09 2018
anzeiger
Das Magazin für die österreichische Buchbranche
Das Fest der Bücher
Vom Bild zum Band
Wahre Erkenntnis
Wir haben uns umgehört und elf Gründe gefunden, warum man die BUCH WIEN 18 besuchen sollte
Die wichtigsten Neuerscheinungen bei Bildbänden im Herbst: von Welterkundungen über Kunst bis zur Geschichte
Ehrenpreisträger 2018 Ilija Trojanow über Toleranz, seine Sicht auf Bulgarien und den Deutschen Fußballbund
Stille Nacht
Ö ST E R R E I C H I S C H E P O ST AG F I R M E N Z E I T U N G / G Z 02Z030877 M / 153. JA H RGA N G
Der Krimi zum 200-Jahr-Jubiläum
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ISBN 978-3-8392-2339-0 · 14,40 € · ET: 4.10.2018 WWW.GMEINER-VERLAG.DE
Wir machen’s spannend
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Ein Welttheater der schriftstellerischen Einbildungskraft »und wieder entschlüpft mir diese Schriftstellerin in jede ihr gerade beliebige Rolle, wechselt von hierorts nach daorts, nach Laune und Lust, und nach der Wahrheit längst kräht keiner mehr. Nur eines steht außer Streit: Innsbruck bleibt unerreichbar ...« In Gabriele Petriceks neuem Buch ist die Grenze zwischen Suche und Verfolgung hauchdünn, durchlässig, um die Möglichkeiten literarischen Erzählens im ständigen Wechsel der IchPerspektiven spielerisch auszuloten. Die Autorin lässt sich von Fabulierlust leiten, auf Ab- und Umwege bringen, sich in Variationen und Möglichkeiten verwickeln, und verführt uns ihr überall hin zu folgen: auf eine Reise, quer durch die Möglichkeiten schriftstellerischer Einbildungskraft.
Neue Auslieferung:
Mohr Morawa
Gabriele Petricek Die Unerreichbarkeit von Innsbruck 240 S., € 19,90 ISBN 978 3 85449 492 8
Wien Sulzengasse 2, 1230 -0 14 0 Tel: +43 (1) 68 30 71 8 Fax: +43(1) 68 a.at aw or rm bestellung@moh
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Die außergewöhnliche Liebesgeschichte von Martha Gellhorn und Ernest Hemingway
– 153. Jahrgang –
„Die Entscheidung zugunsten des Urheberrechts im digitalen Zeitalter ist zukunftsweisend“ Benedikt Föger
A
m 12. September fiel im Europäischen Parlament in Straßburg eine zukunftsweisende Entscheidung zugunsten des Urheberrechts und einer fairen Entlohnung für kreatives Schaffen im digitalen Zeitalter. Eineinhalb Jahre intensive Bemühungen auch vonseiten des HVB haben sich damit bezahlt gemacht (S. 10). Wozu Buchpreise? Sie schaffen Aufmerksamkeit für Autorinnen und Autoren – in den Medien wie im Handel. Besonders eine Vorauswahl ist spannend, um einen Eindruck des aktuellen Schaffens zu erhalten. Erst kürzlich wurden die nominierten Titel für den Österreichischen Buchpreis sowie den Debütpreis veröffentlicht (mehr dazu: S. 9). Mit der Bewerbung haben wir hauptsächlich ein großes Ziel: Lust auf die österreichische Literaturlandschaft erzeugen. Wenn Sie diese Ausgabe in den Händen halten, wurde außerdem Fritz Lehner für „Nitro“ mit dem LeoPerutz-Preis für Wiener Kriminalliteratur 2018 ausgezeichnet (S. 6). Auch hier gilt: ein aktueller Ausschnitt der Wiener Krimi-Szene. Es gibt viele Gründe, zur BUCH WIEN zu gehen – elf wurden von der AnzeigerRedaktion für diese Ausgabe gesammelt. Damit gibt es bereits einen exklusiven Vorab-Einblick, bevor das Programm am 3. Oktober veröffentlicht wird (ab S. 14).
F O T O : K A T H A R I N A F. R O S S B O T H
Der Schwerpunkt-Artikel ist den aktuellen Trends im Kunstbuchbereich gewidmet (ab S. 20). Dazu passend hat Verlegerin Silvia Jaklitsch einen Gastkommentar zu „Kunstbüchern im globalen Vertrieb“ (S. 41) geschrieben. In der Rubrik „HVB-Mitglieder im Porträt“ (ab S. 28) werden diesmal die Buchhändlerinnen Lucia Kirchner-Krämer, Buchhandlung Stockerau, und Nada Wagner, Buchhandlung Wagner, sowie Verleger Bernd Schuchter, Limbus Verlag, und Rüdiger Salat, Facultas-Geschäftsführer, vorgestellt. Neues gibt es auch: Die Bestseller (S. 24) sind um einige Kategorien erweitert worden, außerdem gibt es zusätzlich zu den Verkaufsschlagern ab sofort kuratierte Titellisten (S. 26). Damit soll die Vielfalt der Erscheinungen noch besser abgedeckt werden.
Benedikt Föger
448 Seiten | € [A] 24,70 ISBN 978-3-351-03745-1 Auch als E-Book erhältlich
HVB-Präsident
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– Inhalt – HVB-MITGLIEDER IM PORTRÄT
28
Nada Wagner Warum ihre Buchhandlung eine Feinkostabteilung für geistige Nahrung ist
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Rüdiger Salat Der Verleger betreibt im Verlag die gesamte Wertschöpfungskette
30
Lucia Kirchner-Krämer Warum man in Stockerau die Digitalisierung als Chance für das Buch sieht
Wir haben nachgefragt: Elf Gründe, zur BUCH WIEN 18 zu gehen
14
THEMA
20
Artbooks
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Verlegerin Silvia Jaklitsch über Kunstbücher auf dem globalen Markt
WISSENSWERT
SELBSTREDEND
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Ilija Trojanow Der Ehrenpreisträger über Toleranz, Bulgarien und die Welt von Flüchtlingen
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Kramers Kinderstube
6
Kurzmeldungen Leo-Perutz-Preis Deutscher Buchpreis
Public Reading
7
Kurzmeldungen mediakolleg im Oktober HVB-Jahrestagung Neue Vorteile für Mitglieder
8 9
Kurz gesagt Was erwartet die Branche auf der Frankfurter Buchmesse 2018? Österreichischer Buchpreis Österreich in 13 Titeln
10
Der anzeiger hat Ilija Trojanow zum Interview getroffen
32
Rüdiger Salat leitet die Facultas AG in Wien
29
12
Ja zur Urheberrechtsreform Zur Entscheidung des Europa parlaments und der Bedeutung für die Branche
KLASSIKER
40
Neu entdeckt
Österreich liest Das Literaturfestival feiert das Lesen in den Bibliotheken
„Sturmhöhe“ / „Wuthering Heights“ von Emily Brontë
STANDARDS ESSENZIELL
14
BUCH WIEN 18
Elf Gründe, zur BUCH WIEN zu gehen
MONATSBESTSELLER 24 MONATSBESTENLISTEN 26 TERMINSPIEGEL 38 TITELSCHUTZ 42 IMPRESSUM 42
I L L U S T R AT I O N : G E O R G F E I E R F E I L , F O T O S : A L E X A N D E R C H I T S A Z A N , N I N I T S C H AV O L L , C H R I S T O P H E R M AV R I C
Silvia Jaklitsch über Herausforderungen auf dem Kunstbuchmarkt
Bernd Schuchter Verleger und Autor: Über die Vorteile, beide Welten zu kennen
Bild im Band: Neue Kunstbücher
Kurz vor Schluss
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»… die letzten Seiten haben in mir einen solch emotionalen Nachhall erzeugt, dass ich eine Stunde lang stumm und rauchend dagesessen bin. Nur so dasitzen konnte. Weiß gar nicht, wann mir so eine literarische Katatonie zum letzten Mal passiert ist. Was für ein großartiger Roman!« Fritz Ostermayer
DANIEL WISSER: Königin der Berge
Roman, 396 Seiten € 24,–, 978-3-99027-224-4 Auslieferung: Mohr Morawa
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– Wissenswert –
Ausgezeichnet kriminell Düstere Welt am Wiener Donaukanal: Fritz Lehner erhielt den Leo-Perutz-Preis für Wiener Kriminalliteratur Nach seiner ersten Nominierung 2016 hat es heuer geklappt: Fritz Lehner wurde am 19. Septem ber mit dem Leo-PerutzPreis für seinen aktuellen Krimi „Nitro“ (Seifert Verlag) geehrt. Der Preis zeichnet Krimis aus, deren Qualität und literarischer Anspruch an den namensgebenden Literaten erinnern. Die Gewinner sollen einen innovativen Charakter haben und einen Wien-Bezug aufweisen können. Die Jury bestand in diesem Jahr aus Sprecherin Sylvia Fassl-Vogler (Kulturabteilung der Stadt Wien), Erwin Riedesser (Vorsitzender des Buchhändlerverbandes), Alex Beer (LeoPerutz-Preisträgerin 2017), Michaela Bokon (Filialleiterin Thalia W3), Nina Lämmermayer (Bestattung Wien) und Journalist Christoph Huber. Vergeben wird der Preis vom HVB und der Kulturabteilung der Stadt Wien, Dotation: 5.000 Euro. Nominiert waren: Albert Frank „Tod vor dem Steffl“ (Emons), David Krems „Falsches Licht“ (Picus), Beate Maxian „Tod in der Kaisergruft“ (Goldmann) sowie Günter Neuwirth „Die Frau im roten Mantel“ (Gmeiner).
Im Rennen „Der Vogelgott“ ist auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2018 Jubel beim Salzburger Jung und Jung Verlag: Susanne Röckel ist mit ihrem Roman „Der Vogelgott“ auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis nominiert. Die Erzählung um „merkwürdige Kulte und Mythen“ hat damit die Chance, am 8. Oktober den mit 25.000 Euro dotierten Preis zu gewinnen. Mit Jung und Jung und dem Folio Verlag (Josef Oberhollenzer: „Sültzrather“) waren dieses Jahr wieder zwei Titel aus österreichischen Verlagen auf der Longlist vertreten. Auch ein heimischer Autor kam in die Vorrunde: Arno Geiger mit „Unter der Drachenwand“ (Hanser).
Tessloff Verlag – Auslieferung aktuell über Sigloch, Blaufelden (Deutschland) Liebe Kunden des Tessloff Verlages, um Ihnen nach der Insolvenz der Firma Hein auch weiterhin eine reibungslose und schnelle Verfügbarkeit unserer Titel zu gewährleisten, liefern wir bis auf Weiteres über
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– Wissenswert –
Grundwissen, Verkaufskonzepte und Social Media
Die mediakolleg-Seminare im Oktober ■ Facebook, Twitter, Instagram & Co - Buchhändlerinnen und Buchhändler können durch gezieltes Social Media-Marketing profitieren. Michaela Wein zeigt in die-sem Seminar, wie Kommunikation auf sozialen Plattformen funktioniert und wie man seine Buchhandlung optimal einem breiteren Publikum näherbringen kann. Dabei wird konkret auf den österreichischen Markt eingegangen: Welche Kanäle werden von wem genutzt? Wie kann eine pas-sende Social Media-Strategie aussehen? Social Media für BuchhändlerInnen 3. Oktober, 10–17:30 Uhr ■ Wie gründet man einen Verlag, wie entsteht ein Buch und wie kommt es letztend-lich an sein Publikum? Im bewährten Seminar „Grundwissen Verlag“ mit Ernst Grabovszki wird genau das
vermittelt: Ein Einblick in die wichtigsten Bereiche des Verlagswesens - vom Einstieg in den Verlagsberuf über Self Publishing bis zum Urheberrecht. Grundwissen Verlag, 16. Oktober, 10–17:30 Uhr ■ In Zeiten von Digitalisierung, steigendem Onlinehandel und schrumpfenden Zeit-budgets der Konsumenten und Konsumentinnen sind originelle Verkaufskonzepte essenziell. In diesem Seminar „Verkaufskonzepte für den Buchhandel“ mit Betriebsberaterin Stefanie Lange wird deutlich: Es gibt nicht die eine Lösung, aber viele Chancen. Verkaufskonzepte für den Buchhandel – Chancen trotz rückläufiger Frequenz, 18. Oktober 2018, 9:30–17:30 Uhr
Die Seminare finden im Palais Fürstenberg in der Bibliothek im 1. Stock statt. Grünangergasse 4, 1010 Wien Kosten: € 199,– für HVB-Mitglieder, sonst € 250,– Kontakt: Cordula Tippel, 01/512 15 35 29, tippel@hvb.at
Vormerken! Nach der erfolgreichen Neuauflage steht auch schon der Termin für 2019 Wer die österreichische Branche mitgestalten möchte, sollte dabei sein: Vom 8. bis 10. Mai 2019 findet die nächste Jahrestagung statt. HVB-Mitglieder, die beim letzten Mal nicht dabei sein konnten oder Interesse an den Folien haben, können die Unterlagen zu den Vorträgen kostenlos bei Geschäftsführer Gustav Soucek (soucek@hvb.at) bestellen. Zur Auswahl stehen unter anderem Präsentationen von Philipp Ikrath (Jugend & digitale Medien), Roland Führer (Daten sind das neue Gold) oder Jörg F. Maas (Es fängt mit Lesen an).
Die Pflanze, unsere Lehrmeisterin Dr. h. c. Peter Jentschura · Josef Lohkämper
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Vorteile Neue Kooperationen des HVB bieten Mitgliedern Vergünstigungen Als neu gewonnener Partner erhalten HVB-Mitglieder bei café+co 10 Prozent auf alle Produkt- und Dienstleistungsprodukte. Für frische Bohnen oder auch eine neu ausgestattete Kaffee-Ecke einfach auf www.cafeplusco. com gehen und beim Bestellvorgang den Code „BUCHHANDEL“ eingeben. Alle weiteren Vorteile auf www.buecher.at.
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– Kurz gesagt –
Im 30-Minuten-Takt WAS ERWARTET DIE ÖSTERREICHISCHE BRANCHE AUF DER FRANKFURTER BUCHMESSE 2018?
Austausch und Vernetzung Für mich ist der Herbst die intensivste Zeit des Jahres. Kurz vor unserer eigenen Messe, der BUCH WIEN, reisen wir mit Hunderten Büchern im Gepäck nach Frankfurt, um dort am österreichischen Gemeinschaftsstand das Schaffen der heimischen Verlage zu präsentieren. Der vor wenigen Jahren neu gestaltete Stand ist ein echter Hingucker und in Patrick Zöhrer, Internationale Messen Verbindung mit dem gegenüberliegendes HVB und den Kaffeehaus lädt der Bereich zum Verweilen und Schmökern ein. Neben BUCH WIEN der Standeröffnung eignet sich besonders der Österreich-Empfang im Städel Museum für den Austausch mit Kollegen und Kolleginnen aus Deutschland und anderen Ländern. Die weiteren Messetage nutze ich, um neue Verlage für die BUCH WIEN zu entdecken und mich zu neuen Formaten und Angeboten rund um die Themen Lizenzen und internationale Messeauftritte auszutauschen.
F O T O S : H E L M U T L U N G H A M M E R , F R I E D E R B L I C K L E , P R I VA T ( 2 )
„Die Messe ist für alle ein Fest, aber natürlich auch sehr anstrengend“ Ein voller Kalender Wir sind schon voller Vorfreude. Wir haben im Herbst ein starkes Programm und eine Menge Autoren auf der Messe. Etwa Eva Rossmann, die mit „Im Netz“ ihren neuesten Mira-ValenskyKrimi vorstellt, und den slowenischen Romanautor Goran Vojnovic mit seiner berührenden Familiensaga aus Ex-Jugoslawien. Natürlich freut uns die LonglistLudwig Paulmichl, Nominierung zum deutschen Buchpreis Folio Verlag, von Josef Oberhollenzers Roman „SültzVerleger rather“ sehr, das gibt mehr Sichtbarkeit und bringt auch unsere deutschsprachigen Autoren in den Fokus. Und schließlich ist auch unser reisender Triestiner, Paolo Rumiz, bei der Messe dabei. Die Messe ist für alle ein Fest, aber natürlich auch sehr anstrengend: Termine im Halbstundentakt – der Kalender ist schon ziemlich voll.
Bücher aus vier Jahrzehnten Für Droschl ist 2018 ein Jahr zum Feiern! Auch auf der Buchmesse in Frankfurt: Wir haben unser 40. Jubiläum und werden an unserem Messestand einen Empfang zu diesem Anlass geben. Außerdem werden wir Bücher aus vier Jahrzehnten ausstellen, mit denen Droschl groß geworden ist. Ich selbst mag gar nicht ausrechnen, das wievielte Annette Knoch, Jahr ich nach Frankfurt fahre. Aber ich Literaturverlag freue mich genauso wie immer, viele Droschl, Verlegerin Büchermenschen wiederzusehen, die man nur einmal im Jahr auf der Messe trifft, und neue Kontakte zu knüpfen. Das Internationale gefällt mir an der Frankfurter Buchmesse besonders gut.
„Ich selbst mag gar nicht ausrechnen, das wievielte Jahr ich nach Frankfurt fahre“
Ein Koffer voller Bücher Mit Susanne Röckels Roman „Der Vogelgott“ stehen wir auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Selbst wenn sie den Preis nicht bekommen sollte, liegen noch enger getaktete Messetage vor uns. Es wird um Übersetzungen und Lizenzen gehen, außerdem haben wir unsere Autorin Ursula Krechel vor Ort dabei. Sie wurde 2012 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet und stellt nun Anna Jung, ihren neuen Roman vor. So hat auch sie eine Jung & Jung beträchtliche Anzahl an Interviews und AufVerlag, Verlegerin tritten vor sich. Ich freue mich in erster Linie auf Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, auf Neuentdeckungen bei anderen Verlagen (und einen Koffer voller Bücher für die Heimfahrt), auf erfolgreiche Geschäftsabschlüsse, auf Klatsch und Tratsch – und ein schönes Glas Wein gelegentlich.
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– Wissenswert –
Österreich in 13 Titeln Zum dritten Mal hat eine Jury die Nominierten für den Österreichischen Buchpreis und den Debütpreis bekannt gegeben. Wer ist im Rennen? Ein Überblick.
EINE MÄRCHENHAFTE, SPIRITUELLE UND KULINARISCHE REISE DURCH DAS JAHR
Österreichischer Buchpreis › 3 F R A U E N , 7 M Ä N N E R Debüt › 2 F R A U E N , 1 M A N N Jury › 2 F R A U E N , 3 M Ä N N E R Durchschnittliche Seitenanzahl der nominierten Bücher Österreichischer Buchpreis › 2 8 3 Österreichischer Buchpreis Debüt › 2 1 1 Durchschnittliches Alter der für den Österreichischen Buchpreis und den Debütpreis nominierten Österreichischer Buchpreis › 5 1 J A H R E Österreichischer Buchpreis Debüt › 4 2 J A H R E Herkunft der Verlage Österreichischer Buchpreis › 7 D E U T S C H L A N D , 3 Ö S T E R R E I C H Österreichischer Buchpreis Debüt › 2 Ö S T E R R E I C H , 1 D E U T S C H L A N D
LONGLIST
Ursula, Heidemarie und Helmut Wittmann / Agnes Ofner
Mareike Fallwickl: Dunkelgrün fast schwarz (Frankfurter Verlagsanstalt) Milena Michiko Flašar: Herr Katō spielt Familie (Verlag Klaus Wagenbach) Arno Geiger: Unter der Drachenwand (Carl Hanser Verlag) Gerhard Jäger: All die Nacht über uns (Picus Verlag) Hanno Millesi: Die vier Weltteile (Edition Atelier)
Margit Schreiner: Kein Platz mehr (Schöffling & Co.) Robert Seethaler: Das Feld (Hanser Berlin) Heinrich Steinfest: Die Büglerin (Piper Verlag) Josef Winkler: Laß dich heimgeigen, Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe (Suhrkamp) Daniel Wisser: Königin der Berge (Jung und Jung)
Märchen, Bräuche und Rezepte im Jahreskreis
Altes Wissen, kreative Ideen, köstliche Rezepte und stimmungsvolle Märchen verbindet dieses Hausbuch für die ganze Familie in sich auf moderne, ansprechende Weise. Gegliedert nach den Jahreszeiten und Festen bietet es zahlreiche Möglichkeiten, den Jahreskreis bewusster zu erleben und diesen für sich und die Familie ganz individuell zu gestalten. Ein Buch als sinnliches Erlebnis für Jung und Alt. geb. mit Lesebändchen, 90 farb. Illustr., 77 farb. Fotogr. ISBN 978-3-7022-3618-2 256 Seiten, € 29.95
SHORTLIST DEBÜT Ljuba Arnautović: Im Verborgenen (Picus Verlag)
Das Geschenk der zwölf Monate
David Fuchs: Bevor wir verschwinden (Haymon Verlag)
Marie Gamillscheg: Alles was glänzt (Luchterhand Literaturverlag)
JURY Bernhard Fetz (Österreichisches Literaturarchiv) Konstanze Fliedl (Universität Wien)
Jens Jessen (Die Zeit) Evelyne Polt-Heinzl (Literaturhaus Wien) Bettina Wagner (Buchhandlung Seeseiten)
Termine: Veröffentlichung der Shortlist: 9. Oktober 2018. Lesung der Shortlist Debüt: 18. Oktober, 19 Uhr, in der Bibliothek der AK Wien. (Anmeldungen bitte unter bibliothek@akwien.at.). Preisverleihung im Rahmen
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– Wissenswert –
Urheberrechtsreform Die Entscheidung des Europaparlaments vom 12. 9. zum Urheberrecht im Onlinebereich betrifft auch die heimische Branche. Der HVB begrüßt diese Stärkung der Kulturindustrie
Das Europaparlament in Straßburg: Ort der Entscheidung.
Es ist der Beginn einer Reform des EU-Urheberrechts. Verlage, Autorinnen und Autoren, Plattenfirmen und andere Rechteinhaber sollen künftig faire Tantiemen erhalten. „Es ist eine historische Entscheidung, um kulturelle Vielfalt, Innovation und Zugang zu Bildung und Information in Europa zu fördern“, so HVB-Präsident Benedikt Föger, der gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Österreichischen Verlegerberbandes, Alexander Potyka, zur Entscheidung des Europaparlaments vor Ort war. Bisher galten die Regeln von 2001. Das EU-Parlament hat nun im Sinne der Kreativen und der Urheber abgestimmt. Nun können die sogenannten Trilog-Gespräche zwischen EU-Parlament, EU-Rat und der EU-Kommission starten. Föger ist sich sicher, „dass das positive Ergebnis zu einem erfolgreichen Trilog und baldiger Gesetzgebung führen wird“. Das Bahnbrechende an dieser Entscheidung? „Nach fast zwei Jahren intensiver Verhandlungen gibt es nun endlich einen absehbaren Fahrplan für eine zukünftige Reform des Urheberrechts. Es wird zu einer Stärkung der Rechte der Kunstschaffenden führen und für eine faire Entlohnung für kreative Inhalte im Onlinebereich sorgen“, sagt Föger. „Auch für die Autorinnen und Autoren bedeutet es eine Stärkung ihrer Rechte. Zusätzlich wird der Urheberrechtsanteil der Verlage außer Frage gestellt. In manchen Bereichen hätten wir uns weitergehende Maßnahmen erhofft, sind aber mit dem erzielten Kompromiss sehr zufrieden.“ Er glaubt, dass gerade eine Kulturnation wie Österreich stark davon profitieren werde. „Unser Dank gilt auch den zahlreichen österreichischen Abgeordneten, die dieses Votum unterstützt haben.“
F O T O S : E U R O PA PA R L A M E N T
Ja zur
IMMER IN BESTER QUALITÄT UND TERMINGERECHT
Sehr geehrte Geschä sfreunde, Wir möchten Sie gerne zu unserer gemeinsamen Exposition der Tschechischen Republik auf der
Frankfurter Buchmesse 2018
im Termin vom 10. - 14. Oktober 2018 einladen.
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– Wissenswert –
Für Bücher
Seit letztem Jahr stellen Sie in einer Broschüre Bibliothekarinnen und Bibliothekare vor und geben Einblick in ihr Berufsbild. Was wird daran oft unterschätzt?
„Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek“ findet vom 15. bis 21. Oktober zum dreizehnten Mal statt. Dabei werden Buchpräsentationen, Bücherflohmärkte, Literaturwanderungen und andere Veranstaltungen in ganz Österreich abgehalten. Initiiert wird das Literaturfestival vom Büchereiverband Österreich. Was erwartet uns dieses Jahr? Petra Kern — Seit der Einführung 2006 hat sich „Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek“ zu einem Fixpunkt im österreichischen Literaturkalender entwickelt. Was die Bibliothekarinnen und Bibliothekare jedes Jahr auf die Beine stellen, ist wirklich beachtlich. Auch heuer erwartet uns wieder ein geballtes Veranstaltungsprogramm in Bibliotheken im ganzen Land. Mit dabei sind Gemeinde- und Pfarrbibliotheken, Schulbibliotheken, Stadt- und Landesbibliotheken, Universitäts- und Fachhochschulbibliotheken, die Österreichische Nationalbibliothek und die Österreich-Bibliotheken im Ausland. Mit „Geschichte in Geschichten“ gibt es heuer einen Schwerpunkt zur Vermittlung von Zeitgeschichte …
Kern — Das Bild, das die Öffentlichkeit von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren hat, ist zum Teil noch stark von Klischees geprägt. Dabei umfasst das moderne Berufsbild so vieles! Man ist nicht mehr „nur“ dafür zuständig, Bücher und andere Medien zu verwalten und zu verleihen. Gerade im ländlichen Raum sind Bibliotheken oft die einzigen „Kulturversorgerinnen“ im Ort. Man ist Kulturmanager in einem sehr umfassenden Sinn des Wortes. Mit unserer Broschüre möchten wir dazu beitragen, dass das alte Bild ein wenig aufgebrochen wird. Für die diesjährige Broschüre wurden die Fotoporträts von Elsa Okazaki gemacht, das Layout stammt von den Wiener Grafikern Bureau F, die Texte schrieb wie schon im Vorjahr meine Kollegin Barbi Marković. Neu sind dieses Jahr einige Infografiken aus der Welt der Bibliotheken. Darin erfährt man u. a. die häufigsten Vornamen der Bibliothekarinnen oder auch, welche Gegenstände am öftesten in den Bibliotheken vergessen werden. Nämlich? Kern — Genannt wurden im Rahmen unserer Umfrage Stofftiere, Kugelschreiber, Mützen, Jacken, Brillen, Lesezeichen, Bibliotheksausweise, Kinderspielzeug, Schnuller und vieles mehr. Eine Bibliothek hat sogar angegeben, dass tatsächlich einmal ein Mann bei ihnen vergessen wurde! Der wurde dann aber wieder abgeholt.
Kern — Mit dem „Geschichte in Geschichten“Schwerpunkt werden heuer Lesungen von Autorinnen und Autoren gefördert, die sich in ihren Werken literarisch mit dem Thema Geschichte auseinandersetzen. Damit folgen wir einem Bildungsauftrag. In Zeiten von Migrantinnen und Migranten jagenden Neonazis ist es mehr denn je notwendig, Bewusstsein für Geschichte, vor allem für Zeitgeschichte zu schaffen. Nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern und Jugendlichen. Kann man aus Geschichte lernen? Davon bin ich überzeugt. Die Bibliotheken spielen bei dieser Bewusstseinsvermittlung eine große Rolle. Mit unserer Veranstaltungsförderung aus Mitteln des BKA sind wir in der glücklichen Lage, die Bibliotheken dabei unterstützen zu können.
Die Veranstaltungen hatten im Vergleich zum Vorjahr einen Besucherzuwachs … Kern — Das freut uns natürlich sehr, ist aber gar nicht so verwunderlich, denn die Bibliothekarinnen und Bibliothekare sind unglaublich aktiv! Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sich Menschen mit Leidenschaft für das Lesen und für Bücher einsetzen, die regelrecht dafür brennen und ihren Beruf lieben.
FOTO: JÖRG WEITLANER
Das Literaturfestival „Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek“ feiert vom 15. bis 21. Oktober das Lesen und die Bibliotheken des Landes. Wir sprachen darüber mit Projektleiterin Petra Kern
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– Essenziell – BUCH WIEN 18
11 Gründe, zur BUCH ÖSTERREICHS BUCHMESSE UND LESEFESTIVAL BIETEN – JA, WAS EIGENTLICH? WIR WOLLTEN
Text: Teresa Preis Illustration: Georg Feierfeil
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DA
H WIEN zu gehen DAS AUS DER BUCHBRANCHE ERFAHREN. HIER IHRE WICHTIGSTEN GRÜNDE
1.
DAS PROGRAMM MIT VIELEN AUTORINNEN Die Programmplanung beginnt im Frühjahr, das Ergebnis wird am 3. Oktober präsentiert. Verantwortlich dafür ist Programmdirektor Günter Kaindlstorfer gemeinsam mit Veranstaltungsleiterin Verena Müller. „Bücher sind gerade in Zeiten der galoppierenden Volksverblödung per Social Media eine unerschöpfliche Quelle des Wissens“, erklärt Kaindlstorfer sein Engagement für die BUCH WIEN. „Sie sorgen für Inspiration und Entertainment.“ Rund 400 Veranstaltungen sind geplant – das wichtigste Argument für einen Besuch. „Wir glauben fest an das Buch. Das spiegelt sich auch im diesjährigen Programm wider. Besonders freut mich, dass wir heuer eine starke Phalanx von Autorinnen zur BUCH WIEN bringen: von Judith Schalansky über Milena Michiko Flašar bis hin zu Marjana Gaponenko. Das wird ein starker Bücherherbst.“ Für die Kulturjournalistin Katja Gasser ist die BUCH WIEN „ein Ort, an dem die große Welt und die tiefe Provinz auf das Schönste zusammentreffen. Gerade daran sollte die BUCH WIEN festhalten.“
Günter Kaindlstorfer, Programmdirektor der BUCH WIEN
2. FOTO: ELISABETH NOVY
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DIE „LANGE NACHT DER BÜCHER“ Traditionell beginnt die BUCH WIEN in der „Langen Nacht der Bücher“ am 7. November mit der Eröffnungsrede und einem Lesespektakel bis Mitternacht. Einer feiert dabei seine ganz besondere „Lange Nacht“: Seit fünf Jahren moderiert Florian Scheuba die Gespräche auf der ORF-Bühne. »
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Moderator Florian Scheuba führt durch die „Lange Nacht der Bücher“
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DER INTERNATIONALE POETRY-SLAM Zu den Highlights der „Langen Nacht der Bücher“ gehören die Trauben aus oft jüngeren Gästen beim Internationalen Poetry-Slam. Bei der BUCH WIEN treten Kandidatinnen und Kandidaten aus verschiedenen Ländern an, in denen Deutsch eine offizielle Sprache ist. Im letzten Jahr schaffte es die Belgierin Jessy James LaFleur auf den zweiten Platz des Wettbewerbs. „2018 vertritt Milana Dürnholz die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens“, freut sich der Botschafter des Königreichs Belgiens Ghislain D’hoop. Am internationalen Poetry-Slam der BUCH WIEN beteiligt zu sein ist für ihn aus vielerlei Gründen wichtig: „Den interkulturellen Austausch müssen wir ständig fördern. Aber wir brauchen auch Momente, in denen die kulturelle Sehnsucht besonders in den Vordergrund gebracht wird. Das bietet uns die BUCH WIEN. Ich freue mich schon auf die vielen Veranstaltungen.“ Bekannte Gesichter gibt es auch auf der Bühne.
5.
4.
BÜCHER AUS DEM NORDEN EUROPAS Als Forum für interkulturellen Austausch eignen sich Buchmessen und Literaturfestivals gut, das zeigt der steigende Zulauf von Jahr zu Jahr. Mette Sand, Kulturreferentin der Norwegischen Botschaft, sagt dazu: „Das Interesse an skandinavischer Literatur ist groß. Unser Messestand ,Nordisches Forum‘, eine Zusammenarbeit zwischen den Botschaften von Dänemark, Schweden und Norwegen in Wien, wurde in den letzten Jahren sehr gut besucht.“ An ihrem Stand präsentieren sie vor allem „aktuelle Übersetzungen nordischer Autorinnen und Autoren, aber auch neuere Literatur zu den Themen nordische Architektur, Design und Nachhaltigkeit sowie nordische Mythen und Märchen“. Das Nordische Forum wird zu einem zweistöckigen nachhaltigen Messestand aus Holz. „Im September entwerfen Studierende der TU im Rahmen einer Lehrveranstaltung von Dörte Kuhlmann den Messestand. Der Prozess wird mit Kurzfilmen von der BUCH WIEN auf Social Media begleitet.“
EIN NEUER KOCHBUCHBEREICH Bei der BUCH WIEN 18 gibt es eine neu gestaltete Bühne, für spezielle Kochshows ist sogar eine Leinwand geplant. Das Unternehmen dmBio ist als Partner erstmals mit dabei: „Lesen ist wie Nahrung für unseren Geist“, sagt Geschäftsführerin Petra Gruber. „Doch auch für das leibliche Wohl soll gesorgt sein. Das Publikum hat nicht nur eine überdurchschnittliche Affinität zu Literatur und Bildung, sondern legt auch Wert auf gesundheitsbewusste Ernährung. Für unsere Marke dmBio bietet die BUCH WIEN die perfekte Bühne.“ Mit Kostproben von den Kochbuchstars darf gerechnet werden – viel mehr wird noch nicht verraten.
Petra Gruber, dmGeschäftsführerin (Ressort Marketing und Einkauf)
FOTOS: CHRISTIAN HEREDIA, MARCO RIEBLER
Kann man von einem besonderen Flair der „Langen Nacht“ sprechen? „Absolut“, ist sich Scheuba sicher. „Das äußert sich auch in den Gesprächen. Viele der Gäste sind sehr froh darüber, dass es nicht nur die klassischen Lesungsfragen gibt. Hier geht es auch um persönliche Anliegen, die Autorinnen und Autoren haben. Dadurch entsteht eine entspannte Atmosphäre, die das Schema des Buchverkaufsinterviews sprengt.“ Auf der Bühne stellt Scheuba gern kritische Fragen, „das hat schon zu spannenden Ergebnissen geführt“. Dem einen oder anderen wurde es dabei auch zu kritisch – auch dafür ist Platz. „Die Freiheit, die diese Gespräche haben, bereitet mir große Freude. Ich glaube, auch für das Publikum ist das eine interessante Abwechslung.“ Scheuba sieht in der BUCH WIEN ein „Bekenntnis zu einer Kultur, die uns verbindet. Hier präsentieren sich Wissen und Literatur in Gestalt der Autorinnen und Autoren. Man hat als Mensch die Möglichkeit, damit in Kontakt zu treten.“
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EIN PROGRAMM FÜR GROSS UND KLEIN Was die BUCH WIEN für Familien leistet, wird spätestens im sechshundert Quadratmeter großen Kinderbuchbereich deutlich. Auf der Kinderbühne läuft besonders am Wochenende durchgehend Programm für Kinder ab zwei Jahren. Neben der Bühne gibt es eigene Bücherpyramiden mit Bilder-, Vorlese- und Erstlesebüchern und zahlreichen Sitzmöglichkeiten. Tyrolia hat bei der BUCH WIEN 18 erstmals sein Kinderbuchprogramm am Verlagsstand. „Der Kinderbuchbereich ist sicher ein sehr aktiv genutzter“, findet Katrin Feiner, Lektorin bei Tyrolia Kinderbuch. Ein wichtiger noch dazu: „Kinder und Jugendliche an Literatur heranzuführen ist nach wie vor ein großes Thema im Buchhandel. Durch den Kinderbuchbereich bekommen auch Eltern einen besseren Überblick über aktuelle Titel.“ Besonders gefällt ihr, dass Kinder durch die Buchpyramiden animiert werden, selbst Bücher in die Hand zu nehmen und anzusehen.
Katrin Feiner, Lektorin bei Tyrolia Kinderbuch
3.
8.
FÖRDERUNG DES BRANCHENNACHWUCHSES Wer verkauft eigentlich die Bücher bei der BUCH WIEN? Betritt man die Messehalle D, steht man schon direkt in der Thalia-Lehrlingsbuchhandlung. Sie wird heuer zum zweiten Mal in dieser Form stattfinden. Buchhandelslehrlinge aus dem zweiten und dritten Lehrjahr beraten und verkaufen hier. Jasmine Koch, Lehrling in der Filiale Wien Donauzentrum, ist auch heuer wieder mit dabei. „Für uns Lehrlinge ist es spannend, einen so wichtigen Teil der Branche, nämlich eine Buchmesse, hautnah mitzuerleben. Außerdem schätze ich die Möglichkeit, aktiv mitzugestalten und unter Beweis zu stellen, was wir uns in kurzer Zeit schon alles an Wissen angeeignet haben. Wir haben die vielleicht einmalige Gelegenheit, mit Verlagen, deren Vertretern und Autoren auf ganz persönlicher Ebene in Kontakt zu kommen.“ Dementsprechend interessiert zeigen sich die künftigen Buchhändlerinnen und Buchhändler, 2018 wieder dabei zu sein. »
100 SmartphoneTipps Mithilfe dieses Buches lernt man das Android-Smartphone besser kennen und nutzen. Es bietet Einblicke in bestimmte Funktionen, Einstellungen und Berechtigungen und enthält konkrete Anleitungen, was man tun kann, um zumindest eine Spur anonymer und sicherer unterwegs zu sein.
guteksk7/Shutterstock.com
Margarete Ammer, Vertriebsleiterin Random House
DIE EINZIGARTIGE ATMOSPHÄRE Die BUCH WIEN ist weder die Frankfurter noch die Leipziger Buchmesse. Und will sie auch dezidiert nicht sein. Denn den Charme der BUCH WIEN und die Nähe der Aussteller zu den Besucherinnen und Besuchern schätzen auch deutsche Publikumsverlage: „Leserinnen und Leser für Bücher zu begeistern ist eine unserer wichtigsten und zugleich schönsten Aufgaben“, findet Margarete Ammer, Vertriebsleiterin von Random House. „Die BUCH WIEN bietet den perfekten Rahmen, um diese Begeisterung und Leidenschaft für Bücher und Autoren zu vermitteln. Das unterstützten wir sehr gern und freuen uns auf den persönlichen Austausch.“ Was ihr im letzten Jahr am besten gefallen hat? „Die Atmosphäre war toll, das vielfältige Lesungs- und Veranstaltungsangebot, die perfekte Organisation, die große, auch mediale Aufmerksamkeit. Alles in allem ein sehr gelungener und großartiger Auftritt.“ Natürlich ist sie auch heuer wieder mit dabei.
ISBN 978-3-99013-077-3 | Flexcover 212 Seiten | € 19,90 konsument.at/100smartphonetipps
Jasmine Koch, Lehrling bei Thalia Donauzentrum
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Katja Gasser
TERMINE Termine in der BUCH WIEN-Woche Die BUCH WIEN findet vom 7. bis 12. November bereits zum elften Mal statt. Eine ganze Woche lang stehen die Literatur und die Branche im Mittelpunkt: Mo, 5. 11. Verleihung: Österreichischer Buchpreis + Debütpreis Di, 6. 11. Verleihung: Literaturpreis der Europäischen Literatur (EUPL) Mi, 7. 11. BUCH WIEN: Lange Nacht der Bücher Do, 8. 11. BUCH WIEN Fr, 9. 11. BUCH WIEN-Party powered by Terra Mater Sa, 10. 11. BUCH WIEN So, 11. 11. BUCH WIEN
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10.
VIELE LESUNGEN RUND UM DIE MESSE Die BUCH WIEN findet nicht nur in der Messehalle D, sondern auch an Veranstaltungsorten in der ganzen Stadt statt. Da gibt es das tägliche, große Angebot von Lesungen und Gesprächen am Abend. Dazu wird vom Literaturhaus über das Wien Museum bis zu Buchhandlungen alles bespielt. Seit einigen Jahren moderiert Katja Gasser bei der BUCH WIEN, und für sie ist klar: „Auf der Buchmesse bekommt man viel von der Stimmung unter jenen mit, die Bücher machen und vertreiben. Das Besondere an den Abendveranstaltungen ist, dass man die Autorinnen und Autoren kennenlernen kann. Manchmal ist man dann enttäuscht, zuweilen im Positiven überrascht, hie und da gar euphorisiert. Diese mehr oder minder intimen Begegnungen mit Menschen, die Bücher schreiben, lassen die Veranstaltungen am Abend aus dem übrigen Buchmessetreiben herausstechen.“
F O T O : S T E F A N R E I C H M A N N I L L U S T R AT I O N E N : S C H O R S C H F E I E R F E I L . C O M
„Eine Stadt, die sich wie Wien als Kulturstadt begreift, braucht eine Buchmesse“
BEGEISTERTE AUSSTELLER UND DIE BUCHPARTY Eine Großveranstaltung wie die BUCH WIENsteht und fällt mit den Ausstellern. Hier gibt die Buchbranche Einblick in ihre Arbeit und präsentiert sich mit ihren Angeboten von ihrer besten Seite. „Es kann nicht genug Feste für Bücher geben“, findet Verleger Nikolaus Brandstätter vom Brandstätter Verlag. Für ihn stehen Optimismus und Zuversicht in der Branche im Mittelpunkt. „Leser und Leserinnen zu begeistern muss Ziel der Veranstaltung sein.“ Seit elf Jahren nimmt der Verlag teil, auch heuer will er mit seinem Stand überraschen. Brandstätter schätzt die BUCH WIEN vor allem, um „Autorinnen und Autoren live zu erleben und einen Überblick über die wichtigsten Neuerscheinungen und aktuelle Trends am Buchmarkt zu erhalten“. Gefeiert wird natürlich auch. Dabei dient das Foyer des Gartenbaukinos als Party-Location. Das neu gegründete Benevento-Label „Terra Mater Books“ gibt den Host. „Die BUCH WIEN ist die Plattform in Österreich, um Neues aus der Buchwelt zu erfahren“, heißt es seitens des Verlags. Das neue Programm repräsentiere „die gesamte Bandbreite des guten Nachdenkens über den Planeten. Bei der BUCH WIEN kann man sich an Bekanntem begeistern und ungewöhnliche Blicke auf Themen der Zeit werfen. Auf den Bühnen erlebt man jene hautnah, die ihrerseits der Welt hautnah kommen. Und die ,Buchparty powered by Terra Mater‘ ermöglicht Netzwerken in lockerer Atmosphäre.“
ORF-Kulturjournalistin Katja Gasser
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BÜCHER SIND DIE BESSEREN YOGAKURSE Erst im Sommer wurde Wien wieder zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt. „Eine Stadt, die sich wie Wien als Kulturstadt begreift, braucht eine Buchmesse“, findet Katja Gasser. Warum? „Das Buch ist eines der wertvollsten Kulturgüter, die wir Menschen haben. Viele Menschen sind heute so sehr auf der Suche nach Ruhepolen und bereisen die entferntesten Flecken dieser Erde, um so etwas wie Zu-Sich-Kommen möglich zu machen. Dabei sind Bücher doch die besten Reisen und die viel besseren Yogakurse! Man muss nicht den letzten weißen Erdenfleck aufsuchen, um zu sich zu kommen. Im Stillen ein Buch zu lesen: Es gibt zumindest in meinem Leben nichts, was mich mehr erdet und beruhigt als diese Zweisamkeit.“ Sie ist froh, dass die BUCH WIEN keine pompöse Veranstaltung wie die Salzburger Festspiele ist. „Das Buch selbst ist Garant dafür, dass in unserer Branche – im Verhältnis etwa zum Kunstbetrieb – Bescheidenheit dominiert. Das finde ich grundsympathisch. Es ist gut, dass die BUCH WIEN eben die BUCH WIEN ist.“
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BUCH + KAFFEE = #BESTEPAUSE Das Wichtigste an der Pause ist doch, dass sie einfach gut schmeckt. café+co bereitet Tag für Tag und rund um die Uhr Kafeeliebhabern und Snackgenießern die besten Pausen. Einfach Ihre Kaffee-Komplettlösung im Onlineshop bestellen: Maschine | Kaffee | Tassen und mehr. Mit dem Code BUCHHANDEL erhalten Sie 10 % Rabatt auf Kaffee und Zubehör! Denn …
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Kunstbücher und schön gestaltete Bildbände erfreuen das Auge ihrer Betrachterinnen und Betrachter. Wir stellen vor, was uns an im Herbst neu erscheinenden Bilderbüchern gefällt Text: Teresa Preis
Foto: Stefan Enders
Bild im Band
Jubiläen von Österreich bis Hollywood
Anlässlich des hundertsten Geburtstags der Republik zeigt Wolfgang Maderthaner in „Österreich. 99 Dokumente, Briefe und Urkunden“ (Brandstätter) das Land aus einer neuen Perspektive. Der Historiker und Generaldirektor des Staatsarchivs fragt sich, was Österreich eigentlich bedeutet und wie sehr das Land noch heute von seiner Vergangenheit geprägt wird.
Bei Schirmer/Mosel drehen sich gleich zwei Titel um Romy Schneider: Am 23. September hätte die beliebte Schauspielerin ihren 80. Geburtstag gefeiert. Der Verlag würdigt sie mit „Romy in Kitzbühel 1965“: einem Buch mit DVD des Dokumentarfilms von Hans-Jürgen Syberberg. In der Reihe „Bi bliothek der Klassiker“ erscheint „Romy Schneider. Adieu Romy“, ein Doppelband mit Porträts, Filmbildern und Privataufnahmen. „Catherine De neuve. Film für Film“ bringt das Werk der französischen Schauspielerin aus sechs Jahrzehnten. Auch für Leonardo da Vincis 500. Todestag 2019 ist man gewappnet: Marianne Schneiders aktualisierte und neu bearbeitete Biografie „Leonardo da Vinci. Leben und Werk“ erscheint im Oktober. Bevor das Jubiläumsjahr vorbei ist, kommt mit „1968. Roll over and over again … 50 Jahre+“ (Edition Roesner) eine Anthologie (Textsammlung) als Kunstband heraus. Wie sich aus der Studentenrevolte u. a. der Wiener Aktionismus formte und was 68 bis heute bedeutet, erklären Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Literatur.
Fotoprojekte von Mariazell bis China Das dritte Buch der Amerikanerin Vivian Maier (1926–2009), „Farbphotographien“ (Schirmer/ Mosel), ist Teil einer historischen Entdeckung: Wie in den ersten beiden Bänden bildet das urbane Leben ihre Hauptinspiration: Großstadtansichten, Porträts von Passanten und Schaufenster bestimmen ihre Motive – hier erstmals in Farbe. Nach Neumarkt und Eisenerz beschäftigte sich Erwin Polanc mit der Abbildung von „8630 Mariazell“ (Fotohof Edition). Die allgegenwärtige Präsenz des Heiligen verschafft dem Ort eine besondere Stimmung, die Polanc in den Fotos eingefangen hat – und damit dem Buch einen der drei
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– Wissenswert – Artbooks
WER ITALIENISCHE KÜCHE LIEBT, MUSS DIESES BUCH HABEN!
Für „Weit weg von Brüssel“ (Edition Lammerhuber) umrundete Stefan Enders die Außengrenzen Euopas. Die gleichnamige Ausstellung tourt aktuell durch Österreich.
Staatspreise der schönsten Bücher Österreichs. Von Mariazell zum drittgrößten Staat der Erde: In „Magnum China. Das Reich der Mitte“ (Schirmer/Mosel) sind 364 Magnum-Fotografien von Reporterinnen und Reportern aus aller Welt und achtzig Jahren versammelt. Für ihr Projekt „Fremd bin ich eingezogen“ (Fotohof Edition) fotografierte Ekaterina Sevrouk seit 2015 männliche Flüchtlinge aus Afrika in der Landschaft des Salzkammerguts. Ihre Aufnahmen, die an historische Malerei des 19. Jahrhunderts erinnern, lassen die Protagonisten auf mehrfache Weise als „fremd“ erscheinen. Um sein persönliches Europa zu entdecken, machte sich der Fotograf Stefan Enders auf den Weg. In „Weit weg von Brüssel“ (Edition Lammerhuber) umrundet er in sieben Monaten die Außengrenzen von 15 europäischen Staaten.
Dario Santangelo Manuela Santangelo
Kochen wie in Neapel maudrich 2018, 280 Seiten Hardcover, EUR 29,80 ISBN 978-3-99002-071-5
NEAPOLITANISCHES LEBENSGEFÜHL
Natur als Inspiration für Kunstwerke Sophie Tiller hat ein ganz spezielles Werk geschaffen. „Der Parasit/The Parasite“ (Edition Album Verlag) zeigt die Samen der »
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– Wissenswert –
Fotos: Michael Goldgruber/BKA
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zeigt das Leben von 17 „hochbetagten“ Menschen. „Grey Is the New Pink. Momentaufnahmen des Alterns“ (Kerber Verlag) widmet sich dem Thema mit einem globaleren Zugang: Basierend auf der gleichnamigen Ausstellung in Frankfurt am Main, erklären Personen aus Wissenschaft, Kunst und Lyrik kulturelle Unterschiede bei der Bestimmung von Alter.
apuzinerkresse. Daraus zufällig entstandene K Objekte hat Tiller über Jahre hinweg fotografisch festgehalten. Als kleines Geschenk sind dem Band eigene Pflanzensamen beigelegt – auch um das dokumentierte Projekt weiterführen zu können. Natur diente auch Eva Gruber als Inspirationsquelle für ihr Buch „Zeit am Fluss“ (Anton Pustet). Elf Jahre lang hat die Künstlerin an der niederösterreichischen Schwarza vergängliche Naturkunstwerke geschaffen und fotografiert. Steine, Äste, Blumen, Blätter sowie Eis und Schnee dienten ihr dabei als „Werkzeug“.
Stille Nacht und modernes Wien „Stille Nacht“ ist eines der berühmtesten Weihnachtslieder der Welt. Im Oberndorf/Salzburg aus einem spontanen Einfall und in prekären Umständen entstanden, ist es 1818 zum ersten Mal erklungen. In „Stille Nacht. Das Buch zum Lied“ (Anton Pustet) werden farbig illustriert Hintergründe und Interpretationen geboten. Christian Brandstätter, Daniela Gregori und Rainer Metzger widmen sich in „Wien 1900. Kunst Design Architektur Mode“ (Brandstätter Verlag) der Stadt zwischen 1897 und 1918. Goldener Schnitt und Leineneinband zitieren dieAusstattung der
Graue Panther statt pinke Flamingos Älterwerden liegt im Trend. Aber wie sieht sie aus, die Realität der Achtzig- bis Hundertjährigen? Wie fühlt es sich an, alt zu sein? Gleich zwei Werke setzen sich damit auseinander. „hochbetagt“ (Anton Pustet), herausgegeben von Günther Brandstätter und Marietta Mühlfellner, wurde als eines der schönsten Bücher Österreichs ausgezeichnet. Es
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»Schmerzlich und von höchster Relevanz.« New York Times
Links: Doppelseite aus „8360 Mariazell“ (Fotohof Edition) Rechts: Kapuzinerkresse aus Sophie
Foto: Sophie Tiller
Tillers "Der Parasit" (Album Verlag)
Moderne. Zentral ist die Frage, wodurch Wien zur Geburtsstadt vieler maßgebender Ideen werden konnte.
€ 24,70 [A] gebunden, 368 Seiten ISBN 978-3-86648-286-9
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»Ein starkes, rasantes Buch, das auf höchst literarische Weise Zugang zur Gefühlswelt einer Exilantin schafft.« Deutschlandfunk
Alter Maler und Belustigung für Kinder
© José Escofet
Zum achtzigsten Geburtstag des Künstlers bringt der Kerber Verlag mit „Georg Baselitz“ ein Buch über dessen Werk heraus. Bekannt wurde Baselitz für seine kopfstehenden Personendarstellungen, die übliche Sehgewohnheiten durchbrechen sollen. Das 88 Seiten starke Buch zeichnet sein künstlerisches Schaffen nach. „Pulcinella oder Belustigung für Kinder“ (Schirmer/Mosel) gibt Einblick in eine populäre italienische Figur: Pulcinella. Sie ähnelt dem bei uns bekannteren Struwwelpeter. Der Maler Giandomenico Tiepolo (1727–1804) griff diese Figur in seinem Schaffen auf. Von ihm stammen die Bilder in diesem Buch, die Texte steuerte der Philosoph Giorgio Agamben bei.
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Empfehlungen Eine Heldengeschichte Kunsthandwerker Reinhold Duschka rettete im Zweiten Weltkrieg zwei Menschen: Vier Jahre versteckte er die Jüdin Regina Steiner und ihre Tochter in seiner Werkstatt. „Am Seil“ – Erich Hackl. Diogenes
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Bretonischer Spätsommer Kommissar Dupin auf Betriebsausflug im Wald von Brocéliande: Dann macht ihm ein ermordeter Artus-Forscher einen Strich durch die Rechnung … „Bretonische Geheimnisse“ – Jean-Luc Bannalec. Kiepenheuer & Witsch
Dublin, Wien, Jerusalem Es ist die Geschichte eines Geschwisterpaares – und einer ungewöhnlichen jüdischen Familie, die Michael Köhlmeier in seinem neuen Roman erzählt. „Bruder und Schwester Lenobel“ – Michael Köhlmeier. Carl Hanser
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Sie sind zurück: Staffel VI, Band 2 Von seiner fehlgeschlagenen Mission bringt Erlenpfote zwei junge Waisenkatzen mit. Dazu kommen Träume, die eine große Gefahr ankündigen.
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1968 Roll over and over again ... Anthologie im Kunstband 216 S., engl. brosch., zahlr. Abb., 24,90 € ISBN 978-3-903059-74-0
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NORBERT SACHSER
3.
Der Mensch im Tier Rowohlt
Kriegslicht Hanser
JENS HACKE
2.
MICHAEL KÖHLMEIER
3.
MICHAEL ONDAATJE
Existenzkrise der Demokratie Suhrkamp
4.
4.
JAMES BALDWIN
Beale Street Blues dtv
HANNELORE SCHLAFFER
Rüpel und Rebell zu Klampen
5.
5.
FRANCESCA MELANDRI
Alle, außer mir Wagenbach
NIALL FERGUSON
Türme und Plätze Propyläen
6.
6.
PETER HENISCH
Siebeneinhalb Leben Deuticke
HELWIG SCHMIDT-GLINTZER
7.
Chinas leere Mitte Matthes & Seitz
7.
DAVID FUCHS
Seit 2003 kürt eine hochkarätige Jury aus unabhängigen Kritikerinnen und Kritikern sowie Buchhändlerinnen und Buchhändlern jeden Monat eine Liste von jeweils zehn empfehlenswerten Buchnovitäten und stellt sie dem ORF zur Verfügung .
Bevor wir verschwinden Haymon
8. ALBERTINE SARRAZIN
Der Ausbruch Ink Press
9. KATHARINA ADLER
Ida Rowohlt
9. PETER WATERHOUSE
Equus. Wie Kleist nicht heißt
Marktdaten August 2018
Matthes & Seitz
Die „Sachbücher des Monats“ sind eine Empfehlungsliste, die von Expertinnen und Experten kuratiert wird. Berücksichtigt werden Neuerscheinungen aus den Geistes-, Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Medienpartner: Die Welt/ WDR 5/Neue Zürcher Zeitung/ORFRadio Österreich 1.
TH. EISENTRAUT (HG.)
Europa und das Meer Hirmer
8. STEPHAN SCHULMEISTER
Der Weg zur Prosperität ecowin
8. WILLIAM T. VOLLMANN
Arme Leute. Reportage Suhrkamp
10. JARON LANIER
Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst Hoffmann & Campe
Im Vergleich zum Vorjahresmonat.
+0,7 % -0,2 % +1 % Umsatz
D. BLUME, CH. BRENNECKE, U. BREYMAYER,
Absatz
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Weitere Marktdaten zur österreichischen Buchbranche liegen für HVB-Mitglieder exklusiv monatlich im anzeiger bei. Erhebung: Media Control im Auftrag des HVB.
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Los! Auf geht‘s. Nimm dein Leben in die Hand. Entwirf deinen Plan. Iss, was dir guttut. Atme tief. Lebe bewusst. Ändere, was dich nicht glücklich macht. Sei dankbar. Silja Mahlow (l.) und Anita Slowig (r.) kombinieren erstmals Coaching, Yoga und
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Ayurveda in einem einzigartigen Ratgeber mit Kalenderfunktion. Nie war Veränderung so einfach!
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– HVB-Mitglieder im Porträt – Buchhändlerin / Wagner, Stegersbach Porträts: Elisabeth Stuppnig Foto: Alexandra Eizinger
„Ich sehe uns als Feinkostabteilung für geistige Nahrung!“
Nada Wagner I
n Nada Wagners Buchhandlung riecht es nach Lavendel. Manchmal auch nach getrockneten Blättern oder Äpfeln. „Je nach Jahreszeit“, sagt die Buchhändlerin lachend. „Hauptsache, meine Kundinnen und Kunden fühlen sich wohl.“ In Klagenfurt geboren, besuchte Wagner das dortige zweisprachige Gymnasium. Nach einem zweijährigen Jusstudium in Graz lernte sie durch eine Studienkollegin ihren Mann Herbert Wagner kennen. Damit beginnt ihre berufliche Geschichte. Denn er führte bereits in dritter Generation eine Buchhandlung. 1983 stieg Nada Wagner ein und übernahm schließlich das Geschäft. Es existiert seit 1924 und ist die letzte unternehmergeführte Buchhandlung in den beiden südlichsten Bezirken des Burgenlandes. „Ich konnte
langsam in den Buchhandel hineinschnuppern. Mittlerweile gibt es für mich nichts Schöneres als den direkten Kontakt mit den Kunden.“ Der Kärntner Slowenin Wagner kommt ihre Mehrsprachigkeit zugute. „In der näheren Umgebung von Stegersbach liegen kroatischsprachige Ortschaften. Die Menschen dort schätzen es, in ihrer Muttersprache angesprochen zu werden.“ Das Prädikat einer „kleinen, feinen Landbuchhandlung“ habe einmal ein Kunde in einer Internetbewertung vergeben. Tatsächlich versucht Wagner, ihre Schwerpunkte nicht auf Bestseller zu legen, sondern das Sortiment auf fein vorselektierte Titel zu
eschränken. Schließlich, meint sie, kenne b sie ihre Stammkundschaft. Ein Muss für eine kleine Landbuchhandlung sei, das Geschäft zu dekorieren und umzuräumen, um den zahlreichen Stammkunden Abwechslung zu bieten. So versucht Wagner immer wieder, Bücher mit Non-Book-Angeboten zu kombinieren oder die Schaufenster ansprechend zu gestalten. „Hauptsache, meine Liebe zum Buch wird erkennbar!“ Wagner versucht, vor allem junge Lesende anzusprechen. Zum Beispiel, indem sie Volksschulkindern aus Kinderbüchern vorliest. „Den meisten Kindern wird viel zu wenig vorgelesen“, seufzt sie. Dabei sei die Begeisterung, mit der die Kinder auf ihr Vorlesen reagieren, wirklich berührend. Vor allem in der Vorweihnachtszeit veranstaltet Wagner viele Ausstellungen mit Büchern in Kindergärten und Schulen. Schwierig sei es allerdings, Jugendliche im Neuen-Mittelschule-Bereich zu gewinnen. Ihnen müsse man als Buchhändlerin im Sinn des Wortes entgegenkommen. „Denn diese Altersgruppe findet es nicht cool, eine Buchhandlung zu besuchen.“ Stolz zeigt sich Wagner, wenn sie über gut besuchte Lesungen von Autorinnen und Autoren in ihrem Geschäft spricht: Martin Pollack etwa sei jemand, der die meisten seiner Bücher in ihrer Buchhandlung präsentiert habe. „Wir sind nicht einfach der Nahversorger in Stegersbach. Ich sehe uns als Feinkostabteilung für geistige Nahrung!“
Wagner Buch Stegersbach Grazerstraße 22, 7551 Stegersbach
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– HVB-Mitglieder im Porträt – Geschäftsführer Facultas AG
Foto: Nini Tschavoll
Rüdiger Salat
„Die Grundlage für Lesesozialisation und Bildung wird zuhause gelegt“
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ie Mission von Facultas sehe ich da rin, individuelles Potenzial zu för dern und weiterzuentwickeln. Ent decken und Verstehen ist unser Credo“, sagt Rüdiger Salat in seinem nach Kaffee riechen den und mit Manuskripten und Büchern „überladenen, aber pragmatischen Büro“. Der zwei Meter zwei große, in München ge borene Wahlwiener ist seit 2015 Vorstand der Facultas AG. Das Programm des Universitätsverlags umfasst Lehr- und Studienbücher, Fach- und Forschungsliteratur. Das inhaltliche Spek trum reicht dabei von Recht und Wirtschaft über Human-, Kultur- und Sozialwissen schaften bis zu Medizin und Psychologie. Populäre Gesundheitstitel erscheinen bei maudrich. Salat selbst war trotz naturwis senschaftlicher Begabung auf einem huma nistischen Gymnasium in München. Ein „Glücksfall“ wie er sagt, schließlich habe das seinen Horizont breiter angelegt, als es eine Fachspezialisierung je geschafft hät te. Nach der Matura sollte Salat dann doch BWL studieren. Schnell hatte er nicht nur die
eschäftsführung eines eigenen Unterneh G mens inne, sondern auch einen Forschungs auftrag über Telekommunikation an der Universität. „Daher kommt wohl auch mei ne Neigung, klassische Verlagsqualitäten mit innovativer Technik zu kombinieren.“ Eine der gewinnbringenden Kombinationen ist die von Salat initiierte größte Social-ReadingPlattform in deutscher Sprache lovelybooks. de. Die Idee: analoge Buchempfehlungen in die digitale Welt zu übersetzen. Neugier anzuregen, interessiert Rüdiger Salat auch heute noch an der Verlags- und Buchhandlungsbranche. „Für einen Wissen schafts- und Lehrbuchverlag ist die große Herausforderung, den analogen und den digitalen Bereich sinnvoll zu verbinden: Wie kann man Lernende und Lehrende mit ana logen und digitalen Produkten unterstüt zen?“ Dafür brauche es neben inhaltlicher auch technische Kompetenz und Investitio nen. „Facultas kann nur in einzelnen Berei chen einen Beitrag dazu leisten, Kooperati onspartner wie die UTB sind sehr wichtig.“ Bei Lern-und Fachliteratur gehe es da rum, individuelle Fähigkeiten bestmöglich zu entwickeln. Dieser Prozess beginne, so Sa lat, schon vor der Schule. „Die Grundlage für Themen, die Lesesozialisation und Bildung betreffen, werden im Elternhaus gelegt.“ Deshalb hat er seit 2016 gemeinsam mit dem HVB den österreichweiten Vorlesetag initi iert (www.vorlesefest.at) und engagiert sich für die deutsche „Stiftung Lesen“. An seinem Job liebt Salat besonders die Abwechslung: Dafür sorgen Autorinnen und Autoren, Kolleginnen und Kollegen und die Nähe zu Studierenden, nicht zuletzt durch die ÖHs als Eigentümer der AG. Dazu kom men die eigenen Buchhandlungen und die Digitaldruckerei. „Wir betreiben hier im Ver lag die ganze Wertschöpfungskette. Das er möglicht individuelle Lösungen. Darin liegt ein wichtiges Potenzial der Digitalisierung.“
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– HVB-Mitglieder im Porträt – Lucia Kirchner-Krämer / Buchhändlerin
Lucia Kirchner-Krämer Foto: Karin Wasner
„Ich teile den Pessimismus der Branche nicht“
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in kleiner, schöner Platz in Stockerau. Erst bei genauerem Hinsehen entdeckt man die Buchhandlung Lucia KirchnerKrämers. Sie liegt gegenüber der Konditorei Heiner, gleich neben der Naturdrogerie. Die kleine Buchhandlung im alten, historischen Gebäude wirkt ein wenig abgeschieden. Doch damit würde man ihr und ihrer Stammkundschaft unrecht tun. Schließlich sagen sie, mehr als „den Heiner“, die Buchhandlung und die Naturdrogerie würden sie in Stockerau nicht brauchen. 1993 eröffnet, findet sich in der Buchhandlung auf hundert Quadratmetern alles: Sachbücher, Belletristik, Kriminalliteratur und natürlich Kinder- und Jugendliteratur. Den Kinderbuchbereich hat die Buchhändlerin vor einiger Zeit erweitert – zulasten der Wörter bücher, die aus dem Sortiment genommen
wurden. „Denn die gehen nicht mehr gut.“ Und wie steht es denn sonst um das Buch? „Ich teile den Pessimismus der Branche nicht“, sagt Kirchner-Krämer. „Wir haben mittlerweile vieles im Sortiment, was wir früher nicht hatten. Die Menschen wollen meines Erachtens wieder mehr lesen.“ Führt die Digitalisierung nicht weg vom Buch? „Im Gegenteil“, meint KirchnerKrämer. „Durch die Digitalisierung ist so viel Haptisches weggefallen. Die Menschen wollen sich wieder mehr Zeit nehmen und sich Zeit vor allem kaufen. Das ist eine Riesenchance für das Buch.“ Lucia Kirchner-Krämer ist Germanistin. Schon während ihres Studiums hat sie in der Buchhandlung in Stockerau gearbeitet, danach als Redakteurin eines Onlineportals. Als vor 15 Jahren der damalige Besitzer der Buchhandlung in Pension ging, übernahm sie kurzum die Geschäftsführung. Als Nahversorger für die 20.000-Einwohner- Stadt ist die Sortimentsbuchhandlung, sieht man von Libro als Papierwarenhändler einmal ab, die „einzige richtige Buchhandlung in Stockerau“. Für „Dorfschrullen“ sei Stockerau zwar schon zu groß, aber die Buchhändlerin kennt ihre Kundschaft: „Man weiß, was sie lesen wollen.“ Über die Zukunft ihrer Buchhandlung sagt Kirchner-Krämer: „Ich bin der Meinung, man muss mehr Gefühl verkaufen.“ Deshalb plant die zweifache Mutter, sich in Zukunft vermehrt dem Ambiente ihrer Buchhandlung zu widmen. „Ich überlege, vielleicht eine Kaffeeecke einzurichten, es gemütlicher zu machen. Kunden, die hier einkaufen, sollen sich wohlfühlen.“
Buchhandlung Stockerau Dr.-Karl-Renner-Platz 2, 2000 Stockerau
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– HVB-Mitglieder im Porträt – Bernd Schuchter / Limbus Verlag
Foto: Peter Gründhammer
„Kulturförderungen sind nicht für die Ewigkeit“
Bernd Schuchter M
an verlegt entweder Bücher, von denen man meint, die Leute sollen sie lesen, oder Bücher, von denen man meint, die Leute wollen sie lesen. Verleger der zweiten Kategorie, das heißt Verleger, die dem Publikumsgeschmack dienerisch nachlaufen, zählen für uns nicht – nicht wahr?“ An diesen Ausspruch des Verlegers Kurt Wolff hält sich Bernd Schuchter gern. Mit seinem 2005 gegründeten Limbus Verlag hat er sich ursprünglich auf deutschsprachige Gegenwartsliteratur sowie das Thema Nationalsozialismus spezialisiert, mittlerweile bilden über 200 unterschiedlichste Bücher von Belletristik über Essay und Bildband bis Lyrik das Verlagsprogramm. „Wir bedienen unsere Stammkundschaft mit kulturpolitischen und historischen Themen, die relevant sind. Weil wir aus Vertriebsgründen nicht mit eta-
blierten Verlagen mithalten können, müssen wir unsere Bedeutung eben über das einzelne Buch und das einzelne Thema gewinnen.“ Dass er sich dabei einer Nische bedient, ist Schuchter bewusst. Umso besser, meint er, dass es in Österreich eine gute Struktur für Kulturverlage gebe: „Wir profitieren von der kleinteiligen Struktur des Buchmarktes. Dank großzügigen Förderungen, der Medien und zahlreicher Institutionen kann man hier noch Debatten anstoßen.“ Den HVB sieht Schuchter dabei als wichtiges Sprachrohr gegenüber der Politik. „Errungenschaften wie die Kulturförderungen sind nicht für die Ewigkeit und können sich je nach politischer Lage verändern. Daher ist es wichtig, dass der HVB sich stark macht.“ In den eigenen Verlag sei Bernd Schuchter „reingestolpert“, wie er lachend sagt. Eigentlich hat er immer selbst geschrieben und tut es auch heute noch; er hat bei Zeitschriften und im Buchhandel gearbeitet und schreibt bis heute Rezensionen, unter anderem für
die Vorarlberger Nachrichten, Buchkultur und das Literaturhaus Wien. Zuletzt ist etwa sein historischer Essay „Herr Maschine oder vom wunderlichen Leben und Sterben des Julien Offray de La Mettrie“ (Braumüller Verlag) erschienen. Verändert das die Arbeit als Verleger? „Natürlich sehe ich die Autorenseite sehr stark, was mich vielleicht zu einem weniger auf den Verlag fokussierten Verleger macht. Aber ich finde es wichtig, als Verleger den Autorinnen und Autoren Wertschätzung entgegenzubringen.“ Er versteht, wie sich die andere Seite fühlt, und arbeitet gerne mit Haus- und Stammautorinnen und -autoren über Jahre hinweg zusammen. „Ein Verlag wie unserer verlegt zwölf bis fünfzehn Bücher im Jahr, da herrscht Routine in der Produktion. Ein Autor aber schreibt vielleicht ein Buch in drei Jahren. Das hat eine ganz andere Wertigkeit.“ Schuchter hat vieles studiert und das Studium der Philosophie abgeschlossen. Nie, erzählt er, hätte er mit zwanzig zu träumen gewagt, Schriftsteller oder gar Verleger zu werden. Nun ist er beides. Gemeinsam mit seiner Frau Merle Rüdisser, Lektorin und Korrekturleserin, schafft er es. Dank straffer Organisation, viel Disziplin und mitunter wenig Schlaf: Verlag, Schriftstellerei, Veranstaltungsorganisation, Lesereisen, Sitzungen – Termine, Kontakte, Korrespondenzen, Deadlines, Finanzen und ein bisschen Privatleben.
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– Selbstredend –
Erkenntnis
im wahrsten Sinn des Wortes
Interview: Erich Klein
I
Ilija Trojanow, 1965 in Sofia geboren, zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellern der Gegenwart. Seine Familie floh 1971 aus dem kommunistischen Bulgarien nach Deutschland. Weitere Stationen: Besuch der Deutschen Schule in Nairobi/Kenia, Studium in Paris und München. Ilija Trojanow gründete Verlage, betätigte sich als Übersetzer und veröffentlichte drei Dutzend Bücher. Er ist Herausgeber der Reihe „Weltlese. Lesereisen ins Unbekannte“. Sein bekanntestes Buch „Der Weltensammler“ wurde 2006 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Am 25. November 2018 wird ihm im Rahmen der Europäischen Literaturtage der „Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln“ überreicht. Der Preis wird vom HVB gemeinsam mit der WKO gestiftet. Herr Trojanow, Sie sind ein in Wien lebender deutscher Autor mit Bulgarisch als Muttersprache, in Kenia aufgewachsen und waren lange Zeit in Indien … Welche Welten haben Sie als Schriftsteller am meisten beeinflusst?
Ilija Trojanow: — Es ist für mich unmöglich, bulgarische oder afrikanische Einflüsse voneinander zu trennen. Wenn meiner Literatur märchenhafte, fabulierende, sogenannte balkanische Elemente attestiert werden, muss ich sofort hinzufügen, dass die Dominanz des mündlichen Erzählens in Afrika noch viel präsenter ist. Es könnte auch von meinem Aufwachsen in Kenia herrühren. Etwas anderes ist ohnehin viel wichtiger. Ich schrieb darüber in meinem letzten Buch „Nach der Flucht“. Du lebst im Flüchtlingscamp mit extrem konstruierten und erstarrten Vorstellungen deiner Heimat. Müsste ich bulgarische Einflüsse herausdestillieren, w ären da familieninterne Wahrnehmungen zu nennen, die sich im Ghetto der Flüchtlingsfamilie erhalten haben, aber nicht mehr weiterentwickeln konnten. Diese Dinge bleiben konstant, weil es keine Auseinandersetzungen mit dem kulturellen Umfeld mehr gibt. Können Sie trotzdem einige familiäre Wegmarken nennen, die für Sie wichtig waren? Trojanow: — Da ist etwa mein Opa, der in Sofia Operndirektor war. Ich habe von meiner Mutter unzählige Operngeschichten gehört. Das wäre ein weiterer Einfluss. Ein wichtiges Moment ist der Sprachwechsel. Weil ich schon als Kind gern gelesen habe, führte das dazu, dass ich meinen sprachlichen Rückstand beim Wechsel aus der Muttersprache durch Lesen aufholen und überwinden wollte. Ich habe sehr früh relativ viel englische Literatur gelesen – die Bibliothek im Internat in Kenia war sehr reichhaltig. Es gab die gesamte englische Klassik in Ausgaben für Kinder. Existiert so etwas im deutschsprachigen Raum? Als ich dann mit zwölf in Essen richtig Deutsch lernen musste, folgte die deutschsprachige Literatur: Dürrenmatt, Böll und dergleichen. Wann haben Sie gewusst, dass Sie Schriftsteller werden wollten. Und wann wussten Sie, dass Sie es tatsächlich sind? Trojanow: — Das sind zwei gänzlich verschiedene Fragen. Die erste kann ich klar beantworten, weil ich vor einigen Jahren
ein Tagebuch aus der Zeit meiner Pubertät wiederfand. Dort gab es den Eintrag: Lebensziele: Erstens pickellos werden. Zweitens einen Roman schreiben. Da war ich etwa fünfzehn. Sie haben damals in Kenia gelebt? Trojanow: — Ja. Ich schrieb Gedichte und las unglaublich viel. Ich habe alle Bücher, die ich las, notiert. In einem Jahr kam ich auf fast dreihundert. Ich habe Bücher gefressen. Die Frage, ab wann man sich als Schriftsteller versteht, ist erheblich schwieriger zu beantworten. Für mich stand es mit dem „Weltensammler“ fest, weil ich erst da das Gefühl hatte, dass ich durch den enormen internationalen Erfolg des Buches eine Stimme habe, die relevant ist. Es ist egal, ob man sich dabei täuscht oder nicht, aber das war meine Wahrnehmung. Man muss als Künstler auch ehrlich sein und zugeben, dass man durch Erfolg beeinflussbar ist. Damit meine ich nicht den materiellen Erfolg, obwohl das Gefühl, dass ich mich von meiner Arbeit auch ernähren kann, wichtig ist. Wie war das bei den zehn Büchern d avor? Trojanow: — Ich habe mich mit Journalistik ernährt. Insofern wäre die ehrlichere Antwort damals gewesen, ich bin Journalist, oder Publizist, der nebenbei schreibt. Sie erzählten in einem Interview, Ihre Mutter sei erst beim letzten Buch zufrieden gewesen. Bis dahin habe sie immer gemeckert. Trojanow: — Sie war tatsächlich erst bei „Nach der Flucht“ richtig begeistert und erstaunt, dass ich als Kind bei unserer Flucht schon so viel mitbekommen habe. Viel im Buch ist durch Erkenntnisse inspiriert, die ich damals gemacht habe. Das Buch hat mehr emotionale Reaktionen als jedes andere meiner Bücher hervorgerufen. Warum sind Sie eigentlich emigriert? Trojanow: — Erstens – wir sind geflohen. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Ich sage das, weil der Unterschied den meis» ten Menschen im momentanen
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ILIJA TROJANOW ERHÄLT HEUER DEN „EHRENPREIS DES ÖSTERREICHISCHEN BUCHHANDELS FÜR TOLERANZ IN DENKEN UND HANDELN“. WIR SPRACHEN MIT IHM DARÜBER EBENSO WIE ÜBER SEINE SICHT AUF BULGARIEN UND DIE WELT VON FLÜCHTLINGEN
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„Wenn der Chef des Deutschen Fußballbundes sagt, man müsse sich zu seiner neuen Heimat bekennen, stellt sich in mir alles auf“ Ilija Trojanow
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Diskurs über Flucht unklar ist. Ich bin immer wieder erstaunt, dass selbst gebildete Menschen nicht kapieren, welch schwerwiegende Entscheidung es ist, aus einem Land zu fliehen. Oft wirkt es so, als würde jemand einen Ausflug ins ökonomische Paradies machen. Das ist ein enormes Unverständnis gegenüber dem existenziellen Druck, der einer Flucht vorausgeht. In meinem Fall bedurfte es des großen Mutes meiner Eltern, mit einem sechsjährigen Kind aufzubrechen. Wir waren im Flüchtlingslager in der Nähe von Triest die einzigen Flüchtlinge mit KIeinkind.
anderen existieren. Mit globaler Solidarität ist es nicht weit her. Welche Situation ist das, in der es in den USA mehr Ärzte aus Malawi gibt als in Malawi selbst?
Wir haben das schöne Wort „Fluchtursachen bekämpfung“ … Trojanow: — Wir können in diesem neoliberalen Kapitalismus die Fluchtursachen gar nicht bekämpfen. Ich beschreibe das im neuen Buch „Hilfe? Hilfe!“ anhand von Sierra Leone. Du siehst dort alle Formen der Ausbeutung von Rohstoffen und Land-Grabbing bei gleichzeitig nicht vorhandener Gesundheitsversorgung, Stichwort Ebola. Angesichts solcher Rahmenbedingungen kann von nachWaren es politische Motive? Trojanow: — Es ging um das Gefühl des haltiger Fluchtursachenbekämpfung gar keine Unterdrücktseins und der Unfreiheit. Rede sein. Wir stellen uns die grundlegenden Flüchtlinge am Mittelmeer sind heute einer viel größeren Gefahr ausgesetzt, aber auch damals wäre bei Misslingen der Flucht ein ruiniertes Leben die Folge gewesen: mit Haftstrafe, Berufsverbot oder Verbannung innerhalb des Landes. Mein Vater ist ein typischer Individualist. Ich glaube nicht, dass die Entscheidung zur Flucht aufgrund einer politischen Analyse Bulgariens erfolgte. Es ging vielmehr um persönliche Unerträglichkeit. Mein Vater hatte in der Schule Deutsch gelernt und die Vorstellung, die deutsche Gesellschaft sei die perfekte. Ihre Familie kam zu einem günstigen Zeit punkt in den Westen … Trojanow: — Ja. Mein Vater bekam als Ingenieur Angebote von drei deutschen Firmen, als wir noch im Auffanglager Zirndorf bei Nürnberg waren. Seine Ausbildung in Sofia war sehr profund gewesen. 1971 wurden solche Personen mit Handkuss genommen. Das führt mich zum Braindrain, der in den Diskussionen über die Flüchtlingsfrage mittlerweile ignoriert wird: der Verlust an „Gehirnen“ in den jeweiligen Ländern. Warum, glauben Sie, wird diese Diskussion derart irrational geführt, und warum wird sie den Populisten überlassen? Die gesamte Diskussion über die Flüchtlingsfrage wird auf egoistische Interessen reduziert: Was unserer Gesellschaft guttut, ist okay. So argumentieren auch viele, die in der Flüchtlingsfrage engagiert sind. Die Wirtschaft braucht qualifizierte Arbeitskräfte, andernfalls kollabiert das Pensionssystem und dergleichen. Bei diesen utilitaristischen Argumenten zum eigenen Wohl bleiben Fragen der globalen Verantwortung immer ausgespart. Obwohl tausendfach dargelegt wurde, dass wir in unserem System der imperialistischen Lebensweise auf Kosten der
Hat das, was Sie hier sagen, mit Ihren Erfah rungen in Indien und Afrika zu tun? Trojanow: — Ganz platt gesagt: Jeder Mensch würde sich verändern, wenn er ein halbes Jahr im Südsudan verbringt. Die mangelnde persönliche Erfahrung ist nicht kompensierbar – nur wenn du es selbst erlebt hast, hast du auch einen anderen Blick, von einer anderen Sensibilität ganz abgesehen. Außerdem lernst du, nicht voreilig zu urteilen. Es gibt viele Formen der Welterklärung und des Umganges miteinander. So wird es zunehmend schwer, zu sagen, was richtig ist … Trojanow: — Für mich ist Bombay das beste Beispiel: Wenn du dem Leben dort täglich ausgesetzt bist, musst du dich den
„Was unserer Gesellschaft guttut, ist okay. So argumentieren auch viele, die in der Flüchtlingsfrage engagiert sind“ Ilija Trojanow
ragen nicht, auch weil sie äußerst kompliF ziert sind. Differenzierte Urteile wären notwendig, die dann zu radikalen Schlüssen führen müssten, was allerdings keine Seite wirklich will. Die einen wollen Nutznießer der Globalisierung sein und gleichzeitig irgendwie Menschlichkeit bewahren, indem sie ein paar Flüchtlinge aufnehmen. Die anderen sagen gleich, wir wollen Nutznießer sein, und wenn ihr aus Afrika kommt, habt ihr halt eine schlechte Karte gezogen.
relevanten Fragen stellen. Globales politisches Engagement ist bei uns überwiegend Luxus – und ich meine das nicht abfällig. Aber wenn du in Bombay bist — in meinem Fall waren es sechs Jahre –, hast du das Elend jeden Tag vor Augen. Bombay ist noch immer eine Stadt ohne Ghettoisierung. Neben dem Haus, in dem ich wohnte, befand sich ein Slum. Wenn du dem nicht entgehen kannst, musst du dir auch als Schriftsteller jeden Tag die wirklich
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Kramers Kinderstube Irmgard Kramer ichtigen Fragen stellen. Du bist aufgeforw dert, in Frage zu stellen, was du siehst. Das ist in einem Satz die Quintessenz dessen, was ich beim S chreiben versuche. Der ersten Wahrnehmung zu misstrauen, weil ich auf Grund der vielen Brüche, die ich schon als Kind erlebte, weiß, dass die individuelle Wahrnehmung oft extrem täuscht. In Deutschland gab es den Skandal um Mesut Özil. Dem türkischstämmigen Fußball-Millionär wurde vorgehalten, er sei nicht befugt, die soziale Integrationsleistung Deutschlands zu beurteilen … Trojanow: — Wer ist dazu berechtigt? Die CDU/CSU, die behauptet, Multikulti sei gescheitert? Das ist hanebüchen! Ich kann eine Reihe von Beispielen aus meinem Bekanntenkreis aufzählen und bin schließlich selbst ein Beispiel dafür, dass Multikulti nicht gescheitert ist. Wir sind hier bei einem entscheidenden Punkt, und diese Diskussion ist auch ein Grund, warum ich „Nach der Flucht“ geschrieben habe. Die Leute sagen zu mir: Du bist ja anders. Nein – bin ich nicht! Ich mag erfolgreicher sein als andere, aber wenn es um die Verteidigung multipler Identität geht, habe ich dieselben Schwierigkeiten, sie zu leben, zu behaupten und zu verteidigen.
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Was meinen Sie genau? Trojanow: — Wenn der Chef des Deutschen Fußballbundes sagt, man müsse sich zu seiner neuen Heimat bekennen, stellt sich in mir alles auf. Ich habe es schon oft gesagt: Der Flüchtling verteidigt sein Recht anzulanden, ohne sich dazu zu bekennen. Wo steht es, dass ich mich zu einem Land bekennen muss? Solange ich niemandem wehtue, lasst mich in Ruhe! Das Beispiel Özil ist ein Missverständnis, dem ich auch immer wieder begegnet bin. Selbst Leute, die mich kennen, begreifen das nicht und fragen mich immer wieder, warum kannst du so gut Deutsch? Ich habe ein Problem damit, wenn ich immer wieder gefragt werde, wo meine Wurzeln sind. Soeben ist Ihr neues Buch „Hilfe? Hilfe!“ erschienen. Eine Art Fortsetzung zu „Nach der Flucht?“ Trojanow: — Nein. Es sind genau recherchierte Reportagen aus Pakistan, Kenia, Sierra Leone, Mittelamerika und teilweise Europa. Ich versuche zu analysieren, wie das Konzept der Solidarität umgangen wird und ökonomisierte Hilfe überhandnimmt, die eigentlich keine ist. So ist es typisch für den neoliberalen Kapitalismus, dass in alle
Sphären des Lebens eingegriffen wird. Was früher Teilen war, ist heute Sharing Economy. Wohltätigkeit ist in Social Impact Bonds eingebunden. Die Privatisierung führt dazu, dass man großen Stiftungen das Recht gibt oder die Kompetenz zuschreibt, große Probleme zu lösen, ohne zu sehen, dass diese Stiftungen ganz eigene Partikularinteressen haben. Wenn die Bill-Gates-Stiftung die Gesundheitspolitik wesentlich beeinflusst und die WHO von ihr abhängig ist, bedeutet das, dass technokratische und durch und durch ökonomisierte Formen der Problemlösung dominieren. Andere Problemlösungen von unten bleiben dabei auf der Strecke. Sie sind aufgrund der Arbeitssituation des Vaters mehrfach zwischen Afrika und Deutschland gependelt. Was war eigentlich der größte Kulturschock in Ihrem Leben? Trojanow: — Ich habe meinen Vater, der in Kenia, im Irak und in Jordanien gearbeitet hat, ein Jahr lang nicht gesehen. Zuerst kam ich von München nach Kenia, dann zurück nach Essen, wieder nach Kenia und schließlich zum Studium nach München. Der größte Kulturschock war, als ich im letzten Jahr in Kenia verstand, dass ich eigentlich in einem Ghetto gelebt hatte und dringend daraus ausbrechen musste. Ich wollte mehr über das Land wissen, begann mit den Matatu, den Sammeltaxis, durchs Land zu fahren und Suaheli zu lernen. Dann kam ich zum Studium nach München – ein Fehler. Der falscheste Ort mit Massenbetrieb. Ich habe mich völlig fremd und einsam gefühlt. Weshalb Sie einen Verlag gegründet haben, um selbst übersetzte afrikanische Literatur herauszugeben … Trojanow: — Das Gefühl eines schmerzhaften Verlustes der Heimat habe ich nur mit Kenia. Für Bulgarien war ich noch zu klein. Das Gefühl, dass Bulgarien ein Teil von mir ist, hatte ich erst im Dezember 1989. Ich war damals aufgeregt und nervös. Doch als ich Bulgarien in der Übergangsphase genauer erlebte, war ich von aller Nostalgie sehr rasch geheilt. Das Erste, was mir auffiel: Die Menschen waren zu keinem kritischen Diskurs bereit. Jede Bemerkung wurde als persönlicher Angriff verstanden, und es hieß: „Du hast leicht reden, du kommst aus dem Westen und weiß gar nicht, wie es ist, wenn man hier lebt.“ Jeder, der nach Bulgarien zurückkam, hat das einmal gehört. Trotzdem haben Sie jahrelang an „Macht und Widerstand“ über den Überlebenskampf im bulgarischen Sozialismus gearbeitet. »
Jugendbuchautorin
Public Reading Was das Lesen eines Buchs in der U-Bahn auslösen kann Neuerdings sammle ich Fotos von Menschen, die öffentlich ein Buch lesen. Ein Foto habe ich schon. Darauf sieht man einen Jugendlichen in der U-Bahn: Goldkette, Sneakers, T-Shirt mit lautem Aufdruck, Red-Bull-Dose in der Jackentasche. Nicht gerade ein klassischer Leser, denke ich. Er ist völlig vertieft in ein dickes, schwarzes Taschenbuch, das aussieht, als habe er es aus dem Müll gezogen. Er bemerkt weder, dass ich ihn fotografiere, noch die ein- und aussteigenden Menschen. Auch nicht das Fahrrad, den Zwillingskinderwagen, die Amerikanerinnen, die telefonierenden Araber, die streitenden Jugendlichen. Das Buch absorbiert ihn. Er erlebt ein Abenteuer. Aber was für eins? Ich platze vor Neugier. Meinen Freunden schicke ich eine Nachricht, dass ich mich verspäten werde, weil ich den Ausstieg verpassen muss, weil ich mich notfalls diesem Leser zu Füßen werfen muss, um den Titel erkennen zu können. Dann wird es eng. Menschen drängen an ihm vorbei. Für einen Augenblick, nur um sie vorbeizulassen, schließt er das Buch, einen Zeigefinger zwischen die Buchseiten geklemmt, um sofort weiterlesen zu können, und ich erhasche einen Blick: „Die Stadt der besonderen Kinder“. Erleichtert steige ich aus. „Die Insel der besonderen Kinder“ fand ich schon ganz wunderbar. Es gibt also eine Fortsetzung. Ich gehe in den nächsten Laden, kaufe mir das Buch und sage meinen Termin ab.
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Trojanow: — Mir schien kein Thema wichtiger als die lähmend schweren Schatten, die über dem Land liegen – wobei sich die bulgarische Gesellschaft diesen Fragen kaum stellt. Das war die existenzielle Motivation für mein Buch. Ich traf Menschen, deren heroische Biografien nicht im Geringsten wahrgenommen wurden. Für mich war das nicht nachvollziehbar, weil diese Menschen die guten Seiten Bulgariens darstellen. Doch gerade sie werden marginalisiert, lächerlich gemacht und bekommen keine Chance.
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Sie sprechen von den Opfern in den Gefängnissen des kommunistischen Regimes? Trojanow: — Ich habe das Wort „Opfer“ absichtlich nicht benutzt, weil sie sich auch selber nicht so sehen. Sie sagen: Wir haben gegen das Regime gekämpft! Opfer sind jene, die morgens aufwachen und verhaftet werden, ohne zu wissen, warum. Ich spreche von jenen, die genau wussten, dass sie eines Tages verhaftet werden. Als ich begann, für das Buch zu recherchieren, führte ich unzählige Gespräche und studierte Akten. Es hat insgesamt zwanzig Jahre gedauert und viel davon war mir völlig klar. Dann gab es aber den Moment, an dem es spannend wurde – und genau diesen Moment kann Literatur vermitteln. Zum Beispiel spricht einer über sein Leben, er sagt aber nicht: „Scheiße, ich habe zehn Jahre im Gefängnis verloren“, sondern: „Das waren meine zehn besten Jahre, dort habe ich wirklich frei gelebt.“ Draußen hatten alle Angst vor dem Gefängnis, drinnen verstanden sich viele als frei, weil sie voller Würde und Stärke waren. Die meisten von ihnen wurden auch nicht gebrochen. Für mich war das eine Erkenntnis im wahrsten Sinn des Wortes! In unserer kleinbürgerlichen Vorstellung dominiert die Vorstellung des Gefängnisses als Katastrophe – dann kommen plötzlich diese Menschen und sagen: In diesem System gab es auch draußen keine Freiheit. Es gehört zur Aufgabe des Schriftstellers, Dinge zu erfahren und darzustellen, die äußerst komplex und widersprüchlich sind. Paradoxien sind das Fundament des menschlichen Lebens. Ein Paradox des Jahres 1989 ist auch der Umstand, dass nicht jene, die gegen das Regime kämpften, an die Macht kamen. Trojanow: — Natürlich haben sie das nicht! Wo im Ostblock wurde wirklich die Freiheit erkämpft? Aufgrund großer Figuren wie Vaclav Havel neigen wir zu diesem Eindruck. Es gibt aber namhafte Tschechen,
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die m einen, das Regime wurde gar nicht gestürzt. Im Fall von Bulgarien habe ich in „Die fingierte Revolution“ beschrieben, dass die Prozesse damals allesamt gelenkt waren. Eine große Tragik Bulgariens ist, dass es eigentlich keine Revolution gab. Sogleich kommt der Spießbürger und sagt: „Aber es wurde zumindest kein Blut vergossen!“ Dass es eine Katastrophe auf der kleinen Flamme des Friedens gibt, wird dabei ignoriert. Ich meine damit die Katastrophe der Gesundheitsversorgung, der zerrissenen Familien. In dreißig Jahren seit der letzten Volkszählung im Kommunismus ist das Land von 8,8 Millionen auf 6,6 Millionen Einwohner geschrumpft. Das ist doch wohl auch eine nationale Katastrophe! Es fällt mir schwer
„In dreißig Jahren seit der letzten Volkszählung ist Bulgarien von 8,8 Millionen auf 6,6 Millionen Einwohner geschrumpft“ Ilija Trojanow
überzeugt – ich selbst hingegen eher skeptisch, weil ich wusste, dass ich dem Lesenden viel zumute. Trotzdem muss man sagen, dass sich „Macht und Widerstand“ zwanzigtausend Mal verkauft hat. Das Problem der Großverlage ist heute, dass sie einen Titel wirklich „durchbringen“ müssen, ein mittlerer Erfolg reicht nicht. Die Ökonomisierung der literarischen Wahrnehmung ist auch eine äußerst problematische Sache.
Bücher von Ilija Trojanow Im Hanser Verlag: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“ (1996): Semiautobiografische Flüchtlingsgeschichte als Schelmenroman. „Zu den heiligen Quellen des Islam“ (2004): Vorbereitungen auf die Hadsch.
Zum Ausgleich gibt es Literaturpreise. Ihr erster Preis war ein Nebenpreis beim BachmannWettbewerb 1995 … Trojanow: — Da habe ich um eine Stimme gegen Franzobel verloren (lacht). Franzobel und ich saßen draußen, witzelten aufgeregt und beschlossen, das Ganze wie ein Sportereignis zu kommentieren. Er ging zwei zu null in Führung, dann kamen der Anschlusstreffer und der Ausgleich, Hoffnung flammte auf … Doch dann ging er in Führung – bei vier zu zwei war es aus.
„Der Weltensammler“ (2006): Drei Stationen (Indien, Arabien, Ostafrika) im Leben des Engländers Richard Burton „Angriff auf die Freiheit. Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte“ (2009, gemeinsam mit Juli Zeh). Ein Plädoyer gegen den transparenten Menschen. „EisTau“ (2011): Ein Mann, der Gletscher liebt, reist in die Antarktis. Im Residenz Verlag: „Der überflüssige Mensch“ (2013): Eine humanistische Streitschrift.
Welche Bedeutung haben Preise für Sie? Trojanow: — Das hängt vom Preis ab. Über den slowenischen Vilenica-Preis, den ich kürzlich erhalten habe, war ich sehr beglückt, weil damit nur große europäische Schriftsteller ausgezeichnet wurden. In diese Tradition gestellt zu werden, ehrt. Ein wenig anders verhält es sich mit dem HeinrichBöll-Preis, der mich auch beglückt hat. Ich mag nicht alles, was Böll schrieb, aber als Figur steht er mir nah.
Im S. Fischer Verlag: „Macht und Widerstand“ (2015): Ein halbes Jahrhundert bulgarische Geschichte als Roman. „Meine Olympiade. Ein Amateur, vier Jahre, 80 Disziplinen“ (2016): Trojanow beim Training für alle achtzig OlympiaSommer-Einzeldisziplinen. „Nach der Flucht“ (2017): Erinnerungssplitter, Aphorismen und Gedanken zum Thema Flucht
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einzusehen, dass man diese Katastrophen erdulden musste, damit es in einem revolutionären Prozess kein Blutvergießen gibt. „Es schreibt keiner diesen Satz, der nicht unterschreibt“, heißt es bei Ingeborg Bachmann einmal. Für die Freiheit kämpfen, ohne Blut zu vergießen, ist nicht möglich? Trojanow: — Das hängt von der Situation ab. Hätte es 1989, als die Situation äußerst labil und unsicher war, organisierte Revolutionäre gegeben, hätte man das System mit geringem Blutvergießen stürzen können. Es gibt derartige Momente in der Geschichte. Die Bolschewiki kamen auch fast ohne Blutvergießen an die Macht, auch wenn später kontinuierliche Blutbäder folgten. Wie ist es, wenn „Macht und Widerstand“ keine vergleichbar große Resonanz erfährt wie der Bestseller „Der Weltensammler“? Trojanow: — Das war eher ein Problem für den Verlag. Er war von der Geschichte völlig
Heuer folgt noch der Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln … Trojanow: — Wenn, wie im Fall des Ehrenpreises, nicht ein bestimmtes Buch, sondern eine bestimmte Haltung ausgezeichnet wird, ist das schwer zuzuordnen. Ich habe ja ganz unterschiedliche Bücher geschrieben und stelle mir die Frage, inwiefern ich das wirklich repräsentiere. Handelt es sich um ein Missverständnis? Stehe ich für Toleranz? Das ist kein einfacher Preis. Ohne nachzudenken sagt jeder: gut. Denkt man darüber nach, wird es schwieriger. Toleranz ist auf jeden Fall nicht dasselbe wie Empathie und Solidarität – mehr sage ich dann bei der Preisverleihung. Es gibt also unterschiedliche Gründe für die Freud. Ich bin auch nicht sicher, ob das Preisgeld so relevant ist. Im Fall von Vilenica hätte ich mich auch über einen Euro gefreut. Die dreißigtausend Euro beim BöllPreis finanzieren mir ein Jahr Schreiben, das ist schon relevant. «
„Hilfe? Hilfe! Wege aus der globalen Krise“ (2018, mit Thomas Gebauer): Spenden oder nicht – das ist die Frage. Reportagen und Überlegungen zu Selbsthilfe und Superreichen.
Verleihung des Ehrenpreises für Toleranz in Denken und Handeln Literarisch-musikalische Matinee Ort: Europäische Literaturtage, Schloss zu Spitz (Spitz an der Donau) Termin: 25. November 2018, 11 Uhr
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– Terminspiegel –
Veranstaltungen Oktober 2018 Bernhard Herrman und Robert Streibel: Der Wein des Vergessens (Thalia Buchhandlung 1060, Mariahilfer Straße 99, 1060 Wien, 14:30)
DO 27. 9. StadtLesen Klagenfurt: Daniel Wisser: „Königin der Berge“ (Neuer Platz Klagen furt, 18:00) Tamar Tandaschwili: Löwenzahn wirbelsturm in Orange (Literaturhaus Salzburg, 18:00)
MO 1. 10. Gedächtnismomente der Literatur: Bernhard C. Bünker (Alte Schmiede – Literarisches Quartier, Wien, 18:00) Erika Pluhar „Anna. Eine Kindheit“ (Literaturhaus Graz, 18:00) DI 2. 10. Mareike Fallwickl: Dunkelgrün fast schwarz (Steiermärkische Landes bibliothek, Graz, 19:00) Lou Lorenz-Dittlbacher: „Der Preis der Macht“ (Thalia Buchhandlung 1030, Wien, 19:00) MI 3. 10. Peter Henisch „Siebeneinhalb Leben“ (Literaturhaus Graz, Elisabethstraße 30, 8010 Graz, 18:00)
Hier trifft man den literarischen Nachwuchs: Lesung Shortlist Debüt des Österreichischen Buchpreises – am 18. 10. in der AK Bibliothek in Wien
FR 19. 10. Niki Glattauer: Ende der Kreidezeit (Stadtbücherei Leonding, 18:30) 17. Steyrer Literaturherbst (Stadtbüche rei Steyr, 18:30) Verleihung & Lesung des Österreichischen Krimipreises (Haymon Buch handlung, Innsbruck, 18:30)
Bei den mitSprache-Aktionstagen der österreichischen Häuser der Literatur wird den ganzen Oktober gefragt: „Was kann Literatur?“
FR 5. 10. Literaturwettberb Wartholz 2018: Stadt & Land – Miteinand (5. und 6. 10.: Schloss Wartholz, Reichenau an der Rax, 19:00) Eröffnung Blätterwirbel 2018: Karin Bergmann Porträt: Josef Winkler, Mo deration: Katja Gasser (Landestheater Niederösterreich, St. Pölten, 19:00)
FR 12. 10. Elsa Prochazka. Eine Wiener Architek tin. (Wien Museum, Wien, 9:00)
DI 9. 10. Porträt: Ilija Trojanow, Moderation: Sigrid Löffler (Landestheater Niederös terreich, St. Pölten, 19:00) Peter Henisch „Siebeneinhalb Leben“ (Oberösterreichisches Literaturhaus, Linz, 19:00)
SO 14. 10. Erich Weidinger: „Grüße Gustav – Gustav Klimt – Persönliche Momente“ (Gesundheitszentrum Kammer, Schörf ling am Attersee, 9:00)
DO 11. 10. Bücherbus am Rathausplatz (Rathaus platz, St. Pölten, 9:00) Raimund Löw, Kerstin Witt-Löw: Weltmacht China (Thalia Buchhandlung 1060, Wien, 9:00)
SA 13. 10. Verleihung des Jugend-Krimipreises und Lesung der Preisträgerin oder des Preisträgers: (Treibhaus, Innsbruck, 9:00)
MO 15. 10. Rainer Nikowitz, Thomas Raab, Rainer Wittkamp und Matthias Wittekind (Tyrolia Buch, Innsbruck, 13:00) MI 17. 10. Veza Canetti-Preisverleihung an Petra Ganglbauer (Musa, Wien, 14:30)
MO 22. 10. Quo vadis, Literatur? (Alte Schmiede – Literarisches Quartier, Wien, 19:00) Raimund Löw, Kerstin Witt-Löw: Welt macht China (Bruno Kreisky Forum für Int. Dialog, Wien, 19:00) DI 23. 10. mitSprache-Aktionstage: Was kann Literatur? (Literaturhaus Wien, 17:00) Verlagsabend: Droschl Verlag (Stadt museum St. Pölten, 17:00) Georg Psota, Michael Horowitz: Angst. Erkennen – Verstehen – Überwinden (Buchhandlung Kuppitsch, Wien, 17:00) Herzstücke (1 und 2): Melinda Nadj Abonji „Tauben fliegen auf“/Heinrich Steinfest „Die Büglerin“ (Literaturhaus Graz, 17:00) MI 24. 10. Erika Pluhar „Anna. Eine Kindheit“ (Buchhandlung Stöger, Wien, 17:00) MO 29. 10. Literatur als Zeit-Schrift XXVI: Graphic Novel/Haben und Sein (Alte Schmiede – Literarisches Quartier, Wien, 19:00)
Senden Sie Ihre Terminvorschläge an redaktion@hvb.at
FOTOS: BELLE & SASS, ARCHIV
SA 29. 9. Josef Hader liest Thomas Bernhard (Café Schopenhauer, Wien, 11:00)
DO 18. 10. Österreichischer Buchpreis - Lesung Shortlist Debüt (Bibliothek der AK Wien, Anmeldungen unter bibliothek@akwien.at, 19:00) Erich Hackl: Am Seil – Eine Helden geschichte (Cinema Paradiso, St. Pölten, 9:00)
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– Klassiker – neu entdeckt
Ich liebe den Boden unter seinen
»Wenn du so redest, erzähle ich dir nichts mehr.« Grollend stand sie auf. »Ich habe den Antrag angenommen. Jetzt sage mir noch schnell, ob es falsch war.« »Sie haben ihn angenommen! Wozu dann noch darüber reden? Sie haben Ihr Wort gegeben und können nicht mehr zurück.« »Aber du sollst mir sagen, ob es richtig war, sage es endlich!« Sie krampfte die Hände zusammen und zog die Stirn in scharfe Furchen. »Da muß man sehr viele Dinge berücksichtigen. Vor allem, lieben Sie denn Mr. Edgar?« »Wer nicht? Natürlich!« Dann begann ich mit ihr das folgende Verhör, und für ein Mädchen von zweiundzwanzig Jahren machte ich meine Sache vielleicht ganz verständig. »Warum lieben Sie ihn, Miß Cathy?« »Unsinn, darüber nachzudenken, es ist so, und das genügt.« »Durchaus nicht. Sie müssen sagen können, warum.« »Also, weil er hübsch ist, und weil man gern mit ihm zusammen ist.« »Schlechte Begründung.« »Und weil er jung und heiter ist.« »Auch noch nicht gut.« »Und weil er mich liebt.« »Hat nichts mit Ihrer eigenen Liebe zu tun.« »Und er wird reich sein, und ich werde
Füßen EMILY BRONTË: STURMHÖHE WUTHERING HEIGHTS (1847) »Nelly, willst du ein Geheimnis bewahren?« Sie kniete bei mir nieder und sah mir mitten ins Gesicht, mit einem so hinreißenden Blick, daß er den schärfsten und berechtigtsten Zorn verscheuchen mußte. »Ist das Geheimnis wert, daß man es für sich behält?« fragte ich, weniger schroff. »Ja, und es peinigt mich, und ich muß mir Luft machen. Ich möchte wissen, was ich tun soll. Heute hat Edgar Linton mich gefragt, ob ich ihn heiraten wolle. Ich habe ihm eine Antwort gegeben. Aber ehe ich dir verrate, ob es eine Zustimmung oder eine Ablehnung war, sollst du mir sagen, welches von beiden es hätte sein sollen.« »Miß Catherine, wie kann ich das entscheiden? Wenn ich an Ihr Verhalten, heute nachmittag, in seiner Gegenwart, denke, müßte ich es für viel besser erachten, ihn abzuweisen. Da er Sie danach noch um Ihre Hand gebeten hat, ist er entweder hoffnungslos dumm oder ein närrischer Held.«
WESHALB WIR DAS LESEN SOLLEN. ANLEITUNG VON ERICH KLEIN. Es war ein einziges Buch, das Emily Brontë (1818–1848) berühmt machte: „Wuthering Heights“, zu Deutsch „Sturmhöhe“. Die Autorin wurde als Mystikerin obskurer Leidenschaften und Hohepriesterin von Intrige und Inzest bezeichnet, als Romantikerin der Amoralität. Der Lebensweg der Pfarrerstochter im Viktorianischen Zeitalter aus dem nordenglischen Yorkshire enthält kaum Spektakuläres. Der Besuch einer Internatsschule zeichnete den Weg zur Gouvernante oder Lehrerin vor. Ein einjähriger Aufenthalt in Brüssel hinterließ keine merklichen Spuren in ihrer Biografie. Nach dem frühen Tod der Mutter ist die als ängstlich und gehemmt geltende
Emily Brontë für die Finanzgebarung der Familie zuständig: Das Erbe einer Tante wird in Eisenbahnaktien angelegt. Außer einigen Schulaufsätzen, wenigen Briefen und den gemeinsam mit ihren schriftstellernden Schwestern Charlotte und Anne veröffentlichten Gedichten ist nur der Roman „Sturmhöhe“ erhalten. Veröffentlicht wurde er 1847, ein Jahr vor Brontës frühem Tod an vererbter Schwindsucht. Wie die Gedichte erschien er unter dem Pseudonym Ellis Bell. „Ich bin Heathcliff!“ lautet der vielfach zitierte und feministisch exzessiv interpretierte zentrale Satz des Buches. Gemeint ist damit ein Mann, gesagt wird er von Catherine Earnshaw, Tochter am Gutshof Wuthering Heights. Cathy erklärt damit ihre Entscheidung, den soziale höher gestellten Edgar Linton aus dem benachbarten Hause Thrushcross Grange
die angesehenste Frau weit und breit werden, und ich werde stolz darauf sein, einen solchen Mann zu haben.« »Ganz schlecht. Jetzt erklären Sie mir, wie Sie ihn lieben?« »Wie jeder liebt. – Du bist albern, Nelly.« »Nein, nein. Antworten Sie mir.« »Ich liebe den Boden unter seinen Füßen und die Luft über seinem Kopf und alles, was er anfaßt, und jedes Wort, das er spricht. Ich liebe alles, was er sieht, und alles, was er tut, und ich liebe ihn ganz und gar. Jetzt weißt du es!« »Und nun: warum?« »Aber nein, du machst dich lustig. Das ist boshaft von dir. Für mich ist es kein Spaß!« Sie wandte ihr Gesicht zum Feuer. »Ich bin weit davon entfernt, Sie zu verspotten, Miß Catherine. Sie lieben Mr. Edgar, weil er schön und jung und heiter und reich ist, und weil er Sie liebt. Dieses letzte gilt nicht; Sie würden ihn auch ohne dies lieben und würden ihn andrerseits nicht lieben, wenn er die vier ersten Vorzüge nicht besäße.«
Emily Brontë: Sturmhöhe/Wuthering Heights (1847) Aus dem Englischen von Alfred Wolfenstein (1941/1950) Hanser Verlag, 2016
zu ehelichen, und nicht den Halbbruder Heathcliff, dem ihre wahre Leidenschaft gilt. Dessen Herkunft als Findelkind aus Liverpool ist nicht nur obskur, im Lauf der Erzählung erweist er sich auch als Zentrum dunkler Mächte, des Bösen und des Unheils, das sich höchst verzwickt zwischen den Familien Earnshaw und Linton in drei Generationen entfaltet. Heathcliff übt Rache, zerstört mehrere Ehen, Intrige und Gewalt kommen lawinenartig über Wuthering Heights. Da wird geohrfeigt, verprügelt und gezüchtigt, da wird mit Bajonettpistolen gedroht und mit Messern geworfen. Kinder werden misshandelt, auch an Sterbeszenen besteht kein Mangel. Als sei es Serientrash avant la lettre, kulminiert die von der Haushälterin Nelly als große Oper erzählte Gruselgeschichte in Grabschändung und Geisterauftritten.
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– Kurz vor Schluss – Gastkommentar
Kunstbücher im globalen Vertrieb
zu finden. Eine der Voraussetzungen dafür ist Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit der Bücher, eine andere die Kooperation mit großen Museen, die renommierte Positionen in Ausstellungen zeigen und auch über die Mittel für aufwendige und weitreichende Marketingmaßnahmen verfügen, oder Galerien, die an internationalen Messen teilnehmen. Mit dem Städel Museum in Frankfurt am Main entsteht für das Herbstprogramm ein Katalog in zwei Sprachausgaben zu Victor Vasarely. Diese Publikation muss vor allem für Frankreich verfügbar gemacht werden, da auch das Centre Pompidou parallel zur deutschen Ausstellung diesen Künstler präsentieren wird. Aufbau und Erhalt eines internationalen Vertriebsnetzwerks bedeuten große finanzielle Investitionen. Die Kommunikation mit den Ansprechpartnern muss täglich gepflegt werden. Nur dann ist gewährleistet, dass die Vertriebspartner unsere Bücher auch wirklich vertreten und Einschätzungen darüber treffen können, etwa über die absetzbare Auflagenhöhe. Sie ist entscheidend: Denn sind die Bücher erst einmal in die jeweiligen Länder verschickt, auf Kommissionsbasis wohlgemerkt, werden sie nur in seltenen Fällen wieder zurückgeholt.
Silvia Jaklitsch Die Verlegerin Silvia Jaklitsch über die Programmgestaltung eines Kunstverlags auf dem globalen Kunstmarkt
I L L U S T R AT I O N : G E O R G F E I E R F E I L , F O T O : A L E X A N D E R C H I T S A Z A N
I
m Verlag für moderne Kunst sind bis heute rund 1.500 Werkverzeichnisse, Monografien, Künstlerbücher, Ausstellungskataloge sowie Themenund Theoriebände zur zeitgenössischen Kunst erschienen. In Zusammenarbeit mit KünstlerInnen, Museen oder Galerien sowie Stiftungen entstehen Bücher, die den internationalen Kunstdiskurs wie auch die Werke dokumentieren und kommentierend begleiten. In den Fokus stellen wir die Bezüge zwischen Kunst, Gesellschaft und kulturellen Phänomenen, die uns heute beschäftigen und ihren Ausdruck auch in Bereichen wie Design, Architektur, Theater, Film und Literatur finden. Der Verlag für moderne Kunst ist an keine große Verlagsgruppe angegliedert, wie es bei vielen anderen Kunstverlagen der Fall ist. Seine Eigenständigkeit ermöglicht große Freiheiten in der Auswahl der Neuerscheinungen, bedeutet aber auch, dass die
Entscheidung für oder gegen neue Titel sehr sorgfältig getroffen werden muss. Die Kunstwelt bedient heute einen globalen Markt. Es gibt zahlreiche Messen, die jährlich nicht mehr nur in den bekannten Kunstmetropolen stattfinden – vor allem Asien steht heute im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die Herausforderung ist also klar: Unsere Bücher müssen weltweit erhältlich sein. Das ist nur durch Kooperationen mit Vertriebsfirmen möglich, die auf den jeweiligen Märkten über die entsprechende Expertise verfügen, um die Absatzmöglichkeiten der Bücher einschätzen zu können. Diese Kooperationspartner müssen auch ein perfekt funktionierendes Buchhandelsnetzwerk haben und die Bücher über eigene VertreterInnen, Verlagsprospekte, eine Website und – besonders wichtig – über SocialMedia-Kanäle bewerben. Die Basis für einen funktionierenden internationalen Vertrieb sind Bücher, die das Potenzial haben, einen weltweiten Absatz
„Die Herausforderung ist klar: Unsere Bücher müssen weltweit erhältlich sein“
Silvia Jaklitsch, Verlegerin, Verlag für moderne Kunst
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Titelschutzmeldung Sichern Sie sich Ihre Buchtitel mit einer Titelschutzmeldung im anzeiger! Mit einer Titelschutzmeldung im anzeiger ist Ihr Buchtitel für sechs Monate bis zum Erscheinungsdatum geschützt. Ihre Titelschutzmeldung ist mit Ihrer Nennung nach kurzer Überprüfung über www.buecher.at abrufbar und erscheint in der d arauffolgenden Ausgabe des anzeigers. Titel melden können Sie über das Webformular auf www.buecher.at, Service –> Titelschutz oder per E-Mail an klinda@hvb.at Wussten Sie übrigens, dass die gleichzeitige Schaltung von mehreren Titelschutzmeldungen tariflich besonders attraktiv ist? Bis zu drei Titel pro Ausgabe kosten für Mitglieder im Hauptverband* nur € 80,– / sechs Titel € 110,– und bis zu zwölf Titel sogar nur € 210,–. Doris Klinda berät Sie gerne unter klinda@hvb.at, Tel. 01/512 15 35 DW 14. (*Nichtmitglieder zahlen das Doppelte, alle Preise zzgl. 5 % Werbeabgabe und 20 % MwSt.)
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Mareike Fallwickl Dunkelgrün fast schwarz Frankfurter Verlagsanstalt
Milena Michiko Flašar Herr Kato spielt Familie Verlag Klaus Wagenbach
Die Nominierten.
Shortlist Debüt
Arno Geiger Unter der Drachenwand Carl Hanser Verlag
Ljuba Arnautović Im Verborgenen Picus Verlag
Gerhard Jäger All die Nacht über uns Picus Verlag
Shortlist Debüt
Hanno Millesi Die vier Weltteile Edition Atelier
Margit Schreiner Kein Platz mehr Schöffling & Co.
Robert Seethaler Das Feld Hanser Berlin
Marie Gamillscheg Alles was glänzt Luchterhand Literaturverlag
Josef Winkler Laß dich heimgeigen, Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe Suhrkamp
Daniel Wisser Königin der Berge Jung und Jung
Shortlist Debüt
David Fuchs Bevor wir verschwinden Haymon Verlag
Heinrich Steinfest Die Büglerin Piper Verlag
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Hanna Sukare „Schwedenreiter“ „Der neue Roman der Wiener Autorin arbeitet sich an Goldeggs heikler NS-Historie ab. ‚Schwedenreiter‘ ist Prosa mit hohem Realitätsbezug.“ (Wolfgang Paterno, PROFIL) „Es ist ein starkes Buch, ein wichtiges, ein mutiges Buch. In ihrem zweiten Roman stürzt sich Hanna Sukare im wahrsten Sinne des Wortes auf das historische Faktum, dass Deserteure aus der Endphase der Nazi-Herrschaft hierzulande kaum jene Rehabilitation erfuhren, die sie verdient hätten.“ (Herbert Först, Buchmagazin) Roman, 172 S., geb., € 20,– (E-Book: € 15,99), ISBN 978-3-7013-1261-0
Christian Lorenz Müller „Ziegelbrennen“ „Mit dem Roman ‚Ziegelbrennen‘ ist dem Autor ein vorzüglicher Roman gelungen: Er verknüpft Familienschicksal und Politik, er macht das lange Nachschwelen von Gewalt deutlich, er verweist auf historische Besonderheiten und er öffnet den Blick auf damalige wie heutige Flüchtende.“ (Hedwig Kainberger, Salzburger Nachrichten) „Der Autor verfügt über eine Wortgewalt und ein Einfühlungsvermögen in die Protagonisten. Allein schon seine bildhafte, zuweilen fast poetische Sprache lohnt die Lektüre.“ (Aldo Fasel, Freiburger Nachrichten) Roman, 502 S., geb., € 25,– (E-Book: € 20,99), ISBN 978-3-7013-1262-7
Leopold Federmair „Tokyo Fragmente“ „Fremdheitsgefühle abbauen lassen sich nur mit einem in der ‚Weltwahrnehmung‘ geübten Autor wie Leopold Federmair, der seit vielen Jahren in Japan lebt und gerade in der Metropole Tokyo immer wieder Streifzüge unternimmt. Dieses Buch lässt sich aber vor allem als kritische Gesellschaftsanalyse lesen.“ (Helmut L. Müller, Salzburger Nachrichten) „Federmair ist kein Autor, der es auf der dichterischen Klaviatur lässig klimpern lässt. Er verfolgt die Erosionen der gesellschaftlichen Konventionen und der moralischen Gewissheiten der Gegenwart mit einer detektivischen und dichterischen Aufmerksamkeit, die Sherlock Holmes alle Ehre machen würde.“ (Wolfgang Paterno, Profil) 398 S., geb., € 24,– (E-Book: € 19,99), ISBN 978-3-7013-1264-1
Christine Haidegger „Nach dem Fest“ „Kalt und lieblos ist die Welt, in denen sich die in Sprachlosigkeit verlorenen Protagonisten in Haideggers Erzählungen nach Zuneigung sehnen; dazwischen bahnt sich die wahre Liebe ihren Weg durch das Buch. Mit dem Feingefühl der Lyrikerin, die Haidegger auch ist, formuliert sie ihre Prosa kunstvoll – und lässt dabei tief in menschliche Abgründe blicken.“ (Petra Suchanek, Kulturfenster) Erzählungen, 176 S., geb., € 20,– (E-Book: € 15,99), ISBN 978-3-7013-1263-4
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