FALTER
Bioherbst Beilage mit Anstößen zu nachhaltiger Nachdenklichkeit
Nr. 39a/12
IRENA FONDA MIT IHREM PIRANER WOLFSBARSCH · FOTO: IRENA ROSC
Special FISCH: Irena Fonda produziert den besten Wolfsbarsch der Welt – biologisch · Der Trend zum Biobier · Forscher zur Stanford-Studie, die den Unterschied zwischen konventionellem und Biofood bestreitet · Auch das ist Bio: Wienkarte Ökomode
Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2368/2012
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Hanf ist gleichsam ein Inbegriff von Bio: agrikulturell, medizinisch und kulinarisch geringgeschätzt, ist er doch unglaublich wertvoll
Inhalt
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Der beste Wolfsbarsch der Welt ist bio Irena Fonda züchtet ihn in der Piraner Bucht Biofischzüchter, nördlich und südlich Biofische, waldviertlerisch und steirisch Biobier – alles spricht dafür Ein Bericht von Pionieren und Brauexoten
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Was bisher geschah Falter-Berichte von biologischen Produzenten Buchtipps Unter anderem ein Buch zum Thema Fisch Warum Bio doch besser ist Zwei Forscher kritisieren die Stanford-Studie
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Bio-Splitter Kurzes aus der weiten Welt von Bio Bio ist auch Mode und Kosmetik Ein Bericht und eine Wienkarte Adressen-Service Wo Sie in Wien Ökomode und -kosmetik finden
Vorwort
Fotos: Irena Rosc, Archiv
io wird immer vielfältiger. Längst ist es aus dem Gebiet der härenen B Kutten in den Mainstream der Su-
permärkte gelangt. Aber immer noch muss Bio sich verteidigen, immer noch hat es den Anschein, als stünde nicht die Qualität der Lebensmittel im Mittelpunkt, sondern als nähme man um des guten Gewissens willen irgendwas in Kauf. Ganz falsch gedacht. Das zeigt die Reportage von Irena Rosc, die ihre Namensvetterin Irena Fonda besucht hat. Fonda züchtet in der Bucht von Piran bei Portorož auf biologische Weise den besten Wolfsbarsch der Welt. Biofisch wird selbstverständlich auch
in Österreich immer wichtiger, wobei es hier eher um Karpfen & Co geht. Rosc hat wie immer die Bildleiste fotografiert, die sich durch dieses Heft zieht. Das Motiv diesmal: Hände, die Herbstfrüchte halten. Und wogegen muss Bio sich verteidigen? Zum Beispiel gegen eine vor wenigen Wochen von der kalifornischen Stanford University ver-
Rosc
Wurmdobler
Holzer
öffentlichte Studie, die den Unterschied zwischen konventionell und biologisch erzeugten Lebensmitteln bestritt. Sie wurde von den meisten Medien kritiklos, ja lustvoll referiert. Warum das so nicht geht und was gegen die Studie einzuwenden ist, erklären die mit Biofragen befassten Wissenschaftler Alberta Velimirov und T homas Lindenthal.
Tschaikner
Moser
Florian Holzer hat sein Ohr wie immer
an den kulinarischen Trends: Biobier lautet ein aktueller – das geht bis hin zu bei Vollmond gebrauten Demeterbieren. Christopher Wurmdobler beschreibt einen anderen Aspekt von Bio: Mode und Kosmetik folgen längst dem Ökotrend, wie seine beeindruckende Aufstellung von Wiener Geschäften zeigt. B ianca Tschaikner hat dazu eine schöne Karte gezeichnet. Die grafische Gestaltung dieses Specials stammt von Raphael Moser; ich hoffe, wir liefern Ihnen ein wenig Aufklärung, wie sie sein soll – schön und lustvoll.
A rmi n T h u r n h e r
Impressum Falter 39a/12 Herausgeber: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. Medieninhaber: Falter Zeitschriften GmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: service@falter.at, www.falter.at Redaktion: Armin Thurnher Layout: Raphael Moser Lektorat: Wolfgang Fasching, Andrea Schmidtberger Anzeigen: Sigrid Johler Geschäftsführung: Siegmar Schlager Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86 Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.
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Unter dem Netz, im sauberen Meerwasser, wächst der beste Wolfsbarsch der Welt in der Bucht von Piran heran
Österreich hat in der EU mit 18,5 Prozent den höchsten Anteil an Bioanbaufläc
Paradeiser
Ägyptische Schwammgurke
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Ein Fisch namens Fonda Meereslauschen: Irena Rosc
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onda-Frauen sind stark, tragen Bär- Teufelsgeiger te und haben ihre Gärten im Meer. Und zwar am südlichsten Punkt des Tartini, die slowenischen Meeres, in der Bucht von Piran. Da befindet sich das Fisch- und Mu- Gesänge der schelzuchtgebiet der Familie Fonda. Vater Ugo Fonda, er starb letztes Jahr, war Mee- Adria und der resbiologe und anerkannter Experte für Un- Biogedanke terwasserbiologie, Taucher und Kenner der Flora und Fauna der Adria, ein Experte des standen Mittelmeeres und des Atlantik. Er kannte die Welt unter Wasser und wusste um dem besten den dramatischen Rückgang der Meeresfische. „Dem Meer etwas Gutes zurückge- Wolfsbarsch ben und den Menschen in Zukunft einen der Welt Pate ausgezeichneten Fisch bieten“, das war ihm ein großes Anliegen, erzählt seine Tochter Irena Fonda. Bei der Verwirklichung seines Lebens traumes, der Fischzucht „Fonda Piraner Branzin“, half ihm zunächst sein Sohn Lean Fonda, wie sein Vater Biologe und professioneller Taucher. Die Fondas besitzen auch das erfolgreiche Unternehmen „Unic Sub“, welches unter anderem Unterwasserkon struktionen plant und ausführt oder Wasserkraftwerke betreut, aber auch die Kühlanlagen des slowenischen Atomkraftwerks Krško überprüft. Unic Sub wurde von Ugo Fonda vor 27 Jahren gegründet. Lean Fonda Irena Fonda vor ist zum Zeitpunkt unseres Gespräches gera- der Bucht von de in Libyen als Taucher engagiert. Piran, bei PortoroŽ Vor zehn Jahren haben Ugo und Lean Fonda da-
mit begonnen „den besten Wolfsbarsch der Welt zu züchten“. Sie hatten Glück, denn sie bekamen von der Stadt Piran das schönste Fischzuchtgebiet inmitten eines Fischereireservats. Das lokale Klima, der niedrige Salzgehalt des Meeres in diesem Teil der Bucht, der Zufluss zum Meer und die ständige Bewegung der Fische in ihren frei Teufelsgeiger schwebenden Netzkäfigen wirken sich posi- Tartini auf dem tiv auf die Qualität der Fische aus. Die Fi- Platz von Piran
sche haben viel Lebensraum, die Seile und die Netze, von welchen die Fische umgeben sind, werden mit keinerlei chemischen oder toxischen Mitteln behandelt und sind daher von vielen verschiedenen Lebewesen bewachsen. Von erfahrenen Tauchern des eigenen Unternehmens Unic Sub werden die Netze und Seile von Hand gereinigt und bei Bedarf ausgetauscht. Die Taucher bringen auch bunte Unterwasseraufnahmen mit, auf denen der Tierreichtum im Wasser für Besucher sichtbar wird. „Ich habe meinen bunten Garten im Meer“, strahlt Irena Fonda, die Direktorin des Unternehmens. Auf dem Boot daneben wird gerade die Mies muschelernte eingefahren. Das hochqualitative, ausgewogene und öko-
logische Fischfutter, laut Irena Fonda das zurzeit beste auf dem Markt (es ist auch das teuerste), belastet das Wasser nicht, der Fisch schmeckt am Ende nach Fisch. „Ich bin überzeugt, dass es die richtige Entscheidung ist, weil das, was die Fische essen, am Ende wir und unsere Kinder essen.“ Fonda-Wolfsbarsche sind nicht fett, sie werden täglich manuell gefüttert, ein Wert von tausenden Euro wird mit kleiner Schaufel in die Luft geschleudert, zart prallt das Futter auf das Wasser, gefolgt vom Aufbrausen und Brodeln der Fische. Der Futterbedarf wird individuell durch Beobachten des Fischverhaltens täglich neu festgestellt, eine Überfütterung ist bei dieser Art der Nahrungszufuhr ausgeschlossen. Die beste „Konversion“ findet statt, sagt Irena, wenn das gesamte Futter in Fischfleisch umgewandelt wird. „Bei uns wachsen die Fische sehr langsam, vier bis fünf Jahre, wir haben also immer fünf Generationen von Wolfsbarschen bei uns. Die Jungen bekommen nochmal ein Fortsetzung nächste Seite
hen. Dahinter folgt Schweden mit 12,6 Prozent, Estland kommt auf 10,5 …
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Apfel
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B ioh e r bst 12 Die geernteten Wolfsbarsche kommen sofort auf Eis und werden versandfertig gemacht (links); Qualitätsbeweis für nicht chemisch belastetes Wasser: der Bewuchs der Taue (rechts oben); Irena Fonda wirft das teure Futter in ein Becken voller Branzini, das sofort zu brodeln beginnt (rechts unten)
Fortsetzung von Seite 5
Zum Gebiet der Fischzucht Fonda fährt man
von Piran, wo 1692 Giuseppe Tartini, der „Teufelsgeiger“ geboren wurde und wo der Tartini-Platz, ein 1894 zugeschütteter Fischereihafen, durch die umsichtige Gestaltung des in Wien lebenden Architekten Boris Podrecca – eine elliptische Plattform aus weißem Stein – als einer der schönsten Plätze an der Adria erhalten blieb, vorbei an Portorož/Portorose bis zum kleinen Ort Secovlje, wo man zuerst die 1500 Jahre alten Salinen von Secovlje erblickt, die jetzt ein Landschaftspark sind. (An der 46 km
kurzen slowenischen Küste ist alles ganz nahe, jedem Bewohner Sloweniens stehen ungefähr 2 cm Küste zu.) Das Salz aus Secovlje mit der Bezeichnung „Piranske Soline“ wurde als eines der besten der Welt ausgezeichnet. Man sagt, es sei „das Meer, das nicht in den Himmel zurückkehren konnte“. Das Salz ist leicht, reich an Meeresmineralien und nicht raffiniert. Im Naturpark der Salinen erfährt man alles über Salzgewinnung, und im Sommer darf man selbst Salzkristalle ernten. Direkt neben den Salinen kann man mit Irena Fonda per Boot eine Besichtigung der Fischfarm mit anschließender Degustation der frischen Fische erleben. Die von Fonda angebotenen Bootsausflüge beinhalten auch Fischkunde. Woran erkennt man zum Beispiel einen frischen Fisch? Klare Augen und rote Kiemen sind heute keine Garantie mehr, sagt Irena, „da helfen manche mit Augentropfen und roter Farbe nach“. Oder man bestellt Fondas frischen Piraner Wolfsbarsch nach Hause und bekommt
Frauen mit Bärten:
Den Schnurrbart malten die Fondas auf die Fotos ihrer Mütter und Großmütter. Er ziert auch das Firmenlogo
das Salz, mit dem man den Fisch brät, und das Rezept für die Zubereitung gleich mitgeliefert. „Die Bucht von Piran ist nur knappe fünf Autostunden von Wien entfernt, und wir liefern gerne dorthin, denn nur ein frischer Fisch riecht nach Meer und nach richtigem Fisch“, sagt Irena Fonda. „Wir hier sind ein gemischtes Volk, und Wien gehört noch zur erweiterten Heimat.“ Damit die Konsumenten die Herkunft und die
Frische der Fische kontrollieren können, hat Fonda als Erste begonnen, die Wolfsbarsche nach der Entnahme aus dem Meer zu markieren. Hinter den Kiemendeckel wird eine Marke mit Angaben über Herkunft und Fangdatum befestigt. „Wir pflegen die Fische fünf lange Jahre, ein schlechter Fischverkäufer kann die Qualität in kurzer Zeit zerstören“, gibt sie als einen der Gründe für den Direktversand an. Als ehemalige Wissenschaftlerin bringt Fortsetzung auf Seite 8
… und Tschechien auf 9,4 Prozent +++ Rund 21.700 Betriebe arbeiteten an …
Hopfen
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Fotos: Irena Rosc, Archiv
spezielles Futter, noch etwas teurer, ähnlich der Babynahrung. Der Kostenfaktor ist sehr hoch.“ Der Erfolg lässt sich messen: „Biochemische Untersuchungen erwiesen, dass das Fleisch unseres Piraner Wolfsbarsches einen bis zu 13-mal geringeren Anteil von Quecksilber im Vergleich zu wildem, freilebendem Wolfsbarsch enthält, der 100-mal geringer als der gesetzlich bestimmte Anteil ist“, erklärt Fonda stolz.
Demner, Merlicek & Bergmann
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B ioh e r bst 12 Irena Fonda erzählt vor der Kulisse „ihrer“ Bucht: „Früher war ich eine gnädige Frau, jetzt bin ich eine Bäuerin“ (links); ein Boot in der Bucht von Piran sammelt Muscheln (im Hintergrund die Bojen der Fischbecken) (rechts oben); die Netze müssen händisch geflickt werden (rechts unten)
Fortsetzung von Seite 6
Irena Fonda, die Fischfrau, hat ein Doktorat
in Molekularbiologie und Biochemie, sie forschte zum Thema biologische Heilmittel gegen Krebs. Trotzdem entschloss sich Irena Fonda, ihren Job als Molekularbiologin beim Großkonzern Novartis in Ljubljana aufzugeben und sich ganz der Vermarktung der Fische zu widmen. Nachdem ihr Vater und Bruder hervorragende Fische gezüchtet hatten, mussten diese schließlich auch verkauft werden. „Als leitende Angestellte eines Pharmakonzerns war ich eine ‚Gospa‘, eine gnädige Frau, als Leiterin eines klei-
nen Familienunternehmens war ich plötzlich eine Bäuerin, die um drei Uhr morgens Fische putzte.“ Sie hat die Fischzucht nicht gelernt, aber ihr Studium ermöglicht ihr „ein breiteres Verständnis und eine andere Sicht auf viele Dinge“. Fonda zeichnet verantwortlich für das neu geschaffene, mit vielen Preisen ausgezeichnete Corporate Design der Marke „Fonda Piranski Brancin“. Auf alten Familienfotos wurden allen Frauen ihrer Vorfahren Bärte aufgemalt, was ihrer Nonna, als diese sich selbst zum ersten Mal mit Bart, und dazu noch ganz groß auf dem Lieferwagen, sah, nicht schlecht gefallen hat. „Zuchtfische hat man früher gerne verschwiegen, manche verkauften auch unsere Fische als Wildfang.“ Bis die berühmte slowenische Köchin Anna Roz aus Kobarid einfach den „Fonda Piraner Branzin“ auf ihre Speisekarte setzte. Das war der Beginnvom Ende des schlechten Images eines Zuchtfisches, allerdings nur, wenn der Fisch den Namen Fonda trägt. „Wir haben das Image
Bezugsquellen Solinen Piran Seca 115, 6320 PortoroŽ, Slovenia www.soline.si Fonda Piranski Branzin / Piraner Wolfsbarsch www.fonda.si Bestellungen: info@fonda.si +386/51/60 56 05 In Wien sind Fonda-Branzini erhältlich bei La Salvia, 16., Brunnenmarkt, Ecke Weyprechtgasse/ Schellhammergasse www.lasalvia.at
spiegelverkehrt umgedreht und machen mit der Tatsache, dass die Fische bei uns gezüchtet wurden, Werbung!“, sagt Fonda. Sie erklärt, dass auch ein Fisch etwas „abliegen“ soll, je nach Geschmack. Irena mag einen Fisch am liebsten am zweiten Tag, aber das soll jeder für sich herausfinden. Im November wird der sechste Geburtstag der
Marke „Fonda Piraner Branzin“ gefeiert. Die Fischahnen tummeln sich in einem gesonderten Netz, zehn Jahre alt und noch älter. Sie sind besondere Schützlinge von Irena Fonda, beim Betrachten dieser Fische strahlt sie um eine Nuance mehr. Das Strahlen wird weniger, wenn man sie danach fragt, ob sie ihre wissenschaftliche Arbeit noch einmal aufgeben würde für die Fische. Das kann sie nicht beantworten, sagt sie. Aber vielleicht findet sie eine Lösung ihrer Forschungsarbeit im Meer. Übrigens: Das bekannte Fischrestaurant Ribic gleich daneben bezieht seine Fische nicht von Fonda. F
… der Produktion von biologischen Lebensmitteln +++ Entgegen dem …
Stachelgurken
Paprika
Fotos: Irena Rosc
Irena Fonda für ihren Job als Fischzuchtdirektorin enormes Wissen und großes Durchhaltevermögen mit. Nicht nur das Futter der Fische, auch den Zuchtbetrieb, von dem sie ihre Jungfische bezieht, hat sie nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewählt. Zunächst war es ein Betrieb in Frankreich, der auch für die nordischen Fjorde Fische züchtet, jetzt arbeitet sie mit einem Betrieb in Bari zusammen.
In der Regional-Liga sind wir Weltklasse. So weit muss Bio gehen.
Zurück zum Ursprung ist fest in Österreichs Regionen verwurzelt, wo die Bauern ihre ursprünglich typischen Kultur- und Lebensräume nachhaltig fördern. So stammen die Bio-Futtermittel für die Kühe zu mindestens 75 Prozent vom eigenen Hof, der Rest aus Österreich. Da gibt‘s kein importiertes Soja aus abgeholzten, wertvollen Tropenwäldern. Mehr unter www.zurueckzumursprung.at
Jetzt heißt‘s: App zum Ursprung.
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Ein nördlicher Pionier des Biofischs
Richtlinien für die Biofischzucht Marc Mößmer ist der Pionier des Biofischs in Österreich – er hat die Arge Biofisch gegründet in Österreich; plus muss immer anfangen. In Ösaus biologischer Landwirtschaft aufausgewählte Adressen E iner zubauen und beständig weiterzuentterreich ist Marc Mößmer derjeMarc Mößmer, förderer, keinen Einsatz von Hormonen und keine Gentechnik. Fische haben viel Platz und müssen daher ihr Revier nicht verteidigen. Das Wasser für die biologische Fischhaltung muss zur Erzeugung von Lebensmitteln geeignet sein. Die Wassergüte darf sich durch die Nutzung zwischen Ein- und Auslauf nicht verschlechtern. Für die natürliche Flora und Fauna werden im Umfang zwischen 1 % und 5 % natürliche Strukturen belassen. Besatzfische und Futtermittel stammen aus biologischer Landwirtschaft. Karpfen beziehen zu 50 % das Futter aus der Naturnahrung des Teiches. Fischmehl/-öl für die Forellenzucht wird zertifiziert „nachhaltig“ erzeugt. Die Fischgesundheit wird in erster Linie durch vorbeugende Maßnahmen wie Fischauswahl, optimale Haltungsbedingungen, mäßige Fütterung und hochwertige Futtermittel gesichert. Im Krankheitsfall wird die Unterstützung der Selbstheilungskräfte, die Ausschaltung von Belastungsfaktoren und die Anwendung von Naturheilverfahren der Behandlung mit Medikamenten vorgezogen.“ (Richtlinien von Bio Austria) Arge Biofisch: www.biofisch.at Verkaufslokal Wien: 17., Bergsteiggasse 5, Tel. 0680/552 75 44 Gut Hornegg (St): www.gut-hornegg.at Johann Haider (OÖ): www.aisttalforellen.at Fischzucht Krieg (S): www.biofischzucht-krieg.at Welche Fische sollen/dürfen wir essen? Antworten hat der wichtige Fischratgeber 2012 www.greenpeace.org
nige, der mit dem Biofisch angefangen hat. In den 1990er-Jahren gelang es ihm, die Richtlinien für Biofischzucht (Kasten links) in die Richtlinien von Bio Austria für die Karpfenproduktion einzubringen, 2001 folgten alle anderen Fischarten. Mößmer (Porträt in Falter 45/08) ist gelernter Teichwirt, hat im zweiten Bildungsweg an der Boku studiert und die Renaissance des Karpfens initiiert. Biofischzucht für Karpfen war in Österreich kaum vorstellbar. Anfang der 1990er-Jahre war Bio noch ein Exotismus, von Biofisch war keine Rede, der Karpfen galt als fett und uninteressant. Und das trotz einer be-
der Guru des Biofischs, beim Abfischen am Teich Haslau im Waldviertel
eindruckenden Tradition von Karpfenzucht nicht nur im Waldviertel (siehe unten). Mößmer bewirtschaftet Teiche in Haslau im Waldviertel; er gründete 1994 die Arge Biofisch, eine Selbsthilfeorganisation zur Entwicklung der biologischen Wirtschaftsweise in der Teichwirtschaft. Es geht ihr darum, „eine qualitätsorientierte Produktion und Vermarktung von Fischen
wickeln“. Teichwirte, die auf Bio umstellen wollen, berät er fachmännisch und uneigennützig. Mittlerweile sind die Biofischprodukte auf vielen Wiener Märkten erhältlich; im September beginnt die Saison wieder, die sommerliche Schonzeit ist beendet. Höhepunkt der Saison ist das Abfischen der Teiche, ein Erlebnis und ein lohnendes Ausflugsziel. Je nach Fischteich findet das Abfischen von Mitte Oktober bis Allerheiligen statt. Die Arge Biofisch hat auch eine Vermarktungsgesellschaft gegründet, die Biofisch GmbH mit Sitz in Hernals (Adresse links). F
Ein südliches Paradies des Biofischs Das Gut Hornegg in der Südsteiermark züchtet Biofische und verfügt über eine lange Tradition wischen Graz und der sloweniZ schen Grenze liegt mitten in der steirischen Hügellandschaft das Gut
Hornegg. Hier betreibt die Besitzerfa milie seit den 1960er-Jahren Teichwirt schaft, die sich auf noch vorhandene barocke Anlagen stützen konnte. Es war hier wie im Waldviertel; oft sind von Teichen noch Dämme und Reste vorhanden, von Wasser keine Spur. Die Teiche wurden neu angelegt. Mittlerweile ist aus Hornegg in mehrfacher Hinsicht ein Juwel geworden. Geschützte Landschaft verbindet sich mit biologischer Fischzucht. Bekannt geworden ist Hornegg einem österreichischen Publikum heuer durch das Fischkochbuch von Christiane Kada und Dirk Stermann
Fischmeister Heinrich Holler mit einem Karpfen im südsteirischen Gut Hornegg
(Falter 18/12), das vor allem durch das Gut Hornegg inspiriert ist. Kada stammt von dort, Stermann hilft regelmäßig beim Abfischen. Wie auch Marc Mößmer züchtet Fischereimeister Heinrich Holler nicht nur Karpfen, sondern auch Schleien, Hechte, Welse und Zander, aber auch wenig beachtete Weißfische wie Rotaugen und Rotfedern (denen im Kochbuch einige Aufmerksamkeit zuteil wird).
Biofischzucht braucht Raum und Zeit. „Für die Qualität von Speisefischen sind die ersten beiden Jahre besonders wichtig. Fische, die während dieser Zeit in gesunder Umgebung kräftig heranwachsen, können im dritten Jahr qualitätsvolles Fleisch entwickeln. Das gelingt jedoch nur, wenn der Fischbesatz pro Teich nicht zu dicht ist. Also lieber weniger Fische in den Teich setzen und zusehen, dass sie auf Basis der zur Verfügung stehenden Futterstoffe unter optimalen Bedingungen wachsen können. Als Faustregel gilt, dass pro Hektar nicht mehr als 500 Fische leben sollten“, heißt es im zitierten Kochbuch. Wohlgeschmack der Fische und ein gutes Gewissen sind der Lohn. F
… europäischen Trend stiegen die Bioumsatzzahlen in Österreich 2011 um …
Bachforellen
Wolfsbarsche
Fotos: Irena Rosc
::„Es gibt keine chemischen Wachstums-
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Hopfen, Wasser, Malz, Bio und sonst nix Wenig spricht dagegen, Bier biologisch zu brauen. Dennoch sind Biobiere noch Exoten auf dem Biermarkt B r a u be r i c h t : Florian Holzer
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sterreich ist grundsätzlich konservativ. Beim Bier aber besonders. Österreich bleibt seinen Biermarken und -typen treu, und zwar eisern, konsumiert es in vollen Zügen, interessiert sich aber eigentlich weder für Zutaten, Inhaltsstoffe oder Herstellungsweisen des Saftes, von dem man immerhin knapp neun Millionen Hektoliter trinkt. Neunhundert Millionen Liter Bier jedes Jahr, hundert Liter pro Kopf, Kinder mitgerechnet.
rade einmal ein einziges Biogerstenmalz erhältlich war und es damals im Mühlviertel einen einzigen Bauern gab, der Hopfen biologisch anbaute. Es ging trotzdem, und die Passagiere des italienischen Reisebusses, der da vor bald 20 Jahren vor der Brauerei in Hirt halt machte, um eine kleine Bierverkostung vorzunehmen, waren allesamt begeistert, ist Linzer noch heute stolz.
Bier ist ein industriell hergestelltes landwirt-
schaftliches Produkt, das in erster Linie aus Wasser, in zweiter Linie aus gemälzter Braugerste und in dritter Linie aus ein bisschen Hefe und Hopfenwürze besteht. Und Österreichs Landwirtschaft ist – im internationalen Vergleich – biomäßig echt nicht schlecht unterwegs, Bio hat die breite Masse längst erreicht, Bio ist drauf und dran,
„Biobier stand in den Kühlregalen ganz hinten, kam aus Deutschland und schmeckte seltsam“
industrielandwirtschaftlicher Standard zu werden. Brot, Obst, Gemüse und vor allem Milchprodukte sind im Supermarkt erhältlich, Fleisch noch etwas schwieriger, kommt aber sicher auch bald. Und beim Wein, dem aufwändigsten und hochwertigsten landwirtschaftlichen Produkt, arbeiten viele der Top-Produzenten längst biologisch oder biodynamisch. Beim Bier nicht. Im Jahresbericht des
Verbandes der Brauereien Österreichs kommt Biobier jedenfalls nicht vor, kein Wunder, lässt es sich rein prozentuell doch nur schwer ausdrücken, so ohne Ziffer vor dem Komma. Dennoch gibt es Biobier, Bier aus biologischen Zutaten. Und es sei ein wachsender Markt, sagt Raimund Linzer, seit 2000 Braumeister bei Hirter Bier in Kärnten, wenngleich ein langsam wachsender. Hirter begann 1994 damit, ein Biobier zu brauen, und war damit die erste heimische Brauerei von nennenswerter Größe, die sich auf das Experiment einließ. Da rauf gekommen sei man, so Linzer, weil man es sich angesichts der guten Wasserqualität leisten könne, das Wasser nicht aufzubereiten, auch müsse das Bier in keiner Phase pasteurisiert werden. Und weil das schon quasi die halbe Miete ist, überlegte man sich, „warum nicht gleich ein Biobier brauen“. Was sich dann als so leicht auch wieder nicht herausstellte, da zum Beispiel beim führenden heimischen Malzlieferanten ge-
Biohopfen, ein wesentlicher Bestandteil von Biobier
drei bis vier Prozent des Gesamtausstoßes (da wird auch Radler mitgerechnet), das ist nicht wenig. Vor allem nicht, wenn man sich vorstellt, dass biologische Zutaten für Bier etwa doppelt so teuer wie konventionelle sind und das Bier im Endeffekt zehn bis 15 Prozent teurer machen (was auf dem höchst preissensiblen Biermarkt schon eine Welt ist); und wenn man sich vorstellt, wo sich Bio Mitte der 1990er-Jahre in der Konsumentenwahrnehmung befand: verschrumpelte Äpfel, mickrige Karotten, fader Getreideschrot, der nach dem ersten warmen Tag zu leben begann, braune Bananen, oxidierter Wein und Eier, an denen Hühnerkacke klebte. Und das Bier, das in den Kühlfächern der Bioläden immer ganz hinten stand und nur ganz selten genommen wurde, kam aus Deutschland (schon einmal ganz schlecht) und schmeckte irgendwie seltsam. Inzwischen gibt es einige Biere mehr, sie zählen sicher nicht zu den uninteressantesten des Landes, haben aber – bis auf wenige Ausnahmen – eine Gemeinsamkeit: Sie sind alle nicht „normal“. Biobiere sind in vielen Fällen naturtrüb, also „Zwickel“. Oder wurden mit dunkler geröstetem Malz gebraut, sind daher leicht rötlich – und naturtrüb natürlich noch dazu. Für Biobiere werden gern archaische Getreide vermalzt, auch
… 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr +++ Der österreichische Biogesamt-…
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Kardengurken
Foto: Irena Rosc
Heute beträgt der Anteil an Biobier in Hirt
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Hadmar Bier von Weitra Bräu – interpretiert das Wiener Lager neu
Hopferl von Neufeldner – glasklar, kristallin, hopfig
Schlad minger Biozwickl – das einzige Biobier der Brau Union
ein Hanfbier darf es gerne einmal sein – alles Stilmittel, um Ursprünglichkeit, Handwerklichkeit und Natürlichkeit zu suggerieren. Was natürlich Unsinn ist, denn Biobiere werden genauso gebraut wie alle anderen, sind im Endeffekt weder gesünder noch vitaminreicher oder sonst was, sie belasten die Umwelt halt einfach nicht durch Spritzund Düngemittel. Was ja schon Argument genug sein könnte, aber wie gesagt, der heimische Biermarkt ist ein träges Schiff, und seine Passagiere stehen Kursänderungen überaus skeptisch gegenüber. Raimund Linzer,
Fotos: Archiv
Dennoch ist in den vergangenen Jahren auf dem
Biobiersektor viel passiert. Das Grüppchen der zertifizierten Brauereiprodukte ist vielfältig und sympathisch. Das Hadmar der Bierwerkstatt Weitra Bräu zum Beispiel: Dieses vollmundig-herbe und hochfärbige Bier lehnt sich an die fast verschwundene Tradition des legendären „Wiener Lager“ der Schwechater Brauerei Anton Dreher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an. Das Bier der Waldviertler Kleinbrauerei, die zu Zwettler gehört, wird seit 1995 gebraut und zählt somit auch zu den Pionieren.
Hirter Bier in Kärnten: ein Biobierpionier seit 1994
Reinhold Barta, Brauerei Gusswerk in Salzburg: eindrucksvoll und biodynamisch
Biobier von Schremser, als „Natur park-Bier“ vermarktet
13 Steinbier von Gusswerk – der einzigen Demeter brauerei
erei, nämlich als erste Biobrauerei Oberösterreichs (wo es immerhin 42 Braustätten gibt), aus der vier hochinteressante Biere kommen und deren sogenanntes „Hopferl“ ein Paradebeispiel eines Mühlviertler Bieres ist, glasklar, kristallin und mit deutlicher Hopfennote, wunderbar. Am eindrucksvollsten aber ist wohl die Per-
„Biobiere werden genauso gebraut wie alle anderen Biere, aber sie belasten die Umwelt nicht“
Schremser vermarktet sein Biobier als „Naturpark-Bier“, Ottakringer vermarktet sein vor zwei Jahren lanciertes „Goldfassl pur“ fast gar nicht, das anlässlich der Eröffnung des doch recht biologisch fahrenden „Motto am Fluss“ präsentierte Bier bleibt bis heute der Gastronomie vorbehalten, ob und wann es in den Handel kommt, ist ungewiss. Recht deutlich positioniert sich da seit Neuestem die kleine Neufeldner Brau-
formance der Brauerei Gusswerk aus Salzburg, die Reinhold Barta seit 2007 in der Gewerbezone nördlich von Salzburg Stadt betreibt: Er arbeitet biodynamisch, also die strenge Demetervariante, mit Getreiden des burgenländischen Demeterbetriebs Michlits/Meinklang und Hopfen des einzigen biodynamischen Hopfenbauern aus Tettnang am Bodensee. Die Biere – teils aus Urgetreiden, mit psychoaktiven Kräutern versetzt, mit heißen Steinen, bei Vollmond oder im extremen Alkoholbereich gebraut – sind extravagant, individuell und immer hochinteressant. Sie sind somit ein Vorgeschmack dessen, was biermäßig auf der Welt derzeit so passiert und irgendwann vielleicht auch in Österreich Fuß fassen wird. Biologisch natürlich. F
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Goldfassl pur von Ottakringer gibt’s derweil nur für die Gastronomie
Schladminger schickte 2009 sein erstes Biozwickel auf den Markt, was insofern von Bedeutung ist, als es bis heute die einzige Brauerei/Marke des heimischen Marktführers Brau Union ist, die sich mit der Biothematik auseinandersetzt, 2012 kam ein Bioweizenbier dazu.
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Was bisher geschah. Falters Bioreport 2011/12 Eine kurze Übersicht über einige der im Falter von Irena Rosc porträtierten Bioproduzenten
ben der Produzenten, die das herstellen, von dem wir alle leben, oder ob Sie zu einer der angeführten Adressen einen Einkaufsausflug planen: Diese kleine Übersicht soll Ihnen eine Ahnung von der Vielfalt geben, die an der Basis der österreichischen Bioproduktion herrscht.
schon weil er Kontrollor ist, vorbildliche Qualität produziert. Außerdem: Nendwich liebt seine Tiere.
Johann Haider 4283 Bad Zell Haselbach 1 www.aisttalforellen.at Porträt in Falter 16/11
Mozzarella so populär ist (die plastikartige Qualität der meisten Handelsware lässt einen eher rätseln). Paget macht nicht nur großartigen Käse, er engagiert sich auch mit Entwicklungsprojekten in Indien. Fritz und Regina Angelmayer Waldschafe Zwettler Str. 34, 3580 Horn, 02982/305 47 Porträt in Falter 41/11
Johann Haider produziert seine ForelHerbert Schwaiger www.mobileschlacht-systeme.at Porträt in Falter 6/11 Herbert Schwaiger erfand einen mo-
bilen Schlachthof. Hintergrund: Das unter besten Bedingungen produzierte Fleisch verliert seine Qualität, wenn Tiere Stress und Qualen ausgesetzt sind, wie sie bei industrieller Schlachtung unvermeidlich sind. EU-Vorschriften machen Hofschlachtung fast unmöglich. Schwaigers geniale Erfindung würde helfen – aber er wird von den Behörden blockiert. Andreas Nendwich 3753 Pernegg 15 Tel. 02913/760 Porträt in Falter 14/11 Andreas Nendwich zieht auf seinem Hof
nicht nur Lämmer in Bioqualität, er hat auch einen Zweitberuf: als BioKontrollor überwacht er seine Kollegen. Anzunehmen, dass der Kontrollor a) auch selbst kontrolliert wird und b)
len in 20 Teichen in Bioqualität, er ist Mitglied der Arge Biofisch (siehe auch Seite 10) und liefert seine Forellen meist nach Wien, in einer Qualität, die zu kaufen er „sich selber gar nicht leisten könnte“. Rosenhof Bartl 7151 Wallern Bahnstraße 90 www.bio-rosenhofbartl.at Porträt in Falter 24/11
Bei den Angelmayers haben die Wald-
schafe, eine ruhige Rasse, gut ein Jahr Zeit, bis sie geschlachtet werden – zuvor ernähren sie sich von Gras und Heu. Mit konventionellen Methoden würde das nur halb so lang dauern – das Fleisch würde aber nur halb so gut schmecken. Angelmayer-Produkte findet man auch auf der zweijährlichen Terra-Madre-Messe.
Die Bartls verkaufen ihre biologischen
Rosenprodukte unter anderem auf der Freyung im ersten Bezirk; erstaunlich, was man aus Rosenblättern alles machen kann, vom Sirup bis zur Creme, vom Essig bis zur Essenz. Hofkäserei Robert Paget 3492 Diendorf/Kamp Kirchenweg 6, www. bufala-connection.at Porträt in Falter 28/11 Robert Pagets Büffelmozzarella muss
man probiert haben – er ist nicht nur bio, er macht einem erst klar, warum
Schinner Biogänse 2084 Fronsburg 18 Tel. 02948/86 83 Porträt in Falter 45/11 Die Schinners sind auch für ihre her-
vorragenden Biolämmer bekannt. In dieser Geschichte ging es aber – vor Martini – um die Gänse; man tut gut daran, sie rechtzeitig vorzubestellen, um noch eines der beliebten Tiere zu ergattern. Von weitem sieht man sie im Herbst auf weitläufigen Hügeln um Fronsburg, ihre weißen Federn bedecken den Boden wie Schnee; mindestens vier Monate verbringen Schinners Gänse im Freien.
Bioschafzucht Hautzinger, 7162 Tadten, Jägerweg 15 www.schafzuchthautzinger.at Porträt in Falter 14/12 Die Hautzingers gehören zu den weni-
gen, die auf dem Hof schlachten können. Nicht nur deswegen schmecken ihre Lämmer und Schafe besonders fein. Schafmilchprodukte gibt’s auch. Gärtnerei Bach 22., Contiweg 12 Tel. 01/280 95 34 www.gaertnereibach.at Porträt in Falter 18/12 In der Spitzengastronomie stammt das Gemüse fast immer von ihr. Trotzdem blieb Eveline Bach, die all die geschmackvollen Wunderwerke biologisch heranzieht, bescheiden. Ihre Gärtnerei stellt einen „essbaren Paradiesgarten“ von unglaublicher Vielfalt dar.
Hanfdorf Reingers 3863 Reingers 02863/82 08-4 www.hanfdorf.at Porträt in Falter 30/12 Keine Drogen! Waldviertler Hanf ist
harmlos. Hanf ist nämlich wunderbar heilsam und gesund, vielseitig verwendbar und trotzdem beinahe ausgestorben. Die chemische Industrie hat dafür gesorgt. Die Gutenbergbibel und die erste Bluejeans waren beide aus Hanf hergestellt.
Fotos: Irena Rosc
leich, ob Sie diese Übersicht als G Bezugsquelleninformation nehmen oder als Schlüsselloch zum Le-
… umsatz betrug 2011 1,208 Milliarden Euro. Gekauft werden vor allem Eier und
Wintersalat
Zucchiniblüte
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Buchtipps Empfehlenswertes zu Fisch, Ökologie und Kochen
Falters Genussführer
Bücher rund ums Thema Bio Mensch und Fisch Paul Greenberg ist leidenschaftlicher Angler und ebenso leidenschaftlicher Autor, der sich in der New York Times und in GQ mit dem Thema Fisch befasst. In diesem Buch erzählt er von seiner Leidenschaft, er geht – wie der Titel sagt – vier Fischarten nach, erzählt alles Wissenswerte über Lachs, Barsch, Kabeljau und Thunfisch, beschreibt, wie „Meeresfrüchte“ längst nicht mehr sind, was wir annehmen, und zieht am Ende – man ahnt es – eine betrübliche Bilanz: Das Wissen um die Notwendigkeit, nachhaltig erzeugten und gefangenen Fisch zu essen, hat an der Praxis der Fischerei wenig bis nichts geändert. Ein lehrreiches und unterhaltsames Buch, gerade auch über Biofisch und Nachhaltigkeit.
Paul Greenberg: Vier Fische. Bloomsbury Taschenbuch, 312 S., E 11,30
Offene Worte
Jean Ziegler, der ehemalige Ernährungsbeauftragte der FAO, der Ernährungsorganisation der Uno, scheut nie vor einem klaren Wort zurück. In seinem Buch ist von Bio wenig die Rede, aber zumindest die Frage des sogenannten Biosprits handelt Ziegler schonungslos ab: „Das (Klima-) Argument der Agrarkonzerne ist verlogen. Es unterschlägt, dass Wasser
und Energie in hohem Maß für die Herstellung von Agrotreibstoff erforderlich sind und dass der Produktionsprozess daher eine große Umweltbelastung darstellt.“ Also doch ein Buch über Bio: Gegen die „Bodenverarmung“ hilft nur kleinteilige biologische Produktionsweise.
Jean Ziegler: Wir lassen sie verhungern. Bertelsmann, 320 S., E 20,60
Kochbuch, alt, aber gut
Selbst vor den Augen des strengen FAZ-Kritikers Jürgen Dollase fand dieses vegetarische Kochbuch Gnade. „Dieses Buch ist gut“, befand er knapp. Was den Autor dieser Tipps insofern freute, als er schon die englische Originalausgabe für gut befunden und mehrfach empfohlen hatte. Der Titel ist „Discounter-Ware“, wie Dollase richtig anmerkt (das Original heißt „Plenty“). Aber selten wurde vegetarische Küche so anspruchsvoll und anregend präsentiert. At
Slow Food Wien, Bio Austria (Hg.)
EAt SloW! Ein Führer zu ausgewählten Bio- und Slow-Food-Produzenten in Ostösterreich, die wunderbare Lebensmittel mit Identität und höchstem qualitativen Anspruch erzeugen. Von Florian Holzer und Nina Kaltenbrunner.
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Ist Nicht-Bio gleich Bio? Zwei Forscher erklären, Eine Studie der kalifornischen Universität Stanford sorgte vor wenigen Wochen für Wirbel in der Presse. Sie griff in f r age n : a r m i n t h u r n h e r
D
Falter: Ein kürzlich erschienener Report sagt, Biolebensmittel seien so gesund wie konventionelle – was haben die Forscher da genau untersucht? Lindenthal: Die Forscherinnen der Stanford University Medical School haben Ergebnisse von ausgewählten Studien, die in international begutachteten Zeitschriften bereits veröffentlicht worden waren, ausgewertet und sich dabei die Frage gestellt: Sind Bioprodukte gesünder im Vergleich zu konventionellen Produkten? Dabei haben sie die Nährstoffgehalte sowie Rückstände von Pestiziden in den verschiedensten Lebensmitteln betrachtet, ebenso wie das Vorkommen von antibiotikaresistenten Bakterien. Ein wichtiges Ergebnis war, dass sie zwischen Bioprodukten und konventionellen Produkten keinen signifikanten Unterschied in wichtigen Nährstoffgehalten festgestellt haben.
Es hieß auch, Biolebensmittel wiesen geringere Rückstände an Pestiziden auf. Velimirov: Stimmt. Die Studie spricht von einem geringeren Risiko von Pestizidrückständen und antibiotikaresistenten Bakterien, doch dieses Risiko liege nur bei 30 %. Dies basiert auf einer unüblichen Berechnungsart. Bei anerkannten statistischen Methoden beläuft sich dieses reduzierte Risiko von Bioprodukten auf 81 %, wie Prof. Charles Benbrook aus Washington kürzlich berechnet hat. War die Stanford-Studie seriös?
just einen Tag nach der Stanford-Studie veröffentlicht. Diese Studie weist die Vorteile von Bioprodukten weit ausgeprägter nach und war den Stanford-Autoren sicher über Vorläuferpublikationen bekannt.
Lindenthal: Die Untersuchung hat eine lan-
ge Latte an gravierenden Schwächen, die in dem Begutachtungsprozess offenbar geringes Gewicht hatten, was nicht neu ist. Bereits Vorgängerstudien wiesen immer wieder die gleichen Schwächen auf. Welche?
Lindenthal: Die beteiligten Wissenschaftler
wissen offenbar oft wenig über Landwirtschaft. Zudem werden Studien, die im Verdacht stehen, aus der „Bioecke“ zu kommen, von der Mainstreamwissenschaft und den Medien konsequent ignoriert, selbst wenn sie in international begutachteten Zeitschriften veröffentlicht wurden. Aber auch universitäre Forschungsarbeiten, die Biovorteile nachweisen, werden kaum wahrgenommen. Ein Beispiel? Velimirov: Eine ganz ähnliche Studie wie jene von Stanford stammt von der renommierten Forscherin Kirsten Brandt, Prof. Carlo Leifert und anderen Wissenschaftlern der Newcastle University und wurde
Zur Person Dr. Alberta Velimirov, Zoologin, ist als Qualitätsforscherin am Fibl (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) tätig und arbeitet in der außeruniversitären Qualitätsforschung. Arbeitsschwerpunkt: Fütterungs- und Futterwahlversuche mit Laborratten und -mäusen
Gab es keine wissenschaftliche Kritik an der Stanford-Studie? Lindenthal/Velimirov: Doch. Der erwähnte Prof. Charles Benbrook aus Washington hat die Ergebnisse der Stanford-Studie ausführlich kritisiert, doch seine kritischen Kommentare finden weder medial noch in der wissenschaftlichen Diskussion einen ausgeprägten Niederschlag. Darüber hinaus ist bei der Stanford-Studie wie auch bei anderen ähnlichen Studien die Ausklammerung von Open-Access-Publikationen ebenso auffällig und der Verdacht einer indirekten Beeinflussung durch große Firmen und politische Interessen wegen der immer wieder auftretenden systematischen Fehler dieser Studien nicht mehr ganz von der Hand zu weisen. Die Autoren weisen mehrfach darauf hin, dass ihre Metaanalyse nicht extra gesponsert war. Dass die Stanford-Universität selbst, die ja für die finanzielle Unterstützung gesorgt hat, Spenden in Millionenhöhe von „global players“ wie etwa dem Agrarkonzern Cargill erhält, wird aber nicht angemerkt. Was ist denn an der Stanford-Studie konkret zu kritisieren? Velimirov: Die Autoren sagen selber, die berechneten Summeneffekte seien sehr heterogen und daher vorsichtig zu interpretieren. Diese Studie zeigt wieder, dass man bei Qualitätsbeurteilungen immer unter die Oberfläche schauen muss. Interessant ist auch, dass die Autoren der StanfordStudie in ihrem ausführlichen Text Studien zitieren, die gesundheitliche Vortei-
Foto: Privat
er Spiegel, die Süddeutsche, der ORF – alle waren sich einig: Biolebensmittel sind nicht gesünder als konventionell erzeugte. Die US-Uni Stanford hatte eine Studie vorgelegt, die kritiklos wiedergegeben und hämisch kommentiert wurde. Wir haben nachgefragt.
… Joghurt, Butter, Obst und Gemüse liegen bei zehn Prozent, Käse bei sieben
Paradeiser
Wintersalat
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warum das Unsinn ist vielem zu kurz. Ein Gespräch mit den Wissenschaftlern Alberta Velimirov und Thomas Lindenthal tige Realität für den Konsumenten wider. Zur Erfassung dieser ganzheitlichen Ernährungswirkung sind eben wie erwähnt Fütterungs- und Futterwahlversuche notwendig. Drittens müssten die Untersuchungen einen viel längeren Zeitraum umfassen und die gesundheitlichen Auswirkungen, beispielsweise auf die gesamte Dauer der Schwangerschaft und die ersten Lebensjahre der Kleinkinder.
le von Bioprodukten aufzeigen, diese Studien dann aber in der Zusammenfassung nicht erwähnen. Welche?
Velimirov: Zum Beispiel Studien zu gesün-
deren Fettsäuremustern bei Biokuhmilch und von Muttermilch bei Müttern, die ausschließlich Bioprodukte konsumieren.
Foto: Privat
Wie untersucht man denn die gesundheitlichen Vorteile von Bio? Velimirov: Zur besseren Erfassung gesundheitlicher Vorzüge werden üblicherweise Tierfütterungsversuche eingesetzt, bei denen das Labortier als Leitorganismus dient. Es gibt einige interessante Ergebnisse von Fütterungsversuchen mit Laborratten und Hühnern. Dort wurden Vorzüge biologischer Produkte auf höhere Fruchtbarkeit, geringere Jungensterblichkeit sowie das Immunsystem nachgewiesen. Leider wurden diese Versuche in der Stanford-Studie völlig ignoriert. Was müsste man bei Bio wirklich untersuchen? Welche Folgenabschätzungen sind möglich? Lindenthal: Zunächst einmal eine generelle Kritik zu Vergleichsuntersuchungen, die schon seit 20 Jahren bekannt ist: Vergleichsuntersuchungen haben häufig methodische Schwächen. Um sie zu vermeiden, braucht es interdisziplinäre Teams von Forscherinnen und Forschern, man muss auch Bauern und Bäuerinnen zurate ziehen. Darüber hinaus bringen Vergleichsuntersuchungen keine Weiterentwicklung des Biolandbaus mit sich. Eine Weiterentwicklung des Biolandbaus braucht aber viele Forschungsanstrengungen, gerade dann, wenn sich der Biolandbau deutlich ausweiten soll.
Zur Person Dr. Thomas Lindenthal forscht und lehrt am Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Universität für Bodenkultur Wien sowie am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) Österreich. Seine Forschungsfelder sind u.a. CO2 - und Ökobilanzierung von Lebensmitteln, ökologische Landwirtschaft, nachhaltige Entwicklung, Nachhaltigkeit an Universitäten sowie Umweltpsychologie
Wozu dann solche Untersuchungen? Lindenthal: Wenn schon Vergleichsuntersuchungen, dann ginge es erstens darum, die Bioprodukte nach der Art ihrer Bewirtschaftung zu differenzieren und zweitens die Untersuchungen nicht nur auf chemisch-analytisch nachweisbare Parameter wie Nährstoff- und Schadstoffgehalte zu untersuchen. Velimirov: Das Zusammenspiel von Inhaltsstoffen im lebenden Organismus kann durch eine Auflistung der Inhaltsstoffe nicht erfasst werden, spiegelt aber die einzig wich-
Was untersuchen Sie bei Bio? Lindenthal: Wir untersuchen zum einen die ökologischen Vorteile von Bioprodukten, die sich auf die Bodenfruchtbarkeit, die Artenvielfalt, den Klimaschutz und die Reduktion des Wasserverbrauches beziehen, also bedeutende Faktoren, die für eine dauerhafte Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln ganz entscheidend sind. Die bedeutsamen ökologischen Vorteile der Bioprodukte sind in der Wissenschaft großteils unstrittig und werden auch von der Stanford-Studie nicht infrage gestellt. Wir untersuchen, wie sich Biobetriebe hinsichtlich ihrer ökologischen Leistungen weiter verbessern können, was besonders für intenFortsetzung nächste Seite
Prozent +++ Nur bei Fleisch …
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Fortsetzung von Seite 17
siver wirtschaftende Biobetriebe eine wich- Verwendete Abkürzungen: tige Herausforderung darstellt. Und die Gesundheit? Velimirov: Gesundheitliche Aspekte von Bioprodukten werden in kontrollierten Vergleichen ausgetestet. Die dabei angewendeten Methoden umfassen chemisch-analytische Untersuchungen, Wirkungen in Zellkulturen, Fütterungsversuche und Verkostungstests. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Verarbeitung von Bioprodukten, wobei darauf geachtet wird, möglichst sanfte Verarbeitungstechniken anzuwenden und die Anzahl der Zusatzstoffe auf das Notwendigste zu beschränken. Es kommen übrigens bereits jetzt bei der Bioverarbeitung nur risikofreie Zusätze organischen Ursprungs zum Einsatz. Was ist auf jeden Fall sinnvoll an Bio? Lindenthal: Wie schon erwähnt, sind die ökologischen Vorteile der Bioprodukte unstrittig, auch wenn es im Biolandbau hier immer noch Weiterentwicklungsbedarf gibt, der in der Bioszene sehr wohl gesehen wird. Diese ökologischen Vorzüge haben eine eminente Bedeutung dafür, ob wir auch in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten noch nachhaltig Landwirtschaft betreiben und eine weiter wachsende Weltbevölkerung ernähren können. Dass dies mit dem gegenwärtigen Lebensstil, auch mit dem hohen Fleischkonsum in den Industrieländern nicht funktionieren wird, spricht sich langsam, aber sicher selbst in konventionellen Kreisen herum. Hier ist Bio wichtig, da Bioernährung eine gesunde Ernährung mit geringerem Konsum tierischer Produkte bedeutet. Was wird unterschätzt an Bio? Lindenthal: Die gesundheitlichen Vorteile von Bioprodukten werden in vielen wissenschaftlichen Studien, wie erwähnt, konsequent unterschätzt. Bio hat zudem noch viel größere gesundheitliche Potenziale, wenn sich der Biolandbau ausweiten kann und sich dadurch z.B. die Abdrift von Pflanzenschutzmitteln aus der konventionellen
WHO: World Health Organization, Weltgesundheitsorganisation GVO: Gentechnisch veränderte Organismen FAO: Food and Agriculture Organization, Ernährungs- und Landwirtschaftsorgansation der Uno
Selbst die New York Times ergriff die Gelegenheit und schrieb anlässlich der StanfordStudie, ohne Biozide und gentechnisch veränderte Lebensmittel ließe sich die Welt nicht ernähren – eine Falschmeldung
Internetportale von öffentlichen Institutionen mit Objektivitäts charakter: ¦ oekolandbau.de ¦ fibl.org Stanford-Studie: ¦ annals.org/article. aspx?articleID= 1355685 Charles Benbrooks Kritik: ¦ organicportal.info
Landwirtschaft auf Biofelder weiter reduziert oder weniger Antibiotika eingesetzt werden. Was ebenso unterschätzt wird, ist, dass Bioernährung einen gesünderen Ernährungsstil mit sich bringt, sprich die Reduktion von Fleisch, mehr Obst und Gemüse. Das stimmt zudem gut mit den Gesundheitsempfehlungen der WHO überein. Und die politischen Wirkungen von Bio? Lindenthal: Bioprodukte und Biolandbau haben das Potenzial mitzuhelfen, grundsätzlich neue nachhaltige Grundprinzipien des Wirtschaftens salonfähig zu machen. Das sind Prinzipien, die wegführen von unserem gegenwärtig ausbeuterischen System, das
„Nur kleinbäuerliche Strukturen mit Biolandbau führen aus der Welternährungskrise“
die Natur und ihre Ressourcen, aber auch den Menschen und seine seelische und soziale Stabilität in hohem Maße gefährdet. Weiters wurde auch von der FAO bestätigt, dass der Weg aus der Nahrungsmittelkrise vor allem in Drittweltländern über die Förderung kleinbäuerlicher Strukturen mit biologischer Produktion führt. Diesbezüglich wird der Biolandbau besonders stark unterschätzt. Erstaunlich, dass da auch Qualitätszeitungen mittun. Velimirov: Ja. Die New York Times hat anlässlich der Veröffentlichung der hier besprochenen Stanford-Studie wieder einmal behauptet, dass für die Ernährung einer stetig zunehmenden Weltbevölkerung höhere Erträge, Biozide, chemische Düngemittel, GVOs und andere Elemente der industrialisierten Landwirtschaft unabdingbar seien. Es ist sehr bedauerlich, dass die Publikation einer Studie missbraucht wird, um
industrielle Agrarförderung zu unterstützen, zumal es bei der Studie nicht einmal um Produktionsfragen ging, sondern ausschließlich um gesundheitliche Wirkungen von Nahrungsmitteln. Gibt es einen Unterschied zwischen Bio und „nachhaltig“? Und wie wäre der zu definieren? Lindenthal: Ja, den gibt es. Bioprodukte und der Biolandbau sind gesetzlich streng durch die entsprechende Bio-EU-Verordnung geregelt, was jährliche verpflichtende strenge Kontrollen inkludiert. Nachhaltige Landwirtschaft ist hingegen ein sehr weiter Begriff, der gesetzlich nicht näher definiert ist, sodass ihn leider fast jeder verwenden kann und tatsächlich auch verwendet, ob im Marketing oder in der Agrarpolitik, weil es eben gut ankommt. Leider steckt da oft wenig Nachhaltiges dahinter, was insofern auch problematisch ist, da das Konzept der „Nachhaltigkeit“ oder „Sustainability“ ein visionäres und wichtiges ist, das ernst vorangetrieben werden muss, wenn wir auch in Zukunft halbwegs friedlich und ohne große Ressourcenengpässe und Wetterkapriolen auf diesem Planeten leben wollen. Was kann der Konsument tun, um sich zu informieren? Velimirov: Der ist in solchen Kontroversen leider immer der Leidtragende, hin- und hergerissen zwischen dem eigenen Empfinden und den Streitereien der Wissenschaftler. Natürlich kann man von Konsumenten nicht erwarten, dass sie diese Stanford-Studie selbst lesen. Es ist Aufgabe der Medien, nicht nur die Zusammenfassung einer solchen Studie zu berichten, sondern in einer kritischen Recherche ein Meinungsspek trum von Fachvertretern verschiedener Wissensbereiche darzustellen. In der vorliegenden Kontroverse geschah das nicht. Publikationen, die gesundheitliche Vorteile von Bioprodukten aufzeigen, wurden konsequent ignoriert. Der Konsument kann sich aber immerhin Informationen öffentlicher Einrichtungen mit Objektivitätscharakter holen. F
… achten die Österreicher wenig auf Bio: Der Bioanteil von Fleisch liegt bei …
Feigen
Weintrauben
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Ein Kistl Buntes Einzelheiten zur Ernährung 2012
Keine Krise, coole Köche, aussterbende Vögel
Foto: Pier r e Jacque m in, Illus t r at ion: w w w.e bcc .in fo
Welternährungstag Der Welternährungs tag, ausgerufen von der FAO, der Welternäh rungsorganisation der Uno, findet heuer am 16. Oktober statt. Er steht unter dem Motto „Agricultural cooperati ves – a key to feeding the world“. 2012 ist ja das Jahr der Genossenschaften. In Österreich gibt es zum Welternäh rungstag eine Reihe von Veranstaltun gen, zum Beispiel diskutieren unter der Leitung von Johannes Kaup am 3. Oktober um 18.30 Uhr im Radio kulturhaus Rudolf Graf, Geschäftsfüh rer der Entwicklungswerkstatt Aus tria (EWA), Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (Fibl), Nora Ourabah Had dad von der FAO und Werner Wut scher, Vizepräsident des Ökosozialen Forums.
Umsatzkrise? Nicht bei uns
In der Krise stagnierten in der EU die Umsätze von Bioprodukten im Einzel handel, oder sie gingen zurück. Ös
terreich arbeitete gegen diesen Trend, 2010 dank der Einführung von „Zu rück zum Ursprung“ von Hofer. Ein anderes Beispiel ist die Marke „Bio vom Berg“. Tiroler Bauern kreierten sie im November 2002; heuer konnten sie den Umsatz von anfangs 700.000 Euro auf fünf Millionen Euro steigern. Dies gelang durch die Zusammenar beit mit der Tiroler Supermarktkette M-Preis, die „Bio vom Berg“ von An fang an listete. Angeboten werden vor allem Käse, Eier, Brot und Gemüse.
Der beste Biokoch Das „zerknautschte Gesicht“ des besten Biokochs, Jean-Luc Rabanel. Er kocht in Arles in der Provence
„Jean-Luc Rabanel, der immer etwas zerknautscht aussehende Guru der französischen Bio- und Vegetarier küche, hat einen Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Patricia Alexandre, die Chefin der französischen Ausga
be des Gault-Millau-Restaurantfüh rers, hat ihn in der jüngsten Ausga be in die kleine Riege der Restaurant köche mit Höchstnote berufen. (…)Er wird sich wundern, wie er mit seinem kleinen ‚L’Atelier de Jean-Luc Raba nel‘ in einer engen Gasse von Arles so weit kommen konnte. Er wundert sich aber nicht allein, weil man schon ein wenig den Eindruck haben muss, dass Madame Alexandre mit Blick auf die ‚ethische‘ Bio-Küche die Pfer de durchgegangen sind, und dass ihr der Blick auf den Kontext jenen auf die Qualität ein wenig vernebelt hat.“ Jürgen Dollase, Guru der Restaurant kritik, kommentiert in der FAZ vom 15. März 2012 die Auszeichnung des berühmten südfranzösischen Bio kochs. Für „hochinteressant“ hält er ihn dennoch.
Bio – ein Kindheitswunsch
Im Auftrag des Ama-Marketing frag ten vor kurzem das Wiener Marktfor schungsinstitut Sensor Bio-Gelegen heitskäufer und intensive Bio-Käu fer, warum sie biologische Produkte kaufen. Vier Motive stellten die Sen sor-Leute dabei fest: Erstens genie
BIO kann man aus vielen Gründen haben wollen: Wenn man an die Umwelt denkt, wenn man an die Tierhaltung denkt und natürlich wenn man an höchste Lebensmittelqualität denkt. Achten Sie deshalb beim Einkauf auf das AMA-BIOZEICHEN – ein Zeichen für ein gesundes Ego! Näheres auf www.bioinfo.at
ßen Konsumenten Bioprodukte mehr als konventionelle, zweitens denken sie an ihre Gesundheit. Drittens füh len sie sich der Umwelt, der nachhal tigen Landwirtschaft oder dem Tier schutz gegenüber verantwortlich. Und viertens entsinnen sie sich ihrer Kind heit und der ursprünglichen Ernäh rung auf dem Land. Bio ist also auch nur so ein erfüllter Kindheitswunsch; laut Professor Freud ist das immer hin die Definition von Glück. (Quel le: Bio Austria)
Vögel würden Bio kaufen
Eine Analyse des For schungsinstituts für ökologischen Landbau (Fibl) von 66 europäi schen Vergleichs untersuchungen ergab, dass auf ökologisch bewirtschafteten Flächen doppelt so viele Individuen und 30 Prozent mehr Arten leben als auf kon ventionell bewirtschafteten. Ein infor matives PDF des European Bird Cen sus Council finden Sie auf der Web site www.ebcc.info F
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Ganz schön bio: immer korrekt gekleidet Wer beim Essen auf Bioqualität achtet, könnte das auch bei Kleidung tun. Die ist mittlerweile nicht nur gut, sondern auch modisch bericht: christopher wurmdobler
N
atürlich ist es einigermaßen absurd, bei Kleidung einerseits auf Nachhaltigkeit zu setzen und andererseits den ganzen Modezirkus mitzumachen; also zweimal im Jahr eine neue Kollektion vorzustellen und bei den Leuten Begehrlichkeiten zu wecken. Allerdings wird es wohl niemanden geben, der sich ein hochpreisiges, modisches Kleidungsstück zulegt, um es nach einem halben Jahr in die Kleidersammlung zu geben. Gute Mode, das konnte man in den letzten Jahren beobachten, hat nicht mehr die Halbwertszeit von wenigen Monaten. Was wirklich gut ist (und gut passt), das trägt man, bis es einer oder einem vom Leib fällt. Im Idealfall findet man auch noch jemanden, der es dann reparieren kann. Was ebenfalls schon viele Konsumentinnen und Konsumenten festgestellt haben: lieber keinen Quatsch mehr kaufen, keine Billigprodukte zweifelhaften Ursprungs, sondern gute Qualität. Hält länger, sieht besser aus, macht mehr Spaß und ein gutes Gewissen. Das Argument, fair produ-
Illustr ation: Bianc a T schaik ner
Fortsetzung auf Seite 22
… vier, der von Wurst bei zwei Prozent +++ Ein Drittel der österreichischen Baue
Zwiebel
Fisolen
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Alles bio, außer Essen: Hier gibt es in Wien Ökokleidung und -kosmetik Kleidung/Labels/Shops
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3 American Apparel
7., Mariahilfer Straße 22, Mo–Mi, Fr 10–19, Do 10–20, Sa 10–18 Uhr
4 Anukoo
6., Gumpendorfer Straße 28, Mo–Fr 11–18.30, Sa 10–17 Uhr, www.eza.cc/anukoo
5 Anzüglich
6., Theobaldgasse 9/1a, Mo–Sa 16–22 Uhr, www.anzueglich.at
6 Die Schwalbe
6., Otto-Bauer-Gasse 24, www.die-schwalbe.at
7 Dancing Shiva
7., Neubaugasse 58, Mo–Fr 10–19, Sa 10–17 Uhr
8 Ebenberg
7., Neubaugasse 4, Mo–Fr 10–19, Sa 10–18 Uhr, www.ebenberg.at
9 GEA 1., Himmelpfortg. 26, Mo–Fr 10–18, Sa 10–17 Uhr
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11 GEA 21., Am Spitz 2, Mo– Fr 10–13, 14–18, Sa 9–13 Uhr 12 GEA 7., Kirchengasse 24, Mo–Fr 10–13, 14–18, Sa 9–17 Uhr
13 Göttin des Glücks
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Es gibt viele Orte, an denen man in Wien ökologische & schöne Kleidung kaufen kann
16 Mode aus der Natur
17 Modus Vivendi
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18 Muso Koroni
8., Josefstädter Straße 33, Mo–Fr 10–19, Sa 10–17 Uhr, www.muso-koroni.com
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28 Be Mom 9., Nussdorfer Straße 4, Mo–Fr 10–18, Sa 10–16 Uhr, www.be-mom.com 29 Das Kinderzimmer
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6., Liniengasse 4, Mo–Fr 11–19, Sa 11–16 Uhr, www.makesyoureal.com
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32 Minimal
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1., Schwertgasse 4, Mo–Fr 10–19, Sa 10–15 Uhr, www.botanicus-vienna.at
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2., Taborstraße 10; 3., Landstraßer Hauptstr. 37; 7., Lindengasse 13–15; 7., Kaiserstraße 57–59; 16., Ottakringer Straße 186, www.denns-biomarkt.at
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8., Josefstädter Straße 20, Mo–Fr 11–18 Uhr, www.pagabei.at
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46 stattgarten
23., Schuhfabrikgasse 17, www.popolini.com
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8., Piaristengasse 10, www.wienerkind.at
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Accessoires/Wohnen
47 Grüne Erde
6., Mariahilfer Straße 11, www.grueneerde.com
48 Taschenausgabe
2., Haidgasse 5, Mo–Fr 10–18 Uhr, www.taschenausgabe.com
6., Barnabitengasse 3, www.modeausdernatur.at
ern denkt daran, auf Bio umzusteigen; die Biofläche könnte kräftig wachsen …
Einlegegurken
Knoblauch
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F A L T E R 3 9 / 1 2
B ioh e r bst 12
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Sogar der Hipster trägt Bio. Zwar lässt der amerikanische Jungmenschenausstatter American Apparel seine Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter erwiesenermaßen unter fairen Bedingungen modische Shirts, Hosen und Jacken schneidern. Die Frage nach der Herkunft der bunten Baumwollstoffe ist aber gleich weniger transparent. Allerdings hat American Apparel überdies Produkte im Angebot, für die ausdrücklich Biobaumwolle verarbeitet wird. Im „Go Green“-Sortiment finden modebewusste Zeitgenossen Kleidung aus 100 Prozent Biobaumwolle – nicht nur in Beige, sondern eben auch in den tollen bunten American-Apparel-Farben. Auch für Kinder und Kleinkinder gibt es hier faire wie schöne Sachen. Also Sachen, die auch modisch sind und nicht fad ökograu. Ach ja: Biolätzchen gibt es ebenfalls, aber da hält sich der Modeaspekt in Grenzen. Kinderbekleidung ist überhaupt ein ganz guter Ansatzpunkt, den Inhalt des Kleiderkastens in die richtige Richtung zu drehen. Weil? Man bei Kindern bekanntermaßen nicht sparen mag und außerdem die lieben Kleinen ja auch noch vor den bösen Giften bewahrt werden müssen, die in herkömmlichen Textilien vorhanden sind – von Spritzmittelrückständen bis zur Pflegeleichtausrüstung der Stoffe. Das möch-
Göttin des Glücks macht auch Mode für Glücksritter (hier aus der Winterkollektion)
te man seinem Kind ja wirklich nicht unbedingt zumuten. In Wien gibt es deshalb mittlerweile zahlreiche Anbieter, Geschäfte oder junge Labels, die sich auf ökologisch unbedenkliche Kinderkleidung spezialisiert haben. Dass die Kleidchen, Pullis, Strampler oder Leiberln auch noch ganz witzig, hübsch, frech oder niedlich – je nach individuellem Bedürfnis – aussehen, versteht sich fast von selbst. Auch viele Hersteller von Erwachsenenmode verwenden – zumindest teilweise – biozertifizierte Materialien. Und zusätzlich zum Material ist schließlich der Produktionsstandort wichtig für die Kaufentschei-
Längst sieht die Ökobekleidung nicht mehr aus wie Wohngemeinschaft und Schlabberpulli
„Go Green“ heißt die Ökoschiene von American Apparel – für Frauen, Männer und Kinder
dung. So hat das arrivierte Wiener Strickmodelabel Modus Vivendi auch schön Gestricktes aus organic cotton im Angebot. Die Nachfrage, so scheint es jedenfalls, regelt das Angebot. Wiens Siebdruckereien, die beispielsweise Fan-Shirts für Bands bedrucken, stellen ihre Kundschaft neuerdings vor die Gewissensfrage: herkömmliches T-Shirt oder lieber doch das – etwas teurere – Biobaumwollleibchen? Natürlich das Biobaumwollleibchen! Göttin des Glücks heißt eines der ersten Wie-
ner Modelabels, das ausschließlich auf ökologische und fair produzierte Kleidung gesetzt hat. Der Vertrieb erfolgte zunächst über die Weltläden, mittlerweile hat Göttin des Glücks ein eigenes Geschäft in der Operngasse (und eines in Graz), wo es Mode für Frauen, Männer und Kinder zu kaufen gibt. Bunt, elegant, sportlich oder bürotauglich: Das Label deckt viele modische Aspek-
te ab und zeigt, dass das Argument „fad“ längst nicht mehr zählt. „Danke, mir geht’s gut“, steht auf den Herrenunterhosen der aktuellen GDG-Kollektion; Männer werden hier zu „Rittern des Glücks“. Und wenn die Göttin will, findet sie sogar etwas Elegantes für den Abend. Erst seit Sommer 2012 mischt das Label Y/O/U – Your Original U im Wiener Ökomodezirkus mit – als Ableger eines Shops im hippen Berlin-Mitte. Y/O/U produziert Mode ausschließlich in Europa und verarbeitet dafür in erster Linie Materialien aus Europa; unter anderem Bioseide. Für seine Basics-Teile verwendet Y/O/U GOTS-zertifizierte Baumwolle. Kleidung nach dem „Global Organic Textile Standard“ muss zu 90 Prozent aus Naturfasern bestehen; immerhin 70 Prozent davon müssen aus biologischem Anbau sein. Vegan ist nicht gleich Bio. Aber wer sich be-
wusst ernährt, also auf Produkte tierischen Ursprungs verzichtet, geht auch bei der Kleidung keine Kompromisse ein. Weshalb vor kurzem im bürgerlichen 8. Bezirk ein Fachgeschäft für den veganen Lebensstil eröffnet hat. Vegan, fair und ökologisch einkaufen lautet das Motto bei Muso Koroni in der Josefstädter Straße. Hier gibt es neben Körperpflegeprodukten auch die neueste Fair-Trade-Mode – und nicht nur die Basics. Die Röhrenjeans sehen tatsächlich genauso chic aus wie die von den großen Marken, sind aus Biobaumwolle und kosten nicht viel mehr. Dasselbe gilt für bunte Kapuzenpullis aus Biobaumwolle, die kaum teurer sind als jene aus dem beliebten Kleiderkaufhaus. Von wegen Ökoschlabberlook: Natürlich gibt es auch noch die verschnarchten Geschäfte mit den indischen Tüchern (deren Herkunft man vielleicht auch einmal hinterfragen sollte). Aber es war noch nie so einfach, sich korrekt, gesund und gut einzukleiden. Und wenn der Trend weitergeht, werden auch die großen Modehäuser nicht umhin können, nur noch Produkte zweifelsfreien Ursprungs im Sortiment zu haben. Schön wird das. F
… und sich dadurch auf bis zu 40 Prozent der Gesamtanbaufläche erhöhen.
Hopfen
Löwenzahn
Fotos: göt tin des glück s, americ an apparel
zierte Kleidung aus Materialien ökologisch korrekter Herkunft sei „viel zu teuer“, kann man nicht stehen lassen. Vor allem wenn jemand dieses Argument bringt, dessen Kleiderkasten wegen Überfüllung geschlossen gehört. Wer maximal fünf Euro für ein TShirt ausgibt, sollte sich einmal kurz überlegen, was die Menschen verdienen, die das Kleidungsstück hergestellt, die Baumwolle dafür produziert haben. Eben. Das nächste Killerargument gegen Bioklamotten folgt dann meist gleich der Preisfrage: Ökokleidung, sagen die Skeptiker, sieht immer auch ein bisschen öko aus. Also nach Schlabberpulli und 1980er-Jahre-Wohngemeinschaftsbesatzung. Und das stimmt wirklich nicht. Nicht mehr, muss man dazusagen.
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