase davon. Als der nächste Zug dann endlich kommt, zuckelt der auch noch im Schneckentempo dahin, mindestens drei Babys schreien und es gibt keinen Platz zum Sitzen. Wiedermal typisch. Jetzt komm ich zu spät ins Seminar, obwohl ich extra früh weggegangen bin und meinen iPod hab ich auch noch zu Hause vergessen. Auch im Hörsaal sind wieder alle Plätze besetzt, sodass ich am Boden hocken muss. Toll, heute hat sich wiedermal alles gegen mich verschworen! „Warum passiert so was immer nur mir?” Die Frage hat sich jeder schon mal gestellt. Wenn nach einem richtig beschissenen Tag noch so eine Frohnatur daherkommt und einem rät, weniger zu jammern und die Dinge positiv zu sehen, dann ist mein Fass endgültig übergelaufen. Menschen, die ständig nur Sonnenschein sehen und das Blaue vom Himmel versprechen, machen mich wahnsinnig! Man wird gelegentlich scheitern und sollte sich dessen bewusst sein. Seine Probleme auszusprechen tut gut – und in Österreich ist der Himmel nun einmal verdammt oft grau.
ABBILDUNG: CHRISTIAN BRETTER
Einer ähnlichen Meinung ist auch der britische Journalist Oliver Burkeman. In seinem Buch The Antidote sagt er den Positivdenkern und hoffnungslosen Optimisten dieser Welt den Kampf an: Ein großes Problem unserer Gesellschaft liege darin, dass wir unfähig sind, negative Gefühle und Versagen zu akzeptieren. Dafür nimmt er die USA als ideales Beispiel. In keinem anderen Land gibt es so viele Selbsthilfegurus und Motivationsseminare. Mit gespielter Freundlichkeit und geheucheltem Optimismus verbergen viele Menschen dort ihre wahren Gefühle. In Amerika wird man schnell als Versager bezeichnet, deshalb sollte man die Möglichkeit, zu versagen, erst gar nicht in Betracht
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ziehen. Genau das ist aber laut Burkeman das Problem. Denn wer sich Glück und Erfolg ständig vor Augen führt und versucht, alle negativen Gedanken auszublenden, erreicht genau das Gegenteil: Die ständige Konfrontation mit der Tatsache, dass man eben nicht glücklich ist. Aber Hauptsache man bleibt positiv! Kurzum: eine ziemlich bescheuerte Einstellung. Gäbe es nur Optimisten, hätten wir nie erkannt, dass wir langsam aber sicher die Welt zerstören, weil „ja eh alles gut wird”. Das heißt nicht, dass alles schlecht und trostlos sein muss – es heißt nur, die Dinge realistisch zu sehen. Im Buddhismus ist das Leiden Teil des Lebens, dessen Höhen und Tiefen es zu meistern gilt. Nietzsche meinte, der moderne Pessimismus sei ein Ausdruck der Nutzlosigkeit der modernen Welt – allerdings nicht der Welt und des Daseins allgemein. Und Schopenhauer hält den Optimismus sogar für reinen Zynismus, weil er die Leiden der Menschheit ignoriere. Ja, wir Pessimisten haben längst begriffen, dass die Welt nicht perfekt und der Tod real ist. Wir geben uns keinen Illusionen hin: Wenn wir das Schlimmste erwarten, können wir nur positiv überrascht werden. Und wenn nicht, hatten wir wenigstens Recht! Man darf schon mal schlecht drauf sein und die Welt verfluchen. Doch wer dabei in Selbstmitleid zerfließt, der ist kein Pessimist, sondern ein Jammerlappen. Denn Pessimist zu sein bedeutet nicht, jeden Tag nichtstuend im Bett zu versumpern, weil man sich denkt „ich schaff es eh nicht” – das wäre dann nämlich eine Depression und kein Pessimismus. Ein Pessimist sieht die Welt, wie sie ist – mit all ihren Übeln und den Dingen, die falsch laufen können. Und steht dazu. Gäbe es mehr Menschen, die so denken, dann würden sich die vielen naiven Heuchler und die seichten amerikanischen Hollywoodkomödien mit ihrem verdammt unrealistischen Happy End von selbst erledigen.
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Wenigstens habe ich gekotzt. Job nach dem fünften abgebrochenen Studium aufgeben. PECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHWG: In WGs ist es lustig und es ist immer was los. Dafür hat man nach fünf Jahren eine PECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPilzvergiftung vom jahrelangen Schimmelproblem. 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Die Aussicht wird toll, haben sie gesagt ... PECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHDas tut dir gut, haben sie gesagt ... LIEBE: Es fing mit Liebe an. Jetzt hab ich sieben PECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHMäuler zu stopfen und sechs davon haben ADHS. Hör auf die Katze anzuzünden, Justin-Noel! PECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHUFO: Verdammt! Schon wieder eine dieser demütigenden Untersuchungen. Dass sie PECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHauch immer eine Sonde einführen müssen. PECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHGELD: Jetzt habe ich jedes Auto PECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHgefahren und jeden Tiger Sibiriens erlegt. Der Goldwhiskey hat mich auch PECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHnicht vom Hocker gehauen. Mir ist fad! PECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHESSEN: Die Arterien verstopft, das Geschlechtsteil schon lange nicht PECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHmehr gesehen und mehr Karies als Zähne. Wenigstens ist die Torte gut! PECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHDURST 1/13 32 PECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHPECHDURST_P_33_13 33
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