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★ B I L DU NG ★ DAS MAGA Z IN FÜR STUDIUM , WEITERBILDUNG UND K ARRIERE

Netz NÖ / Daniela Matejschek

A U S D E M F A LT E R V E R L A G

Neue Wege

Weiterbildung und Quereinstieg Scheideweg Lehre oder Studium: Fakten, Klischees und persönliche Erfahrungsberichte

Künstliche Intelligenz Zukunftssichere Karriere oder Hype? Wie, wo und warum man KI studiert

Green Jobs Klimarelevant und gut bezahlt – über Karrierechancen in grünen Berufsfeldern


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Editorial Immer weiter lernen Egal wie alt man ist, egal was man bisher gemacht hat: Der Traumjob kann noch kommen! Ob Weiterbildung oder Branchenwechsel, offen zu sein und zu schauen, was die Welt zu bieten hat, ist meistens besser, als unzufrieden zu sein oder stehen zu bleiben. Oder eigentlich immer

Linn Ritsch findet, dass es nie zu spät ist, Neues dazuzulernen oder etwas komplett anderes zu machen als bisher Foto: Nini Tschavoll

„Man muss die Kinder studieren schicken!“ Als ich maturiert habe, war das noch der Tenor in meiner kleinen Heimatstadt. Ich fand das nachvollziehbar. Schließlich waren Akademiker:innen höher angesehen, ein MA schien einen sicheren Job und genug Geld zu verheißen. Als ich mit meinem als brotlos eingestuften geisteswissenschaftlichen Studium begann, ahnte ich zum ersten Mal, dass hier etwas nicht stimmen kann. Dieser Eindruck hat sich seither verfestigt. Der akademische Weg kann natürlich richtig sein (bei mir war es so). Muss er aber nicht. Wir haben uns angeschaut, welche Überlegungen bei der Entscheidung zwischen Lehre und Studium einfließen sollten (S. 12). Außerdem haben wir junge Menschen gefragt, warum sie sich für eine Lehre entschieden haben – und wie es ihnen mit der Entscheidung geht (S. 14). Wer mit der ersten Berufswahl nicht zufrieden ist, kann ohnehin einfach etwas Neues machen. Richtungswechsel, Weiterbildungen, Umschulungen: Viele Expert:innen, die hier zu Wort kommen, betonen, wie wichtig es ist, offen zu sein und weiterzulernen. Die Quereinsteiger:innen, die wir porträtieren, sehen das genauso: eine Galeristin, die Forstwirtschaftsmeisterin wurde, eine Marketingspezialisitin, die in die Pflege ging, ein Techniker, der jetzt Lehrer ist, und eine Elementarpädagogin, die zur Masseurin wurde (S. 8–11). Wer jetzt zwar inspiriert, aber noch unsicher ist, in welche Richtung es gehen soll, kann nachlesen, welche Green Jobs interessant sein könnten (S. 28), oder warum es sich lohnt, ein Studium zu KI zu machen (S. 26). Vielleicht wäre das ja etwas für mich. Irgendwann, wenn ich Lust auf etwas Neues habe.

Impressum Medieninhaber: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H., 1010 Wien, Marc-Aurel-Straße 9, T: 0043 1 536 60-0, F: DW 935; Coverfoto: Netz NÖ/Daniela Matejschek; Redaktion: Linn Ritsch (CR), Karin Wasner; Fotoredaktion: Karin Wasner; Gestaltung und Produktion: Andreas Rosenthal, Raphael Moser, Reini Hackl; Geschäftsführung: Siegmar Schlager; Leitung Sales: Ramona Metzler (kar.), Sheila Martel, Christian Fabi; Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH., DVR: 047 69 86. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter-verlag ständig abrufbar.


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Cover Anika Mang, 24 Jahre alt, hat sich für eine Elektrotechnik-Lehre entschieden – als eine von wenigen Frauen

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Daniela Matejschek, Christian Postl, Karin Wasner, Pablo Merchán Montes, Sophie Hanak, Martin Hesz, Getty Images/Unsplash, Leuchtturm1917, Akram Huseyn/Unsplash, Hanser, Doris Himmelbauer, Quality Stock Arts/Shutterstock

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In diesem Heft Gastauftritt: Die Kfz-Technikerin Carina Weitz über ihre Arbeit in einem „Männerberuf“ Seite 6 Eine Forstwirtschaftsmeisterin, eine Masseurin, ein Lehrer und eine Pflegerin erzählen von ihrem Quereinstieg Seite 8 Am Scheideweg: Studium oder doch lieber Lehre? Seite 12 Vier Lehrlinge berichten von ihrem Alltag Seite 14 Mental Health: Welche Faktoren für eine gesunde Psyche wichtig sind Seite 16 Weiterbildung: Wer nicht mehr lernt, ist raus Seite 18 Gadgets und Tipps rund ums Studium Seite 20 Wo werde ich gebraucht? Mangelberufe in ganz Österreich Seite 22 Buchtipps Seite 24 Künstliche Intelligenz studieren: Wie das geht und welche Berufschancen es bietet Seite 26 Green Jobs: Was ist das und welche Karrierechancen gibt es? Seite 28 Kommentar: KI an der Uni – welche Veränderungen sie bringt und wie man damit umgeht Seite 30


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Karin Wasner

Handwerk gilt oft als zweite Wahl – besonders für junge Frauen. Carina Weitz erzählt, warum sie trotzdem Kfz-Technikerin geworden ist, und zeigt, wie mehr junge Frauen diesen Weg gehen können

Lehre statt Studium? „Ich wollte nicht noch jahrelang die Schulbank drücken, ich wollte auf eigenen Beinen stehen.“ Während andere noch überlegten, ob sie studieren wollen, war für Carina klar: Sie macht die Lehre zur Kfz-Technikerin. Ihre Eltern waren überrascht über den Berufswunsch ihrer jüngsten Tochter. „Ein paar Jahre zuvor wollte ich noch Elementarpädagogin werden.“ Eine Lehrstelle für den bei Burschen sehr begehrten Lehrberuf zu finden war nicht einfach. „Viele Betriebe haben schnell Nein gesagt – oft nur wegen der fehlenden sanitären Anlagen.“ Für einen weiblichen Lehrling hätte man baulich umgestalten müssen. Nach Schnuppertagen und Probearbeiten fand sich schließlich ein Ausbildungsbetrieb, der die Motorenbegeisterte als Lehrling ausbilden wollte. Mehr als 20 Prozent der Erwerbstätigen in Österreich arbeiten im Handwerk. Allerdings herrscht hier ein Nachwuchsproblem: Während der Anteil der 25bis 64-Jährigen mit Hochschulabschluss steigt, ist der Anteil an Personen mit Lehrabschluss rückläufig. Laut Arbeitskräfteradar 2025 gaben rund 30 Prozent der befragten Betriebe an, dass sie gerne mehr Lehrlinge ausbilden würden, wenn sich geeignete und interessierte Jugendliche bewerben. „Jungen Menschen wird heute eher ein Studium nahegelegt als eine Lehre“, sagt Carina. „Das ist schade, denn das Handwerk hätte einen höheren Stellenwert verdient.“ Eine handwerkliche Ausbildung ermöglicht – auch im zweiten Bildungsweg – eine sichere finanzielle Zukunft: Qualifizierte Fachkräfte werden am Arbeitsmarkt stark nachgefragt. Technikerin, Beraterin, Seelsorgerin Vor elf Jahren hat sie ihre Ausbildung begonnen, seit vier Jahren arbeitet Carina beim ÖAMTC. Was sie an ihrem Beruf liebt? „Dass man am Ende des Tages sieht, was man geschafft hat.“ Der Handwerksberuf bedeutet für sie Selbstständigkeit, Sicherheit – und Stolz. „Ich kann mein Auto selbst reparieren.“ Ihr Arbeitsalltag ist abwechslungsreich: § 57a-Überprüfungen, Sicher-

ÖAMTC/Christian Postl

Gastauftritt Carina Weitz

„Ich hab’ schon als Kind lieber mit Lego, Bausteinen und Autos gespielt als mit Barbies.“ In Carina Weitz’ großer Familie mit vielen Geschwistern – drei Schwestern, vier Brüdern – wurde gemeinsam gebaut und ausprobiert. „Ich hatte schon im Kindergarten mehr Jungs als Freunde.“ Heute fühlt sie sich unter ihren vorwiegend männlichen Kollegen wohl. In der Jugend waren es Mopeds statt Spielzeugautos, die ihr technisches Interesse weckten. „Meine Freunde fuhren damals sogenannte Gatschhupfer.“ Carina half begeistert beim Schrauben. „Das hat mich sofort fasziniert.“


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ÖAMTC/Lukas Lorenz

heits- und Kaufchecks, spontane Problemfälle. „Ich mache alles von Anfang bis Ende – auch die Gespräche mit den Kund:innen.“ Genau das schätzt sie, denn diese Nähe zum Menschen fehlt in einer klassischen Werkstatt meist. „Das ist das Schönste: Anderen helfen zu können und Dankbarkeit und Wertschätzung zu spüren.“ „Beim ÖAMTC bist du Mechanikerin, Kundenberaterin und manchmal auch Seelsorgerin in einem.“ Noch ist eine weibliche Kfz-Technikerin die Ausnahme. Viele Kund:innen reagieren überrascht, manche positiv, andere skeptisch. „Vor allem ältere Herren tun sich manchmal schwer, wenn ihnen ein junges Mädel etwas über Autos erklärt.“ Gleichzeitig erlebt sie viel Positives. „Eine Frau fühlte sich besonders gut aufgehoben, weil sie sich bei mir nicht schämt, nachzufragen, wenn sie etwas Technisches nicht sofort versteht.“ Eine andere wollte ein Foto mit Carina und ihrem reparierten Auto machen. „Sie hat sich als Jugendliche gemeinsam mit ihrem Vater für Motoren begeistert und sich über eine Frau in der Werkstatt gefreut.“

Technische Berufe mit Zukunft – auch für Frauen „Klar, mein Beruf ist körperlich anstrengender, als vor einem Computer zu sitzen“, räumt Carina ein. Schwere Autobatterien, festsitzende Schrauben, volle Tage, viele Kontakte. Und nicht jeder ist verständig, wenn das „Pickerl“ nach der Überprüfung wegen Mängeln doch nicht wie erwartet auf der Scheibe klebt. Gleichzeitig haben sich die Arbeitsbedingungen verändert, vieles ist ergonomischer geworden, Teamarbeit selbstverständlich. Dann wird vermeintliche Schwäche zur Stärke: „Nicht selten ist

in meinem Job statt Muckis eher Feinmotorik gefragt.“ Wenn die großen Hände ihrer Kollegen nicht in einen Scheinwerfer passen, wird gern Carina um Hilfe gebeten. Carina wünscht sich, dass mehr Frauen mutig diesen Weg gehen und Berufe ergreifen, die sie interessieren, egal was andere davon halten. „Es werden zwar mehr, aber da ist noch viel Luft nach oben.“ Frauenberuf, Männerberuf? Begriffe, die es für die junge Technikerin nicht gibt. Ihr Rat: „Nicht zu sehr auf andere hören. Herausfinden, was wirklich Spaß macht, und dann dranbleiben.“

„Das Handwerk hätte einen höheren Stellenwert verdient“ Carina Weitz

Frauen in Forschung und Technik – Infos und Unterstützung Branchenwechsel und Weiterbildung: FiT (AMS) Karrierechancen: Women in Tech Vienna Netzwerk: Professional networks for women (WWTF) Frauen in der IT: #thenewITgirls

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Quereinsteiger:innen Neue Wege gehen Manchmal reichen Beförderung, Fortbildung oder Abteilungswechsel nicht – dann ist es Zeit für einen Neustart. Eine Forstwirtschaftsmeisterin, eine Medizinische Masseurin, ein Lehrer und eine Pflegefachkraft erzählen, warum sie sich für einen Quereinstieg in ein ganz neues Berufsfeld entschieden haben Texte: Linn Ritsch, Karin Wasner

„Ohne meinen vorherigen Job hätte ich diese Arbeit niemals machen können“ Sandra Tuider hätte den Forstbetrieb ihrer Familie nicht als junge Frau übernommen

Von der Kunst in den Wald Sandra Tuider liebte ihren ersten Job. Dabei begann er damit, dass sie Aussendungen in Kuverts steckte. „Meine Arbeit in der Galerie Hilger war zunächst nur ein Studentenjob, mit dem ich mir mein Studium der Kunstgeschichte und Politikwissenschaft finanziert habe.“ Dass sie zehn Jahre lang blieb, Künstler:innen betreute, Ausstellungen organisierte und internationale Kunstmessen besuchte, verdankte sie ihrem Talent, das Galeriebesitzer Ernst Hilger früh erkannte: „Eines Tages meinte er: Du schaust intelligent aus, magst du nicht noch mehr bei uns arbeiten?“ Doch nach zehn Jahren reichte es. Zahlreiche Reisen, spannende Menschen, vielseitige Aufgaben – das war mit sehr, sehr viel Arbeit verbunden. „Es ist mir einfach zu viel geworden, außerdem wollte ich etwas Neues.“ Also kündigte sie, zunächst ohne konkreten Plan. Ein solcher präsentierte sich in Form des Forstbetriebs der Familie. Damals stand die Pensionierung meines Vaters an – und damit die Frage nach der Nachfolge im Raum. Auch wenn Sandra von der Arbeit mit dem Wald keine Ahnung

Ein perfekter Quereinstieg mit anschließendem Traumjob also? „Natürlich war er nicht friktionsfrei.“ Und das Dasein als Forstwirtschaftsmeisterin sei nicht ausschließlich romantisch. „Es gibt nicht nur sonnige Waldspaziergänge mit Rauhaardackel. Sondern auch lange Autofahrten und viel Buchhaltung.“ Außerdem sei es belastend, täglich mit den Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert zu sein. „Das Ergebnis unserer Arbeit an einer klimafitteren Zukunft sieht man erst in der nächsten Generation.“ Trotzdem: Sandra bereut ihre Entscheidung nicht. Sie liebt ihre Freiheit im Job und das Leben zwischen Wien und Warth. Auch der späte Einstieg war das Richtige. „Gleich ins Landleben zu gehen, ohne die Welt gesehen zu haben, das wäre für mich unmöglich gewesen. Und ich habe viel über den Umgang mit Menschen gelernt, was mir jetzt hilft. Ohne meinen vorherigen Job hätte ich diese Arbeit niemals machen können.“

Nini Tschavoll

hatte – „bei uns in der Familie war das nie Thema“ –, beschloss sie, den Betrieb zu übernehmen. Das Leben, das nun begann, unterschied sich radikal von ihrem bisherigen: Statt in den Kunst-Hotspots dieser Welt spielte es sich jetzt meist in Warth in Niederösterreich ab, wohin sie pendelte, um den ersten Schritt auf ihrem Weg in einen ganz neuen Beruf zu machen: die Forstfacharbeiter-Ausbildung. Unter der Woche lernte sie Theorie, samstags stand sie für den praktischen Teil mit der Motorsäge im Wald. „Weil mich das so interessiert hat, habe ich gleich den Forstwirtschaftsmeisterkurs drangehängt.“ 2004 schloss sie ihn als eine der ersten Frauen ab, heute unterrichtet Sandra einige der Fächer des Kurses und ist als Prüferin tätig. Außerdem arbeitet sie mit der Wissenschaft zusammen, etwa mit der Boku – dabei geht es um die Frage, wie sich heimische Wälder verändern müssen, um klimafitter zu werden. Ein wichtiges Thema ist etwa Diversifizierung: „Statt mit ein oder zwei Baumarten arbeiten wir jetzt mit zehn bis zwölf.“ Ihr Ansatz ist erfolgreich: 2025 wurde ihr Betrieb als Forstbetrieb des Jahres ausgezeichnet.


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Karin Wasner

Kneten ohne Knete

Doris Wasner ist Mitte zwanzig, als sie beschließt: Ich will etwas anderes. Drei Jahre lang hatte sie zu diesem Zeitpunkt als Elementarpädagogin in einem Wiener Kindergarten gearbeitet. Mit allem, was der Beruf mit sich bringt: rinnende Nasen, volle Windeln, Lärm, Verantwortung, emotionale Belastung – und einem Arbeitsalltag, der immer dichter wurde. Schon damals sei der Personalmangel spürbar gewesen. Zu viele Kinder, zu wenig Zeit, kaum Raum für individuelle Begleitung. „Ich habe die Arbeit mit Kindern geliebt. In der Ausbildung lernst du, wie wichtig diese Jahre sind – und dann kannst du deinem Anspruch nicht gerecht werden.“ Der Gedanke an einen Berufswechsel kam nicht plötzlich. „Ich habe lange gehadert. Ich wollte immer schon mit Kindern arbeiten.“ Aber Doris merkte, dass sie selbst auf der Strecke blieb. „Ich war unter Daueranspannung und hatte das Gefühl, allein gelassen zu werden mit Herausforderungen, die ich nicht lösen kann.“ Schließlich fasste sie einen Entschluss: Sie begann die Ausbildung zur Medizinischen Masseurin. „Ein kompletter Neustart. Wieder lernen, wieder Anfängerin sein. Aber es hat sich sofort richtig angefühlt.“ Schon seit Kindertagen hatte sie sich für Körper interessiert. „Leider kann ich kein Blut sehen und hasse Nadeln. Als Medizinerin würde ich mit jedem Patienten mitleiden.“ Als Masseurin braucht man ebenso Kenntnisse über den Körper, die Muskeln, den Bewegungsapparat, darf keine Scheu haben, Fremden körperlich nahezukommen. Aber: Zur Zahnärztin gehen die wenigsten mit Freude. Zu ihr kommen die Menschen gern. Nach ihrer Ausbildung arbeitete Doris einige Jahre lang angestellt in einem Institut. „Das war wichtig. Ich konnte viel Praxis sammeln, unterschiedliche Beschwerden und funktionelle Einschränkungen kennenlernen und anwenden, was ich gelernt hatte.“ Danach wechselte sie zu einer selbstständigen Masseurin, arbei-

tete in deren Studio – bis diese in Pension ging. „Da stand plötzlich die Frage im Raum, ob ich übernehmen will.“ Das ist mittlerweile zehn Jahre her. „Ich liebe die Selbstständigkeit“, sagt sie. „Natürlich gibt es Unsicherheiten, viel Papierkram, Eigenverantwortung. Aber ich habe Gestaltungsfreiheit und bestimme selbst, wie ich arbeiten möchte.“ Viele Kund:innen begleiten sie seit Jahren. „Durch Berührung entsteht Vertrauen. Viele kommen auch, um zu reden.“

Was sie aus der Pädagogik mitgenommen hat, hilft ihr bis heute. „Zuhören. Wahrnehmen. Herausfinden, was der Mensch braucht.“ Der Unterschied: „Jetzt kann ich mir für jeden Einzelnen Zeit nehmen. Und ich sehe sofort, was meine Arbeit bewirkt.“ Ihren früheren Beruf schlechtreden will sie nicht. Im Gegenteil. „Elementarpädagogik ist unglaublich wichtig. Vielleicht war ich zu sensibel und zu wenig pragmatisch für das Bildungssystem.“ Für sie war die Umorientierung der richtige Schritt. „Meine Hände kneten noch, nur die bunte Knetmasse fehlt.“ Ihr Anspruch ist derselbe: dass es anderen dank ihrem Einsatz besser geht.

„Jetzt kann ich mir für jeden Einzelnen Zeit nehmen. Und sehe sofort, was meine Arbeit bewirkt“ Doris Wasner hat als Masseurin denselben Anspruch wie als Elementarpädagogin: anderen helfen


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„Selbst mit einem Menschen mit fortgeschrittener Demenz kann ich Schmäh führen“ Ihre neue Tätigkeit als Pflegerin gibt Michaela Wernicke Sinn

„Ich gehe in die Pflege.“ Die Reaktionen auf diese Aussage waren nicht durchwegs begeistert, erzählt Michaela Wernicke. Zumal sie für den Berufswechsel eine Stelle im Marketing aufgab. Von der Privatwirtschaft in den Sozialbereich, von spannenden Marketingkonzepten zur Körperpflege alter Menschen? Ja, sagt Michaela. Sie hat sich die Sache gut überlegt. „Nach meinem Marketing-Studium habe ich gleich meinen ersten Job bei Maresi begonnen, wo sehr viele Marken betreut werden. Ich war sehr zufrieden dort und bin 22 Jahre lang geblieben. Für die Entscheidung, mich umzuorientieren, habe ich mir wirklich viel Zeit gelassen.“

In den Job, der sie so lange erfüllt hatte, schlich sich die Sinnfrage. „Nachdem man eine gewisse Anzahl an Brotaufstrichen auf den Markt gebracht hat, braucht man Veränderung.“ An diese tastete sich Michaela heran. Erst nachdem sie zunächst ehrenamtlich in einem der „Häuser zum Leben“ Zeit mit einer alten Dame verbracht hatte, entschied sie sich für eine Ausbildung bei der Caritas, bei der sie Pflegeassistenz und Fachsozialbetreuung erlernte. „Ersteres ist die körperliche Pflege, damit kann man in Altersheimen und Krankenhäusern arbeiten. Im zweiten Teil der Ausbildung befasst man sich mit Betreuung und Aktivierung, etwa Demenzbegleitung.“

Über die Ausbildung, bei der fast die Hälfte der Stunden aus Praktika besteht, hat Michaela nur Gutes zu sagen, ebenso über die Unterstützung durch den waff. „Wer wie ich zwei Kinder hat, kann sich eine solche Vollzeit-Ausbildung ohne finanzielle Hilfe nicht leisten.“ Direkt nach ihrem Abschluss begann sie vor sechs Monaten ihre neue Arbeit als Pflegeassistentin in einem Pflegeheim der Caritas Socialis. Statt der „homogenen Marketing-Truppe“, die über zwanzig Jahre lang Michaelas Team war, arbeitet sie jetzt mit Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen, mit verschiedenen Hintergründen und Werten zusammen. Immerhin gibt es, anders als in einem der Praktika, an Michaelas aktuellem Arbeitsplatz keine Sprachbarriere: „Alle sprechen sehr gutes Deutsch.“ Noch mehr Berufsstolz würde sie sich allerdings wünschen. „In meinem alten Job haben wir uns wegen jeder Kleinigkeit selbst gefeiert.“ Michaela versucht, den Ansatz mit in den neuen Job zu nehmen. Ich sage immer wieder: Unsere Arbeit ist cool – wir sind cool!“ Auch der Umgang mit den Bewohner:innen gefällt ihr. „Selbst mit einem Menschen mit fortgeschrittener Demenz kann ich Schmäh führen.“ Und die Körperpflege? „Ich habe mich gut daran gewöhnt, das gehört einfach zum Job.“ Abwägen und ausprobieren. Das ist für Michaela das Wichtigste für einen gelungenen Quereinstieg. Für sie hieß das: lange Vorbereitung, freiwilliges Schnuppern – und ein pragmatischer Zugang. Etwas geringeres Gehalt? Nicht optimal, aber dafür nimmt sie Arbeit jetzt nicht mehr mit nach Hause und hat auch unter der Woche Tagesfreizeit. Elfstündige Schichten? Anstrengend, aber es kommt darauf an, was man aus den Stunden macht. „Ich versuche, die Menschen zu sehen und ernst zu nehmen – und sie spüren das. Diese Arbeit gibt mir mehr Sinn als mein alter Job.“

Karin Wasner

Unsere Arbeit ist cool


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Von Träumen im Klassenraum „Ich möchte aus meinen Schüler:innen das Beste herausholen“

„Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht gerne in die Schule gehe.“ Für Ingo Hagspiel war der Wechsel in den Lehrberuf eine bewusste Entscheidung. Immer einfach war dieser Weg nicht – aber das kennt er schon aus früheren Lebensphasen. Schon der Einstieg ins Berufsleben war holprig. In Vorarlberg suchte er nach einer Lehrstelle, obwohl er bereits die Matura hatte – etwas, das damals vielerorts skeptisch gesehen wurde. „Viele Betriebe hatten Angst vor Interessenskonflikten mit jüngeren Lehrlingen.“ Nur ein Unternehmen war bereit, ihm eine Chance zu geben: der Seilbahnhersteller Doppelmayr. Ein Glücksgriff. Ingo blieb fast zwei Jahrzehnte, entwickelte sich vom Techniker zum SupplyChain-Manager in leitender Funktion und fühlte sich dem Unternehmen immer verbunden.

Ingrid Hagspiel

Als Lehrer gibt Ingo Hagspiel sein Wissen aus der Privatwirtschaft weiter

Der Wendepunkt kam während der CoronaPandemie. „Ich war gerade Vater geworden und wollte nicht mehr jeden Tag von früh bis spät im Büro verbringen.“ Ein Gespräch mit einem Freund, Lehrer an der Polytechnischen Schule Dornbirn, brachte ihn auf eine neue Idee: Quereinsteiger mit technischer Erfahrung wurden dringend gesucht. Ob er sich vorstellen könne zu unterrichten? Er konnte – zumindest in der Theorie. In der Praxis begann alles ziemlich abrupt. „Ich bekam die Unterlagen, den Schlüssel zum Klassenzimmer – und dann ging es los.“ Der Unterricht startete noch vor der formalen Zusatzausbildung zum Sondervertragslehrer. Auch das Studium verlief anders als erwartet: Aus einer kurzen Fortbildung wurde ein ganzes Masterstudium an der PH Vorarlberg. „Nicht immer gut organisiert, aber inhaltlich spannend. Und ich habe es mit Erfolg abgeschlossen.“

BOKU academy

Mittlerweile hat er sich in der Schule eingelebt. Heute unterrichtet Ingo Mathematik, naturwissenschaftliche Grundlagen, technisches Werken und Sport. Fachlich fühlt er sich im neuen Beruf dank seiner langjährigen Vorerfahrung völlig sicher – eine größere Herausforderung sieht der Lehrer er auf einer anderen Ebene seiner neuen Aufgabe: „Viele Jugendliche haben keine klaren Ziele mehr. Sie glauben nicht an sich und haben keine Träume.“ Genau hier setzt seine Motivation an.

„Ich will aus meinen Schüler:innen das Beste herausholen. Sie sollen erkennen, dass sie sich ihre eigene Zukunft verbauen, wenn sie sich nichts zutrauen und nichts investieren.“ Seine Erfahrungen aus der Industrie helfen ihm dabei, Schule mit der Realität des Berufslebens zu verbinden. Parallel unterstützt er bei Doppelmayr weiterhin Lehrlinge mit Nachhilfe. „Auch dort ist Unterrichten nicht immer einfach – aber es erfüllt mich. Und ich lerne selbst jeden Tag dazu. Diese persönliche Entwicklung ist mir genauso wichtig wie die meiner Schüler:innen.“

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Scheideweg Hö rsaal oder Werkstatt? Wohin der Weg nach dem Pflichtschulabschluss führt, prägen Herkunft, Region und gesellschaftliche Erwartungen. Die Entscheidung hat weitreichende Folgen für Arbeitslosigkeit, Einkommen und Aufstiegschancen Ob Jugendliche sich für die Uni oder eine Lehre entscheiden, hängt stark von ihrem sozialen Umfeld ab

Die Entscheidung zwischen Lehre und Studium ist selten rein individuell. Zwar spielen Interessen, Begabungen und fachliche Vorlieben eine wichtige Rolle, doch genauso prägend ist das soziale Umfeld. „Vor allem das nahe Umfeld wie Eltern, Verwandte, Freunde und Lehrer haben von frühester Kindheit an einen starken Einfluss, in welche Richtung Jugendliche gehen“, sagt Eva Heckl von der KMU Forschung Austria. Ebenso beeinflussen soziale Medien, öffentliche Debatten oder Kampagnen die Entscheidung. „Kinder und Jugendliche sind schon vorgeprägt, lange bevor diese überhaupt mit Berufsberatung oder Informationsangeboten in Kontakt kommen.“ Auch regionale Unterschiede spielen eine große Rolle. In ländlichen Regionen, wo es sichtbare Vorbilder aus der Lehre gibt und Betriebe stark verankert sind, werden handwerkliche und technische Berufe anders wahrgenommen als in Großstädten. „Wenn ich sehe, dass in den Betrieben in meiner Umgebung Schlüsselfachkräfte Lehrabsolventen sind, die mit ihrem Einkommen gut leben können, Familie haben und abgesichert sind, prägt das meine Einstellung ganz massiv“, so Heckl. In Städten wie Wien hingegen ist der akademische Pfad dominanter. „Das Bildungswahlverhalten hängt stark von regionalen Angebotsstrukturen ab“, erklärt Mario Steiner vom Institut für höhere Studien. Die Lehre ist längst nicht mehr Plan B

„Die Option ‚Lehre nach der Matura‘ wird viel zu wenig kommuniziert, gerade an Gymnasien“ Eva Heckl, KMU Forschung Austria

Manchmal zeigt sich diese Prägung in der Frage, ob die Lehre eine „zweite Wahl“ sei. Diese Zuschreibung gilt als verkürzt und sozial selektiv. „Ob Lehre oder Studium als zweite Wahl wahrgenommen wird, hängt stark davon ab, aus welcher gesellschaftlichen Schicht man kommt“, erklärt Heckl. Während in akademisch geprägten Haushalten das Studium häufig als selbstverständlich gilt, war die Lehre historisch gesehen lange ein anerkannter Bildungsweg und ist es auch heute. Ein weiterer Faktor sind Zugangshürden: Da für eine Lehre kein Maturaabschluss erforderlich ist, wird sie schneller als Ausweichoption dargestellt. Dieses Denken verfestigt häu-

fig das Bild der Lehre als „Plan B“, obwohl die Arbeitsmarktdaten eine andere Sprache sprechen. Lehrabsolvent:innen haben sehr gute Einstiegschancen in den Arbeitsmarkt, oft sogar bessere als AHS-Maturant:innen ohne weitere Qualifikation. Viele Lehrberufe eröffnen zudem den Weg in die Selbstständigkeit, oft deutlich schneller als akademische Laufbahnen. Programme wie „Lehre mit Matura“ könnten hier Brücken schlagen, sind aber bislang ein Minderheitenmodell. Es wird auf die enorme Doppelbelastung verwiesen und darauf, dass die Lehre oft gerade von jenen gewählt wird, die sich in der Schule ohnehin schwergetan haben. Deutlich unterbewertet ist hingegen die Lehre nach der Matura. „Diese Option wird viel zu wenig kommuniziert, gerade an Gymnasien, obwohl sie für viele eine Alternative zum Studium und einen sehr guten und praxisnahen Einstieg in den Arbeitsmarkt bieten würde“, sagt Heckl.

Abschluss als Fundament – Bildung als Absicherung Bei der Entscheidung zwischen Lehre und Studium geht es Jugendlichen weniger um die Frage, welcher Weg „besser“ ist. „Wichtig ist am Ende nicht die konkrete Ausbildungsform, sondern, dass überhaupt ein Abschluss erreicht wird“, sagt Steiner. „Wer keinen Abschluss auf Sekundarstufe II erwirbt, trägt ein deutlich höheres Risiko, dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu sein.“ Besonders deutlich zeigt sich das bei den sogenannten frühen Bildungsabbrecher:innen. Ihre Arbeitslosenquote liegt bei 12 Prozent. „Personen ohne Abschluss auf der Sekundarstufe II weisen massiv erhöhte Arbeitslosenquoten auf“, sagt Steiner. „Viel besser sieht die Situation für jene aus, die einen Abschluss auf Sekundarstufe II oder darüber haben.“ Laut Statistik ist es für das Arbeitslosigkeitsrisiko dann nahezu unerheblich, ob jemand eine Lehre, eine berufsbildende Schule oder ein Studium abgeschlos-

Marlene Fröhlich/www.luxundlumen.com, PV productions/Shutterstock

Text: Sophie Hanak


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Ausbildungsfeld Dienstleistungen hingegen führt Salzburg mit 3.972 Euro, gefolgt von Vorarlberg mit 3.926 Euro und Kärnten mit 3.727 Euro.

Über den Tellerrand schauen

Sich von Gewohnheiten, Erwartungen anderer und familiären Traditionen zu lösen, ist für die Wahl ratsam

sen hat. Der entscheidende Faktor ist der Abschluss selbst. Die Erwerbstätigenquote von Absolvent:innen österreichischer Hochschulen 36 Monate nach Abschluss ist 82,7 %. Deutliche Unterschiede zeigen sich hingegen beim Einkommen. „Das Einkommensniveau folgt einer sehr klaren Stufenlogik nach Bildungsabschluss“, sagt Steiner. Am unteren Ende stehen jene ohne Abschluss auf Sekundarstufe II, darauf folgen Lehrabsolvent:innen, danach Absolvent:innen berufsbildender mittlerer Schulen, dann AHS- und BHSMaturant:innen. An der Spitze liegen Universitäts- und Fachhochschulabschlüsse. Auch wenn Akademiker:innen später ins Erwerbsleben einsteigen, gleicht sich dieser Nachteil meist aus. „Über das gesamte Erwerbsleben betrachtet erzielen Hochschulabsolvent:innen deutlich höhere Einkommen“, sagt Steiner.

„Zwar sind Akademiker:innen weiterhin sehr gut abgesichert, doch auch Lehrabsolvent:innen haben niedrige Arbeitslosenquoten, vor allem jene in handwerklichen Berufen“, betont Heckl. Tätigkeiten, die körperliches Geschick, unvorhersehbare Umgebungen oder direkten Kundenkontakt erfordern, etwa im Handwerk, in der Pflege oder in der Technik vor Ort, lassen sich deutlich schwerer standardisieren. „Viele dieser Tätigkeiten sind weniger leicht durch künstliche Intelligenz ersetzbar als wissensbasierte Routinetätigkeiten im akademischen Bereich“, so Heckl. Und wie findet man nun den besten Karriereweg? Mit Offenheit, sagen die Expert:innen. Außerdem raten sie Jugendlichen, die zwischen Studium und Lehre schwanken, zur Eigeninitiative. „Es ist entscheidend, die eigene Blase zu verlassen, sich über die Bandbreite an Ausbildungswegen ausreichend zu informieren und mit Menschen zu sprechen, die diese Wege tatsächlich gegangen sind“, sagt Heckl. Steiner ergänzt: „Ich rate Jugendlichen vor allem, sich an den eigenen Interessen zu orientieren. Wenn Interessen und Ausbildung zusammenpassen, steigen die Chancen auf eine stabile und zufriedene Karriere erheblich.“

„Wenn Interessen und Ausbildung zusammenpassen, steigen die Chancen auf eine stabile und zufriedene Karriere erheblich“ Mario Steiner, Institut für höhere Studien

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Pablo Merchán Montes/Unsplash, Studio Matphoto

Wohnort plus Fachbereich ist Gehalt Doch nicht jedes Studium gibt automatisch die Sicherheit, einen gut bezahlten Job zu finden: Das ist stark vom gewählten Fach und auch der Region abhängig. So verdienen Absolvent:innen beispielsweise im Bundesland Vorarlberg durchschnittlich 4.288 Euro brutto pro Monat, in Oberösterreich 4.129 Euro und in Burgenland nur 3.768 Euro. Werden die Einkommen nach Ausbildungsfeld betrachtet, ergibt sich ein noch differenzierteres Bild. In der Informatik und Kommunikationstechnologie werden die höchsten Medianverdienste in Vorarlberg mit 4.713 Euro und in Wien mit 4.674 Euro erzielt. Auch im Bereich Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Bauwesen liegt Vorarlberg mit 4.897 Euro an der Spitze, gefolgt von den industriell geprägten Bundesländern Oberösterreich und der Steiermark. Im Studienfeld Gesundheit und Sozialwesen werden ebenfalls ganz im Westen die höchsten Einkommen erreicht, hier mit 6.505 Euro. Dahinter liegen Tirol und das Burgenland. Im

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Lehrlinge im Porträt Labore, Prüfungen und Blumen Praxisnah, bezahlt, mit klarer Perspektive. Eine Lehre bietet viel – kann aber auch herausfordernd und belastend sein. Vier Lehrlinge erzählen von ihrer Berufsentscheidung und ihrem Alltag in der Arbeit Text: Sophie Hanak

„Ich wollte etwas mit meinen Händen tun“

Marina wird zur pharmazeutischkaufmännischen Assistentin ausgebildet

Amar macht eine Lehre als Elektrotechniker, er ist im zweiten Lehrjahr

Marina Tocic ist 16 und im zweiten Lehrjahr zur pharmazeutischkaufmännischen Assistentin. Sie arbeitet in einer Apotheke in Wien. Nach der Mittelschule besuchte sie eine polytechnische Schule und absolvierte berufspraktische Tage in jener Apotheke, in der sie heute lernt. „Ich wollte früh arbeiten, mein eigenes Geld verdienen und nach der Ausbildung selbstständig sein“, erzählt Marina. Dienstags und donnerstags besucht sie die Berufsschule, an den anderen Tagen arbeitet sie von 8 bis 18 Uhr, jeden zweiten Samstag zusätzlich bis 12 Uhr. Der Tag beginnt mit Warenübernahme und Lagerkontrolle. Sie nimmt Lieferungen an, räumt Medikamente ein und führt Telefongespräche. Medizinische Detailfragen leitet sie an die Pharmazeut:innen weiter. Besonders gefällt ihr, dass sie jeden Tag etwas Neues lernt und Zusammenhänge direkt in der Praxis sieht. Die Lehrabschlussprüfung gilt als anspruchsvoll. Marina berichtet von einer Klasse mit über zwanzig Personen, von denen kaum jemand beim ersten Antritt durchkam. „Für die Prüfung muss man sich sehr gut vorbereiten.“ Im Laborteil müssen etwa Salben, Kapseln oder Zäpfchen hergestellt werden. Auch ein Theorieteil und mündliche Prüfungen gehören dazu. Rückhalt bekommt Marina von zuhause. Ihre Mutter ist Kindergartenpädagogin, ihr Vater Maschineneinsteller. „Beide unterstützen mich sehr und helfen mir auch beim Lernen“, erzählt Marina.

Sophie Hanak, privat

Amar ist 17 Jahre alt und arbeitet im zweiten Lehrjahr als Elektrotechniker in einem Wiener Betrieb. Nach der Mittelschule entschied er sich bewusst gegen eine weiterführende Schule. „Ich wollte nicht nur sitzen und lernen, ich wollte etwas mit meinen Händen tun.“ Er informierte sich über mehrere Lehrberufe – Elektrotechnik sprach ihn gleich an. Sein Arbeitstag beginnt um sieben oder acht Uhr. Meistens arbeitet er draußen auf Baustellen, installiert Leitungen oder behebt Störungen in Wohnungen oder Häusern. Genau dieser praktische Aspekt reizt ihn. „Den ganzen Tag im Büro zu sitzen wäre nichts für mich.“ Amar lacht. „Im Winter ist es oft sehr kalt auf den Baustellen und in den Rohbauten, doch daran muss man sich gewöhnen“. Die Berufsschule besucht er blockweise. Auf dem Stundenplan stehen Theorie, Labor, wirtschaftliche Fächer und politische Bildung – alles mit Bezug zur Elektrotechnik. Ob er später die Matura nachholt, lässt er offen. Seine Eltern haben ihn nicht in eine bestimmte Richtung gedrängt. „Sie waren einfach glücklich, dass ich etwas gefunden habe, was mir Spaß macht“, sagt Amar. Auch die finanzielle Seite spielte eine Rolle bei seiner Entscheidung. „Mir war es wichtig früh mein eigenes Geld zu verdienen.“ In seiner Freizeit spielt Amar Basketball, ein Ausgleich zu einem Beruf, der ebenfalls körperlichen Einsatz verlangt. Für Amar ist klar: Die Lehre war für ihn der richtige Weg.

„Man lernt jeden Tag etwas Neues“


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Netz NÖ / Daniela Matejschek, Sophie Hanak

„Kein Tag ist gleich“ Anika Mang ist 24 und zeigt, dass die Elektrotechnik nicht nur männlich geprägt ist. Sie entschied sich aber erst nach der Matura dazu, die Lehre in diesen Bereich zu machen; auf die Idee brachte sie ihr Großvater, der selbst in dem Bereich arbeitete. Die Berufsschule besucht sie geblockt: pro Lehrjahr rund zehn Wochen am Stück. Dort stehen Mathematik, Labor und Messübungen auf dem Plan. Vieles von dem, was sie wirklich braucht, lernt sie aber nicht im Klassenzimmer, sondern im Einsatz: indem sie Kolleg:innen fragt und Schritt für Schritt in die Praxis hineinwächst. Unterstützung gibt es auch im Betrieb selbst: „Wir haben immer wieder Schulungen und werden sehr gut gefördert.“ Dazu gehört beispielsweise ein Motorsägen-Kurs, um heruntergefallene Äste aus Strommasten zu entfernen. Als Lehrling arbeitet sie überwiegend draußen. Der Tag beginnt meist um sieben Uhr. Sie arbeitet an Strommasten oder Kabelverteilern, im Winter oft bei gefrorenem Boden. Die Kälte ist der größte Nachteil, doch die Abwechslung überzeugt sie. „Kein Tag ist gleich. Das war mir sehr wichtig.“ Mit mehr Erfahrung kommen auch mehr Befugnisse. Auf Masten klettern darf man erst im zweiten Lehrjahr. Wenn Störungen passieren, darf Anika nur tagsüber dabei sein, nachts noch nicht. „Das kommt erst mit dem Lehrabschluss“, sagt sie. Nach der Lehre will sie genau in diesen Bereich: „Ich möchte auf jeden Fall die Dienstprüfungen machen, sodass ich in den Störungsdienst einsteigen kann.“ Dafür braucht es spezielle Prüfungen, weil im Netzbetrieb jeder Handgriff sitzen muss und Fehler lebensgefährlich sein können. In ihrem Ausbildungsstandort ist sie als junge Frau noch eine Ausnahme. „Es funktioniert aber sehr gut. Anfangs wollten mir die Kollegen noch die schweren Sachen abnehmen, was mich zuerst freute, aber dann war es eigentlich nur mehr anstrengend.“ Wenn sie heute auf ihre Entscheidung zurückblickt, klingt sie kompromisslos. Sie würde den Weg wieder wählen, aber früher. „Dann hätte ich die Matura gar nicht gemacht.“

„Man macht den Menschen eine Freude“

Anika ist eine der wenigen Frauen in der ElektrotechnikLehre

Christian hat die Gartenbaulehre mit einer Floristiklehre kombiniert

Christian Meches ist 28 und hat seine Lehre schon vor mehreren Jahren abgeschlossen. Nach der Volks- und Hauptschule besuchte er das Polytechnikum. „Ich wollte immer eine Lehre machen“, sagt er. „In meiner Familie arbeiten fast alle handwerklich.“ Ursprünglich wollte er Florist werden, fand aber keine Lehrstelle. Daher begann er eine Lehre als landwirtschaftlicher Gärtner. Er arbeitete in der Pflanzenproduktion, in der Baumschule und in Parks. Einmal pro Woche besuchte er die Berufsschule und setzte das Gelernte direkt um. Nach der Lehrabschlussprüfung hängte er ein zusätzliches Jahr für die Floristiklehre an. Die Kombination erweitert seine Möglichkeiten: Gärtner:innen produzieren Pflanzen, Florist:innen gestalten Sträuße und Dekorationen. Christian zieht es klar zu Letzerem: „Weil man damit den Leuten eine Freude macht. Und Ich bin nicht für die Kälte gemacht. Als Gärtner ist man sehr viel draußen und bei minus 15 Grad Bäume umsetzen ist einfach nichts für mich“, lacht er. Heute arbeitet Christian in einem Wiener Floristikbetrieb. Sein Tag beginnt kurz vor acht: aufsperren, Ware vorbereiten, reinigen, Blumen versorgen, Aufträge ausführen, beraten und verkaufen. „Es ist schon ein sehr fordernder Beruf“, sagt er. „Es ist nicht so, dass wir in der Floristik nur Blümchen binden, die Arbeit ist oft körperlich sehr anstrengend.“ Was Christian am meisten Freude macht, überrascht zunächst: Trauerarbeit. Genauer gesagt die Beratung rund um Begräbnisse. Er begleitet Kund:innen und kann sich gut in ihre Situation einfühlen. Wenn Christian auf seinen Weg zurückschaut, würde er ihn wieder so gehen. „Ich würde wieder beides machen“, sagt er über Gärtnerlehre und Floristik. Nicht nur, weil ihm das kreative Arbeiten liegt, sondern weil die Kombination ihm ein breiteres Verständnis gibt.


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Mental Health „ Viele funktionieren – aber spüren sich nicht mehr“ Coach Michael Rosenberg erklärt, warum psychische Erschöpfung heute früher beginnt – und was Studierende, Lehrlinge und Berufseinsteiger:innen konkret tun können Karin Wasner

Social Media. Keine Minute mit sich, bloß keine Langeweile. Technische Möglichkeiten haben unser Leben nicht entschleunigt, sondern beschleunigt. Dazu kommt die wirtschaftliche Unsicherheit, Krieg, Klimakrise und das Gefühl, immer funktionieren zu müssen. Viele Menschen stehen permanent unter Strom – ohne echte Verbindung zu sich selbst. Sie „spüren“ sich nicht mehr. Warum fühlen sich junge Menschen in Ausbildung oder Studium besonders belastet? Rosenberg: Weil sie in einer Welt voller Möglichkeiten, Erwartungen und Krisen aufwachsen. Sie sollen erfolgreich, fit, ausgeglichen, kreativ und flexibel sein – und vergleichen sich dabei ständig mit idealisierten Bildern aus Social Media. Viele erleben Orientierungslosigkeit, gleichzeitig fehlt Raum zum Ausprobieren, Scheitern und zur Entwicklung einer eigenen Identität. Was beobachten Sie bei jungen Menschen, die Hilfe suchen, besonders häufig? Rosenberg: Starken Leistungsdruck, permanentes Vergleichen und die Angst, nicht zu genügen. Die Vielzahl an Möglichkeiten überfordert viele. Viele zweifeln an sich selbst. Sie haben das Gefühl, nicht schnell genug, nicht gut genug oder nicht belastbar genug zu sein. Dieser innere Druck ist oft größer als der tatsächliche äußere Leistungsanspruch. Herr Rosenberg, was machen Sie beruflich? Michael Rosenberg: Ich begleite Menschen in herausfordernden Lebens- und Arbeitssituationen. Als Coach und Lebens- und Sozialberater arbeite ich in der Männerberatung sowie in einem großen Unternehmen, wo Mitarbeitende anonym und kostenlos Unterstützung bekommen – unabhängig von Position oder Einkommen. Was bedeutet Mental Health für Sie? Rosenberg: Für mich ist Mental Health ein ganzheitliches Thema. Es umfasst Psyche, Körper, Beziehungen, Arbeit und das soziale Umfeld. Ich arbeite systemisch und schaue immer auf den ganzen Menschen. Hat sich die psychische Belastung in den letzten Jahren verändert? Rosenberg: Absolut. Der gesellschaftliche Druck ist gestiegen: ständige Erreichbarkeit, Vergleiche über

Was kann diesen jungen Menschen helfen? Rosenberg: Sich Zeit zu nehmen für die Frage: Wer bin ich eigentlich? Was brauche ich wirklich, was will ich? Die eigenen Werte, Talente und Bedürfnisse zu hinterfragen. Mentale Stabilität entsteht, wenn junge Menschen ihre Individualität schätzen lernen und nicht versuchen, fremde Ideale zu erfüllen. Mit welchen Themen kommen Menschen aus der Arbeitswelt zu Ihnen? Rosenberg: Burn-out ist ein häufiges Thema, meist begleitet von Schlafproblemen, innerer Unruhe oder Suchtverhalten – das sind die ersten Warnzeichen. Alkohol, Drogen oder Medikamente helfen oft, im Alltag zu funktionieren. Im Arbeitskontext geht es immer wieder auch um Mobbing oder Machtmissbrauch. Viele Menschen funktionieren lange, bevor sie sich Unterstützung holen – oft zu lange. Und zwar, weil psychische Belas-

Martin Hesz

Michael Rosenberg sieht alle Aspekte mentaler Gesundheit: Körper, Psyche, Beziehungen, Arbeit und Privates


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Was müsste passieren, um das zu ändern? Rosenberg: Wir brauchen Psychoedukation von klein auf – in den Kindergärten, in den Schulen. Junge Menschen brauchen früh Räume, um über Gefühle, Konflikte und Krisen zu sprechen. In vielen Elternhäusern kommt das zu kurz. Statt persönlichen Gesprächen oder gemeinsamen Unternehmungen werden Kinder leider oft vor dem Smartphone oder Tablet geparkt. Konkrete Abhilfe könnte etwa ein Schulfach fürs Leben schaffen – mit Fokus auf Selbstwahrnehmung, Beziehungskompetenz und Resilienz. Das wäre ein großer Schritt. Wir müssen jungen Menschen beibringen, mit Krisen, Konflikten und Emotionen umzugehen. Viele meiner Kolleg:innen setzen sich für frühere Interventionen und Prävention ein.

zen, Nein sagen, Handy weglegen und bewusst Zeit für sich schaffen. Es geht darum, sich selbst wieder wichtiger zu nehmen als Erwartungen von außen – oder das Außen generell. Wichtig sind kleine Rituale im Alltag, die guttun: Bewegung, Natur, Kreativität oder einfach mal: Stille. Statt die U-Bahn zu nehmen und den Insta-Feed zu checken, mal durch den Park spazieren, bewusst atmen, wahrnehmen, runterkommen. Statt das neue Tech-Tool oder den nächsten Urlaub zu recherchieren, mache dir eine Tasse Tee und gönne dir Zeit nur mit dir und deinen Gedanken. Ein letzter Satz für junge Menschen auf ihrem Bildungs- oder Berufsweg? Rosenberg: Entdecke dich selbst! Folge deinem Herzen, keinen Schablonen. Hab keine Angst vor dem Scheitern und finde heraus, was dich erfüllt. Und: probiere dich aus!

Was kann jede:r für die eigene mentale Gesundheit tun? Rosenberg: Wichtig ist: nicht alles alleine tragen, sich mit anderen austauschen. Das müssen nicht unbedingt Professionisten sein, das kann die Freundin sein, der Opa, der Partner. Reden hilft. Ist „Mach mal Pause“ ein hilfreicher Rat? Rosenberg: Grundsätzlich ja – aber Pausen zu machen muss gelernt werden. Das bedeutet: Grenzen set-

Michael Rosenberg

Hilfe für Menschen in Krisen: www.mentalhealthdays.eu www.oeh.ac.at/helpline www.psz.co.at/onlineberatung www.psd-wien.at www.promenteaustria.at Ö3-Kummernummer: 116 123 Telefonseelsorge: 142 Psychologisches Beratungsservice: 01/504 8000 PSD Sorgenhotline: 01/4000 53 000 Rat auf Draht: 147

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„Mentale Stabilität entsteht, wenn junge Menschen ihre Individualität schätzen lernen und nicht versuchen, fremde Ideale zu erfüllen“

Image: CEU / Daniel Vegel

tung noch immer mit Scham verbunden ist. Viele glauben, sie müssten alles alleine bewältigen. Wir haben Fitness-Coaches, Ernährungs-Coaches, aber sich für sein psychisches Wohlbefinden Unterstützung zu holen, ist noch ein Tabuthema.


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Wenn es um Up-Skilling und Re-Skilling geht, drücken nicht nur Jugendliche die Schulbank

Kompetenzen, und das betrifft nicht nur Bürotätigkeiten, erklärt Marko Miloradović, Geschäftsführer des Wiener Arbeitnehmer*innen Förderungsfonds (waff): „In einer Autowerkstätte wird heute oft zuerst zum Computer gegriffen und dann erst zum Schraubenzieher. Berufsbilder und Anforderungen ändern sich, genauso wie die Biografien der Menschen: Früher hat man in einer Firma begonnen und ist dort bis zum Schluss geblieben, aber heute ist das Berufsleben mit mehr Bedeutung aufgeladen. Lebenslanges Lernen ist also notwendig, um mithalten zu können.“

Weiterlernen sichert Jobs

Weiterbildung Heute schon etwas Neues gelernt? Weiterbildung ist die beste Strategie, um beruflich mithalten zu können, besonders in schwierigen Zeiten. Lebenslanges Lernen stärkt außerdem das Selbstvertrauen

Lebensbegleitendes Lernen kann auf zwei Ebenen erfolgen. Werkstattarbeit mit Hilfe eines Computers ist ein Beispiel für Up-Skilling bzw. Weiterbildung: Mit neuen Kenntnissen und Fähigkeiten kann eine gewohnte Tätigkeit effizienter erledigt werden bzw. nach dem neuesten Wissensstand. Noch weiter führt ReSkilling, das bedeutet eine Neuqualifizierung oder Umschulung, um einen anderen Beruf zu erlernen; so kann man etwa die neue Ausbildung für Klimagärtner:innen absolvieren, Fassaden und Dächer begrünen und damit künftig das Stadtklima verbessern. Lebenslanges Lernen betrifft Menschen jeden Alters und in allen Berufsgruppen. Die Freude des Weiterlernens, die im privaten Alltag oft leicht fällt, gilt es auch im Berufsleben zu wahren – doch das ist nicht immer so einfach. Rund 40.000 Menschen werden beim waff jedes Jahr beraten und gefördert, berichtet Miloradović: „Es kann um berufliche Höherqualifikation oder überhaupt um eine neue Qualifikation gehen. Manche wissen genau, was sie wollen. Manche spüren nur, dass sie nicht mehr zufrieden sind, das kann zum Beispiel mit dem Alter zu tun haben, wenn man physisch nicht mehr so fit ist. Die Beweggründe für Veränderung sind also da, aber die Frage ist dann: Wie schaffe ich dies? Hier bieten wir persönliche Beratung, und zwar nicht nur einmal, sondern bis zum Ziel. Wer sich selbst informieren will, findet auf unserer Website eine umfangreiche Weiterbildungsdatenbank mit Kursen.“

Text: Michaela Ortis

Abschlusszeugnis geschafft, im Ohr Falcos legendärer Song „Nie mehr Schule“ … Die Realität sieht anders aus, denn das Lernen hört nicht auf. Dabei wird uns Lernen oft gar nicht bewusst, wir sind einfach neugierig: Etwa unlängst bei der Einladung im Freundeskreis, da wurden Pommes Frites serviert, knusprig aus dem Airfryer. Sofort bestaunten alle das Gerät und wollten wissen, wie das funktioniert. Gelegenheiten, bei denen wir nebenbei mit Spaß etwas dazulernen, kennen wir alle. Genauso wie das Kochen in der Freizeit verändern technologische Entwicklungen auch unsere berufliche Arbeit. Digitalisierung und künstliche Intelligenz verlangen von uns neue

Das Streben nach Weiterbildung und Umorientierung ist eine Sache – man muss es sich auch leisten können, speziell wenn das Ziel eine längere Schulung ist. Das betrifft sowohl die Finanzierung als auch die verfügbare Zeit. Denn wenn man für das Lernen Arbeitsstunden reduzieren muss, so wirkt sich das, zusätzlich zu den Kurskosten, auf das verfügbare Einkommen aus. Sich über Fördermöglichkeiten zu informieren, sei daher ein wesentlicher Schritt, so Miloradović: „Wir versuchen mit unserer Beratung, die vitale und erste Frage der Finanzie-

Getty Images/Unsplash

Förderungen nutzen


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rung zu lösen. Denn erst wenn alle Rechnungen bezahlt sind, hat man einen ruhigen Kopf und kann sich dem Schulbuch widmen.“ Ein Erfolgsmodell sei das Wiener Ausbildungsgeld, eine Förderung für Arbeitssuchende, die sich höher qualifizieren möchten und für die die Ausbildung länger als ein Jahr dauert. Damit könne beispielsweise die zweijährige Ausbildung zur Pflegefachassistenz finanziert werden. Außerdem gibt es Angebote für spezielle Gruppen, etwa für berufstätige Frauen, die in einen MINT-Beruf wechseln wollen: Ein Bachelorstudium an der FH wird mit bis zu 12.000 Euro gefördert, sodass die Arbeitszeit reduziert werden kann.

David Bohmann/waff

Mut zum Lernen zahlt sich aus Die EU-Benchmark „Lebenslanges Lernen“ stellt Österreich ein gutes Zeugnis aus: Demnach nehmen hierzulande Menschen im Alter von 25 bis 64 Jahren mit einer Beteiligungsquote von 17,1 % häufiger an Aus- und Weiterbildungen teil als der EU-Durchschnitt mit 15,9 % (Zahlen 2023). Das ist wichtig, denn ein dynamischer Arbeitsmarkt und hochentwickelte Volkswirtschaften, zu denen Österreich zählt, brauchen qualifizierte Arbeitskräfte. „Wir haben große wirtschaftliche Herausforderungen, aber die Dynamik ist gut. Das heißt: Je höher man qualifiziert ist, desto besser ist man gegen Arbeitslosigkeit immunisiert“, sagt Marko Miloradović.

Aus Erfahrung weiß er jedoch auch, dass es Mut braucht, sich zu verändern, viele Menschen seien von Selbstzweifeln geplagt. Daher kommuniziere der waff sehr niederschwellig, um verschiedene Alterskohorten und auch weniger bildungsaffine Gruppen anzusprechen, so Miloradović weiter: „Es ist nie zu spät, man darf immer gescheiter werden. Die Menschen, die zu uns kommen, sind am Ende ihres Ausbildungswegs oft wirklich überrascht, was sie alles geschafft haben. Sie können jetzt etwas, was sie sich vorher nicht zugetraut haben. Deswegen verstehen wir uns als mutmachende Institution.“

Marko Miloradović ist Geschäftsführer des waff

Links zum Weiterlernen Bildungs- und Förderberatung • in allen Bundesländern: erwachsenenbildung.at/bildungsinfo/orientierung/bildungsberatung.php • Bildungsbuch des BMFWF: www.bildungsbuch.at • AK Wien: wien.arbeiterkammer.at/erwachsenenbildung • AMS Berufslexikon: www.berufslexikon.at • waff: www.waff.at Kursangebote (Auszug) • Kursverzeichnisse österreichweit: erwachsenenbildung.at/bildungsinfo/bildungsangebote • Mehr als 10.000 Kurse in der WeiterbildungsDatenbank des waff: www.waff.at/kurssuche • 6 Kurse des Akademiker_innenzentrum Wien: www.akzent-wien.at • 66 berufsbegleitende Aus- und Weiterbildungsprogramme an der Uni Graz: www.uniforlife.at/de/weiterbildung

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Nützliches Zeug Z um Lernen und Pausemachen Denken mit der Hand Wirre Gedanken werden oft klarer, wenn man sie zu Papier bringt. Vor allem, wenn es Gedanken zur komplexen wissenschaftlichen Abschlussarbeit sind. Und wenn das Papier Beistand leistet: Wie das Thesis Journal von Leuchtturm1917. Es begleitet durch die Bachelor- oder Masterarbeit oder die Dissertation: vom Eingrenzen des Themas bis zum letzten Schliff. Journal und Stift funktionieren bisweilen besser als ChatGPT.

Allerleihen Die Zeit, in der man gedruckte Bücher zum Studieren brauchte, sind (fast) vorbei. Bibliotheken feiern trotzdem ein Comeback. Sie gehören zu den wenigen Orten, an denen man noch in Ruhe arbeiten kann. Außerdem gibt es in einigen mehr als nur Bücher. Etwa in der Wiener Bücherei: Die „Bücherei der Dinge“ hält Tonies, einen 3-D-Drucker, einen Green Screen, Playstation-Controller, Boomboxen, Balancierbretter, Jongliersets, Vakuumiergeräte und Wasserwaagen zum Ausleihen bereit.

Schönschreiben Handgeschriebenes hat heutzutage Seltenheitswert. Weil man gegen die immer noch fortschreitende Digitalisierung auf gesellschaftlicher Ebene eh nicht viel tun kann, bleibt nur eins – embrace it. Noch besonderer wird das Schreiben von Postkarten oder Liebesbriefen, wenn auch das Schreibgerät besonders ist: wie der kantige Drehkugelschreiber Avori von Faber-Castell aus 92 Prozent recycelten Materialien. Ein kleines Stück schlichter Schönheit – und mit 22 Euro auch noch recht preiswert.

Frische fürs Gehirn Es muss nicht immer gleich Ritalin sein. Steigerung der Konzentrationsfähigkeit und des Wohlbefindens geht auch sanfter: zum Beispiel mit den natürlichen Raumdüften von Evelyn Deutsch. Die aromatischen „Bleib gesund“-Produkte sorgen für eine belebende Atmosphäre und unterstützen die Atemwege. Die Duftmischung reinigt die Raumluft und fördert die Leistungsfähigkeit und Konzentration. Und nach der Lernsession findet der Nachtruhe-Duft Einsatz.

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Filme ohne Grenzen Lieber Netflix oder Kino? Eigentlich Kino, aber das kostet ja immer so viel … Moment – nicht mit dem Nonstop Kinoabo! Für 22 Euro (wenn man unter 26 Jahre alt ist) beziehungsweise für 24 Euro (für über 26-Jährige) monatlich kann man unbegrenzt viele Filme sehen. Und zwar in 40 Kinos in Österreich. In Wien sind 18 Lichtspielhäuser dabei. Für stilbewusste Cineast:innen hält Nonstop außerdem coolen Kino-Merch bereit.

Analoges Rodeo Ein Smartphone kann viel, aber nicht alles. Zum Beispiel keine analogen Fotos mit Retro-Charme produzieren. Das kann dafür die neue Fisheye No.2 Rodeo Denim. Sie ist mit einem gewagten 170°-Fisheye-Objektiv ausgestattet und liefert rundliche Lomografie-Schnappschüsse voller Vignetten, Lichtlecks und besonderer Effekte. Hier können Fotograf:innen aller Erfahrungsstufen auf 35-mm-Film kreativ werden!

Ein Quantum Fairness Die Wissenschaft ist weiblich. Grammatikalisch stimmt das, faktisch leider keineswegs. Die Plattform ATOM*INNEN will dazu beitragen, dass sich das ändert: Sie informiert, verbindet und empowert Frauen und Gender Minorities in der Quantenwissenschaft. Wer sich für eine wissenschaftliche Karriere interessiert, sich über Förderungen informieren oder einfach inspirierende Frauen kennenlernen will, ist hier richtig!

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Mangelberufe Der Ball liegt bei den Arbeitgebern In welchen Berufen ein Mangel an Arbeitskräften herrscht und wie Politik und Wirtschaft ihre Attraktivität steigern können Text: Bruno Jaschke

Auf der Liste mit 64 Mangelberufen, die der Bund für 2026 erstellt hat, stehen auch Ärzt:innen

Im April 2004 schrieb Elisabeth Gehrer, Unterrichtsministerin in der ÖVP-BZÖ-Regierung unter Wolfgang Schüssel, einen Brief an angehende Maturant:innen. Darin zeichnete sie für Lehramtsanwärter:innen, insbesondere in humanistischen Fächern, düstere Zukunftsperspektiven. Auch vor einer Ärzteschwemme ist durch die Ärztekammer noch bis Mitte der Nuller-Jahre gewarnt worden. Heute verzeichnet der Arbeitsmarkt einen Mangel in beiden Berufen. Prognosen für den Arbeitsmarkt sind problematisch, weil sie oft falsch verstanden werden. Wie Lukas Lehner, in Oxford promovier-

Die Liste für 2026 umfasst bundesweit 64 Mangelberufe. Auch für die Bundesländer werden – mit Ausnahme von Wien, wo die Situation weitgehend der bundesweiten gleicht – eigene Listen mit Mangelberufen erstellt. Ihnen kann man unter anderem entnehmen, dass es in Vorarlberg, Salzburg und der Steiermark zu wenig Philosoph:innen gibt, Oberösterreich mehr Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler:innen braucht und dem Burgenland außer Vermittler:innen (Makler:innen) und Menschen, die in der Hausverwaltung tätig sind – also Fachkräften aus der Immobilienwirtschaft –, nichts fehlt. Ansonsten zeigt sich in den Bundesländern regionaler Arbeitskräftebedarf im Tourismus, der Gastronomie, der Fürsorge sowie im Verkauf und Handel. Die Bundesliste weist außer Ärzt:innen und Elementarpädago:innen insbesondere Pflegekräfte, Handwerker:innen und Techniker:innen aller Art sowie Arbeitskräfte im Transportwesen, von Triebfahrzeugführer:innen über Gleisbauer:innen bis zu Fahrdienstleiter:innen, als Mangelberufe aus.

Akram Huseyn/Unsplash

ter Arbeitsmarktexperte und Assistenzprofessor an der University of Edinburgh, erläutert, ist es nämlich nicht ihre primäre Aufgabe, mit Gewissheit die Zukunft vorherzusagen: „Das zentrale Qualitätskriterium einer Prognose ist nicht ,Treffsicherheit‘ im Sinne einer Punktlandung, sondern Transparenz: Unter welchen Annahmen kommt welches Ergebnis zustande? Und was passiert, wenn zentrale Größen kippen?“ Bei Lehrer:innen konnte das personelle Defizit innerhalb des letzten Jahres durch Notmaßnahmen wie die Rekrutierung von Quereinsteiger:innen oder noch in der Ausbildung befindlichen Kräften leicht gemildert werden. Elementarpädagog:innen – ausgebildete Betreuer:innen für Kinder in Kindergärten, Kitas und Krippen – stehen indes noch immer auf der Liste der Mangelberufe, die das Arbeitsministerium Jahr für Jahr basierend auf Daten des Arbeitsmarktservice (AMS) erstellt. Als Mangelberuf definiert ist dabei ein Beruf, bei dem im Jahresschnitt auf eine offene (dem AMS gemeldete) Stelle weniger als 1,5 Bewerber:innen kommen.


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University of Edinburgh, Tanja Hofer

So wenig neu die Unterversorgung an Arbeitskräften in den meisten dieser Bereiche ist, so wenig sind es allerdings auch die Probleme, die ihrer Behebung im Wege stehen. Die Bedeutung von Pflegeberufen ist seit Ewigkeiten bekannt, und sie wird weiter steigen. Lehner bezeichnet sie als „Zukunftsbranche“ und zitiert den renommierten Harvard-Ökonomen Dani Rodrik mit der dramatischen These, „dass zukünftige Wohlstandsgewinne unter anderem von Produktivitätssteigerungen in der Pflege abhängen. Diese können durch organisatorische und technologische Veränderungen erreicht werden“. Ungeachtet aller unverbindlichen Versprechen und Belobigungen in Sonntagsreden aber hat sich an der prekären Situation der Pflegekräfte über die Jahre wenig geändert: Ihre Arbeit ist oft erschöpfend und meist nicht ausreichend bezahlt. Wie also sollen Anwärter:innen in den Beruf gelockt werden? „Selbst wenn man den Lohn nicht sofort massiv hebt, bleiben starke Hebel: Planbarkeit, Personalstand, Arbeitsorganisation“, führt Lehner ins Treffen. „Pflege scheitert in der Praxis häufig an Überlastung und fehlender Kontrolle über die eigene Zeit. Attraktivität entsteht, wenn der Job machbar bleibt. Dazu gehören verlässliche Dienstpläne, genug Personal, klare Entwicklungspfade und gute Ausbildung mit ordentlicher Praxisanleitung.“

Jungen Menschen Orientierungshilfen für die Wahl eines nachgefragten Berufes zu geben, ist bei der Volatilität des Arbeitsmarkts schwierig. Dasselbe gilt für die richtige Berufsvorbereitung. „Strategische Ausbildungsschwerpunkte und frühzeitige Anpassungen im Bildungssystem können helfen, bieten jedoch keine Garantie“, erläutert AMS-Geschäftsführerin Petra Draxl. „Wirtschaftliche und technologische Entwicklungen, die spezifische Anforderungen und neue Jobs schaffen, lassen sich nur begrenzt steuern.“ Besteht in einem Beruf einmal ein Schwund an qualifizierten Arbeitskräften, sei es, so betonen Draxl wie Lehner, der falsche Reflex, das Problem dem AMS zu überantworten. Den wirksamsten Hebel zur Beseitigung des Problems halte nämlich die Wirtschaft selbst in den Händen. „Unternehmen können vor allem durch Qualifizierung ihrer Mitarbeiter:innen, aber auch durch bessere Arbeitsbedingungen, attraktivere Arbeitszeitmodelle, gezielte Weiterbildung und realistische Anforderungsprofile viel dazu beitragen, Jobs und damit Berufe attraktiver zu machen“, betont Draxl. „So gewinnen sie auch das benötigte Personal, das sie ausbilden und weiterqualifizieren können. Arbeitskräftemangel ist nicht nur ein staatliches Problem, sondern auch eine Frage betrieblicher Verantwortung.“

Um einen Mangelberuf attraktiv zu machen, muss an mehreren Schrauben gedreht werden: „Neben dem Einkommen spielen auch Image, Arbeitsbedingungen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Entwicklungsmöglichkeiten eine entscheidende Rolle.“ Diese Faktoren, aber etwa auch Entscheidungen über Ausbildungsmöglichkeiten und/oder die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer:innen seien klar Hoheitsgebiet der Arbeitgeber:innen. „Und dann gibt es den großen Block des Arbeitskräfteangebots, das vor allem durch Demografie und Migration bestimmt wird“, ergänzt Lehner. Wenn Anerkennungsverfahren Jahre dauern, ist das keine Arbeitsmarktlogik, sondern ein administratives Problem. Man darf also nicht so tun, als hinge alles am AMS-Schalter.“ Vielmehr sollte die Wirtschaft Anzeichen zu lesen verstehen und ernst nehmen. „Knappheit ist ein Signal, das Märkte grundsätzlich gut senden“, betont Lehner. „Wenn Arbeitskräfte knapp sind, müssen Löhne steigen, Bedingungen besser werden, Prozesse produktiver werden. Politik kann das Arbeitskräfteangebot unterstützen, indem sie die nachgefragten Ausbildungen ausbaut, Kinderbetreuung und Pflegeinfrastruktur verbessert, um vor allem Frauen Erwerbsarbeit und Karrieren zu ermöglichen, Anerkennung von ausländischen Qualifikationen erleichtert und Integration generell so organisiert, dass Personen rascher im Beruf ankommen.“

„Wenn Arbeitskräfte knapp sind, müssen Löhne steigen und Bedingungen besser werden“ Lukas Lehner, Arbeitsmarktexperte und Assistenzprofessor an der University of Edinburgh

„Strategische Ausbildungsschwerpunkte und frühzeitige Anpassungen im Bildungssystem können helfen, bieten jedoch keine Garantie“ Petra Draxl, AMS-Geschäftsführerin

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Bücher, die bilden Über die Gegenwart, für die Zukunft In einer Welt, in der komplexe Sachverhalte in dreiminütige Videos gequetscht werden und Weiterblättern durch Weiterscrollen ersetzt wurde, ist das Lesen ganzer Bücher eine außergewöhnliche Sache. Wer sich trotzdem an die Lektüre heranwagt, wird sie aber oft als außergewöhnlich bereichernd erleben. Zumindest, wenn die Bücher hervorragend recherchiert und geschrieben sind. So wie diese Werke. Sie helfen, die Vergangenheit zu verstehen, die Gegenwart zu ertragen und die Zukunft mitzugestalten

Julian Nida-Rümelin: Epochenumbruch (Matthes und Seitz) Ein schmales Büchlein mit viel Gehalt: Der Philosoph und politische Theoretiker Julian NidaRümelin widmet sich in seinem Essay den gravierenden politischen Umbrüchen unserer Zeit. Was vielen, die diese Veränderungen in Echtzeit miterleben, diffus oder unklar scheint, erhält in Nida-Rümelins Analyse eine Kontur. Klarheit schafft der Autor nicht, indem er vereinfacht oder auf Eindeutigkeit pocht. Sondern indem er Komplexität zulässt: So zeichnet er etwa zwei Narrative nach, die Hintergründe und Erklärungsansätze für den russischen Angriff der Ukraine liefern. In dem inhaltlich dichten Text geht es unter anderem um Europas Verhältnis zu den USA und um die veränderte Position Chinas. Nida-Rümelin warnt vor Kriegspropaganda und einer Politik, die vermittelt, dass wir in einer Vorkriegszeit leben. Stattdessen plädiert er für Kooperation, Konfliktminderung und Der Essay des Stabilisierung.

bekannten deutschen Philosophen wirft einen Blick auf die aktuelle Weltpolitik

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wie die EU entstanden ist, welche Vorteile sie im Alltag bringt und wie sie funktioniert. Dabei knüpfen wir direkt daran an, was du bereits über die EU weißt. Wolltest du schon immer mal wissen, wie es ist Abgeordneter oder Abgeordnete zu sein? Das geht ganz einfach mit unserem Rollenspiel. In Gruppen zwischen 16 und 32 Personen lernen die Teilnehmenden etwa zwei Stunden lang spielerisch, wie Entscheidungen auf EU-Ebene getroffen werden.

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Roberto Simanowski: Sprachmaschinen (C.H. Beck) Das Vorwort zu diesem Buch hat ChatGPT geschrieben: Ein kleiner Scherz, auf den der Autor hätte verzichten können. Das ist aber auch schon alles, was an diesem Buch verzichtbar ist. Simanowski beschreibt verständlich (und mit gerade richtig vielen technischen Details) die Funktionsweise von LLMs, also „Sprachmaschinen“ wie Gemini, Claude oder ChatGPT. Und er untersucht, wie ihre Verwendung uns Menschen verändert: Der Medienphilosoph beschäftigt sich mit der mathematischen Natur der Textproduktion solcher Maschinen und analysiert, wie ihre Funktionsweise unsere Auseinandersetzung mit Sprache, aber auch unsere Wertesysteme beeinflusst. Seine Analyse ist genau, seine Beispiele sind eindrücklich. Und – so viel Spoiler darf sein – seine Einschätzung des radikalen gesellschaftlichen Wandels, der durch KI-Anwendungen bereits in Gang gesetzt wurde, ist nicht gerade positiv. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre Roberto Simanowski untersucht, wie künstfür alle sein, die KI nutzen.

liche Intelligenz unsere Kommunikation und Werte beeinflusst

Barbara Bleisch, Kirsten Meyer, Stefan Riedener, Dominic Roser, Christian Seidl: Besser um die Zukunft streiten (Hanser) „Klimadebatte“ könnte das Unwort des Jahres sein. Sie frustriert und spaltet. Die einen halten den menschengemachten Klimawandel für einen Mythos oder finden, wir haben dringendere Probleme. Die anderen sind erschöpft, weil sich politisch zu wenig ändert. Um wieder ins konstruktive Diskutieren – und ins Tun – zu kommen, hilft es, Phrasen wie „Man wird sich doch wohl noch etwas gönnen dürfen“ oder „Das mit dem Klimawandel ist ja alles unsicher“ differenziert zu betrachten. Fünf Philosoph:innen haben elf solche Aussagen auseinandergenommen. Verurteilungen bestimmter Positionen findet man nicht, genauso wenig wie konkrete Handlungsanweisungen. Stattdessen sind die Betrachtungen in diesem Buch ruhig; sie helfen, die „andere“ Seite zu verstehen. Und die eigene Meinung zu hinterfragen – etwas, das in jedem Wie kann es gelingen, die Veränderungsprozess nötig ist. Klimadebatte ruhig und konstruktiv zu führen? Fünf Philosoph:innen geben Antworten

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Kindergärten und Horte über 90 mal in Wien Ausgezeichnet mit dem

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Künstliche Intelligenz Irgendwas mit KI studieren In sämtlichen großen Städten Österreichs, von Vorarlberg bis ins Burgenland, werden mittlerweile KI-Studiengänge angeboten. Und die Hörsäle sind überfüllt. Aber wie sinnvoll ist eine akademische Laufbahn in der größten Hype-Domäne unserer Zeit wirklich? Text: Isabel Frahndl

Jenny Knauth, Studienkoordinatorin an der Johannes Kepler Universität

„Kein vergleichbares Studium“ Seitdem ist an Österreichs Hochschulen viel passiert. Die TU Wien, die Universität Klagenfurt, die FH Salzburg und weitere Hochschulen bieten mittlerweile Studiengänge und Fernstudien zu dem Trendthema an. Inmitten all dieser Kurse, die aus dem Boden der heimischen akademischen Landschaft schießen, bleibt ein Claim auf der Website der Linzer JKU stehen: „In Österreich gibt es kein vergleichbares Studium.“ Ein Relikt aus alten Tagen? Jenny Knauth verneint: „Weiterhin glauben wir, dass dieser Claim berechtigt ist, weil in diesem Studium alles abgedeckt wird. Im Bachelor wird mit

Fachkräfte, die an KI-Anwendungen arbeiten, sind gefragt – Studienplätze gibt es aber nicht überall genug

Mathematik und Programmieren wirklich das Handwerk gelernt, im Master dann vor allem die Machine-Learning-Spezialisierung draufgesetzt. Wir haben bis jetzt noch kein anderes Studium gesehen, das so vorgeht.“ Diese Basics hätten sich auch in den turbulenten letzten Jahren kaum geändert, betont Knauth, etwa neunzig Prozent gelten immer noch. Das Curriculum des Masterstudiums hingegen wird laufend angepasst und um Tracks erweitert. Mittlerweile gibt es Spezialisierungen auf Embedded Intelligence and Signal Processing, Symbolic AI and Mathematical Foundations, AI and Life Sciences und AI for Simulation. Mit letzterem Track wolle man die aktuelle Forschung abbilden, erklärt Knauth. „Denn AI spielt jetzt auch im Bereich Simulation eine große Rolle.“ Auch ein neues BA-Studium mit einem Fokus auf Quantenwissenschaft beginnt im Wintersemester dieses Jahres. Dass die Kurse auf Englisch gehalten werden und durch Streaming auch berufsbegleitend beziehungsweise als Fernstudium absolvierbar sind, mache die Studiengänge zusätzlich attraktiv – ganz zu schweigen von den Studiengebühren, die an der JKU über den ÖHBeitrag von rund 20 Euro nicht hinausgehen.

ChatGPT reicht nicht Das Resultat ist ein großer Ansturm, auch aus dem Ausland: Rund die Hälfte der Studieren-

BAVC

„2019 wurden wir von 230 Inskriptionen regelrecht überrollt“

Wer vor dem Eintritt ins Arbeitsleben steht, kommt um KI kaum mehr herum. Ein Drittel aller Österreicher:innen unter 30 hat bereits eine Ausbildung, Weiterbildung oder einen Kurs zur Anwendung von künstlicher Intelligenz gemacht, wie eine Studie des Marktforschungsinstituts Demox zeigt. Kein Wunder, dass sich immer mehr Maturant:innen beim Durchblättern von Studienkatalogen die Frage stellen: Soll ich irgendwas mit KI studieren? Die Möglichkeit dazu gibt es in Österreich überhaupt erst seit 2019. In dem Jahr führte die Linzer Johannes Kepler Universität ein Bachelor- und ein Masterstudium zu Artificial Intelligence ein. Von KI-Visionär Sepp Hochreiter initiiert, war dieses Studium nicht nur österreich-, sondern europaweit Vorreiter. Trotzdem rechnete man seitens der Studiengangsleitung erst einmal mit 50 bis 80 Bewerbungen für den ersten Bachelorgang – und wurde von 230 Inskriptionen regelrecht „überrollt“, wie es Studienkoordinatorin Jenny Knauth formuliert. Dabei startete das erste Semester ganze drei Jahre bevor der Hype um künstliche Intelligenz mit dem weltweiten Launch von ChatGPT überhaupt die Allgemeinheit erreichte.


Doris Himmelbauer

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den kommt aus Drittstaaten. Mit knapp 3.000 Inskriptionen ist das Studium mittlerweile das zweitgrößte der JKU, allein im Wintersemester starteten um die 500 Bachelor-Studierende. Viele von ihnen folgen dem Hype und merken erst im Studium, wie technisch und vor allem mathematisch die Inhalte sind. Ein Zehntel bricht laut Knauth wieder ab: „In den ersten beiden Semestern finden etwa zehn Prozent raus, dass es nicht reicht zu denken: ‚Ich benutze ChatGPT und kann jetzt KI studieren‘ oder ‚damit finde ich bestimmt einen super Job‘.“ Trotzdem sprengt der Zulauf mittlerweile die Kapazitäten der JKU. Vorgeschlagene Aufnahmeverfahren wurden bisher seitens des Rektorats abgelehnt – es sei der Wunsch da, das Momentum auszunutzen. „Das führt natürlich schon zu Einbußen, wahrscheinlich auch in der Qualität der Lehre“, so Knauth. „Es war definitiv überfüllt. Bei Klausuren waren immer mehrere Hundert Leute in einem Raum“, erinnert sich auch Alumnus Elias Bürger. Der 25-Jährige hat erst letztes Jahr seinen Master in Artificial Intelligence abgeschlossen, mittlerweile arbeitet er in der Forschung am Institut, wo er auch seinen PhD macht. Der Andrang sei dort immer noch spürbar: „Ich merke auch jetzt bei den Kollegen, wie über-

füllt es schon teilweise ist und wie schwer man es hat, mit so vielen Leuten etwas auf die Beine zu stellen.“

Österreich im Wettbewerbsnachteil Was bedeutet das für den Arbeitsmarkt? Österreich gilt nicht als besonders attraktives Land für KI-Fachkräfte: Laut der McKinsey-Analyse „State of AI in Austria 2025“ verfügen rund 70 Prozent der österreichischen Tochtergesellschaften globaler Konzerne über ausreichenden Zugang zu KI-Talenten. Bei rein österreichischen Unternehmen ist es nur ein Drittel – laut McKinsey ein „spürbarer Wettbewerbsnachteil im Rennen um die Besten“. Das spiegelt sich auch in dem starken Abgang von KI-Alumni wider: Nur etwa die Hälfte der JKUAbsolvent:innen bleibt in Österreich. Viele gehen aufgrund besserer Bezahlung und Chancen ins Ausland. Aber ob Linz oder das Silicon Valley: Gefragt sind KI-Fachkräfte derzeit überall. 70 Prozent können laut Knauth direkt nach dem Studium am Arbeitsmarkt Fuß fassen. Vor allem PhDAbsolvent:innen, erklärt Elias Bürger: „Die meisten sind sehr schnell weg, weil sofort etliche Angebote da sind.“ Gute Aussichten also für angehende KI-Studierende, welche Stadt und welcher Zweig auch immer – wichtig ist jedenfalls, vorher das Kriegsbeil mit Mathe zu begraben.

„Die meisten PhDStudenten sind sehr schnell weg, weil nach dem Abschluss sofort etliche Jobangebote da sind“ Elias Bürger, PhD-Student im Bereich AI


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Green Jobs Berufe für übermorgen Auch wenn wir noch keine exakte Definition für Green Jobs haben: Fest steht, dass es von ihnen immer mehr geben wird, dass viele gut bezahlt sind und dass Lehrberufe ganz weit oben auf der Liste stehen

Soziale und überfachliche Kompetenzen gewinnen immer mehr an Bedeutung“ Andrea Egger, Arbeitspsychologin (EVACON)

Bullshit Jobs, Kreativwirtschaft, New Work. Gerade im Arbeitsmarkt-Kontext gibt es viele Begriffe, die alle kennen, die aber die wenigsten exakt definieren könnten. Auch „Green Jobs“ ist ein solcher. Ihn umweht eine Atmosphäre der Innovation und Aufbruchsstimmung; man assoziiert Nachhaltigkeit und Technikaffinität. Aber was beschreibt er genau? Wir haben die Ökonomin Julia Bock-Schappelwein (WIFO) und die Arbeitspsychologin Andrea Egger (EVACON) gefragt, die gemeinsam die Studie „Arbeitsmarkt 2030 – Rückschlüsse für Österreich“ verfasst haben. „Eine allgemeingültige Abgrenzung des Feldes gibt es bisher nicht“, erklären sie. Vielmehr müsse man verschiedene Dimensionen unterscheiden: erstens Unternehmen mit „grünen“ Produkten oder Produktionsprozessen, zweitens Tätigkeiten, die durch die Ökologisierung der Wirtschaft beeinflusst werden, und drittens Ausprägungsoptionen innerhalb bestimmter Berufe. Auch das Bundesministerium liefert kaum exaktere Angaben. Laut ihm sind Green Jobs „all jene Berufe, die durch Zusatzausbildungen klimaschutzrelevante Bereiche abdecken können“, wobei eine Untergruppe definiert wird: „Im engeren Sinn“ sind Jobs nur dann grün, wenn sie „durch ihre Ausbildungsinhalte direkt die Möglichkeit bieten, Umweltschäden zu vermeiden und natürliche Ressourcen zu erhalten.“ In der ersten Kategorie werden 536 Berufe gelistet, 190 gehören zur Untergruppe. Arbeitsmarkt im Wandel

Wir sehen im Bereich Green Jobs einen Männerüberhang. Da müssen wir besser werden“ Marko Miloradović, Geschäftsführer des waff

besonders großen Bedarf an Arbeitskräften. Sehr gefragt sind außerdem Menschen im Maschinenbau und in Bahnberufen. Zu diesen „alten“ Green Jobs kommen neuere, etwa in der Stadtlogistik oder der Stadtplanung, sowie Ausbildungen, die modular angepasst werden. „Ein Dachdecker muss heute mehr tun als vor vierzig Jahren“, erklärt Miloradović. „Jetzt muss er etwa auch PV-Anlagen montieren können.“ Der Wandel des Arbeitsmarktes ist eine Folge sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Veränderungen. Dicht besiedelte Räume wie Wien müssen für die in kommenden Jahrzehnten steigende Hitze vorbereitet werden, Sanierung wird für viele Gebäude notwendig. Auch für den Ausstieg aus Gas – der nicht zuletzt aufgrund geopolitischer Spannungen immer drängender wird – und den Umstieg auf erneuerbare Energie werden in naher Zukunft viele Beschäftigte gebraucht. So soll etwa die die Sonnenstrom-Initiative der Stadt Wien laut IHS zwischen 2021 und 2031 österreichweit jährlich 530 neue Beschäftigungsverhältnisse bringen, darunter Elektriker:innen, Dachdecker:innen oder Planer:innen. Nicht nur in solchen massenhaft nachgefragten klimarelevanten Jobs würden Engpässe entstehen, erklären Bock-Schappelwein und Egger. „Es geht auch um sogenannte ‚Nadelöhrberufe‘. Sie sind zahlenmäßig klein, erfordern meist eine lange Qualifizierungszeit und wirken als strukturelle Engpässe, da sie technologische Skalierung, Effizienzgewinne und Substitutionsmöglichkeiten in Energie-, Industrie- und Mobilitätssystemen maßgeblich bestimmen.“ Dazu zählen zum Beispiel Transformator-Spezialist:innen, Netzplaner:innen, UVP- und SmartGrid-IT/OT-Spezialist:innen, Nanotechnolog:innen oder Materialwissenschaftler:innen.

Sich an der weiter gefassten Definition zu orientieren, ergibt Sinn, findet Marko Miloradović, Geschäftsführer des waff. „Gemeint sind alle im Zusammenhang mit der Klimatransformation stehenden Berufsbilder. Green Jobs gibt es vom akademischen bis in den ‚Hacklerbereich‘. Darunter fallen zum Teil auch uralte Berufe wie Elektriker:in, Installateur:in oder Tischler:in.“ Jobs also, in denen dringend nach Leuten gesucht wird: In den ersten beiden Berufen gibt es laut Fachkräftebarometer des BMASGPK und des AMS

Quality Stock Arts, Alexander Mueller, David Bohmann

Text: Linn Ritsch


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Arbeit an einer sauberen Zukunft: Green Jobs sind jene Berufe, die zur grünen Transformation beitragen

Imagewandel und Offenheit

Individuelle Flexibilität und Bereitschaft zur Veränderung werden also wichtiger, doch auch auf struktureller Ebene muss Wandel stattfinden. Unter anderem sei ein Re-Branding von Lehrberufen wünschenswert, so Miloradović. Sowohl in der Politik als auch seitens der Wirtschaft gebe es Bemühungen, den Imagewandel voranzutreiben. „Nicht zuletzt spielt die Akademisierung bestimmter Ausbildungsberufe eine Rolle.“ Das bringe Vorteile – andererseits würden dadurch für einige Menschen auch Hürden geschaffen. Ebenfalls problematisch: „In Österreich werden Umwelt- und Arbeitsmarktpolitik traditionell getrennt betrachtet“, sagen BockSchappelwein und Egger. Ein integrierter Ansatz biete Potenzial: Ein Vorbild ist hier Spanien, wo regionale Allianzen zwischen Unternehmen, Universitäten, Arbeitsmarktservices, Bildungseinrichtungen und der Zivilgesellschaft üblicher sind. Andererseits habe Österreich auch Vorbildwirkung, so die Expertinnen. Etwa bei der Lehrplanadaptierung oder arbeitsmarktpolitischen Initiativen, wie der internationalen Umweltstiftung, bei der grüne Berufe in Unternehmen bedarfsgerecht ausgebildet werden, oder dem „Just Transition“-Aktionsplan, der Fachkräfte in klimarelevante Berufe bringen soll. Skills für die Zukunft Für Entscheidungsträger:innen in Politik und Eine Liste, die nicht viele Frauen vor dem inneren Auge Wirtschaft gilt vielleicht, was Miloradović auch allen auftauchen lässt – genauso wenig wie der Gedanke an Arbeitnehmer:innen ans Herz legt: „Es ist zwar nicht eine Lehre in der Elektrotechnik. „Viele Green Jobs sind immer leicht, aber dafür meistens sehr viel wert, sich traditionell männerdominiert, weil es technische oder einzugestehen: ‚Ich darf gescheiter werden!‘“ Green körperlich fordernde Berufe sind“, bestätigt Miloradović. Jobs sind vielseitig und auf vielen Ebenen attraktiv. „Auch heute sehen wir beim waff einen Männerüber- Hineinschnuppern kann bestimmt nicht schaden. hang bei Arbeitssuchenden, die sich dafür interessieren. Da müssen wir besser werden.“ Konkret heißt das: Ausbildungsanreize für Frauen schaffen. Nicht nur, um alte Muster und Klischees zur durchbrechen und den drohenden Fachkräftemangel auszugleichen. Auch die Einkommensfrage spielt eine Rolle – schließlich verdienen Frauen in Österreich nach wie vor deutlich weniger: Laut Statistik Austria betrug die Einkommensdifferenz gemessen an den mittleren Bruttojahreseinkommen 33,6 Prozent (2023). „Installations- und Gebäudetechniker:in, Elektrotechniker:in, Mechatroniker:in – solche Jobs werden zunehmend zu high paid Jobs“, so Miloradović. Umso erfreulicher sei es, dass Initiativen, die Frauen in MINT-Berufe bringen sollen, Erfolge zeigen. „Für FHStudien, in denen überproportional viele Männer zu finden sind, vergeben wir Stipendien an Frauen. Wir fördern berufsbegleitende Bachelorstudien mit bis zu 12.000 Euro.“ Die extrem niedrige Drop-out-Quote und die ersten erfolgreichen Absolventinnen bestätigen die Wirksamkeit des Programms. Ob Frauen oder Männer: Weiterbildungen, Umschulungen würden gerade im Bereich der grünen Transformation immer wichtiger, betonen Bock-Schappelwein und Egger. Nicht nur technisch-handwerkliche und naAG INFOT turwissenschaftliche Qualifikationen seien gefragt. „Soziale und überfachliche Kompetenzen gewinnen parallel hr 14.00 U 9.00 – an Bedeutung. Dazu gehören Lern- und VeränderungsDEIN STUDIUM AN DER bereitschaft, interdisziplinäre Zusammenarbeit, KommuHOCHSCHULE BURGENLAND. nikations- und Koordinationsfähigkeit entlang komple• Energie & Umwelt xer Wertschöpfungsketten sowie Problemlösungs- und • Gesundheit & Soziales Verantwortungsfähigkeit.“ • Informationstechnologie

Im Bereich der Ausbildungen hat Österreich auch Vorbildwirkung für andere Länder“ Julia Bock-Schappelwein, Ökonomin (WIFO)

WIR BRINGEN SONNE & STUDIUM ZUSAMMEN.

Katharina Schiffl

21.3.

Lena T., Absolventin

• Wirtschaft

WIR BRINGEN BESONDERES ZUSAMMEN.

hochschule-burgenland.at


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Kommentar KI erfordert Dialog Wie geht man an der Uni mit ChatGPT und Co. um? Mit einer Stärkung des Selbstbewusstseins, mehr persönlichem Austausch und der Frage nach dem Sinn Kommentar: Petra Herczeg und Roland Steinacher

Roland Steinacher leitet die Dienstleitungseinrichtung Studienservice und Lehrwesen und ist in der Arbeitsgruppe für die KIRichtlinien aktiv

„Anerkennung und Selbstbewusstsein entwickeln sich nur dann, wenn Wissen souverän erworben und verantwortungsbewusst reflektiert wird“

Der Dialog darüber, dass nur durch die Entwicklung eigener kognitiver Fähigkeiten ein kompetenter KI-Einsatz möglich wird, ist ebenso wichtig. Roberto Simanowski hat in seinem aktuellen Werk „Sprachmaschinen. Eine Philosophie der künstlichen Intelligenz“ (2026) treffend argumentiert, dass durch KI-Tools der Produktionsprozess von Texten zu einem Rezeptionsprozess verkommen könne und dadurch ein Verlust von kognitiven Fähigkeiten entstehen kann. Und es ist auch seiner Argumentation zu folgen, wenn er schreibt, dass Hegels Herr-Knecht-Verhältnis auch auf die KI umgelegt werden kann: Anerkennung und Selbstbewusstsein entwickeln sich nur dann, wenn Wissen souverän erworben und verantwortungsbewusst reflektiert wird.

Dieses Bewusstsein sollten Studierende und Lehrende haben, damit KI-Tools auch an der Universität sinnvoll verwendet werden können. Der Dialog über den Sinn des Lernens wird sich auf alle Bereiche des Studiums ausweiten. „Warum überhaupt noch studieren?“ „Warum Konzepte verstehen und einsetzen, die eine Maschine viel besser beschreibt und anwendet?“ „Warum Zeit in Lern- und Prüfungsaufgaben investieren, wenn man alles druckreif ausgespuckt bekommt?“

Die zu lösenden Fragen werden nicht durch Ratgeber, Richtlinien oder Regeln beantwortet. Die Stärke einer Universität liegt seit Platons Akademie darin, dass Studierende und Lehrende zusammenkommen, auf Basis von Wissen die Welt ordnen und mit wissenschaftlichen Methoden zu einem besseren Ort machen. Und dass jene im Dialog überzeugen, die gut begründete Argumente haben und responsiv sowie kreativ mit Gegenpositionen umgehen. Vielleicht haben wir im Wissenschaftsbetrieb durch Publikationsdruck, Prüfungsformen für große Studierendenzahlen und Zeiteffizienz verdrängt, dass persönlicher Austausch über wissenschaftliche Fragen uns tiefer zu Erkenntnissen führt. Es ist nicht leicht, sich eine große Universität vorzustellen, in der schriftliche und mündliche Beiträge ineinandergreifen und sichtbar machen, wie Studierende Kompetenzen erwerben, Methoden anwenden und souverän mit ihrem eigenen Verstand umgehen. Das persönliche Interagieren könnte auch das Vertrauen in die Studierenden stärken, dass sie nicht wegen, sondern trotz KI eigenständig gute Leistungen erbringen. Wir glauben, dass es sich zum Training des Geistes lohnt, sich – ganz akademisch – einer Sinnfrage zu stellen. Vielleicht bestärken die gemeinsame Sinnsuche und der Erfahrungsaustausch sogar den Glauben an die Wissenschaft. Dialog ist jedenfalls erkenntnisreich.

Petra Herczeg, Joseph Kreplan

Petra Herczeg ist Studienprogrammleiterin am Institut für Publizistikund Kommunikationswissenschaft der Uni Wien und leitet eine Arbeitsgruppe für KI-Richtlinien

Ein Verhaltensmuster bei disruptiven Veränderungen ist, nach Überwindung des ersten Schocks, die Bildung von Arbeitskreisen, um die Ordnung wieder herzustellen. So wurden nach der Veröffentlichung von ChatGPT auch an vielen Universitäten Ratschläge, Richtlinien oder Regeln für Lehrende, Studierenden und Programmverantwortliche entwickelt. Auch an der Universität Wien gibt es KI-Guidelines, mittlerweile in zweiter Auflage (2024). Alles dreht sich um die Frage, wie man mit der neuen Technologie umgeht. Wie unterscheidet man anhand von Texten die künstliche Intelligenz von der menschlichen? Viele an Universitäten etablierte Prozesse stehen auf dem Prüfstand: Die wissenschaftliche Arbeit im Sinne des bloßen Textes, gepresst zwischen zwei Ledereinbände, gibt keine verlässliche Auskunft mehr, ob und was der/die Verfasser:in mit Hilfe des eigenen Verstandes geschaffen hat. Schon bisher galt: Durch intensive Betreuung der Arbeit – von der Themenfindung über Zwischenstände bis zum Resultat – und durch laufenden Austausch über den Fortschritt kann das Risiko minimiert werden, dass Studierende zu unlauteren Mitteln greifen.


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