firmenzeitung / 11Z038913F
österreichische post ag
Frühjahr 2017
lust auf LYON! Eine Stadt voller Köstlichkeiten und Überraschungen
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Schmuck Stücke
Ursula Neuwirth | Goldschmiedemeisterin | A 1150 Wien, Hütteldorfer Straße 68 | +43 1 7862937 | office@neuwirth.co.at | www.neuwirth.co.at Öffnungszeiten: Montag – Freitag 8.30 – 18 Uhr, Samstag 8.30 – 13 Uhr oder nach Vereinbarung
EDITORIAL Heimo Hackel – Vorsitzender des Vorstandes der card complete Service Bank AG
Musée des Confluences
firmenzeitung / 11z038913f
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Frühjahr 2017
Das Wiener Architekturbüro Coop&Himmelb(l)au hat sich in Lyon ein hypermodernes Denkmal gesetzt. Mehr dazu auf S. 4.
lust auf l lYON! Eine Stadt voller Köstlichkeiten und Überraschungen
COVER
Collage: Valencestudio Fotos: Sergio Pirrone, Hintergrund: Angelafoto/iStock (bearbeitet)
HERAUSGEBER
card complete Service Bank AG 1020 Wien, Lassallestraße 3 T: 01/711 11-0 E: office@cardcomplete.com W: www.cardcomplete.com DVR: 0462501 KONTAKT
Im Moment
Anna Ailes Sabine Eibensteiner
Jacquard-Seide
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Falter Verlagsgesellschaft m. b. H. Bereich Corporate Publishing 1011 Wien, Marc-Aurel-Straße 9 T: 01/536 60-0 E: redaktion@complete-magazin.at CHEFREDAKTION
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Franz Kraßnitzer (-940) Oliver Pissnigg (-919) DRUCK
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Das aktuelle COMPLETE MAGAZIN LUXUS widmet sich dem Motto „Leben im Moment“. Dafür wurde eine besondere Stadt in den Fokus genommen: Lyon ist die Stadt von Paul Bocuse, dem Genussmenschen schlechthin (S. 6). Doch sie bietet noch viel mehr: Moderne (Wiener) Architektur (S. 4), malerische Ausflugziele in der Umgebung (S. 16) und ein Sommerfestival (S. 18) von internationalem Format. Historisch spannend ist vor allem die Geschichte der Seidenweber von La Croix-Russe (S. 14). Und auch abseits von Lyon finden Sie in dieser Ausgabe Inspirationen für tolle Erlebnisse: Zum Beispiel bei den Wiener Festwochen (S. 32) oder im eigenen Oldtimer (S. 38). Wir wünschen viele schöne Momente!
Der Weber Joseph-Marie Jacquard erfand 1805 in Lyon eine revolutionäre Webtechnik, mit der die Handwerker komplex gemusterte Stoffe produzieren konnten. Mehr dazu auf S. 14 im Heft.
OFFENLEGUNG
Die Offenlegung gem. § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter-verlag ständig abrufbar
Das für dieses Magazin verwendete Papier stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und kontrollierten Quellen. www.pefc.at
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INHALT
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34_ Stars
Die Stadt der GenieÃ&#x;er
Jim Jarmusch, Jeanne Damas, Matthew McConaughey, Monja Art 2 //
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KULT 36_ KULTOBJEKT Chanels Neue
38_ MOTORAMA Die „neuen“ Oldtimer
REISE
STIL
40_ ELEKTRO Comeback der Tonbandmaschinen
42_ DESIGN
14_ INTERVIEW
22_ MODE
Wer waren die „canuts“ von Lyon?
Haute Couture von Viktor & Rolf
16_ RESORT
28_ SCHÖNHEIT
Märchenschloss im Beaujolais
Hommage an den „Slick Look“
Exklusive Angebote für Karteninhaber
18_ SOMMERSTÄTTE
30_ SCHMUCK
48_ GASTRosophie
Lyons Sommernachtsträume
Grüne Inspirationen
Ein Tag in Frankreich
Mid-Century-Design
44_ Special Offers
fotos: www.b-rob.com/ONLYLYON Tourisme et Congrès, Jean-Claude Cohen/Zuma/picturedesk.com, Château de Bagnols, Team Peter Stigter, Courtesy of Knoll Inc/Alec Hemer
INHALT
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LuXUs
Reise Auf den kommenden Seiten
6_ REise Lyon ist die Stadt der Genießer
14_ interview Philibert Varenne weiß alles über die Seidenweberei
16_ resort Das Chateau de Bagnols lockt ins Beaujolais
18_ sommerstätte Wenn Lyons antikes Theater zur Bühne wird
Himmelbau zwischen Rhône und Saône Info. Musée des Confluences 86 quai Perrache – Lyon www.museedesconfluences.fr (täglich außer Montag)
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foto: Sergio Pirrone
Kristallwolke Das Prix-Museum in Lyon besticht durch seine gewagte Form Fährt man von Süden kommend nach Lyon hinein, fällt es schwer, sich auf die Straße zu konzentrieren. Denn rechter Hand thront seit 2014 das spektakuläre Musée des Confluences, das wirklich mehr als nur einen Seitenblick wert ist. Als wäre der Zusammenfluss (franz. confluence) der Ströme Rhône und Saône nicht aufregend genug, verwirklichten die Wiener Architekten Coop Himmelb(l)au, Wolf D. Prix & Partner, den Traum der ambitionierten Stadtverwaltung und schufen einen architektonischen Meilenstein.
Das „Confluences“ will kein exklusiver Musentempel für gebildete Eliten sein, sondern versteht sich als Schnittstelle zum Wissen unserer Zeit, als Ort der Begegnungen in der Stadt. Dekonstruktivist Prix setzte das mittlerweile neue Wahrzeichen Lyons aus zwei Teilen zusammen: der auf Säulen schwebenden „Wolke“ mit den Ausstellungsräumen. Und einem der Stadt zugewandten „Kristall“, eine lichtdurchflutete Glas- und Edelstahlkonstruktion, die die Besucher empfängt und zum Schauen und Staunen einlädt. Über Rolltreppen und scheinbar frei
hängende, schmale und gewundene Pfade bewegt man sich durch den 33 Meter hohen „Kristall“ nach oben. Von der Terrasse hat man einen phantastischen Blick über die Innenstadt von Lyon. Im ersten Stock ist die Dauerausstellung untergebracht, die über „Ursprünge“, „Gesellschaften, das Theater der Menschen“ oder „Ewigkeiten“ erzählt. In der zweiten Etage ist Raum für diverse Sonderausstellungen, aktuell „Veneneum – Gift in Natur und Gesellschaft“ (bis 7. 1. 2018). text: Max Palla
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Täglich frisch. Bei Maison Rousseau kaufen die Lyoneser Austern und andere Meeresfrßchte
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REISE
Stadt der Genießer Lyon steht für französische Lebensart in ihrem ursprünglichsten Sinn Fast-Food-Kette. Gerade ist eine neue Ausgabe seines Standardwerks „Bocuse für jeden Tag“ (Jacoby & Stuart) erschienen. „Monsieur Paul“ ist eine Legende, die aktuell bleibt – und eine Marke, die die Stadt für sich zu nutzen weiß. Die Liebe zum Essen und der große Appetit, für den Bocuse steht, sind aber nicht nur eine Attraktion. In Les Halles Paul Bocuse kaufen Lyoneser täglich hochwertige Lebensmittel ein. Auf den ersten Blick wirkt die Markthalle in ihrem Überfluss dekadent, auf den zweiten sieht man hier auch Familien und Pensionisten beim Einkauf für das Mittagessen. Bei La Mère Richard lassen sie sich dicke Scheiben von Käselaiben schnei-
Legende. Sterne-Koch Paul Bocuse ist der Held der Stadt
FOTO: ELISABETH Schepe, M. Kirchgessner
Den Kopf mit einem Arm abgestützt, blickt Paul zufrieden auf die Stadt. Der Kragen seiner weißen Weste leuchtet in den Farben der französischen Trikolore, darunter baumelt das goldene Abzeichen des „Meilleur Ouvrier de France“. Die Kochmütze, die er wie eine Krone trägt, hat er tief in die faltige Stirn gezogen. Sie reicht bis zum Giebel des mehrstöckigen Hauses. Der 91-jährige Paul Bocuse ist Lyons berühmtester Einwohner, der Sonnenkönig der Stadt. Im Le-Part-Dieu-Viertel, direkt neben der nach ihm benannten Markthalle, hat man den Begründer der Nouvelle Cuisine überdimensional an eine Hauswand gemalt. „Lyon ist ihm dankbar“, sagt Stadt führerin Stéphanie, „wir haben alle eine starke Verbindung zu ihm.“ Sie schwingt die gläserne Tür zum Markt auf. Sofort umgeben uns der Lärm der geschäftigen Besucher und Händler und die Aromen von Brioche, Käse und frischem Fisch. Es ist der perfekte Start für eine Stadt, die wie keine andere für das französische Savoir-vivre, den kompromisslosen Genuss, steht. Lyons Patron Paul Bocuse wurde vom Gault Millau zum Koch des Jahrhunderts gewählt. 1975 erhob ihn der französische Präsident zum Ritter der Ehrenlegion. Neben seinem Drei-SterneRestaurant, das etwas außerhalb Lyons liegt, besitzt er hier mehrere Brasserien und eine
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Überfluss. Die Vitrinen am Markt sind kleine Schaufenster
Vielfalt. Auch Süßigkeiten kommen in Les Halles Paul Bocuse nicht zu kurz
den, gegenüber bei Maison Bupier begutachten sie den Fisch. Nebenan, in der Maison Rousseau Oyster Bar, schlürfen Geschäftsleute in ihrer Mittagspause eilig ein paar Austern. In der Charcuterie Maison Sibilia, einer der besten der Stadt, stehen die Kunden für Le Jesu Wurst, eine der opulenten Pasteten im Teigmantel, oder ein Säckchen Grammeln an. „Wir essen alle Teile vom Schwein – von Kopf bis Fuß“, sagt Guide Stéphanie. Fast alle Fachhandlungen in der Markthalle werden von den Firmenchefs selbst betrieben. Sie beantworten gern Fragen zu ihren Spezialitäten. Ein Händler erklärt uns, worum es sich bei den ovalen Teigklößen handelt, die an Grießknödel erinnern. Es sind „Quenelles“ – Knödel mit verschiedenen Füllungen. Besonders typisch für Lyon sind die Quenelles de Brochet mit passiertem Hecht. Die Markthalle ist nur ein Vorgeschmack auf die vielen Genüsse, die in dieser Stadt an jeder Ecke warten. In Lyon gibt es mehr als 2.000 Restaurants. Das sind die meisten pro Kopf im ganzen Land. Sie werden jedes Jahr von neu ankommenden
jungen Köchen aufgemischt, die längst nichts mehr mit Paul Bocuse zu tun haben. Und nun will die Stadt noch eines draufsetzen: 2018 wird die Cité de la internationale gastronomie, ein Zentrum für Gastronomie mit interaktivem Geschmacksparcours, Ausstellungen und Kochshows, eröffnen. Die Renovierung des ehemaligen Hospitals Grand Hôtel Dieu (dt. Herberge Gottes) am Ufer der Rhône, heute ein historisches Wahrzeichen, ist das aktuelle Mammutprojekt der Stadt. Neben dem Gastronomiezentrum werden auf diesem Areal ein Hotel, ein Konferenzzentrum sowie Restaurants und Shops entstehen. Der Komplex soll noch mehr Besucher in die Stadt der Genießer locken. 2016 wurde Lyon bei den World Travel Awards zur „Leading City Break Destination“ Europas gewählt. Eine Touristenhochburg ist die Stadt an der Rhône und Saône trotzdem noch nicht. Lyon konkurriert mit den Publikumsmagneten Côte d’Azur und Bordeaux. Von Paris will man sich in aller Deutlichkeit abgrenzen: Sympathischer, vielseitiger, besonderer und leistbarer sei
ihre Stadt, sagen die Leute vom städtischen Tourismusamt. Auch die Lage sei besser, die Nähe zur Küste und zu den Alpen ein Vorteil. Tatsächlich sind es nur zwei Stunden bis zum nächsten Skigebiet. Und bei klarer Sicht sieht man von Fourvière, einem der Hügel der Stadt, im Westen den Mont Blanc. Davor breiten sich Lyons Viertel aus und erzählen Architekturgeschichte wie aus dem Lehrbuch: Direkt unterhalb von Fourvière
Stadtguide. Stéphanie Engelvin zeigt uns in der Markthalle die lokalen Produkte Lyons
Fotos: ELISABETH Schepe
Bei klarer Sicht sieht man von Fourvière den Mont Blanc
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FOTOs: Marie Perrin/ONLYLYON Tourisme et Congrès (2 ), Jacques Leone/Grand Lyon
Stadt am Wasser. Entlang der Rhône und Saône führen wunderbare Spazierwege
Flohmarkt. Beim Bummeln durch die Stadt entdeckt man allerlei Schätze Altstadt. Im Stadtteil Vieux-Lyon stehen viele denkmalgeschützte Gebäude
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Edelware. Hermès setzt auf üppige Naturmotive
Foto: www.b-rob.com/ONLYLYON Tourisme et Congrès
Confluences Viertel. Am ehemaligen Hafenareal entstehen futuristische Gebäude
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FOTOs: www.b-rob.com/ONLYLYON Tourisme et Congrès, M. Kirchgessner (2), Tristan Deschamps/ONLYLYON Tourisme & Congrès,
Gasthaus. In den Bouchons gibt es lokale Spezialitäten
Afterwork. Das Ufer der Rhône ist ein beliebter Treffpunkt
Auszeit am Ufer. Im Freizeitgebiet Berges du Rhône trifft man auf Sportler und Spaziergänger
beginnt der gut erhaltene mittelalterliche Teil Vieux Lyon. Dann folgt die Halbinsel zwischen Saône und Rhône, Presqu’île, die im 17. und 18. Jahrhundert bebaut wurde. An ihrer Spitze, an der sich die beiden Flüsse vereinen, steht das futuristische Musée des Confluences (siehe auch S. 4). Es ist das wahrscheinlich wichtigste Monument des hypermodernen Confluences-Viertels am ehemaligen Hafen. Am anderen Ufer der Rhône knüpft die Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts mit vereinzelten Wolkenkratzern an. Und an den Ausläufern der Stadt blitzen die Türme der sozialen Wohnbauten hervor. Dieses Nebeneinander von Epochen ist selbst für Europa eine Seltenheit. Und ein Grund mehr für einen Spaziergang auf den Hügel Fourvière. Beim Rückweg hinunter geht die Zeitreise weiter: Hier kommt man an zwei Bildunterschrift teilweise ausgegrabenen römischen TheHier eine bildunterschrift atern vorbei. Auf ihren Tribünen nahmen einst viele Tausende Besucher Platz. Heute finden hier Sommerfestspiele statt (siehe auch S. 18). „Lugdunum“ war im Römischen Reich die Hauptstadt Galliens. Eingefleischte „Asterix“-Leser kennen sie etwa aus dem
Heft „Tour de France“. Die beiden reisenden Gallier decken sich bei ihrem Stopp in Lugdunum mit Wurstspezialitäten ein. Gar nicht so unrealistisch, tut es ihnen doch heute der Großteil der Touristen gleich. Apropos Wurst: In der Stadt, in der sich alles um den Genuss dreht, ist nach dem Essen vor dem Essen. Kaum hat man sich versehen, sitzt man schon wieder an einem Tisch und lässt sich den ersten Gang servieren. Hört man dabei auf die Tipps der Einwohner, landet man früher oder später in einem der „Bouchons“. Das Daniel et Denise Saint Jean ist eines dieser urigen Gasthäuser in der Altstadt. Hier stimmt einfach alles: Die karierten Tischdecken, der Lärm, das Gedränge – alles ist so, wie es sich in einem Gasthaus gehört. Es gibt pochiertes Ei in Weinsauce und Brouchet-Knödel. Dazu: Rotwein in bauchigen Gläsern. Und von der Wand lächelt „Monsieur Paul“ persönlich. Mehr Frankreich geht nicht. Satt – fürs Erste zumindest – begibt man sich wieder auf die Kopfsteinpflaster der Altstadt. Ist man mit Ortskundigen
Klassiker. Quenelles de Brochet sind typisch für Lyon
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Stadtflucht. Das Weingebiet Beaujolais ist einen Ausflug wert
Geheime Passagen. Die Traboules führen durch sehenswerte Innenhöfe
Ateliers und Lofts. Die Gassen, durch die vor hundert Jahren das unablässige Klackern und Rattern der Webstühle dröhnte, sind heute vollgesprüht mit Street-Art-Gemälden. Verbringt man ein paar Tage in Lyon, zieht es einen früher oder später auch aufs Land – dorthin, wo die rustikale Küche der Region ihre Wurzeln hat. Das Beaujolais, die Weingegend um die Ecke, bietet sich für einen Ausflug an. Die Region ist vor allem für ihren jungen Beaujolais Nouveau berühmt-berüchtigt, der weltweit im November einen Grund zum Trinken bietet. Der Ruf vom billigen, in Massen produzierten „Nouveau“ wird aber weder dem Wein noch der Gegend gerecht. Das Beaujolais überrascht zuallererst mit seinen Farben. Die kleinen Dörfer auf den Weinhügeln glänzen in warmem Gold. Sie sind aus „pierres dorées“, einem Kalkgestein mit goldener Färbung, gebaut. Claude Geoffray empfängt uns im Chateau Thivin, einem Landhaus aus dem 14. Jahrhundert. Er ist Winzer in fünfter
Generation. In seinen Kellern lagert kein Beaujolais Nouveau, sondern vor allem Côte de Brouilly von der roten Gamay-Traube. Ihre Weinberge nennen er und die anderen Winzer „vignoble heroique“ (heroischer Weinberg), denn die Hänge der Hügel im Beaujolais sind ungewöhnlich steil. „Das Beaujolais ist vor allem zum Entdecken da. Bis auf den Nouveau kennt man nach wie vor nicht viele Weine von hier“, sagt Geoffray und nimmt einen Schluck von seinem Côte de Brouilly. Und was hat das Beaujolais, was Bourdeaux und Burgund nicht haben? „Die goldenen Steinhäuser, die Ruhe. Es ist hier sehr einfach, Winzer persönlich zu treffen. Man kann ohne Termin einfach an die Tür klopfen.“ Außerdem? „Das Essen: Es gibt in dieser doch sehr kleinen Gegend viele ausgezeichnete Restaurants mit MichelinSternen.“ Womit wir wieder beim Anfang wären. Denn in und um Lyon beginnt und endet alles an einem reich gedeckten Tisch. auf reisen: Elisabeth Schepe
Fotos: Daniel Gillet/Inter Beaujolais, www.b-rob.com/ONLYLYON Tourisme et Congrès
unterwegs, nimmt man dabei eine Abkürzung durch eine Traboule. Traboules sind versteckte Passagen innerhalb von Häuserblocks. Sie ermöglichen den Durchgang von einer zur nächsten Straße. Die Enge im mittelalterlichen Lyon hat die Bewohner erfinderisch werden lassen: Platz gespart haben sie nicht nur mit Geheimgängen, sondern auch mit Wendeltreppen, die in den Innenhöfen außerhalb der Mauern in die oberen Stöcke führen. Während in Vieux Lyon noch die Geschichte dominiert, vermischt sich im Viertel La Croix-Russe, am nördlichen Hügel der Stadt, das Alte auf charmante Art mit dem Neuen. Im 18. Jahrhundert lebten und arbeiteten hier die canuts, die berühmten Seidenweber Lyons (siehe auch S. 14). Die große Zeit der Textilindustrie ist seit den 40er Jahren passé. In den Fachwerkshäusern, in denen einst die riesigen Jacquard-Webstühle Platz fanden, findet man heute teure
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Restaurants. Restaurant Daniel et Denise Saint Jean Ein hervorragendes „Bouchon“ in der Altstadt Lyons, betrieben von Chef Joseph Viola (Meilleur Ouvrier de France). www.danieletdenise.fr Brasserie le Sud Diese Brasserie von Paul Bocuse widmet sich der Küche und den Geschmäckern des Südens. www.nordsudbrasseries.com
Region Beaujolais. Chateau Thivin Eines der ältesten Weingüter im Beaujolais. Die Familie Geoffray führt Besucher gerne durch ihre Weinkeller und lässt ihren Côte de Brouilly verkosten. www.chateau-thivin.com
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INTERVIEW
„Eine Stadt der Händler“ Museumsdirektor Philibert Varenne weiß alles über die Geschichte der „canuts“, der Seidenweber von Lyon complete magazin: Lyon war lange die Hauptstadt der Seidenweberei Frankreichs, wenn nicht ganz Europas. Wie kam es dazu? philibert varenne : Die Geschichte begann 1536, als der damalige König François I. der Stadt eine explizite Autorisierung zur Seidenweberei gab. Bis dahin waren Seidenprodukte ausschließlich aus Italien importiert worden. Der Kaiser wollte das Geld in Frankreich halten. Die Wahl fiel auf Lyon, weil die italienisch-französische Grenze nur zehn Kilometer von der Stadt entfernt verlief. — Der König schuf also eine Art Monopol? Genau. Der König lud Seidenweber aus Italien ein, um uns das Weben beizubringen. Wirklich Fahrt nahm die Seidenweberei aber erst im 17. Jahrhundert auf, als König Louis XIV. begann, den königlichen Hof und Versailles mit Seide auszustatten. Danach wollte die gesamte Aristokratie in Frankreich und bald auch in ganz Europa die Produkte aus Lyon. Denn wenn Louis XIV. etwas hatte, dann wollten es die anderen auch. — Was war so besonders an den Stoffen aus Lyon? Die Weber hatten einen eigenen Stil. Zunächst fertigten sie nur Kopien von Mustern aus Italien an. Aber Anfang des 17. Jahrhun-
Ein Leben für die Seide. Varenne leitet die Maison des canuts
derts begannen sie, mit Künstlern zusammenzuarbeiten, die eigene, kreative Muster entwarfen. Lyon war damals sehr bekannt für das Design und die Malerei von Blumen und das floss auch in den Stil der Weber ein. — Welche Bedeutung hatte die Seidenweberei für die Entwicklung der Stadt? Eine große. Schon um 1744 waren etwa 100.000 Menschen in der Seidenindustrie beschäftigt – und das bei 150.000 Einwohnern! Man brauchte ja nicht nur Weber, son-
dern auch Designer oder Färber. Die Französische Revolution war dann ein Rückschlag. Denn wer kaufte die Seide? Der König, die Aristokratie und die Kirche. Der neuerliche Aufschwung kam mit Napoleon. Er erkannte, dass die Industrie extrem wichtig für Frankreich war. Schließlich wurden fast 80 Prozent der gewebten Seide exportiert. — Joseph-Marie Jacquard erfand 1805 in Lyon den Jacquard-Webstuhl. Wie beeinflusste der die Branche?
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FOTOS: G. MIRAT/MAISON DES CANUTS
Jacquard-Technik. Die Lochkarten machten große, regelmäßige Muster möglich
Die Erfindung war essenziell. Mit dem mechanischen Webstuhl konnte mindestens doppelt so schnell gearbeitet werden. Während die alten Webstühle von zwei Personen bedient werden mussten, benötigte man für den Jacquard-Webstuhl nur eine.
„Die Webstühle gehörten ihnen, sie waren selbstständig“
— 1831 kam es zum Aufstand der Seidenweber von Lyon. Warum revoltierten sie? Die Preise für die Seidenprodukte wurden damals von den Händlern diktiert – und zwar erst nach der Fertigstellung. Deshalb wussten die canuts im Vorhinein nie, wie viel Geld sie tatsächlich verdienen würden. 1831 konnte man sich dann auf eine Art Mindestlohn einigen. Allerdings hielten sich einige Händler nicht daran und schließlich löste der König die Vereinbarung auf. Bei den folgenden Demonstrationen kamen zwei canuts ums Leben, worauf die Weber zu den Waffen griffen. Sie kontrollierten die Stadt für etwa eine Woche, dann rückte die Armee ein und beendete den Aufstand. Insgesamt starben knapp 600 Menschen.
— Die canuts wollten einen gerechten Lohn? Ja, aber es ging ihnen nicht nur ums Geld. Sie wollten auch ihre Würde verteidigen! Sie waren sehr stolz auf ihre Arbeit. Die Webstühle gehörten ihnen, sie waren selbstständig, ihre Auftraggeber waren wichtige Leute. Außerdem war die Seidenweberei eine komplizierte Angelegenheit. Die canuts waren deshalb sehr gebildet. Sie wussten Bescheid über die Ideen des Sozialismus, sie diskutierten in Cafés, sie hatten sogar ihre eigene Zeitung, das „Echo der Fabrik“. Das war eine wirkliche Qualitätszeitung!
ZUR PERSON Philibert Varenne ist Seidenweber in sechster Generation und Direktor der Maison des canuts, eines Museums für Seidenweberei mitten im Viertel La Croix-Russe. 10 et 12 rue d’Ivry 69004 Lyon
www.maisondescanuts.fr
die wichtigste Textilregion Frankreichs. Etwa 20.000 Menschen arbeiten in diesem Bereich. Marken wie Hermès produzieren in der Region, lokale Weber arbeiteten für Firmen wie Chanel oder Christian Dior. Quantitativ spielt die Seidenweberei heute zwar nur noch eine kleine Rolle, aber wir haben uns angepasst und uns auf andere Stoffe konzentriert. Im Bereich der technischen Textilien sind wir die Nummer eins in Europa. Airbags etwa sind aus gewebten Materialien. Bestimmte Teile von Flugzeugtragflächen bestehen aus Karbonfasern – die sind ebenfalls gewebt. — Wie würde Lyon heute aussehen, wenn es die Seidenweber nicht gegeben hätte? Die Stadt wäre eine andere. Dass die Chemieindustrie in Lyon heute einen wesentlichen Faktor darstellt, ist auch der Seidenindustrie zu verdanken, denn das technische Know-how dafür stammt zum Teil aus dem Färbereiwesen. Selbst in der Politik wirkt der Einfluss der canuts fort. Lyon ist weder links noch rechts, sondern eine Stadt der Wirtschaft, eine Stadt der Händler. inteRVieW: David Schwarzenbacher
— Wie sah eine typische Seidenweberei aus? Die canuts arbeiteten, wo sie lebten. Die Webstühle standen oft mitten in der Wohnung. In einer typischen Weberei gab es zwei bis sechs Webstühle. Die meisten canuts siedelten sich Anfang des 19. Jahrhunderts auf dem Hügel La Croix-Rousse im Norden der Stadt an. Die neuen Jacquard-Webstühle waren fast vier Meter hoch. La Croix-Rousse war damals noch sehr ländlich und bot dementsprechend viel Platz. — Welche Rolle spielt die Seidenweberei heute in Lyon? Die Region Rhône-Alpes ist nach wie vor
Kulturtechnik. Im Museum wird noch an den alten Webstühlen gearbeitet
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fotos: Château de Bagnols
Pittoresk. Auch der Garten des Chateau de Bagnols ist ein kleines Kunstwerk 40 //
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RESORT
Ein Hotel wie ein Gemälde Das exklusive Chateau de Bagnols mitten in der Weinregion Beaujolais ist eine Klasse für sich
text: Sylvia M. Sedlnitzky
Frankreich, la Grande Nation. Land der Schlösser. Wer kennt sie nicht, die beeindruckenden Prachtbauten, meist an der Loire gelegen? Freilich muss man heutzutage nicht mehr adelig sein, um da oder dort fürstlich übernachten zu dürfen. Und man muss auch nicht unbedingt an die Loire reisen. Denn das Château de Bagnols im Beaujolais gilt seit dreißig Jahren als eines der feinsten Schlosshotels der Welt. Heuer feiert das mittelalterliche Chateau seinen 800. Geburtstag. Eingebettet in die gesegnete Landschaft der Region Rhône-Alpes, wo der Duft von wilden Kräutern und Lavendel in der Luft liegt, sieht das Schloss aus dem 13. Jahrhundert mit seinen stolzen Türmen und Portalen aus wie eine richtige Märchenburg. Wer jedoch im Inneren erdrückende Pracht und Opulenz vermutet, liegt falsch. Alle Gemächer zeugen von zeitloser Eleganz. Der Gast kann zwischen Turmzimmern und Unterkünften in den ehemaligen Stallungen oder im Kastell wählen. Die Suiten sind ein Gesamtkunstwerk aus Gobelintapisserien, Himmelbetten, erlesenen Brokatstoffen und prunkvollen Seidenbordüren in Kardinalsrot. Vieles kommt aus der Privatsammlung der einstigen Schlossherrin Helen Hamlyn, die mit Akribie aus dem verfallenen
Anwesen eine kostbare Rarität gemacht hat. Da wurde Bodenfliese für Bodenfliese sorgfältig abgetragen, nummeriert und über modernen Bodenheizungen wieder verlegt, Tischwäsche in der Schweiz mit dem Schlosswappen bestickt und Fresken von bestechender Schönheit freigelegt, die heute unter anderem das Design der Bäder bestimmen. Wer sein Haupt im Château de Bagnols betten darf, macht eine echte Zeitreise in die Renaissance und ins 18. Jahrhundert und muss dennoch nicht auf die Annehmlichkeiten von heute verzichten. Und dann liegt auch noch Lyon für ein straffes Kulturprogramm in der Nähe. Muss aber nicht sein. Das Michelin-Hotelrestaurant in der ehemaligen Wachstube, ein kreisrundes Schwimmbad inmitten der Obstplantagen und ein fantastisches Spa in der ehemaligen Weinkellerei laden zum Bleiben ein. Oft ist da ein Glas Wein von benachbarten Lagen im Garten, wo mehr als hundert Jahre alte Linden Schutz vor der Sonne bieten, Kulturgenuss genug.
Neue Räume mit Geschichte. Die ehemalige Weinkellerei wurde zum jüngsten Teil des Hotels umgebaut.
Château de Bagnols (5*) Le Bourg, Bagnols, Frankreich www.chateaudebagnols.com
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SommerFEST
Sommernachtsträume Lyons antikes Theater erwacht beim Festival „Nuits de Fourvière“ zu neuem Leben Festival Les Nuits de Fourvière 6, Rue de l’Antiquaille Lyon
1. Juni – 29. Juli 2017 www.nuitsdefourviere.com
Schon Asterix und Obelix waren hier: im alten Forum der früher römischen Siedlung Lugdunum. Dort oben am Hügel Fourvière dröhnen im Juni und Juli wieder die Lautsprecher. Zentrum des Lyoner Festivals ist eine spezielle Location, das 4.500 Personen fassende antike Theater. Was ist das Besondere am seit 1946 alljährlich veranstalteten Freiluftspektakel? Einerseits ist es die einzigartige Open-Air-Stimmung der antiken Spielstätte (sternenklare Sommernächte!), andererseits die multidisziplinäre Ausrichtung des Programms mit Musik, Theater, Tanz und auch Zirkus. Unter den über 50 Produktionen ist für jeden etwas dabei und
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fotos: Leone/Gr. Lyon, Norbi-Whitney, J. Jacquet, R. Mallentjer
Zirkustruppe. Die Künstler von Machine de Cirque reisen aus Kanada an
Kulisse. Die Location allein ist schon einen Besuch am Hügel Fourvière wert
eine recht moderate Preisgestaltung bei den Tickets bringt alljährlich über 130.000 Besucher zu den Aufführungen. Große Namen wechseln sich dabei mit Newcomern und lokalen Szenegrößen ab. Gleich zu Beginn gibt es afrikanischen Groove aus Mali mit Lamomali (Toumani Diabaté mit Vater Sidiki und der fantastischen Sängerin Fatoumata Diawara). Bereits Tradition und beim Publikum besonders beliebt sind die musikalischen
Themenabende, die gleichzeitig Aufführung und rauschendes Sommerfest sind, heuer mit den Kapiteln „Reggae & Calypso“, „Tango“, „Blues“ und „Soul“. Daneben finden sich klingende Namen wie die kanadische Indie-Rockband Arcade Fire, Italo-Rauchstimme Paolo Conte, Nouvelle Chansonnier Benjamin Biolay, Balkanmusik-Zauberer Goran Bregović, Jazz-Akkordeonist Richard Galliano, Schmusestimme Norah Jones oder die zwölfköpfige Easy-listening-Band Pink Martini aus Oregon, USA. Acht Beiträge stehen am Zirkus-Spielplan, der bei einem Fest Anfang Juli mit Ateliers, Vorführungen, Akrobatik und Clowns eröffnet wird und abends mit der wunderbaren Musik von Nino Rota ausklingt. Unter den heuer 14 Theaterproduktionen sticht eine heraus: das Gastspiel einer Galionsfigur des französischen Kinos, der wunderbaren Isabelle Huppert. Sie ist mit der Collage „Juliette und Justin – Laster und Tugend“ nach de Sade zu sehen. Mitte Juni widmet sich Mario Tronco mit seinem Orchester Piazza Vittorio einer Neuinterpretation von Mozarts „Don Giovanni“. Dabei legt er die Figur des großen Verführers androgyn (Petra Magoni) an und zeigt die Oper in einem Dekor der 20er Jahre, einer Art Fantasy-Cotton-Club. Den Abschluss bildet am 29. 7. eine „Irische Nacht“ mit Dudelsack, Akkordeon, Geige und Tanz, bei der es das Publikum sicher nicht auf den Bänken halten wird. text: Max Palla
Komödie. „Le Schpountz“, 1938 von Marcel Pagnol verfilmt, gastiert als Theater in Lyon
Moderne Adaptionen. Ausgewählte Stücke wie „Démons“ werden neu in Szene gesetzt
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Stil Auf den kommenden Seiten
22_ Mode Vintage-Träume von Viktor & Rolf
28_ Schönheit Die Haare trägt man jetzt nass
30_ Schmuck Es grünt so grün im Schmuckkästchen
Haus am See Il Sereno Adresse. Via Torrazza 10, Torno am Comer See, Italien www.serenohotels.com/property/il-sereno
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foto: JP Piter
Schick ohne schnickschnack Überflüssiges sucht man im Il Sereno vergebens
Patricia Urquiola hat sich am Comer See verewigt. Am Südufer, direkt angrenzend ans Wasser, hat die Architektin und Designerin ein Hotel erbaut, das man als ein visionäres Gesamtkunstwerk bezeichnen kann. Denn für das Il Sereno hat sich Urquiola, die für Weltmarken wie Driade, Moroso und Louis Vuitton entworfen hat und deren Objekte im Museum of Modern Art N. Y. ausgestellt sind, Zukunftsweisendes einfallen lassen. Der außen kompromisslos minimalistische Hotelkomplex wurde auf einem steinernen Bootshaus erbaut und garantiert
mit raumhohen Fenstern einen grandiosen Seeblick. Viele der extravaganten Möbel, manche mit einem Tick Retro, wurden von der Designerin eigens für das Sereno entworfen und von B&B Italia, Cassina und Molteni produziert – allesamt von purer Harmonie und sinnlicher Ästhetik. Universalistin Urquiola verlieh nicht nur der Architektur und dem Interieur des Hauses ihre Formsprache, sondern auch den Personaluniformen und den Hotelbooten. Für Letztere holte sie sich sogar den benachbarten legendären Bootsbauer Riva an Bord. Selbst um die Auswahl
der Bettmatratzen kümmerte sich die gebürtige Spanierin und ließ sie in der Umgebung erzeugen. Der regionale Bezug und die Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern spielte nicht nur für Urquiola, sondern auch für den Hausherrn, einen Multimillionär, der auf der karibischen Insel St. Barth ein weiteres Kulthotel betreibt, eine große Rolle. Mit der lokalen Verankerung und dem einzigartigen Stil von Patricia Urquiola soll sich das Il Sereno von der Austauschbarkeit anderer Designhotels abheben. text: Sylvia Sedlnitzky
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MODE
VINTAGE GLAMOUR Viktor & Rolf Haute Couture, Frühling 2017 TEXT Thomas Reinberger
FOTOS Team Peter Stigter
Viktor & Rolf geben Upcycling eine neue Bedeutung
P
aris im Frühjahr 2017. Die Haute-Couture-Show der Holländer Viktor Horsting und Rolf Snoeren sorgt für feuchte Augen. Mit den ersten Schritten der Models ertönt Diana Kralls „Boulevard of Broken Dreams“. Es folgt eine weitere Hommage an die Melancholie mit Karrin Allysons „Everything Must Change“. Kontrastreiche Outfits im Patchwork-Look defilieren zwischen riesigen Blumenarrangements. Es ist eine ungewöhnliche Kollektion, zusammengestellt aus alten Vintage-Abendkleidern. Die Roben wurden bis ins kleinste Detail zerlegt und im Anschluss komplett neu adaptiert. Markant ausgestellte Tüllröcke und wadenumspielende Kleider
protzen von allen Seiten mit prunkvollen Finessen. Monsieur Louboutin krönt die mädchenhaften Designs mit „Mary Janes“Riemchenpumps. Das Ergebnis: auff ällig, einzigartig, aber doch tragbar. Gegründet wurde Viktor & Rolf im Jahre 1992. Seither steht das Label aus Amsterdam für skulpturale und experimentelle Kleider. Extreme Volumen und überzeichnete Formen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Entwürfe. Als Kunstliebhaber nutzen Viktor Horsting und Rolf Snoeren ihre unzähligen Kollektionen zum Selbstausdruck. Über sein Verständnis von Glamour sagt Rolf in einem „The Talks“Interview: „Es gibt sehr viel erdachten Glamour – jeder ist glamourös –, aber sehr wenig wirklichen Glamour.“
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MÄRCHENHAFT SCHÖN Prinzessinnenträume aus Tüll und Seide
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OMBRÉ-STYLE Überdimensionierte Krägen mit ZIERDRUCKE Farbverlauf Üppige Prints auf fragilen Stofflichkeiten —
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PATCHWORK Aus fragilen Elementen wird eine feudale Symbiose
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SCHÖN SCHRÄG Asymmetrischer Tüll als Hingucker
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Schönheit
Der Nasseffekt Modewochen 2017. Wie vom Regen durchnässt schlängeln sich Haarsträhnen an den Köpfen der Mannequins entlang. Unfertig geföhnt aussehende Frisuren sind voll im Trend. „PostSwimmingpool-Style“ titelt die Presse. Ausgelöst wurde die Welle von Luxusmarken wie Givenchy, Kenzo, Loewe, Altuzarra, Hood By Air, Simone Rocha oder Alexander McQueen. Sie alle schicken
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straff gescheitelte bis strähnig zerzauste Models auf den Laufsteg. Amateuren raten Experten aber zur vorsichtigen Dosierung. Janina Ehrenberg von Wella: „Der Nasseffekt am Oberkopf wird ein beliebtes Styling im Frühjahr und Sommer 2017. Das Haar wird mit einem nassen Gel oder einem Spray am Vorderkopf leicht benetzt. Die Längen und Spitzen bleiben trocken und sind entweder
fotos: Jacob Lillis (1). Hersteller
Eine Hommage an den „Slick Look“: Haare, die nass erscheinen, obwohl sie trocken sind
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03 Entgiften Haarpflegeset „Detox & Renewal“ für geschädigtes Haar. Vegan und glutenfrei von Rahua um € 112 ,– www.net-a-porter.com
01 Lack-Finish „High-Gloss Serum“ von Gloss Moderne für ein brillantes Finale. 120 ml um € 53,50 www.niche-beauty.com
„Straff gescheitelt bis strähnig zerzaust“
glatt oder wellig. So kann nichts mehr im Gesicht stören und man ist perfekt gestylt für die Partynacht.“ VIP-Friseure wie Jen Atkin, Ted Gibson, Sam McKnight, Kim Kimble, Sally Hershberger und Chris McMillan propagieren in sozialen Medien persönliche Produkthighlights: Shining-Sprays, Pomaden und Gels mit Nassfinish bekommen so ihren großen Auftritt – ganz ohne Regentanz.
02 Sprühpflege „Brightening Hair Finish Lotion“ mit Obstessig und Kamilleextrakten von Christophe Robin. 200 ml um € 36,50 www.mussler-beautynet.de
text: Thomas Reinberger
04 Shampoobürste „Sculp-Brush“ – massierend und reinigend zugleich. € 100,– www.colette.fr
fotos: Jacob Lillis (1). Hersteller
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SCHMUCK
GRÜNES FEUER „Greenery“ ist die Farbe des Jahres. Der gelbgrüne Ton steht für Hoffnung, Vitalität und Innovation Thomas Reinberger – TEXT
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wird mit 10 Quintilliarden Karat beziffert. Das ergäbe etliche Verlobungsringe. Noch weilt das Monstrum im Kern eines toten Sterns in 50 Lichtjahren Entfernung. Da liegt Kolumbien als Exporteur von Smaragden
ein wenig näher. Prachtexemplare müssen nicht zwingend „augenrein“ sein. Eine faszinierende Laune der Natur ist zum Beispiel der „Trapiche-Smaragd“. Seine bestechenden Einschlüsse ähneln der Optik eines Wagenrades. Durchdringend ist auch die nachgesagte Heilwirkung. Hildegard von Bingen benutzte seine magischen Kräfte im Mittelalter gegen Schmerzen und Epilepsie. Ein Naturwunder durch und durch.
FOTOS: HERSTELLER
Das amerikanische Unternehmen Pantone, das Epizentrum für Farbsysteme, hat seinen neuen Favoriten gewählt. Die Entscheidung für „Greenery“ fußt auf einem simplen Bedürfnis: Sehnsucht nach Natur und Natürlichkeit. Den Handel freut es. Grün gefärbte Edelsteine leuchten neben Jade und Diamant auch als Peridot, Turmalin oder Diopsid aus den Schaufenstern. Der Löwenanteil gebührt dem exklusiven Smaragd. Laut Experten ist der weltweit größte seiner Art 2,27 kg schwer. Er heißt „Fura“ und wird mit 11.000 Karat geschätzt. Zum Vergleich: Der größte je entdeckte Diamant hat einen Durchmesser von 4.000 Kilometern und
Halsreif Ein Kunstwerk aus Smaragden und Diamanten aus der Kollektion „Legends of Africa“ von Vania Leles und Gemfields. P. a. A. www.vanleles.com
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03 Geometrisch Ohrstecker mit Smaragden und Perlen in geschwärztem Gold gefasst. P. a. A. www.colettejewelry.com
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Triumphal „Victory Bracelet“ aus dem Hause Avakian. Bestückt mit Diamanten und grünem Tsavorit. P. a. A. www.avakian.com
Animalisch „Fly by night Grasshopper“ von Stephen Webster. P. a. A. www.stephenwebster.com
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Märchenhaft Ohrhänger „Birth & Blossom“ mit Smaragden, gelben Diamanten und pinken Saphiren. P. a. A. www.wallace-chan.com
Fürstlich Ein Smaragdcollier als Hommage an indische Maharanis. P. a. A. www.niravmodi.com
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Asymmetrisch Ohrringe „Mismatched“ aus üppigen Opalen und Perlen von Margot McKinney. P. a. A. www.margotmckinney.com
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KULT Auf den kommenden Seiten
34_ STARS Jim Jarmusch, Jeanne Damas, Matthew McConaughey, Monja Art
36_ Kultobjekt Chanel hat eine Neue
38_ Motorama Warum Oldtimer der letzte Schrei sind
40_ Elektro Die Tonbandmaschinen sind zurück
42_ Design Möbel wie ein Glas Martini
Kopfüber in den Ausnahmezustand Wiener Festwochen 12. Mai – 18. Juni 2017 Tel. +43 1 589 22 11 www.festwochen.at
Thomas Bernhard war am Spielplan, ein von Luc Bondy inszenierter „Don Giovanni“ oder auch André Hellers Varieté „Flic Flac“. Früher.
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foto: Jan Versweyveld
hollywood in wien Jude Law wird auf der Bühne im MuseumsQuartier spielen
Nun hat Tomas Zierhofer-Kin die Verantwortung über die Wiener Festwochen übernommen und möchte „die Ordnung der Dinge auf den Kopf stellen“. Er lädt dazu ein, „fünf Wochen einen Ausnahmezustand nach dem anderen zu erleben“. Traditionelle Spielstätten werden heuer ergänzt um Einkaufszentren (Lugner, Mitte, Mille, Gaso), öffentliche Plätze (Enk, Yppen, Praterstern), Museen (Leopold, Volkskunde, mumok, Film), das Schloss Neugebäude (Festival Club Culture) und das neue Performeum nahe dem Hauptbahnhof.
Dort, in einem ehemaligen Fabriksgelände, entsteht das bestimmt spannendste Projekt der Festwochen, „ein temporäres Museum für performative Künste, ein Tempel des Augenblicks“. Im „Club des Verlernens“ wird von Donnerstag bis Samstag der Dance Floor mit vielen internationalen Acts bespielt. Hollywoodflair bringt Jude Law in die Theaterproduktion „Obsession“, eine Geschichte von zwei Liebenden am Rande der Gesellschaft nach dem Plot von „Wenn der Postmann zweimal klingelt“. Renner werden sicher auch das Opernexperiment mit
deutsch-ivorischem Ensemble, das „Die Entführung aus dem Serail“ dekonstruiert, und das „Parsifal“-Projekt von Jonathan Meese. Auch der legendäre Regisseur Peter Brook ist wieder dabei – mit „Battlefield“, einem Stück aus einem und über einen alten Sanskrit-Text, in dem es auch heißt: „Was hier gefunden wird, kann woanders auch gefunden werden. Was hier nicht gefunden werden kann, kann nirgends gefunden werden.“ Das könnte so auch für die Wiener Festwochen 2017 gelten. text: Max Palla
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Jim Jarmusch
Liebeserklärung an Iggy Pop Zwischen dem französischen Kino und dem amerikanischen Filmemacher Jim Jarmusch war es „Liebe auf den ersten Blick“. Das Erstlingswerk „Stranger Than Paradise“ des 1953 in Ohio geborenen Jarmusch wurde 1984 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Bis heute gilt der Regisseur als Ikone des US-Independent-Films. Selbst als exzellenter Gitarrist bekannt, hat er nun mit „Gimme Danger“ Iggy Pop und dessen Band, den legendären Stooges, ein Denkmal gesetzt. „Dieser Film ist keine Musikdokumentation, sondern ein Essay, ein Fan-Film, eine Liebeserklärung an die wichtigste Band der Welt“, erklärt Jarmusch. „Gimme Danger“ läuft aktuell in den österreichischen Kinos.
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text Catherine Gottwald
Jeanne Damas Très chic! Das 25-jährige Pariser Model und It-Girl Jeanne Damas hat das Leben, das wir alle wollen: Sie schlendert mit verwuschelten Haaren entspannt durch Paris, schlürft Austern, trinkt Champagner und knipst dabei die High Society. In den Social Media bringt ihr das eine Menge Follower ein. Die müssen den Stil der aparten Französin nicht kopieren, denn seit 2016 kann man ihn einfach kaufen: Über ihr Label „Rouje“ vertreibt Jeanne Feminines, Bequemes oder schlicht „Lieblingsstücke aus ihrem Kleiderschrank“. Dafür wurde sie von „Forbes“ unter die „Top 30 der unter 30-jährigen europäischen Unternehmer“ gewählt. Die blumigen Kleider und leichten Blusen aus der neuen Sommerkollektion von Rouje kann man bereits online bestellen.
fotos: Denis Makarenko/Shutterstock, Jean-Claude Cohen/Zuma/picturedesk.com
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fotos: Featureflash Photo Agency/Shutterstock, Michael Obex
Matthew McConaughey
Christoph Monja Ransmayr Art
Bauch rein! Für die Rolle des schmierigen Kleinkriminellen Kenny Wells hat sich Matthew McConaughey stolze 105 Kilo angefuttert, eine Zahnprothese in den Mund gesteckt und sich von der Maske eine Halbglatze verpassen lassen. Während Kenny Wells seinem Traum von einer Goldmine noch nachjagt, hat sich McConaughey seinen längst erfüllt: 2014 erhielt er für seine Rolle in „Dallas Buyers Club“ den Oscar. Lange wurde McConaughey auf seinen knackigen Körper und sein Zahnpasta-Lächeln reduziert. Erst der Abschied von den romantischen Komödien brachte den Durchbruch als Charakterdarsteller. Jetzt kann er es sich leisten, zumindest optisch richtig „durchzuhängen“. „Gold“ ist aktuell in den heimischen Kinos zu sehen.
RegieKunst Zwischen den Made Welten. in Austria. „Geschichten Österreich ereignen hat einen sich nicht“, neuenweiß Sternder amgroße Kinohimmel. österreichi„Siebzehn“ sche Autor ist Christoph das Spielfilmdebüt Ransmayr, „Geschichten der Regisseurin werden und Autorin erzählt.“Monja Und soArt verknüpft und wurde er auch schon inin der seinem Entstehungsphase neuesten Roman mit„Cox Preisen oderüberhäuft. Der Lauf Zu Recht, der Zeit“ denn Weltliteratur „Siebzehn“mit ist Weltgeschichte. klug erzählt, hinreiLose ßend zusammenhängende gespielt und hervorragend historischebesetzt. Fakten Einem und glücklichen real existierende ZufallZeitdokumente ist es zu verdanken, verbinden dass die sich 1984 zu einer in Wiener detailgetreu Neustadt recherchierten, geborene Autorin fantasüberhaupt tischen Abenteuerreisegeschichte, zum Film kam. „Ich habe diemich fesselt, in diese berührt Form, undGeschichten den Leser alles zu erzählen, um sich herum verliebt: Ich vergessen kann meine lässt: eigene Der Held Welt der auf Geschichte, dem Papier der entstehen britische lassen Uhrmacher und dann Cox, darüber brichthinaus Ende des meine 18. Vision Jahrhunderts mit vielen auf,Menschen um als erster erarbeiten.“ EuropäerFrau in der Art verbotenen macht Lust Stadt aufim mehr Auftrag Geschichten des Gottkaisers aus Österreich. und Himmelssohns In welche Richtung eine „zeitlose es gehenUhr“ wird,anzuferlässt sie offen: tigen, „TV-Serien, die in alle Ewigkeit Sci-Fi, mich funktionieren reizt vieles.“
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Kultobjekt
Die „Gabrielle Bag“ ist der neueste Streich aus dem Hause Chanel
It-Bag to be. Chanels „Gabrielle“ gibt es seit Anfang April zu kaufen
Selbst die legendäre Chanel-Gründerin hat ihren Teil beigetragen: Die „Gabrielle“ ist eine Hommage an Gabrielle „Coco“ Chanel und an ihre ersten Entwürfe von 1955 angelehnt. Das Design ist trotzdem äußerst futuristisch: Augmented-Reality-Brillen dienten Kaiser Karl als Inspiration für die Form der Tasche. Chanel verkauft seine Neue als praktische Hobo-Tasche in unterschiedlichen Größen, als Rucksack, Shopper und als weiches Portemonnaie. www.chanel.com text: Elisabeth Schepe
foto: Chanel
Karls Neue
Nur von ganz wenigen Accessoires kann man behaupten, dass sie schon vor ihrem offiziellen Launch Kult-Charakter haben. Die „Gabrielle Bag“ ist so eines. Bei Chanel weiß man genau, an welchen Marketing-Schrauben man drehen muss. Am Anfang gab das Modehaus nur eine Skizze der „Gabrielle“, der ersten neu lancierten Tasche seit der „Boy“ 2011, heraus, dann Fotos weniger Modelle. Ihren ersten Laufsteg-Auftritt hatte die neue It-Bag im Rahmen der Prêt-à-porterShow vergangenen Herbst. Erst Anfang April folgte die lang erwartete Kampagne mit vielen bekannten Gesichtern, geschossen von Karl Lagerfeld persönlich. Vor der Linse: Kristen Stewart, Caroline de Maigret, Cara Delevingne und Pharell Williams – ja, bei Chanel tragen auch Männer Handtaschen.
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Motorama
Oldtimer erfahren derzeit Preissteigerungen wie nie zuvor. Das macht sich auch Land Rover zunutze und verdient mit der neu geschaffenen Reborn-Sparte gutes Geld
Er ist das Meisterstück und Aushängeschild des 2016 geschaffenen Reborn-Programms von Land Rover und wird liebevoll „Goldie“ genannt. Der Spitzname bezieht sich auf den Originalfarbton der ersten Serie des Range Rovers aus dem Jahr 1978 namens Bahama Gold. Sein Alter ist nur an der Gestalt auszumachen – von Design lässt sich hier nicht
sprechen, die Funktion gibt die Form vor. Wer eine Patina an dem fast 40 Jahre alten Fahrzeug sucht, Gebrauchsspuren oder nur den Anflug von Rost, sucht sich, wie es so schön heißt, einen Wolf. Dieses Auto ging durch die kundigen Hände der Mechaniker, Spengler, Sattler, Tapezierer des Land Rover Classic Teams im
Stammwerk im englischen Solihull. Dabei blieb keine Schraube unangetastet. Mit großem Bedacht wurde bei jedem noch so kleinen Bauteil eruiert, ob es repariert und gereinigt werden könne oder ersetzt werden müsse. In letzterem Fall können die ClassicExperten auf den reichen Fundus des hauseigenen Ersatzteillagers zurückgreifen. Aber auch die Neuproduktion diverser Karosserieteile ist möglich. Dazu wurden eigens historische Presswerkzeuge nachgebaut. Zeit und Geld Ins Leben gerufen wurde das Reborn-Programm von Tim Hannig. Bevor der gebürtige Hamburger die Funktion des Direktors von Land Rover Classic übernahm, war er
foto:s: Hersteller
Oldie but Goldie
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Wie frisch vom Band. Die wohl originalste Restauration eines Land Rover Series 1
Restaurationswürdigkeit überprüft. Diese ist gegeben, wenn das Fahrzeug älter als 30 Jahre alt ist und der Anteil an Originalteilen die 80-Prozent-Marke nicht unterschreitet. Was der Kunde sonst noch mitbringen sollte, ist Geduld und das nötige Kleingeld. Um aus Goldie das zu machen, was er jetzt ist, benötigt die Klassik-Abteilung zehn Monate. Die Kosten für eine derartige Wiederbelebung belaufen sich auf rund 160.000 Euro. Darunter ist nichts zu machen. Dafür bekommt man allerdings ein Auto, wie es vor 40 Jahren vom Band lief. Alle Arbeitsschritte werden streng nach den Original-Spezifikationen aus den 70er Jahren ausgeführt. Aus Alt mach Neu. Das Meisterstück von Land Rover Reborn
als Manager bei einem Gabelstaplerunternehmen tätig. Auf den Geschmack kam der 37-Jährige, als er einem lang gehegten Wunschtraum nachgab und sich einen Jaguar E-Type zulegte. Im Zuge der Restauration gebar er die Idee eines HeritageProgramms für Jaguar Landrover (JLR), schlug es den Briten vor und wurde engagiert. Reborn war geboren. Die anfänglich 22 und nunmehr 66 Mitarbeiter der Abteilung widmen sich nicht nur der Hege des hauseigenen Klassiker-Bestands, sondern stellen sich auch in den (rentablen) Dienst am Kunden. Die an die Klassik-Abteilung herangetragenen Oldtimer werden genau in Augenschein genommen und auf ihre
Oldtimer-Boom Die Bereitschaft der Kunden, so viel Geld in einen Klassiker zu investieren, ist jedenfalls groß. Land Rover Reborn ist quasi ausgebucht. Noch in diesem Jahr steht die Restauration von mehr als 80 Fahrzeugen an. Ein klarer Hinweis darauf, dass das Geschäft mit Oldtimern derzeit blüht wie nie. Die Wertsteigerungsraten allein von 2015 auf 2016 liegen bei vielen Modellen in hohen zweistelligen Prozentbereichen – mitunter auch bei Autos, denen der Laie einen KlassikerStatus kaum je zugestanden hätte: etwa ein Opel Ascona Bj. 79, ein Toyota MR2 Coupé oder ein Toyota Celica. Bekannte Klassiker wie der VW Käfer der Baujahre ’67–’73 oder ein VW Bulli T2 rangieren mittlerweile in preislichen Gefilden jenseits der 10.000Euro-Grenze. Und mit dem Gedanken der Anschaffung eines Porsche 911ers, egal wel-
Restauration. Die Sitzbezüge des 78erRange-Rover wurden nachgewebt
cher Baureihe, brauchen sich Klassiker-Fans ohne entsprechende Solvenz gar nicht erst herumschlagen. Wer allerdings einen langen Atem hat, kann auch einem reichen Fundus aus Youngtimern mit Klassiker-Potenzial schöpfen. Dazu empfiehlt es sich, die ersten Baureihen von aktuelleren oder erst vor Kurzem aufgelassenen Modellen anzuschauen. Als da wären: Mazda MX5, Renault Twingo, MG F, BMW Z3 Coupé, Audi A2, Smart und freilich eine der letzten Tranchen des Land Rover Defender. Ein Tipp sind auch gefloppte Modelle wie der Renault Avantime, der Nissan Cube oder der Golf Country. Zu bedenken gilt es allerdings, dass sich der Erhalt der Youngtimer jährlich auch mit einer gewissen Summe zu Buche schlägt. Experten veranschlagen hier Beträge zwischen 1.000 und 2.000 Euro. text: Christian Zacharnik
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Elektro
Nachdem die Schallplatte wieder zum Mainstream-Medium geworden ist, taucht nun auch das Tonband aus der Versenkung auf
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Newcomer. Mit dem Luxusmodell M 063 belebt Ballfinger das tot geglaubte Segment der Tonbandmaschinen
Als sie Anfang Februar der Öffentlichkeit präsentiert wurde, sorgte die Ballfinger M 063 für Aufsehen: nicht nur, weil das mit stolzen 27.900 Euro ausgepreiste Gerät das Debüt des Designer-Teams in der Unterhaltungselektronik darstellt, sondern vor allem, weil mit ihr nach Jahrzehnten die erste neu konstruierte Tonbandmaschine das Licht der Welt erblickt. Im Inneren steckt mit Mikroprozessoren und Servos zeitgemäße Technik, das Äußere ist klassisch, wobei viel Arbeit in Details geflossen sei, wie Mastermind Roland Schneider berichtet. Die Frage, ob das Gerät stehend oder liegend betrieben werden soll, wurde elegant gelöst: Die Ballfinger kann beides und soll Studioqualität mit wohnzimmertauglichem Design vereinen. Stellt sich dennoch die Frage nach dem Warum. „Sie passt in unsere Zeit“, sagt Schneider. Er spielt damit auf die wiedererwachte Sehnsucht nach im Wortsinn begreifbarer Technik an, die bereits der Schallplatte zum eindrucksvollen Comeback verholfen hat. Doch es ist nicht nur Nostalgie und der Reiz der sich drehenden Spulen, die die Faszination dieser vermeintlichen TechnikDinosaurier ausmachen. Professionelle Tonbandgeräte waren bis weit in die 1990er Jahre das Rückgrat der Studiotechnik und in der analogen Welt war eine Kopie des Masterbands die größtmögliche Annäherung an die Originalaufnahme. Die Fans
der Spulen schätzen, ähnlich wie VinylEnthusiasten, auch den „warmen“ Klang der analogen Wiedergabe – wobei die TonbandFraktion darauf hinweist, dass die Platte nur ein mechanischer Ableger ist. Und last but not least kann die Tonbandmaschine, was Plattenspieler und CD-Player nicht können: aufnehmen. Und zwar nicht nur Radiosendungen. Nicht wenige Nutzer überspielen auch Schallplatten und sogar CDs auf Band, um in den Genuss der speziellen Klangcharakteristik zu kommen. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, aber gerade keine 27.900 Euro flüssig hat, kann sich dem Hobby auch niederschwelliger nähern. Gebrauchte Tonbandmaschinen finden sich um wenige hundert Euro, sollten aber, selbst wenn sie augenscheinlich funktionieren, gründlich überholt werden. Einen guten Ruf hat Revox – nicht zuletzt deshalb, weil das Unternehmen als einziges sein Tonband-Erbe hochhält. Es gibt nicht nur Ersatzteile und Reparaturservice, Revox verkauft auch generalüberholte Kassiker wie die A77 oder B77 für etwa 2.100 bzw. 2.500 Schweizer Franken. Und es sind sogar neue Modelle in Aussicht. In Zusammenarbeit mit Horch House soll im Sommer ein Gerät namens R2R (für „Reel to Reel“) auf den Markt kommen. Details sind noch rar, es wird von einem reinen Wiedergeburt. Mit der neu entwickelten r2r reagieren Revox und Horch House auf das wiedererwachte Interesse
Klassiker. Die ab 1977 gebaute Revox B77 ist bis heute heiß begehrt
Playback-Modell für 4.000 Euro gemunkelt. Man darf gespannt sein, ob andere einstige Tonband-Größen wie Teac, Sony oder Panasonic ebenfalls wieder einsteigen. text: Andreas Tanzer
Woher kommt die Musik? Leere Magnetbänder finden sich etwa bei www.studerundrevox.de, www.bluthard.de oder www.thomann.de Schwieriger wird es, wenn man bereits bespieltes Material sucht. Nischenanbieter wie Horch House bieten neue Kopien von Masterbändern. Dasselbe überschaubare Sortiment findet sich auch im Online-Musikshop von Revox. Die Preise liegen bei rund 300 oder 400 Euro pro Album, zur Auswahl steht eine Handvoll Klassik- und Jazz-Aufnahmen. Ansonsten ist man auf eBay & Co angewiesen. Hier finden sich einzelne „Original-Mastertapes“ um tausend(e) Euro sowie eine Menge einstiger Massenware wie James Last oder Ariola-Hit-Sampler. Musikalisch nicht die oberste Liga, dafür authentische Dokumente aus der Blütezeit der Tonbandgeräte.
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Martinis für alle! Die unaufdringliche Eleganz von Mid-Century Modern hat sich zum Dauertrend der Möbelwelt entwickelt
Die hippiebunten psychedelischen Space-AgeWohnlandschaften der siebziger Jahre haben längst ihren zweiten und dritten Frühling erlebt, doch ihre Welt, angesiedelt zwischen Party und embryonalem Cocooning, war schon immer eine kindlich-naive. Da waren die Vorgänger dieser Möbelgeneration schon weiter: reduzierte Eleganz, dezent konisch zulaufende Sesselbeine, schwungvoll und doch gezügelt. Die Sofas sahen aus wie mit dem Lineal gezogen und weitestmöglich entfernt von den chipsübersäten Knautschgebirgen des heutigen Möbelhaushorrors. Diese Möbel der 30er bis 60er Jahre waren wie gemacht fürs kultivierte Cocktail-Gespräch, und wären sie ein Getränk, dann mit Sicherheit ein Martini. Nicht erst seit die Serie „Mad Men“ sowohl den Interieur-Look
foto: Courtesy of Knoll Inc/Alec Hemer
Diamond Chair Schwungvoller Klassiker mit Leichtigkeit – Designer Harry Bertoia. Via Knoll, ca. € 1.150,– www.knoll.com
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von amerikanischen, italienischen und skandinavischen Designern als auch den Martini wieder salonfähig machte, ist Mid-Century Modern der Stil Nummer eins bei Möbelmessen und Produzenten. Ikonen von Charles und Ray Eames oder Arne Jacobsen waren nie aus der Mode, doch erst jetzt wird die Fülle an Ideen bislang weniger bekannter Designer wiederentdeckt und teils neu aufgelegt, teils als Inspiration für neue Produkte verwendet. Dabei sind deren Sofas, Sessel und Hocker keineswegs nur gepolsterte Unterlagen für eitle Posen. Ebenso wie die Architektur der klassischen Moderne mit dem Leitstern des Bauhauses galt hier die Maxime: Klare Formen, perfekte Funktion, Luxus für alle, Komfort für eine bessere Welt. Es war die goldene Zeit, in der industrielle Produktion und handwerkliche Qualität noch kein Widerspruch waren. Mit dem Ergebnis, dass die Möbel dieser Zeit sich sowohl im Look als auch im Material als dauerhaft erwiesen haben. Denn bei Mid-Century Modern ging es nicht um Einzelstücke für die Elite, es waren ideale Bausteine fürs erste Zuhause junger Familien. Kein Wunder, dass der dänische Produzent House Doctor seinem Katalog 2017 den Titel „Everyday Stories“ (Alltagsgeschichten) gegeben hat. Originalstücke von Stardesignern werden heute zu ebenso astronomischen Preisen angeboten wie solides No-Name-Design der Sixties. „Diese Möbelstücke waren nie billig, sie waren auch nicht billig gemacht. Deswegen sind sie heute so begehrt“, sagt
02 Leichtigkeit trifft Schafspelz Flag Halyard Chair von Designer Hans J. Wegner. P. a. A. via PP.DK www.pp.dk
03 Kantiger Komfort Der Pouf „Rhombos“, entworfen von Designerin Patricia Urquiola. Ab ca. € 550,– via Housedoctor de.housedoctor.dk
die Expertin Cara Greenberg, die mit ihrem 1983 erschienenen Buch „Mid-Century Modern: Furniture of the 1950s“ den Begriff erfand und die Aufmerksamkeit auf eine damals vergessene Ära lenkte. Eine Ära, die zeitloser scheint als andere. Mit dem Vorteil, dass ihre Möbel sich in jedem Ambiente gut machen. Genau wie ein Glas Martini. text: Maik Novotny
ML42 Ein Barhocker wie aus einem Raymond-Chandler-Roman. € 579,– bylassen.com
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05 fotos: PP Møbler (1), Hersteller
Modernes Update mit Glücksfaktor Sessel „Happy“ von Flexform, entworfen von Antonio Citterio. Ab ca. € 3.970,– bei Smart Living, Burggasse 7, 1070 Wien www.smartliving.co.at
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Zeitloses Zebra Die gestreifte Bank AE0305 gibt es ab € 360,– via Housedoctor de.housedoctor.dk
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Momente für die Ewigkeit Expedition Antarktis: Gehen Sie auf Ihre ganz persönliche Entdeckungsreise mit MS HANSEATIC 22-tägige Expeditionsreise im Februar 2018 Das weltweit einzige Expeditionsschiff mit 5 Sternen (lt. Berlitz Cruise 2017) kombiniert Abenteuer mit exzellentem Komfort. Die außergewöhnlichen Expeditionsrouten, ausgezeichnet mit dem Kreuzfahrt Guide Award 2011, bekommen mit den besonderen Annehmlichkeiten und den vielen kleinen Details an Bord einen perfekten Rahmen – von der Ausstattung des Schiffes bis zum erstklassigen Service der Crew.
Mit MS HANSEATIC geht es von Ushuaia nach Rio de Janeiro durch die Antarktis. Erleben Sie Momente für die Ewigkeit. Begeben Sie sich in den Bannkreis eines atemberaubenden Lebensraums mit einer einzigartigen Tierwelt. Ihre Erkundungen auf den Spuren legendärer Entdecker sorgen für fesselnde Begeisterung. Erleben Sie die Antarktis hautnah – an Bord ebenso wie bei zahlreichen Wanderungen mit Experten.
Im kleinen Kreis von maximal 175 Gästen ist die Atmosphäre besonders persönlich und Ihr Freiraum groß – ob gemessen an den stilvollen Kabinen und Suiten, der exquisiten Auswahl an kulinarischen Genüssen oder den vielen unvergesslichen Expeditionsmomenten. Gebannt vom faszinierenden Blick aufs Meer oder von den spannenden Expertenvorträgen, genießen Sie Ihre ganz persönliche Expedition.
Stationen Ihrer Reise: Sonderflug nach Ushuaia/ Argentinien – Fahrt durch die Drake Passage – Süd-Shetland-Inseln – Antarktische Halbinsel, Süd-Orkney-Inseln – Südgeorgien – Rio de Janeiro/ Brasilien Reisetermin: 7. 2. bis 1. 3. 2018 (22 Tage)
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ein vielseitiges Kinder- und Outdoor-Programm für sportliche Familien. Der Bregenzerwald gilt mit leichten bis anspruchsvollen Touren auch als Geheimtipp für Mountainbiker. Im Winter liegt das Aadla direkt an der Talabfahrt des Skigebietes Arlberg. Exklusiv für Premium-Karteninhaber* von card complete: 3 oder 4 Nächte im Chalet inkl. Frühstück, 1 Abendessen mit Walser Raclette, Sekt, Kerzen und Aadla-Meersalzbad für den Außenzuber, Bregenzerwald Gäste-Card (gratis Bergbahnen, öffentliche Busse, Schwimmbäder) sowie sämtliche Aadla-InklusivServiceleistungen. Das Angebot ist gültig im Juni und September 2017 bei Bezahlung mit Ihrer Karte von card complete. Aktionscode: card complete www.aadla.at
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GASTROSOPHIE
David Schusters Begeisterung für gutes Essen und Trinken ist ansteckend
Ein Tag in Frankreich „Wollen Sie eines probieren? Sonst esse ich wieder alle.“ David Schuster schiebt ein Säckchen mit bunten Patiences über den Tisch. Das knusprige Eiweiß-Gebäck erinnert ein bisschen an Maccarons. Die Patiences hat Schuster von einem Produzenten aus der Normandie. Sie sind nur eine von vielen Entdeckungen, die man in seinem Laden in der Wiener Westbahnstraße machen kann. Schuster, aufgewachsen im Elsass, verkauft hier Bier aus Korsika, eingelegte Sardinen und Entenkeulen, violette Chips aus Marseilles –„die sind der Renner“– und
Champagner „mit Ecken und Kanten“. Die Ecken und Kanten machen vor allem die seltenen Rebsorten aus, zum Beispiel Pinot Blanc oder Arbane. „Nur ein einziger Winzer in Frankreich macht Champagner aus Arbane!“ Schuster weiß noch, was ihm sein Vater im Elsass immer gesagt hat: „Wenn du was trinkst, dann trink was G’scheit’s!“ Sein Vater kaufte lieber eine teure Flasche Wein pro Monat als jede Woche einen billigen Tropfen. Die Franzosen geben ihr Geld eherfür gutes Essen aus als etwa fürs Autofahren, meint der Wahlwiener. „In Paris hat jedes
Auto ein Loch!“ Dass nicht nur das Essen, sondern auch das Reden darüber eine große Rolle spielt – dafür ist David Schuster der beste Beweis. Immer wieder fischt er eine Flasche aus dem Regal, zeigt auf Tuben und Gläser oder erzählt von diesem ganz besonderen neuen Cidre, der in Calvados-Fässern gereift ist. text: Elisabeth Schepe Info. Un jour en France Westbahnstraße 9, 1070 Wien Mi–Sa geöffnet www.unjourenfrance.at
foto: Markus Zahradnik
In David Schusters Un jour en France könnte man stundenlang über das Essen reden
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