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Die Suche nach dem Ich Interview mit Uni-Seelsorger Mit Tarotkarten!
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EIN BISSCHEN SINN GEFÄLLIG?
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u wirst sterben. Zumindest das ist sicher. Dieses Magazin hast du wahrscheinlich nicht aufgeschlagen, um ausgerechnet daran erinnert zu werden. Aber es kann nicht schaden, sich mit der eigenen Vergänglichkeit auseinanderzusetzen. Denn was hast du schon als dieses bisschen Leben? Und was tust du damit? Du studierst irgendwas, was dich interessiert. Oder auch nicht (mehr). Ursprünglich hast du dich vielleicht für BWL inskribiert, um mal eine Konzertagentur für Künstler aus Afrika zu gründen oder so was Ähnliches. Irgendwann bist du fertig, und dann sind doch nur Jobs im Controlling zu haben.
EDITORIAL
von ir wollen nichts mehr ungen ing ed nb die Stu n hte schlec auch lesen. Das haben wir alb sh De rt. hö ge ch von eu ft auf wuchten wir dieses He die ch eu d un s un stellen die Metaebene und dhitank ma Sa n de in für da Sinnfrage. Wir sind s n geschwiegen, um un gestiegen oder habe ben nachgefragt, ha selbst zu finden. Wir n für Antworten parat was die Weltreligione lz sind wir auf unser haben. Besonders sto piel. Wir, das sind ots selbstentworfenes Tar ter der sinnstiftenden un die , de sechs Studieren is Christian Bretter rof r-P lte Fa r de t Aufsich omas Askan Vierich (Artdirection) und Th ft für euch gebastelt He (Chefredaktion) dieses leuchtung bringen! Er ch eu es ge Mö n. habe
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Ist doch egal, redest du dir ein. Dann erreichst du eben nicht das Gipfelkreuz der Maslow‘schen Bedürfnispyramide. Denn für ein Säugetier hast du es ohnehin schon weit geschafft: Essen. Wohnung. Sex. Ein bisschen Kohle. Als Studi bist du priviligiert. Glauben die Nicht-Studierenden. Die für dich und uns zahlen. Aber trotzdem hört das Jucken an dieser Stelle, die du trotz Verrenkungen nicht erreichen kannst, nicht auf. Verdammt.
FOTO: CHRISTIAN BRETTER
Die Suche nach Zufriedenheit und Selbstverwirklichung ist ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft. Du fragst dich als Wohlstandsbürger immer häufiger nach dem Aufwachen, was das alles für einen Sinn hat. Midlifecrisis mit Anfang zwanzig. Kennen wir gut. Deine Bildung gibt dir keinen Sinn, deine Ferialjobs nicht, das wenige Geld sowieso nicht. Spaß haben macht auch keinen Sinn. Jedenfalls nicht ständig. Außerdem hast du nicht ständig Spaß, oder? Also alles noch mal auf Null stellen. Stell dir vor, morgen wäre wirklich dein letzter Tag. Wenn du zurückblickst: Hat es sich dafür schon gelohnt? Hast du was rausgeholt aus dem Geschenk des Lebens? Außer James Bond leben wir alle nur einmal. Und später wirst du das am meisten bereuen, was du nicht gemacht hast. Sagen uns kluge Leute, die das Pensionsalter erreicht haben. Und uns um unsere Jugend beneiden. s DURST 1/11
Die Mühen der Sinnsuche. Die Skulptur „Annäherungen an ... bin im Netz“ von Rosmarie Lukasser.
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INHALT
A MAN IS A SUCCESS IF HE GETS UP IN THE MORNING AND GOES TO BED AT NIGHT AND IN BETWEEN DOES WHAT HE WANTS TO DO. Bob Dylan 6
STUDIUM ABBRECHEN? JA / NEIN
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GASTKOMMENTAR VON INGRID BRODNIG
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TIPPS UND VERRISSE
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FESTIVAL-VORSCHAU
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DIE SINN-UMFRAGE Studierende stellen Fragen, die ihnen auf der Seele brennen. Antworten konnten wir ihnen leider keine geben.
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NACHRICHTEN AN DIE ELTERN Manche Dinge bleiben besser ungesagt – das gilt besonders für Studierende und ihre Eltern. Uns wurden entlarvende Dokumente zugespielt.
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STUDIEREN HEUTE GESTERN MORGEN Früher war vielleicht nicht alles besser, aber mit Sicherheit alles anders. Studienbedingungen im Spiegel der Zeit.
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BEIM BIKRAM YOGA 42 Selbstversuch 2: Martina Powell hat die extremste und umstrittenste Form des Yoga ausprobiert: Mehr als Schwitzen und Schmerz? IM SAMADHITANK Selbstversuch 3: Raffael Fritz ist in einen mit Salzwasser gefüllten Tank gestiegen, um eineinhalb Stunden zu schweben.
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DIE WEGE DES ICH Elisabeth Samsonow ist Künstlerin und Professorin an der Akademie für Bildende Künste. Sie beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Kunst, Religion und Kult.
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SABBATICAL IN DÄNEMARK Die Folkehøjskolen in Dänemark sind einzigartig: Hier kann man bis zu ein Jahr „aussteigen“ und abseits vom Notendruck einfach mal ausprobieren, was einem liegt.
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STANDORTVERGLEICH Lohnt sich auswandern? Wir haben wichtige Unistädte in aller Welt verglichen: inklusive Studiengebühren, Bierpreisen, Mieten und Sexualverhalten der Eingeborenen.
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LOHNT SICH STUDIEREN NOCH? 22 Ein Hochschulstudium ist keine Garantie (mehr) für einen gutbezahlten Job und ein erfülltes (Berufs-)Leben. Also was bringt es wirklich?
SENIORENSTUDIUM 51 Ist man erst jenseits der sechzig, stellen sich andere Fragen. Jetzt studiert man unter ganz anderen Voraussetzungen. Macht das Sinn?
INTERVIEW: SEELSORGER SCHÜLLER Pfarrer Helmut Schüller predigt den Turbokapitalisten an der WU moralische Integrität und menschliche Werte.
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STUDIEREN IN BURKINA FASO 53 Auslandserfahrungen radikal: Unser Korrespondent in Afrika wollte es wissen. Und ist nicht wirklich zum Studieren gekommen.
TAROT DURST hat das komplizierte Tarot neu erfunden: Vergesst Aleister Crowley und alle anderen Esoteriker: So einfach war die Wahrsagerei noch nie!
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PRAKTIKUM BEI NGO 54 In der Ferien arbeiten für eine gute Sache. Menschen helfen, Dinge voranbringen. Gute Idee. Nur warum soll man dafür auch noch zahlen?
SINNFRAGEN Wir haben uns mit einer Pfarrerin, einer Muslimin, einem Rabbi, einer Buddhistin, einem Biologen und einem Mathematiker getroffen, um die ganz großen Fragen zu klären.
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WO IST MEIN ICH ICH ICH? Wir leben im esoterischen Zeitalter. Alle suchen sich selbst oder den Sinn des Lebens oder zumindest einen schnellen Weg zum Glück. Man sollte sich nicht verrückt machen lassen.
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IM SCHWEIGESEMINAR Selbstversuch 1: Mara Simperler hat versucht für möglichst lange Zeit die Klappe zu halten, um sich selbst zu begegnen.
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SCHREIN DER LIEBLINGSDINGE Es braucht kein Grabtuch und keine Kreuzsplitter, um ein wenig Transzendenz in sein Leben zu bringen. Die Redaktion zeigt ihre Reliquien und Artefakte, die bis jetzt in keinem Museum stehen.
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MALEN NACH ZAHLEN 58 Für eifrige Leser des Hefts ist unser Malen-nach-Zahlen-Rätsel ein Kinderspiel und birgt die Anwort auf so manche schwierige Frage. APOKALYPSE 61 Der Weltuntergang ist (so gut wie) da und Vorsicht ist besser als Nachsicht – DURST hat alle Infos zur bevorstehenden Apokalypse. DER HASE IST TOT
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ILLUSTRATIONEN: KURT RUDOLF
REDAKTION / IMPRESSUM
FRISCHE Was Sie über Energiesparen, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein wissen müssen, finden Sie auf der neu gestalteten Plattform Energieleben „Gibt es zu 100 Prozent erneuerbare Stromversorgung: klimaverträglich, sicher, und dabei bezahlbar?“ Oder: „Wie viel Uran nehmen wir ungewollt zu uns?“ Solche und andere Fragen beantworten Experten in eigenen Blogs auf der neu gestalteten Internet-Plattform „Energieleben“. Auf der von Wien Energie initiierten Plattform gibt es darüber hinaus eine Video-Serie zum Thema „Ökologischer Fußabdruck“, Tipps zum Energiesparen, Infos zu Klima, nachhaltigem Lifestyle, Energiepolitik und Mobilität, Technik und eine Rubrik „Öko-Schule.“
Die Internet-Plattform „Energieleben“ ist neu gestaltet: Das sehr ansprechende und abwechslungsreiche, dabei klar überschaubare Layout bringt größere Fotos und mehr Weißräume. Die Plattform gewinnt so Magazincharakter. Außerdem wurde die Navigation durch alle Themen, die mit Energie zu tun haben, verbessert. Neu ist auch eine Online-Energieberatung in Kooperation mit kompetenten Partnern. Ein E-Mail genügt, um rasch Auskunft zu bekommen. Wer bereits für die Wien Energie OnlineServices angemeldet ist, kann sich mit seinem Benutzer auch auf energieleben.at einloggen. Ja, wie ist das nun mit dem Uran, das wir zu uns nehmen? Die Expertin schreibt im Blog: „Die meisten Menschen gehen davon aus, dass sie vom Gesetzgeber geschützt werden. Dass dem leider nicht so ist, zeigt, dass es in Österreich gar keine Grenzwerte für Uran im Trinkwasser gibt!“ Wie das weitergeht, erfahren Sie auf
www.energieleben.at
Die Website www.energieleben.at erstrahlt in neuem Glanz
REDAKTION
JESUS DIED FOR SOMEBODY‘S SINS BUT NOT MINE. Patti Smith
Georg Eckelsberger wurde schon im Kindergarten in die Rolle eines religiösen Anführers gedrängt, tauschte das Bischofsgewand jedoch nach dem Fasching gegen ein schlichtes Büßerhemd ein.
Mathias Morscher erhielt vom Fotografen nach der Erstkommunion das Kommando: „Schau zum lieben Gott.“ Vielleicht ist das Antlitz des Herrn der Grund, wieso er hier so heilig aussieht?
Ann-Kathrin Slupek passt zum Glück nicht mehr in das geschmacklose Kleid. Die Süßigkeiten aus ihrer Einschulungstüte sind mittlerweile auch aufgegessen, die Buntstifte aufgebraucht.
Martina Powell geht nur mehr wegen des Papageis im Turm in die Dorfkirche. Dank Schlafentzug weiß sie nämlich sowieso, wie das Nirvana aussieht. Auf ihrem Tauffoto wirkt sie noch entspannt.
Raffael Fritz hätte den gekreuzigten Jesus gern nach der Erstkommunion zu seinem ersten China-Restaurantbesuch mitgenommen, er sah so verhungert aus. FOTOS: PRIVAT
Mara Simperler wurde erst mit sieben getauft. Sie kann sich zwar erinnern, wie ihr Freunde Weihwasser-Kreuze auf die Stirn malten, aber auch, dass sie dabei nicht vom heiligen Geist durchfahren wurde.
IMPRESSUM: MEDIENINHABER: Falter Zeitschriften G.m.b.H., Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, T: 01 536 60-0, E-mail: durst@falter.at, www.falter.at. REDAKTION: Thomas Askan Vierich (Ltg), Martina Powell, Mara Simperler, Georg Eckelsberger, Raffael Fritz, Ann-Kathrin Slupek, Mathias Morscher. ART-DIRECTOR: Christian Bretter. ILLUSTRATION: Kurt Rudolf. FOTO: Christian Bretter, Georg Eckelsberger, Mara Simperler. Thomas Askan Vierich und wie angegeben PRODUKTION: Reinhard Hackl. ANZEIGENVERKAUF: Sigrid Johler (Leitung). GESCHÄFTSFÜHRUNG: Siegmar Schlager. Druck: NÖP Druck- und Verlagsges.m.b.H., DVR-Nr. 047 69 86
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STUDIUM ABBRECHEN? Immer eine gute Idee! Oder doch nicht? Hier unsere Checkliste.
ja
nein
Steve Jobs hat letzte Woche bei dir angerufen und gesagt, dass er deine Idee für einen Hybrid aus iPad und Nacktscanner „awesome“ findet. Am Montag fliegst du zum Vorstellungsgespräch nach Cupertino.
Dein Papa hat gesagt, du darfst erst die Firma übernehmen, wenn du „Doktor“ bist. Dich interessiert dein Studium wirklich. Dir schmecken die Spaghetti in der Mensa.
Die Bücher auf deinem Nachttisch tragen mehr zu deiner Allgemeinbildung bei als die Seminarlektüre. Du weißt eh schon alles. Deine Sitznachbarn im Seminar reden dich mit „Sie“ an und du bist noch nicht im Seniorenstudium. Du hast eine Sofortanstellung als pragmatisierter Beamter in Aussicht. Du musst beim Gedanken an Seminararbeiten spontan kotzen. Du befindest dich seit drei Jahren in der Studieneingangsphase. Taxifahrer - Kellnerin - Call Center Agent: Das sind doch auch schöne Berufe. Deine Freundin/dein Freund zieht nach Botswana und du willst mit.
Du kannst dir ein Leben ohne Studentenrabatt nicht vorstellen. Du hättest ansonsten nur eine Sofortanstellung als pragmatisierte Beamtin in Aussicht. Fußnoten und Quellenangaben sind für dich, was für andere der neue Dan Brown ist. Du willst Arzt/Anwältin/Harvardprofessor/in werden und hast nicht genug Geld für ein gefälschtes Diplom. Du willst beim nächsten Unistreik ganz vorne dabei sein. Du bist in deinen Professor verliebt. Du schätzt lange Ferien. Du willst nicht mehr taxifahren/kellnern/ fremde Leute am Telefon nerven. Dein Erbonkel erfreut sich bester Gesundheit.
Ein Abschluss in einer Lehre ist auch gut. Denn in Australien sucht man Hafner und Tischler.
Du liebst unbezahlte Praktika.
Dein erster Roman erscheint in einer Erstauflage von 50.000 Stück.
Mama und Papa enterben dich sonst.
Lady Gaga vertont deine Weihnachtsgedichte.
Du kannst ansonsten nicht unauffällig Drogen am Campus verticken.
Du hast im Lotto gewonnen.
450 € für eine Öffi-Jahreskarte in Wien!
Was könntest du sonst tun?
Was solltest du sonst tun?
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WEBGEBET von Ingrid Brodnig
Liebe User und Userinnen, wir haben uns heute hier versammelt, um gemeinsam der Größe des Webs zu gedenken. Lasset uns beten!
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m Namen des Internets und des Google und des Heiligen Twitter. Amen. Ich glaube an das Internet, das Web, das weltweite, den Schöpfer von Wikipedia und YouTube, und an Google, seine eingeborene Suchmaschine, unsere Startseite, empfangen durch Sergey Brin, geboren von Larry Page, gewachsen unter Eric Schmidt, hinabgestiegen in das Reich der Chinesen, am dritten Tage auferstanden von den Zensoren, aufgefahren in den Himmel, es sitzt zur Rechten von Wikileaks, dem allwissenden Informanten; von dort wird er kommen, zu enthüllen alle Geheimnisse und Daten. Ich glaube an das Heilige Twitter, die Verwendung des Hashtags, Gemeinschaft der Follower, Vergebung der Tippfeler, Auferstehung der toten Links und das ewige Tweeten. Amen. Ehre sei dem Kopieren und dem Sharen und den heiligen Tauschbörsen, wie im Upload, so auch im Download. Amen YouTube unser im Web, Geheiligt werde dein Portal. Dein Audio komme. Dein Video geschehe, wie am iPhone so auch am iPad. Unser tägliches virales Video gib uns heute. Und vergib uns unsere schlechte Datenleitung, wie auch wir vergeben unsern Breitbandanbietern. Und führe uns nicht in Länderfilter, sondern erlöse uns von den gesperrten Clips. Denn dein ist das Musikvideo und das Katzenvideo und das Hundevideo in Ewigkeit. Amen. Gegrüßet seist du, Facebook, voll der Gnade, das Web ist mit dir.
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Du bist gebenedeit unter den Social Networks, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, die Pinnwand, die unser Leben bereichert, heiliges Facebook, Mutter der Statusmeldung, bitte gib uns die Pinnwandeinträge jetzt und in der Stunde unseres Logouts. Amen. Ehre sei den Emoticons und dem LOL und dem OMG, wie im Web 1.0, so auch im Web 2.0 in alle Zeit und in Ewigkeit. Amen O, mein Google, verzeih uns unsere Suchanfragen, bewahre uns vor dem Error 404, führe alle E-Mails zu dir ins Gmail, besonders jene, die unserer Aufmerksamkeit am meisten bedürfen. Amazon unser im Web, geheiligt werde dein Angebot. Deine Bestellung komme. Deine Empfehlung geschehe, wie auf Amazon.com so auf Amazon.de. Unser tägliches Schnäppchen gib uns heute. Und vergib uns unsere abgelaufenen Kreditkarten, wie auch wir vergeben den säumigen Paketausträgern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von den Zustellgebühren. Denn dein ist der Einkaufskorb und die Kundenempfehlung und das 1-Click-Bezahlsystem in Ewigkeit. Amen Ehre sei dem Internet und dem Facebook und dem Heiligen Twitter, wie beim Hochfahren, so auch im Abmelden. Amen. O, mein Internet, verzeih uns unsere Trolle, bewahre uns vor den Fails, führe alle Seelen zu dir ins Web, besonders jene, die noch kein Smartphone haben. Amen.
1010 Wien, Rotenturmstrasse 19; 1010 Wien, Walfischgasse 3; 1070 Wien, Mariahilfer Strasse 22–24; 1070 Wien, Mariahilfer Strasse 68; 1110 Wien, Simmeringer Hauptstrasse 96a; 1120 Wien, Meidlinger Hauptstrasse 20; 1170 Wien, Elterleinplatz 12; 1170 Wien, Hernalser Hauptstrasse 42–48; 1190 Wien, Billrothstrasse 41; 1210 Wien, Turek Center, Schlosshoferstrasse 11–15; 1220 Wien, Donauzentrum, Donaustadtstrasse 1; 2320 Schwechat, Wiener Strasse 12–16
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TIPPS & VERRISSE
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TSCHERNOBYL HEUTE
REZENSIONEN
COMPUTERSPIELE
Zum 25. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe kommt eine Wanderausstellung nach Wien.
Fotos von Rüdiger Lubricht aus dem Bildband „Verlorene Orte. Gebrochene Biografien“
Von der Kunst, über Depressionen und schwabbelnde Hoden zu schreiben.
Teamarbeit, Wirtschaftszusammenhänge, Konfliktlösungen kann man spielerisch erfahren.
s war das größte Unglück in der Geschichte der Atomenergie: Im April 1986 explodierte der Reaktor im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl. Laut OECD-Studie starben allein in Österreich 1700 Menschen an den Folgen der Katastrophe oder werden in den nächsten Jahrzehnten noch sterben. Die Wanderausstellung „25 Jahre nach Tschernobyl – Menschen – Orte – Solidarität“ präsentiert neben Zeitzeugengespräche und Begleitveranstaltungen vom 2. bis 7. Mai in Wien vor allem die atemberaubenden Fotos von Rüdiger Lubricht aus dem Band „Verlorene Orte. Gebrochene Biografien“ (Internationales Bildungs- und Begegnungswerk). Am 5. Mai um 19 Uhr liest Hans Platzgumer aus seinem TschernobylRoman „Der Elefantenfuß“ und gibt danach ein Solokonzert. Der Eintritt ist frei. Bezirksamt Neubau, Herrmanngasse 24-26, 1070 Wien. Für eine Teilnahme an Führungen und Zeitzeugengesprächen sollte man sich unter der Nummer 01 / 812-57-30 DW 52 anmelden.
PUDDINGSEX „Sein dunkler Hodensack schwabbelte rythmisch wie ein Stück Wackelpudding.“ Mit solchen bildhaften Beschreibungen illustriert die deutsche Jungautorin „Kira Licht“
WIRTSCHAFTEN IM KLEINEN Das Onlinespiel „Miniconomy“ ist noch immer ein Renner: Über 60.000 User aus 121 Ländern handeln, bauen Banken und Firmen, gründen Parteien
in ihrem Buch „UNISEX“ vor allem eines: Dass es verdammt schwer ist, über Sex zu schreiben, ohne ins Lächerliche, Eklige oder Banale abzugleiten. Den Stoff für ihre Buch – so heißt es – hätte die „Expertin für das wilde Campusleben“ (Zitat Klappentext) bei anderen Studierenden gesammelt, die in Beiträgen wie „Fiek disch!“ oder „Wie viele Männer sind okay?“ von ihren Liebesabenteuern erzählen. Von Beitrag zu Beitrag schwankt der Sammelband dann zwischen schmalzigem Akademiker-Groschenroman und pseudoliterarischer Wichsvorlage. Wild geht anders. „UNISEX“ von Kira Licht; erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 2010.
oder werden Bürgermeister. Im Mikrokosmos dreht sich alles um die Wirtschaft – und das so lebensecht, dass das Spiel auch von Lehrern genutzt wird, um Schülern und Studenten Prinzipien von Wirtschaft und Handel zu erklären. http://www.miniconomy.nl
WINNTÄTSCH
HOSENTASCHEN-COUCH Die 144 Tipps, die US-Autorin Therese Borchard in ihren Ratgeber „Der Therapeut für die Hosentasche“ gepackt hat, hat sie – wie könnte es anders sein – in der Therapie gelernt: Borchard
Wer etwas auf sich hält, trägt die alten Sachen von fremden Leuten.
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as grüne Sakko hat er am Flohmarkt gekauft, sagt D. und strahlt. Hat nur ein paar Euro gekostet und ein Zweites – braun mit gelben Nähten – gab‘s gratis obendrauf. Und weil D. immer weiß, was sich szenemäßig gehört, bedeutet das: Wer heute etwas auf sich hält, trägt keine Marken, sondern die alten Sachen von fremden Leuten. Das hieß früher Second-Hand und heißt jetzt Vintage (Österreichisch: Winntätsch). Und während Mama früher in die Tauschzentrale ging, um günstige Skischuhe für den Nachwuchs zu bekommen, geht man heute in Wien zum „Flohmarkt“ ins Schikaneder, ins Café Nil oder in die Transporter Bar. Denn das ist nicht nur günstig, lässig und irgendwie nachhaltig, sondern auch ideal zum Nette-Jungs-undMädels-Kennenlernen. Und nicht vergessen: Wenn dich jemand fragt, wo du deine neue 300-Euro-DieselJacke her hast, sagst du einfach: „Vom Flohmarkt. Im Schikaneder.“
leidet selbst unter Depressionen und hat unterschiedlichste Behandlungen und Selbsthilfegruppen ausprobiert. Ob ihre gesammelten Weisheiten, die man alle schon mal irgendwo gehört hat, in emotionalen Notfällen tatsächlich den Therapeuten ersetzen können, sei dahingestellt. Aber wenn das Büchlein mit seinen Alltagsweisheiten dem einen oder anderen Selbsthilfe-Anhänger hilft, sich ein wenig besser zu fühlen, dann kann man auch mal ganz unzynisch sagen: Gute Sache, lassen wir okay gehen. „Der Therapeut für die Hosentasche“ von Therese Borchard; in dt. Übersetzung erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 2011.
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KONFLIKTSTUDIE HAUTNAH Wolltest du schon immer Journalist in Palästina sein? Kinderarbeit in Bangladesch bekämpfen? Einen Mord an einem Politiker in Guatemala untersuchen? Im
mehrfach ausgezeichneten Videospiel „Global Conflicts“ kannst du genau das tun. Der Spieler reflektiert über Themen wie Demokratie, Menschenrechte, Globalisierung, Terrorismus, Klima und Armut. Für Einzeluser kostet die Spiellizenz 10 Euro. http://www.globalconflicts.eu
TEAMSPIEL Du gehst deinem Gruppensprecher an die Gurgel. Der Sitzungssaal mutiert zum Schlachtfeld. Zeit, dass ihr einen Blick auf das Lernspiel „NoviCraft“ werft. In der kostenpflichtigen 3D-Welt bauen die User
Häuser, finden gemeinsam den Weg aus einem Labyrinth oder machen Feuer. Nach erfolgreicher Lösung sei die gute Teamentwicklung auch in der realen Welt gesichert, versprechen die Spielemacher. http://www.novicraft.com DURST 1/11
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Karte ausfüllen, abtrennen und an den FALTER schicken bzw. faxen, oder das Abo einfach elektronisch bestellen. FALTER, PF 474, 1011 Wien, T: 01/536 60-928, F: 01/536 60-935, E: service@falter.at, www.falter.at/studierendenabo. Das FALTER-Studierenden-Abo verlängert sich automatisch nach Ablauf des Abo-Zeitraumes zum jeweils gültigen Abo-Preis.
DA MÜSSEN WIR HIN FESTIVALS JENSEITS DES MAINSTREAMS
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rund 140 Beiträgen und Highlights von Berlinale, Cannes, Locarno und Venedig. Auf der Programmschiene „Architektur und Film“ werden außerdem vier österreichische Filmprojekte präsentiert, die vom räumlichen Nebeneinander unterschiedlicher Kulturen, Religionen und den politischen Rahmenbedingungen erzählen. Karten gibt‘s ab 1.4. im Vorverkauf. www.crossingEurope.at
25.3.–10.4. Wien
Soundframe Krieger
über elektronische Kunst, Technologie und Design. Für Studenten gibt es den All-Inclusive Festivalpass um 160 Euro. www.springfestival.at
St.Pölten. Das „US-Wunderkind“ bastelte Remixes für Lady Gaga oder die Black Eyed Peas. Superstar Moby gibts als Draufgabe. www.beatpatrol.at
JAZZ FEST WIEN 27.6.–15.7., Wien
Martin Solveig
DONAUFESTIVAL 28.4.–7.5., Krems
PICTURE ON 12.8.–13.8. Bildein, Burgenland
Depart AlterEgo Im fünften Festival-Jahr geht es theoretisch wie künstlerisch um „perFORMance“. Dabei steht die Frage, welche Auswirkungen technische und gesellschaftliche Entwicklungen auf das Zusammenspiel von Sound und visuellen Medien haben, im Mittelpunkt. Eröffnet wird das Festival am 25.3. mit Auftritten „audio-visueller“ Bands, elektronischer Live Acts, Live Visuals und einer dicken Party in der Ottakringer Brauerei in Wien. www.soundframe.at
SPRINGFESTIVAL 1.6.–5.6. Graz
CROSSING EUROPE Filmfestival, 12.4.–17.4. Linz Caribou Mit einer Mischung aus elektronischer Musik, Kunst, Technologie und Design hat sich das Springfestival in mittlerweile zehn Jahren einen Namen gemacht. Neben Caribou aus Kanada und dem französischen Techno-DJ Feadz vermischen die Jungle Brothers aus den USA HipHop mit Jazz. Bei den „Springsessions“ diskutieren Interessierte
Neukölln Unlimited Stadt, Migration und Identität – darum geht es bei der achten Auflage des internationalen Filmfestivals. Mit
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Thomas Quasthoff Vor genau zwanzig Jahren fand das Wiener Jazz Fest zum ersten Mal statt. Zum Jubiläum wollen die Veranstalter beweisen, dass man es „in den Kreis der drei wichtigsten Jazz-Festivals der Welt“ geschafft hat. Dazu holen sie international renommierte Musiker nach Wien und lassen sie in der Staatsoper, im Museumsquartier oder im Rathaus auftreten. Diesmal unter anderem mit Madeleine Peyroux, Thomas Quasthoff und Omara Portuondo. Wer dabei sein will, muss etwas tiefer in die Tasche greifen: Die billigen Plätze gibt es ab 35 Euro, weiter vorne wird‘s schnell teurer. www.viennajazz.org
BEAT PATROL 22.7.–23.7. St. Pölten Neben Electro-Stars wie Tiësto aus den Niederlanden, dem Franzosen Martin Solveig und Steve Aoki aus Miami kommt im Juli Skrillex nach
Gentleman
Russkaja Im 300-Seelen Dorf Bildein wird‘s wieder laut: Künstler wie Russkaja, Gentleman und die Hardrocker Seventh Void aus den Staaten kommen ins Burgenland, um Bildein an der Grenze zu Ungarn für zwei Tage durchzurütteln. Unter dem Motto „rock the blues, rock the jazz, rock the funk!“ findet im Vorfeld des österreichischen Festivals mit dem „cleversten“ Namen das für 50 Teilnehmer konzipierte Rockseminar statt. Nach dem Muster „Unterricht am Tag, Sessions am Abend“ sollen in einer Intensiv-Woche neue Techniken erlernt und Erfahrungen ausgetauscht werden. www.pictureon.at DURST 1/11
DEPART-ALTEREGO, AGOSTINO IMONDI & DIETMAR RATSCH, HARALD HOFFMANN / JAZZFEST WIEN, NIKI WITOSZYNSKYI, OLAF HEINE, ZVG BEATPATROL
Madeleine Peyroux James Blake Das etwas andere Rockfestival: Beim Donaufestival in Krems spielen unter anderem der britische Newcomer James Blake, die Elektropop-Band Ladytron und Artrocker John Cale & Band. Wochenendtickets für Frühbucher um 75 Euro gibt es nur so lange der Vorrat reicht. Vollständiges Programm sowie Einzeltickets ab 10. März. www.donaufestival.at
FOTO: CHRISTIAN BRETTER; ILLUSTRATION: KURT RUDOLF
DIE JUNGEN STAUNEN ÜBER MANCHE FRAGEN, DIE MAN SICH AUCH STELLEN KANN. HELMUT SCHÜLLER, SEITE 25 Geklebte Malerei. Ausschnitt eines Klebefolienbildes von Christian Ganzer und Kurt Rudolf. DURST 1/11
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UMFRAGE
EINE FRAGE DES SINNS Es sind die großen und kleinen Fragen, die uns beim Produzieren dieses Heftes begleitet haben. Aber welche Fragen beschäftigen andere Studierende? DURST hat sich vor der Uni Wien umgehört. Antworten gibts leider keine. Von Mara Simperler & Georg Eckelsberger
Sarah, 25, studiert Internationale Entwicklung in Wien und kommt eigentlich aus Bayern. Sie sorgt sich um ihre persönliche Zukunft, aber auch um die der Welt.
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Sebastian, 19, studiert Chemie und Mathe auf Lehramt. Seine Rechenkünste braucht der Wiener momentan hauptsächlich dafür, sich einen Plan zu überlegen, die Familienbeihilfe zu behalten.
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FOTOS: MARA SIMPERLEER UND GEORG ECKELSBERGER
Murat, 23, studiert Informatik an der TU-Wien. Um sich neben dem Studium etwas dazuzuverdienen, verteilt der gebürtige Türke Flyer vor der Hauptuni.
Ruyao, 33, studiert in Wien Theaterwissenschaften und kommt aus Taiwan. Sie ist Mutter, hat einen Teilzeitjob und fragt sich, wie sie es schaffen soll, nebenbei noch möglichst flott zu studieren.
Simon, 23, kommt aus Oberösterreich und studiert in Wien Jus und Theaterwissenschaften. Zum Ende des Studiums bleibt für ihn bislang eine wichtige Frage unbeantwortet.
Christina, 19, zog von Kärnten nach Wien, um an der Hauptuni Geschichte und Mathematik auf Lehramt zu studieren. Sie steht kurz vor ihrer ersten richtigen Prüfung an der Uni.
Josef, 22, kommt aus Wien und studiert „derzeit“ Jus – er hat Zweifel bekommen und überlegt sein Studium zu wechseln. Nebenbei beschäftigen ihn die großen Bildungsfragen.
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LIEBE MAMA, LIEBER PAPA... Die meisten Eltern haben keine Ahnung, was ihre studierenden SprÜsslinge treiben. Erklärungen machen alles nur noch schlimmer. Entlarvende Dokumente wurden uns zugespielt.
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DAMALS, GESTERN, HEUTE, MORGEN Das süße Studentenleben: Wir sind nicht die erste Generation mit Problemen und Privilegien! DURST hat sich umgehört, wie das früher so war – und sich ausgemalt, wie es bald sein wird. Von Mathias Morscher
STUDIUM
JOB
ESSEN
SEX, DRUGS & ROCK ‘N‘ ROLL
WOHNEN
MUST-HAVE
KARRIERECHANCEN
1980
2011
2030
Die Hörsäle sind so voll wie heute, die Professoren eigentlich okay, die Assistenten Marxisten und die Studis langhaarig. Es gibt noch keine Studienberatung – man muss sich selbst um alles kümmern. Getippt wird auf der Schreibmaschine und recherchiert in der Bibliothek. Dafür spricht noch niemand von MINT.
Heuer blühen die Euphemismen. „Knock-Out“-Prüfungen werden bald „Knock-In“-Prüfungen genannt. Die Familienbeihilfe gibt’s nur noch bis 24 und die Studiengebühren („Freiwilliger Zukunftsbeitrag“) sind auch nicht mehr weit weg. Ob dadurch die Hörsäle leerer werden, bleibt dahingestellt.
Uni? Das ist so was von 2010! Heutzutage sitzt man vor dem eigenen Computer und lässt den Stream aus dem Büro der Professorin laufen, während man eine Runde Starcraft 4 zockt und die 26. Staffel „How I Met Your Mother“ ansieht. Ach ja, SoWi und GeWi sind abgeschafft, MINT regiert.
Wer arbeiten will, findet auch was, denn der Wiederaufbau ist in vollem Gange. Jedes Jahr ist besser als das vorhergehende. Die Bezahlung lässt allerdings noch zu wünschen übrig. Dafür sind Zigaretten und Bier billig.
Flyer gibt es noch nicht, Callcenter auch nicht, dafür 1000 Schilling (70 Euro) pro Tag als Medikamententester im AKH. Vor Weihnachten kann man für bares Geld Geschenke einpacken. Glückliche bedienen in den ersten Szenelokalen.
„A Eitrige mit an Buckl und a Blech“ ordert man am Würstelstand seines Vertrauens. Ansonsten steht Hausmannskost (Geröstete Knödel, Schinkenfleckerl) auf der Speisekarte.
Zuhause gibt es Spaghetti oder Spaghetti, auswärts eine Leberkässemmel oder eine Pizza. Von Dürüm, Falafel, Sushi oder Noodle-Boxen hat Österreich noch nicht viel gehört.
Essen ist so billig wie nie. Aber die Ansprüche steigen. Jetzt setzen wir auf Bio und Fairtrade. Und pflegen so unser gutes Gewissen. Auch wenn‘s kostspielig ist. Muss das iPhone 4 halt noch länger halten.
Fleischverzicht und Fairtrade haben nichts geholfen. Convenience hat sich durchgesetzt: Essen gibt es nur noch synthetisch. Also schmeiß die Pille in die Mikrowelle und nach zwei Minuten gibt es: Spaghetti.
Rauchen und trinken darf man überall. Von Drogen hat man nur gehört und der Rock‘n‘Roll ist in Österreich noch nicht richtig angekommen. Sex gibt’s jede Menge, bleibt aber wegen fehlender Anti-Baby-Pille ein riskantes Unternehmen.
Man darf trinken, man darf rauchen und wer ins Gefängnis will, darf sich mit Gras erwischen lassen. Bewusstseinserweiterung ist eher out. Koks in, aber teuer. Das Konzert- und Clubangebot ist mickrig, dafür muss man sich noch keine Gedanken über Aids und andere Geschlechtskrankheiten machen.
Trinken darf man noch, rauchen hinter Glas im Eck-Terrarium und Sex gibt es nur noch mit Gummi oder erst in der Ehe. Konzerte darf man hingegen noch ungestört besuchen, sofern der Sprung von der Bühne nicht dazugehört. Der StageDive aus den 80ern und 90ern ist – wie könnte es anders sein – verboten.
Jeder Bürger bekommt wöchentlich seine Dosis Endorphine zugeteilt, damit sich alle immer supertoll fühlen. Nach der ganzen GenderDiskussion hat niemand mehr eine Ahnung, auf welches Geschlecht sie_er eigentlich steht und lässt es darum gleich bleiben. Die Kinder kommen eh aus dem Glas.
Wohnungen sind knapp, viele von ihnen haben kein fließendes Warmwasser (Bassena!) und das Klo ist am Gang. Kein Wunder, dass die meisten Studierenden lieber ins Heim ziehen.
Kommt man von außerhalb, teilt man sich am ehesten ein Zimmer im Wohnheim. WGs sind noch knapp. Die Vermieter wollen große Wohnungen an Familien und nicht an Studierende vergeben, bei denen aus einem Lernnachmittag schnell eine exzessive und vor allem lautstarke Party wird.
Wohnen ist der größte Kostenpunkt auf der monatlichen Rechnung. Deshalb teilen sich viele Studierende eine Wohnung (Vermieter nerven immer noch, können aber nichts machen) oder bleiben gleich im Kinderzimmer picken.
Wer nicht online studieren möchte und es sich leisten kann, wohnt am Campus. Billig in praktischen Schlafröhren oder teuer in multimedialen Glaskuben. Alle anderen hocken im Hotel Mama rum (das liegt meistens im Dachgeschoß vom Hotel Oma).
Genug zu essen, ein Dach über dem Kopf und ab und zu ein Kinobesuch. Vielleicht noch eine stabile Tasche, um die Bücher heil von der Bibliothek nach Hause zu bringen.
Ohne Synthesizer, Leggins, Schulterpolster und Haarspray kann niemand leben. Für das Studium ist die Schreibmaschine (cool: Kugelkopf!) das wichtigste Werkzeug.
Sehr gut. Praktisch hat jeder nach dem Studienabschluss einen mehr oder minder gut bezahlten Job. Besonders in Studienrichtungen, die dem Wirtschaftsaufschwung helfen.
Vollbeschäftigung scheint erreichbar. Philosophiestudenten haben es aber schon schwer, einen passenden Job zu finden. Alle anderen kommen irgendwo unter. Wirtschaftsstudenten spekulieren an der Börse und heißen bald Yuppies.
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Call-Agents braucht es immer noch, genauso wie Fundraiser. FlyerVerteiler mussten umsatteln (kein Papier mehr...) und spielen jetzt Passanten und Bäume am Holodeck.
Apple, Microsoft und Google gehören seit 2023 Mark Zuckerberg. Zuckerberg gehört seit 2026 diesem Dreckscomputer, der sich eigenständig in die Börsensysteme gehackt hat. Nokia ist wieder cool. Kommt auf das Fach an. Wer sich auf ein geistes- oder sozialwissenschaftliches Studium einlässt, hat die Arschkarte gezogen. Wer sich hingegen für Technik interessiert, wird mit Handkuss genommen.
Brotlose Studien gibt es nicht mehr. Brot im herkömmlichen Sinn auch nicht. Studiert wird, was gebraucht wird und das weiß zum Glück der Dreckscomputer: Massenstudium Schaltkreispolieren.
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FOTOS: ARCHIV D. UNIVERSITÄT WIEN, DANIEL WEBER, THOMAS ASKAN VIERICH
1960
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LOHNT SICH STUDIEREN NOCH? Lasst Zahlen sprechen: Dann erfährt man zum Beispiel, dass man mit einem Studium immer noch durchschnittlich 7.500 Euro jährlich mehr verdient als mit einer Lehre. Dafür fängt man natürlich später an. Zahlen, Fakten, Daten: Mathias Morscher
2,9% 45% 27.964€ 750Monate 6 von 10 24,7Jahre 18.200 Akademiker sind in Österreich arbeitslos. Das entspricht einer Quote von 2,9 % und ist damit die niedrigste aller Arbeitslosengruppen. Hat man nur neun Jahre die Schulbank gedrückt, ist man bei einer Arbeitslosenquote von 9,4 % sehr viel stärker gefährdet beim AMS vorstellig zu werden.
49 % der Studierenden absolvieren im Laufe des Studiums durchschnittlich 2,6 Praktika. Bei 45 % aller Praktika verdient der Studierende keinen Cent. Trotzdem fühlen sich nur rund 13 % in ihrem Praktikum ausgebeutet.
QUELLEN: STATISITK AUSTRIA, BILDUNG IN ZAHLEN 2008/09 (STATISTIK AUSTRIA), STUDIERENDEN SOZIALERHEBUNG 2009, STUDIEREN MIT KIND 2009, ILLUSTRATIONEN: KURT RUDOLF
Mit 27.964 Euro pro Jahr genießt man als Akademiker den höchsten durchschnittlichen Lebensstandard. Geht man arbeiten statt weiter zu lernen und macht eine Lehre, verdient man im Lebensdurchschnitt nur 20.495 Euro. Mit Matura, aber ohne Studium, immerhin 23.111 Euro. Auch wenn es ein paar Jahre dauert, kann man also die Einkommensverluste während des Studiums wieder einholen.
750 Monate und damit ein Leben lang sucht der durchschnittliche Philosophieabsolvent nach einer Stelle, die dem Studium entspricht. Mit gerade mal 0,9 Monaten findet man als Absolvent einer Fachhochschule für Elektrotechnik bedeutend schneller den passenden Job.
6 von 10 Studierenden arbeiten zumindest gelegentlich, um über die Runden zu kommen und den Kühlschrank zu füllen. 45 % vereinbaren Studium und Job das ganze Jahr über.
Ist man gerade 24,7 Jahre alt geworden, sollte der Bachelor Titel schon hinter dem Namen stehen. Logischerweise erreicht man den Master dann mit 26,7 Jahren und mit 30,9 Jahren darf man sich mit Doktor anreden lassen, zumindest versprechen das die Statistiken.
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11.000€ 28% 9,7% 42,4h 41% 14.806,58 Milliarden Euro gab der Staat 2008 für die Bildung aus. Davon erhielten die Fachhochschulen 247,33 Millionen und die Universitäten 3.090,64 Millionen Euro. Ein Universitätsstudent kostet damit pro Jahr gut 11.000 Euro. Studierende an einer Fachhochschule ca. 6.700 Euro.
Studieren macht krank! 28 % der Studierenden geben an, von Arbeits- und Konzentrationsschwierigkeiten geplagt zu sein. 16 % haben stressbedingte Erkrankungen und 15 % psychische Probleme und Ängste. Besonders hohe Werte erringen Theologiestudierende bei Konzentrationsschwierigkeiten.
Studieren führt zu Kindern. 9,7 % der Studierenden hatten 2009 mindestens ein Kind. An den Pädagogischen Hochschulen waren es sogar 22,1 %. Bei Fachhochschulen und Universitäten liegt die Kinderrate bei 6,2 % respektive 8,9 %. An einer Fachhochschule für Naturwissenschaften lag die Rate 2009 bei 0.
Durchschnittlich beträgt der Zeitaufwand der Studierenden für Studium und Erwerbstätigkeit 42,4 Stunden pro Woche. Am härtesten trifft es Fachhochschulstudenten mit einem Zeitaufwand von 51,7 Stunden. Auch Studierende der Kunstuniversitäten kommen auf 47,4 Stunden pro Woche.
Am Ende des Geldes noch zuviel Monat übrig? 41% der Studierenden erhalten weder Förderung noch Beihilfe. Nur 20,7 % sind „arm“ genug, um monatlich ein paar Euro Studienbeihilfe auf das Konto überwiesen zu bekommen.
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DEM BLÖDSINN MUSS MAN ETWAS ENTGEGENHALTEN Monsignore Helmut Schüller unterrichtet Ethik an der Wirtschaftsuniversität Wien und arbeitet dort als Seelsorger. Ist das notwendig? Vielleicht mehr denn je? DURST hat ihn in seinem nüchternen Büro an der WU besucht. Interview: Georg Eckelsberger
Die meisten sagen Herr Schüller, manche sagen Herr Pfarrer, beides ist okay für mich.
rechtfertigen kann. Wozu ich beitragen möchte, ist eine differenzierte Sichtweise. Ich möchte nicht, dass alles in einen Topf geworfen wird mit dem, was der Papst oder einzelne Bischöfe von sich geben. Das widerstrebt mir.
Sie sind Universitätsseelsorger. Was tun sie?
Universitätsseelsorger heißt im Namen der Kirche auf Universitätsboden Angebote der Kirche machen. Wir sind nicht Angehörige der Universität, sondern Mitarbeiter der römischkatholischen Kirche, Spezialabteilung Hochschulgemeinde. Unsere Angebote umfassen Diskussionen, Gottesdienste, Exkursionen und persönliche Gespräche, wenn die jemand sucht. In Wien arbeiten drei Seelsorger, ich bin für die BOKU und die WU zuständig. Muss man katholisch sein, um sich von Ihnen beraten lassen zu können?
Das ist nicht meine erste Frage. Aber viele sagen das von sich aus. Andere sagen, sie seien ausgetreten, hätten gar kein Bekenntnis. Aber sie wollten mit jemandem sprechen, der einer Religionsgemeinschaft angehört. Lassen die sich von Ihnen den Katholizismus erklären?
Katholizismus interessiert sie weniger, eher ein Austausch über Glauben und Leben. Müssen Sie sich oft für die Kirche rechtfertigen?
Rechtfertigen müssen sich die, die etwas zu verantworten haben. Ich habe längst aufgehört, irgendjemandes Anwalt zu sein, vor allem wenn ich es selbst nicht verstehe und nicht
Wie steht die katholische Kirche überhaupt in der Studentenschaft da?
Das kommt darauf an. Bei vielen nicht sehr gut, es gibt aber auch einige, die direkt aus dem Engagement in der Kirche kommen, die das differenzierter sehen. Sie teilen das: Die Kirche, wie sie sich im Allgemeinen präsentiert imponiert mir nicht gerade, um es gelinde auszudrücken. Aber sie haben gute Erfahrungen aus der Gemeinde, der Basis und sagen: Das ist für mich Kirche und das prägt mich. Es gibt nicht wenige, die sagen, sie interessieren sich deshalb für Gerechtigkeit und Verantwortung, weil sie es in der Gemeinde diskutiert haben. Andere die überhaupt keinen Kontakt zu der Gemeinde haben, sind darauf angewiesen, was sie lesen. Und das ist überwiegend negativ. Aber wenn die Studenten gar nichts mit der Kirche zu tun haben wollen, dann kommen sie eh nicht zu mir. Wenn sie kommen, halten sie es offenbar zumindest für möglich, dass es da noch andere Facetten gibt. Über die redet man dann. Mit welche konkreten Anliegen kommen Studierende zu Ihnen?
Zunächst sind es Studienentscheidungen. Bin ich hier am richtigen Dampfer? Ich bin hier hineingeschlittert und studiere jetzt Dinge, die mich eigentlich überhaupt nicht interessieren. Weil ich nicht in dieses Berufsfeld hinein möchte. Dann gibt es Wertefragen,
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für Menschen, die bestimmte Vorstellungen von Gesellschaft und Wirtschaft haben, die hier zu wenig vorkommen. Dann kann man sie auch an bestimmte Personen verweisen, die hier am Haus lehren und sensibel für solche Fragen sind. Das wissen viele gar nicht. Diese Themen werden leider fast nur noch in Wahlpflichtfächern abgehandelt. Es wird nur noch der harte Kern des Wissens und des Handwerkszeug weitergegeben – die so genannten Randthemen, die aber in Wahrheit Grundfragen sind, kommen immer weniger vor. Andere kommen mit ganz persönlichen Fragen: Themen wie Partnerschaft oder schwere Erkrankungen von Verwandten usw.. All das ist in meinem Angebot inkludiert. Kommen auch Kollegen?
Ja, ich sehe es auch als meine Aufgabe für Angestellte der Universität zur Verfügung zu stehen. Lehrende kommen zu Diskussionen und auch zu Gesprächen. Zu Beginn meiner Tätigkeit habe ich einen Anruf von einem Betriebsrat bekommen. Er ist auch zu mir gekommen. Der ganze Universitätsbetrieb ist in meinem Fokus. Warum sind Sie – ausgerechnet – an die WU gegangen?
Ich habe es mir immer zur Angewohnheit gemacht, selbst Vorschläge zu machen. Nach meinem Ende als Generalvikar hatte ich ein Angebot bekommen, in die Uniseelsorge zu gehen. Vor allem in meiner Caritas-Zeit hatte ich bereits sehr viel Kontakt zur WU gehabt. Die Wirtschaft hat sich immer sehr für die Caritas als großes Non-Profit-Unternehmen interessiert, es hat Partnerschaften gegeben und so
weiter. Deshalb war mir die WU nicht fremd. All das hat den Vorschlag ergeben, den ich dem Erzbischof gemacht habe und der mich hierher geführt hat. Der unmittelbare Auslöser war allerdings der Brief eines Freundes. Auch das gibt es noch. Wie viele Studierende nutzen Ihr Angebot der Seelsorge?
Ganz verschieden. Ich warte auch nicht, bis sie kommen, sondern bin viel auf der Uni unterwegs. Fixe Sprechstundenzeiten haben sich nicht bewährt. Ich gebe ihnen meine Telefonnummer, man macht sich einen Termin aus, setzt sich drüben ins Fair-Trade-Café, geht spazieren oder trifft sich hier. Sie sind 1981 Diözesanseelsorger für Jugendliche in Wien geworden, waren davor Lehrer, haben also seit über 30 Jahren mit jungen Leuten zu tun. Was ist heute anders als damals?
In den 1970ern und Anfang der 80er konnten die meisten noch davon ausgehen: Was sie lernen, können sie später auch beruflich machen. Man wusste, es gibt sichere Jobs. Das hat sich entscheidend verändert. Die Leute rechnen heute damit, dass sie etwas ganz anderes tun werden müssen, als sie jetzt studieren oder lernen. Und dass es mühsam sein wird überhaupt Arbeit zu finden. Das spielt eine große Rolle. Das gesellschaftliche Klima ist ruhiger geworden, das Aufmüpfige, Aufbegehrende ist eher weg. Die meisten stellen ihre persönlichen Ziele in den Vordergrund. Wo komme ich unter? Wie finde ich mich zurecht? Manchmal komme ich mir merkwürdig vor, wenn ich an die Fragen denke, die wir DURST 1/11
FOTOS: THOMAS ASKAN VIERICH, ILLUSTRATION: KURT RUDOLF
Wie spricht man Sie korrekt an? Monsignore Schüller?
„DAS GESELLSCHAFTLICHE KLIMA IST RUHIGER GEWORDEN, DAS AUFMÜPFIGE IST EHER WEG.“ Helmut Schüller
dem ich Geld verdiene – und in meiner Freizeit betreibe ich Gesellschaftsveränderung. Andere sagen, ich suche gleich eine Tätigkeit, von der aus man verändern kann. Wieder andere sagen: Ich gehe in mein Unternehmen und versuche dort etwas zu verändern. Was hat die Kirche zur Beantwortung dieser Fragen beizutragen?
damals hatten. Manchmal habe ich das Gefühl, dass heute die ältere Generation die Fragen hat und die junge die Antworten. Die Jungen staunen über manche Fragen, die man sich auch stellen kann. In Lehrveranstaltungen sage ich manchmal: Wir haben uns in eurem Alter gefragt: Muss die Gesellschaft so sein wie sie ist? Dann staunen sie und sagen: Warum, es ist doch eh alles halbwegs in Ordnung, so lange ich kriege, was ich will. Das merke ich auch in der Hochschulpolitik: Die ÖH wirbt hauptsächlich mit persönlichem Service – und nicht mit grundlegenden Fragen, was immer ein Privileg der Studierenden war, der Intellektuellen. Das hat sich verändert, aber ich möchte es auch nicht übertreiben. Es ist falsch, die junge Generation zu beschimpfen, weil sie so unpolitisch sei. Vielleicht kommt das auch davon, dass sie skeptisch geworden sind. Denn die ach so DURST 1/11
politische 70er/80er-Generation hat ja auch nicht so viel verändert. Vielleicht ist es Skepsis gegenüber den ganzen politischen Phrasen. Jetzt wäre es doch an der Zeit wieder die Systemfrage zu stellen. Kommen Menschen zu ihnen, die sich in dieser Welt nicht mehr zurechtfinden?
Schon. Aber die so genannte Krise – manche sagen, die eigentliche komme erst – hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Die einen werden ängstlicher und versuchen sich noch mehr anzupassen. Sie sagen: Jetzt kommt es endgültig darauf an zu funktionieren. Dann gibt es andere, die grundlegende Fragen stellen: Ist das System zukunftsfähig? Manche sagen, ein anderes System wäre zukunftsfähig, aber es habe keine Chance. Deswegen spalten sie das und sagen: Ich mache einen Beruf, in
Helmut Schüller hat Theologie in Wien und Freiburg studiert, war zuerst Kaplan und Religionslehrer, dann ab 1981 Jugendseelsorger der Diözese Wien. 1991 wurde er Präsident der Caritas Österreich und 1995 Generalvikar. Heute ist Schüller Uni-Seelsorger, Pfarrer in Probstdorf (NÖ) und außerdem Vorstandsvorsitzender von Fairtrade Österreich.
Indem man empfiehlt bei den grundlegenden Fragen anzufangen. Die grundlegendste lautet: In was möchte ich meine Lebenszeit investieren? In welchen Beruf? Was möchte ich am Schluss als Lebensbilanz haben? Was soll es gewesen sein, wenn es aus ist? Nicht: Wo verdiene ich am meisten, sondern was wird meinen Begabungen, meinen Interessen gerecht? Und sich das nicht so schnell ausreden zu lassen. Viele lassen es sich ausreden und sagen: Die Frage kann ich mir später immer noch stellen. Jetzt muss ich einmal schauen, dass ich den Job bekomme. Das andere ist, ihnen ein Handwerkszeug für wertebewusstes Handeln mitzugeben. Eine Art Kompass oder Koordinatensystem. Man wird immer auf komplexe Fragen stoßen. Wie kann ich in solchen Situationen Entscheidungen treffen, die auf meinen Werten beruhen, aber trotzdem konsensfähig werden? Das ist ein wichtiger Punkt, weil er nicht nur das Berufsleben betrifft und religionsübergreifend ist. Ich habe jahrelang gemeinsam mit einem muslimischen Volkswirtschaftsforscher ein Seminar abgehalten. Zum Thema Ethik und Gerechtigkeit in einer internationalen Wirtschaft. Da habe ich gelernt, dass es eine Menge Übereinstimmungen zwischen den Kernbotschaften des Islam und des Christentums gibt. Wir gehen ja auf eine Welt zu, die sehr viel multikultureller und multireligiöser geprägt ist. Im internationalen Geschäft sowieso. Man kann davon ausgehen, dass man es mit Partnern zu tun hat, die von ganz anderen Wertvorstellungen ausgehen. Auch das hat Kirche anzubieten: Über die anderen zu informieren. Die Leute fähig zu machen, über Religions- und Kulturgrenzen hinaus
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„WENN ICH VIELE JAHRE NICHTS ANDERES MACHE ALS GELD – IST DAS EIN ERFOLG?“ Helmut Schüller
Wir sind hier in der WU, ich kann mir vorstellen, dass hier große Teile der Studierenden ein klares Bild von Erfolg haben, nämlich monetären Erfolg.
zu kommunizieren. Und natürlich bieten wir auch eine spirituelle Ressource, um es in der Sprache dieses Hauses zu sagen. Wie komme ich mit der Transzendenz zurecht? Wie mobilisiere ich für mich, was an Verbundenheit zu Gott möglich ist? Wie kriege ich das in mein Alltagsleben hinein? Da gibt es eine Menge Dinge, die ich weitergeben kann. Und man kann interessante Persönlichkeiten einladen, die das repräsentieren. Die sich solche Fragen stellen. Die sich um Werte kümmern, nachdem sie zu einem gewissen Wohlstand gekommen sind?
Nein. Es gibt da zwei Modelle: Bis zum Gewinn bin ich eine Sau und danach bin ich ethisch. Das empfehle ich nicht als Modell, weil es im ersten Schritt die Gesellschaft zerstört, um sie dann in einem zweiten Schritt mühsam durch Charity wieder aufzubauen. Die Frage ist doch: Wie setze ich so an, dass ich meine Werte nicht in der Freizeit oder nach der Midlifecrisis suche, sondern schon jetzt einbeziehe. Da muss ich mich darauf einstellen, dass ich vielleicht nicht so schnell vorankomme wie andere. Weil ich nicht geeignet für Aufgaben bestimmten Zuschnitts bin. Damit muss man zurechtkommen können. Dass man „schwierig“ ist. Wenn ich langfristig die Frage stelle, ob der Mensch nicht mehr als ein Kostenfaktor ist, dann werde ich wahrscheinlich als mühsam empfunden. Man muss sich also wappnen, dass man zugunsten eines ganzheitlicheren
Ansatzes nicht zu den Topverdienern gehören wird. Die Frage ist, ob dafür nicht etwas zurückkommt, das mit Geld nicht auszudrücken ist. Nämlich das Bewusstsein, dass ich mir Wertefragen gestellt habe. Deshalb präsentiere ich ausschließlich Leute, bei denen ich beobachte, dass sie das probieren. Die Personen von den Titelseiten einschlägiger Magazine lasse ich gleich aus, weil sie oft nicht mehr gesprächsfähig sind, weil sie schon lange nicht mehr gelebt haben, beziehungsweise in einer völlig eigenen Welt leben. Erfolg, Karriere, Selbstverwirklichung – das sind nicht gerade urkatholische Themen. Wie vereinbaren Sie das? Der persönliche Erfolg ist doch im Glauben nie das Ziel.
Es kommt darauf an, was man unter Erfolg versteht. Natürlich möchte ich erfolgreich sein, wenn ich mich zum Beispiel für eine menschenwürdigere Asylgesetzgebung einsetze. Ich gehe nicht davon aus, dass es Sinn hat, ein Transparent in die Höhe zu halten und zu sagen: Ob das verwirklicht wird, ist mir egal. Aber was verkaufen wir einander als Erfolg: Ist es ein Erfolg eine gewisse Geschäftsziffer zu erreichen? Ich würde sagen: nein. Denn wenn ich diesen Erfolg um einen hohen Preis bekommen habe, habe ich einen Misserfolg in meiner Menschlichkeit erlitten. Wenn ich aber sage, ich habe unter Einbeziehung der Menschenrechte etwas weitergebracht, dann ist es ein Erfolg. Das ist überhaupt kein Widerspruch.
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Sicher. Und ich trete auf allen Podiumsdiskussionen massiv dagegen auf. Seht euch an, was euch als Erfolg aufgetragen wird. Da muss jeder selbst entscheiden. Wenn er sich einreden lässt, dass er erfolgreich ist, wenn er auf Teufel komm raus – im wahrsten Sinn des Wortes – unter Missachtung der Menschenrechte einen gewissen Geschäftserfolg erzielt, dann hat er sich selbst verkauft. Dann kann er die Psychotherapeutenrechnung für spätere Jahre schon einkalkulieren. Irgendwann stellt er sich die Frage: Jetzt habe ich zwanzig Jahre nichts anderes gemacht als Kohle – ist das eigentlich eines Menschen würdig? Wenn ich viele Jahre 80 Prozent meiner Lebenszeit und Lebenskraft in ein Unternehmen investiere und nichts anderes mache als Geld – ist das ein Erfolg? Da muss man kritischer sein. Wenn ich mich auf eine Prozentzahl reduziere, dann habe ich mich endgültig vermarktet. Wenn jemand sagt: Ich bin das 70-fache Gehalt eines Chauffeurs in meiner Firma wert, dann hat der sich endgültig vermarktet, auch wenn er ein Spitzenverdiener ist. Dann ist er ein Stück Markt und kein Mensch. Dem Blödsinn, der an den Universitäten immer wieder verzapft wird, muss man etwas entgegen halten. Die Universitäten sind öffentliche Einrichtungen und damit dem Staat, der Verfassung und den Menschenrechten verpflichtet. Deshalb habe ich schon einmal mit einem Professor in diesem Haus die Klingen gekreuzt, der mir erklärt hat, er sei für Werte nicht zuständig. Aber er ist auf die Verfassung vereidigt und damit den Menschenrechten verpflichtet und hat deshalb den jungen Leuten Werte beizubringen. National und international. Das sage ich nicht als Katholik, sondern als Bürger. Wenn das nicht passiert, dann verfehlt so eine Universität ihre Aufgabe. Das muss man ganz deutlich sagen.
Sind die Professoren in den vergangenen Jahren selbstkritischer geworden?
Es wird durchaus viel Selbstkritik geäußert. Wie glaubwürdig es ist, wird man an den Konsequenzen merken. Einige Zeit war man als Ethikvortragender natürlich schon gefragt. Da hatte ich Hochkonjunktur. Aber da muss ich schmunzeln, weil ich weiß: Das ist eben im Moment Teil des Business. Ethik kommt momentan gut. Ethik rentiert sich. Heißt das, man stellt Ethik wieder ein, wenn es sich nicht mehr rentiert?
Ich kann Ethik nicht verkaufen. Wenn man sich den Themen aus modischen Gründen zuwendet, wird man wahrscheinlich wieder damit aufhören, wenn die Mode vorbei ist. Glauben sie, dass Studierende heute Angst haben, es sich gar nicht mehr leisten zu können, diese Fragen zu stellen?
Ja, ich habe den Eindruck, dass es sich viele gar nicht mehr zutrauen. Der Pessimismus, die Resignation ist sehr stark. Andererseits transportiert diese Skepsis immer noch das Bewusstsein, dass es so sein sollte, also anders sein sollte. Das ist immerhin etwas. Haben sie hier auch mit wirklichen Lebenskrisen zu tun, mit Menschen, die direkt am Abgrund stehen?
Das kommt vor, wobei ich dann sehr schnell den Hinweis gebe, sich professionelle Hilfe zu suchen. Da doktere ich nicht herum. Es gibt Krisen, die noch in einem Bereich liegen, wo man für sich selbst handeln kann. Wo man sich zurückzieht, sich gewisse Fragen stellt oder einen Gesprächspartner findet. Aber es gibt Stadien, wo man sagen muss, das alleine hilft nicht mehr. Ich habe hier schon ruinierte Leute erlebt: Mobbingopfer, vom Erfolg Gestresste, die nervlich parterre sind. Aber kaum Studierende. Das kommt eher bei Absolventen vor. s DURST 1/11
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ier passiert Magick. Hier wird‘s okkult. Vergesst Horoskope, Traumdeuter und all den stümperhaften Quatsch. Aleister Crowley, unser Meister, der seine düsteren Visionen in einem der bekanntesten Tarotsets verarbeitete, ist uns in diesem Moment ganz nah. Sein Geist spricht zu uns durch die Acid Queen. Das klassische Tarot mag die Zukunft nicht so eindeutig vorhersagen. Da werden „keltische Kreuze“ gelegt und jüngere Vergangenheit, nähere Zukunft und Umwelteinflüsse ausgewertet. Der Tod bedeutet eigentlich Glück, dafür sind die Liebenden in der falschen Kartenkonstellation eine ganz ganz böse Sache. Nicht, dass wir dem knutschenden Pärchen im Kinositz vor uns nicht auch manchmal die Pest an den Hals wünschen würden, aber wir finden das klassische Tarot überholt und ungenau. Dank Internet und schnell geschnittener Musikvideos könnt ihr euch ohnehin nicht mehr lange genug konzentrieren, um das klassische 78-teilige Tarot-Set zu legen. Ihr wollt sofort wissen, ob ihr Bankmanager oder doch Sportass werdet? Könnt ihr haben. DURST hat deshalb für euch das Tarotspiel revolutioniert. 12 Karten bieten euch vollkommen seriöse Zukunftsprognosen. Schnell. Einfach. Erschreckend präzise. Also gebt euer Hirn im Bibliotheksspind ab und vertraut auf die Macht der Karten. Die Spielregeln sind ganz einfach: Schlag die Kartenseiten auf, höre auf
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dein Inneres (wie das geht, lernst du auf den Seiten 40-43) und bewege deine ausgestreckte linke Hand mit geschlossenen Augen über die Karten. Du wirst außergewöhnliche paranormale Schwingungen spüren, wenn du bei der richtigen Karte angelangt bist. Das heißt im Klartext: Wenn dein kleiner Finger zittert oder das rechte Knie juckt, hast du deine Karte gefunden. Plötzliche Niesanfälle deuten auf eine besonders starke Ambivalenz zu deiner Karte oder eine Katzenallergie hin. Lies dir die Deutung durch, die deiner ganz persönlichen Karte inherent ist. Profis erkennen zwar auch mit geschlossenen Augen die mystische Bedeutung. Laien dürfen fürs Lesen die Augen aber wieder aufmachen. Möge deine Karte dir als Warnung oder als Ansporn dienen. Sei ehrlich mit dir selbst. Die „Tochter der Musen“ könnte ein deutlicher Hinweis sein, dass du dein BWL-Studium nicht mit ganzem Herzen machst. Das As der Stäbe hat aus Hobbysportlern schon Marathonsieger gemacht. Hier wird dir ein Spiegel vorgehalten. Vielleicht gefällt dir sogar, was du siehst. Stell dich der Herausforderung, dich mit deinen tiefsten Ängsten und wildesten Träumen auseinanderzuetzen. Zu zweit geht das noch besser. Diskutier deine Karte gemeinsam mit deinem Sitznachbarn, deiner Freundin oder deinen Eltern. Schlussendlich entscheidet nicht das Schicksal, sondern die Selbsterkenntnis, welcher Typ du bist. Möge Aleister friedlich ruhen. s
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DIE HÜTERIN DER NETZE Unscheinbar, bleich und schlecht frisiert glotzt die Hüterin der Netze auf ihr Smartphone. Wie man mit Menschen redet, hat sie vergessen, dafür weiß sie sogar, wofür die Abkürzung PEBCAK steht (Problem exists between Chair and Keyboard). Auf der Uni war sie seit der Inskription nicht mehr, schließlich braucht man dank E-Learning zum Studieren nicht mal mehr das Haus zu verlassen. Symbole: Facebook, Xing, YouTube, Spinnennetze, Kabelsalat, gebrannte CDs Tier: Spinne Divinatorische Bedeutung: Hueterindernetze commented on DURST´s status: „LMFAO, ihr seid sooooo lustig. Kann leider nicht zum Soundframe-Festival kommen :( Muss noch das 467ste Level von WOW knacken *aufgeregtbin*“ Tipp der Acid Queen: Wag dich mal wieder unter Leute. Das Leben passiert nicht nur im Internet. Wenn du schon dort bleiben willst, mach wenigstens dein eigenes Social Network auf, dann kauft dich Marc Zuckerberg vielleicht raus. HDL.
KÖNIG DER KELCHE „Vienna wasted you“ ist leidiges Motto und gleichzeitig größter Stolz des Königs der Kelche. Woanders würde er ohnehin nie studieren, denn in Wien ist er der King der Szene. Da darf er nämlich in alle Clubs als Erster rein, auch wenn er als Letzter kommt. Wer vor vier Uhr früh weggeht, ist ohnehin ein Weichei. Symbole: dunkle Augenringe, Stempelfriedhof am Handgelenk, ein Krügerl in der linken, ein Wodkashot in der rechten Hand, Frühstück zum Abendessen und Kebap am Morgen Tier: Fledermaus Divinatorische Bedeutung: Du weißt zwar schon am Mittwoch, wo du Samstagnacht sein wirst, aber hast zur Sicherheit noch zwei, drei andere Parties in petto. Auf der Uni reden sie ständig von Networking, aber die letzte Party in der Pratersauna wollte dir trotzdem niemand als Seminar anrechnen. Tipp der Acid Queen: Ist schon toll, dass du alle DJs und Veranstalter der Stadt kennst – dir ist aber schon klar, dass die im Gegensatz zu dir Geld dafür bekommen, um fünf Uhr früh in irgendwelchen Clubs rumzuhängen, oder?
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AS DER STÄBE Selbst im tiefsten Winter hechelt das As der Stäbe im hautengen Lauftrikot über die vereisten Gehwege. Sport ist nicht nur ihr Hobby, sondern ihre Lebensaufgabe. Zum Frühstück schlürft sie deshalb täglich vier rohe Eier mit Bananen, während sie Kniebeugen macht. Ihr Sportstudium finanziert sie sich als Trainerin für das Bundesheer. Wenn die Rekruten ihren ersten Trainingslauf mit dem As der Stäbe durchgemacht haben, lachen sie auch nicht mehr darüber, dass sie zu jeder Zeit all ihre Medaillen um den Hals hängen hat. Symbole: Ernährungspyramide, Obst(korb), olympische Ringe, Ziellinie, Basketball, Medaillen Tier: Gepard Divinatorische Bedeutung: Du läufst so schnell, dass du übersiehst, was deine Ziellinie ist. Tipp der Acid Queen: Achte auf deinen Pulsschlag... was passiert, wenn das Bundesheer, das dein Studium finanziert, zum Berufsheer wird? Willst du wirklich Offizierin nach deiner Sportkarriere werden? Wahrscheinlich landest du beim Jagdkommando.
HOHEPRIESTER_IN Die Hohepriester_in hat sogar die Antwort auf Fragen, die niemand gestellt hat. Ihre Parolen brüllt sie mit Vorliebe durch ein Megaphon. Schon in jungen Jahren schrieb sie ihren Klassenkamerad_innen Zitate aus dem „Kapital“ ins Poesiealbum. Ihr Sport sind Demomarathons, dafür hat sie sich sogar eine Regenjacke aus Müllsäcken gebastelt. Ihr Wunsch, „Moral“ als zweiten Namen zu tragen, wurde von den Behörden leider nicht genehmigt. Kein Wunder, bei diesen repressiven Strukturen! Symbole: Hammer, Sichel, roter Stern, Anarchozeichen, der Weltgeist, Flüstertüte/Megaphon Tiere: Rabe Divinatorische Bedeutung: Du kennst die Wahrheit, kommst mit wenig Schlaf aus. Übernachten auf Isomatten in ungeheizten Häusern stört dich nicht. Du hast immer das letzte Wort, teilst Arbeitsgruppen ein und sagst am Ende des Seminars immer „Ich habe noch eine Ankündigung...“ Tipp der Acid Queen: Achte auf deine Ernährung, Veganer essen oft zu wenig Eiweiß.
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PRINZ DER DEGEN Wenn der Prinz der Degen seine schillernde Waffe gen Himmel reckt, fühlt er sich beinahe wie sein großes Idol, dessen Namen er aus rechtlichen Gründen nicht sagen darf. Mit seinen Kumpels aus der Olympia singt er gerne traditionelle nationale Lieder, nachdem er mit ihnen einen heben war. Der Prinz der Degen huldigt gerne steinernen Köpfen, denen flüstert er dann auch beschämt ins Ohr, dass er manchmal Kebap isst. Symbole: Runen, Degenmaske, Wappen, Fotorahmen mit Onkel Helmut und Papa Tier: Adler Divinatorische Bedeutung: Du hast weder Probleme mit ungerechtfertigten Privilegien noch mit chauvinistischen, rassistischen und/ oder sexistischen Äußerungen und Taten. Bei dem Wort Autorität entfaltet sich ein wohliges Kribbeln in der Narbe an deiner Wange. Ratschlag der Acid Queen: Sauf weniger und beleg statt dessen einen Geschichtekurs. Alternativ: Meditatives Gruppenkuscheln.
DIE HEILERIN Die Heilerin kennt alle Bachblüten von Agrimony bis Willow auswendig und mischt ihren Freunden zum Geburtstag auch gerne persönliche Heiltränke. Ihr weißer Kittel fällt auf der Straße ganz schön auf, aber das bemerkt sie gar nicht, wenn sie ihre Brille vergessen hat. An wilden Abenden mischt sie eine Prise Chili in ihren Mörser und kichert, wenn er in der Nase kitzelt. Symbole: Stetoskop, Äskulapstab, Ying & Yang, Aromakerzen, Steine, Klangschalen, Pendel, Räucherstäbchen, Globuli Tier: weiße Maus Divinatorische Bedeutung: Der Sinn fürs Übersinnliche wurde dir quasi in die Wiege gelegt. Menschen suchen bei dir Rat, obwohl du selbst oft ratlos bist. Tipp der Acid Queen: Tausch den weißen Kittel hin und wieder gegen das kleine Schwarze. Gegen das Kopfweh nach dem Wochenende hilft auch ein Aspirin.
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PRIESTER DER QUELLCODES Der Priester der Quellcodes liest lieber binäre Codes als Bücher. Während andere Kinder mit Bauklötzen spielten, spielte er mit HTML. Seine fettigen Haare hängen ihm in die Chipstüten, wenn er mal wieder am Schreibtisch eingeschlafen ist. Symbole: Motherboard, Pickel, USB-Ventilator, leer gefressene Junkfood-Schachteln Tier: Hamster Divinatorische Bedeutung: Du allein weißt um die enorme Sinnlichkeit der Zahlen, doch das rückt auch das weibliche Geschlecht in unerreichbare Ferne. Mit dem letzten Virus hast du dir leider offenbar auch einen Gottkomplex eingefangen. Tipp der Acid Queen: 01110011011101010110001 10110100000100000011001000110100101110010 00100000011001010110100101101110011001010 01000000100011001110010011001010111010101 10111001100100011010010110111000100001
PRINZESSIN DER SPIEGEL Auf der Suche nach ihrem Spiegelbild streift die Prinzessin der Spiegel durch die Innenstadt. Burberry und Chanel überwinden die Botox-Lähmung und zaubern ein Lächeln auf ihr Gesicht. Spiegelt sich ihr Antlitz in einem Pimkie-Schaufenster, wendet sie sich beschämt ab. Ihr größter Alptraum: bei Kik ein Polyesterkleid in Größe 38 zu kaufen. Symbolik: strahlende Sonne, LuisVuitton-Handtasche, Diamanten Tier: Chihuahua Divinatorische Bedeutung: Gibt es leider nicht. Du bist so oberflächlich und bedeutungslos, höhere Sphären bleiben dir verschlossen. Tipp der Acid Queen: Du musst auch an die Zukunft denken! Such dir einen reichen Ehemann, der dir deine Liposuktion zahlen kann. Wenn er Arzt ist, kann er dir sogar sagen, was das heißt!
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RITTER DER SCHEINE Beim Mittagessen übernimmt der Ritter der Scheine gerne mal die Rechnung – sei es nur, um seiner Platin-Kreditkarte wieder mal etwas Sonne zu gönnen. „Gute Freunde, strenge Rechnung“ sagt er dann, wenn er dich Monate später an deine Schulden erinnert. Das WU-Studium läuft natürlich „wie geschmiert“ und der Job bei der OMV wartet schon. Lieblingsfilme: „Reservoir Dogs“ und „E-Mail Für Dich“. Symbole: BMW-Schlüsselanhänger; Tommy-Hilfiger-Fähnchen; TennisclubMitgliedskarte; akkurat gezogener Scheitel Tier: Schlange & Löwe Divinatorische Bedeutung: Du bist willensstark, ehrgeizig, zielstrebig, du weißt was du willst (und die anderen wissen es auch). Volle Hörsäle sind für dich kein Problem, denn zur Not bezahlst du jemanden dafür, dass er dir einen Platz freihält oder deine Diplomarbeit schreibt. Tipp der Acid Queen: Mehr als zwanzig Anzüge braucht kein Mensch. Und wenn du so dran hängst, hol sie doch selbst aus der Reinigung. Deine Freunde tragen keine Hundemarke, also behandel sie auch nicht so!
DER REISENDE IM SÜDEN Sein WG-Zimmer hat der Reisende im Süden eigentlich nur pro-forma. Denn er fährt vom Waisenhaus in Bolivien direkt ins Ashram nach Indien. Seine beliebtesten Gesprächsthemen sind effizientes Rucksackpacken, Verdauungsprobleme und Preise für Malariatabletten. Barfuß geht er dorthin, wohin ihn der Nordwind treibt. Symbole: Fairtradesiegel, Peacezeichen, Jonglierkegel, Hanfblatt, Muschelkette, Digeridoo, Bio-Banane Tier: Kamel Divinatorische Bedeutung: Du bist ein Grenzensprenger, Grenzgänger, optimistisch, naturverbunden. Entspannung fällt dir eher leicht, Konzentration umso schwerer. Empfehlung der Acid Queen: Du solltest IE studieren oder an der Boku. Doch pass auf, dass du dich nicht verzettelst, du kannst dich nicht um alles kümmern. Vielleicht reicht auch ein Bachelor-Abschluss? Und gib nicht zu viel Geld für unbezahlte Praktika bei NGOs aus! Das Gras ist drüben immer grüner...
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TOCHTER DER MUSEN Die Tochter der Musen ist eine Frau, die so tut als wäre sie ein Mann, der so tut als wäre er eine Frau. Zwischen den Geschlechtern wechselt sie je nach Outfit, doch knallrote Lippen und Hornbrille gehören immer dazu. Wenn sie nicht gerade Polaroid-Fotos schießt, sitzt sie in der Aula der Angewandten und zeichnet Bleistiftskizzen. Symbole: dicke Hornbrille, Schnurrbart an der Halskette, silberne Glitzerleggins, Dr. Martens-Boots, tiefsitzender Pony Tier: Katze Divinatorische Bedeutung: Du bist anders als die anderen und willst das auch zeigen. Dass sie deine Schnappschüsse nicht als Kunst erkennen, ist nämlich deren Schuld – solange genügend Freunde nette Kommentare für deinen Blog schreiben. Tipp der Acid Queen: Du musst dich nicht ärgern, dass es mittlerweile einen ganzen Haufen anderer Leute gibt, die auf genau die gleiche Art und Weise „anders“ sein wollen, wie du (und dir zum Verwechseln ähnlich sehen). Schließlich ist niemand gern alleine.
DER WEISE IM OSTEN Wenn es um den Fall der Berliner Mauer oder den Zusammenbruch der Sowjetunion geht, ist der Weise im Osten ein guter Ansprechpartner: Er hat beides schon damals im Uni-Seminar diskutiert und kramt seine Notizen gern für dich hervor. Nach gefühlten fünfzig Semestern hat er es mittlerweile zum Studienassistenten gebracht und veranstaltet gern unbezahlte Tutorien. Symbole: Haarausfall, Sandalen, Sakko mit Flicken an den Ellbogen, Lederumhängetasche, Nickelbrille, lichte Haare oder Halbglatze, Sandalen Tier: Eule Divinatorische Bedeutung: Was gibt es Wichtigeres als umfassendes Wissen? In Diskussionen hast du immer die Nase vorn und die Millionenshow hast du (zumindest vor dem Fernseher) schon unzählige Male gewonnen. Und für Frauen ist Intelligenz doch auch das Wichtigste. Oder war es doch Humor? Muskeln? Tipp der Acid Queen: Schau weniger alte Godard- und Woody-Allen-Filme und trau dich lieber mal in einen Burger King. Übrigens solltest du nochmal drüber nachdenken, was deine letzte Freundin sagte, als sie vor fünfzehn Jahren mit dir Schluss gemacht hat.
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FOTO: CHRISTIAN BRETTER; ILLUSTRATION: KURT RUDOLF
DAS LEBEN MACHT MEHR SINN ALS DER TOD. PASTORIN URSULA ARNOLD, SEITE 37
Plakat zu der Damien-Hirst-Ausstellung „New Religion“ in Venedig, Sommer 2007. DURST 1/11
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5 FRAGEN UND ANTWORTEN ZUM SINN
Wer hätte gedacht, dass ein Biologe und eine Pastorin im Leben den gleichen Sinn sehen? Allerdings sind sich die Buddhistin und der Mathematiker dann doch nicht ganz einig. von Raffael Fritz und Mara Simperler
DER EVOLUTIONSBIOLOGE Kurt Hödl (62) forscht am „Department für Evolutionsbiologie“ der Uni Wien darüber, wie Frösche und andere Amphibien miteinander kommunizieren. Kurz vor seinem Abflug nach FranzösischGuyana hat er Zeit, um DURST zu erklären, wieso Kinder kriegen besser ist als die Welt zu retten.
1.) Ich weiß nicht, was ich werden soll. Können Sie Ihren Job empfehlen?
Unbedingt, es ist ein Traumjob! Sie sind frei, können machen, was Sie wollen. Sie haben immer mit jungen Leuten zu tun. Meine Generation erzählt nur noch, welche Pillen sie nehmen und was ihnen weh tut. Außerdem bin ich Freilandbiologe und kann meine Bedürfniss, in der Natur draußen zu sein, mit meinem Beruf bestens verbinden.
Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst. Ich sehe keinen höheren Sinn. Die Umweltbedingungen ändern sich ständig. Die Organismen auf der Erde müssen sich also anpassen. Das Anpassen geht aber nicht, indem ich mich klone, sonst bleibe ich ja der Gleiche. Daher ist es erstens einmal notwendig, dass wir sterben und dass wir uns fortpflanzen. 3.) Was passiert nach dem Tod?
Biologen sehen die Welt sehr materialistisch. Wir bestehen aus Materie, diese Materie verschwindet nicht. Das weiß jeder, der einmal ein Grab öffnet. Diese Materie wird umgewandelt in Nahrung für Würmer, die da herumsuchen. Wir leben weiter in irgendwelchen Tieren und Pflanzen, oder wir liegen als mineralisierte Stoffe in der Gegend herum. 4.) Ist mein Leben vorherbestimmt?
In dem Moment, in dem Sie eine befruchtete Eizelle sind, ist es vorbestimmt, ontogenetisch. Das menschliche Erscheinungsbild ist vorbestimmt durch die Gene. Natürlich sind Sie auch vorbestimmt durch den Kulturbereich, in dem Sie leben. Ich wär sicher ein anderer Mensch, wenn ich irgendwo am Amazonas ausgesetzt worden wäre. 5.) Was macht einen guten Menschen aus?
Biologisch formuliert: Ein guter Mensch ist jener, der seine Gene weitergibt. Der Mensch entzieht sich aber durch die Bevölkerungsexplosion die Lebensgrundlagen. Das heißt, heute könnte man biologisch eigentlich umgekehrt argumentieren. Aber nachdem ich zwei Kinder hab und die unheimlich gern hab, ist die Antwort klar.
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FOTOS: MARA SIMPERLER;------ PALPUNG EUROPE, WWW.PALPUNG.EU (LAMA PALMO), ILLUSTRATION: KURT RUDOLF
2.) Was ist der Sinn des Lebens?
DIE BUDDHISTIN
DIE PASTORIN
Gelongma Lama Karma Tsultrim Palmo Karuna (40) verzichtete auf ihr weltliches Leben als Journalistin und Fotografin, um sich den Lehren Buddhas zu widmen. Die Direktorin des Zentrums Palpung Yeshe Chökhor Ling Europe ist zwar vielbeschäftigt, ein Job ist es für sie trotzdem keiner.
Ursula Arnold (52) ist Pastorin der evangelischen Gemeinde am Tabor in Wien. Sie hat DURST erklärt, was der Versuch, ein guter Mensch zu sein, mit einem Marmorkuchen zu tun hat.
1.) Ich weiß nicht, was ich werden soll. Können Sie Ihren Job empfehlen? 1.) Ich weiß nicht, was ich werden soll. Können Sie Ihren Job empfehlen? Das, was ich mache, ist kein Job. Wir beziehen auch
keinerlei Gehalt. Empfände ich meine Tätigkeit als Job, müsste ich sofort „abdanken“. Mein Versprechen gilt, allen Wesen in der Art und Weise beizustehen und ihnen so zu helfen, dass sie letztendliche Freiheit erlangen und ihr Herz zu voller Blüte bringen können.
Ja, eindeutig. Schon Martin Luther hat gesagt, man solle „den Menschen aufs Maul schauen“ und das ist eines der wesentlichen Dinge, die man in meinem Beruf als Pfarrerin immer wieder als Vorgabe hat. 2.) Was ist der Sinn des Lebens?
Unsere Essenz, unser Potential, unser Herz zu öffnen, es wachsen zu lassen und zur Vollkommenheit erblühen zu lassen.
Ich finde, das Gegenteil ist der Tod. Das Fördern des Lebendigen ist für mich die Sinndeutung für das Leben. Wenn ich mich in diesem Leben entscheiden müsste für Leben oder Tod würde ich mich natürlich für das Leben entscheiden. Das Leben macht mehr Sinn als der Tod.
3.) Was passiert nach dem Tod?
3.) Was passiert nach dem Tod?
Wir sterben jeden Tag aufs Neue: Jeden Tag, wenn wir schlafen gehen, sind wir für die Dauer des Schlafes „auf einer anderen Ebene“. In der Früh wachen wir dann auf und ein neuer Tag beginnt. So in etwa kann man sich, sehr vereinfacht, den Zyklus des Lebens vorstellen. Also ist der Tod nur eine Schwelle in eine Übergangssituation, die in eine weitere Geburt führt.
Es wird in den heiligen Schriften immer wieder darauf hingewiesen, dass das Leben nach dem Tod erst in Fülle bei Gott ist. „Jemand ist heim gegangen“ war für mich immer nur ein Spruch. Aber dann habe ich darüber nachgedacht und für mich steckt eine tiefe Glaubensüberzeugung dahinter. Wie auch immer die verschiedenen Religionen sich das vorstellen, die Nähe zu Gott ist immer etwas Gutes. Und dieser Zustand ist das Daheimsein.
2.) Was ist der Sinn des Lebens?
4.) Ist mein Leben vorherbestimmt?
Wenn Sie vorbestimmt als fremdbestimmt verstehen, dann definitiv: Nein. Unser Bewusstsein ist durch und aufgrund unserer unzähligen Leben mit einer Unzahl von Eindrücken und Gewohnheitsmuster angereichert, die uns tendenziell in unserem Leben ähnlich entscheiden, empfinden und handeln lassen. Daraus ergibt sich, dass wir alleine die Bauherren unseres Schicksals sind.
4.) Ist mein Leben vorherbestimmt?
Ich sage immer: Mein Leben ist mir geschenkt worden und es gibt keine Zufälle. Aber das Vorherbestimmtsein hängt von so vielen Faktoren ab, wo ich mir denke, ich habe mein Leben zu verantworten. In der Bibel heißt es ja schon: „Der freie Wille ist den Menschen zugetraut.“ Aber das ist immer in Verantwortung zu sehen gegenüber dem Geschenk des Lebens.
5.) Was macht einen guten Menschen aus?
Dieses Potenzial, das allen Wesen inhärent ist, zur Blüte zu bringen. Wie funktioniert das? Durch Altruismus. Das heißt, durch Anerkennen, Verstehen und in dem Wissen handeln, dass die Art und Weise, wie wir unsere Leben verantwortungsvoll leben, genau das ist, was uns mit den anderen verbindet. Also ist Altruismus Solidarität, die aktive Verschwisterung mit allen Wesen und die daraus entstehenden Handlungen. DURST 1/11
5.) Was macht einen guten Menschen aus?
Es würde mir viel besser gefallen zu fragen: „Was macht den Menschen zum Menschen“. Wir sind Menschen und nicht Gott. Deshalb haben wir alles, was menschlich ist, in uns. Doch es wird uns zugetraut, zu wissen, was gut und böse ist. Es wird immer gerne nach Rezepten gesucht, aber die muss man selbst finden. Ich mache meinen Marmorkuchen nach dem Rezept, das ich gerne habe.
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DIE MUSLIMIN
DER RABBI
Amina Baghajati (44) ist Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft und Mitgründerin der Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen. Sie rät, unsere Kamele anzubinden, bevor wir auf unser Kismet vertrauen.
Paul Chaim Eisenberg (60) ist Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und würde diesen Job nicht weiterempfehlen. Beim Beantworten der Fragen merkt man dann aber doch, dass er den richtigen Beruf gewählt hat.
1.) Ich weiß nicht, was ich werden soll. Können Sie Ihren Job empfehlen? Welchen meiner Jobs? Die Medienarbeit mache ich seit
1.) Ich weiß nicht, was ich werden soll. Können Sie Ihren Job empfehlen?
zehn Jahren ehrenamtlich, was eigentlich für sich spricht. Auch mein eigentlicher Beruf hat mit Aufklärung zu tun. Ich bin Dozentin in der Ausbildung zukünftiger ReligionslehrerInnen. In der Medienarbeit ist das Explizite gefragt, beim Unterrichten das Implizite.
Nein, also bitte. Das Problem heute ist, Religion so darzustellen, dass man weder ein Fundamentalist, noch ein Ungläubiger ist. Früher war es einfacher, weil die Leute vielleicht ein bisschen unkritischer waren. Die, die geglaubt haben, haben geglaubt, und die anderen eher nicht. 2.) Was ist der Sinn des Lebens?
„Lebe für das Diesseits so, als würdest du ewig leben und lebe für das Jenseits so, als würdest du morgen sterben“, schrieb Prophet Muhammad. Da steckt für mich ein Programm drin: Lebensfreude in Verantwortung. Und zu jeder Zeit, auch auf dem Totenbett, ehrlich aus vollem Herzen sagen können: „Gott sei Dank!“.
Der Sinn des Lebens ist eigentlich, die Befriedigung nicht in sich selbst zu finden, sondern wenn man anderen hilft. Es gibt da eine Stelle in den Sprüchen der Väter: Mächtig ist, wer seinen Egoismus beherrschen kann, reich ist, wer zufrieden ist mit dem, was er hat, weise ist, wer bereit ist, von anderen zu lernen und geehrt ist, wer andere ehrt.
3.) Was passiert nach dem Tod?
3.) Was passiert nach dem Tod?
Muslime glauben an ein Jenseits. Beim Jüngsten Gericht muss sich jeder für die eigenen Taten verantworten und die Folgen tragen: Glückseligkeit oder Strafe. In der Konfrontation mit dem eigenen Sein und der Erkenntnis über den Wert eigenen Handelns liegt für mich das Bild von Himmel und Hölle. Alles kommt wieder zurück. Im Diesseits erwerben wir unseren Platz im Jenseits.
Viele Religionen haben die Idee, dass es nach dem Tod des Körpers noch nicht vorbei ist, sondern dass es eine Seele gibt, die weiterlebt, die für die Art, in der sie gelebt hat, entschädigt, vielleicht sogar bestraft wird. Aber das muss man nicht mit Pech und Schwefel sehen. Es gibt dann sehr viele Leute, denen es gut gehen wird, und einige, die kurze Zeit – die ganz Bösen maximal ein Jahr – nach dem Tod ein wenig leiden müssen.
2.) Was ist der Sinn des Lebens?
4.) Ist mein Leben vorherbestimmt?
Ja und nein. Denn ich glaube an die göttliche Vorsehung, kann mich aber gleichzeitig nicht aus meiner Verantwortung stehlen und bei Misserfolgen oder Fehlern behaupten, das sei halt „Schicksal“: „Binde dein Kamel an und dann vertrau auf Gott!“
4.) Ist mein Leben vorherbestimmt?
Nein, nein, nein. Wir haben die Idee, dass Gott alles weiß, und dann weiß er auch möglicherweise, was kommt. Aber das ist eher global gedacht. Sonst könnten wir nicht davon reden, dass wir möglicherweise unsere guten Taten belohnt kriegen, wenn wir für sie nicht verantwortlich wären.
5.) Was macht einen guten Menschen aus?
Die innere Erfülltheit, die positiv nach außen wirkt und so eine Wechselbeziehung auslöst. Wer die innere Balance im Frieden mit Gott anstrebt, kann dies nicht, ohne auch im Frieden mit seiner Umwelt zu leben. Ein guter Mensch macht das Beste aus sich und wird damit auch zum Segen für die Gemeinschaft.
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5.) Was macht einen guten Menschen aus?
Ein guter Mensch ist ein glücklicher Mensch, weil er nicht nur an sich gedacht hat. Gott hat uns gleichzeitig vielleicht eine gewisse Geduld gegeben, damit wir auch nicht so angenehme Sachen aushalten, aber gleichzeitig, wenn es um das Leiden anderer geht, sollten wir nicht so viel aushalten. DURST 1/11
JKU LINZ FUTURE STARTS HERE! Mit den Masterstudien der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz sicher in die Zukunft! Was hat die JKU was andere nicht haben? An der JKU gibt es einen einzigartigen Campus im Grünen – wohnen, studieren, leben, Freizeit gestalten – alles an einem Ort wird das Studienangebot auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes ausgerichtet kannst du aus 35 Master-Studienrichtungen an 3 Fakultäten (Technisch-Naturwissenschaftliche, Rechtswissenschaftliche sowie Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät) wählen, darunter so innovative wie
DER MATHEMATIKER „Rechnen mit Gott und der Welt“ kann Rudolf Taschner (58) unter anderem dank seines gleichnamigen Buches. Der Sinn des Lebens liegt seiner Meinung nach jenseits der Unendlichkeit.
1.) Ich weiß nicht, was ich werden soll. Können Sie Ihren Job empfehlen?
Ich habe keinen Job, ich habe einen Beruf. Einen Job kann ich nie empfehlen. Aber in einem Beruf bringt man das, was man selbst ist, zum Ausdruck. Der Beruf eines Lehrers ist sehr schön, weil Sie etwas weitergeben und das lebt über Sie hinaus. 2.) Was ist der Sinn des Lebens?
Über das Unendliche hinauszudenken. Die meisten Mathematiker glauben, das Unendliche hätten sie auch im Griff. Und ich gehöre dieser kleinen Sparte an, die sagt, da muss man vorsichtig sein, das ist ein Grenzbegriff, der sich dem menschlichen Denken grundsätzlich entzieht. Und genau das ist das Spannende: Ich suche etwas, das sich dem menschlichen Denken immer weiter entzieht.
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3.) Was passiert nach dem Tod?
Wissen Sie, meinem Emfpinden nach gibt es den Urknall natürlich. Aber nicht als das, was die Physiker behaupten. Der Urknall ist die Geburt eines jeden Menschen. Bei der Geburt entsteht eine Welt. Und wenn Sie sterben, bricht diese ganze Welt zusammen. Sie ist weg. 4.) Ist mein Leben vorherbestimmt?
Es gibt zwei Pole, das Leben zu betrachten. Der eine Pol ist, ich kann über die Welt verfügen. Der zweite, ich bin der Welt ausgeliefert. Wenn ich sage, ich kann über die Welt verfügen, dann ist das Leben natürlich nicht vorbestimmt. Und wenn ich sage, ich bin der Welt ausgeliefert, dann fühlt man sich in eine Bestimmung hineingezwängt. Die Wahrheit ist vermutlich die Dialektik dazwischen. 5.) Was macht einen guten Menschen aus?
Dass er seinem Gewissen gehorcht. Und Sie haben Ihres, ich habe meines und wir können das nicht total in Deckung bringen. Die in Stein gemeißelte Maxime meines Handelns kann ich nur für mich selbst schaffen. DURST 1/11
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ICH ICH ICH Einmal innere Ruhe und geistiges Wachstum zum Mitnehmen, und Pommes dazu! Eine Anleitung, sich nicht verrückt machen zu lassen. Von Raffael Fritz
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ine junge schöne Frau sitzt im Schneidersitz an der Klippe, unten braust das Meer. Doch sie hat die Augen geschlossen und konzentriert sich ganz auf ihr Inneres. Ein Schmunzeln, gespeist von tiefer Erkenntnis ,umspielt ihren Mund. Solche Fotos dürfen in keinem Wellness-Magazin fehlen. Wenn ich doch auch so entspannt und ausgeglichen wäre! Und da gibt es doch diesen Kurs... Die Bedürfnisse, auf die solche Sujetfotos anspielen – neben Bildern von gestapelten Steinen im Wasser und Anzugträgern, die in Zen-Gärten rechen – sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen, wo sie ein Loch ausfüllen sollen, das ebendiese in uns hinterlässt. Und das sich offenbar nicht mit einem Pauschalurlaub in der Türkei stopfen lässt. Die Wege reichen von Hardcore-Esoterik bis zu halbtrockener Wissenschaft: Klangschalen, Schweigeseminare (siehe S. 41), Autogenes Training, Yoga (siehe S. 42), Waldbodenatmen, StroboskopLicht, Isolationstanks (siehe S. 43), – such’s dir aus. Die Suche nach dem Selbst ist keine Sache von Hippies mehr – im Gegenteil: Innere Ruhe ist längst ein Gebot des Marktes. In den Zeitungen erscheinen Artikel zu Selbstfindung und Meditation seltener in den Lifestyle-Beilagen, dafür immer öfter in den Managementund Karriereteilen. Der „Zen-Manager“ oder „Führung mit dem Geist der Shaolin-Mönche“ sind dort ganz normale Themen („Rosenkranzbeten für Manager“ wäre auch eine Möglichkeit, aber das kommt nicht aus Fernost, siehe trotzdem unser Gastgebet S. 9). Das In-Sich-Selbst-Ruhen ist ein
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persönliches Asset, das Alleinstellungsmerkmal, das kompetente Führungspersönlichkeiten auszeichnet. Und für gutes Geld findet sich immer jemand, der den gestressten Managern in einem Wochenendkurs zeigt, wie sie trotz Jetset und 70-Stunden-Arbeitswochen zu innerer Ruhe finden. Das wird auch erwartet; die Karrierebeilagen lehren uns den Übermenschen. Klar, einem Manager (oder einer Mangerin) würde es kaum in den Terminkalender passen, wenn er den BlackBerry abschalten soll, um sich ein paar Wochen unter einen Feigenbaum zu setzen. Das bisschen Entspannung auf Spesen sei ihm gegönnt, er wird es bitter nötig haben. Aber wie viel innere Ruhe kann jemand erwarten, dessen Lebenswandel der Inbegriff von Hektik ist? Diese Frage müssen sich nicht nur Manager stellen. Innere Ruhe mit dem Ziel, das Funktionieren in einer durch und durch ruhelosen Gesellschaft ohne Bezugspunkte zu sichern – ein wenig paradox wirkt das schon. Von klein auf lernen wir zudem, dass die meisten Bedürfnisse über den Weg des Konsums gestillt werden können und sollen. Ein Kaugummi verspricht nicht nur besseren Atem, sondern ein besseres Leben. Ein Pay-TV-Abo verheißt das Ende der Langeweile. Auch das Bedürfnis nach Zuneigung und Sex gehört dazu, wenn auch nicht direkt mit Prostitution – doch trink das richtige Bier und du darfst mit der schönen Frau/dem schönen Mann die Stiege hinauf und im Kämmerlein verschwinden! Warum sollte es mit innerer Ruhe oder geistigem Wachstum anders sein? Doch die Frage ist, wie sehr diese Konsum-Einstellung selbst
für das gefühlte Defizit verantwortlich ist, und ob es überhaupt einen Sinn hat, es mit einer weiteren Form des Konsums ausfüllen zu wollen. Gibt es ein richtiges Entspannen im Falschen? Besser als nichts, werden die meisten denken, besser als irgendwann zusammenzubrechen oder Amok zu laufen. Und wenigstens kann es nicht schaden. Viele der Entspannungs- und Selbstfindungstechniken sind nichts weiter als neuartige Eindrücke fürs Gehirn, möglichst weit entfernt vom Alltagsleben, um neue Gedankengänge zuzulassen, Selbsterkenntnis nicht unbedingt inbegriffen. Einmal möglichst wenige Sinneseindrücke statt möglichst vieler, oder statt den ganzen Tag nachzugrübeln einfach mal versuchen, an nichts zu denken. Nicht anders als bei einer ausgewogenen Ernährung tut dem Menschen Abwechslung gut, und ein Allesfresser ist er auch in kognitiver Hinsicht. Doch wer die ganze Woche Käsekrainer frisst, dem wird ein gesundes Menü am Sonntag als Ausgleich nicht reichen. Nicht viel mehr sollte man sich von einer Stunde Yoga in der Woche erwarten. Wer sonst unter Leistungs-, Konsum- oder welchem Druck auch immer niederzubrechen droht, könnte mal grundlegend über seinen Lebenswandel nachdenken. Wer ganz ohne ein Bedürfnis nach innerer Ruhe am liebsten jeden Tag im Turbomodus lebt, soll das auch tun dürfen. Es sind sicher auch Leute auf Käsekrainerdiät über 80 geworden. Denn mit innerer Ruhe und geistigem Wachstum ist es vielleicht wie mit dem Glück: Es findet der eher, der es nicht sucht – zumindest nicht mit der Brechstange. s DURST 1/11
KLAPPE HALTEN! In Schweigeseminaren wird mehrere Tage lang nichts gemacht außer – geschwiegen. Dass das im Alltag nicht so einfach ist, hat DURST herausgefunden. Von Mara Simperler
Unsere Autorin hat‘s wirklich versucht: Die Stille in ihrem Inneren zu finden. Doch dann drehte der Mitbewohner Acid Techno auf.
FOTO: MARA SIMPERLER
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ch sitze im Schneidersitz auf einem weißen Teppich. Mein Atem geht ruhig, die Augen sind geschlossen. Ich versuche meinen Kopf zu leeren und mich nur auf mein Inneres zu konzentrieren. Seit fünf Stunden habe ich kein Wort gesprochen und schön langsam glaube ich, dass ich das mit dem Schweigetag ganz gut hinbekommen werde. Dann dreht mein Mitbewohner im Wohnzimmer Acid Techno auf. Einen Tag lang schweigen – das war der Plan. Mangels Zeit und Geld kann ich nicht an einem regulären Schweigeseminar teilnehmen, deshalb schweige ich im Selbstversuch. Um meinem wahren Ich näher zu kommen, oder es zumindest zu versuchen. Das heißt außer Klappe halten aber auch: kein Fernsehen, keine Musik, kein Computer, keine SMS, keine Kings of Leon, kein Facebook. Nur so kann ich abseits von Ablenkungen meine Konzentration auf mein Innerstes lenken und dort vielleicht entdecken, wer ich wirklich bin. Sofern ich das wissen will. Da ich mich dazu entschlossen habe, diesen Sonntag schweigend zu verbringen, kann ich nicht die Treppen runter stürmen und dem Mitbewohner ins Ohr brüllen, er möge doch bitte an
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„WENN MAN DAS IM ALLTAG MACHT, IST ES SCHWIERIGER. MAN MUSS EINFACH DIE GELEGENHEITEN SUCHEN.“ Ermin Döll, Schweigeseminar-Leiter
mein Schweigegelübde denken. Aber er hört eh von selber wieder auf. Zu spät. Die innere Stille wurde bereits von den Beats verjagt. Einfach mal nicht reden zu müssen – diesen Wunsch haben offenbar viele Menschen. Sagt zumindest Ermin Döll (75), den ich einige Tage vor meinem Selbstversuch im Kardinal König Haus zu einem Gespräch treffe. Döll leitet seit vielen Jahren Schweigeseminare. Der gebürtige Bayer hat mit Zen-Meditation während seiner Studienzeit begonnen, als in Deutschland und Österreich
kaum jemand wusste, dass es so etwas überhaupt gibt. Mittlerweile sind die mehrtägigen Schweigeseminare von Döll schnell ausgebucht. Der schlanke Mann mit dem weißen Haar spricht ruhig und überlegt, er scheint gegen Stress vollkommen immun zu sein. Deshalb bin ich begeistert, als er mir vom Schweigen erzählt: „Zunächst ist es eine Erleichterung, dass man sich nicht mit anderen beschäftigen muss, dass man für sich sein kann.“ Im Selbstversuch leichter gesagt als getan, zumindest wenn man in einer WG wohnt. Oder in Wien. Denn obwohl ich die Wohnung bald verlasse, um am Wilhelminenberg durch die Stille zu stapfen, lauern am Weg dorthin unzählige Gefahren. Vor meiner Nachbarin verstecke ich mich hinter einer Telefonzelle, sonst müsste ich sie ja grüßen. Und schon mal versucht, aus einer vollen Straßenbahn auszusteigen, wenn man nicht laut „Entschuldigung, bitte!“ schreien darf? „Wenn man das im Alltag macht ist es schwieriger“, hatte auch Ermin Döll gesagt. Doch es klang so einfach, als er anfügte: „Man muss einfach die Gelegenheit suchen.“ Ich habe sie gesucht. Im Wienerwald scheint sich diese
Gelegenheit zu bieten. Bei der eisigen Kälte laufen außer mir nur wenige Leute die Hügel rauf und runter. Bei der Suche nach innerer Ruhe stoße ich aber auf ein gravierendes Problem: In meinem Kopf spielt es „Eleanor Rigby“ von den Beatles in Dauerschleife. „In der Meditation ist das Entscheidende, dass man nicht denkt“, hatte mir Ermin Döll erklärt. So weit bin ich wohl noch nicht, aber auch Döll gab zu, dass das für Laien schwierig werden könnte, ohne professionelle Anleitung: „Dass auch die Gedanken zum Schweigen gebracht werden, das ist die eigentliche, höhere Stufe des Schweigens. Das ist nämlich nicht ganz einfach.“ Vielleicht bin ich nicht fürs Schweigen gemacht. Denn gegen Abend wird mir mit mir selbst doch so langweilig, dass ich mein Buch aufschlage, um mich mit Eva Menasses Familiengeschichte zu beschäftigen statt mit meiner eigenen. Erholsam ist dieser Sonntag trotzdem, aber nicht des Schweigens wegen. Es ist die Abwesenheit von Radiomoderatoren, Klingeltönen und Statusupdates. Es ist die Freiheit, einmal nicht erreichbar zu sein. So gesehen könnte ich dem Schweigen vielleicht doch etwas abgewinnen. Das nächste Mal gehe ich dafür aber ins Kloster. Dort hört bestimmt niemand Acid Techno. s
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Ermin Döll, der kann’s: sitzen, schweigen und glücklich sein. Na ja, der hat leicht schweigen im weisen Alter von 75. Hier kann man professionell schweigen: Haus der Stille, Puregg www.puregg.at Buddhistisches Zentrum Scheibbs http://www.bzs.at/ Kardinal König Haus, Wien http://www.kardinal-koenig-haus.at
BIK MAC YOGA: ÜBER DIE HÖLLE IN DEN HIMMEL Bikram-Yoga ist schwer angesagt: Weil diese Yoga-Variante leicht konsumierbar, sportlich und ziemlich krass sein soll. Bietet sie auch spirituelle Erleuchtung? DURST hat das „Instant-Yoga“ ausprobiert. von Martina Powell
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tell dir vor, du stehst eineinhalb Stunden in einem Raum mit dreißig leicht bekleideten Männern und Frauen. Bei 38 Grad Zimmertemperatur. Du hast seit Stunden nichts gegessen, balancierst auf einem Bein und versuchst deinen Oberkörper nach hinten zu biegen, um mit deiner Stirn die Zehen deines ebenfalls nach hinten gereckten Fußes zu berühren. Jeder deiner Wirbel schreit nach Gnade, deine Lungen vibrieren ob der heißen Luft, dein Hals lechzt nach der Wasserflasche, die du aber nicht anrühren solltest. Denn Trinken und Essen belaste den Körper, sagt die Trainerin. Was wie Folter klingt, ist für den indischen Yoga-Meister Bikram Choudhury der Weg zur Erleuchtung: „Nur über die Hölle kommt man in den Himmel”, behauptet er. Über Bikram Yoga kursieren Horrorgeschichten von sich übergebenden, dehydrierten und bewusstlosen Teilnehmern. US-Celebrities wie Paris Hilton oder Lady Gaga machten daraus eine hippe Modeerscheinung. Bikram Choudhury selbst ist als Person umstritten: Viele nehmen ihm übel, dass er durch seine Yoga-Variante reich geworden ist und gerne im Bentley durch Beverly Hills düst.
„DIESES WESTLICH VERTRÄGLICHE YOGA VERZICHTET AUF RÄUCHERSTÄBCHENMOMENTE.“ Katharina Wogrolly, Trainerin
Die „Folterkammer“ im Bikram Yoga College, wie sie von manchen liebevoll genannt wird, wirkt auf den ersten Blick ganz nett: Es ist sauber, es duftet nach Blumen, beruhigende Musik säuselt und bei der hohen Luftfeuchtigkeit fühle ich mich wie im Palmenhaus. Nach einer kurzen Einführung von Yoga-Trainerin Katharina Wogrolly, die beim Meister persönlich ihre Ausbildung absolvierte, geht es los: Neben mir auf blauen und gelben Yogamatten dehnen und verbiegen sich ein 65-jähriger Mann, eine Schwangere und diverse Studentinnen. Sie stoßen geräuschvoll heiße Luft aus und schwitzen bald wie ich aus allen Poren. Jede Session folgt
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dem gleichen Schema: 26 Positionen werden zweimal wiederholt. In den ersten Stunden sei das Ziel, einfach nur im Raum zu bleiben, sagt Trainerin Wogrolly. Allerdings! Für mich bringt die erste Einheit vor allem: Schmerzen, gepaart mit Schwindelgefühlen. Schon nach den ersten Positionen sitze ich erschöpft auf der Matte und bewundere meine Nachbarin, die in der Hocke ihre Nase gen Boden drückt, die Arme nach vorne streckt und den See aus Schweiß unter ihrem Körper ignoriert. Nach der fünfzigsten oder hundertsten Stunde würden einem die Übungen leichter fallen, tröstet mich meine Trainerin. Dann könne man das meditative Element der Übungen voll auskosten. Es seien die Wiederholungen, die BikramYoga zu etwas Besonderem in ihrem Leben gemacht haben, sagt Wogrolly. Sie praktiziert seit über zehn Jahren Yoga, hat in Budapest, New York und Los Angeles Bikram Yoga unterrichtet. Ihre chronische Darmkrankheit sei besser geworden, sie brauche weniger Schlaf, sei leistungsfähiger und weniger launisch. Das Erfolgsgeheimnis des Bikram Yoga sei, dass es fast komplett auf „Räucherstäbchenmomente“ verzichte: „Es ist ein westlich verträgliches Yoga,
Yogaempfehlungen: Bikram Yoga College. Neubaugürtel 47/5. OG/Top 1 1150 Wien, www.bikram.at FOTO: BIKRAM YOGA COLLEGE WIEN
Bis zu sechzig Personen trainieren gleichzeitig. Es ist sauber, es duftet nach Blumen, beruhigende Musik säuselt.
das den Schülern frei stellt, ob sie es rein sportlich betreiben oder sich spirituell weiterbilden wollen.“ Beim „Instant Yoga“, wie es der Erfinder selbst genannt hat, wird der ganze Körper bearbeitet, von innen nach außen, von Kopf bis Fuß. Die Hitze soll Verletzungen vorbeugen, den Kreislauf anregen und zur Entgiftung beitragen. Jedes Organ werde aktiviert und jede einzelne Zelle bearbeitet, heißt es. Bikram Yoga komme auch deshalb so gut an, weil es Sauna und Fitness-Studio kombiniere, sagt Wogrolly. Mein Bekannter Leo geht schon seit Monaten regelmäßig nach der Arbeit ins Bikram Yoga College schwitzen. „Wie man es sich von einer Franchise-Kette erwartet, gibt es hier das vorgekaute Yogamenü zur immer gleichen, guten Qualität“, sagt der 32-Jährige. „Der erklärende Redeschwall der Vorbeterin ist jedes Mal ungebrochen wie mein Schweißfluss. Auf Einzelpersonen wird kaum eingegangen, was bei einer Matte an Matte geschlichteten Masse von sechzig Personen in den Abendklassen auch gar nicht möglich wäre.“ Das „Bik Mac Yoga“, wie es Leo nennt, habe trotzdem seine Vorteile: „Es ist unkompliziert und unesoterisch.“ Dank Bikram Yoga habe er seine Verspannungen im Griff und auch praktisch keine Verkühlungen mehr. Dafür nimmt Leo schon mal ein „yogainspiriertes System von einem geldfixierten, auf einem Tigerfell posierenden ‚Yogi‘“ in Kauf. Auch ich bin während meiner Schnupperstunde vor Anstrengung keine Sekunde dazu gekommen, über das Spirituelle dieser Yoga-Form nachzudenken. Aber ich fühle mich nach neunzig Minuten Extrembelastung erstaunlich gut: Meine Muskeln sind geschmeidiger und meine Haut wirkt reiner. Trotzdem habe ich es bei diesem einen Termin belassen. Auf diesem Weg erreiche ich das Nirvana nicht. s
Yogawerkstatt. Große Mohrengasse 23 im Hof 1020 Wien, www.yogawerkstatt.at Yogazentrum Ganesha. Alserbachstraße 2/ Stiege 1/ Tür 15 1090 Wien, www.ashtanga.at DURST 1/11
IN DER VERSENKUNG Im Samadhitank lassen sich alle Sinneseindrücke abschalten. Klingt entspannend – ist es aber nicht immer, wie DURST bei einem ersten Samadhi-Erlebnis erfahren konnte. von Raffael Fritz
Der Einstieg sieht zugegeben wenig erbaulich aus. Drinnen soll es aber ganz angenehm sein: „Hinlegen, Deckel zu – und ich bin das Hirn im Glas.“
FOTOS: GEORG ECKELSBERGER
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nd greif dir nicht in die Augen, wenn du im Tank bist, das brennt!“, warnt mich Walter Urbanek, der Betreiber des Samadhitanks in der Wiener Sargfabrik. Dann lässt er mich alleine in dem überheizten Zimmer. Nur ein hölzerner Buddha im Eck leistet mir noch Gesellschaft. Unter seinen Blicken ziehe ich mich aus, steige in die Dusche und wasche mich gründlich. Dann öffne ich klitschnass wie ich bin den Deckel des Tanks und steige in die bittere Lake. Hinlegen, Deckel zu – und ich bin das Hirn im Glas. „Samadhi“ kommt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie „innere Versenkung“ – in diesem Fall in einem von der Außenwelt abgeschotteten Salzwassertank. Auf diese Idee ist der kalifornische Psychologe und Delfinforscher (!) John C. Lily schon in den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts gekommen. Ihn – und auch die NASA – hat interessiert, was im Hirn passiert, wenn nichts passiert und alle Außenreize abgeschaltet sind. Wie im toten Meer schwebt man in einer Bittersalzlösung, Ohren unter Wasser, komplett im Dunkeln. Ein nachhaltig beruhigender Effekt auf die Hirnströme ist mittlerweile wissenschaftlich
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„MANCHE SOLLEN PANIKATTACKEN BEKOMMEN HABEN, ANDERE HABEN ES SO SCHÖN GEFUNDEN, DASS SIE GAR NICHT MEHR RAUS WOLLTEN.“ Raffael Fritz
erwiesen. Und ja, das ist das Ding aus dieser Simpsons-Folge. Da schwebe ich nun, nackt, schwerelos und ohne Sinneswahrnehmung – bis auf einen leichten Schwimmbadgeruch in der Nase. Manche sollen Panikattacken bekommen haben, andere haben es so schön gefunden, dass sie gar nicht mehr raus wollten. Und ich? Beginne mich ein wenig zu
langweilen. Bin ich zu rational und oberflächlich, wie mir eine Bekanntschaft aus dem Eso-Eck mal bescheinigt hat? Den Scheißhippies zeig ich’s! Ummmmmmmm, summe ich ganz tief und spüre meinen Körper wie eine Saite vibrieren. Sehr entspannend. Bis mein rechtes Auge zu jucken anfängt. Ich erinnere mich schwach an die Warnung des Betreibers. Also liege ich da und versuche es zu ignorieren. Nicht so einfach, wenn es der einzige Sinnesreiz ist, auf den sich mein Hirn konzentrieren kann. Wenn ich vielleicht nur ein klein wenig kratze...? Knapp über der Nase, kann doch nicht so schlimm sein... AAAH! Doch, es kann so schlimm sein. Wie vom Schlag getroffen springe ich durch den Deckel ans Licht, schnappe ein Taschentuch und wische mein Auge aus. Autsch! Fluchend lege ich mich in den mechanischen Mutterleib zurück und schließe die Klappe. Durch meine Augen-Aktion gehen die Wogen im Tank hoch, es treibt mich mit dem Kopf erst an die eine, dann an die andere Wand, bis ich endlich ruhig liege. Gedanken tauchen auf und wieder ab. Sorgen und Probleme, Leute, die mich aufregen, Ereignisse, vor denen ich Angst habe.
Alles nicht so wichtig, hier im Dunkeln mit mir allein. Meine Augen haben sich beruhigt, ich weiß nicht mal mehr, ob sie offen oder zu sind. Ich weiß auch nicht mehr, ob ich schlafe oder wach bin. Aber diese Frage kann ich mir noch stellen, also bin ich wohl noch wach. Oder so was Ähnliches. Schwer zu sagen, ob fünf Minuten oder fünf Stunden vergangen sind, aber irgendwann wird mein Nacken steif, so ganz ohne Stütze. Also verschränke ich die Hände hinterm Kopf. Dadurch verlagert sich mein Schwerpunkt, der Oberkörper steigt, die Füße sinken. Ohne Arbeit ist mein Gleichgewichtssinn übereifrig geworden, es fühlt sich an, als würde ich mich ständig weiter drehen, bis ich Loopings und Schrauben vollführe. Dabei liege ich ganz still. Es hört nicht mehr auf, auch als ich die Hände wieder nach vorne nehme. Und jetzt juckt das blöde Auge wieder. Bloß. Nicht. Kratzen. Argh. Mir wird schwindlig. Der Schwimmbeckengeruch macht es nicht besser. Komm schon, noch ein bisschen. Aber mein Kleinhirn hat offenbar keinen Bock mehr. Also gut. Ich öffne den Deckel und steige raus, trockne die Hände ab und reibe mir in aller Ruhe die Augen. Was für eine Flasche ich doch bin, denke ich, dass ich es nur ein paar Minuten da drin aushalte – aber die Uhr zeigt an, dass Eineinviertelstunden um sind. Das war aber fix. Für die große Erleuchtung muss ich vielleicht mal wiederkommen – oder ich bin halt einfach zu oberflächlich. Immerhin macht das Bittersalz echt weiche Haut. Und erst die Haare! s
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Walter Urbanek betreibt seinen Samadhitank in der Wiener Sargfabrik aus Überzeugung und zum Selbstkostenpreis, um das Erlebnis auch weniger zahlungskräftigen Kunden zugänglich zu machen. Die erste Sitzung ist in Begleitung, dauert mit Vor- und Nachbesprechung etwa drei Stunden und kostet 60 Euro. Alles, was man mitbringen muss, ist ein Handtuch. Vorwissen ist keines nötig. www.samadhitank.or.at
DIE PFLEGE DES ICH Elisabeth von Samsonow unterrichtet an der Akademie der bildenden Künste in Wien philosophische und historische Anthropologie der Kunst. Sie ist eine Expertin in Sachen Ich. Interview: Christian Bretter
Elisabeth von Samsonow: Seit die Philosophen das Potenzial dieses Pronomens entdeckt haben. Also etwa zeitgleich mit der Erweiterung des Umfangs dieses Pronomens in Formeln wie „L’état c’est moi“. Die Zartbesaiteteren verlegten sich auf das Man (groß oder klein), die an ihrer Individualität Interessierten eben auf das Ich. Zunächst erlebte das Ich durch den Aufstieg des Bürgertums eine Demokratisierung, so dass das ursprünglich aristokratische, wenn nicht theokratische Ich jedermanns Besitz werden konnte. Dann erst wurde dieser Umstand des allgemeinen Ich-Besitzes im 18. und 19.Jahrhunderts philosophische Chefsache. Warum war das Ich in der Renaissance plötzlich möglich oder nötig?
Es ging vor allem darum, Verantwortung für – meistens ökonomisch relevantes – Handeln an ein hoheitliches Subjekt zu binden. Der neue Bürger als Ich-Besitzer drängelt sich gewissermaßen neben die Figur des Souverän. Er kann eine Unterschrift leisten, er beginnt zu signieren, auch Kunst. Ist Selbstverwirklichung eine Mode-Erscheinung? Gab es so etwas wie Selbstverwirklichung davor nicht?
Der Begriff ist ein Modewort wie etwa „Nachhaltigkeit“. Was er bezeichnet, gab es sicher vorher auch, nämlich dass eine Person eine spezifische Bahn in ihrem Leben durchläuft. Allerdings stand diese Laufbahn früher unter dem Zeichen des Schicksals, also unter der Wirkung allgemeiner Kräfte, die es eben so gut es ging zu meistern galt. Die Idee der Selbst-Verwirklichung suggeriert, dass Kontrolle und Skript dieser Laufbahn zurückzuholen sind in die Hoheit des Selbst, wobei allerdings dieses
„Selbst“ zuweilen auch als eine schwer zugängliche Instanz mit schicksalshaften Qualitäten verstanden wird. Was war davor? Hat das Ich das Wir ersetzt?
Man kann sich das so vorstellen, dass zunächst das Ich nichts anderes ist als Pronomen, grammatisch die erste Person Singular, grammatisch gleichberechtigt mit allen anderen Personen. Erst die ökonomische, politische und philosophische Privilegierung des Ich befördert es in die Position, in der wir es kennen. Wahrscheinlich ist ein Ich ohne diese Operation durchaus in der Lage, sich als ein solches wahrzunehmen, allerdings ohne diesen Akzent, ohne diese Bewertung. In der Tat wird es tendenziell eher seine Austauschbarkeit registrieren, also den Umstand, dass alle „Ich“ sagen, daher seine Nähe zum „Wir“. Ist das Wir mit dem Kommunismus untergegangen?
Der Kommunismus gehört in die Kategorie der großen politischen Massenbewegungen des späten neunzehnten und des zwanzigsten Jahrhunderts. Er stellt eine ideologische Forcierung des Wir dar, des Gruppen-Ego, das als Imperativ die Grundlage der Totalitarismen bildet. Nicht umsonst gehört zum Kommunismus wiederum ein ökonomisches Gesetz, das diesmal nicht den Einzelnen und seine Kaufkraft privilegiert, sondern den gemeinschaftlichen Besitz der Produktionsmittel. Insofern erscheint das „Wir“ des Kommunismus ähnlich zu funktionieren wie das einer solidarpflichtigen Stammesgesellschaft. Trotzdem gibt es tiefgreifende Unterschiede. Die Ausweitung des kommunalen Prinzips der „Heiligen Familie“ ist nicht notwendig mit der Einführung des autoritären Führers verknüpft, wie sich an den sogenannten akephalen Gesellschaften ablesen lässt (akephal=
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kopflos, d.h. ohne Führungsschicht). Solange autoritäre Führer ein kommunales „Wir“ zu steuern versuchen, ist dieses Wir konzeptuell schwach. Dem kommunistischen Wir müsste also ein Wir nachfolgen, das seine Kräfte zu explizieren weiß. Dem historischen Moment, in welchem das die Aufgabe ist, wohnen wir gerade bei. Löst sich das Ich in einer Gebergesellschaft, wie der Philosoph Peter Sloterdijk sie in seiner aktuellen Schrift „Die nehmende Hand und die gebende Seite“ skizziert, in einem Wir auf?
Nein. Wie ich das verstanden habe, ist es vielmehr so, dass durch diese Idee Sloterdijks das Stolzmoment im Ich wieder herausgestellt werden soll, dass sich das Ich als Mäzen der Gemeinschaft fühlen darf, dass das Ich die Chance bekommen soll, seine besten Anlagen, nicht nur seine egoistischen und von Gier gesteuerten, zu entwickeln. Die Ich-Konkurrenz, also die gegeneinander im Gier-Wettbewerb, in der Ich-Sicherung und Ich-Statuspflege engagierten Ichs, soll damit umgestimmt werden zu einem Zusammenhang der gegenseitigen Hege- und Unterstützungsleistung. Sloterdijk nimmt das biblische Wort ernst, welches besagt, dass Geben seliger sei als Nehmen. Das gebende Ich kann sein Ich genießen, weil es sich leistet, zu geben und damit aus der Unseligkeit des Raffens herauskommt. Die sanfte Sozialisation, die diese Umwertung einschlösse, beruht darauf, dass die Extrapolation des Ich, um es einmal so gestelzt zu sagen, nicht auf dem Umfang des Habens sondern auf dem Umfang der gemeinschaftsbildenden Leistung beruht, ohne dass es dadurch zu einem Abbruch an Ichheit kommt. Ich halte das für einen überfälligen und wichtigen Vorschlag, der natürlich voraussetzt, dass man hohe und höchste Meinungen vom Subjekt
FOTOS: SANDRA SAGMEISTER, SAMSONOW
Seit wann existiert das Ich als Begriff, wie wir ihn heute kennen?
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Elisabeth von Samsonow ist O.Univ.Prof. Dr., Philosophin, Bildhauerin und noch einiges mehr. Hier zu sehen während der Animation der Quellnymphe nach dem ägyptischen Mundöffnungsritual in Bad Vöslau (2010). In ihrer Lehrtätigkeit an der Akademie der bildenen Künste Wien geht es, kurz gesagt, um das Zusammenspiel von Körper und Geist. Dies meint sowohl den eigenen menschlichen Körper als auch den Körper eines Kunstwerkes. In der Beschreibung ihres Lehrstuhls tauchen folgende Wörter auf: Ursprünge der Moderne. Kult, Kunst und Raum. Das Gedächtnis des Raumes. Psychoanalyse und Ästhetik. 2010 erschien von Elisabeth Samsonow das Buch „Egon Schiele – Ich bin die Vielen“, Passagen Verlag, Wien. DURST 1/11
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vertritt. Hier bekäme das Ich nun wirklich die volle Souveränität zugesprochen, gleichzeitig natürlich auch aufgehalst, damit es daran wachse und sich zur Hochform entwickle.
Siècle durchaus verstanden, dass das vervielfältigte Ich, um es einmal so zu sagen, dem Ich-Sein im menschlichen Feld am ehesten entspricht. Vor allem dann, wenn die Medien, die ja zur selben Zeit eine veritable Revolution der Kommunikation ermöglichten, uns darauf aufmerksam machen, dass es um Kommunikation geht und wieder um Kommunikation. Um die Verbindung also. Ich würde also sagen, dass ein vervielfältigtes Ich das der Mediengesellschaft angemessene Subjekt darstellt.
Was bedeutet die Ich-Zentrierung für das Glück des Einzelnen?
Es war zunächst der Leitstrahl, auf welchem das Subjekt sich aus seiner radikalen Inventarisierung in Familie, Gruppe, Volk, Zunft usw. lösen konnte. Der Moment, der die Sorge um das Selbst in den Vordergrund stellt, was in einer Moralphilosophie oder Ethik immer der Fall ist, wird das Ich mit Verantwortung zusammenfallen lassen. Die Ich-Zentrierung mag also einerseits den Vorteil der Selbstbestimmung eingeführt haben, andererseits setzt sie das Subjekt einer unwiderruflichen absoluten Verantwortung aus, die nicht so ohne Weiteres übernommen wird oder übernommen werden kann. Man sieht es heute sehr genau, wie der Ruf, ja geradezu die Forderung nach individuellem Glück sich mit einer parallelen Forderung nach Gepflegt-, Unterstütztund Umsorgtwerden verbindet. Schuld am Ausbleiben des Glücks ist also in jedem Fall die Gesellschaft, die Politik, die Familie, der Arbeitgeber, also kurz die ganze Welt. Da stimmt etwas nicht zusammen. Stolze Ich-Besitzer verfügen nicht nur über die Kraft der Ratifikation ihrer Verträge und Abschlüsse, sondern notwendig auch über Verantwortung in Bezug auf ihre Lebensführung und ihre Glückserfolge. Die Verpflichtung, in dieser Hinsicht fortwährend Entscheidungen treffen zu müssen, wird gerade von hochgradigen Ichs schmerzlich empfunden. Deshalb gibt es wohl neuerdings wieder diese Infantilisierungstendenz, nämlich ein schwaches Ich und damit einen Abbau existentiellen Schmerzes zu erreichen. Die Versuchung, als schwaches Ich in eine Woge kollektiver Empfindungen einzutauchen, ist wohl eine dauernde. Man könnte sagen, dass sich deshalb die zeitgenössische Gesellschaft egozidär (ich-tötend) verhält, weil sie die berühmten tragischen Charaktere immer weniger toleriert. Sie schaffen in Ihren Überlegungen rund um den Künstler Egon Schiele eine Verbindung vom Jugendstil und den Beginn der Jugendbewegung um 1968. Ist die Beweglichkeit der Idee von Jugend eine Voraussetzung für ein mehrfaches Ich?
Karl Landauer, der großartige Psychologe der Jugend, hat in seinen Schriften auseinandergesetzt, was es
Was passiert mit dem Du?
Elisabeth von Samsonow während einer Aktion mit ihrer Skulptur Maria Magdalena in Jerusalem. denn bedeute, wenn der Kindkörper in die Pubertät kommt. Der pubertierende, also auch erotisierte Körper fordert eine seelische Reaktion ein, die zunächst nur ambivalent sein kann: Das alte und das neue Ich sind einmal nicht dasselbe. Insofern hat man im Modell der Pubertät den Prozess der Ich-Spaltung eindrücklich vor Augen. Zudem führt das Prinzip des Eros eine weitere Spaltung des Ich ein, die das Ich über die Verliebtheit an ein anderes Ich bindet. Die Jugend ist so gesehen tatsächlich Modell der Ich-Vervielfältigung, in symbolischer Hinsicht. Das pubertäre Ich muss eine komplexe Synthese-Leistung über verschiedene Ich-Zustände (alt und radikal neu), veränderte Körper (Schema alt, Schema neu) und Vergesellschaftungen seines Ichs (Verliebtheit) zuwege bringen. Ich gehe deshalb davon aus, dass die Jugendbewegungen des 20.Jahrhunderts die dramatischen Veränderungen in der Auffassung des Ich notwendig flankiert haben, wobei es schwierig wäre zu entscheiden, was da Grund und was Effekt ist. Jedenfalls ist eine gewisse Horizontalisierung der Ichs in einem sozialen Feld aus den genannten Gründen symbolischer Gewinn der Jugend, den sie heute zu verwerten hat.
In der Literatur spricht man seit der Postmoderne von der Auflösung des Autors – steht auch das Ich vor der Auflösung? Was kommt danach?
Erdherz (Tesla-Maschine)
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Der Autor steht so lange nicht vor der Auflösung, solange er mit seinem Ich noch urheberrechtliche Forderungen stellen kann. Falls sich derlei einmal, nach der Einsicht, dass der Geist nur einer sein kann, dass der General Intellect die Kooperation der Vielen fordert, als nicht haltbare Kapitalisierung des Geistes darstellen sollte, dann kann die Auflösung im Sinne der analytischen Vervielfältigung des AutorenIchs in produktiver Weise stattfinden. Jeder Intellektuelle/jede Intellektuelle und jeder Autor/jede Autorin ist eine Fusionsmenge aus unterschiedlichen, wie in einem Intertext verwobenen Subjekten. So viel zur zeitgenössischen Plagiatsdiskussion. Sie selbst beherbergen in Ihrem Körper mehrere Gesichter – Philosophin, Bildhauerin, Professorin, Mutter… – sind dies jeweils andere Ichs?
Ist die Konzentration auf das Ich dazu förderlich oder hinderlich?
Es wird eine Konzentration auf das multiple Ich sein müssen, die da zur Debatte steht. Im Übrigen haben das die Philosophen-Literaten des Fin de
Es ist eben das Alter Ego, eines der vielen Ichs. Ich kann eines meiner vielen Ichs durch einen Ich-Stellvertreter besetzt sein lassen, das wird dann ein Du sein. Und zwar ein Du, mit dem es wirklich so etwas wie Kommunikation geben kann, communio, Gemeinschaftsbildung. Die Gemeinschaftsbildung der Ichs beziehungsweise die Vervielfältigung der Ichs ist die Voraussetzung des Gelingens von Kommunikation. Ansonsten führe das Ich bei dem Du nur an die Wand.
Self reflecting girl
Das haben Sie schön gefragt. Sie haben nur die Liebhaberin, die Gärtnerin, die Köchin, die Autorin, die Freundin, die Architektin, die Malerin, die Tochter, Schwester, Tante und Patin vergessen. Ja. Es sind jedes Mal andere Ichs. Jedes seiner Intention vollständig hingegeben. s DURST 1/11
FOTO: CHRISTIAN BRETTER; ILLUSTRATION: KURT RUDOLF
STOLZE ICH-BESITZER VERFÜGEN ÜBER IHRE LEBENSFÜHRUNG UND GLÜCKSERFOLGE. ELISABETH VON SAMSONOW, SEITE 46 Als Peter Sloterdijk noch Vorlesungen in Wien halten durfte: Wintersemster 2007/2008 an der Akademie der Bildenden Künste. DURST 1/11
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DIE AUSZEIT-UNI In Dänemark lernen junge Menschen in sogenannten Folkehøjskolen Programmieren, Töpfern oder Filmen. Ohne Examen, mit viel Spaß. Man wohnt, isst, lernt und feiert zusammen. Von Mara Simperler
LERNEN, NUR ZUM SPASS Und das Ganze hat System. Das European Film College ist eine von rund achtzig Folkehøjskolen in Dänemark. Die Philosophie dahinter hat nichts mit dem zu tun, was man sich unter „Schule“ generell vorstellt. Hier sollen junge Menschen für ein paar Monate einfach einmal ausprobieren, was ihnen Spaß macht. Das Kursangebot ist riesig, von Fotografie über Mathematik bis hin zu Meditation kann man beinahe alles lernen. Was zählt, sind Spaß und
Motivation. Wenn man geht, bekommt man zwar ein Zertifikat in die Hand gedrückt, einen Titel gibt es aber nicht. Für viele junge Dänen ist eine Auszeit an der Folkehøjskole ganz selbstverständlich. Einige kommen wie Lena direkt von der Schule und wollen erst einmal herausfinden, worin sie gut sind, bevor sie sich für ein Studium entscheiden. Wieder andere haben nach ihrem Studium das Gefühl, zu wenig für sich selbst gelernt zu haben, und wollen das nachholen. Im Gegensatz zu Österreich gilt in Dänemark ein möglichst schneller Abschluss nicht als erstrebenswert. Helga Kolby Kristiansen (63), Direktorin der Silkeborg Højskole und Obfrau des Hochschulverbands, macht dem außergewöhnlichen Bildungssystem gleich zu Beginn unseres Gesprächs eine Liebeserklärung: „Das ist mein Leben!“ Sie hatte einst Religionswissenschaften und Deutsch an einer herkömmlichen Uni studiert, den kreativen Zugang zu Bildung genießt sie nun aber schon seit 25 Jahren an „ihrer“ Folkehøjskole. Sie schätzt nicht nur den freien Unterricht: „Ich lebe hier mit meiner Familie und mag einfach den gemeinsamen Alltag hier sehr gerne.“
„DU LERNST OHNE DRUCK VON AUSSEN, DU LERNST, WEIL ES DIR SPASS MACHT.“ Lena Baur (22) übte sich acht Monate lang an einer Folkehøjskole im Filmemachen. Dazu gehörten Vorlesungen am Strand genauso wie vollgestopfte Terminkalender.
FRÜHSTÜCKEN MIT DEM LEHRER So etwa hat es sich vermutlich auch der Gründungsvater der Folkehøjskolen vorgestellt. Schon in den 1830ern brach Nikolaj Frederik Severin Grundtvig mit konservativen Studientraditionen. Die universitäre Elite bezog ihr Wissen nur aus Büchern, Grundtvig wollte Bildung für alle Gesellschaftsschichten. Nur so könnten die Dänen zur Demokratie finden, war er überzeugt. Im Zentrum standen deshalb schon damals nicht nur die Studienfächer, sondern vor allem das Erleben von sozialen Beziehungen. Auch heute ist das Zusammenleben von Schülern verschiedener Herkunft mit ihren Lehrern fixer Bestandteil der Folkehøjskolen. Lena teilte sich in ihrer Zeit in Dänemark ein 15 m2 großes Zimmer mit einer anderen Schülerin. Aufgaben wie Frühstücksdienst oder Putzdienst gehörten ganz selbstverständlich zum Alltag am European Film College. „Soziale Verantwortung wird sehr groß geschrieben“, erzählt sie. Die Schüler lernen an den Folkehøjskolen
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„WIR KÖNNEN DIE SCHULE JEDEN TAG ÄNDERN, WENN WIR GLAUBEN, DASS DAS WICHTIG IST.“ Helga Kolby Kristiansen (63) lebt an der Silkeborg Højskole, wo sie auch Direktorin ist. Sie schätzt die Flexibilität der Folkehøjskolen.
ganz unterschiedliche Dinge: Jene, die das erste Mal von zu Hause ausgezogen sind, Selbstständigkeit. Jene, die nur für sich selbst verantwortlich waren, das Zusammenarbeiten im Team. Eigentlich können die Schüler gar nicht anders. An einer Folkehøjskole studieren hundert junge Menschen, die einander nicht ausgesucht haben. Sie leben zum Teil im gleichen Zimmer und müssen miteinander auskommen. Wollen, dass es funktioniert. Auch die herkömmlichen Schüler-Lehrer-Beziehungen gibt es an Folkehøjskolen kaum. Schließlich sieht man die Lehrer auch nach dem Ende des Schultages. „Oft wird eine Diskussion aus dem Unterricht beim Abendessen fortgesetzt oder Themen vom Frühstückstisch werden auf einmal im Unterricht behandelt“, erzählt Kristiansen.
VORLESUNGEN AM STRAND „Volksnah“ wie die Schulen sind, geht es im Unterricht sehr praktisch zu. Theorien werden nur dort gewälzt, wo sie wirklich notwendig sind. Hauptsächlich geht es ums Erleben und Ausprobieren. Hin und wieder hatte Lena deshalb auch am Strand Unterricht. Alle Lehrer kommen aus der Praxis, aus unterschiedlichen Gebieten. „Es war sehr lustig, weil die alle unterschiedlich unterrichten“, sagt Lena. Sie hat den Unterricht an der Folkehøjskol als sehr flexibel und frei erlebt: „Wenn wir etwas Bestimmtes machen wollten, konnten wir das immer mit unserem Lehrer absprechen.“ Diese Freiheiten schätzen nicht nur die Schüler und Schülerinnen. Auch Helga Kolby Kristiansen sieht darin einen Vorteil der Folkehøjskolen gegenüber dem formalen Schul- und Studiersystem: „Wir sind eine freie Schule. Wir müssen unsere Schüler nicht mit Noten und Prüfungen quälen, wir machen unsere eigenen Lehrpläne. Wir können die Schule jeden Tag ändern, wenn wir glauben, dass das wichtig ist.“ Bei all dem Gerede von Freiheit könnte der Eindruck entstehen, die Zeit an der Folkehøjskole gleiche einem Urlaub. Keine Noten? Keine Prüfungen? Ab an den Strand! Ganz so sei es dann doch nicht, ernüchtert Kristiansen: „Es ist eine Pause vom herkömmlichen Schul- und Studieralltag. Aber es DURST 1/11
FOTO: PRIVAT / NICOLAI LOK, ILLUSTRATION: KURT RUDOLF
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igentlich wollte Lena Baur (22) einfach nur weg. Eine Filmschule, die ungefähr ein Jahr dauert, ohne Aufnahmeprüfung, das waren die Kriterien, die sie nach der Matura in die Google-Suchmaske tippte. Ein paar Monate später stand sie das erste Mal am Campus des European Film College in der kleinen dänischen Stadt Ebeltoft. Dort würde sie die nächsten achteinhalb Monate gemeinsam mit rund 100 anderen Studierenden an dieser Folkehøjskole lernen, filmen und leben. Das European Film College steht mitten in der dänischen Pampa. Wenige Minuten von der Folkehøjskole entfernt beginnt der kilometerlange Sandstrand. Ebeltoft, das putzige, kleine Städtchen nebenan, ist beliebt bei Touristen und alten Leuten. Das European Film College ist groß, hell und modern – sogar ein Kino gibt es in dem weißen Gebäudekomplex. Rund hundert junge Leute wirbeln von dort aus jedes Jahr die ruhige Umgebung auf. Sie lernen an der Folkehøjskole, wie man Filmsets baut, Kameraeinstellungen macht und vor allem auch, wie man miteinander lebt und arbeitet. „Es ist ein ganz anderes System als bei uns”, erzählt Lena. „Du lernst ohne Druck von außen, du lernst, weil es dir Spaß macht.“ Am Film-College konnte sie ausprobieren, ob ihr das Filmemachen überhaupt liegt, ohne Notendruck, mit vielen Freiheiten. Kleine Klassen von höchstens 15 Studierenden garantieren ein gutes Betreuungsverhältnis. Lehrer, die gemeinsam mit den Studis am Campus leben und eigentlich gar keine Lehrer sind, auch. Mit unseren „Volkshochschulen“ hat das nur den Namen gemeinsam.
ist natürlich keine Zeit, wo man nichts tut.“ Viele Studierende seien anfangs überrascht, wie viel sie zu tun haben. Der meiste Druck komme aber von innen, ist Kristiansen überzeugt: „Die Schüler sind getrieben von ihrem eigenen Enthusiasmus.“ Lena ging es genauso. Der viele Stress sei eigentlich daher gekommen, dass sie gerne so viel machen wollte. In dreiwöchigen Blöcken lernte sie in Kleingruppen verschiedene Techniken des Filmemachens, dazwischen drehte sie mit ihren Kollegen und Freunden kurze Filme. Der Tag war bis in den Abend verplant: Vormittags Kurse, nachmittags Yoga, nochmal Kurse, abends organisierte Lena gemeinsame Kinoabende, ging zu Vorträgen. „Alle haben das mitgemacht und man trägt sich so gegenseitig“, sagt Lena.
EINE UTOPIE AUF ZEIT
Das European Film College in Ebeltoft liegt in der dänischen Pampa. Hier lernt man das Filmemachen. DURST 1/11
Stimmt schon, die Folkehøjskole als kreativer Fels in der Brandung klingt ein bisschen wie eine Utopie. Den meisten Studierenden fällt es daher sehr schwer, diese wilde Mischung aus Riesen-WG, Kreativspielplatz und Denkstimulator aufzugeben. Denn so schön die Folkehøjskole ist, nach spätestens einem Jahr ist der Kurs vorbei, der große neue Freundeskreis verstreut sich. Man wird daran erinnert, dass auch in Dänemark die Uni nach einem herkömmlichen Notensystem funktioniert. Helga Kristiansen zieht es zwar vor, Direktorin einer Folkehøjskole zu sein, trotzdem findet sie beide Systeme wichtig: „Die informellen Folkehøjskolen sind eine Alternative und Ergänzung zum formellen Bildungssystem.“ Außerdem hat diese freie Bildung einen hohen Preis. Lena musste rund 10.000 Euro für ihre Zeit in Ebeltoft zahlen. Das ist allerdings für dänische Verhälnisse nicht so viel – schließlich sind Essen und Wohnen inkludiert. Staatliche Unis verlangen jedoch gar keine Studiengebühren und nur hier bekommt man einen offiziellen Abschluss. Immerhin sorgt das dafür, dass die Dropout-Quoten an den Volkshochschulen niedrig sind. Wer will schon so viel Geld in den Sand setzen? Lena studiert mittlerweile wieder in Österreich – am Filmcollege Wien. Fast alle, die mit ihr in Dänemark waren, machen heute etwas mit Film, erzählt sie. Und, ja, es sei schwer gewesen für sie, zurückzukommen. In Dänemark war sie ständig von Leuten umgeben, die die gleichen Interessen hatten. In Österreich sei das nicht so. Irgendwie sei es aber auch gut so, ohne die vollen Tage, ohne den Stress, sagt Lena. Denn die grundlegende Idee der Folkehøjskolen lässt sich überall leben. Lena will sich nicht mehr an den Erwartungen und Anforderungen Dritter orientieren: „Was mir Spaß macht, kann nur ich selber entscheiden.” s
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LOHNT SICH AUSWANDERN? Kann ich da günstig wohnen? Und wie viel kostet einmal Betrinken? Alternativen zu österreichischen Studienorten von New York bis Istanbul im knallharten DURST-Vergleich.
WARUM HIER STUDIE REN?
WARUM NICHT?
STUDIENGEBÜHREN PRO JAHR
WG ZIMMER PRO MONAT
WAS KOSTET EIN KLEINES BIER?
GLÜCKSINDEX1
SEXSTATISTIK2
BERLIN
Beste Partys und Currywürste der Welt
Pleite, zu groß, Berliner Schnauze
ca. 500 €
300 €
2,50 €
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117 mal pro Jahr Dauer: 17,6 min
MADRID
Shopping und Tapas, Menschen wie aus Almodovar-Filmen
Im Sommer zu heiß, im Winter zu kalt, maskierte Räuber
150-500 €
230 - 490 €
2€
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118 mal pro Jahr Dauer 15,6 min
Immer noch die Stadt aller Städte
Nicht rauchen, nicht trinken, dafür überfallen werden
10.000 €
800 €
5€
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85 mal pro Jahr Dauer: 17,7 min
Tolles Panorama, citynahe Strände
Elendsviertel versus Golfclubs
ab 1.500 €
200 €
1,20 €
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120 mal pro Jahr Dauer: 20 min
Flanieren und Verlieben kostet nichts
Zu schick, zu teuer
150-300 €
ab 500 €
5€
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120 mal pro Jahr Dauer: 14,6 min
Geiles Curry, freundliche Menschen
Dreckig, unhygienisch, zu voll
ca. 3.000 €
100 €
1€
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108 mal pro Jahr Dauer: 16,6 min
LONDON
Dauerregen. Dafür Mode- und Musikzentrum Europas
Kate und William, frühe Sperrstunden
5.000-20.000 €
ab 450 €
3€
32
92 mal pro Jahr Dauer: 16,3min
SYDNEY
Kängurus und goldbraune Surfer
Ozonloch, Erdbeben, zu viele Provinzler
17.000 €
ab 500 €
2,60 €
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106 mal pro Jahr Dauer: 17,3 min
OSLO
Fesche und kluge Studienkollegen
Bissl kalt, bissl klein, bissl abseits, bissl teuer
300-600 € Beiträge für norwegisches Studentenwerk
ab 500 €
7€
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Die sind so glücklich, die brauchen keinen Sex mehr
PRAG
Böhmische Küche, bestes Bier der Welt
Auto und Wohnung gut absperren, zu viele Touristen
tschechische Unis gratis, fremdsprachige Unis 2.500-8.000 €
Es gibt in Prag kein kleines Bier. Großes: 1,20 €
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ab 160 Euro
Zu viel Knödel und Alkohol machen impotent
Lebensfreude, Multikulti, Tradition und Moderne
Schlechte Infrastruktur
5.000 – 10.000 €
250 €
3€
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Der Genießer schweigt
STADT
NEW YORK
KAPSTADT
PARIS
BANGKOK
ISTANBUL
Legende: 1Glücksindex: Online-Datenbank zu Lebensqualität, Zufriedenheit, Wohlbefinden (http://worlddatabaseofhappiness.eur.nl/) . Platz 1 belegt Costa Rica, Österreich liegt auf Rang 14. Schlusslicht: Togo. 2 Sex-Statistik: Durexreport 2010, die „repräsentative Länderstudie“ vom britischen Kondomhersteller. In Österreich hat man im Schnitt 16,9 Minuten lang Sex und zwar 115 mal pro Jahr.
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LEBENSLANGES LERNEN – ERNST GEMACHT Wer jenseits der 60 einsteigt, braucht keinen akademischen Grad mehr. Trotzdem schreiben Senioren-Studierende Seminararbeiten und belegen Prßfungen. Warum tun sie sich das an? Von Ann-Kathrin Slupek
I
ris sitzt in einer der hinteren Reihen des Audimax der Uni Wien. Am liebsten wĂźrde sie in der Menge junger Studenten ungesehen untertauchen. Sie schaut sich nach anderen Studierenden ihrer Alterklasse um. Ein paar entdeckt sie, ebenfalls versprengt im hinteren Drittel des HĂśrsaals. Jeder von ihnen tut ein bisschen so, als sei er gar nicht da. Das gegenseitige Ignorieren hat Methode, sagt Iris: „Wer um die 50 und älter ist, geht den anderen älteren Studenten aus dem Weg. Es ist, als sei man sich ein wenig peinlich. Es gibt zwar auch eine Kategorie Senioren, die selbstbewusst in der ersten Reihe sitzen, aber die lernt man nie kennen. Mit den jungen Kollegen ist es anders, da ergeben sich sogar Freundschaften.“
Hans Niedermeyer studiert im achten Semester Geschichte, ist 65 Jahre alt und schwänzte zu Beginn seine Prßfungen.
bekam ein Kind und wurde Journalistin. Mit Ende vierzig startete sie einen erneuten Versuch: Medizin in Innsbruck. Aber Studium, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, erwies sich als undurchfĂźhrbar. Nun, mehr als zwanzig Jahre später, klappt es besser. Mittlerweile ist Iris im fĂźnften Semester und die anfänglichen Schwierigkeiten sind Ăźberwunden. Doch warum setzt sich ein Mensch, der den akademischen Abschluss nicht mehr als Ziel des Studiums ansieht, einem solchen Leistungsdruck aus? „Ich vermute, dass viele ein angestautes BedĂźrfnis nach Wissen befriedigen wollen. Vielleicht geht es ihnen auch um den Sinn des Lebens oder sie wollen einfach ein paar philosophischästhetische Fragen beantwortet haben“, sagt Iris.
FOTO: ANN-KATHRIN SLUPEK
STUDIUM IM DRITTEN ANLAUF PHILOSOPHIE, GESCHICHTE, SOZIOLOGIE
Sich von Mit-Studierenden nicht aus der Ruhe bringen lassen? So ganz gelingt das der 67-Jährigen nicht: „Die Ăźber das Semester verteilten Zwischenarbeiten, PrĂźfungen und Seminararbeiten machen schon viel Stress“, sagt sie. Vor zwei Jahren hat sich Iris entschieden, Theater-, Film- und Medienwissenschaften zu studieren. Das ist ihr dritter Anlauf, akademische Luft zu schnuppern. Vor fast fĂźnfzig Jahren hatte sie dieses Studium schon einmal begonnen, wechselte aber bald auf eine Schauspielschule. Iris heiratete,
Iris, 67 Jahre, studiert Theater-, Filmund Medienwissenschaften und spricht selten mit Studenten in ihrem Alter. Stattdessen mischt sie sich lieber unter die jĂźngeren Kolleginnen und Kollegen auf den hinteren Reihen. Die Journalistin mĂśchte anonym bleiben, deshalb durften wir sie nicht fotografieren.
Studienrichtungen wie Geschichte oder Soziologie sind am beliebtesten unter den Senioren. Laut Statistik Austria belegen 64 Prozent der Sechzig-plusStudierenden geisteswissenschaftliche Fächer. Die älteren Studierenden sind oft aus dem Berufsleben ausgeschieden, finanziell abgesichert und suchen eine neue Herausforderung. So erging es auch Hans Niedermeyer, der sich nach seiner Pensionierung vor vier Jahren entschied, ein Geschichtsstudium anzufangen. Der hochgewachsene Mann wirkt um Jahre
jĂźnger, wenn er von seinem Studium erzählt. „Weil ich den Abschluss nicht wirklich brauche, fällt es mir manchmal schwer, dran zu bleiben“, sagt Hans. Zu Beginn seines Studiums hatte er zunächst keine Lust, PrĂźfungen zu schreiben. „Wie sagt man aber so schĂśn? ‚Mit dem Essen kommt der Appetit’. So habe ich beschlossen, die Sache durchzuziehen – inklusive PrĂźfungen und ECTSPunkten.“ FĂźr seine Karriere hatte er kein Studium gebraucht: Nach dem Abschluss der Berufsschule absolvierte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann und war lange in einem groĂ&#x;en europäischen Konzern tätig, wo er 1988 zum Mit-GeschäftsfĂźhrer aufstieg. Wenn man ihn auf die Akzeptanz bei seinen jĂźngeren Mit-Studierenden anspricht, fängt er an zu strahlen: „Es herrschte von Anfang an eine gute Atmosphäre. Ich habe sogar neue Freunde kennen gelernt.“ Den Vorwurf, dass er manchem JĂźngeren einen Platz in einer Lehrveranstaltung wegnehmen kĂśnnte, weist er von sich. „Ich habe schon zwei Mal eine Anmeldung zurĂźckgenommen, damit ich einem Studenten, der das Seminar dringender gebraucht hat, Platz mache.“ Seinen jĂźngeren Mit-Studierenden wĂźnscht er, „dass auch sie sich nicht immer so stressen lassen.“ Sie sollten nicht das Ziel haben, ihr Studium in Mindestzeit zu absolvieren – „nur, weil ein zukĂźnftiger Arbeitgeber dies vielleicht gerne sieht.“ s
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OUAGAWIEBITTE? Simon Theurl (25) ist zum Studieren nach Ouagadougou gegangen. Das ist die Hauptstadt von Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt. Kann man da überhaupt studieren? Aufgezeichnet von Raffael Fritz
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enn man wie ich Internationale Entwicklung und Volkswirtschaftslehre studiert, liegt es nahe, zumindest eine Zeit lang das Ganze auch vor Ort erfahren zu wollen. Also statt grauer Theorie die Lebenswirklichkeit erleben. Vor sechs Monaten hat mein Auslandssemester in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso begonnen. Eigentlich ist „Semester“ das falsche Wort, denn das Studium ist in drei Jahre plus einem optionalen, vierten Forschungsjahr gegliedert. Ein Abschnitt dauert also ein Jahr, und erst wenn das positiv abgeschlossen wurde, kann das nächste begonnen werden. Wie in der Schule. Nur, dass keine 60 Leute in einer Klasse sitzen, sondern 500 bis 2000. Um ganz genau zu sein, ist es auch falsch, „begann“ im Indikativ zu verwenden. Eigentlich hat das aktuelle Studienjahr, das planmäßig im Oktober hätte beginnen sollen, noch gar nicht begonnen. Der Grund dafür ist einfach: die extreme Unterbelegung der Lehrstellen sowie der Versuch der Betroffenen, etwas dagegen zu unternehmen. Im Jahr 2008 haben die Studierenden und Lehrenden zu streiken begonnen. An den Folgen leiden noch heute alle.
Das wichtigste Fortbewegungsmittel in Burkina Faso ist das Motorrad. Das Campus-Leben findet auf der Straße statt – wenn nicht gerade Regenzeit ist.
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Ein gegröltes „Sankara!“ erschallt in der überschaubar kleinen Marquise – einem beliebten improvisierten Treffpunkt irgendwo in Ouagadougou . Man sitzt auf wackligen Stüheln an wackeligen Tischen unter einer Lichterkette und plaudert. Bis jemand „Sankara!“ ruft. Mehr braucht es nicht, um die sangriageschwängerte Diskussion zurück auf die nostalgischen Erinnerungen der Anwesenden zu lenken und mich aus meinen Gedanken zu reißen. Mein Blick schweift über vier leere Liter Tetrapak-Sangria, vorüber an den Jugendlichen, die sich an den Tisch gesellt haben, hin zu den beiden älteren Herren, die ihre Erinnerungen zum Besten geben. Wer 1983 alt genug war, um die drei Jahre Revolution des charismatischen sozialistischen Revolutionsführers Thomas Sankara mitbekommen zu haben, erzählt von der Zeit, in der es noch Hoffnung auf eine bessere DURST 1/11
FOTOS: SIMON THEURL, ILLUSTRATION: KURT RUDOLF
SANGRIA IM TETRAPAK
Auch wenn es so aussieht: Die Bibliothek ist keineswegs openair, sie steht hinter den Bäumen und hat ein Dach. Zukunft gab. Die Jüngeren schimpfen auf den Präsidenten Blaise Compaoré, der nach dem Mord an seinem Revolutionsgenossen und Freund Sankara seit unglaublichen 23 Jahren an der Macht ist. Er hat die Epoche der Strukturanpassungsprogramme im Sinne des herrschenden Entwicklungsmainstreams (Weltbank, IWF) und die damit einhergehende Verschlechterung der Lebenssituation der Burkinabeés vorwärtsgetrieben. Die beiden älteren Herren erzählen von ihrer Zeit in der Revolutionsgarde: „La patrie ou la mort. Nous vaincrons!“(„Das Vaterland oder der Tod. Wir werden siegen!“) war die
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Parole der Sankaristen. Thomas Sankara stellte die Bauern und Arbeiter in den Mittelpunkt seiner Politik. In den Augen der Älteren war das die beste Zeit des Landes. Ein Lied des beliebten Reggaemusikers Tiken Jah aus dem großen Nachbarland Elfenbeinküste erklingt. Für einen Augenblick wird es ruhig und die Runde überlässt dem Sänger das Schlusswort: „Monsieur Président, quitte le pouvoir!“ (Herr Präsident, geben Sie die Macht ab!“) Ich verliere mich wieder in meinen Gedanken und wundere mich darüber, dass der Sänger noch nicht in den
Staatsapparat integriert wurde. Sein Mainstream-Gegenstück Alpha Blondi ist längst zu dem geworden, was er in seinen Liedern kritisierte. Auf der Universität läuft es kaum anders. Wer nicht der regierenden CDP angehört, macht auch keine Karriere in Ouagadougou. So wurde beispielsweise der ehemalige Universitätspräsident aufgrund seines „hervorragenden“ Umgangs mit den Streikenden zum Bildungsminister ernannt. Dass seine eigenen Kinder im Ausland studieren, erleichterte ihm wahrscheinlich die Entscheidung, auf repressive Mittel zurückzugreifen. Mit Wasserwerfern, Tränengasgranaten
und Gummigeschossen setzte er dem Aufstand ein schnelles Ende. Die Studentenwohnungen am Campus, in denen die angereisten Studierenden billig leben konnten, wurden geräumt und den für die Verbesserung der Lehrsituation streikenden Professoren als Büros versprochen. Politische Aktivitäten am Campus wurden verboten und stationäre Sicherheitskräfte eingeführt. Die Folgen für die Studierenden waren verheerend. Ohne Familie, Wohnung und der Chance auf einen Job wurden sie einfach auf die Straße gesetzt. Zwei Jahre später stehen die Gebäude immer noch leer, einige Lehrende warten nach wie vor auf ihr Einkommen. Der Sangria drückt auf die Blase. Ich erleichtere mich im Hinterhof der Marquise in eines der Löcher im Boden, die als Toilette für die einstöckigen fenster-, türen-, boden-, strom-, und wasserlosen Baracken dienen. Wer hier wohl wohnen mag? Studenten oder andere arme Schlucker, die sich irgendwie durchs Leben schlagen. Zurück in der Marquise wartet der nächste große Schluck Sangria, um ins Vergessen abzutauchen. Eines der unzähligen Staatsautos mit dem Marktwert des Jahreseinkommens eines Universitätsprofessors fährt vorüber. Zwei Mädchen, etwas über 20, haben sich zu der betrunkenen Runde gesellt. Ein Bauunternehmer prahlt, dass er alles kaufen kann und möchte uns die Prostituierten bezahlen. Auf dem Heimweg ärgere ich mich darüber, dass ich ihn die Liebesdienste der Studentinnen nicht zahlen ließ, ohne diese in Anspruch zu nehmen. s
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SCHLECHTE ENTLOHNUNG FÜR EINEN GUTEN ZWECK? Jobben im Ausland für eine NGO? Um Menschen zu helfen? Prima Sache, macht sich auch gut im Lebenslauf. Nur warum soll man fürs Arbeiten im Ausland auch noch draufzahlen? Von Mara Simperler
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„ICH FINDE ES ARG, WENN LEUTE, DIE ETWAS SINNVOLLES MACHEN, DRAUFZAHLEN.“ Lena Katharina Pichler (23) findet, sie sollte für ihre Einsätze in Entwicklungsländern, wie hier in Nepal, anständig entlohnt werden.
PRAKTIKA ZUM BEZAHLEN Für Lena keine Option: „Ich finde es arg, wenn Leute, die etwas Sinnvolles machen, dann noch was draufzahlen müssen.“ Tessa Schrempf (22), kennt die Ausreden der Arbeitgeber für unbezahlte Praktika im Ausland ebenfalls aus erster Hand: „Es wird immer damit argumentiert, dass die Möglichkeit des Praktikums an sich eine Art von Bezahlung ist. Dass du das in deinem Lebenslauf angeben kannst, dass du Erfahrungen sammelst, dass du davon doch profitierst.“ Erfahrungen konnte sie in Aserbaidschan und Frankreich sammeln. Bei der OSZE-Mission in Baku beobachtete sie den Prozess gegen die kritischen Blogger Adnan Hajizade und Emin Milli, die kurz vor ihrem Praktikum im Sommer 2009 festgenommen worden waren. In Straßburg kämpfte sie sich drei Monate lang beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte durch Akten und Bescheide. Obwohl sie erklärt, von ihren Auslandseinsätzen auf
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„ICH GLAUBE, DASS MAN ALLE CHANCEN SO GUT WIE MÖGLICH NUTZEN SOLLTE, ES SOLLTE NICHT AM GELD SCHEITERN.“ Tessa Schrempf (22) schrieb unzählige Mails – und bekam so schlussendlich Geld für ihr Praktikum beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.
allen Ebenen profitiert zu haben, wäre ihr eine angemessene Bezahlung schon wichtig gewesen. Zumindest so viel, dass man sich nicht ausgenutzt fühlt. Aber anstatt sich mit ihrem Schicksal als „moderne Sklavin“, wie Tessa es nennt, abzufinden, hat die Jus-Studentin die Sache schon im Vorfeld selbst in die Hand genommen. Vor ihren Auslandspraktika schrieb sie unzählige Briefe und E-Mails. An das Justizministerium, das BMWF, das Land Steiermark und an Michael Häupl. Mit Erfolg. Sie bekam Geld vom Wiener Bürgermeister, von ihrem Bundesland und vom Erasmus-Department des OeAD. Schlussendlich konnte sie ihre Reisekosten mit diesem Geld decken. Lena und Tessa sind engagierte Studentinnen, die alles geben, um vielleicht mit ihrer Arbeit auch noch anderen zu helfen. Macht sie das zur leichten Beute eines Systems, das die Arbeitskraft junger Menschen ausnutzt? Gerade bei Arbeitseinsätzen in ärmeren Gebieten der Erde ist die Antwort nicht so einfach. „Ich habe manchmal schon fast ein schlechtes Gewissen bekommen. Es klingt so toll, was man alles gemacht hat und eigentlich habe ich selbst wahnsinnig davon profitiert“, sagt Lena. Ob das Geld, das man zum Beispiel für den Nepal-Einsatz einer Organisation überweist, einem guten Zweck zukommt oder einfach in den Umsatz eines Unternehmens fließt, bleibt bei den meisten Work Placements undurchschaubar.
Auch bei einer der prestigeträchtigsten Organisationen der Welt, der UNO, bleiben Fragen bezüglich unbezahlter Praktika de facto unbeantwortet. Eine einfache Anfrage wird zum Spießrutenlauf: Die Human-ResourcesAbteilung der UNIDO verweist auf die Presseabteilung des UNO-Büros in Wien. Das verweist auf die offziellen Guidelines. Dort steht aber auch nur, dass Praktikanten keinen Anspruch auf Entlohnung haben. Eine individuelle Antwort bleibt aus. Finanzielle Hindernisse halten aber weder Tessa noch Lena davon ab, weiterhin im Ausland auf Praktikumssuche zu gehen. Noch überwiegt die Begeisterung für die Arbeit. Tessa sieht es positiv: „Ich glaube, dass man alle Chancen so gut wie möglich nutzen sollte, und wenn man sie kriegt, auch dafür kämpfen sollte, dass man sie wahrnehmen kann. Es sollte nicht am Geld scheitern, denn wenn man sich genug darum kümmert, gibt es Möglichkeiten, das zu finanzieren.“ s
Hier gibt‘s Geld: Österreichische Datenbank für Stipendien und Forschungsförderung www.grants.at Österreichischer Austauschdienst: www.oead.at Europäischer Freiwilligendienst www.akzente.net DURST 1/11
FOTOS: PRIVAT
ena Katharina Pichler (23) hat sich schon in früher Jugend eine gefährliche Krankheit eingefangen: den „travel bug“. Auf den Schüleraustausch in Mexiko folgte ein Freiwilliges Soziales Jahr in Bolivien. Statt Jus zu studieren, ging sie als Au Pair nach Australien. Ihr Studium, Internationale Entwicklung, hat sie schon mal für ein halbes Jahr unterbrochen, um auf eigene Faust achtzig Kilo Schulbücher bis in die hintersten Ecken des Himalaya in Nepal zu schleppen. Abgesehen von Essen und Verpflegung bei einigen Auslandsaufenthalten hat sie jeden Cent ihrer Arbeitszeit im Ausland selbst bezahlt. Manchmal kam noch ein kleines Taschengeld dazu. „Mir macht einfach das Reisen Spaß“, antwortet sie auf die Frage nach der Motivation, immer wieder das Sparbuch zu plündern und einen Flug zu buchen. Das Wort „Arbeit“ kommt ihr selten über die Lippen. Außer, wenn sie über Organisationen spricht, die nicht nur erwarten, dass Praktikanten ihre Reisekosten tragen, sondern sich auch noch für die Jobvermittlung bezahlen lassen. Im „Work and Travel“-Programm des Reiseanbieters Statravel kostet ein zweimonatiger Nepal-Aufenthalt rund 1.600 Euro. Ohne Flug. Mit Arbeiten. Ähnliche Zahlen liefern Anfragen bei den Freiwilligenorganisationen Projects Abroad und Travel Works.
FOTO: CHRISTIAN BRETTER; ILLUSTRATION: KURT RUDOLF
NACKTHEIT IST ETWAS TOTAL NATÜRLICHES. JENNY, SEITE 16 Manche nennen es Street Art, andere bringen es vor Gericht. Fotografiert in der Unterführung zwischen Praterstern und Prater in Wien.
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UNSER SCHREIN Tröstende Momente in unserem Leben. Glücksbringer, Erinnerungen, Wegmarken und Hoffnungsträger. Von der DURST-Redaktion 13
1 Stoffente: Sintti sieht eigentlich aus wie ein Ungeheuer. Seit über zehn Jahren thront die Stoffente in meinem Bett. Sie hat den Überblick über alles, was in meinem Zimmer passiert. Sie spendet mir nicht nur Trost, sondern passt auch perfekt in den Spalt zwischen Wand und Bett. Mein Rücken bleibt mit ihr als Polster auch nach stundenlangem Lesen geschmeidig. Das hat Spuren hinterlassen: Ihr Haar ist verfilzt und wo einst eine rosa Schleife war, findet man heute nur noch eine kahle Stelle an ihrem Kopf. Dafür vertreibt Sintti noch effektiver unerwünschte Besucher. 2 White Album: Eine der ersten Platten, die ich mir selbst gekauft habe. Und immer noch eine der besten und meistgespielten. Rock’n’Roll hat mir das Leben gerettet. 3 Teezange: Rost und unappetitliche Färbungen können mir die Freude an meiner Teezange nicht nehmen. Der Grüntee schmeckt mir damit einfach besser – obwohl Freunde behaupten, dass meine Magenprobleme von den Stoffen herrühren, die meine Zange mittlerweile abgibt. Kleine Augen, miese Laune und Kopfweh nach einer durchzechten Nacht? Kenn ich nicht – zumindest nach einem ordentlichen Schluck Tee mit meiner Wunderzange.
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4 Fußball-Ticket: Der 1. FC Nürnberg wurde am 26. Mai 2007 im Berliner Olympiastadion deutscher Pokalsieger. Ich war dabei. Das entschädigt für mehr als dreißig Jahre Leiden als Fan.
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5 Opas Taschenuhr: Eine Seminararbeit da, ein Artikel dort, dazwischen ein paar T-Shirts falten, um den Kühlschrank zu füllen und natürlich darf man die Freunde nicht vernachlässigen. Zeit ist knapp und gerade deshalb brauch ich auch welche für mich. Die Taschenuhr meines Opas erinnert mich daran. Das Aufziehen der filigranen Zahnrädchen ist wie das Aufladen der eigenen Batterien. Das vertraute Ticken beruhigt und bringt die grauen Zellen auf andere Gedanken. Gedanken an die unbeschwerte Kindheit, bei der das größte Problem die Wahl zwischen dem grünen und dem roten Lutscher war. 5
7 Schreibmaschine: Angeblich hat mein Opa auf dieser Maschine seinen Lebensroman geschrieben. Leider habe ich weder den Opa noch dem Roman jemals zu Gesicht bekommen, aber zumindest bleiben so die peinlichen Familiengeheimnisse einer
FOTO: KARIN WASNER
6 Wanderschuhe: Nach mühseligen Arbeitstagen geht mir die Gelassenheit verloren. Dann ziehe ich meine Wanderschuhe an und gehe sie in den Wiener Hausbergen suchen. Während andere Leute meines Alters sich in der Disko die Schneereste unter der Nase wegputzen, hole ich mir meinen Kick in stundenlangen Wanderungen. Sogar im Gatsch durch graue Wälder zu stapfen hilft spätestens nach zwei Stunden. Irgendwo in der Stille der Wälder vergesse ich grantige Professoren und nervige Referatskollegen. Die Transzendenz verschwindet erst zu Hause wieder, wenn ich die Schuhe vom Gatsch befreien muss.
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überschaubaren Runde vorbehalten. Da ich als Einzige in meiner Familie der schreibenden Zunft angehöre, steht die Schreibmaschine nun symbolträchtig in meinem Zimmer. Wenn ich manchmal ihre schwerfälligen Eisentasten anschlage, fühle ich mich in eine Welt versetzt, in der schöne Worte Luxus waren und Schreiberlinge edle Helden. Diesen Text habe ich trotzdem am Laptop geschrieben. 8 Engel der Tapferkeit: Du wunderbarer Engel begleitest mich auf meinem Lebensweg schon länger als so mancher Freund. Geschenkt bekommen habe ich dich vor sechs Jahren von meiner Mutter. Seitdem hast du einen festen Platz auf meinem Schreibtisch. Dein Anblick erinnert mich an all die Aufgaben, die ich in meinem Leben bereits gemeistert habe. Bei einer deiner Bruchlandungen ist dir ein Arm abgebrochen, den ich notdürftig wieder angeklebt habe. Deiner himmlischen Schönheit tat dies keinen Abbruch!
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9 Courage Wolf: Das Prinzip von Internet-Memes ist, Schwachsinn so lang durchzukauen, bis er wieder Sinn bekommt. Der „Courage Wolf“ ist so eine Perle, entstanden aus dem weniger hilfreichen „Advice Dog“ (Get Drunk – Buy A Gun). In wöchentlich wechselnden Variationen starrt er mich von meinem Desktop-Hintergrund an, fletscht die Zähne: SCHAU MIR IN DIE AUGEN, ARSCHLOCH! – DU. KANNST. DAS. Kindisch? Absolut. Testosteronverblödet? Garantiert. Aber es hilft. 10 Autogrammkarte: Thomas Brezina hat einmal in einem Interview gesagt, dass er das Horn eines echten Einhorns besitzt. Dem Autor von „Ein Ufo namens Amadeus“ und „Das Zombie-Schwert des Sultans“ kann man das ruhig glauben. 11
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11 Türkischer Vorspeisenteller: Hedonismus, das klingt so negativ. Dabei hat Epikur zwischen vernünftigen und unvernünftigen Begierden unterschieden. Und die Befriedigung der vernünftigen sei unser höchstes Gut. „Ich glaube nicht, dass wir zu irgendwas da sind, wir sind bloß Produkte der Evolution“, sagte James D. Watson, einer der Entdecker der DNS-Doppelhelix. „Man kann sagen ‚Meine Güte, dein Leben muss ziemlich trostlos sein, wenn du nicht glaubst, dass es einen Sinn hat,’ aber ich erwarte ein gutes Mittagessen.“ Mahlzeit! 12 Handcreme: Du Wunder der Menschheit! Mein Leben ohne dich wäre ein Stück weit trostloser! Du bietest mir Schutz in rauen und stürmischen Zeiten. Wenn ich das Fingerspitzengefühl verliere, bist du mein Retter in der Not. Du begleitest mich in großen wie auch kleinen Handtaschen. 13 Prince-Maxi: Musik besitzen, das geht nur richtig, wenn man sie in der Hand haben kann. Außerdem hält Vinyl bei richtiger Lagerung ewig. Der Haken daran: Jedes Abspielen macht die Schallplatte ein bisschen kaputter, über Cueing und Scratching will ich erst gar nicht nachdenken. Die Stöhner von Prince in „Erotic City“, das ist jedes Mal ein Kleiner Tod – für mich und für die Platte. 14 Vibrator: Es soll Frauen geben, die für ihren mechanischen Lustknaben den Loverboy aus Fleisch und Blut abserviert haben. Zu denen gehöre ich nicht, doch ich schließe mich den Weisheiten der Dresden Dolls an: „automatic joy / that is why i want a / coin operated boy“. Mindestens die Hälfte aller peinlich-betrunkenen One-Night-Stands würde ich gegen das goldene Spielzeug eintauschen. Man kann auch beim Sex praktisch veranlagt sein.
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DIE ANTWORT AUF ALLE FRAGEN Malen nach Zahlen: Beantworte der Reihe nach die unten stehenden Fragen. Jede Frage führt dich zu einer Zahl. Verbinde sie in der Reihenfolge der Fragen. Wie viele Finger sind an deiner rechten Hand? (kein Schreiner!) Wie oft pro Jahr erscheint DURST?
96 geteilt durch 8? Wie hoch sind die Studiengebühren in Sydney?
Die wievielte Frage ist das hier? Das Haus, in dem DURST produziert wird, hat welche Nummer? (Impressum)
Förderung noch Beihilfe? Der tote Hase liegt auf Seite? 10 + 13 + 45 – 12 – 3 x 4=?
Wie viele Zähne hat ein LeibnitzKeks? Tipp: Wochen im Jahr. Wie häufig haben die Südafrikaner durchschnittlich Sex pro Jahr? Wie viele Euro kostet umgerechnet ein Bier in Oslo? Wie viele Räder hat ein Dreirad? Die Hölle im Bikram-YogaSaal hat wie viel Grad?
Aus welchen Ziffern besteht die Zahl Siebentausendzweihundertdreiundvierzig?
Wie viele Seiten hat dieses Heft mit Umschlag?
Wie viele Karten sind in unserem Tarotspiel?
Wie hoch ist der ÖH-Beitrag? Zähle Arme, Beine und Ohren zusammen. Wie viel hast du?
Wie viele Redakteure plus Chef und Artdirector haben dieses Heft gemacht?
Wie viele ECTS braucht man im Durchschnitt für den Bachelor?
Wie viele Buchstaben hat das Wort „Allylisothiocyanat“? Zusatzfrage für Chemie-Studenten: Was ist das?
Wie hoch ist die Arbeitslosenquote für Akademiker?
Wir schreiben das Jahr?
Ein Paar und ein halbes Dutzend nebeneinander geschrieben?
Wie viel Prozent der Studierenden erhalten weder
Wie viele Minuten hat die akademische Viertelstunde?
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Der dreißigjährige Krieg begann 1618 und endete?
Dieses Rätsel befindet sich auf Seite?
Wie viele Ziffern hat unser Dezimalsystem? Wie viele Tage hat ein Schaltjahr? Ab wann darf man in den USA Alkohol trinken? Wann war die Revolution in Burkina Faso? Die Antwort auf das Leben, dem Universum und dem ganzen Rest? Wie viel Schilling kostete ein Euro? DURST 1/11
25. MÄRZ 2011 Tag der offenen Tßr Hochschule fßr MANAGEMENT & KOMMUNIKATION Q Vorstellung des Studienangebotes Q Schnuppervorlesungen Q Workshops & Vorträge Q Fremdsprachen & Auslandsaufenthalte Q Berufsbegleitend Studieren
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RETTE SICH, WER KANN! Die Vögel fallen vom Himmel, die Bienen sterben aus, bald ist es aus und vorbei: Über selbsterfüllende Prophezeiungen und falsche Propheten. Von Raffael Fritz
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eichen überall: Vögel fallen tot vom Himmel, Fische treiben mit dem Bauch nach oben die Flüsse hinab, Gletscher schmelzen, die Wirtschaft bröckelt, das Erdöl geht zur Neige, Lady Gaga wird immer erfolgreicher, der Maya-Kalender endet nächstes Jahr – und dann waren da noch die Bienen. Wenn die einmal verschwinden, bleiben den Menschen noch vier Jahre, soll Albert Einstein gesagt haben. Und jetzt verschwinden die Bienen wirklich. P A N I K!
„ES GIBT LEUTE, DIE SICH ÜBER DEN WELTUNTERGANG TRÖSTEN WÜRDEN, WENN SIE IHN NUR VORHERGESAGT HÄTTEN.“ Friedrich Hebbel
Wenn ein Asteroid ins Atelier einschlägt, muss nicht gleich das Jüngste Gericht ausbrechen: Daseinstorso, Work in Progress von Christian Bretter.
Welt untergeht und das jüngste Gericht erscheint, also das Reich Gottes, in das sie als Christen als Allererste Einlass finden werden? Eine bessere Pensionsversicherung hat es nie gegeben. Erst später hat sich durchgesetzt, dass Christus sich wohl geirrt hat (oder die Scherze des Herrn unergründlich sind) und der Jüngste Tag in unbestimmter Zukunft liegt. Doch noch der Kirchenvater Augustinus fand, man solle besser keine Kinder mehr bekommen, um die Ankunft des Jüngsten Gerichts nicht unnötig hinauszuzögern.
„UND WENN ICH WÜSSTE, DASS MORGEN DIE WELT 60
UNTERGINGE, SO WÜRDE ICH DOCH HEUTE MEIN APFELBÄUMCHEN PFLANZEN.“ Martin Luther
Auch heute ist das Kinderkriegen so eine Sache: „Meine Kinder sollen es einmal besser haben als ich“ – das konnten unsere Eltern noch aus Überzeugung sagen und sich darauf freuen, dass ihre Kinder in der Zukunft, etwa im Jahr 2011, mit dem Jetpack in die Uni fliegen und nach der Abschaffung des Welthungers an der Urbarmachung
der Marsoberfläche mitwirken, oder so ähnlich. Unsereins käme dieser Satz kaum über die Lippen. Wir fürchten, dass unsere Kinder nur an den Rand des unvermeidlichen Abgrunds geboren werden. Oder wir kehren das Argument des Augustinus ins Gegenteil: Nicht durch Enthaltsamkeit werden wir den Weltuntergang schneller herbeiführen, sondern durch immer noch mehr Überbevölkerung, also lassen wir es gleich ganz. Hier liegt ein wichtiger Unterschied zur apokalyptischen Tradition: Sie war immer eine freudige Erwartung – schließlich kommt der Messias wieder und wir werden auf ewig mit Lämmern und Wölfen über saftige Wiesen tollen wie in den Prospekten der Zeugen Jehovas. Die heutige Endzeitstimmung ist meistens pessimistisch. Wenn schon ein Gott im Spiel sein soll, dann eher in DURST 1/11
FOTO: CHRISTIAN BRETTER; ILLUSTRATION: KURT RUDOLF
Was also tun – noch einmal richtig die Sau raus lassen und leben als gäbe es kein Morgen? Panisch im Kreis rennen? Auf eine Almhütte ziehen und dort einen Atombunker bauen? Zurücklehnen und die apokalyptische Aussicht genießen? Oder doch lieber beten und Buße tun? In den vergangenen 2.000 Jahren war Letzteres die bevorzugte Strategie der Europäer. Wir vergessen nämlich gern, dass der Weltuntergang so sehr zur christlich-abendländischen Tradition gehört wie Weihnachten oder Alkohol. Schon die ersten Christen haben nicht viel mehr gemacht als Däumchen zu drehen und auf die Apokalypse zu warten. Woher sie das hatten? Na, aus der Bibel (Markus 9,1): „Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie sehen das Reich Gottes kommen mit Kraft.“ Darum haben sich frühe Christen auch nicht um sakramentale Profanitäten wie die Eheschließung gekümmert – wozu auch heiraten, wenn morgen die
seiner rächenden Rolle aus der Sintflut. Oder aber die Natur selbst schßttelt mit einem heilenden Fieber die Menschheit ab wie eine lästige Infektion. Nur die Anhänger der 2012-Mayakalender-Prophezeiung glauben, die Welt wßrde sich erneuern und in eine neue Ära spirituellen Bewusstseins eintreten. Aber mal ehrlich: Wer ernsthaft glaubt, die Welt wßrde untergehen, nur weil ein Kalender endet, hat sie doch nicht mehr alle. Dann gehe ich halt zum Libro und kaufe einen Neuen.
„SO LASST UNS DENN EIN APFELBĂ„UMCHEN PFLANZEN. ES IST SOWEIT.“ Hoimar von Ditfurth
Viele, die das Ende fßrchten, sehen nicht Gott oder eine personifizierte Mutter Erde als Verursacher, sondern uns Menschen, die wir uns in unserer Gier und ZerstÜrungswut selbst richten. Der Weltuntergang hat sich säkularisiert: Nach der technologischen Entwicklung und dem rasanten BevÜlkerungswachstum in den letzten 200 Jahren brauchen wir keinen Gott mehr, um uns zu zerstÜren; das schaffen wir jetzt selbst. Auch die Propheten sind weltlich geworden: Die Prophezeiung vom Bienensterben stammt von keinem
religiĂśsen FĂźhrer, sondern vom berĂźhmtesten Wissenschaftler der Geschichte. Aber wahrlich, ich sage euch: Dieser Spruch kommt Ăźberhaupt nicht von Einstein. Zum ersten Mal ist er 1994 aufgetaucht, 39 Jahre nach Einsteins Tod, in Zeitungsartikeln Ăźber Proteste von franzĂśsischen Imkern in BrĂźssel. Schon damals hat sich niemand gefragt, warum ein Physiker Urteile Ăźber ein ihm komplett fremdes Fachgebiet abgeben sollte, noch dazu derart spektakuläre. Aber gut, auch Isaac Newton hat hobbymäĂ&#x;ig die Apokalypse vorhergesagt (laut ihm haben wir aber noch Zeit bis 2060!). Also schauen wir weiter in den Himmel hinauf, aber fĂźrchten keine hĂśheren Wesen, sondern Asteroiden, die auf uns herunterfallen, oder Supernovae in der kosmischen Nachbarschaft. Je mehr wir Ăźber die Welt erfahren, desto fragiler wirkt unsere Existenz auf ihr. Im Angebot an Endzeitvisionen fĂźr jeden Geschmack kann man heute kaum noch entscheiden, wovor man sich nun fĂźrchten soll. Klimawandel? PolsprĂźnge (also die Erwartung, dass sich die Erdachse sprunghaft verändert)? Kometeneinschläge? Supervulkane? Schwarze LĂścher im CERN? Die BevĂślkerungskatastrophe? Nach der sogenannten Olduvai-Theorie ist die Lebenszeit der industriellen Gesellschaft auf 100 Jahre beschränkt – in ein paar Jahren beginnt demnach ein Massensterben, bis die WeltbevĂślkerung sich bei zwei Milliarden einpendelt. Da ist es verlockend, in den SchoĂ&#x; der Resignation zu sinken,
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sich zurßckzulehnen und auf den unvermeidlichen Abgrund zuzurasen. Eine reizvolle Vorstellung: Jeden Tag so leben, als wäre er der letzte – kein Morgen, keine Sorgen! Und wenn er dann nicht kommt? Was machen wir dann?
„WE GOTTA PARTY AND HAVE A GOOD TIME AND I WANNA MAKE LOVE TO YOU BABY. WE GOTTA DO ALL OF THE BEAUTIFUL THINGS, ’CAUSE IT’S THE YEAR OF THE APOCALYPSE.“
nicht ßber die Klippe stßrzen, sondern eher ßber ein sanftes Gefälle in den Abgrund rutschen lassen. Dass wir nicht ewig unsere endlichen Ressourcen verschwenden kÜnnen, ist nämlich kein apokalyptisches Gezeter, sondern eine einfache Tatsache. Damit mßssen wir leben, wahrscheinlich auch in zwanzig oder fßnfzig Jahren noch. Auch dazu erzählen die Bienen eine Geschichte: Vieles weist darauf hin, dass Pestizide wie das Clothianidin, eine Maisbeize, fßr den tatsächlichen Tod der BienenvÜlker verantwortlich sind. In Ländern wie Deutschland und Frankreich ist der Stoff schon verboten (franzÜsische Imker haben wohl wieder Zitate erfunden), in vielen anderen aber noch erlaubt, auch in Österreich. Das Bienensterben ist also kein Zeichen des unvermeidlichen Weltuntergangs, sondern eher eine Empfehlung, ein bisschen weniger tÜdliches Gift auf unser Essen zu sprßhen. Klingt nicht sensationell genug? Wir kÜnnen ja behaupten, Einstein hätte es gesagt. s
Jimi Tenor
Alleine in den letzten Jahrzehnten ist der Weltuntergang schon dutzende Male vorhergesagt worden, ohne Erfolg – naja, kommt drauf an, wie man „Erfolg“ hier definiert. Das permanente Geschrei von Apokalypsen war zumindest erfolgreich darin, uns gegen den Weltuntergang abstumpfen zu lassen. Das schlieĂ&#x;t leider oft die Szenarien mit ein, die real sind und gegen die wir tatsächlich etwas unternehmen kĂśnnten; Gefahren, die uns
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LektĂźretipp: Maarten Keulemans: Exit Mundi. Die besten Weltuntergänge. Alles Ăźber Riesenmeteoriten, Supervulkane, Zombies, Gammablitze, Kettenreaktionen, Roboteraufstände, Big Crunch und diverse andere Katastrophen. dtv, 10,20 Euro. Maarten Keulemans ist Chefredakteur eines Naturwissenschaftsmagazins und Kolumnist in „De Volkskrant“.
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WIR LEBEN WEITER IN IRGENDWELCHEN TIEREN UND PFLANZEN, ODER WIR LIEGEN ALS MINERALISIERTE STOFFE IN DER GEGEND HERUM. FOTO: CHRISTIAN BRETTER
KURT HÖDL, EVOLUTIONSBIOLOGE, S. 36
In the long run we are all dead. Ein Auto wurde um ein paar Meter aus der Sonne in den Schatten gestellt, der Hase saß bereits im kühlen Schatten des Kotflügels...
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Falter SACHBUCH NEU
Helene Maimann
Helene Maimann
ÜBER KREISKY
BRUNO KREISKY
Gespräche aus Distanz und Nähe
Politik und Leidenschaft
Zum 100. Geburtstag Bruno Kreiskys entsteht ein lebendiges, neues Bild eines Politikers und seiner Epoche, die Österreich verändert hat wie keine andere. Mit einer ausführlichen Biografie, wenig bekannten Bilddokumenten und Gesprächen mit Henry Kissinger, Helmut Schmidt, Heinz Fischer, Hannes Androsch, André Heller, Barbara Coudenhove-Kalergi und vielen anderen prominenten Zeitgenossen.
Bruno Kreisky war ein Reformer, ein Mediengenie, ein großer Rhetoriker, ein Außenpolitiker, der aus seinem Land eine Brücke zwischen Ost und West machte und sich für eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts engagierte. Der Film zeigt Kreisky in fünf Schlüsselsituationen seines politischen Lebens, aber auch Kreisky privat.
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