FALTER
Bioherbst Beilage mit Anstößen zu nachhaltiger Nachdenklichkeit
Nr. 38a/14
COLLAGE UND FOTO: IRENA ROSC
Ein Tag mit Frau Ja! Natürlich Martina Hörmer · Der Erdmacher: Gerald Dunst · Christian Felber über TTIP · Wieviel ein Cheeseburger wirklich kostet · Alles über Biokosmetik · Wiens letzte Schäfer · Karte: Bio direkt in und um Wien
Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2467/2014
Falter REISEFÜHRER s
+++ Der Reiseführer „Das Waldviertel” macht Lust aufs Land und weist kundig den Weg durch die Region zu Wackelsteinen und Badeteichen, großartigen Stiften, unberührten Flusstälern, mächtigen Burgen, prächtigen Schlössern sowie zu den schönsten Ausflugsorten in die benachbarte Tschechische Republik. +++
NEU
Othmar Pruckner
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Gute Erde regelt die Ernährung der Menschheit, sie kann Katastrophen wie Überschwemmungen abfangen. Schlechte, ausgelaugte Erde kann Dürren auslösen
Inhalt
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Martina Hörmer Ein Tag mit der „Ja! Natürlich“-Managerin Gerald Dunst Ein Besuch beim steirischen Humuspionier Thema Biokosmetik Was sie anders macht, worauf Sie achten müssen
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Was bringt das TTIP? Christian Felber kommentiert das umstrittene Freihandelsabkommen
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Neue Bücher Über Bio als Glaubenslehre, Gärtnern rund ums Jahr, Humusproduktion und ein Jahrbuch
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Was kostet ein Burger? Ein etwas anderer Preisvergleich Wiens letzte Schäfer Auf der Perchtoldsdorfer Heide Bio-Direktvertrieb Die Wien-Karte mit Adressen
Fotos: Irena Rosc, Robert Gortana, Archiv (5)
Vorwort s ist eine Erfolgsgeschichte, die europaweit nicht ihresgleichen E hat. Die Biomarke „Ja! Natürlich“ eb-
nete Bioprodukten den Weg in die Supermärkte und half mit, einen Anteil von derzeit etwas über zehn Prozent am Lebensmittelmarkt zu erreichen. Grund genug, einmal Martina Hörmer, die Managerin der Marke, zu besuchen, und vom Alltag in der Bio-Abteilung des Konzerns zu berichten. Die Grundlage aller Landwirtschaft ist die Erde. Irena Rosc hat mit dem Humuspionier Gerald Dunst in Riedlingsdorf gesprochen. Er beschäftigt sich mit der fruchtbaren schwarzen Amazonas-Erde Terra Preta. Rosc
hat auch Fotoleiste und Cover dieser Beilage mit ihren Collagen gestaltet, inspiriert vom wirklich grundlegenden Thema Humus. Erfolgsautor Christian Felber fragt sich, ob das Chlorhuhn wirklich das am besten geeignete Wappentier für das TTIP ist, und erläutert, was dieses geheimnisumflorte Abkommen sonst noch für uns bedeutet.
Würden alle auf Biokosmetik umsteigen, hätten wir ein Problem. Birgit Wittstock erklärt, warum. Zugleich legt sie die Unterschiede zwischen herkömmlicher Kosmetik und Biokosmetik, die wir natürlich trotzdem empfehlen, dar. Ruth Riehrmann geht der Frage nach, wieviel ein ganz normaler Cheeseburger zum Preis von 1,19 Euro wirk-
Rosc
Horaczek
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Wurmdobler Tschaikner
lich kostet, wenn man Umweltfaktoren und soziale Kosten in die Kalkulation mit einbezieht. Überraschung: Der Burger wird nicht billiger! Nina Horaczek hat sich auf die Perchtoldsdorfer Heide begeben und dort Wiens letzte Schäfer getroffen; ein Paar, das nicht nur für die Schafe, sondern auch für die Landschaft, und nicht zuletzt für die eigene Seele etwas tut. Christopher Wurmdobler hat BioWien kartografiert und zeigt Ihnen, wo Sie direkt vom Produzenten biologische Lebensmittel bekommen. Bianca Tschaikner hat dazu die schöne und instruktive Wien-Karte gezeichnet. A T
Impressum Falter 38a/14 Herausgeber: Armin Thurnher Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H., Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, F: 01/536 60-912, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at Redaktion: Armin Thurnher Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H.; Layout: Raphael Moser, Lektorat: Patrick Sabbagh; Anzeigen: Sigrid Johler, Geschäftsführung: Siegmar Schlager Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.
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Frau Natürlich
Begleitung: Armin Thurnher
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ewe ist eine Stadt. Südautobahn, Ausfahrt Wiener Neudorf, Industriezentrum Niederösterreich Süd, Straße 10. Gebäude neben Gebäude, einen ganzen Kilometer lang, Eisenbahnanschluss inklusive. 2500 Filialen, 40.000 Mitarbeiterinnen, 60 Eigenmarken. Umsatz: 25,5 Milliarden Euro im Jahr 2012. Hier ist das Zentrum. Die Beitrittsländer und Rewe Italien existieren hier als Andockadressen für Lkw. Die kreisen dort auf der Suche nach ihren Rampen. Hinter den Lagerhallen ragen
Jedes Bio-Lebensmittel erfordert lange Planung, von der Produktion bis ins Regal. Martina Hörmers Job ist es, diesen Prozess zu koordinieren
die Tanks der Weinhandelsfirma Wegenstein in die Höhe, die ebenfalls zum Konzern gehört. Gäste finden sich vorn ein, im Hauptgebäu-
de näher bei der Autobahn, vis-à-vis der McDonald’s-Zentrale. Der Parkplatz ist überfüllt, es gibt auch ein konzerneigenes Parkhaus. Vor der Tür steht ein Elektroauto angenabelt an der E-Tankstelle. Ein paar Parkplätze sind gesperrt, Glasabsturzgefahr vom transparenten Gang, der oberhalb den Parkplatz überquert. Sie wollen nicht drunter parken, das kann ungesund sein, sagt die Dame am Empfang.
Auch Martina Hörmers Autos steht hier, obwohl sie lieber mit dem Fahrrad käme. Ihr Mann meint, es würde sich gehören, dass sie auch die 25 Kilometer mit dem Rad packt. Martina Hörmer (54) findet das übertrieben. Sie lacht. Sie lacht überhaupt gern. Wenn sie nicht redet. Sie redet viel und schnell, die Fakten sprudeln nur so aus ihr heraus, dazwischen immer wieder ein Merksatz nach dem Muster „Essen wird zur neuen Religion“. Weil vegane Ernährung zu einer Glaubenssache geworden zu sein scheint. Hörmer ist verantwortlich für die Eigenmarken bei Rewe; für alle, die Billig-
Foto: Heribert Corn
Ein Tag mit Martina Hörmer, der Frau, die Österreichs größte Biomarke managt
Collage & Fotos: Irena Rosc
Weltweit bewirtschaften 1,9 Millionen zertifizierte Biobauern in 164 Ländern 37,5
B i o h e r b s t 1 4 marke „Clever“ inklusive. „Ja! Natürlich“ ist die größte und wichtigste dieser Marken. „Ja! Natürlich“ spielte die Pionierrolle bei der Einführung von Bio in Österreichs Supermärkten und hält derzeit knapp 60 Prozent Marktanteil unter den Biomarken. 2012 waren das 340 Millionen Euro, knapp mehr als ein Prozent des Rewe-Gesamtumsatzes. Hörmer muss aufpassen, dass das so bleibt. Mindestens. Heute ist sie etwas früher erschienen. Normalerweise trifft sie um 8.30 Uhr ein, aber heute war Vorstandssitzung. Es ging um die neue Marke „Woher wir kommen“, die Kampagne musste mit dem Vorstand besprochen werden. Draußen wartete schon Harry Bergmann von der Werbeagentur
Im kühlen Un-Design der Rewe-Zentrale nimmt sich das Ja! Natürlich-Büro aus wie eine Insel Demner, Merlicek und Bergmann. Mit ihm ging Hörmer gleich durch, was dem Vorstand zufolge noch zu ändern war. Ihr Arbeitsplatz liegt am Ende eines Großraumbüros. Ohne Abtrennung, aber mit einem gewissen räumlichen Puffer. Auf dem großen, schlichten Schreibtisch Drucker, Bildschirm, Lautsprecher, ein Foto, der übliche Kabelsalat. Und zahlreiche kleine rosa Schweinchen. Das Wappentier der Marke. Geschenke, erklärt Hörmer. Im kühlen Undesign des Rewe-Zentralgebäudes nimmt sich die „Ja! Natürlich“Großraumnische aus wie eine Insel. Hier wachsen große Zimmerpflanzen, große, bunte Pappschildern hängen von der Decke: „Nachhaltigkeit ist hier“, oder: „Pro Planet“, und in der Mitte natürlich: „Ja! Natürlich“. Licht von beiden Seiten, die Tische mit großen Flatscreens. Man müsse über den Biobereich eine Glocke stülpen, um ihn zu schützen, sagt Konzernchef Frank Hensel bei der Rewe-Stakeholder-Tagung. Ein bisschen meint man, diese Glocke hier zu sehen.
Hensel ist ein nachdenklicher Mann mit einem Hang zu unbequemen Wahrheiten, die er in gemäßigt sächsischem Akzent vorbringt. Österreich ist verdammt, sagt er zum Beispiel, den Weg der Romantik zu gehen. Romantik soll heißen, gegen die harten Gesetze des Markts und des Preises auf weiche Faktoren wie bessere Qualität und ökologische Produktion zu setzen. Er würde am liebsten nur regionale und Bioprodukte anbieten, sagt Hensel, aber der Preis gestattet es nicht. Und: „Es fehlt der Mut, Unterschiede zwischen Bio und Nicht-Bio drastisch aufzuzeigen. Unterschiede in der Tierhaltung müssen wir mutiger kommunizieren.“ Kommunikation, das ist Martina Hörmers Job.
Wir sind hier also im Romantikbüro. 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Ja! Natürlich“ mag im Konzern ein Zwerg sein, aber ein bedeutungstragender Zwerg. Zur Linken sieht man auf ein Flachdach hinaus, auf dem sich ein Dachgarten befindet, Leute sitzen und essen unter Sonnenschirmen zwischen Hochbeeten voller Gemüse. Klar, der Garten ist Martina Hörmer eingefallen, auch wenn die Statiker ein wenig murrten. Er war beim Bau nicht vorgesehen gewesen. Das Essen kommt aus der Merkur-Kantine. Alles happy? Nicht ganz, nicht einmal dort ist Bio flächendeckend im Angebot. Hörmer hat Lebensmittelmarketing von Grund auf gelernt, hat bei Masterfoods für Mars gearbeitet, sie kennt den Job. Das hier ist aber doch eine ganz andere Sache, sagt sie. Nicht nur des Romantikfaktors wegen. Das Büro ist zweigeteilt. Auf der einen Seite sitzen die Marketingleute, auf der anderen die Produktleute. Bei Hörmer laufen die Fäden zusammen. Jeder von uns muss immer wieder draußen sein, sagt Hörmer, und draußen heißt nicht nur bei der Konkurrenz, sondern auch draußen im eigenen Konzern: Was planen die Leute bei Billa und Merkur, was davon ist für „Ja! Natürlich“ wichtig? Man will ja nicht einander widersprechende Schwerpunkte setzen. Ergebnisvorgaben gehören auch dazu, klar, Umsatzziele, Abstimmungen mit den
„Was nutzt uns ein Freilandschwein, von dem wir nur die Hälfte verkaufen können? Wir müssen alle Prozesse verstehen, von der Produktion bis zum Regal“ Martina Hörmer
Zur Person Martina Hörmer studierte an der WU Wien, war bei MasterFoods . Seit 2002 bei Rewe, zuständig für alle Eigenmarken, auch für Ja! Natürlich, das auf dem österreichischen Biomarkt knapp 60 Prozent Marktanteil hält
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Einkäufern, Planungen für das nächste Jahr. Das bedeutet jede Menge Meetings. Die Produktleute kommen meist von der Boku oder der Ernährungswissenschaft, die Marketingleute von der WU oder aus dem Journalismus. Schon löst sich Andreas Steidl aus der Tiefe des Büros und stößt zu uns. Er ist Leiter des Qualitätsmanagements, Doktor der Bodenkultur und Hörmers Partner auf der Produktseite. Er erklärt, warum Lebensmittel so schwierig zu planen sind, biologisch produzierte zumal. Nehmen wir die Eier: In einem kalten Sommer wie heuer essen die Leute mehr Eier. Aber die Hühner legen deswegen nicht mehr. Man muss also eine Reserve sammeln, oder die Eier gehen aus. Trotzdem wird man gewisse Größenklassen nicht immer in der gewünschten Menge vorrätig haben. Das ist der Nachteil der nichtindustriellen Produktionsweise. Ostern erfordert lange strategische Vorbereitung. Zukäufe macht man bei „Ja! Natürlich“ nicht. Oder der Dinkel: gut, aber im Moment leider knapp. Wohin mit dem wenigen Dinkelmehl? Gibt es Dinkelblätterteig oder Dinkelmehl, was braucht die Kundschaft eher? Bei Bio kommt es immer wieder zu Engpässen. Man könnte mehr Schweinebäuche verkaufen, als es gibt. Aber man will vom Schwein alles verwerten. Da gibt es keine extra Bäuche. Und wohin mit dem Schweinefett? Wer will in der veganen Welle noch Schweineschmalz? Lagern sich nicht dort besonders viel Schadstoffe ab? Natürlich erhält man von Biotieren hochwertiges Fett mitsamt Omega-3-Fettsäuren, aber das muss man den Kunden erst einmal erklären. Wir wollen die Bauern nicht sitzenlassen, und
wir wollen nichts wegwerfen, sagt Steidl. Man hat 7000 Partner und 80 Partnerbetriebe, mit denen man langfristige Verpflichtungen eingeht. Deswegen ist es notwendig, dass wir den ganzen Prozess der Herstellung verstehen und begleiten, sagt Hörmer, von der Produktidee bis zum Regal. Was nutzt uns ein Freilandschwein, von dem wir nur die Hälfte verkaufen können? Es muss Fortsetzung nächste Seite
Millionen Hektar und machen einen Umsatz von 63,8 Milliarden US-Dollar +++
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korrekt produziert werden, aber am Ende muss es sich rausdrehen, heißt, es darf nicht im Regal liegenbleiben. Von 20 Produktideen wird deshalb vielleicht eine realisiert. Deswegen wird man in Billa-Filialen nur ein, zwei Biohendln finden, bei Merkur liegen schon 20, 30 nebeneinander. Steidl überprüft die Qualität der Lebensmittel in seinem Labor; ständig werden Zufallsproben gezogen, die Erwartungen der Kunden dürfen nicht enttäuscht werden. Und er kontrolliert die Partner. Die Vorgaben des Gesetzgebers reichen oft nicht aus. Bekannt ist, dass manche Bauern unter den harten Vorgaben stöhnen. Steidl und Hörmer wissen das, aber sie sagen, wir müssen die Motivation der Bauern steigern. Bio nach Vorschrift geht nicht. Keine falsche Romantik! Auch Bioschweindln brauchen einen Tierarzt.
Martina Hörmer, Ja! NatürlichManagerin: „Wir müssen mit Geschichten zum Kauf guter Lebensmittel verführen“
„Ja! Natürlich“ braucht Projekte wie des Go-
ckelprojekt (Marginalspalte). Das Ganze ist natürlich eine Idee mit Signalwirkung, es soll das Bemühen des Konzerns um Nachhaltigkeit symbolisieren und wurde nicht nur mit der NGO Vier Pfoten ausgeheckt, sondern auch vom Marktforscher Gallup abgetestet. So ein Projekt stellt man nicht von heute auf morgen auf die Beine; wenn die Konkurrenz dann mit einem Schnellschuss-Hendlprojekt kontert, kann Hörmer nur milde lächeln. Kommt es nie vor, dass sich Marketing und Produktabteilung in die Haare geraten? Nicht wirklich, dafür ist keine Zeit. Wenn man sich einmal für ein Projekt entschlossen hat, wie die Gockel, dann lautet die aufregende Frage: Wie kommt es beim Kunden an? Das wird in Dutzenden Meetings vorbesprochen, nachbesprochen, mit der Agentur, dem Vorstand abgestimmt, budgetär geplant; klar, man will ja auch etwas verdienen. Onlinereaktionen sind zu berücksichtigen, die Presse zu briefen, immer wieder das Feedback des Endverkaufs zu suchen. Axel Fila, ein höflicher junger Mann, der auf der Boku seinen Diplomingenieur gemacht hat, steht schon eine Weile im Hin-
Frank Hensel, Rewe-Chef: „Wir müssen Unterschiede in der Tierhaltung mutiger kommunizieren“
Andreas Steidl, Qualitätsmanager: „Die Produktion biologischer Lebensmittel ist nicht so leicht berechenbar“
tergrund, aber jetzt nähert er sich und unterbricht uns. Es wird Zeit für den Test, wir müssen ins Labor, sonst wird das Produkt zu warm, mahnt er. Wir testen heute Butter, verkündet Hörmer fröhlich. Also gut, der Gast soll hier nicht kulinarisch umschmeichelt werden, mit Alpenlachs oder Vanillejoghurt. Er hatte sich gewünscht, einen normalen Arbeitstag zu erleben. Jetzt testet er Butter. Das Labor liegt im Nachbartrakt. Die große Versuchsküche hat mehrere identische Herde, Kühlschränke und Mikrowellen (bei Produktvergleichen müssen die Verhältnisse absolut gleich sein). Es gibt Kühlräume und Zimmer für Verkostungen und Nachbesprechungen rund um die Küche. Wir gehen in einen schmalen, schlauchartigen
Raum, weiß in weiß. Hier sind die Kojen für die Blindverkostung. Man sieht die anderen sieben Tester nicht. Vorn öffnet sich eine Klappe und ein gekühltes Tablett wird hereingeschoben, darauf acht Butterstückchen, ein Löffelchen, ein Glas Wasser und ein Stück Weißbrot. Der Testzettel verlangt Kommentare zu Geschmack, Konsistenz und Optik, eine Gesamtwertung und eine Einschätzung: Top oder Flop? Die Butter ist eine Herausforderung. Eine schmeckt gleich ranzig, die anderen unterscheiden sich aufs Erste kaum. Schnell anschauen und Notizen machen, ehe die Proben warm werden und sich verändern. Noch einmal kosten, und noch einmal. Anschließend wird das Ergebnis im Konferenzraum diskutiert. Gewonnen hat ein hauseigenes Produkt, ein anderes hat verloren. Man weiß schon, woran das liegt: Die Verpackung muss verbessert werden, die Butter schmeckte ranzig. Konkurrenzprodukte haben aufgeholt, zeigt die Verkostung. Steidl erklärt, wo Winterrahm zugemischt wurde – Sommerbutter müsste gelber, Tiroler Kühe müssten jetzt auf der Alm sein. Er behauptet, er schmecke es heraus. Draußen in der Küche bereitet ein deutsches Team mit Wattebäuschchen und Duftfläschchen einen routinemäßigen Aromaworkshop vor; das Sensorium der Tester muss auf Trab gehalten, also ständig geschult werden, sagt Hörmer. Olivenöl sei
übrigens schwerer zu testen als Butter. Zurück ins Büro, die nächsten Meetings warten. Im Herbst steht die Planung für 2015 an, Personal, Budgets und die Projektauswahl für die nächsten Jahre. Hörmer hat auch einiges zum Stakeholder-Forum von Rewe beigetragen. Ich habe vor, am nächsten Tag hinzugehen. Unbedingt um neun Uhr kommen, sagt sie, es gibt eine Überraschung. Das hatte ich vor. In der Aula der Akademie der Wissenschaften sprechen Hensel und David Bosshardt vom Gottlieb-Duttweiler-Institut, dem Think-Tank der erfolgreichen Schweizer Genossenschaft Migros. Die Ex-Grünenpolitikerin Monika Langthaler moderiert, später diskutieren auch Familienministerin Sophie Karmasin und Ex-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler mit. Der aktuelle Landwirtschaftsminister ließ sich entschuldigen, er musste nach Brüssel. Die deutsche Ernährungswissenschaftlerin Hannelore Daniel desillusioniert ihr Publikum. Wunderbar, all die Nachhaltigkeit, aber wir müssen die Welt ernähren, sagt sie. Und: Es gibt Grenzen der Lüge über Zustände in der Nahrungsmittelindustrie. Frank Hensel sagt den schönen Satz: Die Lüge ist der Allgemeinzustand geworden. Allen ist das Problem der Verführung bewusst:
Wie bekomme ich Menschen dazu, mehr für ein besser hergestelltes Lebensmittel zu bezahlen? Mit rationaler Überzeugung gelingt es kaum, es braucht Verführung, braucht Märchen. Keine Romantik!, ruft Franz Fischler. Es geht nicht ohne, erwidert Karmasin, und Bosshardt ergänzt, der Handel müsse auch Bewusstsein für andere Probleme schaffen. Zum Beispiel für Foodwaste, wie Verschwendung im Neusprech heißt. 30 bis 40 Prozent aller Lebensmittel werden vernichtet. In diesem Licht betrachtet sehen die 50 Prozent Produktivitätssteigerung, die die UN fordern, um die gewachsene Weltbevölkerung ernähren zu können, schon etwas anders aus. Zum Handelsabkommen TTIP (siehe Seite 14) findet Hensel klare Worte: Er ist dagegen, die Gentechnik ist der Knackpunkt. Hörmer sitzt in der ersten Reihe, meldet sich aber nicht zu Wort. Auch die
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Collage & Fotos: Irena Rosc
Die größte Biofläche befindet sich in Australien: 12 Millionen Hektar, der Großteil
Moosdorfer Gockelhähne: Vorzeigeprojekt von Ja! Natürlich
Foto: Ja Natürlich/Dusek
Nach dem Stakeholder-Forum gibt es noch ein
kleines nachhaltiges Essen vom feinen Biobuffet, sautierte Kürbisse und so. Hörmers Beitrag zum Forum bestand in der Einladung von Bosshardt, mit ihm hat sie laufend Kontakt. Und ihre Überraschung ist aufgegangen. Per Videobotschaft meldete sich Prinz Charles und gratulierte „Ja! Natürlich“ zum 20. Geburtstag, nicht ohne augenzwinkernd darauf hinzuweisen, dass seine Bioproduktschiene „Duchy Originals“ noch zwei Jahr länger auf dem Markt sei. Wie haben Sie das gemacht, Frau Hörmer? Sie hatte jahrelang versucht, den Prince of Wales zu kontaktieren, aber das erwies sich als schwierig. Erst als ein befreundeter Aristo den Prinzen anschrieb, gelang der Kontakt. Adel verbindet. Charles wäre gern selbst gekommen, war aber verhindert und schickte ein ausführliches, charmantes Video. Über „Ja! Natürlich“ war er bestens informiert, Österreichs Biopolitik empfahl er der EU als Vorbild. Hörmer strahlt. Was gibt es Romantischeres als einen Prinzen? Bio is the prince of foods. Und morgen nimmt sie wieder Ausfahrt IZ Süd, Straße 10. Das Reich des Prinzen muss weiterwachsen. F
Das Gockelprojekt Ja! Natürlich hat sich mit der Tierschutzorganisation Vier Pfoten um ein Problem gekümmert: In der Eierproduktion werden männliche Küken gleich nach der Geburt getötet. Beim Gockelprojekt ist das nicht der Fall. Junge Hähne dürfen in einem Energiewald in Niederösterreich aufwachsen und in mobilen Stallungen ein artgemäßes Leben „unter freiem Himmel“ (in Freilandhaltung) führen
Demner, Merlicek & Bergmann
Stakeholder bleiben dezent. Nur ein Mann mit Bart hält – wie zum Beweis, dass Bioprodukte in Österreich eine 10-Prozent-Nische darstellen – eine leere Colaflasche hoch, ein Clever-Produkt, um 0,29 Euro habe er die bei Billa gekauft. Was das mit Nachhaltigkeit zu tun habe? Ja, sagt Hensel, man müsse mit der Konkurrenz mithalten, viele Menschen kaufen eben nur nach Preis. Er selbst empfehle Apfelsaft. Wie schon gesagt, man werde den Menschen erklären müssen, warum sie für gute Produkte mehr zu zahlen haben.
Weiden +++ 2014 gab es in den …
www.wiener-zucker.at
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Das Geheimnis der Terra Preta
Foto: Irena Rosc
Der Biopionier Gerald Dunst will es lüften und die fruchtbarste Erde der Welt allen zugänglich machen
Gerald Dunst lässt schwarzes, von seiner Firma Sonnenerde produziertes Gold durch seine Hände rieseln
Collage & Fotos: Irena Rosc
… USA, dem größten Biomarkt, 10 Prozent mehr Biobauern als 2013 +++
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e r db e s u c h : i r e n a r o s c
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erra Preta heißt jene extrem fruchtbare und geheimnisumwitterte schwarze Erde, die zuerst im Amazonasgebiet entdeckt wurde. Gerald Dunst, 49, widmet sich seit Jahren ihrer Erforschung. Terra Preta, sagt der Absolvent der Gartenbauschule Schönbrunn, BokuAbbrecher, Geschäftsmann, Kompostberater und Buchautor, ist nicht nur eine spezielle Erde, sondern ein Bewirtschaftungssystem, ein natürlicher Kreislauf. Diesen versucht er in Riedlingsdorf nachzuahmen. Dunst hat die Firma Sonnenerde, spezialisiert auf hochwertige Fertigerden auf Kompostbasis, 1998 gegründet. Zehn Jahre dauerte es, bis sich auch ein wirtschaftlicher Erfolg einstellte. „Zufriedene Kunden sind meine beste Werbung, wir verkaufen 30.000 Tonnen Erden im Jahr und wurden dafür 2012 mit dem österreichischen Klimaschutzpreis ausgezeichnet.“ Seine Motivation, sagt Dunst sei ganz einfach: „Ich will die Welt retten! Wir haben zu viel CO2 in der Luft und zugleich zu wenig Kohlenstoff, sprich Humus, im Boden. Ich arbeite daran, dass der überschüssige Kohlenstoff aus der Luft wieder in die Erde hineinkommt. Das ist ein grober Umriss meiner Arbeit bei Sonnenerde und beim Projekt Ökoregion Kaindorf.“ Bei diesem Projekt betreiben 200 Bauern auf über 1000 Hektar Fläche gemeinsam Humusaufbau. Dunst zeigt den Bauern, wie man die Bewirtschaftung ändern kann, sodass der Boden wieder verstärkt mit Humus angereichert wird. Das wird genau ge-
messen, in Tonnen CO2 umgerechnet. Dafür bekommen die Bauern dann Humuszertifikate. Da sie CO2 im Boden gebunden haben, bekommen sie 30 Euro pro Tonne oder sie verkaufen ihre Zertifikate über die Ökoregion an Unternehmen, die sich freiwillig CO2-neutral stellen wollen. Bei Sonnenerde werden Kompost und Fertig
erden erzeugt. Die Rohstoffe sind verschieden: Klär- und Bioschlämme wie Milchoder Marmeladenschlamm und Grünabfall von den umliegenden Gemeinden. „Bei uns kommt immer Gesteinsmehl dazu, ohne dieses kann man keinen guten Kompost erzeugen.“ Die Rohstoffe werden kompostiert, der fertige Kompost wird mindestens sechs Monate nachgereift und dann zu verschiedenen Produkten, den Fertigerden mit verschiedenen Zuschlagstoffen – je nach Erdentyp –, gemischt. „Alle Erden sind aus umweltschutzgründen torffrei, denn durch Torfabbau werden Feuchtbiotope zerstört, die unsere Wasserspeicher auf der Erde sind.“ Die extrem fruchtbaren Terra-PretaSchwarzerden wurden zwar im Amazonasgebiet entdeckt. Mittlerweile findet man aber Terra-Preta-Vorkommen überall, wo Menschen sesshaft waren und Köhlerei betrieben. Bewusst oder unbewusst konnte dadurch Terra Preta entstehen. „Das Faszinierende an diesen Erden“, erklärt Dunst, „ist die Tatsache, dass sie tausende Jahre alt sind und noch immer extrem fruchtbar. Die Ursache ist der stabile Koh-
gegenüber Farmern durch eine gesicherte Entlohnung der Arbeit und soziale Absicherung - dank FAIRTRADE und Rainforest Alliance Zertifizierung
„Ich will die Welt retten. Wir haben zu viel CO2 in der Luft und zu wenig Kohlenstoff im Boden“ Gerald Dunst
lenstoff in diesen Böden. Und wenn man auch noch weiß, dass diese Erden von Menschen gemacht worden sind, also künstliche, anthropogene Erden sind, dann besteht einfach die berechtigte Hoffnung, dass man diese Rezepturen wiederfindet und solche Erden wieder herstellen kann.“ Gerald Dunst hält die Suche nach der Rezeptur und die mögliche Herstellung der Terra Preta „für das faszinierendste überhaupt“. Zu diesem Zweck wurde auf dem Gelände von Sonnenerde die erste Pflanzenkohleproduktionsanlage in Europa, in der es darum geht, sehr stabilen und reinen Kohlenstoff herzustellen, konstruiert und errichtet. In dieser Pflanzenkohleanlage werden Getreidespelzen und Zellulose, ein Abfallstoff aus der Papierindustrie, verkohlt. Unter Luftabschluss wird das Material auf 450 Grad Celsius erhitzt. Dunst erklärt: „Wenn ich den Sauerstoff wegsperre, bleibt reiner Kohlenstoff übrig, das ist das Prinzip. Unsere Herausforderung ist nun, diese gewonnene Pflanzenkohle in Produkte umzuwandeln und die extrem fruchtbare Schwarzerde zu produzieren.“
Sonnenerde
Die gewonnene Pflanzenkohle kann man aber
Gerald Dunst Kulturerden GmbH Oberwarterstraße 100 7422 Riedlingsdorf Tel. 03357/42 198 www.sonnenerde.at
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auch direkt und pur im Bereich der Tierhaltung als Zusatz zum Einstreu oder zum Futter verwenden. Überall, wo Nährstoffüberschuss herrscht oder Probleme mit Giftstoffen gegeben sind, wirkt Kohle so-
gegenüber der Umwelt durch Vermittlung von Fachwissen zur Verbesserung von landwirtschaftlichen Prozessen und Recycling-Maßnahmen in den Anbaugebieten und die Verwendung von FSC-zertifizierten Verpackungsmaterialien
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Zukunft mit dem Superaktivator geschehen. Im Prinzip soll der Dünger wie der Bodenaktivator funktionieren, nur in der Verkohlung soll sich etwas ändern. „Wir werden Mineralstoffe mitverkohlen, es werden verschiedene Tonminerale mitverkohlt, dadurch wird die Kohle mit Mineralstoffen besiedelt und wird wesentlich attraktiver für verschiedene Mikroorganismen, die sich dann wesentlich schneller im Boden etablieren können. Das streut man dann wie ein Düngemittel aus.“
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fort und bindet diese Stoffe. Ein Lebensraum für Mikroorganismen entsteht. Die wenigsten Kunden kompostieren selbst. Die Herausforderung bei Sonnenerde war, aus der gewonnenen Kohle einen Dünger, einen „Aktivator“ zu entwickeln. Dabei wird die Pflanzenkohle mit Nährstoffen, Spurenelementen und Mikroorganismen angereichert. Mit diesem Bodenaktivator kann jeder Boden nachhaltig verbessert werden. Für die „Riedlingsdorfer Schwarzerde,“ eine Art Terra Preta, gibt es sogar eine ewige Fruchtbarkeitsgarantie, Kontakt mit Unterboden und Mulchsystem – das heißt, dass das Pflanzbeet immer mit organischem Material bedeckt ist – vorausgesetzt! In dieser Erde ist sehr viel Kohle enthalten, diese wirkt als Zwischenspeicher, dadurch gehen keine überschüssigen Nährstoffe mehr verloren. Richtig behandelt, werden solche Erden von Jahr zu Jahr fruchtbarer. „Wenn man Natur verstanden hat, ist Landwirtschaft und Gartenbau zu betreiben sehr, sehr einfach. In Wirklichkeit braucht man nur mehr zu säen und zu ernten“, sagt Dunst. Neuerdings forscht Dunst an einem „Superaktivator“ für die Landwirtschaft. „Dazu ist es notwendig, den Aktivator noch mehr zu konzentrieren, damit es für die großflächige Landwirtschaft auch Sinn macht und finanzierbar ist. Er soll nicht mehr kosten als konventioneller Dünger.“ Hier kommt wieder das Humusprojekt in der Ökoregion Kaindorf ins Spiel. Zurzeit braucht man dort noch zu viel Kompost, um Humus aufzubauen. Das soll in
„Bessere Böden können mehr Wasser aufnehmen, binden CO2 aus der Luft und verhindern andererseits Wassermangel“ Gerald Dunst
Der Preis soll niedrig sein, sonst werde die Sa-
che von den Landwirten nicht angenommen. „Idealisten, die die Welt retten wollen, gibt es wenige. Die Masse steigt nur um, wenn es auch finanziell einen Vorteil bringt. Punkt.“ Dunst hat für dieses Produkt schon eine Million investiert und arbeitet mit den besten Experten der Welt zusammen. Ende Juli war Stephen Joseph (ehemals University of New South Wales) bei ihm zu Gast, der bekannteste Kohleforscher der Welt, der seit über 30 Jahren zum Thema Terra Preta forscht. „Diese drei Tage mit Joseph waren für mich eine sehr spannende Zeit.“ Dunst traf auf einen Bruder im Geiste. „Stephen Joseph ist ein Visionär und Idealist, der ebenfalls die Welt retten will, er sagt, sein Problem ist die Wissenschaft und die Wissenschaftler, die mit Scheuklappen an das Thema herangehen und das Gesamtprinzip nicht verstehen. Wenn ich nur untersuche, was Kohle im Boden macht, aber den Boden nicht verstehe, wird es zum Problem. Joseph will nur mehr mit Menschen zusammenarbeiten, die das Gesamtsystem kapiert haben. Es gibt nur wenige, mit de-
nen er zusammenarbeitet: wir, ein ähnlicher Betrieb in Australien und einer in Japan.“ Die Effekte besserer Böden wären unabsehbar. „Wenn wir den Humusgehalt unserer Böden nur um ein Prozent erhöhen, haben wir einen zusätzlichen Wasserspeicher von 400 Kubikmetern pro Hektar“, erklärt Dunst. „Gewaltige Wassermengen hätten in den Böden Platz! Wir müssen bei unseren Böden, damit sie einigermaßen funktionieren, den Humusgehalt um drei Prozent erhöhen, nach allem, was den Böden mit Kunstdüngern in den letzten Jahrzehnten angetan wurde. Wir hätten schlagartig viele Probleme gelöst! Wir hätten das CO2 aus der Luft, die Böden könnten Wasser aufnehmen. Das wird in Zukunft wichtig, weil Regengüsse massiver werden.“ Nur wenn man einen gesunden Boden hat, mit sehr vielen Regenwürmern, die senkrechte Kanäle machen, die als grobe Drainage wirken, damit das Wasser rasch in den Boden hineinkommt, bekommt man die Überflutungen besser in den Griff und kann andererseits Wassermangel vermeiden. Für unsere Zukunft sind laut Gerald Dunst folgende Maßnahmen ganz wichtig: die Städtebegrünung, der Humusaufbau und der Bau von Rückhaltebecken, damit das Wasser in die landwirtschaftlichen Flächen eindringen kann. „So viel Wasser wie nur möglich zurückhalten und nicht die Flüsse begradigen, damit es möglichst schnell abrinnt, das ist völlig falsch! Dabei haben wir massive Gegner. Die gesamte chemische Industrie ist gegen uns. Die Interessenvertretungen der Bauern glauben an Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger. Man ahnt gar nicht, wie stark die am Gängelband der Chemie hängen.“ F
Fotos: Irena Rosc
Der wichtigste Bestandteil der Riedlingsdorfer Schwarzerde ist hochwertige Pflanzenkohle (20 %). Sie kann Nährstoffe festhalten und bei Bedarf wieder an die Pflanzen abgeben
Collage & Fotos: Irena Rosc
Die meisten Biobauern gibt es in Indien: 600.000 +++ Den höchsten …
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It’s Teatime!
Zipcar Carsharing
Fairer tee – Genuss ohne reue
Autos pro Stunde oder tag
Jeder kennt sie – Bilder von Teepflückerinnen die die Teeblätter in Plantagen von Teesträuchern pflücken. Nun, solchen Tee haben wir auch. In einer der Urheimaten des Tees, dem Norden Vietnams, wird Tee aber auch noch von wildwachsenden Bäumen gepflückt. Ethnische Minderheiten verarbeiten das gesammelte Blattgut um es in einer lokalen Teefabrik sorgfältig weiterzuverarbeiten. Der so gewonnene Tee ist als Weiß – Grün – oder Schwarztee unter dem Markennamen „Nam Lanh“ bei der EZA Fairer Handel oder in österreichischen Weltläden erhältlich. Sein Aroma macht ihn zu einem Genuss für TeekennerInnen. Fair gehandelt und kontrolliert biologisch – natürlich fair eben. Damit steht dem Herbstbeginn nichts mehr im Wege!
Foto: FLO/Didier Gentilhomme
Schon mal darüber nachgedacht, wie oft ein Auto wirklich genutzt wird? Das Schöne an Carsharing ist, dass es einfach Sinn ergibt. Das Zipcar ist da, wenn man es braucht und wenn nicht, steht es nicht unnütz herum, sondern kann von anderen benutzt werden. Somit kann 1 Zipcar bis zu 15 Privat-PKW auf der Straße ersetzen. Ob Großeinkauf, Umzug oder der Sonntagsausflug: 6 unterschiedliche Fahrzeug-Typen passen immer zur jeweiligen Situation und warten an fixen Standorten auf der ganzen Welt. Treibstoff, Versicherungen und Kilometer sind in den Tarifen inkludiert. Für Falter-Leser gibt’s ein besonderes Zuckerl: Jetzt auf zipcar.at/falter um nur € 20 (statt € 60) anmelden und mit € 30 Fahrguthaben abfahren. Weltladen 1080 Wien
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Ausflugsziel SONNENTOR Zu Gast im Kräuterdorf Sprögnitz Über 35.000 Besucher zieht der BioExperte SONNENTOR jährlich in seinen Bann. Egal ob beim Verfolgen des Weges der Gewürze und Tees bis zum fertigen Bio-Produkt oder beim „Inhalieren“ der Schätze der Natur in und rund um Sprögnitz, SONNENTOR ist eine Reise wert. Drei neue Attraktionen laden Körper, Geist und Seele zum Eintauchen in sonnige Welten ein. Mit der Tee-Zeit wartet ein stimmungsvoller Teesalon, der die Pforten zur Welt des Teegenusses öff-
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Zurück zu den Wurzeln Naturkosmetik ist kein zartes Pflänzchen mehr, sondern längst ein weltweiter Trend. Alleine die Österreicher gaben im letzten Jahr rund elf Millionen Euro dafür aus. Worauf man bei Naturkosmetik achten muss R ec h erc h e : B ir g it W ittst o ck
Worin liegt der Unterschied zwischen konventioneller Kosmetik und Naturkosmetik?
Grundsätzlich versucht die Naturkosmetik, vorrangig natürliche Inhaltsstoffe zu verwenden und bei der Produktion möglichst umweltschonend vorzugehen. So dürfen in den Naturkosmetik ausschließlich naturreine Rohstoffe verwendet werden. Synthetische Duft- und Farbstoffe, etho-
xylierte Rohstoffe, Erdölprodukte, tierische Bestandteile (etwa Schweineschmalz für Ringelblumensalbe) und Rohstoffe aus Wildsammlungen vom Aussterben bedrohter Pflanzen sind Tabu. Auch bei der Gewinnung und Verarbeitung der Rohstoffe sind nur bestimmte, umweltschonende Verfahren zulässig. Besonders augenscheinlich ist der Unterschied zwischen konventioneller und Naturkosmetik beim Einsatz von Konservierungsmittel: Während konventionelle Kosmetika mit Konservierungsmitteln versetzt werden und bis zu ein Jahrzehnt haltbar sind, dürfen bei Naturkosmetika lediglich bestimmte ätherische Öle und Alkohole eingesetzt werden, was diese Produkte nur kurzfristig, bis maximal ein Jahr haltbar macht. Deshalb sollte man Naturkosmetika auch keinen starken Temperaturschwankungen, insbesondere starker Wärme aussetzen. Der wichtigste Unterschied besteht jedoch darin, dass Naturkosmetik gänzlich auf Tierversuche verzichtet. Weder die Hersteller selbst noch die Produzenten verarbeiteter Bestandteile dürfen mit Tierversuchen arbeiten.
Biokosmetik: Alle Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau
Naturkosmetik in Wien NC Natural Cosmetics, 1., Postgasse 1–3, Tel: 01/512 06 67, www.naturalcosmetics.at Führt u.a. Tata harper, pai Skincare, organic Glam, priti nyc, ilia, absolution, lucy annabella organics oder Julisis Staudigls Naturparfümerie, 1., Wollzeile 4, Tel: 01/51 28 21 21, www.staudigl.at Führt u.a. rahua, Jurlique, amala, Grown alchemist, zoya oder coleur caramel
Außerdem gelten in der Naturkosmetik strenge Richtlinien für möglichst nachhaltige und umweltfreundliche Verpackung. Und was ist dann der Unterschied zwischen Natur- und Biokosmetik?
In der Biokosmetik müssen sämtliche Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau kommen, während die Naturkosmetik lediglich mit natürlichen, vorwiegend pflanzlichen Inhaltsstoffen arbeitet. Was, wenn nun alle auf Biokosmetik umsteigen würden?
Dann hätten wir tatsächlich ein Problem. Obwohl es natürlich erfreulich ist, dass der Markt jährlich um rund zehn Prozent zulegt und immer mehr Menschen umweltbewusst einkaufen und sich für die Bestandteile von Produkten interessieren. Dennoch könnte die Naturkosmetik in Massenproduktion ihre Qualität nicht beibehalten. Der Rohstoffmarkt wäre der Nachfrage nicht gewachsen, da Produkte aus biologischem Anbau nur begrenzt verfügbar sind. Schon heute kommt es immer wieder zu Engpässen bei Rohstofflieferungen. Will man tatsächlich einen biologischen Lebensstil füh-
Foto: Irena Rosc
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illiges Mineralöl und Silikone als Basis von Gesichtscremen, Aluminium in Deodorants, Parabene als Konservierungsmittel und Mikroplastik in Zahnpasten – die Kosmetikbranche kommt immer mehr in Verdacht, ihren Kunden billige Abfallprodukte um teures Geld zu verkaufen. Viele vertragen das Übermaß an synthetischen Substanzen nicht mehr und reagieren mit Allergien auf Nahrungsmittel und Kosmetika. Bio ist deshalb längst nicht mehr nur Obsession einiger überkritischer Konsumenten, sondern hat als Lifestyle die Mitte erreicht und den Mief von einst gegen Hollywoodglamour eingetauscht. Doch ist auch überall Natur drinnen, wo Natur draufsteht?
Collage & Fotos: Irena Rosc
… Bioanteil an der gesamten Landwirtschaftsfläche haben mit 36,3 …
B i o H e r b s t 1 4 ren, so muss man sich von dem Gedanken verabschieden, alles zu jeder Zeit verfügbar zu haben.
tikhersteller und -vertreiber ein staatliches oder EU-weit kontrolliertes Siegel eigens für Naturkosmetik, ähnlich dem für Lebensmittel. Derzeit unterliegen Naturkosmetika wie konventionelle Kosmetika, dem europäischen Kosmetikrecht. Zudem gilt für Österreich eine Richtlinie, das Codexkapitel B 33 Naturkosmetik vom 14. Jänner 2009 im Österreichischen Lebensmittelbuch, die zwar nicht die rechtliche Bedeutung eines Gesetzes hat, dennoch als Richtlinie für die Produktion und Vermarktung gilt. Will also jemand Biokosmetik auf den heimischen Markt bringen, müssen Nachweise über Herkunft und Anbau der Inhaltsstoffe aus biologischer Produktion erbracht werden.
Woran erkennt man Naturkosmetik?
Während sich die Liste der Inhaltsstoffe auf den Packungen konventioneller Kosmetika liest wie die Inventarliste eines Chemielabors, finden sich auf den Schachteln von Biokosmetika bewusst verständlich gehaltene Inhaltsangaben. Hier werden die Namen der enthaltenen Pflanzen und Öle mit ihren deutschen Bezeichnungen angeführt und nicht unliebsame Bestandteile verschleiert, indem man ihre lateinischen Namen oder chemischen Elementsymbole angibt. Viele Kosmetikfirmen versuchen den Bio-Boom für sich zu nutzen, indem sie Produkte auf den Markt bringen, die zwar den Anschein von Naturkosmetika erwecken, tatsächlich aber lediglich über einen minimalen Bestandteil natürlicher Inhaltsstoffe verfügen, sogenannte GreenwashMarken. Wer also sichergehen will, ein Naturprodukt zu kaufen, sollte sich auf jeden Fall die Inhaltsangaben zu Gemüte führen sowie sich mit den gängigen Gütesiegeln vertraut machen.
Naturkosmetik in Wien stattGarten, 4., Kettenbrückengasse 14, Tel: 01/23 63 593, www.stattgarten.at Führt u.a. Susanne Kaufmann, Mitchell& peach, Spagyric beauty, Doux Me, Etat libre d’orange oder ortigia
Saint Charles Cosmothecary, 6., Gumpendorfer Straße Naturkosmetik ist ein nicht klar definier- 33, Tel: 01/586 13 63, ter Begriff, den derzeit praktisch jeder für www.saint.info Führt u.a. sein Produkt verwenden kann, auch wenn Esse, neom, The organic es überwiegend konventionell hergestellt pharmacy, Sapofactur, wurde. Deshalb fordern sowohl Verbrau- max and me, i hate cherschützer als auch viele Naturkosme- perfume, rms beauty Welche rechtlichen Bestimmungen gelten für Naturkosmetika?
Mehr
Stecken in Naturkosmetika immer fair gehandelte Inhaltsstoffe?
Nein, Bio- oder Naturkosmetik steht in erster Linie für Kosmetik ohne synthetische, dafür aber mit natürlichen oder sogar biologisch angebauten Inhaltsstoffen. Da es vielen Naturkosmetikfirmen aber darum geht, ökologisches Bewusstsein zu schaffen und nachhaltig zu wirtschaften, kommen viele der Inhaltsstoffe auch aus fairem Handel. Und wenn man schon dabei ist, sein Bestes zu tun, um die Welt zu retten, dann sollte man sowieso die Finger von exotischer Naturkosmetik lassen. Immerhin gilt es ja auch, auf den ökologischen Fußabdruck zu achten und auf weit gereiste Waren zu verzichten. Da viele der führenden Naturkosmetikfirmen ohnedies in Europa
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ansässig sind, sollte das auch nicht allzu schwer fallen. Kann Naturkosmetik das Gleiche wie konventionelle Kosmetik?
Eines vorweg: Die Zeiten, in denen Naturkosmetik lediglich aus schweren, miefenden Cremen bestand, sind endgültig vorbei. Auch in der Naturkosmetik hat sich längst ein Luxussegment etabliert, das der konventionellen Kosmetik in nichts nachsteht; weder im Duft noch in Farbenpracht oder Vielseitigkeit der Texturen noch im Preis. Dennoch, die Naturkosmetik stößt auch an ihre Grenzen: Beispielsweise wird es nie einen natürlichen Nagellack geben. Auch auf einen flüssigen Eyeliner, der es mit konventionellem aufnehmen könnte, wartet man noch. Und auf gewisse Farbnuancen muss man, wenn man’s bio will, eben verzichten. Was einem bei der konventionellen Kosmetik aber ebenfalls passieren kann: 1993 wurde das beliebte „Lackrot“ verboten, weil der Stoff mit der Bezeichnung CI 15585 im Verdacht steht, potenziell krebserregend zu sein. Noch etwas können sowohl Natur- als auch konventionelle Kosmetik: Allergien hervorrufen. Wer dachte, mit Naturkosmetik auf der sicheren Seite zu sein, der irrt. Ätherische Öle oder Pflanzenauszüge wie etwa die der Ringelblume oder der Kamille können allergene Wirkung haben, ebenso Lanolin oder Wollwachs, und Alkohol, der in Naturkosmetika als Konservierungsmittel zugelassen ist, reizt die Haut und trocknet sie aus, vor allem in hoher Konzentration. F
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Das Chlorhuhn ist das falsche Wappentier Das geplante Freihandelsabkommen TTIP birgt nicht nur Umweltgefahren, es bedroht die Demokratie christian Felber
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as legendäre Chlorhuhn hat in Bezug auf das TTIP einen solchen Grad an Berühmtheit erlangt, dass es sich als Wappentier oder als Maskottchen des transatlantischen Vertrags eignen würde. Und obwohl die Leitmedien voll der Beschwichtigungsrhetorik sind – die Gefahren des TTIP seien „übertrieben“, es handle sich um „Angstmache“ –, ist das Beispiel korrekt. Beiderseits des Atlantiks bemühen sich wohlbestallte Lobbys um die „Harmonisierung von Standards“. Und zwar sollen nicht die niedrigeren Standards an die jeweils höheren angepasst, sondern Letztere kurzerhand abgeschafft werden. Spätestens seit der ehemalige USBotschafter in der EU, Stuart Eizenstat, gegenüber der Öffentlichkeit die Ansicht vertrat, dass Lebensmittel, die in den USA zugelassen sind, „auch für europäische Familien gut“ seien, wie eben beispielsweise in Chlor getunkte Schlachthühner, ist für alle offensichtlich, wie diese Lobbys agieren.
Das Chlorhuhn, das nicht ganz treffende Emblem des TTIP. Besser wäre Ractopamin, sagt unser Autor. Ractopamin ist ein Wachstumshormon, das in den USA in der Schweinemast erlaubt, in 160 Staaten aber verboten ist
Ein besseres Beispiel wäre dennoch der Fut-
termittelzusatz Ractopamin, der in immerhin 160 Staaten der Welt verboten ist. Davon unbeeindruckt hat der US-Schweinezüchterrat festgehalten, er werde „kein TTIP-Verhandlungsergebnis ohne die Aufhebung des Verbots von Ractopamin in der EU akzeptieren“. Solche Beispiele gibt es haufenweise. Dennoch, und das ist die größte Gefahr des Maskottchens, lenken sie von den ungleich größeren Umwelt- und Demokratiegefahren ab, die mit TTIP dräuen. So planen die Verhandler unter der Überschrift „Regulatorische Kooperation“, dass alle zukünftigen und bestehenden Regulierungen gegengeprüft und im Idealfall so erlassen werden, dass sie den Handel nicht
beeinträchtigen. Ein neu zu schaffender „Transatlantischer Rat für Regulierungskooperation“ namens RCC soll für die Angleichung aller Richtlinien, Verordnungen, Gesetze und Normen sorgen. Die jeweilige Gegenseite erhält ein Recht zur Stellungnahme und Beeinspruchung aller neuen Gesetzesvorhaben. Werden diese nicht umgesetzt, muss dies gerechtfertigt werden. Mit diesem Monster droht nicht nur eine Verwässerung zahlloser Umwelt-, Sicherheits-, Arbeitsschutz-, Konsum- und Transparenzstandards, sondern auch die Umgehung von Parlamenten und Souveränen. Des Weiteren ist eine wichtige Errungenschaft in der EU-Umweltpolitik, das Vorsorgeprinzip, durch die Verfolgung des WTOAnsatzes im TTIP in Gefahr. Die USA wollen durchsetzen, dass Produktions- oder Handelsverbote erst dann erlassen werden dürfen, wenn ein „wissenschaftlicher Beweis“ für die Gefahr eines Produkts oder einer Technologie vorliegt. Doch diese kann oft erst Jahrzehnte nach dem Auftreten erster Gesundheitsschäden erbracht werden – bei Asbest dauerte es 100 Jahre. Die Regulierungssouveränität bei Gentechnik, Atomenergie oder Chemikalien würde unterhöhlt. Ein Beispiel: In den USA sind elf Kosmetikazusätze verboten, in der EU mehr als 1300. Dritte TTIP-Umwelt-Gefahr: Beim Rohstoffex-
TTIP steht für Transatlantic Trade and Investment Partnership, also transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft. Auf der Wikipedia-Website finden sich weiterführende Hinweise
port sollen sämtliche Beschränkungen fallen, was das Regionalitätsprinzip brechen und Schutzgebiete gefährden würde. Die umstrittene Schiefergaserschließung, auch „Fracking“ genannt, könnte mit dem TTIP, ähnlich wie schon die Gentechnik in der WTO, eingeklagt werden. Im öffentlichen Einkauf soll die Bevorzugung von lokalen, nachhaltigen oder KMU „verboten“ werden. Denn das wäre ja eine „Diskriminierung“ ausländischer Großkon-
zerne. In der Landwirtschaft würde die Absenkung von Standards zu einer weiteren Intensivierung führen. Der durchschnittliche US-Agrarbetrieb umfasst 170 Hektar, jener in der EU 12,5 Hektar. Die EU-Kommission hofft, ihre Betriebe würden durch TTIP „effizienter“. Einer der umwelt- wie demokratiepolitisch heikelsten Punkte ist das direkte Klagerecht ausländischer Konzerne gegen Gastgeberstaaten und deren Gerichtsbeschlüsse. Über ein dichtes Geflecht zwischenstaatlicher „Investitionsschutzabkommen“ können Konzerne auf „indirekte Enteignung“ und „unfaire Behandlung“ klagen, also gegen praktisch alles, was ihnen nicht schmeckt. Neben Verbraucherschutz-, Antidiskriminie-
rungs-, Arbeitsschutz- und sozialen Sicherheitsfragen sind es immer wieder auch Umweltgesetze, die in den letzten Jahren mithilfe von Klagen ausgehebelt wurden oder wenigstens zu Schadenersatzzahlungen für die „betroffenen“ Konzerne führten. Im NAFTA hat ein US-Konzern beides erhalten: die Rücknahme des kanadischen Gesetzes, das einen Schwermetallzusatz im Benzin untersagte, und obendrein einen zweistelligen Millionenbetrag an Schmerzensgeld. Aktuelle Klagen bewegen sich in Milliardenhöhe und entfalten einen entsprechenden Abschreckungseffekt auf Parlamente und Regulierungsbehörden. All diese TTIP-Umwelt-Dimensionen zeigen: Das Chlorhühnchen ist kein Wahngebilde, aber es lenkt sehr effektiv von einer Reihe wesentlich größerer Umwelt- und Demokratiegefahren des TTIP ab. Das TTIP-Maskottchen sollte deshalb RCC statt des Chlorhuhns werden, das würde dem Inhalt des Abkommens besser gerecht. P.S.: Mögliche positive Umwelteffekte des TTIP sind bisher keine bekannt. F
Fotos: Apa/Helmut Fohringer, Robert Gortana
warnung:
Collage & Fotos: Irena Rosc
… Prozent die Falklandinseln, gefolgt von Liechtenstein (29,6 Prozent) und Öster
Pressestimmen zum TTIP aus Deutschland und Österreich, Sommer 2014 „Die eigentliche Pointe der Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP), die auf eine fast diktatorische Beschränkung demokratischer Selbstbestimmung hinausläuft, bleibt weitgehend undiskutiert.“ Jens Jessen, Die Zeit 24, 12.6.2014
Christian Felber ist Mitbegründer von Attac und Autor zahlreicher Bücher. Zur Frankfurter Buchmesse bringt er ein Enthüllungsbuch über das TTIP heraus
Christian Felber: Geld. Die neuen Spielregeln. Deuticke, 304 S., € 18,40 Das Buch wurde für den renommierten getAbstract-Preis nominiert (Juryentscheidung am 8. Oktober)
„Fast 5000 Leser haben über die neuen Themen von ‚Die Recherche‘ entschieden und die große Mehrheit war sich bei der Wahl ihres Favoriten einig. 70 Prozent der Teilnehmer hielten das Freihandelsabkommen TTIP für die spannendste Materie und die Frage nach (…) seinen Auswirkungen für die wichtigste. Blog „Die Recherche“ der Süddeutschen Zeitung, 5.6.
„Mit dem Beginn des politischen Herbstsemesters nehmen auch die Kampagnen gegen TTIP wieder Fahrt auf. Dabei weiß die bunte Allianz der Freihandelsgegner zwar genau, was sie will – nämlich ,TTIP stoppen‘. Die Konsequenzen für den Fall, dass sie ihr Ziel erreicht, bedenkt sie aber nicht. Denn ohne enge wirtschaftliche Kooperation zwischen USA und EU drohen beide langfristig ihr Gewicht in der Weltwirtschaft zu verlieren: Die demografische Entwicklung spricht gegen beide Regionen, China klopft als neue Führungsmacht laut an die Tür.“ Wolfgang Tucek, Wirtschaftsblatt 5.9.
„Das ist ein Eingriff in die Gesetzgebungshoheit, ein Eingriff in die Souveränität, ein Anschlag auf die parlamentarische Demokratie. Ich wünsche mir, dass diese Verhandlungen scheitern. Und sollten sie nicht scheitern, sollten die Parlamente dieses Abkommen ablehnen. Und wenn die das nicht tun, müssen das Bundesverfassungsgericht und der EU-Gerichtshof dieses Abkommen zerreißen.“ Heribert Prantl, Telepolis, 10.8. (Interview R. Jellen)
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Buchtipps Empfehlenswertes für Bio-Interessierte
Bücher zum Thema Bio. Friedlich, gärtnerisch, gründlich Frieden essen An anderer Stelle in dieser Beilage heißt es sinngemäß und ironisch, Essen sei Religionsersatz. Wer das aber ernst meint, wird beim US-amerikanischen Ernährungswissenschaftler, Musiker, Zen-Buddhisten und Buchautor Will Tuttle gut aufgehoben sein. Tuttles Bestseller gründet sich auf das pythagoräische Prinzip und propagiert radikalen Veganismus. Zwar versteht der durchschnittlich gebildete Mensch unter dem pythagoräischen Prinzip die Quintenschichtung Will Tuttle: Ernährung und Bewusstsein. Warum das, was wir essen, die Welt nachhaltig beeinflusst. Crotona, 406 S., € 19,95
des Tonystems. Tuttle bezieht sich aber auf folgendes Zitat des antiken griechischen Philosophen und Mathematikers: „Solange der Mensch Tiere schlachtet, werden die Menschen auch einander töten. Wer Mord und Schmerz sät, kann nicht erwarten, Liebe und Freude zu ernten.“ Tuttle zufolge befinden wir uns in den letzten Tagen der Menschheit, und zwar in den letzten, in denen wir Tiere essen. Hören wir endlich auf damit, wird sich auch die Menschheit verwandeln und Gewalt und Krieg werden endlich ein Ende finden. Da ist vieles richtig, es blüht aber auch der Blödsinn. Der Fordismus sei von den Laufbändern der Schlachthöfe inspiriert gewesen, Hitler wiederum habe Henry
Ford dafür bewundert und habe sich von ihm zu den Massenvernichtungseinrichtungen inspirieren lassen. Dass Hitler Vegetarier war, wird nicht erwähnt. Da fällt einem das Schnitzel aus dem Mund.
Winters Gärtnern
Eliot Coleman ist ein amerikanischer Biopionier, er war Skirennläufer und Extrembergsteiger. Er vergleicht Biobauern mit Bergsteigern; Bergsteigwissenschaftler gebe es nämlich nicht. Auch Biobauern halten sich an Erfahrungen, planen aber ihre eigenen Routen. Coleman hat die Route durch den Winter gewagt und gewonnen. Er baute Gewächshäuser für Gemüse, das es lieber kalt als warm hat, und er lernte von der Erfahrung vieler Vorgänger, zum Beispiel jener in der Stadt Paris, in Großbritannien oder den Niederlanden. Auf seiner Farm produziert Coleman erstklassiges Biogemüse das ganze Jahr über. Dazu kommt jene praktische amerikanische Ader, die gern Erfindungen macht und praktische Patente ausheckt. Mit all dem hält Coleman nicht hinter dem Berg. Obwohl sich sein Buch an Gärtnerprofis wendet, die es ernst mit Bio meinen und nicht bloß gesetzlichen Minimalanforderungen genügen, finden auch Kleingärtner sehr viele Tipps
Eliot Coleman: Handbuch Wintergärtnerei. Löwenzahn, 224 S., € 24,90
und Anregungen für ihre Praxis. Ein spannendes Buch.
Bioerde produzieren
Ganz und gar auf die Praxis ist dieses Buch zugeschnitten. Biodüngerproduzent und Wurmguru Alfred Grand (porträtiert in Falter-Biofrühling Nr. 20a/12) und Autorin Andrea Heistinger haben sich zusammengetan und mit speziellem Blick auf Klein- und Kleinstgärtner (ja, genau, die mit Bal-
Andrea Heistinger, Alfred Grand: Biodünger selber machen. Löwenzahn, 160 S. € 19,90
kon) Tipps zu eigenen Humus- und Biodüngerproduktion versammelt. Der Boden sollte ja im Mittelpunkt des bäuerlichen Wirkens stehen, er ist schließlich die Grundlage all dessen, was wir essen. Erstaunlich, sagt Grand, wie wenig wir, und das heißt: auch die Bauern, über ihn wissen. In diesem Buch schaffen Heistinger und Grand Abhilfe: Hier lernt man alles über die verschiedenen Boden, über Schädlinge und Nützlinge, Durchwurzelung und darüber, wie Pflanzen Nährstoffe aufnehmen. Und natürlich lernt man auch, wie man ganz praktisch selbst den Boden verbessert. Ideal auch für Stadtgärtnerinnen! Nachdem Sie dieses Buch gelesen haben, wird auch auf ihrem Balkon oder Fensterbrett eine Wurmkiste stehen.
Alle Jahre wieder erscheint das „Jahrbuch Ökologie“. Herausgegeben von zahlreichen prominenten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, der bekannteste unter ihnen Ernst Ulrich von Weizsäcker, versammelt es Dutzende kompetenter Aufsätze zum Thema Renaturierung. Gleich am Anfang konstatiert Umweltpädagoge Gerhard Trommer, wir seien alle vom Machbarkeitswahn infiziert. Technik lasse alles machbar erscheinen. Wo bleibt da die Wildnis? „Jedoch: auch das Wilde wildert. Es ist noch da und entsteht durch Nichttun, Wildnisschutz und Wildnisentwicklung immer wieder neu. Gehen wir hin, lassen wir uns verändern!“ Da wird von Bioenergiedörfern berichtet, aber auch vom Gärtnern aus Berlin, über die Notwendigkeit der Aufforstung in Deutschland und den Naturverlust in den Millionenmetropolen Asiens. Das Jahrbuch scheut sich auch nicht, vom Konflikt zwi-
Ernst Ulrich von Weizsäcker u.a. (Hg.): Re-Naturierung. Jahrbuch Ökologie 2015. S. Hirzel, 256 S., € 22,60
schen erneuerbaren Energien und Umweltschutz zu berichten. Sogar Porträts von Umweltpionieren sind enthalten, darunter eines des „Umweltschamanen“ Friedensreich Hundertwasser. Jede Menge solider Diskussionsstoff auf angenehmem Niveau. At
Collage & Fotos: Irena Rosc
… sechste landwirtschaftliche Betrieb bei uns ein Biobetrieb +++ In …
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€ 1,19? Wieviel ein Cheeseburger wirklich kostet Ein amerikanischer Journalist hat die Sache recherchiert und nennt ein paar Zahlen. Über eine Rechnung ohne Wirt burgerbiss: ruth riermann
ark Bittman ist der Food-KritiM ker der New York Times. Gute Essensberichterstattung steht in den
USA in der Tradition des investigativen Journalismus. Eine der schönsten Kolumnen Bittmans trug den Titel „The Drinker’s Manifesto“. Bittman deklarierte gutgelaunt, wir kümmern uns zu viel um die Folgen des Alkohols und zu wenig um jene des Essens. Am 15. Juli 2014 machte Bittman damit Ernst und widmete sich den wahren Kosten eines Cheeseburgers. Die Idee ist zu gut und liegt zu sehr auf der Hand, als dass sie nicht sogleich aufgegriffen worden wäre. Die lesenswerte deutsche Wirtschaftswoche Green folgte Bittmans Story und versuchte sie auf europäische Verhältnisse umzurechnen.
Foto: Archiv
Bittmans Ausgangspunkt ist wohl typisch
amerikanisch. Ein Gesetz des Kongresses hatte 2005 untersagt, Fastfoodketten zu klagen, weil der Konsum ihrer Produkte Übergewicht verursache („The Personal Responsibility in Food Consumption Act“). Die Botschaft dieses Gesetzes war, die Folgen
Der Cheeseburger: Rindfleisch, Gurke, Zwiebeln, Ketchup Senfsauce und Käsescheibe – 304 Kilokalorien um € 1,19. Oder darf’s ein bisserl mehr sein?
von Fastfood seien individuell zu tragen und dürften nicht als soziale Kosten betrachtet werden. Allen Menschen mit Interesse an gesunden, nachhaltig produzierten Lebensmitteln ist klar, dass diese mehr kosten müssen als konventionell, also industriell hergestellte. Der Preis ist der Faktor Nummer eins im Wettbewerb. Weil die Menge der Konsumenten billigste Fleischprodukte erwartet, spüren Bauern die Konsequenzen auf ihren Äckern. Der Preis eines Lebensmittels hat mit dessen Kosten nicht unbedingt etwas zu tun; insofern sind Lebensmittel den Medien verwandt, die sich ja
auch meist unter ihren Herstellungskosten verkaufen. Was aber, wenn wir nicht nur die Produktionskosten, sondern die sozialen Folgekosten eines Produkts mitkalkulieren? CO2-Emissionen und Fettleibigkeit verursachen solche Kosten. Es gibt in den USA Regierungsschätzungen und unabhängige Schätzungen für die Kosten einer Tonne CO2; im Mittel betragen diese Kosten pro Burger 40 Eurocent. Was die Fettleibigkeit betrifft, sind die Umstände in den USA noch etwas anders als bei uns. Aber auch in Österreich sind 40 Prozent der 18- bis 64-Jährigen übergewichtig, zwölf Prozent sind adipös.
Bittman beziffert den Anteil des Burgers an der Fettleibigkeit in den USA mit 15 Prozent. Macht (wegen folgender Herzinfarkte etc.) 36 Eurocent pro Burger. Dazu kommen die Kosten industrialisierter Fleischproduktion, die bei der öffentlichen Hand hängenbleiben: etwa wegen steigender Nitratwerte im Grundwasser aufgrund von Düngemitteln für Mais, die neue Maßnahmen zur Wasserversorgung nötig machen. Von mangelnder Biodiversität erst gar nicht zu reden. Und wie viel kostet die Zerstörung des Amazonasregenwalds für die Sojaproduktion? Nicht zuletzt sind da die sozialen Kosten. Die extrem niedrige Bezahlung des Personals in Fastfood-Lokalen kann nur durch die Unterstützungen des Sozialsystems abgefangen werden. Auch so wird der Preis eines Burgers subventioniert. Kurz: Bittmans Schätzung, dass zum Preis des Burgers mindesten 36 Eurocent für Gesundheit und 40 Eurocent für Klimakosten kommen, nähern sich den wahren Kosten eines Cheesburgers nur ungefähr an. Man kann annehmen, dass das Laberl, ernsthaft durchgerechnet, mindestens doppelt so viel „kostet“, wie es uns kostet. F
Ich bin glücklich! Die natürlich für uns Bio Fruchtjoghurts mag ich am allerliebsten! Mama sagt, die sind „Bio“ und das heißt, dass nur Gutes drin ist. Die schmecken mir einfach.
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Renate und Erich Frank wissen, was auf ihren Wiesen wächst
Die letzten Schäfer H e i d esp a z i er g a n g : N i n a H o r a c z ek
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dele ist schuld. Hätte sich die Ziege damals etwas besser benommen, würde Erich Frank heute vielleicht nicht jeden Tag auf die Perchtoldsdorfer Heide fahren. Es war Ende der 1980er-Jahre, als Renate und Erich Frank die 47-Quadratme-
ter-Wohnung im Gemeindebau zu eng wurde. Die ersten Kinder kamen zur Welt, das junge Paar kaufte sich einen Grund im niederösterreichischen Piestingtal und zog aufs Land. „Als unsere Wiesen dann zu verbuschen begannen, besorgte wir uns im Jahr 1990 eine Ziege“, erzählt Renate Frank. Aber das Tier mit dem Namen Adele fraß alles – nur die Büsche, die es essen hätte sollen, die blieben stehen.
Also wurde die Ziege im Jahr darauf gegen zwei Lämmer ausgetauscht, die den Job besser erledigten. „Wir haben den Kindern von Anfang an klargemacht, dass die Schafe im Herbst geschlachtet werden“, erzählt Renate Frank. Als Schaf Bertl im Spätherbst dann tatsächlich gebraten auf dem Teller lag, habe der älteste Sohn, damals knapp drei Jahre, freudig erklärt: „Der Bertl schmeckt gut!“ Damit war der
Foto: Heribert Corn
Renate und Erich Frank züchten seltene Krainer Steinschafe und retten damit die Perchtoldsdorfer Heide
Collage & Fotos: Irena Rosc
… Österreich betrug der Bio-Anteil an allen Waren 6,7 Prozent +++ Er steigt damit
B i o h e r b s t 1 4 Grundstein für eine erfolgreiche Bioschafzucht gelegt. Ein Jahr später standen bereits zwei Schafmütter und einige Lämmer auf der Wiese. Seinen Job als Servicetechniker hat Erich Frank aber erst im Jahr 2006, als die fünf Kinder aus dem Gröbsten heraus waren, an den Nagel gehängt. Seitdem sind sie mit ihrem „Bioschafhof Sonnleitner“ Vollerwerbsbauern, haben mehrere Herden auf verschiedenen Weiden stehen. „Wir sind aber keine Landwirte“, sagt Rena-
te Frank (48), „das klingt uns zu technokratisch. Wir fahren nicht mit dem Traktor durch die Gegend. Wir wissen, was auf unseren Wiesen wächst und machen fast alles mit der Hand.“ Das Schäferehepaar produziert bestes Biolamm, das auch im Winter nur mit Bioheu und gänzlich ohne Kraftfutter gefüttert wird. Es trägt mit seinen Schafen auch zur Erhaltung sensibler Naturlandschaften bei. Alleine auf der Perchtoldsdorfer Heide grasen derzeit an die 100 Schafe so ziemlich alles ab, was ihnen vors Maul kommt. Wenn sie weiterziehen, bleibt eine karge, abgefressene Mondlandschaft übrig, gespickt mir hunderten Bemmerln, auf die sich die Mistkäfer stürzen. Genau das ist es, was die Heide braucht. Denn dieses beliebte Ausflugsziel gleich hinter der Wiener Stadtgrenze ist einer der letzten „Trockenrasen“. Lediglich 17 Quadratkilometer sind von diesem ganz besonderen Lebensraum in Österreich noch erhalten. 23 Hektar davon finden sich auf der Perchtoldsdorfer Heide. Dieses äußerst nährstoffarme Gebiet ist Lebensraum für ganz spezielle seltene Pflanzenarten, die auf anderen, nährstoffreicheren Böden von Allerweltspflanzen wie Löwenzahn, Brennessel oder Gänseblümchen verdrängt werden. Hier auf der Heide blühen seltene Orchideenarten wie die Bienen-Ragwurz, es sprießen im Frühjahr Kuhschelle und Frühlingsadonis. Die seltenen Ziesel haben hier genauso ihr Zuhause wie die wunderschön glänzenden Smaragdeidechsen oder
Kleintierchen wie vom Aussterben bedrohte Zikadenarten. Durch das Kohlenstoffdioxid in der Luft, aber auch durch die vielen Hunde, deren Hinterlassenschaften von so manchen Besitzern nicht weggeräumt werden, kommt permanent Dünger in den Boden, was die sensible Fauna gefährdet. Ohne tierische Rasenmäher würde die Heide auch im Laufe der Zeit zu einem Wald zuwachsen. Die Schafe fressen die Büsche zurück und entziehen dem Boden das Zuviel an Nährstoffen. „Was nämlich beim Schaf hinten herauskommt, ist weniger Dünger als das, was vorne hineingegangen ist“, erklärt Schäfer Frank. Schließlich würden die Tiere ja wachsen, sich bewegen, Nachwuchs bekommen und dadurch Energie verbrauchen. Die Schafe fressen also nicht nur vieles ab, sondern entziehen dem Boden zusätzlich Nährstoffe. Dadurch bleibt der Trockenrasen erhalten. „Außerdem sind die von ihnen abgebissenen Stängel wiederum Brutstätten für seltene Insekten, die dort ihre Eier ablegen.“
„Schafe sind einfach liebe Tiere, die so viel Ruhe ausstrahlen. Mich nur hinzustellen und sie zu beobachten ist wie Urlaub für mich“ Renate Frank
Auch ihre Schafe, die Krainer Steinschafe,
sind eine Seltenheit. „Das ist eine der wenigen, wenn nicht sogar die einzige Rasse, die so sein darf wie sie ist“, sagt Erich Frank, „mit weißem Fell, gescheckt, braun, schwarz oder manchmal sogar grau.“ Außerdem sei diese Rasse, die zu einer der ältesten in Österreich zählt, extrem robust. „Da müssen wir nicht bei der Geburt der Lämmer dabei sein, das machen sie selbst“, sagt Erich Frank. Arbeit haben die Franks trotzdem genügend. Eine Heide zu beweiden bedeutet nämlich nicht, einfach die Schafe durch die Büsche jagen zu lassen. „Mosaikartige Beweidung“ nennt sich das, was die Franks hier mit ihren Tieren machen. In einem mehr als 60-seitigen „Managementplan“ samt strengem Katasterplan haben Experten erarbeitet, wie die sensible Heide gepflegt werden soll. Jeden Tag will die Herde besucht werden, müssen die Wasserkübel neu gefüllt werden. Alle zwei bis drei Tage müssen die Franks ihre Tiere weiter treiben, müssen die mobilen Elektrozäune woanders neu aufstellen.
Am 20. September laden die „Freunde der Perchtoldsdorfer Heide“ zu ihrem traditionellen „Heidefest“, bei dem auch Bio-Grillwürste und Feuerflecken der Schäferfamilie Frank angeboten werden. www.perchtoldsdorferheide.at
Informationen und Bestellung: www.bioschafhofsonnleitner.at
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Im Winter, wenn alle Herden in einem offenen Unterstand sind, brauchen die Tiere täglich Heu. Und hat wieder einmal ein freilaufender Hund ein Schaf so sehr erschreckt, dass es sogar der Elektrozaun nicht aufhalten konnte, suchen die Franks auch einmal einige Tage nach dem verschwundenen Tier. „Der Hund ist für ein Schaf immer ein Feind“, sagt Renate Frank, „egal wie klein er ist, das Schaf glaubt immer, es ist ein Wolf.“ Gemeinsam mit dem Verein „Freunde der
Perchtoldsdorfer Heide“, einer Vereinigung ehrenamtlicher Heideschützer, überlegt der Schäfer alle drei bis vier Wochen aufs Neue, welche Weiden als Nächstes bewirtschaftet werden sollen. „Es gibt zum Beispiel Orte, an denen der Herbstspinner herumschwirrt“, erklärt Irene Drosdowski, Obfrau des Vereins. „Dieser seltene Schmetterling legt seine Eier immer erst um den Nationalfeiertag ab, deshalb müssen die Schafe dort schon vor dem 26. Oktober grasen.“ Steht eine seltene Orchidee auf der Wiese, spanne der Schäfer seine Zäune extra so, dass die Schafe die schützenswerte Pflanze nicht anknabbern können. „Und sieht er ein seltenes Tier, schickt er uns gleich ein Foto davon“, freut sich die Vereinsobfrau. Derart viel Arbeit würde sich ein konventioneller Landwirt wohl kaum antun. „Es gibt vielleicht noch ein paar Schäfer wie uns“, sagt auch Erich Frank, „aber wir kennen keine.“ Ihr Fleisch verkaufen die Schafbauern ab Hof oder nach Bestellung auch nach Wien, zum Beispiel an verschiedene Essenskooperativen. Da gibt es neben Frischfleisch auch Lammprodukte wie Grillwürstel, Käsekrainer, Leberkäse, Zungenaufstrich oder Lammragout. Das Schäferleben klingt zwar idyllisch, ist es aber nicht immer. „Es bedeutet auch, bei jedem Wetter raus in die Natur zu müssen und immer die Gummistiefel im Auto zu haben“, sagt Renate Frank. Trotzdem könne sie sich kein anderes Leben vorstellen, meint die Schäferin: „Schafe sind einfach liebe Tiere, die so viel Ruhe ausstrahlen. Mich einfach nur hinzustellen und die Tiere zu beobachten, das ist wie Urlaub für mich.“ F
seit Jahren sehr langsam aber stetig an +++ Der höchste Bio-Anteil kommt …
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Fast wie ab Hof einkaufen Biolebensmittel direkt beim Bauern zu kaufen, ist auch für immer mehr Stadtmenschen eine Option
STADT-LAND-PARTIE: C h rist o p h er W u r m d o b ler
W
enn der Biohof Adamah in Glinzendorf, knapp 20 Kilomter östlich von Wien, zum herbstlichen Hoffest lädt, werden nicht nur die Bio-KistlAbonnenten aktiv. Die ÖBB lassen ihre Züge außerplanmäßig halten, Radfahrer schließen sich zu Gruppen zusammen, um nach Glinzendorf zu kommen. Adamahs Hoffest zeigt: Das Interesse an Biolandwirtschaft ist groß, und wenn es die Möglichkeit gibt, sich so einen Betrieb einmal aus der Nähe anzusehen, mobilisiert das die Massen. Verlasse die Stadt! Mit Humptata und Blasmusik. Alle reden übers Essen und Kochen. Woher die guten Sachen kommen, sollte alFortsetzung Seite 22
Bauernmärkte und Bio-Direktvermarktungsmöglichkeiten gibt es viele in Wien. Und sogar Ab-Hof-Verkauf!
Collage & Fotos: Irena Rosc
… auf Milch, Eier und Bananen +++ Schwach bei Bio (rund vier Prozent) sind noch
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Biolebensmittel, mehr oder weniger direkt Hofläden 1 Haschahof 10., Rosiwalgasse 41–43, Di–So 17–19 Uhr, www.haschahof.at 2 Biofeigenhof
11., Am Himmelreich 325, Fr 14–18 (Juli–Oktober), Sa 10-17 Uhr, www.feigenhof.at
3 Bioimker Mandl 11., Simmeringer Hauptstraße 21/2
4 Biohof Prohaska
21., Leopoldauer Platz 4, Tel. 01/258 60 74. Hofladen: Mi, Do 8–12, 15–18, Fr 8–13, 15–18, Sa 8–12 Uhr
5 Biohof Steindl
21., Stammersdorfer Str. 67, Tel. 01/290 78 19, Hofladen: Do–Sa 8–12 Uhr, www.ambros-steindl.at
I ll u s t ra t ion : B ianca Tschaikner
9–18 Uhr, www.mn-copy.at Tolle Mischung: Copyshop mit Bauernladen, u.a. Demeter-Ware
9 Bauernkörberl
7., Westbahnstr. 2, www. firmanns-bauernkoerberl.at
10 Ochsenherz-Hof Freitags können Obst, Gemüse und anderes auf dem Naschmarkt-Bauernmarkt (U-Kettenbrückengasse) abgeholt werden www.ochsenherz.at
16 Der Fresskorb 14., Hütteldorfer Str. 253, fresskorb@lnxnt.org Der Fresskorb betreibt keinen Laden mit fixen Öffnungszeiten. In der Bürogemeinschaft Yurp können die „Fresskörbe“ zu Bürozeiten abgeholt werden
9., Währinger Straße 59, Fr 9–17 Uhr
17 Einkorn
26 Bioeck am Floridsdorfer Markt 21., Brünner Straße/Pitkagasse, Fr 7–16 Uhr
17., Paletzgasse 32/4–6 www.1korn.at
18 Bioparadeis
18., Bäckenbrünnlgasse 9 (Souterrainlokal), 11 Biohof Radl www.bioparadeis.org 22., Hirschstettner Straße Zweimal die Woche ist 85, Stände in ganz Wien ver- der Laden für Mitglieder teilt, auch Selbstabholung. geöffnet Infos: www.erdbeerwelt.at Mehr Wiener Foodcoops: www.foodcoops.at Food Coops
12 Möhrengasse
2., Große Mohrengasse 25, www.moehrengasse.at Eine der ältesten Foodcoops der Stadt, monatliches Plenum, viele Arbeitskreise, viel zu tun
6 Gärtnerhof Gin 22., Raffenstättergasse 5, Tel. 01/202 40 45, Selbstabholung Mo–Fr 9–14 13 Klappertopf 3., Rabengasse 2–10, Stiege Uhr, www.gin.at 60, www.klappertopf.at 7 Biozentrum Lobau 14 NussCoop Lobaustraße 53, 2301 7., Zieglergasse 44, Groß-Enzersdorf, Tel. www.nusscoop.org 02249/23 00 (Ab-HofVerkauf nach telefonischer 15 D’Speis Vereinbarung oder am 15., Guntherstraße 1, besten vormittags) www.speis.org Ebenfalls FoodcoopSelbst abholen Klassiker, 2009 gegründet 8 Genuss im Bus als Ableger der Coop 4., Heumühlg. 8, Mo–Fr Bioparadeis
Märkte 19 Biomarkt Freyung 1., Freyung, Fr u Sa 9–18 Uhr
20 Bioeck Karmelitermarkt 2., Karmelitermarkt, Sa 8–13 Uhr 21 Bioeck Naschmarkt
6., Wienzeile/Kettenbrückeng., Fr 8–17, Sa 8–15 Uhr
22 Biomarkt
25 Markterei
10., Absberggasse 27 (Ankerbrotfabrik), ab 2015 wöchentlich an unerschiedlichen Locations in ganz Wien, www.markterei.at
27–31 Arge
Rosenauerwald 2., Karmelitermarkt (Bioeck), Sa 8–13 Uhr 13., Hietzinger Hauptstr. 153, Do 15–19, Fr 9–19, Sa 8–12 Uhr 14., Goldschlagstr. 169 (vor der Sargfabrik), Do 14–19 Uhr 16., Yppenmarkt, vis-à-vis Yppenplatz 2, Fr 7–19, Sa 7–14 Uhr 23., Wohnpark Alt Erlaa (vor der Kirche), Fr 10–17 www.arge-rosenauerwald.at
Bio-Kistl 32 Biohof Adamah 2282 Glinzendorf 7 www.adamah.at Bioladen, Ab-Hof-Verkauf 33 Biomitter
Lange Gasse 8., Lange Gasse, Sa vorm.
2384 Breitenfurt, Römerweg 14A, www. biomitter.at
23 Servitenmarkt
34 Bioschatzkistl
9., Platz vor der Servitenkirche, Sa 8–14 Uhr 24 Wuk Wochenmarkt
7100 Neusiedl am See Oberer Satzweg 17 www.bioschatzkistl.at
immer Geflügel und Fleisch +++ Bei den Motiven zum Kauf von Biowaren …
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lerdings auch Gesprächsthema sein. Mit den Möglichkeiten von Ab-Hof-Verkauf, Bauern- oder Dorfläden kommen Produzenten und Konsumenten einander inzwischen schon wieder näher. Mit den Einkaufsgenossenschaften, sogenannten Foodcoops, stehen die Chancen auf Gedankenaustausch relativ gut.
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Bei Anlässen wie dem jährlichen Hoffest auf dem Biohof Adamah kommen die Menschen den Produkten nahe. Sonst kommen die Produkte aber eher zum Menschen
Aber was tun, wenn die Stadt nicht aufs Land
kommt? Dann kommt das Land eben in die Stadt. Veranstaltungen wie der alljährlich im Herbst auf dem Wiener Heldenplatz stattfindende Erntedank-Zirkus veranschaulichen das eingangs beschriebene Phänomen ebenfalls. Die Neugier seitens der Bevölkerung ist auch hier riesig, ob allerdings ausgewähltes Landvolk, Erntedankhostessen oder slicke Marketingexperten in Dirndl und Lederhosen den Stadtmenschen das Thema Landwirtschaft vermitteln können, sei dahingestellt. Womöglich wird hier mit großem Rambazamba und vielen Schmankerln und Gratiskostproben mehr verklärt als erklärt. Das, was bemühte Stadtpflanzen wiederum seit geraumer Zeit im Zeichen der Paradeisstaude auf privaten Dachterassen oder auch im Guerilla-Gärtlein im öffentlichen Raum aufführen, muss zwar unbedingt unter Urban Gardening abgespeichert werden, hat aber mit Landwirtschaft nur bedingt was zu tun. (Wer an dieser Stelle bereits widerspricht, soll bitte die Erdäpfel zählen, die er diesen Sommer auf seinem Balkon „angebaut“ hat, und sagen, ob er von der Ernte satt geworden ist.) Lebensmittel direkt zu vermarkten oder eben aus der anderen Perspektive direkt einzukaufen liegt schon länger im Trend. Allerdings: Wenn man sich ins Auto setzt und „raus aufs Land“ fährt, um dann direkt beim Bioproduzenten einzukaufen, ist das auch nicht gerade wahnsinnig bio. Das Biogemüsekisterl im Abo wiederum hilft zwar den Produzenten, die Handelsketten zu umgehen. Wer allerdings einmal pro Woche eine vollgepackte grüne Kunststoffkiste vor der Wohnungstüre stehen hat, kommt dem Leben auf dem Lande damit auch nicht
„Lebensmittel direkt ab Hof zu kaufen, ist sogar in der Großstadt möglich. Man muss sich nur dorthin begeben, wo die Stadt ins Land übergeht“
unbedingt näher. Oder eben nur einmal im Jahr, wenn der Kistllieferant zum großen Hoffest lädt. Bauernmärkte sind da ein gute Möglichkeit, um die Menschen hinter den Produkten kennenzulernen. Am Freitag oder am Samstag auf dem Markt bekommt die Karotte ein Gesicht. Wer regelmäßig bei „seinem“ Bauern am Marktstand steht, plaudert und auch einkauft, bekommt plötzlich einen Bezug zu den Dingen. Einkaufen ist auch Kommunikation. Das Gemüseregal im Supermarkt kann man schließlich nicht fragen, wie was wächst und gedeiht, welche biologischen Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt werden oder auch nur: wie man diese seltene Gemüsesorte eigentlich zubereitet. Auf dem (Bio-)Bauernmarkt geht das, deshalb schätzen immer mehr Städterinnen und Städter den wöchentlichen Einkauf auf dem Markt beim Bauern. Was viele Menschen erstaunt: Direkt ab Hof
Lebensmittel zu kaufen, ist sogar in der Großstadt möglich. Man muss sich dazu nur dorthin bewegen, wo die Stadt ins Land übergeht. Am Ende der Stadt ist nicht das Ende der Welt, sondern meistens der Acker. In der Lobau zum Beispiel, wo sich die Stadt Wien mit ihrem Biozentrum als Produzent von Erdäpfelraritäten und Getreidesorten wie Weizen, Dinkel oder Roggen herausstellt. Überraschenderweise im großen Stil auf 1000 Hektar Stadtland. So tuckern jetzt im Herbst wieder die Erntemaschinen über die Erdäpfelacker mitten im Auwald. Und hinterher findige Anrainer, die jene Kartoffeln für die eigene Vorrats-
kammer auflesen, die zu klein für die Sortiermaschine (und für den Verkauf ) sind. Stadtmenschen mit Erdklumpen unter den Schuhsohlen und schmutzigen Händen: So nah kommt man der Natur selten! Jahrelang gab es vor dem städtischen Landwirtschaftsbetrieb einen kleinen Verkaufsstand. Man vertraute auf die Ehrlichkeit der Leute und verzichtete auf Verkaufspersonal. Beste Erdäpfel, in Papiersäcken abgepackt, lagerten hier zur freien Entnahme, das Geld warf die Kundschaft in eine Kasse. Heute gibt es in der Lobau einen echten Hofladen, wo man nach telefonischer Voranmeldung die Früchte des Feldes kaufen kann. Wer spontan vormittags vorbeischaut, hat aber auch große Chancen, dass jemand da ist, heißt es seitens der Betriebsleitung. Im Süden Wiens, am anderen Ende der Stadt,
vermarktet der Haschahof seit Jahrzehnten Obst und Gemüse direkt. Neben den immer beliebteren Selbsternteparzellen gibt es den vor allem von den Menschen aus der Gegend gerne frequentierten Hofladen. Neben dem, was auf dem Hof angebaut wird, verkauft man auch ein paar Produkte befreundeter Landwirte, Getreide zum Beispiel. Zu einer ganz besonderen Art der Direktvermarktung ist in Wien übrigens auch der „Flüsterbauer“ geworden, eine Art Schattenlandwirtschaft, über deren Protagonisten hier offiziell nicht geschrieben werden darf. Aus Gründen. Aber fast jeder kennt inzwischen jemanden, der jemanden kennt, die in der Steiermark wunderbare Bioäpfel anbaut, Saft macht und Wein, oder Nüsse knackt. Im Frühsommer gibt es Spargel aus dem Marchfeld oder im Hochsommer „garantiert ungespritzte“ Marillen aus dem Weinviertel. All das holt man dann in Privatwohnungen oder irgendwelchen Büros ab, lernt den Sohn oder die Tochter des Produzenten kennen und macht ein bisschen Mundpropaganda. Genau: Die tollsten Fast-ab-HofVerkäufe in der Stadt finden womöglich in gepflegten Mietswohnungen oder lässigen Architekturbüros statt. Man muss halt nur wen kennen, der wiederum wen kennt. F
Foto: Markus Alena Niemann
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Collage & Fotos: Irena Rosc
… kommt Gesundheit an erster, Tierschutz hingegen an letzter Stelle +++
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